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M. HEIERMANN
1
, G. DILGER
2
, K. HOFMANN
1
, P.RIEDEL
1
1
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
2
Bundesverband Geothermie e.V.
Deliverable D.T4.2.1
Draft strategies for
the use of shallow geothermal energy in
the investigated target regions and cities
05 2019
Maßnahmenkatalog zur
Förderung Oberflächennaher
Geothermie im Vogtland

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Page 1
Kontakt Autor:
karina.hofmann@smul.sachsen.de
Das involvierte GeoPLASMA-CE-Team
Landesamt
für
Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (PP04)
M. Heiermann, K. Hofmann, P. Riedel
Bundesverband
Geothermie
e.V.
(PP02)
G. Dilger

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Page 2
Inhalt
1. Vorwort ..................................................................................................................... 3
2. Hintergrund ................................................................................................................ 4
2.1. Oberflächennahe Geothermie ...................................................................................... 4
2.1.1. Vorteile ................................................................................................................ 5
2.1.2. Risiken ................................................................................................................. 5
2.2. Das Vogtland ............................................................................................................ 6
2.3. Bestandsaufnahme: Wärmebedarf im Vogtland ................................................................. 6
2.4. Rechtliche Rahmenbedingungen und Genehmigungsverfahren ............................................. 7
2.5. Fördermöglichkeiten.................................................................................................. 7
3. Interviews mit Interessenvertretern ................................................................................. 9
3.1. Chancen.................................................................................................................. 9
3.2. Barrieren ............................................................................................................... 10
3.3. Lösungsansätze........................................................................................................ 11
4. Umsetzung und Zielstellung der Maßnahmen ..................................................................... 13
Anhang A ...................................................................................................................... 14

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Page 3
1. Vorwort
Das vorliegende Dokument beinhaltet Maßnahmenvorschläge zur Erhöhung des Marktanteils der
Oberflächennahen Geothermie an der Wärmebereitstellung im Vogtland. Der Maßnahmenkatalog ist
vorrangig an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Vogtlandkreises und seiner Kommunen gerichtet,
welche aufgrund ihrer Funktion mit Belangen umweltfreundlicher Wärmebereitstellung in Berührung
kommen, z. B. als Energiebeauftragter, Bauleitplanerin oder Mitarbeiter der unteren Wasserbehörden, und
in der Lage sind, einzelne Maßnahmen in die Realität umzusetzen.
Anhand des vorliegenden Dokumentes sollen Wege zum Erreichen der im Klimaschutzteilkonzept
Erneuerbare Energien Vogtlandkreis
festgelegten Ziele aufgezeigt werden. Im Bereich Oberflächennahe
Geothermie ist dies eine jährliche Wärmebereitstellung von 40 GWh bis zum Jahr 2030. Diese Zielsetzung
ist gemessen am aktuellen Stand durchaus ehrgeizig und erfordert eine Verdoppelung des jährlichen
Zubaus an installierter Heizleistung sowie eine Verdreifachung der Anzahl gegenwärtig (Ende 2017) im
Vogtlandkreis betriebener Erdwärmeanlagen.
Das Dokument ist Teil der Ergebnisse des EU-Projektes „GeoPLASMA-CE“
zur Förderung der
Oberflächennahen Geothermie in Mitteleuropa. In sechs z. T. grenzüberschreitenden Pilotgebieten werden
neben der Bereitstellung von geowissenschaftlichen Daten in einem Web-Portal auch das rechtliche
Umfeld der Oberflächennahen Geothermie analysiert sowie Empfehlungen zur EU-weiten Harmonisierung
von technischen Standards erarbeitet. Einzelheiten zu den Projektzielen und –inhalten können unter
folgendem Link abgerufen werden:
https://www.interreg-central.eu/Content.Node/GeoPLASMA-CE.html
.
Das Web-Portal mit Kartenanwendungen zum Thema Oberflächennahe Geothermie ist unter
http://portal-stage.geoplasma-ce.eu
zu finden.
Das Projekt GeoPLASMA-CE ist auf die geothermische Nutzung von Grundwasserbrunnen und
Erdwärmesonden fokussiert. Aus diesem Grund beziehen sich die folgenden Inhalte ausdrücklich nicht auf
Kollektorsysteme.
Eines der 6 Pilotgebiete ist das Pilotgebiet Vogtland-Westböhmen, dessen deutscher Teil den größten Teil
des Vogtlandkreises abdeckt (siehe Abbildung 1). Aufgrund der näherungsweisen Übereinstimmung
beziehen sich alle folgenden Angaben über den deutschen Teil des Pilotgebietes auf den Landkreis
Vogtland.
Im Rahmen des Projektes wurden regionale Strategien erarbeitet, welche die Förderung der
Oberflächennahen Geothermie und daraus resultierend eine Erhöhung ihres Marktanteils in den einzelnen
Pilotgebieten zum Ziel hat. Für das Vogtland ist diese Strategie in Form des vorliegenden
Maßnahmenkatalogs konkretisiert. Eine Umsetzung der Maßnahmen innerhalb des Projektes ist aufgrund
der kurzen Projektlaufzeit nicht möglich. Die Umsetzung einzelner Maßnahmen oder eine mögliche
Integration in das bestehende „Energiekonzept Vogtlandkreis“ liegt daher weitestgehend im Ermessen der
lokalen Behörden.

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Page 4
Abbildung 1: GeoPLASMA-Pilotgebiet Vogtland/Westböhmen (schwarz umrandet) und
Vogtlandkreis (grau unterlegt).
2. Hintergrund
2.1. Oberflächennahe Geothermie
Der Begriff
“Oberflächennahe
Geothermie”
bezieht sich auf die Nutzung natürlicher Erdwärme aus Tiefen
bis 400 m.
Prinzipiell werden 3 Arten der Nutzung oberflächennaher geothermischer Energie unterschieden:
-
Erdwärmesonden sind geschlossene Systeme, bei denen mit Trägerflüssigkeit gefüllte (Kunststoff-)
Rohre vertikal meist in Tiefen bis ca. 80-150 m angeordnet sind und die von ihrer Funktionsweise
her unabhängig von Grundwasservorkommen sind;
-
geothermische Brunnensysteme sind offene Systeme, in denen Grundwasser aus einem
Förderbrunnen entnommen, durch einen Wärmetauscher im Gebäude geleitet und danach über
einen Schluckbrunnen wieder in den Aquifer zurückgepumpt oder oberflächennah versickert wird;
-
Erdwärmekollektoren sind geschlossene Systeme, die in einer sehr geringen Tiefe von weniger als
2 m einer großen Fläche Wärmeenergie durch mit Trägerflüssigkeit gefüllte Leitungen, die z. B. als
Körbe, Spiralen oder Mäander angeordnet sind, entziehen.
Das Projekt GeoPLASMA-CE ist auf die Nutzung von geothermischen Brunnensystemen und
Erdwärmesonden fokussiert. Aus diesem Grund beschäftigt sich das vorliegende Dokument nicht mit
Kollektorsystemen.

