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Die Bannandrohungsbulle „Exsurge Domine“
gegen Martin Luther vom 15. Juni 1520
Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 10001 Ältere Urkunden, Nr. 10277.
* * *
Hintergrund
Mit der Bannandrohungsbulle erklärt Papst Leo X. insgesamt 41 Lehrsätze Martin Luthers
als häretisch. Die Schriften des Reformators, in denen sie enthalten waren, müssen
konfisziert und verbrannt werden. Falls Luther seine Aussagen nicht innerhalb von 60 Tagen
widerruft, soll er ohne jede weitere Förmlichkeit als exkommuniziert gelten. Für den Fall,
dass der Bann tatsächlich in Kraft tritt, sind alle seine Veröffentlichungen – auch die bisher
nicht als häretisch geltenden – dem Feuer zu übergeben. Der Reformator und seine
Anhänger sind zu verhaften und nach Rom zu senden.
Die Bannandrohungsbulle markiert den formalen Abschluss des Ketzerverfahrens gegen
Luther, das seit Anfang 1518 vor dem päpstlichen Gericht anhängig war. Nachdem der
Reformator die päpstliche Autorität auf der Leipziger Disputation im Sommer 1519 noch
deutlicher als zuvor in Frage gestellt hatte, kam der Prozess erneut in Gang. Im Herbst 1519
berichtete Luthers Disputationsgegner Johannes Eck dem Papst über die Vorgänge in
Leipzig und drängte auf eine baldige Verurteilung. Auf der Grundlage von Gutachten der
Universitäten von Köln und Löwen erarbeiteten zwei Theologenkommissionen in Rom seit
Januar 1521 die Vorlage für den Urkundentext.
Am 2. Mai trug Eck, der wesentlichen Einfluss auf den Inhalt der Bannandrohungsbulle
genommen hatte, den Entwurf Leo X. vor. Nach Beratungen im Konsistorium der Kardinäle
wurde die Urkunde am 15. Juni 1520 ausgefertigt und am 24. Juli durch Anschlag an der
Peterskirche sowie der päpstlichen Kanzlei in Rom erstmals öffentlich bekannt gemacht.
Seit September 1520 verbreiteten päpstliche Gesandte die Bulle in Deutschland –
Hieronymus Aleander bei Kaiser Karl V. in den Niederlanden, Johannes Eck in Mittel- und
Süddeutschland. Luther lehnte es ab, der päpstlichen Strafandrohung zu weichen. Mit der
öffentlichen Verbrennung eines Nachdrucks der Bannandrohungsbulle (
Objekt 09, 13)
vollzog er am 10. Dezember 1520 in Wittenberg den schon längst nicht mehr zu kittenden
Bruch mit Rom.
Die Widerrufsfrist von 60 Tagen war damals schon abgelaufen. Zur der symbolischen
Verbrennungstat entschloss sich Luther wohl deshalb, weil es zuvor in Köln und Mainz zur

Verbrennung seiner eigenen Schriften gekommen war. Mit der Veröffentlichung einer seiner
berühmtesten Werke – „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ – hatte er schon um den
20. November herum deutlich gemacht, dass von seiner Seite mit keinem Einlenken zu
rechnen war. Am 17. Dezember erneuerte der Reformator auch seine erstmals im August
1518 eingelegte Berufung an ein allgemeines Konzil, das anstelle des Papstes das Urteil
über ihn sprechen sollte. Mit der Bannbulle Decet Romanum pontificem vom 3. Januar
1521 betätigte der Papst den Eintritt der Exkommunikation.
Im Sommer 1520 wurden in der päpstlichen Kanzlei mindestens fünf handgeschriebene, mit
einer Bleibulle besiegelte Kanzleiausfertigungen der Bannandrohungsbulle hergestellt. Drei
dieser Originale sind erhalten: Ein Exemplar, das angeblich zur Erstpublikation der Urkunde
in Rom verwendet wurde, findet sich heute im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien, ein
Exemplar liegt im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, eines im Hauptstaatsarchiv Dresden.
Bisher wurde angenommen, dass es sich bei den beiden Originalen in Stuttgart und Dresden
um die Exemplare handelt, die der päpstliche Nuntius Aleander aus Rom nach Deutschland
brachte. Doch könnte die Dresdner Bannandrohungsbulle auch von Johannes Eck, der sich
im September 1520 unter anderem in Meißen, Merseburg und Leipzig aufhielt, an Herzog
Georg von Sachsen übergeben worden sein (
Objekt 20). Beweisen lassen sich beide
Vermutungen bisher nicht. Die Dresdner Bulle ist bereits seit 1579 im Bestand des heutigen
Hauptstaatsarchivs Dresden nachweisbar.
* * *
Edition
Peter Fabisch/Erwin Iserloh (Hg.): Dokumente
zur Causa Lutheri (1517–1521), 2. Teil (Corpus
Catholicorum 42), Münster 1988, 364–411.
Übersetzung (in Auszügen)
Die Wiedergabe der 41 verketzerten Lehrsätze folgt
der 1520 angefertigten Übersetzung Georg Spalatins.
Weitere Abschnitte wurden aus Julius Jordan: Luther
und der Bann in seinen und seiner Zeitgenossen
Aussagen (Zweite Flugschrift der Luther-Gesellschaft),
Leipzig 1920, S. 13–18, entnommen oder neu
übersetzt.
Leo Episcopus Servus Servorum Dei Ad
perpetuam rei memoriam.
Leo, Bischof, Diener aller Diener Gottes, zu
ewigem Gedächtnis des Geschehenen.
Exsurge, Domine, et judica causam tuam,
memor esto improperiorum tuorum, eorum,
quae ab insipientibus fiunt tota die; inclina
aurem tuam ad preces nostras, quoniam
surrexerunt vulpes quaerentes demoliri
vineam, cujus tu torcular calcasti solus, et
ascensurus ad Patrem ejus curam, regimen et
administrationem Petro tanquam capiti et
Erhebe Dich, Herr, und führe deine Sache [Ps
74, 22], sei eingedenk der Schmähungen
wider Dich, die von den Unweisen den
ganzen Tag ergehen, neige Dein Ohr zu
unsern Bitten [Ps 88, 3]. Denn es haben sich
Füchse aufgemacht [Hohes Lied 2, 15], die
den Weinberg zu verwüsten trachten, dessen
Kelter Du allein getreten hast [Jes 63, 3],

tuo vicario, ejusque successoribus instar
triumphantis Ecclesiae commisisti:
exterminate nititur eam aper de silva, et
singularis ferus depasci eam.
und dessen Sorge, Regierung und
Verwaltung Du, zum Vater auffahrend, dem
Petrus, als seinem Haupt und Deinem
Stellvertreter, und seinen Nachfolgern, an
Stelle der triumphierenden Kirche, anvertraut
hast [...].
Exsurge, Petre, et pro pastorali cura praefata
tibi (ut praefertur) divinitus demandata,
intende in causam sanctae Romanae
Ecclesiae, Matris omnium ecclesiarum, se
fidei magistrae, quam tu, jubente Deo, tuo
sanguine consecrasti, contra quam, sicut tu
praemonere dignatus es, insurgunt magistri
mendaces introducentes sectas perditionis,
sibi celerem interitum superducentes,
quorum lingua ignis est, inquietum malum,
plena veneno mortifero, qui zelum amarum
habentes et contentiones in cordibus suis,
gloriantur, et mendaces sunt adversus
veritatem.
Erhebe auch Du Dich, Petrus, gemäß der
Hirtenfürsorge, die Dir befohlen ist [...].
Exsurge tu quoque, quaesumus, Paule, qui
eam tua doctrina et pari martyrio illuminasti
atque illustrasti. Jam enim surgit novus
Porphyrius; quia sicut ille olim sanctos
Apostolos injuste momordit, ita hic sanctos
Pontifices praedecessores nostros contra
tuam doctrinam eos non obsecrando, sed
increpando, mordere, lacerare, ac ubi causae
suae diffidit, ad convicia accedere non
veretur, more haereticorum, quorum (ut
inquit Hieronymus) ultimum presidium est,
ut cum conspiciant causas suas damnatum
iri, incipiant virus serpentis lingua
diffundere; et cum se victos conspiciant, ad
contuinelias prosilire. Nam licet haereses esse
ad exercitationem fidelium in dixeris
oportere, eas tamen, ne incrementum
accipiant, neve vulpeculae coalescant, in ipso
ortu, te intercedente et adjuvante, extingui
necesse est.
Erhebe auch Du Dich, wir bitten, Paulus, der
Du die Kirche mit Deiner Lehre und gleichem
Märtyrertod erhellt und erleuchtet hast [...].
Exurgat denique, omnis Sanctorum, ac
reliqua universalis Ecclesia, cujus vera
sacrarum literarum interpretatione

