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Empfehlung zur Qualität von Jugend-
hilfeeinrichtungen über Tag und Nacht
und sonstigen betreuten Wohnformen
nach § 34 SGB VIII in Sachsen
verabschiedet vom Landesjugendhilfeausschuss am 05.12.2019
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales und Verbraucherschutz
Landesjugendamt
Geschäftsstelle des Landesjugendhilfeausschusses
Carolastraße 7a, 09111 Chemnitz
E-Mail: LJHA@lja.sms.sachsen.de
Web:
www.landesjugendamt.sachsen.de

2 |
Vorwort
Grundsätzliche Aufgabe der Kinder- und Jugendhilfe ist die Förderung und Entwicklung von
Kindern und Jugendlichen und deren Schutz vor Gefahren für ihr Wohl. In dieser besonderen
Verantwortung stehen auch die Hilfen zur Erziehung mit ihren vielfältigen Angeboten, die es
in ihrer Qualität weiterzuentwickeln, anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen gilt (vgl. § 79a
SGB VIII). Das Wort „Qualität“ impliziert dabei eine positive Wertung.
Mit dem Beschluss vom 01.07.2015 erteilte der sächsische Landesjugendhilfeausschuss der
Verwaltung des Landesjugendamtes den Auftrag die „Orientierungshilfe und Leitlinien des
Sächsischen Landesjugendamtes für die Arbeit in Heimen und sonstigen betreuten Wohnfor-
men der Hilfe zur Erziehung gemäß § 34 SGB VIII“ vom 25.02.1998 fortzuschreiben.
Die nun vorliegende Fortschreibung „Empfehlung zur Qualität in Einrichtungen über Tag und
Nacht“ ist in einem intensiven Arbeitsprozess mit Vertreterinnen und Vertretern der Kinder-
und Jugendhilfe von freien und öffentlichen Trägern erarbeitet worden. Die so definierte Qua-
lität in den beschriebenen Kernprozessen dieser Empfehlung beruht auf der bereits gelebten
Praxis der Vertreterinnen und Vertreter stationärer Einrichtungen der Jugendhilfe in Sachsen.
Sie verfolgt dabei den Anspruch Impulse für die Entwicklung einer lebensweltnahen Heimer-
ziehung zu geben. Insbesondere die umfassende Sicherstellung der Rechte junger Menschen
in Einrichtungen der stationären Jugendhilfe, u.a. über institutionalisierte Beteiligungs- und
Beschwerdeverfahren, sollen Ausgangspunkt sein.
Zur Zielgruppe dieser Empfehlung zählen Fachkräfte und Träger der stationären Jugendhilfe
und angrenzende Professionen, örtlich zuständige Jugendämter sowie politisch Verantwortli-
che. Die vorliegende Erarbeitung des Sächsischen Landesjugendamtes zu den Leistungen in
stationären Jugendhilfeeinrichtungen über Tag und Nacht soll allen am Prozess der Hilfege-
währung und Hilfegestaltung beteiligten Fachkräften eine fachlich fundierte und übersichtliche
Unterstützung für die praktische Umsetzung ihres Auftrages und zur bedarfsgerechten lebens-
weltorientierten Ausgestaltung der Leistungsangebote nach § 34 SGB VIII sein.
Im Hinblick auf die Befassung zur Thematik von „sich verkomplizierenden und komplexen Hil-
feverläufen“ fand eine Expert/innen-Anhörung statt. Ziel war es der aktuellen Fragstellung
nachzugehen, welche Vorgehensweisen und Maßnahmen konform zu den Rechten von Kin-
dern und Jugendlichen in stationären Settings mit komplexen Hilfeverläufen sind und welche
sozialpädagogischen Handlungsoptionen daraus abgeleitet werden können. Ein besonderer
Dank gilt dabei Frau Prof. Dr. Rosenbauer (EHS Dresden), Herrn Prof. Dr. Schwabe (EHS
Berlin) und Herrn Bode (Familienrichter in Chemnitz). Die gemeinsam erarbeiteten Positionen
sind in die vorliegende Fachempfehlung im Kapitel „Rechte von jungen Menschen und deren
Eltern“ eingeflossen.
Darüber hinaus gilt der Dank all denen, die sich aktiv an der Erarbeitung dieser Fachempfeh-
lung beteiligt haben. Mitgewirkt haben u.a.:
Vertreter freier Träger:
Frau Ruß-Hempel
Trägerwerk Soziale Dienste, Bereichsleitung HzE
Herr Stahn
Berufsbildungswerk Bautzen e.V., Geschäftsführender
Vorstand
Herr Luding
Burmeister & Luding GmbH, Geschäftsführer
Herr Springer
FAB e.V., Leiter Jugendhilfezentrum

| 3
Herr Redmann
Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V., Projektkoordi-
nator
Herr Schweinsberg
P.I.Z. Präventions- und Interventionszentrum GmbH,
Fachstelle „Blaufeuer“
Vertreter öffentlicher Träger:
Frau Pfitzner
Jugendamt Dresden, Sachgebietsleiterin Zentrale Steue-
rung ASD
Frau Jörke
Jugendamt Nordsachsen, Abteilungsleiterin ASD
Vertreter des Landesjugendhilfeausschusses
:
Herr Mann
Der Paritätische Sachsen, Referent Jugendhilfe
Frau Schreckenbach-Launhardt
Kinderarche Sachsen e.V., Einrichtungsleiterin
Vertreter der Verwaltung des Landesjugendamtes:
Herr Heidenreich
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbrau-
cherschutz, Landesjugendamt
Frau Korndörfer
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbrau-
cherschutz, Landesjugendamt
Frau Balzuhn
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbrau-
cherschutz, Landesjugendamt
Frau Steidel
Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbrau-
cherschutz, Landesjugendamt

4 |
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung ............................................................................................................ 6
2
Grundsätze an den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen
Volljährigen orientierter stationärer Erziehungshilfe ............................................. 8
3
Rechte von jungen Menschen und deren Eltern .................................................10
4
Leistungsrechtliche Grundlagen .........................................................................11
5
Aufnahme in Einrichtungen, Alltag und die Gestaltung von Übergängen ............14
6
Individuelle Hilfegewährung und institutionsübergreifende Zusammenarbeit ......15
6.1
Das Hilfeplanverfahren .......................................................................................15
6.2
Institutionsübergreifende Zusammenarbeit zur individuellen Hilfegestaltung ......16
6.2.1
Allgemeine Grundsätze ......................................................................................16
6.2.2
Zusammenarbeit mit dem örtlichen öffentlichen Träger der Jugendhilfe .............17
6.2.3
Zusammenarbeit mit Kita, Schule und Ausbildungseinrichtungen ......................17
6.2.4
Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie ....................................18
7
Kindeswohl und Schutz vor Gewalt in Einrichtungen ..........................................18
7.1
Schutz vor Gewalt von Kindern und Jugendlichen in
Jugendhilfeeinrichtungen ...................................................................................19
7.2
Leitfragen zum Entwickeln von Schutzkonzepten ...............................................19
7.2.1
Einbinden des Schutzes vor Gewalt in das Einrichtungskonzept ........................19
7.2.2
Grenzen in Beziehungen achten ........................................................................20
7.2.3
Verfahrensablauf bei vermuteten Übergriffen und Machtmissbrauch ..................20
7.3
Meldepflichten ....................................................................................................20
8
Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten ........................................................21
8.1.1
Merkmale eines wirksamen Beteiligungs- und Beschwerdekonzepts .................21
8.1.2
Weiterentwicklung des Beteiligungs- und Beschwerdekonzept ..........................22
9
Eltern- und Familienarbeit ..................................................................................23
10
Medienerziehung in der stationären Erziehungshilfe ..........................................24
10.1
Medienkompetenz in von digitaler Kommunikation geprägte Lebenswelten .......24
10.2
Mediennutzung zwischen Selbstbestimmung und Jugendschutz .......................25
11
Aspekte praktizierter Sexualpädagogik ..............................................................26
11.1
Alltagspraktische Überlegungen .........................................................................26
11.2
Wissen über Sexualität .......................................................................................27
11.2.1
Sexuelle Bildung ................................................................................................27
11.2.2
Sexualität ...........................................................................................................27
11.2.3
Sexualisierte Gewalt ..........................................................................................28
11.2.4
Gesetzliche Grundlagen .....................................................................................28

| 5
12
Anforderungen an die Strukturqualität von Jugendhilfeeinrichtungen über
Tag und Nacht und sonstigen betreuten Wohnformen nach § 34 SGB VIII ........28
12.1
Betriebliche Organisation ...................................................................................28
12.1.1
Standort .............................................................................................................28
12.1.2
Räumliche Anforderungen ..................................................................................29
12.1.3
Bau-, brandschutz- und hygienerechtliche Anforderungen .................................29
12.2
Personal .............................................................................................................30
12.3
Struktur der Jugendhilfeeinrichtungen über Tag und Nacht und sonstiger
betreuter Wohnformen .......................................................................................31
12.3.1
Wohngruppe ......................................................................................................31
12.3.2
Familienanaloges Wohnen mit innewohnender Betreuung als besondere
Wohnform ..........................................................................................................32
12.3.3
Verselbständigungswohnen für Jugendliche und junge Volljährige als
besondere Wohnform .........................................................................................32
12.3.4
Betreutes Einzelwohnen .....................................................................................33
13
Qualitätsentwicklung als Prozess .......................................................................33
13.1
Leistungs- und Qualitätsentwicklungsvereinbarung ............................................33
13.2
Qualitätsentwicklung als fortlaufender Prozess ..................................................34
Literaturempfehlungen..........................................................................................................36

6 |
1
Einleitung
Die Dezentralisierung der stationären Erziehungshilfe nach den Strukturmaximen der Lebens-
weltorientierung führte in den 90er Jahren in Sachsen zu erheblichen Veränderungen. Die
bestehende Heimlandschaft wurde nach den Strukturmaximen der Lebensweltorientierung zu
kleinen familienähnlicheren Wohneinheiten umstrukturiert. Heute reicht das Spektrum von
Wohngruppen mit unterschiedlicher pädagogischer Ausrichtung bis hin zu Einrichtungen mit
innewohnendem Personal und betreutem Einzelwohnen. Nach dem Ansatz der Subjektorien-
tierung sollen Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in möglichst individuellen Arrange-
ments in ihrer Entwicklung gefördert werden.
Die neu gefasste Fachempfehlung setzt die Leitlinien und Qualitätsmerkmale einer an der Le-
benswelt von jungen Menschen orientierten Hilfe zur Erziehung mit den Anforderungen an die
Sicherung der Rechte junger Menschen, ihrer Beteiligung sowie geeigneter Grundsätze, Ver-
fahren und Beschwerdemöglichkeiten zum Schutz vor Gewalt in Beziehung. Die Grundlage
bildet das im Jahr 2012 in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz. Die medienpädagogi-
schen Anforderungen einer von digitaler Kommunikation geprägten Lebenswelt junger Men-
schen wurden ebenfalls aufgenommen.
Doch nicht allein die gesetzliche Entwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe bestimmt die An-
forderungen an die Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung, sondern auch der Zusammenhang
von Lebenslagen und individuellem Hilfebedarf. Die Lebenslagen von Familien haben wesent-
lichen Einfluss auf das Aufwachsen von jungen Menschen. Familienformen, Herkunftskultur,
sozioökonomische Lebenslagen von Familien und das Erziehungsverhalten von Eltern sind
vielfältig. Die statistischen Daten zur Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung zeigen einen
deutlichen Zusammenhang zwischen sozioökonomisch prekären Lebenslagen von Familien
und erzieherischem Bedarf.
Soziale Ungleichheiten und damit einhergehende soziale Ausgrenzungsprozesse beeinflus-
sen das Erziehungsverhalten und die Entwicklungsbedingungen des Aufwachsens. Dies zeigt
sich auch am Bedarf an Hilfe zur Erziehung. Mehr als die Hälfte der Familien und mehr als
zwei Drittel der Familien mit einem allein erziehenden Elternteil, deren Kinder in stationären
Erziehungshilfeeinrichtungen leben, sind auf Transferleistungen angewiesen.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen einem niedrigen sozioökonomischen Status von Fa-
milien und höheren Entwicklungsrisiken von Kinder und Jugendlichen. Dies zeigt sich in den
Gefährdungen für den schulischen Bildungserfolg sowie für die gesundheitliche und psycho-
soziale Entwicklung. Armut bzw. Armutsgefährdung steht im Zusammenhang mit einge-
schränkten Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, geringem sozialen Status unter Gleichaltri-
gen und häufig auch dem Fehlen von sozialen Beziehungen zu Personen, die Kinder und
Jugendliche sowohl materiell als auch mit ihrem Wissen und ihrem Status unterstützen. Der
Bedarf an Hilfe zur Erziehung resultiert nicht allein aus Armutslagen, sondern häufig aus kom-
plexen Familienschicksalen und auffälligem Verhalten von Kindern und Jugendlichen Dazu
gehören Krisen und Brüche in Paarbeziehungen, strittige Trennungen und Scheidungen, durch
chronische psychische Belastungen eingeschränkte Erziehungsfähigkeit von Eltern, nicht al-
tersangemessenes Sorge- und Erziehungsverhalten bis hin zu Vernachlässigung von Kindern
und Jugendlichen und Gewalt in Familien. Erziehungshilfebedarf kann aber auch durch Kon-
flikte zwischen Eltern, Kindern und Jugendlichen im Kontext von Pubertät und Adoleszenz
sowie durch soziale Probleme in der Schule erforderlich sein.
Der Anteil von Hilfeempfängern mit Migrationshintergrund in den Hilfen zur Erziehung in Sach-
sen hat sich durch die Verteilung von unbegleiteten ausländischen Kindern und Jugendlichen

| 7
nach §§ 42a ff. SGB VIII ab dem Jahr 2015 erhöht. Ihre Lebenslagen sind nicht nur von alters-
entsprechenden Bedürfnissen, sondern auch von Kriegs-, Trennungs- und Fluchterfahrungen
sowie ihrer vom ausländerrechtlichen Status abhängigen Lebensperspektive nach Erreichen
der Volljährigkeit geprägt.
Stationäre Erziehungshilfe hat die Aufgabe, Kinder, Jugendliche und junge Volljährige in die-
sen Lebenslagen ausgehend von der Verschiedenheit des individuellen Bedarfs in ihrer Ent-
wicklung altersangemessen zu begleiten und zu fördern. Sie agiert im Spannungsfeld von ge-
sellschaftlichen Rahmenbedingungen und Problemzuschreibungen, Familiensituationen und
Erziehungsvorstellungen, tradierten Rollenerwartungen und Bedürfnislagen von jungen Men-
schen und Eltern. Zum professionellen pädagogischen Handeln gehört, die individuellen Le-
benslagen und Bedürfnisse mit institutionellen Problemdefinitionen, wie einem besonderen
schulischen Förderbedarf oder diagnostizierten psychischen Beeinträchtigungen mit Krank-
heitswert, entwicklungsfördernd in Beziehung zu setzen. Die stationäre Erziehungshilfe soll
dabei parteilich für das Kindeswohl, die Rechte junger Menschen, eine angst- und gewaltfreie
Erziehung sowie für gelingende Bedingungen des Aufwachsens eintreten.
In der Fachempfehlung werden im Sinne des § 79a SGB VIII Qualitätsanforderungen an die
Struktur und Entwicklungsprozesse formuliert, die als fachlicher Maßstab für die dialogische
Entwicklung und Bewertung der Qualität der Einrichtungen, die Einführung neuer Mitarbeiten-
der in das Handlungsfeld, die fachliche Weiterbildung bis hin zu inhaltlichen Planungsprämis-
sen und zu leistungsgerechten Vereinbarungen nach § 78b SGB VIII in Sachsen dienen sollen.

