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Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im Rahmen
der Erstellung des Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen.
ANALYSEN DER
TEILMÄRKTE DER
SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
SWOT, ENTWICKLUNGSPOTENZIALE UND
ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

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ANALYSEN DER
TEILMÄRKTE DER
SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
SWOT, ENTWICKLUNGSPOTENZIALE UND
ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN
Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr im Rahmen
der Erstellung des Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen.
Dieses Dokument wurde im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen vom
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) beauftragt, finanziert und konzeptionell begleitet.
Die in diesem Dokument getroffenen Aussagen müssen nicht mit den Meinungen und Positionen des SMWA übereinstimmen.
Die Autorenschaft und die Verantwortung für die Inhalte des Dokumentes liegen bei Ramboll Management Consulting GmbH
in Kooperation mit der ETR: Economic Trends Research GbR. Dieses Dokument wird im Zusammenhang mit der Herausgabe
des Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen vom SMWA veröffentlicht.
PROJEKTLEITUNG
Dr. Astrid Könönen
Ramboll Management Consulting GmbH (RMC) in Kooperation mit
Dr. Silvia Stiller
ETR: Economic Trends Research GbR
REDAKTION
Ramboll Management Consulting GmbH
Carla Harnischfeger, Peter Kaiser, Valeska von Karpowitz,
Dr. Astrid Könönen, Vanessa Schlüter, Hanna Wilbrand
ETR: Economic Trends Research GbR
Prof. Dr. Michael Bräuninger, Prof. Dr. Sven Schulze,
Dr. Silvia Stiller, Dr. Mark Teuber
GESTALTUNG UND SATZ
Ramboll Management Consulting GmbH
REDAKTIONSSCHLUSS
4. Juni 2019
VERTEILERHINWEIS
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen Verpflichtung
zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von politischen Parteien noch von deren Kandidaten
oder Helfern zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere
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COPYRIGHT
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des Nachdruckes von Auszügen und der
fotomechanischen Wiedergabe, sind dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr vorbehalten.
FINANZIERUNG DURCH:
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA)
Referat 26 Fachkräfte, Kultur- und Kreativwirtschaft
Das Projekt wurde finanziert aus Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags
beschlossenen Haushaltes.

i
ii
vii ZUSAMMENFASSUNG
01
01 MATERIALBAND ZUR CHARAKTERISTIK DER TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN KULTUR- UND KREATIVWIRTSCHAFT
03
02 TEILMÄRKTE DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND KREATIVWIRTSCHAFT
05 02.1 Musikwirtschaft
19
02.2
Buchmarkt
31
02.3
Kunstmarkt
45 02.4 Filmwirtschaft
61
02.5
Rundfunkwirtschaft
73
02.6
Markt für Darstellende Künste
87 02.7 Designwirtschaft
101 02.8 Architekturmarkt
115 02.9 Pressemarkt
129 02.10 Werbemarkt
141 02.11 Software-/Games-Industrie
155 02.12 Kunsthandwerk
169 Literaturverzeichnis
ANHANG
Glossar
Experteninterviews
INHALTSVERZEICHNIS
TABELLENVERZEICHNIS
11
Tabelle 1
Stärken und Schwächen der sächsischen Musikwirtschaft
16
Tabelle 2
Chancen-Risiken-Analyse für die sächsische Musikwirtschaft
25
Tabelle 3
Stärken und Schwächen des sächsischen Buchmarktes
28
Tabelle 4
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Buchmarkt
39
Tabelle 5
Stärken und Schwächen des sächsischen Kunstmarktes
42
Tabelle 6
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Kunstmarkt
53
Tabelle 7
Stärken und Schwächen der sächsischen Filmwirtschaft
57
Tabelle 8
Chancen-Risiken-Analyse für die sächsische Filmwirtschaft
67
Tabelle 9
Stärken und Schwächen der sächsischen Rundfunkwirtschaft
70
Tabelle 10
Chancen-Risiken-Analyse für die sächsische Rundfunkwirtschaft
80
Tabelle 11
Stärken und Schwächen des sächsischen Marktes für Darstellende Künste
83
Tabelle 12
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Markt für Darstellende Künste
93
Tabelle 13
Stärken und Schwächen der sächsischen Designwirtschaft
96
Tabelle 14
Chancen-Risiken-Analyse für die sächsische Designwirtschaft
107
Tabelle 15
Stärken und Schwächen des sächsischen Architekturmarktes
111
Tabelle 16
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Architekturmarkt
121
Tabelle 17
Stärken und Schwächen des sächsischen Pressemarktes
126
Tabelle 18
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Pressemarkt
135
Tabelle 19
Stärken und Schwächen des sächsischen Werbemarktes
138
Tabelle 20
Chancen-Risiken-Analyse für den sächsischen Werbemarkt
147
Tabelle 21
Stärken und Schwächen der sächsischen Software- und Games-Industrie
151
Tabelle 22
Chancen-Risiken-Analyse für die sächsische Software- und Games-Industrie
161
Tabelle 23
Stärken und Schwächen des sächsischen Kunsthandwerkes
165
Tabelle 24
Chancen-Risiken-Analyse für das sächsische Kunsthandwerk

iii
iv
06
Abbildung 1
Unternehmen der Musikwirtschaft im Jahr 2015
06
Abbildung 2
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Musikwirtschaft
07
Abbildung 3
Statistische Eckdaten zur sächsischen Musikwirtschaft 2015
08
Abbildung 4
Verflechtungsstrukturen der sächsischen Musikwirtschaft
20
Abbildung 5
Unternehmen des Buchmarktes im Jahr 2015
20
Abbildung 6
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Buchmarkt
21
Abbildung 7
Statistische Eckdaten zum sächsischen Buchmarkt 2015
22
Abbildung 8
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Buchmarktes
32
Abbildung 9
Unternehmen des Kunstmarktes im Jahr 2015
32
Abbildung 10
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Kunstmarkt
33
Abbildung 11
Statistische Eckdaten zum sächsischen Kunstmarkt 2015
34
Abbildung 12
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Kunstmarktes
46
Abbildung 13
Unternehmen der Filmwirtschaft im Jahr 2015
46
Abbildung 14
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Filmwirtschaft
47
Abbildung 15
Statistische Eckdaten zur Filmwirtschaft 2015
48
Abbildung 16
Verflechtungsstrukturen der sächsischen Filmwirtschaft
62
Abbildung 17
Unternehmen der Rundfunkwirtschaft im Jahr 2015
62
Abbildung 18
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Rundfunkwirtschaft
63
Abbildung 19
Statistische Eckdaten zur sächsischen Rundfunkwirtschaft 2015
64
Abbildung 20
Verflechtungsstrukturen der sächsischen Rundfunkwirtschaft
74
Abbildung 21
Unternehmen des Marktes für Darstellende Künste im Jahr 2015
74
Abbildung 22
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Markt für Darstellende Künste
75
Abbildung 23
Statistische Eckdaten zum sächsischen Markt für
Darstellende Künste 2015
76
Abbildung 24
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Marktes für
Darstellende Künste
88
Abbildung 25
Unternehmen der Designwirtschaft im Jahr 2015
88
Abbildung 26
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Designwirtschaft
89
Abbildung 27
Statistische Eckdaten zur sächsischen Designwirtschaft 2015
90
Abbildung 28
Verflechtungsstrukturen der sächsischen Designwirtschaft
102
Abbildung 29
Unternehmen des Architekturmarktes im Jahr 2015
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
102
Abbildung 30
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Architekturmarkt
103
Abbildung 31
Statistische Eckdaten zum sächsischen Architekturmarkt 2015
104
Abbildung 32
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Architekturmarktes
116
Abbildung 33
Unternehmen des Pressemarktes im Jahr 2015
116
Abbildung 34
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Pressemarkt
117
Abbildung 35
Statistische Eckdaten zum sächsischen Pressemarkt 2015
118
Abbildung 36
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Pressemarktes
130
Abbildung 37
Unternehmen des Werbemarktes im Jahr 2015
130
Abbildung 38
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Werbemarkt
131
Abbildung 39
Statistische Eckdaten zum sächsischen Werbemarkt 2015
132
Abbildung 40
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Werbemarktes
142
Abbildung 41
Unternehmen der Software- und Games-Industrie im Jahr 2015
142
Abbildung 42
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Software- und Games-Industrie
143
Abbildung 43
Statistische Eckdaten zur sächsischen Software- und
Games-Industrie 2015
144
Abbildung 44
Verflechtungsstrukturen der sächsischen Software-
und Games-Industrie
156
Abbildung 45
Unternehmen des Kunsthandwerkes im Jahr 2015
156
Abbildung 46
Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
- Fokus Kunsthandwerk
157
Abbildung 47
Statistische Eckdaten zum sächsischen Kunsthandwerk 2015
158
Abbildung 48
Verflechtungsstrukturen des sächsischen Kunsthandwerkes

v
vi
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
BIM
Building Information Modeling
BKZS
Breitbandkompetenzzentrum Sachsen
BMWi
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BWS
Bruttowertschöpfung
DIAF
Deutsches Institut für Animationsfilm
DIW
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung Berlin
DZT
Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.
EH
Einzelhandel
ETR
Economic Trends Research
GWA
Gesamtverband der Kommunikationsagenturen
HGB
Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
HTW
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
HTWK
Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig
IFH
Institut für Handelsforschung Köln
KKwi
Kultur- und Kreativwirtschaft
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
KSK
Künstlersozialkasse
LAG IHK
Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie-
und Handelskammern im Freistaat Sachsen
MDM
Mitteldeutsche Medienförderung GmbH
MDR
Mitteldeutscher Rundfunk
NAX
Netzwerk Architekturexport
RMC
Ramboll Management Consulting
SAEK
Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanäle
SKD
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
SLM
Sächsische Landesanstalt für
privaten Rundfunk und neue Medien
SMWA
Sächsisches Staatsministerium
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
SMWK
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
SWOT
Strengths, Weaknesses, Opportunities, Threats
TUD
Technische Universität Dresden
VoD
Video-on-Demand
VR
Virtual Reality
HINWEISE
Verwendete Akteursbeispiele
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass in den Teilmarktanalysen für die
Vernetzungsstrukturen der einzelnen Teilmärkte und der KKwi in Sachsen nur Beispiele
genannt werden. Diese beziehen sich in der Regel auf Spezifika der jeweiligen
Teilmärkte. Insgesamt zeichnet sich der Kultur- und Kreativstandort Sachsen durch
eine facettenreiche Akteurslandschaft aus. Diese Strukturen werden im Zweiten
Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen dargestellt und gewürdigt.
Genderhinweis
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen
Hauptwörtern in diesem Dokument die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe
gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte
Sprachform hat ausschließlich redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.

vii
viii
ZUSAMMEN-
FASSUNG
Die Unternehmen der Kultur- und
Kreativwirtschaft (KKwi) in Sachsen haben im
Jahr 2015 Umsätze von 3,35 Milliarden Euro
erzielt und damit eine Bruttowertschöpfung von
1,74 Milliarden Euro generiert. Damit wurden in
diesem Jahr 2,6 Prozent des Gesamtumsatzes
und 1,7 Prozent der Bruttowertschöpfung der
sächsischen Wirtschaft von Unternehmen der
KKwi erwirtschaftet. Insgesamt unterscheiden
sich die Teilmärkte der sächsischen
KKwi nicht nur in ihrer wirtschaftlichen
Struktur, Dynamik und hinsichtlich ihrer
Entwicklungsperspektiven voneinander.
Sie beeinflussen auch in unterschiedlichen
Wirkungszusammenhängen die gesellschaftliche
und kulturelle Entwicklung Sachsens.
Die sächsische Musikwirtschaft leistet als Teilmarkt mittlerer Größe
einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Leistung der KKwi in
Sachsen. Dabei ist die Musikwirtschaft ein wichtiger Aspekt der
Standortattraktivität sowie der gesellschaftlichen und kulturellen
Entwicklung Sachsens.
Die Bruttowertschöpfung der Musikwirtschaft betrug im Jahr
2015 167 Millionen Euro, was einem Anteil von 8,5 Prozent an der
Bruttowertschöpfung der KKwi in Sachsen entsprach. Die Musikwirtschaft
ist damit ein Teilmarkt mittlerer Größe der sächsischen KKwi. Die
Entwicklung der Musikwirtschaft war in den letzten Jahren verglichen mit
einigen anderen Teilmärkten der sächsischen KKwi überdurchschnittlich
gut. Die Fortsetzung dieses Trends hängt zum einen vom konjunkturellen
Umfeld ab, zum anderen aber auch davon, wie die Musikwirtschaft die
digitalen Umbrüche mitgestaltet und sich auf eine zunehmende Tendenz
zur Individualisierung sowie Nachfrage nach Live-Events einstellt. Zwar
nimmt der Wettbewerbsdruck insbesondere aufgrund der Digitalisierung
in vielen Bereichen der Musikwirtschaft weiter merklich zu, gleichzeitig
eröffnen sich aber für die Akteure der Musikwirtschaft neue Absatzkanäle
und Möglichkeiten Konsumenten zu erreichen. Wichtige Standbeine
der sächsischen Musikwirtschaft sind der Musikinstrumentenbau im
Kulturraum Vogtland-Zwickau und die Anziehungskraft von Leipzig und
Dresden. Hier gibt es eine hohe Konzentration von Veranstaltungsorten,
Musikern sowie Clubs und Festivals, welche das kulturelle Angebot
und damit die Lebensqualität dieser Kulturräume positiv beeinflussen.
Aber auch im ländlichen Raum haben sich Musikveranstaltungen und
Aufführungsorte etabliert. Für die sächsischen Kulturräume bieten
sich deshalb im Zusammenhang mit der Musikwirtschaft verschiedene
Potenziale, beispielsweise im Zusammenhang mit dem Kulturtourismus.
Der Musikinstrumentenbau im Vogtland und die dort präsenten
Bildungseinrichtungen bieten die Chance zum Ausbau der überregionalen
und internationalen Anziehungskraft dieses Kulturraums.
Der sächsische Buchmarkt beeinflusst Gesellschaft und Kultur als
Impulsgeber für kulturelle Bildung, der Bewahrung des kulturellen Erbes
und den Erhalt der sorbischen Kultur in Sachsen. Der Buchmarkt trägt
in Verbindung mit dem Messewesen zur überregionalen Wahrnehmung
Sachsens und seiner Standortattraktivität bei.
Der Anteil des Buchmarktes an der Bruttowertschöpfung der KKwi
in Sachsen betrug im Jahr 2015 3,2 Prozent (63 Mio. Euro), womit
der Buchmarkt einer der kleineren Teilmärkte der KKwi in Sachsen
ist. Der Buchmarkt steht unter starkem Wettbewerbsdruck durch die
Digitalisierung und der hiermit einhergehenden Online-Konkurrenz.
Aktuelle Entwicklungen und Trends auf dem Buchmarkt zeigen
veränderte Konsummuster (rückläufige Leseneigung und vermehrte
Nutzung digitaler Formate), eine abnehmende Zahlungsbereitschaft für
Druckerzeugnisse und ungebrochene Umsatzrückgänge im Buchmarkt,
bedingt durch geändertes Kaufverhalten und neue Vertriebswege
und Online-Handel. In den vergangenen Jahren ließen sich unter
diesen Rahmenbedingungen strukturelle Anpassungen im sächsischen
Buchmarkt beobachten, insbesondere war der stationäre Handel deutlich
rückläufig, und die Entwicklung des Buchmarktes verlief im Vergleich
zu den den meisten anderen Teilmärkten der sächsischen KKwi in allen
ökonomischen Indikatoren ungünstig. Inwieweit dieser Trend anhalten
wird, hängt einerseits von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab,
welche die Nachfrage nach Produkten des Buchmarktes beeinflussen.
Andererseits werden aber die strukturellen Faktoren und die erfolgreiche
Bewältigung der Online-Konkurrenz über die Zukunftsfähigkeit des
Buchmarktes in Sachsen entscheiden. Chancen bieten etwa die weitere
MUSIKWIRTSCHAFT
8,5 %
der BWS der KKwi
BUCHMARKT
3,2 %
der BWS der KKwi

ix
x
Filmproduktionen. Generell gibt es etwa Potenziale, Sachsen durch den
Ausbau von Festivals, auch in grenzüberschreitenden Kooperationen, weiter
zu profilieren.
Die Rundfunkwirtschaft trägt zur Kulturlandschaft und gesellschaftlichen
Entwicklung Sachsens bei und ist eine wichtige regionale
Informationsquelle.
Die Rundfunkwirtschaft als Teilmarkt der KKwi in Sachsen hat im Jahr 2015
eine Bruttowertschöpfung von 66 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem
Anteil von 3,4 Prozent an der KKwi in Sachsen entsprach. Gemessen an
der Bruttowertschöpfung ist die Rundfunkwirtschaft damit ein kleinerer
Teilmarkt der KKwi, der in den vergangenen Jahren Umsatzrückgänge
zu verbuchen hatte. Die Rundfunkwirtschaft steht generell in einem sehr
intensiven Wettbewerb innerhalb des eigenen Wirtschaftszweiges, aber
auch zu anderen Medienangeboten. Dabei hat die Rundfunkwirtschaft
einen wichtigen Platz in der Kulturlandschaft in Sachsen inne,
welches eine der am stärksten differenzierten Lokal-TV-Landschaften
Deutschlands mit breitem lokalem Angebot aufweist. Damit ist die
Rundfunkwirtschaft Informationsvermittler in die Gesellschaft. Potenziale
für die zukünftige Entwicklung der sächsischen Rundfunkwirtschaft
bieten etwa die Integration von klassischen Radio- und Fernsehangeboten
mit Onlineangeboten. Dabei könnte die sächsische Rundfunkwirtschaft
zukünftig von den generell positiven Entwicklungsaussichten für den
Werbemarkt und steigenden Werbeinnahmen profitieren, welche die
wichtigste Einnahmenquelle der Unternehmen der Rundfunkwirtschaft sind.
Der Markt für Darstellende Künste hat mit seiner Bildungsfunktion
eine hohe gesellschaftliche Bedeutung. Er leistet mit überregional
erfolgreichen Produktionen einen wesentlichen Beitrag zur breiten
Wahrnehmung des Standortes Sachsen.
Die Bruttowertschöpfung des sächsischen Marktes für Darstellende Künste
betrug im Jahr 2015 118 Millionen Euro, was einem Anteil von 6,0 Prozent
an der KKwi in Sachsen entsprach. Damit ist der Markt für Darstellende
Künste ein mittelgroßer Teilmarkt der sächsischen KKwi. Dabei hat die
Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des Marktes für
Darstellende Künste in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen
hat. Es gibt zahleiche Kabaretts, Freie Theater, vielfältige Spielstätten und
zahlreiche Schauspieler. Das Potenzial für die weitere Entwicklung des
Marktes für Darstellende Künste, mit den Schwerpunkten Dresden und
Leipzig, ist gegeben. Dazu trägt bei, dass sich in Dresden überregional
wahrgenommene strukturelle Stärken im Bereich „Tanz“ und in Leipzig
z.B. regionale Stärken mit Bezug zur Kabarettszene entwickelt und
gefestigt haben. Generell gibt es zahlreiche Ansatzpunkte für den Markt
für Darstellende Künste zur Generierung von Synergieeffekten durch die
Kooperation mit öffentlich-finanzierten Bühnen, beispielsweise durch die
Fortführung und den Ausbau gemeinsamer (internationaler) Festivals.
Die Entwicklung Sachsens im Bereich der Darstellenden Künste kann
durch die jeweiligen Bewerbungen von Chemnitz, Dresden und Zittau zur
Europäischen Kulturhauptstadt 2025 Impulse erhalten. Generell gibt es,
etwa aufgrund der steigenden Attraktivität Sachsens für Kulturtouristen,
Potenziale für die steigende Nachfrage nach Angeboten des Marktes für
Darstellende Künste.
Etablierung Sachsens als überregional wahr genommenes Leseland,
etwa im Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse, dem Deutschen
Literaturinstitut und der sorbischen Literatur.
Der sächsische Kunstmarkt trägt, beispielsweise über das
Ausstellungswesen und Kunst im öffentlichen Raum, zur kulturellen
Bildung und gesellschaftlichen Entwicklung in Sachsen bei. Der
Kunstmarkt ist wichtig für die Standortattraktivität und fördert mit seinen
Künstlern die überregionale und internationale Wahrnehmung Sachsens.
Die Bruttowertschöpfung des sächsischen Kunstmarktes betrug im
Jahr 2015 60 Millionen Euro, was einem Anteil von 3,1 Prozent an der
KKwi in Sachsen entsprach. Damit gehört der Kunstmarkt, der in der
jüngeren Vergangenheit Umsatzrückgänge zu verbuchen hatte, zu den
kleinsten Teilmärkten der sächsischen KKwi. Dabei weist der sächsische
Kunstmarkt ein spezifisches Profil auf. Stilrichtungen und Künstler der
zeitgenössischen Malerei in Sachsen sind international bekannt, so die
„Neue Leipziger Schule“. Das Potenzial für die weitere Entwicklung
Sachsens als Kunststandort ist gegeben, weil es eine hohe und wachsende
Anzahl von Bildenden Künstlern und renommierte Kunsthochschulen gibt.
Impulse enthält die Entwicklung Sachsen als Kunst- und Kreativstandort
durch die jeweiligen Bewerbungen von Chemnitz, Dresden und Zittau zur
Europäischen Kulturhauptstadt 2025. Auch der Kunstmarkt wird von der
Digitalisierung auf vielfache Weise beeinflusst, was Potenziale für neue
Geschäftsmodelle, beispielsweise über Online-Kunsthandel, eröffnet. Die
Auswirkungen der Digitalisierung auf die Strukturen des Kunstmarktes sind
aber geringer als in anderen Teilmärkten der KKwi, weil in weiten Bereichen
des Kunstmarktes Originalkunstwerke gehandelt werden. Museumshops,
Galerien und Auktionshäuser stehen hingegen in vielen Segmenten in
Konkurrenz zum Online-Handel.
Die Filmwirtschaft trägt besonders durch Bildungsfunktionen und
Informationsvermittlung zur kulturellen und gesellschaftlichen
Entwicklung Sachsens bei. Die Filmwirtschaft stärkt über Festivals und
Filmproduktionen die überregionale, auch internationale, Wahrnehmung
Sachsens.
Die Bruttowertschöpfung der sächsischen Filmwirtschaft betrug im Jahr
2015 65 Millionen Euro, was einem Anteil von 3,3 Prozent an der KKwi
in Sachsen entsprach. Damit gehört die Filmwirtschaft zu den kleinsten
Teilmärkten der KKwi in Sachsen, wobei die Umsätze der Filmwirtschaft
in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Die Entwicklung
der sächsischen Filmwirtschaft wird zukünftig insbesondere von den
weitgreifenden Auswirkungen der Digitalisierung beeinflusst, wie etwa dem
Angebot von Video-on-Demand und Streaming-Diensten. Dabei bieten
sich für die sächsischen Schwerpunkte der Filmwirtschaft in Dresden und
Leipzig, auch mit der Mediacity Leipzig, verschiedene Potenziale. Die
fortschreitende Digitalisierung, welche die gesamte Wertschöpfungskette
der Filmwirtschaft betrifft, eröffnet Möglichkeiten für neue Angebote und
Geschäftsmodelle. Generell besteht aber die Herausforderung, dass kleinere
Produktionsfirmen im dem sich im Zuge der Digitalisierung intensivierenden
Wettbewerb nicht bestehen können. Die Filmbranche ist durch technische
Megatrends geprägt, aufgrund derer sich die Schnittstellen zwischen der
Filmwirtschaft und der Software-/Games-Industrie intensivieren. Sachsen
weist im Bereich der Filmwirtschaft eine Reihe von Besonderheiten auf,
auch im Hinblick auf kulturelle und gesellschaftliche Aspekte. In Sachsen
gibt es eine hohe Anzahl Filmfestivals, Schwerpunkte im Bereich von
Kurzfilmen und das Archiv des Deutschen Instituts für Animationsfilm,
wie auch verschiedene Drehorte nationaler und internationaler
KUNSTMARKT
3,1 %
der BWS der KKwi
FILMWIRTSCHAFT
3,3 %
der BWS der KKwi
RUNDFUNK-
WIRTSCHAFT
3,4 %
der BWS der KKwi
MARKT FÜR
DARSTELLENDE
KÜNSTE
6,0 %
der BWS der KKwi

