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Sächsisches Landesamt
Branchenbezogene Merkblätter
Stand: 07/00
für Umwelt und Geologie
zur Altlastenbehandlung
Bearbeiter: Kathrin Benndorf
(Prakt. HTW Dresden)
Dipl.-Ing. A. Sohr
Referat Altlasten
15
:
Historische Meilerstandorte
Seiten: 14
1
Branchentypisches Schadstoffpotential
1.1 Gesetzliche Grundlagen
Die in der DDR betriebenen Meileröfen wurden nach den gesetzlichen Richtlinien gebaut. Anforderungen
an den Umweltschutz waren im Landeskulturgesetz (LKG) vom 14.07.1970 und dessen Durchführungsver-
ordnungen formuliert.
Heute betriebene Meiler unterliegen den gesetzlichen Richtlinien des Bundesimmissionsschutzgesetzes
(BImSchG 1974) und sind somit als altlastenrelevanter Standort auszuschließen.
1.2 Geschichtliche Entwicklung
Geschichtliche Forschungen haben ergeben, dass die Holzköhlerei bis in die Steinzeit zurückgeht. In der
Bronze- und Eisenzeit verwendete man die Holzkohle zum Schmelzen der Metalle.(Zitat: D
USS, Paul: Die
Holzköhlerei ein uraltes Gewerbe. In:
http://www.bramboden.ch/PDKhlerei.htm,
S.1, Stand: 08. 05. 2000).
Auch die Regierungen interessierten sich in früheren Zeiten für Holzkohle, da diese neben der Anwendung
in den Gold-, Silber-, Kupfer- und Hufschmieden, den Eisengießereien, Ziegeleien und Glashütten, auch zur
Schwarzpulverherstellung verwendet wurde.
Benutzte man anfangs noch Erdgruben zur Holzkohlenerzeugung wurde seit dem 13. Jahrhundert das Holz
zu Meilern aufgestapelt und verbrannt. Regional bedingt konnten die jeweiligen Meiler unterschiedlich auf-
gebaut sein, funktionierten aber alle nach dem selben Prinzip. Auch heute noch wird Holzkohle nach dem
Meilerverfahren hergestellt, allerdings verwendet man gemauerte oder aus Stahlblech gefertigte Öfen, in die
das Holz eingebracht und danach unter geregelter Luftzufuhr verkohlt wird.
Jedoch wurde die Meilerverkohlung nach und nach ab Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Retorten-
verkohlung verdrängt und spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Der Vorteil der Retortenverkoh-
lung liegt darin, dass die zur Holzverkohlung erforderliche Wärmeenergie nicht durch Verbrennen eines
Teils der Holzcharge erzeugt wird, sondern durch äußere Beheizung der Retorte bzw. durch Einleiten heißer
Spülgase in die Retorte bereitgestellt wird, wodurch die Holzkohleausbeuten entsprechend höher liegen.
Damit das Handwerk des Köhlers nicht in Vergessenheit gerät, werden heute noch in einigen Regionen Mei-
ler nach der selben Bauweise von damals errichtet und, meist zu großen Veranstaltungen, entzündet und
somit Holzkohle wie vor Jahrhunderten üblich erzeugt.
1.3
Technologie
1.3.1 Meilerstandorte
Es werden nur die historischen Meilerstandorte betrachtet.
Der historische Meilerbau ist Präzisionsarbeit. Schon bei der Auswahl der Meiler- bzw. Kohlstätten mussten
folgende Punkte beachtet werden:
1) die Beschaffenheit des Bodens, hinsichtlich
a)
des Aggregatzustandes
b) der chemischen Natur,
2) die Lage und sonstige Umstände.
Zu 1)[a] Der Boden der Stätten musste wasseraufnahmefähig und luftdurchlässig sein; jedoch durfte weder
zuviel noch zu wenig Durchzug gestattet sein. So eignete sich ein nicht steiniger Lehmboden am besten für
die Köhlerei bzw. ein Gemisch aus Lehmerde und etwas schwarzer Lauberde. Ungeeignet waren dagegen
reine Lauberden und Sande (zu luftdurchlässig) sowie steinige Böden (ungleichmäßiger Luftzug) und Ton-
böden (wasser- und luftundurchlässig).
Zu 1)[b] Die chemische Beschaffenheit des Bodens war wichtig für den Verkohlungsvorgang. Benutzte man
zum Beispiel Tonerde zum Abdecken der Meiler, so backte diese beim Verkohlungsvorgang zusammen und
bildete über dem Holz eine feste Kruste, die leicht rissig werden konnte und somit luftdurchläs-

 
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sig. An diesen Stellen verbrannte dann mehr Holz und die Ausbeute an Holzkohle verringerte sich entspre-
chend.
Zu 2) Neben der Bodenbeschaffenheit war es wichtig, dass sich in der Nähe des Standortes Wasser befand,
der Platz wind- und vor Überschwemmungen geschützt war und wenn möglich, sich das nötige Verkoh-
lungsholz in der nahen Umgebung befand.
Wenn dennoch ein Platz als zukünftiger Meilerstandort gewählt wurde, der die gewünschten Eigenschaften
nicht erfüllte, so wurden Anpassungsmaßnahmen (z.B.: Mischen von Bodenarten, zerkleinern von Klumpen,
Anlegen von Windfängen ...) vorgenommen damit maximale Ausbeuten erzielt werden konnten.