posthabita, quidam, quorum mentem pater
mendacii excaecavit, ex veteri haereticorum
instituto, apud semetipsos sapientes,
scripturas easdem aliter quam Spiritus
sanctus flagitet, proprio dumtaxat sensu
ambitionis, auraeque popularis causa, teste
Apostolo, interpretantur, immo vero
torquent et adulterant, ita ut juxta
Hieronymum jam non sit evangelium Christi,
sed hominis, aut quod pejus est, diaboli.
Exurgat, inquam, praefata Ecclesia sancta
Dei, et una cum beatissimis Apostolis
praefatis apud Deum omnipotentem
intercedat, ut purgatis ovium suarum
erroribus, eliminatisque a fidelium finibus
haeresibus universis Ecclesiae suae sanctae
pacem et unitatem conservare dignetur.
Dudum siquidem quod prae animi angustia
et moerore exprimere vix possumus, fide
dignorum relatu ac fama publica referente
ad nostrum pervenit auditum, immo vero,
pro dolor oculis nostris vidimus ac legimus,
multos et varios errores quosdam videlicet
jam per Concilia ac Praedecessorum
nostrorum constitutiones damnatos,
haeresim etiam Graecorum et Bohemicam
expresse continentes: alios vero respective,
vel haereticos, vel falsos, vel scandalosos, vel
piarum aurium offensivos, vel simplicium
mentium seductivos, a falsis fidei cultoribus,
qui per superbam curiositatem mundi
gloriam cupientes, contra Apostoli doctrinam
plus sapere volunt, quam oporteat; quorum
garrulitas (ut inquit Hieronymus) sine
scripturarum auctoritate non haberet fidem,
nisi viderentur perversam doctrinam etiam
divinis testimoniis, male tamen interpretatis,
roborare: a quorum oculis Dei timor recessit,
humani generis hoste suggerente, noviter
suscitatos, et nuper apud quosdam leviores
in inclyta natione Germanica seminatos.
Quod eo magis dolemus ibi evenisse, quod
eandem nationem et nos et Praedecessores
nostri in visceribus semper gesserimus
Es erhebe sich die heilige Kirche und lege
zusamt den allerseligsten Aposteln Fürbitte
ein bei dem allmächtigen Gott, daß er
geruhe, nach Reinigung seiner Schafe von
allen Irrtümern und nach Vertreibung aller
Ketzereien aus den Gebieten der
Christgläubigen, seiner heiligen Kirche
Frieden und Einigkeit zu erhalten. [...]
Wehe, mit unseren eigenen Augen haben wir
gesehen und gelesen viele und mannigfach
Irrtümer, etliche bereits durch Konzilien und
Festsetzungen unserer Vorgänger verdammt,
als der Griechen und der Böhmen in sich
enthaltend, daneben andere
beziehungsweise entweder ketzerische oder
irrige oder Ärgernis gebende oder für
fromme Ohren anstößige oder für Einfältige
verführerische, von Männern vertreten, die
als Pfleger des Glaubens sich ausgeben; in
Wahrheit aber wollen sie, in stolzer
Wißbegierde um Ruhm bei den Menschen
geizend, wider des Apostels Lehre weiser sein
denn sich gebühret; deren
Schwatzhaftigkeit, der Autorität der Schrift
entratend, keinen glauben fände, wenn nicht
jene ihre verderbende Lehre mit göttlichen,
in der Tat freilich nur übel ausgelegten
Zeugnissen zu erhärten schienen. Aber
Gottesfurcht ist ihren Augen fremd; es ist
der Feind des Menschengeschlechts, durch
den in der edlen deutschen Nation solche
Irrtümer neuerdings erregt und kürzlich bei

caritatis. Nam post translatum ex Grecis a
Romana Ecclesia in eosdem Germanos
imperium, iidem Praedecessores nostri et nos
ejusdem Ecclesiae advocates defensoresque
ex eis semper accepimus; quos quidem
Germanos, Catholicae veritatis vere
germanos, constat haeresum (haeresium)
acerrimos oppugnatores semper fuisse: cujus
rei testes sunt laudabiles illae constitutiones
Germanorum Imperatorum pro libertate
Ecclesiae, proque expellendis
exterminandisque ex omni Germania
haereticis, sub gravissimis poenis, etiam
amissionis terrarum et dominiorum, contra
receptatores vel non expellentes olim editae,
et à nostris Praedecessoribus confirmatae,
quae si hodie servarentur, et nos et ipsi
utique hae molestia careremus. Testis est in
Concilio Constantiensi Hussitarum ac
Wiccleffistarum, necnon Hieronymi Pragensis
damnata ac punita perfidia. Testis est totiens
contra Bohemos Germanorum sanguis
effusus. Testis denique est praedictorum
errorum, seu multorum ex eis per
Coloniensem et Lovaniensem Universitates,
utpote agri dominici piissimas
religiosissimasque cultrices, non minus docta
quam vera ac sancta confutatio, reprobatio,
et damnatio. Multa quoque alia allegare
possemus, quae, ne historiam texere
videamur, praetermittenda censuimus. Pro
pastoralis igitur officii, divina gratia, nobis
injuncti cura, quam gerimus, praedictorum
errorum virus pestiferum ulterius tolerare seu
dissimulare sine Christianae, religionis nota,
atque orthodoxae fidei injuria nullo modo
possumus. Eorum autem errorum aliquos
praesentibus duximus inferendos, quorum
tenor sequitur, et est talis:
einigen allzu leichtfertigen Menschen
ausgesät sind. Solches alles schmerzt uns um
so mehr, wie wir wie unsere Vorfahren die
deutsche Nation sonderlich ins Herz
geschlossen haben. Denn durch die römische
Kirche ist das Kaisertum an die Deutschen
gekommen, und seitdem haben unsere
Vorgänger wie wir gerade unter ihnen immer
wieder Schirmherren und Sachwalter
gefunden. Dafür zeugen die löblichen
Gesetze der deutschen Kaiser über die
Freiheit der Kirche und die Bestrafung und
Ausrottung der Ketzer, deren Erfüllung von
vornherein uns und sie diese jetzigen
mißlichen Handels enthoben hätte.
Dafür zeugt die Verbannung eines Wyclif,
eines Hus und Hieronymus auf dem Konzil
zu Konstanz, dafür all das Blut, das im
Kampf gegen die Böhmen auf deutscher
Seite geflossen ist. Dafür zeugt die ebenso
gelehrte wie wahre Widerlegung und
Verdammung der genannten Irrtümer durch
die Universitäten zu Köln und Löwen [...].
Demnach, entsprechend dem Hirtenamt, das
durch göttliche Gnade uns befohlen ist, sind
wir nicht in der Lage, das tötliche Gift
genannter Irrtümer ohne schwere
Schädigung des heiligen christlichen
Glaubens weiter zu dulden oder mit
Stillschweigen zu übergehen, und haben
darum etliche aus ihnen herauszugreifen für
unsere Pflicht gehalten, die also lauten:
I. Haeretica sententia est, sed usitata,
Sacramenta novae legis justificantem
gratiam illis dare, qui non ponunt obicem.
I. Das ist ein ketzerische meinung, aber eine
geubte und gemeine, die sacrament des
neuen testaments geben denen die
rechtfertig machend gnad, die nicht
verhindernis daran thun.

