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Zwischenbericht
zum Zweiten Kulturwirtschaftsbericht

I
|
Inhalt
Abkürzungsverzeichnis ................................................................................................... III
Vorwort .............................................................................................................................. V
Zusammenfassung ...........................................................................................................VI
Summary .........................................................................................................................VIII
Einleitung ....................................................................................................................... XIV
1.
Statistische Grundlagen und Begriffsklärung .................................................... 1
1.1.
Statistische Quellen und Bezugsgrößen ............................................................................................. 1
1.2.
Aktualisierungen und Vergleichbarkeit zum Kulturwirtschaftsbericht 2008 ........................................ 5
2.
Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und
Wirtschaftsfaktor .................................................................................................. 6
2.1.
Eckwerte: ökonomische Struktur und Entwicklungen im Überblick .................................................... 6
2.2.
Bruttowertschöpfung ......................................................................................................................... 13
2.3.
Stellenwert der Kultur- und Kreativwirtschaft im sächsischen Branchen- und im bundesweiten
Vergleich ........................................................................................................................................... 16
2.4.
Kultur- und Kreativwirtschaft in den sächsischen Kulturräumen, Landkreisen und kreisfreien
Städten .............................................................................................................................................. 19
2.5.
Frauen in der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft .................................................................. 24
2.6.
Sozioökonomische Merkmale der Erwerbstätigen der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft .. 31
3.
Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen ............................... 33
3.1.
Musikwirtschaft .................................................................................................................................. 38
3.2.
Buchmarkt ......................................................................................................................................... 42
3.3.
Kunstmarkt ........................................................................................................................................ 45
3.4.
Filmwirtschaft .................................................................................................................................... 48
3.5.
Rundfunkwirtschaft ............................................................................................................................ 51
3.6.
Markt für darstellende Künste ........................................................................................................... 54
3.7.
Designwirtschaft ................................................................................................................................ 57
3.8.
Architekturmarkt ................................................................................................................................ 60
3.9.
Pressemarkt ...................................................................................................................................... 63
3.10.
Werbemarkt ....................................................................................................................................... 66
3.11.
Software-/Games-Industrie ............................................................................................................... 69
3.12.
Kunsthandwerk ................................................................................................................................. 72
4.
Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für die KKwi ................................... 75
4.1.
Kommunale Ebene ............................................................................................................................ 76
4.2.
Freistaat Sachsen ............................................................................................................................. 79
4.3.
Bundesebene .................................................................................................................................... 88
4.4.
Ebene der Europäischen Union ........................................................................................................ 93
5.
Die sächsische KKwi im Kontext der Digitalisierung ...................................... 98
5.1.
Entwicklungstendenzen der Digitalisierung in der KKwi ................................................................... 99
5.2.
Förder- und Unterstützungsmaßnahmen im Kontext der Digitalisierung ........................................ 109
6.
Literatur- und Quellenverzeichnis ................................................................... 111

|
II
7.
Abbildungsverzeichnis .................................................................................... 117
8.
Tabellenverzeichnis ......................................................................................... 119
9.
Anhang .............................................................................................................. 122

Abkürzungsverzeichnis
III
|
Abkürzungsverzeichnis
BA
Bundesagentur für Arbeit
BAFA
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
BBS
Bürgschaftsbank Sachsen
BDA
Bund Deutscher Architekten
BKM
Beauftragten für Kultur und Medien
BMWi
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BMVI
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
bspw.
beispielsweise
BWS
Bruttowertschöpfung
COSME
Competitiveness of Enterprises and Small and Medium-sized Enterprises (Wettbewerbs-
fähigkeit von Unternehmen und für kleine- und mittlere Unternehmen)
DG Connect
Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der Kommission
DG EAC
Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission
DG GROW
Generaldirektion Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU
DG Regio
Generaldirektion Regionalpolitik und Stadtentwicklung
DG RTD
Generaldirektion Forschung und Innovation
EFRE
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
EH
Einzelhandel
ERP
Enterprise Resource Planning
ESF
Europäischer Sozialfonds
FuE
Forschung und Entwicklung
GB
geringfügig Beschäftigte
HWK
Handwerkskammern
IHK
Industrie- und Handelskammer
INTERREG
interregionale Zusammenarbeit bzw. europäische territoriale Zusammenarbeit
IKT
Informations- und Kommunikationstechnik
KdFS
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
KE
Kreatives Europa
KfW
Kreditanstalt für Wiederaufbau

Abkürzungsverzeichnis
|
IV
KKwi
Kultur- und Kreativwirtschaft
KMU
Kleine und mittelständische Unternehmen
KSK
Künstlersozialkasse
1. KWB
Erster Kulturwirtschaftsbericht für den Freistaat Sachsen
2. KWB
Zweiter Kulturwirtschaftsbericht für den Freistaat Sachsen
LK
Landkreis
MBG
Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft
MDM
Mitteldeutsche Medienförderung
MF
Mittelstandsförderprogramm
p.a.
per annum
rd.
rund
SAB
Sächsische Aufbaubank
SMS
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
SMUL
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
SMWK
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
SvB
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
Tsd.
Tausend
TUD
Technische Universität Dresden
u. a.
unter anderem
URS
Unternehmensregister-System
WFS
Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH
WMK
Wirtschaftsministerkonferenz der Länder
WZ
Wirtschaftszweige
WZ 2008
Gliederung der Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008

image
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Vorwort
V
|
Vorwort
Im Hinblick auf die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft als wachstumsstarke Zukunftsbranche im
Zeitalter der Digitalisierung und einer zunehmend wissensbasierten Ökonomie, hat sich die Staatsregierung
als ein zentrales Vorhaben im Arbeitsbereich der Kultur- und Kreativwirtschaft die Fortschreibung des ersten
sächsischen Kulturwirtschaftsberichtes von 2008 vorgenommen. Da dies in zweistufiger Form geschieht,
aktualisiert der vorliegende Zwischenbericht die Zahlen und Fakten und wirft ein Schlaglicht auf die Themen
Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft, Förderinstrumente und Digitalisierung. Dieser nun vom
Wirtschaftsministerium zusammen mit dem Kunstministerium vorgelegte erste Teil bildet die Grundlage für
eine inhaltliche, qualitative Interpretation, welche in einem zweiten Schritt eine Ableitung von
Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und Multiplikatoren im Bereich der Kultur- und
Kreativwirtschaft im Rahmen des Zweiten Kulturwirtschaftsberichtes ermöglichen soll.
Anhand der ermittelten Datengrundlage lässt sich feststellen, welchen quantitativen Beitrag die Kultur- und
Kreativbranche zur Wirtschaftsleistung in den urbanen und ländlichen Kulturräume leistet, wobei genauere
Erkenntnisse zur Situation geringfügig Beschäftigter sowie kleinerer Unternehmen ebenso erstmals
einbezogen wurden wie die Situation der Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Kultur- und
Kreativwirtschaft in Sachsen sehen wir als eine Branche mit hoher Innovationskraft, geprägt von Vielfalt
sowie
guten
Beschäftigungs-
und
Entwicklungspotenzialen.
Neben
den
bereits
bestehenden
Förderinstrumenten, war ein wichtiger Schritt zu ihrer Stärkung Mitte 2017, die Einrichtung und
Anschubfinanzierung durch Mittel des Freistaates Sachsen von „Kreatives Sachsen“ – dem Sächsischen
Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft – als zentrale Anlaufstelle für alle Akteure der Kultur- und
Kreativbranche.
So sehr die Kultur- und Kreativbranche in Sachsen unübersehbar auch weiterhin einem deutlichen
Wachstumstrend folgt, macht sich in ihr zugleich ein Wandel bemerkbar, der in starkem Maße von der
Digitalisierung beeinflusst wird. Degressiven Entwicklungen durch veränderte Mediennutzungsgewohnheiten
in den Bereichen Buchmarkt und Pressemarkt stehen andererseits Wachstumspotenziale durch digitale
Anwendungen in anderen Bereichen gegenüber.
Wir freuen uns, dass es gelungen ist, durch die vorliegende Bestandsaufnahme die Kultur- und
Kreativwirtschaft Sachsens unter wirtschafts- und arbeitsmarkpolitischen, aber auch kulturpolitischen
Gesichtspunkten auszuleuchten. Damit soll der Weg geebnet werden zur Erstellung des Zweiten
Kulturwirtschaftsberichtes, zur Weiterentwicklung der Branche und zur Erschließung kultur- und
kreativwirtschaftlicher Potentiale für andere Branchen.
Dr. Katrin Ihle
Thomas Früh
Leiterin der Abteilung Arbeit
Leiter der Abteilung Kunst
des Sächsischen Staatsministeriums
des Sächsischen Staatsministeriums
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
für Wissenschaft und Kunst

Zusammenfassung
|
VI
Zusammenfassung
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein bedeutender Arbeitgeber und eine starke Wirtschaftsbranche
in Sachsen.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft einschließlich des für Sachsen spezifischen Kunsthandwerks erwirtschaftet
im Jahr 2015 einen Umsatz von 3,35 Mrd. € und erzielt eine Bruttowertschöpfung von 1,7 Mrd. €. Sie trägt
2,6 % des gesamtwirtschaftlichen Umsatzes und 1,7 % der gesamten Bruttowertschöpfung im Freistaat
Sachsen bei. Darüber hinaus beschäftigt die Kultur- und Kreativwirtschaft rund 71.000 Menschen (das
entspricht 3,4 % aller Erwerbstätigen in Sachsen). Mit über 39.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
entspricht diese Anzahl annähernd den Beschäftigungszahlen im Maschinenbau und liegt noch vor der
Automobilindustrie in Sachsen.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft liegt auf Wachstumskurs.
Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft weist ein starkes Wachstum auf. Während der
Erste Kulturwirtschaftsbericht für das Jahr 2000 noch 7.266 Unternehmen zählte, ist die Anzahl auf 9.674 im
Jahr 2015 gestiegen. Ein ähnlicher Trend zeigt sich bei den Umsätzen und der Bruttowertschöpfung. Dieser
positiven Entwicklung folgt auch die Beschäftigung. Mit Wachstumsraten von 4,2 % p.a. übertrifft die
Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Kultur- und Kreativwirtschaft den
Beschäftigtenzuwachs in der sächsischen Gesamtwirtschaft (+1,4 % p.a.)
1
. Von diesem Wachstumstrend
profitieren alle Kulturräume Sachsens, jedoch in unterschiedlichem Maße. Eine besonders positive Dynamik
entwickelten die urbanen Kulturräume Chemnitz, Leipzig und Dresden.
Software-/Games-Industrie,
Pressemarkt,
Designwirtschaft
und
der
Werbemarkt
sind
die
ökonomischen Triebfedern der Kultur- und Kreativwirtschaft.
Gemessen an der Bruttowertschöpfung und dem Umsatz führen die Software-/Games-Industrie und der
Pressemarkt die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft an, gefolgt von der Designwirtschaft. Zentrale
Arbeitgeber sind die Teilmärkte Software/Games, Design und der Pressemarkt. Diese drei Teilmärkte
beschäftigen die Hälfte der Erwerbstätigen in Sachsens Kultur- und Kreativwirtschaft. Die größte Bedeutung
hat dabei die relativ junge Software-/Games-Industrie mit einem Anteil von 30 %. Sie erwirtschaftet
außerdem über ein Fünftel der Bruttowertschöpfung und treibt mit ihrer Wachstumsdynamik die
Gesamtentwicklung der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft an. Ergänzt wird dieses Spektrum durch
das historisch gewachsene Kunsthandwerk, das im Freistaat Sachen mit zur Kultur- und Kreativwirtschaft
gezählt wird und einen Anteil von nahezu 9 % an allen Erwerbstätigen der Kultur- und Kreativwirtschaft
ausmacht.
Die Wirtschaftskraft der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsens liegt an der Spitze der ostdeutschen
Flächenländer.
Im Jahr 2015 erzielt die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft ohne das landesspezifische Kunsthandwerk
einen Umsatz von 3,1 Mrd. €. Das entspricht einem Anteil von 2,4 % an der Gesamtwirtschaft des
Freistaates Sachsen. Unter den ostdeutschen Flächenländern liegt Sachsen damit an der Spitze, im
Bundesvergleich im Mittelfeld. Im Schnitt erwirtschaftet ein sächsisches Kultur- und Kreativunternehmen
einen Umsatz von rund 331.000 € im Jahr.
1
Zeitraum 2010-2015.

Zusammenfassung
VII
|
Es gibt ein hohes Beschäftigungspotenzial für Frauen in der sächsischen Kultur- und
Kreativwirtschaft.
Mit einem Beschäftigungsanteil von 46,6 % bei den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Jahr 2016
ist der Anteil der Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsens höher als auf Bundesebene. Die
meisten Frauen sind innerhalb der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft im Buchmarkt beschäftigt
(74,8 %), wohingegen der Anteil von Frauen in der beschäftigungsstarken Software-/Games-Industrie am
niedrigsten ausfällt (30,8 %). Die wachstumsstarken Teilmärkte bieten somit großes Potenzial, um mehr
Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen.
Das durchschnittliche Einkommen von Versicherten bei der Künstlersozialkasse ist zwischen Frauen und
Männern in Sachsen ungleich verteilt. Das durchschnittliche Einkommen von in der Künstlersozialkasse
versicherten Frauen beträgt in Sachsen 10.902 € und entspricht nur knapp 81 % des Einkommens der
Männer. Es liegt damit auch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt der Einkommen von Frauen in der
Kultur- und Kreativwirtschaft (13.621 €).
Die gegenwärtige Förderlandschaft unterstützt auf vielen Ebenen.
Die sächsischen Kommunen, der Freistaat Sachsen, der Bund und die Europäische Union bieten den
sächsischen Kultur- und Kreativschaffenden ein facettenreiches Unterstützungsangebot. Anfang 2017 ist
das Sächsische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft „Kreatives Sachsen“ ins Leben gerufen worden.
Diese zentrale Anlaufstelle stärkt die Kultur- und Kreativwirtschaft durch landesweite Beratungsangebote
und Vernetzungsaktivitäten. Sie unterstützt die Kreativen im Freistaat bei der Marktetablierung und
Weiterentwicklung ihrer Unternehmungen.
Die Kulturräume des Landes weisen unterschiedliche Marktschwerpunkte innerhalb der Kultur- und
Kreativwirtschaft auf.
In den Kulturräumen Sachsens lassen sich marktprägende Profile im Hinblick auf die Teilmärkte der Kultur-
und Kreativwirtschaft erkennen. Während der Kulturraum Vogtland-Zwickau z. B. als Zentrum der
Musikinstrumentenproduktion gilt, ist der Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen überregional als Standort für
das Kunsthandwerk, speziell für das Holzhandwerk, bekannt. Im Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge lässt sich das sächsische Zentrum der Uhren- und Porzellanherstellung verorten. In Leipzig
dominieren die Teilmärkte Design, Software/Games und der Werbemarkt. Ähnlich wie im Leipziger Raum ist
hier überdies der Buchmarkt prägend. In Dresden sind der Architekturmarkt und die Software-/Games-
Industrie überproportional vertreten. Weitere Spezialisierungsansätze zeigen sich in Chemnitz (Werbemarkt,
Software-/Games-Industrie) sowie im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien (Pressemarkt).
Gute Chancen für branchenübergreifende Innovationsprozesse in Verbindung mit den starken
Industriebranchen Sachsens durch die digitalen Kompetenzen der Kultur- und Kreativwirtschaft .
Die
Digitalisierung
durchdringt
alle
Wirtschaftsbereiche
und
verändert
Geschäftsmodelle,
Produktionsprozesse,
Arbeitsweisen
und
Organisationsstrukturen.
Die
sächsische
Kultur-
und
Kreativwirtschaft ist jedoch nicht nur Teil dieser Veränderungen, sondern gestaltet die voranschreitende
Digitalisierung mit. Über alle Teilmärkte hinweg ändern sich die Wertschöpfungsketten, die Ansprache von
Kunden wird direkter und interaktiver. Auf allen Hierarchieebenen werden neue Kompetenzen gefordert.
Kultur- und kreativwirtschaftliche Leistungen und Expertisen können bei der Entwicklung kundenorientierter,
digitaler
Geschäftsmodelle
wichtige
Impulse
auch
für
andere
sächsische
Branchen
geben.
Innovationspotentiale ergeben sich insbesondere in Verbindung mit den starken Industriebranchen im
Freistaat Sachsen wie beispielsweise der Automobilindustrie, dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der
Mikroelektronik.

Summary
|
VIII
Summary
The Cultural and Creative Industries of Saxony are an important employer and a powerful economic
sector.
The Saxon cultural and creative industries including Saxon handicrafts generate sales of €3.35 billion and a
gross value added of €1.7 billion in 2015. It thus contributed to 2,6 % of the overall economic turnover and
1.7 % of the total gross value added in the free-market. Additionally, with over 71,000 employed, or a share
of 3.4% of the total workforce in 2016, the sector of cultural and creative industries is an important employer
in the Free State of Saxony. Over 39,000 regular employees are paying social insurance (freelance and low-
wage workers not included) - these figures correspond roughly to those in mechanical engineering, and put
the cultural and creative industries ahead of the automotive industry. This underlines the importance of the
cultural and creative industries as an employer.
The Saxon Cultural and Creative Industries are growing.
The cultural and creative industries of the Free State of Saxony are marked by strong growth. Whilst the first
Culture Industry Report of 2000 counted 7,266 companies, the number has now increased to 9,674 in 2015.
A similar trend is evident in sales and gross value added and followed by employment. The increase of
regular employees paying social insurance (+4.9 % p.a.) exceeds the growth of those paying social security
in the economy as a whole (+1.4 % p.a.)
2
. Urban cultural regions, however, benefit diversely from this growth
trend: particularly dynamic developments can be seen for Chemnitz, Leipzig and Dresden.
Software/games industry, press market, design industry and the advertising market are the economic
drivers of the Cultural and Creative Industries.
The software/games industry and the press market are leading the Saxon cultural and creative industries in
terms of gross value added and turnover, followed by the design industry. The submarkets software/games,
design and advertising are central employers providing almost half of the working population in Saxony's
cultural and creative industries. Greatest significance is attributed to the relatively young software/games
industry with its share of 30 %. Furthermore, it generates more than one-fifth of the gross value added and
drives the overall development of the Saxon cultural and creative industries with its growth dynamics. This is
supplemented by the Saxony-specific characteristic of handicrafts, which has a share of nearly 9 % of all
employees of the cultural and creative industries, making it relevant to the economy.
In terms of significance, the Cultural and Creative Industries of Saxony are leading East German
States.
In 2015, the Saxon cultural and creative industries achieved a turnover of €3.1 billion without the state-
specific handicrafts. This corresponds to a share of 2.4 % of the total economy of the Free State of Saxony.
It puts Saxony at the top of rankings among the East German States and in the midfield compared at federal
level. On average, a Saxon cultural and creative company generates sales around €331,000 per year.
There is a high employment potential for women in the Saxon Cultural and Creative Industries.
With an employment rate of 46.6 % among the employees subject to social insurance contributions in 2016,
the share of women in the cultural and creative industries of Saxony is higher than at the federal level. Most
women employed within the Saxon cultural and creative industries are in the book market (74.8 %), while
their share in the software/games industry is lowest (30.8 %). The high-growth markets thus offer a great
2
From 2010 – 2015.

Summary
IX
|
potential for employing more women in the cultural and creative industries subject to social insurance
contributions.
The average income of insured persons at the artist's social fund is unequally distributed between
occupational groups as well as between men and women. The average income of women insured with the
Social Insurance Fund is €10,902. This corresponds to just under 81 % of men's income. It is also well below
the national average of income of women in the cultural and creative industries (€13,621).
The funding promotional landscape offers support on many levels.
The Saxon municipalities, the Free State of Saxony, the Federation, and the European Union offer the
cultural and creative industries multifaceted support options. The Saxon Centre for Cultural and Creative
Industries "Creative Saxony" was established at the beginning of 2017. As the central point of entry, it
strengthens the industry through nationwide consulting and networking activities. It supports creatives in the
market establishment and further development of their enterprises.
The cultural areas of the country display different market priorities within the Cultural and Creative
Industries.
In the cultural regions of Saxony, one can identify market-dominating profiles with regard to the submarkets.
Vogtland-Zwickau is the centre of musical instrument production, the Erzgebirge-Mittelsachsen cultural
region is well-known as a location for arts and crafts, in particular for woodworkers. The Saxon hub for
watchmaking and porcelain production is in the cultural area of Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.
The submarkets design, software/games, and advertising dominate in the city of Leipzig. Regarding the book
industry, it prevails both in the city of Leipzig as well as the Leipziger Raum. In Dresden, the architecture and
the software/games industries are disproportionately represented. Further specialization approaches are
shown in Chemnitz (advertising, software/games industry) as well as in the cultural area of Oberlausitz-
Niederschlesien (press market).
Digital competences in the Cultural and Creative Industries combined with the strong industrial
branches of Saxony provide for good opportunities in interdisciplinary innovation processes.
Digitisation penetrates all economic sectors and changes business models, production processes, working
methods and organizational structures. However, these changes do not just passively affect Saxony’s
cultural and creative industries, but rather actively involved in the ongoing digitisation process. The value-
added chains are changing across all submarkets, addressing customer needs becomes more direct and
interactive, and new competences are required at all levels of hierarchy. The experience of the cultural and
creative industries in dealing with digital business models and processes can be a key role in shaping the
digital transformation of the Saxon economy. The strong industrial sectors in the Free State of Saxony, such
as the automotive industry, machine and plant construction and microelectronics, can particularly benefit
from this.

Die sächsische Kultur- und
Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und
Wirtschaftsfaktor in 2015
Erwerbstätige, Umsatz und Bruttowertschöpfung absolut und relativ zur sächsischen
Gesamtwirtschaft
Beschäftigung im Vergleich mit
anderen Branchen in Sachsen
Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, 2016
Umsätze der Kultur- und
Kreativwirtschaft
Umsatz (Unternehmen über 17.500 € Jahresumsatz), 2015
Ohne Kunsthandwerk
Deutschland
152,2 Mrd. €
Mecklenburg-
Vorpommern
0,8 Mrd. €
Brandenburg
1,4 Mrd. €
Sachsen-Anhalt
0,9 Mrd. €
Thüringen
0,9 Mrd. €
Sachsen
3,1 Mrd. €
Beschäftigungsanteile von Frauen
Anteil der Frauen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in ausgewählten
Teilmärkten, 2016
Es gibt noch Potential, mehr Frauen in der
Kultur- und Kreativwirtschaft
sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen.
Frauenanteil in %
Kultur- und
Kreativwirtschaft
46,6
Buchmarkt
74,8
Software- / Games-Industrie
30,8
Musikwirtschaft
35,6
Gesamtwirtschaft
49,0
Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist ein
wettbewerbsfähiger Arbeitgeber.
Die Kultur- und Kreativwirtschaft Sachsens liegt an
der Spitze der ostdeutschen Flächenländer.
Kultur- und
Kreativwirtschaft
39.039
Maschinenbau
39.402
Automobilindustrie
37.023
Die Kultur- und
Kreativwirtschaft ist ein
bedeutender Arbeitgeber
und eine starke
Wirtschaftsbranche
in Sachsen.
Software- / Games-
Industrie, Pressemarkt,
Designwirtschaft und
der Werbemarkt sind
die ökonomischen
Triebfedern der Kultur-
und Kreativwirtschaft.
21 %
Software- /
Games-Industrie
19 %
Pressemarkt
9 %
Designwirtschaft /
Werbemarkt
Bruttowertschöpfung
1,74 Mrd. €
%
1,7
21 %
Pressemarkt
19 %
Software- /
Games-Industrie
9 %
Designwirtschaft /
Werbemarkt
3,35 Mrd. €
%
2,6
Umsatz
Erwerbstätige
70.924
%
3,4
23 %
Software- /
Games-Industrie
12 %
Designwirtschaft
11 %
Werbemarkt
Infografik

Kultur- und Kreativwirtschaft in den
sächsischen Kulturräumen
Darstellung der Marktschwerpunkte in den Kulturräumen anhand von Unternehmenszahlen
und sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
Entwicklung der sächsischen
Kultur- und Kreativwirtschaft
Durchschnittliche jährliche Wachstumsraten im Vergleich zur
Gesamtwirtschaft in Sachsen, 2010-2015
Die Kulturräume des Landes weisen
unterschiedliche Marktschwerpunkte
innerhalb der Kultur- und
Kreativwirtschaft auf.
Die Kultur- und
Kreativwirtschaft
liegt auf
Wachstumskurs.
Leipzig
Designwirtschaft
Software- /
Games-Industrie
Buchmarkt
Werbemarkt
Chemnitz
Software- / Games-Industrie
Werbemarkt
Dresden
Software- / Games-Industrie
Architekturmarkt
Oberlausitz –
Niederschlesien
Pressemarkt
Leipziger Raum
Buchmarkt
Meißen – Sächs. Schweiz – Osterzgebirge
Kunsthandwerk
(speziell Uhren- und Porzellanherstellung)
Erzgebirge – Mittelsachsen
Kunsthandwerk
(speziell Holzhandwerk)
Vogtland – Zwickau
Musikwirtschaft
(speziell Musikinstrumentenproduktion)
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Umsatz
+
%
3,4
+
%
3,1
Anzahl an Unternehmen über 17.500 € Jahresumsatz
+
1,7
%
+
0,3
%
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
+
4,2
%
+
1,4
%
Infografik

The Cultural and Creative Industries of
Saxony as employer and economic
factor in 2015
Employees, turnover and gross value added compared to the total economy of the Free
State of Saxony in absolute and relative terms
Employment compared to other
economic sectors in Saxony
Number of regular employees paying social insurance in 2016
Turnover of the Cultural and Creative
Industries
Turnover (companies with a turnover of more than €17,500) in 2015
excluding handicrafts
Germany
€152.2 bn
Mecklenburg-
Vorpommern
€0.8 bn
Brandenburg
€1.4 bn
Saxony-Anhalt
€0.9 bn
Thuringia
€0.9 bn
Saxony
€3.1bn
Employment rate of Women
Share of female regular employees paying social insurance in
selected submarkets in 2016
There is a high employment potential for women
in the Saxon Cultural and Creative Industries.
Percentage of total
Cultural and
Creative Industries
46.6
Book market
74.8
Software / games industry
30.8
Music industry
35.6
Total economy
49.0
The Cultural and Creative Industries of Saxony
are a competitive and viable employer.
In terms of significance, the Cultural and Creative
Industries of Saxony are leading East German States.
Cultural and
Creative Industries
39,039
Mechanical
engineering
39,402
Automotive
industry
37,023
The Cultural and
Creative Industries of
Saxony are an important
employer and a powerful
economic sector.
Software / games
industry, press market,
design industry and the
advertising market are
the economic drivers of
the Cultural and
Creative Industries.
21 %
Software /
games industry
19 %
Press market
9 %
Design industry /
Advertising market
Gross value added
€1.74 bn
%
1.7
21 %
Press market
19 %
Software /
games industry
9 %
Design industry /
Advertising market
€3.35 bn
%
2.6
Turnover
Total workforce
70,924
%
3.4
23 %
Software /
games industry
12 %
Design industry
11 %
Advertising market
infographic

Cultural and Creative Industries within
the cultural areas of Saxony
Market priorities of the cultural areas on the basis of company figures and regular
employees paying social insurance
Development of the Saxon Cultural
and Creative Industries
Annual average growth rates compared to the total economy of Saxony 2010-2015
The cultural areas of Saxony display
di erent market priorities within the
Cultural and Creative Industries.
The Saxon
Cultural and
Creative
Industries are
growing.
Leipzig
Design industry
Software /
games industry
Book market
Advertising market
Chemnitz
Software / games industry
Advertising market
Dresden
Software / games industry
Architecture market
Oberlausitz –
Niederschlesien
Press market
Leipziger Raum
Book market
Meißen – Sächs. Schweiz – Osterzgebirge
Handicraft
(in particular watchmaking and porcelain production)
Erzgebirge – Mittelsachsen
Handicraft
(in particular wood crafts)
Vogtland – Zwickau
Music industry
(in particular instrument production)
Cultural and Creative Industries
Total economy
Turnover
+
%
3.4
+
%
3.1
Number of companies with a
turnover of more than €17,500
+
1.7
%
+
0.3
%
Regular employees paying social insurance
+
4.2
%
+
1.4
%
infographic

Einleitung
|
XIV
Einleitung
Im Jahr 2008 hat der Erste Kulturwirtschaftsbericht (1. KWB) die Branche Kultur- und Kreativwirtschaft
(KKwi) erstmalig für den Freistaat Sachsen definiert und deren wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische
Bedeutung charakterisiert.
Der
vorliegende
Zwischenbericht
bildet
das
Kernstück
für
die
Fortschreibung
zum
Zweiten
Kulturwirtschaftsbericht (2. KWB). Für die Erstellung wurde die Prognos AG und das TRAWOS-Institut für
Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung der Hochschule Zittau/Görlitz vom Sächsischen
Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr beauftragt. Der Zwischenbericht gibt Auskunft über die
aktuelle Situation der KKwi, analysiert die Teilmärkte anhand statistischer Kennzahlen und stellt die
Entwicklung der ökonomischen Kennzahlen der KKwi im Zeitraum von 2010 bis 2016 dar. Im
Zwischenbericht werden die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der KKwi insgesamt und ihrer Teilmärkte im
Einzelnen beschrieben sowie aktuelle Herausforderungen und Potenziale identifiziert.
Aufbauend auf dieser Analyse werden in einem zweiten Schritt Handlungsfelder vertieft, um qualitative
Empfehlungen für Politik, Verwaltung und Multiplikatoren ableiten zu können. Entsprechend wird der 2. KWB
im Ergebnis neben dem quantitativen Kernstück weitere qualitative Aspekte differenziert darstellen und
strategische Impulse setzen.
Zur Beschreibung der KKwi erfolgt im vorliegenden Bericht die Definition der Branche nach elf Teilmärkten
und unter Einbeziehung des für Sachsen spezifischen Kunsthandwerkes als zwölften Teilmarkt sowie dem
Bereich „Sonstiges“. Für die Analyse wurden amtliche Statistiken, öffentlich zugängliche Publikationen und
Quellen sowie Datenbestände der Prognos AG ausgewertet.
Kapitel 1 definiert die statistischen Quellen und Bezugsgrößen und erörtert die Vergleichbarkeit zum 1. KWB.
Neu gegenüber dem ersten 1. KWB ist insbesondere die Analyse der Daten der Künstlersozialkasse (KSK),
der geringfügig Beschäftigten (GB) sowie die Betrachtung von Unternehmen mit einem durchschnittlichen
Jahresumsatz von weniger als 17.500 €.
Kapitel 2 gibt einen Überblick zu den ökonomischen Eckwerten und Entwicklungen der sächsischen KKwi
und zieht einen räumlichen, branchen- und länderübergreifenden Vergleich. Kapitel 2.5 widmet sich den
Frauen in der sächsischen KKwi und Kapitel 2.6. stellt die sozioökonomischen Merkmale der Erwerbstätigen
ausführlich dar.
In Kapitel 3 werden die zwölf sächsischen Teilmärkte im Einzelnen anhand von teilmarkspezifischen
Strukturen und Entwicklungen dargestellt. Es wird deutlich, dass nicht nur die Teilmärkte untereinander,
sondern auch die Wirtschaftszweige innerhalb der Teilmärkte heterogen sind.
Kapitel 4 betrachtet Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, die Kultur- und Kreativschaffenden offen
stehen. Neben einer Darstellung aktueller Förderprogramme auf kommunaler, Bundes und Europäischer
Ebene sowie im Freistaat Sachsen selbst, ist im Anhang auch eine Liste mit den Ansprechpartnern der im
Kapitel benannten sächsischen Institutionen enthalten.
Kapitel 5 setzt die KKwi in den Kontext der Digitalisierung und zeigt deren Chancen und Risiken auf. Es
werden Entwicklungstendenzen und Einflüsse auf Produktionsweisen, Verwertungsstrukturen und die
Wertschöpfung diskutiert. Diesbezüglich werden Förder- und Unterstützungsmaßnahmen des Freistaats
Sachsen einbezogen, um den digitalen Wandel zu begleiten.