xi
xii
DESIGNWIRTSCHAFT
9,5 %
der BWS der KKwi
Die Designwirtschaft leistet als Teilmarkt mittlerer Größe mit hoher
Entwicklungsdynamik einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaftsleistung
und Erwerbstätigkeit sowie dem Wachstum der KKwi in Sachsen. Die
Designwirtschaft ist eng mit anderen Wirtschaftszweigen verflochten
und als Querschnittsbranche Impulsgeber für Innovationen in anderen
Wirtschafts- und Gesellschaftsbereichen.
Die Designwirtschaft in Sachsen hat im Jahr 2015 eine Bruttowertschöpfung
von 187 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem Anteil von 9,5 Prozent an
der KKwi in Sachsen entsprach. Damit ist die Designwirtschaft der drittgrößte
Teilmarkt der KKwi in Sachsen, wobei die sächsische Designwirtschaft
in den vergangenen Jahren hohe Umsatzzuwächse verzeichnen konnte.
Die Entwicklungsperspektiven der Designwirtschaft werden besonders
von der fortschreitenden Digitalisierung und dem zunehmende
Innovationsdruck in Wirtschaft und Gesellschaft beeinflusst, was den
Unternehmen der Designwirtschaft Möglichkeiten zu Erschließung neuer
Geschäftsfelder eröffnet. Dies betrifft etwa Interfacedesign zur Gestaltung
der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen. Hier eröffnen
sich für die sächsischen Designwirtschaftsunternehmen Potenziale durch
die stärkere Verknüpfung mit der Software-/Games-Industrie. Im Bereich
des Designs gewinnen Cross-Innovation an der Schnittstelle zwischen der
Industrie und der Designwirtschaft, aber auch mit dem in Sachsen traditionell
starkem Handwerk, weiter an Bedeutung. Potenziale für die Nutzung
dieser Trends für neue Geschäftsfelder bieten die ausgeprägte sächsische
Handwerkskultur und starke industrielle Strukturen in Sachsen, beispielsweise
mit Schwerpunkten im Maschinenbau und der Automobilindustrie. Die
Unternehmer der Designwirtschaft tragen in vielen Bereichen, wie dem
Industriedesign, Corporate Design bis Service Design, in hohem Maße zu
technischen und nicht-technischen Innovationen bei.
Der Architekturmarkt leistet als Teilmarkt mittlerer Größe einen wichtigen
Beitrag zur Entwicklung der KKwi in Sachsen. Die Städtebaukultur
und die Bewahrung der Industriekultur tragen zur gesellschaftlichen
Entwicklung und auch zur Außenwahrnehmung des Standortes Sachsen
bei. Innovative Architektur findet Lösungen für gesellschaftliche
Herausforderungen, etwa durch eine an die alternde Gesellschaft und den
Klimawandel angepasste Bauweise.
Auf dem Architekturmarkt in Sachsen wurde im Jahr 2015 eine
Bruttowertschöpfung von 143 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem
Anteil von 7,2 Prozent an der KKwi in Sachsen entsprach. Damit ist der
Architekturmarkt ein Teilmarkt mittlerer Größe der sächsischen KKwi.
Der sächsische Architekturmarkt ist ein stark wachsender Teilmarkt der
KKwi, wobei sich dieses Wachstum zukünftig weiter fortsetzen dürfte.
In Sachsen sind Dresden und Leipzig die wachsenden urbanen Zentren
des sächsischen Architekturmarktes aufgrund ihrer dynamischen
Bevölkerungsentwicklung und steigenden Wirtschaftskraft. Zukünftig
werden Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur den Architekturmarkt
beeinflussen. In der Tendenz ergibt sich dabei ein steigender Bedarf an
kleineren Wohnungen aufgrund der abnehmenden durchschnittlichen
Haushaltsgrößen. Die zukünftige Entwicklung des Architekturmarktes
wird vielfach von der Digitalisierung (bspw. Einführung des Building
Information Modeling) und dem technischen Fortschritt (bspw. neue
Gebäudetechniken) beeinflusst. Im Zusammenhang hiermit ergeben
sich Potenziale für die Unternehmen des Architekturmarktes durch
die Erschließung wachsender Marktsegmente, bspw. im Hinblick auf
energieeffiziente Immobilien und Smart Homes. Die Alterung der
Bevölkerung führt zu einem steigenden Bedarf an Sozialimmobilien. Zudem
eröffnen sich sowohl im urbanen als auch im ländlichen Raum in Sachsen
ARCHITEKTURMARKT
7,2 %
der BWS der KKwi
Potenziale für den Architekturmarkt im Zusammenhang mit dem Erhalt des
industriekulturellen Erbes sowie der Umnutzung von Immobilien.
Der Pressemarkt hat einen hohen Anteil an der gesamten Wertschöpfung
der KKwi in Sachsen. Durch seine Informationsfunktionen beeinflusst der
Pressemarkt die kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung Sachsens.
Der Anteil der Bruttowertschöpfung des Pressemarktes an der
Bruttowertschöpfung der KKwi in Sachsen im Jahr 2015 betrug
19,2 Prozent, was 379 Millionen Euro entsprach. Der Pressemarkt
erwirtschaftet damit nach der Software-/Games-Industrie die
zweithöchste Bruttowertschöpfung der sächsischen KKwi. Die positive
Umsatzentwicklung des sächsischen Pressemarktes in der jüngeren
Vergangenheit ist insbesondere vor dem Hintergrund der bundesweit
rückläufigen Branchenumsätze beachtlich. Beeinflusst wird der
Pressemarkt von der fortschreitenden Digitalisierung und einer rückläufigen
Bedeutung klassischer Zeitungen und Zeitschriften. Hinzu kommt die
kontinuierliche Verdrängung von Einzel- durch Online-Händler, was auch
den Pressemarkt betrifft. Durch die weitere Substitution von festen durch
freie Mitarbeiter könnte sich die Problematik der sozialen Absicherung
der Erwerbstätigen des Pressemarktes verschärfen. Die Digitalisierung
eröffnet dem Pressemarkt neue Vernetzungs- und Synergiepotenziale,
auch im Zusammenhang mit Cross-Innovationen, so mit der sächsischen
Software-/Games-Industrie oder dem Werbemarkt in Sachsen. Die
Textberichterstattungen werden im Internet zunehmend multimedial
gestaltet, etwa durch Integration von Videoinhalten.
Der Werbemarkt leistet als Teilmarkt mittlerer Größe mit hoher
Entwicklungsdynamik der Wertschöpfung einen wichtigen Beitrag zur
Wirtschaft und Beschäftigung in Sachsen.
Die Bruttowertschöpfung des sächsischen Werbemarktes belief sich im
Jahr 2015 auf 176 Millionen Euro. Dies entsprach einem Anteil von 8,9
Prozent an der KKwi in Sachsen. Der Werbemarkt zählte damit zu den
Teilmärkten mittlerer Größe. Insgesamt zeigen die aktuellen Entwicklungen
ein starkes Umsatzwachstum auf dem Werbemarkt und eine weiter
günstige konjunkturelle Entwicklung, welche die Nachfrage nach Leistungen
des Werbemarktes positiv beeinflusst. Durch die Digitalisierung entstehen
neue Geschäftsfelder, welche auch Chancen für Newcomer und kleine
flexible Agenturen, etwa durch Spezialisierung, eröffnen. Von besonderer
Bedeutung ist dabei der Aufbau von digitalen Kompetenzen, die im Bereich
der Online-Werbung und der personalisierten Werbung benötigt werden.
Die Software-/Games-Industrie leistet als beschäftigungsstärkster
Teilmarkt mit hoher Entwicklungsdynamik einen wichtigen Beitrag zu
den wirtschaftlichen Wirkungen der KKwi in Sachsen. Die Software-/
Games-Industrie fördert in hohem Maße Innovationen in Gesellschaft und
Wirtschaft.
Das sächsische Software-/Games-Industrie hat im Jahr 2015 eine
Bruttowertschöpfung von 407 Millionen Euro erwirtschaftet, was
einem Anteil von 20,7 Prozent an der Bruttowertschöpfung der KKwi
in Sachsen entsprach. Die sächsische Software-/Games-Industrie ist
damit gemessen an der Bruttowertschöpfung in Sachsen, so wie in
Deutschland insgesamt, der größte Teilmarkt der KKwi und wies in den
vergangenen Jahren deutliche Zuwächse bei allen ökonomischen Größen
auf. Aufgrund der fortschreitenden Digitalisierung wird die Nachfrage
PRESSEMARKT
19,2 %
der BWS der KKwi
WERBEMARKT
8,9 %
der BWS der KKwi
SOFTWARE-/
GAMES-INDUSTRIE
20,7 %
der BWS der KKwi

xiii
nach Produkten und Dienstleistungen der sächsischen Software-/
Games-Industrie weiter zunehmen, sodass die Branche auch in der
Zukunft der Wachstumsmotor der sächsischen KKwi bleiben wird. Ob das
Tempo der vergangenen Entwicklung gehalten oder sogar beschleunigt
werden kann, hängt maßgeblich davon ab, ob es den Unternehmen der
Software-/Games-Industrie gelingt, die Potenziale der Digitalisierung
auszuschöpfen. Herausforderungen bestehen allgemein in der Sicherung
des Fachkräftebedarfs und speziell beim Ausbau der Games-Branche.
Die Software-/Games-Industrie bietet hohe Innovationspotenziale durch
sektorübergreifende Kooperationen, die im Digitalisierungsprozess verstärkt
gehoben werden können.
Das sächsische Kunsthandwerk leistet einen wichtigen Beitrag zum
Wachstum von Wirtschaft und Beschäftigung der KKwi in Sachsen. Das
Kunsthandwerk hat Auswirkungen auf die Kultur und gesellschaftliche
Entwicklung, beispielsweise durch Erhalt des kulturellen Erbes.
Das Kunsthandwerk trägt zur überregionalen und internationalen
Wahrnehmung des Standortes Sachsen bei.
Das sächsische Kunsthandwerk hat im Jahr 2015 eine Bruttowertschöpfung
von 98 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem Anteil von 5,0 Prozent an
der Bruttowertschöpfung der KKwi in Sachsen entsprach. Damit ist das
Kunsthandwerk ein Teilmarkt mittlerer Größe der sächsischen KKwi. Die
Strukturen des sächsischen Kunsthandwerkes sind über einen längeren
Zeitraum gewachsen und zahlreiche Orte in den ländlichen Kulturräumen
Sachsens blicken auf eine ausgeprägte Kunsthandwerkstradition zurück.
Erzgebirgische Volkskunst, die Uhrenproduktion in Glashütte und die
Herstellung von qualitativ hochwertigem Porzellan sind sächsische
Alleinstellungsmerkmale mit einem hohen Bekanntheitsgrad. Es gibt
verschiedene Entwicklungschancen für das sächsische Kunsthandwerk,
sodass sich die Entwicklungsdynamik der vergangenen Jahre zukünftig
fortsetzen kann. Durch die Digitalisierung der Absatzwege der
Erzgebirgischen Volkskunst und der Individualisierung von Produkten
des Kunsthandwerkes eröffnen sich neue Absatzpotenziale, auch in
Kooperation mit der Designwirtschaft. Durch die Verknüpfung des
sächsischen Kunsthandwerkes mit der touristischen Attraktivität seiner
Produktionsstandorte kann der Tourismus in Sachsen neue Impulse
erhalten. Hierdurch kann auch der Bekanntheitsgrad des sächsischen
Kunsthandwerkes weiter erhöht werden.
KUNSTHANDWERK
5,0 %
der BWS der KKwi

18
2
01
MATERIALBAND
zur Charakteristik der
Teilmärkte der sächsischen
Kultur- und Kreativwirtschaft
Zur Definition: Die Kultur- und
Kreativwirtschaft in Sachsen
Die Abgrenzung der KKwi bezieht sich in dem
vorliegenden Bericht auf die bundesweit abgestimmte
und europaweit anschlussfähige Definition der KKwi
entsprechend des aktuellen Leitfadens zur Erfassung von
statistischen Daten für die Kultur- und Kreativwirtschaft
1
.
In Rahmen dieser Definition umfasst die KKwi elf
Teilmärkte: die Musikwirtschaft, den Buchmarkt, den
Kunstmarkt, die Filmwirtschaft, die Rundfunkwirtschaft,
den Markt für Darstellende Künste, die Designwirtschaft,
den Architekturmarkt, den Pressemarkt, den
Werbemarkt sowie die Software-/Games-Industrie.
Aufgrund seiner traditionell hohen Bedeutung
wird in Sachsen das Kunsthandwerk zusätzlich
als eigenständiger Teilmarkt berücksichtigt.
ZUM AUFTRAG UND ERSTELLUNGSPROZESS
Im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für den Freistaat Sachsen
2
wurden die
Firmen Ramboll Management Consulting (RMC) und Economic Trends
Research (ETR) im Sommer 2018 vom Sächsischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (SMWA) damit beauftragt, die Ausarbeitung
des Berichts durch fachliche Expertise, prozessuale Begleitung und
redaktionelle Mitarbeit zu unterstützen.
Ausgehend vom Zwischenbericht zum Zweiten Kulturwirtschaftsbericht
3
,
einem Datenreport zu den wirtschaftlichen Eckdaten der sächsischen KKwi,
bestand der fachliche Auftrag in der Erstellung einer literaturbasierten
Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Analyse (SWOT-Analyse) der zwölf
KKwi-Teilmärkte.
Im Rahmen der SWOT-Analyse wurden zentrale übergeordnete
Entwicklungspotenziale und -hemmnisse in den jeweiligen Teilmärkten
der sächsischen KKwi identifiziert. Die gewonnenen Ergebnisse
wurden im Herbst 2018 im Rahmen der prozessualen Begleitung der
Erstellung des zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für
Sachsen sowie durch Diskussionen im Rahmen des Fachgremiums, der
Fokusgruppenworkshops und Experteninterviews
4
kritisch reflektiert,
validiert und spezifiziert. Mit Blick auf die sich kontinuierlich dynamisch
verändernden Rahmenbedingungen wurden gemeinsam mögliche
Entwicklungsperspektiven diskutiert. Die auf diese Weise entstandene
Beurteilung der Zukunftsperspektiven für jeden Teilmarkt muss daher
zwangsläufig mit Schätzungen und Annäherungen verbunden sein.
Der vorliegende Materialband „Analyse der Teilmärkte der Sächsischen
Kultur- und Kreativwirtschaft“ fasst die gewonnenen Erkenntnisse
der SWOT-Analysen in Form von zwölf teilmarktspezifischen Portraits
zusammen und bildet damit eine fachliche Ergänzung zum Zweiten Kultur-
und Kreativwirtschaftsbericht für den Freistaat Sachsen.
ZUR METHODIK DER TEILMARKTSPEZIFISCHEN SWOT-ANALYSEN
Für die Erstellung der in diesem Materialband enthaltenen SWOT-
Analysen der Teilmärkte der sächsischen Kultur- und Kreativwirtschaft
wurden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden angewandt.
Neben der Analyse von Sekundärliteratur und der Durchführung von
Experteninterviews wurden eigene Berechnungen zu den wirtschaftlichen
Verflechtungen der Unternehmen der KKwi über die Lieferung und
den Bezug von Leistungen vorgenommen. Zur weiteren inhaltlichen
Untersetzung der gewonnenen Erkenntnisse wurden im Oktober und
November 2018 mit Vertretern des Fachgremiums
5
leitfadengestützte
Experteninterviews geführt.
ZUM AUFBAU DES DOKUMENTS
Das vorliegende Dokument setzt sich aus den SWOT-Analysen der
zwölf Teilmärkte der sächsischen KKwi zusammen. Jede SWOT-Analyse
beinhaltet dabei statistische Eckwerte, Übersichten zu relevanten
Standortbedingungen (z.B. Bildungsangebote und Institutionen),
ökonomische Verflechtungsstrukturen der Teilmärkte der KKwi und
Aussagen zum Einfluss übergeordneter Trends auf die Entwicklung der
KKwi. Die Analysen wurden zu übergeordneten Entwicklungshemmnissen
und -potenzialen für die einzelnen Teilmärkte der KKwi zusammengefasst.
1 Vgl. Büro für Kulturwirtschaftsforschung (2016) und SMWA (2017).
2 Vgl. SMWA (2019).
3 Vgl. SMWA (2017).
4 Zur Zusammensetzung und Durchführung des Fachgremiums, der
Fokusgruppenworkshops und Experteninterviews siehe SMWA (2019).
5 Vgl. Kapitel 1 (SMWA 2019).

Markt
Markt
Kulturwirtschaft
Kreativwirtschaft
MUSIKWIRTSCHAFT
BUCHMARKT
KUNSTMARKT
FILMWIRTSCHAFT
Die sächsische Musikwirtschaft
leistet als Teilmarkt mittlerer Größe
einen wichtigen Beitrag zur wirt-
schaftlichen Leistung der KKwi in
Sachsen. Dabei ist die Musikwirt-
schaft ein wichtiger Aspekt der
Standortattraktivität sowie der
gesellschaftlichen und kulturellen
Entwicklung Sachsens.
Der sächsische Buchmarkt beein-
flusst Gesellschaft und Kultur als
Impulsgeber für kulturelle Bildung,
der Bewahrung des kulturellen
Erbes und den Erhalt der sorbi-
schen Kultur in Sachsen. Der Buch-
markt trägt in Verbindung mit dem
Messewesen zur überregionalen
Wahrnehmung Sachsens und seiner
Standortattraktivität bei.
Der sächsische Kunstmarkt trägt,
beispielsweise über das Ausstel-
lungswesen und Kunst im öffentli-
chen Raum, zur kulturellen Bildung
und gesellschaftlichen Entwicklung
in Sachsen bei. Der Kunstmarkt ist
wichtig für die Standortattraktivität
und fördert mit seinen Künstlern die
überregionale und internationale
Wahrnehmung Sachsens.
Die Filmwirtschaft trägt besonders
durch Bildungsfunktionen und Infor-
mationsvermittlung zur kulturellen
und gesellschaftlichen Entwicklung
Sachsens bei. Die Filmwirtschaft
stärkt über Festivals und Filmproduk-
tionen die überregionale, auch inter-
nationale, Wahrnehmung Sachsens.
RUNDFUNKWIRTSCHAFT
Die Rundfunkwirtschaft trägt zur Kul-
turlandschaft und gesellschaftlichen
Entwicklung Sachsens bei und ist
eine wichtige regionale Informations-
quelle.
MARKT FÜR
DARSTELLENDE KUNST
Der Markt für Darstellende Künste
hat mit seiner Bildungsfunktion eine
hohe gesellschaftliche Bedeutung. Er
leistet mit überregional erfolgreichen
Produktionen einen wesentlichen
Beitrag zur breiten Wahrnehmung
des Standortes Sachsen.
PRESSEMARKT
Der Pressemarkt hat einen hohen
Anteil an der gesamten Wertschöp-
fung der KKwi in Sachsen. Durch
seine Informationsfunktionen beein-
flusst der Pressemarkt die kulturelle
und gesellschaftliche Entwicklung
Sachsens.
DESIGNWIRTSCHAFT
Die Designwirtschaft leistet als Teil-
markt mittlerer Größe mit hoher Ent-
wicklungsdynamik einen wichtigen
Beitrag zur Wirtschaftsleistung und
Erwerbstätigkeit sowie dem Wachs-
tum der KKwi in Sachsen. Die Design-
wirtschaft ist eng mit anderen Wirt-
schaftszweigen verflochten und als
Querschnittsbranche Impulsgeber für
Innovationen in anderen Wirtschafts-
und Gesellschaftsbereichen.
ARCHITEKTURMARKT
Der Architekturmarkt leistet als
Teilmarkt mittlerer Größe einen wich-
tigen Beitrag zur Entwicklung der
KKwi in Sachsen. Die Städtebaukultur
und die Bewahrung der Industrie-
kultur tragen zur gesellschaft-
lichen Entwicklung und auch zur
Außenwahrnehmung des Standortes
Sachsen bei. Innovative Architektur
findet Lösungen für gesellschaftliche
Herausforderungen, etwa durch eine
an die alternde Gesellschaft und den
Klimawandel angepasste Bauweise.
WERBEMARKT
Der Werbemarkt leistet als Teilmarkt
mittlerer Größe mit hoher Entwick-
lungsdynamik der Wertschöpfung
einen wichtigen Beitrag zur Wirt-
schaft und Beschäftigung in Sachsen.
SOFTWARE-/GAMES
-INDUSTRIE
Die Software-/Games-Industrie
leistet als beschäftigungsstärkster
Teilmarkt mit hoher Entwicklungs-
dynamik einen wichtigen Beitrag
zu den wirtschaftlichen Wirkungen
der KKwi in Sachsen. Die Software-/
Games-Industrie fördert in hohem
Maße Innovationen in Gesellschaft
und Wirtschaft.
KUNSTHANDWERK
Das sächsische Kunsthandwerk
leistet einen wichtigen Beitrag zum
Wachstum von Wirtschaft und Be-
schäftigung der KKwi in Sachsen. Das
Kunsthandwerk hat Auswirkungen
auf die Kultur und gesellschaftliche
Entwicklung, beispielsweise durch Er-
halt des kulturellen Erbes. Das Kunst-
handwerk trägt zur überregionalen
und internationalen Wahrnehmung
des Standortes Sachsen bei.
Kulturwirtschaft
Kreativwirtschaft
Markt
Klassifizierung der Teilmärkte auf Basis der Wirtschaftszweigklassifikation 2008
(WZ 2008); Flächenanteil entspricht Bruttowertschöpfungsanteil des Teilmarktes
an der Gesamt-KKwi in Sachsen. Für eine detaillierte Darstellung der Methodik
der Teilmarktabgrenzung der KKwi vgl. Büro für Kulturwirtschaftsforschung (2016)
und SMWA (2017).
Die zwölf Teilmärkte der sächsischen KKwi

22
6
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
MUSIKWIRTSCHAFT
02.1
MUSIKWIRTSCHAFT
STATISTISCHE ECKDATEN
6
Die Bruttowertschöpfung der sächsischen Musikwirtschaft betrug im
Jahr 2015 167 Millionen Euro, was einem Anteil von 8,5 Prozent des
entsprechenden Wertes der KKwi in Sachsen insgesamt entsprach. Die
Musikwirtschaft ist damit ein mittelgroßer Teilmarkt der sächsischen KKwi.
Die Musikwirtschaft in Sachsen erzielte im Jahr 2015 einen Umsatz in
Höhe von 299 Millionen Euro, was 8,0 Prozent des gesamten Umsatzes
der KKwi in Sachsen war. Innerhalb der Musikwirtschaft gibt es eine relativ
ausgeprägte Differenzierung hinsichtlich der Wirtschaftszweige, wobei
die meisten der 592 Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 17.500
Euro in den Wirtschaftszweigen Herstellung von Musikinstrumenten,
Dienstleistungen für die Darstellende Kunst sowie selbstständige
Komponisten und Musikbearbeiter tätig sind (vgl. Abbildung 1).
Insgesamt gibt es in der sächsischen Musikwirtschaft 4.713 Erwerbstätige.
Die sächsische Musikwirtschaft ist mit 2,9 Erwerbstätigen je Unternehmen
vorrangig kleinbetrieblich strukturiert. Im Jahr 2015 war eine Vielzahl von
Unternehmen (1.059) mit einem Umsatz unter 17.500 Euro tätig.
7
Von
den 3.062 Beschäftigten sind 2.613 Personen sozialversicherungspflichtig
beschäftigt, was einem Anteil von 85,3 Prozent entspricht. 449 Personen
zählen zu den geringfügig Beschäftigten. Der Frauenanteil bei den
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im Jahr 2016 bei 35,6 Prozent
und damit deutlich unter dem Frauenanteil in der gesamten sächsischen
KKwi von 46,6 Prozent.
6 Die dargestellten statistischen Werte für die Musikwirtschaft stammen aus SMWA (2017), S. 38 ff.
7 Vgl. SMWA (2017), S. 38, 130.
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 2: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Musikwirtschaft
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 1: Unternehmen* der
Musikwirtschaft im Jahr 2015
Selbstständige Komponisten, Musik-
bearbeiter (Anteil an Unternehmen 15%)
Ensembles, Ballettgruppen, Orchester
(7%)
Tonstudios etc. (7%)
Tonträgerverlage (3%)
Musikverlage (4%)
Theater- und Konzertveranstalter (10%)
Herstellung von Musikinstrumenten (25%)
Private Musical-/Theaterhäuser,
Konzerthallen u.ä. (1%)
Dienstleistungen für die Darstellende
Kunst (16%)
Einzelhandel mit Musikinstrumenten (11%)
Einzelhandel mit bespielten Ton-/
Bildträgern (3%)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

