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Motorische Leistungsfähigkeit
sächsischer Kindergartenkinder
Eine vergleichende Analyse
der Statuserhebungen 2007 und 2013

Die Forschungsgruppe der Technischen Universität Chemnitz und der Universität Leipzig möchte sich an
dieser Stelle recht herzlich bei allen Teilnehmern und Mitwirkenden der MoKiS-Studie 2007–2014 bedanken!
Anerkennung gilt den über 3.500 Kindern für die Begeisterung und das Anstrengen beim Motorik-Test. Ein
Dankeschön geht an die über 1.500 Erzieherinnen und Erzieher für die Teilnahme und das Interesse an der
MoKiS-Fortbildung sowie ihr tägliches Engagement für das gesunde Aufwachsen junger Kinder in Sachsen!
Vielen Dank den Leiterinnen, Leitern und Trägern der 80 teilnehmenden Kindertageseinrichtungen für die
Unterstützung der Studie und die Ermöglichung der Motorik-Tests vormittags in den KiTas! Ein herzlicher
Dank richtet sich schlussendlich an die Eltern, für das Vertrauen und Einverständnis zur Teilnahme ihrer Kinder
am Motorik-Test.
In der Broschüre wird zuweilen mit hochgestellten Zahlen auf andere Studien
1, 2
verwiesen. Die entsprechende
Literatur dazu finden Sie auf der Webseite zur MoKiS-Studie
(www.mokis-studie.de).
Personenbezeichnungen in
dieser Studie stehen ausschließlich in grammatikalisch-verallgemeinernder Form, es sind damit immer Männer
und Frauen gemeint. Wir danken für Ihr Verständnis für dieses Vorgehen.

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Vorwort | 03
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren,
das Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz hat
zweimal die sogenannte »MoKiS-Studie« (Motorik von Kindern in
Sachsen) gefördert. Die Ergebnisse von MoKiS II werden in dieser
Broschüre veröffentlicht.
Die Studie ist eingebunden in das Handlungsfeld »Bewegung«
des sächsischen Gesundheitsziels »Gesund aufwachsen«.
»Gesund aufwachsen« ist eines der etablierten Gesundheitsziele
in Sachsen, das physische und psychische Gesundheitsressour-
cen von Kindern stärken und gesundheitsfördernde Lebenswel-
ten schaffen will. Im Jahr 2007 erfolgte eine Statuserhebung
zur Ermittlung von repräsentativen Daten zur Ist-Situation des
Bewegungs- und Motorikstatus‘ von vier- bis sechsjährigen
Kindern in Sachsen. Einerseits sollten die sächsischen Daten mit
dem bundesweiten Kinder- und Jugendsurvey verglichen und
andererseits Schwerpunkte für die zukünftige Bewegungsförde-
rung in Kindertageseinrichtungen abgeleitet werden.
An den Statuserhebungen waren die Universität Leipzig und
die Technische Universität Chemnitz beteiligt. Mit Hilfe von
Motorik-Tests prüften sie Koordination, Kraft und Beweglichkeit
sowie die Bewegungsfertigkeiten Werfen und Fangen von über
3.500 Kindern in 80 Kindergärten. Diese wurden in Abhän-
gigkeit von Alter, Geschlecht und Wohnregion ausgewertet.
Nach Abschluss des ersten Teils der Studie bot die Universität
von 2009 bis 2011 sachsenweit Erzieherinnenfortbildungen
zu »Bewegung, Spiel und Sport« an, die 1.566 Erzieherinnen
besuchten.

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04 |
Vorwort
Die Leipziger und Chemnitzer Forscher haben den sächsischen
Kindern attestiert, dass sich ihre motorischen Leistungen zwi-
schen 2007 und 2013 auch im bundesweiten Durchschnitt nicht
relevant unterscheiden. Jedoch bestehen unter den vier- bis
sechsjährigen Kindern große Unterschiede bei der Gleichge-
wichtsfähigkeit und Beweglichkeit. Dieser Trend hat sich 2013
noch verstärkt. Hier wird deutlich, dass sich die Schere zwischen
Kindern, die besonders »fit« sind und denen, die sich schwer tun,
weiter geöffnet hat. Gründe für diese Unterschiede sind man-
gelnde Übung und Förderung.
Wo besteht Handlungsbedarf? Es gibt kein Patentrezept, aber
viele Möglichkeiten.
Sicher ist, die Kindertageseinrichtung hat bei der Entwicklung
der Motorik und des Bewegungsverhaltens eine Schlüsselfunk-
tion. Kitas sind Orte, die allen Kindern gleiche Bewegungschan-
cen bieten.
In Sachsen verbringen ca. 97 Prozent der Kinder eines Jahrgangs
an etwa 230 Tagen im Jahr meist sechs Stunden pro Tag in einer
Kindertageseinrichtung. Viel Zeit, die Erzieherinnen und Erzieher
für eine gezielte Bewegungsförderung nutzen müssen.
Vielfältige Bewegungsanlässe, tägliche Bewegungsrituale und
häufige Bewegungspausen müssen dauerhaft im Kita-Alltag
verankert werden. Wenn sich Kita-Pädagogen direkt in kindliche
Bewegungs- und Spielsituationen einbringen, wenn sie Freude
am gemeinsamen Sich-Bewegen ausstrahlen, wenn sie ermun-
tern und weniger fitte Kinder in Spiele eingebunden werden,
bei denen es keinen Sieger gibt, wird sich das positiv auf die
Bewegung der Kinder auswirken.
Barbara Klepsch
Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz

Inhaltsverzeichnis | 05
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
........................................................................................................... 03
Abbildungsverzeichnis
...............................................................................
06
1
Hintergrund der MoKiS-Studie ........................................................ 07
2 Motorische Leistung, Fähigkeiten und Fertigkeiten ...................11
3
Stand der Forschung ............................................................................13
4
Methodisches Vorgehen der MoKiS-Studie .................................19
5
Ergebnisse der MoKiS-Studie ........................................................... 22
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse ................. 38
7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis ................ 44
8
Ausblick und Empfehlungen ............................................................. 54

06 |
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Fähigkeitsdimensionen der Motorik
9
.................................................................................................................................................................................................12
Abbildung 2:
Prozentuale Verteilung der 2007 und 2013 untersuchten Kinder sowie
der 03/2011 existierenden KiTas auf die Direktionsbezirke Leipzig,
Dresden,
Chemnitz
........................................................................................................................................................................................................22
Abbildung 3:
Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013 im Einbeinstand,
gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
........................................................................................................................................24
Abbildung 4:
Mittelwerte der Testleistungen (in cm) von 2007 und 2013 im
Standweitsprung, gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
..........................................................25
Abbildung 5:
Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013 im Seitlichen
Springen, gesplittet nach Altersgruppen
...............................................................................................................................................................................27
Abbildung 6:
Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013 im Rumpfbeugen,
gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen (positive Werte = cm
unterhalb des Fußsohlenniveaus)
........................................................................................................................................................................................................28
Abbildung 7:
Mittelwerte der Summenscores aus 3 Ballwurfaufgaben von 2007 und
2013,
gesplittet
nach
Altersgruppen
.................................................................................................................................................................................................30
Abbildung 8:
Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013 im Hampelmann,
gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
........................................................................................................................................31
Abbildung 9:
Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013 in der Auge-Hand-
Koordinationsaufgabe, gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
.....................................33
Abbildung 10: Vergleich der Mittelwerte normal- und übergewichtiger/adipöser
Kinder (Erhebung 2007 und 2013) bzgl. ihrer Testleistungen im
Standweitsprung, Einbeinstand und Auge-Hand-Koordination
..................................................................................34
Abbildung 11: Vergleich der Mittelwerte von Kindern unterschiedlicher
Gemeindegrößen (Erhebung 2007 und 2013) bzgl. ihrer Testleistungen
im Standweitsprung, Einbeinstand und in der Ballwurfaufgabe
................................................................................35

1 Hintergrund der MoKiS-Studie | 07
1 Hintergrund der MoKiS-Studie
Kinder als neugierige Lerner und aktive Konstrukteure ihrer
Entwicklung
Kinder sind überaus aktive und neugierige Lerner. Sie entdecken
und erfahren ihre Lebenswelt indem sie sich vor allem bewegt
mit ihr auseinandersetzen. Über Bewegung und Wahrnehmung
sammeln Kinder soziale und materielle Erfahrungen, loten die
Grenzen ihrer Lebenswelt aus, machen sich deren Bedeutungen
zugängig und lernen diese zu verstehen. Die Bewegungs- und
Erkundungsmöglichkeiten, die sich einem Kind in seinem
Lebensalltag eröffnen, bestimmen maßgeblich seine Entwick-
lungs- und Bildungschancen.
Typische »Räume« für Lernen, Erfahren und Entdecken bilden im
Kindesalter Familie, Spielgruppe, Kindergarten, Schule, Sportver-
ein, Musikschule etc. In diesen »Räumen« werden verschiedenste
Personen, vor allem Eltern, Großeltern, Erzieher, Lehrer, Trainer,
erzieherisch tätig. Ihr Erziehungs- bzw. Interaktionsverhalten
wird dabei von jeweils eigenen Wertorientierungen, Einstellun-
gen, Denkweisen und Verhaltenspräferenzen beeinflusst.
1, 4
Die kindertypischen Interaktionsräume sind oft mit unterschied-
lichen kulturellen, sozialen und ökonomischen Ressourcen
ausgestattet. Je nachdem, welche und wie viele dieser »Räume«
einem Kind zugängig sind, eröffnen sich ihm also unterschied-
lichste Chancen zum Sammeln spezifischer Erfahrungen zur
Lebenswelt (z. B. Bewegungserfahrungen).
2
Eltern gelten dabei als »Gatekeeper« (Pförtner) für viele Inter-
aktionsräume. Der Zugang eines Kindes bspw. zu einer Spiel-
gruppe ist vorwiegend von elterlichen Erwartungen, Prioritäten
Kinder sind Akteure ihrer
eigenen Entwicklung. Sie sind
dabei auf vielfältige Bewe-
gungs- und Erkundungsmög-
lichkeiten im Alltag ange-
wiesen, um ihre Lebenswelt
entdecken, sich aneignen und
sie mitgestalten zu können.
Wachsen Kinder in einer an-
regenden Umgebung auf und
erleben sie ihre Bezugsperso-
nen als Initiatoren und Unter-
stützer von Bewegung, aktivem
Spiel und Sport, so dürften sie
ihr motorisches Entwicklungs-
potential gut verwirklichen
können.

08 | 1 Hintergrund der MoKiS-Studie
und Entscheidungen abhängig. Je mehr Interaktionsräume und
damit auch Erfahrungschancen sich einem Kind eröffnen, umso
besser dürfte es ihm gelingen, sein Entwicklungspotential aus-
zuschöpfen.
3
Die durch Handeln, Erkunden und Interagieren alltäglich von
einem Kind gesammelten Erfahrungen spiegeln sich in seinem
psychophysischen und sozialen Entwicklungsstand, in seinen
Kompetenzen, Erwartungen, Bedürfnissen und Präferenzen
wider.
4
Auf diesen »Resultaten« seines Erfahrungsschatzes
basiert wiederum sein erneutes Alltagshandeln. Sie beeinflussen,
welche der sich täglich neu eröffnenden Erfahrungsangebote
das Kind auswählt und für weiteres Erkunden, Ausprobieren und
Lernen nutzen wird.
4
Dieses selbsttätige Auswählen oder Verwerfen von Erfah-
rungsangeboten macht Kinder zu aktiven Konstrukteuren ihrer
eigenen Entwicklung und Bildung. Einzig die Gebundenheit an
ihre genetisch und sozial bedingten Entwicklungs- und Bil-
dungschancen setzt ihren Konstruktionsleistungen Grenzen. Die
meisten Bildungs- und Orientierungspläne für Kindertagesein-
richtungen in Deutschland basieren auf den Annahmen dieser
interaktionalen Ansätze, aus deren Blickwinkel sich Entwicklung
und Bildung durch die wechselseitige Beeinflussung der Merk-
male eines Kindes und seiner Umwelt vollziehen.
Auch die Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit und
der Bewegungskompetenzen von Heranwachsenden unterliegt
diesem Zusammenspiel der Merkmale von Kind und Umwelt.
4, 5
Wachsen Kinder in einer zu Bewegung und körperlich aktivem
Spiel anregenden Umgebung auf und erleben sie ihre Bezugs-
personen als Vorbilder, Initiatoren und Unterstützer des
Aktiv-Seins, so dürften sie vielfältige Bewegungserfahrungen
sammeln und ihr motorisches Entwicklungspotential bestmög-
lich ausschöpfen können.

1 Hintergrund der MoKiS-Studie | 09
Bewegungschancen im Alltag und der motorische
Entwicklungsstand von Kindern
Gesellschaftspolitische wie auch pädagogisch-erzieherische
Bemühungen zielen seit Jahrzehnten darauf ab, die Lern- und
Erfahrungsbedingungen von Kindern so zu gestalten, dass
jedes Kind möglichst optimale Chancen für eine gesunde und
altersgemäße Entwicklung erhält. Wie gut dies schlussendlich
gelingt, lässt sich anhand von wiederholten Analysen zum Ent-
wicklungsstand einer Altersgruppe einschätzen.
Die in dieser Broschüre vorgestellten Statusanalysen zur
»Motorischen Leistungsfähigkeit von vier- bis sechsjährigen
Kindergartenkindern in Sachsen« (MoKiS) folgen genau diesem
Ansinnen.
Bis 2007 konnte in Sachsen diesbezüglich nur auf Daten aus
Schulaufnahmeuntersuchungen sowie auf Ergebnisse einer Studie
in Leipzig
6
zurückgegriffen werden. Um dieses Defizit an Befunden
zu beheben, förderte und finanzierte das Sächsische Staatsminis-
terium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) in den Jahren
2007 und 2013 jeweils eine repräsentative Erhebung des motori-
schen Leistungsstandes sächsischer Kindergartenkinder.
Das SMS reagierte damit zugleich auf die Diskussionen um das
unzureichende Bewegungsverhalten von Kindern und die mög-
lichen Auswirkungen auf Gewichtsstatus und motorische Leis-
tungsfähigkeit. Eingebunden in die Maßnahmen zum Gesund-
heitsziel »Gesund aufwachsen in Sachsen«, wurden die zwei
Statusanalysen von einer Forschungsgruppe der Universitäten
Leipzig und Chemnitz vorgenommen. Anhand der von mehr als
2.500 Kindern erfassten Daten können, über die Aussagen zum
Stand der motorischen Leistungsfähigkeit hinaus, Handlungs-
strategien zur Förderung von Bewegung sowie aller Facetten
der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindergartenkindern
abgeleitet werden.
Infolge der ersten Statuserhebung (2007) lagen bereits konkrete
Daten vor, auf deren Basis eine MoKiS-Erzieherfortbildung
für das Bundesland Sachsen erarbeitet werden konnte. Deren
Umsetzung erfolgte im Zeitraum 2009–2012 durch geschulte
Multiplikatoren. Die Erzieherfortbildung beinhaltete sieben
Die MoKiS-Studie wurde 2007–
2014 vom Sächsischen Staats-
ministerium für Soziales und
Verbraucherschutz gefördert
und finanziert. Sie lieferte in
den Jahren 2007 und 2013 re-
präsentative Daten zum Status
der motorischen Leistungs-
fähigkeit sächsischer Kinder-
gartenkinder. Zudem wurde
im Rahmen der Studie eine
Erzieherfortbildung erarbeitet,
2009–2012 in allen Regionen
Sachsens durchgeführt und
anschließend evaluiert.