Statistische Grundlagen und Begriffsklärung
1
|
Kulturwirtschaft
Kreativwirtschaft
1. Statistische Grundlagen und
Begriffsklärung
1.1. Statistische Quellen und Bezugsgrößen
Grundlage für die vorliegende Analyse ist die bundesweit abgestimmte und europaweit anschlussfähige
Definition der KKwi, welche im aktuellen Leitfaden zur Branche ihren Niederschlag findet.
3
Unter dem Begriff
KKwi werden diejenigen Kultur- und Kreativunternehmen erfasst, die überwiegend erwerbswirtschaftlich
orientiert sind und sich mit der Schaffung, Produktion, Verteilung und/oder medialen Verbreitung von
kulturellen/ kreativen Gütern und Dienstleistungen befassen. Der verbindende Kern jeder kultur- und
kreativwirtschaftlichen Aktivität ist der schöpferische Akt von künstlerischen, literarischen, kulturellen,
musischen,
architektonischen
oder
kreativen
Inhalten, Werken,
Produkten,
Produktionen
oder
Dienstleistungen. Alle schöpferischen Akte, gleichgültig ob als Unikat, Liveaufführung, serielle bzw. digitale
Produktion oder Dienstleistung, zählen dazu.
4
Ebenso können die schöpferischen Akte urheberrechtlich
geschützt oder frei sein. Auf Basis der Wirtschaftszweigklassifikation 2008 (WZ 2008) unterscheidet der
Definitionsbegriff die Branche in elf Teilmärkte, zuzüglich „Sonstige“. Zu diesen elf Teilmärkten gehören:
Musikwirtschaft
Buchmarkt
Kunstmarkt
Filmwirtschaft
Rundfunkwirtschaft
Markt für darstellende Künste
Designwirtschaft
Architekturmarkt
Pressemarkt
Werbemarkt
Software-/Games-Industrie
Es ist zu beachten, dass einzelne Wirtschaftszweige mehreren Teilmärkten zugeordnet sind (z. B.
Verankerung der selbstständigen Bühnen-, Film- und TV-Künstler
5
im Teilmarkt Filmwirtschaft sowie im
Markt für darstellende Künste), so dass ein Aufsummieren aller zwölf Teilmärkte plus Sonstiges nicht die
Summe der KKwi ergibt (Tabelle 20). Um diesem Effekt der Überzeichnung entgegenzuwirken, wurden die
Darstellungen zur gesamten KKwi um die Doppelzählungen (Überschneidung von Wirtschaftszweigen)
bereinigt.
Besonderheit des Kunsthandwerks
Eine besondere Bedeutung erlangt im Freistaat Sachsen das traditionell verankerte Kunsthandwerk. Um
diese Sonderstellung des Kunsthandwerks in Sachsen ausreichend zu berücksichtigen, wird es analog zum
1. KWB in die Betrachtungen zur KKwi in Sachsen einbezogen. Eine Ausnahme hiervon bilden die
Betrachtungen der KKwi im bundesweiten Vergleich (Kapitel 2.3).
Kunsthandwerk
(wird in Sachsen zur Kreativwirtschaft gezählt)
3
Arbeitskreis Kultur- und Kreativwirtschaft in der Wirtschaftsministerkonferenz (2016, a)
4
WMK Wirtschaftsministerkonferenz (2009)
5
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden das generische Maskulinum verwendet. Sämtliche Personenbezeichnungen
gelten selbstverständlich für alle Geschlechter.

Statistische Grundlagen und Begriffsklärung
|
2
Betrachtungszeitraum
Betrachtungszeitraum für den vorliegenden Bericht ist der Zeithorizont 2010 bis 2016. Die
Beschäftigungsdaten der Bundesagentur für Arbeit (BA) liegen gegenwärtig bis 2016 vor. Die Daten für die
Unternehmen und Umsätze aus der Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen) liegen hingegen nur bis 2015
vor. Daher beruhen diesbezügliche Werte für 2016 auf eigenen Schätzungen und auf vorläufigen amtlichen
Ergebnissen. Da zur Wahrung der Aktualität die statistischen Daten jeweils zum jüngsten Stand angeführt
werden, ist in einigen Fällen ein Wechsel zwischen den Beobachtungsjahren 2015 und 2016 nicht zu
vermeiden.
Besonderheit der Unternehmensdarstellungen
Im vorliegenden Bericht werden die Unternehmen der KKwi in zwei Größenklassen erfasst. Zur
Größenklasse 1 zählen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 €. Zur Größenklasse 2
zählen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 €. Die Unternehmensangaben der
Größenklasse 1 stammen aus der Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen), diejenigen der Größenklasse 2
aus der Umsatzsteuerstatistik (Veranlagungen).
Daten der Umsatzsteuerstatistik (Veranlagungen) liegen gegenwärtig bis zum Jahr 2012 vor, so dass die
Anzahl für die nachfolgenden Jahre geschätzt wurde. Basis für die Schätzung sind die vorhandenen Daten
der Jahre 2010 bis 2012 und die amtliche Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen) der Jahre 2010 bis 2015.
Auf Grundlage der vorhandenen Daten wurden durchschnittliche jährliche Wachstumsraten auf tiefster
wirtschaftlicher Gliederungsebene (z. B. Musikverlage) ermittelt. Die Werte für die Jahre 2013 bis 2016
wurden unter der Annahme gleichbleibender Wachstumsraten berechnet.
Zur Abbildung der Unternehmen auf regionaler Ebene (Landkreise, kreisfreie Städte, Kulturräume u. a. in
Kapitel 2.3 und Kapitel 3) wurde abweichend auf das Unternehmensregister-System (URS) des Statistischen
Landesamts des Freistaates Sachsen zurückgegriffen. Dieses erlaubt eine feinere regionale Erfassung der
KKwi. Die Anzahl der Unternehmen aus dem URS kann von der Unternehmensanzahl aus der
Umsatzsteuerstatistik abweichen. Bei den Unternehmensregisterdaten findet keine Differenzierung der
Unternehmen nach Jahresumsatz und damit auch nicht nach Größenklasse statt.
Bezugsgrößen und Quellen
Die im Zwischenbericht verwendeten Bezugsgrößen (Indikatoren) und statistischen Quellen sind
nachstehend erläutert:
Geringfügig Beschäftigte (GB)
Auf Basis der Beschäftigungsstatistik der BA, sind Personen in Arbeitsverhältnissen mit einem niedrigen
Lohn (geringfügig entlohnte Beschäftigte) oder mit einer kurzen Beschäftigungsdauer (kurzfristige
Beschäftigte) zur Gruppe der GB zu zählen. Entsprechend dieser Definition wird entweder das Arbeitsentgelt
von regelmäßig 450 € pro Monat oder die Zeitdauer von 50 Arbeitstagen pro Kalenderjahr nicht überschritten.
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB)
Im Sinne der Beschäftigungsstatistik der BA werden darunter Personen gefasst, die einer
sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen. Dazu gehören insbesondere auch Auszubildende,
Altersteilzeitbeschäftigte,
Praktikanten,
Werkstudenten
und
Personen,
die
aus
einem
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis zur Ableistung von gesetzlichen Dienstpflichten
(z. B. Wehrübung) einberufen werden. Nicht zu den SvB gehören Beamte, Selbstständige, im Betrieb
mithelfende Familienangehörige, Berufs- und Zeitsoldaten, sowie Wehr- und Zivildienstleistende.

Statistische Grundlagen und Begriffsklärung
3
|
Selbstständige und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 € (Größenklasse 1)
Dieser Indikator erfasst sowohl Selbstständige und Freiberufler als auch die Anzahl an Unternehmen am
jeweiligen Unternehmenshauptsitz, die eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausüben und
jährliche Umsätze von mindestens 17.500 € erzielen. Entsprechend werden sowohl Ein-Personen-
Unternehmen als auch klein- und mittelständische Unternehmen sowie Großunternehmen erfasst.
Die statistische
Basis
bildet
die Anzahl der
Steuerpflichtigen aus der Umsatzsteuerstatistik
(Voranmeldungen) des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen und des Statistischen
Bundesamtes.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die vollständige Bezeichnung des Indikators „Selbstständige
und Unternehmen“ verzichtet und – sofern nicht zum Verständnis anders erforderlich – nur von
„Unternehmen“ gesprochen.
Selbstständige und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 € (Größenklasse
2)
Dieser Indikator erfasst sowohl Selbstständige und Freiberufler als auch die Anzahl an Unternehmen am
jeweiligen Unternehmenshauptsitz, die eine gewerbliche oder berufliche Tätigkeit selbstständig ausüben und
jährliche Umsätze von weniger als 17.500 € erzielen. Im Hinblick auf die Höhe des Jahresumsatzes ist
davon auszugehen, dass es sich fast ausschließlich um Ein-Personen-Unternehmen, mithin um
Selbstständige und Freiberufler handelt. Die Angaben werden ermittelt, indem die Schnittmenge aller
Unternehmen
aus
der
Umsatzsteuerstatistik
(Veranlagungen)
und
der
Umsatzsteuerstatistik
(Voranmeldungen) gebildet wird. Aufgrund bestehender zeitlicher Differenzen bei Anwendung dieser
Methodik (Veröffentlichung der statistischen Daten nach ca. 12 Monaten bei Voranmeldungen bzw. nach ca.
42 Monaten bei Veranlagungen) und Schwankungen in der Zuordnung
6
von Unternehmen zur WZ 2008
kann die Angabe der Anzahl der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 € nur als
Orientierungsgröße interpretiert werden.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die vollständige Bezeichnung des Indikators „Selbstständige
und Unternehmen“ verzichtet und – sofern nicht zum Verständnis anders erforderlich – nur von
„Unternehmen“ gesprochen.
Erwerbstätige
Erwerbstätige umfassen Selbstständige und Unternehmer der Größenklassen 1 und 2, SvB und GB. Sofern
die GB und die Unternehmen der Größenklasse 2 nicht in den Bereich der Erwerbstätigen einbezogen
wurden, ist dies im vorliegenden Bericht gesondert gekennzeichnet.
Zur Ermittlung der Erwerbstätigenzahl werden Angaben aus der Beschäftigungsstatistik der BA und aus der
Umsatzsteuerstatistik des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen herangezogen. Diese
Zählweise berücksichtigt die unterschiedlichen Beschäftigungsverhältnisse, die nicht immer mit der
tatsächlichen Anzahl an Personen deckungsgleich sein müssen
7
. Die Zahl der Erwerbstätigen weicht
aufgrund der gewählten Methodik von der Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder
(volkswirtschaftliche Gesamtrechnung der Länder) ab.
6
z. B. Chormitglied, welches nebenbei als selbstständiger Musiker arbeitet und einmalig eine CD produziert, kann höhere Umsätze als
jährlich üblich erwirtschaften
7
Z. B. geht ein Musiklehrer, der nebenbei als selbstständiger Komponist arbeitet, doppelt in die Statistik ein.

Statistische Grundlagen und Begriffsklärung
|
4
Umsatz
Die im vorliegenden Bericht ausgewiesenen Umsätze beziehen sich auf die steuerbaren Umsätze aus
Lieferungen und Leistungen von Unternehmen der Größenklasse 1. Diese Angaben stammen aus der
Umsatzsteuerstatistik (Voranmeldungen) des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen und des
Statistischen Bundesamtes. Nicht erfasst sind darunter Umsätze der Unternehmen, die einen jährlichen
Umsatz unterhalb der Erfassungsgrenze von 17.500 € generieren.
Bruttowertschöpfung (BWS)
Die BWS gibt den durch den Produktionsprozess geschaffenen Mehrwert in einem bestimmten Zeitraum an
und ergibt sich aus dem Produktionswert abzüglich der Vorleistungen. „Unter Vorleistungen ist der Wert, der
von anderen Wirtschaftseinheiten bezogenen und im Produktionsprozess verbrauchten, verarbeiteten oder
umgewandelten Güter zu verstehen“
8
. Ausgehend von den Umsätzen und der inländischen
Vorleistungsnachfrage der KKwi lässt sich mittels Input-Output-Analyse die BWS bestimmen.
8
Brümmerhoff, D. (2007), S. 56

Statistische Grundlagen und Begriffsklärung
5
|
1.2. Aktualisierungen und Vergleichbarkeit zum
Kulturwirtschaftsbericht 2008
Die Ergebnisse des vorliegenden Zwischenberichtes sind nur bedingt anschlussfähig an den 1. KWB. Einem
direkten Vergleich der statistischen Werte stehen insbesondere entgegen:
Veränderung der Definition/Klassifikation der KKwi
Erst nach der Erstellung des 1. KWB für den Freistaat Sachsen wurde eine bundesweit gültige
Klassifizierung der KKwi durch die Wirtschaftsministerkonferenz der Länder (WMK) und die Initiative Kultur-
und Kreativwirtschaft des Bundes 2009 eingeführt
9
. Im Jahr 2016 hat diese Klassifikation eine Überarbeitung
erfahren, die im Leitfaden zur statistischen Erfassung der KKwi
10
dargelegt ist. Die aktuelle Definition kommt
im vorliegenden Zwischenbericht zur Anwendung. Diese statistische Abgrenzung lag dem 1. KWB noch nicht
zugrunde.
Veränderung in der WZ-Klassifikation
Im 1. KWB ist der Zeitraum von 2000 bis 2006 anhand statistischer Daten auf der Gliederung der
Klassifikation der Wirtschaftszweige von 2003 des Statistischen Bundesamts betrachtet worden. Im Zuge
der Harmonisierung an internationale WZ-Klassifikationen ist seit dem 1. Januar 2008 auf die aktuell gültige
WZ 2008 umgestellt worden, die teils erhebliche Verschiebungen in der Zuordnung von SvB, GB,
Selbstständigen und Unternehmen sowie Umsätzen nach sich zog.
Revisionen statistischer Daten
Eine weitere Niveauveränderung hat sich als Konsequenz aus den jüngsten Revisionen statistischer Daten
11
der Beschäftigungsstatistik und der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder ergeben (z. B.
Bruttowertschöpfung, Bruttoinlandsprodukt).
Anpassung des Kulturraumgesetzes
Gegenüber dem 1. KWB hat sich die Anzahl der Kulturräume infolge der Gesetzesänderung
12
im Jahr 2008
von elf auf acht Kulturräume geändert. Nunmehr werden die fünf ländlichen Kulturräume Vogtland-Zwickau,
Erzgebirge-Mittelsachsen, Leipziger Raum, Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Oberlausitz-
Niederschlesien sowie die drei urbanen Kulturräume Dresden, Chemnitz und Leipzig unterschieden.
Infolge der oben aufgeführten Punkte lassen sich die statistischen Bezugsgrößen des 1. KWB mit denen des
2. KWB nicht direkt vergleichen. Um dennoch Schlussfolgerungen aus den statistischen Kennzahlen ziehen
zu können, werden die Branchenentwicklungen und Strukturinformationen des 1. KWB an geeigneter Stelle
denjenigen des vorliegenden Zwischenberichts gegenübergestellt.
9
WMK Wirtschaftsministerkonferenz (2009)
10
Arbeitskreis Kultur- und Kreativwirtschaft in der Wirtschaftsministerkonferenz (2016, a)
11
Revision der Beschäftigungsstatistik 2014 (Statistik der Bundesagentur für Arbeit) sowie der Revision 2014 zur Bruttowertschöpfung
(BWS) nach Wirtschaftsbereichen sowie zur Höhe des regionalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung (VGR) für die Berichtsjahre 2000 bis 2014.
12
Sächsisches Kulturraumgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. August 2008 (SächsGVBl. S. 539), das zuletzt durch
Artikel 3 Absatz 6 des Gesetzes vom 13. Dezember 2016 (SächsGVBl. S. 652) geändert worden ist.

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
6
2. Die sächsische Kultur- und
Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und
Wirtschaftsfaktor
Die nachfolgenden Unterkapitel charakterisieren die KKwi als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor. Hierfür
werden in Kapitel 2.1 zunächst die ökonomische Struktur und die Entwicklungen der Branche im Überblick
dargestellt. Anschließend wird vertieft auf den Beitrag der KKwi insgesamt und der einzelnen Teilmärkte zur
BWS eingegangen (Kapitel 2.1). Die Einordung der ökonomischen Relevanz der sächsischen KKwi erfolgt
sowohl im Vergleich mit anderen sächsischen Industriebranchen als auch im Vergleich mit den anderen 15
Bundesländern und dem Bund (Kapitel 2.3). Darauffolgend werden die räumlichen Unterschiede anhand der
Besonderheiten der KKwi nach Kulturräumen, Landkreisen und kreisfreien Städte dargestellt (Kapitel 2.4).
Die Situation der Frauen in der KKwi im Freistaat Sachsen wird im Kapitel 2.5 näher beleuchtet. Ergänzend
werden weitere sozioökonomische Merkmale wie Alter und Einkommen der Erwerbstätigen der sächsischen
KKwi im Kapitel 2.6 vertieft.
2.1. Eckwerte: ökonomische Struktur und
Entwicklungen im Überblick
Die aktuellen Wirtschaftsdaten zeigen, dass die KKwi ein bedeutsamer Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor im
Freistaat Sachsen ist. Insgesamt sind in der Branche rund 71.000 Erwerbstätige im Jahr 2015 beschäftigt,
davon etwa die Hälfte (52 %) mit 37.000 in der Kulturwirtschaft (Tabelle 1). Das entspricht 3,4 % aller
Erwerbstätigen in Sachsen. Von den rund 71.000 Erwerbstätigen lässt sich etwa ein Drittel (ca. 23.700) den
Unternehmen mit weniger als 17.500 € Umsatz pro Jahr sowie den GB zuordnen.
Arbeitsplatzentwicklung
Die Zahl der SvB (+4,2 % p. a.) und der Unternehmen hat sich zwischen 2010 und 2015 außerordentlich
positiv entwickelt (Tabelle 1). Die Zahl der Unternehmen mit mehr als 17.500 € Umsatz pro Jahr hat einen
Anstieg um 1,7 % p. a. verzeichnet. Die Zahl der Unternehmen mit weniger als 17.500 € Umsatz pro Jahr
verzeichnet sogar einen Anstieg um 2,9 % p. a. Der Anteil der SvB an allen Erwerbstätigen hat sich
ebenfalls deutlich erhöht: von knapp 40 % auf 53 %. Insofern zeigt sich, dass die abhängige Beschäftigung
im Vergleich zu 2010 in der KKwi an Bedeutung gewonnen hat und einen höheren Zuwachs als die
sächsische Gesamtwirtschaft verzeichnet (Abbildung 1).

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
7
|
Abbildung 1:
Entwicklung der SvB in der KKwi im Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Sachsen 2010 bis 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der BA.
Eine entgegensetzte Entwicklung ist bei den GB zu beobachten. Zwischen 2010 und 2016 ist die Anzahl der
GB auffällig stark um zwei Drittel von 24.400 auf 8.300 Beschäftigte gesunken (Tabelle 1). Dieser Rückgang,
der mit -20,1 % p.a. deutlich stärker ausgeprägt ist als in der sächsischen Gesamtwirtschaft (-1,9 % p.a.),
spiegelt nur teilweise eine tatsächliche Abnahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse wieder und geht
größtenteils auf eine methodische Änderung in der Datenerfassung der Beschäftigungsstatistik der BA
zurück. Der statistische Effekt, der sich im Übergang 2013/14 v.a. im sächsischen Pressemarkt zeigt, lässt
auf eine geänderte wirtschaftliche Schwerpunktsetzung schließen, so dass die Beschäftigten nunmehr in
einer anderen Branche, außerhalb der KKwi gezählt werden. Eine exakte Herausrechnung dieses Effektes
ist nicht möglich.
Wie bereits in der obigen Definition zur KKwi ausgeführt, ist diese überwiegend erwerbswirtschaftlich
orientiert. Eng mit ihr verwoben, ist der öffentliche sowie der intermediäre Kultursektor aufgrund von
funktionalen, institutionellen und/oder personellen Verflechtungen und Austauschbeziehungen
13
. Die
ergänzende
bzw.
nachrichtliche
Betrachtung
der
Beschäftigten
in
öffentlichen/gemeinnützigen
Kulturbetrieben ermöglicht eine erweiterte Betrachtung des Beschäftigungspotenzials der KKwi um den
primär öffentlichen Bereich. Zu diesem zählen u. a. öffentliche Theater, Bibliotheken, Museen,
Volkshochschulen, Musikschulen sowie öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten. In Sachsen arbeiten rund
8.700 Beschäftigte in öffentlichen/gemeinnützigen Kulturbetrieben. Unter Berücksichtigung dieser Personen
steigt die Anzahl der Erwerbstätigen der KKwi in Sachsen um knapp 12 % auf insgesamt 79.623 in 2015. Da
zwischen der KKwi und den öffentlich/gemeinnützigen Betrieben teilweise starke wirtschaftliche
Verflechtungen und Wechselwirkungen bestehen, sind diese Beschäftigten bzw. Einrichtungen von großer
Relevanz und gleichermaßen ein Katalysator für die Beschäftigtenentwicklung und Wertschöpfung der KKwi.
Zwischen 2010 und 2015 ist die Anzahl der SvB in den öffentlichen/gemeinnützigen Kulturbetrieben mit einer
jährlichen Veränderung von -0,4 % weitgehend stabil. Von 2015 bis 2016 setzt sich dieser Trend der stabilen
Beschäftigungslage weiter fort. Von den knapp 8.700 Beschäftigten sind ca. 860 (knapp 10 %) den GB
zuzuordnen. Bei dieser Gruppe ist, wie bereits auch bei der KKwi, der Rückgang mit -7,3 % p.a.
ausgeprägter als bei den SvB.
13
Beauftragter der BKM (2012)
100
100
101
98
100
100
102
107
114
118
123
128
100
102
104
104
106
107
109
96
101
106
111
116
121
126
131
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
Kulturwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
8
Tabelle 1:
Eckwerte zur KKwi in Sachsen 2010-2016
2010
2012
2015
2016
2010-2015
[% p.a.]
2015-2016
[% p.a.]
Erwerbstätige in der KKwi
Anzahl der Selbstständigen und
Unternehmen mit mehr als 17.500 €
Jahresumsatz
8.897
9.322
9.674
9.885*
1,7
2,2*
dav. Kulturwirtschaft
5.821
6.040
6.253
6.381*
1,4
2,1*
Anzahl sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte (SvB)
30.547
32.574
37.593
39.039
4,2
3,8
dav. Kulturwirtschaft
15.888
15.865
15.835
15.875
-0,1
0,3
Anzahl der Selbstständigen und
Unternehmen mit weniger als 17.500 €
Jahresumsatz
13.573
14.051
15.682*
16.342*
2,9*
4,2*
dav. Kulturwirtschaft
9.058
9.601
11.154*
11.746*
4,3*
5,3*
Anzahl geringfügig Beschäftigte (GB)
24.436
20.911
7.975
8.316
-20,1
4,3
dav. Kulturwirtschaft
12.627
11.943
3.743
3.754
-21,6
0,3
Anzahl Erwerbstätige insgesamt
77.454
76.859
70.924*
73.582*
-1,7*
3,7*
dav. Kulturwirtschaft
43.395
43.450
36.985*
37.757*
-3,1*
2,1*
Anzahl der Erwerbstätigen in der
Gesamtwirtschaft**
1.970.564
2.017.213
2.067.542*
2.094.177*
1,0*
1,3*
Anteil der KKwi in %
3,9
3,8
3,4*
3,5*
Umsatz der KKwi
Umsatz in Mio. €
2.842
3.108
3.353
3.538*
3,4
5,5*
dav. Kulturwirtschaft
1.850
1.919
1.949
2.025*
1,0
3,9*
Umsatz je Unternehmen***in €
319.441
333.409
346.567
357.912*
1,6
3,3*
dav. Kulturwirtschaft
317.850
317.726
311.750
317.388*
-0,4
1,8*
Umsatz je Erwerbstätigen
36.694
40.438
47.272*
48.083*
5,2*
1,7
dav. Kulturwirtschaft
42.635
44.170
52.704*
53.640*
4,3*
1,8*
Umsatz der Gesamtwirtschaft in Mio. €
109.892
121.417
127.718
131.616*
3,1
3,1*
Anteil der KKwi in %
2,6
2,6
2,6
2,7*
Bruttowertschöpfung (BWS) der KKwi
BWS der KKwi in Mio. €
1.487
1.608
1.742
1.836*
3,2
5,4*
dav. Kulturwirtschaft
986
1.004
1.021
1.056*
0,7
3,4*
BWS der Gesamtwirtschaft in Mio. €
85.534
91.227
102.199
106.672
3,6
4,4
Anteil der KKwi in %
1,7
1,8
1,7
1,7
Nachrichtlich:
Beschäftigte im öffentlichen/
gemeinnützigen Kulturbetrieb****
Anzahl SvB
7.988
7.786
7.836
7.799
-0,4
-0,5
Anzahl GB
1.259
1.181
863
883
-7,3
2,4
Anzahl Beschäftigte insgesamt
9.247
8.966
8.699
8.683
-1,2
-0,2
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen.
* Werte basieren auf eigenen Schätzungen.
** Zahl der Erwerbstätigen weicht aufgrund der gewählten Methodik von der Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder
(VGRdL) ab.
*** Selbstständige und Unternehmen mit mehr als 17.500 € Jahresumsatz
**** Hierzu zählen u. a. öfftl. Theater, Bibliotheken, Museen, VHS, Musikschulen, öfftl.-rechtlicher Rundfunk etc.