7
8
Abbildung 3: Statistische Eckdaten zur
sächsischen Musikwirtschaft 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2016.
4.713
Erwerbstätige
(100 %)
3.062
Beschäftigte
(65 %)
Selbstständige/
1.651
Unternehmen
(35 %)
Sozialversicher-
2.613
ungspflichtig
Beschäftigte
(85 %)
Frauen: 35,6 %
Geringfügig
449
Beschäftigte
(15 %)
1.059
Unter 17.500 €
(64 %)
Ab
592
17.500 €
(36 %)
Tausend
505
€ Umsatz
je Unternehmen
Mio.
299
€ Umsatz
(8% der KKwi)
Erwerbstätige
2,9
je
Unternehmen
5,8 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
Mio.
167
€ Brutto-
wertschöpfung
(8,5% der KKwi)
Die sächsische Musikwirtschaft ist über Wertschöpfungsketten mit
anderen Wirtschaftszweigen in Sachsen verflochten. Abbildung 3 gibt
einen Überblick über diese Verflechtungen mit vor- und nachgelagerten
Wirtschaftszweigen in Sachsen. Vorleistungen bezieht die Musikwirtschaft
in Sachsen vor allem aus dem Bereich der Dienstleistungen der Kunst, der
Kultur und des Glücksspiels. Weiterhin stammen Vorleistungen aus den
Bereichen Wach- und Sicherheitsdienstleistungen sowie Dienstleistungen
des Grundstücks- und Wohnungswesens. Bemerkenswerterweise werden
etwa die Hälfte der Vorleistungen aus zehn anderen Wirtschaftszweigen
bezogen, d.h. die Verflechtungen sind zwar nicht eng, jedoch im hohen
Maße divers und die Musikwirtschaft fungiert damit als Abnehmer für
eine große Breite an Dienstleistungen und Produkten. Anders verhält es
sich auf der Abnehmerseite. So geht gut die Hälfte der Vorleistungen der
sächsischen Musikwirtschaft an nur fünf Wirtschaftszweige und dabei
vorrangig an Dienstleistungen der Kunst, der Kultur und des Glücksspiels,
Werbeagenturen/Werbegestaltung und Hörfunkveranstalter, was intensive
Verflechtungen der Musikwirtschaft mit anderen Teilmärkten der KKwi
impliziert.
Abbildung 4: Verflechtungsstrukturen
der sächsischen Musikwirtschaft
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Die Entwicklung der Umsätze, der Bruttowertschöpfung und der
Erwerbstätigenzahlen der Musikwirtschaft in Sachsen waren zwischen 2010
und 2015 vielversprechend, da die Wachstumsraten jeweils über denjenigen
der meisten anderen Teilmärkte, über denjenigen der sächsischen KKwi
insgesamt und der sächsischen Gesamtwirtschaft lagen.
8
Die Musikwirtschaft
hat sich von 2010 bis 2015 mit einem Bruttowertschöpfungszuwachs von
24,6 Prozent überdurchschnittlich gut entwickelt. Der Vergleichswert
für die gesamte KKwi in Sachsen lag im selben Zeitraum bei 17,1 Prozent.
Das Wachstum der Bruttowertschöpfung der Musikwirtschaft in Sachsen
lag dabei aber leicht unterhalb des entsprechenden Wachstums der
gesamten Musikwirtschaft in Deutschland.
9
Auch im Berichtszeitraum des
ersten Kulturwirtschaftsberichts für Sachsen, von 2000 bis 2006, wies die
Musikwirtschaft eine positive Entwicklung auf und das Umsatzwachstum
betrug in diesem Zeitraum 19 Prozent.
10
Zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der Erwerbstätigen von 4.449 auf
4.713 und damit um 5,9 Prozent gestiegen. Da sich dabei die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ebenso wie diejenige der
geringfügig Beschäftigten gleichzeitig kaum verändert hat, ist dieser
Zuwachs weitgehend auf den Bereich der Gründungen zurückzuführen. Die
Anzahl der Unternehmen mit einem Umsatz über 17.500 Euro hat dabei von
520 auf 592 um 13,9 Prozent und die Anzahl der Unternehmen mit einem
Umsatz unter 17.500 Euro von 861 auf 1.059 um 23,0 Prozent zugenommen.
11
Problematisch ist im Zusammenhang mit der kleinteiligen Struktur der
Musikwirtschaft die zu vermutende geringe oder gänzlich fehlende kurz-
und langfristige soziale Absicherung einzeln tätiger Personen. Generell
besteht die Gefahr mangelnder sozialer Absicherung der Erwerbstätigen
in der Musikwirtschaft mit einem Einkommen von weniger als 17.500 Euro.
Das jährliche Durchschnittseinkommen der in der Künstlersozialkasse in
Sachsen Versicherten in der Berufsgruppe Musik betrug im Jahr 2016 11.302
Euro.
12
Im Hinblick auf diesen Aspekt ist jedoch zu berücksichtigen, dass
Lieferungen aus Sachsen an die
sächsischen Unternehmen der
Musikwirtschaft (Anteile an den
gesamten Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen der
Musikwirtschaft an die
sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Dienstleistungen der Kunst, der
Kultur und des Glücksspiels (11,7 %)
Wach-, Sicherheitsdienstleistungen,
wirtschaftliche Dienstleistung.
a.n.g. (6,2 %)
Dienstleistungen des Grundstücks-
und Wohnungswesens (5,8 %)
Großhandelsleistungen (ohne
Handelsleistungen mit Kfz) (4,6 %)
Hörfunkveranstalter (4,5 %)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (13,4 %)
Werbeagenturen/Werbegestaltung
(11,4 %)
Hörfunkveranstalter (11,0 %)
Herstellung von Filmen, Videofilmen
und Fernsehprogrammen (7,1 %)
Dienstleistungen des Sports, der
Unterhaltung und der Erholung (6,5 %)
8 Vgl. SMWA (2017), S. 38.
9 Vgl. BMWi (2017), S. 35.
10 Vgl. SMWA (2009), S. 23.
11 Vgl. SMWA (2017), S. 129 f.
12 Vgl. Ebenda, S. 32.
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)

9
10
in der Musikwirtschaft, wie auch in anderen Bereichen der KKwi, Solo-
Selbstständige häufig mehreren Tätigkeiten nachgehen.
13
So dürften auch
ein Anteil der Erwerbstätigen der sächsischen Musikwirtschaft mehrere
Einkommensquellen haben.
Hinsichtlich der Unternehmensstruktur lässt sich feststellen, dass es sich
insgesamt um relativ junge Unternehmen handelt, wobei sich die Strukturen
der Musikwirtschaft in den vergangenen Jahren gefestigt haben. Eine
Umfrage der LAG IHK Sachsen aus dem Jahr 2015
14
und Daten für die
Kulturräume Leipzig und Dresden deuten darauf hin, dass die meisten
Unternehmen zwar nach der Wiedervereinigung gegründet wurden,
mittlerweile aber überwiegend mehr als fünf Jahre am Markt sind. So hat die
Anzahl der Unternehmen und der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
in Dresden und Leipzig im Zeitraum von 2010 bis 2015 zugenommen.
Dies spricht mehrheitlich für erfolgreiches unternehmerisches Handeln in
einer herausfordernden Branche. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die
Unternehmen des Musikinstrumentenbaus in der Regel nicht zu den jüngeren
Unternehmen zu zählen sind (vgl. folgender Absatz).
Regionale Schwerpunkte
Die Unternehmensschwerpunkte der sächsischen Musikwirtschaft liegen in
den Kulturräumen Vogtland-Zwickau, Leipzig und Dresden. Hier sind drei
Viertel aller Unternehmen angesiedelt, die allerdings nur etwa 60 Prozent der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der sächsischen Musikwirtschaft
beschäftigen.
Besonders hervorzuheben ist der Musikwinkel in und um
Markneukirchen. Im Vogtland-Zwickau waren im Jahr 2015 in
137 Unternehmen (23,1 % der Unternehmen der sächsischen
Musikwirtschaft) 914 sozialversicherungspflichtig Beschäftige (35 % der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der sächsischen Musikwirtschaft)
tätig.
15
Die dort tätigen Betriebe des Musikinstrumentenbaus blicken
auf eine lange Tradition zurück und haben in ihrer Vielfalt im Laufe der
Jahrhunderte ein regionales Alleinstellungsmerkmal entwickelt. Die in
Markneukirchen produzierten Musikinstrumente umfassen nahezu sämtliche
Streich-, Zupf-, Holzblas-, Metallblas-, Schlag- und Harmonikainstrumente
der europäischen Musik einschließlich Bögen, Bestandteilen und Zubehör.
16
Im Dezember 2014 wurde der vogtländische Musikinstrumentenbau in das
bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Es
gibt im Vogtland mehr als 100 Werkstätten für den Musikinstrumentenbau,
der in kleineren Handwerksbetrieben, Manufakturen aber auch in einigen
mittelständischen Unternehmen ausgeführt wird.
17
In Leipzig und Dresden gibt es eine vielfältige, teils in der jüngeren
Vergangenheit modernisierte, Veranstaltungsinfrastruktur für die
Musikwirtschaft. In Dresden und Leipzig gibt es zahlreiche Musiker
und Musikclubs, unter anderem für Jazz, Rock und Pop, welche ein
wichtiger Bestandteil des dortigen kulturellen Angebotes sind und die
Standortbedingungen in den urbanen Räumen positiv beeinflussen. Generell
wird die Musikwirtschaft hier als junger und facettenreicher Markt bewertet
18
,
wobei beispielsweise die elektronische Musik, die eine weite Verbreitung
findet, eine wichtige Rolle einnimmt.
19
Eine weitere sächsische Besonderheit mit Bezug zur Musikwirtschaft ist
die Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels an die Stadt Leipzig
in der Kategorie Musikerbe-Stätten im Jahr 2018. Die Musikerbe-Stätten in
Leipzig umfassen die Thomas- und Nikolaikirche, die Nikolaischule, das Bach-
Archiv, das Mendelssohn-Haus, die Hochschule für Musik und Theater „Felix
Mendelssohn Bartholdy”, das Schumann-Haus, das Musikverlagsgebäude C.
F. Peters mit Grieg-Begegnungsstätte sowie das Gewandhaus zu Leipzig.
Fachkräfte und Bildung
Mit der Musikwirtschaft ist ein spezifischer Fachkräftebedarf verbunden,
den es auch in Zukunft zu decken gilt. Dies könnte besonders im
Musikinstrumentenbau eine bedeutende Herausforderung werden, weil
hier ein hoher Spezialisierungsgrad der Erwerbstätigen erforderlich ist. Es
gibt entsprechende Ausbildungsangebote in Sachsen, wie die „Berufs- und
Berufsfachschule Vogtländischer Musikinstrumentenbau Klingenthal“. An
der Fakultät Angewandte Kunst in Schneeberg (Westsächsische Hochschule
Zwickau) gibt es unter anderem die Studiengänge Musikinstrumentenbau
sowie Akustik und Technologie des Musikinstrumentenbaus.
Auch für die künstlerische Ausbildung für die Wirtschaftszweige der
Musikwirtschaft bestehen in Sachsen hochwertige Bildungsangebote, wie
an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“
Leipzig, der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden und der
Hochschule für Kirchenmusik in Dresden. Die Akademie Deutsche POP hat
einen Standort in Dresden und Leipzig, wo verschiedene Studiengänge mit
Bezug zur Musikwirtschaft angeboten werden. Generell tragen Akteure der
Musikwirtschaft auch zur kulturellen Bildung bei, so über die Musikschulen
und das sächsische Landesgymnasium für Musik.
Räume
Die ausreichende Verfügbarkeit von Räumen für Produktion und Proben ist
ein zentraler Standortfaktor für die sächsischen Musiker. Nach Aussagen
von regionalen Experten im Zuge der Erstellung des zweiten KKwi-Berichts
für Sachsen, hat sich die Verfügbarkeit von Räumen für die Musikwirtschaft,
die für diese benötigten Spezialimmobilien, in den vergangenen Jahren in
den urbanen Räumen Dresden und Leipzig verschlechtert. Dazu trägt auch
bei, dass aufgrund der wachsenden Bevölkerung in diesen Städten die
Nutzungskonkurrenz zwischen Wohnnutzungen und etwa Flächen für Kultur-
und Kreativschaffende zunimmt.
Vernetzung, Messen, Veranstaltungen und Preise
In Sachsen gibt es den Sächsischen Musikrat e.V., welcher ein breites
Netzwerk zur Förderung des Musiklebens in Sachsen darstellt. Der
Tolerave e.V. ist ein Bündnis von Dresdner Kulturschaffenden aus dem
Bereich der elektronischen Musik und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Die
Musikwirtschaft ist zudem in die Branchennetzwerke der KKwi in Sachsen
eingebunden.
Auch Messen tragen zur Vernetzung der Musikwirtschaft in Sachsen bei. So
wird ab 2019 eine Musikerlebnismesse, die musicpark, in Leipzig stattfinden.
Die MusicMatch in Dresden befasst sich jährlich wiederkehrend im Rahmen
eines Bandfestivals und Konferenzen mit der sächsischen Populärmusik.
Es wird angestrebt, in naher Zukunft eine Musikzentrale
20
zur qualitativen und
quantitativen Weiterentwicklung der Musikwirtschaft in Sachsen aufzubauen. Die
Musikzentrale soll als eine Einrichtung, die simultan als Anlaufstelle, Vertretung
und Netzwerk fungiert, geschaffen werden.
21
Mit etwa 60 jährlich stattfindenden Musikfestivals hat sich in Sachsen
eine vielfältige Szene herausgebildet.
22
Etwa 950 Veranstaltungen an 370
Veranstaltungsorten pro Jahr tragen zum kulturellen Angebot im Bereich der
Musik bei.
23
Beispiele für Musikveranstaltungen in Sachsen mit überregionaler
Anziehungskraft sind die Dresdner Musikfestspiele, das Dixielandfestival in
Dresden, das Davefestival in Dresden und das Wave-Gothic-Treffen in Leipzig.
Auch in den ländlichen Kulturräumen haben sich in Sachsen eine Vielzahl von
Musikveranstaltungen etabliert, so etwa im Rahmen des Mittelsächsischen
Kultursommers, das Moritzburg-Festival, der Lausitzer Musiksommer und das
Musikfest Erzgebirge. In den ländlichen Gebieten spielen insbesondere auch die
soziokulturellen Zentren eine wichtige Rolle für musikalische Veranstaltungen.
20 Vgl. Metzig (2017).
21 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 31.
22 Vgl. SMWK (2017), S. 41.
23 Vgl. SMWK (2018a).
13 Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (2012), S. 14.
14 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 20.
15 Vgl. SMWA (2017), S. 133 f., S. 150.
16 Vgl. SMWK (2018a).
17 Vgl. Ebenda.
18 Vgl. Metzig (2017).
19 Vgl. Ebenda.

11
12
Verschiedene Spielstätten in Sachsen haben, im ländlichen wie auch im
urbanen Raum, Auszeichnungen im Rahmen des Musikpreises „APPLAUS –
Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ erhalten,
mit dem Veranstalter für ihre herausragenden Livemusikprogramme
prämiert werden.
24
Im Rahmen des Sächsischen Staatspreises für
Design des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und
Verkehr wurde im Jahr 2018 ein Sonderpreis für Sounddesign ausgelobt.
Sächsische Unternehmen wurden im Jahr 2018 und 2019 mit dem
deutschen Musikinstrumentenpreis für besonders gute Produkte in der
Musikinstrumentenbranche ausgezeichnet.
Absatzmärkte
Die Kunden der sächsischen Musikwirtschaft sind tendenziell eher regional
und lokal verortet.
25
Dies hängt allerdings vom betrachteten Teilbereich der
Musikwirtschaft ab. Für die Unternehmen im Kulturraum Vogtland-Zwickau
gilt diese Aussage weniger, da hochwertige Instrumente auch vielfach für den
Export bestimmt sind.
26
Musiker aus zahlreichen Ländern weltweit bestellen
ihre Instrumente im Vogtland. Nachfrage wird auch regional generiert, so
durch die zahlreichen Orchester in Sachsen. Allerdings stehen die Produkte
des Instrumentenbaus in scharfem Wettbewerb mit günstigeren, aber
qualitativ geringwertigen Angeboten aus dem Ausland.
Der lokale Musikmarkt in Dresden und Leipzig wird vor allem vom Konzert-,
Musical- und Festivalbetrieb, sowohl mit Angeboten im Bereich der ernsten
Musik als auch der Unterhaltungsmusik, angetrieben. Dies ist für wachsende
urbane Regionen ohne spezifischen musikwirtschaftlichen Fokus in dieser
Form durchaus zu erwarten. Dabei haben z.B. Veranstaltungen wie das
jährliche Wave-Gotik-Treffen in Leipzig oder der Ruf Dresdens als Kultur-
und Musikstadt auch eine hohe überregionale Strahlkraft mit zugleich
regionalwirtschaftlichen Effekten.
27
Bemerkenswert ist die geringe Bedeutung
der Musikwirtschaft im Leipziger Raum, weil man hier stärkere Effekte
aufgrund der Nähe zu Leipzig erwarten könnte.
Tabelle 1 fasst zentrale Stärken und Schwächen für die sächsische
Musikwirtschaft zusammen.
Tabelle 1: Stärken und Schwächen der
sächsischen Musikwirtschaft
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Wachstum, Struktur und regionale Schwerpunkte
• Günstige jüngere Entwicklung im
Hinblick auf die Bruttowertschöpfung,
die Zahl der Erwerbstätigen sowie der
Unternehmen.
• Die Unternehmensschwerpunkte der
sächsischen Musikwirtschaft liegen in
den Kulturräumen Vogtland-Zwickau,
Leipzig und Dresden.
• Der Musikwinkel im Kulturraum
Vogtland-Zwickau hat ein regionales
Alleinstellungsmerkmal im Bereich des
Musikinstrumentenbaus, der deutsches
immaterielles Kulturerbe ist.
• Die Unternehmenslandschaft weist eine
kleinbetriebliche Struktur auf.
• Eine hohe Zahl von Solo-
Selbstständigen mit geringem Umsatz
birgt die Gefahr unzureichender
sozialer Absicherung.
• Die Verfügbarkeit von geeigneten
Räumen für die Musikwirtschaft hat in
den vergangenen Jahren in den sächsi-
schen Städten Dresden und Leipzig
abgenommen.
Fachkräfte und Netzwerke
• Es gibt spezialisierte Bildungsangebote
für die Musikwirtschaft, wie an
der Berufs- und Berufsfachschule
Vogtländischer Musikinstrumentenbau
Klingenthal, an der Fakultät
Angewandte Kunst in Schneeberg und
an der Akademie Deutsche POP.
• Ausbildung im Bereich Musik an der
Hochschule für Musik und Theater
„Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig
und der Hochschule für Musik „Carl
Maria von Weber“ Dresden.
• Es gibt vielfältige Netzwerkstrukturen
mit Bezug zur Musikwirtschaft.
• Es gibt vielfältige Musikveranstaltungen
in den ländlichen und urbanen
Kulturräumen.
• Die Messeaktivitäten für die
Musikwirtschaft werden ausgebaut.
Absatzmärkte
• Die urbanen Räume Leipzig und
Dresden haben (wachsende)
Anziehungskraft als Veranstaltungsorte
(Beispiele: Dresdner Musikfestspiele,
Dixielandfestival, Dave-Festival, Wave-
Gotik-Treffen in Leipzig).
• Es gibt in Dresden und Leipzig eine
vielfältige Clubkultur.
• Es gibt auch in den ländlichen Kul-
turräumen etablierte Musikveranstal-
tungen.
• Lokale und überregionale Nachfrage
nach Musikveranstaltungen in Dresden
und Leipzig.
• Regionaler (bspw. Orchester) und
überregionaler, auch internationaler,
Absatz des Musikinstrumentenbaus.
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
• Von einigen Wirtschaftszweigen der
Musikwirtschaft werden überwiegend
regionale Märkte bedient.
24 Vgl. Initiative Musik gGmbh (2019).
25 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 23.
26 Vgl. Böcher (2008), S. 2 f.
27 Vgl. Arndt et al. (2011), S. 48 f. und Wink et al. (2017), S. 27 f.