10 | 1 Hintergrund der MoKiS-Studie
theoretisch und praktisch angelegte Module, deren Inhalte und
Intentionen an insgesamt 1.566 Erzieher sächsischer Kinderta-
gesstätten (KiTas) vermittelt wurden.
Um Aussagen zum Einfluss dieser Erzieherfortbildung auf Bewe-
gung und motorischer Entwicklung von Kindergartenkindern
treffen zu können, gab das SMS eine Analyse zum motorischen
Leistungsstatus von rund 1.000 Kindern aus KiTas mit fortge-
bildeten Erziehern in Auftrag. Die Resultate werden ebenfalls in
dieser Broschüre vorgestellt.
Warum Kinder Bewegung brauchen
Fortbildungsangebot
1. Baustein (Theorie, 2 Std.)
2. Baustein (Theorie, 1 Std.)
Bewegung und kindliche Entwicklung
Bewegungserziehung und -förderung
3. Baustein (Th./Pr. 2 Std.)
4. Baustein (Praxis, 1 Std.)
Präventive Angebote
Wahrnehmungsförderung
5. Baustein (Praxis, 2 Std.)
6. Baustein (Praxis, 2 Std.)
Förderung der koordinativen Fähigkeiten
Spiele zur Förderung kondit. Voraussetzungen
7. Baustein (Praxis , 2 Std.)
Bewegungsspiele und Spielformen für den Kindergarten

2 Motorische Leistung, Fähigkeiten und Fertigkeiten | 11
2 Motorische Leistung, Fähigkeiten
und Fertigkeiten
Was ist unter motorischer Leistung sowie motorischen
Fähigkeiten und Fertigkeiten zu verstehen?
Motorische Leistungen (wie Sprunghöhe, Wurfweite, Laufzeit)
sind die Resultate von Bewegungshandlungen (Springen, Laufen,
Werfen). Die sichtbaren Vollzüge der Bewegungshandlungen
werden als motorische Fertigkeiten bezeichnet: Laufen, Sprin-
gen, Werfen, Klettern gehören bspw. zu den Grundfertigkeiten,
während Dribbeln, Passen, Schwimmen, Balancieren, Radfahren
usw. zu den komplexen Fertigkeiten zählen.
8
Motorische Fertig-
keiten müssen durch Ausprobieren und wiederholtes Üben erst
erlernt werden.
Motorische Fähigkeiten beschreiben alle Strukturen und Funkti-
onen, die für das Zustandekommen von Bewegungshandlungen
verantwortlich sind.
7
Sie werden – auf einer ersten vereinfach-
ten Darstellungsebene – in konditionelle Fähigkeiten (Ausdauer,
Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit) und koordinative Fähigkeiten
(Orientierungs-, Gleichgewichts-, Rhythmisierungs-, Reaktions-,
Differenzierungs-, Umstellungs- und Kopplungsfähigkeit) unter-
teilt (Abb. 1). Das Niveau der motorischen Fähigkeiten beeinflusst
dabei das Lernen der motorischen Fertigkeiten sowie das erreich-
bare Fertigkeitsniveau. Durch das Üben und Lernen von Fertig-
keiten werden wiederum die motorischen Fähigkeiten geschult.
Beide unterliegen also einer wechselseitigen Beeinflussung. Zur
Erfassung des Entwicklungsstandes der motorischen Fähigkeiten
und Fertigkeiten von Kindern liegen standardisierte Tests vor,
deren Resultate für Statusanalysen verwendet werden können.

12 | 2 Motorische Leistung, Fähigkeiten und Fertigkeiten
Energetische Fähigkeiten
Informationelle Fähigkeiten
Kondition
Koordination
Orien-
Gleich-
Rhythmi-
Ausdauer
Beweglichkeit
tierung
gewicht
sierung
Differen-
Kraft
Schnelligkeit
Reaktion
zierung
Weitere Ausdifferenzierungen und Mischformen
Abbildung 1: Fähigkeitsdimensionen der Motorik
9

3 Stand der Forschung | 13
3 Stand der Forschung
Bewegungsempfehlungen für das Kindesalter
Das Kindesalter gilt als eine der bewegungsaktivsten Phasen
im gesamten Lebensverlauf.
10
Ein entsprechender Umfang an
täglichen Sport-, Spiel- und Bewegungsaktivitäten ist für ein
gesundes Aufwachsen junger Kinder und für die Initiierung
frühkindlicher Entwicklungsprozesse essentiell. Dieser Umfang
liegt – so die nationale Expertenempfehlung für das Kindesal-
ter – bei einem Mindestmaß von täglich 90 Minuten Bewegung
in mittlerer bis höherer Intensität.
11
Diese 90 Minuten können über den Tag hinweg in vielen spon-
tanen oder angeleiteten Bewegungsphasen gesammelt werden.
Längere Inaktivitätszeiten sollten im Tagesverlauf unbedingt mit
kleinen und großen, vielfältig gestalteten Bewegungspausen
unterbrochen werden, Sitzzeiten sind auf maximal zwei Stunden
täglich zu begrenzen.
11
Das Kindesalter gilt als eine
der bewegungsaktivsten
Phasen im Lebensverlauf. Für
ein gesundes Aufwachsen von
Kindern empfiehlt eine nati-
onale Expertenkommission,
täglich 90 Minuten körperliche
Aktivität in mittlerer bis hoher
Intensität über viele varianten-
reiche Bewegungsanlässe zu
sammeln.
Zusammenspiel von Bewegung, motorischer Leistung und
Übergewichtsrisiko
Obwohl das vorhandene Wissen aus Studien noch begrenzt ist,
geht man von
einer Verknüpfung der Bewegungsaktivität, der
motorischen Leistungsfähigkeit und dem Übergewichtsrisiko
von Kindern aus.
12
Die Stärke und Richtung des Zusammen-
wirkens dieser drei Merkmale ist noch etwas unklar, jedoch
zeigt sich, dass Kinder mit einer niedrigen motorischen
Leistungsfähigkeit im Alltag inaktiver sind und ein deutlich
höheres Übergewichtsrisiko tragen als motorisch fitte Kinder.
13
Studien, die diesen Zusammenhang bei Heranwachsenden im

14 | 3 Stand der Forschung
Kindergartenalter untersucht haben, liefern noch nicht ganz so
eindeutige Befunde.
14, 15
Über die Diskussion um unzureichende Bewegung
16, 17
gerät der
Entwicklungsstand der motorischen Leistungsfähigkeit junger
Kinder verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchun-
gen. Neuere nationale Studien lassen darauf schließen, dass
ein Rückgang der kindlichen Fitness in den letzten Jahrzehnten
allenfalls für einige wenige Facetten der motorischen Leistung
von Kindergartenkindern nachweisbar ist.
18, 19
Es wird vermutet,
dass ein Rückgang der motorischen Leistungen, aufgrund von
weniger Bewegung im Alltag, möglicherweise erst in späteren
Phasen des Kindes- und Jugendalters ganz deutlich sichtbar
wird.
20, 21
Die Forderungen nach frühzeitigen bewegungsbezo-
genen Präventionsstrategien bleiben dringlich aufrechterhalten.
Es werden immer wieder Auf-
fälligkeiten in den kindlichen
motorischen Leistungsniveaus
publiziert. Was einen rück-
läufigen Trend der motori-
schen Leistungsfähigkeit von
KiTa-Kindern betrifft, ist man
jedoch noch sehr unsicher.
Forderungen nach Präventi-
onsstrategien für Kindergar-
tenkinder bleiben dringlich
aufrechterhalten.
Motorische Leistungsfähigkeit und Alter
Die motorische Leistungsfähigkeit steigt im Kindesalter, bedingt
durch Wachstum, Reifung, Übung und Lernen an.
22
Das For-
schungswissen dazu, welchen Anteil diese Einflussfaktoren
jeweils an der Entwicklung motorischer Leistungen von Kindern
haben, ist noch recht uneinheitlich. Mit Blick auf die hohe
Zahl nicht ausreichend bewegungsaktiver Kinder
17
vermuten
Wissenschaftler, dass der motorische Leistungsanstieg mit
zunehmendem Alter momentan stärker als je zuvor wachstums-
und reifungsbedingt ist, als dass er auf Übungs-, Trainings- und
Lernprozessen basiert.
23
Die motorische Leistungsfä-
higkeit von Kindern steigt mit
zunehmendem Alter an. Unter-
schiede im motorischen Leis-
tungsniveau von Jungen und
Mädchen werden vor allem
verschiedenen Bewegungs-
chancen im Alltag und unter-
schiedlichen Präferenzen beim
Spielen zugeschrieben, die
durch erzieherisches Handeln
noch verstärkt werden.
Motorische Leistungsfähigkeit und Geschlecht
Für einige Bereiche der motorischen Leistungsfähigkeit liegen
Hinweise auf geschlechterspezifische Unterschiede vor.
24, 25
Im Kindergartenalter erbringen Jungen in kraft- und schnell-
kraftbezogenen Bewegungsaufgaben bessere Leistungen,
Mädchen dagegen in feinmotorischen und eher koordinativ
bestimmten Aufgaben. Diese Differenzen sieht man einerseits
in entwicklungsbiologischen Unterschieden von Jungen und
Mädchen begründet. Andererseits dürften unterschiedliche
Erwartungen an Mädchen und Jungen seitens Eltern, Erziehern,
Lehrern sowie unterschiedlich offerierte Erfahrungsangebote

3 Stand der Forschung | 15
diese Differenzen mitbestimmen.
26
Es wird angenommen, dass
vor allem die von Erziehung mitbeeinflussten Verhaltens- und
Spielpräferenzen von Jungen und Mädchen die unterschiedliche
Ausprägung ihrer motorischen Leistungen hervorrufen.
27, 21
Motorische Leistungsfähigkeit und Gewichtsstatus
Befunde zum Zusammenwirken von Gewichtsstatus und moto-
rischer Leistungsfähigkeit liegen mehrheitlich aus Studien mit
Grundschulkindern vor. Sie zeigen, dass übergewichtige und
adipöse (fettleibige) Kinder ein niedrigeres Niveau motorischer
Leistungsfähigkeit aufweisen als Normalgewichtige.
28, 13
Einige
Studien verweisen auf ein Fehlen dieses Zusammenhangs bei
motorischen Aufgaben, bei denen die eigene Körpermasse
positiv mit eingebracht werden kann.
29
Für Kindergartenkinder
gibt es noch nicht genügend Studien zu den Wechselwirkungen
von Gewichtsstatus und motorischer Leistungsfähigkeit, um
eindeutige Aussagen treffen zu können.
14
Man vermutet auch
hier, dass sich Unterschiede im Gewichtsstatus bei älteren
Kindern viel stärker in den motorischen Leistungen widerspie-
geln, als bei Kindergartenkindern.
30
So erscheint es notwendig,
motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten vor allem bei Kindern
mit Übergewicht(srisiko) frühzeitig zu fördern. Und sie zu viel
Bewegung im Alltag zu motivieren, bevor sie sich motorisch
weniger kompetent erleben als normalgewichtige Kinder und
den Spaß an Bewegung verlieren.
30
Wissenschaftler, Mediziner und andere Experten sind sich einig,
dass Übergewicht und Adipositas (Fettleibigkeit) im Kindesal-
ter ein weiterhin dringlich zu bearbeitendes gesundheitliches
Problem darstellen, auch wenn sich aktuell Hinweise auf eine
Stagnation der Erkrankungszahlen mehren.
31
Die Zahl der Kinder
mit einem ungesunden Körpergewicht verbleibt auf einem sehr
kritischen Niveau.
In der Übergewichtsdiskussion wird häufig auf eine mögliche
Einflussnahme der sozioökonomischen Lebenslage (v. a. Beruf,
Einkommen, Ausbildung der Eltern) von Kindern verwiesen.
32
Problematisch ist, dass übergewichtige Kinder dazu tendieren,
weniger aktiv zu sein und Aktivitäten zu meiden, die ihre moto-
rischen Leistungen fördern würden.
33
Unterschiede in den moto-
rischen Leistungen normal-
und übergewichtiger Kinder
werden eher bei älteren als bei
jungen Kindern erkennbar. Die
Zahl der Kinder mit ungesun-
dem Körpergewicht verbleibt
auf kritischem Niveau, auch
wenn die Erkrankungszahlen
gegenwärtig stagnieren. Es
ist daher wichtig, motorische
Kompetenzen von Kindern mit
Übergewicht(srisiko) frühzei-
tig zu fördern und sie zu viel
Bewegung, Spiel und Sport zu
ermuntern.