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Page 5
2.1.1. Vorteile
Die Nutzung oberflächennaher geothermischer Energie erlaubt eine grundlastfähige, nachhaltige
Versorgung mit Wärme bzw. Kälte ohne Abgabe von Emissionen wie z. B. Lärm, Feinstaub oder Gas. Die
Anwendungsmöglichkeiten sind sehr vielfältig und reichen von der Heizung von Einfamilienhäusern über
Kühlung von Bürogebäuen und Stallungen bis zur Enteisung von Weichen und der Einspeisung in
Nahwärmenetze.
Wärmeerzeugung durch Oberflächennahe Geothermie ist prinzipiell dezentral, d. h. auf keine spezielle
Infrastruktur angewiesen und daher auch im ländlichen Raum zukunftsfähig; es muss lediglich der
Anschluss an das Stromnetz sichergestellt sein. Monopole (wie z. B. von Fernwärme-Netzbetreibern)
können sich nicht bilden. Wärmeversorgung durch Oberflächennahe Geothermie zeichnet sich daher durch
hohe Resilienz aus.
Erdwärmenutzung ist kurzfristigen Preisfluktuationen von fossilen Energieträgern an den internationalen
Märkten deutlich weniger stark unterworfen als Öl- oder Gasheizungen, da die laufenden Kosten im
wesentlichen durch den Strompreis bestimmt werden. Der Anteil von fossilen Energieträgern am
deutschen Strommix sinkt stetig. Die laufenden Kosten sind somit recht stabil und leicht kalkulierbar.
Oberflächennahe Geothermie bietet somit einen hohen Grad an Autarkie, bezogen sowohl auf benötigte
Infrastruktur als auch auf überregionale Energiepolitik.
Die Nutzung Oberflächennaher Geothermie steht in völligem Einklang mit den energiepolitischen
Strategien der Bundesregierung, wie z. B. Sektorenkopplung und
Aufbau von „Smart Grids“,
mit dem Ziel
der Dekarbonisierung. Gesteuerter Strombedarf ist als
wichtiges Element der „Smart Grids“ zur
Vermeidung von Spitzenlasten und zur effizienten Nutzung von Kapazitäten von zunehmender Bedeutung.
Oberflächennahe Geothermie ist daher eine stark zukunftsträchtige Technologie.
Die Abwesenheit von Emissionen am Nutzungsort, der geringe Platzbedarf von Erdwärmesonden und
Brunnen sowie das Fehlen von visuellen Beeinträchtigungen wie z. B. bei Luftwärmetauschern oder Split-
Klimageräten machen Oberflächennahe Geothermie auch im urbanen Raum sowie im Denkmalschutz
attraktiv.
Bei entsprechender Planung kann dieselbe Installation im Winter für Heizzwecke und im Sommer zur
Kühlung verwendet werden. Klimatisierung insbesondere von öffentlichen Gebäuden wie Krankenhäusern,
Altersheimen etc. wird zukünftig an Bedeutung gewinnen.
2.1.2. Risiken
Bei den mit der Oberflächennahen Geothermie verbundenen Risiken kann man zwischen Fündigkeitsrisiko
und Bohrrisiko unterscheiden.
Das Fündigkeitsrisiko ist für offene Systeme, d. h. eine Kombination aus Förder- und Schluckbrunnen, von
wesentlicher Bedeutung und beschreibt den Fall, dass kein Grundwasserleiter mit ausreichend hoher und
stabiler Schüttungsrate und entsprechender Qualität (Chemismus) angetroffen wird und das Projekt somit
nicht realisiert werden kann. Geeignete hydrogeologische Bedingungen sind im Vogtland tatsächlich kaum
gegeben; dementsprechend kommen offene Systeme im Vogtland selten zur Anwendung. In Bezug auf
geschlossene Systeme beschreibt das Fündigkeitsrisiko die Möglichkeit, dass im Untergrund nicht die
erwarteten Wärmeleitfähigkeiten bzw. Temperaturgradienten angetroffen werden. Eine mögliche Ursache
besteht in der Vernachlässigung von bestehenden Erdwärmenutzungen in der Nachbarschaft, da diese sich
negativ auf die zu erwartenden Untergrundtemperaturen auswirken können. Auch fehlende geologische
Untergrundkenntnisse können als Ursache für Fehlplanungen angesehen werden. Als Konsequenz müssen
entweder eine verringerte Effizienz der Anlage in Kauf genommen oder zusätzliche Bohrmeter abgeteuft
werden.

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Page 6
Beispiele für Bohrrisiken sind Spülungsverlust durch Erbohren von Störungen, instabiler Untergrund bei
Lokation auf Aufschüttungen, Nachfall von Gestein in mechanisch instabilen geologischen Strukturen oder
Anbohren eines vorgespannten Grundwasserleiters. Bohrrisiken werden durch die geologische
Stellungnahme des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, erteilt im Rahmen
des Genehmigungsverfahrens, weitgehend vermindert. Erfahrung und Ortskenntnis der Bohrmannschaft
sowie Einhalten der technischen Standards verringern die Bohrrisiken weiter. Sie können aber niemals
ganz ausgeschlossen werden.
Eine effiziente Anlage mit störungsfreiem Betrieb kann nur durch fachmännische Planung und
Durchführung unter Einhaltung der technischen Standards errichtet werden.
2.2. Das Vogtland
Das Vogtland bildet den südwestlichsten Teil des Freistaates Sachsen. Mit rund 164 Einwohnern pro
Quadratkilometer ist es ein dünn besiedeltes, ländlich geprägtes Gebiet mit dem ca. 65.000 Einwohner
zählenden Plauen als Oberzentrum.
Das Gelände steigt vom flacheren Nordwesten mit Höhen um 450 m zum Erzgebirge hin bis auf über 900 m
an. Die Jahresmittel-Temperatur beträgt je nach Höhenlage ca. 6
9°C. Das Klima ist kontinental geprägt,
dementsprechend sind die Winter häufig kalt und schneereich.
Geologisch betrachtet wird der nördliche Teil des Landkreises von der Vogtländischen Mulde bestimmt,
während der südliche Teil zu den kristallinen Komplexen der Fichtelgebirgs-Erzgebirgs-Antiklinale gehört.
Die thermischen Eigenschaften der Gesteine sind sehr variabel; z. B. weisen Granite und Quarzite eine
sehr gute Wärmeleitfähigkeit auf, und radiogene Wärmeproduktion von Graniten kann sich auch in der
Oberflächennahen Geothermie durch erhöhten Wärmefluss bemerkbar machen. Durch die kleinräumige
Verteilung der Gesteine ist die Verwendung von geothermischen Potenzialkarten zur Planung von
Erdwärmesonden unerlässlich.
Die Nähe zum Egergraben bewirkt das Aufsteigen von Heilwässern im südlichen Vogtland. In diesem
Zusammenhang ausgewiesene Heilwasserschutzgebiete schließen die Nutzung von Erdwärme in einem
kleinen Teil des Vogtlandkreises (<4% der Gesamtfläche) genehmigungsrechtlich aus.
2.3. Bestandsaufnahme: Wärmebedarf im Vogtland
Die hier vorgelegten Zahlen und Fakten wurden der Fortschreibung 2018 des Klimaschutzteilkonzepts
Erneuerbare Energien Vogtlandkreis
sowie der Anlagenstatistik des Sächsischen Landesamtes für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie entnommen.
Der Wärmebedarf des Vogtlandkreises beträgt rund 3,6 TWh pro Jahr. Er wird überwiegend durch die
fossilen Energieträger Erdgas und Mineralöl gedeckt. An dritter Stelle folgt die Versorgung durch Fern-
bzw. Nahwärme, die zumeist ebenfalls durch emissionsreiche, konventionelle Energien bereitgestellt wird.
Diese stellt gegenwärtig einen Anteil von 8 % des Wärmebedarfs von Privathaushalten, Tendenz fallend. Im
Landkreis bestehen 12 überwiegend mit Erdgas betriebene Fernwärmenetze sowie mehrere
Nahwärmenetze, welche auf Biomasse (Holz, Biogas) basieren.
Im Jahr 2016 wurden 338 GWh, d.h. 9 % des gesamten Wärmebedarfs im Vogtlandkreis, durch Erneuerbare
Energien gedeckt. Auf Privathaushalte bezogen betrug ihr Anteil 10 %.
Die Verwendung von Holz als Energieträger ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Ebenfalls gestiegen
sind die Anteile von Solarthermie und Wärmepumpen an der Wärmebereitstellung, jedoch spielen sie noch
eine recht geringe Rolle: Fast 90 % der aus Erneuerbaren Energien bereitgestellten Wärme stammt aus
Biomasse.

