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~SACHSEN
(j)
Sachsenforst
STAATSBETRIEB
SACHSENFORST
Waldpost 2021
Zeitung für Waldbesitzer in Sachsen

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Vorwort
Utz Hemp ing
Liebe Waldbesitzerinnen und liebe Waldbesitzer,
die letzten Jahre haben unheimlich viel von uns
abverlangt. Seit nunmehr drei Jahren haben wir
in den sächsischen Wäldern Schäden in einem
bislang ungekannten Ausmaß zu verzeichnen.
Betroffen davon sind alle Waldeigentumsfor-
men. Die entstandenen Schäden belaufen sich
seit 2017 sachsenweit auf fast neun Millionen
Kubikmeter Schadholz. Insgesamt wurden über
56.000 Hektar Wald geschädigt, davon sind
auf circa 9.000 Hektar Frei ächen entstanden.
Die Witterung der vergangenen Jahre hat dem
Wald erheblich zugesetzt. Fehlende Nieder-
schläge, Stürme und Hitze führten zu erhebli-
chem Stress bei den Bäumen. Für die vielfälti-
gen holz- und rindenbrütenden Insekten boten
die letzten Jahre hingegen optimale Lebensbe-
dingungen.
Sind inzwischen die Schäden an der Fichte in
aller Munde, so können wir nunmehr verstärkt
auch Schäden an der Kiefer beobachten. Diese
werden unter anderem durch verschiedene Bor-
kenkäferarten und den Blauen Kiefernprachtkä-
fer verursacht. Doch damit nicht genug: Auch
Laubbäume wie alte Rot-Buchen, Eichen und
Birken zeigen derzeit erhebliche Schäden durch
Trockenheit auf. Eine Entspannung der Lage ist
bislang nicht absehbar.
Mit großen Anstrengungen begegneten wir,
liebe Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, den
Schäden in den Wäldern. Mit unermüdlichem
Engagement haben wir die entstandenen
Schadstellen saniert. Ich möchte Ihnen an dieser
Stelle meinen Dank für Ihren Einsatz ausspre-
chen, vor welchem ich großen Respekt habe.
Egal ob als Einzelgespräch oder Gruppenbera-
tungen, direkt im Wald oder – den diesjährigen
ungewohnten, coronabedingten Rahmenbedin-
gungen geschuldet – verstärkt und teilweise
ausschließlich per Mail und Telefon: Sachsen-
forst steht Ihnen in diesen äußerst heraus-
fordernden Zeiten als kompetenter Ansprech-
partner bei der Waldbewirtschaftung zur Seite.
Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der
Geschäftsleitung in Graupa sowie direkt vor
Ort in den zwölf Forstbezirken und drei Schutz-
gebietsverwaltungen setzen sich engagiert für
die Sanierung der Schäden und den Erhalt des
Waldes mit seinen vielfältigen Funktionen ein.
Unsere Leiterinnen und Leiter der Privat- und
Körperschaftswaldreviere beraten Sie bei der
Schadensbewältigung, der Wiederbewaldung
und zu allen Fragen rund um eine integrative
naturgemäße Waldbewirtschaftung kostenlos.
Darüber hinaus bieten wir themenbezogene
Schulungen an – ob im Rahmen von regiona-
len Versammlungen und Fachveranstaltungen,
digital auf unserem Waldbesitzerportal (
https://
www.sbs.sachsen.de/waldbesitzer-portal-8319.
html
) oder mit der Waldpost, die Sie gerade in
den Händen halten. Daher möchte ich meinen
Dank auch an meine Kolleginnen und Kollegen
richten, die sich ununterbrochen in ihrer tägli-
chen Arbeit für die Beseitigung der Waldschäden
und damit für den Walderhalt einsetzen.
Die Themenvielfalt, mit der Sie als Waldbesit-
zerin und Waldbesitzer konfrontiert sind, zeigt
sich auch in der Zusammenstellung der Arti-
kel in dieser Ausgabe der Waldpost. Besonders
freue ich mich, dass Forstminister Wolfram
Günther die Gelegenheit nutzt und Ihnen in
einem Interview die neue Förderrichtlinie Wald
und Forstwirtschaft 2020 vorstellt. Gleichzeitig
erläutert er auch seine Positionen für die künf-
tige Waldbewirtschaftung. Für die Gestaltung
der nächsten Waldgenerationen setzt Wolfram
Günther auf eine integrative naturgemäße
Waldwirtschaft. Das Nutzen von natürlichen
Mechanismen der Selbstregulation wie Natur-
verjüngung und Sukzession sowie die Schaf-
fung von Strukturvielfalt in unseren Wäldern
sind Bestandteil einer klimaangepassten, den
gesellschaftlichen Anforderungen entspre-
chenden Wirtschaftsweise.
Nach einem weiteren Waldschadensjahr ist
es natürlich Zeit, eine „Bilanz“ zu ziehen. Die
diesjährige Schadensentwicklung wird Ihnen
anschaulich von Lutz-Florian Otto und Franz
Matschulla aus dem Referat Waldentwicklung,
Waldschutz bei Sachsenforst dargestellt. Ob-
wohl die immensen Waldschäden uns Wald-
besitzer zu einem raschen Handeln zwingen,
möchte ich Sie, liebe Leserinnen und Leser,
ausdrücklich darauf hinweisen, dass bei der Be-
seitigung der Waldschäden äußerste Vorsicht
geboten ist.
Trotz der umfangreichen Schäden gilt es nun
für alle Waldbesitzer, unabhängig von der Ei-
gentumsform, nach vorn zu schauen. Die Mam-
mutaufgabe der Wiederbewaldung steht an. Da
passt es tref ich, dass Ihnen Jörg Moggert,
Referent für Privat- und Körperschaftswald im
Forstbezirk Oberlausitz, eine Begriffsammlung
zum Thema Walderneuerung mit an die Hand
gibt. Darüber hinaus werden vielfältige Ideen
für die Wiederbewaldung in dieser Ausgabe
der Waldpost diskutiert. Damit Ihre Waldver-
jüngung gelingt und Sie Schäden möglichst
vermeiden können, weise ich Sie gerne auf den
Beitrag von Prof. Michael Müller, Lehrstuhl-
inhaber der Professur für Waldschutz an der
Technischen Universität Dresden, hin.
Trotz all der Anstrengungen, welche die Wald-
schäden von uns abverlangt haben, möchte ich
Sie ermutigen, die jetzige Situation auch als
Chance zu begreifen. Sie haben jetzt die Mög-
lichkeit, den Wald der Zukunft zu gestalten.
Ich bin mir sicher, dass die vorliegende „Wald-
post 2021” für Sie zahlreiche Anregungen,
Ideen und Informationen bereithält. Ich wün-
sche Ihnen viel Freude beim Lesen.
Ihr Utz Hemp ing
Landesforstpräsident und
Geschäftsführer von Sachsenforst

Inhalt
2
Vorwort
4
Interview mit dem Staatsminister für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft Wolfram Günther
5
Die Gemeine Birke – Multitalent für Wald und Gesellschaft
8
Geoportal Sachsenatlas
11
Forstliche Krisenvorsorge mal anders
13
Ökokonto: Gewinn für den Wald und seinen Besitzer
14
Einsatz von Pappelsetzstangen bei der Wiederbewaldung von Kalamitäts ächen
17
Umgang mit Bewirtschaftungserschwernissen im Kleinstprivatwald
18
Dein Wald in guten Händen!
20
Junge Waldeigentümer - AGDW
22
Waldränder
24
Die Robinie im Waldbau-Check: Invasive Pest oder Immunspritze für Ihren klimastabileren Zukunftswald?
26
Arbeitssicherheit in Schadholzbeständen
28
Flurbereinigung im Wald – Unterstützung der Waldbesitzer bei der Bewältigung von Sturm- und Käferschäden
31
Waldschutzsituation in Sachsen 2020
37
Baum des Jahres 2021: Die Stechpalme/Hülse (Ilex
aquifolium L.)
39
Biotische Schadfaktoren in Waldverjüngungen – Arten, Vorbeugung und Regulation
41
Die Richtlinie Wald und Forstwirtschaft 2020 – Neue Möglichkeiten der Förderung
44
Forstwirtschaftliche Vereinigung in Sachsen w. V.
45
Der Wald von morgen – mit oder ohne Eiche?
47
Rund um die Walderneuerung
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Interview mit dem Staatsminister
für Energie, Klimaschutz, Umwelt und
Landwirtschaft Wolfram Günther
1. Herr Günther, warum wurde die För-
derung der Wald- und Forstwirtschaft in
Sachsen
überarbeitet?
In den letzten Jahren haben Stürme, Dür-
re und Borkenkäfer zu einer neuen Dimen-
sion an Waldschäden geführt. Das wiederum
macht Wiederbewaldung und Waldumbau in
großem Maßstab nötig. Wir sehen hier kon-
kret die Folgen des von Menschen verursach-
ten Klimawandels. Insbesondere Fichten fal-
len der anhaltenden Dürre zum Opfer. Es wird
deutlich, dass wir die Wälder viel schneller
zu klimastabileren, standortgerechten alters-
gemischten Mischwäldern umbauen müssen.
Diese können den Klimawandel besser bewäl-
tigen. Das Stichwort lautet: Integrative natur-
gemäße Waldwirtschaft.
Natürlich haben wir die Anpassung der För-
derrichtlinie genutzt, um neue forstfachliche
Aspekte zu berücksichtigen. Schließlich ist die
Unterstützung von Leistungen der privaten
und körperschaftlichen Waldbesitzer ein we-
sentlicher Baustein unserer Forstpolitik.
terschutznetze, nur Voraus ugbehandlung, Auch ist jetzt die moderate Integration von
Sachsen stehen über die Gemeinschaftsauf-
P icht zur Prüfung von Alternativen wie Ent-
Waldinnen- und -außenrändern in die Ver-
gabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des rindung oder Transport aus dem Wald.
jüngungsplanung verp ichtend. Außerdem
Küstenschutzes” (GAK) in den Jahren 2020 bis
sollen die Wälder für Bodenvorarbeiten oder
2023 rund 38 Millionen Euro zur Verfügung,
Im Übrigen ist die Förderung jetzt durch die
das Mulchen nicht mehr ächig mit schwerer
um private und körperschaftliche Waldbesit-
EU beihilferechtlich anerkannt und führt nun
Technik befahren werden.
zer zu unterstützen.
nicht mehr zu einer Belastung der De-Mini-
mis-Konten der Antragsteller.
3. Müssen die Waldbesitzer waldbaulich
2. Was ist neu, was bleibt in der Richt-
nun anders arbeiten?
linie?
Bezüglich des Waldumbaus haben wir von
Nein. Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer
Wir haben ja zwei große neue Förderberei- einer Anteilsförderung hin zu einer Festbe-
bleiben in ihren Entscheidungen frei. Aller-
che – nämlich die Waldschutzmaßnahmen tragsförderung nach Flächen und Mengen dings knüpfen wir die Inanspruchnahme
und den Waldumbau. Sie spiegeln letztlich die
umgestellt. Dies ist ein wichtiger Aspekt.
öffentlicher Mittel teilweise an neue Be-
großen Aufgabenbereiche in der Forstpolitik
dingungen. Das ist angesichts der aktuellen
wider.
Was ist inhaltlich neu? Wichtig sind aus mei- Entwicklungen dringend nötig. Schließlich
ner Sicht die breiteren Anforderungen an die
soll das öffentliche Geld zielgenau und ef-
Im Bereich der Waldschutzmaßnahmen bleibt Baumartenmischung. Artenreichere Wälder fektiv an die Herausforderungen angepasst
es beim bewährten Verfahren aus Antrag und
dienen der Risikominimierung, an der wir alle
eingesetzt werden. Die wachsenden Risiken
der forstfachlichen Stellungnahme durch den
ein Interesse haben.
für den Wald, die Klimawandelanpassung,
Staatsbetrieb Sachsenforst.
Ressourcenknappheit und weitere ökologisch
Neu ist außerdem, dass die P ege und Ent- bedeutsame Aspekte müssen angemessen
Die Fördersätze wurden nachkalkuliert und
wicklung von Naturverjüngung gefördert
berücksichtigt werden. Das umfasst dann
teilweise angehoben. Die Fördergegenstände
wird und dass wir Eigenleistungen der Wald-
geringere Stückzahlen je Hektar, die höhere
haben wir kaum geändert, wobei die Entrin-
besitzerinnen und -besitzer beispielsweise im
Anzahl Baumarten zur Risikoverteilung auf
dung erweitert gefördert wird.
Bereich der P anzung und Kulturp ege als
den Störungs ächen und beim Voranbau, die
förderfähig anerkennen. Die stärkere Berück-
Ausnutzung von Naturverjüngung und Suk-
Darüber hinaus haben wir die Vorgaben zum
sichtigung der Naturverjüngung und der da-
zession, den Bodenschutz oder den geringe-
Einsatz von P anzenschutzmitteln geschärft.
mit einhergehenden längeren Verjüngungs-
ren Einsatz von P anzenschutzmitteln. Vieles
Die Stichworte lauten: Kein Einsatz in Na- zeiträume ist mit einer Zweckbindungsfrist davon wird ja schon in den meisten Betrieben
tur- und Wasserschutzgebieten, keine Pol- von acht Jahren verbunden.
umgesetzt.
Staatsminister Wolfram Günther bei einer Eichelsammelaktion im Moritzburger Wald; Foto: Tom Schulze
4|

4. Im Zusammenhang mit Förderung steht
meist auch der Wunsch im Raum, dass Ver-
fahren vereinfacht werden. Was bietet die
neue Richtlinie WuF dazu?
Wichtig ist aus meiner Sicht, dass wir zur
Festbetragsförderung übergegangen sind.
Außerdem erwähne ich das kontinuierliche
Antragsverfahren im Bereich des Wald-
umbaus. Das löst die Stichtagsregelung ab.
Weiterhin verkürzen wir den Zeitraum der
Vor nanzierung, weil der Förderbetrag nach
Abschluss der P anzung ausgezahlt wird.
Natürlich hat auch die Verwaltung ein Inte-
resse an schlanken Verfahren. Hier müssen
ja Personal und Mittel zur Verfügung stehen,
um Anträge zu bearbeiten und die Mittel-
verwendung zu prüfen. Und zu guter Letzt
denke ich, dass wir attraktive Fördersätze
haben.
Bei der Gelegenheit: Es war im Jahr 2020 ein
enormer Kraftakt für Sachsenforst, allein die
Anträge für die Beseitigung der Extremwet-
terfolgen zügig zu bearbeiten und auszuzah-
len. Dafür bin ich den Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern sehr dankbar.
5. Wohin geht Ihrer Meinung nach die
Entwicklung in der Forstwirtschaft?
Wir haben – allgemein betrachtet – zwei riesi-
ge Herausforderungen bezüglich unserer na-
türlichen Ressourcen: Die Erderwärmung und
das Artensterben. Hierfür werden wir im Zu-
sammenspiel aus Forschung und Praxis auch
im Forst gute Lösungen nden müssen.
Waldumbau wird bei uns in Sachsen seit
30 Jahren praktiziert, allerdings mit unter-
schiedlichem Tempo und mit unterschied-
lichem Erfolg. Aber vor dem Hintergrund der
drängenden Herausforderungen und der zu-
nehmenden Waldschäden gilt es, noch ein paar
Schippen draufzulegen. Dazu müssen wir auch
verstärkt die zu hohen Schalenwildbestände
anpassen, um die Selbstregulationsmechanis-
men wie Naturverjüngung/Sukzession ohne
aufwendige Schutzmaßnahmen zu ermög-
lichen. Und zwar unabhängig von der Eigen-
tumsstruktur. Diese ist dem Klima und den
ökologischen Zusammenhängen gleichgültig.
Die integrative naturgemäße Waldwirtschaft
hatte ich eingangs genannt. Um den Arten-
schwund aufzuhalten, müssen wir die er-
forderlichen Naturschutzbelange auf ganzer
Fläche berücksichtigen. Wir brauchen Struk-
turvielfalt im Wald; wir brauchen mehr Ele-
mente der Zerfallsphasen. Daran sind arten-
reiche Lebensgemeinschaften gebunden. Wir
brauchen auch mehr standortgerechte und
gemischte Waldverjüngung, sogenannte Vor-
verjüngungen insbesondere unter den Nadel-
holzreinbeständen, damit bei Verlust des Ober-
standes z. B. durch Sturm, Dürre, Käfer oder
Schnee bereits neue, gemischte und stabilere
Waldgesellschaften den Boden schützen.
Die gesellschaftlichen Anforderungen an den
Wald und die Forstwirtschaft werden weiter-
hin hoch sein. Deshalb werden wir auch in
Zukunft weiter daran arbeiten müssen, wie
wir mit der Förderung den Waldbesitzern An-
reize und Unterstützung bieten können, diese
Anforderungen zu erfüllen.
Nicht zuletzt brauchen wir den Wald, das Holz
und den Boden noch stärker für eine klimaan-
gepasste Wirtschaftsweise. Das hilft, den Ein-
satz fossiler kohlenstoffbasierter Rohstoffe zu
verringern und CO
2
aus der Luft in Biomasse
zu binden.
Die Vielfalt des Waldbesitzes bleibt weiter
wichtig, aber gerade aus der aktuellen Wald-
krise erkennen wir auch die zunehmende
Bedeutung forstwirtschaftlicher Zusammen-
schlüsse.
Um die genannten Aufgaben zu bewältigen,
haben wir in Sachsen gute Voraussetzungen
und Strukturen. Wir haben hohe Kompeten-
zen in den Dienstleistungsunternehmen, bei
den Holzverarbeitern, in den Forschungsein-
richtungen und in der staatlichen und kom-
munalen Forstverwaltung. Wir sind einander
Partner und sollten dies bleiben.
Staatsminister Wolfram Günther antwor-
tete schriftlich auf die Fragen der Wald-
postredaktion.
Die Gemeine Birke –
Multitalent für Wald und Gesellschaft
PlanBirke – forsch voran
ist eine bürgerbetei-
ligte Forschungs- und Bildungskampagne in
Zeiten großer forstlicher und gesellschaft-
licher Herausforderungen. Darin steht die
Gemeine Birke stellvertretend für die Über-
gangsphase – ausgehend von labilen Nadel-
holzreinbeständen hin zu vielseitigen Misch-
wäldern. Sie ist als Pioniergehölz eine ideale
Botschafterin für neue Wald-Entwicklungs-
ziele und komplexe ökologische Zusammen-
hänge.
PlanBirke – forsch voran
greift in die Debatte
zur Waldzukunft ein. Das Projekt lenkt den
Blick auf eine allzu oft unterschätzte Baum-
art.
Wälder im Krisenmodus – Klimawandel
bedroht viele Waldfunktionen
Trockenheit, Hitzewellen, Sturmereignisse und
Borkenkäferbefall: Die Klimafolgen im Wald
sind für jeden offensichtlich. Immer häu ger
beeinträchtigen Großschadereignisse den Be-
triebsvollzug. Eine vorratsnachhaltige Bewirt-
schaftung wird zunehmend schwierig. Die be-
reits abgestorbene Wald äche in Deutschland
beträgt rund 285.000 Hektar (Stand: Novem-
ber 2020), der zu erwartende Schadholzanfall
wird auf über 170 Millionen Kubikmeter ge-
schätzt – die größte außerplanmäßige Hiebs-
menge seit den späten 1940er-Jahren. Im
nordostdeutschen Tie and sind insbesondere
hitzegeschwächte Kiefern-Reinbestände be-
troffen, in den sächsischen Mittelgebirgsla-
gen leidet vor allem die Gemeine Fichte unter
Niederschlagsmangel. Die Anbauperspektive
beider „Brotbaumarten” steht in Frage – zwei-
fellos ein Paradigmenwechsel für die Forst-
wirtschaft ohne historisches Vorbild.
Perspektive –
„Ein Baum zur Nutz und Freud”
Bei allen Waldverlusten und ökonomischen
Zwängen ist die Krise doch auch ein Neuan-
fang. Es eröffnen sich Entwicklungschancen
für klimaresiliente Mischwälder. Außer Frage
|5

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Abb. 1: Nachwuchsforschende erfassen den Bestandesniederschlag auf der Intensivmess äche Döllin-
gen (Niederlausitz); Foto: Christoph Ertle
ist, dass reichlich und früh frukti zierende
Pionier- bzw. Übergangsbaumarten einen
bedeutsamen Beitrag leisten können – allen
voran die Gemeine Birke.
Die raschwüchsige und anspruchslose
Mischbaumart kommt in nahezu allen
mitteleuropäischen Wald- und Forstge-
sellschaften vor. Als inzwischen häu gstes
Laubgehölz in Sachsen und Brandenburg
(7 Prozent) ist die Gemeine Birke oft die
einzige Option für Nadelholzbestände
armer bzw. degradierter Böden. Unter
schwierigen Standortverhältnissen trägt
sie so zur Stabilisierung des Waldgefüges
bei.
Versagen andere Baumarten, ist der natür-
liche Birkenan ug schnell lückenfüllend.
Das senkt die Waldbrandgefahr, sorgt für
Bodenbedeckung und verbessert die Hu-
mus- bzw. Bodeneigenschaften auf Dauer,
wie in der Literatur vielfach beschrieben.
Besonders Wälder im Klimastress pro tie-
ren davon. Damit sichert die Birke Wald-
funktionen nach Bestockungsverlusten,
wenn sie auf Kahl ächen einen Vorwald
für langlebige Zielbaumarten bildet, etwa
Rot-Buche oder Trauben- bzw. Stiel-Eiche.
Zugleich ist die Gemeine Birke ein allge-
meiner „Sympathieträger”: Sie genießt den
höchsten Bekanntheitsgrad bzw. Wieder-
erkennungswert unter allen gebietshei-
mischen Baumarten, schon alleine wegen
ihrer auffälligen Rindenzeichnung. Das
positive gesellschaftliche Bild spiegelt sich
in ihrer breiten Verwendung, sei es als ge-
schätzter Garten-, Park- oder Alleebaum.
In Literatur, Handwerk und Brauchtum ist
sie fest verankert (Maibaum, Hexenbesen,
„Die kleine Birke” etc.). Birkensaft, Haar-
wasser und andere Wellness-Produkte
sind uns geläu g.
Im Wald jedoch ist die vielseitige Baumart
ambivalent besetzt. Nicht nur Pollenaller-
giker wissen darum. In der Tat, sie „reizt”
in den Augen mancher Forstpraktiker. Das
betrifft sowohl ihre grundsätzliche wald-
bauliche Bedeutung als auch die Holzer-
zeugung und konkrete Bewirtschaftung
im Rein- oder Mischbestand.
Noch immer wird die Gemeine Birke als eine
unerwünschte Konkurrentin für andere, kom-
merziell interessantere Baumarten gesehen
(„Unkraut des Waldes”, „Wassersäufer”, „Wolf
der Eiche”). Und: Ihr Holz ndet kaum die ver-
diente Anerkennung, einmal vom beliebten
Kaminholz abgesehen. Ein solches „Negativ-
Etikett” kann die Forstbetriebe wenig zufrie-
den stellen, nimmt doch der Birken-Flächen-
anteil zu.
Holzproduktion
mit waldbaulichen Versäumnissen
Hierzulande erscheint die Birke in allen Sta-
tistiken nur unter „sonstigem Weichlaubholz”,
in einer Kategorie mit Aspe und Weide. Das
hat sie nicht verdient – ist sie doch mit rund
640 kg/m
3
Darrdichte und einer mittleren
Brinellhärte von 23 N/mm
2
de nitionsgemäß
ein „Hartholz”. Sie hat ähnliche mechanische
Eigenschaften wie die Rot-Buche. Ihre guten
Verwertungsmöglichkeiten („Fliegerbirke”,
„Maserbirke”) werden nach wie vor preislich
unterbewertet. Das steht im Gegensatz zur
Holznachfrage der Verbraucher: Begehrte
Sortimente für den Möbelbau oder andere
Einrichtungsgegenstände des skandinavi-
Abb. 2: Birken sind eine Gratisleistung der Natur - das sichert Waldfunktionen in Krisenzeiten; Foto:
Hans Küchenmeister
6|