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
9
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Unternehmensentwicklung
Die Unternehmensentwicklung wird anhand der Anzahl der Unternehmen aus der Umsatzsteuerstatistik
analysiert, wobei zwei Größenklassen unterschieden werden. In der Größenklasse 1 sind Unternehmen mit
einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 € erfasst; in der Größenklasse 2 Unternehmen mit einem
Jahresumsatz von weniger als 17.500 € (vgl. Kapitel 1.1).
Insgesamt zählt die KKwi in Sachsen über 25.300 Unternehmen im Jahr 2015. Davon lassen sich ca. 9.700
Unternehmen (38 %) der Größenklasse 1 zuordnen. Knapp zwei Drittel (65 %) dieser Unternehmen sind
dem Bereich der Kulturwirtschaft zugeordnet. Auch in der Größenklasse 2 mit über 15.600 Unternehmen
stellt die Kulturwirtschaft mit rund 71 % den größten Anteil.
Abbildung 2:
Entwicklung der Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 € in der KKwi im
Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Sachsen 2010 bis 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Die Unternehmenszahl ist in beiden Größenklassen gewachsen. Die Anzahl der Unternehmen der
Größenklasse 1 ist seit 2010 kontinuierlich -in Bezug auf die sächsische Gesamtwirtschaft überdurch-
schnittlich angestiegen (Abbildung 2). Gegenüber 2010 hat sich die Unternehmenszahl um 777 auf 9.674 im
Jahr 2015 erhöht. Mit einem Zuwachs von 1,7 % p.a. ist die Anzahl der Unternehmen in der KKwi
dynamischer als in der Gesamtwirtschaft gestiegen (+1,0 % p.a.). Die Zahl von Unternehmen der
Kulturwirtschaft ist mit 1,4 % jährlich, weniger stark als die Unternehmenszahl der gesamten KKwi
gewachsen, jedoch stärker als in der Gesamtwirtschaft. Treiber bei der Entwicklung der Unternehmenszahl
ist die Kreativwirtschaft. Die Schätzungen für 2016 lassen vermuten, dass die Anzahl der Unternehmen in
der KKwi noch weiter wächst. Für 2016 wird im Vergleich zu 2015 von einer Erhöhung um 2,2 %
ausgegangen.
Zwischen 2010 und 2015 ist auch die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 2 um +2,9 % p.a.
gewachsen. Im Gegensatz zu den Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 17.500 €, ist die Zahl
der umsatzschwächeren Unternehmen mit 4,3 % p.a. stärker in den kulturwirtschaftlichen Teilmärkten
gewachsen. Dies lässt sich durch den tendenziell höheren Anteil an Selbstständigen und/oder
nebenberuflich Tätigkeiten in der Kulturwirtschaft erklären. Für 2016 wird ebenfalls mit einem weiteren
Wachstum der Unternehmenszahl der Größenklasse 2 in der KKwi gerechnet.
101
104
104
105
107
110
102
105
106
107
109
111
100
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Kulturwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
10
Exkurs: Unternehmen mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz unterhalb von 17.500 €
Die Erfassung von Unternehmen der Größenklasse 2 ist eine wesentliche Neuerung gegenüber dem 1. KWB.
In bisherigen Studien und Analysen zur KKwi ist diese Gruppe von Unternehmen mehrheitlich vernachlässigt
worden. Das ist vor allem der erschwerten Erfassbarkeit dieser Unternehmen in amtlichen Statistiken
geschuldet. Mit der Auswertung der Umsatzsteuerstatistik (Veranlagungen) lassen sich nunmehr auch
Aussagen zu Unternehmen unterhalb der statistischen Erfassungsgrenze von 17.500 € Jahresumsatz treffen.
Gleichwohl können aus der Statistik heraus aufgrund der unterschiedlichen Veröffentlichungsjahre der
Umsatzsteuerstatistiken nur Näherungsangaben getroffen werden (vgl. Kapitel 1.1). In der sächsischen KKwi
sind 2015 etwa 62 % aller Unternehmen der Größenklasse 2 zugeordnet. Auf Bundesebene lässt sich auf
Basis des Mikrozensus ein geringerer Anteil von ca. 46 % ableiten
14
.
Wichtiges Charakteristikum dieser Unternehmen ist ihre Klein- und Kleinstteiligkeit. Ihre Form kann dabei
unterschiedlich ausgeprägt sein, d.h. es kann sich dabei sowohl um Freiberufler, nebenberuflich
Selbständige, Mini-GbRs oder Mini-GmbHs als auch um hauptberuflich Selbständige mit Vollzeittätigkeit
handeln. Ebenfalls besteht die Möglichkeit zur Kombination mit einer geringfügigen oder sonstigen
Teilzeitbeschäftigung. Sie verstehen sich, als kulturelle Akteure und arbeiten mehrheitlich experimentell und
innovativ. Ihre Produktionsweise ist insofern eher auf kulturelle Vielfalt als auf wirtschaftliche Vervielfältigung
ausgelegt. Auch wenn die Umsätze dieser Unternehmen als geringer einzuschätzen sind, bereichern sie
durch ihre innovative Arbeitsweise und den daraus resultierenden Ideen und Produkten die gesamte KKwi.
Entgegen früherer Annahmen wird davon ausgegangen, dass ein Dienstleistungsunternehmen teilweise
bereits ab 10.000 € Jahresumsatz als vollwertiger wirtschaftlicher Akteur gezählt werden kann
15
. Wenn für
alle 15.682 sächsischen Unternehmen der Größenklasse 2 ein solcher Jahresumsatz angenommen wird,
würde sich der Gesamtumsatz der KKwi in Sachsen 2015 um fast 157 Mio. € auf 3,5 Mrd. € erhöhen. Diese
Zahl ist rein spekulativ, verdeutlicht aber die wirtschaftliche Bedeutung dieser Unternehmen. Trotz der
genannten Stärken und dem wertvollen Beitrag für die gesamte KKwi, birgt ein geringer Jahresumsatz
Herausforderungen für diese Unternehmen. Eine geringe Wirtschaftlichkeit birgt häufiger das Risiko in
finanzielle und/oder soziale Schieflage zu geraten. Notwendige Investitionen, bspw. im Zuge der
Digitalisierung, werden dadurch ebenso erschwert. Dies kann unter Umständen die eigene Wirtschaftlichkeit
weiter schwächen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Unternehmen immer mehr Durch die stetig wachsende Zahl der Unternehmen
mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 € (Sachsen: 2,9 % p.a.) nimmt deren Bedeutung als
wirtschaftliches und kulturelles Betätigungsfeld zu und sie gelangen zunehmend in das Blickfeld der
Wirtschafts- und Kulturpolitik
16
. Eine adäquate statistische Erfassung bildet hierfür die Grundlage.
14
BMWi (2017), S. 14
15
Arbeitskreis Kultur- und Kreativwirtschaft in der Wirtschaftsministerkonferenz (2016, b), S. 19
16
Ebenda

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
11
|
Entwicklung der Wirtschaftskraft
Mit einem Umsatz von über 3,35 Mrd. € im Jahr 2015 leistet die sächsische KKwi einen wichtigen Beitrag zur
Wirtschaftskraft des Freistaates Sachsen (Tabelle 1). Sie erwirtschaftet einen Anteil von 2,6 % am
gesamtwirtschaftlichen Umsatz in Sachsen, wobei die Kulturwirtschaft mit knapp 2 Mrd. € davon einen Anteil
von 58 % generiert. Zwischen 2010 und 2015 ist der Umsatz in der KKwi stetig gewachsen, durchschnittlich
um 3,4 % p.a. Für das Jahr 2016 wird von 3,5 Mrd. € Gesamtumsatz für die sächsische KKwi ausgegangen.
Abbildung 3:
Entwicklung des Umsatzes in der KKwi im Vergleich zur Gesamtwirtschaft in Sachsen 2010 bis
2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Wie bereits in Bezug auf die Unternehmensentwicklung, lassen sich auch bei den Umsatzbetrachtungen
unterschiedliche Entwicklungen der KKwi insgesamt und der Kulturwirtschaft, als Teilbereich der KKwi,
ablesen. Zeigt sich in der KKwi ein stetig steigender Umsatz, findet die Kulturwirtschaft nach
Umsatzeinbußen in den Jahren 2011 und 2014 nur zu einem gemäßigten Wachstum zurück (Abbildung 3).
Über den Zeitraum von 2010 bis 2015 ist die KKwi um 18,0 %, die Kulturwirtschaft hingegen nur um 5,4 %
gewachsen. Wachstumsquoten für die Kulturwirtschaft wie zu Beginn des Jahrtausends, als die
Kulturwirtschaft der Motor der Branche war (Umsatzplus von 14 % zwischen 2000 bis 2006),
17
sind
gegenwärtig nicht zu erkennen. Für 2016 ist sowohl für die KKwi insgesamt als auch für den
kulturwirtschaftlichen Bereich von einer Erhöhung des Umsatzes auszugehen, so dass für 2015/16 die
Kulturwirtschaft (+3,9 %) eine höhere Umsatzdynamik als die Gesamtwirtschaft (+3,1 %) erreicht.
Mit einem Plus von 1,6 % p.a. ist der Umsatz je Unternehmen in der Größenklasse 1 auf rund 347 Tsd. € im
Jahr 2015 deutlich angestiegen (Tabelle 1). Diese Entwicklung im Zeitraum von 2010 bis 2015 geht sowohl
auf das zuvor beschriebene Unternehmenswachstum als auch auf eine Umsatzzunahme in der KKwi zurück.
Im Bereich der Kulturwirtschaft verzeichnet der Umsatz je Unternehmen einen leichten Rückgang
(-0,4 % p.a.). Dies hängt damit zusammen, dass die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 1 mit
+1,4 % p.a. schneller als die der Umsätze mit +1,0 % p.a. gestiegen ist (Tabelle 1). Für 2016 wird für die
Kulturwirtschaft davon ausgegangen, dass der Umsatz (+3,9 %) stärker wächst als die Unternehmenszahlen
der Größenklasse 1 (+2,1 %), so dass für den Umsatz je Unternehmen ein Anstieg erwartet wird.
17
SWMA in Abstimmung mit dem SMWK (2009), S. 13
95
104
103
101
105
109
102
109
110
113
118
124
100
108
110
111
114
116
120
90
95
100
105
110
115
120
125
130
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Kulturwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
12
In der sächsischen KKwi erzielt ein Erwerbstätiger im Jahr 2015 durchschnittlich einen Jahresumsatz von
47.300 €. Das sind etwa 10.600 € mehr als noch 2010. In der Kulturwirtschaft sind es jährlich ca. 52.700 €,
wobei diese gegenüber 2010 ein ähnliches Plus um nahezu 10.100 € je Erwerbstätigen verzeichnet. Diese
Steigerungen gehen auf das wachsende Umsatzvolumen bei leicht rückläufiger Zahl an Erwerbstätigen
zurück.
Ähnlich wie bei den anderen ökonomischen Kennzahlen erfährt auch die BWS ein kontinuierliches
Wachstum zwischen 2010 und 2015 auf 1,74 Mrd. € (+3,2 % p.a.). Ebenso wie bei der Umsatzentwicklung
ist das Wachstum der BWS in den kulturwirtschaftlichen Teilmärkten geringer ausgeprägt (+0,7 % p.a.). Der
Motor ist auch hier vor allem die Kreativwirtschaft, mit den Teilmärkten Software/Games, dem
Kunsthandwerk und dem Werbemarkt. Für 2016 wird ein weiteres, noch stärkeres Wachstum der BWS
erwartet. Ausführliche Erläuterungen zur BWS finden sich ergänzend zu Tabelle 1 im Kapitel 2.1.
Insgesamt zeigt sich, dass die KKwi einen beachtlichen Stellenwert für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt
des Freistaates Sachsen hat. Überdurchschnittliche Wachstumszahlen in den ökonomischen Bezugsgrößen
signalisieren, dass das Potenzial der KKwi noch nicht vollends ausgeschöpft ist. Mit Blick auf die
Entwicklung der Erwerbstätigen generell und auf den Anstieg der SvB im Besonderen ist von einer positiven
Entwicklung zu sprechen. Die Abschätzungen für 2016 deuten an, dass die Bedeutung der KKwi als
Arbeitgeber und wichtiges Standbein der Wirtschaft auch künftig weiter steigen wird. Die Relation zwischen
der KKwi im Allgemeinen und der Kulturwirtschaft im Speziellen zeigt, dass sich die Kreativwirtschaft weitaus
dynamischer entwickelt hat als die kulturwirtschaftlichen Teilmärkte. Damit löste die Kreativwirtschaft mit den
Teilmärkten Werbung, Software/Games und Kunsthandwerk im Vergleich zum 1. KWB die Kulturwirtschaft
als Motor der KKwi ab.

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
13
|
2.2. Bruttowertschöpfung
Die sächsische KKwi hat im Beobachtungszeitraum von 2010 bis 2015 ein kontinuierliches Wachstum der
BWS verzeichnet. Die BWS, als Wert der hergestellten Waren und Dienstleistungen (z. B. neuartige Medien-
und Vertriebsformate) abzüglich der Vorleistungen (z. B. IT-relevanten Vorleistungen: elektronische Geräte,
mobile Informations- und Kommunikationstechnologien, softwarebasierte Internet- und Webapplikationen)
18
,
ist eng mit der Entwicklung der Umsätze verwoben. Haben die Umsätze der KKwi im Zeitraum von 2010 bis
2015 ein Plus von18 % aufgewiesen (Kapitel 2.1), ist die BWS mit 17 % annähernd dynamisch gestiegen.
Die BWS der KKwi in Sachsen liegt im Jahr 2015 bei rund 1,74 Mrd. € (Abbildung 4). Die BWS der
Gesamtwirtschaft beläuft sich im selben Jahr auf 102,2 Mrd. €, wovon der Anteil der KKwi 1,7 % beträgt. Die
gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung des Freistaates Sachsen ist gegenüber 2010 um ca. 19 % gestiegen.
Die BWS der sächsischen KKwi weist mit 17 % zwar eine geringfügig niedrigere Entwicklungsdynamik auf,
kann jedoch an die positive Entwicklung der BWS der Gesamtwirtschaft anknüpfen und leistet einen
konstanten Beitrag zur Leistungsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft. Für 2016 wird von 1,84 Mrd. € BWS
der sächsischen KKwi ausgegangen, was einem weiteren Wachstum um 95 Mio. € bzw. 5 % gegenüber
2015 entspricht (Gesamtwirtschaft 2015/16: +4 %).
Abbildung 4:
Entwicklung der BWS in der KKwi in Mrd. € in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Wert für 2016 basiert auf eigenen Schätzungen.
18
BMWi (2012), S. 57
1,49
1,50
1,61
1,62
1,66
1,74
1,84
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Bruttowertschöpfung in Mrd. €

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
14
Abbildung 5:
Anteile der Teilmärkte an der BWS der KKwi in Sachsen 2015, Angaben in %
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
Für die Berechnung von Anteilswerten werden doppelte Wirtschaftszweige berücksichtigt, um auf 100 % zu kommen. Auf den Bereich
„Sonstige“ entfällt ein Anteil von 2,0 %.
Die Abbildung 5 zeigt, welchen unterschiedlichen Beitrag zur BWS der KKwi in Sachsen die zwölf Teilmärkte
leisten. Den höchsten Anteil an der BWS erzielt die Software-/Games-Industrie mit knapp 21 %, dicht gefolgt
vom Pressemarkt mit 19 %. Beide Teilmärkte erwirtschaften zusammen zwei Fünftel der BWS in der
sächsischen KKwi. Hiernach folgen mit deutlich geringeren Anteilen die Designwirtschaft (10 %), der
Werbemarkt (9 %) und die Musikwirtschaft (9 %). Die geringste BWS erzielt der Kunstmarkt mit 3 %.
Gleichermaßen unterscheiden sich die Teilmärkte stark nach der Entwicklung der BWS im Zeitraum von
2010 bis 2015 (Abbildung 6). Insbesondere Teilmärkte mit einem relativ niedrigen Anteil an der BWS weisen
seit 2010 eine geringe bzw. rückläufige Dynamik auf. Eine Ausnahme hiervon bildet das Kunsthandwerk,
das mit einem Anteil von nur 5 % an der BWS zwischen 2010 und 2015 um 53 % gestiegen ist und somit
binnen der letzten Jahre innerhalb der KKwi zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Einen besonders
positiven Einfluss auf das Wachstum der BWS haben daneben die Teilmärkte Software/Games und die
Designwirtschaft.
3,1
3,2
3,3
3,4
5,0
6,0
7,2
8,5
8,9
9,5
19,2
20,7
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
Kunstmarkt
Buchmarkt
Filmwirtschaft
Rundfunkwirtschaft
Kunsthandwerk
Markt für darstellende Künste
Architekturmarkt
Musikwirtschaft
Werbemarkt
Designwirtschaft
Pressemarkt
Software-/ Games-Industrie

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
15
|
Abbildung 6:
Entwicklung der BWS in den Teilmärkten der KKwi in Sachsen 2010–2015, Angaben in %
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
So verzeichnet die Software-/Games-Industrie im Betrachtungszeitraum mit knapp 56 % bzw. mit einem Plus
von rund 146 Mio. € das dynamischste Wachstum. Die Software-/Games-Industrie löst mit einer BWS i. H. v.
407 Mio. € im Jahr 2015 den Pressemarkt mit 379 Mio. € an der Spitze ab, der 2010 noch stärkster Teilmarkt
war. Die hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Software/Games- Industrie und die dynamische
Entwicklung der BWS verleihen diesem Teilmarkt eine impulsgebende Rolle für die KKwi im Freistaat
Sachsen, die spiegelbildlich für die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung steht. Der Pressemarkt
gehört aufgrund seines relativen Wachstums der BWS von fast 21 % nicht zu den dynamischsten
Teilmärkten, trägt jedoch in absoluter Hinsicht mit einem Zuwachs um 64 Mio. € am zweitstärksten zur
Wertschöpfung der KKwi bei.
In vier Teilmärkten der Kulturwirtschaft ist die BWS im zweistelligen Bereich zurückgegangen. Während der
Buchmarkt sowie die Rundfunk- und Filmwirtschaft rund ein Drittel ihrer Wertschöpfung zwischen 2010 und
2015 verloren haben, beträgt der Rückgang im Kunstmarkt über 40 %. Diesen vier Teilmärkten ist gemein,
dass sie einen vergleichsweise niedrigen Anteil an der BWS 2015 mit unter 5 % halten. Für eine
differenzierte Betrachtung der Teilmärkte sei auf Kapitel 3 verwiesen.
-41,7
-32,2
-29,6
-27,9
9,0
17,1
20,5
21,9
24,6
26,3
40,4
52,5
55,7
-60
-40
-20
0
20
40
60
Kunstmarkt
Buchmarkt
Filmwirtschaft
Rundfunkwirtschaft
Markt für darstellende Künste
Kultur- und Kreativwirtschaft
Pressemarkt
Werbemarkt
Musikwirtschaft
Architekturmarkt
Designwirtschaft
Kunsthandwerk
Software-/ Games-Industrie

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
16
2.3. Stellenwert der Kultur- und Kreativwirtschaft im
sächsischen Branchen- und im bundesweiten
Vergleich
Die bisherigen Ausführungen haben die sächsische KKwi als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in absoluten
Zahlen und in Relation zur sächsischen Gesamtwirtschaft charakterisiert. Im Folgenden wird der Vergleich
zu sächsischen Industriebranchen sowie überregional zwischen den Bundesländern und dem Bund gezogen.
Abbildung 7:
KKwi im Vergleich ausgewählter Branchen nach Anzahl der SvB und Anteil an der
Gesamtbeschäftigung in Sachsen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit.
Abbildung 7 vergleicht die sächsische KKwi mit ausgewählten Industriebranchen anhand der Anzahl der SvB
und den Branchenanteilen an der Gesamtbeschäftigung im Freistaat Sachsen. Mit einer Anzahl von 39.039
SvB ordnet sich die KKwi im Jahr 2016 zwischen dem Maschinenbau und der Automobilindustrie (ohne
Zulieferindustrie) ein.
Ein Blick auf die Entwicklung über die letzten 10 Jahre zeigt, dass die KKwi an sich und im Vergleich zum
Maschinenbau Anteile an der Summe aller SvB in Sachsen gewinnen konnte. Der Anteil der KKwi ist von
2,3 % im Jahr 2006 auf 2,5 % im Jahr 2016 gestiegen
19
, während der Anteil des Maschinenbaus im selben
Zeitraum von 2,9 % auf 2,5 % gesunken ist.
Um die Vergleichbarkeit der KKwi zwischen den Ländern und dem Bund herzustellen, wird in den folgenden
Ausführungen die Branchendefinition der KKwi ohne die länderspezifische Einbeziehung weiterer Teilmärkte
zugrunde gelegt. Verglichen werden für Sachsen entsprechend die Werte der KKwi unter Vernachlässigung
des Kunsthandwerkes. Darüber hinaus werden in den Vergleichen nur die Unternehmen der Größenklasse 1
(über 17.500 € Jahresumsatz) und deren generierte Umsätze einbezogen.
19
SWMA in Abstimmung mit dem SMWK (2009), S. 16
39.402
39.039
37.023
10.002
7.477
2,5
2,5
2,4
0,6
0,5
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
45.000
50.000
Maschinenbau
Kultur- und
Kreativwirtschaft
Automobilindustrie
(ohne Zulieferindustrie)
Bekleidungs- und
Textilindustrie
Chemische Industrie
Anzahl an SvB
Anteil an der
Gesamtbeschäftigung in %

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
17
|
Aus Tabelle 2 wird deutlich, dass die Unternehmen der KKwi in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt ein
Umsatzvolumen in Höhe von 152,2 Mrd. € erwirtschaftet haben. Erwartungsgemäß entfallen die größten
Umsatzanteile auf die bevölkerungsreichen Flächenländer Nordrhein-Westfalen (24,2 %), Bayern (21,3 %)
und Baden-Württemberg (15,5 %), die zugleich die meisten KKwi-Unternehmen aufweisen. Der Anteil von
Sachsen am gesamtdeutschen Umsatz der KKwi ist mit 2,0 % der größte Anteilswert eines ostdeutschen
Flächenlandes. Mit knapp 9.300 Unternehmen steuert die sächsische KKwi rund 3,1 Mrd. € zum
Bundesergebnis bei
Tabelle 2:
Eckdaten der KKwi in den Bundesländern 2015
Unternehmen
über 17.500 €
Umsatz
Unternehmen
über 17.500 €
Umsatz
Unternehmen
über 17.500 €
Umsatz
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd.
in Mrd. €
Anteil an bundesweiter KKwi
Anteil an Gesamtwirtschaft
in Tsd. €
Flächenländer
207,0
126,9
82,6
83,4
6,9
2,4
613
Baden-
Württemberg
30,3
23,6
12,1
15,5
6,7
2,3
778
Bayern
47,5
32,5
18,9
21,3
7,8
3,2
684
Brandenburg
4,8
1,4
1,9
0,9
5,2
1,7
287
Hessen
20,3
12,2
8,1
8,0
8,2
2,6
599
Mecklenburg-
Vorpommern
2,6
0,8
1,1
0,5
4,8
1,9
311
Niedersachsen
16,7
7,2
6,7
4,7
6,0
1,3
433
Nordrhein-
Westfalen
51,4
36,9
20,5
24,2
7,7
2,6
717
Rheinland-
Pfalz
9,3
4,3
3,7
2,9
6,0
2,0
466
Saarland
1,9
1,0
0,7
0,6
5,3
1,3
522
Sachsen
9,3
3,1
3,7
2,0
6,2
2,4
331
Sachsen-
Anhalt
3,0
0,9
1,2
0,6
4,6
1,3
289
Schleswig-
Holstein
6,5
2,3
2,6
1,5
5,7
1,4
350
Thüringen
3,4
0,9
1,4
0,6
7,6
1,6
273
Stadtstaaten
43,5
25,3
17,4
16,6
16,5
3,7
580
Bremen
1,8
0,9
0,7
0,6
7,9
1,3
476
Hamburg
14,2
12,0
5,7
7,9
15,4
2,9
840
Berlin
27,5
12,5
11,0
8,2
18,5
6,2
452
Deutschland
250,5
152,2
100,0
100,0
7,7
2,5
608
Quelle: Prognos AG. eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen und des Statistischen
Bundesamts 2017. Hinweis: Im Bundesvergleich wird die KKwi ohne das Kunsthandwerk betrachtet.
Spalte fünf der Tabelle 2 zeigt, dass Sachsen hinsichtlich der Unternehmensanteile der KKwi an der
Gesamtwirtschaft im Vergleich zu den anderen Bundesländern unterdurchschnittlich abschneidet. So liegt
das bundesweite Niveau bei 7,7 %, der Anteil im Freistaat nur bei 6,2 %. Im Nachbarland Thüringen sind es
7,6 %. Damit liegt Sachsen an sechster Stelle aller Flächenländer und leicht unterhalb des Durchschnitts
dieser (6,9 %). An der Spitze stehen Hessen (8,2 %), Bayern (7,8 %) und Nordrhein-Westfalen (7,7 %).
Beim Vergleich der Flächenländer anhand der Umsatzanteile der KKwi am Gesamtumsatz (Spalte sechs
von Tabelle 2) positioniert sich Sachsen hingegen wie bereits im 1. KWB an vierter Stelle mit einem
Umsatzanteil
von
2,4 %
der
KKwi
am
sächsischen
Gesamtumsatz,
knapp
unterhalb
des
Bundesdurchschnittes von 2,5 % (Abbildung 8). Der Bundesdurchschnitt und der sächsische Anteilswert

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
18
sind im Vergleich zum 1. KWB jeweils unverändert geblieben. Sachsen nimmt weiterhin den führenden Platz
unter den ostdeutschen Flächenländern ein. Die Spitzenreiter unter den Flächenländern sind Bayern,
Nordrhein-Westfalen
und
Hessen,
die
mit
ihren
jeweiligen
Umsatzanteilen
noch
über
dem
Bundesdurchschnitt liegen. Im Vergleich zur Betrachtung im 1. KWB konnte Bayern seinen Umsatzanteil von
2,9 % im Jahr 2006 auf 3,2 % deutlich ausbauen und liegt nun an der Spitze aller Flächenländer und sogar
noch vor der Kreativmetropole Hamburg mit 2,9 %. Berlin führt das Ranking mit 6,2 % bundesweit
erwartungsgemäß an.
Mit einem Umsatz je Unternehmen von 331 Tsd. € liegt Sachsen zwar weit unter dem Durchschnitt der
Flächenländer von 613 Tsd. € und auch unter dem bundesweiten Durchschnitt von 608 Tsd. €, nimmt aber
im Vergleich der ostdeutschen Flächenländer die vorderste Position ein.
Abbildung 8:
Umsatzanteil der KKwi an der Gesamtwirtschaft 2015 in den Flächenländern, Angaben in %
Quelle: Prognos AG, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Bundesamtes. Hinweis: Im Bundes- und Ländervergleich wird
die KKwi ohne das Kunsthandwerk betrachtet.
1,3
1,3
1,3
1,4
1,6
1,7
1,9
2,0
2,3
2,4
2,5
2,6
2,6
3,2
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
Niedersachsen
Sachsen-Anhalt
Saarland
Schleswig-Holstein
Thüringen
Brandenburg
Mecklenburg-Vorpommern
Rheinland-Pfalz
Baden-Württemberg
Sachsen
Deutschland
Hessen
Nordrhein-Westfalen
Bayern

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
19
|
2.4. Kultur- und Kreativwirtschaft in den sächsischen
Kulturräumen, Landkreisen und kreisfreien Städten
Die KKwi ist in den einzelnen regionalen Räumen Sachsens von unterschiedlicher ökonomischer Bedeutung.
Für ein differenziertes Bild, erfolgt die Analyse zum einen nach der kulturpolitischen Aufteilung Sachsens in
acht Kulturräume und zum anderen nach der aktuell gültigen Verwaltungsgliederung in zehn
Landkreise
und
drei
kreisfreie
Städte.
Die Ausführungen zu den Kulturräumen werden im Folgenden detailliert vorgestellt.
Für die Kenngrößen auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte sei auf die Tabellen im Anhang
(Tabelle 30 bis 42, 51 bis 63 und 72 bis 84) verwiesen.
Gemäß dem Sächsisches Kulturraumgesetz
20
in der Fassung der letzten Änderung vom 13. Dezember 2016
gliedert sich der Freistaat in die drei urbanen Kulturräume Dresden, Chemnitz und Leipzig sowie in die fünf
ländlichen Kulturräume Vogtland-Zwickau, Erzgebirge-Mittelsachsen, Leipziger Raum, Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge, Oberlausitz-Niederschlesien. Gegenüber der Darstellung im 1. KWB hat sich die
Anzahl der Kulturräume infolge der Änderung des Kulturraumgesetzes im Jahr 2008 von elf auf acht
Kulturräume reduziert.
Methodisch wird zur Analyse der regionalen Besonderheiten auf Unternehmensdaten des URS als
Datenquelle zurückgegriffen. Im URS werden die Unternehmen nicht nach Größenklassen mit mehr oder
weniger als 17.500 € Jahresumsatz unterschieden (vgl. Kapitel 1.1).
Abbildung 9:
Unternehmen der KKwi in den acht Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Aus Abbildung 9 wird deutlich, dass die beiden urbanen Kulturräume Dresden und Leipzig wie bereits beim
1. KWB die wichtigsten kultur- und kreativwirtschaftlichen Zentren in Sachsen bilden. Mehr als 2.830
Unternehmen sind im urbanen Kulturraum Leipzig angesiedelt. Gemessen an der Leipziger
Gesamtwirtschaft entspricht dies 12,4 % aller Unternehmen. Die vergleichsweise geringe Anzahl an
20
Sächsisches Kulturraumgesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 18. August 2008 (SächsGVBl. S. 539), das zuletzt durch
Artikel 3 Absatz 6 des Gesetzes vom 13. Dezember 2016 (SächsGVBl. S. 652) geändert worden ist.
1.072
1.214
769
1.004
907
748
2.832
2.509
4,6
4,4
4,1
4,9
4,2
7,5
12,4
11,2
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Elbtal-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Anzahl der Unternehmen
Anteil an allen Unternehmen der
jew eiligen Gesamtw irtschaft in %