8 |
2 Grundsätze an den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen
und jungen Volljährigen orientierter stationärer Erziehungshilfe
Die Lebenswelt wird in individuellen und kollektiven Lebensdeutungen sowie in den spezifi-
schen Handlungsmustern der Lebens- und Alltagsbewältigung sichtbar.
1
Die Lebenswelt von
Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern sowie jungen Volljährigen ist geprägt durch kulturelle
und familiale Herkunft, ihre Biografien und ihre von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
gekennzeichneten Lebenslagen, ihr Grundbedürfnis nach sozialer Anerkennung und ihre
Grundorientierung des eigenen Wollens und Könnens.
Eine lebensweltorientierte Erziehungshilfe setzt am Alltag der Hilfeadressaten, ihren Fähigkei-
ten und Möglichkeiten der Alltags- und Lebensbewältigung, an. Ausgehend von einem „kri-
tisch-emanzipativen Ansatz“
2
sollen „freiere Lebensmöglichkeiten in der alltäglichen Lebens-
welt in den Möglichkeiten eines gelingenderen Alltags“
3
erschlossen werden. Der Alltag inner-
halb und außerhalb von Erziehungshilfeeinrichtungen wird als Raum des gemeinsam Mach-
baren, Gestaltbaren und Ermöglichenden gesehen. Ausgehend vom suchenden Verstehen
der „Komplexität und Widersprüchlichkeit von Problemen und Ressourcen“
4
wird gemeinsam
mit den Hilfeadressaten nach Möglichkeiten einer gelingenden Lebensbewältigung gesucht.
Sozialpädagogisches Fallverstehen respektiert die Personen in ihrer Individualität und akzep-
tiert sie als eigensinnige Subjekte in ihren Alltagsbewältigungsstrukturen und Deutungen. Ge-
meinsam mit den Hilfeadressaten werden Bewältigungsressourcen in ihrer Lebenswelt, Ver-
änderungsmöglichkeiten, alternative Deutungen und Handlungsmuster entdeckt und erprobt.
Stationäre Erziehungshilfe als Raum und Rahmen für lebensweltorientierte Aushandlungs-
und Lernprozesse agiert „in der Spannung von Respekt und Veränderungsangeboten, von der
Anerkennung des Gegebenen und Zumutung des Lernens und der Ermutigung“
5
. Solchen in-
dividuellen Lern- und Entwicklungsprozessen Raum zu geben erfordert ein positives Men-
schenbild, systemisches Fallverstehen, Empathie- und Beziehungs-fähigkeit, reflektierte Kon-
fliktfähigkeit, Vertrauen und Zutrauen, Zeit und Geduld, Kooperationsfähigkeit mit den Fallbe-
teiligten sowie eine kontinuierlich gepflegte pädagogische Professionalität.
Die Struktur- und Handlungsmaxime einer lebensweltorientierten Jugendhilfe
6
beschreiben
dazu wesentliche konzeptionelle und strukturelle Leitlinien für die stationäre Erziehungshilfe:
Regionalisierung:
Auch die stationären Hilfearrangements sollen die lebensweltlichen Be-
züge von jungen Menschen als Ressourcen individueller Lebensbewältigung erhalten. Kinder
und Jugendliche in der stationären Erziehungshilfe sollen weiterhin im Kontakt zu ihren Eltern,
Geschwistern und Freunden stehen können. Sie sollen weiter in ihre Kita oder Schule gehen
können. Dies soll durch Einbeziehen fallbeteiligter Personen und durch soziallräumliche Ko-
operation mit den fallbeteiligten Institutionen gezielt ermöglicht werden. Die stationäre Erzie-
hungshilfe soll konzeptionell und strukturell regionalisiert gestaltet sein, um ressourcen-orien-
tiert und alltagsnah wirksam werden zu können. Dies erfordert kleine bzw. gut gegliederte und
sozialräumlich integrierte Einrichtungsstrukturen.
Normalisierung:
Lebensweltorientierte Hilfe zur Erziehung setzt am Alltag und an der Alltags-
bewältigung als zentrales soziales Lern- und Entwicklungsfeld an. Sie wirkt damit Ansätzen
1
vgl. Thiersch 2016, S. 21
2
ebenda, S. 22
3
ebenda
4
ebenda, S. 19
5
ebenda
6
Vgl. Der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (Hrsg.): Achter Jugendbericht. Bericht über Bestrebungen
und Leistungen der Jugendhilfe. Deutscher Bundestag. 11. Wahlperiode. Drucksache 11/6576. Bonn, 6. März 1990

| 9
entgegen, die auf problemfokussierte Spezialisierung und Ausschluss gerichtet sind. Sie ver-
meidet stigmatisieren, pathologisieren und kriminalisieren von Kindern und Jugendlichen. Die
Machtasymmetrie in der Adressaten-Helfer-Beziehung soll reflektiert und pädagogisches Han-
deln als Aushandlungsprozess mit den Hilfeadressaten begriffen werden und soll gleichbe-
rechtigter Teilhabe und Teilnahme in den Lebenswelten sicherstellen. Dies meint u.a. den
gleichberechtigten Zugang von Kindern in die Tagesbetreuung nach § 22 ff SGB VIII, die
gleichberechtigte Teilnahme an schulischen Ausflügen, Klassenfahrten und Veranstaltungen
sowie die Möglichkeit des Besuchs schulischer und außerschulischer Bildungs- und Freizeit-
angebote.
Alltagsnähe:
Diese pädagogische Leitlinie gibt den alltagsnahen, an der Lebenswelt der Hil-
feadressaten am nächsten orientierten Zugängen und Hilfearrangements den Vorrang. Fall-
anamnesen und Diagnosen sollen auf Normalität durch das pädagogisch reflektierte Verste-
hen von individuellen Sinn-, Deutungs- und Lebensbewältigungsmustern im Alltag gerichtet
sein. Die Komplexität von Raum, Zeit und sozialen Bezügen ist zu beachten. Biografiearbeit
mit den Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen ermöglicht ein Verstehen der eigenen
Entwicklung- und Bewältigungsmuster. Damit grenzt sich die lebensweltorientierte Erzie-
hungshilfe gegenüber Ansätzen, die lediglich auf Verhalten und Verhaltensanpassung junger
Menschen gerichtet sind, ab.
Partizipation:
Diese Handlungsmaxime zielt auf einen möglichst hohen Grad von demokrati-
scher Beteiligung der Kinder, Jugendlichen, jungen Volljährigen und Eltern. Die alters- und
entwicklungsentsprechende Mit- und Selbstbestimmung soll den Alltag von erzieherischen Hil-
fen prägen. Sie dient der Verwirklichung von Persönlichkeitsrechten und der Entwicklung jun-
ger Menschen. Die selbstbestimmte Lebensbewältigung als Zielsetzung ist daher keineswegs
nur auf die Altersphase vor Erreichen der Volljährigkeit beschränkt.
Prävention:
Die stationäre Hilfe zur Erziehung soll die Fähigkeit befördern, mit den „normalen
Krisen und Widrigkeiten im Leben umzugehen, sich in ihnen zu behaupten, sie zu bewältigen“
7
.
Dies gilt auch einem achtsamen Umgang mit Risiken für die Lebensbewältigung, wie bspw.
der Auseinandersetzung mit riskanten individuellen Bewältigungsmustern sowie dem Beglei-
ten der Übergänge aus der Kita in die schulische Bildung, in die berufliche Bildung und ins
Erwerbsleben.
Integration und Inklusion:
Diese Handlungsmaxime betont die prinzipielle Gleichheit aller
Menschen, deren Verschiedenheit durch entsprechend gestaltete Rahmenbedingungen und
durch Bewusstseinsbildung ermöglicht wird. Mittels flexiblen Hilfearrangements nach individu-
ellem Bedarf ist der Separation in spezialisierten Einrichtungen entgegen zu wirken. Dazu ge-
hört auch die Sensibilität im Wahrnehmen und Beachten unterschiedlicher Herkunftskulturen
und Religionen, insbesondere von jungen Menschen mit Migrationshintergrund.
Einmischung:
Diese Handlungsmaxime meint die Thematisierung und Einflussnahme auf ge-
sellschaftliche Rahmenbedingungen, die Lebenslagen und Lebenswelten beeinflussen. Die
stationäre Erziehungshilfe hat den Auftrag individuelle Problemlagen in ihrem komplexen Be-
dingungsgefüge wahrzunehmen und zu bearbeiten. Ziel ist individuelle, familiäre und gesell-
schaftliche Ressourcen zu erschließen, um die Lebensbewältigungs- und Entwicklungsmög-
lichkeiten der Hilfeadressaten zu verbessern. Dies erfordert die Zusammenarbeit und die pro-
duktive Auseinandersetzung mit den für die Kinder und Jugendlichen relevanten Institutionen.
Dabei sollen sich Einrichtungsträger nicht nur als Dienstleister verstehen.
7
Grundwald/Thiersch 2016, S. 43

10 |
Professionalisierung:
Die Fachlichkeit einer lebensweltorientierten Erziehungshilfe wird in
der situationsbezogenen Interaktion mit den Hilfeadressaten, den Fallbeteiligten und im Team
der Einrichtung deutlich. Dies erfordert fachliches Wissen, eine solidarische Grundhaltung ge-
genüber den Hilfeadressaten, selbstorganisierte und strukturierte Reflexionsprozesse zum
Fall sowie zu den räumlichen, organisatorischen und zeitlichen Bedingungen. Ebenfalls ein-
zubeziehen sind institutionelle Bedingungen, wie die Organisationsstruktur des Einrichtungs-
trägers, Erwartungen und Vorgaben des zuständigen Jugendamtes sowie Netzwerke und Ko-
operationen.
Die Qualität der Arbeit hängt nachweislich „ganz wesentlich von Faktoren der kollegialen Mit-
bestimmung, dem Teamklima, der Verbindlichkeit von Verfahrensregeln sowie von einer aus-
gewogenen Planung von Ressourcen und Aufgaben“
8
ab. Von Seiten des Einrichtungs-trägers
sind die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass eine hohe sozialpädagogische Fachlichkeit
entwickelt und gepflegt wird und zugleich Handlungsfreiräume für die individuelle Gestaltung
von Hilfen zu schaffen sind.
3 Rechte von jungen Menschen und deren Eltern
Kinder und Jugendliche in der Kinder- und Jugendhilfe haben das Recht auf eine Erziehung in
Freiheit und Würde. Das beinhaltet, neben der Gewährung aller Rechte, die sie aufgrund na-
tionaler Gesetzgebungen und aufgrund internationaler Verträge haben, auch eine Form der
Unterbringung, die den Ansprüchen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes gerecht wird. Die
Kinder- und Jugendhilfe sollte Orte schaffen, an denen das individuelle Recht auf Förderung,
auf Erziehung zu Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit und auf Schutz sicher-
gestellt wird. Eine zeitgemäße Kinder- und Jugendhilfe achtet die Rechte der Kinder und Ju-
gendlichen auf körperliche und psychische Unversehrtheit und bietet ihnen umfangreiche Be-
teiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten in den Einrichtungen. Eine lebensweltorientierte
Kinder- und Jugendhilfe verzichtet auf die systematische Versagung von Rechten, unabhängig
von individuellen Problemlagen durch Stufen- oder Tokensysteme, auf deren Grundlage Kin-
der und Jugendliche als Objekte eines abstrakten Sanktionskonzeptes behandelt werden, und
vermeidet die Unterbringung in geschlossenen Jugendhilfeeinrichtungen.
9
Der Auftrag einer lebensweltorientierten Erziehungshilfe ist, Kindern und Jugendlichen einen
Rahmen zu ermöglichen, in dem Rechts- und in persönlichen Beziehungen grenzverletzendes
Verhalten in der pädagogischen Arbeit thematisiert wird. Dabei ist von grundsätzlicher Bedeu-
tung, dass die jeweils eigenen individuellen Rechte dort ihre Grenzen finden, wo individuelles
Verhalten die Rechte anderer verletzt.
Die UN-Kinderrechtskonvention, das Kinder- und Jugendhilfegesetz und das Bürgerliche Ge-
setzbuch gelten auch dann, wenn Hilfesuchende vor dem Hintergrund ihrer Lebenslage vor-
gegebene Regeln überschreiten.
Im Kontext der Hilfe zur Erziehung sind vor allem Rechte, die sich aus der UN-Kinderrechts-
konvention ergeben, relevant. Diese sind insbesondere:
das Recht auf die Berücksichtigung des Kindeswillens (Art. 12),
das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit (Art. 13),
Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit (Art. 14),
8
Moch 2016, S. 84, in Verweisung auf Albus et al. 2010
9
vgl. Positionspapier des Landesjugendhilfeausschusses (LJHA) zur geschlossenen Unterbringung in der Jugendhilfe, verab-
schiedet von LJHA am 03.06.1998

| 11
Schutz der Privatsphäre und Ehre (Art. 16),
das Recht auf den Zugang zu den Medien (Art. 17),
das Recht auf Kindeswohl (Art. 18)
sowie das Recht auf angemessene Lebensbedingungen und Unterhalt (Art. 27).
Förderrechte, Schutzrechte, Beteiligungsrechte, Mitwirkungsrechte, Datenschutzrechte, Ak-
teneinsichtsrechte und Beschwerderechte nach dem SGB VIII gelten ebenso uneinge-
schränkt. Sie sicherzustellen, und die jungen Menschen sowie ihre Familien auf diese Rechte
hinzuweisen, gehört zu den Aufgaben der jeweiligen Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung.
Das gilt auch für die Leistungen zum Unterhalt des Kindes oder des Jugendlichen gemäß
§ 39 SGB VIII. Dieser regelt in Abs. 2 Satz 3 das Recht auf Taschengeld. Dieses ist ausdrück-
lich zur persönlichen Verfügung bestimmt und dient zur Befriedigung individueller Bedürfnisse
der Kinder und Jugendlichen in stationären Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung. Jegliche
Form des Taschengeldentzugs ist mit dieser Rechtsnorm nicht vereinbar. Die Festlegung zur
altersdifferenzierten Höhe des Taschengeldes trifft nach § 33 Abs. 1 LJHG der Landesjugend-
hilfeausschuss.
Hilfe zur Erziehung in stationären Einrichtungen soll nicht allein Kinder und Jugendliche in ihrer
individuellen Entwicklung fördern. Ebenso soll sie die Eltern bei der Verbesserung ihrer Erzie-
hungskompetenz unterstützen. Dafür sind Möglichkeiten zu schaffen, an denen Eltern mitge-
stalten können, an denen sie sich als fürsorgliche Eltern am Alltag der Kinder und Jugendli-
chen unter Sicherstellung des Kindeswohls beteiligen können. Dies gilt auch dann, wenn ihnen
das Recht der Personensorge für ihre Kinder vorrübergehend bzw. teilweise entzogen wurde.
Die Rechte von Kindern, Jugendlichen und Eltern zu achten, bedeutet zuvörderst, diese als
Subjekte anzuerkennen und ihnen Selbstinitiative, Eigensinn und Gestaltungswillen zuzuge-
stehen. Mittels Information, Transparenz und Mitgestaltungsmöglichkeiten sind Räume zu ge-
stalten, an denen sie sich als Handelnde begreifen, die eigenverantwortlich und gemein-
schaftsorientiert agieren. Dafür wiederum ist es erforderlich, dass alle Fachkräfte die Rechte
von Kindern, Jugendlichen und Eltern kennen und sie sich weiterhin darüber im Klaren sind,
dass es strukturelle Machtasymmetrien gibt, die von den Fachkräften weitgehend ausgegli-
chen werden müssen.
4 Leistungsrechtliche Grundlagen
Hilfe zur Erziehung in Einrichtungen über Tag und Nacht sowie sonstige betreute Wohnformen
umfasst vielfältig gestaltete stationäre Betreuungsarrangements, um dem individuellen Bedarf
und den altersentsprechenden Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen zu entsprechen.
§ 34 SGB VIII
normiert den gesetzlichen Auftrag:
Hilfe zur Erziehung in einer Einrichtung über Tag und Nacht (Heimerziehung) oder in einer
sonstigen betreuten Wohnform soll Kinder und Jugendliche durch eine Verbindung von All-
tagsleben mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung fördern.
Sie soll entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen
sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbindungen in der Herkunftsfamilie
1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
3.
eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vor-
bereiten.