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Der Anteil von Erdwärmenutzungen an der Deckung des gesamten Wärmeenergiebedarfs ist gegenwärtig
noch verschwindend gering (< 0,5 %). Ende März 2018 waren im Vogtlandkreis rund 720 Erdwärmesonden, 6
geothermische Brunnensysteme sowie etwa 55 Kollektoren bekannt. Geothermische Brunnensysteme
stellten aufgrund der hydrogeologischen Verhältnisse im Vogtland weniger als 1 % der installierten
Leistung; registrierte Kollektoren stellten weitere 3 %. Erdwärmesonden lieferten somit den weitaus
größten Anteil der insgesamt rund 13 GWh thermischer Energie aus Oberflächennaher Geothermie, welche
bei einer installierten Spitzenleistung von ca. 9,6 MW zu Heizzwecken bereitgestellt wurde. Dem
gegenüber steht eine installierte Leistung von nur 0,5 MW für Kühlungszwecke. Zuwachsraten der
Erdwärmenutzung betragen seit 2011 stetige 4,5
5 % pro Jahr, jeweils bezogen auf die Vorjahresleistung.
Lediglich im Zeitraum 2015/16 fiel der Zuwachs kurzzeitig auf unter 3 %.
Eine Studie des IE Leipzig aus dem Jahr 2009 ermittelte für das Vogtland ein Potenzial von rund 1 TWh pro
Jahr für Wärmebereitstellung durch erdgebundene Systeme. Die Oberflächennahe Geothermie ist demnach
stark ausbaufähig.
2.4. Rechtliche Rahmenbedingungen und Genehmigungsverfahren
Erdwärme ist ein bergfreier Bodenschatz, d. h. das Eigentum an Erdwärme ist nicht an die
Eigentumsverhältnisse des Grundstückes gekoppelt, sondern unterliegt dem Bergrecht. Im Allgemeinen
wird bei Bohrungen bis 100 m Tiefe allerdings auf ein bergrechtliches Verfahren verzichtet. Ausnahmen
dazu bilden z. B. die Nutzung von Erdwärme über die Grundstücksgrenze hinaus (d. h. thermische
Beeinflussung des Nachbargrundstücks) oder eine gewerbliche Nutzung.
Unabhängig von der Tiefe muss die Bohrung auf jeden Fall angezeigt werden. In Sachsen erfolgt dies über
das Onlinesystem ELBA.SAX, zu finden unter
https://antragsmanagement.sachsen.de/ams/elba
,
oder
durch postalisches Einsenden der entsprechenden Formulare an das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie. Nach Prüfung des Vorhabens wird gegebenenfalls das Sächsische
Oberbergamt hinzugezogen und ein bergrechtliches Verfahren eingeleitet.
Auch das Grundwasser gehört nicht dem Eigentümer des Grundstücks. Aus diesem Grund sowie aus
Gründen des Grundwasserschutzes muss zusätzlich eine Genehmigung der zuständigen unteren
Wasserbehörde eingeholt werden. Durch Nutzung von ELBA.SAX werden beide Schritte, wasserrechtliche
Erlaubnis und Bohranzeige,
gleichzeitig in die Wege geleitet.
2.5. Fördermöglichkeiten
Mit dem Marktanreizprogramm stellt der Bund finanzielle Mittel zur Förderung erneuerbarer
Heiztechnologien in privaten Haushalten und Unternehmen zur Verfügung. Für Geothermieanlagen bis 100
Kilowatt Heizleistung werden direkte Investitionszuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und
Ausfuhrkontrolle (BAFA) ausbezahlt. Zugangsbedingungen und Höhe der Förderung werden regelmäßig
angepaßt. Gegenwärtig (Stand: August 2018) ist die Voraussetzung eine Jahresarbeitszahl von mindestens
3,8 in bestehenden Wohngebäuden und 4,0 in bestehenden Nichtwohngebäuden, bei Neubauten
unterschiedslos mindestens 4,5. Als Basisförderung werden in bestehenden Gebäuden 100 € pro Kilowatt
(Wärmepumpen-)Leistung bezahlt. Es gilt darüber hinaus eine Mindestförderung von 4.000
€,
bei Anlagen
mit Erdsonden sogar 4.500 € (Abb. 2).
Bei besonders effizienten Anlagen mit einer Jahresarbeitszahl von mindestens 4,5 kann eine
Innovationsförderung beantragt werden. Der Grundbetrag erhöht sich dabei für Anlagen in
Bestandsgebäuden um 50 %.
Für Neubauten ist nur die Innovationsförderung verfügbar (Jahresarbeitszahl min. 4,5). Der Nutzer erhält
100 € pro Kilowatt und mindestens 4.000 € bzw. 4.500 € (Abb. 2).

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Page 8
Weitere Boni sind für die Lastmanagementfähigkeit, die Kombination mit anderen Erneuerbaren Energien
und eine besondere Gebäudeeffizienz verfügbar. Informationen werden auf der Seite des Bundesamtes für
Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) unter
www.bafa.de
zur
Verfügung gestellt.
Abbildung
2:
Zusammensetzung
der
Marktanreizprogramm-Zuschüsse
im
Bestandsgebäude, Stand August 2018. Quelle: BVG.
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau
(KfW) vergibt mit ihrem Programm „Erneuerbare Energien (Premium)“
zinsvergünstigte Darlehen und Tilgungszuschüsse für oberflächennahe Geothermieanlagen mit einer
Wärmepumpenleistung von mehr als 100 Kilowatt. Die Beantragung erfolgt über die Hausbank.
Antragsberechtigt sind Privatpersonen gleichermaßen wie Unternehmen oder Kommunen. Auch hier
werden Zugangsvoraussetzungen und Förderhöhe regelmäßig angepaßt. Der Zins ist von der Höhe des
Darlehens abhängig und beginnt bei 1,0 % (Stand: August 2018). Die Tilgungszuschüsse
betragen 80 € pro
Kilowatt sowie mindestens 10.000 € und höchstens 50.000 € pro Anlage.
Bei der Errichtung von Erdsonden
bis 400 m Tiefe
werden 4 € pro
Bohrmeter, ab 400 m Tiefe
6 €
pro Bohrmeter bezahlt.
Als Fördervoraussetzung gilt eine Mindestjahresarbeitszahl von 3,8, die Einrichtung einer automatischen
Fernausleseeinrichtung sowie der Einbau einer effizienten Umwälzpumpe (Stand: August 2018). Zudem
sind Nahwärmenetze förderfähig. Informationen werden auf der Seite der Kreditanstalt für Wiederaufbau
auf
www.kfw.de
zur Verfügung gestellt.
Hinzu kommen zeitlich oder regional begrenzte Fördermaßnahmen, z.B. durch Energieversorger, regionale
Energieagenturen oder Kommunen. Für Sachsen wurden in der Vergangenheit EFRE-Fördermittel über die
Sächsische Aufbaubank (SAB) angeboten.

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Page 9
3. Interviews mit Interessenvertretern
Im Rahmen des Projektes ausgeführte Interviews mit Interessenvertretern aus dem Vogtland boten die
Möglichkeit, örtliche Gegebenheiten kennenzulernen und aus verschiedenen Standpunkten zu betrachten.
Die ebenfalls mit den Interviewpartnern durchgeführten SWOT-Analysen dienten dazu, lokalspezifische
Barrieren herauszuarbeiten und Chancen aufzuzeigen. Es kamen viele Aspekte zur Sprache, die Einfluss auf
den Erfolg der Oberflächennahen Geothermie im Vogtland haben könnten und dementsprechend in einer
Strategie zu ihrer Förderung berücksichtigt werden sollten. Da diese Aspekte oftmals ineinander verwoben
sind und zusammenhängen, werden sie hier in mehreren Themenkomplexen zusammengefasst. Die
Reihenfolge der Themen oder Punkte stellt dabei keine Wertung dar.
3.1. Chancen
Die Interviewpartner nannten überwiegend Punkte, welche wenig spezifisch für das Vogtland, sondern
zutreffend für ganz Deutschland sind.
1. Demographischer Wandel
Der Vogtlandkreis weist das höchste Durchschnittsalter aller Landkreise im Freistaat Sachsen auf (Stand
2015). Die fortschreitende Verschiebung der Altersstruktur könnte neue Marktimpulse geben. Durch die
notwendige Modernisierung zu altersgerechtem Wohnraum bzw. Neubau von Seniorenwohnungen und
Pflegeheimen könnte zusätzliche Nachfrage nach Heizsystemen entstehen und somit auch
Oberflächennaher Geothermie Anwendungsraum bieten.
2. Marktlage
Nachfrage nach umweltfreundlichen Heizsystemen wird vor allem im Bereich des Neubaus durch
gesetzliche Auflagen wie EEG und EnEV geschaffen.
Einige Interviewpartner erwarten einen Anstieg der Nachfrage für Kühlung, angetrieben zum einen durch
Klimaveränderungen, zum anderen durch gestiegene Ansprüche an die Wohnumgebung. Allgemein wird die
Nachfrage an Kühlung aber als eher gering eingeschätzt.
Steigende Preise für fossile Energieträger erhöhen die Wirtschaftlichkeit von oberflächennahen
Erdwärmenutzungen und verkürzt ihren Amortisationszeitraum.
3. Günstige deutschlandweite energiepolitische Rahmenbedingungen
Die Nutzung Oberflächennaher Geothermie steht in völligem Einklang mit den Zielen der Bundesregierung
in den Bereichen Klima- und Energiepolitik
zu nennen sind hier insbesondere die Reduktion von
Treibhausgasen,
die Elektrifizierung des Wärmebedarfs sowie die Entwicklung von „Smart Grids“.
Erdwärmenutzung wird daher durch das Marktanreizprogramm gefördert.
4. Hohe Standards
In einer Umfrage des Vogtlandkreises u. a. zur Akzeptanz Erneuerbarer Energien wurde Erdwärme an
Platz 2 der bevorzugten Erneuerbaren Energien genannt (nach Solarenergie). Dies unterstreicht das
Vertrauen der Bürger in die Technologie. Hohe technische Standards und ein Zertifizierungssystem tragen
dazu bei.

