Entwurf „Handlungskonzept Insektenvielfalt“; Stand: 24.06.2019
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Entwurf für ein
„Handlungskonzept Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“
im Rahmen des sächsischen Biodiversitätsprogramms
Einleitung
Insekten sind die mit Abstand artenreichste Gruppe im Tierreich. Sie nehmen als
Pflanzenfresser, Räuber, Parasiten und Destruenten viele Schlüsselfunktionen im
Naturhaushalt ein. Dazu gehört auch die Blütenbestäubung der meisten einheimischen
Pflanzenarten sowie all jener Kulturpflanzen, die uns Menschen Vitamine liefern.
Mehrere wissenschaftliche Studien und Rote Listen belegen erhebliche Rückgänge der
Artenvielfalt und Biomasse der Insektenfauna in Deutschland. Im Freistaat Sachsen sind
schätzungsweise 25.000 Insektenarten einheimisch. Für 1.533 dieser Arten wurden seit dem
Jahr 2007 Gefährdungsanalysen nach aktuellen Kriterien durchgeführt, wonach 673
(44 Prozent) Arten als ausgestorben oder gefährdet gelten.
Es gibt verschiedene Ursachen für diesen Rückgang, die in der Umwelt räumlich und zeitlich
getrennt voneinander oder in verschiedenen Kombinationen gemeinsam auftreten können. Zu
den wichtigsten gehören die räumliche Isolation von Lebensräumen, der Verlust von
Lebensräumen und lebenswichtigen Strukturen, fehlende Nahrung, der Eintrag von
Pflanzenschutzmitteln, Nährstoffen und anderen Schadstoffen, die Art und Weise der
Bewirtschaftung sowie die Lichtverschmutzung in der Nacht.
Bestandszunahmen, die erfreulicherweise bei einigen gewässerbewohnenden Insektenarten
zu verzeichnen sind, beweisen, dass sich Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensräume, in
diesem Fall die Verbesserung der Wasserqualität, langfristig auszahlen.
Aufgrund der gegenwärtigen Situation der einheimischen Insektenfauna hat sich die
Staatsregierung entschlossen, ein Handlungskonzept zur Förderung der Insektenvielfalt im
Rahmen ihres Biodiversitätsprogramms aufzulegen. Dabei lässt sie sich leiten von der
Tatsache, dass die einheimischen Insekten ganzjährig in unserer Umwelt eine
Überlebenschance benötigen. Bereits ergriffene Maßnahmen werden deshalb auf ihre
Nachhaltigkeit für einheimische Insekten überprüft sowie weitere Ziele und Handlungsansätze
zu ihrer Förderung formuliert. Sie finden Eingang in die anstehende Fortschreibung des
Programms „Biologische Vielfalt 2020“ und der darauf bezogenen Maßnahmenplanung und
Berichterstattung.
Für den Freistaat Sachsen werden nachfolgende einschlägige Handlungsfelder formuliert:
Handlungsfelder
1
Insektenlebensräume im landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Bereich fördern ......... 2
2
Insektenlebensräume durch Landschaftsstrukturen stärken ............................................... 3
3
Zusätzliche Insektenlebensräume im Wald schaffen .......................................................... 4
4
Insektenlebensräume in und an Gewässern fördern .......................................................... 5
5
Insektenlebensräume im Siedlungsbereich stärken ............................................................ 6
6
Natur- und spezieller Artenschutz für Insekten ................................................................... 8
7
Förderung von Insekten als Schwerpunkt in der Umweltbildung verankern ....................... 9
8
Wissensbasis zum Insektenvorkommen und zu Rückgangsursachen erweitern .............. 10
9
Entwicklung und Erprobung neuer Verfahren zum Schutz von Insekten .......................... 11

 
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1
Insektenlebensräume im landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Bereich fördern
Sachstand
54 Prozent der Landesfläche des Freistaates Sachsen werden landwirtschaftlich genutzt. Die
landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung ist damit einer der maßgeblichen
Handlungsbereiche für eine Förderung der Insekten.
Die EU-Agrarförderung leistet aktuell auch einen Beitrag zur Verbesserung der biologischen
Vielfalt sowie zur Verringerung der Stoffeinträge und der Belastung der Grund- und
Oberflächenwasserkörper. In der 1. Säule der GAP (EU-Direktzahlungen) wurde mit der
Förderperiode 2014 bis 2020 das sogenannte Greening eingeführt. Betriebe mit mehr als 15
Hektar Ackerfläche sind verpflichtet, fünf Prozent ihrer Ackerfläche als Ökologische
Vorrangfläche (Ecological Focus Area – EFA) vorzuhalten und mit entsprechenden Kulturen
zu bewirtschaften. Die 2. Säule der GAP (Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen) mit ihren
derzeit durchgeführten Acker- und Grünlandvorhaben (AL- und GL-Vorhaben) im Rahmen der
Richtlinie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (RL AUK/2015) enthält 27 von 30
Einzelvorhaben, bei denen der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht erlaubt ist. Gegenüber
der letzten Förderperiode hat sich der Umfang der Antragsflächen für Brachen und
Blühflächen auf Ackerland in etwa verzwölffacht. Die Richtlinie Ökologischer/Biologischer
Landbau (RL ÖBL/2015) trägt zur insektenschonenden Bewirtschaftung bei, da hier generell
auf den Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden muss.