II. In puero post baptismum negare
remanens peccatum, est Paulum et Christum
simul conculcare.
II. Verlaugnen, das in dem Kind nach der
tauf die sund bleibe, ist sant Pauel und den
herren Christum gleich untertreten.
III. Fomes peccati, etiam si nullum adsit
actuale peccatum, moratur exeuntem a
corpore animam ab ingressu coeli.
III. Die erbsund, wie gleich kein wurklich
sund folgt, verhindert die seel von dem leib
sich abschneidend vom eingange des himels.
IV. Imperfecta caritas morituri fert secum
necessario magnum timorem, qui se solo
satis est facere poenam purgatorii, et
impedit introitum regni.
IV. Die unvollkommen liebe des menschen,
der sterben wil, tregt von notwegen mit ir
ein grosse forcht, die von allein gnugsam ist,
zu machen die pein des fegfeuers, und
verhindert den eingang des reichs der
himelen.
V. Tres esse partes poenitentiae,
contritionem, confessionem, et
satisfactionem, non est fundatum in sacra
scriptura, nec in antiquis sanctis Christianis
doctoribus.
V. Das dreu teil der buss seint, die reu, beich
und genugtuung, ist in der heiligen schrift
nicht gegrundt noch in den heiligen
christlichen lerern.
VI. Contritio, quae paratus per discussionem,
collectionem, et deteststionem peccatorum,
qua quis recogitat annos suos in amaritudine
animae suae, ponderando peccatorum
gravitatem, multitudinem, foeditatem,
amissionem aeternae beatitudinis, ac
aeternae damnationis acquisitionem, haec
contritio facit hypocritam, immo magis
peccatorem.
VI. Die reu, so zuwegen gebracht wird durch
die erfahrung und den hass der sunde, domit
einer bedenket sein jaer der bittrickeit seiner
selen mit betrachtung und bewegung der
swere der sunden, der manchfeltickeit der
unreinickeit, des verlusts der ewigen selickeit
und erlangung der ewigen verdamnus, dise
reu machet meher ein gleisner [Heuchler,
Blender], ja ein sunder.
VII. Verissimum est proverbium, et omnium
doctrina de contritionibus hucusque data
praestantius, de cetero non facere, summa
poenitentia, optima poenitentia, nova vita.
VII. Das ist das warheftigst sprichwort und
furtrefflicher den aller lerer ler von der reu,
das nimmer thun ist die hochst bus, die
beste bus und ein neues leben.
VIII. Nullo modo praesumas confiteri peccata
venialia, sed nec omnia mortalia, quia
impossibile est, ut omnia mortalia
cognoscas: unde in primitiva Ecclesia solum
manifesta mortalia confitebantur.
VIII. Du solt dich in kein weg unterwinden,
die tegliche sunde zu beichten, ja auch nit
alle totliche sunden, dan es ist unmuglich,
das du alle todtsunde erkennest, derhalben
sie im anfang der christlichen kirchen allein
die offentlich totsunden beichten.
IX. Dum volumus omnia pure confiteri, nihil
aliud facimus, quam quod misericordiae Dei
nihil volumus relinquere ignoscendum.
IX. Wen wir wellen alle sunde rein beichten,
so thun wir nichts anders, dan das wir
barmherzigkeit Gottes nichts wellen lassen
zu vergeben.
X. Peccata non sunt illi remissa, nisi
remittente sacerdote credat sibi remitti;
immo peccatum maneret nisi remissum
crederet; non enim sufficit remissio peccati
X. Die sund seint niemals vergeben, er glaub
dan, wen in der prister enbindt, sie sein im
vergeben; ja die sunde bliebe, wen er es nit
davur hielt, sie wer im vergeben, dan die
vergebung der sund gab der gnaden ist nit

et gratiae donatio, sed oportet etiam credere
esse remissum.
gnugsam, sunder man muss auch glauben,
das die sund vergeben sei.
XI. Nullo modo confidas absolvi propter
tuam contritionem, sed propter verbum
Christi: "Quodcumque solveris." etc. Sic,
inquam, confide, si sacerdotis obtinueris
absolutionem, et crede fortiter te absolutum;
et absolutus vere eris, quidquid sit de
contritione.
XI. Du solt dich in keine wegk vertrösten, das
du von wegen deiner reu entbunden seist,
sonder von wegen des wortes Christi: ‚alles,
das du wirdest auflösen‘ etc. Alhie mustu
glauben, soe du des priesters absolvieren
erlangest, und glaub festiglich, du seist
absolviert und entbunden, wo wirdestu
warhaftiglich absolviert sein, es sei umb die
reu, wie es wolle.
XII. Si per impossibile confessus non esset
contritus, aut sacerdos non serio, sed joco
absolveret, si tamen credat se absolutum,
verissime est absolutus.
XII. So, welchs doch unmuglich ist, ein
beichtend mensch nicht reu het und ein
priester einen nicht mit ernst, sunder im
schimpf absolviert, wen er allein glaub sich
absolvirt sein, so ist er warhaftig absolviert.
XIII. In sacramento poenitentiae se
remissione culpae non plus facit Papa aut
episcopus, quam infimus sacerdos; immo ubi
non est sacerdos, aeque tantum quilibet
Christianus, etiam si mulier, aut puer esset.
XIII. Im sacrament der buss und vergebung
der schult thut der babst und bischof nichts
mer dan der weinigst priester, ja wo nicht
ein priester ist, ebensowol ein itlich christlich
mensch, wen er gleich ein weib oder kind
were.
XIV. Nullus debet sacerdote respondere, se
esse contritum, nec sacerdos requirere.
XIV. Niemant sol dem priester antworten,
das er bereit ist, so sol es der priester auch
nicht fragen.
XV. Magnus est error eorum, qui ad
sacramenta Eucharistiae accedunt huic
innixi, quod sint confessi, quod non sint sibi
conscii alicujus peccati mortalis; quod
praemiserint orationes suas et praeparatoria;
omnes illi ad judicium sibi manducant et
bibunt; sed si credant et confidant se
gratiam ibi consecuturos, haec sola fides
facit eos puros et dignos.
XV. Es ist ein grosser irthumb dern, die zu
dem sacrament des hochwirdigen warn
lichnams alsoe gehen, sich auf das verlassen,
das sein gebeicht haben, das sei sich keiner
totsund schuldich wissen, das sei ir gebet
zuvor gebet haben und sich bevor beraidt;
‚dieselbigen essen und trinken es alle inen zu
verdamnis‘. Sonder wen sie glauben und des
vertrauens seint, sie wollen dadurch die
gnade gottes erlangen, derselbig glaub
machet sie allein rein und wirdich.
XVI. Consultum videtur, quod Ecclesia in
communi concilio statueret, laicos sub
utraque specie communicandos; nec Bohemi
communicantes sub utraque specie sunt
haeretici, sed schismatici.
XVI. Mich bedeucht gut sein, das die
christlich kirch in einem gemeinen concilien
beschloss und aufsetzt, den leien das
hochwirdich sacrament unter beder gestalt
zu geben. Es seint auch die Behem, die unter
beider gestalt das sacrament nemen, nicht
ketzer, sonder schismatici oder
sondermeinends.
XVII. Thesauri Ecclesiae, unde Papa dat
indulgentias, non sunt merita Christi et
sanctorum.
XVII. Die schetze der kirchen, davan der
babst den ablass gibt, seint nit die verdienst
Christi und der heiligen.
XVIII. Indulgentiae sunt piae fraudes
XVIII. Ablass ist ein gutiger betrug der