12 |
Jugendliche sollen in Fragen der Ausbildung und Beschäftigung sowie der allgemeinen Le-
bensführung beraten und unterstützt werden.
Die Hilfe für junge Volljährige nach
§ 41 SGB VIII
wird in Einrichtungen über Tag und Nacht
und in sonstigen betreuten Wohnformen in Verbindung mit § 34 SGB VIII geleistet:
(1) Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigen-
verantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe aufgrund der
individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur
bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für
einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.
(2) Für die Ausgestaltung der Hilfe gelten § 27 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 28 bis 30, 33 bis 36,
39 und 40 entsprechend mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Personensorgeberech-
tigten oder des Kindes oder des Jugendlichen der junge Volljährige tritt.
(3) Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbständigung im
notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden.
Art und Umfang der Hilfen orientieren sich gemäß
§ 27 Abs. 2 SGB VIII
am erzieherischen
Bedarf. Die jeweilige Leistung nach § 34 SGB VIII ist zur Entwicklungsförderung für Kinder,
Jugendliche und junge Volljährige geeignet, wenn sie voraussichtlich dem individuellen Bedarf
ganz oder teilweise entspricht. In betreuten Wohnformen sollen junge Menschen außerhalb
des Elternhauses durch die Verbindung von lebensweltorientierter Alltagsgestaltung mit päda-
gogischen und ggf. therapeutischen Angeboten in ihrer Entwicklung gefördert werden.
Mit dem Begriff der pädagogischen und therapeutischen Angebote, die das Alltagserleben er-
gänzen und in dieses eingebettet sind, grenzt der Gesetzgeber die Leistungen nach § 34 SGB
VIII vom Wohnen als bloße Verwahrung und ebenso von der Unterbringung nach einem primär
medizinisch-therapeutischen Handlungsansatz ab
10
.
Therapeutische Angebote sind dabei als Optionen nach individuellem Bedarf zu sehen, die
nicht regelmäßig vorhanden sein müssen und auch außerhalb der Einrichtung verortet sein
können.
Das Alltagserleben in der Einrichtung soll räumlichen und emotionalen Abstand von zuvor
überfordernden Beziehungen und Aufgaben ermöglichen und an den individuellen Bedürfnis-
lagen orientiert sein. Die pädagogischen Fachkräfte haben die Aufgabe, den jungen Menschen
stabile, in Belastungs- und Krisensituationen verlässliche Beziehungen und attraktive Lernfel-
der zur Persönlichkeitsentwicklung anzubieten. Die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwach-
senen sind dabei zu unterstützen Sinn und Perspektive für eine Zukunft nach dem Leben in
der Einrichtung zu entwickeln
11
.
Den Anspruch auf Hilfe zur Erziehung gegenüber dem zuständigen örtlichen öffentlichen Trä-
ger der Jugendhilfe haben gemäß
§ 27 Abs. 1 SGB VIII
die Eltern bzw. Sorgeberechtigten.
Sie sind leistungsberechtigt ebenso wie junge Volljährige, denen nach Maßgabe des
§ 41 SGB VIII entsprechende Leistungen gewährt werden sollen.
Dem gegenüber sind Kinder und Jugendliche Empfänger von Leistungen der Hilfe zur Erzie-
hung. Einen eigenständigen Rechtsanspruch haben sie nur auf die Leistungen der Eingliede-
rungshilfe nach
§ 35a SGB VIII
, die auch in Verbindung der Betreuung über Tag und Nacht
gemäß § 34 SGB VIII gewährt werden können.
10
Vgl. Häbel 2012, S. 18 ff.
11
vgl. Thiersch 1977

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| 13
Im Rahmen der Bedarfsermittlung und Hilfeplanung nach
§ 36 SGB VIII
ist mit den jungen
Menschen und ihren Eltern bzw. Sorgeberechtigten die voraussichtliche Perspektive zu klären.
Handelt es sich um eine zeitweilige Betreuung außerhalb des Elternhauses mit dem Ziel der
Rückkehr, so soll parallel mit der Herkunftsfamilie gearbeitet werden, damit dies möglich wird.
Die Eltern sind dabei zu begleiten, den Kontakt zu ihren Kindern zu halten und sich auf die
Übernahme ihrer umfänglichen Fürsorge- und Erziehungsverantwortung vorzubereiten. Die
entsprechend
notwendige
Elternarbeit
ist
in
die
Hilfeplanung
nach
§ 36 SGB VIII einzubeziehen und mit Zielen sowie Zeit- und Handlungsressourcen zu unter-
setzen. Die Beziehung zur Herkunftsfamilie ist in der Regel auch dann zu erhalten, wenn die
voraussichtliche Perspektive im mittelfristigen Übergang in Vollzeitpflege nach
§ 33 SGB VIII
in einer Pflegefamilie, Erziehungsstelle bzw. einer Pflege durch Verwandte besteht.
Gleiches gilt auch, wenn eine auf Dauer angelegte Betreuung nach § 34 SGB VIII und die
Begleitung des Übergangs in ein selbständiges Leben geplant wird. Eltern- und Familienarbeit
sollen im Konzept und in den Ressourcen von Einrichtungen über Tag und Nacht sowie von
sonstigen betreuten Wohnformen verankert sein, auch wenn eine Rückkehr in die Herkunfts-
familie nicht in jedem Fall wahrscheinlich ist. Der örtliche öffentliche Träger der Jugendhilfe
verantwortet die bedarfsgerechte Hilfeplanung nach den anerkannten Maßstäben sozialpäda-
gogischen Handelns. Er ist dabei gegenüber Dritten, wie Familiengericht, Kinder- und Jugend-
psychiatrie u. a., nicht weisungsgebunden.
Im jugendhilferechtlichen Dreiecksverhältnis bestehen nicht nur Rechtsverhältnisse zwischen
dem örtlichen öffentlichen Träger der Jugendhilfe und den Leistungsberechtigten durch indivi-
duellen Rechtsanspruch und Gewährung der Leistung nach § 34 SGB VIII sowie zwischen
dem Jugendamt und dem für die Betreuung ausgewählten Einrichtungsträger durch die Ver-
einbarung von Leistung, Qualitätsentwicklung und Entgelt nach § 78b SGB VIII. Die Leistungs-
erbringung in der ausgewählten Einrichtung begründet auch eine Mitwirkungspflicht der Eltern
bzw. Sorgeberechtigen mit dem Einrichtungsträger, um dieser Vereinbarung für das Kind bzw.
dem Jugendlichen gerecht zu werden.
Leistungsberechtigte/
Leistungsempfänger
Leistung erbringen
Einrichtungsträger
Leistung gewähren
Örtlicher Träger der
öffentlichen Jugendhilfe
Personensorgeberechtigte / junge Menschen
Rechtsanspruch nach
§ 27 SGB VIII
Hilfeplanung nach
§ 36 SGB VIII
konkludentes
Vertragsverhältnis
Vereinbarung n.
§ 78b SGB VIII

14 |
Eine gelingende Hilfe nach § 34 SGB VIII beginnt mit Wunsch und Wahl der Leistungsberech-
tigen und der Leistungsempfänger nach
§ 5 SGB VIII
. Eine subjektorientierte Hilfe zur Erzie-
hung, die Kinder und Jugendliche nicht als Gegenstand disziplinierenden Handelns, sondern
als Individuen mit Bedürfnissen und Wünschen in ihrer Entwicklung fördern will, bezieht sie
aktiv in die Auswahl der geeigneten Einrichtung ein. Die Eltern sowie das Kind bzw. der Ju-
gendliche sollen gleichermaßen und gleichberechtig beteiligt sein. Sie erhalten Informationen
über Lage und Leistungsprofil von Einrichtungen und können einen eigenen Eindruck vor Ort
gewinnen.
Familiäre Einbindung oder verwandtschaftliche Beziehungen, sozialräumliche Bezüge und so-
ziale Bindungen sind als Ressourcen in die Hilfe einzubeziehen. Dies ist bei der Auswahl der
Einrichtung nach § 34 SGB VIII zu beachten. Die Einrichtung benötigt im Vorfeld der Hilfe
Informationen über den Fall und Zeit, um die Aufnahme mit allen Beteiligten gemeinsam zu
prüfen und vorzubereiten.
5 Aufnahme in Einrichtungen, Alltag und die Gestaltung von Über-
gängen
Bereits mit der Anfrage zur Aufnahme eines Kindes, Jugendlichen oder jungen Volljährigen
beginnt das Zusammenspiel aller am Prozess Beteiligten bei der Information und Rollenklä-
rung für die beginnende Hilfe. Um diese gelingend zu gestalten, unterstützt die Einrichtung
ihrerseits aktiv eine bewusste Auswahlentscheidung durch die Leistungsberechtigten und
Leistungsempfänger. Dabei sollen die sorgeberechtigten Eltern sowie das Kind oder Jugend-
liche gleichermaßen und gleichwertig im Fokus stehen. Im Einrichtungskonzept soll ein quali-
fiziertes Aufnahmeverfahren sowie Übergangsmanagementprozesse beschrieben sein
Junge Menschen und ihre Eltern erhalten vor Beginn der Hilfe alle Informationen über die
Einrichtung, die Rahmenbedingungen vor Ort und zum pädagogischen Konzept. Für wesent-
liche Informationen, wie bspw. über die Rechte in der Einrichtung, was mitgebracht werden
darf, zur Nutzung moderner Kommunikationsmedien, zur Bezugsbetreuung und zum Taschen-
geld, empfiehlt sich eine schriftliche Handreichung z. B. als Flyer.
Ein qualifiziertes Aufnahmeverfahren wird immer im Zusammenspiel aller Beteiligten im ju-
gendhilferechtlichen Dreiecksverhältnis gestaltet. Die Einrichtung soll vor Beginn der Hilfe alle
fallrelevanten Informationen zum jungen Menschen und seinem sozialen Umfeld sowie zum
bisherigen Bildungsverlauf, das Ressourcenblatt und entscheidende Gutachten vom Jugend-
amt erhalten. Darüber hinaus können vom Träger im Rahmen eines „Kennenlerngespräches“
auch Informationen von den Personensorgeberechtigten eingeholt werden.
Durch geeignete Willkommensrituale wird es dem jungen Menschen, seiner Herkunftsfamilie
und den in der Einrichtung Lebenden ermöglicht, sich auf die neue Situation einzustellen.
Um Beziehungsabbrüche zu vermeiden, sind im Zuge des Aufnahmeverfahrens verbindliche
Absprachen mit Kindertagesbetreuung, Schule, Ausbildungseinrichtungen, Ärzten und Thera-
peuten zu treffen. In diese Phase gehört das Angebot, sich möglichst eine Bezugsbetreuung
auswählen zu können. Das Bezugsbetreuungssystem ist in der Einrichtungskonzeption darzu-
legen.
Gleiches gilt auch für die konzeptionelle Beschreibung in Bezug auf die Organisation des All-
täglichen. Neben dem Wohnen, der Unterstützung in der Schule und Ausbildung sowie der
Freizeitgestaltung steht insbesondere die individuelle Entwicklungsförderung der jungen Men-
schen, insbesondere im Kontext der Hilfeplanziele, im Fokus. Eine lebensweltorientierte Hilfe

| 15
zur Erziehung in Wohngemeinschaften schließt die Ausgestaltung des Alltags im Gruppenkon-
text ein. Analog familiärer Strukturen erfordert die zeitliche Koordinierung eine effektive Pla-
nung durch die Verantwortlichen. Zur Bewältigung täglicher Erledigungen, Terminen, Freizeit-
gestaltungen und individueller Förderungen bieten sich genaue Absprachen zwischen den
Akteuren an. Regelmäßig wiederkehrende Aufgaben, wie Lebensmitteleinkäufe, Haushalts-
führung und Essenszubereitung sollten innerhalb des Tages- und Wochenablaufs festgelegt
sein. Dies schafft gezielt Zeiträume für eine individuelle Freizeitgestaltung und nicht alltäglich
anfallende Aufgaben. Dabei sollen die jungen Menschen stets an der Ausgestaltung des All-
tags beteiligt werden, wobei auch auf ethische und migrationssensible Besonderheiten zu ach-
ten ist.
Die Gestaltung des Auszugs aus der Einrichtung und der Übergangsbegleitung in ein anderes
Lebensumfeld ist ebenfalls im Konzept zu beschreiben. Als Qualitätsschwerpunkt zum Ende
der Hilfe werden das Vorhandensein geeigneter Beziehungsnetzwerke des jungen Menschen
und seiner Familie betrachtet. Sie sind die Voraussetzung für einen gelingenden Übergang
zurück in die Herkunftsfamilie, in Vollzeitpflege oder in die Selbständigkeit.
Für Jugendliche und junge Volljährige, die in die Selbständigkeit verabschiedet werden, ist ein
kontinuierlicher Kontakt zur Einrichtung und ggf. Nachbetreuung sinnvoll. In der Konzeption
sind konkrete Formen der Care-Leaver-Begleitung zu beschreiben, die es Jugendlichen nach
der Hilfe ermöglichen, Angebote der Einrichtung oder des Trägers zu nutzen.
Die Einrichtung trägt eine große Verantwortung beim Gestalten des Übergangs in die Leis-
tungszuständigkeit eines anderen Kostenträgers. Dazu sind rechtzeitig Netzwerke aufzubauen
und Kontakte herzustellen, um die Hilfen aufeinander abzustimmen.
Zum Fördern der Persönlichkeitsentwicklung und Verstehen der eigenen Lebensgeschichte
gehören Formen der Biografiearbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die damit verbundenen
Erinnerungen und Fotos, Bilder und Dokumente aus der Zeit in der Einrichtung, sollten zum
Ende der Hilfe in einem angemessenen Rahmen übergeben werden.
6 Individuelle Hilfegewährung und institutionsübergreifende Zu-
sammenarbeit
6.1 Das Hilfeplanverfahren
Die öffentlichen Träger der Jugendhilfe sind gemäß § 85 Abs. 1 SGB VIII für die Gewährung
individueller Hilfen zur Erziehung und für die Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII zuständig.
Die Hilfeplanung ist der Gesamtprozess von der Beratung und Beteiligung über die Bedarfs-
feststellung und Aufstellung des Hilfeplans bis hin zur Beendigung einer Hilfe.
Im Hilfeplan wird die Bewilligung der Leistung begründet und dokumentiert. Er beinhaltete die
Ziele und die Handlungsschritte, belegt die Einbeziehung der Fallbeteiligten sowie die gemein-
sam identifizierten Problemfelder und Lösungsansätze.
Die Entwicklungen seit dem letzten Planungsgespräch werden in Form einer angemessenen
Berichtslegung ausgehend von den vereinbarten Zielen reflektierend dargelegt. Bei einer not-
wendig, weiterführenden Hilfe werden in der Hilfeplanfortschreibung die Ziele konkretisiert.
Gute Zielvereinbarungen sind SMART: spezifisch (konkret), messbar, attraktiv, realistisch (er-
reichbar) und (zeitlich) terminiert. Sie sind positiv und genau formuliert und definieren Verant-
wortlichkeiten unter den Beteiligten.

