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Bearbeiter:
Sylvia Ludwig
Abteilung/Referat:
Abteilung Bildung und Hoheitsvollzug / Referat Pflanzengesundheit
E-Mail:
Sylvia.Ludwig @smul.sachsen.de
Telefon:
035242 63-9302
Redaktionsschluss:
01.03.2016
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
Quarantänebakteriosen der Kartoffel
Bakterielle Ringfäule
(Clavibacter
michiganensis
sp.
sepedonicus)
und
Schleimkrankheit
(Ralstonia
solanancearum)
Die Bakterielle Ringfäule und die Schleimkrankheit sind bakterielle Krankheiten, welche
schwere Schäden in Kartoffelbeständen verursachen können. Aus diesem Grund sind sie
sowohl innerhalb der EU als auch in den meisten Kartoffel anbauenden Drittländern als Qua-
rantänekrankheiten gelistet und somit meldepflichtig.
Die Krankheiten werden gesetzlich reguliert durch die Richtlinie 2000/29/EU, die Pflanzen-
beschauverordnung, die Verordnung zur Bekämpfung der Bakteriellen Ringfäule und der
Schleimkrankheit bzw. durch die Richtlinien 93/85/EWG und 98/57/EG. Die gesetzlichen
Vorgaben werden in Deutschland durch eine Leitlinie ergänzt.
Bakterielle Ringfäule
/Clavibacter
michiganensis
sp.
sepedonicus
(Cms)
Das erste Mal ist die Bakterielle Ringfäule 1984 in Deutschland aufgetreten; seitdem wurde
immer wieder punktuell Befall nachgewiesen.
Die Hauptwirtspflanze des Erregers ist die Kartoffel. Es können jedoch auch andere Pflanzen
der Familie
Solanacea,
wie zum Beispiel Tomaten und Auberginen, befallen werden.
Eine Übertragung der Krankheit ist sowohl über Knollen als auch über kontaminierte Geräte,
Maschinen, Lagerflächen oder Transportmittel möglich. Durch Knollenkontakt kann bei be-
schädigten infizierten Kartoffeln auf direktem Weg eine Kontamination erfolgen. Ebenso be-
steht die Möglichkeit, dass bei im Boden verbleibenden kranken Knollen eine Übertragung
auf Tochterknollen erfolgen kann, welche für den nächsten Kartoffelanbau ein Infektionsrisi-
ko darstellen.
Schleimkrankheit
/Ralstonia
solanancearum
(Rs)
Der Erreger der Schleimkrankheit wurde erstmalig 1909 in Tomaten und 1953 in Kartoffeln
beschrieben.
Die Übertragunsmöglichkeiten der Krankheit sind die gleichen wie bei der Bakteriellen Ring-
fäule. Allerdings ist das Infektionsrisiko höher, da das Bakterium neben der Kartoffel noch ca.
250 andere Wirtspflanzen hat, wie zum Beispiel der Bittersüße Nachtschatten.
Zuzüglich wird
Ralstonia solanacearum
neben allen oben genannten Kontaminationsmög-
lichkeiten auch durch Wasser übertragen, was das Spektrum der Infektionswege im Ver-
gleich zur Bakteriellen Ringfäule noch vergrößert.

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Symptome
Bakterielle Ringfäule
Im Feldbestand treten selten sichtbare Symptome auf, bzw. sind sie leicht verwechselbar mit
Welkesymptomen anderer Ursachen. Anfänglich treten reversible Welkeerscheinungen an
jüngeren Fiederblättern auf, einzelne Blätter rollen sich ein und wachsen asymmetrisch. Es
kann zu chlorotischen Aufhellungen bis Gelbfärbung oder Nekrosen zwischen den Blattner-
ven kommen.
Knollensymptome werden beim Durchschneiden der Kartoffel als Verbräunung des Ge-
fäßbündelringes sichtbar, aus welchem durch leichten Druck Bakterienbrei austreten kann.
Meistens sind die Knollen jedoch latent befallen und der Erreger kann nur durch Labordiag-
nose festgestellt werden.