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
20
Unternehmen im Kulturraum Leipziger Raum i. H. v. 769 lässt sich wahrscheinlich auf die starke Sogwirkung
der Stadt Leipzig zurückführen.
Auch im zeitlichen Vergleich der Jahre 2010 und 2015 lassen sich größere Unterschiede zwischen den
urbanen und ländlichen Kulturräumen erkennen. Insbesondere der urbane Kulturraum Leipzig stellt sich mit
einem Wachstum der Unternehmen von rund 20 % als größter Anziehungspunkt im Freistaat Sachsen
heraus. Dresden und Chemnitz verzeichnen mit einem Plus von 12 % bzw. 9 % ebenfalls hohe Zuwächse. In
den ländlichen Kulturräumen entwickelt sich die Unternehmenszahl im Betrachtungszeitraum weniger
dynamisch und weist in den Kulturräumen Vogtland-Zwickau und Erzgebirge-Mittelsachsen mit -1,5 % bzw.
-6,1 % sogar einen Rückgang auf (Tabelle 43, Tabelle 44).
Abbildung 10:
Struktur der KKwi in den Kulturräumen anhand der Unternehmensanzahl in den Teilmärkten in
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Aus Abbildung 10 wird deutlich, dass die Teilmärkte in den verschiedenen Kulturräumen eine
unterschiedliche ökonomische Bedeutung gemessen an der Unternehmensanzahl haben. Im Kulturraum
Vogtland-Zwickau z. B. liegt der Anteil der Unternehmen im Teilmarkt Musikwirtschaft bei rd. 11 %
gemessen an der absoluten Anzahl der KKwi-Unternehmen von 1.072, die die 100 % in Abbildung 9 für
diesen Kulturraum bilden. Dass die Musikwirtschaft prägend für die KKwi im Kulturraum Vogtland-Zwickau
ist, liegt in dem hohen Anteil am vogtländischen Musikinstrumentenbau begründet. In der KKwi des
Kulturraums Erzgebirge-Mittelsachsen kommt dem Kunsthandwerk mit rd. 18 % der dortigen KKwi-
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Musikwirtschaft
Buchmarkt
Kunstmarkt
Filmwirtschaft
Rundfunkwirtschaft
Markt für darstellende Künste
Designwirtschaft
Architekturmarkt
Pressemarkt
Werbemarkt
Software-/ Games-Industrie
Kunsthandwerk

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
21
|
Unternehmen eine wesentliche Bedeutung zu, wohingegen die KKwi des Kulturraums Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge wiederum durch die Uhren- und Porzellanherstellung geprägt ist.
In der KKwi der urbanen Kulturräume sind andere Teilmärke dominant. Die KKwi Dresdens ist geprägt vom
Architekturmarkt (rd. 17 %) und der Software-/Games-Industrie (rd. 17 %). In Leipzig sind die Teilmärkte
Design (rd. 18 %), Software/Games (rd. 14 %) und der Werbemarkt (rd. 13 %) besonders relevant. In
Chemnitz spielen der Werbemarkt (rd. 21 %) und die Software-/Games-Industrie (rd. 17 %) eine besondere
Rolle. Im Vergleich zu den anderen Kulturräumen bilden in Chemnitz die Designwirtschaft (rd. 19 %) und der
Markt für darstellende Künste (rd. 8 %) die größten Unternehmensanteile an der regionalen KKwi.
Abbildung 11:
SvB der KKwi in den acht Kulturräumen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit.
Ein etwas anderes Bild zeichnet sich beim Blick auf die räumliche Verteilung der SvB in der sächsischen
KKwi. Abbildung 11 visualisiert sowohl die absolute Anzahl der SvB für den jeweiligen Kulturraum als auch
die Anteilswerte, gemessen an allen SvB des jeweiligen Kulturraums.
Wird die absolute Anzahl der SvB von Dresden und Leipzig zusammengefasst, zeigt sich, dass 55 % der
SvB in der sächsischen KKwi in diesen beiden urbanen Kulturräumen Arbeit finden. Beim Vergleich der
KKwi-Unternehmensanzahl (Abbildung 9) mit den Werten der SvB (Abbildung 11) ist auffällig, dass
Chemnitz die höchste durchschnittliche Anzahl an SvB pro Unternehmen aufweist und damit für den KKwi-
Arbeitsmarkt bedeutender ist (10 % aller SvB in der sächsischen KKwi), als es der Anteil der ansässigen
KKwi-Unternehmen (7 % an allen sächsischen KKwi-Unternehmen) zunächst erscheinen lässt. Unter den
ländlichen
Kulturräumen
sticht
Meißen-Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge
mit
der
höchsten
durchschnittlichen Anzahl an SvB pro Unternehmen hervor, weil die dort prägende Uhren- und
Porzellanherstellung eine größere Beschäftigungszahl pro Unternehmen aufweist (Kapitel 3.12).
Im zeitlichen Vergleich zu 2010 lässt sich beobachten, dass die Anzahl der SvB bis 2016 in allen
Kulturräumen des Freistaates gestiegen ist (Tabellen 64 bis 71 im Anhang). Diese Entwicklung lässt sich
auch in den Kulturräumen mit der zuvor erwähnten sinkenden Anzahl an KKwi-Unternehmen erkennen. Weit
über dem Durchschnitt ist der Anstieg der SvB in den drei urbanen Kulturräumen Chemnitz (+48 %), Leipzig
(+39 %) und Dresden (+37 %). Aber auch der ländliche Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge weist mit einem Anstieg der Anzahl der SvB um 25 % eine überdurchschnittliche Entwicklung
auf. Dies ist bemerkenswert, da hier der Anstieg der Unternehmenszahlen mit. rd.10 % (2010-2016) nicht
überdurchschnittlich hoch ist. Dies lässt auf einen Anstieg der SvB vor allem bei etablierten Unternehmen
3.305
2.713
1.517
3.811
2.330
3.801
10.571
10.990
1,6
1,2
1,0
2,3
1,2
3,4
4,1
4,4
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Anzahl der SvB
Anteil an allen SvB der jew eiligen
Gesamtw irtschaft in %

image
Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
22
schließen. Insgesamt liegt das SvB-Wachstum der KKwi Sachsens bei 28 %, das SvB-Wachstum der
sächsischen Gesamtwirtschaft nur bei 9,0 %.
In den Tabelle 51 bis 63 im Anhang ist die räumliche Verteilung der SvB auf die Landkreise und kreisfreien
Städte detailliert dargestellt. Abbildung 12 illustriert die räumliche Verteilung für das Jahr 2016 und die
Bedeutung der einzelnen Teilmärkte bezogen auf die ortsansässigen SvB in der KKwi. Im Landkreis Bautzen
z. B. hat der Pressemarkt mit einem Anteil von 21 % der SvB der KKwi Bautzens ein höheres Gewicht als im
Landkreis Görlitz (9 %). Wie bei der Analyse auf Ebene der Kulturräume anhand der Unternehmenszahl,
zeigt sich auch bei den SvB auf Kreisebene, dass die Software-/Games-Industrie in den kreisfreien Städte
Dresden (58 %), Leipzig (43 %) und Chemnitz (37 %) einen hohen Anteil innerhalb der KKwi eines jeden
Standorts hält. Die Kreise des Erzgebirges zeigen beim SvB-Anteil eine Spezialisierung auf das
Kunsthandwerk. Der Vogtlandlandkreis ist hingegen besonders stark auf die Musikwirtschaft fokussiert
(40 %).
Abbildung 12:
Verteilung der SvB der KKwi auf die Landkreise und kreisfreien Städte in Sachsen 2016
Die Prozentangaben verdeutlichen relative Spezialisierungen auf Teilmärkte der KKwi gemessen am Anteil der SvB eines Teilmarktes
an der Gesamtzahl der SvB in den jeweiligen Kreisen und kreisfreien Städten.
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit.

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
23
|
Abbildung 13:
GB der KKwi in den acht Kulturräumen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit.
Den Tabellen 85 bis 92 im Anhang sind die Werte für die zeitliche Entwicklung der Anzahl der GB zu
entnehmen. Mit Ausnahme des Kulturraumes Leipziger Raum (+13,2 %) ist die Anzahl an GB zwischen
2010 und 2016 in den Kulturräumen durchgängig gesunken. In der sächsischen Gesamtwirtschaft liegt der
Rückgang bei -9,2 %. Im Hinblick auf die gleichzeitig steigende Zahl der SvB lässt sich generell eine eher
positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vermuten, die jedoch anhand der vorliegenden Daten nicht
statistisch überprüft werden kann.
612
816
458
521
679
958
2.555
1.717
2,0
2,4
2,1
2,2
2,3
5,4
6,7
4,6
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Anzahl der GB
Anteil an allen GB der jew eiligen
Gesamtw irtschaft in %

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
24
2.5. Frauen in der sächsischen Kultur- und
Kreativwirtschaft
Die aktuelle Studie des Deutschen Kulturrates stellt heraus, dass Frauen und Männer wie in vielen
Arbeitsgebieten, auch im Bereich Kultur und Medien bislang noch nicht gleichberechtigt sind und verweist
auf die hohe Aktualität dieses Themas für die KKwi
21
. Dieses Kapitel greift die Thematik auf und widmet sich
den Frauen in der sächsischen KKwi. In der ersten Hälfte des Kapitels wird die Geschlechterverteilung in
Bezug auf Beschäftigung, den Versichertenbestand bei der KSK, die Studierenden sowie die Berufsanfänger
dargestellt. In der zweiten Hälfte wird auf die Einkommen und die berufliche Stellung von Frauen in der KKwi
eingegangen.
Im Jahr 2015 liegt der Frauenanteil bei den SvB der sächsischen KKwi mit 46,8 % oberhalb des
Frauenanteils in der KKwi auf Bundesebene (44,6 % im Jahr 2015
22
). Zwischen 2010 und 2015 ist der
Frauenanteil in der sächsischen KKwi um 2,5 Prozentpunkte gesunken. Dieser Rückgang fällt stärker aus
als auf Bundesebene, wo der Anteil zwischen 2010 und 2015 um 1,6 Prozentpunkte zurückging
23
.
Abbildung 14:
Frauenanteil an den SvB in Sachsen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit.
* Für den Teilmarkt Rundfunkwirtschaft wurde aus Datenschutzgründen auf die geschlechterspezifischen Beschäftigungsverhältnisse
von 2013 zurückgegriffen.
Im Jahr 2016 sind 18.182 Frauen in der sächsischen KKwi sozialversicherungspflichtig beschäftigt, was
einem Anteil von 46,6 % entspricht. Der Blick auf Abbildung 14 offenbart, dass der Frauenanteil bei den SvB
in der sächsischen Gesamtwirtschaft mit 49,0 % somit über dem Anteil der KKwi liegt. Potenziale zur
21
Schulz, G., Ries, C. & Zimmermann, O. (2016)
22
BMWi (2017), S. 31.
23
Ebenda
30,8
35,6
46,6
48,5
48,8
49,0
51,3
53,2
56,3
57,0
62,7
63,4
65,1
74,8
0
10
20
30
40
50
60
70
80
Software-/ Games-Industrie
Musikwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Rundfunkwirtschaft
Filmwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Markt für darstellende Künste
Werbemarkt
Architekturmarkt
Kunsthandwerk
Pressemarkt
Kunstmarkt
Designwirtschaft
Buchmarkt

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
25
|
Steigerung des Frauenanteils gibt es insbesondere im beschäftigungsstarken Teilmarkt Software/Games mit
einem Anteil von nur 30,8 %. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass in acht von zwölf Teilmärkten der
sächsischen KKwi mehr als die Hälfte der SvB Frauen sind. Die meisten Frauen sind in den Teilmärkten
Buchmarkt oder Designwirtschaft mit Anteilen von 74,8 % und 65,1 % beschäftigt. Die wenigsten Frauen
arbeiten in der Software-/Games-Industrie und in den Teilmärkten Musik-, Rundfunk- und Filmwirtschaft,
wobei die Tendenz positiv ist und der Frauenanteil in allen vier Teilmärkten seit 2010 eine Steigerung
erfahren hat. Mit dem niedrigen Frauenanteil insbesondere in der Software-/Games-Industrie nimmt der
Freistaat Sachsen keine Sonderrolle ein. Auf Bundesebene liegt der Anteil bei 26,9 % im Jahr 2015 und ist
damit geringer als in Sachsen mit 30,2 % im gleichen Jahr. Die Gründe für die Ungleichverteilung werden
bereits seit Längerem in Studien thematisiert: Das Nationale Bildungspanel verweist auf die
unterschiedlichen beruflichen Interessen zwischen Männern und Frauen
24
. Frauen möchten tendenziell eher
mit Menschen zusammenarbeiten und sind häufiger für soziale und künstlerische Disziplinen zu begeistern.
Gleichermaßen hebt diese Studie hervor, dass auch traditionelle Stereotypen eine wichtige Rolle spielen.
Der erste OECD-Bildungsbericht zeigt auf, dass Eltern ihren Töchtern seltener eine Karriere in einem
naturwissenschaftlichen Fach wie Informatik zutrauen als ihren Söhnen. Daher fehlen oftmals die
Ermutigung und das Selbstbewusstsein für einen solchen Karrierepfad.
25
Im Jahr 2016 sind in der sächsischen KKwi 4.614 Frauen geringfügig beschäftigt, was einem Anteil von
55,5 % entspricht. Der Vergleich des Frauenanteils bei den Mini-Jobbern in der sächsischen KKwi kann für
das Jahr 2015 zur sächsischen Gesamtwirtschaft sowie zur bundesdeutschen Gesamtwirtschaft gezogen
werden: Mit einem Anteil von 55,8 % sind etwas weniger Frauen in der sächsischen KKwi geringfügig
beschäftigt als im Freistaat Sachsen (56,2 %) bzw. in Deutschland (56,7 %). Innerhalb der sächsischen
KKwi finden sich die meisten Mini-Jobberinnen in den Teilmärkten Presse (71,3 %) und Buch (71,2 %), die
wenigsten in der Designwirtschaft (49,5 %) und im Werbemarkt (47,0 %). Auf Bundesebene und für Sachsen
zeigen die Zahlen, dass der Frauenanteil bei den GB tendenziell höher ausfällt als bei den SvB. Das erklärt
sich u. a. darin, dass Frauen eher in Teilzeit als Zu- oder Nebenerwerb tätig sind.
26
Abbildung 15:
Versicherte Frauen und Männer in der KSK nach Berufsgruppen in Sachsen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, Eigene Berechnungen auf Basis der Künstlersozialkasse (KSK).
24
LlfBi (2017)
25
Die Welt (2015,)
26
bga (2007), S. 10
706
1.173
1.080
516
779
1.302
1.407
489
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
1.600
1.800
Wort
Bildende Kunst
Musik
Darstellende Kunst
Anzahl an Frauen und Männern in der KSK
in Sachsen 2016
Frauen
Männer
Frauenanteil:
47,5%
Frauenanteil:
47,4%
Frauenanteil:
43,4%
Frauenanteil:
51,3%

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
26
Abbildung 15 stellt die Versicherten in der KSK nach Berufsgruppen in Sachsen zum 01.01.2016 dar.
Insgesamt waren 7.452 Personen bei der KSK versichert, darunter 3.475 Frauen. Der Frauenanteil von
46,6 % deckt sich mit demjenigen innerhalb der SvB. Die vier Berufsgruppen weisen unterschiedliche Anteile
auf. Mit Ausnahme der Berufsgruppe darstellende Kunst sind in den übrigen drei Berufsgruppen Wort,
Bildende Kunst und Musik mehr Männer als Frauen versichert. Über alle vier Berufsgruppen hinweg ist
zwischen 2010 und 2016 die Anzahl der versicherten Frauen mit insgesamt +27,1 % stärker als die Anzahl
der männlichen Kollegen mit +17,7 % gestiegen. Die meisten Frauen sind in der Berufsgruppe Bildende
Kunst und in der Berufsgruppe Musik versichert.
Der Anteil der Frauen unterscheidet sich nicht nur zwischen den Teilmärkten, sondern ist auch innerhalb der
einzelnen Teilmärkte unterschiedlich. Deutlich wird das am Beispiel der Musikwirtschaft. Hier lassen sich
bereits während des Studiums unterschiedliche Geschlechterverhältnisse je nach Studienfach erkennen
27
.
Ein niedriger Anteil an Studentinnen in einer Fachrichtung deutet mitunter auch auf eine ungleiche
Geschlechterverteilung im späteren Berufsleben hin. Es konnte bspw. ein enger Zusammenhang zwischen
der Geschlechterverteilung beim Studium „Dirigieren“ und dem niedrigen Frauenanteil bei Musikvorständen
28
nachgewiesen werden
29
. Dies verweist auf die geschlechterspezifischen Unterschiede innerhalb der
Teilmärkte, die hier anhand der Studienwahl zum Tragen kommen. Vergleichbares lässt sich auch für die
Software-/Games-Industrie beobachten: Der Anteil an Studentinnen ist in den Studiengängen Bioinformatik
(36 %) und Medieninformatik (29 %) in Sachsen höher als in der Ingenieursinformatik bzw. der technischen
Informatik (13 %)
30
.
An den sieben staatlichen und privaten Kunst- und Musikhochschulen in Sachsen ist im Wintersemester
2016/2017 mehr als die Hälfte der Studierenden weiblich. Nur an der Hochschule für Kirchenmusik liegt der
Anteil mit 45,8 % leicht unterhalb von 50 % (Abbildung 16).
27
In Sachsen werden die Studienfächer Komposition (Frauenanteil von 33,3 %), Kirchenmusik (43,6 %) sowie Jazz- und Popularmusik
(20,5 %) im Wintersemester 2016/2017 mehrheitlich von Männern belegt. Andere Studienfächer wie bspw. Instrumentalmusik werden
hingegen eher von Frauen favorisiert (65,1 %) (Eigene Berechnung anhand Daten des Statistischen Landesamtes des Freistaates
Sachsen (2017)
28
Dies sind Dirigenten und Chorleiter.
29
Schulz, G., Ries, C. & Zimmermann, O. (2016), S. 86
30
Angaben der sächsischen Hochschulen für das Wintersemester 2016/2017. Eigene Berechnung anhand Daten des Statistischen
Landesamtes des Freistaates Sachsen (2017))

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
27
|
Abbildung 16:
Frauenanteil an den künstlerischen und kreativen sächsischen Hochschulen 2015/2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnung auf Basis des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sachsen 2017
Beim Blick auf die Studienanfänger im Wintersemester 2016/2017 an ebenjenen Hochschulen zeigt sich,
dass an vier Hochschulen mehr Frauen als Männer ein Studium aufnehmen. An den übrigen drei
Hochschulen ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen (Abbildung 16). Dies spiegelt sich auch in
den Zahlen der Berufsanfängerinnen wider. Im Jahr 2016 waren in Sachsen 208 Berufsanfängerinnen bei
der KSK versichert. Dies entspricht einem Anteil von 62,7 % an den Berufsanfängern in den Berufsgruppen
der KSK in Sachsen und liegt über dem Anteil von 2010 mit 58,7 %. Die meisten Berufsanfängerinnen sind
2016 dem Bereich Bildende Kunst (29,3 %) zuzuordnen. Nicht nur bei den Studierenden, sondern auch beim
Lehrpersonal an staatlichen und privaten Kunst- und Musikhochschulen des Freistaates Sachsen zeigen
sich 2015 unterschiedliche Frauenanteile: An der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden ist das
Geschlechterverhältnis mit 50,0 % ausgeglichen. An zwei von sieben Hochschulen ist der Frauenanteil beim
wissenschaftlichen und künstlerischen Personal sogar höher als 50 %: An der Palucca Hochschule für Tanz
in Dresden (65,2 %) sowie an der Designhochschule Leipzig (63,6 %). An vier von sieben künstlerischen
Hochschulen liegt der Anteil des weiblichen Lehrpersonals jedoch unterhalb von 40 %. An der Hochschule
für Kirchenmusik in Dresden liegt der Frauenanteil beim Personal bei weniger als einem Drittel (27,3 %).
Insbesondere an den Kunst- und Musikhochschulen im Freistaat Sachsen zeigt sich Potenzial zur Erhöhung
des weiblichen Personals. Ein höherer Frauenanteil am künstlerischen und wissenschaftlichen Personal
trägt auch dazu bei, dass sich Frauen durch weibliche Vorbilder eher für ein entsprechendes Studium bzw.
Beruf entscheiden
31
.
Auch im Hinblick auf die Gründungsaktivitäten weicht der Anteil von Frauen von dem der Männer ab.
Ungefähr 36 % der KKwi-Gründungen werden im Jahr 2010 bundesweit durch Frauen vollzogen
32
. Dies ist
ein geringerer Anteil als im Durchschnitt aller Wirtschaftsbranchen (41 %)
33
. Da in der KKwi ein großer Teil
der Gründungen auf die beschäftigungsintensive Software-/Games-Industrie entfällt
34
, wirkt die
Gesamtsituation negativer als es in den meisten Teilmärkten der KKwi tatsächlich der Fall ist. Zusätzlich
zeigt sich, dass Frauen häufiger im Nebenerwerb gründen, mit geringerem Kapital und geringeren
31
Schulz, G., Ries, C. & Zimmermann, O. (2016) S. 72f.
32
bga (2015), S. 6 & KfW-Research (2011), S.15f.
33
KfW Research (2011), S. 15f.
34
bga (2015), S. 6; Kapitel 3.11
0,0%
10,0%
20,0%
30,0%
40,0%
50,0%
60,0%
70,0%
80,0%
90,0%
Hochschule
für
Bildende
Künste
Dresden
Hochschule
für
Grafik und
Buchkunst
Leipzig
Hochschule
für
Musik
Dresden
Hochschule
für
Musik
und
Theater
Leipzig
Palucca
Hochschule
für Tanz
Dresden
HS für
Kirchenmusik
Dresden
Design-
hochschule
Leipzig
(Priv. FH)
Frauenanteil Studierende
WS 2016/2017
Frauenanteil
Studienanfänger WS
2016/2017
hauptberufliches
wissenschaftliches und
künstlerisches Personal
2015

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
28
Wachstumsperspektiven. Sie bleiben oftmals Einzelunternehmerinnen mit häufig niedrigen Umsätzen.
35
Es
lassen sich auch geographische Unterschiede beim Gründungsverhalten erkennen. Eine Studie zeigt, dass
in Ostdeutschland und damit auch Sachsen über alle Wirtschaftsbranchen hinweg mehr Frauen in
Vollerwerb gründen als im Bundesdurchschnitt
36
, was u. a. auf das unterschiedliche Rollenbild der Frauen in
Ost- und Westdeutschland zurückgeführt werden kann und historisch gewachsen ist.
Auch heute werden politische Anreize für weibliches Unternehmertum gesetzt. Der Freistaat Sachsen
verleiht z. B. den Sächsischen Gründerinnenpreis. Dieser staatliche Gründerwettbewerb ehrt Frauen für
unternehmerisches Engagement. Den ersten Sächsischen Gründerinnenpreis hat Sachsens Staatsregierung
im Jahr 2008 verliehen. Seitdem haben zehn Unternehmerinnen aus unterschiedlichen Branchen diese
Auszeichnung erhalten und dadurch mehr öffentliche Sichtbarkeit und Beachtung erreicht. Auch die Initiative
„FRAUEN unternehmen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie verfolgte u. a. den Ansatz die
Präsenz und Sichtbarkeit von Unternehmerinnen in der Öffentlichkeit zu erhöhen. Der Freistaat Sachsen
fördert – über die zur Verfügung stehenden Unterstützungsmöglichkeiten zur Existenzgründung (vgl.
Näheres in Kapitel 4) hinaus – Frauen bei der Unternehmensgründung im ländlichen Raum mit einem
Zuschuss bis zu 6.000 Euro pro Unternehmen
37
.
Unterschiede zwischen Frauen und Männern zeigen sich auch bei einer differenzierten Betrachtung der
beruflichen Stellung und des durchschnittlichen Einkommens. Führungspositionen
38
sind auch in der KKwi
auffällig oft von Männern besetzt. Zahlen für die Film- und Werbeindustrie demonstrieren dies beispielhaft.
Demnach werden im DACH-Raum (Deutschland, Österreich und die Schweiz) nur rd. 21 % der
Werbeagenturen und 17 % der Filmproduktionen von Frauen geführt
39
. Bühnenleitungen werden mit 22 %
ebenfalls nur sehr vereinzelt von Frauen bekleidet. Bei den sächsischen Kultureinrichtungen zeigt sich ein
leicht positiveres Bild. Der Frauenanteil bei den Führungspositionen 2014 beim Staatsschauspiel und der
Staatsoper Dresden liegt bei 40 % und bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresdens bei rd. 42 %
40
. Für
die unterschiedliche berufliche Stellung von Frauen und Männern gibt es verschiedene Ursachen. So sind
weiterhin bestehende Rollenstereotype in der Fremdwahrnehmung in Form von mangelnder Belastbarkeit
oder Durchsetzungsfähigkeit von Frauen, Schwierigkeiten in Konkurrenzsituationen oder unterschiedlichen
Prioritäten von Frauen und Männern bei der Gewichtung von Beruf und Familie ein Grund
41
. Auch die
Fraunhofer-Gesellschaft hat in einer Umfrage unter weiblichen und männlichen Führungskräften ermittelt,
dass Frauen Eigenschaften und Stärken zugewiesen werden, die als nicht förderlich für eine
Führungsposition (z. B. Durchsetzungsfähigkeit) gesehen werden
42
. Eine andere Studie der Manpower
Group und dem KCI KompetenzCentrum hat hingegen ermittelt, dass Frauen in Unternehmen nicht
genügend bei dem Erwerb von Führungskompetenzen gefördert werden
43
.
Wie Abbildung 17 zeigt, geben die Daten der KSK auch Auskunft über das geschlechtsspezifische
Einkommensgefälle – Neudeutsch: Gender Pay Gap. Die in Sachsen bei der KSK versicherten Frauen
erhalten mit durchschnittlich 10.902 €
44
im Jahr 2016 nur 81 % des Einkommens ihrer männlichen Kollegen.
35
Lauxen-Ulbrich, M. & Fehrenbach, S. (2004), S. 11ff. & Pritzkow, A., F3 Marketing (2009), S. 40ff.
36
SMWA (2013), S. 11
37
Richtlinie zur Förderung der Chancengleichheit vom 9. März 2016 (SächsABl. S. 366)
38
Es existiert keine einheitliche Definition oder Operationalisierung von Führungspositionen. Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert
Führungskräfte folgendermaßen: „Personen mit Personal- und Sachverantwortung. Haben aufgrund ihrer (relativ hohen) hierarchischen
Stellung Einfluss auf das gesamte Unternehmen oder seine wichtigsten Teilbereiche.“ (Gabler Wirtschaftslexikon, o.J.). Oftmals wird
hierunter jedoch nur die Besetzung der Geschäftsführung verstanden.
39
Filestage GmbH (2016), S. 10f.
40
SMWK (2014)
41
ver.di Bundesfachbereichsfrauenvorstand Medien, Kunst und Industrie (2016), S. 3
42
FAZ (2011)
43
Bildungsspiegel (2017)
44
„Differenz aus Betriebseinnahmen und -ausgaben. Es ist das Ergebnis einer nach den allgemeinen Gewinnermittlungsvorschriften
des Einkommensteuerrechts aufgestellten Gewinn- und Verlustrechnung.“ (KSK o.J.)