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3.2. Barrieren
1. Hohe Kosten
Für Entscheidungsträger ist die Wirtschaftlichkeit von primärer Bedeutung. Berücksichtigt werden müssen
nicht nur die hohen Anschaffungskosten (bei Altbau-Sanierung ggf. weiter erhöht durch Umbau des
bestehenden Leitungs- und Heizkörper-Systems), sondern auch der Amortisationszeitraum. Die
Preisentwicklung fossiler Brennstoffe (Heizöl, Gas) in den letzten Jahren hat wesentlich dazu beigetragen,
dass insbesondere Gasthermen finanziell attraktiv erscheinen. Je nachdem, welche zukünftige Entwicklung
für den Gaspreis angesetzt wird, kann gegenwärtig von einer Amortisationsperiode von 8-10 Jahren für
Erdwärmesonden ausgegangen werden. Dies erscheint vielen Investoren zu lang bzw. zu unsicher.
Zugang zu Fördermitteln und Zuschüssen für die Errichtung von Erdwärmeanlagen wird durch eine große
Zahl verschiedener Programme sowie häufige Änderungen der Zugangsvoraussetzungen erschwert.
Insbesondere größere Unternehmen zeigen sich in dieser Hinsicht unsicher, was ihre Möglichkeiten für eine
staatliche Förderung anbelangt.
2. Mangel an Bekanntheit
Erdwärme verfügt im Vogtland bereits über einen relativ guten Bekanntheitsgrad und eine hohe
Akzeptanz. Allerdings besteht insbesondere in Unternehmen und Behörden Bedarf an weiterführendem
Fachwissen.
3. Planungsunsicherheit
Die Dauer des Genehmigungsverfahrens wird häufig kritisiert und erschwert eine effiziente Ablaufplanung
durch den Bauherren. Um eine Gefährdung des Grundwassers mit größtmöglicher Sicherheit
auszuschließen, kann die Genehmigung Auflagen beinhalten, die auf hydrogeologischen Gutachten beruhen
und deren Ausmaß für den Antragsteller im Vorfeld schwer abzuschätzen ist. Für Förderbrunnen kommt
hinzu, dass ausreichende Ergiebigkeit und Grundwasserqualität sowie zeitliche Stabilität eines
Grundwasserleiters Voraussetzung sind.
Die Datenlage ist für eine effiziente Planung häufig unzureichend; z.B. sind Informationen über thermische
Potentiale im Vogtlandkreis derzeit noch nicht veröffentlicht. Angaben über bestehende Anlagen wie z. B.
Entzugsleistung oder Teufe werden für eine Planung benötigt, um eine gegenseitige Beeinflussung
benachbarter Anlagen zu vermeiden; diese Angaben sind aber aus Datenschutzgründen nicht öffentlich
erhältlich, sondern werden nur in Einzelfällen (z. B. bei Großanlagen oder starker Grundwasserströmung)
im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zugänglich gemacht.
Für eine effiziente Planung fehlen auch detaillierte Langzeitberichte (Monitoring) von bestehenden
Anlagen. Planungssicherheit bezüglich Effizienz und Lebensdauer von Anlagen sind insbesondere für
Großinvestoren notwendig für die wirtschaftliche Betrachtung eines Geothermie-Projektes.
4. Mangelnde Nachfrage im Vogtland
Die Bevölkerungszahlen des Vogtlandkreises sinken deutlich und damit auch der absolute Wärmebedarf. Da
insbesondere jüngere Leute die Gegend verlassen, steigt der Anteil der Rentner an der Bevölkerung (2015:
28,3 %).
Rund 60 % des Wohnbestands wurde vor 1950 errichtet. Die Modernisierungsrate (thermische Isolierung,
Heizungserneuerung) im Vogtlandkreis wird dennoch als unterdurchschnittlich eingeschätzt. Die
Altersstruktur der Bevölkerung sowie die 15 % unter sachsenweitem Durchschnitt liegende Finanzkraft des
Landkreises spielen dabei sicherlich eine große Rolle.

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Page 11
Im ländlichen Raum können vielfach Energieträger verwendet werden, die im urbanen Umfeld Konflikte
auslösen würden. Als Beispiel seien Holzöfen genannt, welche aufgrund von Emissionen und Platzbedarf im
städtischen Umfeld nur eingeschränkt genutzt werden können, in einer von Landwirtschaft geprägten
Siedlungsstruktur mit großen Grundstücken und vielfach auch Zugang zu Holz aus Privatbesitz jedoch eine
billige und gängige Ergänzung zur Zentralheizung darstellen.
Die zukünftige Nachfrage nach Kühlung wird für den Vogtlandkreis überwiegend als recht gering
eingeschätzt. Eine der großen Stärken der Oberflächennahen Geothermie kommt somit nicht voll zum
Tragen. Kühlung ist dementsprechend zwar im Maßnahmenkatalog berücksichtigt, bildet aber keinen
Schwerpunkt.
5. Ungünstige regionalpolitische Rahmenbedingungen
Die Oberflächennahe Geothermie wird in den derzeit gültigen Policy-Dokumenten nicht erwähnt bzw.
erhält einen sehr geringen Stellenwert. Durch den Landesentwicklungsplan Sachsen ist kein Mandat
gegeben, welches eine besondere Berücksichtigung der Oberflächennahen Geothermie in Regionalplänen
nach sich ziehen würde. Auf politischer Ebene kann daher wenig Einflussnahme durch
Interessensvereinigungen ausgeübt werden. Verbindliche Ziele oder Handlungsanweisungen können nicht
in die entsprechenden Dokumente aufgenommen werden.
3.3. Lösungsansätze
Die oben genannten Barrieren stellen die Punkte dar, an denen nach Möglichkeit angesetzt und eine
Änderung herbeigeführt werden kann. Hilfsmittel auf dem Wege dorthin können die in Kap. 3.1 genannten
Chancen sowie die in Kap. 2.1 genannten Stärken der Oberflächennahen Geothermie darstellen.
Die in Folge genannten Lösungsansätze werden im Maßnahmenkatalog, Anhang A, ausgeführt.
1. Hohe Kosten
Eine Umfrage des Landratsamtes Vogtlandkreis ergab, dass monetäre Gründe für > 80 % der befragten
Personen ausschlaggebend waren, Energie einzusparen. Dies illustriert die Bedeutung der finanziellen
Hürde und lässt schließen, dass eine verbesserte Wirtschaftlichkeit sich signifikant und nachhaltig auf den
Absatz von Erdwärmenutzungen auswirken würde. Dem Kostenfaktor muss daher im Maßnahmenkatalog
ein angemessener Stellenwert eingeräumt werden. Dazu gehören vorrangig die Vermittlung von
finanziellen Langzeit-Benefits, erleichterter Zugang zu Fördermitteln durch Bereitstellen von konkreten,
aktuellen
und
leicht
verständlichen
Informationen
darüber
sowie
eine
Verbesserung
der
Planungssicherheit.
-
Zugang zu bestehenden Förderprogrammen erleichtern,
-
lokale, zusätzliche Fördermittel bereitstellen,
-
Monitoring-Programm fördern unter Veröffentlichung der so erworbenen Informationen,
-
Aufklärung über langfristige finanzielle Vorteile.
Konkrete Maßnahmen zu diesem Thema finden sich im Anhang auf den Seiten 22 und 23.