13
14
CHANCEN UND RISIKEN
Die sächsische Musikwirtschaft ist, mit Ausnahme der stark ausgeprägten
Spezialisierung im Musikinstrumentenbau, recht divers strukturiert. Es bietet
sich daher weniger an, die einzelnen Wirtschaftszweige der Musikwirtschaft
detailliert zu adressieren, sondern vielmehr die allgemein geltenden
Chancen und Risiken herauszuarbeiten.
Weltweite Umsätze der Musikindustrie auf Erholungskurs
Die sächsische Musikwirtschaft wird maßgeblich von den Trends
beeinflusst, die sich in den letzten Jahren auch deutschland- und
weltweit gezeigt haben. Nach einem längeren Abwärtstrend hat sich
der weltweite Umsatz der Musikindustrie seit 2014 wieder leicht erholt.
Dieser Trend wird vor allem durch Streaming-Dienste getrieben, während
sich der Absatz von physischen Tonträgern, aber auch in geringerem
Maße von digitalen Formaten, weiter verringert hat. In Deutschland hat
sich der Umsatz mit Streamingdiensten von 2011 bis 2017 von 17 auf 549
Millionen Euro vervielfacht, sodass hierauf mittlerweile gut 73 Prozent
des digitalen Musikmarktes entfallen. Trotzdem entfielen im Jahr 2017 in
Deutschland noch 53,4 Prozent des Umsatzes von 1,59 Milliarden Euro auf
physische Tonträger. Allerdings findet der Vertrieb von Musik mittlerweile
überwiegend online zulasten des stationären Handels (mit Tonträgern)
statt.
28
Digitalisierung im Vertrieb
Als Herausforderungen für die Nachfrage nach Produkten der
Musikwirtschaft stellen sich mithin vor allem die Digitalisierung -
im Vertrieb und bei der Rechteverwertung -, die sich ändernden
Wertschöpfungsketten weg von der linearen Verwertung sowie das
rasant variierende Konsumverhalten dar. Die Digitalisierung erhöht die
Verfügbarkeit von jeglichen Musikangeboten und es ist demnach für
Künstler und Musikgruppen schwierig, sich aus der unüberschaubaren
Zahl an Möglichkeiten hervorzuheben. Ferner ist es schwierig in einem
Umfeld geringer Zahlungsbereitschaft für bestimmte Produkte und
Dienstleistungen Eigentumsrechte sowohl durchzusetzen als auch für diese
angemessen entgolten zu werden.
29
Da es sich bei Musik in den meisten
Formen nicht um Güter oder Dienstleistungen des regelmäßigen Bedarfs
handelt, reagiert die Nachfrage relativ stark auf schlechtere wirtschaftliche
Rahmenbedingungen. Diese konjunkturelle Komponente bietet im
derzeitigen günstigen Umfeld Chancen, kann in einem Abschwung aber
auch problematisch werden, gerade für kleine Anbieter.
Veränderung der Konsummuster
Es ergeben sich aber auch einige Chancen aus den genannten
Herausforderungen sowie aus den regionalen Besonderheiten der
sächsischen Musikwirtschaft. Das sich ändernde Konsumverhalten erhöht
nicht nur weiter die Bedeutung digitaler Angebote, sondern auch die
Nachfrage nach Musikveranstaltungen und Live-Events. Ein Grund für diese
Entwicklung ist unter anderem der Wunsch nach besonders authentischen
Erlebnissen in Zeiten der Digitalisierung.
30
Auch der demografische Wandel
verändert die Nachfragestrukturen nach Angeboten der sächsischen
Musikwirtschaft. Zukünftig wird der Umfang der jüngeren Bevölkerung
zurückgehen und der Umfang der älteren Bevölkerung zunehmen, was zu
entsprechenden Veränderungen der Bedeutung dieser Nachfragegruppen,
etwa im Hinblick auf Musikveranstaltungen, führt.
Angebotspotenziale für den Kulturtourismus
Für Musikveranstaltungen bieten insbesondere die urbanen Zentren
Leipzig und Dresden, mit ihrer in den vergangenen Jahren sukzessiv
ausgebauten und modernisierten Veranstaltungsinfrastruktur und den
zahlreichen Musikclubs, besonders günstige Standortbedingungen in
Sachsen. Ein vielfältiges musikalisches Kulturangebot erhöht wiederum
die Standortattraktivität sowohl für höher qualifizierte Personen
als auch für Unternehmen. Ferner können eine lebhafte Musikszene
und die hiermit verbundene Anziehungskraft auf Touristen positive
Ausstrahlungseffekte auf das Übernachtungs- und Gastgewerbe haben.
Generell eröffnen Musikveranstaltungen auch Potenziale für die ländlichen
Kulturräume, wo es in Sachsen auch verschiedene Veranstaltungsorte
gibt. Hier könnte eine Koordination zwischen der Musikwirtschaft und
dem Tourismusgewerbe angezeigt sein, wobei es auch touristische
Potenziale im Zusammenhang mit dem Musikinstrumentenbau gibt. Die
Traditionsbetriebe des Musikinstrumentenbaus im Vogtland sind ein
sächsisches Alleinstellungsmerkmal in der Musikwirtschaft. Sie fungieren
damit nicht nur als Arbeitgeber, sondern bieten auch Potenziale für eine
touristische Vermarktung.
Digitalisierung erzeugt Wettbewerbsdruck, aber auch Chancen für neue
Geschäftsmodelle
Auf der Angebotsseite schafft die Digitalisierung mit dem Internet im
Allgemeinen und Streaming-Angeboten im Speziellen einen mächtigen
Wettbewerber für jegliche Anbieter der Musikwirtschaft. Gerade die
kleinbetrieblichen Strukturen der Musikwirtschaft in Sachsen sind dabei
anfällig für diesen Konkurrenzdruck und ausbleibende Aufträge bzw.
Nachfrage. In einer Befragung der LAG IHK Sachsen aus dem Jahr 2015
nennt eine deutliche Mehrheit der Unternehmen der Musikwirtschaft
neben Auftragsmangel und einem generell schrumpfenden Markt für
Tonträger die Wettbewerbsintensität mit Internetanbietern als zentrales
Entwicklungshemmnis.
31
Allerdings eröffnet die Digitalisierung auf Seiten des Angebots auch
Chancen für die Musikwirtschaft. Mit dem Bedeutungsverlust der linearen
Verwertung ist es schnell möglich, durch die Entwicklung von neuen
Geschäftsmodellen auf anderem Wege Kunden oder Interessenten zu
gewinnen. Erfolgskriterien für neue Geschäftsmodelle sind dabei die leichte
Erschließbarkeit digitaler Vertriebsplattformen für den Kunden und die
schnelle Verfügbarkeit der kulturellen Güter für den Kunden über diesen
Vertriebsweg.
32
Dadurch werden die Anforderungen der Selbstvermarktung,
im digitalen wie analogen Umfeld, zunehmend wichtiger, sowohl für
die generelle Sichtbarkeit der eigenen künstlerischen Arbeit, ihrer
Positionierung als auch die Vermarktung.
33
Auf der Finanzierungsseite lassen sich für Künstler, Projekte oder
Start-ups ferner per Crowdfunding über Internetplattformen neue
Kapitalquellen erschließen. Insofern kann die Digitalisierung auch dazu
beitragen, einen fehlenden oder weiter einbrechenden physischen Vertrieb
von Musikprodukten zu kompensieren. Gepaart mit einem Trend zur
Individualisierung und dem Wunsch nach besonderen Erlebnissen haben
sich Formate wie beispielsweise die sogenannten „Sofakonzerte“ etabliert.
Diese ermöglichen einen niedrigschwelligen Zugang zum Auditorium,
nachdem die erste Kontaktaufnahme meist online erfolgte. Ferner zeigen
einzelne Beispiele erfolgreicher Gründer wie im Falle der sogenannten
Spielekonzerte, bei denen die Musik aus Computer- und Videospielen im
großen Konzertrahmen präsentiert werden, dass originelle Ideen stets in
der Lage sind, erfolgreich in Marktlücken vorzudringen. Dies gilt dann auch
unabhängig von der Digitalisierung.
28 Vgl. Bundesverband Musikindustrie (2018), S. 11.
29 Vgl. Lange et al. (2015), S. 31 ff.
30 Vgl. MWIDE (2017), S. 32.
31 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 23 f.
32 Vgl. Söndermann (2017), S. 9 ff.
33 Vgl. Creative City Berlin (2017).

15
16
Prognosen gehen davon aus, dass die Musikindustrie in Deutschland
in den nächsten Jahren weiter leicht wachsen wird. Dabei ist davon
auszugehen, dass die Zuwächse beim Streaming zulasten der traditionellen
Musikwirtschaft weitergehen werden.
34
Dies unterstreicht die Notwendigkeit
für die sächsische Musikwirtschaft, besondere Angebote in Bezug auf
digitale Angebote zu platzieren.
Potenziale für Cross-Innovation
Die Musikwirtschaft ist mit anderen Branchen verflochten und trägt in
diesen zur Produktentwicklung bei, so etwa im Werbemarkt und der
Software-/Games-Industrie, z.B. bei der Entwicklung von Computerspielen.
Musik und Klänge tragen bspw. zur Emotionalisierung von Produkten bei
oder verbessern die Bedienungsführung von Geräten. Kompetenzen der
Musikwirtschaft sind deshalb bspw. für Hersteller komplexer und/oder
hochwertiger Produkte wichtige Bestandteile der Produktentwicklung.
35
Die Zusammenarbeit der Musikwirtschaft an der Schnittstelle mit anderen
Branchen kann dabei Impulse für Cross-Innovation setzen.
Innovationen im Musikinstrumentenbau
Auch für die Entwicklung des Musikinstrumentenbaus sind
Innovationen relevant. Die Präsenz von Hochschulen mit Bezug zum
Musikinstrumentenbau im Vogtland bietet, besonders in Kooperation
mit den Unternehmen des Musikinstrumentenbaus, Potenziale zur
Entwicklung von Innovationen. Im Jahr 2018 und 2019 wurden sächsische
Musikinstrumentenbauer mit dem deutschen Musikinstrumentenpreis
ausgezeichnet. Mit dem Preis werden besonders gute Produkte aus der
industriellen und handwerklichen Fertigung ausgezeichnet.
Generell ist für die Unternehmen der Musikwirtschaft, auch im
Hinblick auf ihre Innovationsfähigkeit, zu berücksichtigen, dass die
Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden für den spezialisierten
Musikinstrumentenbau zukünftig eine wachsende Herausforderung ist.
Dies betrifft schwerpunktmäßig den Musikinstrumentenbau im Kulturraum
Vogtland-Zwickau, beispielsweise bei der Gewinnung von Auszubildenden
für Handwerksberufe.
Tabelle 2: Chancen-Risiken-Analyse für
die sächsische Musikwirtschaft
CHANCEN
Makroökonomische Entwicklung
• Die leichte Erholung der Musikbranche
in der jüngeren Vergangenheit eröffnet
Möglichkeiten für den sächsischen
Musikmarkt, hiervon ebenfalls zu
profitieren.
RISIKEN
• Hohe Nachfrage- und
Einkommenselastizität sowie
Konjunkturabhängigkeit der Nachfrage
nach Produkten und Leistungen der
Musikwirtschaft.
• Der Musikinstrumentenbau befindet
sich in einem sich international
verschärfenden Wettbewerb
(„Billigkonkurrenz“).
Fachkräfte
• Potenziale für Selbstvermarktung und
Positionierung im digitalen Umfeld.
• Die Anzahl potenzieller älterer
Konsumenten nimmt zu, sodass
hierdurch zusätzliche Nachfrage
entstehen könnte.
• Steigende Nachfrage nach
Veranstaltungen und Live-Events der
Musikwirtschaft.
• Die Individualisierung erhöht die
Nachfrage nach spezifischen
Produkten, was Optionen für
die Entwicklung von neuen
Präsentationsformaten eröffnet (z.B.
Spielekonzerte).
• Es bestehen Potenziale für die
Weiterentwicklung von musikbasiertem
Kulturtourismus, weil dieser ein
wachsendes Marktsegment ist.
Veränderung der Konsummuster
• Die Anzahl jüngerer Konsumenten
nimmt tendenziell ab.
• Fachkräfteengpässe für den
spezialisierten Musikinstrumentenbau
im Kulturraum Vogtland-Zwickau.
Digitalisierung
• Veränderte Konsummuster hin zu
digitalen Angeboten, insbesondere
Streaming-Diensten.
• Leichtere und innovative Erschließung
von Kunden im Zuge der Digitalisierung
mit neuen Geschäftsmodellen.
• Digitalisierung eröffnet neue
Vertriebskanäle und die Erschließung
neuer Finanzierungsquellen, z.B. durch
Crowdfunding Plattformen.
• Verfassen umsetzbarer Regelungen
zur Rechteverwertung im Hinblick auf
digitale Inhalte.
• Rückläufige Nachfrage im stationären
Handel.
• Zunehmender Wettbewerbsdruck
durch digitalisierte Angebote, welcher
besonders für kleinere Unternehmen
eine Herausforderung darstellen kann.
• Fragen der Rechteverwertung und der
Zahlungsbereitschaft für Musik.
• Aufgrund des stetig wachsenden
Angebotes nehmen die Optionen,
als einzelner Musikschaffender oder
als Standort der Musikwirtschaft
Bekanntheit zu erlangen, ab.
34 Vgl. Statista (2018a).
35 Vgl. MWIDE (2017), S. 33.

17
18
Die Konjunkturabhängigkeit der Nachfrage nach Musikprodukten und -leistungen birgt
ökonomische Risiken für die Musikwirtschaft.
Durch Digitalisierung und Globalisierung befindet sich die Musikwirtschaft in einem
verschärften Wettbewerb. Neben internationaler „Billigkonkurrenz“ im Musikinstrumentenbau
und konkurrierenden digitalen Angeboten erfährt auch der stationäre Handel eine zunehmende
Verdrängung.
Durch die Digitalisierung verändert sich neben dem Konsumverhalten auch die
Zahlungsbereitschaft für Musikprodukte. Diese reduziert sich bei gleichzeitiger Zunahme an
digitalen Angeboten.
Besonders kleinere Unternehmen können dem steigenden Wettbewerbsdruck, vor allem durch
den Boom bei Streaming-Diensten, nicht standhalten.
Das zunehmende Angebot von Musik und dessen globale Verfügbarkeit reduziert die
Sichtbarkeit einzelner Musiker und Musikerinnen sowie von Standorten. Dies stellt auch eine
Herausforderung für die sächsischen Musiker dar.
Ein Mangel an Spezialimmobilien für die Musikwirtschaft, besonders in den urbanen sächsischen
Kulturräumen, könnte ihre Entwicklungsmöglichkeiten einschränken.
Die Gewinnung von Fachkräften und Auszubildenden für den spezialisierten
Musikinstrumentenbau könnte zukünftig im Zuge des demografischen Wandels eine wachsende
Herausforderung für den Musikinstrumentenbau im Kulturraum Vogtland-Zwickau werden.
Das geltende Verwertungsrecht im Bereich der Musikwirtschaft ist ein Problemfeld, das sich
negativ auf die Angebotsentwicklung auswirkt. Dies betrifft besonders umsetzbare Regelungen
zur Rechteverwertung für digitale Inhalte.
ENTWICKLUNGSHEMMNISSE
Die leichte Erholung des weltweiten Umsatzes der Musikindustrie in der jüngeren
Vergangenheit eröffnet Möglichkeiten für die sächsische Musikwirtschaft, hiervon ebenfalls zu
profitieren.
Aufgrund veränderter Konsumentenpräferenzen steigt der Bedarf an digitalen Angeboten,
insbesondere von Streaming-Diensten.
Zwar nimmt der Wettbewerbsdruck in allen Bereichen der Musikwirtschaft weiter zu,
gleichzeitig entstehen, insbesondere durch die Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle
und damit einhergehend Möglichkeiten zur leichteren und innovativen Erschließung neuer
Absatzmöglichkeiten und Finanzierungsquellen (Crowdfunding).
Das Internet bietet eine Reihe von Möglichkeiten für das (Direkt-)Marketing von Musikern sowie
für die Platzierung der eigenen Musik.
Die Musikwirtschaft ist mit anderen Branchen verflochten und trägt in diesen zur
Produktentwicklung und Cross-innovation bei, z.B. bei der Entwicklung von Computerspielen
sowie von Musik und Klängen als Orientierung für die Bedienung von Geräten.
Die Präsenz von Hochschulen mit Bezug zum Musikinstrumentenbau im Vogtland bietet,
besonders in Kooperation mit den Unternehmen des Musikinstrumentenbaus, Potenziale zur
Entwicklung von Innovationen.
Eine steigende Nachfrage nach Veranstaltungen und Live-Events in allen Genres der
Musikbranche eröffnet Potenziale zur Erschließung neuer Märkte, auch im Zusammenhang mit
dem Kulturtourismus.
Der gesellschaftliche Trend hin zur Individualisierung des Konsums erhöht die Nachfrage nach
spezifischen Angeboten im Bereich von Musikveranstaltungen, wodurch neue Marktnischen
(etwa Sofakonzerte und Spielekonzerte) entstehen.
Der Aufbau einer sächsischen Musikzentrale zur qualitativen und quantitativen
Weiterentwicklung der Musikwirtschaft in Sachsen.
Außenwirksame Ansätze zur Stärkung der Wahrnehmung der sächsischen Musikwirtschaft
bestehen im Ausbau der Messeaktivitäten sowie der Stärkung der Musik-Festivals im urbanen
und ländlichen Raum, auch im Zusammenhang mit touristischen Angeboten.
Die Stärkung der Musikclubkultur erhöht die Attraktivität und Lebensqualität.
Weitere Stärkung des Fachkräfteangebotes für die Musikwirtschaft in Sachsen, etwa durch
besondere Ausbildungsangebote für den Musikinstrumentenbau.
ENTWICKLUNGSPOTENZIALE

36
20
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
BUCHMARKT
02.2
BUCHMARKT
STATISTISCHE ECKDATEN
36
Der Anteil des Buchmarktes an der Bruttowertschöpfung der KKwi in
Sachsen betrug im Jahr 2015 3,2 Prozent (63 Mio. Euro). Der Buchmarkt
ist einer der kleineren Teilmärkte der KKwi in Sachsen. Gemessen am
Bruttowertschöpfungsanteil erreicht er in etwa die Größenordnung des
Kunstmarktes (Anteil an der Bruttowertschöpfung der KKwi 3,1 %), der
Filmwirtschaft (3,3 %) und der Rundfunkwirtschaft (3,4 %).
Der Buchmarkt in Sachsen erzielte im Jahr 2015 mit 134 Mio. Euro 3,6
Prozent des gesamten Umsatzes der KKwi in Sachsen. Der Buchmarkt
wird, gemessen am Umsatz, von den Wirtschaftszweigen Buchbinderei,
Druckweiterverarbeitung, Einzelhandel mit Büchern und den Buchverlagen
dominiert.
37
Die weiteren drei Wirtschaftszweige sind hier nur von geringer
Relevanz.
Von den 2.169 Beschäftigten im Jahr 2015 waren 1.572 Personen
sozialversicherungspflichtig beschäftigt, was einem Anteil von 72,5 Prozent
entsprach. Der Frauenanteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
lag im Jahr 2016 bei 74,8 Prozent und damit deutlich über dem Frauenanteil
an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der gesamten
sächsischen KKwi von 46,6 Prozent.
Zwischen 2010 und 2015 ist die Zahl der Erwerbstätigen um 5,4
Prozent auf 3.729 gesunken. Besonders rückläufig war die Zahl der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die um 22,6% gegenüber
2010 gefallen ist. Im Gegenzug gab es einen merklichen Zuwachs bei den
Unternehmen mit einem Umsatz unter 17.500 Euro (von 840 auf 1.115)
und einen geringeren Zuwachs bei den Unternehmen mit Umsätzen über
17.500 Euro von 410 auf 445. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist
36 Die dargestellten statistischen Werte für den Buchmarkt stammen aus SMWA (2017), S. 42 ff.
37 Vgl. SMWA (2017), S. 42.
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 6: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Buchmarkt
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 5: Unternehmen* des
Buchmarktes im Jahr 2015
Selbstständige Schriftsteller (27 %)
Selbstständige Übersetzer (9 %)
Buchverlage (11 %)
Einzelhandel mit Büchern (33 %)
Antiquariate (6 %)
Buchbinderei,
Druckweiterverarbeitung (13 %)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

21
22
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Der Buchmarkt ist mit Bezug auf die Bruttowertschöpfung, die Zahl
der Unternehmen und der Erwerbstätigen sowie den Umsatz in der
sächsischen KKwi von eher geringer Bedeutung. Die Bruttowertschöpfung
ist von 2010 bis 2015 mit einem Rückgang um 32,3 Prozent sehr stark
gesunken, wobei nur die Entwicklung der Bruttowertschöpfung im
Kunstmarkt in diesem Zeitraum ungünstiger ausfiel. Auch die Umsätze
sind zwischen 2010 und 2015 um 29,8 Prozent zurückgegangen. Der
Rückgang bei der Erwerbstätigkeit fiel vor allem deshalb weniger stark
aus, weil der Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung
von einigen neuen Unternehmen teilweise kompensiert wurde. Hiermit
zeigt sich im Berichtszeitraum des zweiten KKwi-Berichts für Sachsen
für den Buchmarkt eine deutlich andere Entwicklung als im Zeitraum von
Abbildung 8: Verflechtungsstrukturen
des sächsischen Buchmarktes
Abbildung 7: Statistische Eckdaten zum
sächsischen Buchmarkt 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2016.
dagegen leicht von 662 auf 597 zurückgegangen. Im massiven Verlust an
sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen spiegelt sich
die grundsätzlich schwache Entwicklung des Buchmarktes in Sachsen
wider. Da dieser Rückgang vor allem durch kleine Gründungen kompensiert
wurde, hat sich die Situation der Erwerbstätigen auch im Hinblick auf ihre
soziale Absicherung tendenziell verschlechtert.
Das jährliche Durchschnittseinkommen der in der Künstlersozialkasse in
Sachsen Versicherten in der Berufsgruppe „Wort“, in der z.B. selbstständige
Schriftsteller Mitglied sein können, betrug im Jahr 2016 15.515 Euro.
Inwiefern diese Personen nebenberuflich schreiben und noch eine
andere Erwerbsquelle haben ist diesen Daten nicht zu entnehmen. Solo-
Selbstständige haben in Deutschland aber im Allgemeinen häufiger weitere
Einkommensquelle als abhängig Beschäftigte.
38
Generell beeinflusst die sächsische KKwi als Bezieher von Vorleistungen
und Lieferant von Produkten andere Wirtschaftszweige in Sachsen in deren
Entwicklung. Auch der sächsische Buchmarkt ist über Lieferbeziehungen
über Wertschöpfungsketten mit einigen anderen sächsischen
Wirtschaftszweigen verflochten. Abbildung 8 gibt einen Überblick über
diese Verflechtungen mit vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweigen in
Sachsen. Vorleistungen bezieht der Buchmarkt in Sachsen vor allem aus
3.729
Erwerbstätige
(100 %)
2.169
Beschäftigte
(58,2 %)
Selbstständige
1.560
/ Unternehmen
(41,8 %)
Sozialversicher-
1.572
ungspflichtig
Beschäftigte
(72,5 %)
Frauen: 74,8 %
Geringfügig
597
Beschäftigte
(27,5 %)
1.115
Unter 17.500 €
(71,5 %)
Ab
445
17.500 €
(28,5 %)
4,6 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
Mio. € Bruttowertschöpfung
63
(3,2 % der KKwi)
Tausend
302
€ Umsatz
je Unternehmen
134,4
Mio. € Umsatz
(3,6 % der KKwi)
Erwerbstätige
2,3
je Unternehmen
dem Bereich der Druckereileistungen, bespielte Ton-, Bild- und Datenträger,
den Dienstleistungen des Grundstücks- und Wohnungswesens, den
Wach-, Sicherheitsdienstleistungen und wirtschaftlichen Dienstleistungen
sowie aus dem Bereich Papier, Pappe und Waren daraus. Etwa die
Hälfte seiner Vorleistungen bezieht der Buchmarkt dabei aus nur sechs
anderen Wirtschaftszweigen. Die Lieferungen an andere Unternehmen
gehen an eine größere Breite an Abnehmer. Zu den wichtigsten gehören
Einzelhandelsleistungen (ohne Kfz), das Verlegen von Zeitungen,
Druckereileistungen, bespielte Ton, Bild- und Datenträger, Dienstleistungen
der öffentlichen Verwaltung und der Verteidigung sowie Dienstleistungen
der Rechts-, Steuer- und Unternehmensberatung. Dabei kann es sich
beispielsweise um Print-Produkte, aber auch um Textbeiträge handeln.
Lieferungen aus Sachsen an die
sächsischen Unternehmen des
Buchmarktes (Anteile an den
gesamten Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen des Buchmarktes
an sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Druckereileistungen, bespielte Ton-,
Bild- und Datenträger (13,6 %)
Dienstleistungen des Grundstücks-
und Wohnungswesens (10,4 %)
Wach-, Sicherheitsdienstlungen,
wirtschaftliche Dienstleistung. a.n.g.
(8,1 %)
Papier, Pappe und Waren daraus
(7,2 %)
IT- und
Informationsdienstleistungen
(5,3 %)
Einzelhandelsleistungen (ohne Kfz)
(8 %)
Verlegen von Zeitungen (6,6 %)
Druckereileistungen, bespielte Ton-,
Bild- und Datenträger (6,4 %)
Dienstleistungen der öffentlichen
Verwaltung und der Verteidigung
(5,1 %)
Dienstleistungen der Rechts-, Steuer-
und Unternehmensberatung (4,9 %)
38 Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (2012), S. 14.
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)