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
29
|
Diese asymmetrische Einkommensverteilung zeigt sich anhand der Angaben der KSK in größerem Maße
auch auf Bundesebene, wo KSK-versicherte Frauen nur 75 % des Einkommens der Männer verdienen.
Gegenüber 2010 ist in Sachsen das durchschnittliche Jahreseinkommen der Frauen um 19,6 % bzw. um
1.785 € gestiegen. Bei den Männern steigen die Jahreseinkommen mit einem Plus von 19,4 % in einem
ähnlichen Verhältnis. In absoluten Zahlen fällt die Einkommenssteigerung bei den Männern mit einem
Anstieg um 2.198 € jedoch höher aus. Damit bleibt im Vergleich zu 2010 das geschlechtsspezifische
Einkommensgefälle in Sachsen unverändert bei 81 %. In Relation zum Bundesdurchschnitt der weiblichen
Versicherten ist das Einkommen von Frauen in der sächsischen KKwi mit 10.902 € gegenüber 13.621 € auf
Bundesebene unterdurchschnittlich.
Die geschlechterspezifischen Einkommen in den vier Berufsgruppen sind unterschiedlich stark ausgeprägt
(Abbildung 17). Am deutlichsten ist der Unterschied in der Berufsgruppe Darstellende Kunst. Mit 10.042 €
verdienen Frauen im Jahr 2016 nur 67,9 % von dem durchschnittlichen Einkommen ihrer männlichen
Kollegen. Den geringsten Gender Pay Gap weist die Berufsgruppe Musik auf, in der Frauen ein
durchschnittliches Jahreseinkommen von 10.247 € erzielen und somit 84,6 % des Einkommens der Männer
erhalten. In der Berufsgruppe Bildende Kunst verdienen Frauen mit durchschnittlich 9.981 € am wenigsten
und die Einkommenslücke beträgt 20,8 %. In der Berufsgruppe Wort, in der Frauen mit 14.065 € auch das
höchste Einkommen im Vergleich der vier Berufsgruppen erhalten, beträgt die Lücke 16,4 %. Ähnliche
Einkommensunterschiede zeigen auch die Ergebnisse einer Befragung von Architekten und Planern.
Hiernach verdienen Frauen in Architektur- und Planungsbüros mit jährlich 35.585 € brutto nur knapp 83,4 %
von dem, was Männer erhalten
45
.
Abbildung 17:
Durchschnittlicher Anteil des Einkommens von Frauen im Vergleich zu Männern nach
Berufsgruppen der KSK in Sachsen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, Eigene Berechnungen auf Basis der Künstlersozialkasse (KSK).
Die Höhe des Gender Pay Gap ist stark vom Alter abhängig. Im geschlechterspezifischen Vergleich
bewegen sich die Durchschnittseinkommen der unter 30-Jährigen in den Berufsgruppen Wort und Bildende
Kunst auf einem ähnlichen Niveau. Mit zunehmendem Alter steigen die Durchschnittseinkommen der Frauen
langsamer als die der Männer. Der Gender Pay Gap steigt in diesen beiden Berufsgruppen mit dem Alter der
Versicherten. Anders verhält es sich in den Berufsgruppen Musik und Darstellende Kunst: Männer verdienen
zwar durchschnittlich mehr als Frauen, jedoch steigt das Durchschnittseinkommen der Frauen im
45
Hommerich Forschung (2015), S. 26
83,6%
79,2%
84,6%
67,9%
80,6%
60%
65%
70%
75%
80%
85%
90%
Wort
Bildene Kunst
Musik
Darstellende
Kunst
Insgesamt
Anteil des Einkommens von Frauen im
Vergleich zu Männern in %

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
30
zunehmenden Alter deutlicher an als bei den Männern, so dass sich die geschlechterspezifische
Einkommensdifferenz leicht verringert. Bei den Berufsanfängern der KSK zeigt sich insgesamt eine relativ
homogene Bezahlung. In der Berufsgruppe Wort ist das Einkommen für die Berufsanfängerinnen mit
16.650 € sogar höher als für Berufsanfänger mit 12.080 €. In der Gruppe Bildende Kunst hingegen
verdienen Berufseinsteigerinnen nur 6.868 €, die männlichen Kollegen jedoch 10.479 €.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die sächsische KKwi Entwicklungsspielräume zur Erhöhung
der Beschäftigung und zur Verbesserung der Einkommenssituation von Frauen bietet. Mit einem
Beschäftigungsanteil unterhalb der sächsischen Gesamtwirtschaft ist das Beschäftigungspotenzial der
Frauen in der sächsischen KKwi noch nicht ausgeschöpft. Potenziale zur weiteren Unterstützung von Frauen
in der KKwi reichen von der zielgerichteten Berufs- und Studienorientierung, über die Unterstützung von
Gründungen in Voll- und Teilzeit bis hin zu einer Anteilserhöhung von Frauen in Führungspositionen. Das
Dossier „Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft“ widmet sich der Rolle der Frauen in der Kulturwirtschaft
und zeigt an Beispielen, wie Geschlechtergerechtigkeit umgesetzt werden kann.
46
Grundsätzlich lässt sich
allerdings konstatieren, dass es eines Kulturwandels in den Einrichtungen, Organisationen und
Unternehmen bedarf. Chancengleichheit muss aktiv von den Leitungsebenen initiiert, gefordert und
kommuniziert werden. Vielfalt in den Einrichtungen und Teams nach Geschlecht oder auch nach Nationalität
und Altersgruppe sind ein Gewinn für alle.
47
46
Deutscher Kulturrat (2017)
47
u. a. Krempkow, R., Pohlenz, P. & Huber, N. (2014)

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
31
|
2.6. Sozioökonomische Merkmale der Erwerbstätigen
der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft
Im vorliegenden Kapitel wird die KKwi anhand der sozioökonomischen Merkmale Alter und Durchschnitts-
einkommen auf Basis der Daten der KSK analysiert. Es werden die Entwicklungen in verschiedenen
Berufsgruppen und bei Berufsanfängern skizziert.
Im Freistaat Sachsen waren zum 01.01.2016 insgesamt 7.452 Kreativ- und Kulturschaffende in der KSK
versichert. Gegenüber 2010 bedeutet dies einen Anstieg um 22 % bzw. um 1.337 Versicherte. Von den rd.
7.500 Versicherten in der KSK im Jahr 2016 entfallen jeweils etwa ein Drittel auf die Berufsgruppen Musik
(2.487 Versicherte) und Bildende Kunst (2.475). Zudem entfällt etwa ein Fünftel der Versicherten auf die
Berufsgruppe Wort (1.485) und in der Berufsgruppe Darstellende Kunst sind 1.005 Personen (13,5 %)
versichert. Bundesweit zeigt die Verteilung der Versicherten auf die vier Berufsgruppen ein vergleichbares
Bild: Bildende Kunst: 34,8 %, Musik: 28,1 %, Wort: 23,5 % und Darstellende Kunst: 13,7 %.
Die Anzahl der versicherten Berufsanfänger bei der KSK hat sich im Zeitraum von 2010 bis 2016 sowohl
bundesweit als auch im Freistaat Sachsen deutlich verringert. In Sachsen hat sich die Zahl von 693
Berufsanfängern im Jahr 2010 auf 332 Versicherte im Jahr 2016 mehr als halbiert. Bundesweit ist die Anzahl
der versicherten Berufsanfänger von 2010 bis 2016 um 44,4 % gesunken. Auch der Anteil der
Berufsanfänger an allen KSK-Versicherten hat sich in Sachsen von 11,3 % auf 4,5 % reduziert.
Abbildung 18:
Versicherte der KSK in Sachsen nach Geschlecht und Altersgruppen 2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Künstlersozialkasse (KSK).
In Kapitel 2.5 wurde bereits aufgezeigt, dass in Sachsen und auch bundesweit mehr Männer als Frauen in
der KSK versichert sind. Die differenzierte Betrachtung der Versicherten nach Altersgruppen in Abbildung 18
zeigt nun, dass Frauen in den Berufseinstiegsjahren, d.h. in den Altersgruppen „unter 30 Jahre“ und
zwischen „30 bis 40 Jahre“ den Anteil ihrer männlichen Kollegen übersteigen. In den Altersgruppen ab 40
Jahren überwiegen dann die Männer.
Für den Zeitraum von 2010 bis 2014 lassen sich die meisten KSK-Versicherten in Sachsen unabhängig von
ihrem Geschlecht und der Berufsgruppe der Altersgruppe von 40 bis 50 Jahren zuordnen. Im Zeitraum von
2015 bis 2016 zeigt sich eine leichte „Verjüngung“ des Versichertenbestandes, so dass das Gros der
Versicherten auf die Altersgruppe der 30- bis 40-Jährigen entfällt (Abbildung 18).
0
200
400
600
800
1.000
1.200
1.400
unter 30 Jahre
30 bis 40 Jahre
40 bis 50 Jahre
50 bis 60 Jahre
60 jahre und älter
männlich
weiblich

Die sächsische Kultur- und Kreativwirtschaft als Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor
|
32
Abbildung 19:
Entwicklung der jährlichen Durchschnittseinkommen nach Berufsgruppe in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Künstlersozialkasse (KSK).
Der jährliche Durchschnittsverdienst der KSK-Versicherten über alle Berufsgruppen liegt 2016 in Sachsen
mit 12.301 € deutlich unter dem Durchschnittseinkommen auf Bundesebene mit 15.945 € (Abbildung 19).
Dieser Unterschied hat sich seit 2010 verstärkt. Das Durchschnittseinkommen ist in Sachsen um 19 %, auf
Bundesebene jedoch um 20 % gestiegen. Beim Durchschnittseinkommen bestehen nicht nur signifikante
Unterschiede nach dem Geschlecht, sondern auch geschlechtsunabhängig ist eine Differenzierung
hinsichtlich der Berufsgruppe und dem Alter möglich:
Das höchste Durchschnittseinkommen im Jahr 2016 wird in Sachsen in der Berufsgruppe Wort mit 15.515 €
erzielt. Auch bundesweit liegt diese Berufsgruppe mit 19.603 € an der Spitze. Zur Berufsgruppe Wort zählen
u. a. Autoren, Journalisten, Redakteure, Lektoren oder auch Fachleute für Öffentlichkeitsarbeit oder
Werbung. Am wenigsten verdienen in Sachsen die versicherten Personen in der Berufsgruppe Musik mit
durchschnittlich 11.302 € pro Jahr, d.h. selbstständige Musiker, Komponisten, Chorleiter, Dirigenten oder
selbstständige Pädagogen im Bereich Musik.
Wird zusätzlich das Alter in die Analyse einbezogen, zeigen sich ebenfalls sehr große Unterschiede. Aus
den Werten für Sachsen im Jahr 2016 lässt sich bspw. ablesen, dass die unter 30-Jährigen der
Berufsgruppe Wort das höchste Durchschnittseinkommen i. H. v. 18.398 € im Jahr erzielen. Mit
zunehmendem Alter sinkt jedoch das Durchschnittseinkommen deutlich. Folglich verdienen die 60-Jährigen
oder älteren versicherten Personen hier im Durchschnitt 25 % weniger als die unter 30-Jährigen. Bei den
anderen Berufsgruppen entwickelt sich das Einkommen zumindest bis zum Alter von 50 oder 60 Jahren
stetig nach oben.
15.515
11.357
11.302
12.347
12.301
15.945
9.000
10.000
11.000
12.000
13.000
14.000
15.000
16.000
17.000
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
Jährliche Durchschnitsseinkommen in €
Wort
Bildende Kunst
Musik
Darstellende Kunst
Insgesamt Sachsen
Insgesamt Deutschland

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
33
|
3. Teilmärkte der Kultur- und
Kreativwirtschaft in Sachsen
Unter dem Branchenbegriff KKwi werden in Sachsen zwölf Teilmärkte zusammengefasst, wobei neun
Teilmärkte zur Kulturwirtschaft und drei Teilmärkte zur Kreativwirtschaft zählen (Tabelle 3). Die
Differenzierung in Kulturwirtschaft und Kreativwirtschaft lehnt sich an die Systematik des 1. KWB an (Kapitel
1.1). Mit dieser Systematik ist keine originäre Beanspruchung des Begriffs „Kreativität“ ausschließlich für den
Bereich der Kreativwirtschaft verbunden.
Tabelle 3:
Die zwölf der Teilmärkte der KKwi in Sachsen
Kulturwirtschaft
Kreativwirtschaft
1. Musikwirtschaft
2. Buchmarkt
3. Kunstmarkt
4. Filmwirtschaft
5. Rundfunkwirtschaft
6. Darstellende Künste
7. Architekturmarkt
8. Designwirtschaft
9. Pressemarkt
10. Werbemarkt
11. Software-/Games-Industrie
12. Kunsthandwerk
Die zwölf Teilmärkte bedienen mit ihren unterschiedlichen Produkten und Dienstleistungen verschiedene
Märkte und Kundengruppen. Sie unterscheiden sich auch hinsichtlich ihrer Wertschöpfungsketten,
Geschäftsmodelle und angewandten Technologien. Diese Unterschiede bestehen nicht nur zwischen den
einzelnen Teilmärkten. Vielmehr ist jeder Teilmarkt auch in sich durch Heterogenität geprägt (Tabelle 20 im
Anhang).
Auf der nachfolgenden Übersicht sind die zwölf Teilmärkte der sächsischen KKwi anhand der Indikatoren
Erwerbstätige (bestehend aus SvB sowie Selbstständigen und Unternehmen mit einem durchschnittlichen
Jahresumsatz von mehr als 17.500 €), Umsatz und Anteil der Frauen an den SvB dargestellt. Für diese drei
Kenngrößen finden sich absolute und relative Werte. Die relativen Anteile der Erwerbstätigen und Umsätze
beziehen sich auf den Anteil an der sächsischen KKwi und der Frauenanteil gibt den Anteil weiblicher SvB
an allen Beschäftigten innerhalb eines Teilmarktes wieder.
Zu den umsatzstärksten Teilmärkten in der sächsischen KKwi zählen, unverändert zum 1. KWB, die
Teilmärkte Presse und Software/Games. 2015 erzielt der Pressemarkt ein Umsatzvolumen von 792 Mio. €
und die Software-/Games-Industrie einen Umsatz i. H. v. 708 Mio. €. In diesen beiden Teilmärkten werden
damit zwei Fünftel des Gesamtumsatzes der sächsischen KKwi erwirtschaftet. Zentrale Arbeitgeber sind die
Teilmärkte Software/Games, Design und der Pressemarkt. Diese drei Teilmärkte beschäftigen die Hälfte der
Erwerbstätigen in Sachsens KKwi.

6
ET-Anteil an
KKwi in %
3.205
Erwerbstätige
36
930
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
8
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
299
Umsatz
in Mio. €
Musikwirtschaft
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
2
818
63
174
3
97
Kunstmarkt
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
4
1.872
49
519
3
113
Rundfunkwirtschaft
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
10
5.073
65
2.105
9
354
Designwirtschaft
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
10
5.146
63
2.301
21
792
Pressemarkt
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
30
15.455
31
4.737
19
708
Software- / Games-Industrie
Die Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft (KKwi) in Sachsen
Erwerbstätige* (ET), Umsatz und Anteil der Frauen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) absolut und relativ
* Erwerbstätige, bestehend aus sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und Selbstständigen mit einem durchschnittlichen Jahresumsatz von mehr als 17.500 € im Jahr. Daten für Erwerbstätige und Umsatz beziehen sich auf 2015, die Frauenanteile auf 2016.
Infografik
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
4
2.017
75
1.105
4
134
Buchmarkt
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
4
1.979
49
593
3
111
Filmwirtschaft
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
4
2.015
51
662
5
175
Markt für darstellende Künste
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
8
4.393
56
1.869
7
254
Architekturmarkt
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
9
4.622
53
1.797
9
333
Werbemarkt
ET-Anteil an
KKwi in %
Erwerbstätige
Frauenanteil an
allen SvB in %
Frauen
Umsatz-Anteil an
KKwi in %
Umsatz
in Mio. €
9
4.468
57
2.375
8
294
Kunsthandwerk

6
Percentage of
workforce on
total CCI
3,205
Number of
workforce
36
930
Share of female
employees in %
Women
8
Percentage of
turnover on
total CCI
299
Turnover
in € m
Music industry
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
2
818
63
174
3
97
Art market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
4
1,872
49
519
3
113
Broadcasting industry
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
10
5,073
65
2,105
9
354
Design industry
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
10
5,146
63
2,301
21
792
Press market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
30
15,455
31
4,737
19
708
Software / games industry
The submarkets of the Cultural and Creative Industries (CCI) in Saxony
Workforce*, turnover and share of female regular employees paying social insurance in absolute and relative terms
* The workforce, consists of regular employees paying social insurance and self-employed people with an annual turnover of more than €17,500. The data for workforce refers to 2015, the share of female employees to 2016.
infographic
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
4
2,017
75
1,105
4
134
Book market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
4
1,979
49
593
3
111
Film industry
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
4
2,015
51
662
5
175
Performing arts market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
8
4,393
56
1,869
7
254
Architecture market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
9
4,622
53
1,797
9
333
Advertising market
Percentage of
workforce on
total CCI
Number of
workforce
Share of female
employees in %
Women
Percentage of
turnover on
total CCI
Turnover
in € m
9
4,468
57
2,375
8
294
Handicrafts