In Summe umfassen alle AUK-, ÖBL- und Greening-Maßnahmen der EU-Agrarförderung in
Sachsen derzeit circa 190.200 Hektar beziehungsweise über 20 Prozent der
landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Ziel
Alle AUK-, ÖBL- und Greening-Maßnahmen der EU-Agrarförderung werden auf ihre
nachhaltig positive Wirkung auf Insekten geprüft und gegebenenfalls angepasst. Der Anteil
von nachhaltig insektenfreundlich bewirtschafteter landwirtschaftlicher Nutzfläche
(ökologischer Landbau, Blühflächen/-streifen unter Verwendung gebietseigenen Saatguts,
Brachen) soll signifikant erhöht werden. Ziel ist zudem eine Erhöhung des Anteils von
Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (High Nature Value-Farmland) von derzeit 8,7
Prozent.
Handlungsschwerpunkte
Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und der Stickstoffbelastung
Erhöhung der Pflanzenartenvielfalt
Schaffung von Säumen und Brachflächen
räumlich und zeitlich differenzierte Bewirtschaftung
Absatzmöglichkeiten von ökologisch erzeugten Produkten voranbringen
Umsetzung
Vermeidung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, Bioziden und Reduzierung des
Düngemitteleinsatzes auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in Naturschutzgebieten (NSG),
im Nationalpark (NLP) und im Biosphärenreservat (BR)
Reduktion des Einsatzes von Pflanzenschutz- und Düngemitteln auf landwirtschaftlichen
und gartenbaulichen Nutzflächen in Verbindung mit der Einführung neuer IT-gestützter
Technologien in der Agrarwirtschaft (künstliche Intelligenz)
Belassen von Säumen im Randbereich landwirtschaftlicher Nutzflächen
Schaffung von Pufferbereichen um Schutzgebiete in Abhängigkeit spezifischer Schutzziele
bei entsprechendem Ausgleich
Fruchtartenvielfalt erhöhen

 
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AUK-Maßnahmen stärker auf die Förderung von Insekten optimieren (zum Beispiel
mehrjährige Brachen und Blühflächen/-streifen sowie deren rotierende, partielle
Bewirtschaftung Mahd ermöglichen beziehungsweise ausweiten)
schrittweise Verpachtung landeseigener Flächen mit der Maßgabe insektenfreundlicher
Bewirtschaftung bei Anpassung der Pachtbedingungen
insektengerechte Weidewirtschaft stärken (zum Beispiel artenreiche Weideränder,
Reduktion Antibiotikaeinsatz)
insektengerechte Wiesenwirtschaft optimieren (artenreiche Wiesenränder, Mahdregime,
-technik, Reduktion Stickstoffdüngung)
Qualifizierungsangebote für Landnutzer zur ökologischen sowie naturschutzgerechten
Flächenbewirtschaftung einschließlich der Belange des Schutzes von Insekten optimieren
und intensivieren
Indikatoren
-
rückläufiger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, Düngemitteln (Mengen-, Flächenangaben)
-
Flächenzunahme ökologischer Landbau
-
Umfang insektengerechter bewirtschafteter Flächen (Flächenangaben, Anzahl Betriebe)
-
Flächenzunahme High Nature Value-Farmland
-
Anzahl von Maßnahmen, Beratungen
2
Insektenlebensräume durch Landschaftsstrukturen stärken
Sachstand
Landschaftsstrukturelemente wie Feldhecken, Feldgehölze, Baumreihen,, Feuchtbereiche,
Kleingewässer, Steinrücken, Lesesteinhaufen und Trockenmauern stellen wichtige
Lebensräume und Ausbreitungskorridore für Insekten in der Landschaft dar und sind somit
essentiell für einen funktionierenden Biotopverbund. Viele dieser Kleinstrukturen sind in der
Vergangenheit verlorengegangen und damit verbliebene Lebensräume zunehmend räumlich
isoliert worden.
Der Freistaat Sachsen bietet im Rahmen der Richtlinie Natürliches Erbe (RL NE/2014) eine
Förderung für die Anlage und Sanierung von Landschaftsstrukturelementen an. Neben Mitteln
aus der 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) werden hierfür auch Gelder aus der
Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK)
eingesetzt. Seit dem Jahr 2007 wurden mit Fördermitteln der RL NE/2014 sowie deren
Vorgängerrichtlinie insgesamt mehr als 150 Hektar Hecken und Feldgehölze neu angelegt,
mehr als 13.400 Obstbäume gepflanzt, circa 10.000 Kopfbäume geschnitten und mehr als 80
Hektar Hecken, Feldgehölze und Steinrücken saniert. Darüber hinaus bietet die Richtlinie
weitere Fördermöglichkeiten für die Verbesserung von Landschaftsstrukturen wie zum Beispiel
die Anlage und Sanierung von Feuchtbereichen und Kleingewässern an.
Ziel
Die Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft und die Vernetzung von Lebensräumen sollen
erhalten und ausgeweitet werden. Es wird angestrebt, den Anteil der landwirtschaftlich
genutzten Fläche mit Landschaftselementen zu verdoppeln.