fidelium, et remissiones bonorum onerum, et
sunt de numero eorum, quae licent, et non
de numero eorum, quae expediunt.
christglaubigen und underlassung ader
erlassung guter werk und ist von der zahl
der ding, die man mag gebrauchen, und
nicht der nutzbarn. // (Bl. a iij)
XIX. Indulgentiae his, qui veraciter eas
consequuntur, non valent ad remissionem
poenae pro peccatis actualibus debitae ad
divinam justitiam.
XIX. Der ablass dient denen, die in
wahrhaftiglich erlangen, nicht zu der
erlassung der pein vur die wurkliche sund
von gott verfallen.
XX. Seducuntur credentes indulgentias esse
salutares, et ad fructum spiritus utiles.
XX. Die werden verfurt, die doe glauben, das
der ablass heilbar und zu frucht des geist
nutz und dinstlich sei.
XXI. Indulgentiae necessariae sunt solum
publicis criminibus, et proprie conceduntur
duris solummodo et impatientibus.
XXI. Der ablass ist allein von nöten zu den
offenbarn grossen todtsunden und wirt
eigentlich allein den hartmudigen und
ungeduldigen verlihen.
XXII. Sex generibus hominum indulgentiae
nec sunt necessariae, nec utiles; videlicet
mortuis seu morituris, infirmis, legitime
impeditis, his qui non commiserunt crimina,
his qui crimina commiserunt, sed non
publica, his qui meliora operantur.
XXII. Der ablass ist sechs geschlechten der
menschen wider von nöten noch nutz, als
nemlich den toten, den, die itz sterben
werden, den kranken, den, die aus redlichen
ursachen verhindert seint, den, die grasse
heubtlaster, aber nit offentlich, geubt haben,
den, die doe nit laster betriben, und den, die
bessere werk thun.
XXIII. Excommunicationes sunt tantum
externae poenae, nec privant hominem
communibus spiritualibus Ecclesiae
orationibus.
XXIII. Der ban ist allein ein eusslich peen
und straf und beraubt den menschen nicht
der gemeinen geistlichen gebet der kirchen.
XXIV. Docendi sunt Christiani plus diligere
excommunicationem quam timere.
XXIV. Man sol die christen lernen, den ban
meher zu lieben, den zu forchten.
XXV. Romanus Pontifex, Petri successor, non
est Christi vicarius super omnes mundi
ecclesias ab ipso Christo in beato Petro
institutus.
XXV. Der babst, ein nachkommer sant Peters,
ist nicht ein stathalter uber alle kirchen der
ganzen welt, von dem heren Christo in sant
Peters verordent.
XXVI. Verbum Christi ad Petrum:
"Quodcumque solveris super terram," etc.,
extenditur duntaxat ad ligata ab ipso Petro.
XXVI. Das wort des heren Christi zu sant
Peter: ‚alles, das du wirdest auflösen‘ etc.,
wird allein erstreckt zu dem, das von sant
Peter ist bescheiden worden.
XXVII. Certum est in manu Ecclesiae aut
Papae prorsus non esse statuere articulos
fidei, immo nec leges morum, seu bonorum
operum.
XXVII. Das ist gewiss, dass es in der gewalt
der kirchen ader des babst nit gar steet,
artikel des glaubens zu machen, ja auch nit
gesetz ader rechten der sitten oder guten
werken.
XXVIII. Si Papa cum magna parte Ecclesiae
sic vel sic sentiret, nec etiam erraret, adhuc
non est peccatum aut haeresis contrarium
sentire, praesertim in re non necessaria ad
XXVIII. Wen der babst also oder also meint
und demnach nit irret, dennoch ist es noch
nit sunde oder ketzerei, anderer meinung
sein, bevor in einem ding, das nit von noten

salutem, donec fuerit per Concilium
universale alterum reprobatum, alterum
approbatum.
ist zu der selickheit, bis durch ein gemein
concilium eins verworfen und das ander
bestetigt wird.
XXIX. Via nobis facta est enarrandi
auctoritatem Conciliorum, et libere
contradicendi eorum gestis, et judicandi
eorum decreta, et confidenter confitendi
quidquid verum videtur, sive probatum
fuerit, sive reprobatum a quocunque
concilio.
XXIX. Uns ist der weg gemacht, den gewalt
der concilien auszulegen und frei wider ir
handlung zu reden und ir satzung zu urteiln
und trotzlich zu bekennen alles, was uns fur
wahrhaftig ansicht, es werd von den
concilien verworfen ader aber bestetigt.
XXX. Aliqui articuli Joannis Husz condemnati
in concilio Constantiensi sunt Christianissimi,
verissimi et evangelici, quos non universalis
Ecclesia posset damnare.
XXX. Etlich artikel Johansen Huss im
concilien zu Costenz [Konstanz] verdampt,
seint die allerchristlichsten, warhaftigsten
und evangelisch, die auch die ganz gemein
Christenheit nit mucht verdammen.
XXXI. In omni opere bono Justus peccat.
XXXI. Der gerecht sundigt in einem itlichen
guten Werk.
XXXII. Opus bonum optime factum veniale
est peccatum.
XXXII. Ein gut werk aufs best bescheen ist
ein tegliche sund.
XXXIII. Haereticos comburi est contra
voluntatem Spiritus.
XXXIII. Die ketzer zu vorbrennen, ist wider
den willen des heiligen Geists.
XXXIV. Praeliari adversus Turcas est
repugnare Deo visitanti iniquitates nostras
per illos.
XXXIV. Mit den Turken kriegen und streiten
ist Got widerfechten, der unser sund durch
sie besucht.
XXXV. Nemo est certus se non semper
peccare mortaliter propter occultissimum
superbaa vitium.
XXXV. Niemals weiss gewisslich, das er nit
totlich sundige von wegen des
allerhemelichsten lasters der hoffart.
XXXVI. Liberum arbitrium post peccatum est
res de solo titulo, et dum facit quod in se
est, peccat mortaliter.
XXXVI. Der frei wil nach der sund ist ein dink
allein mit dem namen und titel, und wen er
thut, was in im ist, so sundigt er totlich.
XXXVII. Purgatorium non potest probari ex
sacra scriptura, quae sit in canone.
XXXVII. Das fegfeur kan aus der waraftigen
heiligen schrift nicht beweist werden.
XXXVIII. Animae in purgatorio non sunt
securae de earum salute, saltem omnes; nec
probatum est ullis aut rationibus aut
scripturis, ipsas esse extra statum merendi,
aut agendae caritatis.
XXXVIII. Die selen im fegfeur seint nicht
sicher und gewiss irer selickeit zuvor alle; es
ist auch nit durch einig vernunftig
bedenken, ursachen ader schriften beweist,
das sie ausshalb des stands des verdiensts
ader der lieb zu mern seint.
XXXIX. Animae in purgatorio peccant sine
intermissione, quamdiu quaerunt requiem, et
horrent poenas.
XXXIX. Die selen im fegfeur sundigen an
unterlass, so lang sie rue suchen und sich
vor den peinen entsetzen.
XL. Animae ex purgatorio liberatae suffragiis
XL. Die selen, durch hulf der lebendigen