image
image
16 | 3 Stand der Forschung
Motorische Leistungsfähigkeit und sozialökonomische
Lebenslage
Die Studienbefunde zum Zusammenwirken von sozioökono-
mischer Lebenslage und motorischen Leistungen von Kindern
sind uneinheitlich. Resultate einer in Münchener Kindergärten
durchgeführten Studie deuten auf eine Überlegenheit von
Kindern aus oberen sozialen Schichten in grobmotorischen
Bewegungsaufgaben hin, jedoch nicht in feinmotorischen Auf-
gaben.
33
Auch eine Chemnitzer Schulanfängerstudie beschreibt
ähnlich differente Leistungen für Kinder unterschiedlicher sozi-
aler Schichten.
34
Auf Basis der Daten einer deutschlandweiten
Studie (KiGGS)
35
wurde dagegen kein direkter Einfluss des sozi-
alen Status auf die motorische Leistungsentwicklung berichtet
und darauf verwiesen, dass auch andere Studien allenfalls
schwache Zusammenhänge feststellen.
Inwieweit die sozialökono-
mische Lebenssituation von
Kindern Einfluss auf ihre mo-
torische Leistungsfähigkeit
nimmt, ist momentan noch
nicht klar beantwortbar.
Gleiches gilt für den Einfluss
städtischer oder ländlicher
Wohnlagen junger Kinder. Die
für das Kindesalter vorliegen-
den Studienergebnisse sind
uneinheitlich.
Motorische Leistungsfähigkeit und Wohnlage
Zum Einfluss städtischer bzw. ländlicher Wohnlagen auf die
motorische Leistungsfähigkeit von Kindern liegen nur begrenzt
Studienergebnisse vor und diese motivieren zur kontroversen
Diskussion. Die wenigen aktuelleren Studien für das Kindergar-
tenalter verweisen auf Unterschiede in den motorischen Leis-
tungen zugunsten von Kindern aus ländlichen Wohngegenden.
36
Schaut man sich Befunde zur motorischen Leistungsfähigkeit
von Kindern im Grundschulalter an, dürften sich vormals
beschriebene Vorteile von Kindern ländlicher Wohngegenden in
den letzten Jahren ausgeglichen haben. Aktuell werden bereits
Tendenzen der Überlegenheit von Grundschulkindern städtischer
Wohngegenden diskutiert.
36, 37
Bei der Beurteilung der Wohnlage

image
3 Stand der Forschung | 17
bleiben jedoch einige relevante Faktoren oft noch unbedacht.
So dürften bspw. Bevölkerungsdichte, Migrationsanteil, Bewe-
gungsinfrastruktur, Verkehrssicherheit und Straßennetzdichte die
Wohnlage expliziter kennzeichnen, um Stadt-Land-Einflüsse auf
die motorische Leistungsfähigkeit besser aufklären zu können.
29
Motorische Leistungsfähigkeit und elterliche Entscheidungen
Elterliche Präferenzen, Erwartungen, Prioritätensetzung und
Unterstützungsleistungen sind von besonderer Relevanz für das
Bewegungsverhalten und motorische Kompetenzen von Kindern.
38, 39
Ob ein Kind bspw. an Sportvereinsangeboten teilnehmen kann,
basiert vor allem auf elterlichen Entscheidungen. Ebenso bedarf
eine bewegungsaktive Freizeit- und Wochenendgestaltung einer
entsprechenden Prioritätensetzung seitens der Eltern. Kinder, die
einen Sportverein besuchen, scheinen dabei in ihren motorischen
Leistungen den Kindern ohne organisierte Sportpartizipation
überlegen zu sein.
25
Es bleibt jedoch offen, ob die Überlegenheit
durch die Teilhabe am organisierten Sport bedingt wird oder ob
nicht vor allem motorisch leistungsfähige Kinder bzw. Kinder,
deren Eltern eine Teilnahme an Bewegungsangeboten als wichtig
erachten, den Weg in einen Sportverein finden.
Sport- und bewegungsbezoge-
ne Präferenzen, Erwartungen,
Entscheidungen und Unter-
stützungsleistungen der Eltern
sind von besonderer Relevanz
für das Bewegungsverhalten
und die motorischen Kompe-
tenzen von Kindern.
Motorische Leistungsfähigkeit und die Beitragsfähigkeit
von KiTas
Im Bildungsanspruch von Kindertageseinrichtungen (KiTas) nimmt
die Bewegungserziehung eine besondere Position ein. KiTas stellen
jungen Kindern eine Vielzahl an Bewegungs- und Erfahrungsmög-
lichkeiten bereit, die sich ihnen im familiären Umfeld ggf. nicht

image
18 | 3 Stand der Forschung
eröffnen. Ihre Beitragsfähigkeit liegt vor allem in der didaktisch-
methodischen Qualität bereitgestellter Anlässe zum Kompeten-
zerwerb sowie den Möglichkeiten, ungleiche Bildungschancen zu
vermindern.
40
In Sachsen besuchen über 90 Prozent der vier- bis
sechsjährigen Kinder täglich eine Kindertageseinrichtung.
41
Die wenigen national und international vorliegenden Studien berich-
ten von größeren Unterschieden in der alltäglichen Bewegungsak-
tivität von Kindern unterschiedlicher KiTas.
42, 43
Als wesentliche
Einflussfaktoren der motorischen Leistungsfähigkeit von Kinder-
gartenkindern werden systematische KiTa-Bewegungsprogramme,
der Zugang zu Bewegungsräumen in der KiTa, die Qualifikation
der KiTa-Pädagogen sowie die Motivierung und Ermunterung der
Kinder zu Bewegung und aktivem Spiel beschrieben.
42, 55
Nationale Studien verweisen insbesondere auf die günstige
Wirkung angeleiteter Bewegungsstunden von geschulten KiTa-
Pädagogen
44
. Von spezifischen Förderangeboten profitieren ganz
besonders motorisch schwächere Kinder.
45, 44,
Dazu ist es nötig,
dass KiTa-Pädagogen über Kompetenzen und Ideen verfügen, wie
sie wirksam alle Facetten der motorischen Leistung junger Kinder
fördern können und wie sie unterschiedlichen Vorerfahrungen,
Voraussetzungen sowie geschlechts- und altersspezifischen
Bedürfnissen entgegnen können. Sie bedürfen zudem individuel-
ler Lösungsstrategien, um das in Schulungen erworbene Wissen
tatsächlich in den Betreuungsalltag einbinden zu können. Denn
die Rahmenbedingungen der Einrichtungen sind zuweilen sehr
unterschiedlich und der KiTa-Tag wird bereits vom Curriculum der
Bildungs- und Orientierungspläne zeitlich stark beansprucht.
43
KiTas dürften in relevantem
Maße Einfluss auf das Bewe-
gungsverhalten und die moto-
rische Leistungsfähigkeit von
Kindern nehmen. Und zwar
v. a. über die Bereitstellung
anregender Bewegungsräu-
me, die Initiierung von viel-
fältigen Bewegungsanlässen,
die bewegungsbezogene Qua-
lifikation der KiTa-Pädagogen
sowie ihr motivierendes und
ermunterndes Verhalten beim
gemeinsamen Bewegen.

4 Methodisches Vorgehen der MoKiS-Studie | 19
4 Methodisches Vorgehen der MoKiS-Studie
Ziel und Design der Studie
Aufgrund des Defizits an aussagekräftigen, repräsentativen
Daten zum motorischen Entwicklungsstand von Kinder-
gartenkindern im Bundesland Sachsen, gab das Sächsische
Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS)
im Jahr 2007 eine Statuserhebung zur motorischen Leistungs-
fähigkeit vier- bis sechsjähriger Kinder in Auftrag. Eine Nach-
folgestudie im Jahr 2013 sollte Aussagen zu Veränderungen
im Status der motorischen Leistungsfähigkeit vier- bis sechs-
jähriger Heranwachsender zulassen. In den Forschungsauftrag
wurde zudem die Analyse der Effekte einer Erzieherfortbildung
eingebunden, die auf Basis der ersten Statuserhebung erarbeitet
und anschließend in Sachsen implementiert wurde.
Obwohl für die Nachfolgestudie 2013 die 50 KiTas der ersten
Erhebungswelle um eine erneute Teilnahme gebeten wurden,
handelt es sich nicht um eine langzeitliche Begleitung von Kin-
dergartenkindern und deren motorischer Entwicklung. Es wurde
eine vergleichende Analyse der motorischen Leistungen zweier
Kinderkohorten (Kindergruppen) im Abstand von sechs Jahren
(2007 und 2013) vorgenommen, um mögliche Veränderungen
beschreiben zu können. Von Interesse waren mit Blick auf die
motorische Leistungsfähigkeit zugleich Geschlechter-, Alters-,
Gewichtsgruppen- und Stadt-Land-Unterschiede sowie die Wir-
kungen der MoKiS-Erzieherfortbildung. Auf Basis der Analysen
werden schlussendlich Handlungsempfehlungen für eine ent-
sprechende Förderung von motorischer Leistungsfähigkeit und
Bewegung in sächsischen Kindertageseinrichtungen formuliert,
die relevant für KiTa-Pädagogen, Eltern sowie Entscheidungs-
träger sind.
Die MoKiS-Studie analysiert
Veränderungen im motori-
schen Leistungsniveau säch-
sischer Kindergartenkinder,
um rechtzeitig nötige Hand-
lungsstrategien zur Förderung
der Kinder ableiten zu können.
Sie untersucht zudem Effekte
einer entwickelten und in
Sachsen angebotenen Erzie-
herfortbildung zur Förderung
von motorischer Leistungsfä-
higkeit und Bewegung in der
KiTa.

20 | 4 Methodisches Vorgehen der MoKiS-Studie
Auswahl der Kinder und Kindertageseinrichtungen
Für die erste Erhebungswelle (2007) wurden per Zufallsver-
fahren 50 KiTas aus allen Regionen des Freistaates Sachsen
ausgewählt. Die Anzahl der einzubeziehenden Kindertagesein-
richtungen resultierte aus Schätzungen des Auftraggebers zur
nötigen Datenmenge, die repräsentative Aussagen zulässt. Die
jeweiligen Einwohnerzahlen entschieden über die Anzahl der zu
untersuchenden KiTas pro Direktionsbezirk (Dresden, Leipzig,
Chemnitz) und Gemeindegrößenklasse (1–8). Für den Fall der
Teilnahmeablehnung wurden für jede Gemeindegrößenklasse in
jedem Direktionsbezirk je zwei weitere KiTas zufällig ausgewählt.
Für die zweite Erhebungswelle hat man 2013 erneut auf die
2007 untersuchten KiTas zurückgegriffen. Die KiTas wurden
jeweils postalisch sowie telefonisch kontaktiert, um eine Teil-
nahme an der Studie gebeten und ein Termin zur Durchführung
des Motorik-Tests vereinbart. Die Teilnahme der Kinder beruhte,
genau wie die der Einrichtungen, auf Freiwilligkeit sowie der
Zustimmung durch die Erziehungsberechtigten. 40 KiTas
der ersten Erhebungswelle waren 2013 zu einer erneuten
Teilnahme an der Studie bereit, 10 Einrichtungen lehnten aus
unterschiedlichsten Gründen ab. In diesen Fällen wurde auf die
2007 zusätzlich gezogenen KiTas zurückgegriffen und um deren
Teilnahme gebeten. Die beiden Kinderkohorten entsprechen also
den gleichen Einschlusskriterien. Für die Analyse der Wirkungen
der Erzieherfortbildung wurde überdies die motorische Leis-
tungsfähigkeit von Kindern aus 23 KiTa-Einrichtungen, deren
Erzieher an der Fortbildung teilgenommen hatten, untersucht.
Unter Beachtung aller
Regionen und Gemeindegrö-
ßen wurden 50 Kindergärten
in Sachsen zufällig ausgewählt
und um eine Teilnahme an der
MoKiS-Studie gebeten. Die
Motorik-Tests fanden vormit-
tags direkt in den KiTas statt
und waren sehr spielerisch
angelegt. Durchgeführt wurden
die Tests von geschulten Sport-
wissenschaftlern sowie Sport-
studierenden der Universitäten
Leipzig und Chemnitz.
Eingesetzte Messinstrumente
Als Messinstrument zur Erfassung der motorischen Leistungs-
fähigkeit kam das Karlsruher Motorik-Screening für 3- bis
6-jährige Kinder (KMS 3–6
46
) zum Einsatz, das um zwei fer-
tigkeitsbezogene Aufgaben einer Leipziger Testbatterie
6
sowie
eine feinmotorische Koordinationsaufgabe aus dem Frostig-Test
(FEW
47
) erweitert wurde. Der für die sächsischen Kindergarten-
kinder zusammengestellte Motorik-Test berücksichtigte damit
vor allem Bewegungsaufgaben, die Rückschlüsse auf Koordina-
tion, Kraft, Aktionsschnelligkeit und Beweglichkeit sowie zwei
komplexe Fertigkeiten zuließen. Körpergewicht und Körperhöhe
Zu den durchgeführten Test-
aufgaben der MoKiS-Studie
gehören:
]
Einbeinstand
]
Standweitsprung
]
Rumpfbeugen
]
Seitliches Hin- & Herspringen
]
Hampelmann-Springen
]
Ballwerfen und -fangen
]
feinmotorische Malaufgabe

4 Methodisches Vorgehen der MoKiS-Studie | 21
fanden für die Einschätzung des Gewichtsstatus der Kinder
Eingang in die Untersuchungen.
Durchführung der Motorik-Tests
Die Motorik-Tests der ersten Erhebungswelle wurden von Sep-
tember 2007 bis Februar 2008, die der zweiten Erhebungswelle
von Mai bis Oktober 2013 an jeweils 50 sächsischen KiTas
durchgeführt (zzgl. der 23 KiTas mit Erzieherfortbildung). Es
nahmen insgesamt mehr als 3.500 Kinder an den Tests teil. Diese
fanden im Zeitraum von 8.00 bis 12.00 Uhr direkt in den Kin-
dertageseinrichtungen statt. Für die Durchführung stand in der
Regel ein Sport- oder Gruppenraum zur Verfügung, in dem die
verschiedenen Testaufgaben von den Kindern absolviert werden
konnten. Die Bearbeitung der feinmotorischen Malaufgabe
erfolgte in den Gruppenräumen, in denen Stühle und Tische
mit ausreichendem Platz pro Kind vorhanden waren. Die Test-
ergebnisse der Kinder wurden in einem Protokoll vermerkt und
anhand eines Codes vollständig anonymisiert, sodass lediglich
eine Zuordnung der Testprotokolle zu den einzelnen Kinderta-
geseinrichtungen möglich war. Die Testleiter der Universitäten
Leipzig und Chemnitz erhielten im Vorfeld eine Schulung. Die
Kinder hatten sichtlich viel Spaß am Motorik-Test.
Aussagekraft der Testergebnisse
Was die Aussagekraft der Ergebnisse betrifft, muss darauf
verwiesen werden, dass die Erhebung und Interpretation moto-
rischer Leistungen von KiTa-Kindern noch immer eine große
Herausforderung darstellt. Mit Blick auf die Diskussionen um
ausreichende Bewegungsniveaus, lässt eine Analyse der moto-
rischen Leistungen junger Kinder nur vorsichtige Interpretati-
onen bzgl. Bewegung und deren Qualitäten, Bedeutungen und
Bildungspotentiale zu. Geht man von einem Zusammenhang
vielfältiger Bewegungschancen und dem Entwicklungsstand der
motorischen Leistungsfähigkeit junger Kinder aus, dürften sich
durchaus entsprechende Empfehlungen zur Bewegungserziehung
in Kindertageseinrichtungen sowie der Förderung aller Facetten
der motorischen Leistungsfähigkeit ableiten lassen.
Die Erhebung und Interpreta-
tion motorischer Leistungen
junger Kinder stellt noch immer
eine Herausforderung für Wis-
senschaftler dar. Viele Kinder im
Setting KiTa zu testen, begrenzt
die Zahl der Testaufgaben und
damit den umfassenden Rück-
schluss auf alle Facetten der
kindlichen Motorik.