Handlungsschwerpunkte
-
Ausbau linearer Landschaftsstrukturen (zum Beispiel Feldhecken und Ufergehölze)
-
Ausbau punktförmiger Strukturen (zum Beispiel Baumgruppen, Lesesteinhaufen, Sölle)
-
Abmilderung der Isolation von Schutzgebieten durch die Sicherung und Verbesserung des
Biotopverbundes
Umsetzung
Umsetzung durch Akteure wie Landnutzer, Naturschutzverbände, Privatpersonen,
Kommunen sowie durch den Freistaat Sachsen auf eigenen Flächen
besondere Berücksichtigung der Sicherung der Insektenvielfalt bei Ausgestaltung des
GAP-Strategieplans

 
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Einrichtung von mehrjährigen, extensiv genutzten, krautigen und blütenreichen
Saumstrukturen in der Agrarlandschaft (partielle Mahd); Verwendung gebietseigenen
Saatguts
Erhalt und Neuanlage von Alleen, Baumreihen, Hecken, Feldgehölzen; Verwendung
gebietseigener Gehölze
Vermeidung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und Düngung auf diesen
Landschaftsstrukturen
Indikatoren
-
Entwicklung des Anteils der landwirtschaftlich genutzten Fläche mit Landschaftselementen
3
Zusätzliche Insektenlebensräume im Wald schaffen
Sachstand
Wälder nehmen circa 27 Prozent der Landesfläche ein und stellen ein eigenes Ökosystem mit
einer eigenen Artenzusammensetzung auch bei den Insekten dar. Zudem stellen Alt- und
Totholzvorkommen, Randstrukturen und Sonderbiotope im Wald (unter anderem Waldwiesen,
Heiden, die meisten Stillgewässer, Relikte historischer Waldnutzungsformen) Lebensraum für
viele spezialisierte Insektenarten. Zuträglich für Insekten ist ein Verzicht auf den Einsatz von
Pflanzenschutzmitteln bei der Waldbewirtschaftung.
Circa 26 Prozent der sächsischen Waldflächen werden als naturnah eingeschätzt. Der
Totholzanteil im sächsischen Wald hat sich zwar in den letzten Jahren signifikant erhöht, liegt
aber noch unter dem Bundesdurchschnitt. Über 13.000 Hektar zusammenhängende
Waldflächen (größer fünf Hektar) sind im Freistaat Sachsen dem Prozessschutz überlassen.
Die Sächsische Staatsregierung hat im November 2013 die „Waldstrategie 2050 für den
Freistaat Sachsen” beschlossen. In dieser sind Grundsätze zusammengefasst, die bis ins Jahr
2050 eine erfolgreiche Entwicklung des Waldes als Naturlandschaft sowie Wirtschafts- und
Erholungsraum gewährleisten sollen. Darüber hinaus ist Naturschutz in den Wäldern im
Eigentum des Freistaates Sachsen (Landeswald) ein zentrales Anliegen. Im Waldgesetz für
den Freistaat Sachsen ist geregelt, dass der Staatswald dem Allgemeinwohl im besonderen
Maße dienen soll und vorbildlich zu bewirtschaften ist. Das „Naturschutzkonzept des
Staatsbetriebes Sachsenforst für den sächsischen Landeswald“ aus dem Jahr 2017 legt dar,
welchen naturschutzfachlichen Leitlinien Sachsenforst folgt.
Ziel
Die Staatsregierung wird den Anteil insektengerechter Lebensräume im Rahmen der
Waldbewirtschaftung weiter steigern.
Handlungsschwerpunkte
- Förderung ökologisch stabiler, naturnaher und an den fortschreitenden Klimawandel
anpassungsfähiger Mischwälder mit einer Vielfalt einheimischer Baumarten
- Diversifizierung der Baumaltersstruktur und Erhaltung von Wäldern mit besonders langer
Habitattradition
-
Erhöhung des Totholzanteils
-
Schaffung und Sicherung von Waldsäumen
Umsetzung
kontinuierliche Fortsetzung des Waldumbaus im Landeswald auf einer Fläche von 1.300
bis 1.500 Hektar pro Jahr
fortlaufende Pflege der Sonderbiotope im Wald
Erhalt und Förderung von Alt- und Totholzvorkommen
Ausweisung von Biotopbaumgruppen im Landeswald
im Zuge der Forsteinrichtung Auswahl geeigneter Flächen im Landeswald, in denen aus
Naturschutzgründen die forstliche Nutzung ausgesetzt wird

 
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Pflege und Entwicklung von Waldaußen- und Waldinnenrändern unter anderem zur
Schaffung stufiger, mischbaumartenreicher Strukturen mit entsprechender Habitatqualität
Durchführung spezieller Artenschutzmaßnahmen für einzelne Insektenarten im Wald (zum
Beispiel für den Eschen-Scheckenfalter und für Waldameisen)
weiterhin Unterstützung privater, kirchlicher, kommunaler Waldbesitzer durch
Wissenstransfer, forstfachliche Beratung und Fördermöglichkeiten (z. B. WuF/2014, RL
NE/2014)
Indikatoren
-
Flächenangaben zum Waldumbau
-
Zahlenangaben zu Sonderbiotopen, Alt- und Totholzanteilen, Biotopbaumgruppen
4
Insektenlebensräume in und an Gewässern fördern
4.1 Fließgewässer
Sachstand
Gewässergebundene Insekten dienen unter anderem zahlreichen Tierarten als
Nahrungsgrundlage. Eine gute Wassergüte und Lebensraumvielfalt in und an den
Fließgewässern und natürliche Überschwemmungsgebiete sind daher ebenso wie ihre
Vernetzungsfunktion Grundlagen für den Schutz von Insekten und einen guten ökologischen
Zustand der Gewässer.
Die Insekten sind eine wichtige Indikatorgruppe für die Zustandseinstufung der sächsischen
Fließgewässer nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Sie sind zusammen mit anderen
wirbellosen Organismen wie Krebsen und Schnecken in der Bewertungskomponente
„benthische Invertebraten“ enthalten. Insgesamt zeigt sich im Gewässerbereich in den letzten
Jahrzehnten ein positiver Trend, der insbesondere durch die massiven Anstrengungen zur
Verbesserung der Abwasserbehandlung im Freistaat Sachsen erreicht wurde.