viventium minus beantur, quam si per se
satisfecissent.
gelöset, werden weniger geseligt, den wen
sie durch sich selbst genug gethon hetten.
XLI. Praelati ecclesiastica et principes
seculares non malefacerent si omnes saccos
mendicitatis delerent.
XLI. Die gestliche prelaten und weltliche
fusten teten nicht ubel, wen sie alle
bettelsack abteten.
Qui quidem errores respective quam sint
pestiferi, quam perniciosi, quam scandalosi,
quam piarum et simplicium mentium
seductivi, quam denique sint contra omnem
charitatem, ac sanctae Romanae Ecclesiae
matris omnium fidelium et magistrae fidei
reverentiam atque nervum ecclesiasticae
disciplines, obedientiam scilicet, quae fons
est et origo omnium virtutum, sine qua
facile unusquisque infidelis esse convincitur,
nemo sanae mentis ignorat. Nos Igitur in
praemissis, utpote gravissimis, propensius (ut
decet) procedere, necnon hujusmodi pesti
morboque canceroso, ne in agro Dominico
tanquam vepris nociva ulterius serpat, viam
praecludere cupientes, habita super
praedictis erroribus, et eorum singulis
diligenti trutinatione, discussione, ac
districto examine, maturaque deliberatione,
omnibusque rite pensatis ac saeepius
ventilatis cum venerabilibus fratribus nostris
sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalibus, ac
regularium ordinum Prioribus, seu ministris
generalibus, plurisbusque aliis sacrae
theologiae, necnon utriusque juris
professoribus sive magistris, et quidem
peritissimis, reperimus eosdem errores
respective (ut praefertur) aut articulos non
esse catholicos, nec tanquam tales esse
dogmatizandos, sed contra Ecclesivae
Catholicae doctrinam sive traditionem, atque
ab ea veram divinarum scripturarum
receptam interpretationem, cujus auctoritati
ita acquiescendum censuit Augustinus, ut
dixerit, se Evangelio non fuisse crediturum,
nisi Ecclesiae Catholicae intervenisset
auctoritas. Nam ex eisdem erroribus, vel
eorum aliquo, vel aliquibus, palam sequitur,
[...]

eandem Ecclesiam, quae Spiritu sancto
regitur, errare, et semper errasse. Quod est
utique contra illud, quod Christus discipulis
suis in ascensione sua (ut in sancto
Evangelio Matthaei legitur) promisit dicens:
"Ego vobiscum sum usque ad
consummationem seculi;" necnon contra
Sanctorum Patrum determinationes,
Conciliorum quoque et summorum
Pontificum expressas ordinationes seu
canones, quibus non obtemperasse omnium
haeresum et schismatum, teste Cypriano,
fomes et causa semper fuit.
De eorundem itaque venerabilium fratrum
nostrorum consilio et assensu, se omnium et
singulorum praedictorum matura
deliberatione praedicta, auctoritate
omnipotentis Dei, et beatorum Apostolorum
Petri et Pauli, et nostra, praefatos omnes et
singulos articulos seu errores, tanquam (ut
praemittitur) respective haereticos, aut
scandalosos, aut falsos, aut piarum aurium
offensivos, vel simplicium mentium
seductivos, et veritate Catholicae obviantes,
damnamus, reprobamus, ac omnino
rejicimus, ac pro damnatis, reprobatis, et
rejectis ab omnibus utriusque sexus Christi
fidelibus haberi debere, harum serie
decernimus et declaramus. Inhibentes in
virtute sanctae obedientiae ac sub majoris
excommunicationis latae sententiae, necnon
quoad Ecclesiasticas et Regulares personas,
Episcopalium omnium, etiam Patriarchalium,
Metropolitanarum et aliarum Cathedralium
Ecclesiarum, Monasteriorum quoque et
Prioratuum etiam Conventualium et
quarumcunque dignitatum aut Beneficiorum
Ecclesiasticorum, Saecularium aut quorum
vis Ordinum Regularium, privationis et
inhabilitatis ad illa, et alia in posterum
obtinenda. Quo vero ad Conventus, Capitula
seu domos, aut pia loca saecularium, vel
regularium, etiam Mendicantium, necnon
Universitatis etiam studiorum generalium
[...] Derhalben, unter Zustimmung unserer
ehrwürdigen Brüder Kardinäle, Vorsteher der
Mönchsorden, Doktoren der Theologie und
Doktoren beider Rechte, aufgrund der
Autorität des allmächtigen Gottes und der
seligen Apostel Petrus und Paulus und
unserer eigenen, verdammen, verwerfen,
verurteilen wir die genannten Artikel und
Irrtümer, alle insgemein und jeden einzelnen
als beziehungsweise ketzerisch oder ärgerlich
oder irrig oder frommen Ohren anstößig
oder für Einfältige verführerisch oder wollen
sie von allen Christgläubigen beiderlei
Geschlechts also angesehen wissen, unter
Androhung des bereits ausgesprochenen
großen Bannes [...].

quorumcunque privilegiorum indultorum a
Sede Apostolica, vel ejus Legatis, aut alias
quomodolibet habitorum, vel obtentorum,
cujuscumque tenoris existant: necnon
nominis et potestatis studium generale
tenendi, legendi, ac interpretandi quasvis
scientias et facultates et inhabilitatis ad illa
et alia in posterum obtinenda: Praedicationis
quoque officii ac amissionis studii generalis
et omnium privilegiorum ejusdem. Quo vero
ad saeculares ejusdem excommunicationis,
necnon amissionis cujuscumque
emphyteosis, seu quorumcunque feudorum,
tam a Romana Ecclesia, quam alias
quomodolibet obtentorum, ac etiam
inhabilitatis ad illa et alia in posterum
obtinenda. Necnon quo ad omnes et
singulos superius nominatos, inhibitionis
Ecclesiasticae sepulturae inhabilitatisque ad
omnes et singulos actus legitimos, infamiae
ac diffidationis et criminis laesae majestatis,
et haereticorum et fautorum eorundem in
jure expressis poenis, eo ipso et absque
ulteriori declaratione per omnes et singulos
supradictos, si (quod absit) contrafecerint,
incurrendis. A quibus vigore cujuscumque
facultatis et clausularum etiam in
confessionalibus quibusvis personis, sub
quibusvis verborum formis contentarum, nisi
a Romano Pontifice vel alio ab eo ad id in
specie facultatem habente, praeterquam in
mortis artlculo constitute, absolvi nequeant.
Omnibus et singulis utriusque sexus
Christifidelibus, tam Laicis quam Clericis,
Saecularibus et quorumvis Ordinum
Regularibus, et aliis quibuscumque personis
cujuscumque status, gradus, vel conditionis
existant, et quarumque ecclesiastica vel
mundana praefulgeant dignitate, etiam S. R.
E. Cardinalibas, Patriarchis, Primatibus,
Archiepiscopis, Episcopis, Patriarchalium,
Metropolitanarum et aliaram Cathedralium,
Collegiatarum ac inferiorum ecclesiarum
Praelatis, Clericis aliisque personis

Eccleslasticis, Saecularibus et quorumvis
Ordinum etiam Mendicantium regularibus,
Abbatibus, Prioribus vel Ministris generalibus
vel particularibus, Fratribus, seu Religiosis,
exemptis et non exemptis: Studiorum
quoque Universitatibus Saecularibus et
quorumvis Ordinum etiam Mendicantium
regularibus, necnon Regibus, Imperatori,
Electoribus, Principibus, Ducibus,
Marchionibus, Comitibus, Baronibus,
Capitaneis, Conductoribus, Domicellis,
omnibusque Officialibus, Judicibus, Notariis
Ecelesiasticis et Saecularibus,
Communitatibus, Universitatibus,
Potentatibus, Civitatibus, Castris, Terris et
locis, seu eorum vel earum civibus,
habitatoribus et incolis, ac quibusvis aliis
personis Ecclesiasticis, vel Regularibus (ut
praefertur) per universum orbem,
ubicumque, praesertim in Alemania
existentibus, vel pro tempore futures, ne
praefatos errores, aut eorum aliquos,
perversamque doctrinam hujusmodi asserere,
affirmare, defendere, praedicare, aut iIli
quomodolibet, publice vel occulte, quovis
quaesito ingenio vel colore, tacite vel
expresse favere praesumant.
Insuper quia errores praefati, et plures alii
continentur in libellis seu scriptis Martini
Luther, dictos libellos, et omnia dicti Martini
scripta, seu praedicationes in Latino, vel
quocumque alio idiomate reperiantur, in
quibus dicti errores, seu eorum aliquis
continentur, similiter damnamus,
reprobamus, atque omnino rejicimus, et pro
damnatis, reprobatis, ac rejectis (ut
praefertur) haberi volumus, mandantes in
virtute sanctae obedientiae et sub poenis
praedictis eo ipso incurrendis, omnibus et
singulis utriusque sexus Christifidelibus
superius nominatis, ne hujusmodi scripta,
libellos, praedicationes, seu schedulas, vel in
eis contenta capitula, errores, aut articulos
supradictos continentia legere, asserere,
Und weil genannte und viele andere Irrtümer
in den Büchlein und Schriften eines Martin
Luthers enthalten sind, so verdammen,
verwerfen und verurteilen wir alle genannten
Büchlein und alle Schriften und Predigten
des genannten Martinus, ob in lateinischer
oder sonst irgendeiner Sprache, [...]
und gebieten, bei obigen Strafen, allen
Christgläubigen beiderlei Geschlechts, sich in
keinerlei Weise zu unterstehen, solche
Büchlein, Predigten oder Schriftstücke zu
lesen, darüber zu predigen, sie zu bejahen
oder gar zu loben, sie zu drucken oder sonst
zu veröffentlichen oder sie iregendwie oder