23
24
vorwiegend weiblich. Dies mag präferenzgetrieben sein, birgt aber die
Gefahr, in einem äußerst schwierigen Marktumfeld, das sich vor allem durch
Umbrüche infolge der Digitalisierung im Wandel befindet, mit unsicheren
Erwerbsverhältnissen zurechtkommen zu müssen.
Ausbildung und Fachkräfte
In Sachsen gibt es besondere Ausbildungsangebote für den Buchmarkt, wie
die Leipziger Buchhändler-Lehranstalt Gutenbergschule, die hier im Jahr
1853 gegründet wurde. Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur
Leipzig bietet den Bachelorstudiengang Buchhandel/Verlagswirtschaft
an. Das deutsche Literaturinstitut an der Universität Leipzig bietet
deutschlandweit eine von nur drei Möglichkeiten, auf akademischem Wege
literarisches Schreiben zu erlernen. Hieraus resultieren überregionale
Ausstrahlungseffekte für den Buchmarkt in Sachsen. Generell betrifft
der Fachkräftemangel auch den Buchmarkt. Die Unternehmen auf dem
sächsischen Buchmarkt stehen verstärkt vor der Herausforderung,
erfolgreiche Prozesse der Unternehmensnachfolge zu etablieren. Im
Buchhandel fehlt es an Auszubildenden.
46
Initiativen zur Förderung des Lesens
Es gibt zahlreiche Leseprojekte zur Förderung des Lesens in Sachsen,
welche mit der Initiative „Lesestarkes Sachsen“ noch enger vernetzt werden
sollen. Initiativen wie die Stiftung Lesen, der Leipziger Lesekompass oder
die Initiative Lesen macht stark: Lesen und digitale Medien haben wichtige
Bildungsfunktionen. Der Buchsommer Sachsen ist eine sachsenweite
Ferien-Lese-Aktion, die sich an Schüler wendet. Verschiedene Initiativen
in Sachsen tragen damit zur Förderung der Befassung mit dem Kulturgut
„Buch“, ebenso wie die breite Bibliothekslandschaft in Sachsen mit über
450 öffentlichen und 43 wissenschaftlichen Bibliotheken, bei.
47
Messen, Veranstaltungen, Netzwerke und Preise
Die Außenwahrnehmung des sächsischen Buchmarktes wird durch die
Verlags- und Buchtradition Leipzigs sowie die Leipziger Buchmesse
geprägt. Die Leipziger Buchmesse ist das zweitgrößte deutsche
Branchentreffen dieser Art. Als Alleinstellungsmerkmal dieser Messe gilt
die ergänzende Veranstaltung „Leipzig liest“, die begleitend zur Buchmesse
eine Vielzahl von Lesungen an unterschiedlichen Orten anbietet. Hiermit
wird ein engerer Kontakt zwischen Autoren und Lesern ermöglicht, was
die Attraktivität der Veranstaltung für Besucher erhöht. Die Leipziger
Buchmesse ist auch überregional von hoher Bedeutung und hat zugleich
regionalwirtschaftliche Relevanz bei der Anziehung von Touristen. Dazu
tragen auch Veranstaltungen im Rahmen der Messe, wie die Manga
48
-
Comic-Con bei.
Als Interessensvertretung von Verlagen, Buchhandlungen, dem
Zwischenbuchhandel, Antiquariaten und Verlagsvertretern ist der
Börsenverein des Deutschen Buchhandels e. V. mit dem Landesverband
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in Leipzig ansässig. Der Verband
Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller Sachsen in Leipzig und der
sächsische Literaturrat fördern die Vernetzung im Buchmarkt. Im Jahr 2018
hat der Freistaat Sachsen den ersten Sächsischen Verlagspreis verliehen.
Im selben Jahr wurden sechs inhabergeführte Buchhandlungen aus
Sachsen mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet, was zur
Außenwahrnehmung des sächsischen Buchmarktes beiträgt.
Tabelle 3 fasst zentrale Stärken und Schwächen für den sächsischen
Buchmarkt zusammen.
2000 bis 2006, dem Betrachtungszeitraum des ersten KKwi-Berichts für
Sachsen. In diesem Zeitraum ist der Umsatz auf dem Buchmarkt um 94
Prozent gestiegen. Der Buchmarkt zählte damit zu den erfolgreichsten
Teilmärkten in der sächsischen KKwi.
39
Die im Vergleich hierzu ungünstige
Entwicklung im Zeitraum von 2010 bis 2015 ist wesentlich durch den
hohen Wettbewerbsdruck im Zuge des Bedeutungsgewinns von digitalen
Inhalten zu begründen (vgl. dazu auch weiter unten). So ist der Umsatz
im Einzelhandel mit Büchern in Sachsen von 2010 bis 2015 deutlich
zurückgegangen.
Der sächsische Buchmarkt ist mit 4,5 Erwerbstätigen
(sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Selbstständige) pro
Unternehmen
40
mit einem Jahresumsatz über 17.500 Euro im Durchschnitt
eher kleinbetrieblich geprägt. Dies wird aber durch den hohen Anteil
selbstständiger Schriftsteller verzerrt, denn die umsatzstärkeren
Buchverlage und Buchbindereien/Firmen in der Druckweiterverarbeitung
liegen eher über diesem Durchschnittswert hinsichtlich der Anzahl von
Erwerbstätigen pro Unternehmen. Dabei gibt es auch einige größere
Buchverlage und Buchbindereien/Firmen der Druckweiterverarbeitung
in Sachsen. Im Verlagsverzeichnis des Börsenvereins des Deutschen
Buchhandels Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen gab es im Jahr 2019
insgesamt 133 sächsische Verlage.
41
Im Buchmarkt sind ferner viele
Unternehmen mit Umsätzen unter 17.500 Euro aktiv. Im Jahr 2015 waren
dies 1.115. Infolge der niedrigen Umsatzzahlen und damit Einkünfte dieses
Personenkreises mangelt es hier potenziell an kurz- und langfristiger
sozialer Absicherung. Im sächsischen Buchmarkt herrscht aufgrund der
gegebenen Unternehmensstruktur keine Abhängigkeit von einem oder
mehreren großen Unternehmen.
Regionale Schwerpunkte
Im sächsischen Buchmarkt stechen vor allem die Kulturräume Leipzig und
Dresden in Bezug auf die Umsätze und Unternehmenszahl hervor. In allen
anderen Kulturräumen waren im Jahr 2015 höchstens 33 Unternehmen des
Buchmarktes ansässig. Von den Unternehmen mit mehr als 17.500 Euro
Umsatz sind im Jahr 2015 244 von 445 Unternehmen (54,8 %) in Leipzig
und Dresden angesiedelt gewesen. Ebenfalls hoch ist die Bedeutung
für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, die im Jahr 2015 in
diesen beiden Kulturräumen 66,6 Prozent (1.047 von 1.572) bezogen auf
alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigte des Buchmarktes in Sachsen
ausmachte.
42
Dabei ist der hohe Anteil Leipzigs am sächsischen Buchmarkt
auf die lange Verlags- und Buchtradition der Stadt zurückzuführen. Im
Prozess der Erstellung des zweiten KKwi-Berichts für Sachsen wurde von
regionalen Akteuren darauf hingewiesen, dass von der überregionalen
Anziehungskraft der Literaturstadt Leipzig auch der Buchmarkt in ganz
Sachsen profitieren könnte. Die breite Basis des Buchmarktes in Leipzig kann
durch die Ausstrahlung Leipzigs als Standort für die Buchmesse und kleinere
Verlage sowie als Anziehungspunkt für Autoren weiter gestärkt werden.
Eine Besonderheit weist der sächsische Buchmarkt zudem in der Stadt
Bautzen im Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien auf. Hier sind die
Smolerjec kniharnja/Smolersche Verlagsbuchhandlung und der Domowina-
Verlag ansässig, die der sorbischen Literatur und damit dem Erhalt
der sorbischen Tradition gewidmet sind.
43
Dies ist zwar weniger von
ökonomischer, aber vielmehr von allgemein gesellschaftlicher Bedeutung für
diesen Kulturraum und die dort lebenden Sorben.
Trotz der langen literarischen Tradition gerade Leipzigs sind die Unternehmen
des Buchmarktes in den sächsischen Kulturräumen eher jung. Dies ist das
Ergebnis der Umbruchprozesse im Zuge der deutschen Wiedervereinigung,
als es vielfach zu Neugründungen kam.
44,45
Die Beschäftigten sind
39 Vgl. SMWA (2009), S.29.
40 Vgl. SMWA (2017), S. 42.
41 Vgl. Börsenverein des Deutschen Buchhandels Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen (2019), Stand: Januar 2019.
42 Vgl. SMWA (2017), S. 42 f.
43 Vgl. Domowina-Verlag (2018).
44 Vgl. SMWA (2009), S. 29.
45 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 20.
46 Vgl. Kahlefendt (2019).
47 Vgl. SMWK (2019).
48 Manga ist der japanische Begriff für Comic.

25
26
Bildung, Fachkräfte und Netzwerke
• Es gibt in Sachsen zahlreiche Bildungs-
angebote mit Bezug zum Buchmarkt,
dazu zählt auch die sächsische Biblio-
thekslandschaft.
• Das deutsche Literaturinstitut an der
Universität Leipzig bietet deutschland-
weit eine von nur drei Möglichkeiten,
auf akademischem Wege literarisches
Schreiben zu erlernen.
Es gibt zahlreiche Netzwerke mit Bezug
zum Buchmarkt (z.B. Börsenverein des
Deutschen Buchhandels e. V. mit dem
Landesverband Sachsen, Sachsen-
Anhalt und Thüringen in Leipzig).
• Die Leipziger Buchmesse hat
überregionale Ausstrahlung und trägt
zur Netzwerkbildung bei.
Tabelle 3: Stärken und Schwächen des
sächsischen Buchmarktes
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Wachstum, Struktur und regionale Schwerpunkte
• Leipzig ist der regionale Schwerpunkt
des Buchmarktes in Sachsen mit hoher,
überregional bekannter Verlags- und
Buchtradition und einer ausgeprägten
hierzu komplementären Infrastruktur.
• Ein Alleinstellungsmerkmal ist die
sorbische Literatur in Bautzen.
• Schwache Entwicklung aller
wirtschaftlichen Daten in den letzten
Jahren.
• Starker Rückgang bei den sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten
(bei einem überdurchschnittlich
hohen Anteil der Frauen an den
sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten).
• Die überwiegend kleinbetriebliche
Struktur der Unternehmen birgt die
Gefahr, dass sie besonders von dem
steigenden Wettbewerbsdruck durch
Digitalisierung betroffen sind.
• Der Buchmarkt weist im Wesentlichen
(mit Ausnahme der sorbischen
Literatur Bautzens) außerhalb
der urbanen Kulturräume keine
herausstechenden Merkmale auf.
• Die Unternehmen auf dem sächsischen
Buchmarkt stehen verstärkt vor der
Herausforderung, erfolgreiche Prozesse
der Unternehmensnachfolge zu
etablieren.
• Im Buchhandel fehlt es an
Auszubildenden.
CHANCEN UND RISIKEN
Absatzmärkte
Die Kunden des sächsischen Buchmarktes sind zum größeren Teil regionaler
Herkunft. In einer Befragung der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie-
und Handelskammern im Freistaat Sachsen der Mitgliedsunternehmen
aus dem Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft im Jahr 2014 gaben
Unternehmen des Buchmarktes an, dass lediglich 11 Prozent ihrer Kunden
aus dem Ausland stammen. Die Auftraggeber sind dabei vornehmlich aus
dem privaten, in etwas geringeren Umfang aus dem gewerblichen und
öffentlichen Bereich.
49
Digitalisierung verändert die Marktanteile im Buchhandel
Der Buchmarkt in Sachsen wird von den Entwicklungen beeinflusst,
die sich auch maßgeblich auf den nationalen und internationalen
Buchmarkt auswirken und dort in den vergangenen Jahren zu massiven
Verschiebungen geführt haben. Vorrangig ist hier die Digitalisierung
zu nennen, die Lesen in einer anderen Form ermöglicht und neue
Verbreitungsmöglichkeiten eröffnet. Damit einher geht die Schwierigkeit,
Eigentumsrechte durchzusetzen und bei den Kunden eine ausreichend
hohe Zahlungsbereitschaft für die Produkte des Buchmarktes zu wecken.
50,51
Hoher Konkurrenzdruck durch Online-Handel
Auf der Angebotsseite übt die Digitalisierung einen hohen Druck auf
den Buchmarkt aus. Gerade der Einzelhandel mit Büchern (und im
geringeren Maße Antiquariate) ist der Konkurrenz durch den Online-
Vertrieb von Produkten oder digitalen Angeboten ausgeliefert. Dies ist aber
regionsunabhängig und kein Spezifikum für das Land Sachsen oder einen
der betrachteten Kulturräume.
Von 2007 bis 2017 sind die Umsätze im deutschen Buchhandel insgesamt
leicht rückläufig gewesen, und zwar von 9,6 Mrd. auf 9,1 Mrd. Euro.
Allerdings kam es dabei zu hohen Einbußen im Sortimentsbuchhandel (von
5,1 auf 4,3 Mrd. Euro), während zugleich der Internetbuchhandel diesen
Verlust überwiegend ausgeglichen hat (von 850 Mio. Euro auf 1,7 Mrd.
Euro). Allerdings hat sich auch in diesem Bereich das Wachstum zuletzt
hin zu einer aktuellen Stagnation abgeschwächt.
52
Prognosen gehen davon
aus, dass der Umsatzrückgang im Buchmarkt weiter anhalten wird. In
einer Analyse zur Entwicklung des Buchmarktes in Deutschland bis zum
Jahr 2020 ergibt sich für das Jahr 2020 eine Umsatzerwartung von 8,8
Mrd. Euro. Dabei werden Druckerzeugnisse aber zunehmend von E-Books
ersetzt,
53
wobei allerdings der Umsatzanteil von E-Books am Umsatz im
deutschen Publikumsmarkt in der Größenordnung von 4,5% im Jahre 2017
noch gering war.
54
Somit besteht eine zentrale Chance und Herausforderung im deutschen
Buchmarkt, digitale Angebotsformen und Vertriebskanäle zu nutzen und
sich dem durch die Digitalisierung veränderten Nutzen- und Kaufverhalten
der Konsumenten anzupassen.
Entwicklungsmöglichkeiten bestehen auch im Bereich des E-Publishing, mit
dem Buch- und Zeitungsverlage ihre Produkte online vermarkten. Der Markt
für E-Publishing in Deutschland stagniert derzeit jedoch noch. Als zentrale
Ursache können insbesondere marginale Preisunterschiede zwischen
gedruckten und online verfügbaren Produkten identifiziert werden. Zudem
sind Inhalte, insbesondere von Zeitungen und Magazinen, üblicherweise frei
verfügbar, sodass die Kaufanreize zu gering und somit nicht wirksam sind.
55
49 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 22.
50 Vgl. Arndt et al. (2011), S. 29.
51 Vgl. Söndermann (2017), S. 9 ff.
52 Vgl. Börsenverein des deutschen Buchhandels (2018).
53 Vgl. PwC (2016), S. 15.
54 Vgl. Börsenverein des deutschen Buchhandels (2018).
55 Vgl. Statista (2018b).

27
28
Potenziale der Digitalisierung für den Vertrieb
Allerdings eröffnet die Digitalisierung auch neue Vertriebsmöglichkeiten
durch den zunehmenden Absatz digitaler Inhalte. Autoren können die
Möglichkeiten neuer Applikationen nutzen, um ihre Texte selbst zu
platzieren (Selbstverlag), anstatt Verlage einzuschalten. Gleichzeitig
kann das jedoch den Wettbewerbsdruck unter Autoren weiter erhöhen
und durch die niedrigeren Eintrittshürden in den Markt hochwertige
Ausbildungen entwerten. Für Verlage ist es daneben möglich, ein
Produkt sowohl physisch als auch elektronisch anzubieten. Dies ist wegen
des zusätzlichen Vertriebskanals zum einen eine Chance, wegen der
Notwendigkeit, sich hieran in den Betriebsabläufen anzupassen, zum
anderen aber auch eine Herausforderung. Ein Hemmnis für die Entwicklung
der digitalen Verwertung von Literatur ist, dass diese derzeit unklaren
rechtlichen Regelungen unterliegt.
Das Thema digitaler Veröffentlichungen wird in Sachsen bereits in
verschiedenen Bereichen thematisiert. So im Projekt Fit for Digital
Publishing (FiDiPub), welches ein Forschungsprojekt ist, das sich mit
der Digitalisierung in den sächsischen Kleinverlagsbranchen befasst. An
diesem Innovationsprojekt sind sächsische Unternehmen, Hochschulen und
Forschungseinrichtungen aus unterschiedlichen Bereichen (z.B. Informatik,
Medien) beteiligt, was u.a. die Potenziale für Cross-Innovation mit Bezug
zum Buchmarkt fördert.
56
Konsumentenpräferenzen haben hohen Einfluss auf den Buchmarkt
Eine wesentliche Rolle für den Buchmarkt spielt das Nutzerverhalten und
dessen Veränderung. Tendenziell nimmt die Lesehäufigkeit seit einigen
Jahren geringfügig ab. Damit einher geht auch eine leicht sinkende
Ausgabebereitschaft für Bücher.
57
Dies dürfte auch der hohen Verfügbarkeit
von Informationen und kostenfreien Lesemöglichkeiten geschuldet sein,
die den Buchmarkt im Internetzeitalter unter Druck setzen. Bücher sind
Güter, die nicht zum täglichen Bedarf gehören und bei denen deshalb
ein Konsumverzicht vergleichsweise leichter fällt. Bei sich eintrübenden
Konjunkturaussichten kann sich dies für den Buchmarkt als problematisch
erweisen und träfe vermutlich zuerst kleinere Anbieter.
Bedienung von Nischen
Die Unternehmen im sächsischen Buchmarkt sind eher jung und
kleinbetrieblich strukturiert, mit zum Teil hochspezialisierten
Kleinstverlagen. Dies verhindert einerseits, dass ein Bestehen im
überregionalen Wettbewerb möglich ist und erfordert eine lokale
Konzentration. Andererseits besteht damit keine wirtschaftliche
Abhängigkeit des Bundeslandes oder einzelner Kulturräume von
dominierenden Unternehmen. Ferner ist es für die Akteure im sächsischen
Buchmarkt – jenseits der Schriftsteller - damit notwendig, auf Nischen,
spezialisierte Produkte oder andere Alleinstellungsmerkmale zu setzen.
Leipzig ist mit 43 Verlagen immerhin der siebtgrößte Verlagsstandort
Deutschlands,
58
dabei handelt es sich allerdings vornehmlich um
Kleinverlage.
Tabelle 4: Chancen-Risiken-Analyse für
den sächsischen Buchmarkt
CHANCEN
Konsumentenpräferenzen
• Spezialisierung und Bedienung von
Nischeninteressen (im Verlagswesen).
• Mit Blick auf die Bildungsfunktion
des Buchmarktes bestehen
fortwährende Entwicklungspotenziale
für Sachsen. Diese können mit Blick
auf das Deutsche Literaturinstitut
an der Universität Leipzig oder den
Buchsommer Sachsen gehoben
werden.
RISIKEN
• Die Lesehäufigkeit nimmt seit einigen
Jahren geringfügig ab. Damit einher
geht auch eine leicht sinkende
Ausgabebereitschaft für Bücher.
• Die Digitalisierung auf dem Buchmarkt
eröffnet neue Absatzmöglichkeiten,
weil mehr digitale Inhalte nachgefragt
werden.
• Durch die Digitalisierung ergeben sich
neue Vertriebsmöglichkeiten für den
Buchmarkt, insbesondere auch für
Start-Ups und junge Autoren.
• Für Verlage ist es daneben möglich,
ein Produkt sowohl physisch als auch
elektronisch anzubieten.
• Die Digitalisierung ermöglicht auch im
Buchmarkt weitreichende Innovationen,
wie beispielsweise im Bereich der
E-Books und des E-Publishing.
Digitalisierung
• Der zunehmende Online-Handel
und die digitale Verwertung von
Literatur unterliegen derzeit unklaren
rechtlichen Regelungen.
• Der digitale Wandel resultiert in
veränderten Konsummustern. Er
verringert langfristig die Nachfrage
nach Printprodukten im stationären
Handel, was zu negativen
ökonomischen Auswirkungen auf dem
Buchmarkt führen kann.
56 Vgl. Universität Leipzig (2019).
57 Vgl. Statista (2018b).
58 Vgl. Börsenverein des deutschen Buchhandels (2019).

29
30
Die rechtlichen Regelungen für den zunehmenden Online-Handel und die
Verwertung von digitalem Content sind nicht abschließend geklärt. In Kombination
mit steigendem Wettbewerbsdruck, nachlassender Zahlungsbereitschaft für
Druckerzeugnisse und dem Fehlen einer höheren Zahl größerer Verlagsunternehmen
im sächsischen Raum hemmt dies die positive Weiterentwicklung des Buchmarktes.
Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette führt zur Verdrängung des stationären
Buchhandels sowie von Druckerzeugnissen, was sich negativ auf die weitere
Entwicklung des Buchmarktes auswirken kann.
Der Umsatz in Sortimentsbuchhandlungen ist rückläufig.
Die Lesehäufigkeit nimmt seit einigen Jahren geringfügig ab. Damit einher geht auch
eine leicht sinkende Ausgabenbereitschaft für Bücher. Dies setzt den Buchmarkt im
Internetzeitalter unter Druck.
Die Unternehmen auf dem sächsischen Buchmarkt stehen verstärkt vor der
Herausforderung, erfolgreiche Prozesse der Unternehmensnachfolge zu etablieren.
Im sächsischen Buchhandel fehlt es an Auszubildenden.
ENTWICKLUNGSHEMMNISSE
Die Digitalisierung auf dem Buchmarkt eröffnet neue Absatzmöglichkeiten, weil mehr
digitale Inhalte nachgefragt werden. Für Verlage ist es daneben möglich, ein Produkt
sowohl physisch als auch elektronisch anzubieten.
Durch die Digitalisierung ergeben sich neue Vertriebsmöglichkeiten für den
Buchmarkt, die auch Start-Ups und junge Autoren nutzen können. Aufgrund der
Kostensenkung für Produktions- und Vertriebsprozesse im Zuge der Digitalisierung
gibt es günstige Bedingungen für Self-Publishing.
Im Verlagswesen bieten sich aufgrund der zunehmenden Ausdifferenzierung der
Nachfrage und der Bearbeitung von Spezialthemen, Potenziale für die Erschließung
von Nischenmärkten.
Die digitalen Kanäle bieten die Chance in Kooperation mit anderen Teilmärkten
der KKwi, etwa aus der Filmwirtschaft oder der Software-/Games-Industrie, neue
Leseerlebnisse zu schaffen und Cross-Innovation zu generieren.
Es gibt günstige Standortbedingungen in Sachsen, welche zur Stärkung von Leipzigs
überregionaler Ausstrahlungskraft als Literaturstadt beitragen. Möglichkeiten dazu
bieten beispielsweise Messeaktivitäten, Präsentationsformate für Verlage und die
Außendarstellung des Leselands Sachsen, auch auf internationaler Ebene.
Die Bedeutung des Buchmarktes für die kulturelle Bildung kann mit dem Deutschen
Literaturinstitut an der Universität Leipzig, durch Ausbildung von Schriftstellern,
oder dem Buchsommer Sachsen noch weiter ausgebaut werden und so das Leseland
Sachsen weiterentwickelt werden.
Durch die stärkere Darstellung des Alleinstellungsmerkmals der sorbischen Literatur
in Sachsen kann die überregionale Wahrnehmung des sächsischen Buchmarktes
gefördert werden.
Die weitere Etablierung von Preisen für Autoren sowie Verlage in Sachsen stärkt die
Sichtbarkeit des Buchmarktes.
ENTWICKLUNGSPOTENZIALE

48
32
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
KUNSTMARKT
02.3
KUNSTMARKT
STATISTISCHE ECKDATEN
59
Die Bruttowertschöpfung des sächsischen Kunstmarktes betrug im
Jahr 2015 60 Millionen Euro, was einem Anteil von 3,1 Prozent an der
KKwi in Sachsen entsprach. Damit gehört der Kunstmarkt zu den
kleinsten Teilmärkten der KKwi in Sachsen und weist, gemessen an der
Bruttowertschöpfung, eine in etwa gleiche Größenordnung wie der
Buchmarkt (Anteil an der Bruttowertschöpfung der KKwi 3,2 %), die
Filmwirtschaft (3,3 %) und die Rundfunkwirtschaft (3,4 %) auf.
Die selbstständigen Bildenden Künstler stellen rund drei Viertel der
542 Unternehmen (ab einem Jahresumsatz von 17.500 Euro) des
sächsischen Kunstmarktes, während rund ein Viertel der Unternehmen
privatwirtschaftlich betriebene Museumshops sowie Einzelhandel mit
Kunstgegenständen (z. B. Galerien) und Antiquitäten sind. Im Jahr 2015
beliefen sich die Umsätze auf dem sächsischen Kunstmarkt mit 96,6
Millionen Euro auf 2,6 Prozent der Gesamtumsätze der KKwi in Sachsen.
Mit einem Umsatzanteil von 46 Prozent erzielten die Museumsshops die
höchsten Umsätze des sächsischen Kunstmarktes.
60
Auf dem Kunstmarkt gab es 2.618 Erwerbstätige
61
, von denen im Jahr
2015 437 Personen beschäftigt und 2.181 selbstständig waren (vgl.
Abbildung 11), darunter 1.639 Selbstständige mit einem Jahresumsatz
von weniger als 17.500 Euro. Mit einem Anteil der Selbstständigen an
allen Erwerbstätigen in Höhe von 83,3 Prozent weist der Kunstmarkt
die höchste Selbstständigenquote der Teilmärkte der sächsischen
KKwi auf. Die durchschnittliche Erwerbstätigenzahl pro Unternehmen
ist mit 1,2 Personen die niedrigste der Teilmärkte der KKwi in Sachsen.
1.639 Selbstständige (75,2 % aller Selbstständigen) verfügen über ein
Einkommen von unter 17.500 Euro, was mehr als im Durchschnitt der
59 Die dargestellten statistischen Werte für den Kunstmarkt stammen aus SMWA (2017), S. 45 ff.
60 Hinweis: Generell ist bei der Bewertung der dargestellten ökonomischen Größen für den Kunstmarkt
zu berücksichtigen, dass Galerien, Auktionshäuser und Kunsthändler ihre Umsätze an unterschiedlichen
Standorten versteuern können. Im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen wurde deshalb darauf
hingewiesen, dass nicht bekannt ist, welcher Umsatz zum Beispiel verbunden mit der „neuen Leipziger
Schule“ tatsächlich bei den Bildenden Künstlern in Sachsen zugeordnet ist (vgl. SMWA 2009, S. 33).
61 Die statistischen Angaben zu den Erwerbstätigen berücksichtigen Schätzungen auf Basis der Umsatzsteuerstatistik
(Veranlagung und Voranmeldungen). Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass im Freistaat Sachsen zum 01.01.2016 insgesamt
2.475 Kreativ- und Kulturschaffende in der Künstlersozialkasse in der Berufsgruppe „Bildende Kunst“ versichert waren.
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 10: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Kunstmarkt
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 9: Unternehmen des Kunst-
marktes im Jahr 2015
Selbstständige bildende Künstler
(Anteil an Unternehmen 73 %)
Einzelhandel (EH) mit Kunstgegenstän-
den (10 %)
Museumsshops etc. (6 %)
EH mit Antiquitäten (12 %)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