16 |
Die Einrichtung bereitet das Hilfeplangespräch mit den jungen Menschen und, wenn möglich,
seinen Personensorgeberechtigten vor und nach. Sie achtet darauf, dass sie ihre Bedürfnisse,
Einschätzungen und Erwartungen darstellen können und damit auch ernst genommen werden.
Zu den Aufgaben der Bezugsbetreuung gehören u.a. das gemeinsame Besprechen des Ent-
wicklungsberichtes bevor dieser an das Jugendamt oder andere Empfänger weitergeleitet wird
und damit der junge Mensch die Möglichkeit zur Umformulierung erhält, das Einschätzen der
Ziel-erreichung aus Sicht des jungen Menschen sowie der Einrichtung und das gemeinsame
Entwickeln neuer Ziele.
6.2 Institutionsübergreifende Zusammenarbeit zur individuellen Hilfege-
staltung
6.2.1 Allgemeine Grundsätze
Eine institutionsübergreifende Zusammenarbeit meint Kooperationen, deren Funktionieren
eine Klärung der Möglichkeiten und Grenzen der beteiligten Partner voraussetzt. In der Zu-
sammenarbeit gilt der Grundsatz des Festlegens und Verabredens mit dem Ziel, die Hilfe für
den jungen Menschen und die Eltern bzw. Personensorgeberechtigen zielführend zu gestal-
ten. Sie stehen im Mittelpunkt.
Aus der gemeinsamen Verantwortung des örtlichen öffentlichen Jugendhilfeträgers, der Ein-
richtung, der Kindertageseinrichtung, Schule oder Ausbildungseinrichtung sowie ggf. der Kin-
der- und Jugendpsychiatrie ergibt sich die Notwendigkeit einer intensiven fallbezogenen Zu-
sammenarbeit. Das Abstimmen von Problemlösungsansätzen, Ziel und Handlungsschritten
sind vor allem in der Anfangsphase wichtig. Die Verständigung auf eine geeignete Form der
Zusammenarbeit im regionalen Wirkungsgebiet der einzelnen Partner schafft dafür gute Vo-
raussetzungen.
Wesentliche Bedingungen einer gelingenden Kooperation sind
-
die Kenntnis des Auftrags und der Möglichkeiten der anderen Partner,
-
die Lebenssituation und der Hilfebedarf des jungen Menschen als Ausgangspunkt und
Grundlage der Zusammenarbeit zu betrachten,
-
das systemische Verstehen des Falls und der Rollen von Fallbeteiligten,
-
die ausgehandelte Kooperation an Stelle von Überweisung bzw. Zuweisung an Andere,
-
die partnerschaftliche Zusammenarbeit durch Herausarbeiten gemeinsamer Überzeugun-
gen, Ziele und Auffassungen,
-
das gegenseitige Vertrauen durch Klarheit, Verlässlichkeit und regelmäßiges Auswerten
der Zusammenarbeit zu befördern,
-
die Vereinbarungen für den Umgang mit Krisen und Fehlern zu verankern,
-
das regionale Entwickeln von Handlungsleitfäden der Zusammenarbeit,
-
dass die Leitung jedes Partners Verantwortung für die Zusammenarbeit übernimmt.
Über die folgenden wesentlichen Grundlagen für Hilfeplanung und Fallkonferenzen sollen sich
die Partner verständigen und vereinbaren:
-
die Zielgruppe und das Ziel der Zusammenarbeit,
-
die Kooperationspartner mit ihrem Leistungsauftrag und Handlungsmöglichkeiten,
-
die kooperativ getragenen Strukturen,
-
die vereinbarten Verfahren mit Abläufen und Fristen, insbesondere für Fallkonferenzen,
-
die verantwortlichen Ansprechpartner mit Zeitressourcen und Vertretung, Fallmoderation,
-
die Zusammenarbeit in Krisenfällen und der Umgang mit Konflikten,
-
das Verfahren zur Ergebniskontrolle,
-
die Laufzeit sowie die Auswertung der Zusammenarbeit und Fortschreibung.

| 17
In den stationären Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung sind Zeitressourcen für die verlässli-
che Zusammenarbeit mit externen Partnern einzuplanen.
6.2.2 Zusammenarbeit mit dem örtlichen öffentlichen Träger der Jugend-
hilfe
Im § 4 SGB VIII wird die partnerschaftliche Zusammenarbeit der öffentlichen mit der freien
Jugendhilfe zum Wohle der jungen Menschen zwingend vorausgesetzt.
Zur Wahrnehmung der Gesamtverantwortung nach § 79 SGB VIII durch den örtlichen öffentli-
chen Träger der Jugendhilfe gehören
-
regelmäßig über die Bedarfsentwicklung in der Hilfe zur Erziehung und die Entwicklung
von vorhandenen Einrichtungen und Diensten zu informieren,
-
eine qualifizierte Bedarfsplanung für ambulante Dienste und Impulse für die Konzept- und
Kapazitätsentwicklung in Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung unter Einbezug der aner-
kannten freien Träger der Jugendhilfe im Rahmen der Jugendhilfeplanung,
-
strukturelle und materielle Voraussetzungen für bedarfsgerechte Leistungen im Einzelfall
durch die Vereinbarungen nach § 78b SGB VIII und eine entsprechende kommunale
Haushaltsplanung zu schaffen,
-
den fachlichen Austausch und den Qualitätsdiskurs in Arbeitsgemeinschaften nach § 78
SGB VIII zu befördern.
Freie Träger der Kinder- und Jugendhilfe sind als Träger von Einrichtungen über Tag und
Nacht sowie sonstige betreute Wohnformen nicht unmittelbar an die örtliche Planung gebun-
den. Sie haben die Aufgabe, ihre Einrichtungsstrukturen und -konzepte nach Bedarf zu gestal-
ten und deren Qualität im Dialog mit dem örtlichen öffentlichen Träger weiter zu entwickeln.
Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass verschiedene Einrichtungen und konzeptio-
nelle Angebote zur Verfügung stehen, um den jungen Menschen und ihren Eltern bzw. Sorge-
berechtigten Wunsch und Wahl nach individuellem Bedarf zu ermöglichen.
6.2.3 Zusammenarbeit mit Kita, Schule und Ausbildungseinrichtungen
Die Zusammenarbeit mit der jeweiligen Tages- bzw. Bildungseinrichtung sollte mit Beteiligung
der Eltern bzw. Sorgeberechtigten von folgenden Absprachen und Vereinbarungen getragen
sein:
-
Jeder benennt Ansprechpartner und deren Erreichbarkeit.
-
Unter Beteiligung der Kinder und Jugendlichen sowie ihrer Eltern finden regelmäßige Ab-
sprachen statt.
-
Es gibt ein abgestimmtes Verfahren für Notfälle.
-
Die Tages- bzw. Bildungseinrichtung nimmt bei Bedarf an Hilfeplangesprächen und Fall-
konferenzen teil.
-
Es gibt eine Verfahrensabstimmung für den Umgang mit Konflikten.
Zu den Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung in Abstimmung mit den Eltern bzw.
Personensorgeberechtigten gehören insbesondere,
-
einen engen Kontakt zur Bildungseinrichtung zu halten und Übergänge gut zu begleiten,
-
regelmäßige Gespräche über soziale Integration und Leistungsentwicklung zu führen,
-
an Elternabenden, Elternsprechstunden und ggf. Lehrerkonferenzen teilzunehmen,
-
die Teilnahme der Kinder und Jugendlichen an schulischen Projekten, Klassenfahrten
und Wanderfahrten zu ermöglichen,
-
ggf. notwendige zusätzliche Lernangeboten zu organisieren.

18 |
6.2.4 Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie
Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP)
soll so kurz wie möglich und nach Ausschöpfung aller anderen ambulanten Behandlungs-mög-
lichkeiten, wie z. B. in Institutsambulanzen sowie durch niedergelassene Fachärzte und Thera-
peuten in Anspruch genommen werden. Im Einzelfall kann die Kinder- und Jugend-psychiatrie
eine kontinuierliche Betreuung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in der stationä-
ren Hilfe zur Erziehung vorrübergehend unterstützen.
Die Jugendhilfeeinrichtungen haben die Aufgaben,
-
nach einer stationären Aufnahme von Kindern und Jugendlichen in Folge von Krisen zeit-
nahe Absprachen mit der KJP und den Eltern über den weiteren Behandlungsverlauf und
dessen voraussichtliche Dauer zu führen,
-
bei geplanten stationären Aufnahme in die KJP, in Absprache mit dem fallführenden Ju-
gendamt, engen Kontakt zur Schule bzw. Ausbildungseinrichtung zu halten und die Über-
gänge gut zu begleiten,
-
regelmäßigen Kontakt zu den jungen Menschen zu halten, sie in der KJP zu besuchen,
-
den Kontakt zu den Fachkräften der KJP zu pflegen und an Beratungen teilzunehmen.
7 Kindeswohl und Schutz vor Gewalt in Einrichtungen
Die bekannt gewordenen Skandale um die Misshandlungen und Missbräuche von Kinder und
Jugendlichen in den 50er/60er Jahren in Westdeutschland, bis 1990 auch in der DDR sowie
in der jüngeren Vergangenheit verdeutlichen, dass Kinder und Jugendliche in Einrichtungen
der Kinder- und Jugendhilfe in die Gefahr geraten können, verletzt und unwürdig behandelt zu
werden
12
.
Macht spielt gerade in stationären Einrichtungen eine herausragende Rolle
13
. Machtüber-
hänge von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen sind die Regel in pädagogi-
schen Settings
14
. Ulrike Urban-Stahl spricht von einer, in der Grundstruktur der Beziehung
zwischen Fachkräften und zu Betreuenden angelegten, „strukturellen Machtasymmetrie“
15
. Er-
wachsene in der Heimerziehung haben deutungsmächtige Positionen. Sie sind für das Setting
der pädagogischen Hilfeform maßgeblich verantwortlich. Pädagogische Prozesse sind darauf
angewiesen, dass sie von Beziehungen zwischen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen
getragen sind. Dies braucht eine solidarische Zuwendung und nötige Nähe und Direktheit zwi-
schen Erwachsenen und jungen Menschen. (Sozial-)Pädagogik wird wirksam durch professi-
onelle Nähe und nicht durch professionelle Distanz.
Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung sollen sichere Orte für Kinder und Jugendliche sein. Die
notwendige professionelle Nähe erfordert daher einen intensiven Aushandlungsprozess zu
den Handlungsoptionen von Erwachsenen zum Schutz der zu Betreuenden vor Gewalt, die
gemäß § 45 SGB VIII im Einrichtungskonzept zu verankern sind.
12
vgl. Wensierski 2006; Wolff 2014: 209ff.; AGJ 2010; BMJ, BMFSFJ, BMBF 2011; Hoffmann 2013; Wolff 2015; Helming 2013;
Böllert/Wazlawik 2014
13
Noack 2012: 40f.; Steinacker 2012: 21f.; Weber 1980, 28; Inhetveen 2008: 254
14
Jann 2014: 28
15
Urban-Stahl 2011: 9f.

| 19
7.1 Schutz vor Gewalt von Kindern und Jugendlichen in Jugendhilfeein-
richtungen
Vorkehrungen und Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen
über Tag und Nacht und sonstiger betreuter Wohnformen vor Gewalt sind nach §§ 45 und 79
SGB VIII vorgeschrieben. Sie sind ein notwendiges Qualitätsmerkmal und sollen dazu beitra-
gen, Haltungen und Verhalten zu reflektieren, um handlungsleitende Orientierung zu geben.
Das Schutzkonzept soll dafür sorgen, dass die stationäre Erziehungshilfe keinen Raum für in
Beziehungen grenzverletzendes Verhalten, Übergriffe und Gewalt bietet. Insbesondere vor
dem Hintergrund bereits andernorts von Kindern und Jugendlichen erlebter Gewalterfahrun-
gen ist es unerlässlich, dass die Einrichtungen zu sicheren Lebensorten für ihre Adressaten
werden, in denen sie sich jemanden anvertrauen können.
Die alltagswirksame Einbindung in die Konzeption entfaltet ihre Wirkung auf der Grundlage
der im Konzept und im pädagogischen Alltagshandeln eingebundenen Sicherung der Rechte
sowie der Beteiligung von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen. Das Bekenntnis zu
diesen Grundsätzen soll in das Leitbild des Einrichtungsträgers eingebunden sein.
7.2 Leitfragen zum Entwickeln von Schutzkonzepten
7.2.1 Einbinden des Schutzes vor Gewalt in das Einrichtungskonzept
Die Entwicklung und Realisierung von Vorkehrungen und Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt
ist eine Aufgabe der Einrichtungsleitung, wobei alle Mitarbeitenden sowie die Kinder, Jugend-
lichen und ggf. deren Eltern beteiligt werden sollen
16
.
Die präventiven Maßnahmen sowie die geplanten Interventions- und Aufarbeitungsabläufe
zum Schutz vor Gewalt sollen in das Einrichtungskonzept eingebunden und alltagswirksam
werden. Sie sind in regelmäßigen Abständen unter Beteiligung der Mitarbeitenden und der
jungen Menschen zu überprüfen.
Die Prüfung und Weiterentwicklung kann anhand folgender Leitfragen erfolgen:
-
Ist die gesetzlich vorgeschriebene Vereinbarung zum § 8a Abs. 4 SGB VIII mit dem zu-
ständigen örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe allen Mitarbeiter/Innen bekannt?
-
Sind die einrichtungsinternen Kinderschutzprozesse entsprechend der Vereinbarung
zum § 8a SGB VIII mit dem zuständigen örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe
vereinbart?
-
Wird regelmäßig eine Gefährdungsanalyse der Kinderschutzprozesse durchgeführt?
-
Gibt es klare Verfahrensabläufe und Informationswege zum Thema Kinderschutz?
-
Sind Themen wie Sexualität, Medien, Sucht und Schutz vor Gewalt im Einrichtungskon-
zept deutlich benannt?
-
Wird vor Neueinstellung von Personal das erweiterte Führungszeugnis geprüft?
-
Gibt es ausreichend Fortbildungen zum Thema Kinderschutz?
-
Werden Ehrenamtliche, Paten, zusätzliche Helfer im Sinne des Kinderschutzes überprüft
und jährlich und fortgebildet?
16
vgl. Wolff u.a. 2017

20 |
7.2.2 Grenzen in Beziehungen achten
-
Wie wird mit den Wünschen der Kinder und Jugendlichen nach Nähe und Distanz umge-
gangen?
- Gibt es in der Einrichtung eine gelebte „Kultur der Achtsamkeit“?
-
Gibt es ein Konzept bzw. einen Verhaltenskodex zum Gestalten der professionellen
Nähe als Orientierungsrahmen für die Mitarbeitenden?
-
Wird der regelmäßige fachliche Austausch zu Themen wie Privatsphäre, Körperkontakt
und Grenzüberschreitung in Beziehungen gepflegt?
-
Welche Regelungen gibt es bezüglich des Kontakts der Mitarbeitenden außerhalb der
Dienstzeit zu den Kindern und Jugendlichen?
7.2.3 Verfahrensablauf bei vermuteten Übergriffen und Machtmiss-
brauch
-
Gibt es eine Verfahrensfestlegung der Einrichtungsleitung bei vermuteten Übergriffen
und Machtmissbrauch?
-
Gibt es klare und schriftlich fixierte Absprachen für Handlungsabläufe in solchen Fällen,
die allen Mitarbeitenden bekannt sind?
-
Werden die Festlegungen in regelmäßigen Abständen unter Beteiligung der Mitarbeiten-
den überprüft und weiterentwickelt?
-
Welche Regelungen gibt es zur Rehabilitation bei ungerechtfertigten Anschuldigungen?
-
Bestehen unabhängige und niederschwellige Kontakt- und Beschwerdemöglichkeiten, an
die sich betroffene Kinder und Jugendliche sowie Mitarbeitende wenden können, die ei-
nen erlittenen oder wahrgenommenen Übergriff oder Missbrauch anzeigen wollen?
-
Bestehen in einem solchen Fall verbindliche und nachvollziehbare Verfahren, die eine
Weiterleitung und Bearbeitung der Anzeige garantieren?
7.3 Meldepflichten
Gemäß
§ 47 Satz 1 Nr. 2 SGB VIII
hat der Träger einer erlaubnispflichtigen Einrichtung der
zuständigen Behörde unverzüglich Ereignisse oder Entwicklungen anzuzeigen, die geeignet
sind das Wohl der Kinder und Jugendlichen zu beeinträchtigen. Die Regelung soll sicherstel-
len, dass möglichst frühzeitig Gefährdungssituationen oder negativen Entwicklungen entge-
gengewirkt werden kann.
Der Gesetzgeber differenziert nach zwei Meldetatbeständen, zum einen nach Ereignissen und
zum anderen nach Entwicklungen, die geeignet sind das Wohl der Kinder und Jugendlichen
zu beeinträchtigen. Zu diesen besonderen Vorkommnissen zählen beispielsweise schwere
Unfälle oder Krankheiten, Fehlverhalten von Mitarbeitenden mit gegebenenfalls strafrechtli-
cher Bedeutung sowie Gefährdungen, Schädigungen und Verstöße durch zu betreuende Kin-
der und Jugendliche.
Generell sind kindeswohlbeeinträchtigende Ereignisse oder Entwicklungen solche, die nicht
oder nicht mehr dem alltäglichen und somit als regulär zu bezeichnenden Einrichtungsbetrieb
zugerechnet werden können.
Die Verantwortung für die Einschätzung, ob ein meldepflichtiger Tatbestand gegeben ist, liegt
beim Einrichtungsträger. Die Meldung ist Grundlage für die Beratung, Prüfung und Bewertung
des Sachverhaltes durch die Betriebserlaubnisbehörde. Sie dient ebenso der Beratung zur
Reflexion der bestehenden Rahmenbedingungen.