Knollensymptome (Fotos: LfULG/BfUL Sachsen)
Krautsymptome (Foto li. Radke, Foto re. Kakau)
Schleimkrankheit
Erste Feldsymptome sind reversible Welkeerscheinungen der oberen Blätter während der
Mittagszeit. Mit fortschreitender Infektion werden die Erholungsphasen der Pflanze immer
kürzer bis zum kompletten Zusammenbruch der Pflanze. Beim Abschneiden der Stängel
werden verbräunte Leitungsbahnen sichtbar, aus denen fadenziehender grauweißer Bakte-
rienschleim austritt.
Beim Durchschneiden stark befallener Knollen wird ein verbräunter Gefäßbündelring sicht-
bar, aus dem ebenfalls grauweißer Schleim austritt. Der Knolle punktuell anhaftende Erde
kann ein Hinweis auf ausgetretenen Bakterienschleim sein.
Meistens tritt jedoch auch die Schleimkrankheit als latenter Befall auf, welcher sich nur durch
eine Labordiagnose feststellen lässt.
Knollensymptome (Fotos: LfULG/BfUL Sachsen)
Krautsymptome (Fotos: Mazzucchini / IT)

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Maßnahmen bei Befall
Wenn im Laboruntersuchungsverfahren zwei unabhängige Screening-Tests positive Ergeb-
nisse aufweisen, besteht bereits ein Befallsverdacht und es erfolgt eine Meldung an das Juli-
us Kühn-Institut. Es wird ein behördliches Verbringungsverbot über alle im Betrieb angebau-
ten Kartoffeln verhangen, bis alle Untersuchungsgänge abgeschlossen sind und ein endgül-
tiges Untersuchungsergebnis vorliegt. Bei Pflanzkartoffeln wird das Anerkennungsverfahren
für die betroffene Partie abgebrochen und es erfolgt eine Empfehlung, diese Partie nicht zu
pflanzen.
Entsprechend den von der EPPO vorgeschriebenen Nachweisverfahren sind noch weitere
Untersuchungsgänge notwendig, um ein endgültiges Ergebnis vorliegen zu haben. Erst
wenn der Erreger nach dem Pathogenitätstest aus der Pflanze isolierbar ist, gilt die Partie als
befallen und es müssen umfangreiche gesetzlich vorgeschriebene Maßnahmen angeordnet
werden.
Als erstes werden zur Feststellung des Befallsursprungs und des Befallsumfangs noch wei-
tere systematische Untersuchungen durchgeführt. Es erfolgt eine Beprobung aller im Betrieb
produzierten und gelagerten Kartoffelpartien in einem engen Raster. Die Herkunft des Aus-
gangspflanzgutes der Befallspartie wird eruiert und mögliche ebenfalls daraus erwachsene
Schwesternpartien beprobt und untersucht. Auch in Betrieben, welche über gemeinsame
Technik oder Lagerhäuser Schnittstellen mit dem Befallsbetrieb haben, werden Kartoffeln auf
Cms oder Rs untersucht.
Sind weitere Schwesternpartien befallen, kann davon ausgegangen werden, dass der Erre-
ger latent und unter der Nachweisgrenze im Pflanzgut vorhanden war. Bei weiteren Nach-
weisen in der eigenen Kartoffelernte wird von einer Verschleppung im Betrieb ausgegangen;
durch ungenügende Hygiene und langjährigen Nachbau können die Bakterien im Betrieb
aufbauen und manifestieren. Oft kann jedoch der Befallsursprung nicht vollständig geklärt
werden.
Im Fall des Auftretens der Schleimkrankheit können die Rechercheuntersuchungen noch
umfassender sein, da sie aufgrund der umfangreicheren Übertragungswege und Wirtspflan-
zen Oberflächengewässer und Unkräuter der Familie Nachtschatten mit einbeziehen.