Hatte man einen passenden Standort gewählt, wurde dieser vor der Meilererrichtung wie folgt vorbereitet:
Der Platz musste möglichst eben sein; notfalls wurden Unebenheiten beseitigt. In der Mitte setzte der Köhler
dann einen Pfahl (sogenannter Quandelpfahl) und zog um diesen mit einem langen, an den Pfahl gehaltenen,
Stock einen Kreis. Dieser Kreis war die Begrenzung des Meilers und maß zwischen 26 und 30 Fuß im
Durchmesser. Er wurde bis zu einer Tiefe von einem Fuß umgegraben und sowohl von Wurzeln als auch
von Steinen befreit. Die umgegrabene Erde wurde dann zur Verhinderung des Eindringens von Nässe und
zur Verbesserung des Luftzuges zur Mitte des Platzes hin kegelförmig aufgehäuft und danach sorgfältig
festgestampft. Die Höhe der Anhäufung richtete sich nach der chemischen Zusammensetzung des Bodens
und konnte bei sogenannten kalten Böden (Tonerden) bis zu einem Fuß zur Mitte hin betragen. Es war wei-
terhin sinnvoll, um die bearbeitete Grundfläche einen 30 bis 40 cm tiefen Graben zu ziehen, um den Stand-
ort gegen Überschwemmungen zu schützen. Dann wurde in der Mitte leicht entzündliches Brennmaterial
kegelförmig geschichtet oder in einem Viereck als Feuerschacht angelegt. Abhängig von der nun folgenden
Schichtung des zu verkohlenden luftgetrockneten Holzes unterscheidet man stehende und liegende Meiler.
Beim stehenden Meiler wurden die zu verkohlenden Holzscheite um den entstandenen Quandelschacht in
mehreren Lagen, so dicht wie möglich gepackt, schräg aufgerichtet, so dass die Neigung der Außenfläche
60° betrug. Auf dieses 1. Stockwerk folgten meist noch bis zu 3 weitere, so dass der Meiler übermannshoch
war und nur noch mit Leitern die Mitte (Quandelschacht) erreicht werden konnte. Das letzte Stockwerk
wurde durch flacher gelegte Holzscheite abgerundet, so dass der Meiler die Gestalt eines abgerundeten Ke-
gels hatte.
Beim seltener vorgekommenen liegenden Meiler wurden die Scheite um den Quandelschacht aufeinander-
gelegt, so dass sich eine halbkugelförmige Gestalt ergab.
Jetzt wurde mit Zweigen und Laub letztendlich mit einer Schicht Erde der Meiler luftdicht abgedeckt; ledig-
lich 4 bis 12 Öffnungen im unteren 1. Stockbereich für die Luftzufuhr wurden nicht mit Erde bedeckt. Die
Entzündung des Meilers erfolgte, indem der Köhler die Lufteintrittsöffnungen durchstach und den Quandel-
schacht mit glühender Holzkohle und trockenem Holz füllte und mit einem Deckel verschloss; gegebenen-
falls mehrfach Holz nachwarf. Die Verkohlung begann, indem der Köhler in die Decke des Meilers Rauch-
abzugslöcher stach. Die Verkohlungszone wurde so in der Form eines sich erweiternden Trichters vom
Quandelschacht her zum Fuß des Meilers hingezogen. Die Aufgabe des Köhlers bestand nun Tag und Nacht
darin, die Decke des Meilers während des Kohlungsvorganges dicht zu halten und eingesunkene Stellen zu
öffnen, mit Holzstücken nachzufüllen und erneut zu verschließen. Die Steuerung des Kohlungsvorganges
geschah im wesentlichen nach der Farbe des Rauches:
weißer Rauch deutete auf die Holztrocknung,
grauer Rauch auf die beginnende Verkohlung,
gelblicher Rauch auf die Verkohlung und
blauer Rauch auf das Ende der Verkohlung hin.
Je nach Holzart und -menge dauerte der Schwelungsprozess meist 3 bis 4 Wochen. Nach dem Ablöschen
des Meilers und dem Auskühlen des Meilergutes erfolgte das Kohleziehen, das Ausbringen, das Sortieren
und das Einsacken der erzeugten Holzkohle.
Danach wurde der Meilerplatz gesäubert und ein neuer Meiler auf dem selben Platz errichtet. Pro Saison er-
richtete der Köhler 4 selten 5 (wetterabhängig) Meiler (auch Umgänge genannt), wobei sich vom 1. bis 4.
bzw. 5. Umgang die Holzkohlenausbeute in der Regel steigerte. In der nächsten Saison und/oder bei Benut-
zen eines vorher schon von anderen Köhlern genutzten Platzes musste der Köhler sich vergewissern, ob sich
Brandschurf gebildet hatte. Brandschurf entstand durch das Versickern des bei der Holzverkohlung (wenn
auch in geringem Maß) entstandenen heißen Teers in den Boden, welcher einige Zentimeter eingedrungen,
sich abkühlte und so mit dem Boden eine Art feste schwarze Kruste bildet. Diese konnte nach 5 Umgängen
schon Dicken von bis zu einem Fuß erreicht haben und machte Wasser- und Luftdurchlässigkeit unmöglich.
Deshalb musste der Brandschurf aufgehackt werden, bevor der Köhler einen neuen Meiler auf diesem
Standort errichtete (Freytag, 1831; Wienhaus, 1984).
Der Produktionszeitraum der jeweiligen Meiler ist in der Regel genau angebbar, damit kann jedoch nichts
über die Häufigkeit der Nutzung gesagt werden, weil ein Meilerstandort nach dessen Betreiben für unbe-
stimmte Zeit unbenutzt oder genauso ohne Unterbrechung über Jahre hinweg genutzt worden sein konnte.