33
34
Abbildung 12: Verflechtungsstrukturen des
sächsischen Kunstmarktes
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Der sächsische Kunstmarkt verzeichnete zwischen 2010 und 2015 einen
deutlichen Rückgang der Umsätze (-40,0 %), der Bruttowertschöpfung
(-41,8 %) und der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung (-25,4
%). Damit wies der Kunstmarkt in diesem Zeitraum die ungünstigste
Entwicklung von allen Teilmärkten der sächsischen KKwi auf. Die
Entwicklung dieses Teilmarktes in Bezug auf die genannten ökonomischen
Indikatoren verlief damit im Zeitraum von 2010 bis 2015 deutlich entgegen
der Entwicklung der KKwi in Sachsen insgesamt
62
, der sächsischen
Gesamtwirtschaft
63
und der KKwi in Deutschland
64
, welche jeweils
gewachsen ist. Auffallend ist auch die abweichende Entwicklung des
sächsischen Kunstmarktes von der Entwicklung dieses Teilmarktes der
KKwi im bundesdeutschen Durchschnitt. In Deutschland insgesamt ist die
Bruttowertschöpfung des Kunstmarktes im Zeitraum von 2010 bis 2015
konstant geblieben.
Allerdings ist bei der Bewertung der Entwicklung des sächsischen
Kunstmarktes zu berücksichtigen, dass die negative Entwicklung der
Umsätze und der Bruttowertschöpfung in dem genannten Zeitraum
auf einen deutlichen Rückgang zwischen den Jahren 2010 und 2011
zurückzuführen ist.
65
Im Zeitraum von 2011 bis 2015 haben die Umsätze
(+ 12,0 %) und die Bruttowertschöpfung (+ 11,5 %) des sächsischen
Kunstmarktes hingegen zugenommen.
Hier sei darauf hingewiesen, dass der Kunstmarkt im Berichtszeitraum
des ersten Kulturwirtschaftsberichts für Sachsen eine deutlich positive
Entwicklung aufwies. Die Umsatzzuwächse auf dem Kunstmarkt beliefen sich
im Zeitraum von 2000 bis 2006 auf 44 Prozent. Der Kunstmarkt war damit in
diesem Zeitraum einer der erfolgreichsten Teilmärkte der sächsischen KKwi.
Im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen wurde festgestellt, dass der
Abbildung 11: Statistische Eckdaten zum
sächsischen Kunstmarkt 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2016.
sächsischen KKwi ist (62,0%). Es gab 277 sozialversicherungspflichtige
Beschäftigungsverhältnisse und 160 geringfügig Beschäftigte. 63,4 Prozent
(2016) der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten des sächsischen
Kunstmarktes sind Frauen, was oberhalb des Durchschnittswertes der
sächsischen KKwi liegt (46,6 %).
Im Unterschied zu den anderen Teilmärkten der KKwi hat der
Kunstmarkt vergleichsweise geringe Wertschöpfungsverflechtungen mit
anderen Teilmärkten der KKwi oder zu Branchen außerhalb der KKwi.
Generell bestehen aber auch zwischen dem Kunstmarkt und anderen
Wirtschaftszweigen, insbesondere im Bereich Dienstleistungen der Kunst,
der Kultur und des Glückspiels in Sachsen Verflechtungsbeziehungen (vgl.
Abbildung 12). Teilmarktübergreifende Verflechtungen des Kunstmarktes
gibt es beispielsweise mit Hörfunkveranstaltern und dem Verlegen von
Zeitschriften, was beispielsweise Leistungen im Bereich der Gestaltung
betreffen dürfte. Beispiele für potenzielle teilmarktübergreifende
Verflechtungen des Kunstmarktes gibt es in Bezug auf Gestaltung mit dem
Werbemarkt oder im Verlagswesen. Diese sind aber Abbildung 12 nicht zu
entnehmen, weil sie eine zu geringe Größenordnung aufweisen.
2.618
Erwerbstätige
(100 %)
Beschäftigte
437
(16,7 %)
Selbstständige
2.181
/ Unternehmen
(83,3 %)
Sozialversicher-
277
ungspflichtig
Beschäftigte
(63,4 %)
Frauen: 63,4 %
Geringfügig
160
Beschäftigte
(36,6 %)
1.639
Unter 17.500 €
(75,2 %)
Ab
542
17.500 €
(24,8 %)
3,2 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
60
Mio. €
Bruttowertschöpfung
(3,1 % der KKwi)
Tausend
178
€ Umsatz
je Unternehmen
Mio.
96,6
€ Umsatz
(2,6 % der KKwi)
Erwerbstätige
1,2
je Unternehmen
Lieferungen aus Sachsen an die
sächsischen Unternehmen des
Kunstmarktes (Anteile an den
gesamten Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen des Kunstmarktes
an sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Dienstleistungen der Kunst, der
Kultur und des Glücksspiels
(20,5 %)
Dienstleistungen des Grundstücks-
und Wohnungswesens (6,4 %)
Vorb. Baustellen-, Bauinstallations-
und sonstige Ausbauarbeiten
(6,4 %)
Wach-, Sicherheitsdienstlg.,
wirtschaftl. Dienstleistg. a.n.g.
(6,2 %)
Post-, Kurier- und
Expressdienstleistungen (4,7 %)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (21,2 %)
Dienstleistungen des Sports, der
Unterhaltung und der Erholung
(10,5 %)
Hörfunkveranstalter (7,1 %)
Verlegen von Zeitungen (6,6 %)
Dienstleistungen der öffentlichen
Verwaltung und der Verteidigung
(5,0 %)
62 Vgl. SMWA (2017), S. 8.
63 Vgl. Ebenda.
64 Vgl. BMWi (2017), S. 35.
65 Vgl. SMWA (2017), S. 128. Auf Basis der verfügbaren Datengrundlage ist eine
genauere Spezifizierung der Ursachen für diesen Rückgang nicht möglich.
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)

35
36
Bildenden Kunst zurück, wo beispielsweise Caspar David Friedrich, Max
Uhlig und Otto Dix tätig waren. Sondern in der jüngeren Vergangenheit
konnte z.B. Eberhard Havekost, ein Absolvent der Dresdner Hochschule
für Bildende Künste, mit der neuen Stilrichtung Dresden Pop sogar
bemerkenswerte internationale Beachtung erlangen.
75
Ausbildung
Für die Erwerbstätigkeit auf dem Kunstmarkt gibt es nur wenige formelle
Berufszugänge. Künstler benötigen keine spezifische Ausbildung, sie
haben aber in der Mehrzahl einen Hochschulabschluss.
76
Die Hochschulen
in Sachsen bieten eine Reihe von Möglichkeiten für die künstlerische
Ausbildung und insgesamt gibt es fünf Kunsthochschulen. Darunter
die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, die zu den ältesten
Kunsthochschulen Deutschlands gehört und von hoher Bedeutung für
die Kunstszene in Leipzig ist. In Dresden gibt es die Hochschule für
Bildende Künste, welche einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung des
Kunstmarktes in Sachsen und auch überregional, beispielsweise durch die
Ausbildung von Studierenden aus anderen europäischen Ländern, leistet.
Kunstgeschichte kann in Sachsen an der Technischen Universität Dresden
und der Universität Leipzig studiert werden. Weitere Ausbildungsangebote
mit Bezug zum Kunstmarkt sind das Studium der Kunstpädagogik an der
Universität Leipzig. Die Werkakademie Leipzig bietet verschiedenste Aus-
und Fortbildungsangebote, etwa auch im Bereich Galeristik. Generell ist
festzuhalten, dass der Kunstmarkt und die zugehörigen Künstler sowohl
in den urbanen Schwerpunkten als auch in der Fläche, beispielsweise über
das Ausstellungswesen, Kunst im öffentlichen Raum sowie pädagogische
Kunstvermittlung, zur kulturellen (Aus-)Bildung beitragen.
Netzwerke, Veranstaltungen und Galerien
77
Es gibt in Sachsen zahlreiche Initiativen zur Förderung der Vernetzung
und Sichtbarkeit der sächsischen Künstler. Beispiele dafür sind der
Landesverband Bildende Kunst Sachsen e.V., der Künstlerbund Dresden
e.V., der Chemnitzer Künstlerbund und der Bund Bildender Künstler Leipzig
e.V.. Zur Vernetzung der Bildenden Künstler und Stärkung ihrer Sichtbarkeit
tragen eine Reihe von Kunstmessen in Sachsen bei, wie die Kunstmesse
Leipzig, die im Jahr 2015 ihre Premiere hatte, und die Kunstmesse Dresden
– NEUE ArT, die im Jahr 2019 zum dritten Mal stattfand. Diese Kunstmesse
ist offen für alle Kunstformen, von Malerei und Grafik über Bildhauerei, Foto,
Design und Installationen bis hin zu Performance und darstellender Kunst.
Die Zwenkauer Kunstmesse fand erstmals im Jahr 2016 statt. Die Dresdner
Ostrale, eine Messe für zeitgenössische Kunst, gibt es bereits seit 2007.
Auch die ausgeprägte Festivalkultur in Sachsen fördert die Sichtbarkeit
des sächsischen Kunstmarktes, so etwa das IBUG Festival für urban Art in
dessen Rahmen verschiedenste Kunstprojekte stattfinden.
Zur Vernetzung im Bereich des Kunstmarktes und der Wahrnehmung des
Kultur- und Kunststandortes tragen auch die jeweiligen Bewerbungen
von Dresden, Chemnitz und Zittau zur Europäischen Kulturhauptstadt
2025 bei, wobei diese Initiativen in der KKwi teilmarktübergreifend wirken.
Im Jahr 2017 fand das erste Kulturfrühstück in Dresden statt, bei dem
sich auf Einladung des sächsischen Kunstministeriums, der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden (SKD) und des Landesverbandes Bildende
Kunst rund hundert Vertreter der unterschiedlichen bildkünstlerischen
Medien aus Sachsen ausgetauscht haben.
78
Die Kampagne „So geht
sächsisch.“ des Freistaates Sachsen (Staatskanzlei) legt ebenfalls einen
besonderen Fokus auf Kunst und Kultur.
79
Kunstmarkt zum damaligen Zeitpunkt in der internationalen Wahrnehmung
der bekannteste Bereich der KKwi im Freistaat Sachsen und ein zentrales
Aushängeschild der KKwi in Sachsen war.
66
Charakteristisch für die Struktur des Kunstmarktes ist die hohe Anzahl von
selbstständigen Bildenden Künstlern. Auch wenn es in Sachsen eine Reihe
von Künstlern mit internationaler Bekanntheit gibt, die hohe Verkaufspreise
für ihre Kunstwerke erzielen können (wie beispielsweise Neo Rauch), so
ist der sächsische Kunstmarkt von selbstständigen Künstlern mit relativ
geringen Einkommen geprägt.
Künstler können in Deutschland mit ihrem künstlerischen Schaffen häufig
nicht ihren Lebensunterhalt verdienen. Die 2.475 im Jahr 2016 über die
Künstlersozialkasse in Sachsen versicherten Bildenden Künstler hatten
im Jahr 2016 aus dieser Tätigkeit ein Durchschnittshonorar von 11.357 Euro.
67
Selbstständige Künstler üben neben ihrer künstlerischen Tätigkeit häufiger
eine Nebentätigkeit aus, beispielsweise im kunstnahen Bildungsbereich
oder Lehrbetrieb. Im Allgemeinen beziehen Solo-Selbstständige der KKwi in
Deutschland häufiger weitere Einkommen als abhängig Beschäftigte. Eine
Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2012 zeigte, dass der Anteil
der Solo-Selbstständigen, die über mindestens ein weiteres Einkommen neben
ihrer Tätigkeit in der KKwi verfügen, bei etwa 18 Prozent lag.
68
Im Zusammenhang mit der Einkommenssituation von Künstlern hat
das Thema der sozialen Absicherung in den vergangenen Jahren einen
besonderen Stellenwert erlangt. Viele selbstständig in der KKwi Tätige
sind in der Künstlersozialkasse abgesichert, die zur Hälfte vom Bund
und den Sozialabgaben von sogenannten Verwertern (Unternehmen, die
kreative Leistungen verwerten; z.B. Verlage, Theater und Werbeagenturen)
finanziell getragen wird. Für die Förderung der Ausstellung für Bildende
Künstler gibt es in Sachsen die Richtlinie zur Ausstellungsvergütung für
Bildende Künstler. Diese Richtlinie dient zur Ermittlung fachgerechter
Leistungsvergütung für Ausstellungen Bildender Kunst, ist aber
nicht verpflichtend.
69
So findet die Richtlinie, laut Auskünften in
Expertengespräche im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen, in der Regel allerdings auch keine
Anwendung.
Regionale Schwerpunkte
Die Schwerpunkte des sächsischen Kunstmarktes sind Dresden und
Leipzig, wobei es in Dresden 159 und in Leipzig 213 Unternehmen des
Kunstmarktes gibt.
70
In Chemnitz gab es im Jahr 2015 hingegen nur 32
Unternehmen auf dem Kunstmarkt.
71
Während die Unternehmenszahl
dieses Teilmarktes der sächsischen KKwi sich im Zeitraum von 2010 bis
2015 in Dresden kaum verändert hat, hat die Unternehmenszahl in Leipzig
um 18 Prozent zugenommen. Leipzig hat eine besondere Bedeutung für
die Ausstrahlungskraft des sächsischen Kunstmarktes, welche durch die
internationale Bekanntheit der „Neuen Leipziger Schule“ und ihrem Erfolg
auf internationalen Messen und Auktionen mitbegründet wird. Der Erfolg
der „Neuen Leipziger Schule“ steht im engen Zusammenhang mit dem
Leipziger Maler Neo Rauch, dessen Werke die sächsische Kunstszene seit
dem Ende der neunziger Jahre auch auf dem US-amerikanischen Markt
bekannt gemacht haben.
72
Im Jahr 2018 hat die New York Times über das
Lohengrin-Projekt des Künstlerpaars Neo Rauch und Rosa Loy im Rahmen
der Bayreuther Festspiele berichtet.
73
Auch Dresden ist ein bedeutender Standort für die Bildende Kunst in
Sachsen.
74
Dresden blickt nicht nur auf eine lange Tradition im Bereich der
66 Vgl. SMWA 2009, S. 31-34.
67 Vgl. KSK (2017).
68 Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (2012), S. 14.
69 Vgl. Sächsischer Künstlerbund – Landesverband Bildende Kunst Sachsen e. V. (2012), S. 3.
70 Vgl. SMWA (2017), S. 47.
71 Unternehmen mit einem Umsatz ab 17.500 Euro (vgl. SMWA 2017, S. 47).
72 Vgl. SMWA (2009), S. 33.
73 Vgl. New York Times (2018).
74 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 38.
75 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 38.
76 Vgl. MWEIMH (2012).
77 Im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen 2008 wurde das Fehlen von umsatzträchtigen
Kunstmessen sowie zugänglichen Kunstfestivals als Vermarktungsplattform als negativ für die
Entwicklung des sächsischen Kunstmarktes angemerkt (vgl. SMWA (2009), S. 34). Auch im Rahmen
von Fachgesprächen für die Erstellung des zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht für Sachsen
wurden darauf hingewiesen, dass im Bereich der Kunstmessen und Galerien Defizite bestehen.
78 Vgl. Medienservice Sachsen (2017).
79 Vgl. Sächsische Staatskanzlei (2018).

37
38
Am Anfang der Wertschöpfungskette des Kunstmarktes steht der
schöpferische Akt (beispielsweise durch einen Maler, einen Bildhauer oder
eine Fotografin).
80
Über den Primärmarkt gelangen die Kunstwerke dann
häufig erstmalig über Galerien auf den Kunstmarkt, wo sie beispielsweise an
Sammler und Museen verkauft werden. Neben Galerien gibt es noch andere
Absatzwege wie Grafikmärkte oder der Direktvertrieb durch Künstler, über
welche die Künstler erstmals Marktzugang erlangen können.
Von zentraler Bedeutung für den Kunstmarkt und die Förderung der
Bekanntheit von Künstlern in Sachsen sind jedoch Galerien, über die
Kunstwerke gehandelt werden. Galerien tragen zur Sichtbarkeit der
Künstler und Förderung ihres Marktzugangs bei. Die friends of Dresden
Contemporary Art e.V. verweisen auf rund 50 Galerien in Dresden.
81
Allein
in der Leipziger Baumwollspinnerei gibt es zwölf Ausstellungsflächen und
Galerien, wobei die Zahl der Galerien dort im Zeitablauf zugenommen
hat. Im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen wurde eine steigende
Anzahl von Galerien in den größeren sächsischen Städten festgestellt.
82
Dieser Trend kann nach Einschätzungen von im Rahmen der Erstellung
des zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen befragten
regionalen Akteuren insgesamt für die jüngere Vergangenheit aber nicht
mehr bestätigt werden.
Neben der Baumwollspinnerei in Leipzig gibt es in Sachsen eine Reihe
weiterer Ausstellungsflächen für Bildende Künstler und Galeristen, wie
etwa die Halle 14 und das Kunstkraftwerk in Leipzig. In Dresden bietet
beispielsweise die Grafikwerkstatt Dresden als Einrichtung des Amtes
für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden Raum für
Künstler. Zudem gibt es mit zahlreichen Galerien und so genannten Off
Spaces
83
, nichtkommerzielle, unabhängige Ausstellungsräume für junge,
nicht etablierte zeitgenössische Kunst und ihre Schöpfer. Weiterhin sind in
Sachsens ländlichen und urbanen Kulturräumen an verschiedenen Orten
Potenziale für die Nach- und Umnutzung von Immobilien in Form von
Ateliers oder Galerien vorhanden, etwa weil zahlreiche Gewerbeimmobilien
ungenutzt sind. Zahlreiche sächsische Regionen haben in den vergangenen
Jahren außerdem erhebliche Bevölkerungsverluste zu verzeichnen gehabt,
was zu hohen Leerständen in Wohngebäuden geführt hat.
Generell wird deutschlandweit in diesem Zusammenhang die Bedeutung
von Künstlern zur Stärkung der Lebensqualität im ländlichen Raum, gerade
in Regionen mit Bevölkerungsrückgang, unter dem Begriff der „Kreativen
Pioniere im ländlichen Raum“, diskutiert.
84
Auch in Sachsen wird die
Thematik der Zukunft der Kultur im ländlichen Raum in verschiedenen
Initiativen aufgegriffen, wie zum Beispiel vom Landesverband Bildende
Kunst Sachsen e.V.. In einer Studie im Auftrag dieses Landesverbands
wurden die Situation und Handlungsbedarfe im Hinblick auf Kunst- und
Ausstellungsräume der Gegenwartskunst in Sachsen analysiert.
85
Die
Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass in Sachsen trotz
mancher Schließungen von Kunstorten in den letzten Jahren neue sowie
temporäre Kunstorte entstanden sind. Circa die Hälfte der Kunstorte ist
in der Rechtsform als Verein organisiert, was die hohe Bedeutung des
zivilgesellschaftlichen Engagements für den Betrieb von Kunstorten in
Sachsen zeigt.
86
Kulturelle Infrastruktur
Neben der Attraktivität der oben genannten Galerien, Ausstellungsräume
und Messen hat auch Sachsens kulturelle, öffentlich finanzierte Infrastruktur
eine hohe Anziehungskraft auf Kulturtouristen aus dem In- und Ausland.
Hiervon kann auch der Kunstmarkt profitieren, weil er mit seinen Angeboten
potenziell genau diese kulturinteressierten Besucher Sachsens erreichen
kann. Dies kann beispielsweise über Museumshops, verschiedenste
Ausstellungsformate, aber auch über Galerien erreicht werden.
Hervorzuheben ist hier besonders die Bedeutung Dresdens als
Museumsstandort, der von den 30 größten deutschen Städten
im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2016 die höchste Anzahl von
Museumsbesuchern je Einwohner hatte.
87
Viel besuchte Kultureinrichtungen
in Dresden sind beispielsweise die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden,
darunter das Albertinum und die Gemäldegalerie Alte Meister. Beispiele
für Museen in Leipzig sind das Museum für Bildende Künste, die Galerie für
zeitgenössische Kunst und das GRASSI Museum für angewandte Kunst,
welche beide zu den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehören. In
Chemnitz ist beispielsweise das Museum Gunzenhauser zu nennen. Die
Stadt Leipzig befand sich in dem oben genannten Vergleich mit Platz 12
ebenfalls in der oberen Hälfte des Städtevergleichs. Der Freistaat Sachsen
setzt bereits intensiv mit dem Standortfaktor „Kunst“ auf die Stärkung der
touristischen Attraktivität. Kunst war der Schwerpunkt Sachsens auf der
Internationalen Tourismusbörse in Berlin im Jahr 2018. Unter dem Motto
kUNSt Sachsen wurde unter anderem mit der Neuen Leipziger Schule für
den Standort Sachsen geworben.
88
Generell ist darauf hinzuweisen, dass die öffentlich-kulturelle Infrastruktur
und der Kunstmarkt wichtige Funktionen im Bereich der Bildung
übernehmen. So findet auch außerschulische Bildung im Bereich Kunst
in Sachsen an verschiedenen Institutionen statt, wie beispielsweise an
der Kunstakademie Dresden, einer Kunstschule für Kinder, Jugendliche,
Erwachsene und Senioren.
Absatzmärkte/Marktzugang
Für den sächsischen Kunstmarkt ist die Erreichung von Sammlern, Galerien
und Auktionatoren auf überregionalen Märkten im In- und Ausland ein
zentraler Aspekt für seine Weiterentwicklung. Denn der Verkauf von
Kunst innerhalb von Sachsen spielt eine eher untergeordnete Rolle.
89
Generell ist der Kunstmarkt im Vergleich zu anderen Teilmärkten der
KKwi internationaler ausgerichtet. Innerhalb der deutschen KKwi hat der
Kunstmarkt, gemessen am Umsatzvolumen, die höchsten Exportquoten. Im
Kunstmarkt wurden 2015 12,7 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt.
90
80 Vgl. MWEIMH (2012).
81 Vgl. friends of dresden contemporary art (2018).
82 Vgl. SMWA (2009), S. 33.
83 Vgl. Off-Spaces.com (2018).
84 Vgl. dazu den Sammelband von Wolter et al. (2018).
85 Vgl. Dümcke (2018).
86 Vgl. Ebenda, S. 5.
87 Vgl. Auswertungen auf Basis von Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin (2018).
88 Vgl. Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH (2018), S. 1.
89 Vgl. SMWA (2009), S. 33.
90 Vgl. BMWi (2017), S. 13.