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Page 12
2. Mangel an Bekanntheit
Zusätzlich zu Kampagnen zur Steigerung des allgemeinen Bekannheitsgrades sollten verstärkt spezifische
Zielsetzungen verfolgt werden:
-
Training für Mitarbeiter der Behörden,
-
Unterstützung hoher technischer Standards durch Publikation von Best Practice Beispielen,
-
Aufklärung mit Fokus auf Langzeit-Benefits (Heizkosten, Umwelt, energiepolitische Ziele),
-
Aufklärung zum Thema Sondernutzungen (z. B. Enteisung),
-
Aufklärung zum Thema Kühlung.
Konkrete Maßnahmen zu diesem Thema finden sich im Anhang auf den Seiten 15 bis 20.
3. Planungsunsicherheit
Im Vogtland besteht Planungsunsicherheit im Wesentlichen in Bezug auf mangelnde Verfügbarkeit von
Informationen über Eigenschaften des geologischen Untergrund sowie bereits installierter Anlagen. Auf
diese Punkte sollte sich entsprechend konzentriert werden, z. B. durch
-
Bereitstellung von geowissenschaftlichen Daten,
-
Förderung eines Monitoring-Programmes unter Veröffentlichung der so erworbenen Informationen,
-
Empfehlung einer freiwilligen Veröffentlichung einiger Anlagenparameter.
Konkrete Maßnahmen zu diesem Thema finden sich im Anhang auf den Seiten 25 bis 29.
4. Mangelnde Nachfrage im Vogtland
Da die Marktlage durch die angesprochenen Akteure kaum beeinflussbar ist, gibt es außer den
bestehenden legislativen Mitteln (EnEV, EEG) bzw. ihrer Durchsetzung wenig Möglichkeiten, auf die
Nachfrage einzuwirken. Hier muss im Wesentlichen auf die Vorreiterrolle der öffentlichen Hand verwiesen
werden.
Eventuell
lässt
sich
die
Nachfrage
nach
Kühlung
oder
Sondernutzungen
durch
Aufklärungsmaßnahmen steigern.
-
Priorisierung von Oberflächennaher Geothermie bei der Sanierung oder Erstellung öffentlicher
Gebäude und Anlagen
-
Analyse des Potentials für Grubenwassernutzungen.
Konkrete Maßnahmen zu diesem Thema finden sich im Anhang auf den Seiten 16, 18 und 27.
5. Ungünstige regionalpolitische Rahmenbedingungen
Da Policy-Dokumente auf höherer Ebene keine Zielsetzungen oder Anweisungen bezüglich
Oberflächennaher Geothermie beinhalten, müssen Akteure auf lokaler Ebene aktiviert werden.
-
Gezielter Dialog mit den einzelnen Kommunen,
-
Ansprechpartner für Kommunen und Landkreis bestimmen (z. B. für die Koordination von
Maßnahmen).

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Page 13
4. Umsetzung und Zielstellung der Maßnahmen
Der Maßnahmenkatalog gliedert sich nahtlos ein in die übergeordneten Ziele zur Reduktion von
Treibhausgasemissionen und Bereitstellung von Energie aus Erneuerbaren Energien, welche von der
deutschen Bundesregierung, dem Freistaat Sachsen und dem Vogtlandkreis angestrebt werden.
Im Einzelnen sind die Ziele im Klimaschutzkonzept
Erneuerbare Energien Vogtlandkreis
niedergelegt. Im
Zusammenhang mit Oberflächennaher Geothermie sind insbesondere die folgenden Ziele relevant:
-
Reduktion der absoluten Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 % bzw. bis 2050 um 80 % bis
95 % gegenüber 1990,
-
Bereitstellung von 20 % des Energiebedarfs aus Erneuerbaren Energien.
Das Klimaschutzteilkonzept entwirft zwei Zukunftsszenarien. In Bezug auf die Oberflächennahe
Geothermie geht das
Trend-Szenario
von einer weiterhin konstanten jährlichen Zuwachsrate von ca. 5 %
aus, um für das Jahr 2030 eine Wärmebereitstellung von 28 GWh/a zu erreichen. Angesichts der
zunehmenden Beliebtheit von Luft-Wärmepumpen erscheint es jedoch unwahrscheinlich, dass diese
Zuwachsrate im gegenwärtigen Markt- und Förderumfeld gehalten werden kann, ohne zusätzliche
Maßnahmen zu ergreifen. Um die Annahmen des
Aktiv-Szenarios
zu erfüllen, d. h. eine
Wärmebereitstellung von 40 GWh/a bis 2030 durch ca. 2.300 Erdwärme-Anlagen, müsste ab 2019 sogar
mehr als die doppelte Zuwachsrate, rund 11 % jährlich, erreicht werden. Dazu sind umfangreiche und
koordinierte Maßnahmen zur Förderung der Oberflächennahen Geothermie notwendig, wie sie im Anhang
dargestellt sind.
Die Auswahl und Umsetzung der Maßnahmen obliegt dabei dem Landkreis und den einzelnen Kommunen,
da der Zeitrahmen des Projektes GeoPLASMA-CE (Laufzeit bis Ende Juni 2019) dies nur für einzelne
Maßnahmen zulässt. Eine Koordinierung der Maßnahmen durch die Energieleitstelle wird als wesentlich für
den Erfolg erachtet und wird ausdrücklich empfohlen.
Die Bewertung der Wirksamkeit der einzelnen Maßnahmen kann anhand der Erfolgsindikatoren durch den
Initiator vorgenommen werden oder zentral durch die Energieleitstelle Vogtlandkreis.
Die Bewertung der Wirksamkeit des Maßnahmenkatalogs insgesamt sowie die Position in Bezug auf das
definierte Ziel von 40 GWh/a Wärmebereitstellung durch ca. 2.300 Anlagen kann anhand der durch das
Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bereitgestellten Anlagenstatistik
vorgenommen werden.

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Anhang A
Maßnahmenkatalog zur Förderung der Oberflächennahen
Geothermie im Vogtland

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1
Visualisierung
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Erhöhung des Bekanntheitsgrades
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LfULG, LRA Vogtlandkreis
Zielgruppe
Öffentlichkeit, Endnutzer
Hintergrund
Die Vorteile der Oberflächennahen Geothermie hinsichtlich Klimaschutz und laufenden Kosten werden i.a.
bei der Wahl einer Wärmequelle nicht ausreichend berücksichtigt.
Die Maßnahme zielt darauf ab, diese Vorteile deutlich sichtbar zu machen.
Beschreibung
1. Identifizierung eines geeigneten (öffentlichen) Gebäudes mit hohem Publikumsverkehr (z. B. Rathaus,
Kfz-Zulassungsstelle, Arbeitsagentur),
2. Identifizierung eines geeigneten (öffentlichen) Geothermie-Projektes,
3. Einbau eines Datenloggers mit online-Datenübermittlung, falls nicht bereits vorhanden,
4.
Aufhängen eines Bildschirms mit „Ticker“ an gut sichtbarer Stelle (z. B. Eingangsbereich,
Wartebereich), welcher aktuelle Daten zur Wärmebereitstellung und/oder Einsparung von THG im
Vergleich zur Gastherme anzeigt,
5.
Begleitendes Aufstellen des
„Geothermie“-Exponates
der Ausstellung „Sachsen hebt seine Schätze“.
Erfolgskriterien
„Ticker“ errichtet bzw. Exponat aufgestellt für min. 3 Monate

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2
Erstinformation von Bauherren
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Erhöhung des Bekanntheitsgrades
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, Bauämter der Kommunen, LfULG
Zielgruppe
Endnutzer
Hintergrund
Oberflächennahe Geothermie wird bei der Errichtung von Gebäuden nur selten als Energiequelle genutzt,
obwohl gerade im Neubau die Gegebenheiten für eine geothermische Nutzung optimal sind. Häufig spielt
neben der Höhe der Erstinvestition auch die Ablaufplanung eine Rolle: Eine Erdwärmenutzung wird zu spät
in Betracht gezogen, um noch effizient in den Projektablauf integriert werden zu können.
Potenzielle Nutzer sollen frühzeitig dazu angeregt werden, sich über Oberflächennahe Geothermie zu
informieren.
Beschreibung
1. Erstellung eines einseitigen Informationsblattes zur Oberflächennahen Geothermie mit den Inhalten:
Vorteile für Bauherren und Umwelt
Funktionsprinzip
Leicht verständliche Erklärung zum Genehmigungsverfahren unter Angabe der örtlich üblichen
Vorlaufzeiten
Weblink zu GeoPLASMA-CE Kartenmaterial (Standorteignung)
Kontakt für Informationen zu Fördergeldern (BAFA)
Kontakt für weiterführende Informationen im Vogtlandkreis (Energieleitstelle)
2. Automatische Verteilung des Informationsblattes durch das Liegenschaftsamt an Erwerber von Bauland
3. Automatische Verteilung durch das Bauamt an Grundstücksbesitzer nach erfolgter Bauanzeige
Erfolgskriterien
Informationsblatt erstellt
Automat. Verteilung eingeleitet