Die durchzuführenden Maßnahmen umfassen ebenfalls Einschränkungen im Anbau und bei
der Vermarktung der gesamten Kartoffelernte des Betriebes sowie umfangreiche Reini-
gungs- und Desinfektionsmaßnahmen:
- Die Befallspartie muss mit vorgeschriebenen oder von der Behörde geprüften Verfahren
vernichtet werden.
- Alle weiteren Kartoffelpartien des Betriebes gelten als wahrscheinlich befallen und dürfen
nur in Kleinabpackungen als Speisekartoffeln verkauft oder der Verarbeitung zugeführt
werden.
- Die Fläche auf der die Befallspartie aufgewachsen ist, darf 3 Jahre nach dem Befall nicht
für den Kartoffelanbau genutzt werden. Es müssen systematische Durchwuchskontrollen
erfolgen; der Durchwuchs muss bekämpft werden. Im ersten möglichen Kartoffelanbau-
jahr dürfen nur Speise- und Wirtschaftskartoffeln aus anerkanntem Pflanzgut produziert
werden, im darauf folgenden Jahr zuzüglich auch Pflanzkartoffeln aus anerkanntem
Pflanzgut.

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- Auf allen anderen Kartoffelflächen des Betriebes dürfen im Jahr nach dem Befall nur
Speise- und Wirtschaftskartoffeln aus anerkanntem Pflanzgut angebaut werden. Im darauf
folgenden Jahr dürfen zuzüglich Pflanzkartoffeln aus anerkanntem Pflanzgut produziert
werden.
- Alle Flächen, Gegenstände, Maschinen, Transportmittel, welche potentielle Träger des
Erregers ein können, weil sie mit der Befallspartie in Kontakt gekommen sein könnten,
sind einer umfassenden Reinigung und Desinfektion zu unterziehen.
Prävention
Da eine direkte Bekämpfung der beiden Erreger nicht möglich ist und keine resistenten Sor-
ten zur Verfügung stehen, sind präventive Maßnahmen unerlässlich.
Seitens der Behörde werden zur Überwachung der Kartoffelbakteriosen Vorsorgeuntersu-
chungen in Speise- und Wirtschaftskartoffelbeständen durchgeführt. Im Rahmen dessen
werden in Sachsen jährlich ca. 150 - 200 Proben untersucht, welche in Pflanzkartoffelbetrie-
ben, zufällig ausgewählten Speisekartoffelbetrieben und Befallsbetrieben gezogen werden.
Die Testung der Pflanzkartoffelpartien ist als Bestandteil des Anerkennungsverfahrens ge-
setzlich vorgeschrieben.
Dennoch trägt der Betrieb einen großen Teil der Verantwortung bei der Verhinderung der
Einschleppung und Weiterverbreitung der Erreger der Cms und Rs. Die im Folgenden be-
schriebenen präventiven Maßnahmen können zur Verhinderung eines Befalls beitragen:
- Die Nutzung von amtlich anerkanntem Pflanzgut ist eine Voraussetzung für gesunde Kar-
toffelbestände.
- Da sich bei langjährigem Nachbau die Erreger in der Knolle aufbauen können, wird nur ein
einjähriger Nachbau aus amtlich anerkanntem Pflanzgut empfohlen. Eine zuzügliche Si-
cherheit bei der Nutzung von nicht anerkanntem Pflanzgut wird durch die Testung der für
den Nachbau avisierten Partien erreicht.
- Es sollte keine Pflanzung geschnittener Knollen erfolgen, da beim Schneiden von Knollen
vor dem Pflanzen gesunde Knollen mit Bakterien von zuvor geschnittenen, möglicherweise
befallenen Knollen infiziert werden können.
- Kartoffeln, deren Anerkennungsverfahren aufgrund von zwei positiven Screeningtests ab-
gebrochen wurde, sollten nicht gepflanzt werden.
- In den Fruchtfolgen sollte auf die Einhaltung von Kartoffelanbaupausen von mindestens 3
bis 4 Jahren geachtet werden.
- Die regelmäßige Entfernung von Durchwuchs in den Kartoffelanbaupausen verhindert,
dass sich möglicherweise infizierte Knollen im Boden vermehren und eine Infektionsquelle
für den nächsten Kartoffelanbau darstellen.