| 21
Der Sachverhalt und die Ergebnisse der Bewertung durch die Behörde werden mit dem Ein-
richtungsträger aufgearbeitet, beraten und geklärt. Ziel ist es, eine Kultur der Kommunikation
und des Dialogs zwischen dem Träger und der Betriebserlaubnisbehörde zu entwickeln, um
den kindeswohlgerechten Einrichtungsbetrieb zu sichern.
Gemäß § 47 SGB VIII sind Ereignisse oder Entwicklungen, die geeignet sind das Wohl der
jungen Menschen zu beeinträchtigen, durch den Einrichtungsträger gegenüber der Betriebs-
erlaubnisbehörde, den Personensorgeberechtigten sowie dem fallverantwortlichen und dem
für die Einrichtung örtlich zuständigen öffentlichen Träger der Jugendhilfe zu melden.
8 Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten
Gemäß
§ 8 Abs. 1 SGB VIII
haben Kinder und Jugendliche eigene Beteiligungsrechte:
Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden
Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf
ihre Rechte im Verwaltungsverfahren sowie im Verfahren vor dem Familiengericht und dem
Verwaltungsgericht hinzuweisen.
Gemäß § 9 Nr. 2 SGB VIII ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an Entscheidun-
gen voran zu bringen und nachhaltig zu verwirklichen:
Bei der Ausgestaltung der Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sind [...] 2. die wachsende
Fähigkeit und das wachsende Bedürfnis des Kindes oder des Jugendlichen zu selbständigem,
verantwortungsbewusstem Handeln sowie die jeweiligen besonderen sozialen und kulturellen
Bedürfnisse und Eigenarten junger Menschen und ihrer Familien zu berücksichtigen.
Beteiligung soll an der Lebenswelt junger Menschen ansetzen, alters-, alltags- und handlungs-
orientiert sein und Raum geben für die eigenverantwortliche Gestaltung. Gesellschaftliche In-
tegration, als gleichberechtigte Teilhabe, Mitwirkung und Verantwortung von Menschen unter-
schiedlicher sozialer Herkunft, ist Beteiligung und Demokratie im besten Sinne.
Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren sichern die Rechte von Kindern und Jugendlichen.
Sie sind als notwendige Mindestanforderungen an den Betrieb von Einrichtungen im Konzept
zu verankern und im pädagogischen Alltagshandeln zu verwirklichen
17
. Ausgehend vom Leit-
bild/Menschenbild des Trägers soll die Konzeption darüber Auskunft geben, wie die formulier-
ten Beteiligungsziele in praktisches pädagogisches Handeln umgesetzt werden.
Wirksame Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten können jungen Menschen Selbstwirk-
samkeitserfahrungen vermitteln, die positive Wirkungen für ihre weitere Lebensperspektive
entfalten. Beteiligung und Beschwerde sind zudem wirksame Mittel, Machtmissbrauch in Ein-
richtungen präventiv zu begegnen
18
.
8.1.1 Merkmale eines wirksamen Beteiligungs- und Beschwerdekon-
zepts
Im Konzept und im Alltagshandeln verankerte Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten sind
durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
17
siehe BAG LJÄ 2013: Beteiligungs- und Beschwerdeverfahren im Rahmen der Betriebserlaubniserteilung für Einrichtungen der
Erziehungshilfe.
18
ebd.

22 |
1. Jeder junge Mensch kennt seine Rechte.
2. Die jungen Menschen kennen ihre Beteiligungs- und Mitbestimmungsmöglichkeiten
und können diese aktiv ausüben. Sie werden u. a. aktiv an der Vorbereitung und Durch-
führung der Hilfeplangespräche beteiligt.
3. Im Alltag der Einrichtung gibt es vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten. Die Einrichtung
entwickelt diese kontinuierlich weiter und dokumentiert diese Prozesse.
4. Die Einrichtung verfügt über passende Beteiligungs- und Mitbestimmungsverfahren.
Es gibt verlässliche Orte und Zeiten, an denen Beteiligung und Mitbestimmung auf al-
len Ebenen der Einrichtung ausgeübt werden können.
5. Das Beteiligungskonzept passt zur pädagogischen Konzept und zum Leitbild und dif-
ferenziert zwischen verschiedenen Zielgruppen.
6. Die Umsetzung des Beteiligungskonzeptes (Methoden, Prozesse und Ergebnisse) und
die Nutzung von Beschwerdemöglichkeiten werden kontinuierlich dokumentiert.
7. Die Einrichtung reflektiert die Beteiligungserfahrungen regelmäßig und nutzt sie als ler-
nende Organisation im Sinne der Qualitätsentwicklung.
8. Jeder junge Mensch kann sich beschweren und kennt die Möglichkeiten und Wege. Er
hat ein Recht darauf, eine zeitnahe Rückmeldung zu seiner eingereichten Beschwerde
zu erhalten, unabhängig davon, an welche Person bzw. Institution er sich gewandt hat.
9. Das Beteiligungskonzept und das Beschwerdekonzept sind mit Ressourcen und Zu-
ständigkeiten hinterlegt.
8.1.2 Weiterentwicklung des Beteiligungs- und Beschwerdekonzept
Das Beteiligungs- und Beschwerdekonzept soll im Team der Fachkräfte unter Einbezug von
Kindern und Jugendlichen anhand folgender Orientierungsfragen geprüft und weiterentwickelt
werden.
Alle Formen und Methoden der
Beteiligung
sollten im Konzept verankert sein:
-
Kennen die Fachkräfte die Rechte von Kindern und Jugendlichen?
-
Sind die Kinder und Jugendlichen über Kinderrechte, ihre Rechte in der Einrichtung und
ihre Rechte im Verfahren der Hilfeplanung informiert? In welcher Form?
-
Ist Beteiligung der Adressat/Innen im Rahmen der Hilfe- und Erziehungsplanung für alle
Beteiligten handlungsleitend?
-
Gibt es ein Einvernehmen zwischen den Fachkräften über die Rechte von Kindern und
Jugendlichen?
-
Werden die für alle geltenden Verhaltensregeln in der Einrichtung gemeinsam mit Kin-
dern und Jugendlichen entwickelt?
-
Gibt es individuelle und gruppenbezogene Beteiligung in Alltagsfragen?
-
Gibt es in der Einrichtung gruppenbezogene und –übergreifende Gruppengespräche und
Seminare zur Verwirklichung von Beteiligung?
-
Gibt es ein Beteiligungsgremium der Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung bzw.
einrichtungsübergreifend beim Einrichtungsträger?
-
Werden die Methoden zur Beteiligung der Kinder und Jugendliche und ihrer Eltern regel-
mäßig evaluiert?
Alle Formen und Methoden der
Beschwerdemöglichkeiten
sollten im Konzept verankert
sein:
-
Gibt es Beschwerdemöglichkeiten und sind sie allen Mitarbeitenden und Adressat/Innen
in der Einrichtung bekannt?
-
Gibt es unterschiedliche Beschwerdemöglichkeiten und -wege und stehen diese allen zur
Verfügung?

| 23
-
Gibt es eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit, die transparent gestaltet ist und Beschwer-
demöglichkeiten offeriert?
-
Werden Kinder und Jugendliche regelmäßig zu ihrer Zufriedenheit befragt? Intern und
extern?
-
Gibt es innerhalb und außerhalb der Einrichtung für Kinder und Jugendliche vertrauens-
würdige Ansprechpartner für Beschwerden?
-
Gibt es klare und bekannte trägereigene Beschwerdemöglichkeiten für Adressat/Innen,
Mitarbeitende und Kooperationspartner?
9 Eltern- und Familienarbeit
Eltern bleiben Eltern, sie gehören zur Lebenswelt ihrer Kinder, ganz gleich, ob sie nahe der
Einrichtung oder weiter entfernt leben. Die soziale Bindung zu ihnen hat eine große Bedeutung
für das Selbstverständnis und die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Die stationären Einrichtungen sollen ihren Erziehungsauftrag so wahrnehmen, dass sie die
Eltern-Kind-Beziehung erhalten und in ihrer Entwicklung befördern. Dies gilt auch bei Eingrif-
fen in das Sorgerecht unter ausreichender Berücksichtigung des Schutzes von Kindern und
Jugendlichen.
Die Eltern- und Familienarbeit zielt darauf ab, dass sowohl die Eltern als auch das Kind bzw.
der oder die Jugendliche das Leben in der Einrichtung als Hilfsangebot annehmen und akzep-
tieren können. Die Eltern sollen ihre Sorge- und Erziehungsverantwortung weiter wahrneh-
men, wieder stärker übernehmen oder nach individuellem Bedarf zum Wohl des Kindes auch
gut an die stationäre Einrichtung oder eine Pflegefamilie abgeben können. Die sozialpädago-
gischen Fachkräfte sollen daher besonderes Augenmerk auf den Umgang mit den Eltern und
den Familien legen.
Die mit der Bezugsbetreuung beauftragten Fachkräfte begleiten die jungen Menschen dabei,
die Beziehung zu den Eltern und ihre Rolle als Kind verstehend zu reflektieren, Konflikte zu
bearbeiten und Perspektiven des Gelingens zu entwickeln. Sie haben nach § 9 Nr. 1 SGB VIII
die Aufgabe, sowohl Familientraditionen zu kennen und zu achten, als auch in Frage zu stel-
len, wenn diese dem Kindeswohl nicht dienlich sind.
In der Arbeit mit den Eltern gilt es Vertrauen zu gewinnen, als Erziehende nicht in Konkurrenz
zu ihnen zu treten und gemeinsam Lösungen für die künftige Eltern-Kind-Beziehung zu erar-
beiten.
Es bedarf einer ressourcenorientiert beteiligenden Haltung der sozialpädagogischen Fach-
kräfte gegenüber den Eltern. Notizen und Berichte an den fallzuständigen örtlichen öffentlichen
Träger der Jugendhilfe bzw. andere fallbeteiligte Institutionen sollen nicht allein für die jungen
Menschen, sondern auch für die Eltern einsehbar und transparent sein. Sie sollen nicht ohne
Einverständnis der Eltern an Dritte übermittelt werden.
Eine offene Teamkultur, kollegiale Beratung und Supervision dienen der Bearbeitung von Rol-
len- und Loyalitätskonflikten in der Beziehungsgestaltung zu jungen Menschen.
Eltern-Kind-Kontakte sollen immer unter dem Aspekt des Kindeswohls vorbereitet und beglei-
tet werden. Für alle Beteiligten transparente Regelungen und Vereinbarungen sorgen insbe-
sondere dann für Klarheit und Vertrauen, wenn Kinder in der Begegnung mit den Eltern in
besonderen Situationen einer intensiven Begleitung zu ihrem Schutz bedürfen.

24 |
Der lebensweltorientierte Ansatz der Elternarbeit soll im Einrichtungskonzept verankert und
methodisch beschrieben sein.
Die verschiedenen Formen der Elternarbeit reichen von der laufenden Information in regelmä-
ßigen Gesprächen, in Telefonaten und per schriftlicher Kommunikation bis zu regelmäßigen
Kontakten und Aktivitäten im Alltag der Kinder und Jugendlichen. Die elterliche Verantwor-
tungsübernahme für die alltäglichen Aufgaben der Erziehung wie Termine in der Kita und der
Schule oder bei Ärzten und Therapeuten sowie der Einkauf von Kleidung und persönlichen
Alltagsgegenständen der Kinder sollte befördert werden.
Eltern kann nicht nebenbei von einer Fachkraft im Gruppendienst erledigt werden. Sie erfordert
den Einsatz von personellen Ressourcen und je nach Konzept auch einen Wohn- bzw. Bera-
tungsraum in der Einrichtung. Die konkrete Planung soll davon ausgehend erfolgen.
10 Medienerziehung in der stationären Erziehungshilfe
10.1 Medienkompetenz in von digitaler Kommunikation geprägte Lebens-
welten
Medienkompetenz ist eine Ausformulierung der kommunikativen Kompetenz unter den Bedin-
gungen der mediatisierten Gesellschaft. Kommunikative Kompetenz bezeichnet dabei die Fä-
higkeit eines Menschen sich am gesellschaftlichen Diskurs gleichberechtigt zu beteiligen, und
diese mitzugestalten.
Somit ist Medienkompetenz zunehmend als Lebenskompetenz zu betrachten, die in einer me-
diatisierten Welt eingebettet und ausgerichtet in sozialer, gesellschaftlicher und medialer Ent-
wicklung als dynamischer Prozess zu betrachten ist. Sie ist eine auf das gesamte Leben aus-
gerichtete Fähigkeit zur Aneignung von Wissen, Umgang mit Informationen, Artikulierung, Par-
tizipation, Reflexion und Positionierung der eigenen Identität.
Digitale Kommunikation gehört zur Lebenswelt junger Menschen. Moderne Kommunikations-
medien ermöglichen ihnen die Zugehörigkeit zu Peergruppen, gestalten soziale Beziehungen
und stellen eine Form der gesellschaftlichen Teilhabe durch erhöhte Information und Beteili-
gung dar.
Mit Blick auf die Herausforderungen des Aufwachsens junger Menschen in digital vernetzten
Welten und der damit einhergehenden Verschränkung realer und virtueller Lebensräume von
jungen Menschen ergeben sich umfassende sozialpädagogische und bildungspolitische Auf-
gaben, denen sich die Hilfe zur Erziehung in Einrichtungen zunehmend öffnet.
Besonders in der Jugendphase stehen Aufgaben der Identitätsentwicklung, Entwicklung eige-
ner Werte, körperliche Entwicklung, Zugehörigkeit und Abgrenzung oder auch das Ablösen
von Eltern, Streben nach Autonomie, Sexualität und die erste Liebe im Fokus. In dieser Zeit
suchen junge Menschen ganz besonders die Orientierung in Bezug auf ihre eigene Positionie-
rung in der Interaktion und mit Hilfe realer und virtueller Kommunikation.
Dies bedeutet auch, dass das Handeln in sozialen Netzwerken und der Umgang mit Medien
eng mit der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben verbunden sind.