Sowohl die Gewässer als auch ein flächenmäßig großer Anteil der wasserwirtschaftlichen
Anlagen, vor allem Deiche, in staatlicher Zuständigkeit der Landestalsperrenverwaltung (LTV)
werden extensiv bewirtschaftet und sind Verbundachsen in der Landschaft. Sie sind daher
häufig bereits gute bis sehr gute Lebensräume und Ausbreitungskorridore für die
Insektenfauna aus intensiv genutzten Bereichen.
Ziel
Die Staatsregierung wird den Anteil insektengerechter Lebensräume im Rahmen der
Gewässerbewirtschaftung und -unterhaltung im Bereich von Wasserflächen, Ufern und Auen
sowie im Bereich von wasserwirtschaftlichen Anlagen weiter steigern.
Handlungsschwerpunkte
Reduktion von Pflanzenschutzmittel-, Nährstoff- und anderen Schadstoffeinträgen
Gewässer- und Auenrenaturierung
Umsetzung
sukzessive ökologische Optimierung der Gewässerunterhaltung
im Zuge der Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme zur WRRL Umsetzung
von Maßnahmen zur Verbesserung der sächsischen Gewässer (Strukturen)
Unterstützung der insektengerechten Gestaltung und Bewirtschaftung von
Gewässerrandstreifen durch die Bewirtschafter/Eigentümer
Fortschreibung und schrittweise /Umsetzung des Sächsischen Auenprogramms
Indikatoren
-
Angaben zum ökologischen Zustand der Gewässer
-
Anzahl/ Länge renaturierter Gewässerbereiche und Gewässerrandstreifen

 
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4.2 Teiche
Sachstand
Der Erhalt von Teichen als wertvolle Bestandteile unserer gewachsenen Kulturlandschaft mit
wertvollen Biotop- beziehungsweise Habitatkomplexen sind auch von großer Bedeutung für
Wasserinsekten. Der Mix aus verschiedenen Pflanzengesellschaften (zum Beispiel Hartholz-
und Weichholzzone, Röhrichtzone, Schwimmblattzone, Tauch-Algenblattzone) bietet
spezifische Lebensräume für verschiedene wassergebundene Insektenarten. Darüber hinaus
trägt in besonderem Maße die naturschutzgerechte Teichbewirtschaftung mit ihren
weitergehenden, auf konkrete naturschutzfachliche Ziele ausgerichteten Vorgaben
(insbesondere zu Besatz, Düngung, Kalkung und Stauhaltung) zum Schutz besonders
gefährdeter und geschützter Insektenarten bei.
Ziel
Die Staatsregierung setzt sich dafür ein, die Lebensbedingungen für wassergebundene
Insektenarten zu verbessern und die Fläche naturschutzgerecht bewirtschafteter Teiche zu
vergrößern.
Handlungsschwerpunkte
-
Erhalt und weitere Förderung der Teichwirtschaft
- Förderung naturschutzfachlicher Anforderungen einschließlich wassergebundener
Insektenarten im Zusammenhang mit der Teichbewirtschaftung
Umsetzung
Umsetzung durch Akteure wie Teichwirte, Naturschutzverbände, Privatpersonen und
Kommunen
Angebot zusätzlicher Schulungen zum Schutz von Insekten im Rahmen von Fachtagen
Indikatoren
-
Flächenangaben zu naturschutzgerecht bewirtschafteten Teichen
-
Anzahl zu insektengerechten Teichbewirtschaftungsmaßnahmen
5
Insektenlebensräume im Siedlungsbereich stärken
Sachstand
Große Potentiale zum Erhalt und zur Förderung der Insektenvielfalt bestehen im
Siedlungsbereich, wo viele Akteure eigenverantwortlich in der Summe einen großen Beitrag
zur Artenvielfalt leisten können. Herausforderungen sind unter anderem der Bebauungsdruck,
die Versiegelung von Flächen, die Verwendung fremdländischer Pflanzen und die
Lichtverschmutzung.
Im Bereich Öffentliches Grün unterstützt die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt
(LaNU) seit dem Jahr 2015 das Mitmachprojekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen
für Sachsens Schmetterlinge“, in welchem allein durch ein angepasstes Mahdregime
Lebensräume für Tagfalter und andere Insekten geschaffen werden. Es werden bereits über
300 Schmetterlingswiesen im Freistaat Sachsen gepflegt. Für die Jahre 2019 und 2020
wurden dem Projekt zusätzlich 100.000 Euro/Jahr für Blühflächen durch den Sächsischen
Landtag zur Verfügung gestellt, die mit der gleichen Methode bewirtschaftet werden (Initiative
„Sachsen blüht“).
Die Lichtverschmutzung durch Außenbeleuchtung wirkt sich negativ auf nachtaktive Insekten
aus. Im Rahmen der Förderrichtlinie Klimaschutz (RL Klima/2014) wird im Freistaat Sachsen
unter anderem schrittweise die Straßenbeleuchtung modernisiert und auf energieeffiziente,

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vorwiegend LED-Beleuchtung, umgerüstet, die zugleich insektenfreundlicher ist. In der
aktuellen Förderperiode wurden bisher 225 Maßnahmen gefördert (Stand: 31. März 2019).