22 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Beschreibung der Kinder der Erhebungswellen 2007 und 2013
In die erste und zweite Erhebungswelle wurden Heranwachsende im
Alter von vier bis sechs Jahren aus jeweils 50 sächsischen Kinderta-
geseinrichtungen einbezogen. Die untersuchten Kinder verteilen sich,
vergleichbar mit der Zahl jeweils existierender KiTas (Stand 03/2011),
auf die Direktionsbereiche Leipzig, Dresden und Chemnitz. Für die
Analysen zum Status der motorischen Leistungsfähigkeit liegen
Ergebnisse von insgesamt 1.338 Kindern der ersten Erhebungswelle
sowie 1.186 Kindern der zweiten Erhebungswelle vor.
50 %
40 %
30 %
20 %
10 %
0 %
Chemnitz
Dresden
Leipzig
Chemnitz
Dresden
Leipzig
MoKis 2007
38,7 %
40,0 %
21,3 %
MoKis 2013
36,8 %
36,7 %
26,5%
KiTas
35,4%
40,9 %
23,7 %
MoKis 2007
MoKis 2013
KiTas
Abbildung 2: Prozentuale Verteilung der 2007 und 2013
untersuchten Kinder sowie der 03/2011 existierenden KiTas
auf die Direktionsbezirke Leipzig, Dresden, Chemnitz

image
5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 23
Zu beiden Erhebungszeitpunkten nahmen Mädchen und Jungen
in etwa gleicher Zahl an den Motorik-Tests teil. Im Erhebungs-
jahr 2007 liegt der Anteil untersuchter Jungen bei 49,1 Prozent,
im Jahr 2013 bei 50,3 Prozent. Vier-, fünf- und sechsjährige
Kinder konnten nicht in gleicher Anzahl in die Tests eingebunden
werden. Es nahmen zwar nahezu alle Kinder jeder ausgewählten
KiTa an den Motorik-Tests teil, doch variierte die Zahl der KiTa-
besuchenden Kinder in den Altersgruppen. Vierjährige sind mit
einem Anteil von 35 Prozent bzw. 36,5 Prozent in den Kinderko-
horten von 2007 und 2013 vertreten, Fünfjährige zu 42,8 Prozent
bzw. 40,3 Prozent und Sechsjährige zu 22,3 bzw. 23,2 Prozent.
Gleichgewicht: Testaufgabe Einbeinstand
Gleichgewicht beschreibt die Fähigkeit (eines Kindes), bei Bewe-
gungshandlungen seinen gesamten Körper im Gleichgewichtszu-
stand zu halten oder diesen Zustand schnell wiederherzustellen.
Diese Fähigkeit entwickelt sich bereits sehr früh im Kindesalter.
Die Entwicklungskurve steigt bis zum Ende des Grundschulalters
stark an, flacht dann aber ab
48
. Die Gleichgewichtsfähigkeit ist
eine wichtige Voraussetzung zur Vorbeugung von Stürzen im
Kindesalter und überdies bedeutsam für Kompetenzerwerb und
Kompetenzniveau in vielen Sportarten. Sie kann über vielfältige
Bewegungsanlässe im Kinderalltag leicht geschult werden.
Um die Gleichgewichtsfähigkeit der Kinder in der MoKiS-Studie
zu erfassen, wurde die Testaufgabe Einbeinstand eingesetzt.
Sie sieht ein einbeiniges Balancieren (»Wie ein Storch auf einem
Bein«) auf einer 3 cm breiten Holzschiene über 60 Sekunden
hinweg vor. Als Messwert geht die Zahl der Bodenkontakte
des Spielbeines während 60 Sekunden in die Wertung ein. Bei
mehr als 30 Bodenkontakten gilt die Balancieraufgabe als »nicht
gekonnt«.
Beim Vergleich der Test-Ergebnisse
beider Erhebungswellen
lässt sich feststellen, dass es 2013 mehr Kindern aller Alters-
und Geschlechtergruppen gelingt, die Testaufgabe Einbeinstand
erfolgreich (≤ 30 Bodenkontakte) zu absolvieren, als 2007.
Was das Niveau der Gleichgewichtsleistungen 2007 und 2013
betrifft – hier werden nur die Kinder beachtet, die die Testauf-
gabe erfolgreich bewältigt haben – so liefern die Analysen keine

image
24 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Hinweise auf relevante Unterschiede zwischen der Kinderkohorte
von 2007 und der von 2013. Das Ergebnis lässt sich für alle Alters-
sowie Geschlechtergruppen bestätigen (Abb. 3).
Mittelwerte Zahl der Bodenkontakter (95 % CI)
männlich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
weiblich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
26
22
18
14
10
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 3: Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013
im Einbeinstand, gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
Zum Erhebungszeitpunkt 2013
gelingt es mehr Kindern als 2007,
die Testaufgabe Einbeinstand
erfolgreich zu absolvieren. Die
Gleichgewichtsleistungen der
Kinder unterscheiden sich bei
Betrachtung der Mittelwerte
von 2007 und 2013 nicht be-
deutsam. Mädchen erbringen in
allen Altersgruppen und zu allen
Erhebungszeitpunkten bessere
Balancierleistungen als Jungen.
Mit zunehmendem Alter steigen
die Gleichgewichtsleistungen
von Jungen und Mädchen an.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) erbringen Mädchen
bessere Testleistungen als Jungen. Mit zunehmendem Alter steigt
das Niveau der Gleichgewichtsleistung von Mädchen und Jungen an.
Zugleich nimmt aber auch die Streuung der Testergebnisse (T-Balken
in der Abbildung) um die durchschnittliche Leistung (als Punkt in der
Abbildung dargestellt) innerhalb der Altersgruppe zu. D. h. gute und
schlechte Balancierleistungen liegen bei den sechsjährigen Kindern
weiter voneinander entfernt als bei den jüngeren Kindern.
Sprungkraft und Schnellkraft: Testaufgabe Standweitsprung
Die konditionelle Fähigkeit Kraft gilt als Leistungsvoraussetzung,
die es uns ermöglicht, im Bewegungsverlauf einen Widerstand
zu überwinden oder ihm entgegenzuwirken. Kindergartenkinder
benötigen Kraftfähigkeiten z. B. beim Klettern, Hüpfen, Hangeln,
Schlittenziehen, für das Sandsäckchen-Werfen, den scharfen Tor-
schuss mit dem Fußball oder später zum Tragen des Schulranzens.

5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 25
Auch die Kraftfähigkeiten können bereits im Kindergartenalter
gut gefördert werden.
Im Rahmen der MoKiS-Studie wird die Testaufgabe Standweit-
sprung zur Beurteilung der Sprungkraftleistung der Kinder heran-
gezogen. Im Entwicklungsverlauf steigen die zugrundeliegenden
Fähigkeiten bei Jungen nahezu linear an, bei Mädchen flacht
die Entwicklungskurve am Ende des Grundschulalters ab
48
. Die
Testaufgabe besteht darin, aus dem Stand beidbeinig so weit wie
möglich nach vorn zu springen. Gemessen wird dabei der Abstand
zwischen der Absprunglinie und dem Landepunkt der Ferse des
hinteren Fußes. Die Weite zweier Versuche wird in Zentimetern
im Protokoll vermerkt, der beste Versuch geht in die Wertung ein.
Aus dem Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswel-
len
(2007, 2013) lassen sich bessere Sprungleistungen der 2013
getesteten sechsjährigen Kinder berichten. Bei den vier- und
fünfjährigen Kindern sind keine bedeutsamen Unterschiede zwi-
schen den Testleistungen von 2007 und 2013 feststellbar (Abb. 4).
Mittelwerte Sprungweite (95 % CI)
Erhebung 2007
Erhebung 2013
Erhebung 2007
Erhebung 2013
120
90
60
4-Jährige
5-Jährige
männlich
weiblich
6-Jährige
Abbildung 4: Mittelwerte der Testleistungen (in cm) von 2007
und 2013 im Standweitsprung, gesplittet nach Alters- und
Geschlechtergruppen
Sechsjährige erbringen im Jahr
2013 durchschnittlich bessere
Leistungen im Standweitsprung
als im Jahr 2007. Bei den Vier-
und Fünfjährigen lassen sich
diesbezüglich keine bedeutsa-
men Unterschiede feststellen.
Jungen dominieren zu allen
Erhebungszeitpunkten und
in allen Altersgruppen diese
Testaufgabe. Mit zunehmen-
dem Alter steigen die Sprung-
leistungen von Jungen und
Mädchen an.

image
26 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) dominieren die
Jungen mit ihren Leistungen in dieser Testaufgabe. In allen drei
Altersgruppen springen Jungen durchschnittlich weiter als die
Mädchen. Mit zunehmendem Alter steigen die Sprungleistungen
von Mädchen wie auch Jungen deutlich an.
Kraftausdauer, Schnelligkeit und Koordination: Testaufgabe
Seitliches Springen
Die Testaufgabe Seitliches Hin- und Herspringen liefert Infor-
mationen zur Ausprägung der dynamischen Kraftausdauer, der
Aktionsschnelligkeit sowie der Koordination unter Zeitdruck. Beim
Seitlichen Springen hüpfen die Kinder mit beiden Beinen gleich-
zeitig, so oft wie möglich innerhalb von 15 Sekunden, seitlich über
den Mittelbalken einer Holzplatte. Die durchschnittliche Sprung-
zahl aus zwei Versuchen wird als Testleistung im Protokoll erfasst.
Um in der kurzen Zeit möglichst oft und schnell mit hoher
Bewegungsgenauigkeit und Bewegungsökonomie hin- und
herzuspringen, benötigen die Kinder eine ausgeprägte Ermü-
dungswiderstandsfähigkeit, Differenzierungs- und Rhythmisie-
rungsfähigkeit. Dabei kommt es auf ein optimales Zusammenspiel
von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur an. Solcherart
Fähigkeiten nutzen Kinder im Alltag für Seilspringen, Gummitwist
sowie für sämtliche Spiele, bei denen schnelle Bewegungen sehr
differenziert und ggf. rhythmisch ausgeführt werden. Bedeutsam
sind solche Hüpfspiele im Kindesalter vor allem für den Aufbau
von Knochendichte und -struktur sowie die Kräftigung von
Bändern und Sehnen.
Beim Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswellen (2007,
2013) deuten sich keine bedeutsamen Leistungsunterschiede bei
fünf – und sechsjährigen Kindern im Seitlichen Hin- und Her-
springen an. Die für die Vierjährigen ermittelten Unterschiede
sind dagegen relevant und verweisen auf ein höheres Niveau
der im Erhebungsjahr 2013 erbrachten Leistungen (Abb. 5). Bei
den sechsjährigen Mädchen zeigt sich 2013 eine Tendenz zu ver-
gleichsweise besseren Testleistungen als 2007.

image
5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 27
Mittelwert der Sprünge (95 % CI)
Erhebung 2007
Erhebung 2013
16
12
6
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 5: Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und
2013 im Seitlichen Springen, gesplittet nach Altersgruppen
Beim Seitlichen Hin- und Her-
springen gelingen den Kin-
dergartenkindern 2007 und
2013 mit zunehmendem Alter
mehr Sprünge innerhalb von
15 Sekunden. Mädchen und
Jungen unterscheiden sich in
ihren Leistungen bei dieser Test-
aufgabe nicht. 2013 schaffen
die vierjährigen Kinder im Mittel
mehr Sprünge als 2007. Gute und
schlechte Testleistungen liegen
bei den sechsjährigen Kindern
weiter voneinander entfernt als
bei Vier- und Fünfjährigen.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) unterscheiden sich
die Leistungen im Seitlichen Hin- und Herspringen von Mädchen
und Jungen nicht bedeutsam, obgleich die errechneten Mittel-
werte auf eine leichte Überlegenheit der Mädchen hindeuten. Mit
zunehmendem Alter steigen die Testleistungen von Jungen und
Mädchen an. Gute und schlechte Sprungleistungen liegen auch
hier bei den sechsjährigen Kindern weiter voneinander entfernt,
als bei jüngeren Kindern (in der Abbildung an den T-Balken
ersichtlich).
Beweglichkeit: Testaufgabe Rumpfbeugen (Stand & Reach)
Die Beweglichkeit kennzeichnet die erreichbare Bewegungsweite,
die Muskeln, Sehnen und Bänder in einem oder mehreren Gelen-
ken zulassen. Die Beweglichkeit beeinflusst das Erlernen von
Bewegungshandlungen und deren qualitative (leichte, flüssige,
ausdrucksvolle) sowie quantitative (kraftvolle, dynamische) Aus-
führung. Eine gute Beweglichkeit beugt zudem Verletzungen vor.
Sie ist beim Turnen, Tanzen, Eiskunstlaufen, Schwimmen, Klettern
u. v. m. vonnöten.