| 25
10.2 Mediennutzung zwischen Selbstbestimmung und Jugendschutz
Praxiserfahrungen, aber auch die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen, verweisen an-
schaulich auf die Herausforderung, Jugendschutz und jugendliche Selbstaneignung gleicher-
maßen im Blick zu behalten. Es gilt, einen Ausgleich zwischen dem Wunsch nach Selbststän-
digkeit und dem pädagogischen (Schutz-)Auftrag zu finden. In Bezug auf lebens-weltorien-
tierte Hilfe zur Erziehung und Schutzauftrag lassen sich hinsichtlich der digitalen Mediennut-
zung zwei teilweise unterschiedliche Perspektiven erkennen – beide sind gleichwohl wichtig.
Während Jugendliche entwicklungsbedingt nach Autonomie streben, fällt Fachkräften am öf-
fentlich verantworteten Lebensort Wohngruppe sowie in der Arbeit mit biografisch belasteten
Jugendlichen eine besondere Verantwortung zu. Fachkräfte entwickeln sensible Wahrneh-
mungen gegenüber dem Einfluss aggressiver Botschaften wie Lockanrufen, Distanzlosigkeit
in sozialen Netzwerken, Versenden von Gewalt- oder pornographischen Darstellungen sowie
gegenüber dem sorglosen Versenden von Fotos bzw. persönlicher Informationen, die Kinder
und Jugendliche in Schwierigkeiten bringen oder sogar Krisen auslösen können. Besonders
bei Kindern und Jugendlichen mit leidvollen Biografien sind Reinszenierungen von Schutzlo-
sigkeit und Ausbeutung nicht selten.
Hilfe zur Erziehung in stationären Einrichtungen, als eine die Eltern ersetzende Hilfe für bio-
grafisch belastete Kinder und Jugendliche – ist mit diesem Spannungsfeld konfrontiert und
sollte gezielt einrichtungsspezifische Konzepte vorhalten. Die Fachkräfte müssen sich über
Haftungsfragen, Jugendschutzbestimmungen und Sicherheitseinstellungen in Bezug auf Mo-
derne Kommunikationsmedien informieren. Technischer Jugendmedienschutz kann dabei
sinnvoll sein, reicht jedoch allein nicht aus und ersetzt kein adäquates pädagogisches Handeln
im Sinne einer modernen Medienarbeit, welche ihren Platz in allen Bereichen der Bildungs-
und Erziehungsarbeit von Kindern und Jugendlichen haben muss.
Der Einrichtungsträger ist verantwortlich für ausreichendes Wissen zur Nutzung moderner
Kommunikationsmedien und den damit im Zusammenhang stehenden rechtlichen Bestim-
mungen zum Datenschutz, Urheberrecht, Käuferschutz sowie zu Persönlichkeitsrechten ver-
fügen oder es sich leicht aneignen können.
Auf Grundlage der Konzeption der Einrichtung sollen die Fachkräfte eine Haltung zum Um-
gang mit modernen Kommunikationsmedien entwickeln und damit für alle Beteiligten transpa-
rente Orientierung.
Hierzu müssen die Bedürfnisse der Jugendlichen nach Autonomie erkannt, gewürdigt und in
Beziehung zum eigenen pädagogischen Auftrag gesetzt werden. Diese Herausforderung darf
allerdings nicht einseitig im Sinne einer Gefahrenabwehrpädagogik aufgelöst werden.
Das Erlernen eines selbst bestimmten, urteilsfähigen Umgangs mit Medien entsteht weder
durch stringente Bevormundung noch durch pädagogisches Ignorieren. Stattdessen müssen
die Fachkräfte einen pädagogisch verantworteten Rahmen für die stark individualisierten For-
men der Kommunikation ermöglichen.
Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung als Bildungsort sollen in den Alltag eingebundene medi-
ale Übungsmöglichkeiten anbieten. Gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen können
Faszination, persönliche Bedeutung, aber auch schlechte Erfahrungen diskutiert werden – mit
Lerneffekten für alle Beteiligten gleichermaßen. Eine vertrauensvolle Beziehung zu den jungen
Menschen ermöglicht es, Lernprozesse mit Geduld und Fehlerfreundlichkeit zu begleiten. Dar-
über hinaus benötigen Kinder und Jugendliche aber auch sozialpädagogische Fachkräfte, die
sich wenn nötig auch konfrontativ auf Problemlagen einlassen und zur Positionierung und Ori-
entierung zur Verfügung stehen.

26 |
11 Aspekte praktizierter Sexualpädagogik
Sexualerziehung gehört zur allgemeinen Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Aktiv und
altersgerecht über Sexualität zu sprechen, und nicht erst bei auftretenden Fragen und Konflik-
ten, trägt zum Vermeiden von Problemen bei. Pädagogische Fachkräfte sollen vermitteln, dass
Sexualität etwas ist, an dem jeder Freude haben kann, wenn er bzw. sie die Grenzen des
anderen respektiert
19
. Eine im pädagogischen Alltagshandeln wirksame Sexualpädagogik er-
fordert die Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung zur Sexualität und Sensibilität bezo-
gen auf das Geschlecht. Sexualität ist ein Thema, welches in allen Facetten der kindlichen
und jugendlichen Entwicklung eine Rolle spielt. Wissen zur sexuellen Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen nach Alter, Geschlecht und Entwicklungsstand ist daher für eine Differen-
zierung zwischen alters- und entwicklungsangemessenen, bedenklichen und gefährlichen se-
xuellen Verhalten unabdingbar.
11.1 Alltagspraktische Überlegungen
Der pädagogische Alltag mit Kindern und Jugendlichen kann die sexuelle Entwicklung in der
unterschiedlichen Ausprägung nicht außer Acht lassen. Um eine alters- und entwicklungsge-
rechte Sexualität zu ermöglichen und gleichzeitig den Schutz der Kinder und Jugendlichen
gewährleistet ist eine sensible Gestaltung baulicher und konzeptioneller Rahmenbedingungen
notwendig. Dazu gehören von innen abschließbare Bäder und Zimmer, Einzelzimmer für Kin-
der ab etwa 12 Jahren oder zumindest Doppelzimmer für Kinder und Jugendliche mit geringem
Altersunterschied sowie gleichgeschlechtliches Wohnen im Doppelzimmer ab dem Schulalter.
Dies dient dem Schutz und einer altersgerechten Privatsphäre bzw. Intimität.
Den Kindern und Jugendlichen soll Informationsmaterial zum Thema Sexualität, Liebe und
Beziehung zur Verfügung gestellt werden, ohne dass diese sich das einfordern müssen. Emp-
fehlenswert sind die Materialien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, welche
anschauliche, altersgerechte Unterlagen zur Verfügung stellt. Darüber hinaus ist die Ausei-
nandersetzung mit dem Thema Sexualität in Einzel- und Gruppengesprächen mit den Mitar-
beitenden erforderlich, um einen offenen, angstfreien Umgang zu ermöglichen. Empfehlens-
wert sind etwa altershomogene Gruppengespräche zu den verschiedenen Themen wie Weib-
lich-Männlich, Intimität, Verhütung, Sexualerziehung, Das-erste-Mal und Gesetze zum Schutz
der sexuellen Selbstbestimmung. Solche Gespräche sollen in regelmäßigen Abständen statt-
finden und den Kindern und Jugendlichen genügend Raum für offene Äußerungen und gleich-
zeitig Schamgrenzen lassen. Sexualität und ihre Grenzen sollen sich auch in den Verhaltens-
regeln widerspiegeln.
Für den Schutz der Kinder und Jugendlichen, aber auch für den Schutz der Fachkräfte in der
Einrichtung ist eine regelmäßige Belehrung neuer Mitarbeitender zum Umgang mit dem
Thema Sexualität unabdingbar. Dazu gehört der professionelle Umgang mit Nähe und Distanz,
welche die Beziehung zwischen den Fachkräften und den jungen Menschen bspw. hinsichtlich
Körperlichkeit, Privatsphäre, 1:1-Situationen definiert. Schutzkonzept und Handlungsrichtli-
nien bei vermutetem sexuellen Missbrauch sollen ebenfalls Thema sein. Die Belehrung ersetzt
weder die Weiterbildung der Fachkräfte und noch die Auseinandersetzung mit eigenen Hal-
tungen und Werten im Team.
19
Vgl. Sanderijn van der Doef

| 27
11.2 Wissen über Sexualität
11.2.1
Sexuelle Bildung
Sexuelle Bildung umfasst die Begleitung, Information und Unterstützung in sexuellen Lernpro-
zessen von Kindern und Jugendlichen. Diese müssen eingebettet sein in die individuelle Ent-
wicklungsbegleitung von Mädchen und Jungen. Dabei geht es auch um die Wissensvermitt-
lung auf der Grundlage pädagogischer Methoden und Konzepte. Ziel ist, die selbstverantwort-
liche Sexualität der Mädchen und Jungen zu fördern sowie ihre Vielfalt wahrzunehmen und zu
achten.
Die Mitarbeitenden benötigen dazu grundlegendes Wissen zur psychosexuellen und körperli-
chen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Sexuelle Bildung soll eigene Werte und Er-
fahrungen der jungen Menschen beachten sowie Toleranz, Gleichberechtigung und Respekt
vermitteln.
11.2.2
Sexualität
Sexualität ist Bestandteil der Identität des Menschen und wird wie diese kontinuierlich durch
individuelle, gesellschaftliche, soziale und religiöse Bedingungen beeinflusst und geprägt. Se-
xualität trägt demzufolge zur gesunden Entwicklung bei und ist untrennbarer Bestandteil des
Lebens von Kindern und Jugendlichen
20
. Sexuelle Gesundheit setzt eine positive und respekt-
volle Haltung zu Sexualität und sexuellen Beziehungen voraus. Dazu gehört die Möglichkeit,
angenehme und sichere sexuelle Erfahrungen zu machen, frei von Zwang, Diskriminierung
und Gewalt. Sexuelle Gesundheit lässt sich nur erlangen und erhalten, wenn die sexuellen
Rechte aller Menschen geachtet, geschützt und erfüllt werden
21
.“
In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen umfasst die Beschreibung von Sexualität in Ab-
grenzung zu sexualisierter Gewalt ein breites Spektrum an Empfindungen, Wahrnehmungen
und Handlungen. Dies begründet sich aus der Entwicklung von der kindlichen-, über die ju-
gendliche- hin zur Erwachsenensexualität. Demzufolge muss die Sexualität von Mädchen und
Jungen immer auf dem Hintergrund ihres Geschlechts, ihres Alters und ihres Entwicklungs-
standes betrachtet werden. Eine einheitliche Definition zum Begriff Sexualität ist aus diesen
Gründen nicht sinnvoll.
Das Verständnis von Sexualität sollte nicht allein auf sexuelle Handlungen Erwachsener ver-
engt werden. So benennt Sporken drei Ebenen jugendlicher Sexualität
22
:
-
Selbstdarstellung und geschlechtliche Lebensäußerungen des Individuums in Mimik,
Gestik, Kleidung und Haltung;
-
zärtliche Zuwendung, Flirten und Verliebt-Sein, die sich vor allem durch eine erotisch-
schwärmerische Beziehung zumeist ohne genitale Zärtlichkeit auszeichnen;
-
Genitalsexualität im engeren Sinn.
Die Mitarbeitenden sollen über Grundwissen zu abgrenzbaren Begriffen wie Doktorspiele im
Kindergarten- und beginnenden Grundschulalter oder Petting in der Pubertät verfügen. Jedes
Fachkräfteteam soll sich in Supervision oder Teamberatung mit Sexualität im Hinblick auf die-
betreuten Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen.
20
pro familia, Baden Würtemberg, 2016
21
WHO, 2011
22
Sporken 1974

28 |
11.2.3
Sexualisierte Gewalt
Wir sprechen von sexualisierter Gewalt, wenn eine Person eine sexuelle Handlung an oder
vor einem Kind vornimmt. Dies geschieht entweder gegen den Willen des Kindes und/oder die
Person nutzt ihre physische, psychische, kognitive (intellektuelle) oder/und sprachliche Über-
legenheit oder die Unwissenheit, das Vertrauen oder die Abhängigkeit eines Kindes zur Be-
friedigung der eigenen sexuellen und / oder emotionalen Bedürfnisse
23
. Der Gewaltbegriff stellt
im Gegensatz zu sexuellem Missbrauch oder sexuellen Grenzverletzungen in den Vorder-
grund, dass eine Person ihre Überlegenheit oder Macht über das Opfer ausnutzt.
11.2.4
Gesetzliche Grundlagen
Die Entwicklung der sexuellen Selbstbestimmung ist in unserer Gesellschaft an gesetzliche
Grundlagen gebunden. Sie sollen Kinder und Jugendliche vor sexualisierter Gewalt und Über-
griffen zu schützen. Dabei genießen Kinder einen besonderen rechtlichen Schutz. Das Wissen
über die gesetzlichen Regelungen zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nach §
174 ff. StGB gehört zur Einschätzung von Gefährdungen für das Kindeswohl. Da stationäre
Jugendhilfeeinrichtungen verschiedene Altersgruppen betreuen, müssen diese rechtlichen
Grundlagen zur sexuellen Selbstbestimmung konzeptionell und alltagspraktisch in der Betreu-
ung der Kinder und Jugendlichen ihren Niederschlag finden. Die gesetzlichen Bestimmungen
gehen davon aus, dass Kinder, also unter 14-jährige, vor sexuellen Handlungen insbesondere
mit Jugendlichen und Erwachsenen geschützt werden müssen. Die sexuelle Selbstbestim-
mung wird damit ab dem 14. Lebensjahr zugrunde gelegt.
12 Anforderungen an die Strukturqualität von Jugendhilfeeinrich-
tungen über Tag und Nacht und sonstigen betreuten Wohnfor-
men nach § 34 SGB VIII
Die Einrichtungskonzeption, in der die Maßnahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung
dargestellt sind, ist nach § 45 Abs. 3 SGB VIII eine wesentliche Voraussetzung für das Erteilen
einer Betriebserlaubnis.
Die Konzeption stellt nicht allein eine notwendige Voraussetzung für eine Betriebserlaubnis
dar, sie ist das regelmäßig zu überprüfende und fortzuschreibende Arbeitsinstrument des Trä-
gers und des Fachkräfteteams. In ihr bildet sich die Weiterentwicklung des pädagogischen
Ansatzes und der wesentlichen Prozesse und Verfahren ab.
12.1 Betriebliche Organisation
Im Kontext zu der staatlichen Aufsicht sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen zur Ertei-
lung der Betriebserlaubnis nach §§ 45 ff. SGB VIII zum Schutz von Kindern und Jugendlichen
in Einrichtungen über Tag und Nacht zu betrachten.
12.1.1
Standort
Die Wahl des Standorts richtet sich in der Hauptsache nach Zweck und Aufgabe der Einrich-
tung. Bei der Standortwahl sind insbesondere die Verkehrsanbindung an den öffentlichen Nah-
verkehr, die schulischen und beruflichen Gegebenheiten, die medizinisch- therapeutische Inf-
rastruktur sowie die soziale Integration in ein bestehendes Gemeinwesen von entscheidender
Bedeutung. Insofern ist auch die Nutzung und Ausgestaltung von Freiflächen für die pädago-
gische Arbeit von Bedeutung. In Bezug auf die Freiraumgestaltung im Außenbereich ist es von
23
Vgl. Bange/Deegner 1996