Ziel
- Integration der Förderung von Insekten in Planung, Entwicklung, Gestaltung und Pflege
des Siedlungsraums
Handlungsschwerpunkte
- Verwendung einheimischer, standortgerechter und klimaresilienter Pflanzenarten auf
Wiesen sowie bei Stauden- und Gehölzpflanzungen
-
Reduktion der Mahdtermine und partielle Mahd von Grünflächen
- Anlage mehrjähriger Blühflächen mit gebietseigenen Pflanzenarten und deren partielle
Mahd mit Fingerschneidwerk
-
Maßnahmen zur Fassaden- und Dachbegrünung
-
Verwendung pollen- und nektarliefernder Pflanzen in Gärten
- Vermeidung von Pflanzenschutzmitteln und Anwendung alternativer Verfahren wie
biologischer Pflanzenschutz und mechanische Unkrautbekämpfung
- Maßnahmen der Flächenentsiegelung, Vermeidung von Mulchabdeckungen sowie Stein-
und Schotterflächen im Garten
- sukzessiver Verzicht auf UV-haltige Leuchtmittel, Minimierung der Beleuchtungsstärke
sowie, wo möglich, räumlicher und zeitlicher Verzicht auf künstliche Beleuchtung
Umsetzung
Der Freistaat Sachsen wird den Anteil an insektengerecht bewirtschafteten, landeseigenen
Grünflächen deutlich erhöhen.
Der Freistaat Sachsen wird durch Umweltbildungsmaßnahmen Planer, Kommunen,
Kirchen, Privat- und Kleingärtner, Wohnungsbaugenossenschaften, Unternehmen und
weitere Akteure über mögliche Maßnahmen zur Förderung der Insektenvielfalt aufklären.
Die Staatsregierung wird sich dafür einsetzen, dass der Schutz von Insekten im Rahmen
der kommunalen Flächenbewirtschaftung verstärkt Berücksichtigung findet.
Die Staatsregierung wird sich dafür einsetzen, dass die Potenziale einer
insektengerechten Gestaltung und Pflege im Haus- und Kleingartenbereich besser
ausgeschöpft werden und Öffentlichkeitsmaßnahmen umsetzen, die auf ein stärkeres
Blütenangebot für Insekten in Privatgärten abzielt.
Die Staatsregierung wird Maßnahmen ergreifen, um die Lichtverschmutzung durch
Außenbeleuchtung und die damit einhergehende Anlockwirkung auf Insekten weiter zu
reduzieren. Die Staatsregierung wird bei der Reduktion der Lichtverschmutzung eine
Vorbildfunktion einnehmen und auf eine insektenfreundliche Beleuchtung im öffentlichen
Raum hinwirken.
Der Freistaat Sachsen wird Projekte zur Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz von
Insekten weiterhin unterstützen.
Der Freistaat Sachsen wird Förderinstrumente prüfen und gegebenenfalls
weiterentwickeln.
Indikatoren
Anzahl und Größe von insektengerecht bewirtschafteten Wiesen und Blühflächen
Anzahl und Größe von Gehölzpflanzungen mit einheimischen Arten
Anzahl und Größe an insektengerecht bewirtschafteten, freistaatseigenen Grünflächen
Maßnahmen zur Modernisierung der Straßenbeleuchtung

 
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Natur- und spezieller Artenschutz für Insekten
Sachstand
Zahlreiche früher in verschiedenen Naturregionen des Freistaates Sachsen verbreitete
Insektenarten haben heute nur noch isolierte und individuenarme Vorkommen. Seit dem Jahr
2007 werden im Freistaat Sachsen die Gefährdungsanalysen für die Erstellung der Roten
Listen der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten nach den aktuellen und transparenten Kriterien des
Bundesamtes für Naturschutz durchgeführt. Für die Insekten wurden seitdem Rote Listen für
Tagfalter, Laufkäfer, Heuschrecken, Fangschrecken, Schaben und Ohrwürmer, Grabwespen,
Steinfliegen, wasserbewohnender Käfer und Eulenfalter erstellt. Insgesamt wurden 1.533
Insektenarten erfasst, von denen 673 (44 Prozent) als ausgestorben oder gefährdet gelten.
Bislang bestehen in Deutschland keine gesetzlichen Verpflichtungen, aktive Maßnahmen zu
ergreifen, um dem Aussterben bedrohter Arten entgegenzuwirken, wenn diese nicht streng
geschützt sind.
Im Jahr 2017 wurde bekannt, dass von 1989 bis 2016 in 63 untersuchten Schutzgebieten (37
FFH, 7 NSG, 9 LSG, 6 WSG, 4 regionale Schutzgebiete) Deutschlands die Biomasse
flugaktiver Insekten um 75 Prozent zurückging. Der größte Teil dieser Schutzgebiete wurde für
den Erhalt der Artenvielfalt eingerichtet, aber die Ursachen für den Rückgang in den
Schutzgebieten sind bislang nicht eindeutig geklärt.
Gleichzeitig haben zahlreiche streng geschützte und deutschlandweit in ihrem Bestand
gefährdete Arten in Naturschutzgebieten und Natura 2000-Gebieten ihre letzten Vorkommen.
Im Freistaat Sachsen zählen dazu beispielsweise der Eschen-Scheckenfalter, der Goldene
Scheckenfalter, die Hochmoor-Mosaikjungfer, die Alpen-Smaragdlibelle sowie die Gestreifte
Quelljungfer. Gegenüber der vom Menschen stark geprägten Agrar-, Wald- und
Siedlungsflächen enthalten die verschiedenen Schutzgebiete Lebensräume für viele
spezialisierte Arten.
Ziele
Erhöhung von Artenvielfalt und Biomasse der Insekten in Schutzgebieten
Renaturierung verlorengegangener Lebensräume
Bis zum Jahr 2030 soll eine Verbesserung des Erhaltungszustands im Landesmaßstab
erreicht werden.
