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Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Lärm“

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm – Erfassung und Bewertung „Lärm“ | 2
Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Lärm“
Annette Decker, Johannes Herhold, Ulrich Zöphel

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Inhalt
1
Lärm ........................................................................................................................................................................ 4
2
Schutzfunktionen von Wäldern und Gehölzen ................................................................................................... 5
Literaturverzeichnis ............................................................................................................................................................... 6

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1 Lärm
Lärm ist als Gegenstand der Landschaftsplanung zweifach von Bedeutung. Er spielt im Zusammenhang mit
der landschaftsbezogenen Erholungsvorsorge eine Rolle, da viele Menschen für ihre körperliche und seeli-
sche Regeneration ruhige Landschaften aufsuchen. Er ist außerdem im Zusammenhang mit dem Arten- und
Biotopschutz zu betrachten, da Tiere durch Verlärmung ihrer Lebensräume gestört werden können (RECK ET
AL. 2001).
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und Ergebnissen der Lärmkartierung nach Umgebungslärmrichtlinie
ist lauter Verkehr erwiesenermaßen eine der Hauptlärm- und -belastungsquellen. Die Bekämpfung von Lärm
ist im Nachhinein nicht oder nur mit großem technischen und finanziellen Aufwand möglich. Deshalb trägt
Verkehrsvermeidung erheblich zur Lärmminderung bei.
Lärm als Belastungsfaktor hat eine hohe gesundheitliche Relevanz. Laut Sondergutachten des Rates von
Sachverständigen für Umweltfragen (SRU 1999) (Deutscher Bundestag, Drucksache 14/2300) liegt der kriti-
sche Wert für erhebliche Belästigung bei Mittelungspegeln von 65 dB(A) (außen, tagsüber). Dieser Wert sollte
aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes vor Wohngebäuden nicht überschritten werden. Dies
entspricht auch Empfehlungen der WHO. Oberhalb eines Geräuschpegels von 65 dB(A) steigt nach medizini-
schen Erkenntnissen bei dauerhafter Exposition das Herzinfarktrisiko signifikant an. Bei Mittelungspegeln über
55 dB(A) während der Nacht ist ein ungestörter Nachtschlaf nicht mehr gewährleistet und es drohen ebenfalls
gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Langzeiteinwirkungen. So steigt beispielsweise das Bluthochdruckrisi-
ko.
Die gesetzlich vorgeschriebene Lärmvorsorge nach der 16. Bundesimmissionsschutzverordnung beim Neu-
bau oder der wesentlichen Änderung von Straßen und Schienenwegen (Eisenbahn und Straßenbahn) kann
allein die Probleme nicht lösen. Sie bezieht sich nur auf Siedlungsgebiete, Ein großes Problem stellen viele
bestehende Straßen und Schienenwege dar, für die keine Immissionsrichtwerte greifen. Hier ist bei wachsen-
dem Verkehr eine stetige Zunahme der Belastung anzutreffen.
Die durch das Bundesimmissionsschutzgesetz umgesetzte EU-Umgebungslärmrichtlinie hat zum Ziel, insbe-
sondere die Menschen in Ballungsgebieten (Gebiete > 100.000 Einwohner und einer Bevölkerungsdichte von
mehr als 1000 Einwohnern pro km²) sowie in Orten in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen, Haupteisenbahn-
linien und Großflughäfen, d.h. in den Schwerpunkträumen der Belastung, vor Umgebungslärm zu schützen,
Belästigungen vorzubeugen oder zu vermindern. Hauptverkehrsstraßen sind Bundes-, Landes- oder sonstige
grenzüberschreitende Straßen mit einem Verkehrsaufkommen von jeweils mehr als 3 Millionen Kfz pro Jahr,
das sind rund 8.200 Kfz am Tag. Haupteisenbahnstrecken sind Schienenwege nach dem allgemeinen Eisen-
bahngesetz mit einem Aufkommen von über 30.000 Zügen pro Jahr. Großflughäfen (Verkehrsflughäfen) ha-
ben ein Aufkommen von mindestens 50.000 Bewegungen (Starts oder Landungen) pro Jahr. Für diese Gebie-
te werden nach § 47c BImSchG von den Kommunen Lärmkarten berechnet, die alle 5 Jahre fortgeschrieben
werden. Die Lärmkarten sind verfügbar unter
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/25996.htm#article26003
.
Ziel des Bundesimmissionsschutzgesetzes ist es auch, schädliche Umweltwirkungen auf Tiere und Pflanzen,
Wasser und Boden, Atmosphäre sowie Kultur- und sonstige Sachgüter zu vermeiden (§ 1 Absatz 1 BIm-
SchG). Immissionsgrenzwerte sind jedoch weder für Erholungsgebiete noch für Tiere verbindlich festgelegt.
Für Menschen wird davon ausgegangen, dass sich ab 45 db(A) einzelne Erholungssuchende gestört fühlen

