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1) Wer ist betroffen?
Das Merkblatt richtet sich an Erzeuger (z. B. Abrissunternehmen) und Besitzer (z. B. Transporteure) von Bau- und
Abbruchabfällen. Diese Abfälle entstehen vor allem beim Betrieb von Baustellen im Rahmen von Abriss-, Neu- und
Umbaumaßnahmen. Die vorliegende Information erläutert die gesetzlichen Vorgaben der Gewerbeabfallverordnung
ohne sie zu interpretieren oder zu ändern. Für gewerbliche Siedlungsabfälle existiert ein eigenes Merkblatt.
2) Was ist neu in der Gewerbeabfall verordnung?
❚❚
Getrennthaltung:
Um die stoffliche Verwertungsquote von Abfällen zu erhöhen, sind Abfälle direkt am Ort der
Entstehung (z. B. auf der Baustelle) getrennt zu sammeln (
3 und 4).
❚❚
Unvermeidbare Abfallgemische:
Diese sind zwingend einer Aufbereitungs- oder Vorbehandlungsanlage
zuzuführen (
5).
❚❚
Dokumentation:
Die Mengen der getrennt gesammelten Abfälle bzw. der Abfallgemische sowie ihre jeweilige Ent-
sorgung sind zu dokumentieren (
6).
Ziegel
Bau- und Abbruchabfälle
richtig entsorgen
1 |

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3) Was muss getrennt werden?
Ein Recycling ist am ehesten möglich, wenn Abfälle direkt am
Entstehungsort sauber getrennt gesammelt werden. Folgende
Fraktionen bei Bau- und Abbrucharbeiten sind – abhängig vom
tatsächlichen Anfall – getrennt zu sammeln und zu entsorgen:
1.
Glas
2.
Kunststoffe
3.
Metalle
4.
Holz
5.
Dämmmaterial
6.
Bitumengemische
7.
Baustoffe auf Gipsbasis
8.
Beton
9.
Ziegel
10.
Fliesen und Keramik.
Je nach Art der Bau- bzw. Abrissmaßnahme fallen unterschiedliche Abfälle und Mengen an. Welche der zehn
Abfallfraktionen zu sammeln sind, ist im Einzelfall in Abstimmung mit dem Bauherrn bzw. Baustellenbetreiber
vorher
festzulegen. Gefährliche Abfälle („Sonderabfälle“) sind immer separat zu sammeln und zu entsorgen.
4) Wie sind Abfälle auf Baustellen zu sammeln?
Auf Baustellen sind für die zu sammelnden Abfallfraktionen bei dem Abfallentsorger ausreichend große Behälter für
die getrennte Erfassung zu bestellen. Es ist zum Beispiel nicht mehr gestattet, Bitumengemische mit Kunststofffolien
gemeinsam zu erfassen.
5) Wie ist mit Abfallgemischen zu verfahren?
Abfälle dürfen nur in begründeten Ausnahmefällen als Gemisch gesammelt werden. Ausnahmen sind für jede der zehn
genannten Abfallfraktionen einzeln zu begründen. Eine Ausnahme ist zulässig, wenn die getrennte Sammlung nach-
weislich technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar ist. Dies ist vor Aufnahme der Arbeiten schriftlich
zu dokumentieren und den Behörden bei Kontrollen vorzulegen.
Ausnahmen liegen beispielsweise vor:
❚❚
wenn nicht genug Platz für das Aufstellen von Behältern vorhanden ist oder
❚❚
wenn die Kosten für die getrennte Sammlung unzumutbar höher sind als bei einer gemischten Sammlung mit
nachträglicher Sortierung. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Volumina der einzelnen Abfallfraktionen
besonders gering (< 1 m³) sind.
Bei der Entsorgung der Gemische gibt es folgende Varianten:
1.
Gemische, die überwiegend Kunststoffe, Metalle oder Holz enthalten, sind unverzüglich (also ohne zeitlichen Verzug)
einer
Vorbehandlungsanlage
zuzuführen.