schen Designs werden in aller Regel als be-
reits veredelte Halbwaren importiert.
Auch wegen der waldbaulichen Versäumnisse
entfallen über drei Viertel des inländischen
Holzeinschlages auf kaum kostendeckende
Energie- bzw. Industrieholzsortimente. Ein
Birken-Sägeholzmarkt existiert hier nicht –
mit Sicherheit auch ein forstliches „Marke-
tingproblem”. Kaum nachvollziehbar, lassen
sich doch auf mäßig bis gut nährstoff- und
wasserversorgten Standorten durchaus an-
spruchsvolle und besonders klimawirksame
Produktionsziele realisieren. Das erfordert ne-
ben einer passenden Herkunftswahl vor allem
die frühzeitige P ege und waldbauliche Dis-
ziplin. So muss bereits zu Beginn der Dimen-
sionierungsphase eine konsequente Lichtstel-
lung der wertbestimmenden Zuwachsträger
erfolgen, also schon im Alter von etwa 15 bis
30 Jahren. Nur so lassen sich in verhältnis-
mäßig kurzem Produktionszeitraum die ge-
wünschten Zieldurchmesser von >40 cm er-
zeugen, bevor der Einzelstamm wegen seiner
geringen natürlichen Dauerhaftigkeit (Klasse
5) zum „Biotopbaum” wird.
Vorbestimmt für den Mischbestand
Ausgehend von wenigen Samenbäumen ver-
mag die reichlich frukti zierende Pionier-
baumart mineralische Rohböden, Kahl ächen
sowie unterbestockte Kulturen bzw. Blößen
leicht zu besiedeln. Zunächst begünstigt ein
lockerer Birken-Vorwaldschirm den Laubholz-
Anbau, sowohl durch Zurückdrängung der
Begleitvegetation als auch durch Minderung
klimatischer Extreme. Mehr noch, samen sich
durch „Hähersaaten” weitere standortgemäße
Laubgehölze an, vor allem die Trauben- und
Stiel-Eiche, sodass sich deren P anzenzahlen
verringern lassen.
In Mischbeständen mit Fichte und Kiefer
wird die Birke weniger unterdrückt als andere
Laub-Pionierbaumarten. Bei zielgerichteter
Bewirtschaftung behält sie ihre Vitalität in
Mischung bei und bildet sogar bessere Quali-
täten als in Reinbeständen. Der Holzertrags-
wert ist in jedem Fall höher und fällt zeitlich
gestaffelter an.
Andererseits kann die konkurrenzstarke Birke
die lichtbedürftigen Laubholzkulturen gefähr-
den. Unterbleibt eine rechtzeitige Mischungs-
regulierung, besteht die Gefahr, dass sie an-
dere Zielbaumarten schon im Dickungsalter
ausdunkelt. Im ungünstigsten Fall entstehen
dann einschichtige Birken-Dominanzbe-
stände. Deshalb wird die bislang ungeliebte
Baumart oft „herausgep egt”, ohne ihre be-
sondere Wuchsdynamik mit der Aussicht auf
frühe Deckungsbeiträge zu berücksichtigen.
Wasserhaushalt – ein wissenschaftlicher
Fokus
Bisher liegen in Deutschland keine gesicher-
ten Erkenntnisse zum Wasserhaushalt von
Birkenwäldern vor, weder im Rein- noch
Mischbestand. In
PlanBirke – forsch voran
werden mit reger Bürgerbeteiligung (Paten-
schaften) mehrere forsthydrologische Inten-
sivmess ächen betrieben. Erste Ergebnisse
aus der Niederlausitz lassen sich vor dem Hin-
tergrund langjähriger Messreihen an Gemei-
ner Kiefer und Trauben-Eiche interpretieren:
Zuwachskräftige und dadurch verduns-
tungsintensive Eichen- und Kiefern-Stan-
genhölzer (Alter: 30 bis 50 Jahre) verbrau-
chen im langjährigen Mittel das meiste
Wasser aller betrachteten Bestände. Die
Grundwasserneubildung klimatischer
„Normaljahre” beträgt nur 70 bis 100 Milli-
meter (Liter je Quadratmeter) oder 15 Pro-
zent des Jahresniederschlages.
Ein recht locker bestockter 40-jähriger
Birkenwald auf speicherarmem Sand hat
den geringsten Wasserbedarf. Immerhin
25 Prozent des Niederschlagsangebotes
wird unter mittleren Verhältnissen nicht
verdunstet und speist das Grundwasser.
Die Baumart kann bei geringen Interzep-
tionsverlusten und hohem Stammab uss
(etwa um den Faktor 10 höher als bei der
Gemeinen Kiefer) gut mit Wasser haus-
halten, vorausgesetzt, dass sie daran von
Jugend an gewöhnt ist.
Ein typischer Mischbestand mit Kiefer und
Eiche zeigt: Steht der Birke ausreichend
Wasser zur Verfügung, verdunstet sie
häu g mehr als die Partner. Das bestätigt
ihren Ruf als „Wassersäufer” – mit bis zu
120 Liter Verbrauch je Mittelstamm und
Tag im Sommer. Entscheidend dafür ist die
Wasserregulation. Die gebildete Blattmas-
se hängt wiederum ganz wesentlich von
der Standortgüte ab: Kann viel p anzen-
verfügbares Wasser im Boden gespeichert
werden, sind die aufstockenden Bestände
wüchsiger. Die höhere Biomassebildung
steigert wiederum den Wasserbedarf und
-verbrauch.
In den beiden Trockenjahren 2018 und
2019 entwässern alle betrachteten Gehöl-
ze und Bestände den Wurzelraum bereits
im Juni und Juli. Jeder kostbare Millimeter
an Regen wird dringend benötigt und wie
von einem Schwamm aufgesogen. Dann
erfolgt keine Grundwasserneubildung
mehr. Selbst im Winterhalbjahr wird der
Bodenwasserspeicher bei durchschnitt-
lichen Niederschlägen nicht mehr aufge-
füllt – trotz der geringen Speicherkapazi-
tät.
Im Frühsommer 2019 und 2020 wird Was-
ser so knapp, dass die Gehölze ihre Ver-
dunstung stark drosseln müssen. Generell
schaltet ihr Stoffwechsel in einen regel-
rechten „Sparmodus”. Alle hier betrach-
teten Baumarten zehren jetzt von den
eingelagerten Reserven. Darunter leidet
die Gehölzvitalität im Folgejahr. Selbst
im insgesamt durchschnittlich nieder-
schlagsreichen Sommerhalbjahr 2020 ist
daher kein nennenswerter Holzzuwachs
nachweisbar.
Zwischenfazit: Im betrachteten Landschafts-
raum ist die Wasserbilanz von Wäldern weni-
ger abhängig von der aufstockenden Baumart
als ursprünglich angenommen. Noch ist un-
klar, wie sich eine bis dahin unbekannte Ab-
folge extremer Dürrejahre auf die Waldvita-
lität auswirkt. Bis dahin gut wasserversorgte
Birken reagieren jedenfalls recht emp ndlich,
wenn sie plötzlich unter Trockenstress gera-
ten. Vor allem ältere und exponierte Einzel-
bäume haben es schwer, sie sterben oft ab,
ohne vorherige Schadsymptome.
Unverzichtbar für die
biologische Vielfalt im Wald
An sich schon besitzt die Birke eine hohe
ökologische Bedeutung. Kaum eine andere
Baumart ist besser geeignet, um den Wert
biologischer Vielfalt zu verdeutlichen: Un-
bestritten ist die regulative Bedeutung der
Gemeinen Birke im Ökosystem. Bekanntlich
dient sie als Habitat vieler natürlicher Fress-
feinde und Parasiten von forstlichen Groß-
schädlingen. Rund 300 phytophage Insekten,
darunter 20 Blattwespenarten, lassen sich
nachweisen. Birken sind darin nach Trauben-
bzw. Stiel-Eiche und Weiden die wirksamsten
Waldbäume. Eine 30-prozentige Birken-Bei-
mischung in größeren Kiefernkomplexen ver-
ringert das Risiko eines bestandesbedrohen-
den Kahlfraßes durch Schadinsekten, wie der
Nonne, signi kant.
Daneben besiedelt eine bemerkenswerte Fülle
an Baum- bzw. Totholzpilzen die Birke, da-
von etliche wirtsspezi sche Rote-Liste-Arten.
Schließlich sind Birkenwälder ein lebenswich-
tiges Quartier für andere, oft bedrohte Arten-
gruppen, insbesondere Fledermäuse. Auch
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leben .natu r. vielf alt
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1
die UN-Dekade
Abb. 3: Birken bilden einen „Hotspot“ der Biodiversität in unseren Wäldern; Foto: Hans Küchenmeister
der Kleinspecht ist wegen seines schwachen
Schnabels auf sie angewiesen.
Verweis auf UN-Auszeichnung
Dekade der Biodiversität
Ein Meilenstein: Am 20. August 2020 zeich-
net der Brandenburger Forstminister Axel
Vogel
PlanBirke – forsch voran
als Projekt der
UN- Dekade Biologische Vielfalt in der höchs-
ten Kategorie aus. Diese Initiative lenkt den
Blick auf Naturvielfalt und Chancen, die sich
daraus für uns ergeben – ohne ökologische
Stabilität keine nachhaltige Holzerzeugung.
Denn: Das Thema Waldzukunft ist einfach
zu vielschichtig, um es „Walderklärern” mit
ihren einfachen Botschaften zu überlassen.
Umso mehr sind die forstliche Anwendungs-
forschung, Umweltbildung und Öffentlich-
keitsarbeit gemeinsam gefragt. In diesem
Sinne:
Ein großer Dank an alle Bürgerfor-
schenden und „ehrenamtlich” Mitwirkenden,
es ist Euer/Ihr Preis!
Das Projekt wird gefördert durch den Waldkli-
mafonds (WKF) über die Fachagentur Nach-
wachsende Rohstoffe (FNR). Weitere Infor-
mationen unter:
https://plan-birke.de
.
Geoportal Sachsenatlas
Das Geoportal Sachsenatlas (
https://geoportal.
sachsen.de
) ist eine der E-Government-Ba-
siskomponenten des Freistaates Sachsen. Es
wurde erstmals im Jahr 2006 und anschlie-
ßend nach einer Neuentwicklung im Jahr
2013
durch den Staatsbetrieb Geobasisinfor-
mation und Vermessung Sachsen (GeoSN)
freigeschaltet. Der Betrieb und die P ege des
Portals
wird durch den GeoSN, einer nach-
geordneten Behörde des Sächsischen Staats-
ministeriums für Regionalentwicklung, ge-
währleistet.
Das Geoportal Sachsenatlas ermöglicht es auf
einfache Art und Weise, nach Geoinformatio-
nen zu recherchieren und diese anschließend
zu verwenden. Nicht ohne Grund heißt das
Motto des Geoportals: „Entdecke Sachsen
von zuhause aus”. Das Geoportal Sachsenat-
las ist rund um die Uhr an sieben Tagen die
Ausgezeichnetes
Projekt
UN-Dekade
Biologische
Vielfalt
2020
Das im Jahr 1992 gegründete Forschungs-
institut für Bergbaufolgelandschaften e. V.
(FIB) in Finster-
walde beschäftigt
sich mit den durch
Rohstoffgewinnung
und andere Einwir-
kungen geschädigten Landschaften.
Ein besonderer Schwerpunkt ist die an-
wendungsbezogene Klimafolgen- und
Waldökosystemforschung.
Dr. Dirk Knoche
ist stellvertretender Direktor
und
Christoph Ertle
wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Forschungsinstitut für
Bergbaufolgelandschaften e. V.
in Finsterwalde
Woche verfügbar. Neben dem Geoportal für
den heimischen Computer steht auch eine
mobile Anwendung für Smartphone und Ta-
blet-Computer zur Verfügung.
Im Geoportal ist eine Vielzahl von Geoin-
formationen erreichbar. Unter Geoinforma-
tionen versteht man Informationen über
Struktur, Beschaffenheit und Entwicklung der
Erdober äche, wobei diese sowohl natürliche
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Berblsdorf,
3006, Radeburg
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6508, Bod Broml>,>eh
(FliJrstOd<I
Burkh:irdtsdorf.2109,Burldiardtsdorf(F'lurstllck.)
CoseL S210.
Sdlwepnit, (Flurstück)
□ mmecel.8610.
Brandis
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Cäm,..,.._lde, 2005,
Neuhousen/Erzgeb.(FlurstOcl<)
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Erscheinungen wie Wald ächen und Fluss-
verläufe als auch gesellschaftliche Erschei-
nungen, z. B. Lärmbelastungskartierungen
und Schulstandorte,
umfassen. Alle Geoin-
formationen sind direkt oder indirekt auf die
Erde bezogen und als Punkt, Linie oder ein
Gebiet ausgeprägt.
Das
Geoportal Sachsenatlas (s. Abb. 1) kann
grundsätzlich von jedermann ohne Anmel-
dung und kostenfrei genutzt werden. Die In-
halte des Geoportals (1) und die in der Suche
(5) auf ndbaren Kartendienste unterliegen
allerdings den entsprechenden Nutzungsbe-
dingungen der jeweiligen Anbieter und Erzeu-
ger. Diese sind ebenfalls für die Qualität und
Präsentation der Karteninhalte verantwort-
lich. Sowohl Akteure aus den Bereichen Wirt-
schaft und Wissenschaft, Privatunternehmen
als auch staatliche und kommunale Behörden
stellen Informationen, Daten und Karten-
dienste bereit. Folgende thematische Bereiche
(3) sind u. a. in Form von digitalen Kartendar-
stellungen über das Geoportal Sachsenatlas
zugänglich:
Natur, Wasser, Wald und Forst sowie Geo-
logie
Planung, Lärmkartierung und Verkehr
Verwaltung, Geobasisinformationen und
Vermessung und „Infrastructure for Spa-
tial Information in the European Commu-
nity” (INSPIRE)
Tourismus und Geschichte
Statistik
Dabei ermöglichen verschiedene Hinter-
grundkarten (2), wie Luftbilder oder topogra-
schen Karten, eine gute Darstellung der un-
terschiedlichen vorkon gurierten bzw. selbst
erstellten
Karten. Eine weitere Variante, um
Informationen zu erhalten, ist die Suche (5)
innerhalb des Geoportals. Dafür wird ein Be-
griff in das Suchfeld eingegeben. Jeder ein-
gegebene Begriff wird, wenn es ein Ergebnis
gibt, in der Suchergebnisliste (8) dargestellt.
Aus dieser Ergebnisliste können nun gegebe-
nenfalls weitere Karteninhalte hinzugeladen
oder in eigenen Anwendungen weiterver-
wendet werden. Beispielsweise ist es mög-
lich, eine Flurstücksnummer in das Suchfeld
(5)
einzugeben. Dem Nutzer werden dabei
verschiedene Suchvorschläge – zusätzlich die
zur Flurstücksnummer passenden Gemar-
kungen – angezeigt. Der Nutzer muss nun
nur noch das Flurstück mit der richtigen Ge-
markung auswählen. Nach der Auswahl des
gesuchten Flurstücks
aus den Suchergebnis-
sen (8) durch Klick auf das Feld „Karte” wird
dieses in der Karte rot umrandet dargestellt.
Die Broschüre „Geoportal – Sachsenatlas
Vorkon gurierte Kartendienste” bietet einen
Überblick über die im Geoportal vorkon gu-
rierten Karten (3)
1
. Auch die ausführliche On-
line-Hilfe (4) kann genutzt werden.
Der in das Geoportal integrierte Kartenviewer
(1) ermöglicht die Erstellung und Bearbei-
tung individueller Karten auf der Grundla-
ge der verfügbaren Kartendienste. Spezielle
Darstellungen für die Waldbewirtschaftung
sind im Bereich „Wald und Forst” (3) bereits
vorkon guriert enthalten. Hier können Da-
ten zur Waldbedeckung (nicht amtlich) des
Freistaates Sachsen sowie die Forstbezirks-
grenzen, Reviergrenzen und Abteilungsgren-
zen angezeigt werden. Über die tatsächliche
Waldeigenschaft
eines Flurstückes geben die
jeweiligen Forstbehörde n der Landkreise und
kreisfreien Städte Auskunft.
Die Karten der Waldfunktionskartierung kön-
nen getrennt nach den Bereichen Boden,
Wasser, Luft, Natur, Landschaft, Kultur und
Erholung aufgerufen werden Die Ergebnisse
der Waldbiotopkartierung nden Sie z. B. als
Primärdienst im Kartenviewer Waldbiotope
1
https://www.landesvermessung.sachsen.de/info_publi/Geopor-
tal-VKK_1907.pdf
Abb. 1: Recherche nach Geoinformationen
unter
https://www.wald.sachsen.de/waldbio-
topkartierung-5927.html
. Dieser greift direkt
auf den WMS-Kartendienst Waldbiotope von
Sachsenforst zu, den Sie sich natürlich auch
über die Suchfunktion in Ihr Geoportal einla-
den können. Der Kartenviewer Waldbiotope ist
baugleich mit dem Geoportal Sachsen und für
die schnelle und einfache Recherche im Zuge
der Beantragung von Fördermitteln geeignet.
Die vorkon gurierten Karten in den Bereichen
„Natur”, Historisches Sachsen“ und „Geoba-
sisdaten” können ebenfalls interessant für die
Abb. 2: Suche nach Flurstücken
Abb. 3: Suchergebnisse
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1,
Abb. 4: Kartografsche Darstellung des Suchergeb-
nisses
Forstwirtschaft und private Waldbesitzer sein.
Einfach und schnell können dort Darstellun-
gen zu verschiedenen Schutzgebieten, älteren
Luftbildern bzw. topografschen Karten von
vor 1945 bis zur heutigen Zeit sowie Höhen-
linien und Reliefdarstellungen ausgewählt
werden.
Auch eigene Geodaten können importiert und
zur Karte hinzugefügt sowie selbst erstellte
Grafkobjekte exportiert werden. Dazu stellt
das Geoportal verschiedene Standard bzw.
Zeichen- und Editierwerkzeuge (7) zur Ver-
fügung.
Mittels der Standardwerkzeuge kann man In-
formationen zum dargestellten Karteninhalt
abfragen, Inhalte der Karte
vermessen, den
Kartenausschnitt drucken bzw. speichern. Für
eine individuelle Kartenzusammenstellung
mit all ihren Inhalten kann eine Web-Adres-
se generiert werden. Diese kann zum Beispiel
an Freunde, Bekannte oder Geschäftspartner
versandt und damit die ausgewählte Karte
mit
diesen geteilt werden. Nähere Informationen
zu diesem Thema sind ebenfalls in der Hilfe
unter dem Thema Werkzeugleiste
2
zu fnden.
Zeichen- und Editierwerkzeuge dienen unter
anderem zur Eintragung und Bearbeitung
von Punkten, Linien und Flächen sowie zur
näheren Beschreibung dieser Grafken mit-
tels eines Textes. Die angebotenen Werkzeu-
ge sind nur teilweise ohne Anmeldung am
Geoportal nutzbar. Eine Registrierung und
Anmeldung sind nötig, wenn die individuell
eingetragenen Grafkobjekte dem entspre-
chenden Nutzer nach dem Abspeichern zu
2
https://geoportal.sachsen.de/cps/werkzeugleiste.html
Abb. 6: Standardwerkzeuge
Abb. 7: Zeichen- und Editierwerkzeuge
Abb. 8: Bearbeitung von Karten
Wetterdaten und
Windkraftanlagen
kann nach Adressen, Orten und Gemeinden
gesucht werden. Mit Hilfe der GPS-Ortung
eines mobilen Endgerätes kann der aktuelle
Standort in der Karte dargestellt und zur Ori-
entierung genutzt werden. Zur Nutzung muss
eine ausreichende Internetverbindung vor-
handen sein. Der schnellste Weg zum mobilen
Geoportal führt über den QR-Code. Einfach
fotograferen, decodieren und verwenden.
Für alle Anfragen, Hil-
festellungen und Stö-
rungsmeldungen rund
um
das Geoportal
Sachsenatlas und die
Geodateninfrastruktur
Sachsen steht Ihnen
der Service Desk des Staatsbetriebes Geo-
basisinformation und Vermessung Sachsen
(GeoSN) als zentrale Anlaufstelle zur Verfü-
gung. Sie erreichen uns unter der Telefon-
nummer 0351 8283-8420 (Mo – Do 9 – 12
Uhr und 13 – 15 Uhr; Fr 9 – 12 Uhr) oder
schreiben Sie eine E-Mail an
servicedesk@
geosn.sachsen.de
.
Staatsbetrieb Geobasisinformation und
Vermessung Sachsen (GeoSN)
Postfach 10 02 44
01072 Dresden
Telefon: 0351 8283-0
E-Mail:
poststelle@geosn.sachsen.de
Abb. 5: Beispiel zur Darstellung der Reviergren-
zen
einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfü-
gung stehen sollen. Individuell eingetragene
Grafkobjekte können beispielweise Abgren-
zungen von abgestorbenen Waldfächen oder
die Eintragung des Befalls mit Borkenkäfern
sein.
Das Geoportal Sachsenatlas steht ebenfalls als
mobile Variante (
https://m.geoportal.sachsen.
de
) zur Verfügung, die eine optimierte Version
für Smartphones und Tablet-Computer dar-
stellt. Die kostenfreie Anwendung wird di-
rekt über einen Browser geladen und kann so
ohne Installation einer App auf dem mobilen
Endgerät verwendet werden. In der mobilen
Version
stehen nicht alle Funktionen des Geo-
portals zur Verfügung. Neben verschiedenen
vorkonfgurierten Kartenthemen wie
Baustelleninformationen
Bodenrichtwerte
Denkmale Sachsen
Finanzverwaltung
Geodätische Referenzpunkte
Gesundheitswesen
Haltestellen ÖPNV
Historisches Sachsen
Hochwassergefährdung
Hohlraumgebiete
Höheninformationen
Justiz
Lärmkartierung
NATURA 2000
Polizei
Radwege
Schulstandorte
Schutzgebiete
Standorte Mikroelektronik
Verwaltungsgrenzen
Waldbiotopkartierung
10 |

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Forstliche Krisenvorsorge mal anders
Eine Einleitung von
Dr. Ingo Werners,
Leiter des Referates Privat- und
Körperschaftswald, Forstpolitik
bei Sachsenforst
Als wir in der Redaktion der Waldpost Ende
2019 die ersten Ideen und Themen für die
Ausgabe 2021 zusammentrugen, waren
Waldbesitzer und Förster gedanklich nicht
bei der Ernährungsnotfallvorsorge. Vielmehr
beschäftigte überwiegend das fortschrei-
tende Schadgeschehen hinsichtlich rinden-
brütender Schadinsekten. Gleichwohl waren
wir uns einig, dass die betriebliche Krisen-
vorsorge auch einen Punkt erreichen kann,
wo es auf andere Weise substantiell wird. Der
mehrtägige Stromausfall, das Abgeschnitten-
sein von den üblichen und selbstverständlich
stets funktionierenden Versorgungsketten
durch Sturm, Schnee, Hochwasser usw. kön-
nen dazu führen, dass mal für ein paar Tage
„kein Nachschub kommt”. Dies ist umso wahr-
scheinlicher, je ländlicher und abgeschiedener
man wohnt. Insofern, so dachten wir, wäre es
folgerichtig, uns dieses Themas anzunehmen
und auf diese „andere Art der Krisenvorsor-
ge” hinzuweisen. Und dann erreichten uns im
März die COVID-19-Pandemie und die Sor-
gen, dass eben jene Versorgungsketten aus
anderen Gründen doch mal unterbrochen
sein könnten. Leere Regale waren die Folge.
Unsere Gesellschaft ist gewissermaßen ver-
wundbar – jeder kann aber einen kleinen Bei-
trag leisten, die „Abwehrkräfte” zu stärken.
Und so passt die Thematik Ernährungsnotfall-
vorsorge sicherlich gut in den Gesamtkom-
plex der „betrieblichen Krisenvorsorge”. Das
aktuelle Schadgeschehen im Wald zeigt uns
einmal mehr, wie wichtig Vorsorgemaßnah-
men insgesamt sind. Dazu können gehören:
Ein gut ausgebautes Wegenetz, die Kenntnis
der Eigentumsgrenzen bzw. deren Kenntlich-
machung, ein nachbarschaftliches Netzwerk,
das zusammenarbeitet und sich gegenseitig
hilft, der rege Besuch von Fortbildungen, das
Vorhalten eigener Technik, um sich auch selbst
helfen zu können, das Üben mit dieser Tech-
nik, der Abschluss von Versicherungen. Diese
Liste ist nicht abschließend, sondern eher als
„Ideengeber” gedacht. Im Rahmen der Eigen-
verantwortung muss jeder für sich den rich-
tigen Weg fnden. Waldbesitzer arbeiten mit
der Natur. Wälder werden maßgeblich durch
die Umweltfaktoren und die Waldbewirtschaf-
tung geprägt. Eine zielgerichtete Waldpfege
Schadereignissen mildern. Damit ist Wald-
pfege auch ein Element der Krisenvorsorge.
Schadereignisse wie Stürme, Hochwasser,
Waldbrände, Insekten oder Schnee treffen den
Wald und damit seinen Besitzer meist uner-
wartet und vernichten die Arbeit von Jahren
oder Jahrzehnten. Stürme wie Kyrill 2007, die
Hochwasserereignisse 2002 und 2013 oder
eben die jetzigen Ereignisse machen deutlich,
dass sich Waldbesitzer immer Gedanken über
den Ernstfall machen sollten; schon bei der
Planung und der Bestandesbegründung.
Eine gewisse Bevorratung mit Lebensmitteln,
gehört sicherlich auch dazu. Und vielleicht ha-
ben Sie längst auch eigene Schlussfolgerungen
gezogen und weitere Maßnahmen eingeleitet,
zukünftigen Ereignissen besser zu begegnen.
Guter Rat ist Vorrat
Starke Stürme, extreme Hitze und langan-
haltende Dürre – solche Naturkatastrophen
und deren Folgen sind nicht nur für Wald und
Forstwirtschaft, sondern auch für die Land-
wirtschaft und Nahrungsmittelproduktion
verheerend. In diesem Zusammenhang stellt
sich häufg die Frage nach der Resilienz von
Ökosystemen oder Infrastrukturen. Resilienz
beschreibt allgemein die Fähigkeit, schwierige
(Lebens)Situationen, externe Störungen oder
Krisen zu überstehen.
Die COVID-19-Pandemie hat zu Beginn ihres
Ausbruches in Deutschland deutlich gezeigt,
wie es um die Resilienz der deutschen Bevöl-
kerung in Bezug auf die Ernährungsnotfall-
vorsorge steht. Bilder und Berichte von leer
gekauften Supermarktregalen führten teil-
weise zu weiteren Panik- oder sogenannten
Hamsterkäufen. Obwohl die Versorgung mit
Grundnahrungsmitteln nach Aussagen des
Handelsverbandes Deutschland – HDE e. V. [1]
zu keinem Zeitpunkt gefährdet war, ließen die
„Hitlisten” (Abb. 1) der besonders stark nach-
gefragten Lebensmittel auch Rückschlüsse
auf die Bevorratungssituation in deutschen
Haushalten zu.
Private Vorsorge
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und
Katastrophenhilfe (BBK) veröffentlicht seit
Jahren eine Broschüre mit dem Titel „Ratge-
ber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln
in Notsituationen” [3], die Informationen und
eine Checkliste für einen 10-Tage-Vorrat an
Lebensmitteln und Getränken enthält. Neben
(Mineral)Wasser sollte ein Vorrat möglichst
verzehrfertige und haltbare Lebensmittel
enthalten. Dazu zählen beispielsweise Hafer-
focken, Knäckebrot, Nudeln, Gemüse- und
Obstkonserven (Abb. 2).
Bei der Planung des Vorrates sollen die Essge-
wohnheiten und geschmacklichen Vorlieben
der Haushaltsmitglieder berücksichtigt wer-
den. Dies ist zudem ein entscheidender Fak-
tor, um Lebensmittelverschwendung vorzu-
beugen. Denn die eingelagerten Lebensmittel
sollen nicht bis zum Ablauf ihrer Haltbarkeit
gehortet, sondern regelmäßig verwendet und
anschließend wieder ersetzt werden.
Bereits in den vergangenen Jahren wurden im
Rahmen diverser Studien deutsche Haushal-
Warengruppe
12. Kalenderwoche
(Angaben in Prozent)
13. Kalenderwoche
(Angaben in Prozent)
14. Kalenderwoche
(Angaben in Prozent)
Brotmischungen
168,9
34,0
68,4
Reis
161,3
34,1
22,8
Würstchenkonserven
155,0
18,1
14,3
Mehl
154,3
63,8
49,8
Nasssuppen
149,4
14,7
29,3
Teigwaren
141,2
17,1
4,6
Trockensuppen
129,8
16,1
5,8
hin zu stabilen, vitalen, struktur- und ertrag-
Abb 1: Absatzveränderungen ausgewählter Bevorratungsprodukte im Vergleich zur Vorwoche [2]
reichen Waldbeständen kann die Wirkung von
(Lebensmitteleinzelhandel und Drogeriemärkte, ohne Aldi, Lidl, Norma)
| 11

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Abb. 2: Beispielhafter Lebensmittelvorrat, Foto: SMEKUL/Genese Werbeagentur GmbH
te nach ihrer privaten Vorbereitung und Be-
vorratung befragt. So gaben im Rahmen der
Studie „Neue Strategien in der Ernährungs-
notfallvorsorge” 87,6 Prozent der Befragten
an, dass ihr Haushalt bis zu drei Tage mit den
Lebensmitteln versorgt werden könnte, die sie
zum Zeitpunkt der Befragung vorrätig hatten.
Weiter schätzten 47,6 Prozent der Befragten
ein, für bis zu sieben Tage Lebensmittelvor-
räte im Haus zu haben. Bis zu zwei Wochen
kamen lediglich 16,6 Prozent der Befragten
mit ihrem Vorrat aus [4]. Auch im Projekt
„Kritische Infrastrukturen – Resilienz als Min-
destversorgungskonzept – KIRMin” [5] wurde
untersucht, in welchem Maße die Bevölke-
rung auf einen Infrastrukturausfall vorberei-
tet wäre und ob sie sich dann zeitweise selbst
versorgen könnte. Auch hier zeigte sich, dass
nur etwa zwei Drittel der Befragten genügend
Trinkwasser für alle Haushaltsmitglieder be-
vorratet hat. Abb. 3 veranschaulicht, dass die
Bevorratung mit verschiedenen Lebensmit-
teln teilweise noch deutlich darunter lag [6].
Verglichen mit den Empfehlungen des BBK
für einen Lebensmittelvorrat liegt die ermit-
telte durchschnittliche private Vorsorge unter
den Mindestempfehlungen. Die Studie ergab
außerdem, dass der Grad der Vorbereitung
und Bevorratung sehr heterogen ist. So waren
Senioren und Familien vergleichsweise besser
vorbereitet als Single- und Studierenden-
haushalte. Unterschiede zeigten sich zudem
zwischen Stadt- und Landbevölkerung, wobei
letztgenannte über größere Vorräte verfügte.
Ernährungsnotfallvorsorge in Sachsen
Im Freistaat Sachsen wird seit vielen Jahren
über die Notwendigkeit der privaten Vor-
sorge in Form eines Lebensmittelnotvorrates
aufgeklärt. Unter
www.ernaehrungsvorsorge.
sachsen.de
fnden sich viele Informationen
zur staatlichen und privaten Vorsorge sowie
konkrete Hilfestellungen zum Anlegen eines
Vorrates mittels Vorratskalkulator. Dass ein
Trinkwasser
(1 Kasten je Person)
Brot
(1 großer Laib
je Person)
Haferflocken/Müsli
(1 Packung je Person)
frischen Gemüse
(1 kg je Person)
frisches Obst
(1,25 kg je Person)
Milchprodukte
(1kg je Person)
Konserven
(für 5 Mahlzeiten
je Person)
55,4%
72,6%
49,4%
52,0%
59,9%
53,5%
66,8
66,8%
53,5 %
59,9 %
52,0 %
55,4 %
49,4 %
72,6 %
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Abb. 3: Vom BBK empfohlene Lebensmittel zur privaten Vorsorge (für fünf Tage gerechnet) und tatsäch-
liche durchschnittliche Bevorratung von Haushalten [7]
12 |
Lebensmittelvorrat nicht nur in Krisensitua-
tionen hilfreich ist, stellten 2019 drei säch-
sische FoodBlogger unter Beweis. Unter dem
Motto „Vorsorge: Vorrat. – Mach was draus!”
kochten sie aus den Zutaten eines Beispiel-
vorrates für unterschiedliche Gelegenheiten
im Alltag. Ob spontane Einladung zu Nach-
bars Gartenparty oder der ungeplante Besuch
der Sportgruppe – ein Vorrat ist für viele Ge-
legenheiten sinnvoll und nützlich.
Für die Ernährungsnotfallvorsorge ist in
Sachsen das Staatsministerium für Energie,
Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie zuständig.
Rechtliche Grundlage für deren Handeln ist
das Gesetz über die Sicherstellung der Grund-
versorgung mit Lebensmitteln in einer Versor-
gungskrise und Maßnahmen zur Vorsorge für
eine Versorgungskrise (Ernährungssicherstel-
lungs- und -vorsorgegesetz – ESVG). In § 14
ESVG ist beispielsweise geregelt, dass Bund
und Länder Maßnahmen zu ergreifen haben,
um den Selbstschutz der Bevölkerung vor den
Folgen einer Versorgungskrise zu stärken und
die Bevölkerung über private Vorsorgemaß-
nahmen zu informieren.
Unsere Empfehlung lautet daher ganz klar:
Guter Rat ist Vorrat!
Literatur/Quellen:
[1] Pressemitteilung des HDE vom 11. März 2020
(
https://einzelhandel.de/presse/aktuellemeldun-
gen/12592-coronavirus-versorgung-der-bevoel-
kerung-gewaehrleistet
)
[2] Lebensmittelzeitung (2020) Ausgabe 16 vom
17.04.2020; Daten von NIELSEN SCANTRACK
[3] BBK (2018): Ratgeber für Notfallvorsorge und rich-
tiges Handeln in Notsituationen. Bundesamt für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, 6. Auf-
lage, Bonn (
https://www.bbk.bund.de/SharedDocs/
Downloads/BBK/DE/Publikationen/Broschueren_
Flyer/Buergerinformationen_A4/Ratgeber_Brosch.
html?nn=4250686
)
[4] Menski, U. (2016) (Hrsg.): Neue Strategien der Er-
nährungsnotfallvorsorge. Ergebnisse aus dem For-
schungsverbund NeuENV, Berlin
[5] Fekete, A.; Neisser, F.; Tzavella, K. & C. Hetkämper
(2019) (Hrsg.): Wege zu einem Mindestversorgungs-
konzept. Kritische Infrastrukturen und Resilienz,
Köln.
[6] Sandholz, S., Wannewitz, M., Krist, L. & Garschagen,
M. (2019): Stand der Vorbereitung der Bevölkerung
auf längere KRITIS-Ausfälle. In:[5].
[7] BBK (2020): Bevölkerungsschutz. Bundesamt für Be-
völkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Ausgabe
1/2020, Bonn
Manja Neubert ist
Referentin für Ernährungsnot-
fallvorsorge im Sächsischen
Staatsministerium für Energie,
Klimaschutz, Umwelt und Land-
wirtschaft