praedicare, laudare, imprimere, publicare,
sive defendere per se vel alium, seu alios
directe vel indirecte, tacite vel expresse,
publice vel occulte, aut in domibus suis sive
aliis publicis vel privatis locis tenere quoquo
modo praesumant; quinimmo illa statim
post harum publicationem ubicumque
fuerint, per ordinaries et alios supradictos
diligenter quaesita, publice et solemniter in
praesentia cleri et populi sub omnibus et
singulis supradictis poenis comburant.
irgendwo zu besitzen.
Vielmehr sollen sie sie, sofort nach
Kundgebung dieser Bulle, fleißig aufsuchen
und sie in Gegenwart des Geistlichen und
Laien feierlich verbrennen, wieder bei allen
obengenannten Strafen.
Quod vero ad ipsum Martinum attinet, (bone
Deus) quid praetermisimus, quid non
fecimus, quid paternae charitatis omisimus,
ut eum ab hujusmodi erroribus
revocaremus? Postquam enim ipsum
citavimus, mitius cum eo procedere volentes,
illum invitavimus, atque tam per diversos
tractatus cum legato nostro habitos, quam
per literas nostras hortati fuimus, ut a
paedictis erroribus discederet, aut oblato
etiam salvo conductu et pecunia ad iter
necessaria, sine metu seu timore aliquo
quem perfecta charitas foras mittere debuit,
veniret, ac Salvatoris nostri Apostolique Pauli
exemplo, non occulto, sed palam et in facie
loqueretur. Quod si fecisset, pro certe (ut
arbitramur) ad cor reversus errores suos
cognovisset, nec in Romana curia, quam
tantopere vanis malevolorum rumoribus
plusquam oportuit tribuendo vituperat, tot
reperisset errata; docuissemusque cum luce
clarius, sanctos Romanos Pontifices, quos
praeter omnem modestiam injuriose lacerat,
in suis canonibus, seu constitutionibus, quas
mordere nititur, nunquam errasse; quia juxta
prophetam, nec in Galahad resina, nec
medicus deest. Sed obaudivit semper, et
praedicta citatione omnibus et singulis
supradictis spretis venire contempsit, ac
usque in praesentem diem contumax, atque
animo indurate censuras ultra annum
sustinuit: et quod deterius est, addens mala
Was aber den Martinus anlangt lieber Gott,
was haben wir unterlassen an väterlicher
Liebe, um ihn von seinen Irrtümern
zurückzurufen? Wir haben ihn hierhin zitiert,
um aufs gütlichste mit ihm zu verhandeln,
wir haben ihn wiederholt durch unsere
Legaten wie brieflich ermahnt, von seinem
Irrtum abzustehen oder doch unter Zusage
sicheren Geleites und auf unsere Kosten,
ohne Furcht und Scheu, die ja die
vollkommene Liebe austreiben müßte, zu
uns zu kommen und frei öffentlich sich vor
uns auszusprehcen. Wir sind überzeugt,
hätte er es getan, er wäre zu sich selbst
gekommen und hätte seine Irrtümer
eingesehen. [...]
Aber er ist dauernd ungehorsam gewesen,
hat jede Einladung in den Wind geschlagen,
verachtet, zu kommen [...],

malis, de citatione hujusmodi notitiam
habens, in vocem temerariae appellationis
prorupit ad futurum concilium contra
constitutionem Pii Secundi ac Julii Secundi,
praedecessorum nostrorum, qua cavetur,
taliter appellantes haereticorum poena
plectendos (frustra etiam Consilii auxilium
imploravit, qui illi se non credere palam
profitetur); ita ut contra ipsum tanquam de
fide notorie suspectum, immo vere
haereticum absque ulterori citatione vel
mora ad condemnationem et damnationem
ejus tanquam haeretici, ac ad omnium et
singularum suprascriptarum poenarum et
censurarum severitatem procedere possemus.
Nihilominus de eorundem fratrum nostrorum
consilio, omnipotentis Dei imitantes
clementiam, qui non vult mortem peccatoris,
sed magis ut convertatur et vivat, omnium
injuriarum hactenus nobis et Apostolicqae
sedi illatarum obliti, omni qua possumus
pietate uti decrevimus, et quantum in nobis
est, agere, ut proposita mansuetudinis via ad
cor revertatur, et a praedictis recedat
erroribus, ut ipsum tanquam filium illum
prodigum ad gremium Ecclesiae revertentem
benigne recipiamus.
ja er hat in seiner Frechheit zu einer
Appellation an ein künftiges Konzil sich
fortreißen lassen, entegen den Verordnungen
Pius II. und Julis II., wonach solche
Appellanten als Ketzer gestraft werden
sollen. (Vergebens ruft doch auch der das
Konzil an, der öffentlich erklärt, einem
solchen keinen Glauben schenken zu
wollen!) Mithin könnten wir wider ihn, der
wahrlich genügsam verdächtig, ja ganz
eigentlich ein Ketzer ist, ohne weiteren
Verzug mit aller Strenge verfahren.
Nichtsdestoweniger haben wir, in
Nachahmung der Güte Gottes, die nicht will
den Tod des Sünders, sondern daß er sich
bekehre und lebe, und unter Nichtachtung
aller Beleidigungen des päpstlichen Stuhles,
beschlossen, noch einmal Güte walten zu
lassen und so viel an uns ist, daranzusetzen,
daß jener von seinen Irrtümern lasse und wir
so ihn wie jenen verlorenen Sohn im
Gleichnis wieder in den Schoß der Kirche
aufnehmen können.
Ipsum igitur Martinum et quoscumque ei
adhaerentes, ejusque receptatores et fautores
per viscera misericordiae Dei nostri, et per
aspersionem sanguinis Domini nostri Jesu
Christi, quo et per quem humani generis
redemptio, et sanctae matris Ecclesiae
aedificatio facta est, ex tote corde hortamur
et obsecramus, ut ipsius Ecclesiae pacem,
unitatem et veritatem, pro qua ipse Salvator
tam instanter oravit ad Patrem, turbare
desistant, et a praedictis, tam perniciosis
erroribus prorsus abstineant, inventuri apud
nos si effectualiter paruerint, et paruisse per
legitima documenta nos certificaverint,
paternae charitatis affectum, et apertum
mansuetudinis et clementiae fontem.
Mithin vermahnen und beschwören wir bei
der Barmherzigkeit Gottes und bei dem
Blute Jesu Christi Martinus und alle seine
Anhänger, daß sie aufhören möchten, der
Kirche Frieden, Einigkeit und Wahrheit zu
stören, um welche der Heiland so fleißig den
Vater gebeten hat, und sich von den
verderblichen Irrtümern gänzlich zu trennen.
So sie wirklich Gehorsam leisten und solches
Gehorsams uns durch sichere Beweise
versichern, so sollen sie wahrhaftig bei uns
väterliche Güte und einen offenen Born der
Milde und Freundlichkeit finden.