28 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Zur Erfassung der Beweglichkeit wurde im Rahmen der MoKiS-
Studie die Testaufgabe Rumpfbeugen gewählt. Dabei soll das
Kind versuchen, im Stand mit den Fingerspitzen, bei gestreckten
Beinen, so weit wie möglich nach unten zu den Fußspitzen und
darüber hinaus zu langen. Erfasst wird im Testprotokoll der
Abstand zwischen Fingerspitzen und Standfläche in Zentimetern.
Der Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswellen (2007,
2013) erbrachte Hinweise auf eine Verschlechterung der Beweg-
lichkeitsleistungen der vier-, fünf- und sechsjährigen Kinder. Die
Testleistungen der im Jahr 2013 untersuchten Kinder liegen auf
einem niedrigeren, d. h. ungünstigeren Niveau, als im Jahr 2007.
Dies ist für beide Geschlechtergruppen gleichermaßen zu
berichten (Abb. 6).
Mittlerer Abstand vom Fußsohlenniveau (cm; 95 % CI)
3
2
0
-2
-3
männlich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
weiblich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 6: Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013
im Rumpfbeugen, gesplittet nach Alters- und Geschlechtergrup-
pen (positive Werte = cm unterhalb des Fußsohlenniveaus)
Im Erhebungsjahr 2007 er-
reichten die Heranwachsen-
den bessere Beweglichkeits-
leistungen als im Jahr 2013.
Mit zunehmendem Alter lässt
sich keine Steigerung des
Leistungsniveaus der Kinder
in der Beweglichkeitsaufgabe
feststellen. Die Leistungs-
fähigkeit scheint stabil auf
gleichem Niveau zu verblei-
ben. Mädchen sind im Mittel
beweglicher als Jungen.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) lässt sich
bzgl. der Beweglichkeitsleistungen eine Überlegenheit der
Mädchen gegenüber den Jungen feststellen, und zwar in
allen Altersgruppen. Mit zunehmendem Alter steigen die

image
5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 29
Beweglichkeitsleistungen der Kinder nicht an, sie verbleiben
auf einem ähnlichen Niveau. Beachtenswert ist, dass auch hier
gute und schlechte Beweglichkeitsleistungen bei älteren KiTa-
Kindern stärker voneinander abweichen als bei jüngeren Kindern
(in der Abbildung an den T-Balken ersichtlich).
Basisfertigkeiten: Testaufgabe Ballwürfe
Die drei in den MoKiS-Test einbezogenen Ballwurfaufgaben
dienen einer Einschätzung der kindlichen Wurf- und Fang-
kompetenzen. Diese setzen koordinative Fähigkeiten voraus,
die das Zustandekommen dieser Wurf- und Fangfertigkeiten
erst ermöglichen. Zu diesen gehört die Fähigkeit, einen Ball mit
differenziertem Krafteinsatz und entsprechendem Winkel so
zu werfen, dass er wieder aufgefangen werden kann. Zudem
benötigen Kinder eine gute Reaktionsfähigkeit, um zum richti-
gen Zeitpunkt den Ball mit beiden Händen wieder zu fassen. Die
Teilbewegungen von Armen, Rumpf und Beinen müssen zeitlich
und räumlich so aneinander gekoppelt werden, dass die Aufgabe
des Werfens und Fangens gelingt. Da Fertigkeiten erlernt und
geübt werden müssen, dürften über das Fertigkeitsniveau der
Kinder zugleich Rückschlüsse zur Einbindung von Ballwurf- und
Ballfangspielen in den Kinderalltag möglich sein.
Der Test sah drei unterschiedlich schwere Wurf- und Fangauf-
gaben vor, die von den Kindern zunächst ausprobiert wurden:
(1) Ball hochwerfen und fangen, (2) Ball an die Wand werfen
und fangen, (3) Ball an die Wand werfen und ihn nach dessen
Bodenkontakt wieder fangen. Erfasst wurde in den je drei
Wertungsversuchen pro Teilaufgabe die Zahl der erfolgreichen
Ballwürfe und -fänge. Die erfolgreichen Versuche wurden
anschließend summiert.
Aus dem Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswellen
(2007, 2013) lässt sich schließen, dass die durchschnittlichen
Ballwurfleistungen der Kinder 2007 in allen 3 Altersgruppen auf
höherem Niveau liegen, als die der 2013 getesteten Kinder. Die
Differenzen sind nicht sehr groß, aber durchaus auffällig und für
beide Geschlechtergruppen gleichermaßen feststellbar (Abb. 7).

image
30 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Mittelwert erfolgreiche Ballwürfe aus 3 Übungen (95 % CI)
Erhebung 2007
Erhebung 2013
8
6
4
2
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 7: Mittelwerte der Summenscores aus 3 Ballwur-
faufgaben von 2007 und 2013, gesplittet nach Altersgruppen
Die Kompetenzen von Jungen
und Mädchen beim Werfen
und Fangen unterscheiden sich
nicht bedeutsam. Je älter die
Kinder werden, umso besser
gelingt ihnen das Werfen und
Fangen von Bällen in unter-
schiedlichen Formen. Die Kinder
der Erhebungswelle 2007
wiesen ein höheres Leistungs-
niveau in dieser Testaufgabe
auf als die Kinder der Erhebung
2013. Übungsmöglichkeiten
zum Werfen und Fangen sollten
unbedingt häufiger und in
vielfältiger Weise in den KiTa-
Alltag eingebunden werden.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) können keine
relevanten Unterschiede in den Testleistungen von Jungen und
Mädchen ermittelt werden. Mit zunehmendem Alter nimmt das
Niveau der Ballwurf- und Ballfangkompetenzen der Mädchen und
Jungen zu.
Basisfertigkeiten: Testaufgabe Hampelmann
Voraussetzung für die Aneinanderreihung von Hampelmann-
Sprüngen ist eine gute Rhythmisierungs- und Kopplungsfähig-
keit. Für mehrere Hampelmänner müssen die Teilbewegungen
der Arme und Beine zeitgleich koordiniert und einem gemein-
samen Rhythmus unterlegt werden. Das Könnens- und Bewe-
gungserleben wird vor allem dann als groß empfunden, wenn
die Bewegungsausführung flüssig und harmonisch ist.
Die Testaufgabe, bei der innerhalb von 10 Sekunden so viele
Hampelmänner wie möglich gesprungen werden sollen, erlaubt
Rückschlüsse auf das Niveau der Rhythmisierungs- und Kopp-
lungsfähigkeit. Sie gibt zudem Aufschluss darüber, ob diese

5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 31
kindertypische Bewegungsaufgabe im Rahmen von Bewegungs-
und Spielanlässen der Vier- bis Sechsjährigen erlernt und geübt
wird. Im Probeversuch konnte die Testaufgabe von den Kindern
zunächst angeleitet ausprobiert werden, anschließend wurde
im Wertungsversuch die Zahl der innerhalb von 10 Sekunden
anforderungsgerecht gesprungenen Hampelmänner erfasst.
Beim Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswellen
(2007, 2013) lässt sich feststellen, dass vierjährige Mädchen
und fünfjährige Jungen 2013 über ein höheres Fertigkeitsniveau
verfügen als die Gleichaltrigen im Erhebungsjahr 2007 (Abb. 8).
In den anderen Altersgruppen deutet sich dieser Unterschied im
Fertigkeitsniveau allenfalls als Tendenz an.
Mittelwert Hampelsprünge
männlich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
weiblich
Erhebung 2007
Erhebung 2013
11
7
4
0
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 8: Mittelwerte der Testleistungen von 2007 und 2013
im Hampelmann, gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
Mädchen zeigen sich in der
Fertigkeitsaufgabe Hampel-
mann im Mittel geschickter als
Jungen. Je älter die Kindergar-
tenkinder werden, desto besser
gelingt es ihnen, Hampelmann-
Sprünge optimal zu koordi-
nieren. Bei der Erhebung 2013
wiesen die Kinder ein tendenzi-
ell höheres Fertigkeitsniveau in
dieser Testaufgabe auf als die
Kinder der Erhebung 2007.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) weisen Mädchen
in allen Altersgruppen bessere Testleistungen auf als Jungen.
Mit zunehmendem Alter steigen die Leistungen der Kinder im
Hampelmann-Springen an, bei Mädchen und auch bei Jungen.

image
32 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Auge-Hand-Koordination: Feinmotorische Malaufgabe
Das Kind soll bei dieser feinmotorischen Malaufgabe zur Auge-
Hand-Koordination mit einem Strich die Endpunkte (z. B. Maus
und Keks) einer Gasse verbinden, ohne die Begrenzungslinien zu
übermalen. Der Test besteht aus 5 Teilaufgaben mit ansteigender
Schwierigkeit. Bewertet wird die Leistung anschließend entspre-
chend der Richtlinien des Originaltests.
Eine gute Auge-Hand-Koordination gilt nicht nur als schulrele-
vante Kompetenz (Schreiben). Der Kinderalltag wartet mit vielen
Anforderungen auf, bei denen über das Auge wahrgenommene
Reize entsprechende Bewegungshandlungen verlangen (z. B. im
Straßenverkehr) oder Bewegungen visuell kontrolliert werden
müssen (z. B. beim Werfen und Fangen eines Balls). Die Entwick-
lung der Feinmotorik basiert dabei auf einer gut entwickelten
Grobmotorik. Durch vielfältigste Bewegungsanlässe können
das Zusammenspiel der Sinne geschult und visuell-motorische
Koordinationsleistungen gefördert werden.
Beim Vergleich der Test-Ergebnisse beider Erhebungswellen
(2007, 2013) wurde festgestellt, dass die Testleistungen der
Kinder aller Altersgruppen im Erhebungsjahr 2013 auf deutlich
niedrigerem Niveau liegen als im Erhebungsjahr 2007. Dies ist
für alle untersuchten Alters- und Geschlechtergruppen anhand
der Testergebnisse zu schlussfolgern (Abb. 9).

5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 33
Mittelwert zum Summenscore (95 % CI)
männlich
Erhebung 2007
weiblich
Erhebung 2013
6
4
2
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Abbildung 9: Mittelwerte der Testleistungen von
2007 und 2013 in der Auge-Hand-Koordinationsaufgabe,
gesplittet nach Alters- und Geschlechtergruppen
Kindern der ersten Erhebungs-
welle (2007) gelang es besser,
die Auge-Hand-Koordinati-
onsaufgabe zu lösen, als den
Kindern 2013. Mädchen domi-
nieren in dieser Malaufgabe.
Im Altersverlauf steigen die
Koordinationsleistungen an,
die mittels vielfältiger Bewe-
gungsspiele in der KiTa geför-
dert werden können.
Zu beiden Erhebungszeitpunkten (2007, 2013) sind die Leis-
tungen der Mädchen in der feinmotorischen Testaufgabe zur
Auge-Hand-Koordination besser als die der Jungen. Mit zuneh-
mendem Alter ist ein Anstieg der Testleistungen von Jungen und
Mädchen zu beobachten.
Gewichtsstatus und motorische Leistungsfähigkeit
Der Gewichtsstatus wird häufig als Einflussfaktor der moto-
rischen Leistungsfähigkeit beschrieben. In die vergleichenden
Analysen der motorischen Leistungen normalgewichtiger
(n = 2.873) und übergewichtiger/adipöser (n = 310) Heranwach-
sender wurden beide Kinderkohorten (2007, 2013) einbezogen.
In der Tendenz erreichen übergewichtige/adipöse Kinder durch-
schnittlich schlechtere Leistungsniveaus als normalgewichtige
Kinder. Bedeutsame Unterschiede zeigen sich jedoch nur bei
den fünf- sowie sechsjährigen Mädchen im Standweitsprung,
Einbeinstand sowie in der Malaufgabe zur Auge-Hand-Koordi-
nation (Abb. 10).

34 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Mittelwert Sprungweite (95 % CI)
männlich
weiblich
männlich
weiblich
männlich
weiblich
120
100
80
60
Normalgewicht
Übergewicht/Adipositas
Mittelwert Zahl der Bodenkontakte (95 % CI)
4-Jährige
männlich
weiblich
5-Jährige
männlich
weiblich
6-Jährige
männlich
weiblich
28
24
20
16
12
8
Normalgewicht
Übergewicht/Adipositas
Mittelwert Summenscore Malaufgabe (95 % CI)
4-Jährige
männlich
weiblich
5-Jährige
männlich
weiblich
6-Jährige
männlich
weiblich
6
5
4
3
2
Normalgewicht
Abbildung 10: Vergleich der
Mittelwerte normal- und über-
gewichtiger/adipöser Kinder
(Erhebung 2007 und 2013)
bzgl. ihrer Testleistungen im
Standweitsprung, Einbeinstand
und Auge-Hand-Koordination
Übergewicht/Adipositas
4-Jährige
5-Jährige
6-Jährige
Der Gewichtsstatus wird oft
als Einflussfaktor motori-
scher Leistungen beschrieben.
Schaut man sich die Testleis-
tungen der normal- sowie
übergewichtigen/adipösen
Kinder an, so lassen sich Ten-
denzen einer motorischen
Überlegenheit von Kindern
mit »normalem« Gewichtssta-
tus feststellen. Bedeutsame
Unterschiede zeigten sich je-
doch nur im Standweitsprung,
Einbeinstand und in der
Malaufgabe zur Auge-Hand-
Koordination, und zwar v. a. bei
5- und 6-jährigen Kindern.

5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 35
Mittelwert Sprungweite (95 % CI)
männlich
weiblich
110
100
90
80
70
ländlich
kleinstädtisch
mittelstädtisch
großstädtisch
Mittelwert Summenscore Ballwürfe (95 % CI)
männlich
weiblich
8
7
6
5
4
3
ländlich
kleinstädtisch
mittelstädtisch
großstädtisch
Mittelwert Zahl der Bodenkontakte (95 % CI)
männlich
weiblich
24
21
18
15
12
ländlich
kleinstädtisch
mittelstädtisch
Abbildung 11: Vergleich der
Mittelwerte von Kindern unter-
schiedlicher Gemeindegrößen
(Erhebung 2007 und 2013)
bzgl. ihrer Testleistungen im
Standweitsprung, Einbeinstand
und in der Ballwurfaufgabe
großstädtisch
Die Größe der Gemeinden, in
denen die Kinder
der unter-
suchten KiTas wohnen, wurde
als Hinweis auf die Wohnlage
und die für sie typischen Bewe-
gungschancen herangezogen.
Unterschiede in den Leistungen
von Kindern ländlicher, klein-,
mittel- oder großstädtischer
Gemeinden lassen sich nur für
die Testaufgaben Standweit-
sprung (Jungen und Mädchen),
Einbeinstand (Jungen) sowie
Ballwürfe (Mädchen) ermitteln.
Das Merkmal Gemeindegröße
beschreibt die tatsächlichen
Bewegungschancen der Kinder
im wohnnahen Umfeld aber
keinesfalls ausreichend.