Ökokonto: Gewinn für den Wald und seinen Besitzer
Wirtschaftliche Entwicklung hat viele Seiten
– Produkte, Arbeitsplätze, Steuereinnahmen …
Wirtschaftliche Entwicklung benötigt aber
auch Platz für die Infrastruktur (Gebäude,
Erschließung usw.) – dieser wird oft nur
außerhalb des bebauten Gebietes gefun-
den und beansprucht land- oder forstwirt-
schaftlich genutzte Flächen. Eine Änderung
der Flächennutzung zieht Veränderungen
im Landschaftsbild und Naturhaushalt nach
sich und beeinträchtigt wertvolle Biotope
und/oder die dauerhafte Umwandlung von
Wald. Dadurch kann so ein Bauvorhaben
entweder einen Eingriff nach Naturschutz-
recht oder eine Umwandlung in eine andere
Nutzungsart nach Waldgesetz – manchmal
auch nach beiden Gesetzen – darstellen.
Die nachteiligen Wirkungen dieser Eingriffe
auf den Natur- und Landschaftshaushalt
bzw. auf die Schutz- und Erholungsfunk-
tion des Waldes sind durch den Eingriffs-
verursacher (den Bauträger) entsprechend
auszugleichen oder zu ersetzen, d. h. zu
„kompensieren”. In welchem qualitativen
und quantitativen Umfang die Kompen-
sation erfolgen muss, wird im Rahmen des
öffentlich-rechtlichen Baugenehmigungs-
verfahrens von der Naturschutz- bzw. der
Forstbehörde festgelegt.
Zur Kompensation einer Waldumwandlung
sind meistens Erstaufforstungen bisher
nicht bestockter Flächen außerhalb vom
Wald erforderlich. Ebenso zählen aber auch
die Anlage ökologisch wertvoller Waldränder
oder der ökologische Waldumbau standort-
fremder Bestockungen dazu. Dabei können
ganze Bestände mit entsprechenden Vor-
anbauten verjüngt werden oder aber z. B.
Fichten als standortfremde Baumarten an
Ufern kleinerer Fließgewässer im Wald durch
Erlen und Weiden ersetzt werden. Gesetzlich
vorgeschriebene Aufgaben, wie die Wieder-
aufforstung eines Kahlhiebs nach einer Kala-
mität, werden nicht als Kompensationsmaß-
nahmen anerkannt.
Die Palette möglicher Maßnahmen zur Kom-
pensation von Eingriffen in Natur und Land-
schaft ist dagegen wesentlich größer. Hier
zählen „einfache” Artenschutzmaßnahmen,
z. B. das Anbringen von Fledermauskästen
dazu, aber genauso komplexere Vorhaben
wie die Pfanzung von Hecken als Teil von
Biotopverbünden. Ebenso kann die Anlage
von ökologisch wertvollen Kleingewässern
bzw. die Renaturierung naturferner Fließ-
und Stillgewässer einen Eingriff kompensie-
ren. Letztlich zählen aber auch Abriss- und
Entsiegelungsmaßnahmen ohne gesetzliche
Verpfichtung, z. B. von alten Stallanlagen im
Außenbereich, als Kompensation.
In jedem Fall muss die Fläche, auf der die
Kompensationsmaßnahme umgesetzt wird,
hinterher einen höheren ökologischen Wert
für den Wald bzw. für den Natur- und Land-
schaftshaushalt aufweisen als vorher – und
dieser Wert muss langfristig erhalten bleiben.
Die Eingriffsverursacher verfügen in den
seltensten Fällen über eigene Flächen, auf
denen sie die geforderten Kompensations-
maßnahmen umsetzen können. Dafür brau-
chen sie Grundeigentümer, die ihnen auf
privatrechtlicher Basis Flächen bereitstellen.
Für Grundeigentümer kann die Vermarktung
von Kompensationsmaßnahmen eine zu-
sätzliche Einnahmequelle und zudem eine
interessante Alternative zur Förderung sein.
Das ist insbesondere dann bedeutsam, wenn
sie nur relativ kleine Flächen besitzen und
ihre Förderanträge dann unter die Bagatell-
grenze fallen würden.
Kompensationsmaßnahmen werden über-
wiegend in drei Formen organisiert: Flä-
chenbereitstellung, direkte Kompensation
oder Ökokonto.
Bei der Flächenbereitstellung gestattet der
Grundeigentümer dem Eingriffsverursacher,
die Maßnahmen auf dessen Kosten umzu-
setzen. Er überlässt sozusagen Grund und
Boden gegen ein angemessenes Entgelt und
duldet die positiven ökologischen Verände-
rungen darauf. Vorteil dieser Vorgehenswei-
se ist, dass der Grundeigentümer den ge-
ringsten Aufwand hat. Nachteilig kann sein,
dass der Grundeigentümer keinen Einfuss
auf die Durchführung der Kompensations-
maßnahme hat.
Direkte Kompensationsmaßnahmen werden
als komplettes Servicepaket vom Grund-
eigentümer selbst oder durch von ihm be-
auftragte Unternehmen umgesetzt und dem
Eingriffsverursacher in Rechnung gestellt.
Vorteilhaft ist hier, dass der Grundeigentü-
mer die Art und Weise der Ausführung der
Maßnahmen selbst gestalten kann.
In beiden Fällen wird eine schriftliche Ver-
einbarung über die Grundstücksüberlassung
bzw. -nutzung empfohlen.
Auch Ökokontomaßnahmen werden vom
Grundeigentümer selbst oder durch von ihm
beauftragte Unternehmen durchgeführt. Die
Anerkennung der „Ökopunkte” erfolgt auf
schriftlichen Antrag des Grundeigentümers
durch die Untere Naturschutzbehörde (UNB)
beim Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt.
Dabei ist es wichtig, schon vor Beginn der
Maßnahme den Kontakt zur Behörde zu su-
chen und sich mit ihr abzustimmen. Die Öko-
punkte werden dann von der UNB im Kom-
pensationsfächen-Kataster eingetragen,
wenn der Grundeigentümer dies wünscht
und sein Einverständnis zur Erfassung von
personenbezogenen Daten erteilt. Eingriffs-
verursacher können im Rahmen des Geneh-
migungsverfahrens einen Lesezugriff auf
das Kataster erhalten, die als Kompensation
für ihr Vorhaben geeigneten Ökokontomaß-
nahmen heraussuchen, Kontakt zum Grund-
eigentümer aufnehmen und mit ihm über
den Verkauf der Ökopunkte verhandeln. Für
den Eingriffsverursacher ist dabei von Vor-
teil, dass der Grundeigentümer schon „etwas
auf dem Konto” hat und gleich liefern kann.
Der große Nachteil bei dieser Vorgehenswei-
se ist, dass der Grundeigentümer über einen
längeren Zeitraum, teilweise über Jahre, f-
nanziell in Vorleistung geht.
Damit die Vermarktung von Kompensations-
maßnahmen nicht nur ein ökologischer,
sondern auch ein ökonomischer Erfolg für
den Grundeigentümer wird, sollte dieser die
Maßnahmen kalkulieren. Insbesondere bei
der Beantragung von Kompensationsmaß-
nahmen für das Ökokonto ist es zielführend,
die eigenen Aufwände vorher mit dem zu
erwartenden fnanziellen Gegenwert abzu-
gleichen. Sinnvoll ist in jedem Fall die Beauf-
tragung eines Fachanwalts mit der Vertrags-
gestaltung.
In der Kalkulation sollten die Kosten für
die Eintragung und spätere Löschung der
dinglichen Sicherung der Kompensations-
maßnahme im Grundbuch, die Kosten für
die Flächenbereitstellung (z. B. der Einnah-
meausfall von Pachten oder wegen kom-
pensationsmaßnahmenbedingter Nutzungs-
beschränkungen), die Material- und ggf.
Unternehmerkosten für die Durchführung
der Maßnahme, die eigenen Personalkos-
ten und auch ein angemessener Risiko-
und Gewinnzuschlag (für evtl. notwendi-
ge Nachbesserungen und zum Vorbeugen
der Infation) über einen Zeitraum von ca.
25 Jahren (bzw. bei Waldersatz bis zur ge-
| 13

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sicherten Kultur) berücksichtigt werden. stellung und der direkten Durchführung
Vorteilhaft für die Reduzierung fnanzieller der Kompensationsmaßnahmen durch den
Risiken ist es, im Fall der Flächenbereit- Grundeigentümer vertraglich die Voraus-
Weitere Informationen im Internet:
www.revosax.sachsen.de
Sächsisches Naturschutzgesetz
Naturschutz-Ausgleichsverordnung
Sächsische Ökokonto-Verordnung
Waldgesetz für den Freistaat Sachsen
https://www.natur.sachsen.de/eingriffsregelung-handlungsempfehlung-8109.html
zahlung durch den Eingriffsverursacher
vor Leistungserbringung zu vereinba-
ren.
Michael Creutz
ist Referent im Referat Neue
Geschäftsfelder, Naturdienst-
leistungen, Erholungsvorsorge
bei Sachsenforst
Einsatz von Pappelsetzstangen bei der
Wiederbewaldung von Kalamitätsfächen
Extreme Witterungsereignisse wie Stürme,
Nassschnee, Hitze und Trockenheit in Kom-
bination mit einer Massenvermehrung von
Borkenkäfern waren und sind die Ursache für
eine zunehmende Anzahl von Freifächen un-
terschiedlicher Größe. Die Wiederbewaldung
vor allem größerer Freifächen ist auf Grund
der ihnen eigenen klimatischen Bedingungen
sehr oft mit Risiken verbunden. Eine erfolg-
reiche Sukzession ist abhängig von dem Vor-
handensein einer ausreichenden Anzahl vita-
ler und qualitativ befriedigender Elternbäume
sowie waldverträglicher Wildbestände. Eine
natürliche Wiederbewaldung ist nicht immer
erfolgreich oder kann wieder zu Reinbestän-
den mit nicht mehr erwünschten Baumarten
wie der Fichte führen. Die unmittelbare Wie-
deraufforstung setzt das Vorhandensein von
geeignetem Pfanzgut, ausreichend Arbeits-
kapazitäten und fnanziellen Spielräumen vo-
raus. Zudem sind viele Zielbaumarten für eine
Freifächenaufforstung nur bedingt geeignet.
Ist eine befriedigende Sukzession nicht zu er-
warten und eine zeitnahe Wiederaufforstung
mit den gewünschten Zielbaumarten nicht
möglich oder aufgrund der Freifächensituation
nicht erwünscht, stellt die Begründung eines
Vorwaldes eine interessante Alternative dar. Ein
Vorwald aus Pionierbaumarten wirkt einer Ver-
grasung der Fläche oder einer Naturverjüngung
mit unerwünschten Baumarten entgegen, bie-
tet Schutz vor klimatischen Extremereignissen
und eröffnet Spielräume bei der Baumarten-
wahl in Zeiten schneller Umweltveränderungen.
Der Zeitrahmen für die Pfanzung der geplan-
ten Zielbaumarten kann so auf einen späteren
Zeitpunkt mit ausreichender Pfanzgutversor-
gung und Arbeitskapazität verschoben wer-
den. Weiterhin reduziert sich der Aufwand für
die Kulturpfege. Die Etablierung von Vorwäl-
dern bietet sich auch bei der Erstaufforstung
landwirtschaftlicher Flächen und bei Rekul-
tivierungsaufforstungen von Bergbaufolge-
landschaften an.
Vorwälder können während der Kulturphase
schattenliebender Zielbaumarten wie Buche,
Weißtanne oder auch Eiche die Gefahr von
Frostschäden und Mäuseschäden verringern.
Neben Birke, Erle, Weide, Aspe oder (Hybrid)-
Lärche könnten auf einem Teil dieser Flächen
auch Pappeln zur Überschirmung verwendet
werden.
Welche Vorteile haben Pappeln
als Vorwaldbaumart?
Pappeln fördern durch eine sehr gute Streu-
umsetzung die Humusbildung im Boden. Auf
vielen Flächen haben Pappeln in den ersten
Jahrzehnten den höchsten Zuwachs aller Vor-
waldbaumarten und können mit geringen
Pfanzenzahlen (500 – 1.200 Stk./ha) Freifä-
chen schon nach wenigen Jahren überschir-
men und nennenswerte Vorerträge liefern.
Wie werden Pappeln vermehrt?
Für den Anbau im Wald wurden bisher Pap-
peln vegetativ über Steckhölzer vermehrt und
als ein- oder zweijährige bewurzelte, teilweise
zurückgeschnittene Pfanzen abgegeben.
Für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen
auf landwirtschaftlichen Flächen werden sol-
che 20 cm (bis max. 30 cm) langen Steckhöl-
zer direkt in den Boden gesteckt. Hierfür ist
aber im Anlagejahr eine intensive Kulturpfe-
ge, vergleichbar der im landwirtschaftlichen
Hackfruchtanbau, nötig. Dies ist nur auf Erst-
aufforstungsfächen denkbar, dort dann aber
sehr effektiv und kostengünstig.
Abb. 1: Pappelpfanzung im Wermsdorfer Wald; Foto: Wolfgang Hüller
14 |

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Abb. 2: Pappelstreifen auf Kalamitätsfäche im FoB Taura, Sommer 2019; Foto: Wolfgang Hüller
Die generative Vermehrung über Saatgut
spielt in Deutschland nur bei der Aspe und
der heimischen Schwarzpappel im Rahmen
von Generhaltungsmaßnahmen sowie in der
Züchtung eine gewisse Rolle.
Eine weitere Möglichkeit ist das Pfanzen
von 1,20 bis 2,50 m langen meist 1-jährigen
Ruten oder Setzstangen. Dies wurde bisher
vereinzelt nur als Versuchsanbau prakti-
ziert. Gelegentlich werden Schwarzpappeln
im Rahmen von Naturschutzmaßnahmen
als Setzstangen gepfanzt. Verbreitet ist
diese Vermehrungsmethode in Italien und
Ungarn. Hier werden Pappelplantagen für
die stoffiche Nutzung bis hin zur Wertholz-
erzeugung erfolgreich mit Setzstangen be-
gründet.
Welche Baumarten lassen sich durch
Setzstangen vermehren?
Die meisten Pappel- und Weidenarten lassen
sind vegetativ relativ einfach über Steckhölzer
oder Setzstangen vermehren. Nicht möglich
ist dies bei Weiß- und Zitterpappeln (Sektion
Leuce), wozu auch die Aspe zählt.
Welche Vorteile haben Pappel-Setzstan-
gen gegenüber bewurzelten Pfanzen?
Setzstangen sind bei vorhandenen „Mutter-
quartieren”, z. B. nach Kalamitäten, sehr kurz-
fristig verfügbar und brauchen keine vorge-
schaltete 1- bis 3-jährige Baumschulphase.
Sie können ohne Zaun angebaut werden und
haben abgesehen vom Anlagejahr einen sehr
geringen Pfegeaufwand. Ein Fegeschutz ist
aber fast immer nötig.
Bei entsprechender Setztiefe können Pappeln
grundwasserfernere Standorte erschließen
und trockene Witterung im Pfanzjahr sogar
besser als bewurzelte Pfanzen überstehen.
Welche Standorte kommen
für die Verwendung von
Pappel-Setzstangen in Frage?
Pappeln haben eine breite Standortamplitude
und können auf terrestrischen Standorten je
nach Topografe vom Flachland bis in Höhen
von 600 m verwendet werden. Leicht stau-
nasse Standorte können nach anfänglichen
Wuchsstockungen durch die Pappeln selbst
drainiert werden, bei stärker verdichteten,
staunassen Böden sollte von einem Anbau
abgesehen werden. Gut durchlüftete, nicht
zu trockene Standorte führen zu hohen Zu-
wächsen. An die Nährstoffversorgung haben
Pappeln keine besonderen Ansprüche.
Abb. 3: 7-jährige Setzstangenpfanzung mit
Weißtanne im Unterstand; Foto: Wolfgang Hüller
Sind Pappeln aus Sicht
des Naturschutzes problematisch?
Pappeln sind nicht invasiv. Sie werden von den
heimischen Zielbaumarten ab einem Alter von
40 Jahren im Wachstum eingeholt, überholt,
und, wenn nicht vorher genutzt, ausgedunkelt
und sterben im Unterstand ab. Pappel-Natur-
verjüngung im Wald ist selten und gegenüber
der Bodenvegetation und anderen Baumarten
nicht konkurrenzfähig. Ein massiver Stockaus-
schlag ist nach der Beerntung zu erwarten,
vergeht aber schnell bei verbleibender Teil-
überschirmung und durch die Konkurrenz der
schattenertragenden Zielbaumarten. Eine Hy-
bridisierung mit der heimischen Schwarzpap-
pel ist zwar durch gezielte Kreuzung möglich,
in der Natur aber unwahrscheinlich. Durch
eine räumliche Trennung zu vorhandenen
Schwarzpappelvorkommen kann dieser Gefahr
begegnet werden. Die meisten Pappelanbau-
ten im Wald aus den 1950er- und 1960er-Jah-
ren sind heute „rückstandsfrei” verschwunden.
Eine Weiterverbreitung in Nachbarbestände ist
nicht bekannt.
Wie kann Pappelholz verwendet werden?
Neben der Herstellung von Heizhackschnitzeln
ergeben sich bei stärkeren Dimensionen auch
Möglichkeiten der stoffichen Nutzung. Hier-
zu zählt die Herstellung von Span-, Faser- und
Holzwolleplatten für den Bau- und Dämm-
stoffbereich, die Zellstoffproduktion. Durch
neuere Forschungsvorhaben im Bereich der
Bioökonomie werden weitere Verwendungs-
zwecke erschlossen, um einer zu erwartenden
Holzverknappung entgegenzuwirken und den
Verbrauch fossiler Rohstoffe zu kompensieren.
Bisherige Erfahrungen mit Setzstangen
Sachsenforst führt seit 2013 im Rahmen des
durch das Bundesministerium für Ernährung
und Landwirtschaft auf Grund eines Be-
schlusses des Deutschen Bundestages von der
Fachagentur für nachwachsende Rohstoffe
(FNR) geförderten Projektes „DendroMax” in
geringem Umfang auch Anbauversuche mit
Pappeln-Setzstangen für den zeitlich be-
grenzten Anbau als Vorwald durch.
Die Ergebnisse felen zunächst recht unter-
schiedlich aus. Auf einigen Flächen wurden
Anwuchsergebnisse von fast 100 % erreicht.
Die weiteren Wuchsleistungen lagen oft
deutlich über denen aller anderen getesteten
Baumarten. Es gab aber auch immer wieder
Flächen mit unbefriedigenden Ergebnissen bis
hin zum Totalausfall.
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Über die Jahre konnten hieraus nun eine Reihe
von Erkenntnissen gesammelt werden, die bei
konsequenter Umsetzung einen Kulturerfolg
heute deutlich wahrscheinlicher werden las-
sen.
Wichtige Kriterien
für einen Anbauerfolg
Die Qualität der Setzstangen wird durch den
Erntezeitpunkt, die Lagerbedingungen bis
zum Setzen und den Frischezustand bei der
Pfanzung bestimmt. Eine frühe Ernte in der
absoluten Vegetationsruhe im Januar hat
sich bewährt. Eine dunkle, kalte, aber frost-
freie, nicht zu trockene Lagerung verhindert
ein zu starkes Austrocknen oder ein vorzeiti-
ges Austreiben vor der Pfanzung.
Für eine gute Qualität der Pfanzung sind
eine ausreichende Setztiefe und ein fester
Bodenschluss (Verbindung zu Mineralboden)
wichtig. Eine Setztiefe von mind. 40 cm, auf
grundwasserfernen Standorten auch tiefer,
und ein festes Verfüllen des Pfanzloches för-
dern eine schnelle Wurzelbildung. Die Pappel
darf weder wackeln noch leicht mit der Hand
aus dem Pfanzloch herausgezogen wer-
den können. Das Pfanzloch kann mit einem
4-6 cm-Bohrer (z. B. Pfanzfuchs) ausgeho-
ben werden. Bei Erstaufforstungen nicht zu
fachgründiger Standorte sind auch rationel-
lere Pfugscharpfanzverfahren möglich.
Der Zeitpunkt der Pfanzung, die aktuelle Bo-
denfeuchte, das Boden-Lufttemperatur-Ver-
hältnis und der anschließende Witterungs-
verlauf beeinfussen das Anwuchsverhalten.
Warme Bodentemperaturen ab 10 °C för-
dern das wichtige Wurzelwachstum. Eine
Witterung mit viel Sonne, Wind und kalten
Nachttemperaturen beschleunigt zwar den
Blattaustrieb, behindert aber das Wurzel-
wachstum und führt oft zum Austrocken
und Absterben der Pappeln. Ein Blick auf die
aktuelle Entwicklung der Bodentempera-
turen kann hilfreich sein. Bei guten Lager-
bedingungen ist eine Pfanzung bis Ende Mai
möglich.
Die Reduktion der Blattfäche (Verdunstungs-
schutz) sofort nach dem Austreiben bis auf
die obersten 2-3 Triebe und das zeitnahe An-
bringen eines Fegeschutzes sind weitere er-
folgversprechende Maßnahmen.
Im Anlagejahr ist eine zeitige Kulturpfege
bei starker Vergrasung der Fläche, vor allem
bei geringem Niederschlag, förderlich für den
Anwuchserfolg.
Abb. 4: 7-jähriger Pappelschirm; Foto: Wolfgang
Hüller
Ein massives Auftreten des Pappelblattkäfers
im Pfanzjahr kann in seltenen Einzelfällen
das Austreiben der Pfanzen komplett ver-
hindern. Hier sollten, wenn möglich, die Käfer
bei sonnigem Wetter eingesammelt sowie die
Eiablagen und Larven mechanisch vernichtet
werden. Ähnlich wie beim Kartoffelkäfer lässt
sich der Pappelblattkäfer bei der kleinsten
Störung fallen und kann so leicht in einem
unterhalb platzierten Behälter aufgefangen
werden.
Auswahl von Sorten/Klonen
Die Anbaueigenschaften der verschiedenen
Pappelklone und -sorten spielen für die er-
folgreiche Verwendung als Vorwaldbaum-
art eine entscheidende Rolle. Gefordert sind
eine hohe Resistenz gegenüber verschiede-
nen Blatt- und Rindenkrankheiten sowie eine
breite Standorttoleranz u. a. in Bezug auf Tro-
ckenstress, Staunässe und Schneebruch. Eine
geradschaftige, feinastige und schmalkronige
Wuchsform erleichtern die spätere Ernte über
der dann schon vorhandenen Zielbestockung
aus z. B. Buchen oder Weißtannen und redu-
ziert die Gefahr von Schlag- und Rückeschä-
den. Für die spätere eventuell auch stoffiche
Nutzung ist neben der Holzqualität eine be-
friedigende Stammform ebenfalls das Ziel.
Für die Anlage von Vorwäldern, die 10 bis 40
Jahre ihre Funktion ausüben sollen, haben
sich aufgrund einer breiteren Standorttole-
ranz vor allem Balsampappeln (Populus
tri-
chocarpa)
und deren Hybride (Populus
maxi-
mowiczii x Populus trichocarpa)
bewährt.
Nach aktuellem Wissensstand sind folgende
Klone für den Vorwald zu empfehlen:
Unter den Amerikanischen Balsampappeln
(Populus
trichocarpa):
Muhle Larsen, Scott
Pauley, Trichobel, Brühl (Mehrklonsorte)
Unter den Balsampappelhybriden (z. B.
Po-
pulus maximowiczii
x
Populus trichocarpa):
Androscoggin, Oxford, Hybride 275, Matrix 24
Vorwaldprojekt 2019/20 – Pilotvorhaben
„Wiederbestockung von Kalamitätsfä-
chen”
In der dritten Phase des von der FNR geför-
derten Projektes „DendroMax” wurden 2019
und 2020 in Pilotversuchen zur Wiederbesto-
ckung von Kalamitätsfächen die Baumarten
Hybridlärche und Aspe gepfanzt. Auf aus-
gewählten Flächen wurden auch Streifen mit
Pappelsetzstangen angelegt. Die Anwuchser-
gebnisse sind trotz wiederholter Trockenheit
auf den meisten Flächen gut und bestätigen
die Erfahrungen der letzten Jahre.
Weiterer Forschungsbedarf bei
Sortenwahl, Anlageoptimierung und
Entwicklung von Waldbaukonzepten
Besonders im Hinblick auf die zu erwartenden
Klimaveränderungen wäre es nutzbringend,
weitere Pappelklone in Anbauprüfungen mit
langen Umtriebszeiten auf unterschiedlichen
Standorten zu testen und somit die Auswahl-
möglichkeiten für die forstliche Praxis zu er-
höhen.
Bei Pfanzungen auf nur mäßig geräum-
ten Kalamitätsfächen und fachgründigen
Standorten können die Arbeitsverfahren
noch optimiert werden. Auch bei den Lager-
bedingungen der Setzstangen zwischen Ernte
und Pfanzung sind Verbesserungen denkbar.
Letztlich sind waldbauliche Fragestellungen,
vom optimalen Verband des Pappelvorwaldes
über die spätere Teilentnahme des Schirms,
dem Einbringen der Zielbaumarten und dem
rechtzeitigen Räumen des restlichen Ober-
standes zu bearbeiten.
Wolfgang Hüller
ist Sachbearbeiter im Referat
Forstgenetik, Forstpfanzen-
züchtung im Kompetenzzent-
rum Wald und Forstwirtschaft
bei Sachsenforst
16 |