1.3.2 Holzverkohlung im Meiler

 
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Die Meilerverkohlung ist ein Verfahren, bei dem die für die Pyrolyse erforderliche Wärme durch den par-
tiellen Abbrand von Holz erzeugt wird. Dazu wird der Meiler zunächst unter Zufuhr von Luft in Brand ge-
setzt bis die nötige Verkohlungstemperatur von etwa 270°C erreicht ist. Bis zu etwa 170°C tritt kaum eine
merkbare Zersetzung der Holzsubstanz ein, hauptsächlich wird das mechanisch gebundene Wasser heraus-
getrieben. Lediglich geringe Mengen bilden sich bereits an Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Ameisen- und
Essigsäure aus den thermisch instabilsten Holzbestandteilen. Erst oberhalb 170°C beginnt sich das Holz -
zunächst endotherm - zu zersetzen, Kohlenmonoxid und Kohlendioxid wird in großen Mengen freigesetzt.
Es setzt dann bei 270°C eine stürmische exotherme Reaktion ein, was sich durch heftiges Qualmen des Mei-
lers bemerkbar macht. Durch Abdecken der Luftlöcher durch den Köhler wird jetzt die Zufuhr der Verbren-
nungsluft unterbunden. Erst jetzt beginnt der eigentliche Verkohlungsvorgang, bei dem die Temperatur im
Meiler durch die chem. Zersetzung des Holzes bis auf ca. 400°C ansteigt. In diesem Stadium wird die weit-
aus größte Menge der flüssigen und gasförmigen Zersetzungsprodukte gebildet, wie Essigsäure, Holzgeist,
Holzteer und Kohlenwasserstoffe, während sich im festen Rückstand der Kohlenstoffgehalt erhöht und der
Sauerstoffgehalt vermindert, d. h. sich das Holz in
Holzkohle
umwandelt. Art und Menge der einzelnen ent-
standenen Zersetzungsprodukte hängen auch von der Holzart ab. So konnte beim Verbrennen von harzrei-
chem Nadelholz
Holzteer
destilliert und von kaliumreichen Holz (z. B. Buche)
Pottasche
gewonnen wer-
den.
1.4 Schadstoffe
Holz besteht im Wesentlichen aus 3 Bestandteilen: Cellulose, Lignin und Hemicellulosen, die je nach
Holzart in unterschiedlichen Mengenanteilen vorliegen. Bei der Pyrolyse des Holzes laufen eine Vielzahl
komplexer chemischer Zersetzungsreaktionen ab, bei denen folgende Stoffe freigesetzt werden:
-
Holzgas: Zusammensetzung schwankt je nach dem Stadium der Verkohlung, anfangs mehr Kohlendi-
oxid und Kohlenmonoxid, gegen Ende mehr Methan und Wasserstoff.
-
Holzessig: Gemisch aus ca. 75% Wasser, 12% Essigsäure, Holzgeist sowie 10% gelöster Teer.
Essigsäure: mit ca. 10% Ameisensäure und höheren Homologen.
Holzgeist: Gemisch aus Methanol, Aceton, Methylacetat und sog. Holzgeistölen.
löslicher Teer: Gemisch aus Anhydroglucosen, Oxisäuren, Lactonen, Phenolen, Phenolharzen
u.a..
-
Holzkohle: kompliziertes Gemisch organischer Verbindungen mit 81-90% Kohlenstoff, 6% Sauerstoff,
3% Wasserstoff, 1% Stickstoff
, 6% Feuchtigkeit und 1-2% Asche.
-
Holzteer: Gemisch aus aliphatischen und aromatischen Verbindungen besonders Phenole bzw. substitu-
ierte Phenole, Phenolether und Guajakol.
-
Holzasche: Gemisch aus Carbonaten, Sulfaten, Phosphaten, Chloriden und Silicaten der Alkali- und
Erdalkalimetalle und Eisenoxide, das wenn kaliumreich zur Pottascheherstellung weiterverwendet
wurde.
Tabelle 1 zeigt aus welchem Bestandteil des Holzes die jeweiligen Produkte entstanden sind:
Holzbestandteil
Anteil [%]
Daraus entstandene Produkte
Lignin
20 - 30
Holzkohle, Holzteer, Wasserstoff, Methanol, Methan, Ethen, Wasser,
Teeröle, phenolhaltige Kondensate
Cellulose
40 - 50
Holzkohle, Holzteer, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid, Essigsäure,
Ameisensäure, Wasser
Hemicellulose
10 - 30
Essigsäure, Ameisensäure, Kohlenmonoxid, Methanol, Furfural, Was-
ser, phenolhaltige Kondensate
Die neben der Holzkohle entstandenen Produkte sind jedoch zum Teil aus der Schadstoffbetrachtung he-
rauszunehmen. Denn sowohl das Holzgas als auch der Holzessig und Teile des Holzteers verflüchtigten sich
bei den im Meiler herrschenden Temperaturen und gelangten in die Atmosphäre; im Fall des Holzessigs und
des Holzteeres in Form von Aerosolen (Stoffgemisch, das aus einem gasförmigen Dispersionsmittel und
flüssigen oder festen Bestandteilen, sog. Schwebstoffen besteht), die im allgemeinen nur wenige Stunden
beständig sind. Danach setzen sich die Schwebstoffe auf dem Boden ab und die gasförmigen Bestandteile
entweichen. Es ist demnach durchaus möglich, dass sich die Schwebstoffe in unmittelbarer Meilerstandort-
nähe abgelagert haben und aus der Betrachtung nicht zu streichen sind. Die nicht flüchtigen Bestandteile des
Holzteers gelangten in den Boden und bildeten mit diesem den sogenannten Brandschurf.