36 | 5 Ergebnisse der MoKiS-Studie
Wohnlage (Gemeindegröße) und motorische Leistungsfähigkeit
Für Aussagen zum Einfluss von groß-, mittel-, kleinstädtischer
oder ländlicher Wohnlagen auf die motorische Leistungsfä-
higkeit der Kinder wurde das Merkmal Gemeindegrößenklasse
herangezogen. Aus der Gemeindegrößenklasse lässt sich
jedoch nur vage abschätzen, wie die Wohnlage und die damit
einhergehenden Chancen für Bewegung im wohnnahen Umfeld
der Kinder tatsächlich aussehen. So unterliegen die Analyse-
ergebnisse der hypothetischen Annahme, dass Kinder kleiner
Gemeinden ein eher ländliches Wohnumfeld und Kinder großer
Gemeinden eher städtisch geprägte Lebensräume vorfinden, die
jeweils unterschiedliche Möglichkeiten für Bewegung, Spiel und
Sport bereithalten.
Die vergleichenden Analysen liefern kaum Hinweise auf
Unterschiede in den Testleistungen von Heranwachsenden
unterschiedlich großer Gemeinden (Abb. 11, Seite 35). Im Stand-
weitsprung scheinen Mädchen und Jungen ländlicher Gemein-
den im Vergleich zu den Gleichaltrigen aus klein-, mittel- und
großstädtischen Wohngegenden durchschnittlich bessere
Leistungen zu erbringen. Überdies erreichen Jungen aus länd-
lichen Wohngegenden bessere Balancierleistungen als Jungen
aus klein-, mittel- und großstädtischen Gemeinden. Bei den
Ballwurfaufgaben sind Mädchen aus ländlichen Wohnlagen den
Mädchen aus klein- und großstädtisch geprägten Wohngegen-
den überlegen. Die Unterschiede sind als gering zu bewerten.
2009–2012
2013
MoKis
Erzieherfortbildung
Erhebungswelle 2
907 4- bis 6-Jährige aus
1.297 4- bis 6-Jährige aus
Teilnehmer
23 sächsischen KiTas
50 sächsischen KiTas
Analyse
Wirksamkeitsanalyse Erzieherfortbildung
Qualifikation von KiTa-Pädagogen und motorische
Leistungsfähigkeit
Infolge der ersten Erhebungswelle (2007) wurde, basierend auf
den Test-Ergebnissen, eine Erzieherfortbildung konzipiert und
kostenfrei angeboten. Teilgenommen haben im Fortbildungs-
zeitraum 2009 bis 2012 insgesamt 1.566 KiTa-Pädagogen aus

image
5 Ergebnisse der MoKiS-Studie | 37
allen Regionen des Freistaates Sachsen. Die Analyse der Wir-
kungen der Erzieherfortbildung erfolgte über eine vergleichende
Betrachtung der motorischen Leistungen von Kindern aus KiTas
mit fortgebildeten Erziehern sowie Kindern der zweiten MoKiS-
Erhebungswelle. Zugrunde liegt die Annahme, dass qualifizierte
KiTa-Pädagogen gezielt Bewegungsanlässe im KiTa-Alltag
schaffen und die motorischen Leistungen der Heranwachsen-
den in all ihren Facetten fördern. Die vergleichenden Analysen
wurden jeweils für die Altersgruppen separat vorgenommen und
liefern folgende Ergebnisse:
In der Testaufgabe Einbeinstand gelingt es mehr Kindern fort-
gebildeter KiTas, die Balancieraufgabe erfolgreich (≤ 30 Boden-
kontakte) zu absolvieren, als Kindern nicht fortgebildeter KiTas.
Relevante Unterschiede im Gleichgewichtsniveau der Kinder mit
erfolgreich bewältigter Balancieraufgabe lassen sich zwischen
beiden Untersuchungsgruppen nicht feststellen. In der Beweg-
lichkeitsaufgabe kann allenfalls für die vier- und sechsjährigen
Kinder fortgebildeter KiTas eine leichte Überlegenheit gegenüber
den Kindern der Vergleichsgruppe geschlussfolgert werden.
In der Testaufgabe Ballwürfe zeigen sich die vier- und sechs-
jährigen Mädchen fortgebildeter KiTas den Kindern aus nicht
fortgebildeten KiTas in ihren motorischen Leistungen überlegen.
In allen anderen Testaufgaben sind keine Unterschiede in den
motorischen Leistungen der Kinder beider Untersuchungsgrup-
pen feststellbar.
Es lassen sich überraschend
wenige Unterschiede in den
motorischen Leistungen von
Kindern aus KiTas mit fort-
gebildeten bzw. nicht fortge-
bildeten Erziehern ermitteln.
In der Balancieraufgabe, der
Beweglichkeitsaufgabe und
der Ballwurfaufgabe erreichen
die Kinder aus fortgebildeten
KiTas durchschnittlich höhere
Leistungsniveaus als die Kinder
nicht fortgebildeter KiTas.

38 | 6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
6 Zusammenfassung und
Diskussion der Ergebnisse
Zusammenfassung der Ergebnisse
Im Zusammenblick lässt sich zu möglichen Veränderungen im
Status der motorischen Leistungsfähigkeit sächsischer Kinder-
gartenkinder Folgendes schlussfolgern: Die im Jahr 2007 und im
Jahr 2013 erfassten motorischen Leistungen der Kinder unter-
scheiden sich nicht erheblich voneinander. Jedoch lassen sich
für einzelne Testaufgaben Unterschiede berichten, die gezielt
bearbeitet und deren Entwicklungsverlauf unbedingt beobach-
tet werden sollte.
Im Erhebungsjahr 2013 gelang es mehr Kindern, die Testaufgabe
Einbeinstand erfolgreich zu absolvieren, als 2007. Im Leistungs-
niveau lassen sich keine bedeutsamen Unterschiede zwischen
den Kinderkohorten 2007 und 2013 feststellen.
Sechsjährigen Kindern gelingt es 2013 durchschnittlich weiter
zu springen als 2007. Weitere bedeutsame Unterschiede zwi-
schen den Leistungsniveaus der Kinderkohorten 2007 und 2013
konnten nicht ermittelt werden.
Vierjährige Kinder erreichen 2013 im Mittel ein höheres Leis-
tungsniveau im Seitlichen Hin- und Herspringen als Vierjährige
2007. Für die anderen Altersgruppen sind keine relevanten
Unterschiede zwischen den Leistungsniveaus zu berichten.
Bis auf die besseren mittleren Leistungsniveaus, die vierjährige
Mädchen und fünfjährige Jungen 2013 im Vergleich zu 2007
aufweisen, lassen sich keine weiteren bedeutsamen Unter-
schiede im Hampelmann-Springen der zwei Kinderkohorten
finden.

image
image
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse | 39
In der Testaufgabe Rumpfbeugen sind die mittleren Leistungen
der vier-, fünf- und sechsjährigen Mädchen und Jungen der
Kinderkohorte 2013 auf einem niedrigeren Niveau angesiedelt
als die der Kinderkohorte 2007.
Gleiches ist für die durchschnittlichen Leistungen der Kinder
aller Altersgruppen in den Ballwurfaufgaben zu schlussfolgern.
Die Ballwurfkompetenzen der Kinder liegen 2013 auf einem
deutlich niedrigeren Niveau als im Erhebungsjahr 2007.
In der feinmotorischen Malaufgabe zur Auge-Hand-Koordina-
tion erbringen die Kinder aller Altersgruppen im Erhebungs-
jahr 2013 im Mittel bedeutend niedrigere Testleistungen als im
Erhebungsjahr 2007.
In vier von sieben Testaufgaben haben Mädchen durchschnitt-
lich höhere Leistungsniveaus als Jungen erreicht. Mädchen
dominierten in Rumpfbeugen, Hampelmann, Einbeinstand und
Auge-Hand-Koordination. Jungen dagegen im Standweitsprung.
Unterschiedliche Leistungsniveaus von normal- und überge-
wichtigen/adipösen Kindern ließen sich nur vereinzelt ermitteln.
Sie finden sich zugunsten der normalgewichtigen Kinder in
Einbeinstand, Standweitsprung und Auge-Hand-Koordination.
Unterschiede in den Testleistungen von Kindern ländlich, klein-,
mittel- und großstädtisch geprägter Gemeinden konnten nur
sporadisch festgestellt werden. Im Standweitsprung (♀♂), im
Einbeinstand (♂) und in den Ballwurfaufgaben (♀) erreichten
Kinder ländlicher Gemeinden ein durchschnittlich höheres

image
40 | 6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
Leistungsniveau als Kinder klein-, mittel- und großstädtischer
Gemeinden.
Es lassen sich einige wenige Unterschiede in den mittleren
Leistungsniveaus von Kindern aus KiTas mit fortgebildeten bzw.
nicht fortgebildeten Erziehern ermitteln. In der Balancier-, der
Beweglichkeits- und der Ballwurfaufgabe erreichen die Kinder
aus fortgebildeten KiTas durchschnittlich bessere Testleistungen.
Diskussion der Ergebnisse
Da Fertigkeiten wie Ballwerfen und -fangen zunächst erlernt und
geübt werden müssen, bevor Kinder ein gutes Kompetenzniveau
erreichen, werfen die Ergebnisse die Frage nach ausreichenden
Erfahrungsmöglichkeiten im Umgang mit Bällen in der KiTa auf.
Für die Ballwürfe gegen eine Wand musste das Testteam häufig
lange nach einer geeigneten Gelegenheit innerhalb der KiTa-Ein-
richtungen oder im Außengelände suchen. Das Anbringen eines
Wandschutzes in oder außerhalb der KiTa-Räume ermöglicht
mit wenig Aufwand das Üben verschiedenster Ballwurfspiele.
Die Ergebnisse zur Beitragsfähigkeit der Erzieherfortbildung
verweisen darauf, dass über die Schaffung von Übungsmöglich-
keiten, Ermunterung und gutes Feedback Ballspielkompetenzen
in der KiTa gezielt gefördert werden können.
Gleiches gilt für die Schulung der Beweglichkeit. Da die Leis-
tungsniveaus im Bereich der Beweglichkeit im Vorschulalter
zwar stabil aufrechterhalten werden, sich im Grundschulalter
aber bereits rückläufig zeigen
49
, ist die Herausbildung eines
möglichst hohen Beweglichkeitsniveaus im Kindergartenalter

image
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse | 41
vorteilhaft. Wie die Beweglichkeit bei Kindergartenkindern auf
ganz spielerische Art und Weise gefördert werden kann, wird
beispielhaft im Praxiskapitel der Broschüre vorgestellt.
Das Niveau feinmotorischer Fähigkeiten wird immer vom Ent-
wicklungsniveau der grobmotorischen Fähigkeiten eines Kindes
mitbestimmt. Ein Förderbedarf zeigt sich diesbezüglich nicht
nur bei Heranwachsenden mit Übergewicht(srisiko), sondern
ebenso – das zeigen die Ergebnisse aus dem Vergleich der Kin-
derkohorten 2007 und 2013 – bei normalgewichtigen Kindern.
Die Auge-Hand-Koordination ist eine sehr alltags- und schul-
relevante Fähigkeit, deren Entwicklungsniveau nicht nur für
die in der Schule nötigen Schreibkompetenzen von Bedeutung
ist. Sie kann im Kinderalltag über vielfältige kleine Spiele oder
Bewegungsrituale geschult werden. Ideen dazu werden im Pra-
xiskapitel aufgezeigt.
Die in der MoKiS-Studie ermittelten Geschlechterunterschiede
werden auch in anderen Studien beschrieben.
22, 25
Zur Erklärung
der Überlegenheit von Mädchen in koordinativ bestimmten Auf-
gaben und der Jungen in kraft- sowie schnellkraftbezogenen
Bewegungsaufgaben kommen zum einen unterschiedliche ent-
wicklungsbiologische Voraussetzungen infrage. Zum anderen
werden unterschiedliche geschlechtsbezogene Erwartungen
seitens der Sozialisationspartner und verschiedene bewegungs-
bezogene Erfahrungsmöglichkeiten von Mädchen und Jungen als
Ursachen diskutiert. Was die Unterschiede in den motorischen
Leistungen maßgeblich bedingt, ist noch ungeklärt. Doch kann
im erzieherischen Handeln, durch Ideenvermittlung und entspre-
chende Motivation, gezielt auf ein geschlechterunspezifisches

image
42 | 6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse
Spiel- und Bewegungsverhalten eingewirkt und die Förderung
motorischer Fähigkeiten und Fertigkeiten für Mädchen und
Jungen ähnlich gestaltet werden.
Übergewicht spiegelt sich nur vereinzelt in den motorischen
Leistungsniveaus der Kindergartenkinder wider. Das ist eine
beachtenswerte Chance für präventive Maßnahmen.
14
So können
junge Kinder mit Übergewicht(srisiko) noch frühzeitig gefördert
und zu vielen Bewegungsspielen animiert werden, bevor sie sich
als weniger bewegungskompetent erleben als normalgewichtige
Kinder und weniger Freude an Bewegungsaktivitäten zeigen.
Unterschiede in den Testleistungen von Kindern ländlich, klein-,
mittel- und großstädtisch geprägter Gemeinden konnten nur
sporadisch festgestellt werden. Das Schließen von einer Gemein-
degröße auf das Wohnumfeld und die Bewegungschancen der
Kinder ist dabei keineswegs unproblematisch. Viele unbedachte
Aspekte (Bevölkerungsdichte, Straßennetzdichte, Bewegungs-
infrastruktur, Migrationsanteil etc.) dürften zu einer besseren
Aufklärung wohnlagebedingter Einflüsse auf die motorischen
Leistungen junger Heranwachsender beitragen. Die Literatur
liefert diesbezüglich uneinheitliche Befunde. Kindergartenkin-
der ländlicher Wohngegenden scheinen tendenziell bevorteilt.
36
KiTas sind Orte, die allen Kindern gleiche Bewegungschancen
offerieren und damit unterschiedliche Voraussetzungen, die sich

image
6 Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse | 43
aus familialen (Wohn-)Verhältnissen ergeben, ggf. kompensieren
können. Dies dürfte vor allem dann gelingen, wenn Bewegung
so in den KiTa-Alltag eingebunden ist, dass die Empfehlungen
für eine mindestens 90-minütige tägliche Aktivitätszeit bereits
während des KiTa-Besuchs erfüllt werden. Obwohl die Qualifi-
kation von Erziehern als eine der erfolgreichsten Strategien zur
Förderung von Bewegung und motorischer Leistungsfähigkeit in
Kindertageseinrichtungen gilt, ließen sich nur vereinzelt Unter-
schiede in den Leistungsniveaus der Kinder fortgebildeter und
nicht fortgebildeter KiTas aufzeigen. Das Zusammenspiel von
kindlichen Erfahrungschancen und motorischer Entwicklung ist
sehr komplex. Und KiTas stellen nur einige von vielen Anlässen
für Bewegungserfahrungen im Kinderalltag bereit. Noch weiß
man einfach zu wenig darüber, mit welchen Wechselwirkungen
und mit welchen Verstärkungs- und Kompensationspotentialen
die alltägliche Bewegungserziehung in der KiTa die motorischen
Leistungen von Kindern beeinflusst. Die Beitragsfähigkeit von
Kindertageseinrichtungen sollte in diesem Kontext eine loh-
nenswerte Fragestellung zukünftiger nationaler Forschungsbe-
mühungen sein.