Umgang mit Bewirtschaftungserschwernissen
im Kleinstprivatwald
Erfahrungsaustausch mit der Forstbetriebsgemeinschaft „Waldbauverein Ammerland” im
allen Fragen rund um das Thema „integ-
Revier Strauch des Forstbezirkes Dresden
rative naturnahe Waldbewirtschaftung”.
Im aktuellen Schadgeschehen, das sich im
Am 6. September 2019 besuchten Waldbe- auf. Die Ost-West-Ausdehnung beträgt 30 km
nördlichen Teil des Forstbezirkes Dresden
sitzer der niedersächsischen Forstbetriebs- und die Nord-Süd-Ausdehnung circa 9 km.
am rasanten Absterben der Kiefer zeigt,
gemeinschaft (FBG) „Waldbauverein Ammer- Die Waldfäche umfasst im Forstrevier
versucht der Revierleiter stets, geschädig-
land” das Privat- und Körperschaftswaldrevier Strauch gut 4.000 Hektar und ist zu 87 %
te Waldeigentümer zu Aufarbeitungskom-
Strauch im Forstbezirk Dresden. Die FBG weist in privatem Eigentum. Der Kleinstprivatwald
plexen zu bündeln, in denen ein Unter-
derzeit 450 Mitglieder auf und umfasst ca.
(< 5 Hektar) nimmt 32 % der Revierwaldfä-
nehmer die zumeist durch Borken- und
5.300 Hektar Waldfäche. Sie erstreckt sich
che ein. Die knapp tausend Waldeigentümer
Prachtkäfer befallenen Bäume fällt. Die
über den Landkreis Ammerland, die Weser-
verfügen zu 89 % über Kleinstprivatwald. Die
forstlichen Arbeiten und Sanierungsmaß-
marsch, südliche Teile des Landkreises Fries-
durchschnittliche Größe des privaten Wald-
nahmen werden im Rahmen der Beratung
land und die Stadt Oldenburg. In Nieder- eigentums beträgt 3,8 Hektar. Somit spiegelt
fachlich begleitet. Dieses Vorgehen zielt
sachsen sind die Beratung und Betreuung das Revier Strauch die sächsische Struktur
auf die Entwicklung des direkten Kontak-
des Privatwaldes gemäß § 17 Abs. 1 Satz 2 des Kleinstprivatwaldes treffich wider.
tes zwischen Waldeigentümer und forst-
Niedersächsisches Gesetz über den Wald und
lichem Dienstleister ab.
die Landschaftsordnung (NWaldLG) Pficht-
Charakteristisch ist weiterhin die Flächen-
aufgaben der Landwirtschaftskammer Nie- form des Waldeigentums im Revier. Durch
Die
Flurneuordnung
im Wald, wie in den
dersachsen. Sie werden von fachkundigen die Realteilung im 19. Jahrhundert entstan-
Gemeinden Röderaue und Großenhain des
Personen (§ 15 Abs. 3 Satz 2 NWaldLG) durch- den die sogenannten „Langen Stücke”, d. h.
Landkreises Meißen vollzogen, reduziert die
geführt. Durch einen Betreuungsvertrag mit Waldfurstücke mit einem Kantenverhältnis
Anzahl der Flurstücke in einem Waldgebiet,
der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von 1 : 50. Diese schmalen, handtuchartigen vermindert die Zersplitterung des Wald-
übernimmt der zuständige Bezirksförster die Waldparzellen weisen oftmals eine Breite von
eigentums, bewirkt eindeutige Grenzlinien,
Beratung, Betreuung, tätige Mithilfe und die 10 Metern, bei einer Länge von 500 Metern,
schafft größere, kompakte Flurstücke und
Ausführung der anfallenden forstbetriebli-
auf. Diese ungünstige Grundstücksform, in
ermöglicht die planvolle Erschließung des
chen Arbeiten in der FBG, natürlich stets mit
Verbindung mit zersplittertem Waldeigen-
Waldgebietes. Dies erleichtert für Wald-
Einverständnis der Waldeigentümer.
tum, fehlenden Grenzsteinen und fehlender
eigentümer die reguläre Bewirtschaftung
Erschließung stellt ein starkes Bewirtschaf-
der Waldgebiete und vereinfacht die Zu-
Die Gründung von forstwirtschaftlichen Zu- tungshindernis dar. Erschwerend kommt die
gänglichkeit dieser in Waldschadenssitua-
sammenschlüssen gemäß § 15 Bundeswald- seit dem Orkan „Friederike” vom 18. Januar
tionen erheblich. Letzteres – dies zeigt der
gesetz (BWaldG) wird auch in der Waldstra-
2018 angefallene Schadholzmenge im Revier
Schadensverlauf in kieferndominierten Be-
tegie 2050 für den Freistaat Sachsen als ein
von 60.000 m³ hinzu. Dieses Schadausmaß
ständen im aktuellen und vergangenen Jahr
weiteres Instrument vorgesehen, um Heraus-
umfasst sowohl die entstandenen Wurf- und
– ist eine wesentliche Grundlage für eine
forderungen im Privatwald zu begegnen. Der-
Bruchschäden zu Beginn des Jahres 2018 als
zügige Sanierung der befallenen Bestände.
zeit existiert im Revier Strauch keine FBG und
auch die durch verschiedene rindenbrütende
Diese Argumente waren auch Anlass für
es gibt auch keine Initiative zu einer Neugrün-
Insekten in den Jahren 2019 und 2020 ver-
die Waldbesitzer im Ortsteil Frauenhain der
dung. Somit ist es aus Sicht des Forstbezirks ursachten Schadholzmengen. Sechs- und
Gemeinde Röderaue, erneut ein Flurneu-
Dresden essentiell, Erfahrungswissen „aus ers- Zwölfzähniger Kiefern-Borkenkäfer, Kleiner
ordnungsverfahren anzuschieben.
ter Hand” von einer seit Jahrzehnten etablier-
und Großer Waldgärtner sowie Blauer Kie-
ten FBG zu erhalten. Dies bildet ein Fundament fern-Prachtkäfer haben derzeit leichtes Spiel
Die
Bündelung der Waldeigentümer
ist
für eine umfassende Beratung der Waldeigen- und befallen die durch Trockenheit und Dürre
eine Grundvoraussetzung, um Waldfä-
tümer und für einen effzienten Wissens-
stark geschwächten Kiefernwälder.
chen zu bewirtschaften und in Schadsitua-
transfer zum Thema „Gründung forstwirt-
tionen rasch handeln zu können. Oftmals
schaftlicher Zusammenschlüsse”. Gemeinsam Während der Exkursion wurde mit den Teil-
funktioniert dies im Rahmen „temporärer
mit den niedersächsischen Kollegen wurden nehmern über Herangehensweisen diskutiert,
Zusammenschlüsse”, die sich nach Schad-
daher bestehende forstrechtliche Regelungen mit welchen den zuvor genannten Bewirt-
ereignissen (z. B. Stürmen) bilden. Dauer-
der Länder Niedersachsen und Sachsen – ins-
schaftungserschwernissen im Klein- und haften Zusammenschlüssen stehen die
besondere für den Privatwald – ausgetauscht Kleinstprivatwald im Forstbezirk Dresden be-
Waldeigentümer im Revier Strauch kritisch
sowie lokale Ausgangsbedingungen für die gegnet wird. Folgende Schwerpunkte wurden
gegenüber, obwohl Argumente des Wald-
alltägliche forstliche Arbeit abgeglichen.
herausgearbeitet:
schutzes (z. B. eigentumsübergreifende
Waldbrandvorsorge) oder der Bewirtschaf-
Der
Revierleiter vor Ort ist der zentra-
tung (z. B. leichteres Binden von Unterneh-
Ausgangsbedingungen im Revier Strauch
le Anlaufpunkt
für Waldeigentümer, die
mern) eindeutig dafür sprechen.
Unterstützung suchen. Die Hauptaufga-
Das nördlichste Revier des Forstbezirkes Dres-
be des Revierleiters liegt in der Beratung
Aus Sicht der Mitglieder der FBG „Waldbau-
den weist eine Gesamtfäche von 185 km²
der Waldeigentümer. Er informiert sie zu
verein Ammerland” beeinfussen folgende
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Abb. 1: Gemeinsam mit den Mitgliedern der FBG „Waldbauverein Ammerland” entstand ein reger forstfach-
licher Austausch; Foto: Yvonne Veringa-Holtz
Eigenschaften die Entstehung einer stabi-
len, langfristig existierenden FBG positiv:
Langfristiges Miteinander:
Die FBG ist
aus einem seit nahezu 90 Jahren existie-
renden Waldbauverband hervorgegangen.
Dieser seit mehreren Generationen beste-
hende und gewachsene freiwillige Zusam-
menschluss verbindet Waldeigentümer,
die häufg gleichzeitig landwirtschaftliche
Nutzfächen besitzen. Dieses Vertrauen in
kollektive Zusammenschlüsse kann durch
gemeinsame Veranstaltungen (z. B. selbst
organisierte Ausfüge oder fachliche Ex-
kursionen) angeregt werden.
Eigentumsbezug:
Erstaunlich war die star-
ke Verbindung der FBG-Mitglieder zu ihrem
Wald, der sich ununterbrochen seit mehre-
ren Generationen im Eigentum einer Fami-
lie befndet. Dies ist verbunden mit dem Be-
wusstsein, den Wald „in gutem Zustand” an
die nächste Generation zu übergeben. Diese
Sichtweise bringt auch den Antrieb hervor,
im eigenen Wald aktiv zu werden, ihn zu
pfegen und entsprechend der eigenen Vor-
stellungen zu gestalten.
Synergieeffekte:
Vorteile entstehen der
FBG „Waldbauverein Ammerland” durch
eine enge Zusammenarbeit mit dem Am-
merländer Landvolkverband e. V., der ALV-
Immobilien Vermittlungsgesellschaft mbH
und der NW Nordwest-Forstservice GmbH.
Dieser ist Lieferant für eine regionale
Hackschnitzelanlage. Ihr alleiniger Gesell-
schafter ist die FBG selbst. Neben einer ge-
meinsamen Nutzung der Personalressour-
cen können durch die Verknüpfung mit
der Immobilienvermittlungsgesellschaft
Waldeigentumswechsel für FBG-Mitglie-
der nutzbringend gelenkt werden. Die Ver-
bindung zwischen forstlichem und land-
wirtschaftlichem Sektor schafft eine breite
politische Vertretung der Interessen des
privaten Waldeigentums bei gesellschaft-
lichen, wirtschaftlichen und energiepoliti-
schen Fragestellungen.
Dein Wald in guten Händen!
Verantwortung für seinen Waldbesitz tragen heißt auch, frühzeitig seine Weitergabe
zu regeln.
Waldbesitz bedarf auch immer einer Genera-
tionenfolge. Durch die Langlebigkeit des Öko-
systems Wald wird nirgendwo sonst so sicht-
bar, was Nachhaltigkeit bedeutet. Die Enkel
können das ernten, was der Großvater einst
anpfanzte! Damit dies aber auch funktioniert,
haben alle Generationen eine hohe Verant-
wortung bei der Regelung zur Erbfolge oder
zur Weitergabe des Eigentums. Grundsätzlich
können als Alternative zur gesetzlichen Erb-
folge drei aktive Wege bei der Überlassung
des Eigentums in „gute Hände” unterschieden
werden, nämlich die Schenkung (s. Tabelle)
oder der Verkauf zu Lebzeiten und die gewill-
kürte Erbeinsetzung durch Testament oder
Erbvertrag nach dem Tod.
Unterschiedlichste Beweggründe führen zu
der ganz persönlichen Entscheidung für einen
dieser Wege. Immer gilt es dabei, Vor- und
Nachteile abzuwägen und auch gesetzliche
Ansprüche wie das Pfichterbe zu berücksich-
tigen. Weil es sich um Rechtsgeschäfte mit
Grundstücken handelt, ist immer ein Notar
Rückblickend brachte dieser Besuch einen
regen Gedankenaustausch über vorhandene
Instrumente hervor, mit denen auf aktuelle
Herausforderungen im Privatwald reagiert
werden kann. Gerade vor dem Hintergrund der
derzeitigen Waldschadenssituation sind Dis-
kussionen über verschiedene Herangehens-
weisen besonders notwendig und wertvoll.
Die bisherigen Erfahrungen – sowohl der FBG
„Waldbauverein Ammerland” als auch des
Forstbezirkes Dresden – zeigen: eine Über-
windung von Bewirtschaftungserschwernis-
sen im Kleinstprivatwald ist möglich. Dafür
sind eine vertrauensvolle Zusammenarbeit
und ein offener, transparenter Informations-
austausch zwischen Waldeigentümern, forst-
lichen Unternehmern und Revierleitern vor
Ort die entscheidende Grundlage.
Dr. Carolin Werthschütz
war bis 31.12.2019 Referentin
Privat- und Körperschaftswald
im Forstbezirk Dresden und ist
seit 01.01.2020 Referentin im
Büro der Geschäftsführung
Dr. Markus Biernath
ist Leiter des
Forstbezirkes Dresden
Gunther Schwarz
ist Leiter des Privat- und Kör-
perschaftswaldreviers
Strauch im Forstbezirk Dresden
hinzuzuziehen. Auch steuerrechtliche Ge-
sichtspunkte sind zu beachten und sollten
im Vorfeld mit Unterstützung eines Steuer-
beraters geprüft werden. Ziel sollte es sein,
auch zukünftig eine Waldbewirtschaftung
und -pfege zu gewährleisten, die im Idealfall
die eigenen Pläne fortführt. Problematische
gesetzliche Erbfolgen mit teilweise unüber-
schaubaren Erbengemeinschaften sind sicher
nicht im Interesse aktiver Waldbesitzer. Diese
führen nicht selten zu einem Stillstand und
zur Verwahrlosung von Waldfächen.
Die Beweggründe für eine Wald-Genera-
tionen-Übergabe in Form einer Schenkung
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(Jg. 1951) und seinem Sohn André Wichor
(Jg. 1974):
Wie sind Sie selber zu Ihrem Wald gekom-
men, Herr Wichor?
W. Wichor:
Der Wald hat eine lange Fa
milientradition über meine Großeltern. Zu
DDR-Zeiten mussten meine Eltern die zwei
Waldfurstücke in die LPG einbringen und
sie wurden vom staatlichen Forstbetrieb
bewirtschaftet. Aber unsere Familie hat
immer die Beziehung zu diesen Waldfä
chen erhalten. Es gab auch Rückschläge
durch Sturm- und Wildschäden in
unserem Wald. Nach der Wende
haben meine Eltern ihren Wald
er war ja Altbesitz rück
übertragen bekommen. Noch
zu Lebzeiten haben sie mir
den Wald überschrieben. Das
ist eine weitere Tradition in der
Familie, dass wir die Weitergabe
mit „warmer Hand” regeln. Das
nauer Besitzbestimmung nach dem Tod ist
die für den Wald günstigste Lösung. Wie
würden Sie denn Ihr persönliches Verhält
nis zu Ihrem Wald beschreiben?
Wie haben Sie die Übergabe rein formell
gestaltet? Gibt es vielleicht Tipps für an
dere Waldbesitzer in Ihrer Situation?
W. Wichor:
Die Überschreibung sollte unbe
dingt notariell in die Wege geleitet werden.
Schließlich ist es wichtig, dass der neue Ei
gentümer im Grundbuch eingetragen wird.
Außerdem ist für die gesamte Abwicklung
ausreichend Zeit einzuplanen. Bei uns hat
alles etwa ein knappes Jahr gedauert.
Auch steuerrechtlich sind be
stimmte Dinge zu beachten
z. B. die Grundsteuer.
Für die Schenkung gibt
es jedoch Möglich
keiten, dass eine Be-
steuerung vermieden
werden kann. An
deren Waldbesit-
zern kann ich nur
raten, rechtzeitig
die Weitergabe
des Waldes zu
regeln – egal ob
durch Schen
kung oder Tes-
Schenkung
Defnition:
Bei einer Schenkung des Waldbesitzes (oder auch Teilen davon)
handelt es sich um eine Zuwendung. Der Eigentümer überlässt
einem Anderen sein Waldvermögen, wobei sich beide Partner
darüber einig sind, dass diese Zuwendung unentgeltlich geschieht.
Der Beschenkte muss nicht, wird aber meistens in einer familiären
Beziehung zum Schenker stehen (umgangssprachlich „Erbe aus
warmer Hand”).
Rechtsgrundlage:
§ 515 ff. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
Form:
Die Willenserklärung des Schenkers, also das Schenkungsverspre-
chen, bedarf einer notariellen Beurkundung.
Vorteile:
Die Waldbesitzweitergabe erfolgt aktiv durch den Waldbesitzer
(Schenker) an die Person (Beschenkter), von der angenommen
wird, dass die eigenen Ziele, die persönlichen Werte und die
begonnenen Vorstellungen am besten fortgeführt werden. Die
Nachhaltigkeit kann somit zu Lebzeiten weiterverfolgt werden.
Stehen Schenker und Beschenkter in einer intakten Beziehung zu-
einander, kann auch ein Mitwirken und Mitgestalten nach Vollzug
der Schenkung noch möglich sein.
Nachteile:
Werden mit der Schenkung Bedingungen oder Aufagen ver-
knüpft, sind persönliche Enttäuschung bei Nichterfüllung möglich.
Auch bei Verarmung oder Insolvenz des Schenkers kann es unter
bestimmten Voraussetzungen im Nachhinein zu Forderungen der
Rückabwicklung kommen.
möchten wir an Hand eines gelungenen Bei-
spiels in der Oberlausitz näher vorstellen. Fa-
milie Wichor in der Gemeinde Hähnichen ist
diesen Weg gegangen und hat damit gute Er-
fahrungen gemacht:
Ein Interview mit dem Vater, Wolfgang Wichor
-
-
-
Wolfgang Wichor (li.) und sein Sohn
André Wichor haben für Ihren Wald
vorgesorgt; Foto: Jörg Moggert
soll auch verhindern, dass Flächen vergessen
werden oder verlorengehen, so wie wir es bei
meiner Schwiegermutter feststellen muss-
ten. Es ist dann schwer, alle Berechtigten an
einem Grundstück zu ermitteln.
Das stimmt, die „Waldweitergabe” mit ge-
-
W. Wichor:
In erster Linie haben wir aus dem
Wald unser Brennholz gewonnen. Wir hatten
immer schon Feststoff-Heizungen. Ich kann
mich noch erinnern, wie mein Vater und ich
mit der alten Schrotsäge gesägt haben. Heute
gibt es natürlich ganz andere Techniken. Aber
auch die alten Eichen haben wir für Saatgut
verwendet. Weil es aber nur wenige Bäume
sind, lohnt sich eine Vermarktung nicht, hat
uns unsere Revierförsterin Frau Friedrich von
Sachsenforst empfohlen. Daneben nutzen
wir unseren Wald zur eigenen Erholung. Hier
können wir so richtig abschalten. Einmal in
der Woche haben wir „Oma und Opa-Tag”, da
gehen wir häufg mit den Enkeln in unseren
Wald und machen Picknick oder die Jungs
spielen und bauen etwas mit Stöcken. Wie
gesagt, die Waldnutzung hat schon eine lan-
ge Tradition in der Familie.
Welche Vorstellungen sind denn in der
Folgegeneration von Bedeutung? Haben
Sie auch schon einmal über Waldumbau
oder andere Holznutzungen als Brennholz
nachgedacht?
A. Wichor:
Es wachsen ja auch natürlich
schon einige Laubbäume in unserem Kiefern-
wald. Problem ist sicher der große Wilddruck,
aber ein Waldumbau ist möglicherweise ein
Thema für die Zukunft. Ansonsten möchten
wir unseren Wald auch weiterhin für Feuer-
holz nutzen. Einen dicken Laubbaum umzu-
sägen brächte ich nicht übers Herz. Für mich
hat der Wald eine emotionale Bedeutung. Ein
Ort der Familientradition und der Erholung.
-
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image
image
tament. Wenn erst einmal größere Erben-
gemeinschaften entstehen, kann das ein
Problem geben.
Wie geht es denn nun mit Ihrem Wald
weiter? Werden Sie künftig gemeinsam
entscheiden oder liegt die Verantwortung
ganz in der jüngeren Generation?
A. Wichor:
Wir werden uns auch weiterhin
abstimmen. Ich kann mir schon vorstellen, mit
gezielten Pfanzungen noch etwas mehr Viel-
seitigkeit in den Wald zu bringen. Unsere Ziele
der Brennholznutzung, der Erholung und die
Familientradition halten wir jedoch gemein-
sam hoch.
W. Wichor:
Im Grunde muss dies jede Fami-
lie mit sich ausmachen. Wir haben gelernt,
dass es wichtig ist, das Interesse für den Wald
frühzeitig zu wecken und das tun wir nun
auch bei unseren Enkeln. Somit sichern wir,
dass unser Wald im Sinne unserer Familien-
tradition fortbesteht und jeder Generation
seinen Nutzen erbringt.
Junge Waldeigentümer - AGDW
Im Januar 2019 trafen sich in Berlin zumeist junge Waldbesitzerinnen und Waldbesit-
zer und gründeten dort die „Jungen Waldeigentümer – AGDW”, um unter dem Dach der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e. V. (AGDW) ein deutschlandweites
Netz junger Waldeigentümer aufzubauen. In Anlehnung an ein Interview mit der Presse-
sprecherin der AGDW geben die Gründer Moritz Raben und Florian Vögele im Folgenden
Auskunft.
Die „Jungen Waldeigentümer” haben sich
vor 1 1 Jahren in Berlin gegründet. Was
sind die Ziele Ihres Netzwerks?
Moritz Raben:
Wir haben damals gemeinsam
mit den ersten 30 Motivierten die „Jungen
Waldeigentümer” gegründet. Dabei war und
ist es unser Ziel, ein gemeinsames Netzwerk
aufzubauen, hierüber junge Waldeigentümer
zu fördern und für die moderne Forstwirt-
schaft sowie die Arbeit unserer Waldbesitzer-
verbände zu begeistern. Es war unser Antrieb,
dass wir die große Motivation der Jugend,
sich in diesen schwierigen Zeiten für unsere
Wälder einzusetzen, annehmen wollten, um
unsere Vorstellungen gemeinsam innerhalb
der Waldbesitzverbände zu vertreten und na-
türlich auch nach außen zu tragen.
Über Facebook, öffentliche Veranstaltungen
und waldbauliche Exkursionen ist es nun die
große Herausforderung, diesen hohen Zielen
Leben einzuhauchen und die ersten Erfolge
fortzuführen.
Muss man ein junger Waldeigentümer
sein, um bei Ihnen mitmachen zu können?
Oder darf sich Ihnen auch ein Förster über
30 anschließen?
Florian Vögele:
Die Betriebsgröße oder das
Alter sind dabei weniger entscheidend, um
Mitglied zu werden. Vielmehr sind all jene
eingeladen, die motiviert für die nachhalti-
ge Forstwirtschaft eintreten und das Projekt
„Junge Waldeigentümer” unterstützen. Das
gemeinsame Motto „Die nächste Generation
für die Zukunft des Waldes” ist das bindende
Element.
Und so freuen wir uns auch über jede Unter-
stützung, jedes Feedback und besonders na-
türlich über aktive Mitgestaltung bei Projek-
ten, Veranstaltungen und Ähnlichem.
Welche Auswirkungen hat die aktuelle
Krise im Wald auf die jungen Waldeigen-
tümer? Wie ist die Stimmung bei Ihnen?
Florian Vögele:
In einigen Regionen Deutsch-
lands leiden besonders die Fichten, in anderen
die Buchen oder die Eschen. Jeder von uns
ist von den Extremen der vergangenen Jahre
betroffen und wir alle sehen, wie die Wälder
leiden. Die teils gefühlt fehlende öffentliche
Wertschätzung der Forstwirtschaft kommt
noch dahin und so ist die Stimmung gleicher-
maßen auch unter den Jungen angespannt.
Ich könnte es aber auch so ausdrücken: Auch
unter uns haben die Diskussionen, wie die
Forstwirtschaft der Zukunft aussehen kann
oder aussehen muss, derzeit Hochkonjunktur.
Besonders bei den letzten Exkursionen waren
daher auch Waldumbau und Betriebswirt-
schaft natürlich die bestimmenden Themen.
Wie steht es angesichts der prognostizier-
ten Zunahme von Wetterextremen um die
Motivation bei der jüngeren Generation, in
Zukunft Wälder zu bewirtschaften?
Moritz Raben:
Die Herausforderungen für die
Gestaltung dieser Zukunft sind ohne Zweifel
Das Gespräch führten
Jörg Moggert,
Referent Privat- und
Körperschaftswald
und
Julia Grote,
bis 30.09.2020 Sachbearbeiterin
für SB Öffentlichkeitsarbeit/
Waldpädagogik/
Marketing im FoB Oberlausitz
enorm und viele junge Waldbesitzer haben
großen Respekt vor der Mammutaufgabe
des Waldumbaus und vielleicht noch mehr
vor den kommenden, wirtschaftlich schwie-
rigen Jahren. Nichtsdestotrotz erfahren wir
in unseren Reihen aber eine Stimmung, die
motiviert ist und loslegen will. Neue Zei-
ten und Aufgaben bieten neue Chancen für
Ideen und Projekte und so machen die Dis-
kussionen von immer neuen Baumarten und
neuen Unternehmensideen diese Zeiten auch
spannend. Letztlich ist es auch so, dass gerade
wir jungen Leute nach vorne schauen müssen
und da sehen zumindest wir mehr Gutes als
Schlechtes.
Was könnte das beispielsweise sein?
Moritz Raben:
Die Sorgen auf der einen Seite
mit Kalamitätsdruck in den Wäldern, mit teils
horrenden öffentlichen Forderungen an das
Eigentum oder mit den schwierigen Aussich-
ten auf dem Holzmarkt sind sicher eine ernst-
zunehmende Belastung. Doch gibt es auch
Hoffnungsschimmer und mit Tatendrang und
Optimismus lassen sich neue Wege der Ver-
edlung unserer Wälder fnden. Gute Beispiele
dafür sind Vertragsnaturschutz-Konzepte,
Brennholzvermarktung, Ruheforsten, sogar
von einem Waldbesitz habe ich kürzlich ge-
hört, der einen großen Waldklettergarten als
Geschäftsmodell aufbaut.
Florian Vögele:
Aber auch den reinen Wald-
bau wird es immer geben und wir werden
Wege fnden, mit angepassten Baumarten
und angepassten forstlichen Strategien die-
sen rentabel zu betreiben.
Wie steht es um Ihre eigenen Erfahrungen
– hatten Sie in den letzten zwei Jahren mit
den Folgen von Sturm und Trockenheit zu
kämpfen?
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Moritz Raben:
Im küstennahen Vorpom-
mern war die Situation bisher im Vergleich zu
Sachsen sicherlich weniger angespannt. Den
geringeren Nadelholzanteil und das feuchte-
re Klima haben uns geholfen, wobei aber na-
türlich auch im Norden erschreckende Bilder
in den Wäldern zu sehen sind. Insbesondere
die in diesem Frühjahr infolge der Dürrejahre
erstmals fächendeckend auftretende Bu-
chenvitalitätsschwäche und die Ausbreitung
der früher eher unbedeutenden Fichtenlaus
machen große Sorgen.
Florian Vögele:
Der Sturm Anfang Februar
2020 hat viele Waldbesitzer sehr hart getrof-
fen – in vielen Wäldern wurde die Holzmenge,
die ansonsten nachhaltig während eines Jah-
res geerntet wird, über Nacht gelegt! Das Jahr
2020 ist unter anderem auch in Baden-Würt-
temberg das dritte Jahr in Folge mit massiv
zu wenigen Niederschlägen. Neben der Fichte
leidet nun auch die Buche auf großer Fläche,
selbst in Gegenden, in denen bisher diesbe-
züglich keinerlei Probleme auftraten. Die Hit-
ze des Sommers in Verbindung mit ausblei-
benden Niederschlägen über Monate hinweg
wirkt sich sehr negativ auf das gesamte Öko-
system Wald aus. Es heißt also weiterhin: Die
Mischung macht's!
Sie haben eine neue Satzung entwickelt –
in welche Richtung soll es gehen?
Moritz Raben:
Die Satzung wurde anlässlich
unserer letzten waldbaulichen Exkursion vor-
gestellt und wurde nun nach der Abstimmung
mit den Waldbesitzerverbänden offziell ver-
abschiedet. Diese schreibt einige Grundlagen
zur Struktur und Organisation fest, lässt aber
noch viel Freiraum für neue Ideen oder Ent-
wicklungen. Neben uns beiden sind so noch
vier weitere im sogenannten „Orga-Team”
und damit verantwortlich für kommende Ver-
anstaltungen, den öffentlichen Auftritt und
Ähnliches.
Um uns dazu auch inhaltlich zu stärken, star-
ten wir zudem mit Online-Fragebögen unter
unseren Mitgliedern. Damit möchten wir uns
eine klarere Kontur schaffen, um auch in The-
men wie Wildbestand, Naturschutz oder Wald-
umbau eine Meinung vertreten zu können.
Sie stehen in einem guten Austausch mit
dem Waldbeauftragten des Bundesminis-
teriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Welche Botschaft nehmen Sie aus den Ge-
sprächen mit Cajus Julius Caesar mit?
Florian Vögele:
Wir hatten bisher sowohl
über direkte Einladungen, wie anlässlich der
Grünen Woche, als auch über die verschiede-
nen Generationsdialoge einige Male die Gele-
genheit, Herrn Caesar zu begegnen. Es waren
stets angeregte Gespräche mit großem Zu-
spruch für die Gründung und den Aufbau der
„Jungen Waldeigentümer”. Erwähnenswert
sind an dieser Stelle insbesondere die Gene-
rationsdialoge zur Waldstrategie 2050, an
denen wir beide für die „Jungen Waldeigentü-
mer” teilnahmen. Diese wurden durch Herrn
Caesar gemeinsam mit der SDW (Schutzge-
meinschaft Deutscher Wald e. V.) aufwendig
und interessant gestaltet und luden die junge
Generation ein, rund um die Themen Wald,
Forst und Wirtschaft zu diskutieren und die
Waldstrategie 2050 der Bundesregierung
mitzugestalten.
Abb. 1: Gründungsveranstaltung der „Jungen Waldeigentümer”
Welche Aufgaben haben Sie sich für dieses
Jahr vorgenommen? Welche Pläne verfol-
gen Sie, und ist eine Arbeit in Corona-Zeit
überhaupt möglich?
Moritz Raben:
Die Corona-Pandemie be-
einträchtigt uns in dem Sinne, dass die für
Anfang 2020 geplanten Exkursionen in Vor-
pommern und Brandenburg natürlich vor-
erst abgesagt werden mussten und auch
weitere Pläne erst einmal auf Eis liegen. So
ist auch unser erst kürzlich verabschiede-
tes Leitlinienpapier zwischen dem Dach-
verband „AGDW – Die Waldeigentümer”
und den „Jungen Waldeigentümern” bisher
noch wenig umgesetzt. Dieses umfasst die
gemeinsamen Ziele und umso mehr den ge-
meinsamen Weg bzw. die nächsten Schritte
für die kommenden 12 Monate. Wichtigste
Meilensteine sind dabei weitere waldbau-
liche Exkursionen, eine jährliche Einladung
zur Waldbauernschulung in Bayern sowie
einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit
mit den Landesverbänden.
Florian Vögele:
Mehr und mehr stellen wir
nach nun gut einem Jahr nach der Gründung
fest, dass, um das Projekt „Junge Waldeigen-
tümer” erfolgreich weiter zu gestalten und
ausbauen zu können, eine intensive Zusam-
menarbeit mit der „AGDW – Die Waldeigen-
tümer” in Berlin und der Landesverbände nö-
tig ist. Diese Zusammenarbeit erfolgreich zu
etablieren, wäre eigentlich das Hauptziel für
das Jahr 2020 gewesen.
Wie kann denn nun ein motivierter jun-
ger Waldbesitzer Mitglied bei den „Jungen
Waldeigentümern” werden?
Moritz Raben:
Das ist natürlich ganz ein-
fach über unsere Facebook-Seite oder unsere
E-Mail-Adresse
junge@waldeigentuemer.de
möglich. Wer das Formular nicht zur Hand
hat, schreibt uns eine kurze Nachricht mit
Name, E-Mail-Adresse, Geburtsjahr, Bundes-
land und ob er/sie bereits selbstständiger
Waldbesitzer/-in ist oder dies vermutlich
erst in den kommenden Jahren wird. Genutzt
werden diese Daten später aber natürlich nur,
um die Mitglieder über neue Projekte und
Entwicklungen zu informieren oder zu Exkur-
sionen, Veranstaltungen oder Seminaren ein-
zuladen. Die Mitgliedschaft ist dabei übrigens
kostenfrei.
Das Interview wurde im Mai diesen Jahres
mit Florian Vögele (Gründungsmitglied der
„Jungen Waldeigentümer” und Förster aus
Baden-Württemberg) und Moritz Raben
(Gründungsmitglied der „Jungen Wald-
eigentümer” und Forst- und Landwirt aus
Vorpommern) geführt.
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Waldränder
Übergang zwischen Wald und Flur – ein
wertvolles Strukturelement der Landschaft!
Die Übergangszone zwischen offener Kul-
turlandschaft – egal ob landwirtschaftlich
genutzt, Ödland oder auch Siedlungsbereich
– und dem Wald wird als Waldrand bezeich-
net. Leider verkamen diese Zonen in der ver-
gangenen Zeit häufg zu mehr oder weniger
abrupten Grenzen. Dies hat für den Wald und
für den Biotop- und Artenschutz negative
Folgen. Warum gestufte, strukturierte Wald-
ränder äußerst wertvolle Elemente der Land-
schaft sind und worauf ihre positive Wirkung
für den Wald beruht, soll im Folgenden erläu-
tert werden.
Vielfalt in Form und Struktur
Zunächst lassen sich Waldränder in Außen-
und Innenränder gliedern. Während Wald-
außenränder die Grenzzone zwischen offener
Flur und Wald darstellen, sind Waldinnen-
ränder in den Wald eingebettet. Beispiele
hierfür sind Grenzbereiche an Wegen, Wald-
wiesen, Gewässern, Mooren, Leitungstrassen
oder vergleichbaren „Waldlichtungen”. Solche
Waldinnenränder sind ähnlich wertvoll wie
-außenränder, wenngleich sie meist weniger
tief ausgeprägt sind.
Meistens sind Waldränder linear vorzufnden.
Die Vielfalt zeigt sich hier durch eine hohe
Varianz bei Form, Tiefe, Länge, Struktur und
Artenausstattung. So wechselt der ideale
Waldrand zwischen linienartigen, gebuchte-
ten bis hin zu aufgelösten Strukturen. Gerade
dieser Wechsel von Strukturen auf engstem
Raum verschafft unterschiedliche Licht- und
Wärmeverhältnisse. Solche Unterschiede im
sogenannten Mikroklima begünstigen damit
eine Vielzahl von Tier- und Pfanzenarten,
weil jede Art die für ihre Ansprüche passende
„Nische” vorfnden kann.
In der Seitenansicht wird ein idealer Waldrand
in drei Zonen untergliedert (s. Abb. 2 nach
Costa, R. 2009). Klassisch ist der stufenweise
Anstieg in der Pfanzenhöhe zwischen Kraut-
saum über Strauchgürtel bis zum Waldman-
tel. Diese Ausprägung fndet sich jedoch nur
selten so ideal. In der Realität endet der Wald
meist abrupt an seiner Grenze zur offenen
Landschaft. Jedoch auch hier können durch
weitständig entwickelte Randbäume stabile
Waldmäntel entstehen und dem Ideal damit
ein Stück weit näher kommen.
Multifunktion von Waldrändern
Schutz
Waldränder mit allmählicher Höhenzunahme
verhindern eine dem Wind zugewandte Stau-
Abb. 1: Waldränder sind wertvolle Strukturelemente in der Landschaft. Sie bieten zahlreichen Arten
Lebensraum und prägen das Landschaftsbild; Foto: Jörg Moggert
zone. Es kommt zu geringeren Turbulenzen
und damit zu verringerten Sturmschäden im
Bestandesinneren. Somit sorgen strukturrei-
che Waldränder für eine erhöhte Stabilität
des Waldes.
Bei abrupten Wald-Feld-Grenzen ohne größere
Traufbildung der Randbäume gelangt der Wind
ungehindert in den Innenraum des Waldes. Es
fndet dadurch bis weit in die Bestände hinein
ein Streuabtrag und dadurch Aushagerung
statt. Diese Nährstoffverluste zeigen sich nicht
nur an der spärlichen Bodenvegetation, son-
dern auch an Ertragsverlusten der Waldbäume.
Werden die Stammbereiche unserer Wald-
bäume der direkten Sonneneinstrahlung und
sonstigen Witterungseinfüssen ausgesetzt,
reagieren sie zumeist mit „Sonnenbrand” oder
„Frostrissen” an den Stämmen. Dieser Wert-
verlust wird durch einen intakten Waldrand
verhindert.
Landschaftsbild
Strukturreiche, tiefe und artenreiche Wald-
ränder sind ein Hingucker. Nicht nur im Früh-
jahrskleid, auch zu allen anderen Jahreszeiten
haben sie einen besonderen landschaftsäs-
thetischen Reiz und prägen das Landschafts-
bild erheblich.
Ökologie
Der Strukturreichtum führt zu einer außer-
ordentlichen Artenvielfalt. Neben den Baum-,
Strauch- und krautigen Pfanzenarten sind
auch zahlreiche Tierarten in diesem Waldbe-
reich anzutreffen. In ausgeräumten Agrarland-
schaften, insbesondere nach erfolgter Ernte,
bilden Waldränder ein äußerst wertvolles Bio-
top als Rückzugsmöglichkeit für Wildtierarten.
Die Struktur bietet ihnen Deckung, Nahrung
und Lebensraum zugleich. Viele Arten sind dar-
auf angewiesen und verschwinden ohne Wald-
randstrukturen. Waldränder erhöhen somit die
Biodiversität des Waldes erheblich.
Abb. 2: Klassische Gliederung eines Waldrandes in der Seitenansicht – Windenergie steigt allmählich
mit Höhenzunahme und verwirbelt nur wenig; Zeichnung: Jörg Moggert
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Abb. 3: Negative Wirkung gering strukturierter Waldrandformen auf Windenergie; Zeichnung: Jörg
Moggert
Pfanzen des Krautsaumes:
Gräser,
Brennnessel, Beerensträucher, Moose, Far-
ne, Sauerampfer, Schafgarbe …
Pfanzen des Strauchgürtels:
Hundsro-
se, Schlehe, Kornelkirsche, Heckenkirsche,
Vogelbeere, Holunder, Hasel, Schneeball,
Weißdorn, Brombeere …
Pfanzen des Waldmantels:
Wildapfel,
Wildbirne, Feldahorn, Hainbuche, Weide,
Pappel, Esche, Vogelkirsche …
Waldschutz
Der Artenreichtum umfasst auch sogenannte
Antagonisten (= Gegenspieler) gefürchteter
Forstschädlinge. Räuberische Arten (Vögel,
Insekten) oder parasitische Insekten führen
bei strukturreichen Waldrändern zu einem
hohen Maß eines integrierten Waldschutzes.
Ökonomie
Strukturreiche Waldränder entlang des öf-
fentlichen Verkehrsraumes (z. B. Straßen,
Bahnstrecken) verringern den ansonsten
hohen Aufwand bei der Herstellung der Ver-
kehrssicherheit des Waldes und sparen damit
erhebliche Kosten.
Die beschriebenen Schutzfunktionen lassen
sich nur schwer monetär bewerten. In jedem
Fall haben sie eine positive Wirkung für den
Wald und damit auch für den wirtschaftlichen
Nutzen des Waldes. Die Kosten für Pfege so-
wie Ertragsverluste durch Flächeneinschrän-
kungen werden nach Auffassung des Autors
hierdurch mindestens ausgeglichen.
Waldrand im Waldgesetz
Der Waldrand ist Teil des Waldes und unter-
steht damit dem Schutz der Waldgesetzge-
bung. Pfegemaßnahmen können im angren-
zenden Wald und auch in der Waldrandzone
ausgeführt werden. Nach § 24 Abs.3 des Wald-
gesetzes für den Freistaat Sachsen (Sächs-
WaldG) wird dem Waldrand für den ökologisch
günstigen Waldaufbau eine besondere Bedeu-
tung beigemessen. Schädigungen durch Wei-
deeinwirkungen sind untersagt. Im Übrigen ist
in Grenzzonen auch immer das Nachbarrecht
zu berücksichtigen. § 25 Abs. 2 SächsWaldG
regelt beispielsweise die Abstandsfächen bei
der Neubegründung von Waldfächen unter
Differenzierung der verwendeten Gehölze (z. B.
Sträucher > 1 m, Bäume > 6 m zu nicht forst-
wirtschaftlich genutzten Grundstücken).
Forstliche Förderung
für strukturreiche Waldränder
Mit der Neuaufage der Förderrichtlinie Wald
und Forstwirtschaft (RL WuF/2020) wird bei
der Wiederbewaldung von Kahlfächen, z. B.
auf Schadfächen, ein besonderer Wert auf
die Anlage strukturreicher Waldränder ge-
legt. Als eine Zuwendungsvoraussetzung wird
ein mindestens zehn Meter breiter Wald-
randstreifen entlang von Waldaußenrändern
bzw. fünf Meter von Waldinnenrändern for-
muliert, der nur mit Waldsträuchern, niedri-
gen Waldbäumen oder standortheimischen
Weichlaubbaumarten verjüngt werden darf.
Abb. 4: Gestufte Waldränder sorgen für ein hohes Maß an Verkehrssicherheit entlang von Straßen; Foto:
Jörg Moggert
Waldränder mit
überschaubaren Nachteilen
Offene, lichte und somit strukturreiche Wald-
ränder sind ein äußerst dynamisches System.
Lichtliebende schnellwachsende Baumarten
füllen schnell vorhandene Lücken und ver-
drängen langsam wachsende Arten oder
Sträucher. Um einen hohen Grad an Struktur-
und Artenvielfalt zu erhalten, werden gezielte
und regelmäßig durchgeführte Pfegemaß-
nahmen empfohlen. Grundsätzlich bedingt
jede Pfege einen Aufwand (für körperliche
Arbeit und/oder Unternehmerkosten), der
in der Regel nicht durch die eventuell an-
fallenden Brennholzerlöse gedeckt wird. Da-
her wird empfohlen, die Pfege im Zuge von
Durchforstungen oder Erntemaßnahmen des
„Nachbarbestandes” einzuplanen.
Tiefe Waldrandstrukturen beanspruchen na-
türlich Fläche. Diese fehlt somit für die Pro-
duktion von Holz. Insgesamt ist damit aus be-
triebswirtschaftlicher Sicht ein Ertragsverlust
verbunden. Vermutlich gleichen die überwie-
gend positiven Wirkungen des Waldrandes
diese ökonomischen Verluste aus.
Multitalent Waldrand
Die multifunktionale Bedeutung von Wald-
außen- und Waldinnenrändern bietet für den
Waldbesitzer erhebliche Vorteile. Die Gewin-
ner solcher strukturreicher Elemente in unse-
rer Kulturlandschaft sind jedoch eindeutig
zahlreiche Tier- und Pfanzenarten. Je stärker
diese Elemente in der Praxis herausgebildet
werden, desto größer wird ihre positive Wir-
kung als Trittstein im Biotopverbund. Werden
Sie zum Schützer Ihres eigenen Waldes, in-
dem Sie für gestuften Aufbau in den Über-
gangszonen sorgen. Proftieren Sie gleichzei-
tig durch verkehrssichere Randbereiche und
durch Verminderung der Gefahren für Ihren
Wald. Werden Sie zum Waldrandschützer!
Literatur
Costa, R. (2009): Waldrand – Lebensraum voller Überra-
schungen (
www.waldwissen.net/wald/naturschutz
).
Beinlich, B., Gockel, H.A. & Grawe, F. (2014): Mittelwald-
ähnliche Waldrandgestaltung – Ökonomie und Ökologie
im Einklang (
www.anl.bayern.de/publikationen
).
Burschel, P. & Huss, J. (1987): Grundriß des Waldbaus.
Naturschutzstation Neschwitz (2010): Waldränder in der
Oberlausitz.
Jörg Moggert
ist Referent für das Gebiet Nord
in der Stabsstelle Privat- und
Körperschaftswald im Forst-
bezirk Oberlausitz
| 23