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Demnach ist auf dem Gelände von Meilerstandorten mit folgenden Schadstoffen zu rechnen:
Schadstoffe:
PAK: Anthracen, Phenanthren, Fluoranthen, Naphthalin, Benzo(a)pyren
BTEX
Phenole
MKW

 
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2
Hinweise zur Altlastenbehandlung
2.1 Altlastenrelevanz
Das Gefahrenpotential, welches von ehemaligen Meilerstandorten ausgeht, wurde jahrhundertelang nicht
beachtet und eher zufällig 1994 - 1996 im Zusammenhang mit den Erkundungsarbeiten an den ehemaligen
Mülldeponien Ansprung und Olbernhau (Erzgebirge) entdeckt.
Die durch den Verbrennungsvorgang des Holzes entstehenden Stoffe können vor allem eine Gefahr für das
Grundwasser, aber auch für Boden und Oberflächengewässer darstellen.
Das
Grundwasser
kann durch Auswaschen der in Punkt 1.4. genannten Schadstoffe verunreinigt werden.
Dies ist besonders kritisch, wenn dieses Grundwasser zur Trinkwassergewinnung verwendet wird.
Die Kontamination des
Bodens
und des
Oberflächenwassers
spielen eine untergeordnete Rolle; können
aber im Einzelfall (z.B.: auf dem ehemaligen Standort befindet sich derzeit ein Kinderspielplatz oder im O-
berflächengewässer wird Berufs- und Sportfischerei betrieben) sehr wohl relevant sein.
Emissionen in die
Luft
sind auf grund der Stillegung nicht mehr relevant.
2.2
Gefährdete Schutzgüter und relevante Pfade
Folgende Schutzgüter können gefährdet sein :
-
Grundwasser,
-
Boden,
-
Oberflächenwasser.
Menschen, Tiere und Pflanzen sind durch Nutzung der o. g. Schutzgüter bzw. durch direkten Kontakt ge-
fährdet.
2.3 Gefährdungsabschätzung
Wegen des möglichen Gefährdungspotentials ist in jedem Fall eine Gefährdungsabschätzung nach der Säch-
sischen Altlastenmethodik (Stufenprogramm) erforderlich.
Die schadstoffabhängigen Einflussfaktoren werden im folgenden spezifiziert. Im BN 1 wird vom ungüns-
tigsten Fall innerhalb des möglichen Spektrums ausgegangen. Im BN 2 wird die Bewertung auf die als rele-
vant ermittelten Schadstoffparameter ausgerichtet.
2.3.1 Verdachtsfallerfassung und Formale Erstbewertung
Die Verdachtsfallerfassung und Erstbewertung erfolgt nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR
UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1997) im Sächsischen Altlastenkataster (SALKA). Folgende Krite-
rien sind bei Meilerstandorten besonders zu beachten:
(7)
Art der Verdachtsfläche:
Meilerstandorte sind prinzipiell als Altstandorte zu betrachten und zu be-
werten.
(14) Fläche:
Die Größe der Betriebsfläche von Meilern ist sehr unterschiedlich; maximale Grundflächen
betragen erfahrungsgemäß 1000 m². Die Ausdehnung der Verdachtsfläche wird mittels Holzkohle-
funden und Standortauffälligkeiten erfasst. Typisch für die Verdachtflächen ist, dass auf diesen meh-
rere Meiler (jedoch nicht zeitgleich) betrieben worden sind und deren nicht verwendbare Produkte
(z.B.: Asche, nicht brauchbare Holzkohlestücke, Brandschurf) auf einer Art Halde neben den eigent-
lichen Meilern abgelagert wurden. Diese Halden konnten eine Mächtigkeit von mehreren Metern
aufweisen, bedeckten aber nur kleine Flächen und werden deshalb in der Abschätzung und der Be-
wertung der einzelnen Stufen flächenmäßig zum Standort dazugezählt aber nicht extra betrachtet.
(20S) Einordnung in Branchenschlüssel und Belastungsstufe:
Meilerstandorte zählen zur Hauptgruppe
1: Produzierendes und verarbeitendes Gewerbe

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Branchenschlüssel Branche Gefährdungsklassen
0960 Kohlemeiler 34
2.3.2 Historische Erkundung und Bewertung (Beweisniveau 1)
Die Historische Erkundung ist nach
SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1998) durch-
zuführen und nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 a)
für Boden, nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 b) für
Grundwasser und nach Fertigstellung entsprechend S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDWIRTSCHAFT (in Vorb. a) für Oberflächengewässer entsprechend SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR
UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorb.)zu bewerten.
Zugehöriges EDV-Programm: GEFA V3.0 nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDESENTWICKLUNG (1996 a und b).
Stoffgefährlichkeit - r
o
:
-
r
o
= 0.5-5.5, nach Brancheneinstufung
- Da beim Meilerbetrieb ausschließlich Holz verbrannt wurde, sind dessen Verbrennungs- und Zerset-
zungsprodukte zu betrachten.
Relevante Stoffe hierfür sind: PAK; BTEX; MKW und Phenole.