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3
Grundlagenseminar Geothermie für kommunale Mitarbeiter
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Mobilisierung kommunaler Akteure
Langfristig,
regelmäßig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG
Zielgruppe
Energiebeauftragte, Umweltamt, Wasserbehörden, Bauamt, Bauleitplanung, Stadtrat, Regionalplanung
Hintergrund
Mitarbeiter der Kommunen sind oft nur indirekt mit Belangen der Oberflächennahen Geothermie betraut
und verfügen häufig über kein spezielles Wissen. Neben Vermittlung von allgemeinen Informationen sollen
die beruflichen Berührungspunkte mit Oberflächennaher Geothermie herausgearbeitet werden.
Beschreibung
Informationsveranstaltung (z. B. im Rahmen von B.05
Interkommunaler Austausch Erneuerbare Energien
des Klimaschutzteilkonzepts
Erneuerbare Energien Vogtlandkreis
) mit den folgenden Inhalten:
Funktionsprinzip
Vorteile für Bauherren und Umwelt
Landnutzungskonflikte und Genehmigungsverfahren
Eingliederung in Umweltziele des Landkreises
Möglichkeiten der Bauleitplanung
Benennung von Ansprechpartnern innerhalb der Kommunen bzw. des Landkreises
Betonung der Vorreiterrolle der öffentlichen Hand
Erfolgskriterien
Veranstaltung hat stattgefunden, Besucherzahl > 10

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4
Nebennutzungen
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Bekanntheitsgrad von Kühlung und Enteisung erhöhen
kurzfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG
Zielgruppe
Logistik-Gewerbe, Verkehrsbetriebe Straße/Bahn, Straßenmeisterei, Autobahnmeisterei, Planungsbüros,
Wohnungsbaugesellschaften
Hintergrund
Erdwärmeanlagen im Vogtlandkreis werden überwiegend zur Wärmeversorgung von Wohngebäuden
verwendet. Der Kühlung von Wohn- und Bürogebäuden, Stallungen usw. wird gegenwärtig ein
überraschend geringer Stellenwert eingeräumt. Einspeisung in Wärmenetze bzw. Kühlsysteme (siehe
Maßnahme 5
Informationsveranstaltung Nahwärme
) findet derzeit noch nicht statt. Auch weitere
Anwendungen, wie die Enteisung von Verkehrsflächen (Autobahnbrücken, Logistikbetriebe) und Weichen
oder die Temperierung von landwirtschaftlichen Nutzflächen zur Erntesicherung (Spargelanbau, Weinbau)
und in der Fischzucht werden im Vogtlandkreis nicht angewendet.
Die Maßnahme zielt auf die Förderung von Nebennutzungen, insbesondere der Gebäudekühlung.
Beschreibung
1. Zusammenstellung von möglichen Anwendungsgebieten der Oberflächennahen Geothermie mit
konkreten Beispielen;
2. Fokussierung auf Nebennutzungen mit hohem Potential im Vogtlandkreis (Kühlung von öffentlichen
Gebäuden wie Schulen und Altenheimen, Kühlung von Eigenheimen und Bürogebäuden, Enteisung);
3. Erarbeiten von Präsentations- und Informationsmaterial;
4. Gezieltes Ansprechen der Zielgruppe in einer Vortragsveranstaltung.
Erfolgskriterien
Veranstaltung mit > 10 Besuchern

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5
Informationsveranstaltung Nahwärme
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Eignung für Nahwärmeversorgung
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, BVG, TUBAF Fakultät 4
Wärmetechnik, SAENA
Zielgruppe
Stadtwerke,
Energieversorger,
Netzbetreiber,
Sächs.
Immobilien-
und
Baumanagement,
Wohnungsbaugesellschaften, Planungsbüros
Hintergrund
Oberflächennahe Geothermie ist grundlastfähig und eignet sich für die Nutzung in Nahwärme- oder
Anergienetzen bzw. Kühlsystemen. Damit können z. B. große Gewerbebetriebe, öffentliche
Gebäudekomplexe oder ganze Wohngebiete zentral mit Erdwärme oder Kühlung versorgt werden.
Die Maßnahme zielt darauf ab, die Möglichkeiten der Oberflächennahen Geothermie in Wärmenetzen
aufzuzeigen, und kann mit Maßnahme D.07
Nahwärme im Landkreis
verbunden werden.
Beschreibung
1. Erstellen einer Präsentation mit Begleitmaterial zu folgenden Inhalten:
Erarbeitung leicht verständlicher Schulungsmaterialien (Folien) über techn. Voraussetzungen und
Möglichkeiten der Oberflächennahen Geothermie
Zusammenstellung der aktuellen Fördermöglichkeiten
Übersicht über bestehende Nah- und Fernwärmenetze im Vogtland
Sammeln von Beispielen für die Einbindung von Oberflächennaher Geothermie in Wärmenetze
2. Identifikation zuständiger/geeigneter Kontaktpersonen der Zielgruppe
3. Veranstaltung in geeignetem Rahmen
Erfolgskriterien
Veranstaltung mit > 10 Besuchern

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6
Informationsveranstaltung Endnutzer
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Erhöhung des Bekanntheitsgrades
Langfristig,
regelmäßig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG, BVG
Zielgruppe
Endnutzer, Planer, Architekten
Hintergrund
Obwohl die Nutzung Oberflächennaher Geothermie im Vogtland seit mehr als 10 Jahren etabliert ist,
bleibt ihre Zuwachsrate konstant. Andere regenerative Energiequellen wie z. B. Luftwärmepumpen
verzeichnen dagegen ein starkes Wachstum. Zum Teil kann dies darauf zurückgeführt werden, dass die
Vorteile von
Erdwärmeanlagen nicht
ausreichend
bekannt
sind bzw. die Umsetzung
von
Erdwärmeprojekten als komplex und zeitintensiv angesehen wird.
Die Maßnahme zielt auf die Vermittlung von grundlegenden Fakten.
Beschreibung
Im geeigneten Rahmen (z. B.
Messe „Vogtland Bau“) sollen Vorträge und Exponate zur
Oberflächennahen
Geothermie vorgestellt werden. Der inhaltliche Fokus sollte dabei auf den langfristigen Vorteilen sowohl
für Einzelpersonen (Wirtschaftlichkeit) als auch für die Gesellschaft (Umwelt, Energiepolitik) liegen.
Dabei sollen Wartungsfreiheit und Langlebigkeit von Erdwärmesonden besonders hervorgehoben werden
(Wartung bzw. Komponententausch beschränkt sich auf Wärmepumpe).
Erfolgskriterien
Veranstaltung mit > 10 Besuchern

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7
Wanderausstellung
Problemfeld
Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Akzeptanz
Erhöhung des Bekanntheitsgrades
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG, SAENA
Zielgruppe
Öffentlichkeit, Endnutzer
Hintergrund
Obwohl die Nutzung Oberflächennaher Geothermie im Vogtland seit mehr als 10 Jahren etabliert ist,
bleibt ihre Zuwachsrate konstant. Andere regenerative Energiequellen wie z. B. Luftwärmepumpen
verzeichnen dagegen ein starkes Wachstum. Zum Teil kann dies darauf zurückgeführt werden, dass die
Vorteile von Erdwärmeanlagen nicht ausreichend bekannt sind.
Die Maßnahme zielt auf die Vermittlung von grundlegenden Zahlen und Fakten auf visuell eingängige Art
und Weise ab.
Beschreibung
1. Überblicksartige Zusammenstellung der zu vermittelnden Inhalte (Niveau / Zielgruppe);
2. Festlegung der Rahmenbedingungen wie Budget, Platzbedarf, Interaktivität, Mobilität etc.;
3. Identifikation möglicher Ausstellungsorte, inkl. Internetauftritt;
4. Erarbeitung von Exponaten, welche Mithilfe geeigneter Medien auf leicht verständliche Weise
darstellen:
a. die unterschiedlichen Systeme und Anwendungsgebiete oberflächennaher Geothermie;
b. Zahlen zum Betrieb von Erdwärmeanlagen, wie beispielhafte Kosten-Nutzen-Analyse,
Betriebskostenvergleich, Marktentwicklung, potenzieller positiver Impakt im Vogtland;
c. Vorteile von Erdwärme als zukunftsfähige Schlüsseltechnologie (Netzstabilität durch
steuerbare Verbraucher / Sektorenkopplung / Elektrifizierung des Wärmebedarfs);
d. Zusammenspiel mit nationalen/regionalen Zielen der Klima- und Energiepolitik;
5. Erstellen von Begleitmaterial, z. B. Zusatzinformationen für Lehrer, Ausstellungsführer, Broschüren
und Kontaktinformationen zum Mitnehmen, Werbematerialien wie Postkarten etc.;
6. Evaluierung der Ausstellung durch stichprobenartige Umfragen der Besucher.
Erfolgskriterien
Exponate wurden erarbeitet und ausgestellt, Besucherzahl (festzulegen in Abhängigkeit von Konzept und
Standort)