44 | 7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis
7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben
in der Praxis
… für die Voraussetzungen des Einbeinstands
]
Könnt ihr wie ein Storch auf einem Bein stehen und dazu noch
mit dem Schnabel klappern (mit den Armen den Schnabel imi-
tieren)? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr auf einem Baumstamm vorwärts/rückwärts balan-
cieren ohne runterzufallen? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr auf einem Bein hüpfen und euch dabei gar hüpfend
im Kreis drehen?
]
Könnt ihr auf einem Bein stehen und dabei einen Luftballon
in der Luft jonglieren?
]
Könnt ihr auf einem ausgerollten Wollknäuel entlang balan-
cieren wie ein Seiltänzer?
]
Könnt ihr auf einer Sandkastenbegrenzung balancieren und
über die dort aufgestellten Eimerchen steigen, ohne von der
Begrenzung runterzufallen? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr kleine Äste und Stöcke zu einer Balancierbahn
zusammenlegen und darüber balancieren? Könnt ihr das auch
rückwärts? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr auf einer Bordsteinkante entlang balancieren, euch
auf dieser umdrehen und zurück balancieren? Könnt ihr sogar
an einem anderen Kind vorbei balancieren?

7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis | 45
]
Könnt ihr auf einem Bein stehen und euch dabei einen Ball
oder ein Zeitungsknäuel zuwerfen ohne umzufallen? Probiert
es mal aus!
]
Könnt ihr euch kleine Punkte mit Kreide auf den Asphalt malen
und von einem zum anderen auf Zehenspitzen balancieren,
ohne neben die Pünktchen zu treten?
]
Könnt ihr mit geschlossenen Augen auf einem Bein stehen,
ohne umzufallen?
]
Könnt ihr mit bunten kleinen Notizzetteln eine schmale Straße
auf den Boden legen und von einem Zettelchen zum anderen
balancieren? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr auf einem ganz weichen Kissen oder sogar auf dem
Sofa einbeinig stehen, ohne umzufallen?
]
Könnt ihr wie ein gelandeter Flieger auf einem Bein stehen,
die Arme als Tragflächen und das andere Bein nach hinten
oben ausstrecken?
… für die Voraussetzungen des Standweitsprungs
]
Könnt ihr vom Gehweg auf die Wiese springen? Wie weit
kommt ihr, probiert es mal aus!
]
Könnt ihr euch einen Laubhaufen bauen und versuchen über
ihn drüber zu springen? Probiert mal aus, ob ihr das schafft!

46 | 7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis
]
Könnt ihr euch lachende Gesichter auf bunte Zettel malen,
sie auf dem Boden eures Gruppenraumes verteilen und von
einem Zettel zum anderen hüpfen?
]
Könnt ihr euch mit Kreide viele lange Striche auf den Asphalt
malen und dann von einer Linie zur anderen springen? Könnt
ihr auch Linien überspringen?
]
Könnt ihr über Pfützen springen, ohne nass zu werden? Pro-
biert es mal aus!
]
Könnt ihr auf zwei Beinen die Treppenstufen hoch springen?
Haltet euch zunächst am Treppengeländer fest und probiert
es dann einmal ohne euch festzuhalten.
]
Könnt ihr euch ein langes Maßband an die Tür des Gruppen-
raums kleben und hochspringend versuchen mit eurer Hand
das obere Ende des Maßbandes zu erreichen?
]
Könnt ihr euch mit Stöcken und Ästen einen breiten Weg
legen und von einer Seite des Weges auf die andere springen?
]
Könnt ihr über die Sandkastenbegrenzung in den Sandkasten
hinein hüpfen? Probiert mal aus, ob ihr das schafft!
]
Könnt ihr im Gruppenraum bemalte Blätter hoch oben an die
Decke hängen und springend versuchen, sie mit der Hand zu
erreichen?
… für die Voraussetzungen des Seitlichen Hin- und
Herspringens
]
Könnt ihr im Sandkasten Burgen bauen und seitlich über sie
hinweg springen, ohne dass sie zerstört werden? Probiert es
mal aus!
]
Könnt ihr ein Wollknäuel im Gruppenraum ausrollen und
von links nach rechts über den Wollfaden springen? Wie oft
schafft ihr das?

7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis | 47
]
Könnt ihr euch mit Kreide Hüpfkästchen unterschiedlicher
Größe auf den Asphalt malen und von einem zum anderen
springen, ohne die Kreidelinien zu berühren?
]
Könnt ihr ein Sprungseil auf den Boden legen und vorwärts
und rückwärts über das Seil hüpfen? Probiert es aus, ihr dürft
nicht auf das Seil springen!
]
Könnt ihr große bunte Punkte auf Zeichenpapier malen, sie
auf den Boden kleben und von einem Punkt zum anderen
hüpfen, ohne daneben zu springen?
]
Wie schnell könnt ihr über alle bunten Punkte hüpfen und
wie oft habt ihr dabei die Punkte nicht genau mit den Füßen
getroffen?
]
Könnt ihr zu einem Kinderlied genau im Takt hüpfen? Klappt
das auch, wenn ihr im Takt vor- und rückwärts oder hin und
her springt?
]
Könnt ihr auf eine Bordsteinkante ganz oft hoch und wieder
runter hüpfen? Lasst euch zunächst von einem anderen Kind
an der Hand halten!
]
Könnt ihr Gummitwist springen? Fragt eure Erzieher, welche
Sprungvariationen es gibt und probiert es mal aus! Ihr braucht
dazu ein ca. 3 Meter langes Gummiband.
]
Könnt ihr euch von eurem Erzieher einen Rhythmus vorgeben
lassen (mit den Beinen auf den Boden stampfen, mit den
Händen auf die Oberschenkel klopfen usw.)? Könnt ihr versu-
chen den Rhythmus zu übernehmen?
… für die Voraussetzungen des Rumpfbeugens
]
Könnt ihr euch, auf dem Po sitzend, mit gestreckten Beinen
an den Fußspitzen oder den Fußsohlen kitzeln? Probiert mal
aus ob ihr das schafft!

image
48 | 7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis
]
Baut euch ein Blütenblatt aus vielen Kindern, indem ihr in
einem Kreis auf dem Rücken liegend alle Füße in der Mitte
zusammenbringt. Da kommt plötzlich eine Biene und will sich
den Honig aus eurer Blütenmitte klauen. Schnell, schließt das
Blütenblatt indem alle Kinder versuchen mit den Händen die
Füße zu berühren, mit gestreckten Beinen natürlich! Ist die
Biene weggeflogen, kann sich das Blütenblatt wieder öffnen.
]
Da kommt ein Elefant aus dem Zoo gelaufen, der will sich mit
seinem dicken Po auf die Blüte setzen. Schnell, schließt das
Blütenblatt, damit es ihm nicht gelingt! …
]
Nun kommt ein kleiner Hund daher gelaufen, der will vielleicht
an die Blüte pieseln. Schnell, schließt das Blütenblatt, damit
es ihm nicht gelingt! …
]
Jetzt fängt es an zu regnen, doch die Blüte möchte heute
gar nicht gern nass werden. Schnell, schließt das Blütenblatt,
damit es nicht pitschnass wird!
]
Könnt ihr euch noch mehr solcher Geschichten ausdenken,
dass sich die Blüte noch ein paar Mal schließt und wieder
öffnet? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr, auf beiden Füßen mit gestreckten Beinen stehend,
einen Ball um eure Füße rollen, ohne dass die Beine dabei an
den Knien einknicken?
]
Könnt ihr, auf dem Po mit gestreckten Beinen sitzend, einen
Ball von eurem Bauch bis zu den Fußspitzen rollen? Von dort
kullert der Ball prima zu euch zurück, wenn ihr eure Füße vom
Boden abhebt und eure Beine dabei gestreckt lasst!
]
Könnt ihr ein Wollknäuel im Gruppenraum ausrollen und
damit ein Spinnennetz zwischen den Tischen aufspannen?
Und könnt ihr nun durch das Spinnennetz klettern, ohne die
Fäden zu berühren?

7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis | 49
… für die Voraussetzungen des Hampelmanns
]
Könnt ihr auf zwei Füßen springen und dazu über dem Kopf in
die Hände klatschen? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr nun mit den Füßen auseinander und wieder zusam-
men springen und dabei noch immer über dem Kopf in die
Hände klatschen? Probiert es mal!
]
Könnt ihr mit den Füßen auseinander und wieder zusammen
springen und dabei ganz wild mit den Armen eurem Freund
zuwinken?
]
Könnt ihr jetzt sogar noch mit den Füßen auseinander und
wieder zusammen springen und die Hände und Arme beim
Klatschen soweit auseinander nehmen, dass ein Hampelmann
draus wird?
]
Könnt ihr auf einem Bein hüpfen und mit dem anderen Bein
gleichzeitig so tun, als würdet ihr einen Fußball in ein Tor
schießen?
]
Könnt ihr auf zwei Füßen springen und dabei gleichzeitig
einen Luftballon mit den Händen immer wieder hoch spielen,
ohne dass er auf den Boden fällt?
]
Könnt ihr gleichzeitig mit dem einen Fuß nach vorn und mit
dem anderen Fuß nach hinten springen? Wie oft schafft ihr
das im Wechsel?
]
Könnt ihr durch den Gruppenraum flitzen und, wenn euer
Erzieher STOP ruft, auf der Stelle fünf Hampelmänner sprin-
gen?
]
Könnt ihr auf einem Bein springen und eurem Freund oder
eurer Freundin ein Wollknäuel zuwerfen oder es wieder
fangen? Probiert es mal aus, das ist ganz schön schwer!

50 | 7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis
]
Könnt ihr durch den Gruppenraum flitzen und, wenn euer
Erzieher 1 x in die Hände klatscht, den Hampelmann nur mit
den Füßen springen? Wenn euer Erzieher 2 x in die Hände
klatscht, nur die Arme wie beim Hampelmann bewegen. Wenn
euer Erzieher 3 x in die Hände klatscht, den Hampelmann mit
Armen und Beinen springen?
]
Könnt ihr den Hampelmann auch durch Reifen oder mit Kreide
gemalte Ringe hüpfen? Dazu legt ihr erst einen Reifen, dann
zwei Reifen, dann wieder einen Reifen usw. hintereinander auf
den Boden.
… für die Voraussetzungen der Ballwurfaufgaben
]
Könnt ihr ein Zeitungsknäuel im Gruppenraum so hochwer-
fen, dass es bis zur Decke hochfliegt? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr einen Luftballon hochwerfen und selbst wieder
auffangen? Klappt das auch mit eurem Lieblingskuscheltier?
Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr einen Ball von der einen in die andere Hand rollen
lassen, ohne dass er euch runterfällt?
]
Könnt ihr euer Lieblingskuscheltier hochwerfen, euch ein Mal
im Kreis drehen und es wieder auffangen? Könnt ihr das sogar
im Sitzen? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr ein Zeitungsknäuel hoch werfen, in die Hände klat-
schen und es wieder fangen, bevor es auf dem Boden landet?
]
Könnt ihr eurem Freund oder eurer Freundin einen Luftballon
zuwerfen oder ihn fangen, wenn er zurück kommt?
]
Könnt ihr einen Ball mit ganz viel Kraft vor euch auf den
Boden prellen? Und zwar so, dass er vom Boden aus ganz weit
nach oben fliegt? Könnt ihr den Ball dann wieder auffangen?
]
Könnt ihr einen Ball vor, neben und hinter euch auf den Boden
prellen, ohne dass er euch davon rollt?

7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis | 51
]
Könnt ihr einen Ball in einen Reifen hinein prellen und wieder
hinaus?
]
Könnt ihr euch auf Zeichenpapier einen großen bunten Punkt
malen, das Blatt an die Wand hängen und versuchen, mit
einem Woll- oder Zeitungsknäuel aus kleiner Entfernung
werfend, den Punkt treffen?
]
Könnt ihr ein Wollknäuel so an die Wand eures Gruppenraums
werfen, dass es zu euch zurückspringt? Könnt ihr es vielleicht
sogar fangen, bevor es auf dem Boden landet?
]
Könnt ihr aus kürzerer Entfernung einen Ball an eine Wand
eurer KiTa werfen und ihn wieder auffangen?
]
Könnt ihr den Ball aus etwas größerer Entfernung an eine
Wand eurer KiTa werfen, ihn erst auf dem Boden aufkommen
lassen und ihn dann schnell mit den Händen auffangen?
]
Könnt ihr den Ball an eine Wand eurer KiTa werfen, in die
Hände klatschen und ihn wieder fangen, bevor er auf dem
Boden landet? Das ist ziemlich schwierig, probiert es mal aus!
]
Könnt ihr den Ball sogar hinter dem Rücken hoch werfen und
vor euch wieder auffangen? Auch das ist sehr, sehr schwierig.
Gelingt euch das?
]
Könnt ihr einen Ball zwischen euren Beinen durch prellen? Das
ist nun wirklich sehr schwer! Schafft ihr das?
… für die Voraussetzungen der Auge-Hand-Koordinations-
aufgabe
]
Könnt ihr zwei lange Wollknäuelfäden auf dem Boden eures
Gruppenraums so auslegen, dass sie eine schmale Straße
bilden und mit der Hand einen Ball auf dieser entlang rollen,
ohne dass er von der Straße abkommt?