39
40
Tabelle 5: Stärken und Schwächen des
sächsischen Kunstmarktes
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Wachstum, Struktur und regionale Schwerpunkte
• Dresden und Leipzig sind die Zentren
des sächsischen Kunstmarktes (der
Bildenden Künstler).
• Der sächsische Kunstmarkt ist
überregional bekannt, besonders
aufgrund der Ausstrahlungskraft der
Neuen Leipziger Schule.
• Bildungsfunktion der Bildenden Kunst.
• Es gibt eine Richtlinie zur Ausstellungs-
vergütung für Bildende Künstler in
Sachsen.
• Die sozialversicherungspflichtige
Beschäftigung im Kunstmarkt ist
rückläufig.
• Der Anteil von Selbstständigen mit
einem Einkommen unter 17.500 Euro ist
im Kunstmarkt besonders hoch.
• Die Richtlinie zur
Ausstellungsvergütung für Bildende
Künstler in Sachsen findet in der Regel
keine Anwendung.
• Die Verflechtungen mit anderen
Wirtschaftszweigen und Teilmärkten
der KKwi sind vergleichsweise gering.
Fachkräfte und Netzwerke
• Es gibt zahlreiche
Ausbildungsangebote mit Bezug zum
Kunstmarkt. Z.B. bieten die Hochschule
für Grafik und Buchkunst Leipzig und
die Hochschule für Bildende Künste
Dresden eine Reihe von Möglichkeiten
für die künstlerische Ausbildung.
• Es gibt eine zunehmende Zahl von
Kunstmessen für zeitgenössische
Kunst.
• Die Bildenden Künstler in Sachsen
sind in zahlreichen Netzwerken und
Verbänden organisiert.
Räume und kulturelle Infrastruktur
Es gibt eine Reihe von Auktionshäusern,
Galerien und Kunsthändlern.
Es gibt vielfältige Ausstellungsräume für
Bildende Künstler in Sachsen.
Die Erschließung von Räumen durch die
die Nach- und Umnutzung von Immobilien
für Ateliers und Ausstellungen bietet
Flächenpotenziale für die Akteure des
Kunstmarktes.
Hohes bürgerschaftliches Engagement
in Kunstvereinen trägt zur Sicherung von
Kunststandorten bei.
Die kulturelle Infrastruktur in Sachsen zieht
eine hohe Anzahl von Kulturtouristen aus
dem In- und Ausland an.
Absatzmärkte
• Produkte des Kunstmarktes werden im
In- und Ausland abgesetzt.
• Wachsende Außenwahrnehmung
von Sachsen als Kunststandort und
Kunstmarkt (auch im Bereich der
zeitgenössischen Malerei).
• Zunehmende Etablierung von
Bildenden Künstlern am internationalen
Markt.
CHANCEN UND RISIKEN
Weitere Erschließung nationaler und internationaler Märkte
Der sächsische Kunstmarkt erreicht Käufer im In- und Ausland. Potenziale
für die Weiterentwicklung des sächsischen Kunstmarktes bietet dabei
die zunehmende Außenwahrnehmung Sachsens als Kunststandort,
insbesondere für zeitgenössische Kunst. Gleichzeitig stärkt die hohe
Attraktivität der sächsischen Städte Dresden und Leipzig für Kulturtouristen
die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Kunstmarktes. Für die
Stärkung der nationalen und internationalen Sichtbarkeit des sächsischen
Kunstmarktes gibt es besondere Potenziale im Bereich der Herstellung
von Synergien zwischen Künstlern und dem sächsischen Handwerker
sowie von Museen und Galerien.
91
Generell wird es aber häufig als
Entwicklungshemmnis für den Kunstmarkt und seine (über-)regionale
Vermarktung gesehen, dass gerade Künstler häufig fehlende Kenntnisse im
Bereich der Selbstvermarktung und des Unternehmertums haben.
92
Im Hinblick auf die Erschließung neuer Märkte für die sächsischen Bildenden
Künstler wurde im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen verschiedentlich darauf hingewiesen,
dass hier auch die sächsischen KMU eine Zielgruppe darstellen könnte. So
könnte die Anwendung von künstlerischen Konzepten für die Gestaltung
und Modernisierung des Erscheinungsbildes der sächsischen KMU neue
Geschäftsfelder eröffnen, ebenso wie die zunehmende Beteiligung von
Künstlern an der Gestaltung des öffentlichen Raumes. Generell gibt es
zahlreiche Potenziale für den Transfer von künstlerischen Praktiken und
Prozessen, künstlerischen Vorgehensweisen, in verschiedenen Disziplinen
und Gesellschaftsbereichen. Ein Beispiel für eine Institution, welche den
entsprechenden Transfer fördert, ist die Organisation Age of Artist im
sächsischen Nossen.
Zunehmender Online-Kunsthandel
Bereits im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen sahen die regionalen
Akteure, neben den Erfordernissen einer stärkeren internationalen
Vermarktung ihrer Kunst, den weiteren Bedeutungsgewinn des Internets
für den Kunsthandel als zentralen Trend.
93
Im Kunstmarkt sind die
Originalkunstwerke, abgesehen von Kunstformen wie Video- oder
Konzeptkunst, die wichtigste Handelsware. Während die Digitalisierung
von kulturellen Gütern und Dienstleistungen eher langsam verläuft, gibt es
bei den Vertriebsstrukturen und Geschäftsmodellen auf dem Kunstmarkt
Veränderung.
94
Neben den Auswirkungen der Digitalisierung auf die
Geschäftsmodelle beeinflusst der 3D-Druck die Produktion von Gütern für
den Kunstmarkt.
95
Der weltweite Online-Markt für Kunst ist im Jahr 2017 um zwölf Prozent
gewachsen. Damit betrug der Gesamtumsatz 4,22 Milliarden Dollar.
96
Der
zunehmende Handel von Kunstgegenständen über das Internet und über
soziale Medien
97
wirkt sich negativ auf die im stationären Handel erzielbaren
Umsätze von Galerien und Museumshops aus. Digitale Plattformen wie
Artflash und Auctionata, oder auch klassische Verkaufsplattformen
wie eBay, nehmen statt des klassischen Einzelhandels in Galerien oder
Kunstgeschäften mittlerweile eine zentrale Rolle ein. Diese Entwicklung
stellt die Kunsthändler unter anderem vor die Herausforderung, neue
Geschäftsmodelle umzusetzen oder auch ihre spezifischen Ausrichtungen
weiter zu profilieren. Dies kann zur Entwicklung von Spezialisierungen im
Bereich des Galeriewesens beitragen.
91 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 24.
92 Auf diesen Aspekt wurde im Rahmen von Expertengesprächen im Zuge der Erstellung des
Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen wiederholt hingewiesen.
93 Vgl. SMWA (2009).
94 Vgl. Söndermann (2017).
95 Vgl. LAG IHK Sachsen (2015), S. 24.
96 Vgl. Monopol (2018).
97 Vgl. SMWA (2017), S. 45.

41
42
Die Digitalisierung bietet aber auch Chancen für selbstständige Bildende
Künstler, zunächst in Bezug auf die Reichweite und Sichtbarkeit ihrer Kunst
und damit Erschließung neuer Zielgruppen und Absatzkanäle, wodurch
sich ihre traditionelle Abhängigkeit, etwa von Galerien, verringert. Damit
einhergehend verändern sich die Anforderungen im Kunstmarkt, die
nunmehr auch Wissen im Bereich der Internettechnologie und des digitalen
Marketings einschließen. Gleichzeitig erleichtert die Digitalisierung durch
Schaffung neuer Formen von Kunst den Marktzugang für neue Künstler.
Steigender Bedarf an Räumen
Die Zahl der selbstständigen Bildenden Künstler hat in Sachsen in den
vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen. Hiermit geht ein
wachsender Bedarf an Arbeitsräumen für diese Künstler einher. Die
Verfügbarkeit von günstigen Flächen für die Bildenden Künstler ist ein
zentraler Aspekt, um für diese günstige Arbeitsbedingungen zu gestalten.
Schwerpunktmäßig sind die Bildenden sächsischen Künstler in Dresden
und Leipzig tätig, woraus der Bedarf zur Gestaltung von Arbeitsräumen
für Bildende Künstler in wachsenden urbanen Räumen besteht. Hier steht
die Nutzung von Flächen und Immobilien durch Künstler möglicherweise
zukünftig zunehmend im Konflikt mit anderen Nutzungen aus dem
gewerblichen Bereich oder auch aus dem Bereich Wohnen. Weil Dresden
und Leipzig in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter Bevölkerung
gewinnen werden, könnten zunehmend Nutzungskonflikte entstehen,
welche auch die Arbeitsbedingungen für die Künstler beeinflussen.
Generell bieten die ländlichen Kulturräume in Sachsen jedoch niedrige
Lebenshaltungskosten und Flächenpotenziale für Künstler.
Zentrale Chancen und Risiken des Standorts Sachsen als Kunstmarkt
basierend auf gegenwärtigen und in der Zukunft zu erwartenden Trends
sind in Tabelle 6 zusammengefasst.
Tabelle 6: Chancen-Risiken-Analyse für
den sächsischen Kunstmarkt
CHANCEN
Internationalisierung und Markterschließung
• Zunehmende Wahrnehmung Sachsens
als Kunststandort im (inter-)nationalen
Umfeld.
• Weitere Zunahme der Attraktivität
Sachsens für Kulturtourismus.
• Entwicklungen von Spezialisierungen
im Bereich des Galeriewesens.
• Erschließung neuer Märkte,
beispielsweise im Zusammenhang mit
der Gestaltung des öffentlichen Raums
(Kommunen als Auftraggeber).
• Etablierung von Angeboten des
Kunstmarktes für die sächsischen KMU.
RISIKEN
• Teils geringe Kenntnisse der Künstler
im Bereich Selbstvermarktung und
Unternehmertum.
• Aufbau digitaler Plattformen für den
Kunsthandel.
• Erhöhung der Reichweite und
Sichtbarkeit der sächsischen Künstler
über das Internet.
Digitalisierung
• Wettbewerb durch Online-Handel für
Kunsthändler.
• Die im Vergleich zu einer Reihe von
anderen Regionen in Deutschland
relativ niedrigen Mieten und
Lebenshaltungskosten in Teilen
Sachsens (besonders in ländlichen
Kulturräumen) können Anziehungskraft
auf Künstler haben (beispielsweise zur
Anmietung von Arbeitsräumen oder
Aufbau von Künstlerkolonien).
Standortbedingungen
• Zunehmende Nutzungskonkurrenz
(Gewerbe und Wohnen) im Hinblick
auf Immobilien in den wachsenden
urbanen Zentren Dresden und Leipzig.

43
44
Stationäre Kunsthändler sehen sich einem verstärkten Wettbewerbsdruck durch
den Online-Handel gegenüber, über den Kunstgegenstände zunehmend gehandelt
werden.
Die sächsische Galerieszene differenziert sich nicht weiter aus.
Hinderlich für die Positionierung der sächsischen Künstler am Markt sind mangelnde
Kenntnisse zur Selbstvermarktung und zu Unternehmertum.
Wachsender Bedarf an Arbeitsräumen für Bildende Künstler bei zunehmenden
Nutzungskonflikten in Bezug auf Flächen in den urbanen Kulturräumen Dresden und
Leipzig.
ENTWICKLUNGSHEMMNISSE
Die Anzahl von selbstständigen Bildenden Künstlern in Sachsen nimmt zu.
Nutzen der Möglichkeiten digitaler Plattformen für den Kunsthandel, auch im Hinblick
auf Absatzmärkte im Ausland.
Aufbau von Nischenstrukturen und Spezialisierungen im Bereich des Galeriewesens.
Der 3D-Druck erweitert die Produktionsformen von Gütern für den Kunstmarkt.
Sachsens kulturelle Angebote haben eine hohe und wachsende Anziehungskraft
auf Kulturtouristen aus dem In- und Ausland, was sich positiv auf die potenzielle
Nachfrage nach Angeboten des Kunstmarktes auswirkt.
Weitere Zunahme der Bekanntheit des sächsischen Kunstmarktes, etwa durch
Messen, Ausstellungen und Veranstaltungen sowie Einbindung des Kunstmarktes in
Kampagnen für die Standortwerbung.
Durch die weitere Professionalisierung der Künstler in den Bereichen
Selbstvermarktung und Unternehmertum können neue Geschäftsmodelle
(beispielsweise Angebote für Kommunen und KMU) entstehen.
Transfer von künstlerischen Vorgehensweisen in andere Gesellschaftsbereiche.
Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Bildende Künstler, beispielsweise
betreffend ihre Honorare (Umsetzung der Richtlinie zur Ausstellungsvergütung
für Bildende Künstler), Ausstellungsmöglichkeiten und preiswerte Arbeits- und
Atelierräume.
Der weitere Ausbau der Vernetzung der Bildenden Künstler mit dem Bildungssektor
erweitert die Möglichkeiten zur kulturellen Bildung in Sachsen.
Der Kunstmarkt bietet vielversprechende Anknüpfungspunkte für die Um-, Nach- und
Zwischennutzung altindustrieller Flächen und Immobilien in Form von Ateliers oder
Galerien sowohl in den ländlichen aus auch urbanen Kulturräumen Sachsens.
Stärkung des kulturellen Angebotes und der Lebensqualität in den ländlichen
Kulturräumen durch Künstler als kreative Raumpioniere.
Die Bewerbungen der Städte Dresden, Chemnitz und Zittau zur Europäischen
Kulturhauptstadt 2025 fördern die zunehmende Wahrnehmung Sachsens als Kunst-
und Kreativstandort im (inter-)nationalen Umfeld.
ENTWICKLUNGSPOTENZIALE

62
46
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
FILMWIRTSCHAFT
02.4 FILMWIRTSCHAFT
STATISTISCHE ECKDATEN
98
Die Bruttowertschöpfung der sächsischen Filmwirtschaft betrug im
Jahr 2015 65 Millionen Euro, was einem Anteil von 3,3 Prozent an der
KKwi in Sachsen entsprach. Damit gehört die Filmwirtschaft zu den
kleinsten Teilmärkten der KKwi in Sachsen und wies, gemessen an der
Bruttowertschöpfung, eine in etwa gleiche Größenordnung wie der
Buchmarkt (Anteil an der Bruttowertschöpfung der KKwi 3,2 %), die
Rundfunkwirtschaft (3,4 %) und der Kunstmarkt (3,1 %) auf.
Die meisten Selbstständigen in der Filmwirtschaft sind Bühnen-, Film-
und TV-Künstler
99
(vgl. Abbildung 13), die im Jahr 2015 insgesamt einen
Umsatz von 35 Millionen Euro erwirtschafteten. Die höchste Bedeutung
für die Umsätze des Teilmarktes hatte 2015 die Film-/TV-Produktion,
die einen Umsatz von 49 Millionen Euro erreicht. In der sächsischen
Filmwirtschaft wurden im Jahr 2015 insgesamt Umsätze in Höhe von 111,2
Millionen Euro generiert, was 3,0 Prozent der Gesamtumsätze der KKwi in
Sachsen entsprach. Es gab 4.859 Erwerbstätige, von denen 2.104 Personen
beschäftigt und 2.755 selbstständig waren (vgl. Abbildung 15). Damit lag
der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen bei 56,7 Prozent.
Im Durchschnitt gab es 1,8 Erwerbstätige pro Unternehmen. 76,0 Prozent
der Selbstständigen (2.093) haben ein Einkommen von unter 17.500 Euro,
was höher als im Durchschnitt der sächsischen KKwi ist (62,0 %). Es gab
1.317 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse und 787
geringfügig Beschäftigte. 48,8 % (2016) der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten der sächsischen Filmwirtschaft sind Frauen, was den
Durchschnitt in der sächsischen KKwi leicht übertraf (46,6 %).
98 Die dargestellten statistischen Werte für die Filmwirtschaft stammen aus SMWA (2017), S. 48 ff.
99 Zu beachten ist, dass die selbstständigen Bühnen-, Film-, TV-Künstler gleichermaßen im Teilmarkt Darstellende
Künste erfasst werden (vgl. Büro für Kulturwirtschaftsforschung 2016).
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 14: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Filmwirtschaft
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 13: Unternehmen* der Film-
wirtschaft im Jahr 2015
Selbstständige Bühnen-, Film-, TV-Künstler
(Anteil an Unternehmen 61%)
Film-/TV-Produktion (21%)
Nachbearbeitung/sonstige Filmtechnik (2%)
Filmverleih u. -vertrieb (4%)
Kinos (5%)
EH mit bespielten Ton-/Bildträgern (3%)
Videotheken (5%)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

47
48
Abbildung 16: Verflechtungsstrukturen der
sächsischen Filmwirtschaft
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Der Umsatz der sächsischen Filmwirtschaft ist im Zeitraum zwischen 2010
und 2015 um 31,4 Prozent gesunken, während die Bruttowertschöpfung um
29,0 Prozent abgenommen hat. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum um 14,8 Prozent zurückgegangen.
Die Entwicklung dieses Teilmarktes verlief damit im Zeitraum von 2010
bis 2015 deutlich ungünstiger als jene der KKwi in Sachsen insgesamt
101
und der sächsischen Gesamtwirtschaft
102
. Im gleichen Zeitraum ist die
Bruttowertschöpfung der Filmwirtschaft in Deutschland insgesamt stabil
geblieben.
103
Es ist aber bei der Entwicklung der sächsischen Filmwirtschaft darauf
hinzuweisen, dass die Umsätze und die Bruttowertschöpfung im Zeitraum
von 2010 bis 2015 ausschließlich zwischen den Jahren 2010 und 2011
deutlich zurückgegangen sind. Hingegen haben sie im Zeitraum von 2011 bis
2015 zugenommen (Umsätze + 19,1 %; Bruttowertschöpfung + 18,0 %). Dabei
ist der Rückgang der Umsätze von 2010 bis 2011 auf den Bereich der Film-/
TV-Produktionen zurückzuführen.
104
Die Umsätze der Kinos in Sachsen haben im Zeitraum von 2010 bis 2015
hingegen kontinuierlich zugenommen, insgesamt um 82 Prozent. Diese
Entwicklung ist auch im Zusammenhang mit der hohen Anzahl von
Filmfestivals in Sachsen zu sehen
105
, welche jährlich eine große Menge
an Filmbesuchern für sich gewinnen. Generell ist im Hinblick auf die
Filmwirtschaft zudem ihr kultureller Beitrag zu betonen, der beispielsweise
über Filmfestivals wirkt.
Insgesamt zeigt sich im Berichtszeitraum des zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen von 2010 bis 2015 eine ungünstigere
Abbildung 15: Statistische Eckdaten zur
Filmwirtschaft 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2016.
Die Abbildung 16 zeigt die Abnehmer der Produkte der Filmwirtschaft
und deren Auftragnehmer. Bei den Vorleistungen für die Filmwirtschaft
dominieren die Hörfunkveranstalter. Es folgen die Dienstleistungen der
Kunst, der Kultur und des Glücksspiels. Der wichtigste Auftraggeber für die
Filmwirtschaft ist die Werbewirtschaft. Enge funktionale Verflechtungen
der Filmwirtschaft bestehen auch über die Lieferung von Leistungen
zur Rundfunkwirtschaft.
100
Produzenten und andere Dienstleister der
Filmwirtschaft liefern Vorleistungen beispielsweise an die Hersteller von
Filmen, Videofilmen und Fernsehprogrammen. Für Filmemacher, deren
Filme eher tagesaktuell und journalistisch geprägt sind, gibt es ebenfalls
zahlreiche Bezüge zur Rundfunkwirtschaft.
4.859
Erwerbstätige
(100 %)
2.104
Beschäftigte
(43,3 %)
Selbstständige
2.755
/ Unternehmen
(56,7 %)
Sozialversicher-
1.317
ungspflichtig
Beschäftigte
(62,6 %)
Frauen: 48,8 %
Geringfügig
787
Beschäftigte
(37,4 %)
2.093
Unter 17.500 €
(76 %)
Ab
662
17.500 €
(24 %)
6,0 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
65
Mio. €
Bruttowertschöpfung
(3,3 % der KKwi)
Tausend
168
€ Umsatz
je Unternehmen
111,2
Mio. € Umsatz
(3,0 % der KKwi)
Erwerbstätige
1,8
je Unternehmen
Lieferungen aus Sachsen an die
sächsischen Unternehmen der
Filmwirtschaft (Anteile an den
gesamten Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen der Filmwirtschaft
an sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Hörfunkveranstalter (12,1 %)
Dienstleistungen der Kunst, der
Kultur und des Glücksspiels (11,6 %)
Wach-, Sicherheitsdienstlg.,
wirtschaftl. Dienstleistg. a.n.g
(8,6 %)
Herstellung von Filmen,
Videofilmen und
Fernsehprogrammen (7,9 %)
Dienstleistungen des Grundstücks-
und Wohnungswesens (6,1 %)
Werbeagenturen/Werbegestaltung
(26,3 %)
Hörfunkveranstalter (16,3 %)
Herstellung von Filmen, Videofilmen
und Fernsehprogrammen (10,6 %)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (3,9 %)
Beherbergungs- und
Gastronomiedienstleistungen (3,4 %)
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)
101 Vgl. SMWA (2017), S. 8.
102 Vgl. Ebenda.
103 Vgl. BMWi (2017), S. 35.
104 Die hierzu in der Statistik vorliegenden Daten ermöglichen keine tiefergehenden
Betrachtungen der hier zugrundeliegenden Ursachen.
105 Vgl. SMWA (2017), S. 50.
100 Vgl. MWEIMH (2012), S. 36.