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8
Förderprogramm Erdwärmesonden
Problemfeld
Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Wirtschaftlichkeit Verringerung der Erstinvestition
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis
Zielgruppe
Endnutzer
Hintergrund
Wärmeerzeugung über Erdwärmesonden ist bei korrekter Auslegung effizienter als über Luftwärmepumpen
und verfügt darüber hinaus über den Vorteil, dass weder Wärme noch Lärm an die Umgebung abgegeben
werden. Dieser Vorteil ist insbesondere im urbanen Raum von Bedeutung. Aufgrund geringerer
Erstinvestitionen werden jedoch vermehrt Luftwärmepumpen eingesetzt. In mehreren Landkreisen wie
z.B. Celle und Lüneburg sowie im Land Nordrhein-Westfalen werden lokal begrenzte Förderprogramme
eingesetzt, um zusätzlich zu den staatlichen Förderquellen finanzielle Anreize zur Erdwärmenutzung zu
bieten.
Die Wirtschaftlichkeit einer Erdwärmenutzung insbesondere im Altbau soll durch finanzielle Förderung der
Bohrung verbessert werden.
Beschreibung
Erarbeitung
geeigneter
Förderbedingungen,
beispielsweise
Mindest-Jahresarbeitszahl,
Einhaltung
technischer Standards, Zertifizierung der Bohrunternehmen sowie gegebenenfalls lagebedingte
Voraussetzungen wie z.B. maximale Grundstücksgröße oder Lage in geschlossenen Siedlungen.
Finanzielle Förderung von Bohrungen, z. B.
mit €5 pro Bohrmeter
im Neubau oder
€10 pro Bohrmeter im
Bestand, gekoppelt an Einverständnis zur Veröffentlichung der folgenden Parameter im Geoportal des
Vogtlandkreises:
Koordinaten des Bohransatzpunktes bzw. Mittelpunktes des Sondenfeldes
Max. Tiefe
Installierte Spitzenleistung
Jahresarbeitszahl(geplant)
Aus Erfahrung werden Barzuschüsse gegenüber Krediten von Bauherren bevorzugt; dies sollte bei der
Ausarbeitung der Maßnahme berücksichtigt werden.
Erfolgskriterien
Zur Verfügung stehende Gelder werden abgeschöpft
Daten sind über Energieleitstelle/Geoportal öffentlich verfügbar

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9
Erleichterter Zugang zu Fördermitteln
Problemfeld
Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Wirtschaftlichkeit Aufklärung über Fördermittel
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, SAENA
Zielgruppe
Planer, Endnutzer
Hintergrund
Die Bundesregierung stellt über die KfW-Bank sowie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
Fördermittel zur Verfügung, die vielfach auch zur Installation von Erdwärme-Anlagen genutzt werden
können. Es gibt eine Vielzahl von Förderprogrammen, deren Zugangsbedingungen sich regelmäßig ändern.
Es bestehen bereits verschiedene Angebote, im konkreten Fall in Frage kommende Förderprogramme zu
ermitteln und bei der Antragstellung unterstützend mitzuwirken.
Diese Informationsquellen und Hilfsangebote sollen stärker sichtbar gemacht werden.
Beschreibung
1. Besser Sichtbarkeit der bereits existierenden Verlinkung zu relevanten Anlaufstellen auf der Webseite
der Energieleitstelle Vogtland.
2. Verbreitung eines einseitigen Faltblatts mit entsprechenden Kontaktinformationen sowie allg.
Informationen zu Fördermitteln.
Erfolgskriterien
Click-through-rate von 0,5% (Durchschnitt aller angebotenen Links)

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10
Informationsveranstaltung Qualität
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Qualität
Verbesserte Qualität in der Umsetzung von Projekten
kurzfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG
Zielgruppe
Heizungsbauer, Bohrfirmen, Behörden, auch Planer und Energieberater
Hintergrund
In der Öffentlichkeit werden Erdwärmeanlagen oft skeptisch betrachtet, da Berichte über ineffiziente
Anlagen kursieren. Unzureichende Funktion bzw. Betrieb einer Anlage außerhalb der optimalen Parameter
kann neben Planungsfehlern auch durch Fehler bei der Errichtung der Anlage zurückgeführt werden.
Technische Standards und Vorgaben der Genehmigungsbehörden werden nicht immer erfüllt.
Die Maßnahme soll das Bewußtsein für die Bedeutung von qualitativ hochwertiger Ausführung stärken.
Beschreibung
1.
Erstellung von „best
practice“-Beispielen durch das LfULG (Referat 104)
2. Sammlung und Aufarbeitung von geeigneten negativen Fallbeispielen durch das LfULG (Referat 104),
zum Beispiel:
Gegenüber Vorgaben verringerter Bohrdurchmesser
Verzicht auf Hinterfüllung bzw. Verzicht auf Qualitätskontrolle der Hinterfüllung
Nichtbeachtung von Auflagen in geologischen Stellungnahmen.
3. In einer Informationsveranstaltung (z. B. im Rahmen einer Hausmesse o.ä.)
Vorstellung der Negativ-Beispiele unter Erläuterung der jeweiligen Auswirkungen auf den Betrieb
der Anlage (Effizienz, Sicherheit)
Vorstellung der „best
practice“-Beispiele
Hinweise für erfolgreiche Argumentation der durchführenden Gewerke gegenüber Bauherrn.
Erfolgskriterien
Veranstaltung mit Besucherzahl > 10

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11
Förderprogramm Monitoring
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Planung
Bereitstellung von Langzeit-Daten und Validierung von Modellen
Langfristig,
regelmäßig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, SAENA, SAB
Zielgruppe
Planer, Endnutzer
Hintergrund
Das Fehlen von Langzeitberichten und –daten zur Validierung von Modellen ist ein von Planern häufig
genanntes Problem. Insbesondere Investoren in Großanlagen (Energieversorger, Nahwärmenetze,
öffentliche Gebäude, Gewerbe) sind auf möglichst zuverlässige Simulationen angewiesen. Monitoring-
Systeme werden allerdings nur selten in Anwendung gebracht, und die ermittelten Daten stehen nicht
öffentlich zur Verfügung.
Durch geförderte Monitoring-Systeme erbrachte Daten sollen der Öffentlichkeit zu Planungszwecken zur
Verfügung gestellt werden.
Beschreibung
1. Bereitstellung von finanziellen Mitteln durch den Landkreis (Bund? Land?)
2. Auswahl der zu verwendenden Meßtechnik (identisch für alle Anlagen)
3. Auswahl der zu verwendenden Übertragungsart und Aufzeichnungsintervalle
4. Bekanntmachung der Fördermöglichkeiten und –bedingungen,
z. B.
Zusatzbonus €200 unter Voraussetzung der Veröffentlichung der
Daten; dabei Kosten für Auswahl,
Installation und Meßtechnik getragen vom Landkreis
5. Nach Förderzusage: Installation von Monitoring-Ausrüstung zur Aufnahme der folgenden Parameter:
Wärmemenge, mit gesonderter Aufzeichung der Vor- und Rücklauftemperaturen des Wärmeträgers
Stromverbrauch
6. Übermittlung der obigen Daten an die Energieleitstelle für einen Zeitraum von 3 Jahren als Förder-
Voraussetzung
7. Jährliche Auswertung der Daten durch das LfULG und ggf. Veröffentlichung
8. Übermittlung der Ergebnisse an die Energieleitstelle
9. Veröffentlichung der Ergebnisse durch die Energieleitstelle
Erfolgskriterien
Bis 2022 mind. 3 Monitoring-Systeme im Landkreis gefördert und Daten über Energieleitstelle öffentlich
zur Verfügung gestellt