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Waldbau-Check:Robinie,,]
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Die Robinie im Waldbau-Check:
Invasive Pest oder Immunspritze für Ihren
klimastabileren Zukunftswald?
Eine umstrittene Baumart wird 2020 als Baum des Jahres in den forstlichen Fokus gerückt.
In Zeiten rasant voranschreitender Klimaänderungen, sich häufender Extremwetterereig-
nisse, ausufernder Waldschäden und damit einhergehend zunehmenden forstbetrieblichen
Risiken gehört die Robinie zu den diskussionswürdigen Alternativen für einen klimasta-
bileren Zukunftswald. Zugleich stellt ihr Invasivitätspotenzial unter bestimmten Voraus-
setzungen eine Gefahr für den Biotop- und Artenschutz dar. Deshalb ist bei Überlegungen
zum Robinien-Anbau vorab unbedingt zu prüfen, wie ökologische und betriebliche Risiken
ausgeschlossen oder zumindest minimiert werden können. Ist die Robinie auch eine Alter-
native für Ihren Wald? Dieser Artikel gibt Anregungen.
Aktuelle Anbauerfahrungen
Nach Eukalypten und Pappeln ist die Robinie
die am dritthäufgsten angebaute Laubbaumart
der Welt – allerdings überwiegend auf Planta-
gen mit Millionen von Klonen!
Beim Waldbau
in Deutschland spielt die nichtheimische Pio-
nierbaumart, die eigentlich Nordamerikanerin
ist, eine
eher untergeordnete Rolle. Weniger als
0,1 Prozent macht ihr Anteil an der Waldfäche in
Deutschland aus. So ist das Wissen um ihre Be-
wirtschaftung deutschlandweit nicht sehr ver-
breitet, der Waldbauer häufg (noch) skeptisch.
Gute Anbauerfahrungen und fundierte Kennt-
nisse bei der baumartengerechten Behandlung
haben einige spezialisierte Forstbetriebe in Bran-
denburg vorzuweisen. Die Robinie wird dort in
ihrer bundesweiten Schwerpunktregion sehr
geschätzt, was Spitznamen wie „Königin der
Außenhölzer”, „Öko-Trendholz”, „Premium-Hart-
holz” und „Teakholz Brandenburgs” verraten.
Standortansprüche und
Standortpfeglichkeit
Robinien stellen geringe Ansprüche an Boden
und Wasserverfügbarkeit. Sie behaupten sich
auch auf armen und trockenen Standorten. Al-
lerdings sind (mäßig) frische Standorte mittle-
rer bis kräftiger Nährstoffversorgung optimal
für Produktion besonders wertvollen Holzes in
kürzester Zeit. Ihr intensiv verzweigtes Wur-
zelsystem mit seinen weitreichenden, ober-
fächennahen Ausläufern besitzt bodenfes-
tigende und bodendüngende Eigenschaften.
Robinien
sind relativ tolerant gegenüber Hitze,
Trockenheit, Kalk und Salz. Sie gedeihen so-
wohl unter basischen als auch sauren Boden-
bedingungen. Daher wird die Robinie häufg
auch zur Aufforstung von Halden und Rekul-
tivierungsfächen im Bergbau eingesetzt – nur
wenige Baumarten können dort gut wachsen.
Ihre Laubstreu ist sehr gut zersetzbar, bildet
nährstoffreichen Humus und fördert das Bo-
denleben. Trotz ihrer Pionier-Eigenschaften
ist die Robinie spät- und frühfrostgefährdet.
Wechselfeuchte und Nass-Standorte bekom-
men der Robinie nicht – eine Königin mag
eben keine nassen Füße! Anlehmige Sande
gelten als bevorzugtes Bodensubstrat für
ihren Anbau. Aber auch frische, kalksteinige
Böden ermöglichen ihr ein gutes Wachstum.
Waldbauliche Integrierbarkeit
und Steuerung
Sie eignet sich zur Verwendung für waldbau-
liche Zwecke. Weil sie extrem lichtbedürftig ist,
sollte die Robinie jedoch nur
auf Kahlfächen
angebaut, beziehungsweise über Klein-Kahl-
schläge natürlich verjüngt werden. Sie bildet
dort zunächst gleichförmige Reinbestände aus.
Ihre Mischungsfähigkeit mit anderen Baum-
arten (v. a. Elsbeere, Vogelkirsche, Wildbirne,
Winterlinde, Hainbuche, Ahorne, Baumhasel,
Küstentanne und Roteiche) ist dennoch ge-
geben, weil sie viel Licht auf den Waldboden
lässt. Allerdings sollten weitere Baumarten
aufgrund der Wuchsüberlegenheit junger Ro-
binien erst zu einem späteren Zeitpunkt (etwa
ab der Jungbestandesphase) eingebracht oder
räumlich getrennt von ihr gepfanzt werden.
Der Pfegeaufwand ist in den ersten Jahren der
Jugend sehr hoch, nimmt aber auch rasch wie-
der ab. Die entscheidende Phase für die weitere
Qualitätsentwicklung von Robinienbeständen
sind die ersten fünf Jahre! In dichten Robi-
nienverjüngungen sollten in dieser Zeit nahezu
jährlich Jungwuchs- bzw. Jungbestandespfe-
gen durchgeführt werden. Aber Vorsicht – Ver-
letzungsgefahr durch spitze und lange Dornen!
Mit etwa 10 Jahren setzt ein 5-jähriger Pfege-
Turnus ein, der auf die konsequente Förderung
der vitalsten und geradschaftigsten Robinien
abzielt. Ab etwa 30 Jahren bis zur Ernte im Alter
von 60 bis 80 Jahren verlängert sich das Durch-
forstungsintervall auf einmal pro Jahrzehnt.
Baumartengerechte Durchforstungskonzepte
orientieren sich dabei am jeweiligen Ausgangs-
zustand des Bestandes, den Entwicklungsmög-
lichkeiten am Standort und dem Produktions-
ziel. Nach der Ernte im Kahlhiebsverfahren und
anschließender Flächenberäumung empfehlt
sich das Anpfügen oder Anreißen des Ober-
bodens, um die Bildung von natürlichem Aus-
schlag aus verletzten Wurzelteilen anzuregen.
Das Verjüngungsziel: Wurzelbrut! Denn Wur-
zelbrut bringt geradere Schaftformen hervor
als Stockausschläge und ist zudem deutlich
stabiler gegenüber Windwurfrisiken im fortge-
schrittenen Bestandesalter.
Produktivität
Robinien sind extrem schnellwüchsig in der
Jugend. Sehr frühe Pfegemaßnahmen loh-
nen sich, denn dann sind gewinnbringende
Folgeeingriffe bereits ab ca. 10 bis 12 Jahren
möglich. Bei gutem Pfegestand lassen sich
dabei erste hochwertige Pfahlsortimente pro-
duzieren. Ab etwa 20 Jahren können erste
Stämme zu Wertholzpreisen jenseits 130 Euro
pro Festmeter verkauft werden – keine ande-
re in Europa angebaute Laubbaumart belohnt
ihren Bewirtschafter so früh mit derart hohen
Ertragspotenzialen! An dieser Stelle ist zu be-
tonen, dass hohe Erlöse selbst bei Krumm-
schaftigkeit (unter Forstleuten häufgster Kri-
tikpunkt an der Robinie) erzielt werden können.
Die Zuwachsleistung von Robinienbeständen
fällt ab etwa 30 bis 40 Jahren stark ab. Den-
noch überzeugt die Robinie mit überlegener
Wuchsleistung gegenüber anderen Laubbäu-
24 |

image
men. Auf mittleren bis kräftigen Standorten
sind zur Erntephase hohe Holzvorräte von 500
bis 700 Vorratsfestmetern pro Hektar möglich.
Die empfohlene Umtriebszeit ist dabei mit 60
bis 80 Jahren vergleichsweise kurz. Denn ab
dem Alter 60 Jahre steigt das Risiko der Holz-
entwertung durch Stammfäule. Aufgrund des
hohen Regenerationspotenzials durch Stock-
ausschlag und Wurzelbrut wird nach der Ernte
beinahe kostenfrei wieder eine neue zuwachs-
starke Robinien-Verjüngung emporwachsen,
die ihrerseits nach kurzer intensiver Pfegepha-
se wieder kontinuierliches Vornutzungs-Ein-
kommen bis zur Erntereife ermöglicht. Bei der
wertorientierten Robinien-Holzernte ist eines
ganz entscheidend: Kundenorientiertheit! Har-
vester kommen nicht zum Einsatz. Fällung und
Aufarbeitung sollten nur mit der Motorket-
tensäge erfolgen, um individuellen Wünschen
besser Rechnung zu tragen und eine hohe
Qualität der Holzabschnitte zu erzeugen. Alle
Sortimente sind per Hand aufzumessen. Der
große Aufwand lohnt sich jedoch fnanziell,
denn die Erlösunterschiede zwischen hand-
verlesenem Robinienholz (Stammholz, Sonder-
sortimente für Spielplatzbauer und Pfähle) und
maschinell geerntetem Robinien-Industrieholz
sind beträchtlich.
Schadresistenz, Klimastabilität,
Regenerationspotenzial
Baumeigene Giftstoffe der Robinie dienen der
Abwehr von Schädlingen und machen Ro-
binienholz auf natürliche Wiese sehr wider-
standsfähig. Nur sehr wenige holz- und rin-
denbrütende Insekten sowie holzzersetzende
Pilze haben hier eine Chance. Junge Triebe wer-
den allerdings mit großer Vorliebe von Hase,
Reh und Rotwild verbissen. Daher sollte bei
Neuanlage einer Kultur durch Pfanzung auch
über Schutzmaßnahmen nachgedacht werden.
Die Robinie ist in der Lage, lange Hitze- und
Trockenheitsphasen weitgehend unbeschadet
zu überstehen. Alte Robinienbestände gelten
allerdings als windwurfanfällig, insbesondere
bei Pfegerückständen. Gegenüber Feuer ist die
Robinie wenig resistent. Kommt es einmal zum
Schadereignis, regeneriert sich die Robinie je-
doch rasch von selbst – ein sehr großer Vorteil!
Ihre im Boden bis zu 35 Jahre lang keimfähigen
Samen, Stockausschlag und Wurzelbrut ver-
helfen zur zügigen Wiederbewaldung entblöß-
ter Flächen. Ihr Regenerationsvermögen ist so
stark, dass sich die Robinie mit vertretbarem
Aufwand nicht mehr verdrängen lässt, wenn
sie einen Lebensraum erst einmal erobert hat.
Invasivitätspotenzial
Aufgrund des starken Regenerationspoten-
zials wird sie zu den invasiven Baumarten
gezählt. Sie ist dank ihres intensiven Wieder-
austriebsvermögens schwer zu bekämpfen
und erschließt sich mittels Wurzelbrut aus
bis zu 30 Meter langen, oberfächennah ver-
laufenden Wurzeln sukzessive neue Lebens-
räume in ihrer Nähe. Zudem reichert sie über
ihre Wurzelsymbiose mit Knöllchenbakterien
den Boden mit Stickstoff an. Diese natür-
liche Düngung kann den Nährstoffhaushalt
an trockenen, humus- und stickstoffarmen
Standorten unumkehrbar verändern. Gera-
de für die hochspezialisierten Artengemein-
Abb. 1: Ausgeprägte Trockenheitstoleranz, hohe Wertschöpfungspotenziale, enormes Wiederaustriebs-
potenzial nach Schadereignissen und sichere Ertragslage für den Forstbetrieb sind wichtige Argumente
für die waldbauliche Mitbeteiligung der Robinie am zukünftigen Baumartenspektrum in Zeiten des
Klimawandels und zunehmender Waldschadens-Risiken; Foto: Felix Moczia
schaften in geschützten Offenland-Biotopen
solcher trocken-warmen Mager-Standorte
kann eine Robinieninvasion das Ende ihrer
Existenz bedeuten und steht daher unter
kritischer Beobachtung durch Vertreter des
Naturschutzes. Der gezielte Anbau innerhalb
von Naturschutzgebieten und in oder nahe
geschützter Biotope ist daher zwingend zu
unterlassen. Nutzen Sie das kostenfreie Be-
ratungsangebot von Sachsenforst, denn spä-
tere Bekämpfungsmaßnahmen sind extrem
aufwendig und kostspielig.
Holzeigenschaften und Nutzungspotenziale
Die Robinie kann aber auch zum Umweltschutz
beitragen. Ihr schnellwachsendes und sehr
dauerhaftes Holz bindet zügig und lange sehr
viel klimaschädliches Kohlenstoffdioxid. Es ist
das witterungsbeständigste Holz Europas, das
im Wald etwa 5 bis 8 Jahre ohne Wertverlust
lagerfähig ist – insbesondere nach Schader-
eignissen im Vergleich zu anderen Baumarten
ein großer Vorzug! Aus nachhaltiger Forst-
wirtschaft in Deutschland stammend, stellt
Robinienholz eine ökologische Alternative zu
weitgereistem Tropenholz dar. Es übertrifft
mit seinen erstklassigen Holzeigenschaften
für den Außenbereich begehrte Tropenhölzer
wie Teak und Bangkirai und kommt außerdem
ohne hochgiftige chemische Imprägnierungen
aus. Ihr gelb-grünliches Holz ist nicht nur sehr
resistent, sondern auch extrem zäh und hart,
biegsam, splitterarm, aber auch sehr energie-
reich. Die Verwendungsmöglichkeiten sind da-
her vielfältig: Kinderspielplätze, Brücken und
andere Holzkonstruktionen im Außenbereich,
Sportgeräte, Bögen, langlebige Möbel für
drinnen und draußen, Terrassendielen, Parkett,
Weidezaunpfähle, Energie- und Kaminholz
sowie Papier. Die Absatzmöglichkeiten und
hohen Erlössätze hochwertiger Robinien-Ni-
schensortimente sind lukrativ, auch bei weni-
ger geraden Stämmen. Außerdem besitzt die
Nebennutzung als Bienenweide eine große
Bedeutung: Wegen des hohen Zuckerwertes
der Blüte und jährlich ausgiebiger Tracht sind
Robinien bei Imkern und ihren Bienen äußerst
beliebt.
Verfügbarkeit von forstlichem
Vermehrungsgut und Förderfähigkeit
Hochwertiges und für die Verwendung in
Wäldern zugelassenes Saat- und Pfanzgut
ist Mangelware. „Geprüftes” Vermehrungs-
gut, die hochwertigste Kategorie mit erwie-
senermaßen überlegenen Wuchseigenschaf-
ten, existiert gar nicht erst auf dem Markt.
Zugelassen sind lediglich zwei Samenplanta-
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gen der nächsten Kategorie „Qualifziert” und
zwei Sonderherkünfte der Kategorie „Ausge-
wählt”. Bei letzterer wurde Vermehrungsgut
nach gesetzlich vorgegebenen Kriterien aus
Erntebeständen im Wald gewonnen, deren
Nachwuchs hervorragende Eigenschaften
aufgrund der sichtbaren äußeren Merkmale
(insbesondere Geradschaftigkeit) der Eltern-
bäume vermuten lässt. Der überwiegende
Teil des erhältlichen Robinien-Vermehrungs-
gutes gehört hierzu, entstammt allerdings
aus wenigen Forstbetrieben in Brandenburg.
Hinzu kommen einzelne zugelassene Saat-
gutbestände und zugelassenes Material aus
Ungarn. In Deutschland befnden sich Klone
aus Pfanzenmaterial aktuell in der Zulas-
sungsprüfung gemäß Forstvermehrungsgut-
gesetz.
Möchten Sie beim Anbau von Robinien fnan-
zielle Unterstützung durch Förderprogramme
von EU, Bund oder dem Freistaat in Anspruch
nehmen, so sind die aktuell geltenden Her-
kunftsempfehlungen für Sachsen verbindlich
einzuhalten. Außerdem muss die Baumart für
den Standort geeignet sein und die Mischung
mit weiteren, möglichst einheimischen,
standortgerechten Baumarten ist zu beach-
ten. Suchen Sie sich bei Unklarheiten kompe-
tente Beratung durch Ihre örtlich zuständige
Försterin oder Ihren zuständigen Förster bei
Sachsenforst!
Abb. 2: Dreijährige Robinien-Naturverjüngung nach Kleinkahlhieb und Oberbodenpfügen aus Wurzel-
brut hervorgegangen und dank zweimaliger Pfege (Negativauslese im 1. und 2. Jahr) mit sehr guten
Entwicklungsmöglichkeiten; Foto: Felix Moczia
Wissenstransfer in die Praxis
und Schlussfolgerung
Ja, die Robinie ist eine beachtenswerte Baum-
arten-Option im Klimawandel! Ihr rasches
Wachstum auch auf nährstoffarmen Böden,
die Toleranz gegenüber Hitze, Trockenheit und
Emissionen, ihr ausgeprägtes Regenerations-
vermögen sowie ihr sehr hartes und extrem
witterungsbeständiges Holz bieten zuverläs-
sig Ertragsperspektiven für Forstbetriebe in
Zeiten klimawandelbedingt steigender Risi-
ken – interessant vor allem als waldbauliche
Ergänzung für ertragsschwache Forstbetriebe
im Norden und Osten Sachsens. Naturschutz-
fachliche Einschränkungen sind jedoch zu be-
achten.
Wer an Praxiswissen zur Robinienbewirt-
schaftung interessiert ist, für den bieten
robinienerfahrene märkische Forstbetriebe
Waldbauführungen an. Kompetente An-
sprechpartner können insbesondere über den
Sächsischen Forstverein e. V. vermittelt wer-
den. Nachfragen lohnt sich!
Felix Moczia
ist Referent im Referat Be-
triebswirtschaft, Controlling bei
Sachsenforst
Arbeitssicherheit in Schadholzbeständen
Unfallgeschehen
Die aktuelle Unfallstatistik der Sozialver-
sicherung für Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau (SVLFG) macht deutlich, wie ge-
fährlich die motormanuelle Holzernte, ins-
besondere die Baumfällung ist: 75 % der
tödlichen Unfälle ereigneten sich bei Fäll-
arbeiten. Im Jahr 2019 verunglückten 36
bei der SVLFG versicherte Personen tödlich
bei der Waldarbeit – 15 mehr als im Vorjahr.
Insgesamt verzeichnete die SVLFG jedoch im
Vergleich zu 2018 einen leichten Rückgang
der Zahl im Forst um 4 % auf 5.257 Unfälle.
Unterm Strich steigen ungeachtet des be-
deutend höheren Unfallrisikos in den geschä-
digten Wäldern – ein Grund für die Zunahme
der tödlichen Unfälle – die meldepfichtigen
Forstunfälle insgesamt nicht an, weil zum
einen mehr Schadholz stehen bleibt (geringer
Holzpreis) und zum anderen mit mehr Technik
professionell organisiert gearbeitet wird. Die-
ser Kompensationseffekt verdeutlicht bei der
Holzernte insbesondere im Schadholz, zählt
Technik und fachkundige Profarbeit, sonst
besteht akute Unfallgefahr.
SVLFG-Sondererhebung
zu Unfällen bei der Fällung
Ein Jahr lang wurden im Rahmen der Un-
fallermittlung mit einer Sondererhebung die
Forstunfälle bei der Fällung durch die SVLFG
näher untersucht. Die Ergebnisse zeigen
deutlich, dass Unfälle durch unkontrollierte
Baumteile wie Äste, Kronen und Stammteile
bei der Fällung einen Anteil von 80 % (!) aus-
machen. 76 % der untersuchten Unfälle fan-
den in einem Abstand von weniger als sechs
Metern zum zu fällenden Baum statt. Dabei
konnte zwischen den mit rund einem Drittel
vertretenen Forstwirten und den Privatwald-
unternehmern (60 %) kein Unterschied beim
Unfallhergang festgestellt werden. Das Un-
fallrisiko, zu nahe am Baum von Baumteilen
getroffen zu werden, und die verursachende
Arbeitsweise liegen somit im Fokus der Un-
fallverhütung.
Maßnahmen zur Unfallverhütung
Die bewiesenermaßen wirksamen Maß-
nahmen gegen das Zu-nah-am-Baum-Ge-
troffenwerden sind bekannt und stehen
gleichsam für die gesetzliche Maßnahmen-
hierarchie im forstlichen Arbeitsschutz, ins-
besondere im Schadholz. Sie verfolgen das
Ziel, Kontrolle über den Baum zu haben und
Abstand herzustellen, bereits schon bevor
der Baum zu fallen beginnt. Am besten er-
26 |