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(ZSCHALICH & JESSEL 2001:119). Bekannt ist, dass Lärm Tiere stören kann, Untersuchungen zu Auswirkungen
des Lärms auf Tiere sowie den erforderlichen Bewertungen der Störwirkungen von Lärm in Planungen stehen
jedoch noch am Anfang.
Als besonders lärmempfindliche Artengruppen gelten bisher die insbesondereVögel. Akustische Signale kön-
nen für Vögel wichtig sein, um (GARNIEL ET AL. 2007:15)
einen Partner zu finden und auszuwählen,
das Territorium gegenüber Nachbarn und Konkurrenten zu markieren,
tierische Nahrung leichter zu finden,
vor Gefahren zu warnen,
den Kontakt und die Verständigung im Familienverband halten zu können.
Je nach Art haben die akustischen Signalfunktionen für die Vögel eine unterschiedlich hohe Bedeutung. Lärm
kann andere Umweltgeräusche wie z.B. die der Beute oder der Feinde und die Vogelsignale selbst maskieren.
Dabei haben grundsätzlich linienförmige Lärmemissionen wie Verkehrslärm eine größere Bedeutung als
Punktquellen, weil sie sich mit wachsendem Abstand im Vergleich zu Punktquellen wie z.B. Vögel nur um die
Hälfte abschwächen (GARNIEL ET AL. 2007:29).
Vögel reagieren von Art zu Art sehr unterschiedlich auf Lärm. Bisher konnte nur für einen Teil der Vögel Effek-
te von Lärm festgestellt werden. In einer Studie zu Auswirkungen des Verkehrslärms auf Vögel wurden im
Falle lärmempfindlicher Arten zwei unterschiedliche Reaktionsmuster herauskristallisiert: Arten, für die sich
kritische Schallpegel bestimmen lassen (12 der untersuchten Brutvögel) sowie Arten, deren Reaktionen sich
an einem Wirkfaktorenkomplex wie Schall zusammen mit optischen Reizen orientieren. Grundsätzlich ist Lärm
ein Faktor, der insbesondere bei der Planung von Verkehrsanlagen in Gebieten mit einem hohen Lebens-
raumpotenzial für Vögel berücksichtigt werden sollte.
2 Schutzfunktionen von Wäldern und Ge-
hölzen
Waldbestände und Gehölze sind grundsätzlich dazu geeignet, einen gewissen Schutz vor Lärm zu bieten,
indem sie Verkehrs- und Industrielärm durch verstärkte Schallabsorption mindern. Die erzielbaren positiven
Waldfunktionen zum Schutz vor Lärm werden maßgeblich von Baumartenzusammensetzung, Waldstruktur
(inklusive Waldrandstruktur) und -bewirtschaftung sowie die Lage und Bestandsgröße beeinflusst. Zusammen-
fassend können die Funktionen von Wald und Gehölzen bezüglich des Lärmschutzes wie folgt benannt wer-
den:
In der Waldfunktionenkartierung werden Wälder erfasst, die vor Lärmimmissionen schützen. Schutzziel sind
Wohn-, Arbeits- und Erholungsbereiche des Menschen, land- und forstwirtschaftliche Flächen sowie andere
schutzbedürftige Objekte (LANDESFORSTPRÄSIDIUM 2004:21). Von der Möglichkeit, nach § 29 (2) des Sächsi-
schen Waldgesetzes Immissionsschutzwälder über eine Rechtsverordnung festzulegen, wurde bisher in
Sachsen kein Gebrauch gemacht. Hinweise auf die Lage von Wäldern mit besonderen Schutzfunktionen im