Inhibentes nihilominus eidem Martino ex
nunc, ut interim ab omni praedicatione seu
praedicationis officio omnino desistat.
Alioquin in ipsum Martinum, si forte justitiae
et virtutis amor a peccato non retrahat
indulgentiaeque spes ad poenitentiam non
reducat, poenarum terror coerceat
disciplinae, eundem Martinum ejusque
adhaerentes complices, fautores, et
receptatores tenore praesentium requirimus,
et monemus in virtute sanctae obedientiae,
sub praedictis omnibus et singulis poenis eo
ipso incurrendis
districte praecipiendo
mandamus, quatenus infra sexaginta dies,
quorum viginti pro primo, viginti pro
secundo, et reliquos viginti dies pro tertio
et peremptorio termino assignamus ab
affixione praesentium in locis infrascriptis
immediate sequentes numerandos, ipse
Martinus, complices, fautores,
adhaerentes, et receptatores praedicti a
praefatis erroribus, eorumque
praedicatione, ac publicatione, et
assertione, defensione quoque et librorum
seu scripturarum editione super eisdem,
sive eorum aliquo omnino desistant,
librosque ac scripturas omnes et singulas
praefatos errores seu eorum aliquos
quomodolibet continentes comburant, vel
comburi faciant. Ipse etiam Martinus
errores et assertiones hujusmodi omnino
revocet, ac de revocatione hujusmodi per
publica documenta in forma juris valida in
manibus duorum Praelatorum consignata
ad nos infra alios similes sexaginta dies
transmittenda, vel per ipsummet (si ad nos
venire voluerit, quod magis placeret) cum
praefato plenissimo salvo conductu, quem
ex nunc concedimus deferenda, nos
certiores efficiat, ut de ejus vera
obedientia nullus dubitationis scrupulus
valeat remanere.
Wir befehlen Martin auch von nun ab, dass
er von jeglicher Predigt und seinem
Predigtamt Abstand nimmt. Falls ihn nicht
die Gerechtigkeits- und Tugendliebe von der
Sünde befreit, die Hoffnung auf Gnade zur
Buße führt und die Furcht vor Strafe zum
Gehorsam,
so befehlen wir mit aller
Strenge und unter Androhung der oben
aufgeführten Strafen, dass sich Martin und
seine Anhänger innerhalb von 60 Tagen
(20 für einen ersten, 20 für einen zweiten
und 20 für einen letzten Termin),
gerechnet vom Aushang dieser Urkunde an
den oben genannten Orten, von ihren
Irrtümern abwenden, auf deren Predigt,
Veröffentlichung, Verteidigung und
Drucklegung verzichten und alle Bücher
und Schriften, die oben genannte Irrtümer
enthalten, verbrennen oder verbrennen
lassen. Martin muss darüber hinaus alle
seine Irrtümer widerrufen, über den
Widerruf ein offizielles, von zwei hohen
Kirchenfunktionären beglaubigtes
Dokument ausstellen und uns dieses
innerhalb einer Frist von weiteren 60
Tagen übersenden oder uns unter freiem
Geleit, das wir hiermit aussprechen,
persönlich überbringen (was wir
bevorzugen würden), damit über seinen
wahren Gehorsam keinerlei Zweifel
verbleibt.
Alias si (quod absit) Martinus praefatus,
complices, fautores, adhaerentes et
Wenn er aber, was Gott verhüten wolle,
Martinus und seine Anhänger anders

receptatores praedicti secus egerint, seu
proemissa omnia et singula infra terminum
praedictum cum effectu non adimpleverint,
Apostoli imitantes doctrinam, qui haereticum
hominem post primam et secundam
correctionem vitandum docuit, ex nunc
prout ex tunc, et e converso eundem
Martinum, complices, adhaerentes, fautores
et receptatores praefatos et eorum quemlibet
tanquam aridos palmites in Christo non
manentes, sed doctrinam contrariam,
Catholicae fidei inimicam, sive scandalosam
seu damnatam, in non modicam offensam
divinae majestatis, ac universalis Ecclesiae, et
fidei Catholicae detrimentum et scandalum
dogmatizantes, claves quoque Ecclesiae
vilipendentes, notorios et pertinaces
haereticos eadem auctoritate fuisse et esse
declarantes, eosdem ut tales harum serie
condemnamus, et eos pro talibus haberi ab
omnibus utriusque sexus Christi fidelibus
supradictis volumus et mandamus. Eosque
omnes et singulos omnibus supradictis et
aliis contra tales a jure inflictis poenis
praesentium tenore subjicimus, et eisdem
irretitos fuisse et esse decernimus et
declaramus.
handeln oder auch nur den genannten
Termin nicht innehalten, so erklären wir, in
Nachfolge der Lehre des Apostels [Tit 3, 10],
der gebietet, einen ketzerischen Menschen
nach ein- oder zweimaliger Zurechtweisung
zu meiden: Martins und seine Anhänger sind
dürre Reben, die am Weinstock Christi nicht
bleiben, sie, die eine dem christkatholischen
Glauben feindliche und verdammte Lehre
predigen, zu nicht geringer Beleidigung der
göttlichen Majestät und zum Nachteil der
gesamten Kirche und des christkatholischen
Glaubens, und die Schlüsselgewalt der Kirche
gering achten; sie, die hartnäckige Ketzer
gewesen und geblieben sind; und
demgemäß verdammen wir sie und wollen
sie von allen Christgläubigen beiderlei
Geschlechts also als Verdammte angesehen
wissen, und unterstellen sie all den Strafen,
die das Recht in diesem Fall verhängt.
Inhibemus praeterea sub omnibus et singulis
praemissis poenis eo ipso incurrendis,
omnibus et singulis Christi fidelibus superius
nominatis, ne scripta, etiam praefatos errores
non continentia, ab eodem Martino
quomodolibet condita vel edita, aut
condenda vel edenda, seu eorum aliqua
tanquam ab homine orthodoxae fidei
inimico, atque ideo vehementer suspecta, et
ut ejus memoria omnino deleatur de
Christifidelium consortio, legere, asserere,
praedicare, laudare, imprimere, publicare,
sive defendere, per se vel alium seu alios,
directe vel indirecte, tacite vel expresse,
publice vel occulte, seu in domibus suis, sive
aliis locis publicis vel privatis tenere
quoquomodo praesumant, quinimmo illa
Weiter verbieten wir allen Christgläubigen,
auch solche Schriften des Martinus, die
obige Irrtümer nicht enthalten, als dennoch
stark verdächtige, und damit sein Gedächtnis
gänzlich ausgetilgt werde, zu lesen, zu
verkündigen, zu loben oder doch in Schutz
zu nehmen, zu veröffentlichen und zu
drucken, oder sie unter irgendeinem
Vorwand im Hause aufzubewahren; vielmehr
soll man auch sie verbrennen.