image
Fortbildungsstätten in Sachsen – unter
www.svlfg.de
(Suchbegriff: Fortbildungsstätten) ist die vollständige Liste aller Anbieter in der Bundesrepublik Deutsch-
land einsehbar.
Fortbildungsstätte
Straße
PLZ
Ort
Telefon-Nr.:
Fax-Nr.:
E-Mail:
ASB
I
ASB
II
WBS
Berufsbildungswerk des
Sächsischen Garten-, Landschafts-
und Sportplatzbaus e. V.
Dorfplatz 4
01809
Dohna/
OT Borthen
0351 2710030
0351 2710038
info@bbw-galabau.de
x
Knorre Baumdienst
GmbH & Co. KG
Neukircher Str. 9 a
02625 Bautzen
03591 272339-0 03591 272339-99 info@knorre-baum.de
x
x
x
Tille Motorgeräte
Am Bahnhof 3 a
02694 Guttau
035932 31452
035932 32031
tille.motorgeraete@t-online.de
x
Forstverwaltung Ev. Brüder-Unität Löbauer Str. 46
02747 Herrnhut
035873 2900
ebu.forst@t-online.de
x
x
Der Baumdoktor Jörg Lohmann
Steinteichmühle 11
03048 Cottbus
0355 28890429 0355 28890430
info@baumpfege-cottbus.de
x
Ingenieurbüro für
Arbeitssicherheit Jacob GmbH
Lindenallee 2
04509 Delitzsch
034202 309532 034202 346924
ronny.jacob@
arbeitssicherheit-sachsen.de
x
x
Bildungswerk der Sächsischen
Wirtschaft gGmbH BZ Vogtland
Stauffenbergstraße 21
08209 Auerbach
03744 831110
03744 213605
bz-auerbach@bsw-mail.de
x
SKT-Schule „Baumnest”
René Schubert
Bergweg 8
08248
Klingenthal/
Mühl.
0152 07175149
baumnest@web.de
x
x
x
Bildungswerk der Sächsischen
Wirtschaft gGmbH BZ Vogtland
Hans-Sachs-Str. 53
08525 Plauen
03741 57150
03744 213605
bz-auerbach@bsw-mail.de
x
Umweltservice GmbH
Am St. Niclas-Schacht 13 09599 Freiberg
03731 16110-10 03731 16110-32
buero@umweltservice-freiberg.de
x
x
reicht wird das mit der Vollmechanisierung
(Harvester). Der Fahrer ist weg vom Baum
und zudem in seiner Kabine geschützt. Nach
der Vollmechanisierung kommt die seilwin-
denunterstützte Fällung. Auch hier sind Mo-
torsägen- und Seilwindenführer in ausrei-
chender Distanz zum fallenden Baum. Dieses
Verfahren verlangt zur sicheren Durchfüh-
rung allerdings eine hohe fachkundige Ar-
beitsweise, Teamarbeit und Erfahrung, was
in der Regel für den Unternehmer in seinem
Wald sehr anspruchsvoll ist. Hinzu kommen
die neu am Markt erhältlichen funkfernge-
steuerten Fällkeile (FFK), die ebenfalls Kon-
trolle und Abstand zum abkippenden Baum
ermöglichen. Die FFK waren ursprünglich
für mehr Sicherheit bei der Fällung von
gesunden Bäumen entwickelt worden und
erlangen jetzt im Schadholz eine neue Be-
deutung, vor allem bei den forsttechnischen
Dienstleistern. Der FFK-Einsatz ist nicht zu-
letzt wegen den vergleichsweise hohen An-
schaffungskosten ein reines Profgerät, das
eine exakte fachkundige Schnittpräzision
verlangt und speziell bei der Baumbeurtei-
lung fundierte Erfahrungen voraussetzt.
Vom konventionellen „Schlagkeilen” im
Schadholz ist aufgrund des Unfallgesche-
hens abzuraten. Bei Käferfchten kann nach
Abb. 1: Kompromiss bei noch nicht anbrüchigem Nadelholz: Erschütterungsfreies Zufallbringen mit
mechanischem oder hydraulischem Fällkeil; Voraussetzung ist handwerklich fachkundiges Arbeiten;
Foto: SVLFG
wenigen Jahren bereits die Krone bei ent-
sprechender Erschütterung abbrechen. Bei
der Fällung geschädigter, absterbender oder
bereits abgestorbener Bäume ist daher kon-
sequent erschütterungsarm zu arbeiten. Nur
so kann einigermaßen dem hohen Risiko,
durch herabfallende Äste oder Kronenteile
einen Unfall zu erleiden, begegnet werden.
Eine Möglichkeit, ohne Erschütterung den
Baum zu Fall zu bringen, bieten mechanische
und hydraulische Fällkeile.
Mit ihnen kann der Baum erschütterungs-
arm angehoben werden, die Person steht
dabei allerdings am Baum, wenn dieser zu
kippen beginnt(!). Um dieses Risiko zu redu-
zieren, ist die Sicherheitsfälltechnik generell
anzuwenden (siehe auch Waldpost 2018)
und immer nach dem Durchtrennen des
Sicherheitsbandes zügig zurückzuweichen
(mind. 10 m). Falls der Baum trotz des vor-
gespannten Keils nicht fällt, muss er wohl
oder übel durch Ratschen oder Pumpen am
Baum zu Fall gebracht werden. Die hier kurz
beschriebene Vorgehensweise stellt einen
Kompromiss für das Arbeiten im eigenen
geschädigten Wald dar, eine gute Fachkun-
de und sichere Arbeitsweise vorausgesetzt.
Wenn also den Empfehlungen
Fällung durch professionelle Forstunter-
nehmen oder
Kooperation mit den forstwirtschaftli-
chen Zusammenschlüssen
nicht entsprochen werden kann und das
Thema Sicherheitsfälltechnik unbekannt ist,
geht an einem anerkannten Motorsägen-
lehrgang kein Weg vorbei.
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Bevorzugtes Verfahren
Vollmechanisierung
(Harvester,
Bagger)
Alternative Verfahren
Seilwindenunterstützte Fällung
verlangtein hohesMaßan Fachkunde
(ArbeitsverfahrenKAT/KSTmüssen
beherrschtwerden).
Funkferngesteuerte Fällkeile
Funkferngesteuerte
Fallkeilenur für Normalbäumebei
stabilemHolz1mStammfussbereich.
Fachkundeund
Erfahrungsind maßgeblichfür unfallfreiesArbeiten.
Fällung mit Schlagkeilen
ist lebensgefährlich!
Die SVLFG hat daher die Bezuschussung von
anerkannten Motorsägenlehrgängen deut-
lich angehoben:
für einen 2-tägigen Kurs: 60 Euro
für einen 3-tägigen Kurs: 75 Euro
für einen 5-tägigen Kurs: 105 Euro
So einfach geht’s:
Sie geben bei der Anmeldung in der Fortbil-
dungsstätte Ihre SVLFG-Mitgliedsnummer an.
Nach Abschluss des Lehrganges erhalten Sie
von der Fortbildungsstätte einen Gutschein,
den Sie ausfüllen und per E-Mail an
praeven-
tion@svlfg.de
schicken.
Die SVLFG ist zuständig für die Durch-
führung der landwirtschaftlichen Un-
fallversicherung für über 1,4 Millionen
Mitgliedsunternehmen mit ca. 1 Million
versicherten Arbeitnehmern, der Alters-
sicherung der Landwirte für ca. 190.000
Versicherte und ca. 580.000 Rentner
sowie der landwirtschaftlichen Kran-
Abb. 2: Maßnahmenhierarchie für die sichere Schadholzfällung; Grafk: SVLFG
Flurbereinigung im Wald –
ken- und Pfegeversicherung für über
600.000 Versicherte im Gebiet der Bun-
desrepublik Deutschland. Sie führt die
Sozialversicherung zweigübergreifend
durch und bietet ihren Versicherten und
Mitgliedern umfassende soziale Sicher-
heit aus einer Hand. Die SVLFG ist maß-
geschneidert auf die Bedürfnisse der in
der Land- und Forstwirtschaft sowie im
Gartenbau tätigen Menschen und ihrer
Familien.
Fragen zur Unfallverhütung bei der Wald-
arbeit beantwortet Ihnen der Präventions-
berater der SVLFG für Waldarbeit in Sachsen,
Stefan Ahner, unter Telefon 0174 3330961.
Klaus Klugmann
ist Branchenreferent für
Forstwirtschaft und Jagd bei
der Sozialversicherung für
Landwirtschaft, Forsten und
Gartenbau
Unterstützung der Waldbesitzer bei der
Bewältigung von Sturm- und Käferschäden
Schadholz, ob Windbruch oder der aktuelle
Stehendbefall durch den Borkenkäfer, muss
umgehend aus dem Wald entfernt und die
Flächen entsprechend den Vorgaben des
Sächsischen Waldgesetzes wieder in einen
ordnungsgemäßen Bestand gebracht werden.
Doch für die meisten Waldbesitzer ist völlig
unklar, wo sich die Grenzen ihrer Waldfurstü-
cke befnden. Ehemals vorhandene Schneisen
sind durch die fächenübergreifende Bewirt-
schaftung des Staatsforstbetriebes der DDR
verschwunden und vorhandene Grenzsteine
liegen zwar sicher, aber für die Eigentümer
nicht auffndbar unter einer massiven Hu-
musschicht. Etwa 55 % der ca. 85.000 pri-
vaten und körperschaftlichen Waldbesitzer
bewirtschaften eine Fläche von unter 1 ha
und 91 % eine Waldfäche von unter 5 ha,
die sich meist auf mehrere Flurstücke in den
Wäldern der näheren Umgebung ihres Wohn-
sitzes verteilt. Unter solchen Umständen ist
es wohl kaum möglich, zielsicher seine eigene
Fläche zu beräumen und zu pfegen, zumal
die Erreichbarkeit der eigenen Flurstücke über
das öffentliche Wegenetz durch die ehemals
einheitliche Bewirtschaftung der Fluren und
Wälder oftmals nicht mehr gegeben ist. Mit
diesem Problem traten Waldeigentümer an
den betreuenden Revierleiter heran. Unter
Mitwirkung der Revierförster von Sachsen-
forst wurden bereits ca. 250 ha Waldfäche in
verschiedenen Kleinprivatwäldern durch Teil-
nehmergemeinschaften der Flurbereinigungs-
verfahren im Landkreis Meißen neu geordnet.
Gesetzliche Aufgabe der Flurbereinigung ist die
Verbesserung der Produktions- und Arbeits-
bedingungen in der Land- und Forstwirtschaft
sowie die Förderung der allgemeinen Landes-
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kultur und der Landentwicklung. Im Haupt-
sächlichen erfolgt dies durch die Erschließung
land- und forstwirtschaftlicher Flächen, die
Gestaltung des Flurbereinigungsgebietes, die
Schaffung von Landschaftselementen und die
Zusammenlegung des ländlichen Grundbesit-
zes. Aber auch Maßnahmen zur Hochwasser-
vorsorge und Minderung der Bodenerosion
sowie die Gestaltung von Biotopen und Ge-
wässern können im Flurbereinigungsverfahren
erfolgen. Die umfassende Neugestaltung des
Verfahrensgebietes erfolgt in Sachsen durch die
Teilnehmergemeinschaft. Diese setzt sich aus
den Eigentümern und Erbbauberechtigten der
am Verfahren beteiligten Flurstücke zusammen
und entsteht per Gesetz mit der Anordnung
des Verfahrens. Die Teilnehmergemeinschaft
handelt üblicherweise über ihren Vorstand. Der
Vorstand wird aus dem Kreis der Eigentümer im
Flurbereinigungsgebiet durch die Eigentümer
selbst gewählt. Vorstandsvorsitzender ist in
Sachsen immer ein Mitarbeiter der zuständigen
oberen Flurbereinigungsbehörde.
Flurbereinigungsverfahren sind aufgrund
ihrer Größe und Komplexität durch lange
Verfahrenslaufzeiten gekennzeichnet. Als
Beispiel für eine abgeschlossene Neuordnung
von Waldfächen wird an dieser Stelle auf
den Artikel vom Revierleiter Gunter Schwarz
unter
https://www.sbs.sachsen.de/download/
sbs/WaldPost2014_Einleger_Dresden_bf.pdf
verwiesen. In diesem nun abgeschlossenen
Flurbereinigungsverfahren waren die klaren
Eigentumsverhältnisse, die gut geformten
Flurstücke und die örtlich ersichtlichen Gren-
zen für ein schnelles Handeln bei der Auf-
arbeitung von Sturm- und Käferholz für die
Eigentümer sehr vorteilhaft.
Dennoch ist es auch in großen Flurbereini-
gungsverfahren mit kleineren Waldanteilen
möglich, kurzfristig rechtssichere Lösungen
zur Neuordnung des Grundbesitzes zu schaf-
fen. Im Nachfolgenden soll an zwei aktuellen
Beispielen erläutert werden, wie man diesen
Konfikt unter dem zeitlichen Zwang der Scha-
densbeseitigung aufösen kann. Auf Grund der
Aktualität sind die hier beschriebenen Arbeits-
schritte noch nicht abgeschlossen.
Beispiel 1:
Bodenordnung von Waldfächen
im Flurbereinigungsverfahren
Ländliche Neuordnung Nauwalde
Ausgangslage:
Die drei in der Abbildung 1 dargestellten
Waldfächen im Flurbereinigungsverfahren
Ländliche Neuordnung Nauwalde umfassen
in Summe eine Fläche von ca. 38 ha, die sich
Alte Flurstücksstruktur: Bauernwald
Röderholz
Hoppegartenwald
Neue Besitzstruktur: Bauernwald
Röderholz
Hoppegartenwald
Abb. 1: Drei Beispiele der Besitzstruktur vor und nach der Flurneuordnung; Grafk: Landratsamt Meis-
sen, Kreisvermessungsamt
in 77 Flurstücke untergliedern. Die insgesamt
30 Eigentümer sind wälderübergreifend in den
nachfolgenden Abbildungen in der gleichen
Farbe dargestellt. Je nach Waldgebiet haben
die Flurstücke eine Länge von 150 bis zu 250 m
und eine Breite ab 6 m aufwärts. Die zerglie-
derte Eigentumsstruktur ist durch die Farb-
gebung gut zu erkennen. Die Liegenschafts-
grenzen waren nur noch vereinzelt sichtbar.
Die Bewirtschaftungsgrenzen wurden zwi-
schen den Eigentümern oft ohne Kenntnis der
Lage der eigentlichen Flurstücksgrenzen ab-
gestimmt. Nach der Aufarbeitung des Schad-
holzes sollte auf Anregung des betreuenden
Revierleiters Falk Hähnel die verpfichtende
Wiederaufforstung in neu geordneten Eigen-
tumsstrukturen erfolgen und die Waldbewirt-
schaftung in Folge wesentlich erleichtern. Die
Mehrzahl der Waldbesitzer unterstützte den
Vorschlag und somit wurde der Wunsch einer
Neuordnung der Waldfächen an die Teilneh-
mergemeinschaft, die für die Neugestaltung
des Verfahrensgebietes verantwortlich ist, im
September 2019 herangetragen.
Vorgehensweise:
Anfang November 2019 erläuterte der stell-
vertretende Vorstandsvorsitzende Lutz
Klinger mit Unterstützung des Revierleiters
Falk Hähnel die Möglichkeiten der Zusam-
menlegung und Neuordnung der Waldfur-
stücke. Generell sieht das Flurbereinigungs-
gesetz die Wertgleichheit von Einlage und
Abfndung vor. Bei Waldfächen beschränkt
sich der Wert der Flächen nicht nur auf den
Bodenwert, sondern auch auf den Holzwert.
Hierbei sind die Grundsätze der Waldwertbe-
rechnung anzuwenden. Aber auch die Aner-
kennung der Wertgleichheit durch den künf-
tigen Eigentümer ist möglich. Aufgrund der
geringen Anzahl unterschiedlicher Bestände
wurde mit Zustimmung der Waldbesitzer auf
eine Wertermittlung (Bodenwert und aufste-
hendes Holz) verzichtet. Die Neuordnung der
Flurstücke sollte fächengleich nach Möglich-
keit innerhalb der gleichen Bestandsklasse
erfolgen. Auf Wunsch war auch ein Tausch
in andere Bestände unter fnanziellem Aus-
gleich und/oder Anerkennung der Wert-
gleichheit durch die Tauschpartner möglich.
Direkt im Anschluss an die Versammlungen
überprüfte Lutz Klinger mit jedem Wald-
eigentümer seine im Flurbereinigungsver-
fahren beteiligten Waldfächen und notierte
deren Vorstellungen zur künftigen Lage sowie
einer möglichen Zusammenlegung der Flä-
chen. Auch Erwerbs- oder Verkaufsinteressen
wurden notiert, schließlich sollten die durch
die Teilnehmergemeinschaft von der BVVG
erworbenen Waldfächen den interessierten
Teilnehmern angeboten werden.
Daran anschließend wurden in den Wäldern
150 fm Schadholz eigenständig durch die
Waldbesitzer sowie weitere 345 fm durch
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einen von Sachsenforst begleiteten Harves-
tereinsatz aufgearbeitet.
Der 1. Entwurf zur Neueinteilung der Waldfä-
chen wurde den Eigentümern Anfang Januar
2020 zugesendet. Die im Entwurf projektierten
Waldfurstücke wurden durch Pfähle gekenn-
zeichnet und den Eigentümern im Februar
in der Örtlichkeit vorgewiesen. Nach Inau-
genscheinnahme ihrer künftigen Flurstücke
konnte nicht bei allen Waldeigentümern eine
Zustimmung erzielt werden. Es wurde nach-
verhandelt und die darauf basierende Über-
arbeitung mündete im 2. Entwurf, der den
betreffenden Eigentümern im April 2020 vor-
gestellt wurde. Diesem Entwurf stimmten bis
Ende Juni 2020 alle Waldeigentümer zu.
Ergebnis:
Die Zahl der Waldfurstücke konnte von 77
(alt) auf 45 (neu) erheblich reduziert wer-
den. Die daraus resultierende Vergrößerung
der Abfndungsfurstücke, die Verringerung
von Flurstücksgrenzen und die Optimierung
der Flurstücksformen tragen zu einer einfa-
cheren Bewirtschaftung der Waldfächen bei.
Auf Knick- und Zwischenpunkte wurde bei
der Festlegung der neuen Flurstücksgrenzen
verzichtet. Diese werden an den Ecken durch
Grenzsteine und entlang der Grenzlinie in-
nerhalb der Bestände nach ca. 35 m durch
Eisenpfähle als Fluchtpunkte gekennzeichnet.
Die Erhaltung der sichtbaren Grenzen erfolgt
dann künftig durch die Waldbesitzer.
Der erste Blick auf die neue Besitzstruktur
lässt durchaus weiteres Zusammenlegungs-
potenzial erkennen. Durch die Berücksich-
tigung von Eigentümerwünschen und auf-
grund der unterschiedlichen Waldbestände
stimmten einer weiteren Zusammenlegung
nicht alle Waldeigentümer zu. Ein geringfügig
höherer Zusammenlegungsgrad hätte even-
tuell durch die Bewertung der Bestände und
einer zugewiesenen wertgleichen Abfndung
ohne Zustimmung der Waldeigentümer er-
reicht werden können. Die zeitliche Verzöge-
rung durch die Erstellung eines Waldwertgut-
achtens und mögliche Widersprüche gegen
die Neueinteilung ständen aber der schnellen
Verfügbarkeit der Neuordnung wesentlich
entgegen, sodass die Teilnehmergemeinschaft
den aufgezeigten Weg bevorzugte.
Die vorläufge Besitzeinweisung der Eigen-
tümer in ihre neuen Waldfurstücke erfolgte
im September 2020. Mit diesem Verwaltungs-
akt der Flurbereinigungsbehörde gehen dann
der Besitz, die Verwaltung und die Nutzung
der neuen Waldgrundstücke inklusive des
aufstehenden Holzes zum darin festgeleg-
ten Zeitpunkt auf die künftigen Eigentümer
Abb. 2: Eigentumsstruktur der Waldfächen um
die Ortslage; Grafk: Landratsamt Meißen, Kreis-
vermessungsamt
über. Die vorläufge Besitzeinweisung soll
den als endgültig geplanten Zustand bereits
vor Eintritt der rechtlichen Wirkung des Flur-
bereinigungsplanes herbeiführen. Der Eigen-
tumsübergang erfolgt erst später zu dem in
der Ausführungsanordnung des Flurberei-
nigungsplanes zu bestimmenden Zeitpunkt.
Durch den Besitzschutz mit der Einweisung in
die neuen Flächen kann der künftige Eigentü-
mer seine Flächen bewirtschaften und wieder
ordnungsgemäß in Bestand bringen.
Beispiel 2:
Bodenordnung von Waldfächen im
Flurbereinigungsverfahren Frauenhain
Ausgangslage:
Auch die Wälder um die Ortslage Frauenhain
weisen die typischen Merkmale des Kleinpri-
vatwaldes auf. Der Grundbesitz ist zergliedert.
Übernutzung des Privateigentums durch öf-
fentliche Wege bzw. die fehlende Erschließung
sind neben dem unklaren Grenzverlauf auch
hier anzutreffen. Die infolge der Trockenheit
gestressten Bäume in diesen Waldgebieten
wurden im Frühsommer 2019 verstärkt durch
den Borkenkäfer befallen. Der Aufforderung
der Forstbehörde, die geschädigten Bäume
zeitnah aus dem Bestand zu nehmen, konn-
ten die Eigentümer nur teilweise nachkom-
men. Die enorme Menge partiell anfallenden
Schadholzes stellten die Waldbesitzer ebenso
vor eine Herausforderung wie die örtlich nicht
ersichtlichen Flurstücksgrenzen. Schnell wur-
de den Eigentümern klar, dass für viele die
eigene Aufarbeitung des Schadholzes nicht
möglich war. In Abstimmung mit dem Revier-
leiter wurde der Harvestereinsatz vorbereitet.
Jetzt stellte sich die Frage, wie das geschla-
gene Holz unter den 34 Eigentümern der 132
Flurstücke aufgeteilt werden sollte. Auch bei
der Lösung dieser Aufgabe arbeitete Sachsen-
forst mit der Flurbereinigungsbehörde und
der Teilnehmergemeinschaft eng zusammen.
Vorgehensweise:
Die gesetzliche Aufgabe der Teilnehmer-
gemeinschaft ist, wie bereits erwähnt, die
Neugestaltung des Verfahrensgebietes. Alte
örtliche Liegenschaftsgrenzen werden hierbei
nicht wieder hergestellt. Dies ist in Sachsen
einzig die Aufgabe der öffentlich bestellten
Vermessungsingenieure. Allerdings muss,
wenn zwischen den eingebrachten und den
erhaltenen Flurstücken eine Wertgleichheit
gefordert ist, auch der Wert und zwangs-
läufg die Lage des Altbestandes ermittelt
werden. Dies erfolgt in aller Regel auf der
Grundlage der Daten des Liegenschaftskatas-
ters. Im konkreten Fall zeigten die Vermesser
der Flurbereinigungsverwaltung Mitte August
2019 den Waldbesitzern die örtliche Abgren-
zung ihrer Waldfächen. Diese wurden durch
die Eigentümer anerkannt und örtlich durch
Pfähle und Farbzeichnungen markiert. Die
Aufarbeitung und Zuordnung des Schadhol-
zes, ob durch Selbstberäumung oder den von
Sachsenforst überwachten Harvestereinsatz
im Dezember 2019, erfolgte innerhalb der
vereinbarten Flächen.
Auch im Flurbereinigungsverfahren Frau-
enhain sollte die Wiederaufforstung nicht
entsprechend der alten zergliederten und
schlecht geformten Eigentumsstruktur er-
folgen. Die Waldbestände um die Ortslage
unterschieden sich in Baumartenzusammen-
setzung und Alter stark voneinander. Und ins-
besondere durch den lokalen Schädlingsbefall
und die daraus resultierenden Kahlschläge ist
die Erstellung eines Waldwertgutachtens zur
Bewertung der vorhandenen Bestände sinn-
voll.
Im Dezember 2019 informierte der Vorsit-
zende der Teilnehmergemeinschaft in einer
Waldeigentümerversammlung über die Mög-
lichkeit einer Zusammenlegung und Neu-
ordnung der Waldfurstücke im Vorfeld der
Wiederaufforstung. Hierzu wurden Beispiele
abgeschlossener Bodenordnungen im Wald
und der angedachte Verfahrensweg erläutert.
Die Teilnehmer bekundeten ihr Interesse an
einer Neuordnung ihrer Waldfächen. Im Zuge
der gestellten Fragen wurde auch die Mög-
lichkeit eines vereinfachten Grunderwerbs
innerhalb des Flurbereinigungsverfahrens
angesprochen. Hier wird der Erwerber nach
Zahlung des Kaufpreises Besitzer der neuen
Flächen. Weil die öffentlichen Bücher erst
30 |

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Thermopluviogrammfür Sachsen: April-August
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mit Abschluss des Verfahrens berichtigt wer-
den, wird zum Schutz des Erwerbers ein Ver-
fügungsverbot im Grundbuch eingetragen.
Damit kann dieses Flurstück nur mit dessen
Zustimmung belastet oder veräußert werden.
Nach Einholung und Wertung
der Angebote
erfolgte im April die Beauftragung des Wald-
wertgutachtens. Anfang Mai 2020 fanden
dazu die örtlichen Begehungen durch Sach-
verständige statt. Die vorgefundenen 18 Be-
standsfächen wurden entsprechend ihres
Aufwuchses bewertet.
Mit der Bestimmung der Waldumringsgrenze
durch die Vermesser der Flurbereinigungsver-
waltung wurde die zu verteilende Waldfäche
ermittelt. Nach Auswertung des Waldwertgut-
achtens und der Bestimmung der Waldwerte
jedes Waldbesitzers wurden im September
und Oktober 2020 die Einzelgespräche mit
den Waldeigentümern zu ihrer Neueinteilung
geführt. Daran anschließend erfolgt nun die
Fertigung des Neueinteilungsentwurfes unter
der Prämisse der wertgleichen Abfndung und
der Aufösung sämtlicher im Waldbereich be-
fndlicher Nutzungskonfikte. Dieser wird dann
den Waldbesitzern
in einer weiteren Wald-
eigentümerversammlung vorgestellt.
Ergebnis:
Mit Zustimmung des Neueinteilungsentwur-
fes durch die Waldeigentümer kann dann
zeitnah die vorläufge Besitzeinweisung durch
die Flurbereinigungsbehörde erlassen werden
und der Besitz, die Verwaltung und die Nut-
zung der neuen Waldgrundstücke gehen auf
die
künftigen Eigentümer über. Diese können
dann mit der Wiederaufforstung ihrer neuen
Flächen beginnen.
Jens Hartung
ist Vorstandsvorsitzender der
Teilnehmergemeinschaften
LNO Nauwalde und
Flurbereinigung Frauenhain
sowie Gruppenleiter
Flurbereinigung beim
Landkreis Meißen
Waldschutzsituation in Sachsen 2020
Der vorliegende Beitrag beschreibt die Wald-
schutzsituation im Spätsommer 2020. De-
taillierte Informationen – auch zum jeweils
aktuellsten Stand – sind unter
http://www.
wald.sachsen.de/waldschutz-4070.html
zu
fnden. Als Grundlage für Waldschutzinfor-
mationen und auch für die Darstellung im
vorliegenden Artikel dienen u. a. die im Pri-
vat- und Körperschaftswald (PKW) von den
unteren Forstbehörden, im Landeswald von
Sachsenforst und im Bundesforst von den
Bundesforstbetrieben routinemäßig erhobe-
nen Waldschutz-Überwachungsdaten.
Das Jahr 2020 wurde wie schon die beiden
vorangegangenen Jahre durch Witterungs-
konstellationen geprägt, wie sie im Rahmen
der mittel- bis langfristig erwarteten Klima-
änderungen häufg und möglicherweise noch
intensiver auftreten können. Das unmittel-
bare Aufeinanderfolgen dreier derartiger
Extremjahre ist aber auch in diesem Zusam-
menhang vermutlich eine klimatologische
Besonderheit. Der Grad der Abweichung der
Temperaturen und der Niederschläge vom
jeweiligen langjährigen Mittel nahm in den
drei Jahren deutlich ab (s. Abb. 1), weist dabei
aber regionale Unterschiede auf. Wesentlich
für den Waldzustand ist jedoch, dass sich die
aufsummierten Niederschlagsdefzite konti-
nuierlich verstärkt haben und damit immer
tiefere Bodenschichten betrafen.
Die überdurchschnittlichen Temperaturen,
geringe Niederschläge, vor allem in der Vege-
tationsperiode, häufge Stürme, deren Wurf-
und Bruchholzanfall nicht immer und überall
rechtzeitig aufgearbeitet werden konnte, lös-
ten 2018 Massenvermehrungen von holz- und
rindenbrütenden Insekten aus. Eine direkte
Folge der Witterung in den Jahren 2018 und
2019 waren überdurchschnittliche
Dürre
schä-
den. Diese betrafen vorrangig Verjüngungen,
speziell die gerade angelegten, aber auch äl-
tere Bestände auf exponierten Standorten.
Die Februarstürme „Sabine” und „Yulia”
ver-
ursachten in Sachsens Wäldern über 210 Tm³
Wurf- und Bruchholz
und verschärften da-
Abb.1: Thermopluviogramm mit den Abweichungen von Temperatur und Niederschlag (Datenbasis:
Deutscher Wetterdienst) in den Monaten April bis August der Jahre 1881 bis 2020, die letzten drei Jahre
sind gesondert markiert; Zusammenstellung: Franz Matschulla
| 31

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Variante)
FSKB
per
3C-09.
(Abfrage: 12..10.2020)
historische
Daten
1.500.000
------
---
-
---
-
-
--
1.000.000
500.000
SACHSEN:
46.600 ha
Waldschadensfläche
9.050 ha
Freifläche
Abb. 2: Drei Borkenkäferarten an Fichte mit minimaler (schwarzer Balken) zu Abb. 3: Langzeitstatistik zum Buchdruckerbefall auf dem Territorium des
maximaler Körperlänge (grauer Balken) – in der Mitte der Nordische Fichtenbor- Freistaates Sachsen (Forstschutzkontrollbuch) per 30.09. 2020; inkl. Ruhebe-
kenkäfer (Ips
duplicatus),
oben der kleinere Kupferstecher (Pityogenes
chalcogra-
reich im Nationalpark (unvollständig); Zusammenstellung: Franz Matschulla
phus),
unten der größere Buchdrucker (Ips
typographus);
Foto: Franz Matschulla
mit lokal weiter die ohnehin sehr angespann-
te Situation.
Die Eisheiligen brachten in diesem Jahr insbe-
sondere mit der Nacht vom 12. zum 13. Mai ein
Spätfrost
ereignis, das lokal selbst unter dem
Schutz des Altbestandes zu massiven Schäden
an der Waldverjüngung geführt hat. Darüber
hinaus waren selbst ältere Bäume lokal bis re-
gional z. T. fächig stärker betroffen. Insgesamt
entstanden
auf etwa 7.500 ha Spätfrostschä-
den, womit der bisherige Spitzenwert in der
langjährigen Statistik seit 1991
deutlich über-
troffen wurde. Dies ist ein Hinweis darauf, dass
sich
die Bedeutung von Spätfrostschäden trotz
der tendenziell nachweisbaren Klimaerwär-
mung aufgrund einer Nach-vorn-Verlagerung
des Blatt-/Nadelaustriebs bei Beibehaltung von
späten Frostereignissen sogar noch verstärken
wird. Die diesjährigen Schäden wurden im ho-
hen Maße regeneriert.
Schäden an Fichte
Die Waldschutzsituation in den fchtendo-
minierten Wäldern in Sachsen wird im We-
sentlichen durch die Populationsdynamik des
Buchdruckers
und z. T. des
Kupferstechers
(s. Abb. 2) bestimmt. Der Buchdrucker ist wie
kaum ein anderer Forstschädling in der Lage,
unter optimalen Bedingungen durch die An-
lage von mehreren Generationen und Ge-
schwisterbruten innerhalb eines Jahres seine
Populationsdichte
enorm zu erhöhen. Mit
deren Zunahme steigt gleichzeitig seine Er-
folgsquote, nicht nur geworfene, gebrochene
oder anderweitig geschwächte, sondern auch
Abb. 4: Im Zeitraum April 2018 bis April 2020 neu entstandene Waldschadens- und Freifächen; auf-
geschlüsselt nach Forstbezirken; Grafk: Franz Matschulla
gesunde Fichten erfolgreich zu besiedeln. Es
kommt zum so genannten „Stehendbefall”.
Im Jahr 2019 verursachte der Buchdrucker, z. T.
in Kombination mit dem Kupferstecher, landes-
weit in den Wäldern aller Eigentumsarten eine
Befallsholzmenge von über 2 Mill. m³. Diese
Menge übertrifft in ihrer Höhe alle bisher regis-
trierten Jahresangaben für Sachsen (s. Abb. 3).
Weil im Vorjahr bis in die mittleren Lagen
(maximal bis ca. 700 m ü. NN) im August/
September eine 3. Käfergeneration angelegt
wurde, war das ganze Schadausmaß erst im
Frühjahr dieses Jahres vollständig sichtbar.
Neben der routinemäßigen kontinuierlichen
Erfassung des Befallsholzanfalls im webba-
sierten Forstschutzkontrollbuch (FSKB) durch
die zuständigen Forstbehörden wurden 2020
erstmals auch Satellitendaten diesbezüglich
ausgewertet. Im Rahmen des Projektes „Er-
fassung von Waldschadens- und Freifächen
mithilfe von Sentinel-2-Daten” wurden die
infolge von Sturmschäden, Schneebruch und
Borkenkäferbefall entstandenen Freifächen
im Wald sowie Flächen mit stehenden, von
Borkenkäfern befallenen, jedoch nicht sanier-
ten Bäumen („gray attack” und „red attack”-
Stadium), für den Zeitraum vom Herbst 2017
bis zum Herbst 2020 lokalisiert.
Dazu erfolgte die teilautomatisierte Auswer-
tung von Sentinel-2-Satellitendaten, die in
einer hohen zeitlichen Aufösung von der Eu-
ropäischen Raumfahrtagentur kostenfrei zur
Verfügung
stehen. Für den Untersuchungszeit-
raum vom April 2018 bis zum April 2020 wur-
den ungefähr 56.000 ha Waldschadens- und
Freifächen (davon ca. 9.100
ha Freifächen)
ermittelt, was einem Anteil von 11 Prozent
am Gesamtwald Sachsens entspricht. Unter
Freifächen wurden bei der Auswertung die
infolge von Sturmwurf oder Borkenkäfer-
32 |