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Bereich Lärm können der aktuellen Waldfunktionenkartierung entnommen werden. Danach kommen 4.535 ha
Wald (0,9 % der Waldfläche) eine besondere Lärmschutzfunktion zu (SBS 2014).
Die größte Waldfläche mit besonderer Lärmschutzfunktion ist in der Waldfunktionenkartierung um den
Granodiorittagebau Valtengrund und den Dolerittagebau Grenzland im Oberlausitzer Bergland zwischen Ber-
thelsdorf und Steinigt-Wolmsdorf und um den Braunkohletagebau Nochten/Reichswalde in der Oblerlausitz
dargestellt. Weitere befinden sich bei Spreewitz, entlang mancher Autobahnabschnitte und bei Hoyerswerda.
3 Literaturverzeichnis
GARNIEL, A., DAUNICHT, W.D., MIERWALD, U. & U. OJOWSKI (2007): Vögel und Verkehrslärm. Quantifizierung und
Bewältigung entscheidungserheblicher Auswirkungen von Verkehrslärm auf die Avifauna. Schlussbericht
November 2007. – FuE-Vorhaben 02.237/2003/LR des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und Stadt-
entwicklung. 273 S.. – Bonn, Kiel.
LANDESFORSTPRÄSIDIUM (2004): Waldfunktionenkartierung.- Grundsätze und Verfahren zur Erfassung de rbe-
sonderen Schutz- und Erholungsfunktionen des Waldes im Freistaat Sachsen, Pirna, 56 S.
RECK, H.; HERDEN, C.; RASSMUS, J.; WALTER, R. (2001): Die Beurteilung von Lärmwirkungen auf frei lebende
Tierarten und die Qualität ihrer Lebensräume – Grundlagen und Konventionsvorschläge für die Regelung
von Eingriffen nach § 8 BNatSchG. – in: Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Angewandte Land-
schaftsökologie, Heft 44, S. 125-151.
SRU (SACHVERSTÄNDIGENRAT FÜR UMWELTFRAGEN) (1999): Sondergutachten Umwelt und Gesundheit – Risiken
richtig einschätzen. Deutscher Bundestag, Drucksache 14/2300.
SBS (STAATSBETRIEB SACHSENFORST) (2014): Ergebnisse der Waldfunktionenkartierung, Stand 2014, unveröf-
fentlicht.
ZSCHALICH, A. & JESSEL, B. (2001): Lärm, Landschaft(sbild) und Erholung. – in: Bundesamt für Naturschutz
(Hrsg.): Angewandte Landschaftsökologie, Heft 44, S. 115-124.

Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351 2612-0
Telefax: + 49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Autoren:
Annette Decker
Referat 61 – Landschaftsökologie, Flächennaturschutz
Dr. Ulrich Zöphel
Referat 62 – Artenschutz
Halsbrücker Straße 31A, 09599 Freiberg
Telefon: + 49 3731/294-2101
Telefax: + 49 3731/294-2099
E-Mail:
Annette.Decker@smul.sachsen.de,
Ulrich.Zoephel@smul.sachsen.de
Abteilung6-lfulg@smul.sachsen.de
Dr. Johannes Herhold
Referat 52 - Anlagenbezogener Immissionsschutz, Lärm
Söbrigener Str. 3a, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351/2612-5209
Telefax: + 49 351/2612-5099
E-Mail: Johannes.Herhold@smul.sachsen.de
Redaktion:
Annette Decker
Referat 61 – Landschaftsökologie, Flächennaturschutz (Kontakt vgl. Autoren)
Titelbild:
Lärmkarte, LfULG; Topografie © 2014, Staatsbetrieb Geobasisinformation und
Vermessung Sachsen
Redaktionsschluss:
03.09.2014
Hinweis:
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