2.
Gemische aus überwiegend Beton, Ziegel, Fliesen und Keramik sind ebenfalls unverzüglich einer
Aufbereitungsanlage
für mineralische Abfälle zu übergeben.
Bei anderen Gemischen bzw. in Zweifelsfällen ist zu entscheiden, ob die Abfallgemische in einer Vorbehandlungs-
oder in einer Aufbereitungsanlage entsorgt werden. Dies sollte der Bauherr/Bauleiter gemeinsam mit dem Entsorger
entscheiden.
2 |
Bitumen, Dachpappe

6) Was ist zu dokumentieren?
Fallen insgesamt weniger als 10 m³ Abfall je Bau- und Abbruchmaßnahme – also pro Baustelle – an, ist eine
Dokumentation nicht vorgeschrieben. Die Getrennthaltungspflicht bleibt aber erhalten.
Erzeuger und Besitzer von Bau- und Abbruchabfällen müssen die Getrenntsammlung der Abfälle oder die Abweichung
davon dokumentieren. Die Dokumentation ist auf der Baustelle aufzubewahren und auf Verlangen der zuständigen
Behörde vorzulegen (dies kann auch elektronisch gefordert werden).
Sie muss enthalten:
❚❚
Für die Dokumentation der
getrennten Sammlung
sind eine Karte des Grundstücks mit Standort und Fotos der
Behälter sowie Nachweise über die Entsorgung der anfallenden Abfälle (z. B. durch Liefer- oder Wiegescheine)
anzufertigen.
❚❚
Erklärung des Entsorgers/Beförderers über die
Zuführung
der getrennt gesammelten Abfälle zur Vorbereitung zur
Wiederverwendung oder zum Recycling. Diese muss folgende Angaben enthalten:
a)
Name und die Anschrift des Entsorgers sowie
a)
Masse und der beabsichtigte Verbleib des Abfalls.
❚❚
Im Fall der technischen Unmöglichkeit oder der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit einer getrennten Sammlung der Abfälle
ist eine schriftliche Dokumentation anzufertigen.
❚❚
Bei der Entsorgung von
Abfallgemischen
, die überwiegend Kunststoffe, Metalle oder Holz enthalten, muss Ihnen
der Entsorger einen Nachweis über die Zuführung zu einer Vorbehandlungsanlage übergeben!
Muster für die Dokumentationen können Sie im Internet unter
➔❚
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wertstoffe/13771.htm
abrufen.
7) Das Wichtigste zusammengefasst
Vor Beginn der Arbeiten – Klärung der Erfassung und Entsorgung der Abfälle
❚❚
Analysieren Sie, welche Abfallfraktionen mit welchen Volumina bei Ihnen anfallen werden.
❚❚
Bestellen Sie für die getrennt zu erfassenden Abfallfraktionen Sammelbehälter bei Ihrem Entsorger und klären Sie
die Abholpläne für Ihre Baustelle.
❚❚
Klären Sie mit Ihrem Entsorger die Verwertung der einzelnen Abfälle.
❚❚
Gefährliche Abfälle (Sonderabfälle) sind getrennt zu erfassen und unterliegen eigenen gesetzlichen Vorschriften
zur Entsorgung! (abfallrechtliche Nachweisverordnung)
Dokumentationen (sind auf der Baustelle zu hinterlegen)
❚❚
Getrennte Sammlung
a)
Tragen Sie auf einer Karte der Baustelle die Standorte der Sammelbehälter für die verschiedenen Abfälle ein.
Fotografieren Sie die Standorte und die Sammlung.
b)
Achten Sie darauf, dass Ihnen der Entsorger die stoffliche Verwertung der von Ihnen
getrennt gesammelten Abfälle
bestätigt und fügen Sie diese Belege der Dokumentation bei.