Die Populationen der Arten, für die bereits Maßnahmen eingeleitet wurden, sollen
mindestens auf dem derzeitigen Niveau stabilisiert werden.
Handlungsschwerpunkte
naturnahe Lebensräume erhalten und aufwerten
Rote Listen fortführen und Aussagekraft der Roten Listen als Frühwarnsystem nutzen
Für Maßnahmen zur Populationsstützung und Wiederansiedlung ausgestorbener oder vom
Aussterben bedrohter Insektenarten soll der Kenntnisstand ermittelt und dargestellt
werden.
„Artenhilfsprogramme“ für vom Aussterben bedrohte Arten
Umsetzung
Die Staatsregierung wird weitere artbezogene Projekte und Programme für seltene
Insektenarten auflegen und zu diesem Zweck eine Kompetenz- und Koordinierungsstelle
„Insekten-Artenschutz“ einrichten.
Überprüfung von Maßnahmen zur Populationsstützung und Wiederansiedlung
Vermeidung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, Bioziden und Reduzierung des
Düngemitteleinsatzes auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in NSG, im NLP und im BR
Mahd von Grünland konsequent partiell durchführen beziehungsweise soweit im Hinblick
auf weitere Naturschutzziele möglich sukzessive durch Beweidung ersetzen sowie Einsatz
von Megaherbivoren in Großschutzgebieten prüfen

 
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Belassen offener Wege (keine Verdichtung, kein Schotter, keine Versiegelung) bei
Beachtung der Erfordernisse in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Tourismus
Renaturierung der Grundwasserstände in Feuchtgebieten, Mooren, Auen
Überprüfung der Schutzziele bei Umsetzung der Schutzgebiets-Verordnungen (vor allem
NSG)
Die Staatsregierung stellt Fachgrundlagen sowie Förderinstrumente für die Umsetzung
bereit und strebt an, zusätzliche Haushaltsmittel im nächsten Doppelhaushalt zur
Verfügung zu stellen. Verstärkt sollen auch Kompensationsmaßnahmen im Rahmen der
Eingriffsregelung, die in die landwirtschaftliche Nutzung eingebunden sind, für den
speziellen Schutz von Insekten genutzt werden.
Indikatoren
-
Anzahl von Hilfsmaßnahmen, Programmen und Projekten
-
Angaben zum Erhaltungszustand der geförderten Arten
7
Förderung von Insekten als Schwerpunkt in der Umweltbildung verankern
Sachstand
Wissen über die Entwicklung von Insekten, ihrer Artenvielfalt und ihren ökologischen
Ansprüchen ist eine Grundvoraussetzung, Hilfsmaßnahmen für Insekten nachhaltig
durchzuführen.
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt (LaNU) ist im Freistaat Sachsen ein
zentraler Ansprechpartner zu Fragen der Umweltbildung sowie Service- und
Koordinierungsstelle für das Netzwerk Umweltbildung Sachsen und das Trinationale Netzwerk
Umweltbildung. Die Stiftung unterstützt seit dem Jahr 2007 Mitmachprojekte, im Rahmen
derer Wissen über Insekten vermittelt sowie dazu aufgerufen wird, sich aktiv für die Förderung
von Insekten einzusetzen (Wo tanzt das Glühwürmchen? [2007 bis 2009], Insekten Sachsen
[seit 2010], Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge [seit
2015]).
Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) begleitet seine
Projekte zur Förderung der Insektenvielfalt mit populärwissenschaftlichen Publikationen,
Veranstaltungen zur Aufklärung der Öffentlichkeit und führt Fortbildungen durch.
lm Rahmen der waldbezogenen Umweltbildung werden durch den Staatsbetrieb Sachsenforst
viele waldpädagogische Programme und Aktivitäten angeboten, die sich direkt oder indirekt
mit dem Thema Schutz von Insekten beschäftigen.
Ein großes Hemmnis sowohl bei der Umweltbildung als auch bei der Durchführung von
Umweltmaßnahmen für Insekten ist die geringe und seit Jahren rückläufige Anzahl haupt- und
ehrenamtlicher Artenkenner.
Ziel
Die Staatsregierung wird ihre Umweltbildungsmaßnahmen für verschiedene Zielgruppen mit
dem Schwerpunkt Insekten intensivieren und die Angebote aufeinander abstimmen. Daneben
soll den Akteuren die Möglichkeit der Vernetzung angeboten werden.
Handlungsschwerpunkte
-
Inhalte aus den Handlungsfeldern 1 bis 6 vermitteln
-
Vermittlung von Grundwissen über Insekten im Rahmen der Schulbildung
-
Ausweitung der Vermittlung von Fachwissen in der Ausbildung
-
Weiterbildung von Multiplikatoren, insbesondere Pädagogen
- Einbeziehung verschiedener Akteure wie zum Beispiel Kleingärtner, Kirchen, Kommunen,
Planer
Umsetzung
Ausweitung von Information und Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit,
Naturschutzakteure, Kleingartenbesitzer und -verbände, kommunalen

 
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Entscheidungsträger, Planungsbüros und weiterer Akteure für die Thematik Insekten durch
weitere Mitmachaktionen, Informationsmaterial, Fachpublikationen und Veranstaltungen
Die Sächsische Landesstiftung Natur und Umwelt bietet für ehrenamtliche Naturschützer,
Multiplikatoren/Umweltbildner, Kinder/Jugendliche/Eltern, Netzwerke und Fachleute
Bildungsmaßnahmen im Bereich Insekten an und wird finanziell ertüchtigt, weitere
Mitmachprojekte zur Förderung von Insekten durchzuführen.