| 29
Vorteil, wenn entsprechend große Freiflächen unmittelbar an der Einrichtung zur Verfügung
stehen. Sofern nicht ausreichend Freiflächen zur eigenen Nutzung zur Verfügung stehen, ist
zu prüfen, inwieweit der Zugang zu Freispielflächen im Umfeld der Einrichtung erfolgen kann.
Standorte mit hohen Emission- und Lärmbelastungen sind nach Möglichkeit zu vermeiden.
Ländlich gelegene Einrichtungen mit eingeschränkter infrastruktureller Anbindung an das öf-
fentliche Nahverkehrsnetz hingegen bedürfen im Hinblick auf das Erreichen von alltagsrele-
vanten Institutionen sowie die Elternarbeit besonderer Überlegungen.
12.1.2
Räumliche Anforderungen
Raumprogramm und -ausstattung sowie technische Anlagen und Gegebenheiten müssen
baulich und funktional so beschaffen sein, dass sie den Bedürfnissen der jungen Menschen
und ihren Familien und der pädagogischen Zweckbestimmung entsprechen. Lebenswelt ori-
entierte Einrichtungen mit individuellen Strukturen sollen für junge Menschen einen adressa-
tengerechten Schutzraum bieten. Dementsprechend soll sich die Kapazität einer Einrichtung
am Alter und den Bedürfnissen der jungen Menschen orientieren und eine Gesamtgröße von
24 Plätzen nicht übersteigen.
Ruhe und Privatsphäre für alle Bewohner stellen prinzipielle Bedingungen dar. Das gemein-
same Wohnen von Jungen und Mädchen in unterschiedlichen Altersgruppen muss in allen
Bereichen auf diese Grundbedürfnisse abstellen. Die Zimmer sind zugleich Rückzugs-, Spiel-
und Lernort. Sie sind dementsprechend auszugestalten und auszustatten. Zumindest sollten
Jugendlichen und junge Volljährigen, entsprechend der Sozialisation bzw. des Wunsches nach
Privatsphäre, grundsätzlich Einzelzimmer gestellt werden. Für alle jungen Menschen ist jedoch
das Recht auf einen abschließbaren Schrank für seine persönlichen Dinge sicherzustellen.
Neben Gruppenräumen und Gruppenküchen sind je nach Bedarf und Altersstruktur Bereiche
zur Freizeitgestaltung vorzuhalten. In Bezug auf eine gelingende Elternarbeit empfiehlt es sich,
eigene Räume einschließlich Übernachtungsmöglichkeiten und separaten Sanitäreinrichtun-
gen einzuplanen. Für die Fachkräfte soll ein Beratungsraum, ein Bereitschaftsraum und ein
zusätzlicher Sanitärraum zur Verfügung stehen.
Unter Achtung der Privatsphäre und der behördlichen Vorgaben sind Sanitärräume für Kinder
und Jugendliche in Abhängigkeit von der Gruppengröße vorzuhalten. Die Ausgestaltung der
Sanitärräume soll dem Alter und der Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in der Einrich-
tung entsprechen.
Den Kindern und Jugendlichen ist neben den traditionellen Kommunikationswegen mit eigener
Postanschrift und tatsächlicher Erreichbarkeit mittels Telefon auch die regelmäßige altersent-
sprechende Nutzung der Einrichtung zur Verfügung stehenden Kommunikationsmedien zu er-
möglichen.
12.1.3
Bau-, brandschutz- und hygienerechtliche Anforderungen
Die geltenden baurechtlichen Vorschriften und die Bestimmungen zum baulichen Brandschutz
müssen eingehalten werden. Im Rahmen des Betriebserlaubnisverfahrens werden die bau-
und brandschutzrechtlichen sowie die gesundheitsbehördlichen Belange dahingehend über-
prüft, ob die Voraussetzungen zur Erteilung einer Betriebserlaubnis vorliegen.
Für die turnusmäßige Überprüfung der Einrichtung hinsichtlich Brandschutzanlagen und sons-
tiger Sicherheitsvorkehrungen zur Verhütung und Beseitigung von Gefahren entsprechend
den gesetzlichen Vorschriften haben die Träger Sorge zu tragen.

30 |
Der Einhaltung des gesetzlichen Unfallschutzes zur alters- und entwicklungsgemäßen Betreu-
ung von Kindern und Jugendlichen liegt in der Verantwortung der Träger.
12.2 Personal
Mit der Wahrnehmung von Erziehung und Betreuung sind sozialpädagogische Fachkräfte zu
betrauen, wobei Fachschul- und Hochschulabschlüsse gleichermaßen zum Einsatz kommen
können. Die basale staatliche Qualifizierung der beruflichen Ausbildung als sozialpädagogi-
sche Grundqualifizierung ist der staatlich anerkannte Erzieher an Fachschulen.
Die Gewinnung und der Einsatz von sozialpädagogischen Fachkräften mit Fach- und Hoch-
schulabschluss ist eine wesentliche Grundbedingung für eine leistungsfähige Erziehungshilfe.
Die Mindestbedingungen sind mit einer langfristig wirksamen Fachkräftegewinnungs- und
Ausbildungsstrategie zu verbinden, um fachlich angemessene Lösungen für die Deckung des
Bedarfs an pädagogischen Fachkräften zu integrieren.
Konzeptionelle Aufgabenschwerpunkte werden durch speziell qualifizierte Fachkräfte über-
nommen und können sich auf heilpädagogische Einzelförderung, Förderung besonderer Ziel-
gruppen, Angebote der Elternarbeit/-beratung, Vernetzung und Kooperationen beziehen.
Hinsichtlich der Anzahl und der beruflichen Qualifikationen des eingesetzten Personals muss
der ordnungsgemäße Einrichtungsbetrieb entsprechend der konzeptionellen Ausrichtung und
der damit verbundenen Aufgabenstellung sowie der zu betreuenden Zielgruppe gewährleistet
sein.
Träger von Einrichtungen müssen sich vor Einstellung einen Lebenslauf, Qualifikationsnach-
weise sowie gemäß § 45 Abs. 3 Satz 2 SGB VIII ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
vorlegen lassen.
Unter den Gesichtspunkten der Qualitätssicherung und -entwicklung insbesondere im Kontext
des spezifischen Leistungsangebots für die Zielgruppe sind langfristige Beschäftigungsver-
hältnisse anzustreben, um den Grundsatzes der Beständigkeit pädagogischer Beziehungen
zu schaffen.
Ein entsprechendes Personalsicherungs- und Personalentwicklungskonzept soll in der Ein-
richtung im Sinne einer nachhaltigen Betreuung und Begleitung von Kindern und Jugendlichen
als Mindestanforderung verankert werden.
Für den ordnungsgemäßen Ablauf des Dienstbetriebs ist der Träger der Einrichtung verant-
wortlich. Die dafür erforderlichen Rahmenbedingungen, Zuständigkeiten, Kommunikations-
und Kooperationsstrukturen, eine regelgerechte Verwaltung und Organisationsbedingungen
für die pädagogische Arbeit liegen in seiner Gesamtverantwortung.
Die Wahrnehmung der Leitungsaufgaben in der Einrichtung erfordert den Einsatz einer geeig-
neten sozialpädagogischen Fachkraft mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung im Bereich
der Kinder- und Jugendhilfe. Zusätzlich soll die Leitungskraft über eine zertifizierte Weiterbil-
dung für Leitung, Führung und Organisation verfügen, soweit der bereits erlangte Berufsab-
schluss diese Kenntnisse nicht bereits einschließt.
In den stationären Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung wird für die pädagogischen Leitungs-
aufgaben ein Stellenanteil von 1: 16 (Leitungskraft: angestellte sozialpädagogische Fach-
kräfte) als Orientierungswert empfohlen. Zu den übergeordneten Leitungsaufgaben gehören
u.a.:

| 31
-
Umsetzung und Weiterentwicklung des Einrichtungskonzeptes
-
Aufnahme- und Entlassungsmanagement von jungen Menschen
-
Koordination und Überwachung der individuellen Hilfeprozesse auf allen Leitungsebnen
-
Koordination von Krisenverläufen
-
Sicherung und Überwachung des Schutzauftrages in der Einrichtung
-
Meldung besonderer Vorkommnisse an die betriebserlaubniserteilende Behörde (§ 47
SGB VIII)
-
Personalgewinnung, Personalführung und Personalentwicklung
Die Bewertung des Mindestpersonalbedarfs geschieht im Rahmen des Betriebserlaubnisver-
fahrens gemäß § 45 SGB VIII ausschließlich unter dem Blickwinkel der Sicherstellung des
Kindeswohls und bildet somit den Mindestrahmen der regelhaften Betreuung und Aufsicht für
die jungen Menschen ab.
Weitere Stellen bzw. Stellenanteile sozialpädagogischer Fachkräfte zur Verwirklichung des
Einrichtungskonzepts, die nicht durch die Mindestanforderungen in der Betriebserlaubnis ge-
deckt sind, sind auf der Grundlage der §§ 78 a ff. SGB VIIII partnerschaftlich mit dem öffentli-
chen örtlichen Träger der Jugendhilfe zu vereinbaren. Bei der Doppelbesetzung ist neben ei-
ner Fachkraft mindestens ein weiterer Mitarbeiter einzusetzen. Der personelle Anteil wird da-
bei im Rahmen des §§ 78 a ff. SGB VIII mit dem örtlich zuständigen Jugendamt vereinbart.
Die Grundlage dafür ist das pädagogische Konzept der Einrichtung, in dem der Träger nach-
vollziehbar darstellt, wie er u. a. auch bedarfsgerechte Fort- und Weiterbildung, Dienstbera-
tung, kollegiale Beratung, Supervision und Netzwerkarbeit als zentrale Elemente der Personal-
und Qualitätsentwicklung gestaltet. Eine kontinuierliche und verlässliche Leistung von guter
Qualität braucht entsprechende personelle Ressourcen. Der Personalbedarf wird aus den pä-
dagogischen Grundsätzen, der notwendigen Betreuungsintensität nach Bedarf der Zielgruppe,
Art, Umfang und Qualität der Leistung einschließlich der für die Qualitätsentwicklung erforder-
lichen Zeitressourcen heraus ermittelt.
Grundsätzlich können geeignete Hilfskräfte zur Unterstützung der sozialpädagogischen Fach-
kräfte zusätzlich zum Mindestbedarf eingesetzt werden. Der Träger kann Einsatzmöglichkei-
ten für Studierende und Fachschüler im Praktikum bzw. im Anerkennungsjahr, Personen im
Freiwilligendienst sowie ehrenamtlich Tätige anbieten. Die Feststellung ihrer persönlichen Eig-
nung erfolgt in Verantwortung des Trägers der Einrichtung. Die sozialpädagogische Anleitung
durch Fachkräfte ist zu gewährleisten.
12.3 Struktur der Jugendhilfeeinrichtungen über Tag und Nacht und
sonstiger betreuter Wohnformen
12.3.1
Wohngruppe
Eine typische Lebens- und Betreuungsform im Rahmen der stationären Erziehungshilfe stellt
die Wohngruppe dar. Die jeweilige Ausgestaltung der Wohngruppe in Bezug auf Größe, Zu-
sammensetzung, Art der pädagogischen Betreuung, Lage und den räumlichen Bedingungen,
orientiert sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen der zu betreuenden Kinder, Jugendli-
chen und jungen Erwachsenen.
In einer Wohngruppe werden Jungen und/oder Mädchen altersgemischt aufgenommen und
von sozialpädagogischen Fachkräften versorgt und betreut. In den Wohngruppen soll in allen
Bereichen (z. B. Organisation des Alltags, Verwendung von Mitteln, Versorgung, Kontakte zu
Eltern, Schule, Beruf etc.) weitgehend Autonomie bestehen. Den Charakter von Wohngruppen

32 |
kennzeichnen abgeschlossene Wohnbereiche, die Freizeit-, Schlaf-, Arbeits-, Mahlzeit- und
Hygienegewohnheiten individuell und altersgemäß berücksichtigen.
Entsprechend der unterschiedlichen sozialpädagogischen Aufgabenstellung sollte sich auf va-
riable Gruppengrößen mit bis zu 8 Kindern und Jugendlichen orientiert werden.
Die Wohngruppe für Kinder und Jugendliche in einer standortbezogenen mehrgruppigen Ein-
richtung hat einen abgeschlossenen Wohnbereich, der sowohl den individuellen Bedürfnissen
jedes Kindes und Jugendlichen als auch dem Gruppenanspruch gerecht wird.
Um die wahrzunehmenden Aufgaben bei der Betreuung und Versorgung der Kinder und Ju-
gendlichen qualifiziert zu erfüllen, Erziehungsplanung und Familienarbeit zu gewährleisten,
Teamgespräche, Supervision und Fortbildung zu ermöglichen und arbeitsrechtliche Vorschrif-
ten sowie Ausfallzeiten zu berücksichtigen, sind für jede Wohngruppe sozialpädagogische
Fachkräfte adäquat vorzuhalten.
Für die Eingliederung seelisch behinderter Kinder und Jugendlicher sind darüber hinaus er-
weiterte Rahmenbedingungen hinsichtlich des Angebotes der heilpädagogischen Betreuung
erforderlich. Dabei handelt es sich um junge Menschen, die in ihrer Persönlichkeitsentwicklung
so beeinträchtigt erscheinen, dass sie als behinderte und/oder sozial verhaltensauffällige Kin-
der und Jugendliche wahrgenommen bzw. per ärztlicher Diagnose als solche identifiziert wur-
den. Sie bedürfenden einer besonderen individuellen Unterstützung bei der Bewältigung ihrer
Alltagsaufgaben und ihrer persönlichen Entwicklung. Das heilpädagogische Angebot berück-
sichtigt sowohl Kinder und Jugendliche mit dem Anspruch auf Eingliederungshilfe nach § 35 a
SGB VIII, als auch mit dem Leistungsanspruch von Kindern und Jugendlichen mit Behinde-
rungen. Eine gemeinsame Erziehung von nichtbehinderten und behinderten Kindern soll ge-
fördert werden. Um den heilpädagogischen Anforderungen zu entsprechen, sollte mindestens
eine Fachkraft im Team einer Wohngruppe eine heilpädagogische Zusatzausbildung vorwei-
sen können oder anstreben. Alle Fachkräfte müssen das heilpädagogische Konzept unterstüt-
zen.
12.3.2
Familienanaloges Wohnen mit innewohnender Betreuung als
besondere Wohnform
Es ist sinnvoll, insbesondere Kindern eine auf Beziehungs- und Betreuungskontinuität ange-
legte familienorientierte Lebens- und Betreuungsform anzubieten. Dafür werden Wohngrup-
pen mit innewohnender Betreuung eingerichtet, in denen ein Ehepaar, eine Mitarbeiterin oder
ein Mitarbeiter in einer Lebensgemeinschaft mit den Kindern und Jugendlichen leben. Diese
Gruppen sind kleiner. Leben eigene Kinder der Mitarbeitenden in der Gruppe, sollte eine Grup-
pengröße von 6 Plätzen aber nicht überschritten werden. Insgesamt sollten in der Wohngruppe
mit innewohnender Betreuung zwei sozialpädagogische Fachkräfte arbeiten.
12.3.3
Verselbständigungswohnen für Jugendliche und junge Voll-
jährige als besondere Wohnform
Für Jugendliche und junge Volljährige sind Lebens- und Betreuungsformen notwendig, in de-
nen sie sich auf diese zukünftige Lebenssituation vorbereiten können. In sogenannten Ver-
selbständigungsgruppen mit überschaubaren Lernfeldern ist das jeweils notwendige Maß an
Erziehung, Beratung und Aufsicht mit dem bereits erreichten Grad an Selbständigkeit und
Selbstverantwortung besser zu verbinden als in einer Wohngruppe in einer mehrgruppigen
Einrichtung. Die Fachkräfte haben die Aufgabe, darauf hinzuwirken, dass die jungen Men-