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Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
36
Abbildung 20:
Entwicklung der Umsätze und Erwerbstätigen* in den Teilmärkten der sächsischen KKwi von
2010 bis 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. *Bezogen auf die Erwerbstätigen, bestehend aus SvB und Unternehmen mit einem durchschnittlichen
Jahresumsatz von mehr als 17.500 € im Jahr.
Abbildung 20 stellt die Entwicklung der Umsätze und der Erwerbstätigen in den Teilmärkten der sächsischen
KKwi im
Zeitraum
von
2010 bis 2015 dar.
Die Software-/Games-Industrie setzt sich
als
beschäftigungsstärkster Teilmarkt der sächsischen KKwi gegenüber den anderen elf Teilmärkten deutlich ab.
Mit ca. 15.500 Erwerbstätigen, ist rund jeder dritte Kreativschaffende im Freistaat Sachsen im Markt für
Software/Games tätig. Der Bedeutungsgewinn der Branche ist insbesondere vor der zunehmenden digitalen
Transformation aller Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensbereiche erklärbar (Kapitel 5). Dass die Branche eine
wichtige Querschnittsfunktion einnimmt und als Treiber für digitale Anwendungen und Prozesse gilt, wird
auch anhand der Entwicklungen von Umsatz und Beschäftigung im Zeitraum von 2010 bis 2015 deutlich.
Der Teilmarkt weist ein Umsatzplus von 55 % und eine Steigerung bei der Anzahl der Erwerbstätigen um
77 % auf. Eine ebenfalls positive Entwicklung bei beiden Indikatoren ist auch bei den Teilmärkten Design
(Umsatz: +40 %; Erwerbstätige +22 %), Kunsthandwerk (Umsatz: +41 %; Erwerbstätige +16 %),
darstellende Künste (Umsatz: +9%; Erwerbstätige +14%), Architektur (Umsatz: +27 %; Erwerbstätige
+10 %), Musik (Umsatz: +27 %; Erwerbstätige +2 %) und Werbemarkt (Umsatz: +22 %; Erwerbstätige +3 %)
zu erkennen. Eine Besonderheit kommt dem Teilmarkt darstellende Künste zu. Mit 2.000 Erwerbstätigen ist
er der kleinste wachsende Teilmarkt.
Bei den übrigen Teilmärkten Buchmarkt (Umsatz: -30 %; Erwerbstätige -17 %), Kunstmarkt (Umsatz: -40 %;
Erwerbstätige -7 %), Film- (Umsatz: -31 %; Erwerbstätige -9 %) und Rundfunkwirtschaft (Umsatz: -30 %;
Erwerbstätige -1 %) zeigt sich im Betrachtungszeitraum hingegen eine rückläufige Entwicklung bei beiden
Indikatoren. Gemein ist diesen vier Teilmärkten, dass sie mit 2.000 und weniger Erwerbstätigen zu den
kleineren Märkten der sächsischen KKwi zählen. Auch wenn der ökonomische Beitrag dieser kleinen
-50
-40
-30
-20
-10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
-25
-15
-5
5
15
25
35
45
55
65
75
85
95
Umsatzentwicklung
2010-2015 in %
Entwicklung der Erwerbstätigen
2010-2015 in %
Software/Games
15.500
Darstellende
Künste
2.000
Werbemarkt
4.600
Kunst-
handwerk
4.500
Architektur-
markt
4.400
Presse-
markt
5.100
Film-
wirtschaft
2.000
Rundfunk-
wirtschaft
1.900
Musik-
wirtschaft
3.200
Kunstmarkt
800
Erwerbstätige
absolut auf 100
gerundet
Durchschnitt der
KKwi Sachsen
Buchmarkt
2.000
Design-
wirtschaft
5.100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
37
|
Teilmärkte an der sächsischen KKwi sinkt, leisten sie einen hohen kulturellen Beitrag, bspw. zählt der
Kunstmarkt als wichtiges Bindeglied in der Gesellschaft und Brückenbauer zur Kultur und dem
Kulturtourismus.
Zusammenfassend zeigt sich, dass die Teilmärkte der KKwi im Freistaat Sachsen mehrheitlich positive
Entwicklungspfade genommen haben: Alle drei Teilmärkte der Kreativwirtschaft zeigen positive
Wachstumseffekte bei der Entwicklung der Umsätze und der Erwerbstätigen. In der Kulturwirtschaft
verzeichnen fünf von neun Teilmärkten positive Umsatzentwicklungen, davon vier auch ein Wachstum bei
den Erwerbstätigen.
Lesehinweis
In den folgenden Teilkapiteln werden die zwölf Teilmärkte der KKwi ausführlich im Betrachtungszeitraum von
2010 bis 2015 dargestellt. Für die Lesart der im Folgenden gemachten Angaben zu den
Unternehmensanzahlen ist anzumerken, dass sich diese auf die Selbständigen und Unternehmen der
Größenklasse 1 (mit einem Jahresumsatz von mindestens 17.500 €) beziehen. Sofern darüber
hinausgehende Informationen zu den Selbstständigen und Unternehmen der Größenklasse 2 (mit weniger
als 17.500 € Jahresumsatz) gemacht werden, wird dies gesondert gekennzeichnet.
Die Darstellungen der regionalen Verteilung der jeweiligen Teilmärkte auf die Kulturräume basieren auf den
Unternehmenszahlen des URS. Das URS trifft gegenüber den Unternehmensanzahlen aus der
Umsatzsteuerstatistik keine Unterscheidung der Unternehmen nach Größenklassen. Daher weicht die
Unternehmensanzahl
in
den
nachfolgenden
Darstellungen
geringfügig
von
den
bisherigen
Unternehmensangaben ab (Kapitel 1.1). Zum Aufzeigen der Struktur der Teilmärkte nach Kulturräumen sind
jeweils die drei stärksten Segmente eines Teilmarktes kenntlich gemacht. Die restlichen Segmente sind im
Sinne der Übersichtlichkeit und Lesbarkeit unter „andere Wirtschaftszweige“ zusammengefasst.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
38
3.1. Musikwirtschaft
Zur sächsischen Musikwirtschaft zählen Musiker, Komponisten und Ensembles genauso wie Tonstudios,
Tonträger- und Musikverlage. Neben Theater- und Konzertveranstaltern bilden auch der Einzelhandel mit
bespielten Ton-/Bildträgern, der Handel und die Herstellung von Musikinstrumenten sowie Dienstleistungen
für die Darstellende Kunst wichtige Wirtschaftssegmente. In Tabelle 4 sind die sächsische Musikwirtschaft
insgesamt sowie die einzelnen Wirtschaftszweige aufgeführt.
Tabelle 4:
Kennzahlen der Musikwirtschaft in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Musikwirtschaft
592
299
3.205
505
5,4
Anteil an der KKwi in %
5
8
6
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.03.1
Selbständige Komponisten,
Musikbearbeiter
15
2
79
90.01.2
Ensembles, Ballettgruppen,
Orchester
7
3
201
59.20.1
Tonstudios etc.
5
4
345
59.20.2
Tonträgerverlage
3
1
272
59.20.3
Musikverlage
4
3
437
90.04.1
Theater- und Konzertveranstalter
10
20
1.013
90.04.2
Private Musical-/Theaterhäuser,
Konzerthallen u.ä.
1
10
5.060
90.02
Dienstleistungen f. d. Darst. Kunst
16
10
303
47.59.3
EH mit Musikinstrumenten etc.
11
12
526
47.63
EH mit bespielten Ton-/Bildträgern
3
1
248
32.2
Herstellung von
Musikinstrumenten
25
34
679
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Die 592 sächsischen Unternehmen der Musikwirtschaft erwirtschaften 2015 insgesamt einen Umsatz von
299 Mio. € und generieren damit 8 % des Gesamtumsatzes der sächsischen KKwi. Im Vergleich mit dem
Jahr 2010 sind die Umsätze der Musikwirtschaft um 64 Mio. €, d. h. um 27 % gestiegen – weit mehr als der
Gesamtumsatz der sächsischen KKwi mit einem Plus von 18 % und der Gesamtumsatz der sächsischen
Wirtschaft mit einem Plus von 16 %.
Die Zahl der Erwerbstätigen entwickelte sich hingegen moderat. Mit 3.205 Erwerbstätigen im Jahr 2015,
lässt sich ein Plus von 1,6 % bzw. 50 Personen gegenüber 2010 verzeichnen. Von den 3.205
Erwerbstätigen sind 2.613 den SvB zuzuordnen. Werden die Selbstständigen und Unternehmen der
Größenklasse 2 sowie die GB zusätzlich einbezogen, erhöht sich die Anzahl um über 1.500 Erwerbstätige in
der Musikwirtschaft.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
39
|
Zwischen 2010 und 2016 ist die Zahl der SvB nur geringfügig um -0,8 % auf 2.615 gesunken. Der
Frauenanteil bei den SvB liegt mit 36 % in 2016 unter dem Durchschnitt
48
. Als ein Erklärungsansatz kann der
geringe Frauenanteil im Musikinstrumentenbau herangezogen werden. Dieser Wirtschaftszweig, der durch
einen hohen Anteil an allen SvB innerhalb der sächsischen Musikwirtschaft gekennzeichnet ist, wies im Jahr
2008 einen Frauenanteil von 30 % auf
49
. Der Instrumentenbau in Sachsen wird traditionell eher als
Männerberuf gesehen und ist körperlich vergleichsweise anspruchsvoll
50
.
Die Umsätze je Unternehmen sind im Vergleich zum 1. KWB von 397 Tsd. € auf 505 Tsd. € deutlich
gestiegen, was darauf zurückgeht, dass die Umsätze schneller gestiegen sind als die Anzahl der
Unternehmen in der sächsischen Musikwirtschaft. Erklärt werden kann diese Entwicklung mit
Kostenreduktionen
und
Produktivitätsgewinnen,
die
sich
durch
die
Digitalisierung
der
Wertschöpfungsprozesse in der Musikwirtschaft einstellen. Zum Beispiel lässt sich mit Hilfe von Musik-
Software die Arbeit u. a. in Tonstudios oder Schneideräumen vereinfachen. Zudem machen Plattformen wie
Amazon (music unlimited), Spotify, Deezer oder simfy Vertriebskanäle zeit- und ortsunabhängig. Da die
Anzahl der Unternehmen im Gegensatz zu den SvB seit 2010 steigt, ist die Musikwirtschaft von einer
sinkenden Erwerbstätigenzahl je Unternehmen gekennzeichnet. 2015 liegt diese bei durchschnittlich 5,4.
Mit Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige im Jahr 2015 werden Unterschiede hinsichtlich des erzielten
Umsatzes und bei der Anzahl der Unternehmen (Größenklasse 1) deutlich. Den Schwerpunkt innerhalb der
sächsischen Musikwirtschaft bildet die Herstellung von Musikinstrumenten mit einem Umsatz von rd.
100 Mio. € bzw. einem Anteil von mehr als einem Drittel an den Unternehmen. Der hohe Stellenwert des
vogtländischen Musikinstrumentenbaus ist historisch bedingt und zeigt wie wettbewerbsfähig noch heute der
Standort Sachsen im Instrumentenbereich ist. Auch die Aufnahme des Orgelbaus, als wichtige Säule der
sächsischen Musikinstrumentenproduktion, in die UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes stellt die
bedeutsame Rolle dieses Wirtschaftszweigs innerhalb der sächsischen Musikwirtschaft heraus
51
. Den
zweithöchsten Anteil am Gesamtumsatz der sächsischen Musikwirtschaft erzielen Theater- und
Konzertveranstalter mit 20 %, die jedoch mit nur 10 % einen vergleichsweise geringen Anteil an den
Unternehmen stellen. Ähnlich verhält es sich mit privaten Musical- und Konzerthallen sowie Konzerthäusern,
wo wenige Unternehmen einen hohen Umsatz erzielen. Bei den selbstständigen Komponisten und
Musikbearbeitern zeigt sich das Gegenbild: 15 % der Unternehmen erwirtschaften nur 2 % vom
Gesamtumsatz des sächsischen Musikmarktes.
48
Der durchschnittliche Frauenanteil in der sächsischen KKwi liegt bei 46,6 % (vgl. Kapitel 2.5).
49
MIZ & Deutscher Musikrat gGmbH. (2008), S. 8
50
FAZ
(2014,
a)
&
Zeit
Online (2010)
51
SMWK (2017, b)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
40
Abbildung 21:
Entwicklung der Unternehmensanzahl in der Musikwirtschaft in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Wie Abbildung 21 zeigt, hat sich die Anzahl der Unternehmen der Musikwirtschaft von 2010 bis 2015
überdurchschnittlich positiv entwickelt. Mit einem Plus von 14 % ist die Anzahl der Unternehmen deutlich
stärker gestiegen als die Unternehmensanzahl der sächsischen Gesamtwirtschaft (+2 %) und etwas stärker
als die die Unternehmensanzahl der sächsischen KKwi, die ein Plus von 9 % verzeichnet. Für 2016 lassen
die Schätzungen eine Fortsetzung dieser Trends erwarten.
Abbildung 22:
Regionale Verteilung der Unternehmen der sächsischen Musikwirtschaft nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
107
107
109
112
114
117
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
95
100
105
110
115
120
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Musikwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
200
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Dienstleistungen f. d. darst. Kunst
EH mit Musikinstrumenten etc.
Herstellung von Musikinstrumenten
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
41
|
Abbildung 22 illustriert die räumliche Verteilung der Unternehmenslandschaft auf die Kulturräume. Leipzig
und Dresden besitzen aufgrund ihrer aktiven Musikszene u. a. durch die ansässigen Musikhochschulen
52
eine große Anziehungskraft. Gegenüber den übrigen Kulturräumen sind in Dresden und Leipzig
überdurchschnittlich viele Unternehmen lokalisiert, die Dienstleistungen für die Darstellende Kunst anbieten
(z. B. Tätigkeiten von Regisseuren oder Bühnenbildnern) oder unter der Kategorie „andere
Wirtschaftszweige“ (z. B. Theaterhäuser, Musikensembles) zusammengefasst sind. Im Kulturraum Vogtland-
Zwickau resultiert die hohe Unternehmensanzahl von knapp 140 aus der Sonderstellung des Raumes als
Zentrum des sächsischen Musikinstrumentenbaus. Die Anzahl der Unternehmen der restlichen Kulturräume
bewegt sich zwar auf einem geringen Niveau. Dennoch wird deutlich, dass die Musikwirtschaft
flächendeckend im Freistaat Sachsen vertreten ist.
52
Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig; Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
42
3.2. Buchmarkt
Zu den Wirtschaftszweigen des Buchmarktes zählen die selbstständigen Schriftsteller und Übersetzer sowie
Buchverlage, Buchbindereien, der Einzelhandel mit Büchern sowie Antiquariate. Tabelle 5 stellt die
ökonomischen Eckwerte des sächsischen Buchmarktes und seine Untergliederung in die einzelnen
Wirtschaftszweige dar.
Tabelle 5:
Kennzahlen des Buchmarktes in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Buchmarkt
445
134
2.017
302
4,5
Anteil an der KKwi in %
4
4
4
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.03.2
Selbständige Schriftsteller
27
5
61
74.30.1
Selbständige Übersetzer
9
5
162
58.11
Buchverlage
11
26
709
47.61
EH mit Büchern
33
30
278
47.79.2
Antiquariate
6
2
111
18.14
Buchbinderei,
Druckweiterverarbeitung
13
31
689
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
2015 erwirtschaften im sächsischen Buchmarkt 445 Unternehmen einen Umsatz von 134 Mio. €. Damit
erzielt der Buchmarkt einen Umsatzanteil von 4 % am Gesamtumsatz der KKwi in Sachsen. Gegenüber
2010 haben sich die Umsätze im Buchmarkt um knapp 30 % verringert. Zurückzuführen ist diese
Entwicklung
insbesondere
auf
den
Umsatzverlust
im
Einzelhandel
mit
Büchern.
Mit
einem
Unternehmensanteil von 33 % und einem Umsatzanteil von 30 % ist der Einzelhandel ein zentrales Segment
im Buchmarkt, das mit einem Umsatzverlust von 76 Mio. € gegenüber 2010 entsprechend stark zu Buche
schlägt. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielschichtig. Hierzu gehören u. a. der starke
Konkurrenzdruck durch den zunehmenden Internethandel sowie der steigende Absatz von E-Books
53
. Im
Vergleich zum 1. KWB, der dem Markt jährlich steigende Umsatzzahlen attestierte, zeichnet sich damit in
den letzten Jahren eine gegenläufige Entwicklung beim Umsatz ab.
Mit 2.017 Erwerbstätigen macht der Buchmarkt 2015 einen Anteil von 4 % der gesamten KKwi in Sachsen
aus (Tabelle 29). Unter Einbezug der GB sowie der Selbstständigen und Unternehmen mit weniger als
17.500 € Jahresumsatz erhöht sich die Anzahl der Erwerbstätigen auf 3.729 deutlich. Gegenüber 2010 ist
wie beim Umsatz, auch bei der Erwerbstätigenzahl ein Rückgang beobachtbar (-17 %), so dass auch der
Umsatz pro Erwerbtätigen leicht gesunken ist.
Ein Blick auf die Entwicklung der Anteile der SvB an den Erwerbstätigen zwischen 2010 und 2016 zeigt,
dass die abhängige Beschäftigung ebenfalls rückläufig ist (absolut: -553 Personen; relativ: -27 %). Der
Buchmarkt beschäftigt in 2016 1.477 SvB. Im Jahr 2015 waren es noch 1.572 SvB. Gleichzeitig ist die
53
Börsenverein (2016)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
43
|
Beschäftigung im Buchmarkt durch einen überdurchschnittlich hohen Frauenanteil von 75 % im Jahr 2016
gekennzeichnet
54
.
Seit 2010 ist der Umsatz je Unternehmen auf 302 Tsd. € im Jahr 2015 gesunken. Dies ist die Folge
sinkender Umsätze bei einem gleichzeitigen Wachstum der Unternehmensanzahl. Die Zahl der
Erwerbstätigen je Unternehmen ist ebenfalls rückläufig und liegt 2015 bei 4,5.
Bei den Wirtschaftszweigen nimmt das Segment Buchbinderei und Druckweiterverarbeitung gemessen am
Umsatz von rd. 41 Mio. € (31 %) den wichtigsten Stellenwert ein. Der Anteil der Unternehmen ist mit 13 %
vergleichsweise gering. Dieses Verhältnis spiegelt sich auch im Umsatz je Unternehmen wider, der mit
689 Tsd. € am höchsten ausfällt. Ähnlich verhält es sich bei den Buchverlagen mit einem Umsatzanteil von
26 % und einem Unternehmensanteil von 11 %. Der Umsatz je Unternehmen ist mit 709 Tsd. € auch hier im
Vergleich zum restlichen Buchmarkt sehr viel größer. Umgekehrt zeigt sich die Situation im kleinteiligen
Segment der selbstständigen Schriftsteller, die mit 61 Tsd. € den geringsten Umsatz pro Unternehmen
erzielen.
Abbildung 23:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Buchmarktes in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Aus Abbildung 23 wird deutlich, dass der Buchmarkt trotz eines kleineren Einbruches 2013 eine ähnlich
positive Entwicklung der Unternehmensanzahl im Zeitraum von 2010 bis 2015 vorweisen kann wie die
gesamte KKwi (+9 %). 2016 lässt die Fortsetzung dieser Entwicklung erwarten.
54
Der durchschnittliche Frauenanteil in der sächsischen KKwi liegt bei 46,6 % (vgl. Kapitel 2.5).
100
103
106
103
104
109
111
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Buchmarkt
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
44
Abbildung 24:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Buchmarktes nach Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Abbildung 24 veranschaulicht die räumliche Verteilung der Unternehmenslandschaft auf die Kulturräume.
Leipzig tritt als traditionelle und historisch gewachsene Verlags- und Buchstadt mit 154 Unternehmen
deutlich hervor und ist Heimat für eine Vielzahl von Schriftstellern und Verlagen. Die jährlich stattfindende
Leipziger
Buchmesse
ist
mit
2.493
Ausstellern
aus
43
Ländern
zudem
das
wichtigste
Frühjahrsbranchenforum im deutschsprachigen Raum.
55
Beim Blick auf die ländlichen Kulturäume ist augenfällig, dass der Einzelhandel mit Büchern im Kulturraum
Erzgebirge-Mittelsachsen innerhalb Sachsens am höchsten ist. Im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien
kommt dem sorbischen Buchmarkt eine hohe Bedeutung zu. Als Beispiel hierfür ist die Smolerjec
kniharnja/Smolerʼsche Verlagsbuchhandlung des Domowina-Verlages in Bautzen zu nennen.
55
Leipziger
Buchmesse (o.J.)
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige Schriftsteller/innen
Buchverlage
EH mit Büchern
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
45
|
3.3. Kunstmarkt
Zum Kunstmarkt zählen die Wirtschaftszweige Selbstständige bildende Künstler, der Einzelhandel mit
Kunstgegenständen (z. B. Galerien) sowie Antiquitäten und Museumsshops.
Tabelle 6:
Kennzahlen des Kunstmarktes in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Kunstmarkt
542
97
818
178
1,5
Anteil an der KKwi in %
5
3
2
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.03.3
Selbständige bildende Künstler
73
28
68
47.78.3
EH mit Kunstgegenständen etc.
10
21
370
91.02
Museumsshops etc.
6
46
1.424
47.79.1
EH mit Antiquitäten etc.
12
6
92
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
542 Unternehmen erwirtschaften im sächsischen Kunstmarkt einen Umsatz von 97 Mio. € (Tabelle 6). Mit
einem Anteil von 3 % des Umsatzes an der gesamten KKwi und 5 % an den Unternehmen zählt der
Kunstmarkt zum kleinsten Teilmarkt innerhalb der sächsischen KKwi. Im Vergleich zu 2010 hat sich der
Umsatz um fast 40 % bzw. um 63 Mio. € auf 97 Mio. € im Jahr 2015 verringert. Dies ist u. a. darin begründet,
dass Kunstgegenstände zunehmend über das Internet und über soziale Medien verkauft werden
56
. Digitale
Plattformen wie Artusiast oder auch klassische Verkaufsplattformen wie eBay nehmen statt des klassischen
Einzelhandels in Galerien oder Kunstgeschäften mittlerweile eine zentrale Rolle ein. Gleichzeitig zeigt sich
im internationalen Kunstmarkt jüngst eine eher rückläufige Tendenz der erzielten Umsätze im
Auktionsmarkt
57
.
2015 zählt der Kunstmarkt 818 Erwerbstätige, was einem Anteil von 2 % an den gesamten Erwerbstätigen in
der sächsischen KKwi entspricht. Die Erwerbstätigenzahl hat sich im Vergleich zu 2010 auf 818
Erwerbstätige im Jahr 2015 reduziert, wobei der Rückgang mit etwas über 7 % weniger stark als beim
Umsatz ausfällt. Wenn die GB sowie Selbstständigen und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von
weniger als 17.500 € (Größenklasse 2) eingerechnet werden, verdreifacht sich die Erwerbstätigenzahl
nahezu auf 2.618 (Tabelle 29). Die Vielzahl an GB sowie Selbstständigen und Unternehmen der
Größenklasse 2 spiegelt die Beschäftigungsstruktur im Kunstmarkt wider, die insbesondere von den
Selbständig bildenden Künstlern geprägt ist
Die Anzahl der SvB ist hingegen mit 274 im Jahr 2016 äußerst gering. Die SvB verzeichneten zwischen
2010 und 2016 einen Rückgang um 26 % bzw. um 97 SvB (Tabelle 25). Der Frauenanteil liegt 2016 bei
knapp 63 % und ist damit deutlich höher als in der gesamten KKwi in Sachsen (47 %) und der sächsischen
Gesamtwirtschaft (49 %).
56
Art – Das Kunstmagazin (2015) & VBKI (2016)
57
Der Standard (2016) & Zeit Online (2016)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
46
Die einzelnen Wirtschaftszweige des Kunstmarktes sind unterschiedlich ausgeprägt: Bei den
Museumsshops erwirtschaften relativ wenige Unternehmen (6 %) einen großen Umsatzanteil von 46 % und
erzielen damit den mit Abstand größten Umsatz je Unternehmen. Umgekehrt ist die Situation bei den
Selbstständig bildenden Künstlern, welche bei einem Umsatzanteil von 28 % und einem Unternehmensanteil
von 73 % den geringsten Umsatz je Unternehmen erwirtschaften. Durch den sehr großen Anteil an
Selbstständigen und Unternehmen weist der Kunstmarkt eine sehr geringe Erwerbstätigenzahl je
Unternehmen i. H. v. 1,5 auf. Dies ist der geringste Wert innerhalb der gesamten sächsischen KKwi. Der
Einzelhandel mit Kunstgegenständen nimmt mit einem Umsatz von rd. 20 Mio. € und einem Anteil von 21 %
am sächsischen Kunstmarkt ebenfalls eine wichtige Rolle innerhalb dieses Teilmarkts ein. Speziell bei
Museumsshops, und im geringeren Umfang auch beim Einzelhandel mit Antiquitäten, lassen sich im
Vergleich zu 2010 Umsatzrückgänge registrieren. Bei der Unternehmenszahl sind hingegen noch keine
Rückgänge beobachtbar. Dementsprechend ist auch der Umsatz je Unternehmen mit 178 Tsd. €
vergleichsweise gering.
Abbildung 25:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Kunstmarktes in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Abbildung 25 stellt die Anzahl der Unternehmen des Kunstmarktes zwischen 2010 und 2016 und im
Verhältnis zur sächsischen KKwi und Gesamtwirtschaft dar. Die Unternehmensanzahl ist von 2010 bis 2015
um fast 6 % gestiegen und verläuft seit 2011 dynamischer als in der sächsischen Gesamtwirtschaft. War die
Unternehmenszahl zwischen 2012 und 2014 leicht rückläufig, d. h. es verschwanden mehr Unternehmen
vom sächsischen Kunstmarkt als neue hinzukamen, so hat sich seit 2014 die Unternehmensanzahl wieder
stabilisiert. Der Prozess der Digitalisierung lässt zukünftig eine gewisse Dynamik erwarten, da neben der
Verlagerung der Verkaufsaktivitäten auf digitale Handelsplätze auch Galerien an neuen digitalen Konzepten
arbeiten.
100
100
108
107
106
106
107
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Kunstmarkt
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
47
|
Abbildung 26:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Kunstmarktes nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Die Abbildung 26 verdeutlicht, dass der Kunstmarkt vor allem in den urbanen Kulturräumen Leipzig und
Dresden mit 213 bzw. 159 Unternehmen verortet ist. Die „Leipziger Schule“ und die „Neue Leipziger
Schule“ prägen eine gesamte Kunstströmung und gewinnen internationale Aufmerksamkeit
58
. Als eine der
ältesten Kunsthochschulen Deutschlands leistet die renommierte Hochschule für Grafik und Buchkunst
Leipzig ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur besonderen Stellung der Kunstszene in Leipzig. In Dresden
stärken u. a. die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden oder auch die Hochschule für Bildende Künste den
Kunststandort Dresden zusätzlich. In den beiden Kulturräumen der Erzgebirgsregion sind etwas mehr
Unternehmen des Kunstmarktes angesiedelt als in den übrigen Kulturräumen. Möglicherweise lässt sich hier
eine Verbindung zu der langen Kunsthandwerkstradition im Erzgebirge ziehen (vgl. Kapitel 3.12). Im
Kulturraum
Erzgebirge-Mittelsachsen findet sich mit 12 Unternehmen
die größte Anzahl an
Einzelhandelsunternehmen für Kunstgegenstände.
58
DW (2005)
0
50
100
150
200
250
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige bildende Künstler/innen
EH mit Kunstgegenständen etc.
Museumsshops, etc.
EH mit Antiquitäten etc.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
48
3.4. Filmwirtschaft
Zur Filmwirtschaft gehören neben den selbstständigen Bühnen-, Film- oder TV- Künstlern, auch die Film-
und TV-Produktion sowie die Nachbearbeitung und sonstige Filmtechnik (z. B. Synchronisation, Be- und
Untertitelung). Die Kommerzialisierung der Filmerzeugnisse durch Filmverleihe, Kinos, Videotheken oder
auch durch den klassischen Einzelhandel von Bild- und Tonträgern wird ebenfalls unter die Filmwirtschaft
subsummiert.
Tabelle 7:
Kennzahlen der Filmwirtschaft in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Filmwirtschaft
662
111
1.979
168
3,0
Anteil an der KKwi in %
6
3
4
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.01.4
Selbständige Bühnen-, Film-, TV-
Künstler
61
31
86
59.11
Film-/TV-Produktion
21
44
361
59.12
Nachbearbeitung/sonstige
Filmtechnik
2
2
205
59.13
Filmverleih u.-vertrieb
4
3
109
59.14
Kinos
5
12
426
47.63
EH mit bespielten Ton-/
Bildträgern
3
4
248
77.22
Videotheken
5
4
126
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
In der sächsischen Filmwirtschaft erwirtschaften 662 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 111 Mio. € im
Jahr 2015 (Tabelle 7). Im Vergleich zum 1. KWB ist eine Trendwende erkennbar. Während der 1. KWB
einen überdurchschnittlichen Umsatzanstieg von 83 % für die Filmwirtschaft im Zeitraum zwischen 2000 und
2006 aufzeigte, ist der Umsatz im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 um 31 % gesunken und liegt unterhalb
des Niveaus von 2006. Dies lässt sich insbesondere auf Entwicklungstendenzen der Digitalisierung
zurückführen. Videotheken und Filmverleihe bspw. bekommen durch digitale Alternativen wie
Streamingdienste oder Verkaufsplattformen neue Wettbewerber und verzeichnen entsprechend hohe
Umsatzrückgänge.
Die Anzahl der Erwerbstätigen ist im Vergleich zu 2010 um 9 % auf 1.979 im Jahr 2015 gesunken. Dies
entspricht einem Erwerbstätigenanteil von 4 % an der gesamten KKwi in Sachsen. Wenn GB sowie
Selbstständige und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 € in die Beobachtung
einbezogen werden, erhöht sich die Erwerbstätigenzahl auf 4.859 (Tabelle 29). Hier wird deutlich, dass in
der Filmwirtschaft SvB sowie Selbstständige und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als
17.500 € in der projektbezogenen Filmbranche eine vergleichsweise geringe Rolle spielen.
Insgesamt sind 2015 1.317 Erwerbstätige sozialversicherungspflichtig beschäftigt und es zeichnet sich eine
rückläufige Entwicklung ab. Gab es im Jahr 2010 1.546 SvB, sind im Jahr 2016 nur noch 1.214
sozialversicherungspflichtig beschäftigt, was einem Rückgang um 21,5 % entspricht (Tabelle 25). Bei den

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
49
|
SvB in der Filmwirtschaft ist das Geschlechterverhältnis mit 49 % im Jahr 2016 nahezu ausgeglichen und
liegt oberhalb dem Verhältnis der sächsischen KKwi (47 %).
Den größten Umsatz erwirtschaften mit fast 50 Mio. € die Unternehmen aus dem Bereich der Film- und TV-
Produktionen. Da der Umsatzanteil von 44 % von nur 21 % der Unternehmen erwirtschaftet wird,
verzeichnet dieser Wirtschaftszweig hohe Umsätze je Unternehmen (361 Tsd. €). Ähnlich verhält es sich im
Kinosegment, wo 12 % des Umsatzes von 5 % der Unternehmen erwirtschaftet werden. Die Kinos weisen
mit 426 Tsd. € den höchsten Umsatz pro Unternehmen aus. Am geringsten ist der Umsatz je Unternehmen
mit 86 Tsd. € beim Wirtschaftszweig der selbstständigen Künstler in der Filmwirtschaft – sie stellen 61 %
aller Selbstständigen und Unternehmen des Teilmarktes dar und erwirtschafteten einen Umsatzanteil von
nur 31 %. Bedingt durch diesen großen Anteil an selbstständigen Künstlern fällt in der Filmwirtschaft der
durchschnittliche Umsatz je Unternehmen mit 168 Tsd. € vergleichsweise niedrig aus. Nur in der
Rundfunkwirtschaft ist der Umsatz je Unternehmen noch geringer. Dass in Sachsen kaum größere
Produktionsfirmen verortet sind, spiegelt sich in der Zahl der Erwerbstätigen je Unternehmen wider. Mit einer
Anzahl von 3 liegt die sächsische Filmwirtschaft im Vergleich zur restlichen KKwi im unteren Mittelfeld.
Abbildung 27:
Entwicklung der Unternehmensanzahl in der Filmwirtschaft in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Aus Abbildung 27 wird deutlich, dass sich die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 1 in der
Filmwirtschaft ab 2012 positiv entwickelt hat und im Vergleich zwischen 2010 und 2015 um 4 % gestiegen ist.
Damit liegt die Unternehmensentwicklung der Filmwirtschaft seit 2014 über der der sächsischen
Gesamtwirtschaft, jedoch unterhalb der KKwi in Sachsen. Auch für 2016 wird erwartet, dass mehr
Unternehmen in die Filmwirtschaft eintreten als diese verlassen.
Die Abbildung 28 verdeutlicht, dass auch in der Filmwirtschaft, die meisten Unternehmen ihren Firmensitz in
Leipzig haben. Leipzig gilt als Kulisse und Drehort für zahlreiche Serien- und Filmproduktionen. Das
Teilsegment der TV- und Filmproduktionen nimmt insofern in Leipzig im sächsischen Vergleich eine größere
Bedeutung ein. Gleichzeitig findet hier neben dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und
Animationsfilm – DOK Leipzig – die Filmkunstmesse statt, welche als europaweit einmaliges Forum für den
Austausch zwischen Akteuren der Arthouse-Branche dient
59
. Dresden verzeichnet mit 164 die zweitgrößte
Unternehmensanzahl. Mit dem Sitz der AG Kurzfilm, der bundesweiten Interessenvertretung für den
59
Arbeitsgemeinschaft Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e. V. (o.J.)
100
99
98
101
103
104
105
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Filmwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
50
deutschen Kurzfilm, oder auch dem Filmfest Dresden verfügt dieser urbane Kulturraum ebenfalls über
besondere Einrichtungen und Veranstaltungen der Filmwirtschaft. Der Kulturraum Oberlausitz-
Niederschlesien und der Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge liegen zusammen auf Platz
drei bei der Anzahl an Unternehmen (Tabelle 46, Tabelle 47). Die im Kulturraum Oberlausitz-
Niederschlesien gelegene Stadt Görlitz diente mit ihrer geschlossenen Altbaubebauung bereits in
Hollywood-Filmproduktionen wie „Inglourious Bastards“ oder „Der Vorleser“ als Kulisse
60
. Im Dreiländereck
Tschechien-Polen-Deutschland gibt zudem das Neiße Filmfestival jährlich einen Einblick in das Filmschaffen
der drei Nachbarländer.
Abbildung 28:
Regionale Verteilung der Unternehmen der sächsischen Filmwirtschaft nach Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
60
Frost,
M. (o.J.)
0
50
100
150
200
250
300
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige Bühnen-,Film-,TV-Künstler/innen
Film-/TV-Produktion
Videotheken
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
51
|
3.5. Rundfunkwirtschaft
Die Rundfunkwirtschaft unterteilt sich grundsätzlich in den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen und
den privatwirtschaftlichen Rundfunk (sog. duales Rundfunksystem). Die für die KKwi zugrunde gelegte
statistische Branchenabgrenzung orientiert sich an den überwiegend erwerbswirtschaftlich ausgerichteten
Unternehmen. In der Konsequenz bleiben der öffentlich-rechtliche und der nichtkommerzielle Rundfunk in
den nachstehenden Betrachtungen unberücksichtigt. Gleichwohl erhält insbesondere der Mitteldeutsche
Rundfunk (MDR) für Sachsen eine regionalökonomische Relevanz als regionaler Arbeitgeber und starker
Auftraggeber für die Privatwirtschaft
61
. Wie Tabelle 8 zeigt, zählen zur Rundfunkwirtschaft drei Wirtschafts-
zweige: Die selbstständigen Journalisten und Pressefotografen, die Hörfunkveranstalter sowie die
Fernsehveranstalter. Generell besitzt Sachsen neben Baden-Württemberg und Bayern die vielfältigste
Rundfunkbreite in Deutschland
62
.
Tabelle 8:
Kennzahlen der Rundfunkwirtschaft in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Rundfunkwirtschaft
685
113
1.872
165
2,7
Anteil an der KKwi in %
6
3
4
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.03.5
Selbständige Journalisten und
Pressefotografen
96
34
58
60.10
Hörfunkveranstalter
2
62
4.150
60.20
Fernsehveranstalter
2
4
330
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Die Rundfunkwirtschaft erwirtschaftet 2015 mit 685 Unternehmen einen Umsatz von 113 Mio. €. Damit
werden 3 % der Umsätze in der sächsischen KKwi in der Rundfunkwirtschaft erzielt. Im Vergleich zu 2010 ist
der Umsatz um fast 30 % bzw. um 48 Mio. € gesunken (Tabelle 23). Damit setzt sich der Trend der
rückläufigen Umsätze, welcher bereits im 1. KWB identifiziert wurde, fort. Eine mögliche Ursache hierfür
kann in der Tendenz zu rückläufigen Werbeerlösen, speziell von landesweiten Hörfunkanbietern, gesehen
werden, da insbesondere jüngere Zielgruppen über diese Kanäle nicht mehr erreicht werden können
63
. Des
Weiteren wird in jüngerer Zeit beobachtet, dass immer weniger Menschen lineares Fernsehen schauen oder
Radio hören
64
. Stattdessen nimmt der Konsum von Internetangeboten wie Netflix, YouTube oder auch
Online-Nachrichtenplattformen kontinuierlich zu. Diese haben den Vorteil, kein festes bzw. lineares
Programm zu besitzen, weshalb die Nutzer zielgerichteter die gewünschten Inhalte konsumieren können.
Die Anzahl der Erwerbstätigen ist im Jahr 2015 im Vergleich zu 2010 nahezu unverändert (- 0,8 %).
Insgesamt stellten im Jahr 2015 die 1.872 Erwerbstätigen 4 % aller Erwerbstätigen der KKwi in Sachsen. Mit
61
Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk in den Unternehmens- und Umsatzkennzahlen nicht geführt wird, ist er bei den SvB und
GB grundsätzlich enthalten. Auf Basis der europaweit anschlussfähigen Definition der KKwi wird über die Einbeziehung von Anteils-
werten an den SvB und GB versucht, nur den überwiegend erwerbswirtschaftlich orientierten Bereich zu erfassen, welcher im 1. KWB
hingegen noch Berücksichtigung fand (vgl. Tabelle 20).
62
Landesmedienanstalten (2016), S. 257
63
Landesmedienanstalten (2016), S. 267
64
Tagesspiegel (2015) & Medienmagazin DWDL (2013)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
52
Blick auf die rückläufige Umsatzentwicklung und die nahezu gleichbleibende Entwicklung der Erwerbstätigen,
zeigt sich in der sächsischen Filmwirtschaft eine Abnahme beim Umsatz je Erwerbstätigen. Zusammen mit
den GB sowie den Selbstständigen und Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 17.500 €
(Größenklasse 2) würde die Erwerbstätigenzahl mit 3.097 noch einmal deutlich höher ausfallen (Tabelle 27
und Tabelle 28). Die GB machen nur einen Anteil von rd. 2 % an den 3.097 Erwerbstätigen aus. Dies ist der
niedrigste Anteil aller Teilmärkte der sächsischen KKwi und verweist auf die vergleichsweise geringe
Bedeutung von GB in der Rundfunkwirtschaft.
Von den Erwerbstätigen sind im Jahr 2015 1.187 und im Jahr 2016 1.246 den SvB zuzuordnen. Im Vergleich
der Jahre 2016 zu 2010 ist die Anzahl der SvB mit 0,4 % annähernd konstant geblieben (Tabelle 25). Das
Geschlechterverhältnis der SvB ist 2016 mit 48 % in der Rundfunkwirtschaft nahezu ausgeglichen und liegt
auf vergleichbarem Niveau mit demjenigen der sächsischen KKwi und der gesamten Wirtschaft im Freistaat
Sachsen
65
.
Im Hinblick auf die einzelnen Wirtschaftszweige lässt sich feststellen, dass mit 64 % bzw. knapp 71 Mio. €
Jahresumsatz, Hörfunkveranstalter mit Abstand den größten Umsatz innerhalb der Rundfunkwirtschaft
erwirtschaften, obwohl sie nur 2 % der Unternehmen stellen. Fernsehveranstalter spielen mit einem
Umsatzanteil von 4 % und 2 % der Unternehmen eine nachgeordnete Rolle innerhalb des Teilmarktes. Die
selbstständigen Journalisten erwirtschaften über ein Drittel der gesamten Umsätze des Teilmarktes und
repräsentieren mit 96 % die Mehrheit der Unternehmen in der Rundfunkwirtschaft. Der Umsatz je
Unternehmen ist im Vergleich zum Hörfunk entsprechend gering. Durch die hohe Anzahl an Selbstständigen
ist die durchschnittliche Erwerbstätigenzahl je Unternehmen mit 2,7 vergleichsweise gering und der
durchschnittliche Umsatz je Unternehmen mit 165 Tsd. € in der Rundfunkwirtschaft der niedrigste Wert in
der gesamten sächsischen KKwi.
Abbildung 29:
Entwicklung der Unternehmensanzahl in der Rundfunkwirtschaft in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 1 ist zwischen 2010 und 2015 um 6 % bzw. um 39
gestiegen. Diese positive Entwicklung lässt sich auch in Abbildung 29 ablesen. Nach einer Stagnation
zwischen 2010 und 2013, erfährt die Rundfunkwirtschaft größere Zugewinne bei der Anzahl der
65
Der durchschnittliche Frauenanteil in der sächsischen KKwi liegt bei 46,6 %, in der sächsischen Gesamtwirtschaft bei 49 % (vgl.
Kapitel 2.5).
100
100
100
100
104
106
107
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Rundfunkwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
53
|
Unternehmen. Dieses Wachstum ist deutlich größer als in der Gesamtwirtschaft jedoch geringer als in der
gesamten KKwi.
Abbildung 30:
Regionale
Verteilung
der
Unternehmen
der
sächsischen
Rundfunkwirtschaft
nach
Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Die Abbildung 30 zeigt die Verortung der Unternehmen der Rundfunkwirtschaft in Sachsen. Mit 191
Unternehmen in Leipzig und 138 Unternehmen in Dresden ist die überwiegende Zahl der
Rundfunkunternehmen
in
diesen
zwei
urbanen
Kulturräumen
angesiedelt.
Die
regionale
Unternehmenskonzentration lässt sich u. a. auf den Sitz des MDR in Leipzig und Dresden zurückführen, der
als Auftraggeber auf den privatwirtschaftlichen Bereich wirkt. In Leipzig sind die MDR-Zentrale sowie die
MDR-Klangkörper und in Dresden das Landesfunkhaus lokalisiert. In den anderen Kulturräumen schwanken
die Unternehmenszahlen zwischen 30 und 40. Deutlich wird auch, dass in jedem Kulturraum die
selbstständigen Journalisten und Pressefotografen das Gros innerhalb der Rundfunkwirtschaft darstellen.
Die Unternehmenszahlen der beiden anderen Wirtschaftssegmente fallen entsprechend geringer aus, wobei
sich kulturraumspezifische Besonderheiten feststellen lassen. Die Abbildung zeigt, dass in den Kulturräumen
Leipziger Raum, Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Chemnitz keine privatwirtschaftlichen
Hörfunkveranstalter sitzen. Öffentlich-rechtliche und nichtkommerzielle Hörfunkanbieter wie z. B. Radio T
aus Chemnitz werden von der vorliegenden Statistik jedoch nicht erfasst. Privatwirtschaftliche
Fernsehveranstaltungsunternehmen sind hingegen in jedem Kulturraum vertreten, wobei sich kein
Unterschied zwischen den eher urbanen und eher ländlichen geprägten Kulturräumen erkennen lässt. Der
Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen weist mit sechs Fernsehveranstaltern eine sehr vielfältige
Fernsehlandschaft mit regionalen Kanälen auf.
0
50
100
150
200
250
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige Journalisten/innen etc.
Hörfunkveranstalter
Fernsehveranstalter