-
Die r
o
Werte für die jeweiligen Aufnahme-/Wirkpfade:
oral:
Σ
PAK r
o
= 5,4
MKW r
o
= 2,3
Mensch
Σ
BTEX r
o
= 3,6
Phenol r
o
= 2,9
Inhalativ (staubförmig):
Σ
PAK r
o
= 5,2
MKW r
o
= 2,2
Σ
BTEX r
o
= 3,5
Phenol r
o
= 1,9
Ökotoxikologischer Wert:
Benzo(a)pyren r
o
= 6,0
MKW r
o
= 5,5
Phenol r
o
= 4,6
[Quelle:
SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorb.)]
- Bei Oberflächengewässern ist die Stoffgefährlichkeit humantoxikologisch als r
o
(hum)
und ökotoxikolo-
gisch als r
o
(öko)
zu beachten und eine Bewertung nach dem im Handbuch zur Altlastenbehandlung Teil
5: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Oberflächenwasser, angegebenen Schema vorzuneh-
men.
- Ist der Boden ökologisch bedeutsam und ist Benz(a)pyren nachgewiesen, so ist der r
o
- Wert auf 6 auf-
zuwerten.
- Die Inhalationstoxizität für gasförmige Stoffe wird nicht angesetzt, da die meisten Meilerstätten schon
seit Jahren nicht mehr betrieben werden und deshalb keine relevanten Emissionen mehr stattfinden.
Örtliche Bedingungen, m-Werte:
Im folgenden werden die schadstoffabhängigen Einflussfaktoren eingegrenzt. Die spezifischen Standortbe-
dingungen sind bezogen auf den Einzelfall zu bewerten.
Grundwasser - m
I
- Oberflächenabdeckung: Bei Meilerstandorten ist eine Oberflächenabdeckung durch Bewuchs erfah-
rungsgemäß vorhanden:
m =
+/- 0.
-
Oberflächenabdichtung: Bei Meilerstandorten erfahrungsgemäß nicht vorhanden:
m =
+/- 0.
-
Kontaminationsfläche des Standortes: Flächen von maximal 1000 m².

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- Löslichkeit/ Aggregatzustand: Da leichtlösliche und flüssige Komponenten (z.B. Benzol, Toluol, Xylol
und Phenole) als Schadstoffe eine Rolle spielen:
m = +/- 0.
Grundwasser - m
II
- Sorption: Die Sorbierbarkeit (log SC) der vorkommenden Schadstoffe liegt zwischen 1,8 (Benzol, Tolu-
ol) und 5,3 (Benz
(a)pyren). Für den Austrag wird die geringste Sorbierbarkeit herangezogen. In Abhän-
gigkeit vom Humus- und Tongehalt ergeben sich dann folgende Werte: Anteil Humus bzw. Ton
schwach-mittel:
m = +/- 0 bzw. stark:
m = - 0,1.
-
Lösungsvermittler: Benzol wirkt gegenüber PAK als Lösungsvermittler:
m =
+ 0,1.
- Acidität des Bodens: pH - Wert bei Meilerstandorten erfahrungsgemäß sauer (pH <6), aufgrund des
jahrhundertelang erfolgten Nachforstens schnellwüchsiger Baumarten (Fichte) um die Holzversorgung
zu gewährleisten.
- Abbaubarkeit: Der Abbau von PAK´s, BTEX, Phenol und MKW ist möglich, zum Teil aber mit langen
Abbauzeiten verbunden (z.B.: Toluol und Xylol langsamer Abbau, Benzol leichter abbaubar, PAK bio-
logisch schlecht abbaubar, abhängig von der Ringanzahl der Verbindungen), es erfolgt deshalb kein
Abschlag:
m =
+/- 0.
Grundwasser - m
III
- Abbaubarkeit: Abbau der relevanten Schadstoffe ist prinzipiell möglich, aber mit langen Abbauzeiten
verbunden, teilweise sind nur Transformationen zu erwarten (z.B. kann Xylol transformiert werden).
Kein Abschlag möglich:
m =
+/- 0.
Grundwasser - m
IV
- Aufbereitungsmöglichkeiten: Standard in Trinkwassergewinnungs-/Wasseraufbereitungsanlagen ist eine
mechanische Reinigung (Abfiltern von Schwebestoffen), Belüftung des Wassers, das Entfernen von Ei-
sen und Mangan und eine Desinfektion (Chlorierung).
Boden - m
I
- Fallzuweisung: Bei Meilerstandorten im allgemeinen Fall 1: Der zu schützende Boden ist die Altlast
selbst; daraus ergibt sich der Ausgangswert m
I
= 1,0.
-
Kontaminationsfläche des Standortes: Flächen bis maximal 1000 m².
- Abdeckung und Bewuchs: Erfahrungsgemäß vorhanden:
m =
+/- 0. Jedoch fehlt aufgrund der Abhol-
zung der alte Baumbestand (z.B.: Buche) um die Meilerstätten – teilweise sogar gar kein Baumbewuchs
vorhanden.
Boden - m
II
-
Entfernung: Wenn die zu schützende Fläche selbst Altlastverdachtsfläche ist: Ausgangswert m
II
= 1,2.
Boden - m
III
- Abbaubarkeit im Boden: Wesentlicher chemischer und mikrobieller Abbau der relevanten Schadstoffe
Phenol, MKW, BTEX möglich; bei PAK ist der Abbau möglich (abhängig von der Ringanzahl): daraus
ergibt sich der Ausgangswert m
III
= 0,9.
-
Verweilzeit im Boden: BTEX und Phenol sind leicht lösliche Stoffe, die PAK sind teilweise schwer lös-
lich:
m =
+/- 0.