❚❚
Abfallgemische
a)
Erstellen Sie für Ihre Unterlagen einen durch die Behörden nachprüfbaren Nachweis, dass eine getrennte Erfassung
der Abfallfraktionen aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen nicht möglich ist. Bewahren Sie diese Unterlagen
griffbereit auf.
b)
Achten Sie darauf, dass Ihnen der Entsorger für alle vermischten Abfälle bestätigt, dass die Abfallgemische einer
Vorbehandlungs- bzw. Aufbereitungsanlage zugeführt werden, die die Anforderungen an die Gewerbeabfallverordnung
einhält. Legen Sie diese Bestätigung in der Dokumentation ab.
❚❚
Bewahren Sie die Dokumente (Karten, Fotos, Liefer- oder Wiegescheine, Kontaktdaten der Entsorger) drei Jahre auf.
3 |

8) Ich habe noch Fragen, wer hilft mir?
❚❚
Bitte wenden Sie sich an Ihren Wirtschaftsverband bzw. Ihren Entsorger.
❚❚
Die Gewerbeabfallverordnung finden Sie im Internet hier:
➔❚
www.gesetze-im-internet.de/gewabfv_2017/index.html
❚❚
Ausführungshinweise der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall sind in der LAGA Mitteilung 34 (Vollzug der
Gewerbeabfallverordnung) enthalten. Dort gibt es auch Hinweise, welche Ausnahmemöglichkeiten es gibt. Die LAGA
Mitteilung wurde für die Behörden im Freistaat Sachsen verbindlich eingeführt
:
➔❚❚
www.laga-online.de/documents/m34_vollzugshinweise_gewabfv_endfassung_1
1022019_inh-red_
aenderung_1554388381.pdf
❚❚
Handlungshilfe zur Umsetzung der Gewerbeabfall
verordnung bei Bau- und Abbruchmaßnahmen
➔❚❚
www.bauindustrie.de/media/documents/HaHi_2a_GewAbfV_Bau_Abbruch_24072019.pdf
❚❚
Weitere Hinweise sind hier enthalten:
➔❚❚
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wertstoffe/13771.htm
4 |
Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Eine Übersicht der Vorbehandlungsanlagen finden Sie auf der Webseite des Landesverbandes der
Recyclingwirtschaft Sachsen e. V.
(www.lvr-sachsen.de)
.
Kaskade Bau- und Abbruchabfälle
§ 8 Abs. 3 GewAbfV
Dokumentationspflicht
> 10 m
3
§ 9 Abs. 6 GewAbfV
Dokumentationspflicht
> 10 m
3
§ 9 Abs. 6 GewAbfV
Dokumentationspflicht
> 10 m
3
Glas, Dämmmaterial, Bitumen und
Gips und Mineralik sind in jedem Fall
vorrangig getrennt zu sammeln,
§ 9 Abs. 1 Satz 2 und 3 GewAbfV
technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar
technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar
§ 7 Abs. 4 KrWG: technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht zumutbar
§ 9 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 GewAbfV
Bei Gemischen von Kunststoff,
Metall und Holz
➔❚
Pflicht zur Zuführung zu
einer Vorbehandlungsanlage
§ 9 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 GewAbfV
Bei Gemischen von Beton,
Ziegel, Fliesen, Keramik
➔❚
Pflicht zur Zuführung zu
einer Aufbereitungsanlage
§ 9 Abs. 3 GewAbfV
gemischte Bau- und Abbruch-
abfälle
➔❚
Pflicht zur Zufüh-
rung zur Sortieranlage oder
Aufbereitungsanlage je nach
Zusammensetzung
§ 9 Abs. 5 GewAbfV
ordnungsgemäße, schadlose und hochwertige sonstige Verwertung
§ 17 Abs. 1 Satz 2 KrWG
Überlassung an den örE als Abfall zur Beseitigung aus anderen Herkunftsbereichen
(soweit nicht ausgeschlossen)
§ 8 Abs. 1 GewAbfV
Getrenntsammlungspflicht für Glas, Kunststoff, Metall, Holz, Dämmmaterial, Bitumen-
gemische, Baustoff auf Gipsbasis, Beton, Ziegel, Fliesen-Keramik-Gemische