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Abb. 5: Monatlicher Vergleich des befallenen Holzes in Kubikmetern für den sächsischen Wald in den
Jahren 2003 bis 2020; Quelle: FSKB per 30.09.2020
befallssanierung geräumten Flächen ab einer
Flächengröße von ca. 0,3 ha verstanden. Die
Waldschadensfächen beziehen sich auf Bäu-
me, deren Kronen Vitalitätsveränderungen
aufzeigen, die durch Fernerkundungssensoren
erfasst werden können. Dies sind größtenteils
Fichtenfächen mit stehendem Borkenkäferbe-
fall, der noch nicht saniert wurde.
Als Schwerpunktgebiete heben sich neben
den Kiefernforsten in den Forstbezirken Taura
und Oberlausitz die durch die Fichte gepräg-
ten Bereiche des Mittleren Erzgebirges so-
wie der Nationalpark Sächsische Schweiz ab.
In diesen Regionen sind meist großfächige
zusammenhängende Bestände von Borken-
käfer-, Sturm- oder Schneebruchschäden
betroffen.
Darüber hinaus wird jedoch die
Betroffenheit der gesamten Waldfäche deut-
lich, was einem erheblichen Ausweitungs-
potenzial des Schadgeschehens, insbesondere
durch Borkenkäfer, entspricht (s. Abb. 4).
Weil vom November 2019 bis März 2020 im
Landesmittel nur etwa 80 Prozent der jahres-
zeitlich üblichen Niederschlagsmengen gefallen
waren und sich damit der Trockenstress
für alle
Waldbestände, insbesondere für die tendenziell
fach wurzelnden Fichten, nicht wie üblich im
Winter entspannt, sondern weiter verstärkt
hatte, bestand zu Beginn der Schwärmzeit
2020 landesweit eine extrem hohe Gefährdung
hinsichtlich einer weiteren Ausdehnung der
Schäden durch den Buchdrucker. Das betraf vor
allem Gebiete, in denen bereits in den Vorjah-
ren ein starker Käferbefall auftrat und damit die
Ausgangskäferdichten sehr hoch waren. Wenn
in derartigen Gebieten wichtige Waldfunktio-
nen, wie die (Wasser)-Schutzfunktion ausge-
wiesen waren, wurden eigentumsübergreifend
sogenannte Vorranggebiete ausgewiesen. Da-
mit sollte die Durchführung der erforderlichen
Maßnahmen im PK-Wald
durch eine Unter-
stützung von Sachsenforst optimiert und so der
Walderhalt
gesichert werden. Weil der Winter
nicht nur niederschlagsarm, sondern auch re-
lativ mild war, musste außerdem von einer re-
lativ geringen Wintermortalität der 2019 noch
nicht vollständig ausgereiften Käferbruten aus-
gegangen werden. Am sehr warmen Osterwo-
chenende Mitte April begann – mit Ausnahme
der kühleren Kammlagen
des Erzgebirges – der
Schwärmfug von Buchdrucker und Kupferste-
cher.
Weil im Winterhalbjahr 2019/20 deutlich we-
niger Wurf- und Bruchholz angefallen war
als in den Vorjahren, spielte die Besiedelung
solcher Bruthabitate nur in den Gebieten mit
Schäden durch die Februarstürme eine Rolle.
Einer der sonnenscheinreichsten, trockensten
und wärmsten Aprilmonate seit Beginn der
Wetteraufzeichnungen bot den Borkenkä-
fern nahezu optimale Bedingungen zur Anla-
ge der 1. Generation. Die Fangergebnisse der
lockstoffbeköderten
Fallen des landesweiten
Borkenkäfer-Monitorings wiesen bereits Ende
April in den regionalen Schwerpunkten (Ober-
lausitz, Mittelsachsen, Nationalpark Sächsische
Schweiz) hohe bis sehr hohe und weit über
den Vorjahreswerten liegende Fangzahlen aus.
Lokal wurden bis zu diesem frühen Zeitpunkt
kumulative Fänge von über 30.000 Käfer/Drei-
fallenstern registriert. Das Erreichen dieses
Wertes
am Ende der Schwärmperiode signa-
lisiert eine hohe Wahrscheinlichkeit für das
Vorhandensein
von Stehendbefall und belegt
so mit der Überschreitung schon zu Beginn der
Schwärmzeit die aufgetretene Extremsituation.
Mitte Mai wiesen 80 Prozent aller Borkenkäfer-
fallen höhere Fangzahlen auf als im Rekordjahr
2019
zum gleichen Zeitpunkt.
Mitte Juni trat an vielen Standorten ein aus-
geprägtes und zu diesem Zeitpunkt eher un-
erwartetes Schwärmmaximum auf. Häufg war
es das Maximum des Jahres 2020.
Vermutlich
handelte es sich dabei um Käfer, deren Bruten
im Spätsommer 2019 angelegt wurden und die,
bedingt durch den milden Winter, einer gerin-
gen Mortalität unterworfen waren und in der
Folge ihre Entwicklung bis zu ausfugbereiten
Käfern erst im Frühjahr abschließen konnten.
Mit Stand 30.06.2020 betrug die registrierte
Stehendbefallsmenge im Gesamtwald in etwa
das 2,7-Fache des vergleichbaren Vorjahres-
wertes (s. Abb. 5). Dabei zeichneten sich deut-
liche regionale Unterschiede ab, die sich in der
Folgezeit weiter verstärkten. Weil
die rasche
Aufarbeitung befallener Bäume nicht zusätz-
lich – wie dies im vergangenen Jahr der Fall
war – durch Sturm- und Schneebruchschäden
erschwert wurde, konnten die Forstbetriebe, in
Abhängigkeit von ihrem Leistungsvermögen,
entsprechend zielorientiert agieren. Die insge-
samt etwas kühlere Witterung im Juni und Juli
im Vergleich
zum Vorjahr und noch deutlicher
im Vergleich zu 2018 führte zu einer Verlangsa-
mung der Käferentwicklung. Bis Ende Juli wur-
den bereits über 0,5 Mill. m³ Stehendbefall und
damit das 1,6-Fache im Vergleich zum Vorjahr
registriert. Im PK-Wald war es mit 286 Tm³ das
1,9-Fache. In der zweiten Hälfte dieses Monats
wurde die 2. Generation angelegt. Die Popu-
lationsdichten waren nach wie vor sehr hoch.
Dieser Trend
setzte sich im August fort. So wie-
sen am Monatsanfang die kumulativen Fang-
zahlen an 75 Prozent aller Monitoringstandorte
(ohne
Nationalpark) weitgehend unabhängig
vom Höhengradient höhere Werte auf als 2019
zum gleichen Zeitpunkt. Damit verstetigten
sich im Verlauf des Jahres 2020 die extrem
hohen Populationsdichten. Die insgesamt je-
doch langsamere phänologische Entwicklung
verdeutlicht der Vergleich der modellierten
Brutentwicklung
1
am Beispiel der Waldklima-
station Heinzebank. 2018 erfolgte an diesem
Standort, ausgehend vom vorangegangenen
Witterungsverlauf, am 8. August die Anlage der
3. Generation. Zum gleichen Zeitpunkt 2020
1 PHENIPS:
http://ifff-server.boku.ac.at/wordpress/index.php/
language/de/phenips-online-monitoring/phenips-online-
deutschland/phenips-sachsen/waldklimastationen_rlp/genera-
tionsentwicklung-2-2/
| 33

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B,._
Buchdrucker• Befall
"''""""
2020/21 per 30.09.2020
(Gesamtwald; FSKB·
Faktor
19
:
20
Stand: 16.10.2020)
.10
<=30.000
>
30.000
60.000
>
60.000
120.000
->
120.000
Abb. 6: Im Borkenkäferjahr 2020 (FSKB-Meldungen im Zeitraum
01.06.20-30.09.20)
vom Buchdrucker be-
fallenes Schadholz in den Landkreisrevieren (alle Eigentumsarten); Grafk: Franz Matschulla
konnte erst die Anlage der Geschwisterbrut der
2. Generation verzeichnet werden. Im August
wurde im Hügelland und in den unteren Lagen
bis ca. 350 m NN die 3. Generation angelegt.
Weil beginnend mit der dritten Augustdekade
die deutlich kürzer werdenden Tageslängen
unter durchschnittlichen Temperatur-Bedin-
gungen die Überwinterungsbereitschaft bei
den Buchdruckern induziert und in dieser Zeit
im Gegensatz zu 2019 eine kühlere Witterungs-
periode herrschte, kann davon ausgegangen
werden, dass in Höhenlagen über 500 m NN
i. d. R. keine 3. Generation angelegt wurde. Die
ausgereiften Käfer
gingen dort in die Winter-
ruhe über. Geschwisterbruten zur 2. Generation
waren jedoch in allen Höhenlagen möglich. Die
warme Witterung Anfang/Mitte September
führte dazu, dass sich diese Bruten bis zum
Jungkäferstadium entwickeln konnten und da-
mit sehr gute Voraussetzungen für eine erfolg-
reiche Überwinterung 2020/21 besitzen.
Mit über 830.000 m³ wurde im August lan-
desweit eine Stehendbefallsmenge registriert,
die fast der Menge entspricht, die im ersten
Jahr dieser Massenvermehrung 2018
für das
gesamte Borkenkäferjahr bilanziert wurde. Im
Vergleich zum Vorjahr stieg der Befall in den
Wäldern aller Eigentumsarten bis einschließ-
lich August um das 1,1-Fache an. Für den PK-
Wald ist dieser Anstieg um den Faktor 1,5 auf
bis dahin 450.000 m³ etwas höher.
Im September ging die Schwärmaktivität zu-
rück, war aber noch nicht beendet.
Per
30. September wurde landesweit in den
Wäldern aller Eigentumsarten eine Stehend-
befallsmenge von etwa 1.075.000 m³ regist-
riert. Das ist der 0,9-fache Wert im Vergleich
zum Vorjahr
(1.148.000 m³). Weniger als die
Hälfte dieser Befallsmenge entfällt auf den
Staatswald (450.000 m³) und 625.000 m³
und damit 58 Prozent auf den Privat- und
Körperschaftswald. Die Abbildung 6 zeigt die
regionale Verteilung der seit Juni kumulierten,
durch Buchdrucker befallenen Holzmenge.
Auf die beiden am stärksten betroffenen Re-
viere Sebnitz und Cunewalde entfällt nahezu
ein Viertel der gesamten Befallsmenge.
Neben den aus dem Vorjahresbefall
resultie-
renden Schwerpunktgebieten wird aus der
regionalen Schadverteilung auch deutlich,
dass besonders die Bereiche stark vom Buch-
druckerbefall betroffen sind, in denen die
Fichte – besonders im Reinbestand – nicht
standortgerecht ist. In einigen dieser Gebiete
wird jedoch eine Trendumkehr sichtbar. Diese
regionale Abnahme der Befallsholzmenge re-
sultiert aber nicht aus einer Entspannung der
Gefährdungssituation, sondern aus dem in-
zwischen eingetretenen Ressourcenmangel in
Form befallsgeeigneter Fichten. Im südwest-
lichen Landesteil hat sich 2020 der Befalls-
anstieg im Vergleich zum Vorjahr aufgrund
der günstigeren Witterungsentwicklung nicht
bzw.
nicht so deutlich ausgeprägt wie in den
mittleren und östlichen Gebieten. Neu auf-
getreten ist während des Sommers 2020 eine
diffuse Ausweitung des Befallsgeschehens
durch Buchdrucker auf (noch) relativ nied-
rigem Niveau in bisher weniger betroffenen
Fichtengebieten des Erzgebirges oberhalb von
500 m ü. NN. Diese Zerstreuung könnte im
Jahre 2021 aufgrund des tlw. großen Fichten-
anteils eine immense Herausforderung bei der
möglichst vollständigen Erkennung des Neu-
befalls im Frühjahr darstellen.
Wie schon in den
beiden Vorjahren ist der Kup-
ferstecher auch in diesem Jahr wieder am Be-
fall in Fichtenbeständen beteiligt. Die bis Ende
September gemeldete Befallsmenge von 5.700
m³ entspricht zu diesem Zeitpunkt nur einem
reichlichen Drittel der beiden Rekordjahre 2018
und 2019, ist in der langjährigen Statistik seit
2003 damit aber noch der dritthöchste Wert.
Die Populationsdichten der Fichtenborken-
käfer sind zu Beginn der Überwinterung
2020/21
nach wie vor hoch. Weil der Was-
sermangel speziell im Unterboden kurzfristig
nicht ausgeglichen wird, ist davon auszuge-
hen, dass selbst bei normalen Witterungsbe-
dingungen im Jahr 2021 mit hohen Schäden
gerechnet werden muss. Treten
zusätzlich
noch Extremwetterereignisse wie Stürme
oder Nassschneefälle auf und die Dürre ver-
schärft sich weiter, muss mit einem Anstieg
gerechnet werden.
Schäden an Kiefer
Infolge der extremen Witterungsverläufe der
zurückliegenden Jahre stiegen die Befallsholz-
mengen durch den
Sechs-
und
Zwölfzähni-
gen Kiefernborkenkäfer,
den
Großen
und
den
Kleinen Waldgärtner
(Abbildung 7), den
Blauen Kiefernprachtkäfer
(Abbildung 8) so-
wie durch weitere holz- und rindenbrütende
Arten auch in diesem Jahr weiter deutlich an.
Per 30.09. wurde zu diesem Zeitpunkt mit
175.000 m³ bereits ein neuer Rekordwert der
Befallsmenge durch diese Arten erreicht.
Die regionale Verteilung des Befalls durch
holz- und rindenbrütende Insekten an Nadel-
holz (ohne den Buchdrucker) in den Land-
kreisrevieren für das aktuelle Käferjahr zeigt
die Abbildung 9. Sichtbar wird im Vergleich zu
2019 eine Befallszunahme in den nordöstlichen
Kieferngebieten des Landkreises Bautzen. Diese
Tendenz war auch im Vorjahr schon feststellbar.
Der häufg auftretende Befall mehrerer Käfer-
arten an einem Baum bzw. an benachbarten
Bäumen und die dabei unterschiedlich ab-
laufende Befallssukzession erschweren eine
erfolgreiche Bekämpfung durch eine recht-
zeitige Erkennung und Sanierung.
Die Ergebnisse der Winterbodensuche
2019/2020
zeigten für die damit überwachten
nadelfressenden Arten für 2020 insgesamt
unkritische Populationsdichten. Die Dichten
der
Forleule
gingen im Vergleich zum Vorjahr
noch einmal deutlich zurück und belegen,
dass sich diese Art in Sachsen momentan in
der Latenzphase befndet. Auch der
Kiefern-
spanner
befndet sich weiterhin in Latenz,
lediglich in vier der 359 Winterbodensuchbe-
34 |

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HRB-Befall
(Ohne
BDR)
an
Ndh
2020121
In
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30.09.2020
(GH11m1Wakl;
FSKR..Sland:
16.10.20:20)
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7.000
-
>f.00>-111000
-
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Abb. 7: Einige Borkenkäfer an Kiefer im direkten Größenvergleich; Foto: Abb. 8: Blauer Kiefernprachtkäfer im Vergleich zu anderen an Kiefern vor-
Franz Matschulla
stände wurde die Warnschwelle überschrit-
ten, dies aber bei relativ niedrigen absoluten
Puppendichten. Auch die Dichten von
Kie-
fernspinner
und
Blattwespen
arten bleiben
nach wie vor unkritisch und überschreiten
nur
in wenigen Beständen auf noch geringem
Niveau die Warnschwellen. Die geringen Aus-
gangsdichten wurden in der Form bestätigt,
dass durch die genannten Arten keine Fraß-
fächen festgestellt worden sind. Lediglich die
Anzahl
der bei den Bodensuchen registrierten
Trieb-Absprünge durch Waldgärtner wei-
sen analog zum Befallsholzanfall weiterhin
auf lokal erhöhte Populationsdichten dieser
Borkenkäferarten hin, auch wenn sich diese
Entwicklung regional sehr unterschiedlich
darstellt.
Die
Nonne
befndet sich nach der Massen-
vermehrung in den Jahren 2012 bis 2015
erwartungsgemäß weiterhin in der Latenz.
Dies bestätigen die Ergebnisse aus den Phe-
romonfallenfängen als dem standardisierten
Waldschutzmonitoring für diese Art in den
Wäldern aller Eigentumsarten.
Schäden an Lärche
Der
Große Lärchenborkenkäfer
konnte wie
die bereits genannten holz- und rindenbrü-
tenden Käfer an den anderen Nadelbaumarten
ebenso von den ungünstigen Bedingungen
für die Wirtsbaumart durch auslösende Wurf-
und Bruchschäden und die Trockenheit in den
zurückliegenden Jahren proftieren. So kam es
in den Revieren mit höheren Lärchenanteilen
zu einem zunehmenden Stehendbefall und
lokal zu einer ähnlichen Entwicklung wie bei
den Fichtenborkenkäfern. Die Schadholzmen-
ge weist in der langjährigen Statistik mit der-
zeit etwa 13.000 m³ (1. Juni bis 30. September
2020) nach 2018 und 2019 (2018: 14.000 m³
und 2019: 44.000 m³) zu diesem Zeitpunkt
den dritthöchsten Wert auf. Die Abbildung 9
beinhaltet deren regionale Verteilung.
kommenden Prachtkäferarten; Foto: Franz Matschulla
Der in den Symptomen sehr augenscheinliche
Befall von Lärchenbeständen durch die
Lär-
chenminiermotte
ging 2020 nach dem kon-
tinuierlichen Anstieg in den Vorjahren wieder
etwas zurück. Lokal kann ein derartiger Befall
den Benadelungszustand dieser Baumart be-
einfussen, eine primäre Gefahr für die Bäume
geht davon jedoch nicht aus.
Schäden an Laubbaumarten
Unter der momentan nun schon im dritten
Jahr gegebenen absoluten Wasserstress-
situation reicht bei manchem Einzelbaum bzw.
in Bestandesteilen inzwischen der recht breite
Toleranzrahmen der Eichen nicht mehr aus,
um derartige abiotische Vitalitätseinbußen zu
kompensieren. Solche Eichen waren bereits in
den Vorjahren durch
Eichensplintkäfer
und/
oder
Eichenprachtkäfer
(s. Abb. 10) befallen.
In Verbindung mit der langanhaltenden warm-
trockenen Witterungslage in diesem Sommer
konnten sich die genannten sekundären Käfer-
arten wiederholt schnell entwickeln und von in
der Vitalität herabgesetzten – und damit für
eine Brut geeigneten – Bäumen proftieren. In-
nerhalb dieser komplexen Wirkungskreise kann
dem Schädlingsbefall noch gesunder, vor-
geschwächter Eichen nur durch forstsanitäre
Maßnahmen an befallenen
Bäumen entgegen-
gewirkt werden.
Die im Winter 2019/20
in langjährigen Probe-
beständen durchgeführte Überwachung der
Frostspanner
als relevantem Vertreter der
Eichenfraßgesellschaft mittels Leimringen er-
gab im Vergleich zum Vorjahr vereinzelt eine
leichte Zunahme der Falterdichten auf noch
unkritischem Niveau. Nur in den zwei Mo-
nitoringbeständen im Colditzer Forst wurde
für 2020 ein maximal merklicher oder star-
ker Fraß an Einzelbäumen prognostiziert. Die
steigende Tendenz
bei insgesamt noch rela-
Abb. 9: Regionale Verteilung des im Zeitraum vom 01.06.2020 – 30.09.2020 in den Wäldern aller Eigen-
tumsarten durch verschiedene holz- und rindenbrütende Käferarten (ohne Buchdrucker) angefallenen
Stehendbefalls an Nadelbaumarten (vorrangig Fichte, Kiefer und Lärche), bezogen auf die Strukturein-
heiten der unteren Forstbehörden;
Grafk: Franz Matschulla
| 35

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2020)
Abb. 10: Nach der Überwinterung Schlupf eines Eichenprachtkäfers aus der Borke (links) und Draufsicht
auf den ausgeschlüpften Käfer (rechts); Fotos: Franz Matschulla
Abb. 11: Kahlfraß in Eichenbeständen bei Borna; links: im Vordergrund kahlgefressene Stieleiche mit am
Stammfuß befndlichen Raupenaggregation des Schwammspinners und im Hintergrund kahlgefressene
Roteichen; rechts: kahlgefressene Roteichenbestände; Fotos: Franz Matschulla
tiv geringen Dichten wurde im vergangenen
Winter durch einen in den Revieren registrier-
ten Anstieg der beobachteten Schwärmaktivi-
tät bestätigt. Die Probezweigentnahmen und
Schlupfkontrollen zur Prognose des Fraßes
durch den
Grünen Eichenwickler
als weite-
rer Vertreterart der Fraßgesellschaft an Eichen
ergaben im Mittel einen leichten Rückgang
der Belagsdichten bei einem in den Vorjahren
bereits geringem Dichteniveau. Durch diese
Art wurde 2020 folglich kein nennenswerter
Fraß erwartet. Die für 2020 gemeldeten Fraß-
schäden (im Vergleich zum Vorjahr für den
Eichenwickler rückläufg und für den Frost-
spanner ansteigend) bestätigten das prog-
nostizierte geringe Schadniveau beider Arten.
Basierend auf Daten der Überwachung des
Schwammspinners
mittels Pheromonfallen
und erster Fraßschäden bis zum Kahlfraß
2019, wurde für 2020 eine vergleichbare bzw.
etwas größere Schadfäche als im Vorjahr im
Raum Leipzig hauptsächlich in Roteichenbe-
ständen erwartet. Die erwartete Größenord-
nung der Schadfäche hat sich im Frühjahr
2020
bestätigt. Dabei führten auf den aus
dem Vorjahr bekannten Befallsfächen an den
im April schlüpfenden Larven in der Folge sehr
hohen Parasitierungsraten zu einem Zusam-
menbrechen der Populationen mit in der Fol-
ge nur geringem Fraß. Dafür zeigten sich an
einem anderen Ort neue Fraßfächen in einem
privaten Forstbetrieb (s. Abb.
11), für die sich
aber bereits während der laufenden Saison
eine entsprechende Parasitierung andeutete.
Weil es sich dabei vorrangig um Roteichen
handelt, kann das als Beleg dafür gewertet
werden, dass diese Baumart in die bestehende
Biozönose eingebunden ist. Weil diese Baum-
art Fraßschäden sehr gut, vermutlich besser
als heimische Eichenarten, toleriert, proftie-
Abb. 12: Maikäfer vor dem Abfug; Foto: Franz
Matschulla
ren diese vermutlich von dem sich in dem
System Roteiche-Schwammspinner
etab-
lierenden Antagonistenpotenzial. Bei Berück-
sichtigung des in der Vergangenheit relativ
streng-zyklischen Auftretens der wärmelie-
benden Art wäre für 2021, insbesondere unter
Berücksichtigung der aktuellen Langfrist-
Wetterprognosen,
noch einmal eine deutliche
Zunahme der Schadfäche und -intensität zu
erwarten. Im Juli und August 2020 wurde der
Schwärmfug der Schwammspinner mittels
Pheromonfallen überwacht. Abschließende
Ergebnisse liegen noch nicht vor. In Waldtei-
len mit einem erhöhten Auftreten erfolgen im
kommenden Winter Eigelegesuchen, um den
tatsächlich zu erwartenden Schadumfang für
2021
zu prognostizieren.
Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzge-
birge wurde 2020 lokal merklicher Flug durch
Feld-
und
Waldmaikäfer
beobachtet (Abb.
12). Basierend auf historischen Aufzeichnun-
gen war dieses Auftreten zu erwarten.
Das Auftreten des
Eichenprozessionsspin-
ners
in Wäldern wurde 2020 nicht in allen
Abb. 13: Nachgewiesenes Auftreten des Eichenprozessionsspinners in Sachsen 2020, Daten von den
unteren Forstbehörden und von Sachsenforst; Grafk: Franz Matschulla
36 |

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Abb.14: Brutbild und Käfer des Kleinen Buchenborkenkäfers (links) und junge Larve des Buchenpracht-
käfers im Brutbild (rechts); Fotos: Franz Matschulla
bislang bekannten Befallsgebieten bestätigt.
Für drei Regionen belegten aktuelle Phero-
monfallenfänge und/oder eher zufällige Eige-
lege-, Raupen- bzw. Gespinst-Funde das Vor-
kommen dieser Art. Die Falterfänge deuten im
aktuellen Jahr entgegen der erwarteten Aus-
weitung der wärmeliebenden Art auf einen
Rückgang hin. Dies wird z. T. auch von den
Kollegen vor Ort bestätigt. Für den Wald sind
vereinzelt auftretende Fraßschäden bisher
unbedenklich. Es erfolgten punktuell mecha-
nische Bekämpfungsmaßnahmen. Die Abbil-
dung 13 zeigt die 2020 von den Forstbehör-
den registrierte regionale Verteilung im Wald
gelegener bzw. z. T. an den Wald angrenzender
Nachweise des Eichenprozessionsspinners.
Lokal bis regional zeigten sich 2020 wieder-
holt Bestände mit einem nennenswerten An-
teil absterbender Buchen. Ähnlich wie bei den
Eichen konnten die an diesen Bäumen auf-
tretenden sekundären Käferarten, insbeson-
dere der
Kleine Buchenborkenkäfer
und der
Buchenprachtkäfer
(Abb. 14), in Verbindung
mit der Dürre der Vorjahre und der langan-
haltenden warm-trockenen Witterungslage
auch in diesem Sommer durch schnelle Ent-
wicklungsgänge und in der Vitalität herab-
gesetzte und damit für eine Brut geeignete
Bäume proftieren.
Das vom
Eschentriebsterben
verursachte
Schadniveau ist im Freistaat Sachsen nach
wie vor hoch. Der Schädigungsgrad der Indi-
viduen eines Bestandes ist dabei unterschied-
lich stark ausgeprägt. Ein fächiges Absterben
konnte bisher nicht beobachtet werden. Ört-
lich auffällig in geschädigten Beständen war
im Raum Leipzig das Auftreten des
Großen
Eschenbastkäfers.
Die durch den Pilz
Cryptostroma corticale
an
Ahorn ausgelöste
Rußrindenkrankheit
tritt
insbesondere in Jahren mit Trockenstress,
Wassermangel und großer Hitze vermehrt auf
bzw. wird in den Jahren danach durch Fort-
schreiten auftretender Symptome bis hin zum
Absterben der Bäume augenscheinlich. Mit ei-
ner Zunahme von Klimaextremen in den Som-
mermonaten mit deutlichen Hitzeperioden
und Trockenheit, wie dies insbesondere 2015
und 2018 und in den Folgejahren der Fall war,
könnte diese Krankheit als Folgeerscheinung
derartig vorgeschädigte Bäume häufger be-
fallen. 2020 setzte sich das Schadgeschehen
erwartungsgemäß regional deutlich fort.
Die erheblichen Vitalitätsverluste bei Laub-
baumarten, insbesondere bei Einzelindividu-
en, führen seitens der betroffenen Flächen-
eigentümer zu erheblichem Mehraufwand im
Rahmen der Verkehrssicherungspficht.
Von der warmen und trockenen Witterung in
der Vegetationsperiode 2020 proftierten of-
fensichtlich nicht nur eine Vielzahl von schad-
verursachenden Käferarten, sondern auch
Mäuse. Die sich bereits seit einigen Monaten
in der Landwirtschaft abzeichnende Massen-
vermehrung der
Feldmäuse
kann speziell in
Erstaufforstungen auch für Waldbesitzer zum
Problem werden. In welchem Umfang das
auch für andere forstschädliche Mausarten
gilt, deren Lebensraum Verjüngungsfächen
im Wald sind, kann noch nicht abschließend
beurteilt werden.
Franz Matschulla
ist Sachbearbeiter im Referat
Waldentwicklung, Waldschutz
im Kompetenzzentrum Wald
und Forstwirtschaft
bei Sachsenforst
Lutz-Florian Otto
ist Leiter des Referates
Waldentwicklung, Waldschutz
im Kompetenzzentrum Wald
und Forstwirtschaft
bei Sachsenforst
Baum des Jahres 2021:
Die Stechpalme/Hülse (Ilex aquifolium L.)
Die Stechpalme ist wohl eine der ungewöhn-
lichsten einheimischen Laubbaumarten, weil
sie ledrige glänzende, auffällig gezähnte Blät-
ter hat, die mehrere Jahre am Leben bleiben.
Im Winter sind ihre vielen leuchtend roten
Früchte attraktiv und sehr beliebt in Advents-
gestecken. Wildexemplare sind so selten, dass
sie als eine von nur wenigen Baumarten bei
uns nach der Bundesartenschutzverordnung
streng geschützt sind.
Charakteristika, Erkennungsmerkmale
Viele Stechpalmen wachsen strauchförmig,
aber man fndet auch regelmäßig etliche
baumförmige Exemplare, sodass es sich ein-
deutig um eine Baumart handelt. Der
Habitus
der Krone kann schick kegelförmig aussehen
oder ist aufrecht oval. Die Triebe bleiben bis
zu 10 Jahre grün, können also Photosynthese
betreiben und Zucker produzieren. Die dabei
produzierte Zuckermenge ist allerdings gering
im Vergleich zu den immergrünen mehrjähri-
gen Blättern.
Die Stammumfänge können 1 bis 2 m, die
Baumhöhen 10 m (selten 15 m) erreichen, das
Höchstalter
beträgt 200 Jahre, selten mehr.
Das dickste Exemplar Deutschlands wächst in
Braunfels bei Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis, Hes-
sen) mit 2,90 m Stammumfang und einem
| 37