-
Sorption-Bindungsstärke:
Bewertung bzgl. oraler Schadstoffaufnahme: Bei den PAK weisen Benz
(a)pyren und Phenanthren hohe
Sorptionskoeffizenten auf, Phenol und BTEX niedrige; in Abhängigkeit vom Humusgehalt des Bodens
ist die Sorption einzuschätzen:
m =
-0,1 bis + 0,1.
Bewertung bzgl. Bioverfügbarkeit: Organische Stoffe sind gering (PAK) bis gut (Phenol) bioverfüg-
bar;
m =
+/- 0.
Boden - m
IV
Im Stadium der Historischen Erkundung liegen im allgemeinen keine Analysenwerte vor.

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Oberflächenwasser - m
I
- Fallzuweisung: Prinzipiell sind alle 6 Fälle möglich, jedoch werden nur die Fälle 1,2 und 3 (3. nur bei
spärlichem Bewuchs) betrachtet, da die restlichen 3 Fälle als wenig relevant angenommen werden kön-
nen.
Fall 1: (Schadstoffe im Grundwasser): Der m
I
-Faktor wird aus dem beim Grundwasserpfad bestimmten
Faktoren m
I(G)
, m
II(G)
und m
III(G)
gebildet.
Fall 2: (Schadstoffe im Sickerwasser): Ausgangswert m
I
(2) = 1,2.
- Oberflächenabdeckung: wirksame Oberflächenabdeckung erfahrungsgemäß vorhanden:
m = +/- 0.
- Oberflächenabdichtung: erfahrungsgemäß keine wirksame Oberflächenabdichtung vorhanden:
m = +/- 0.
- Kontaminationsfläche des Standortes: erfahrungsgemäß maximal 1000 m².
- Löslichkeit/ Aggregatzustand: Da leichtlösliche und flüssige Komponenten (z.B. Benzol, Toluol, Xylol
und Phenole) als Schadstoffe vorhanden sind:
m =
+/- 0.
- Fall 3: (Wasser- und Winderosion):Ausgangswert m
I
(3) = 1,0.
- Löslichkeit/ Aggregatzustand (bei Wassererosion): Da leichtlösliche und flüssige Komponenten (z.B. Ben-
zol, Toluol, Xylol und Phenole) als Schadstoffe eine Rolle spielen:
m = + 0,1.
Oberflächenwasser - m
II
Der Schadstoffeintrag ist für die relevanten Fälle getrennt zu ermitteln.
Fall 1: Der Eintrag ist um so größer, je
- größer die Übergangsfläche Grundwasser/ Oberflächenwasser im Abstrombereich des
Schadherdes ist,
-
größer die Transportgeschwindigkeit im Grundwasser ist,
-
geringer der Schadstoffrückhalt beim Übergang ist.
Fall 2: Der Eintrag ist um so größer, je
-
häufiger ein Sickerwasserzutritt erfolgt,
-
größer die zufließende Sickerwassermenge ist.
Fall 3: Der Eintrag ist um so größer, je
-
näher das Gewässer am Schadherd ist,
-
größer das Gefälle auf der Strecke Schadherd/ Gewässer ist (Wassererosion),
-
ungehinderter der Abfluss erfolgen kann (Wassererosion),
-
größer die Gewässeroberfläche im Einflussbereich der Winderosion ist,
-
geringer der Staubrückhalt durch Vegetation ist (Winderosion).
Oberflächenwasser - m
III
Ausschlaggebend für den m
III
- Ausgangswert ist, in welchem Maße eine Verdünnung erfolgt.
Biologischer Abbau: Abbau der relevanten Schadstoffe möglich; in Abhängigkeit der Fliessgeschwindigkeit
des Gewässers Abschläge von - 0,1 bis - 0,3 möglich.
Oberflächenwasser - m
IV
Es wird im Wesentlichen die Nutzung des Oberflächenwassers durch den Menschen bewertet, ausgehend
von der humantoxikologischen Stoffgefährlichkeit.
Wird ein weiterer Handlungsbedarf festgestellt, folgt die Orientierende Untersuchung (E
1-2
).
2.3.3 Orientierende Untersuchung und Bewertung (Beweisniveau 2)
Die Orientierende Untersuchung ist nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT- UND
LANDESENTWICKLUNG (1995 b) für Boden, nach SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDESENTWICKLUNG (1995 a) für Grundwasser und nach Fertigstellung entsprechend SÄCHSISCHES
STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (in Vorb. a) für Oberflächengewässer durchzu-
führen und die Bewertung nach S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorb.) vorzu-
nehmen.

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Um Kenntnisse über Art und räumliches Ausmaß der Kontamination zu erlangen, sind chemisch-
physikalische Untersuchungen notwendig.
Das folgende Untersuchungsprogramm enthält das – im konkreten Fall nach den Ergebnissen der Histori-
schen Erkundung anzupassende – Analysenspektrum für Boden und Grundwasser (bzw. Eluat) sowie eine
mögliche Parametererweiterung für die Detailuntersuchung ( Beweisniveau 3). Spezielle Einzelsubstanzen
werden im Stadium der Orientierenden Untersuchung meist noch nicht untersucht. Auf Beweisniveau 2
nachgewiesene Substanzen müssen selbstverständlich bei der Detailuntersuchung weiter untersucht werden.
Bei der Analytik sind die jeweiligen DIN-Verfahren anzuwenden.