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
54
3.6. Markt für darstellende Künste
Der Markt für darstellende Künste beinhaltet sämtliche Aktivitäten, die sich mit der Produktion, Inszenierung
und Darbietung von Auftritten bei Theatern, Konzerten, Musicalhäusern, Varietés, Zirkussen und
Kleinkunstbühnen beschäftigen. Des Weiteren zählen die Wirtschaftszweige Selbstständige Bühnenkünstler,
Weitere Dienstleistungen, die Erbringung von Dienstleistungen für die Darstellende Kunst sowie
Tanzschulen und Einrichtungen für den Kulturunterricht (z. B. Musikschulen) zum Teilmarkt (Tabelle 9). In
diesen Segmenten sind öffentlich-rechtlich finanzierte Theater und Opernhäuser nicht erfasst, gleichwohl
sind sie durch enge Verflechtungen mit dem erwerbswirtschaftlichen Bereich gekennzeichnet
66
.
Tabelle 9:
Kennzahlen des Marktes für Darstellende Künste in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Markt für Darstellende Künste
712
175
2.015
246
2,8
Anteil an der KKwi in %
6
5
4
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.01.4
Selbständige Bühnen-, Film, TV-
Künstler
57
20
86
90.01.3
Selbständige Artisten,
Zirkusbetriebe
5
2
71
90.01.1
Theaterensembles
1
2
609
90.04.1
Theater- und Konzertveranstalter
8
33
1.013
90.04.2
Private Musical-/Theaterhäuser,
Konzerthall. u. ä.
1
17
5.060
90.04.3
Varietés und Kleinkunstbühnen
2
3
455
90.02
Erbringung von Dienstleistungen
f. d. Darst. Kunst
14
17
303
85.52
Kulturunterricht/Tanzschulen
13
6
114
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Im Markt für darstellende Künste erwirtschaften 712 Unternehmen einen Umsatz von 175 Mio. € im Jahr
2015. Dies entspricht 5 % des Umsatzes der gesamten sächsischen KKwi. Gemessen am Umsatz ist der
Teilmarkt, wie bereits auch im 1. KWB, auf Wachstumskurs. Im Vergleich zu 2010 ist der Umsatz der
Unternehmen um fast 10 % bzw. um 14,6 Mio. € gestiegen. Die Möglichkeiten der Digitalisierung wie z. B. in
Form von digitalem Live-Übertragen von Theater- oder Musicalstücken, zeigen sich auch im Markt für
darstellende Künste. Negative Folgen zeichnen sich bislang jedoch nicht ab, weil der persönliche Besuch
von Aufführungen weitgehend an erster Stelle bleibt
67
.
Bei der Anzahl der Erwerbstätigen lässt sich zwischen 2010 und 2015 ähnlich wie beim Umsatz ein
beachtliches Wachstum feststellen. So ist die Zahl um mehr als 14 % auf 2.015 Erwerbstätige gewachsen.
Diese positive Dynamik lässt sich sowohl bei den SvB als auch bei den Unternehmen feststellen (Tabelle 25
66
Beauftragter der BKM (2012)
67
SWR
(2017)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
55
|
und Tabelle 26). Die 2.015 Erwerbstätigen entsprechen einem Anteil von 4 % an allen Erwerbstätigen der
sächsischen KKwi. Unter Berücksichtigung der GB mit 467 sowie der Selbstständigen und Unternehmen der
Größenklasse 2 mit 2.431 würde sich die Anzahl der Erwerbstätigen auf 4.913 erhöhen (Tabelle 27 und
Tabelle 28).
Von den Erwerbstätigen sind im Jahr 2015 1.303 Personen und in 2016 1.291 Personen
sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Zwischen 2010 und 2016 ist die Zahl der SvB um 13% bzw. um 148
gestiegen. Der Frauenanteil bei den SvB im Markt für darstellende Künste liegt 2016 bei 51 % und ist damit
höher als in der gesamten KKwi (47 %) und als in der sächsischen Gesamtwirtschaft (49 %).
Mit einem Umsatz von fast 60 Mio. € erwirtschaften Theater- und Konzertveranstalter den größten
Umsatzanteil. Da Theater- und Konzertveranstalter nur 8 % der Unternehmen stellen, ist der Umsatz je
Unternehmen mit rd. 1 Mio. € entsprechend hoch. Die privaten Musical- und Theaterhäusern sowie
Konzerthallen erwirtschaften mit ca. 30 Mio. € 17 % des Umsatzes des Teilmarktes, stellen aber nur 1 % der
Unternehmen. Einen Umsatzanteil von 17 % haben auch Unternehmen, die zusätzliche Dienstleistungen für
die Darstellende Kunst anbieten (z. B. Tätigkeiten im Bereich Regie, Bühnenbild oder Beleuchtung). Mit
14 % aller Unternehmen in diesem Wirtschaftssegment, haben sie mit 303 Tsd. € einen vergleichsweise
geringeren Umsatz je Unternehmen. 57 % der Unternehmen im Markt für darstellende Künste sind
selbstständige Bühnen-, Film, TV-Künstler, die einen Umsatzanteil von 20 % erwirtschaften (Umsatz je
Unternehmen 86 Tsd. €). Aufgrund der hohen Anzahl an Unternehmen, ist die durchschnittliche
Erwerbstätigenzahl je Unternehmen mit 2,8 für den gesamten Teilmarkt relativ gering.
Abbildung 31:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Marktes für Darstellende Künste in Sachsen 2010-
2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
In Abbildung 31 wird deutlich, dass die Zahl der Unternehmen im Vergleich zwischen 2010 und 2015
deutlich gestiegen ist und sich zwischen 2012 und 2015 sehr dynamisch entwickelte. Damit wird der positive
Trend der Jahre 2000 bis 2006 fortgesetzt, der bereits im 1. KWB festgestellt werden konnte. Mit 14% (2010-
2015) ist das Wachstum größer als in der gesamten sächsischen Wirtschaft und als in der sächsischen KKwi.
Für 2016 wird weiterhin ein positiver Entwicklungsverlauf erwartet.
100
101
99
105
106
114
117
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
95
100
105
110
115
120
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Markt für darstellende Künste
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
56
Abbildung 32:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Marktes für Darstellende Künste nach
Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Abbildung 32 verdeutlicht, dass vor allem die zwei Kulturräume Leipzig und Dresden mit 237 bzw. 207 sehr
viele Unternehmen des Marktes für darstellende Künste beheimaten. Mit der Hochschule für Musik und
Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig sowie der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden befinden
sich in diesen beiden Städten zwei renommierte Einrichtungen, die kontinuierlich Nachwuchskräfte ausbilden.
Höhere Unternehmenszahlen als in den anderen Kulturräumen zeigen sich auch in den Kulturräumen
Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Oberlausitz-Niederschlesien mit 87 bzw. 78 Unternehmen
(Tabelle 39 und Tabelle 47). Die anderen Kulturräume weisen Unternehmenzahlen zwischen 50 und 70 auf.
Bei Betrachtung der Unternehmensstruktur, nach den in Abbildung 32 illustrierten Segmenten, lassen sich
keine größeren Unterschiede zwischen den ländlichen Kulturräumen und dem urbanen Kulturraum Chemnitz
feststellen.
0
50
100
150
200
250
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige Bühnen-,Film-,TV-Künstler/innen
Erbringung von Dienstleistungen f. d. darst. Kunst
Kulturunterricht/Tanzschulen
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
57
|
3.7. Designwirtschaft
Zum Teilmarkt Designwirtschaft zählen das Industrie-, Produkt-, Mode-, Grafik- und Kommunikations- sowie
Interior Design und Raumgestaltung. Zusammen mit dem Wirtschaftszweig der Selbständigen Fotografen
komplettieren die Büros für Innenarchitektur, die Werbegestaltung sowie die Herstellung von Schmuck, Gold
und Silberschmiedewaren den Teilmarkt. Charakteristisch für die Designwirtschaft ist, dass viele Leistungen
nicht direkt für den Endkonsumenten im sogenannten Business-to-Consumer-Bereich, sondern als
Business-to-Business- Leistungen für Unternehmen anderer Branchen erbracht werden.
Tabelle 10:
Kennzahlen der Designwirtschaft in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Designwirtschaft
1.963
354
5.073
180
2,6
Anteil an der KKwi in %
17
9
10
Anteil in %
Anteil in %
absolut
74.10.1
Industrie-, Produkt- und Mode-
Design
5
4
136
74.10.2
Grafik- und
Kommunikationsdesign
17
8
83
74.10.3
Interior Design und
Raumgestaltung
8
7
148
71.11.2
Büros für Innenarchitektur
8
6
135
73.11
Werbegestaltung (ohne
Werbeagenturen)
32
45
252
32.12
Herstellung von Schmuck, Gold,
Silberschmiedewaren
5
4
135
74.20.1
Selbständige Fotografen
25
27
195
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
In der sächsischen Designwirtschaft erwirtschaften 1.963 Unternehmen einen Gesamtumsatz von 354 Mio. €
im Jahr 2015 (Tabelle 10). Dies entspricht knapp 10 % des Umsatzes der gesamten KKwi. Die
Designwirtschaft gehört damit zu den umsatzstärksten Teilmärkten der sächsischen KKwi. Zwischen 2010
und 2015 ist der Umsatz überdies um fast 40 % bzw. 101 Mio. € gestiegen (Tabelle 23). Im Vergleich dazu
ist der Umsatz der sächsischen KKwi im selben Zeitraum nur um 18 %, der Umsatz der sächsischen
Gesamtwirtschaft um 16 % gewachsen. Damit setzt sich der bereits im 1. KWB festgestellte positive Trend
beim Umsatz in der Designwirtschaft fort.
Auch die Zahl der Erwerbstätigen hat in der sächsischen Designwirtschaft gegenüber 2010 ein positives
Wachstum verzeichnen können. Die Anzahl ist mit einem Plus von 22 % auf über 5.000 gestiegen. Wird
zudem die Anzahl der GB i. H. v. 1.776 und die Zahl der Selbstständigen und Unternehmen mit weniger als
17.500 € Jahresumsatz i. H. v. 3.190 einbezogen, erhöht sich die Gesamtzahl der Erwerbstätigen auf 10.039.
Von den Erwerbstätigen sind im Jahr 2015 mehr als 3.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Tabelle
25). Zwischen dem Jahr 2010 mit 2.512 SvB und dem Jahr 2016 mit 3.235 SvB ist die abhängige
Beschäftigung um 29 % gewachsen. Da das Wachstum des Umsatzes 2010 bis 2015 noch höher
ausgefallen ist, hat sich auch der Umsatz je Erwerbstätigen im Betrachtungszeitraum erhöht. Frauen sind mit
einem Anteil von 65 % an den SvB in der Designwirtschaft überdurchschnittlich vertreten. Das ist der

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
58
zweithöchste Wert innerhalb der sächsischen KKwi und liegt deutlich über dem Durchschnitt der KKwi und
der Gesamtwirtschaft in Sachsen
68
.
Bei den einzelnen Wirtschaftszweigen der Designwirtschaft lassen sich im Hinblick auf die wirtschaftliche
Relevanz Unterschiede feststellen. 2015 sind knapp ein Drittel der Unternehmen im Segment der
Werbegestaltung tätig. In diesem Bereich sind 159 Mio. €, d. h. 45 % des gesamten Umsatzes der
Designwirtschaft und der höchste Umsatz je Unternehmen erwirtschaftet (Tabelle 10) wurden. Eine ähnlich
hohe wirtschaftliche Relevanz hat der Wirtschaftszweig der Selbstständigen Fotografen mit Anteilen am
Umsatz sowie an den Unternehmen und Selbstständigen von rund einem Viertel. Im Bereich Grafik- und
Kommunikationsdesign sind 17 % der Unternehmen tätig und generieren einen Umsatzanteil von 8 %. Der
Bereich Industrie-, Produkt- und Modedesign ist gemessen an den Umsatz- und Unternehmenszahlen von
geringerer ökonomischer Relevanz. Im Zuge der Digitalisierung ist jedoch zu erwarten, dass speziell der
Bereich des Industrie-/Interfacedesigns an Bedeutung gewinnen wird, bspw. für intuitive Softwarelösungen.
Für das Segment Grafik- und Kommunikationsdesign hingegen, ist von einem Rückgang der wirtschaftlichen
Relevanz auszugehen, da hier Softwareanwendungen zu einer zunehmenden Automatisierung führen
69
.
Diese Entwicklung zeichnet sich im Freistaat Sachsen bisher jedoch noch nicht an den Umsatzzahlen ab.
Abbildung 33:
Entwicklung der Unternehmensanzahl der Designwirtschaft in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
2015 zählt die Designwirtschaft 1.963 Unternehmen (Größenklasse 1), was einem Unternehmensanteil von
17 % an der gesamten KKwi entspricht. Die Zahl der Unternehmen wächst im Vergleich zur KKwi zur
sächsischen Gesamtwirtschaft überdurchschnittlich (Abbildung 33). Entsprechend kann davon ausgegangen
werden, dass der Unternehmensanteil der Designwirtschaft an der KKwi steigen wird und der bereits im 1.
KWB festgestellte positive Trend sich zukünftig fortsetzt.
68
Der durchschnittliche Frauenanteil in der sächsischen KKwi liegt bei 46,6 %, in der sächsischen Gesamtwirtschaft bei 49 % (vgl.
Kapitel 2.5).
69
MWIDE NRW (2017), S. 31ff.
100
105
110
112
113
119
124
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
95
100
105
110
115
120
125
130
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Designwirtschaft
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
59
|
Abbildung 34:
Regionale Verteilung der Unternehmen der sächsischen Designwirtschaft nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Abbildung 35 zeigt, dass 2015 vor allem in den zwei urbanen Kulturräumen Leipzig und Dresden mit 593
bzw. 499 die Mehrzahl der Unternehmen der sächsischen Designwirtschaft lokalisiert ist. Mit der Hochschule
für Grafik und Buchkunst Leipzig und der Designhochschule Leipzig existieren speziell in Leipzig
Institutionen, die Nachwuchskräfte im Markt für Design ausbilden. Am geringsten ist die Anzahl der
Unternehmen mit 150 im Leipziger Raum. In den anderen Kulturräumen liegen die Zahlen im Bereich
zwischen 169 und 226. Hinsichtlich der einzelnen Wirtschaftssegmente der Designwirtschaft lassen sich
keine wesentlichen Besonderheiten zwischen den Kulturräumen ausmachen.
0
100
200
300
400
500
600
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Werbegestaltung (ohne Werbeagenturen) Selbständige Fotografen
Grafik- und Kommunikationsdesign
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
60
3.8. Architekturmarkt
Der Architekturmarkt umfasst alle Architekturleistungen, in den Bereichen Hochbau, Innenarchitektur, Orts-,
Regional- und Landesplanung sowie Garten- und Landschaftsgestaltung. Auch die selbstständigen
Restauratoren werden dem Architekturmarkt zugerechnet.
Tabelle 11:
Kennzahlen des Architekturmarktes in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen*
Umsatz
in Mio. €**
Anzahl
Erwerbs-
tätige***
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Architekturmarkt
1.391
254
4.393
183
3,2
Anteil an der KKwi in %
12
7
8
Anteil in %
Anteil in %
absolut
71.11.1
Architekturbüros für Hochbau
47
53
208
71.11.2
Büros für Innenarchitektur
12
9
135
71.11.3
Architekturbüros für Orts-,
Regional- und Landesplanung
16
21
235
71.11.4
Architekturbüros für Garten- und
Landschaftsgestaltung
12
10
155
90.03.4
Selbständige Restauratoren
13
7
95
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Wie Tabelle 11 zeigt, erwirtschaften 1.391 Unternehmen des Architekturmarktes in Sachsen 2015 einen
Gesamtumsatz von 254 Mio. €. Dies entspricht 7 % des gesamten Umsatzes der sächsischen KKwi und
12 % aller KKwi-Unternehmen. Im Vergleich zu 2010 ist der Umsatz mit einem Plus von 53 Mio. € bzw. 27 %
gestiegen (Tabelle 23). Damit ist der Architekturmarkt einer der am stärksten wachsenden Teilmärkte der
sächsischen KKwi, dessen überdurchschnittliches Umsatzwachstum über dem der gesamten KKwi (+18 %)
und über dem Umsatzwachstum der sächsischen Gesamtwirtschaft (+16 %) liegt. Im Vergleich zum 1. KWB
lässt sich eine positive Trendwende feststellen. Rückläufige Umsatzzahlen sind in ein starkes Wachstum
überführt worden.
Mit einer Erwerbstätigenzahl von 4.393 im Jahr 2015 sind 8 % aller Erwerbstätigen der sächsischen KKwi im
Architekturmarkt tätig. Rechnet man die GB mit 486 sowie die Selbstständigen und Unternehmen der
Größenklasse 2 mit 1.111 zu den Erwerbstätigen ein, so steigt die Erwerbstätigenzahl auf 5.990 (Tabelle 29).
Im Vergleich zu 2010 ist die Zahl Erwerbstätigen um über 10 % gewachsen. Die durchschnittliche Anzahl der
Erwerbstätigen je Unternehmen beträgt 3,2 im Jahr 2015. Mit diesem Wert, der als Indikator für die
Unternehmensgröße dient, liegt der Architekturmarkt im Mittelfeld der sächsischen KKwi.
2015 zählt der Architekturmarkt 3.002 SvB und im Jahr 2016 3.319 SvB. Es ist davon auszugehen, dass die
Zahl der Erwerbstätigen je Unternehmen auch zukünftig steigen wird, weil die Zahl der SvB im Zeitraum von
2010 bis 2015 mit 13 % stärker gewachsen ist, als die Zahl der Unternehmen mit 5 % (Tabelle 25 und
Tabelle 26). Diese Entwicklung lässt gleichzeitig auf einen Personalaufbau in den etablierten Unternehmen
schließen. Das Geschlechterverhältnis zeigt für 2016 ein relativ ausgeglichenes Bild. Der Frauenanteil ist mit
56 % leicht überdurchschnittlich und höher als in der gesamten KKwi (47 %) und in der sächsischen
Gesamtwirtschaft (49 %).

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
61
|
Den verschiedenen Wirtschaftszweigen kommt eine unterschiedliche Bedeutung innerhalb des sächsischen
Architekturmarktes zu. Den größten Unternehmens- und Umsatzanteil nimmt der Hochbau mit 47 % bzw. mit
53 % ein. Das zweitgrößte Segment bilden Architekturbüros für die Orts-, Regional- und Landesplanung mit
einem Unternehmensanteil von 16 % und einem Umsatzanteil von 21 %. Die übrigen Segmente sind sich mit
Umsatzanteilen um die 10 % und Unternehmensanteilen von knapp über 10 % relativ ähnlich. Die Höhe des
Umsatzes je Unternehmen ist in den Wirtschaftszweigen relativ ausgeglichen und liegt bei durchschnittlich
183 Tsd. €. Die selbstständigen Restauratoren bilden mit 95 Tsd. € Umsatz je Unternehmen und einem
Anteil an den Selbstständigen und Unternehmen von 13 % eine Ausnahme. Die positive Umsatzentwicklung
des gesamten sächsischen Architekturmarktes ist seit 2010 aber in allen Wirtschaftszweigen zu verzeichnen.
Abbildung 35:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Architekturmarktes in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Abbildung 35 veranschaulicht, den kurzzeitigen Rückgang der Unternehmensanzahl (Größenklasse 1) im
Architekturmarkt im Jahr 2012 mit anschließender Stagnation. 2015 ist die Unternehmenszahl wieder
gestiegen. Eine Fortsetzung dieser Entwicklung wird auch für 2016 erwartet. Der Anstieg ist zwar nicht so
stark wie in der sächsischen KKwi, jedoch deutlich stärker als in der sächsischen Gesamtwirtschaft.
100
102
106
104
104
105
106
100
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Architekturmarkt
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
62
Abbildung 36:
Regionale
Verteilung
der
Unternehmen
des
sächsischen
Architekturmarktes
nach
Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Aus Abbildung 36 wird deutlich, dass die urbanen Kulturräume Dresden und Leipzig mit 505 Unternehmen
bzw. 323 Unternehmen die Schwerpunkte des Architekturmarktes bilden. Beide Städte haben in den letzten
Jahren ein erhöhtes Einwohnerwachstum erlebt, das eine vermehrte Investitions- und Bautätigkeit sowie
eine Steigerung des Auftragsvolumens für den lokalen Architekturmarkt nach sich gezogen hat. Gleichzeitig
wirken die Technische Universität in Dresden (TUD) und die Hochschule für Technik, Wirtschaft und
Kultur Leipzig (HTWK) als wichtige Standbeine in der Ausbildung von Nachwuchskräften. In den übrigen
Kulturräumen ist die Unternehmensanzahl zwar deutlich geringer, aber mit jeweils rd. 100 Unternehmen auf
einem Niveau, das für die regionale Wirtschaft jeweils von Bedeutung ist.
0
100
200
300
400
500
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Architekturbüros für Hochbau
Architekturbüros für Orts-, Regional- und Landesplanung
Architekturbüros für Garten- und Landschaftsgestaltung
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
63
|
3.9. Pressemarkt
Zum
Pressemarkt
zählen
neben
den
selbstständigen
Journalisten,
den
Korrespondenz-
und
Nachrichtenbüros auch das Verlegen von Zeitungen, Zeitschriften, Adressbüchern und Verzeichnissen.
Zusätzlich werden auch der Einzelhandel mit Zeitungen, Zeitschriften und Schreibwaren sowie das sonstige
Verlagswesen hinzugezählt.
Tabelle 12:
Kennzahlen des Pressemarktes in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen*
Umsatz
in Mio. €**
Anzahl
Erwerbs-
tätige***
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Pressemarkt
1.296
792
5.146
611
4,0
Anteil an der KKwi in %
11
21
10
Anteil in %
Anteil in %
absolut
90.03.5
Selbständige Journalisten etc.
51
5
58
63.91
Korrespondenz- und
Nachrichtenbüros
1
0
63
58.12
Verlegen v. Adressbüchern und
Verzeichnissen
1
7
3.519
58.13
Verlegen von Zeitungen
2
45
13.740
58.14
Verlegen von Zeitschriften
2
5
1.352
58.19
Sonstiges Verlagswesen (ohne
Software)
9
21
1.530
47.62 .1
EH mit Zeitschriften und
Zeitungen
11
8
471
47.62 .2
EH mit Schreib-, Schul- und
Büroartikeln
24
9
227
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Im Pressemarkt erzielen 1.296 Unternehmen 2015 einen Umsatz von 792 Mio. € (Tabelle 12). Dies
entspricht einem Anteil von über 20 % des Umsatzes der gesamten KKwi im Freistaat Sachsen. Damit ist
der Pressemarkt der wirtschaftlich bedeutendste Teilmarkt. Im Vergleich zu 2010 verzeichnete der
Pressemarkt ein Umsatzplus von 22 % (Tabelle 23). Dieses Umsatzwachstum liegt über dem der
sächsischen KKwi (+18 %) und dem der sächsischen Gesamtwirtschaft (+16 %).
2015 zählt der Pressemarkt 5.146 Erwerbstätige. Dies entspricht 10 % aller Erwerbstätigen der sächsischen
KKwi. Berücksichtigt man die Zahl der GB sowie der Selbstständigen und Unternehmen der Größenklasse 2
mit 675 bzw. 1.454, steigt die Erwerbstätigenanzahl auf 7.276 (Tabelle 29). Anders als bei der
Umsatzentwicklung, ist bei der Zahl der Erwerbstätigen zwischen 2010 und 2015 mit 7 % ein Rückgang zu
verzeichnen. Dies kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass der Pressemarkt durch digitale
Anwendungen effizienter und weniger arbeitsintensiv geworden ist. Ein Blick auf die Erwerbstätigenzahl je
Unternehmen i. H. v. 4,0 lässt vermuten, dass trotz der sehr hohen Anzahl an selbstständigen Journalisten
die übrigen Wirtschaftszweige durch größere Unternehmen geprägt sind.
Von den Erwerbstätigen im Pressemarkt lassen sich in 2015 3.850 Personen und in 2016 3.672 Personen
der Gruppe der SvB zuordnen. Wie die Anzahl der Erwerbstätigen insgesamt, ist zwischen 2010 und 2016
auch die Zahl der SvB um 11 % bzw. um 434 SvB gesunken. Mit einem Frauenanteil von 63 % bei den SvB