Unterstützung von Maßnahmen zur Förderung von Nachwuchs und Vorhaben zur
Verbesserung der Artenkenntnis
Weiterführung und Intensivierung der waldpädagogischen Angebote des Staatsbetriebes
Sachsenforst zum Thema Insekten
Weiterführung von Maßnahmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zum Thema
Biodiversität und Insekten durch das LfULG
Fortführung der Umweltbildungsmaßnahmen am Lehr- und Versuchsgut (LVG) Köllitsch
mit Bezug auf die Förderung von Insekten
Intensivierung der Informations- und Weiterbildungsangebote durch die Sächsische
Gartenakademie des LfULG für Freizeitgärtner und Gartenfachberater
Durchführung von Projekten und Initiativen im Zuge der Rahmenvereinbarung zwischen
dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und dem
Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) zur Zusammenarbeit in den Bereichen
Umweltbildung und Berufliche Orientierung
Integration des Themas in Lehr- und Bildungspläne
Indikatoren
-
Anzahl und thematische Ausrichtung von Umweltbildungsmaßnahmen
-
Teilnehmerzahl an Umweltbildungsmaßnahmen
8
Wissensbasis zum Insektenvorkommen und zu Rückgangsursachen erweitern
Sachstand
Die mit geschätzt 25.000 Arten große Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen bringt es mit sich,
dass ein vollständiges Monitoring all dieser Arten nicht durchführbar ist. Im Rahmen der
Erarbeitung der Roten Listen nach den neuen Kriterien wurden seit dem Jahr 2007 1.533
Insektenarten bearbeitet.
Die LaNU fördert seit 2010 das Citizen Science Projekt „Insekten Sachsen“, im Rahmen
dessen ein Informationsportal über sächsische Insekten ständig erweitert wird und organisiert
Schulungen zur Vermittlung von Artenkenntnissen. Das SMUL hat digitale Instrumente zur
Datenerfassung entwickeln lassen, mit denen Artbeobachtungen systematisch erfasst und die
Daten über die Zentrale Artdatenbank (ZenA) Behörden zur Auswertung bereitgestellt werden.
Die Maßnahmen und Kooperationen zwischen den beteiligten Akteuren zielen darauf ab, ein
Netz ehrenamtlicher Forscher aufzubauen, um daraus Erkenntnisse zum Vorkommen der
Arten sowie mehr Menschen für den aktiven Artenschutz zu gewinnen. Basierend auf den so
gewonnenen Vorkommensdaten können die Gefährdungsanalysen für einzelne
Insektengruppen mit einer deutlich solideren Datenbasis durchgeführt werden.
Zu den Arten und Lebensraumtypen von europäischer Bedeutung gemäß FFH-Richtlinie wird
seit dem Jahr 2007 ein Monitoring nach bundeseinheitlicher Methodik durchgeführt. Im Jahr
2018 ist ein komplexes Vorhaben zur Untersuchung von Vorkommen und
Gefährdungsursachen von Tagfaltern und Widderchen gestartet worden.
Maßnahmen, welche die Förderung von Insekten umfassen, werden durch ein Monitoring
evaluiert und gegebenenfalls optimiert, zum Beispiel bei den Erprobungsprojekten am Lehr-
und Versuchsgut (LVG) Köllitsch oder beim Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende
Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“.

 
Entwurf „Handlungskonzept Insektenvielfalt“; Stand: 24.06.2019
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Ziel
Die Wissensbasis zum Vorkommen von Insekten im Freistaat Sachsen sowie zur nachhaltigen
Wirkung von insektenfördernden Maßnahmen soll auch in Kooperation mit anderen
Bundesländern erweitert werden.
Handlungsschwerpunkte
-
Ausbau des Spezialisten-Netzwerkes
-
Fortsetzung der Erarbeitung Roter Listen
-
Ursachenanalysen für den Insektenrückgang in Abstimmung mit Bund und Ländern
-
begleitendes Monitoring bei insektenfördernden Maßnahmen
-
Entwicklung und Etablierung von Trendanalyseverfahren im Landesmaßstab
-
Unterstützung der Anwendung von Monitoringmethoden ohne Entnahme von Insekten aus
der Natur
Umsetzung
Die Vernetzung von Spezialisten und Projekten in Behörden, Instituten, Fachverbänden
und im Ehrenamt wird ausgebaut.
Maßnahmenbezogenes Monitoring wird durchgeführt.
Die Roten Listen werden fortgeführt und für ausgewählte Insektengruppen aktualisiert oder
erstmalig erarbeitet. Derzeit sind Rote Listen in Vorbereitung für Bockkäfer, Marienkäfer,
Köcherfliegen, Wanzen sowie in Planung für Zikaden, Libellen, Tagfalter, Laufkäfer und
Wildbienen.
Die Ursachenanalyse für Rückgänge von Tagfaltern und Widderchen wird voraussichtlich
im Jahr 2020 abgeschlossen.
Die Erkenntnisse aus den maßnahmenbezogenen Monitoringuntersuchungen sowie aus
dem FFH-Monitoring werden veröffentlicht. Aus dem Monitoring und den
Ursachenanalysen werden Schlussfolgerungen für die Ausgestaltung von
Schutzmaßnahmen gezogen.