comburant, ut praefertur.
Monemus insuper omnes et singulos
Christifideles supradictos, sub eadem
excommunicationis latae sententiae poena,
ut haereticos praedictos declaratos et
condemnatos, mandatis nostris non
obtemperantes, post lapsum termini
supradicti evitent et quantum in eis est,
evitari faciant, nec cum eisdem, vel eorum
aliquo commercium aut aliquam
conversationem seu communionem habeant,
nec eis necessaria ministrent.
Wir ermahnen weiter die Christgläubigen,
einzeln wie insgesamt, bei Strafe des
gleichen Bannes, diese obengenannten
Ketzer, wenn sie nicht unseren Geboten sich
noch unterwerfen, nach Ablauf obiger Frist
gänzlich zu meiden, von jeglichem Handel,
ja von jedem Gespräch mit ihnen, überhaupt
von jeder Berührung mit ihnen sich
fernzuhalten, auch des Leibes Nahrung und
Notdurft ihnen zu weigern.
Ad majorem praeterea dicti Martini
suorumque complicum, fautorum et
adhaerentium ac receptatorum
praedictorum, sic post lapsum termini
praedicti declaratorum haereticorum et
condemnatorum confusionem universis et
singulis utriusque sexus Christifidelibus
Patriarchis, Archiepiscopis, Episcopis,
Patriarchalium, Metropolitanarum, et aliarum
cathedralium, collegiatarum ac inferiorum
ecclesiarum Praelatis, Capitulis, aliisque
personis ecclesiastica, saecularibus et
quoramvis Ordinum etiam Mendicantium
(praesertim ejus congregationis cujus dictus
Martinus est professus, et in qua degere vel
morari dicitur) regularibus exemptis et non
exemptis, necnon universis et singulis
principibus, quacumque ecclesiastica vel
mundana fulgentibus dignitate Regibus,
Imperatoris Electoribus, Ducibus,
Marchionibus, Comitibus, Baronibus,
Capitaneis, Conductoribus, Domicellis,
Communitatibus, Universitatibus,
Potentatibus, Civitatibus, Terris, Castris et
locis, seu eorum habitatoribus, civibus et
incolis omnibusque aliis et singulis
supradictis per universum Orbem, praesertim
in eadem Alemania constitutis mandamus,
quatenus sub praedictis omnibus et singulis
poenis, ipsi vel eorum quilibet, praefatum
Martinum, complices, adhaerentes,

receptantes et fautores personaliter capiant
et captos ad nostram instantiam retineant et
ad nos mittant: reportaturi pro tam bono
opere a nobis et Sede Apostolica
remunerationem, praemiumque condignum
vel saltem eos et eorum quemlibet, de
Metropolitanis, Cathedralibus, Collegiatis, et
aliis ecclesiis, domibus, Monasteriis,
Conventibus, Civitatibus, Dominiis,
Universitatibus, Communitatibus, Castris,
Terris, ac locis respective, tam clerici et
regulares quam laici omnes et singuli
supradicti omnino expellant.
Civitates vero, Dominia, Terras, Castra, Villas,
Comitatus, Fortilicia, Oppida et loca
quaecumque ubilibet consistentia earum et
eorum respective Metropolitanas,
Cathedrales, Collegiatas et alias Ecclesias,
Monasteria, Prioratus, Domus, Conventus et
loca religiosa vel pia cujuscunque ordinis (tit
praefertur) ad quae praefatum Martinum vel
aliquem ex praedictis declinare contigerit,
quamdiu ibi permanserint et triduo post
recessum, ecclesiastico subjicimus interdicto.
Et ut praemissa omnibus innotescant,
mandamus insuper universis Patriarchis,
Archiepiscopis, Episcopis, Patriarchalium,
Metropolitanarum et aliarum cathedralium
ac collegiatarum ecclesiarum Praelatis,
Capitulis aliisque personis ecclesiasticis,
saecularibus et quorumvis Ordinum
supradictorum regularibus, fratribus
religiosis, monachis exemptis et non
exemptis supradictis, ubilibet, praesertim in
Alemania constitutis quatenus ipsi vel eorum
quilibet sub similibus censuris et poenis co
ipso incurrendis, Martinum omnesque et
singulos supradictos qui elapso teremo
hujusmodi mandatis seu monitis nostris non
paruerint, in eorum ecclesiis, dominicis et
aliis festivis diebus, dum inibi major populi
multitudo ad divina convenerit, declaratos
haereticos et condemnatos publice nuncient
faciantque et mandent ab aliis nunciari et ab

omnibus evitari.
Necnon omnibus Christifidelibus ut eos
evitent, pari modo sub praedictis censuris et
poenis. Et praesentes literas vel earum
transumptum sub forma infrascripta factum
in eorum ecclesiis, monasteriis, domibus,
conventibus et aliis locis legi, publicare
atque affigi faciant.
Excommunicamus quoque et
anathematizamus omnes et singulos
cujuscumque status, gradiis, conditionis,
prae-eminentiae, dignitatis aut excellentiae
fuerint qui quo minus praesentes literae vel
earum transumpta, copiae seu exemplaria in
suis terris et dominiis legi, affigi et publicare
possint, fecerint vel quoquomodo
procuraverint per se vel alium seu alios,
publice vel occulte, directe vel indirecte,
tacite vel expresse.
Postremo quia difficile foret praesentes
literas ad singula quaeque loca deferri in
quibus necessarium foret, volumus et
apostolica authoritate decernimus, quod
earum transumptis manu publici notarii
confectis et subscriptis, vel in alma Urbe
impressis et sigillo alicujus ecclesiastici
Praelati munitis ubique stetur et plena fides
adhibeatur, prout originalibus literis staretur,
si forent exhibitae vel ostensae.
Et ne praefatus Martinus omnesque alii
supradicti, quos praesentes literae
quomodolibet concernunt, ignorantiam
earundem literarum et in eis contentorum
omnium et singulorum praetendere
valeant, literas ipsas in Basilicas Principis
Apostolorum et Cancellariae Apostolicae,
necnon Cathedralium ecclesiarum
Brandeburgen., Misnen. et Morspergen.
valvis affigi et publicari debere volumus,
decernentes, quod earundem literarum
publicatio sic facta, supradictum Martinum
omnesque alios et singulos praenominatos,
quos literae hujusmodi quomodolibet
Und damit der genannte Martin und alle,
die von dieser Urkunde betroffen sind,
keine Unwissenheit vorschützen können,
soll diese Urkunde an der Peterskirche und
der päpstlichen Kanzlei in Rom sowie an
den Toren der Domkirchen von
Brandenburg, Meißen und Merseburg
ausgehängt und veröffentlicht werden.
Dabei ordnen wir an, dass, wenn die
Veröffentlichung wie beschrieben
vollzogen wurde, der genannte Martin und
alle anderen, die von der Bulle betroffen
sind, in der Weise angegangen werden

concernunt, perinde arctent, ac si literae
ipsae die affixionis et publicationis
hujusmodi eis personaliter lectae et
intimatae forent, cum non sit verisimile,
quod ea quae tam patenter fiunt debeant
apud eos incognita remanere.
sollen, als sei ihnen diese Urkunde am Tag
ihrer Publikation persönlich vorgelesen
und zugestellt worden, denn es kaum
anzunehmen, dass ein so offenes
Verfahren von ihnen nicht zur Kenntnis
genommen würde.
Non obstantibus constitutionibus et
ordinationibus apostolicis, seu si supradictis
omnibus et singulis vel eorum alicui aut
quibusvis aliis a Sede Apostolica praedicta,
vel ab ea potestatem habentibus sub quavis
forma, etiam confessionali et cum quibusvis
etiam fortissimis clausulis, aut ex quavis
causa, seu grandi consideratione, indultum
vel concessum existat, quod interdici,
suspendi, vel excommunicari non possint per
literas Apostolicas, non facientes plenam et
expressam ac de verbo ad verbum, non
autem per clausulas generates id
importantes, de indulto hujusmodi
mentionem, ejusdem indulti tenores, causas
et formas perinde ac si de verbo ad verbum
insererentur, ita ut omnino tollatur,
praesentibus pro expressis habentes.
Nulli ergo omnino hominum liceat hanc
paginam nostrae damnationis, reprobationis,
rejectionis, decreti, declarationis, inhibitionis,
voluntatis, mandati, hortationis,
obsecrationis, requisitionis, monitionis,
assignationis, concessionis, condemnationis,
subjectionis, excommunicationis, et
anathematizationis infringere, vel ei ausu
temerario contraire. Si quis autem hoc
attentare praesumpserit, indignationem
Omnipotentis Dei ac Beatorum Petri et Pauli
Apostolorum ejus se noverit incursurum.
Dat. Romae apud S. Petrum anno
incarnationis Dominicae Milesimo
Quingentesimo Vigesimo. XVII. Kls. Julii.
Pontificatus Nostri Anno Octavo.
Visa. R. Milanesius.

Albergatus.
Impressum Romae per Iacobum Mazochium
De Mandato S. D. N. Papae.