- Wenn eine betriebsübergreifende Nutzung von Maschinen, Anlagen und Lager erfolgt, ist
eine gründliche Reinigung und Desinfektion vor der Umsetzung in andere Betriebe erforder-
lich.
- Alle Maschinen Geräte, Anlagen, Lager und Kisten sollten mindestens einmal jährlich einer
gründlichen Reinigung und Desinfektion unterzogen werden. Zuzüglich ist die Reinigung
und Desinfektion zwischen Speise- und Pflanzkartoffeln sehr sinnvoll; bei Kisten vor Neu-

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befüllung und im Falle von Transportmitteln nach jedem Transport. Das einzige zurzeit in
Deutschland zugelassene Mittel für die Desinfektion ist Menno Florades.
- Die Rückführung von Abwasser und Reststoffen der Kartoffelaufbereitung bzw. -
verarbeitung sollte auf Flächen erfolgen, welche nicht für den Kartoffelanbau vorgesehen
sind. Die Verfütterung von ungedämpften Kartoffelreststoffen in Betrieben, in denen die
Gülleausbringung auf Kartoffelflächen erfolgt, wird nicht empfohlen.
- Verpackungsmaterial wie z. B. BigBags ist nur in ungebrauchtem Zustand zu verwenden.
- Aufgrund der vielfältigeren Übertragungswege von
Ralstonia solanacearum
sollte keine
Bewässerung mit Oberflächenwasser erfolgen. Flächen, die von Oberflächengewässern
durchzogen bzw. überschwemmungsgefährdet sind, sollten nicht als Kartoffelanbaufläche
genutzt werden.
- Kontrollen zur Überwachung des Auftretens wildwachsender Wirtspflanzen in der Nähe der
Kartoffelbestände sollten Bestandteil der Prävention sein.
- In diesem Zusammenhang ist das Anlegen von Fahrgassen für Bearbeitungs- und Pflan-
zenschutzmaßnahmen präventiv sinnvoll, um eine Verschleppung von Erregern über
Feuchtigkeit zu verhindern.
Betriebsteiltrennung
Die Verordnung zur Bekämpfung der Bakteriellen Ringfäule und der Schleimkrankheit bietet
die Möglichkeit, auf Antrag bei der zuständigen Behörde Betriebsteile abzutrennen, welche
völlig getrennt voneinander bewirtschaftet werden.
Nach Prüfung des Antrages kommt es zu einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Land-
wirtschaftsbetrieb und LfULG, in der die Produktionsorte hinsichtlich der angebauten Partien,
Lage und Abgrenzung sowie die Bedingungen zur Anerkennung der Betriebsteiltrennung im
Fall eines Nachweises von Cms oder Rs festgelegt werden.
Das Prinzip der Betriebsteiltrennung ist eine strikte Einhaltung der getrennten Kartoffelpro-
duktion von der Pflanzung bis zur Lagerung und Sortierung. Alle im Rahmen der Betriebs-
teiltrennung durchgeführten Maßnahmen müssen schriftlich dokumentiert werden. Das be-
deutet, dass alle im Produktionsprozess eingebundenen Mitarbeiter regelmäßig geschult
werden müssen, um die verantwortungsvolle Durchführung aller Reinigungs- und Desinfekti-
onsmaßnahmen zwischen den Betriebsteilen zu gewährleisten. Nur wenn im Befallsfall jede
Desinfektion mit Name und Datum plausibel nachgewiesen wird, können die Maßnahmen
auf einen Betriebsteil beschränkt werden. Detaillierte Informationen zur Produktion in abge-
trennten Betriebsteilen können beim LfULG / Referat Pflanzengesundheit eingeholt werden.
Quellen:
- Information der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft: Bakterielle Ringfäule und Schleimkrankheit. Gefährliche Qua-
rantänekrankheiten für den Kartoffelanbau
- Merkblatt der UNICA 2012: Bakterielle Ringfäule. Quarantänekrankheit der Kartoffel