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12
Bereitstellung von geowissenschaftlichen Informationen
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Planung
Veröffentlichung von Karten zur Oberflächennahen Geothermie
mittelfristig
Initiator und mögliche Akteure
LfULG, LRA Vogtlandkreis
Zielgruppe
Planer, Bohrfirmen, Endnutzer
Hintergrund
Für die Planung von Erdwärmenutzungen werden Angaben zum geologischen Untergrund sowie seiner
thermischen Eigenschaften benötigt. Bei bestimmten Systemen ist darüber hinaus auch die Lage,
Ergiebigkeit und Mächtigkeit von Grundwasserleitern von Bedeutung.
Diese Daten sind für den Vogtlandkreis noch nicht flächendeckend erhoben und veröffentlicht.
Beschreibung
1. Erstellung von geeignetem Kartenmaterial zu den Themen:
geothermisches Potential
hydrogeologische Gegebenheiten
Standortbewertung hinsichtlich Eignung für geothermische Nutzung
Landnutzungskonflikte (z. B. Wasserschutzgebiete)
2. Veröffentlichung der Karten in geeigneten Internetportalen, z. B.:
Geothermie-Atlas des LfULG
Geoportal des Landkreises Vogtland
Geoportal-Sachsenatlas
Internet-Auftritt des EU-Projektes „GeoPLASMA-CE“
Erfolgskriterien
Karten veröffentlicht

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13
Ausweisung von besonders geeigneten Gebieten
Problemfeld
Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Planung
Ausweisung für Erdwärmenutzung besonders geeigneten Gebieten
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
Bauämter der Kommunen, LRA Vogtlandkreis, LfULG
Zielgruppe
Planer, Endnutzer
Hintergrund
Anders als z. B. Wind- oder Solarenergie wird die Oberflächennahe Geothermie in der Raumplanung bzw.
Bebauungsplanung nicht berücksichtigt. Mitarbeitern der Kommunen liegt keine übersichtliche
Flächenbewertung hinsichtlich Eignung für Erdwärmenutzung vor und sie verfügen nicht über die
geeigneten Mittel, eine solche durchzuführen oder zu kommunizieren.
Die Maßnahme baut auf die Ergebnisse von Maßnahme Nr. 11
Bereitstellung von geowissenschaftlichen
Informationen
auf und zielt auf eine Ausweisung von Flächen, in denen eine Erdwärmenutzung
ausdrücklich erwünscht, aber nicht vorgeschrieben ist.
Beschreibung
1. Analyse der geowissenschaftlichen und planerischen Grundlagen zur Identifikation von besonders
geeigneten Gebieten (Siedlungsflächen mit hohem geotherm. Potential), vorrangig in Gegenden mit
hoher Siedlungsdichte oder mit neu ausgewiesenem Bauland;
2. Ausweisung entsprechender Gebiete im Flächennutzungsplan und Übertragung in Bebauungspläne bzw.
Bauleitpläne (verbindlich / unverbindlich);
3. Erarbeitung von konkreten (ortsspezifischen) Empfehlungen an die Bauleitplanung, z. B.
unverbindliche Empfehlung zur Verwendung von Erdwärme zu Heiz- und Kühlzwecken in
vorhabensbezogenen Bebauungsplänen.
Erfolgskriterien
Empfehlungen in Flächennutzungspläne bzw. Bauleitpläne aufgenommen

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Page 28
14
Monitoring
Problemfeld Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Planung
Anteil der Anlagen mit Effizienz-Monitoring-Systemen erhöhen
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LfULG, Untere Wasserbehörden
Zielgruppe
Untere Wasserbehörden, Endnutzer
Hintergrund
Wenige Erdwärmeanlagen sind mit einem Datenerfassungsystem ausgestattet, welches Betriebsparameter
mißt und aufzeichnet. Ein solches Monitoring erlaubt die Optimierung der Erdwärmeanlage nach der
Installation und ist langfristig kosteneffektiv und umweltschonend.
Der Einbau von Monitoringsystemen soll angeregt sowie eine Richtlinie zu Voraussetzungen für einen
verbindlichen Einbau eines solchen Systems erarbeitet werden.
Beschreibung
1. Statistische Erfassung von Monitoringsystemen im Zuge der Meldung der Bohrergebnisse an das LfULG,
anzuweisen durch die wasserrechtliche Erlaubnis unter Vorgabe eines entsprechenden Formulars;
2. Erstellen von generischen unverbindlichen Empfehlungen zum Monitoring aller Erdwärmeanlagen zur
standardmäßigen Einbindung in die Genehmigung der Unteren Wasserbehörden. Aufforderung zur
Bereitstellung der Monitoringdaten an LRA/LfULG auf freiwilliger Basis;
3. Erarbeitung einer Nebenbestimmung zur Festsetzung von Monitoring in der Genehmigung.
Erfolgskriterien
Anteil der neu erstellten Anlagen mit Monitoringsystemen im Kalenderjahr ist um min. 3 % gestiegen im
Vergleich zum Referenzjahr 2018

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15
Unterirdisches Wärmemanagement
Problemfeld
Ziel der Maßnahme
Laufzeit
Planung
Erstellung eines Bewirtschaftungsplans auf Landkreisebene
langfristig
Initiator und mögliche Akteure
LRA Vogtlandkreis, LfULG, Planungsverband Region Chemnitz
Zielgruppe
Untere Wasserbehörden, Genehmigungsbehörden
Hintergrund
Erdwärmesonden beeinflussen die Temperaturverteilung im Untergrund. Um eine ausreichende Funktion
der Sonde zu gewährleisten, müssen bereits bestehende Erdwärmenutzungen in der Planung berücksichtigt
werden. Insbesondere in dichter besiedelten Räumen mit vielen Erdwärmeinstallationen kann es zu
Informationslücken und Nutzungskonflikten kommen. Aus diesem Grund sollte insbesondere im urbanen
Raum ein umfassendes untertägiges Wärmemanagement erfolgen. Im Bereich des Vogtlandes, wo
möglicherweise zukünftige Bergbaunachnutzungen erfolgen könnten, sollten zusätzlich auch andere
Nutzungen des Untergrundes einbezogen und in einer unterirdischen Raumplanung erfasst werden.
Die Maßnahme basiert auf Maßnahme 11
Bereitstellung von geowissenschaftlichen Informationen
und zielt
auf nachhaltige, geordnete thermische Nutzung des Untergrundes.
Beschreibung
1. Erarbeiten einer geeigneten Methodik zur Erfassung, Analyse und Bewertung von Erdwärmenutzungen
hinsichtlich ihres thermischen Einflusses auf den Untergrund;
2. Erarbeitung von geeigneten Kriterien für Auflagen und Freigaben von Erdwärmenutzungen, z. B.
Zuweisung von Wärmekontingenten pro Grundstück;
3. Diskussion über die Berücksichtigung von bereits vorliegenden Empfehlungen* zur unterirdischen
Raumplanung, d.h. das Einbeziehen von Aufsuchung und Gewinnung, Grundwasservorratsgebieten,
Wärme- und Kältespeicherung, Rohstoffsicherung etc., um eine Integration des Wärmemanagements in
eine zukünftige (sachsenweite) unterirdische Raumplanung zu erleichtern.
*
„Unterirdische Raumplanung –
Vorschläge des Umweltschutzes zur Verbesserung der über- und untertägigen
Informationsgrundlagen, zur Ausgestaltung des Planungsinstrumentariums und zur nachhaltigen Lösung von Nutzungskonflikten.
Teilvorhaben 2: planerische und rechtliche Aspekte“ des Umweltbundesamtes sowie
„Konzept für Bewertungsverfahren zur unterirdischen Raumnutzung“
des PK Nutzung Tieferer Untergrund/Informationen aus den
Bund/Länder-Arbeitsgruppen der Staatlichen Geologischen Dienste
Erfolgskriterien
Unterirdisches Wärmemanagement besteht und ist in Genehmigungsprozeß eingebunden