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geschätzten Alter von 270 Jahren – vor ihm
stehend fragt man sich, wie diese Ausmaße
zustande kommen können. In Sachsen steht
das stärkste Exemplar in Meißen vor dem
St. Afra-Gymnasium.
Es gibt nur männliche oder weibliche Bäume
(sog. Zweihäusigkeit), daher ist zur Fruchtbil-
dung die Nähe beider Geschlechter notwendig:
sie sollten dann nicht weiter als 50 m vonei-
nander entfernt stehen. Die von Insekten be-
stäubten
Blüten
duften angenehm und sind
grünlich- bis cremeweiß, aber durch ihre gerin-
ge Größe relativ unauffällig. Im Gegensatz dazu
fallen die
Steinfrüchte
durch ihre leuchtend
rote Farbe zwischen den dunkelgrünen Blättern
sehr auf. Das bemerken auch Vögel, die sie dann
im Herbst und vor allem im Winter fressen.
Vorkommen, Ökologie
Die Stechpalme ist bei uns die einzige einheimi-
sche
immergrüne
Laubbaumart (der ebenfalls
immergrüne Buchsbaum ist eine Strauchart).
Diese haben Vorteile in wintermilden Regionen,
besonders wo die Sommer so heiß und trocken
sind, dass sie nur zeitweise für Photosynthese
genutzt werden können wie im Mittelmeer-
raum. Winter- und immergrüne Bäume können
so auch warme Perioden im Winterhalbjahr
ausnutzen, die dann über das gesamte Jahr be-
trachtet ebenfalls wichtige Zeiträume für die
Photosynthese darstellen. Solche immergrünen
Laubbaumarten deuten daher auf ein Verbrei-
tungsgebiet auch oder schwerpunktmäßig in
wärmeren oder zumindest wintermilden Gebie-
ten hin, z. B. in Meeresnähe.
Typische Stechpalme am
Waldrand in Born auf dem
Darß; Foto: Andreas Roloff
Die Stechpalme beeindruckt durch ihre hohe
Schattentoleranz,
sodass sie in geschlosse-
nen Buchenbeständen überlebt und dort so-
gar „Stechpalmenwälder” im Unterstand bil-
den kann. Dadurch werden die Bestände dann
im Unterwuchs dicht, stellenweise undurch-
dringlich. Das kann man z. B. bei Ahrens-
hoop auf dem Darß gut sehen. Sie bilden im
Winter wertvollen Schutz für Wild und Vögel.
Berühmt und bedeutsam ist das Naturwald-
reservat Stechpalmenwald östlich der Lüne-
burger Heide in Niedersachsen. Es entsteht
ein sehr ungewöhnliches Bestandesbild, das
durch die Ilex-Blätter etwas südliches Flair er-
hält. So wird die Baumart gelegentlich auch
als Wilder Lorbeer bezeichnet.
Sehr ausgeprägt ist die
Xerophyllie
der Blät-
ter: ihre Anpassung an Hitze, intensive Be-
strahlung und Trockenstress durch verdickte
Zellwände und eine verstärkte Wachsschicht
auf der Blattoberseite sowie die großen Sta-
cheln am Blattrand. Daher ist die Stechpalme
ein sog. Hartlaubgewächs.
Bemerkenswert ist weiterhin die Verschieden-
blättrigkeit
(Heterophyllie)
der Stechpalme:
Am selben Zweig kommen sowohl glattran-
dige ungezähnte als auch unterschiedlich ge-
zähnte Blätter vor, die Blattgestalt ist also sehr
variabel. Zudem konnte bei unseren eingehen-
deren Untersuchungen dazu festgestellt wer-
den, dass die Blätter in den unteren Kronenbe-
reichen meist stärker gezähnt sind als die im
höheren Kronenbereich. Eine Ursache könnte
sein, dass die Blätter nur in Verbisshöhe den
Schutz durch Blattrandzähne benötigen und
dieser in höheren Kronenbereichen überfüs-
sig ist. Die
Blattrandzähne
stellen tatsächlich
einen sehr wirksamen Verbissschutz dar – nur
im Austriebsstadium nicht, wenn sie noch
weich sind. So ist auch zu erklären, dass sich
die Stechpalme zu Zeiten der Waldweide im
18. und 19. Jahrhundert ausgebreitet hat: Die
Tiere fraßen fast alle Gehölze, nur die Stech-
palme ließen sie stehen.
In einem Naturschutzprojekt erforschen wir
derzeit die Ursache der
Langsamwüchsig-
keit
von Stechpalme und Eibe: Wir möchten
wissen, warum sie kaum auf bessere Licht-
verhältnisse reagieren. Unsere Vermutung ist,
dass es am Wassertransport liegt, der auf-
grund der Holzanatomie nicht beschleunigt
werden kann. Daher müssten (halb)schattige
Verhältnisse dann am günstigsten sein.
Nutzung und Verwendung
Das relativ schwere, helle
Holz
ist für fei-
nere Tischler-, Drechsler- und Schnitzarbei-
ten beliebt und gilt als wertvollstes „weißes
Holz” für Intarsien (Einlegearbeiten), z. B. in
Schachbrettern. Seine Dichte ist so hoch, dass
es in frischem Zustand in Wasser untergeht
(zumindest bei engen Jahrringen und somit
größerer Holzdichte)!
Die Art eignet sich auch sehr gut zur Anla-
ge von
Hecken,
weil sie Schnitt gut verträgt.
Solche Hecken können durch die stechenden
Blätter undurchdringlich werden, weshalb die
Stechpalme in England zu den beliebtesten
Heckenpfanzen gehört – das ist hierzulande
auch zu sehen, allerdings seltener.
Die heute als giftig eingestuften
Blätter
wur-
den früher als aufmunternder Tee getrunken
– so ändern sich die Zeiten. Mate-Tee stammt
übrigens von einer südamerikanischen Ilex-
Art. In der
Heilkunde
wurden die ebenfalls
giftigen Früchte gelegentlich bei Fieber, gegen
Rheuma und Gicht sowie als Abführmittel und
gegen Epilepsie eingesetzt, was die Patienten
teilweise nicht überlebten. Für Vögel sind sie
ungiftig und sogar ein wichtiges Winterfutter,
durch Frost werden sie weich.
(Weitere Informationen auch unter
www.baum-des-jahres.de, www.holzgewaechse.de
und in Roloff, A.: Der Charakter unserer Bäu-
me – Ihre Eigenschaften und Besonderheiten,
Ulmer Verlag 2017)
Prof. Dr. Andreas Roloff
ist Lehrstuhlinhaber der
Professur für Forstbotanik an
der Technischen Universität
Dresden, Institut für Forstbota-
nik und Forstzoologie
38 |

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Biotische Schadfaktoren in Waldverjüngungen –
Arten, Vorbeugung und Regulation
Einleitung und Übersicht
Waldverjüngungen sind aktuell ein beson-
ders drängendes Thema. Einerseits führten
Stürme, Dürre, Einfüsse durch Blätter oder
Nadeln fressende Schmetterlinge und Blatt-
wespen sowie darauf folgende Borken- und
Prachtkäfermassenvermehrungen seit 2017
zu großen Waldschadensfächen. Diese hatten
teilweise noch keine Vorverjüngung und des-
halb muss die Wiederbewaldung durch natür-
liche oder künstliche Prozesse erfolgen. An-
dererseits darf beim Waldumbau im Schutze
vorhandener Oberstände nicht nachgelassen
werden. Die Verjüngungserwartungsbestände
sind durch die so genannten Nachkriegsauf-
forstungen, übrigens eine uneingeschränkt zu
würdigende Großtat unserer Eltern und Groß-
eltern, durch heute 60- bis 70-jährige Wälder
der Wald-Kiefer (Pinus
sylvestris)
und der Ge-
meinen Fichte (Picea
abies)
dominiert, d. h.
das Waldumbaufenster steht weit offen und
muss konsequent genutzt werden.
Daraus ergeben sich zwei unterschiedliche
Situationen in der Waldverjüngung: die Wie-
derbewaldung von Freifächen und die Wald-
verjüngung unter dem Schirm der älteren
Bäume. Die Waldverjüngung in vorhandenen
Plenterbetrieben wird in diesem Beitrag nicht
speziell behandelt.
Der bedeutsamste biotische Schadfaktor in
Wäldern ist das Schalenwild. Aktuelle Kalku-
lationen für Deutschland gehen von einem
Schadenspotenzial von ca. einer Milliarde Euro
pro Jahr aus. Dabei sind nicht nur die Einfüsse
z. B. durch Verbiss oder Schäle an vorhandenen
Bäumen zu betrachten. Noch bedeutsamer sind
das Verhindern oder Entmischen von natürli-
chen Waldverjüngungen, weil dann hohe, aber
eigentlich unnötige Investitionen für künst-
liche Verjüngungen und Wildabwehr getätigt
werden müssen, die jedoch mit Ausnahme
von Saaten nicht die gleiche Verjüngungsqua-
lität (ungestörte Wurzelentwicklung) haben.
Habitat-angepasste Wildbestände, also solche
Wildbestände, die die Weiterentwicklung der
Waldbiotope nicht wesentlich beeinträchtigen,
sind für erfolgreiche naturnahe Waldbewirt-
schaftung und Waldumbau, d. h. für zukunfts-
fähigen Wald mit Wild ohne Alternative.
Im weiteren Artikel soll es aber ausdrücklich
um potenzielle biotische Schadfaktoren in
Waldverjüngungen außer Wild gehen.
Bodenvegetation
Bei planmäßiger Waldverjüngung unter dem
Schirm des Oberstandes sollte es in den meis-
ten Fällen möglich sein, konkurrierende oder
verdämmende Wirkungen der Bodenvegeta-
tion jeglicher Art vernachlässigen zu können.
Lediglich das Landreitgras (Calamagrostis
epi-
gejos),
Adlerfarn (Pteridium
aquilinum)
und
Brombeeren (Rubus
spec.)
können hier we-
sentliche Verjüngungshindernisse sein. Voll-
kommen anders stellt es sich dar, wenn es um
die Verjüngung von zwangsläufg infolge von
Schäden zu verjüngenden Freifächen geht.
Der Lichtgenuss und die Nährstofffreiset-
zung haben oft eine sich üppig entwickelnde
Bodenvegetation aus zahlreichen Arten zur
Folge, wobei einige Arten wie Drahtschmiele
(Avenella
fexuosa)
unbedenklich sind.
Einerseits kann diese Bodenvegetation Nähr-
stoffe vor den Austrag bewahren und Vernäs-
sung mindern. Andererseits stellt sie, wenn
keine Vorverjüngung vorhanden ist, eine
deutliche Konkurrenz um Nährstoffe, Wasser
und Licht für eine einzubringende Waldver-
jüngung dar. Gräser verstärken zudem die
Gefahr von Schäden durch Spätfrost und
Kurzschwanzmäuse. Es stellt sich deshalb die
Frage, ob und wenn ja wie die Bodenvegetati-
on auf solchen Flächen zu berücksichtigen ist,
um Schäden an der Verjüngung zu vermeiden.
Grundsätzlich und insbesondere in der aktu-
Abb. 1: Typischer Fraß durch Erd- oder Feldmaus;
Foto: TU Dresden, Professur für Waldschutz
ellen Situation sollten ohne triftige Gründe
keine Abstriche an Forderungen hinsichtlich
Qualität, Quantität und Verteilung von Wald-
verjüngung gemacht werden. Jeder Verzug bei
der Verjüngungsentwicklung bedeutet eine
Verschlechterung der Rahmenbedingungen
und hohe ökonomische Verluste, zumindest
soweit und solange den Waldbesitzern/-innen
außer der Holzproduktion keine anderen be-
deutsamen Einnahmequellen aus anderen
Waldleistungen gestattet werden.
Auf die Möglichkeiten der genannten Be-
rücksichtigung von Bodenvegetation wird im
nächsten Kapitel eingegangen, weil sie in die-
ser Kombination besondere Bedeutung haben.
Mäuse
In Waldverjüngungen sind Kurz- und Lang-
schwanzmäuse zu berücksichtigen.
Von den Langschwanzmäusen sind Beein-
trächtigungen von Waldverjüngungen vor al-
lem in Naturverjüngungen und Saaten durch
die Waldmaus (Apodemus
sylvaticus)
und die
Gelbhalsmaus (Apodemus
favicollis)
zu er-
warten, weil diese durchaus in bedeutendem
Maße Waldsamen fressen und die Einfüsse
sowohl in Vorverjüngungen unter Schirm
als auch bei Saaten auf Freifächen eintreten
können. Langschwanzmäuse dürfen nicht be-
kämpft werden und Mittel zum Schutze der
Samen (Repellenzien) haben im Wald keine
Zulassungen oder wurden bisher von der
durchaus vorhandenen Forschung und Ent-
wicklung nicht in die Praxis überführt. Es
empfehlt sich also, Naturverjüngungen und
Saaten gut vorzubereiten und mit einer Re-
serve an Vermehrungsgut vorzunehmen.
Von den Kurzschwanzmäusen sind Erdmaus
(Microtus
agrestis)
und Feldmaus (Microtus
arvalis)
am bedeutsamsten. In Feld-, aber
auch in Wassernähe und auf Flächen mit
starker Bodenlockerung (Fräßstreifen, tiefes
Mulchen) kann auch die Schermaus (Arvicola
terrestris)
großen Schaden anrichten. Acker-
aufforstungen sind natürlich am meisten
durch all diese Kurzschwanzmäuse gefährdet,
sollen hier aber nicht thematisiert werden.
Erdmaus und Feldmaus kommen oft gemein-
sam vor, wobei die Erdmaus etwas stärker
Flächen mit dichter Bodenvegetation und
| 39

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höherer Luftfeuchtigkeit am Boden bevor-
zugt, während die Feldmaus eher in lichter
Bodenvegetation und trockenerer Situation
am Boden vorkommt.
In der Bodenvegetation sind Maushabitate
vor allem durch Gräser charakterisiert. Einer-
seits bietet die Bodenvegetation den Mäusen
Deckung vor Feinden, andererseits sind insbe-
sondere Gräser die normale Nahrung für die
Mäuse. Die Schäden an der Waldverjüngung
treten vor allem im Herbst auf, obwohl dann
die Populationsdichte der Mäuse vom Höhe-
punkt im Sommer bereits wieder abnimmt.
Das liegt in der Abnahme der normalen Nah-
rung begründet, weil viele Gräser im Herbst
welken und nicht wintergrün sind. Die Rinde
der Bäume in der Waldverjüngung ist also nur
die Notnahrung.
In Kombination aus der genannten direkten
Wirkung von Bodenvegetation (Konkurrenz
um Nährstoffe, Wasser und Licht) auf die
Waldverjüngung und der indirekten Wirkung
als Mäusehabitat gibt es verschiedene Optio-
nen, damit umzugehen.
Bei allen Waldverjüngungen ist es erstrebens-
wert, Mäusehabitate zu vermeiden. Gelingt
das in der Vorverjüngung unter Schirm oder
sehr schneller Verjüngung auf Schadfächen,
werden sowohl die direkten als auch die in-
direkten Wirkungen der Bodenvegetation ver-
mieden.
Wenn die Entwicklung der Bodenvegetation
bereits läuft, wäre zu entscheiden, ob man
diese hinnehmen will/muss oder durch Her-
bizideinsatz das Entstehen von Konkurrenz
und Mäusehabitaten von Anfang an ver-
hindert. Letzteres ist unbeliebt, mancherorts
sogar ein Tabu. Es sollte dennoch diskutabel
sein, ob ein im Bestandesleben einmaliger
Herbizideinsatz und dann eine sehr risikoar-
me Verjüngung nicht eher zielführend ist und
toleriert werden kann, als später über Jahre
Mäuse mit Pfanzenschutzmitteln zu vergif-
ten und dennoch keine hochqualitative Ver-
jüngung sichern zu können, zumal der Einsatz
von Rodentiziden sehr beschränkt ist.
Nimmt man die Vegetationsentwicklung hin,
gibt es neben der späteren Bekämpfung der
Mäuse zwei weitere Alternativen. Eine be-
steht darin, natürlich vom Standort abhän-
gig, weniger beliebte oder weniger empfnd-
liche Baumarten zu wählen. Das betrifft z. B.
Schwarz-Erle (Alnus
glutinosa)
und Linden
(Tilia
spec.)
oder auf Laubbäume zu verzichten
und Nadelbäume zu wählen. Falls die Option
Rodentizide anzuwenden z. B. aus Gründen
des Naturschutzes ausgeschlossen ist, sollte
Abb. 2: Großer Brauner Rüsselkäfer; Foto: TU
Dresden, Professur für Waldschutz
man die Waldverjüngung nicht mit Eichen
(Quercus
spec.),
Rot-Buche (Fagus
sylvatica)
oder Edellaubbäumen (Ahorne [Acer
spec.]),
Ulmen (Ulmus
spec.),
Kirschen (Prunus
spec.)
usw. vornehmen. Dann ist es besser, zunächst
wieder mit Nadelbäumen zu beginnen und
den Waldumbau sehr naturnah bei geeigneter
Struktur des sich dann entwickelnden Nadel-
mischwaldes, also ab einem Alter von etwa
60 Jahren, vorzunehmen.
Abb. 3: So genannter Pockennarbenfraß durch
den Großen Braunen Rüsselkäfer; Foto: TU Dres-
den, Professur für Waldschutz
Das Mähen der Bodenvegetation oder deren
Bekämpfung mit Herbiziden, wenn die Mäu-
sehabitate bereits bestehen und besiedelt
sind, ist nicht anzuraten. Dadurch würden der
Nahrungsmangel bei den Mäusen noch eher
erzeugt und die Schäden an den Bäumen ge-
fördert werden.
Verbleibt als letzte wesentliche Alternative,
die Flächen zunächst der natürlichen Suk-
zession zu überlassen und/oder ein Vorwald-
stadium z. B. mit Erlen (Alnus
spec.),
Birken
(Betula
spec.),
Pappeln (Populus
spec.)
und
Weiden (Salix
spec.)
zwischenzuschalten. Das
bedeutet zwar hohe ökonomische Verluste
bei der nachhaltigen Holzproduktion, ist aber
besser, als jahrelang durch Gräser und Mäu-
se gefährdete Verjüngungen nachzubessern
und/oder Pfanzenschutzmittel einzusetzen.
Großer Brauner Rüsselkäfer
und Begleitarten
Der Große Braune Rüsselkäfer (Hylobius
ab-
ietis)
war über viele Jahrzehnte der Haupt-
schadfaktor in Nadelbaumverjüngungen nach
Nadelwaldkahlschlag. Er ist bis heute das ein-
zige Waldinsekt, das im Zuge des Tauchver-
fahrens (Tauchen der oberirdischen Baumteile
in eine Insektizidbrühe vor der Pfanzung)
ohne vorherigen Nachweis der Gefährdung
der Pfanzen bekämpft werden darf. Seine Be-
deutung sank, als die Kahlschlagswirtschaft
aufgegeben wurde und die naturnahe Wald-
wirtschaft Einzug hielt.
Begleitarten, die ebenfalls im Zuge des Re-
generations- oder Reifungsfraßes als Vollin-
sekten die Rinde junger Bäume fressen, sind
u. a. der Kleine Braune Rüsselkäfer (Hylobius
pinastri),
der allerdings nur unwesentlich klei-
ner als
Hylobius abietis
ist und die gleiche Le-
bensweise hat. Für Laien sind die beiden Arten
nicht zu unterscheiden. Hinzu kommen die so
genannten wurzelbrütenden Bastkäfer
Hylas-
tes ater
(vor allem an Wald-Kiefer [Pinus
syl-
vestris])
und
Hylastes cunicularius
(vor allem
an Gemeiner Fichte [Picea
abies])
sowie einige
Insektenarten, die Nadeln oder Blätter auch an
Bäumen in Waldverjüngungen fressen oder
z. B. durch Gallenbildung beeinträchtigen.
Inzwischen gilt der Große Braune Rüsselkäfer
wieder als Leitart unter den Insekten, wenn
es um die Gefährdung und den Schutz von
Waldverjüngungen geht.
Irrtümlicherweise gingen viele Akteure in
Wäldern davon aus, dass das Vorkommen
des Großen Braunen Rüsselkäfers an Kahl-
schläge gebunden wäre. Das ist zwar eine
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menschengemachte „Zuchtstube” für dieses
Insekt, aber gar nicht sein natürlicher Lebens-
raum. Das wären die Nadelwaldstangen- und
jungen Baumhölzer, also die Waldentwick-
lungsstadien, in denen auf natürliche Weise
sehr viele Bäume aufgrund der Konkurrenz
absterben und damit die Wurzeln dieser Bäu-
me für die Larvenentwicklung der Rüsselkäfer
ebenso zur Verfügung stehen wie die Wurzeln
der Stubben auf Kahlschlägen. Für die Ent-
wicklung von
Hylobius abietis
und seiner Be-
gleitarten kommt es also nur darauf an, dass
absterbende Nadelbaumwurzeln vorhanden
sind und nicht, auf welche Art und Weise die-
se entstanden. Werden also Waldverjüngun-
gen (auch mit Laubbäumen) nach Hiebsmaß-
nahmen oder Schäden in Nadelwäldern oder
Nadelmischwäldern vorgenommen, sind diese
Verjüngungen potenziell durch den Großen
Braunen Rüsselkäfer gefährdet.
Man kann unter normalen mitteleuropäi-
schen Verhältnissen abschätzen, ob und wann
eine Fläche, in Abhängigkeit vom Hiebs- bzw.
Schadzeitpunkt, gefährdet ist. Dabei wird die
in Mitteleuropa regelmäßig zu erwartende
2-jährige Generation des Rüsselkäfers ange-
nommen.
Ausgehend von einem Beurteilungszeitpunkt
im Frühjahr dieses Jahres ist eine Fläche nicht
mehr gefährdet, wenn der Hiebs- oder Schad-
zeitpunkt mehr als zwei Jahre zurückliegt.
Liegt der Hiebs- oder Schadzeitpunkt vor dem
Juni des Vorjahres, aber nicht mehr als zwei
Jahre zurück, ist im August des Betrachtungs-
jahres mit den Jungkäfern zu rechnen.
Liegt der Hiebs- oder Schadzeitpunkt im Juni
des Vorjahres, ist mit dem Zuwandern von
Altkäfern im Mai und mit Jungkäfern im Au-
gust des Betrachtungsjahres sowie mit Jung-
käfern im August des Folgejahres zurechnen.
Liegt der Hiebs- oder Schadzeitpunkt nach
dem Juni des Vorjahres, ist mit dem Zuwan-
dern von Altkäfern im Mai des Betrachtungs-
jahres zu rechnen und mit den Jungkäfern im
August des Folgejahres.
In der aktuellen Waldschadenssituation hel-
fen diese Ableitungen jedoch wenig, weil es ab
2017 zu Hiebsmaßnahmen und Schäden in al-
len genannten Zeiträumen kam. Es muss also
aktuell auf allen Waldverjüngungsfächen, auf
denen vorher Nadelbäume standen oder noch
stehen, mit Vorkommen des Großen Braunen
Rüsselkäfers und seiner Begleitarten von Mai
bis August gerechnet werden. Flächen, die
vollständig vom Vorbestand geräumt sind,
können entsprechend des zuletzt eingetre-
tenen Hiebs- oder Schadereignisses nach der
o. g. Regel beurteilt werden.
Zu beachten ist auch, dass regelmäßig vor-
genommene Pfege- und Hiebsmaßnahmen
ebenfalls Rüsselkäfervorkommen hervorbrin-
gen. Beispielhaft seien hier Voranbauten mit
einjährigen Sämlingen von Douglasien (Pseu-
dotsuga spec.),
die dann bei Missachtung der
o. g. Zusammenhänge stark geschädigt oder
vernichtet werden können, genannt. Sogar äl-
tere Voranbauten werden an Terminaltrieben
geschädigt, wenn z. B. beim nächsten Pfege-
eingriff nach 5 bis 10 Jahren erneut Rüssel-
käfervorkommen erzeugt werden.
Die Abwehr von Schäden durch den Großen
Braunen Rüsselkäfer ist durch den Einsatz
von Insektiziden im Zuge einer Einzelpfan-
zenbehandlung möglich.
Alternativen bestehen bei Waldbesitzern/-in-
nen, die keine betriebswirtschaftlichen Be-
trachtungen anstellen (Nebenbetriebswald-
wirte), im Absammeln der Käfer an Naturkö-
dern (Fangkloben bzw. Fangrinden). Für den
Massenfang der Insekten in sehr wartungs-
armen Lockstofffallen laufen aktuell Arbeiten
in der Forschung und Entwicklung.
Prof. Dr. Michael Müller ist
Lehrstuhlinhaber der Professur
für Waldschutz an der Tech-
nischen Universität Dresden,
Institut für Waldbau und
Waldschutz
Die Richtlinie Wald und Forstwirtschaft 2020 –
Neue Möglichkeiten der Förderung
Seit dem 16.09.2020 ist die neue Richt-
linie Wald und Forstwirtschaft 2020 (RL
WuF/2020) in Kraft getreten und löst die bis-
herige RL WuF/2014 ab. Mit der neuen För-
derrichtlinie wurde ein vielfältiges Instrument
zur Unterstützung der Waldbewirtschaftung
im Privat- und Körperschaftswald geschaf-
fen. In diesem Beitrag wird auf die einzel-
nen Fördermaßnahmen und Neuerungen der
Richtlinie eingegangen und erläutert, welche
Anforderungen bei der Antragstellung erfüllt
werden müssen.
Generell ähnelt die neue Richtlinie inhaltlich
und organisatorisch in vielen Bereichen der
RL WuF/2014. Es gibt wieder eine Untertei-
lung in ELER
1
- und in GAK
2
-fnanzierte Vor-
haben.
Welche Vorhaben werden im Bereich der
ELER-Förderung unterstützt?
Die
Erschließung forstwirtschaftlicher
Flächen
(Teil 1 Abschnitt B Ziffer II 1), also
der Neubau, Ausbau oder die grundhafte
Instandsetzung bisher nicht oder nicht aus-
reichend befestigter forstwirtschaftlicher
Holzabfuhrwege, wird mit einem Fördersatz
von bis zu 90 % der Nettoausgaben geför-
dert. Förderfähig sind auch Fachplanungen
und Gutachten sowie Ingenieurleistungen
1 ELER, Förderung aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds
für die Entwicklung des ländlichen Raumes, kofnanziert durch
EU und den Freistaat Sachsen
2 GAK, nationale Förderung mit Mitteln aus der Gemein-
schaftsaufgabe für Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes; nationale Förderung durch den Bund und den
Freistaat Sachsen
zur Bauleitung, Bauüberwachung und Bau-
ausführung für forstliche Wegebauten.
Die in der Anlage 2 aufgeführten Mindest-
anforderungen müssen dabei erfüllt sein.
Für die Förderfähigkeit muss ein Vorhaben
(Wegebau) die Bagatellgrenze von 5.000
EUR Fördermittel erreichen beziehungsweise
übersteigen. Die Zweckbindungsfrist beträgt
fünf Jahre.
Die
Einrichtung und Verbesserung von
Anlagen zur Überwachung des Auftre-
tens von Waldbränden
(Teil 1 Abschnitt
B Ziffer II 2.) ist weiterhin Bestandteil der
neuen Richtlinie. Förderfähig ist neben der
Errichtung (Neu- und Ausbau) auch die Ver-
besserung der automatischen Systeme zur
Überwachung des Auftretens von Waldbrän-
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den, der sogenannten automatischen Wald-
brandfrüherkennungssysteme (kurz: AWFS).
Antragsteller sind ausschließlich Landkreise,
Kommunen und kommunale Zweckverbände
oder Verwaltungsgemeinschaften. Die tech-
nisch sehr anspuchsvolle und fnanziell auf-
wendige Umsetzung der Waldbrandfrüher-
kennung wird somit zielgerichtet gefördert.
Mit der
Ausarbeitung von Waldbewirt-
schaftungsplänen
(Teil 1 Abschnitt B Ziffer
II 5.) soll den Waldbesitzern die Möglichkeit
eröffnet werden, ihr forstwirtschaftliches
Handeln durch eine planmäßige Bewirt-
schaftung zu professionalisieren. Durch die
Ausarbeitung der Pläne sollen Grundlagen
für ein nachhaltiges Bewirtschaften der Pri-
vatwälder geschaffen werden, um die ge-
setzlichen Vorgaben einzuhalten, die Nutz-,
Schutz- und Erholungsfunktion noch besser
in Einklang zu bringen und die betriebliche
Ausrichtung der einzelnen Forstbetriebe ge-
nauer zu defnieren. Diese Förderung richtet
sich an Privatwaldbesitzende (natürliche
Personen, Personengesellschaften und ju-
ristische Personen des privaten Rechts) und
anerkannte forstwirtschaftliche Zusammen-
schlüsse gemäß § 15 Bundeswaldgesetz so-
wie sonstige Gemeinschaften privater Wald-
besitzer.