52 | 7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis
]
Könnt ihr mit Kreide viele bunte Linien ganz eng nebeneinan-
der auf den Asphalt malen, ohne dass sie sich berühren? Passt
vielleicht noch ein langer Strich mehr zwischen all die schon
gemalten Linien? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr mit einer Fliegenklatsche einen Luftballon in der
Luft halten, ohne dass er auf den Boden fällt? Probiert es mal
aus!
]
Könnt ihr euch einen Ball zurollen und ihn jeweils mit nur
einer Hand stoppen, bevor er zwischen euren gegrätschten
Beinen durchrollt?
]
Könnt ihr ganz viele farbige Notizzettel so neben- und überei-
nander an die Wand eures Gruppenraums kleben, dass ihr sie
mit der Hand noch erreichen könnt? Bittet euren Erzieher, fix
eine Farbe zu rufen und versucht ganz schnell, mit einer Hand
auf den Notizzettel der entsprechenden Farbe zu tippen. Wer
tippt am schnellsten auf den farbigen Zettel, ihr oder euer
mitspielender Freund?
]
Könnt ihr kleine Bälle oder Wollknäuel, die euch ein Freund
aus größerer Entfernung zuwirft, mit einem kleinen Eimer
auffangen?
]
Könnt ihr an das eine Ende eines Wollfadens ein kleines
Mäuschen (eine weiße Perle) binden? Gelingt es euch, das
Mäuschen mit einem umgedrehten Becher zu fangen,
während euer Freund versucht, das Mäuschen am Wollfaden
rechtzeitig wegzuziehen?
]
Könnt ihr kleine Tischtennisbälle durch den Gruppenraum
rollen lassen und dann mit einem Joghurtbecher versuchen,
sie einzufangen?
]
Könnt ihr im Garten eurer KiTa eine »Schatzkiste« voller Bälle
aufstellen? Nun versucht ein »Piratenkind«, die Schatzkiste
auszuräumen (alle Bälle einzeln aus der Kiste werfen). Gelingt
es allen anderen Kindern, die »Schatzkiste« immer wieder mit
den Bällen aufzufüllen, bevor das »Piratenkind« die Kiste völlig
leer geräumt hat?

7 Ideen für kleine Bewegungsaufgaben in der Praxis | 53
]
Könnt ihr euch von eurem mitspielenden Freund ein Woll-
knäuel zuwerfen lassen und versuchen, das Wollknäuel mitten
durch einen Reifen fliegen lassen, den ihr in den Händen
haltet? Probiert es mal aus!
]
Könnt ihr euch eurem Freund gegenüber stellen und im
Wechsel in die eigenen Hände und an seine Hände klatschen:
Klatsch-patsch-klatsch-patsch-klatsch-klatsch-klatsch-
patsch…? Fallen euch weitere lustige Rhythmen ein? Probiert
es mal aus!

54 | 8 Ausblick und Empfehlungen
8 Ausblick und Empfehlungen
Das Zusammenspiel von Bewegungsverhalten und motori-
scher Leistungsfähigkeit im Kindesalter ist zu einem zentralen
Gegenstand der Diskussion sowie Forschung zur gesundheitli-
chen Lage von Kindern geworden. Bezüglich der gegenseitigen
Beeinflussung von motorischer Leistungsfähigkeit und alltäg-
lichem Bewegungsverhalten liegen für Heranwachsende im
Kindergartenalter jedoch noch unerwartet wenig klare Befunde
vor. Studien deuten darauf hin, dass Kinder mit einer hohen
motorischen Leistungsfähigkeit zugleich über ein höheres
bewegungsbezogenes Aktivitätsniveau verfügen. Vorliegende
Untersuchungen zu Bewegungsfördermaßnahmen in Kinder-
tageseinrichtungen berichten von günstigen Wirkungen auf die
motorische Leistungsfähigkeit junger Kinder.
44
Dabei scheinen
vor allem Kinder mit niedrigem und mittlerem Leistungsni-
veau von ganz gezielter Bewegungsförderung zu profitieren.
45
Befunde von Maßnahmen, die alleinig eine Verbesserung
kindlicher Bewegungsverhältnisse anstreben, sind nicht einheit-
lich.
15
Zu dieser Inkonsistenz trägt gewiss die unterschiedliche
methodische Qualität von Projekten und Projektevaluationen
bei, worauf vorliegende Übersichtsarbeiten wiederholt verwei-
sen.
43, 50
Um das bewegungsbezogene Aktivitätsverhalten junger
Kinder während des täglichen Aufenthaltes in der KiTa genau
beschreiben zu können, liegen bislang nur wenige Ergebnisse
vor. Vor dem Hintergrund des hohen Anteils junger Kinder mit
nicht ausreichenden Aktivitätsniveaus
17
und mit Blick auf die
nach Einführung von Bildungskurrikula überhaupt verbleibende
Zeit für Bewegung, aktives Spiel und Sport in der KiTa, dürften
Aussagen diesbezüglich sehr interessant sein. Als unzurei-
chend für einen Kindergartentag gelten Bewegungszeiten von
weniger als 60 Minuten.
51
In einer Übersichtsarbeit
52
bis dato

8 Ausblick und Empfehlungen | 55
international vorliegender Studien wird darauf verwiesen, dass
die bewegungsbezogenen Aktivitätsniveaus während der KiTa-
Betreuungszeit insgesamt eher niedrig sind und die Inaktivi-
tätsniveaus hoch. Dabei zeigen sich zwischen den KiTas größere
Unterschiede im durchschnittlichen Bewegungsverhalten der
Kinder. Dies birgt momentan die Chance, Rahmenbedingungen
identifizieren zu können, unter denen Kinder einer KiTa höhere
Bewegungszeiten erreichen können.
43
Für Sachsen liegen Ana-
lyseergebnisse vor, die darauf hindeuten, dass ca. ein Viertel
der sächsischen KiTas über ein systematisches Bewegungsför-
derungsprogramm verfügt.
42
Für den Großteil der KiTas (71
%)
erscheinen die Voraussetzungen für eine effektive Bewegungs-
förderung jedoch eher begrenzt. Überdies wurde für Sachsen
ein Kriterienkatalog erarbeitet, der Merkmale und Richtlinien für
eine bewegte KiTa formuliert.
41
Dieser Katalog basiert auf einem
pädagogischen Konzept, dessen Ziele vor allem darin liegen,
bewegte Lernsituationen, Spiele zur Koordinationsschulung
und von variiertem Üben geprägte Bewegungsstunden bereit-
zustellen, bei denen Kinder vielfältige Bewegungserfahrungen
sammeln können. Die Rolle der KiTa-Pädagogen zeigt sich mit
Blick auf die Qualität und Wirkung von Bewegungsanlässen von
besonderer Relevanz.
38
Zwar gilt das Üben bewegungsbezoge-
ner Kompetenzen als zentraler Einflussfaktor der motorischen
Leistungsentwicklung
22
, doch braucht es diverse Bedingungen,
damit Kinder Bewegungssituationen im Alltag gern, selbstmo-
tiviert und wiederholt aufsuchen bzw. eigeninitiativ herstellen.
In diesem Zusammenhang erweisen sich das Erleben von Bewe-
gungskompetenz sowie Bewegungsfreude und positiver Ver-
stärkung seitens der Bezugspersonen bei Bewegungsanlässen
von Bedeutung.
53
Damit Bewegungssituationen in sächsischen

56 | 8 Ausblick und Empfehlungen
KiTas solcherart Potentiale tatsächlich bereithalten, bedarf es
einer entsprechenden Qualifikation der KiTa-Pädagogen, die in
den Curricula der Erzieherausbildung zu beachten sind. Unter
dem Blickwinkel der aktuellen Befunde lassen sich folgende
Empfehlungen zur Bewegungsförderung in der KiTa ausblickend
formulieren:
]
Kindertageseinrichtungen werden als geeignetes Handlungs-
feld für die Förderung von Bewegung sowie motorischen
Fähigkeiten und Fertigkeiten im Kinderalltag bewertet.
]
Die Schulung von KiTa-Pädagogen erscheint momentan als
eine der effektivsten Strategien für eine Förderung adäquater
Aktivitäts- und motorischer Leistungsniveaus. Voraussetzung
ist, das Erworbene tatsächlich in den Betreuungsalltag zu
transferieren.
]
Existierende Curricula, Richtlinien und Empfehlungen, die
für das Handeln von KiTa-Pädagogen orientierend vorliegen,
sollten zukünftig mehr konkrete Hinweise und explizite Vor-
schläge diesbezüglich bereitstellen.
]
Das erfordert, dass im Rahmen der Erzieherausbildung, neben
einem Ideenpool für vielfältige altersgerechte Bewegungsan-
lässe in der KiTa, auch Wissen zu Geschlechterunterschieden
im Aktivitäts- und motorischen Leistungsniveau vermittelt,
für die Wirkung des eigenen Vorbildverhaltens sensibilisiert
und hinsichtlich einer bewegungsbezogenen Gleichbehand-
lung von Jungen und Mädchen aufgeklärt wird.
]
Vielfältige Bewegungsanlässe, tägliche Bewegungsrituale und
viele kleine Bewegungspausen im KiTa-Alltag, die sowohl freie
als auch angeleitete Übungsphasen enthalten, dürften sich
sehr günstig auf bewegungsbezogene Aktivitäts- und moto-
rische Leistungsniveaus junger Kinder auswirken.

8 Ausblick und Empfehlungen | 57
]
Involvieren sich KiTa-Pädagogen direkt in kindliche Bewe-
gungs- und aktive Spielsituationen, so wirkt sich dies vor
allem dann positiv aus, wenn sie Freude am gemeinsamen
Sich-Bewegen ausstrahlen und als Vorbild fungieren, ermun-
tern, bekräftigen. Kinder mit ungenügenden Aktivitäts- und
motorischen Leistungsniveaus scheinen auf diese Art der
Unterstützung von Kompetenzerleben, Bewegungsfreude,
Selbstwirksamkeitserwartung etc. seitens der KiTa-Pädagogen
besonders angewiesen zu sein.
]
Zum Toben und für weitläufige Spiele benötigen junge Her-
anwachsende entsprechende Möglichkeiten. Wiederholt ver-
weisen Experten auf die enorme Bedeutsamkeit der täglichen
Bereitstellung von Bewegungszeiten im Freien. Auch hierfür
bedarf es Empfehlungen, Ideen und Materialien sowie eine
hinreichende Ausstattung der KiTa-Pädagogen mit entspre-
chendem Handwerkszeug im Rahmen ihrer Ausbildung.
]
KiTa-Pädagogen erweisen sich im Kreis der Bezugspersonen
von Kindern als sehr gut positioniert, sodass sie über gezielte
Kommunikation und Kooperation eine verstärkte elterliche
Verantwortungsübernahme hinsichtlich der Förderung von
Bewegung ihrer Kinder bewirken können.
]
In diesem Zusammenhang erscheint eine Kooperation der
KiTas mit ansässigen Kindersportanbietern nicht nur für den
KiTa-Alltag, sondern ebenso für Empfehlungen zur nach-
mittäglichen Freizeitgestaltung der Kinder von Relevanz.
Kindersportanbieter zeigen aktuell ein enormes Engagement,
organisierte Bewegungsangebote direkt in den KiTas, unter
Nutzung der dort vorhandenen Bewegungsräume, zu schaf-
fen. Das kann zu einer deutlichen Verminderung zeit- und
transportbedingter Barrieren bzgl. der Teilnahme an Kinder-
sportangeboten beitragen.

58 | 8 Ausblick und Empfehlungen
]
Bei all diesen Empfehlungen, die sich vor allem an die KiTa-
Pädagogen wenden, muss dringlich das stressbezogene Belas-
tungs- und Beanspruchungsniveau dieser beachtet werden.
Für Sachsen liegen entsprechende Analysen dazu vor.
54
Eine
wirksame Umsetzung der Empfehlungen setzt daher Maß-
nahmen voraus, die darauf abzielen, KiTa-Pädagogen mit
gesundheitsprotektiven Ressourcen auszustatten und sie vor
einer Überfrachtung mit Aufgaben zu schützen.
]
Um dies zu gewährleisten, sind überdies wertschätzende
Perspektiveinnahmen seitens KiTa-Leitern sowie vor allem
seitens Einrichtungs-, Ausbildungs- und Entscheidungsträ-
gern gefragt. Werden KiTas als Bildungseinrichtungen gefasst,
so sollte es von Bedeutung sein, Curricula entsprechend der
wissenschaftlichen Befunde auszurichten, Schulungs- und
Bewegungsförderungsprogramme zu finanzieren, zu evaluie-
ren und allen KiTas verfügbar zu machen.
]
Gelingt es, solche Wege zu gehen, dann kann bewegungsbe-
zogenes Wissen, Denken und Handeln von KiTa-Pädagogen
sowie weiteren an der kindlichen Entwicklung beteiligten
Bezugspersonen so »beeinflusst« werden, dass gesunde moto-
rische Leistungsniveaus von KiTa-Kindern gewöhnlich und
gesunde Aktivitätsniveaus nicht selten sind.

image
Herausgeber
: Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz
Verfasser
: Dr. Katrin Adler (Technische Universität Chemnitz/Forschungszentrum
für den Sport und Schulsport von Kindern und Jugendlichen des Karlsruher
Instituts für Technologie)
Prof. Dr. Gunar Senf (Universität Leipzig, Erziehungswissenschaftliche Fakultät,
Grundschuldidaktik Sport)
Corina Riedrich, Sandra Frenschkowski, (Sächsisches Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz)
Bildrechte
: Technische Universität Chemnitz, Kindersportschule Chemnitz,
Universität Leipzig
Satz und Gestaltung
: SV SAXONIA Verlag GmbH/SAXONIA Werbeagentur
Druck
: addprint® AG
Redaktionsschluss
: Juni 2015
Auflage
: 2.000 Stück
Redaktion
: Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bezug
:
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