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
64
weist der Pressemarkt einen überdurchschnittlich hohen Wert im Vergleich zur sächsischen KKwi (47 %)
und der Gesamtwirtschaft im Freistaat (49 %) auf.
Die einzelnen Wirtschaftszweige unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Umsatz- und Unternehmensanteile am
Pressemarkt. Das Verlegen von Zeitungen dominiert den Markt mit einem Umsatz von über 357 Mio. €, was
einem Anteil von 45 % entspricht. Gleichzeitig weist dieses Segment mit nur 2 % der Unternehmen und über
13 Mio. € einen überdurchschnittlichen Umsatz pro Unternehmen auf. Das Gegenbild zeigt sich bei den
selbstständigen Journalisten. Sie erwirtschaften einen Umsatzanteil von 5 %, stellen aber mit 664
Selbstständigen und Unternehmen über 50 % des Pressemarktes dar. Folglich ist hier der Umsatz je
Unternehmen mit 58 Tsd. € geringer.
Einige Wirtschaftszweige wie die Korrespondenz- und Nachrichtenbüros, der Einzelhandel mit Schreib- und
Papierwaren oder auch das Verlegen von Adressbüchern und Verzeichnissen schrumpfen in Bezug auf ihre
Umsätze. Die Ursachen für die rückläufige Umsatzentwicklung in diesen Segmenten sind vielschichtig. Ein
Grund könnte die zunehmende Substitution analoger durch digitale Produkte und Leistungen sein. Die
hohen Wachstumszahlen sprechen dafür, dass der Pressemarkt insgesamt bisher sehr gut auf den Wandel
reagieren konnte. Insbesondere das hohe Umsatzplus der Zeitungsverlage konnte die negative Entwicklung
der oben benannten Segmente kompensieren. Dennoch nehmen grundsätzlich der Kauf und der Konsum
von Zeitungen kontinuierlich ab. Onlineversionen und Pressemeldungen in sozialen Netzwerken zählen
immer mehr zu den Informationskanälen von Verlagen und Presseanstalten.
70
. Die fortschreitende
Entwicklung könnte mittelfristig den Umsatz stagnieren bzw. zurückgehen lassen.
Abbildung 37:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Pressemarktes in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Auch die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 1 ist von 2010 bis 2015 um 8 % auf 1.296 gesunken
(Tabelle 26). Für 2016 wird die Fortsetzung dieses negativen Trends angenommen. Im Gegensatz zur
sächsischen KKwi und zur Gesamtwirtschaft verringert sich die Anzahl der Marktteilnehmer im Pressemarkt.
Es zeichnet sich ein Prozess der Unternehmenskonzentration ab, insbesondere in den Wirtschaftszweigen
Korrespondenz- und Nachrichtenbüros, Adressbücher- und Verzeichnisverlage sowie bei Zeitschriften- und
Zeitungsverlagen.
70
FAZ
(2014, b)
100
97
96
94
94
92
91
100
102
105
106
107
109
111
100
102
103
102
102
102
102
90
95
100
105
110
115
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Pressemarkt
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
65
|
Abbildung 38:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Pressemarktes nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
Auch wenn in den beiden urbanen Kulturräumen Leipzig und Dresden mit 279 bzw. 216 die meisten
Unternehmen verortet sind, weisen auch die ländlichen Kulturräume einen vielfältigen Pressemarkt mit
Regionalzeitungen, selbstständigen Journalisten und dem Einzelhandel mit Schreib-, Schul- und
Büroartikeln auf (Abbildung 38). Die Struktur der Wirtschaftszweige innerhalb Kulturräume ist relativ ähnlich.
Auffällig ist jedoch, dass in den eher ländlich geprägten Kulturräumen der Einzelhandel mit Schreib-, Schul-
und Büroartikeln eine größere Bedeutung erlangt als in den urbanen Kulturräumen. Über die Ursachen lässt
sich nur spekulieren. Möglicherweise nimmt der Einzelhandel in ländlichen Räumen eine viel größere Rolle
ein, da die Geschäfte gleichermaßen als Poststelle und für den Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs
genutzt werden.
0
50
100
150
200
250
300
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Selbständige Journalisten/innen etc.
EH mit Schreib-, Schul- und Büroartikeln
EH mit Zeitschriften und Zeitungen
Andere Wirtschaftszweige

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
66
3.10. Werbemarkt
Zum Werbemarkt zählen die beiden Wirtschaftszweige Werbeagenturen bzw. die Werbegestaltung sowie die
Vermarktung und Vermittlung von Werbeflächen und Werbezeiten (Tabelle 13).
Tabelle 13:
Kennzahlen des Werbemarktes in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Werbemarkt
1.324
333
4.622
252
3,5
Anteil an der KKwi in %
11
9
9
Anteil in %
Anteil in %
absolut
73.11
Werbeagenturen/
Werbegestaltung
95
96
252
73.12
Vermarkt. u. Vermittlung von
Werbezeiten/-flächen
5
4
250
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
In Sachsen erwirtschaften im Werbemarkt 1.324 Unternehmen einen Umsatz von 333 Mio. € im Jahr 2015.
Dies entspricht einem Unternehmensanteil von 11 % und einem Umsatzanteil von 9 % an der sächsischen
KKwi. Zwischen 2010 und 2015 hat der Teilmarkt ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum von 22 % im
Vergleich zur sächsischen KKwi (+18 %) und zur sächsischen Gesamtwirtschaft (+16 %) verzeichnet. Der
bereits im 1. KWB festgestellte positive Trend bei der Umsatzentwicklung hat sich in den letzten Jahren
fortgesetzt. Da diese positive Entwicklung trotz des sukzessiven Bedeutungsverlustes von analoger
Werbung
71
zu beobachten ist, scheint der Markt die Chancen der Digitalisierung durch eine Erweiterung des
Geschäftsportfolios zu nutzen und in Wert zu setzen. Die Generierung maßgeschneiderter Werbung für den
Kunden unter Verwendung des analysierten Nutzerverhaltens sowie die Werbevermittlung über Algorithmen,
Werbekampagnen und Social-Media sind Beispiele für die Erweiterung des Leistungsspektrums vieler
Werbeagenturen.
Die Erwerbstätigenzahl entspricht im Werbemarkt mit 4.622 Personen im Jahr 2015 knapp einem Zehntel
der Erwerbstätigen in der gesamten sächsischen KKwi. Rechnet man die GB sowie Selbstständigen und
Unternehmen der Größenklasse 2 mit 3.010 bzw. 1.533 hinzu, so erhöht sich die Erwerbstätigenzahl auf
9.165 (Tabelle 29). Im Gegensatz zum Umsatz ist die Erwerbstätigenzahl zwischen 2010 und 2015 mit 3 %
wesentlich moderater gestiegen, so dass die Unternehmen gegenüber 2010 mehr Umsatz pro
Erwerbstätigen erwirtschaften. Die Erwerbstätigenzahl je Unternehmen liegt mit 3,5 im Mittelfeld der
sächsischen KKwi.
Von den Erwerbstätigen sind 2015 3.298 und 2016 3.378 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.
Zwischen 2010 und 2016 ist die Zahl der SvB um 8 % bzw. um 260 SvB gestiegen. 2016 wies der
Werbemarkt einen Frauenanteil von 53 % auf. Das Geschlechterverhältnis ist damit nahezu ausgeglichen
und liegt höher als in der KKwi (47 %) und der Gesamtwirtschaft (49 %) im Freistaat Sachsen.
Die beiden Wirtschaftszweige des Werbemarktes unterscheiden sich hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen
Relevanz. Die Werbeagenturen machen 95 % aller Unternehmen aus und generieren einen Umsatzanteil
von 96 %. Die Vermarktung und Vermittlung von Werbezeiten und Werbeflächen nimmt entsprechend eine
71
MWIDE NRW (2017), S. 37ff.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
67
|
nachrangige Bedeutung ein. In beiden Segmenten liegt der Umsatz mit jährlich durchschnittlich etwa
250 Tsd. € je Unternehmen auf ähnlichem Niveau.
Abbildung 39:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Werbemarktes in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Wie Abbildung 39 verdeutlicht, ist die Zahl der Unternehmen der Größenklasse 1 seit 2012 kontinuierlich
gesunken. Für 2016 wird eine Fortführung dieser Entwicklung erwartet. Das Wachstum sowohl beim Umsatz
als auch bei den SvB ist dementsprechend vor allem den etablierten Unternehmen zuzuschreiben.
101
101
100
98
97
96
100
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Werbemarkt
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
68
Abbildung 40:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Werbemarktes nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
In Abbildung 40 zeigt sich, dass in den urbanen Kulturräumen Leipzig und Dresden mit 422 bzw. 336 mehr
Unternehmen des Werbemarktes lokalisiert sind als in den übrigen Kulturräumen. In den ländlichen
Kulturräumen und in Chemnitz schwanken die Werte zwischen 150 und 200 Unternehmen. Im Kulturraum
Erzgebirge-Mittelsachsen sind mit 206 die drittmeisten Unternehmen angesiedelt. Insgesamt sind die
Unterschiede zwischen den Kulturräumen wesentlich moderater als bei den anderen Teilmärkten. Dies
spricht für eine flächendecke Relevanz dieses Teilmarktes, da Werbemaßnahmen auch stark von lokalen
Geschäften und Akteuren nachgefragt werden. Räumliche Nähe zu den Kunden hat trotz der Digitalisierung
noch einen großen Stellenwert. Allerdings bietet die digitale Vernetzung den Werbeunternehmen auch die
Chance, einen viel größeren Kundenstamm zu erschließen. In allen Kulturräumen dominiert das Segment
der Werbeagenturen deutlich den Teilmarkt.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Werbeagenturen/Werbegestaltung
Vermarkt. u. Vermittlung von Werbezeiten/-flächen

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
69
|
3.11. Software-/Games-Industrie
Zur Software-/Games-Industrie gehören das Verlegen von Computerspielen und sonstiger Software. Des
Weiteren zählen die Wirtschaftszweige Webportale, die Entwicklung und Programmierung von
Internetpräsentationen sowie die sonstige Softwareentwicklung zum Teilmarkt.
Tabelle 14:
Kennzahlen der Software/Games-Industrie in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen
Umsatz
in Mio. €
Anzahl
Erwerbstätige
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Software/Games-Industrie
1.333
708
15.455
531
11,6
Anteil an der KKwi in %
11
19
30
Anteil in %
Anteil in %
absolut
58.21
Verlegen von Computerspielen
0,23
0,02
54
58.29
Verlegen von sonstiger Software
1
5
3.139
63.12
Webportale
2
2
435
62.01.1
Entwicklung/Programmierung von
Internetpräsentationen
37
20
286
62.01.9
Sonstige Softwareentwicklung
60
73
652
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
Die Software-/Games-Industrie erzielt mit ihren 1.333 Unternehmen 2015 einen Umsatz von 708 Mio. €
(Tabelle 14). Dies entspricht rund einem Fünftel des Umsatzes der gesamten KKwi im Freistaat Sachsen bei
einem Unternehmensanteil von nur 11 %. Damit generiert der Teilmarkt, knapp nach dem Pressemarkt, den
zweithöchsten Umsatzanteil und weist sehr hohe Wachstumsraten auf. Zwischen 2010 und 2015 ist der
Umsatz um 55 % bzw. um 251 Mio. € gestiegen (Tabelle 23). Wenn diese Entwicklung anhält, wird die
Software-/Games-Industrie in absehbarer Zeit der ökonomisch bedeutendste Teilmarkt innerhalb der KKwi
werden. Durch seine Dynamik und Innovationskraft erzeugt der Teilmarkt positive Spillover-Effekte z. B. in
Form von neuartigen Softwareanwendungen und Internettechnologien für die anderen Teilmärkte der KKwi
und für andere Wirtschaftsbranchen
72
.
Die Software-/Games-Industrie verzeichnet mit einer Erwerbstätigenzahl von 15.455 im Jahr 2015 den
höchsten Wert innerhalb der sächsischen KKwi. Rechnet man die GB sowie die Selbstständigen und
Unternehmen der Größenklasse 2 mit 849 bzw. 2.026 hinzu, erhöht sich die Erwerbstätigenzahl auf 18.331
(Tabelle 29). Bei einem Erwerbstätigenanteil von 30 %, findet nahezu jeder dritte Erwerbstätige der
sächsischen KKwi Arbeit in der Software-/Games-Industrie. Der Anstieg der Erwerbstätigenzahl um 77 %
zwischen 2010 und 2015 ist die größte Steigerung innerhalb der sächsischen KKwi. Die Software-/Games-
Industrie ist damit der beschäftigungsstärkste Teilmarkt und bedeutsamer Jobmotor. Mit 11,6 weisen die
Unternehmen der Software-/Games-Industrie eine weit überdurchschnittliche Erwerbstätigenzahl je
Unternehmen auf. Im Vergleich zu den anderen Teilmärkten der KKwi ist die Software-/Games-Industrie vor
allem durch beschäftigungsstarke Unternehmen geprägt.
72
KAT der WKO (2017)

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
70
Die Anzahl der SvB ist zwischen 2010 und 2015 um 82 % bzw. um 6.361 SvB gestiegen. Dieses Wachstum
ist deutlich stärker als das bereits überdurchschnittliche Unternehmenswachstum von 36 % im gleichen
Zeitraum (Abbildung 41), was auf ein Wachstum der Beschäftigtenzahlen auch bei etablierten Unternehmen
schließen lässt.
Von den Erwerbstätigen zählen 2016 15.358 zur Gruppe der SvB.
Das
Geschlechterverhältnis in der Software-/Games-Industrie ist sehr unausgewogen. Der Teilmarkt weist 2016
mit 31 % den geringsten Frauenanteil bei den SvB in der gesamten KKwi auf. Der Wert ist wesentlich
geringer als in der sächsischen KKwi (47 %) und der Gesamtwirtschaft in Sachsen (49 %)
73
.
Im Vergleich der einzelnen Wirtschaftssegmente der sächsischen Software-/Games-Industrie untereinander,
nimmt die Entwicklung sonstiger Software wie bspw. Software für Betriebssysteme oder berufliche
Anwendungssoftware mit 798 bzw. 60 % der Unternehmen eine zentrale Rolle ein. In diesem
Wirtschaftszweig werden 2015 rd. 520 Mio. €, d. h. nahezu zwei Drittel des gesamten Umsatzes generiert.
Das zweitgrößte Segment bildet die Entwicklung und Programmierung von Webseiten. Dieses Segment
erwirtschaftet knapp 140 Mio. € bzw. 20 % des Umsatzes und umfasst mit 490 Unternehmen einen
Anteilswert von 37 %. Unternehmen, die sonstige Software verlegen, generieren mit 3,1 Mio. € den höchsten
Umsatz je Unternehmen. Der durchschnittliche Umsatz je Unternehmen ist mit 531 Tsd. € in der
sächsischen Software-/Games-Industrie zwar deutlich geringer, aber im Vergleich zu den übrigen
Teilmarkten der sächsischen KKwi recht hoch. Im Bereich der Computerspiele ist ein zunehmender
Bedeutungsverlust
innerhalb
der
sächsischen
Software-/Games-Industrie
zu
beobachten.
Der
Unternehmens- und Umsatzanteil in Sachsen ist nahezu Null. Ein negativer Trend lässt sich für den
Zeitraum 2010 bis 2015 auch bundesweit beobachten
74
. Mit 54 Tsd. € ist der Umsatz je Unternehmen in
diesem Wirtschaftssegment innerhalb der sächsischen Software-/Games-Industrie auch am niedrigsten.
Abbildung 41:
Entwicklung der Unternehmensanzahl der Software/Games-Industrie in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Wie Abbildung 41 zeigt, ist das Unternehmenswachstum im Vergleich zur KKwi und der Gesamtwirtschaft
überdurchschnittlich. Zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der Unternehmen der Größenklasse 1 von 982
auf 1.333 gestiegen. Der positive Trend, der sich bereits im 1. KWB abzeichnete, setzt sich fort. Auch für das
Jahr 2016 wird von einer steigenden Unternehmensanzahl ausgegangen.
73
Für eine Diskussion der Geschlechterverhältnisse in der KKwi, siehe Kapitel 2.5.
74
BMWi (2017), S. 170
108
118
126
130
136
144
102
105
106
107
109
111
100
102
103
102
102
102
102
90
100
110
120
130
140
150
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Software-/Games-Industrie
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
71
|
Abbildung 42:
Regionale Verteilung der Unternehmen der sächsischen Software/Games-Industrie nach
Kulturräumen 2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
In Abbildung 42 lässt sich erkennen, dass sich die Unternehmen der sächsischen Software-/Games-
Industrie auf die zwei urbanen Kulturräume Leipzig (450) und Dresden (489) konzentrieren. Die übrigen
Kulturräume weisen geringere Unternehmenszahlen zwischen rd. 100 und 150 auf. Hinsichtlich der Struktur
der unterschiedlichen Segmente nach Kulturräumen lassen sich keine Auffälligkeiten erkennen. Es kann
davon ausgegangen werden, dass die hohe Unternehmenszahl in Dresden und Leipzig noch weiter
zunehmen wird. Zum einen verfügen die Standorte über eine gute digitale Infrastruktur, welche für die
Software-/Games-Industrie unerlässlich ist. Zum anderen bilden Leipziger und Dresdener Hochschulen
Informatikstudenten für den Markt aus, die auch vor Ort eine Beschäftigung finden oder eigene Startups
gründen
75
. Weiterhin tragen die sächsischen Hub-Standorte in Dresden und Leipzig (Smart Systems Hub in
Dresden und Smart Infrastructure Hub in Leipzig), die bestehenden Forschungseinrichtungen im Bereich
Software/Games (z. B. Dresdner Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und
Plasmatechnik FEP, der Vodafone-Stiftungslehrstuhl Mobile Communications Systems an der TUD) sowie
Verbände wie Silicon Saxony maßgeblich zur Wissensproduktion und -verwertung bei und stärken die
Kulturräume Leipzig und Dresden als wichtige Standbeine der sächsischen Software-/Games-Industrie.
75
Amt für Wirtschaftsförderung der Stadt Leipzig (2017)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Andere Wirtschaftszweige
Webportale
Entwicklung und Programmierung von Internetpräsentationen
Sonstige Softwareentwicklung

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
72
3.12. Kunsthandwerk
Die erzgebirgische Volkskunst, Meißner Porzellan sowie Uhren aus Glashütte stehen nicht nur innerhalb
Sachsens für exzellente Qualität und Tradition, sondern genießen bundesweit und international hohe
Wertschätzung in Premiumabnehmerkreisen solcherart Konsumgüter. Die Schwerpunkte spiegeln sich in
den Wirtschaftszweigen des Teilmarktes wider (Tabelle 15).
Tabelle 15:
Kennzahlen des Kunsthandwerks in Sachsen 2015
Wirtschaftszweig
Anzahl
Unternehmen*
Umsatz
in Mio. €**
Anzahl
Erwerbs-
tätige***
Umsatz je
Unternehmen
in Tsd. €
Erwerbstätige
je
Unternehmen
Kunsthandwerk
422
294
4.468
696
10,6
Anteil an der KKwi in %
4
8
9
Anteil in %
Anteil in %
absolut
16.29
Herstellung v. Holzwaren etc.
81
39
332
23.41
Herstellung von keramischen
Haushaltswaren etc.
11
13
807
23.49
Herstellung v. sonst. keramischen
Erzeugnissen
5
1
209
26.52
Herstellung von Uhren
3
47
11.445
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis der Bundesagentur für Arbeit und des Statistischen Landesamts des
Freistaates Sachsen. Hinweis: Summen können rundungsbedingt von 100% abweichen.
In Sachsen erwirtschaften 422 Unternehmen aus dem Kunsthandwerk einen Gesamtumsatz von 294 Mio. €
(Tabelle 15). Dies entspricht einem Unternehmensanteil von 4 % und 8 % des Umsatzes der gesamten KKwi
im Freistaat Sachsen. Zwischen 2010 und 2015 ist der Umsatz mit einem Plus von 41 % deutlich gestiegen
(Tabelle 23). Nach der Software-/Games-Industrie ist das das zweithöchste Umsatzwachstum in der
sächsischen KKwi.
Die Erwerbstätigenzahl hat sich positiv entwickelt. Die Zahl der Erwerbstätigen ist zwischen 2010 und 2015
um 16 % auf 4.468 gestiegen. Rechnet man die GB sowie die Selbstständigen und Unternehmen der
Größenklasse 2 mit 323 und 383 hinzu, so erhöht sich die Erwerbstätigenzahl auf 5.174 (Tabelle 29). 2016
waren im Kunsthandwerk in Sachsen 4.167 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Neben der
Software-/Games-Industrie (92 %) erreicht dieser Teilmarkt mit 91 % den höchsten SvB-Anteil an den
Erwerbstätigen. Im Zeitraum von 2010 bis 2016 stieg die Zahl der SvB um 22 % bzw. um 756 Personen.
Dies lässt darauf schließen, dass die Mitarbeiterzahl in etablierten Unternehmen steigt. Das
Geschlechterverhältnis ist im Kunsthandwerk 2016 relativ ausgeglichen. Der Frauenanteil ist mit 57 % höher
als in der gesamten KKwi (47 %) und als in der sächsischen Gesamtwirtschaft (49 %).
Mit 113 Mio. € wird nahezu die Hälfte des Umsatzes des gesamten Teilmarktes mit der Herstellung von
Uhren erwirtschaftet; Tendenz steigend (Tabelle 15). Bemerkenswert ist, dass dieser Wirtschaftszweig mit
12 Unternehmen nur 3 % der Unternehmen des Teilmarkts stellt, mit 11 Mio. € Umsatz je Unternehmen
jedoch einen überdurchschnittlichen Umsatzanteil generiert. Die Herstellung von Holzwaren mit den
traditionell sehr kleinen Unternehmen erzielt den zweitgrößten Umsatzanteil von 39 % bzw. 116 Mio. €.
Dieser Beitrag wird in 342 Unternehmen bzw. von 81 % der Unternehmen des Teilmarkts Kunsthandwerk
generiert. Die Herstellung keramischer Haushaltswaren leistet mit einem Umsatzanteil von 13 % bzw.
38 Mio. € ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Situation des Teilmarkts. Hier lässt sich
jedoch seit 2015 ein moderater Umsatzrückgang verzeichnen. Der Umsatz wird von 48 Unternehmen bzw.

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
73
|
von 11 % der Unternehmen in diesem Teilmarkt erwirtschaftet. Die Herstellung von sonstigen keramischen
Erzeugnissen erzielt mit 209 Tsd. € den niedrigsten Umsatz je Unternehmen.
Abbildung 43:
Entwicklung der Unternehmensanzahl des Kunsthandwerks in Sachsen 2010-2016
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen.
* Werte für 2016 basieren auf eigenen Schätzungen.
Wie Abbildung 43 zeigt, ist die Anzahl der Unternehmen der Größenklasse 1 seit 2014 leicht rückläufig. Im
Vergleich zur restlichen KKwi in Sachsen weist das Kunsthandwerk mit 10,6 einen hohen Wert bei den
Erwerbstätigen je Unternehmen im Jahr 2015 auf, der auf die großen Betriebe, wie der Glashütter
Uhrenbetrieb GmbH oder der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen GmbH zurückzuführen ist. Der
Rückgang in der Unternehmenszahl geht ausschließlich auf Rückgänge in der Uhrenherstellung und der
Herstellung von keramischen Haushaltswaren zurück.
100
101
100
100
102
99
98
102
105
106
107
109
111
102
103
102
102
102
102
96
98
100
102
104
106
108
110
112
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016*
Kunsthandwerk
Kultur- und Kreativwirtschaft
Gesamtwirtschaft
Index: 2010 = 100

Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft in Sachsen
|
74
Abbildung 44:
Regionale Verteilung der Unternehmen des sächsischen Kunsthandwerks nach Kulturräumen
2015
Quelle: Prognos AG 2017, eigene Berechnungen auf Basis des Statistischen Landesamts des Freistaates Sachsen (URS).
In Abbildung 44 ist ersichtlich, dass mit einer Anzahl von 243 die meisten kunsthandwerklichen
Unternehmen im Kulturraum Erzgebirge-Mittelsachsen angesiedelt sind. Der regionale Schwerpunkt liegt
dort vor allem im Bereich der Herstellung von Holzwaren, insbesondere der erzgebirgischen Holzkunst. Der
Kulturraum Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zählt hingegen als Zentrum der Uhrenherstellung.
Die meisten Unternehmen aus dem Bereich der Herstellung von keramischen Haushaltswaren sind in den
Kulturräumen Vogtland-Zwickau mit 11, Meißen-Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mit 13 sowie
Oberlausitz-Niederschlesien mit 19 Unternehmen angesiedelt. In den urbanen Kulturräumen Dresden,
Leipzig und Chemnitz finden sich kaum Unternehmen des Kunsthandwerks.
0
50
100
150
200
250
300
Vogtland-
Zwickau
Erzgebirge-
Mittelsachsen
Leipziger
Raum
Meißen-
Sächsische
Schweiz-
Osterzgebirge
Oberlausitz-
Niederschlesien
Chemnitz
Leipzig
Dresden
Herstellung v. Holzwaren
Herstellung von keramischen Haushaltswaren
Herstellung v. sonst. keramischen Erzeugnissen
Herstellung von Uhren

image
Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für die KKwi
75
|
4. Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten
für die KKwi
Sächsische Kommunen, der Freistaat Sachsen, der Bund und die Europäische Union (EU) bieten eine
facettenreiche Förderlandschaft für Kultur- und Kreativschaffende in Sachsen (Abbildung 45). Es gibt
zahlreiche Programme insbesondere in den Bereichen Wirtschafts-, Technologie- Arbeitsmarkt- und
Kulturförderung, die Kultur- und Kreativschaffende bei der Realisierung verschiedener Vorhaben
unterstützen können. Die Bandbreite reicht von der Kreativraumförderung, über branchenoffene Ansätze der
Gründungs-, Wachstums- sowie Aus- und Weiterbildungsförderung, bis hin zu teilmarktspezifischen
Instrumenten wie bspw. dem German Motion Picture Fund für die Filmwirtschaft.
Einen Ausschnitt über aktuelle Programme und Instrumente, die zur Professionalisierung und
Wertschöpfungssteigerung der KKwi beitragen sollen, sind in den nachstehenden Ausführungen
exemplarisch dargestellt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben. Neben der Auflistung
wichtiger Anlaufstellen für die Kultur- und Kreativschaffenden in Sachsen, erfolgt eine Beschreibung der für
die sächsische KKwi relevanten Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten. Die Kontaktdaten der
Anlaufstellen sind in Tabelle 22 im Anhang aufgelistet. Weitere Informationsquellen sind das Sächsische
Amtsblatt und die Fördermitteldatenbank „FÖMISAX“ der sächsischen Staatskanzlei. Das Sächsische
Amtsblatt gibt Auskunft über alle sächsischen Förderrichtlinien und in der Fördermitteldatenbank
„FÖMISAX“ können über eine integrierte Suchfunktion Informationen zu allen Förderprogrammen des
Freistaates Sachsen abgerufen werden.
Die Programme werden durch eigene Mittel der Kommune bzw. des Landes und oftmals anteilig durch Mittel
des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Europäischen Sozialfonds (ESF)
finanziert. Während die EFRE-Förderung u. a. auf die Stärkung von Forschung, technologischer Entwicklung
und Innovation sowie der Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) zielt,
sind beim ESF Bildung, Aus- und Berufsbildung, eine nachhaltige und hochwertige Beschäftigung sowie die
soziale Inklusion und die Bekämpfung von Armut und Diskriminierung Förderschwerpunkte.
Abbildung 45:
Übersicht zur Förderlandschaft der KKwi Sachsen
Quelle: Prognos AG, 2017.

Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten für die KKwi
|
76
4.1. Kommunale Ebene
Auf kommunaler Ebene findet sich ein breites Förderangebot mit wirtschaftlicher und/oder künstlerischer
Ausrichtung für die KKwi vor allem in den Städten Chemnitz, Dresden, Leipzig und Görlitz. Dies ist in Tabelle
16 exemplarisch aufgeführt.
Die
Stadt Leipzig
unterstützt seit 2013 über das Mittelstandsförderprogramm KMU durch innovations- und
technologieorientierte Projektförderung. Ziel ist es, KMUs ihre Potenziale besser nutzen zu lassen und die
überregionale Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Insgesamt werden 17 Maßnahmen, welche mindestens bis
31.12.2018 jährlich mit rd. 600.000 € hinterlegt sind, durchgeführt
76
. Zu diesen gehören u. a.
Messeförderung, wachstumsbedingte Standorterweiterung oder die Mitarbeiterförderung für Gründer. Die
sächsischen Kultur- und Kreativschaffenden profitieren indes auch von der Maßnahme „Transfer Kreativer
Ideen“, welche die Inanspruchnahme von Kreativ-Dienstleistungen durch KMU von Leipziger Unternehmen
der Medien- und Kreativbranche fördert und darüber branchenübergreifende Wertschöpfungs- und
Innovationsprozesse anstößt.
Die
Stadt Dresden
hat mit der Kreativraumförderung ein Instrument geschaffen, welches die
Modernisierung und Bereitstellung von Räumen für die KKwi unterstützt und über das Amt für
Wirtschaftsförderung in Dresden verwaltet wird. Ziel ist es, die Raumsituation von Akteuren der KKwi zu
verbessern. Mit der Kreativraumbörse unterstützt die Stadt Dresden Kultur- und Kreativschaffende zudem
bei der Beratung, Vermittlung von Arbeits- und Produktionsräumen und bei der Prozessbegleitung. Eine
Vermittlung zwischen Akteuren der KKwi und Eigentümern oder Verwaltern von Immobilien wird auch von
der Wirtschaftsförderung der
Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH
(EGZ) übernommen.
In Anlehnung an die Handlungsempfehlungen der Morgenstadt-Analyse „City Lab Chemnitz“ zur
nachhaltigen Stadtentwicklung, initiierte die
Stadt Chemnitz
in Zusammenarbeit mit der Chemnitzer
Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (CWE) das Förderprogramm KRACH –
Kreativraum Chemnitz. Im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens werden bis zu zehn junge Unternehmen
der KKwi bei der Ansiedlung in Chemnitz unterstützt. Hierfür erhalten sie während ihrer Gründungsphase
eine individ