Untersuchungen des Grundwassers:
Die Entnahme von Grundwasserproben hat im Zu- und Abstrom zu
erfolgen. Die jeweiligen Entnahmetiefen richten sich nach den jeweiligen Standortgegebenheiten.
-
Bestimmungen bei der Probenahme:
Wassertemperatur
Geruch
Färbung
Trübung
pH-Wert
Redoxpotential
Leitfähigkeit
Sauerstoffgehalt
Gesamthärte
-
Untersuchungen im Labor:
Organische Parameter:
PAK (16 Einzelsubstanzen nach EPA)
BTEX
MKW
Phenolindex
Untersuchungen des Bodens:
Mittels Bodenproben aus unterschiedlichen Teufenbereichen (zuerst oberflä-
chennah) ist das relevante Schadstoffspektrum von Meilerstandorten zu untersuchen. Zur Ermittlung des
Hintergrundwertes ist eine Vergleichsprobe außerhalb der altlastverdächtigen Fläche zu entnehmen.
-
Bestimmung bei der Probenahme:
Aussehen
Geruch
Konsistenz
Homogenität
Trockenrückstand
pH-Wert
-
Eluat aus der Bodenprobe:
Geruch
Färbung
pH-Wert
Leitfähigkeit
Organische Parameter:
PAK (16 Einzelsubstanzen nach EPA)
BTEX
MKW
Phenolindex
Untersuchungen der Oberflächengewässer:
Um eine Beeinträchtigung durch Schadstoffe festzustellen, sind physikalisch-chemische Untersuchungen im
Wasser sowie im Sediment erforderlich. In Fliessgewässern sollte mindestens eine Probe im Anstrom ober-
halb des Meilerstandortes genommen werden, um die Hintergrundbelastung zu ermitteln. Es sind die glei-
chen Parameter wie bei den Grundwasser- und Bodenproben zu ermitteln. Es erfolgt ein Vergleich der im
Gewässer gemessenen Schadstoffgehalte mit den entsprechenden Orientierungswerten.

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FORMALE BEWERTUNG
Die formale Bewertung ist analog Punkt 2.3.2 mit entsprechend genaueren Aussagen durchzuführen.
Stoffgefährlichkeit - r
o
:
Die Stoffgefährlichkeit wird nicht mehr anhand der Branche bestimmt wie im Beweisniveau 1, sondern an-
hand der als relevant ermittelten Schadstoffparameter aus dem Untersuchungsprogramm. Dabei ist die
höchste Stoffgefährlichkeit der als relevant ermittelten Schadstoffe maßgebend. Konnten keine der für Mei-
lerstandorte als relevant bekannten Schadstoffe auf einer Verdachtsfläche nachgewiesen werden , so ist die
untere Grenze r
o
= 0,5 bei der weiteren Berechnung zu verwenden.
Ausnahme: Wenn sich aufgrund der spezifischen Standort- und Stoffeigenschaften sowie der Stoffmengen
aus einem niedrigeren r
o
– Wert ein höherer Risikowert ergibt, so ist dieser Stoff für die Bewertung auszu-
wählen.
Grundwasser - m
I
bis m
III
-
Löslichkeit: Die Löslichkeit ist entsprechend den Untersuchungsergebnissen für die als relevant ermittel-
ten Stoffe zu spezifizieren.
-
Sorption: Die Sorption ist entsprechend den Untersuchungsergebnissen zu spezifizieren. Sind z. B. nur
PAK relevant und der Standort weist mittel humosen Boden auf, so wird die Sorption mit
m = -0,1 be-
wertet.
-
Abbaubarkeit: Die Abbaubarkeit ist entsprechend den Untersuchungsergebnissen zu spezifizieren.
Grundwasser - m
IV
Die
Bewertung ist nach S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorb.) vorzunehmen.
Es sind auch die
aktuellen LAWA - Werte enthalten.
Boden - m
I
bis m
III
-
Löslichkeit: Die Löslichkeit ist anhand der Untersuchungsergebnisse zu spezifizieren.
-
Sorption: siehe Boden Pkt. 2.3.2
-
Abbaubarkeit: Die Abbaubarkeit ist anhand der Untersuchungsergebnisse zu spezifizieren. Z.B.: werden
ausschließlich leichter abbaubare Stoffe wie Phenole und BTEX nachgewiesen, so ist m
III
= 0,8 anzuset-
zen.
Boden - m
IV
Zur Bewertung des Bodens ist die Bundesbodenschutz- und Altlastenverordnung (Anhang 2 BBodSchV)
(1999) mit den darin enthaltenen Prüf- und Maßnahmenwerten heranzuziehen. Ergänzend zu den gesetzli-
chen Werten sind die Besorgniswerte und Dringlichkeitswerte nach
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT
UND
GEOLOGIE (in Vorb.) zu verwenden.
Oberflächenwasser - m
I
bis m
III
Die jeweiligen Parameter sind anhand der Untersuchungsergebnisse zu spezifizieren.
Oberflächenwasser - m
IV
Zur Bewertung von Oberflächengewässern werden Besorgniswerte nach
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR
UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorb.) entsprechend den Zielvorgaben der LAWA verwendet.
Nach der Bewertung auf BN 2 folgt bei weiterem Handlungsbedarf die Detailuntersuchung (E
2-3
).