| 33
schen befähigt werden, die Anforderungen des jeweiligen Alltags möglichst selbständig zu er-
kennen, zu strukturieren, zu organisieren und zu bewältigen. Von den Mitarbeitenden wird
große Flexibilität erwartet.
In einer Verselbständigungsgruppe sollten bis zu sechs Jugendliche und junge Volljährige, in
der Regel im Alter ab 16 Jahren leben.
12.3.4
Betreutes Einzelwohnen
Das betreute Einzelwohnen ist eine sonstige betreute Wohnform mit lebensweltorientiertem
Konzept. Es ist ein Angebot der Jugendhilfe für Jugendliche ab ca. 16 Jahren und für junge
Volljährige mit großem Selbständigkeitsanspruch, für die ein Zusammenleben in einer Gruppe
nicht oder nicht mehr förderlich erscheint, und die den Anforderungen eines selbständigen
Lebens in entscheidendem Umfang nicht gewachsen sind und deshalb einer individuellen Be-
treuung bedürfen.
Die Unterbringung erfolgt in der Regel in Einzelzimmern oder einer Wohnung. Die Wohnung
wird vom Träger vorgehalten oder angemietet. Das Nutzungsverhältnis ist vertraglich zu re-
geln. Nach Abschluss der Maßnahme soll der junge Volljährige die Möglichkeit erhalten, in
einer Wohnung zu verbleiben und selbst in den Mietvertrag einzutreten. Mit Zustimmung des
Personensorgeberechtigten ist es auch möglich, für Jugendliche vor der Volljährigkeit direkt
eine Wohnung anzumieten. Ist der junge Mensch bei Beginn der Maßnahme bereits volljährig,
kann er auch direkt als Mietvertragspartner auftreten. Sobald der Einrichtungsträger nicht
(mehr) als Mieter fungiert, handelt es sich nicht mehr um Betreutes Einzelwohnen nach § 34
SGB VIII, sondern um eine ambulante Betreuung von Jugendlichen bzw. jungen Volljährigen
im eigenen Wohnraum im Rahmen der Hilfe zur Erziehung bzw. Hilfe für junge Volljährige.
Gleiches gilt, wenn ein Träger als Vermieter für Räume in seinem Eigentum ein Mietverhältnis
mit Jugendlichen bzw. deren Personensorgeberechtigten bzw. jungen Volljährigen eingeht.
Der Übergang ist entsprechend der individuellen Hilfeplanung und Wahrung der Beziehungs-
kontinuität in der pädagogischen Betreuung zu gestalten.
13 Qualitätsentwicklung als Prozess
13.1 Leistungs- und Qualitätsentwicklungsvereinbarung
Die Leistungs- und die Qualitätsentwicklungsvereinbarung mit dem für die Einrichtung zustän-
digen örtlichen öffentlichen Träger der Jugendhilfe ist nach § 78b SGB VIII eine wesentliche
Voraussetzung zur Übernahme des Entgelts für die Leistungen nach §§ 34 und 41 SGB VIII.
In Vorbereitung auf die Vereinbarung erstellt der Einrichtungsträger eine Beschreibung, in der
die wesentlichen Leistungs- und Qualitätsmerkmale dargestellt werden. Nach §§ 78b Abs. 1
Nr. 1 und 78c Abs. 1 SGB VIII ist dabei auf den Inhalt, den Umfang und die Qualität der von
der Einrichtung zu erbringenden Leistung zusammen mit der dafür notwendigen Personal und
Sachausstattung sowie den genutzten Investitionsgütern einzugehen. Auf der Basis der Qua-
litätsentwicklungsbeschreibung des Einrichtungsträgers sowie der örtlich bzw. überörtlich an-
erkannten Entwicklungsleitlinien wird die erforderliche Qualitätsentwicklungsvereinbarung ge-
schlossen. Sie bezieht sich nach § 78b Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII auf die Grundsätze und Maßstäbe
für die Bewertung der Qualität der Leistungsangebote sowie […] geeignete Maßnahmen zu
ihrer Gewährleistung.

34 |
Der zuständige örtliche öffentliche Träger der Jugendhilfe hat gemäß § 78b Abs. 2 die Leis-
tung, Qualitätsentwicklung und das entsprechende Entgelt mit den Einrichtungsträgern zu ver-
einbaren, die unter Berücksichtigung der Grundsätze der Leistungsfähigkeit, Wirtschaftlichkeit
und Sparsamkeit zur Erbringung der Leistung geeignet sind.
Die Leistungsfähigkeit bemisst sich nicht allein an der erteilten Betriebserlaubnis, sondern
auch an der Fähigkeit dem formulierten Bedarf der Zielgruppe gerecht zu werden, „bzw. wenn
die der Einrichtung gestellte Aufgabe mit Blick auf die vorhandenen personellen und sachli-
chen Mittel und von der Organisationsstruktur her (möglichst optimal) erfüllt werden kann. [….]
Zudem muss die Einrichtung in ihrer Struktur sowie in ihrer personellen und sächlichen Aus-
stattung auch den gesetzlichen Standards entsprechen“
24
.
13.2 Qualitätsentwicklung als fortlaufender Prozess
Der Begriff der Qualitätsentwicklung wurde vom Gesetzgeber bewusst gewählt
25
, um deutlich
hervor zu heben, „dass die Sicherung von Qualität im Bereich der sozialen Arbeit ein ständiger
Prozess der (Weiter-)Entwicklung ist. Die wesentlichen Instrumente der Entwicklung und Ge-
währleistung fachlicher Qualität sind Beratung und Anleitung, die regelmäßige Supervision und
Fortbildung sowie eine systematische Dokumentation der Entwicklung des Kindes bzw. des
Jugendlichen“
26
.
Die Qualitätsentwicklung ist als zirkulärer Prozess zu führen, mit den Handlungsschritten Ana-
lyse und Bewertung im Dialog, Zielsetzung, Planen, Beschreiben, Vereinbarung aushandeln,
Maßnahmen ergreifen, Überprüfen und Bewerten bis hin zur erneuten Zielsetzung und Ver-
einbarung. Sie ist „eine gemeinsame Aufgabe des örtlich zuständigen öffentlichen Trägers der
Jugendhilfe und des Einrichtungsträgers. Sie bezeichnet den dynamischen Prozess planvoller
und zielgerichteter Entwicklung, der des Qualitätsdialogs zwischen öffentlichem und freiem
Träger unter Beteiligung der Leistungsberechtigten bzw. Leistungsempfänger bedarf. Der Ein-
richtungsträger bezieht das Personal der Einrichtung in den Entwicklungsprozess ein und sorgt
so für eine alltagswirksame Implementierung“
27
.
Die Merkmale der angestrebten und im Ergebnis von Entwicklungsmaßnahmen im Dialog zu
bewertenden Qualität werden nach Struktur, Prozessen und Ergebnis unterschieden. Die
Kommission nach § 78e SGB VIII im Freistaat Sachsen verweist auf wesentliche Struktur-
elemente und Prozesse, denen der zirkuläre Entwicklungsprozess gelten soll:
28
-
Konzeptentwicklung
-
Beratung und Reflexion im Fachkräfteteam
-
Personalentwicklung
-
Erhaltung von Gebäude und Sachausstattung
-
Rechte und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sichern
-
Beschwerdemanagement und Schutz vor Gefährdungen
-
Beteiligung im Gemeinwesen, fachliche Vernetzung
-
Mitwirkung an Hilfeplanung und pädagogische Gruppen-/Einzelfallarbeit
-
Elternarbeit / Arbeit mit Familien
-
Qualitätsentwicklung
-
Dokumentation
-
Auswertung von Ergebnis und Zusammenarbeit im Einzelfall
24
vgl. Wabnitz 2014, S. 15
25
ebenda, S. 12
26
ebenda, S. 12
27
Kommission nach § 78e SGB VIII im Freistaat Sachsen 2015
28
ebenda

| 35
Der Prozess ist darauf gerichtet, die Qualität des kollektiven Handelns im Dialog mit beteiligten
Personen und Institutionen zielgerichtet zu beeinflussen. In der Praxis haben sich das Fokus-
sieren auf wesentliche Aspekte und die Beteiligung der Mitarbeitenden in Qualitätszirkeln be-
währt. Eine Kultur der Fehlerfreundlichkeit, festgestellte Mängel primär als Gelegenheit zur
individuellen und kollektiven Verbesserung anstatt als Anlass für Schuldzuweisungen zu se-
hen, motiviert zu Offenheit und Lernbereitschaft.
Die Leistungsqualität von Hilfe zur Erziehung zeigt sich unmittelbar im pädagogischen Han-
deln. Die Bewertung der Leistungsqualität soll sich vor allem auf die Entwicklungsverläufe von
jungen Menschen und ihren Eltern im Verhältnis zu den angestrebten Zielen und ebenso auf
das subjektive Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Hilfe zur Er-
ziehung beziehen.
29
Die Qualität und Verlässlichkeit von Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe erfordert den Ein-
satz von qualifiziertem Fachpersonal. Angesichts der Arbeitsmarktbedingungen ist es notwen-
dig, nicht allein die Interessen und Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Eltern sowie
der institutionellen Partner im Blick zu haben, sondern auch die der (künftig) Mitarbeitenden.
Die Träger von Einrichtungen der Hilfe zur Erziehung sind gefordert, entsprechende Strategien
der Personalgewinnung und Personalentwicklung auszuprägen. Dies bedarf der Zusammen-
arbeit von öffentlichen und freien Trägern und ist in den Konzepten und Vereinbarungen zu
verankern. Gemeinsame Strategien der Personalgewinnung durch Vernetzen mit den Fach-
und Hochschulen sind dabei ebenso wichtig, wie die fachlich gut begleitete Integration von
Mitarbeitenden in berufsbegleitender Fachkraftausbildung.
29
vgl. Wabnitz 2014, S. 13

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Literaturempfehlungen
1. An den Lebenswelten von Kindern, Jugendlichen und jungen Volljährigen orientierte stati-
onäre Erziehungshilfe
Albus S. et al.
(2010): Abschlussbericht der Evaluation des Bundesmodellpro-
gramms „Qualifizierung der Hilfen zur Erziehung durch wirkungsorientierte Ausgestal-
tung der Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsvereinbarungen nach §§ 78a ff. SGB VIII“.
Wachsmann, Münster.
Der Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit
(Hrsg.): Achter
Jugendbericht. Bericht über Bestrebungen und Leistungen der Jugendhilfe. Deut-
scher Bundestag. 11. Wahlperiode. Drucksache 11/6576. Bonn, 6. März 1990
Grunwald, K.; Thiersch, H.
(2016): Lebensweltorientierung. In: Grunwald,
K./Thiersch H. (Hrsg.): Praxishandbuch Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. Hand-
lungszusammenhänge und Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, 3., voll-
ständig überarbeitete Auflage. Beltz Juventa, Weinheim u. Basel.
Moch, M.
(2016): Lebensweltorientierung in den Erziehungshilfen. In: Grunwald,
K./Thiersch H. (Hrsg.): Praxishandbuch Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. Hand-
lungszusammenhänge und Methoden in unterschiedlichen Arbeitsfeldern, 3., voll-
ständig überarbeitete Auflage. Beltz Juventa, Weinheim u. Basel.
2. Rechte von jungen Menschen und deren Eltern
Gräf, Christoph; Probst, Stefanie
(2016): Praxishandbuch Kinderrechte im Alltag
von Kinderheimen. Geachtet, beteiligt, gefördert, beschützt. Beltz Juventa, Weinheim
u. Basel
3. Leistungsrechtliche Grundlagen
Thiersch, H
. (1977): Heimerziehung. In: Thiersch, H.: Kritik und Handeln. Interaktio-
nistische Aspekte der Sozialpädagogik
Häbel, H.
(2012): § 34 Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen. In: Wabnitz,
R. J. et al. (Hrsg.): GK-SGB VIII. Kinder- und Jugendhilferecht. Gemeinschaftskom-
mentar zum SGB VIII. Luchterhand
4. Kindeswohl/Kinderschutz bzw. Schutzkonzepte
Wolff, Mechthild; Schröer, Wolfgang; Fegert, Jörg M.
(2017): Schutzkonzepte in
Theorie und Praxis. Ein beteiligungsorientiertes Werkbuch. Beltz Juventa, Heinheim
u. Basel
Fegert, Jörg M.
/
Wolff, Mechthild
(2015): Kompendium Sexueller Missbrauch in In-
stitutionen. Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention. Beltz Juventa,
Weinheim u. Basel
5. Beteiligung und Beschwerdemöglichkeiten
Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter (BAGLJÄ)
: Beteiligungs-
und Beschwerdeverfahren im Rahmen der Betriebserlaubniserteilung für Einrichtun-
gen der Erziehungshilfe. Eine Arbeitshilfe für die betriebserlaubniserteilenden Behör-
den nach §§ 45 ff. SGB VIII. Eine Orientierung für Träger der Jugendhilfe. – 2. Aktua-
lisierte Fassung 2013 –
Enders, U.
(Hrsg.) (2012): Grenzen achten. Schutz vor sexuellem Missbrauch in In-
stitutionen. Ein Handbuch für die Praxis. Kiepenheuer & Witsch, Köln
Equit, C. et al.
(Hrsg.) (2017): Beteiligung und Beschwerde in der Heimerziehung.
Grundlagen, Anforderungen und Perspektiven. IGfH-Eigenverlag, Frankfurt a. M.
Urban-Stahl, U.; Jann, N.
(2014): Beschwerdeverfahren in Einrichtungen der Kinder-
und Jugendhilfe. Ernst Reinhardt, München
Der Paritätische Gesamtverband (Hrsg.) (2016):
Kinder- und Jugendschutz in Ein-
richtungen. Gefährdung des Kindeswohls innerhalb von Institutionen. 2. Auflage, Ber-
lin.

| 37
Der Paritätische Sachsen
(2012): Arbeitshilfe zur Beteiligung von Kindern, Jugendli-
chen und Eltern in Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe. Siche-
rung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und Diensten der
Hilfe zur Erziehung und der Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII durch Beteili-
gungs- und Beschwerdemöglichkeiten. Dresden.
6. Sexualpädagogik
Bange, D./Deegener
, G. (1996): Sexueller Mißbrauch an Kindern. Ausmaß, Hinter-
gründe, Folgen. Weinheim: Beltz.
Enders, U.
(2012) (Hrsg.): Grenzen achten. Schutz vor sexuellem Missbrauch in In-
stitutionen. Ein Handbuch für die Praxis. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
Freund, U./Riedel-Breidenstein
, D. (2006): Sexuelle Übergriffe unter Kindern.
Handbuch zur Prävention und Intervention. Köln: Mebes & Noack.
Hofstätter C./
Rother M./Baur A./ Christ,G.
pro familia Baden-Württemberg Deutsche Gesellschaft
für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e. V.(Hrsg.), 2016
Kohlhofer, B./Neu, R./Sprenger
, N. (2008): E.R.N.S.T. machen. Sexuelle Gewalt
unter Jugendlichen verhindern. Ein pädagogisches Handbuch. Köln:
Mebes & Noack. Sporken
, P. (1974): Geistig Behinderte. Erotik und Sexualität.
Düs-
seldorf: Patmos Van der Doef
, S. (2015): Kleine Menschen große Gefühle. Die se-
xuelle Entwicklung von Kindern 0-12 Jahre. Weinheim: Beltz.
Zartbitter Köln e. V.
Kontakt- und Informationsstelle gegen sexuellen Missbrauch an
Mädchen und Jungen (n.d.): Doktorspiele oder sexuelle Übergriffe?,
http://www.zart-
bitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/Muetter_Vaeter/doktorspiele_oder_sex_ue-
bergriffe.php
7. Qualitätsentwicklung als dialogischer Prozess
Wabnitz, R.
(2012): § 78b SGB VIII – Voraussetzungen für die Übernahme des Leis-
tungsentgelts. In: Wabnitz, R. J. et al. (Hrsg.): GK-SGB VIII. Kinder- und Jugendhilfe-
recht. Gemeinschaftskommentar zum SGB VIII. Luchterhand
Kommission nach § 78e SGB VIII im Freistaat Sachsen
: HINWEISE für die Erstel-
lung der Verhandlungsunterlagen zum Abschluss von Vereinbarungen nach § 78 b
Abs. 1 SGB VIII für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe auf der Grundlage des
Rahmenvertrages nach § 78 f SGB VIII des Freistaates Sachsen vom 01.11.2012 mit
Anpassungen gemäß Kommissionbeschluss vom 29.10.2015
.