Indikatoren
-
Anzahl Publikationen (Rote Listen)
-
öffentliche Verfügbarkeit von Monitoringergebnissen und Projektabschlussberichten
- Als Kennzahlen für maßnahmenbegleitendes Monitoring dienen Richtwerte für
funktionsfähige Lebensgemeinschaften (zum Beispiel ausreichendes Nahrungsangebot für
Vögel). Daraus gewonnene Kenntnisse beziehungsweise auch neue wissenschaftliche
Erkenntnisse werden genutzt, Maßnahmen anzupassen.
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Entwicklung und Erprobung neuer Verfahren zum Schutz von Insekten
Sachstand
Im Freistaat Sachsen wurden bereits mehrere Erprobungsprojekte zur Erhöhung der
Insektenvielfalt gestartet, von denen nachfolgend einige beispielhaft genannt werden. Im
Zuständigkeitsbereich der Landestalsperrenverwaltung werden im Rahmen eines
Pilotprojektes „Insektenschutz auf Deichflächen“ differenzierte Bewirtschaftungsmethoden
untersucht sowie in einem weiteren Projekt gezielte Maßnahmen zur Erhöhung der
Artenvielfalt und der Förderung streng geschützter und gefährdeter Bläulingsarten umgesetzt.
Ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben (FuE) im Lehr- und Versuchsgut Köllitsch (LVG)
erprobt innovative Methoden zur Verbesserung der Fachgrundlagen für Artenhilfsmaßnahmen
im Ackerbereich sowie in einem weiteren Projekt den zielorientierten Einsatz von
Blühmischungen für die sächsische Agrarlandschaft. Der Betriebsplan Natur des LVG enthält
Maßnahmen auf ausgewählten Flächen, die dem Schutz von Insekten dienen.
Die multifunktionale Versuchsbasis des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie (LfULG) mit ihren Versuchsstationen wird genutzt, um Fördermaßnahmen nach der
Richtlinie Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (RL AUK/2015) zu evaluieren und
Auswirkungen auf die Biodiversität einschließlich Insekten zu untersuchen. Zur Reduktion des

Entwurf „Handlungskonzept Insektenvielfalt“; Stand: 24.06.2019
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Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln wird im LVG Köllitsch die Erprobung und
Praxiseinführung von nichtchemischen Pflanzenschutzmaßnahmen wie der mechanischen
Unkrautbekämpfung sowie im Rahmen des FuE-Vorhabens „Überführung und
Praxisvalidierung neuer Verfahren des Pflanzenschutzes (Dropleg)“ ein innovatives
technologisches Verfahren zur Reduktion der Aufwandmenge als auch der Abdrift von
Pflanzenschutzmitteln bei der Ausbringung getestet.
Ziel
Die Staatsregierung wird darauf hinwirken, dass zur Erhöhung der Insektenvielfalt
praxistaugliche Maßnahmen entwickelt und unter den konkreten sächsischen
Rahmenbedingungen getestet werden.
Handlungsschwerpunkte
-
Reduktion der Pflanzenschutzmittel-Anwendungsmenge
-
Erprobung ackerbaulicher Verfahren zur Förderung der Ackerbegleitflora etablieren
-
Erprobung insektenfreundlicher Bewirtschaftungsformen im ökologischen Landbau
Umsetzung
In Vorbereitung befindliche und gestartete Modellvorhaben und Erprobungsprojekte
werden abgeschlossen, ausgewertet und finden Eingang in Schulungs-, Beratungs- und
Fördermaßnahmen.
Das Versuchswesen und die Beratung in enger Kooperation zwischen Landnutzern und
Naturschutz werden weiterentwickelt.
Aus den Erprobungsprojekten sollen Förderangebote konzipiert werden, in denen Aspekte
des Schutzes von Insekten zukünftig eine größere Rolle spielen. Die Ergebnisse fließen in
die Qualifizierung von Landnutzern zur naturschutzgerechten Flächenbewirtschaftung ein.
Aus Erprobungsprojekten werden Leitfäden zu Flächen im Verantwortungsbereich der
öffentlichen Hand entwickelt, die Eingang in das behördliche Handeln finden.
Indikatoren
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Anzahl der Umsetzungen erzielter Ergebnisse aus Projekten und Maßnahmen
Weiteres Vorgehen
Der vorliegende, durch das SMUL erarbeitete Entwurf für das „Handlungskonzept
Insektenvielfalt im Freistaat Sachen“ ist ressortübergreifend abzustimmen. Daran
anschließend ist eine Kabinettsbefassung im Herbst 2019 vorgesehen.
Nach Beschlussfassung wird im nachfolgenden Prozess ein Programm „Erhalt und Förderung
der Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ entwickelt. Im Rahmen der Programmerstellung
werden aus den im Konzept aufgeführten Handlungsschwerpunkten und
Umsetzungsvorschlägen konkrete, zielgruppenspezifische Maßnahmen abgeleitet sowie im
weiteren Prozess bei Bedarf angepasst und optimiert. Dabei erfolgt eine Differenzierung in
kurz- (2 Jahre), mittel- (5 Jahre) und langfristige (10 Jahre) Maßnahmen. In den Prozess der
Programmentwicklung, -umsetzung und -fortschreibung werden, entsprechend den
ressortspezifischen Zuständigkeiten und zur Verfügung stehenden
Finanzierungsinstrumenten, die verschiedenen Akteure und Interessenvertreter beteiligt. Die
Staatsregierung wird im Rahmen der Fortschreibung ihres „Programms Biologische Vielfalt
2020“ über den Status und die Ergebnisse des Programms „Erhalt und Förderung der
Insektenvielfalt im Freistaat Sachsen“ dem Sächsischen Landtag sowie der Öffentlichkeit
Bericht erstatten.