2.3.4 Detailuntersuchung und Bewertung auf Beweisniveau 3

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Für die als Pilotprojekt von ENMOTEC Ingenieurges.mbH untersuchten Holzmeilerstandorte südlich der
Stadt Olbernhau wurden keine Detailuntersuchungen notwendig, da die Bewertung der Ergebnisse gemäß
der
Sächsischen Altlastenmethodik ergeben hat, dass die ursprünglich anhand von Bodenuntersuchungen im Be-
reich der ehemaligen Deponien Ansprung / Olbernhau – Rübenauer Strasse konstatierte hohe Gefährdung
der Schutzgüter Boden und Wasser durch kohlmeilertypischer Schadstoffe nicht bestätigt werden konnte.
Die Belastung wurde nach den vorliegenden Ergebnissen für das Schutzgut Grundwasser als gering, für das
Schutzgut Boden als sehr gering und für das Schutzgut Oberflächenwasser als nicht nachweisbar einge-
schätzt.
Prinzipiell sind Detailuntersuchungen nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDWIRTSCHAFT (in Vorb. b) mit dem Ziel durchzuführen, genaue Kenntnisse über Art und Ausmaß der
Kontamination gegenüber den Schutzgütern (Boden, Grund- und Oberflächenwasser) zu erhalten bei Über-
schreitung von Prüf- bzw. Besorgniswerten (innerhalb der OU). Die Bewertung erfolgt nicht mehr mittels
GEFA.
Besonders wichtige Punkte der Detailuntersuchung sind:
-
genauest mögliche Abgrenzung der Kontamination in der Tiefe bzw. deren Verbreitung,
-
verbale, standort- und nutzungsbezogene Expositionsbetrachtung; Sickerwasserprognose
-
nicht mehr nur punktuelle Konzentrationsbetrachtungen sondern Frachtbetrachtungen
In der Phase der Detailuntersuchung ist das Untersuchungsspektrum bei entsprechenden Hinweisen aus der
Orientierenden Untersuchung gezielt auf spezielle Schadstoffe auszudehnen.
Im Ergebnis der Gefährdungsabschätzung kann der Bedarf einer Sanierung mit Sanierungsuntersuchung,
einschließlich eventueller Nutzungseinschränkung, eine fachtechnische Überwachung , ein Belassen im oder
ein Ausscheiden (im Ausnahmefall) des Altlastenverdachtsfalles aus dem Altlastenkataster stehen.
Bei der Entscheidung für eine Sanierung ist für jeden relevanten Schadstoff ein vorläufiger Sanierungsziel-
wert festzulegen.
2.4 Sanierungsuntersuchung
Hat die Gefährdungsabschätzung die Notwendigkeit einer Sanierung ergeben, ist auf der Basis eines vorläu-
figen Sanierungszielwertes eine Sanierungsuntersuchung nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR
UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (1999) durchzuführen.
2.5 Sanierung
Prinzipiell ist der Einsatz aller Sanierungsverfahren, d.h. Dekontaminations- und Sicherungsverfahren, oder
falls deren Anwendung nicht möglich oder unzumutbar ist, Schutz- oder Beschränkungsmaßnahmen denk-
bar.
Die Wahl des Verfahrens hängt von den standortspezifischen Bedingungen und von den Schadstoffvertei-
lungen ab.
Grundwasserdekontaminationsverfahren eignen sich für Phenole, PAK und BTEX, jedoch gibt es keine An-
gaben über geeignete Verfahrenskombinationen mit denen Schadstoffe parallel entfernt werden können.
Das selbe Problem taucht auch bei den Bodendekontaminationsverfahren auf. Grundsätzlich jedoch:
sind pneumatische Verfahren als Methode auszuschließen, da diese sowohl für Phenole, als auch für
BTEX bzw. PAK nicht geeignet sind,
können mikrobiologische Verfahren angewandt werden, da die relevanten Schadstoffe PAK, Phenole,
BTEX und MKW prinzipiell biologisch abbaubar sind,
eignen sich thermische Behandlungen, jedoch werden bei einigen dieser Verfahren besondere Anforde-
rung an das zu sanierende Bodenmaterial gestellt; z.B. nichtmineralische Komponenten (Holz) dürfen
nur in begrenzten Mengenanteilen bzw. gar nicht im kontaminierten Material vorhanden sein,
eignen sich bei den chemisch - physikalischen Verfahren Waschverfahren für die Schadstoffentfernung.
Die Durchführung der Sanierung erfolgt nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDWIRTSCHAFT (2000).

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2.5.1 Anbieter von Leistungen zur Altlastenbehandlung
Firmen und Einrichtungen, die sich mit der Behandlung von Altlasten beschäftigen, sind dem Anbieterver-
zeichnis von Leistungen zur Altlastenbehandlung im Freistaat Sachsen zu entnehmen. Informationen aus
diesem Verzeichnis sind über die IHK- Niederlassungen Sachsens erhältlich.

 
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3 Literaturangaben
Hinweis
:
Das Branchenblatt wurde im Rahmen des praktischen Semesters der Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie bearbeitet und erstellt.
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(1971): Brockhaus abc Chemie, 1. Aufl., 3. Nachdruck, Bd. 1, Brockhaus, Leipzig
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Rücksicht auf das in der Grafschaft Stollberg - Wernigerrode übliche Verfahren, Verlag von Gottfr. Basse,
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ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1996a): Gefährdungsabschät-
zung, Pfad und Schutzgut Grundwasser. Anlage 7: Schadstoffpfad Grundwasser; Merkmale, Tabellen und
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Teil 3, Anlage 7, Dresden
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Abkürzungen
IHK
Industrie- und Handelskammer
LAWA Länderarbeitsgemeinschaft Wasser