49
50
Leipzig ist Schwerpunkt der sächsischen Filmwirtschaft und Drehort
verschiedener Serien- und Filmproduktionen. Die Media City Leipzig ist
der modernste und größte Produktionskomplex für Film, TV, Hörfunk und
Bühne in Mitteldeutschland. Dienstleistungsunternehmen aller Sparten
für die Erstellung von Film- und TV-Produktionen sind hier angesiedelt.
Die Media City Leipzig war beispielsweise das gemeinsame Nationale
Sendezentrum von ARD und ZDF für die Olympischen Winterspiele
2018.
111
Mittlerweile wird Leipzig nach der Hauptstadtregion in den neuen
Bundesländern als ein eindeutiger Konzentrationspunkt der Filmwirtschaft
gesehen.
112
Dresden weist strukturelle Schwerpunkte im Bereich des Kurzfilms auf.
Neben der hohen Anzahl von Kurzfilmfestivals, die in Dresden ihren
Austragungsort haben, ist hier die AG Kurzfilm, der Bundesverband
Deutscher Kurzfilm, angesiedelt. Dresden ist zudem Standort des
Deutschen Instituts für Animationsfilm (DIAF), das sich mit archivarischer,
kuratorischer und wissenschaftlicher Arbeit rund um den Kurzfilm befasst.
Das DIAF-Archiv sammelt künstlerische Materialien zum historischen wie
zeitgenössischen deutschen Animationsfilmschaffen, womit das DIAF
über ein einzigartiges Archiv in Europa verfügt.
113
Neben dem Kurzfilm sind
Animations- und Werbefilme weitere Spezialisierungen Dresdens im Bereich
der Filmwirtschaft.
114
Auch außerhalb der beiden größten sächsischen Städte gibt es
zahlreiche Bezüge zur Filmwirtschaft. Verschiedene sächsische Orte,
wie beispielsweise Moritzburg, waren bereits Kulisse und Drehort für
Filmproduktionen. Auch die historische Kulisse der Stadt Görlitz wurde
bereits für verschiedene internationale und nationale Filmproduktionen
genutzt. Laut Auskunft von Experten im Rahmen der Erstellung des
zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen sind die
regionalökonomischen Effekte, die sich für Sachsen als Standort für
Filmproduktionen von Firmen mit Unternehmenssitz außerhalb von Sachsen
ergeben, aber vergleichsweise gering. Diese Unternehmen fragen am
Drehort selbst in der Regel nur im relativ geringen Umfang Dienstleistungen
nach, beispielsweise in der Gastronomie und im Übernachtungsgewerbe.
Netzwerke und Veranstaltungen
115
Brancheninterne Kooperationsmöglichkeiten und Austauschplattformen
sind gerade auch im Zusammenhang mit Projektarbeiten in der
Filmwirtschaft wichtig.
116
In Sachsen gibt es zahlreiche Netzwerke mit
Bezug zur Filmwirtschaft, beispielsweise den Filmverband Sachsen e. V.,
die FILMACHSE, die AG Kurzfilm, die AG Animationsfilm (Berufsverband
für die deutsche Animationsfilmbranche), das Netzwerk Lausitzer
Filmschaffender, die Interessengemeinschaft Freier Filmschaffender und die
Filmwerkstatt Chemnitz. Der Filmsommer Sachsen wird vom Filmverband
Sachsen e.V. organisiert und dient zum Austausch zwischen Vertretern der
Kultur- und Medienpolitik, Förderung, Festivals, Kinos, Produktionen und
Filmdienstleistungen.
Insgesamt weist Sachsen eine hohe Vielfalt an (internationalen)
Filmfestivals mit Wettbewerbsverfahren, auch außerhalb der urbanen
Kulturräume, auf. Diese tragen zur überregionalen Sichtbarkeit der
sächsischen KKwi bei. Zu diesen Veranstaltungen zählen beispielsweise das
Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm (DOK), das U.F.O.
Kurzfilmfestival in Leipzig, das Filmfest in Dresden, das Filmfest Dogs,
Bones and Catering in Dresden, Bergsichten (Berg und Outdoor Filmfestival
Entwicklung der Filmwirtschaft als sie im ersten Kulturwirtschaftsbericht
für Sachen abgebildet wurde. In dem dort betrachteten Zeitraum wies die
Filmwirtschaft eine deutlich positive Entwicklung auf und gehörte zu den
dynamischsten Teilmärkten der sächsischen KKwi. Die Umsatzzuwächse in
der Filmwirtschaft betrugen im Zeitraum von 2000 bis 2006 82,0 Prozent.
Wertschöpfungsketten der Filmwirtschaft
Am Anfang der Wertschöpfungskette in der Filmwirtschaft stehen die
Filmschaffenden, die für den kreativen Teil und auch für die technische
Umsetzung der Filmprojekte verantwortlich sind. Dabei sind die
Filmschaffenden im Wesentlichen im Auftragsproduktionsmarkt für
öffentlich-rechtliche und private Sender, den Kinofilmproduktionsmarkt
und internationale Koproduktionen (Film und TV) tätig.
106
In Sachsen
gehören damit unter anderem die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten des
Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und des Zweiten Deutschen Fernsehens
(Landesstudio Sachsen) zu den potenziellen Auftraggebern für die
Filmwirtschaft.
Häufig ist das Arbeitsleben von Filmschaffenden von projektbezogener
Arbeit geprägt, die eine hohe Flexibilität erfordert und mit relativ häufigen
Wechseln von Arbeitgebern und Auftraggebern verbunden ist. Dabei ist
die soziale Absicherung in vielen Bereichen der Filmwirtschaft schwierig.
Eine Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Die Filmschaffenden
e. V. ergab ein durchschnittliches Jahresgehalt für diese Gruppe von
38.400 Euro (brutto).
107
Generell sind Durchschnittseinkommen im Bereich
der Filmschaffenden allerdings mit Vorsicht zu interpretieren, weil es
deutliche Unterschiede zwischen den Akteuren gibt. So kann ein bekannter
Hauptdarsteller Tagesgagen zwischen 12.000 und 15.000 Euro realisieren,
während unbekannte Kleindarsteller Tagesgagen unterhalb von 200 Euro
erhalten.
108
Im Monitoringbericht 2017 für die deutsche KKwi wird darauf hingewiesen,
dass die Unternehmen der Filmwirtschaft geschlossen wie in keinem
anderen Teilmarkt der KKwi Maßnahmen zur sozialen Absicherung von
freiberuflichen Tätigkeiten fordern. Während der entsprechende Anteil
im Durchschnitt für die gesamte KKwi bei 67,3 Prozent der Unternehmen
liegt, teilen in der Filmwirtschaft mit einem Anteil von 87,3 Prozent
deutlich mehr Unternehmen diesen Wunsch.
109
Auch in Sachsen gibt es
verschiedene Initiativen, wie FAIRTV e.V., die für bessere Arbeits- und
Vergütungsbedingungen für freie Fernsehschaffende bei TV-Produktionen
eintreten. Einen Beitrag zur sozialen Absicherung der selbständig
Erwerbstätigen der Filmwirtschaft kann die Künstlersozialkasse leisten.
Die Struktur der Filmwirtschaft in Sachsen wird von zahlreichen,
kleineren Produktionsfirmen geprägt, die unterschiedliche
Spezialisierungen aufweisen.
110
Beispiele dafür sind Dokumentationen,
Spielfilme, Animationsfilme, Werbespots, Imagefilm, Industriefilme
und medienpädagogische Filme. Größere Produktionsfirmen sind in
Sachsen eher nicht verortet. Wichtiger Bestandteil der Filmwirtschaft in
Sachsen sind zudem Kinos unterschiedlicher Art, wie Programmkinos
mit Nischenangeboten, das Freilichtkino an der Elbe und verschiedene
Multiplexkinos.
Regionale Schwerpunkte
Die meisten Unternehmen der sächsischen Filmwirtschaft hatten ihren
Firmensitz im Jahr 2015 in Leipzig (275), es folgte darauf Dresden mit 164
Unternehmen. In beiden Städten hat die Anzahl der Unternehmen der
Filmwirtschaft im Zeitraum von 2010 bis 2015 zugenommen.
106 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017). S, 43.
107 Zitiert nach Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 43.
108 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 45.
109 Vgl. BMWi (2018), S. 101.
110 Auf der Website des Filmverbands Sachsens wurden im Oktober 2018 44 sächsische
Produktionsfirmen als Mitglieder aufgeführt (vgl. Filmverband Sachsen e.V. (2018)).
111 Vgl. Media City Leipzig (2018).
112 Vgl. Kreatives Leipzig (2018).
113 Vgl. DIAF (2018).
114 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 42.
115 Für einen Überblick über die zahlreichen Initiativen, Netzwerke und Projekte
der Filmwirtschaft in Sachsen vgl. Filmverband Sachsen e.V. (2018).
116 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 45.

51
52
Dresden), Schlingel - Internationales Filmfestival Chemnitz (Kinderfilmfest),
das Internationale Märchenfilmfestival fabulix in Annaberg-Buchholz im
Erzgebirge und das Neiße-Filmfest im Dreiländereck von Tschechien,
Polen und Deutschland. Zudem gibt es die Filmkunstmesse in Leipzig,
die einen Schwerpunkt im Bereich der Arthouse-Filme hat. Das Leipziger
Kurzfilmfestival »KURZSUECHTIG« wurde im Jahr 2017 in die institutionelle
Förderung durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und
Kunst aufgenommen, um die Stärken Sachsens im Bereich der Filmfestivals
weiter zu unterstützen. In der Regel werden auf den Filmfestivals
Preisgelder ausgelobt, mit denen entsprechende Anreize für die Produktion
von Filmen in Sachsen gesetzt werden.
Ausbildung
Die Qualifikationsmöglichkeiten in Sachsen für die Filmwirtschaft
sind vielfältig, sowohl im Ausbildungsbereich als auch im Bereich von
Studiengängen. Dazu zählen beispielsweise Ausbildungen zum Regisseur,
Kameramann, Schauspieler, Film- und Videoeditor, Maskenbildner,
Mediengestalter Bild und Ton und Video-Journalisten. An den Hochschulen
in Sachsen gibt es verschiedene Angebote mit Bezug zur Filmwirtschaft,
beispielsweise an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn
Bartholdy“ Leipzig, Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in
Dresden und der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. In Delitzsch
gibt es die Theaterakademie Sachsen. Theaterwissenschaften gibt es
an der Universität Leipzig und einen Studiengang im Bereich Film und
Fernsehen an der Hochschule Mittweida. Weitere Ausbildungsangebote
gibt es in den Bereichen Medieninformatik (Technische Universität
Dresden, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Dresden und an
der staatlich anerkannten Fachhochschule Dresden), Kommunikations-
und Medienwissenschaften (Universität Leipzig), Mediendesign (staatlich
anerkannte Fachhochschule Dresden) und an der Fakultät Medien an der
Fachhochschule Mittweida, mit Angeboten für die Ausbildung im Bereich
Film und Fernsehen. Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle
(SAEK) bieten jedem die Möglichkeit, eigene Beiträge in den Bereichen
Hörfunk, Fernsehen sowie Onlinemedien zu erstellen. SAEK-Studios gibt
es in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Bautzen, Görlitz, Riesa, Torgau, Plauen
und Zwickau. Ein mobiler SAEK für ganz Sachsen wird von Döbeln aus
organisiert.
Filmförderung
Die Förderlandschaft für audiovisuelle Werke basiert in Deutschland auf
unterschiedlichen Fördermechanismen, die sich im Wesentlichen in die
Bereiche Klassische Filmförderung, Anreizmodelle, Staatliche Bürgschaften
und Verpflichtungen von TV-Veranstaltern zur Investition beziehungsweise
Ausstrahlung von Filmen einteilen lassen.
117
Neben der europäischen und nationalen Filmförderung sind die regionalen
und kommunalen Förderinstrumente für die Filmwirtschaft in Sachsen
relevant. Im Koalitionsvertag 2014 bis 2019 der sächsischen Staatsregierung
sind eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung der Filmwirtschaft in
Sachsen vereinbart worden, unter anderem in Bezug auf den Kinder- und
Animationsfilm sowie die Förderung des Erhalts, der Erschließung und der
öffentlichen Nutzbarmachung des audiovisuellen Erbes. Es gibt in Sachsen
eine Erklärung zur Finanzierung von Film- und Fernsehproduktionen
aus dem Jahr 2014, welche gemeinsam von dem Freistaat Sachsen und
Verantwortlichen der Film- und Fernsehbranche entwickelt wurde, um die
Passgenauigkeit von Finanzierungsmöglichkeiten für die Filmwirtschaft zu
verbessern.
118
Das Land Sachsen investierte im Jahr 2017 1,6 Millionen Euro in die
kulturelle Filmförderung.
119
Weitere Fördermöglichkeiten für Filmprojekte in
Sachsen bieten beispielsweise die Mitteldeutsche Medienförderung GmbH
(MDM) (wirtschaftliche Filmförderung), die Kulturstiftung Sachsen und
die Kulturelle Filmförderung der Sächsischen Landesanstalt für privaten
Rundfunk und neue Medien. Hier gibt es auch Ansätze zur Förderung der
internationalen Zusammenarbeit, die für die sächsische Filmwirtschaft
relevant sind. Ein solches Beispiel ist der deutsch-polnische Filmfonds
unter Beteiligung der MDM. Es gibt auch Fonds auf kommunaler Ebene,
wie beispielsweise die Kleinprojektefonds der Stadt Dresden, welche
Filmproduktionen unterstützen.
Möglichkeiten für Anschubfinanzierungen für Filmprojekte bieten zudem
Crowdfunding-Plattformen
120
, über welche sich Investoren (auch mit kleinen
Beiträgen) an Projektfinanzierungen beteiligen können. Generell ist die
finanzielle Förderung häufig zentral für die Umsetzung von Filmprojekten.
In einer Befragung der Landesarbeitsgemeinschaft der Sächsischen
Industrie- und Handelskammern sahen insbesondere KKwi-Unternehmen
der Filmwirtschaft finanzielle Hindernisse als ein großes Hemmnis für die
Entwicklung dieses Teilmarktes der sächsischen KKwi.
121
Absatzmärkte
Die Absatzmärkte der Unternehmen der sächsischen Filmwirtschaft sind
in weiten Teilen lokal und regional. Es gibt beispielsweise Verflechtungen
der sächsischen Produktionsfirmen mit der Rundfunkwirtschaft, dem
öffentlichen Rundfunk und mit dem Werbemarkt in Sachsen. Gleichwohl
sind auch sächsische Unternehmen der Filmwirtschaft an internationalen
Produktionen, beispielsweise mit den Nachbarländern Polen und
Tschechien, beteiligt. Zudem sind die selbstständigen Bühnen-, Film- und
TV-Künstler in Abhängigkeit von ihren Engagements überregional tätig.
Diese Strukturen stellen generell positive Rahmenbedingungen für die
Entwicklung der Filmwirtschaft in Sachsen dar.
Generell spielen die Absätze auf Auslandsmärkten für die deutsche
Filmwirtschaft eine untergeordnete Rolle. Im Ausland waren im Jahr 2015
lediglich 6,5 Prozent der Unternehmen der deutschen Filmwirtschaft
aktiv.
122
Eine hohe Orientierung auf Inlandsmärkte trifft nach Auskunft
von Experten, die im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen befragt wurden, ebenfalls auf die
sächsischen Filmproduzenten zu.
Es sei darauf hingewiesen, dass die Standortbedingungen für die
Filmwirtschaft in Sachsen im ersten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen
positiv bewertet wurden. Als entscheidend für die Filmwirtschaft
in Sachsen wurden in diesem Bericht die Förderlandschaft und
die in Sachsen verorteten Festivals und Messen bewertet.
123
Diese
Standortbedingungen haben sich, ebenso wie das Angebot an
spezialisierten Ausbildungseinrichtungen, seitdem laut Einschätzung
von Fachgesprächen im Rahmen der Erstellung des Zweiten Kultur- und
Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen weiter verbessert.
Tabelle 7 führt die Stärken und Schwächen der sächsischen Filmwirtschaft
auf.
119 Vgl. SMWK (2018b).
120 Vgl. in einer Analyse der Landesarbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern
im Freistaat Sachsen (2015) findet sich die Feststellung, dass die größte deutschsprachige
Crowdfunding-Plattform
www.startnext.com
in Dresden entstanden ist.
121 Vgl. LAGIHK (2015), S. 17.
122 Vgl. BMWi (2017), S. 13
123 Vgl. SMWA (2009), S. 37.
117 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 157.
118 Vgl. Sächsische Staatskanzlei (2014).

53
54
Tabelle 7: Stärken und Schwächen der
sächsischen Filmwirtschaft
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Wachstum, Struktur und regionale Schwerpunkte
• Leipzig ist Schwerpunkt der
sächsischen Filmwirtschaft (Drehort für
Serien- und Filmproduktionen, Media
City Leipzig).
• Dresden weist eine Profilierung im
Bereich Kurzfilme auf (Filmfestivals
für Kurzfilme, Alleinstellungsmerkmal
Archiv des DIAF).
• Es gibt eine Reihe von (etablierten)
sächsischen Drehorten für
(internationale) Filmproduktionen.
• Stabile Förderstrukturen für die
Filmwirtschaft.
• Es gibt Kooperationen mit den osteuro-
päischen Partnerländern im Bereich
von Festivals und Produktionen.
• Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstal-
ten des Mitteldeutschen Rundfunks
(MDR) und des Zweiten Deutschen
Fernsehen sind als Auftraggeber für die
Filmwirtschaft in Sachsen verortet.
• Es gibt vielfältige Verflechtungen der
Filmwirtschaft mit anderen Wirtschaf-
tszweigen in Sachsen, innerhalb und
außerhalb der KKwi.
• In Sachsen gibt es kaum größere
Produktionsfirmen.
• Generell sind Filmproduktionen von
Fördermitteln abhängig.
Fachkräfte, Netzwerke und Veranstaltungen
Es gibt verschieden Ausbildungsangebote
mit Bezug zur Filmwirtschaft (bspw.
Medieninformatik, Kommunikations- und
Medienwissenschaften, Mediendesign,
Regie, Theaterwissenschaften).
• Schauspieler werden z.B. in Dresden und
Leipzig ausgebildet.
• Es gibt zahlreiche Filmfestivals.
• Es gibt Verbände der
Interessenvertretung (bspw. AG Kurzfilm
(Bundesverband Deutscher Kurzfilm) in
Dresden).
• Sächsische Ausbildungs- und
Erprobungskanäle (SAEK) der
Sächsischen Landesanstalt für privaten
Rundfunk und neue Medien.
• Es gibt keine Filmhochschule.
Absatzmärkte
• Überwiegend lokal und regional.
• Geringe Bedeutung von
Auslandsumsätzen.
CHANCEN UND RISIKEN
Zunahme der Filmproduktionen
124
Die zukünftige Entwicklung der sächsischen Filmwirtschaft ist eingebettet
in die allgemeinen Trends, die sich für die Filmproduktion in Deutschland
und außerhalb der Grenzen Deutschlands zeigen.
125
Dabei hängt es von der
generellen Entwicklung der Standortbedingungen für die Filmwirtschaft in
Sachsen ab, welche Rückwirkungen die übergeordneten Trends auf Sachsen
haben.
Die Entwicklung der Filmwirtschaft in Deutschland war in den
vergangenen Jahren in verschiedenen Segmenten positiv.
126
Die
Anzahl der Kinofilmproduktionen ist in den vergangenen Jahren
angestiegen. Im Jahr 2015 gab es mehr als 230 Kinofilmproduktionen
und Koproduktionen mit deutscher Beteiligung, was etwa doppelt so
viele wie noch im Jahr 2005 waren. Ein stetiger Anstieg zeigt sich auch
beim Fernsehproduktionsvolumen, das in Deutschland seit den 1990er-
Jahren kontinuierlich zugenommen hat. Dabei ist der Anteil deutscher
Filme an den Filmstarts insgesamt in Deutschland von 28 Prozent im Jahr
2004 auf 40 Prozent im Jahr 2014 angestiegen. Einen Rekordumsatz
erzielte im Jahr 2015 auch der deutsche Videomarkt. Dabei sind auch
die Werbeeinnahmen kontinuierlich gestiegen und die Werbeerträge der
deutschen Fernsehveranstalter erreichten im Jahr 2015 4,6 Milliarden Euro
netto. Im Hinblick auf die Trends in der Filmwirtschaft rechneten die im
Rahmen einer Studie befragte Unternehmen der Filmwirtschaft für das Jahr
2017 insgesamt mit konstanten Umsatz- und Beschäftigungszahlen bei
steigenden Kosten.
127
Wie sich in diesem Umfeld die sächsische Filmwirtschaft entwickeln wird
hängt dabei von den spezifischen Standortbedingungen in Sachsen ab.
Generell spielt zudem die zukünftige Nachfrage des öffentlichen und
privaten Rundfunks sowie des Werbemarktes in Sachsen eine wichtige
Rolle für die Auslastung der Film- und TV-Produzenten in Sachsen, weil es
enge Verflechtungen zwischen der Filmwirtschaft mit dem Rundfunk und
dem Werbemarkt gibt.
Schwerpunkte der Auftragsproduktion im Entertainmentgenre
Der Schwerpunkt der Nachfrage im Bereich der Auftragsproduktionen
hat sich im Laufe der Jahre deutlich zu den relativ günstig zu
produzierenden Entertainmentgenres verschoben, die entsprechende
Entwicklungspotenziale für Produktionsfirmen eröffnet haben. Doku-Soaps,
Shows, Game- und Talkshows machten in den letzten Jahren fast die Hälfte
der Nachfrage aus. Die einst dominanten Informationsgenres kommen nur
noch auf gut ein Viertel der Gesamtproduktion. Der Anteil der Fictiongenres
war zuletzt mit unter 20 Prozent so gering wie nie zuvor. Doku-Soaps
waren in den Untersuchungsjahren mit einem Anteil von rund 30 Prozent
erneut am stärksten nachgefragt.
128
Potenziale für bewegte Medien im Bereich Social Media
Absatzchancen für die sächsische Filmwirtschaft eröffnet auch die
zunehmende Nutzung sozialer Medien. Mit dieser gewinnen bewegte
Bilder weiter an Bedeutung, denn mit Filmsequenzen kann eine höhere
Aufmerksamkeit erreicht werden als mit Texten oder Fotos. Dies hängt auch
damit zusammen, dass Filme zunehmend über Smartphones und Tablets,
„nebenbei“, geschaut werden.
129
Der Filmbranche eröffnen sich in diesem
Zusammenhang Optionen, sich beispielsweise die Verbreitung von YouTube
oder Facebook zunutze zu machen und hiermit im Zusammenhang
124 Vgl. MWIDE (2017), S. 23
125 Insgesamt ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass die Filmwirtschaft sehr heterogen und
vielseitig ist, sodass Ausagen zur Gesamtbranche nur einen groben Orientierungsrahmen für die Entwicklung
einzelner Segmente dieser Branche liefern können (vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. 2017).
126 Vgl. Birkel et al. (2017).
127 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017).
128 Vgl. Röper (2018), S. 270.
129 Vgl. MWIDE (2017), S. 23.

55
56
der Bedeutungszunahme von digitalen Verbreitungskanälen, die einen
direkten Abruf der filmwirtschaftlichen Produkte durch die Kunden, z. B. in
Form von Video-on-Demand(VoD)-Angeboten, ermöglichen
139
oder auch
durch den Streaming-Bereich unter Druck. Mit VoD über das Internet ist
ein neuer Vertriebszweig innerhalb der Filmwirtschaft entstanden, der zur
Entwicklung unterschiedlicher Geschäftsmodelle geführt hat. Transactional-
VoD-Services wie iTunes (die Bezahlung erfolgt für einzelne Abrufe)
erbringen Dienstleistungen, die vormals von Videotheken bedient wurden.
Da die Onlineplattformen zumeist international agierende
Technologieunternehmen sind, verlieren Film-Vertriebsunternehmen in
Sachsen potenziell an Branchenumsätzen. Insbesondere Videotheken,
der Einzelhandel und Kinos könnten damit zukünftig Umsätze einbüßen.
Gleichzeitig gibt es aber auch im Zuge der zunehmenden Bedeutung
von VoD Potenziale für die Filmwirtschaft, die auch von sächsischen
Produktionsunternehmen mit lokalen und deutschen Produktionen
umgesetzt werden können. Denn international agierende VoD-Anbieter,
wie beispielsweise Netflix, planen, ihr Angebot in zahlreichen Ländern
durch dortige lokale Produktionen deutlich auszubauen. So plant Netflix in
einer Reihe von Ländern zukünftig fünf- bis zehnmal so viele Produktionen
anzubieten.
140
Dies könnte potenziell auch Produktionen in Sachsen
betreffen.
Sinkende Technikkosten
Die Digitalisierung führt auch dazu, dass Filmsoftware und die
entsprechende Hardware immer kostengünstiger werden. Die Herstellung
einer digitalen Filmkopie kostet inzwischen nur noch einen Bruchteil
einer 35-mm-Kopie, auch der Transport ist günstiger.
141
Die Folge dieser
Entwicklung ist der Markteintritt von neuen Akteuren, beispielsweise
aus dem Bereich der Videoblogger, die gerade gegenüber kleineren
Produktionsfirmen als Konkurrenten auftreten. Die Kosten für technische
Ausrüstungen gehen stark zurück, was die Möglichkeiten kleinerer Anbieter
generell verbessert. Insgesamt werden im Zuge dieser Entwicklung auch
die Markteintrittsbarrieren in der sächsischen Filmwirtschaft zurückgehen,
was zu einer Erhöhung der Wettbewerbsintensität führen könnte.
Impulse für die Filmwirtschaft aus sächsischen Branchen
Die sächsische Filmwirtschaft ist mit zahlreichen Branchen in Sachsen
verflochten und erzeugt für diese Leistungen, beispielsweise für die
Werbewirtschaft (auch Digitalagenturen) und den Rundfunk. Die zukünftige
Intensivierung dieser Verflechtungen eröffnet Potenziale für die sächsische
Filmwirtschaft, beispielsweise durch den Ausbau der Zusammenarbeit
mit dem sächsischen Werbemarkt. Potenziale der Zusammenarbeit
gibt es zudem in zahlreichen Gebieten mit der sich dynamisch
entwickelnden Software-/Games-Industrie in Sachsen. Schnittstellen zu
weiteren Teilmärkten der sächsischen KKwi eröffnen beispielsweise die
Musikwirtschaft (u. a. Erstellung von Musikvideos) oder der Kunstmarkt (u.
a. Nutzung von Videotechniken für Kunstausstellungen). Cross-sektorale
Entwicklungschancen für die sächsische Filmwirtschaft gibt es zudem in
der Zusammenarbeit mit zahlreichen Branchen außerhalb der KKwi, so
beispielsweise durch den Einsatz von filmischen Medien in industriellen
Anwendungen.
Einflussfaktoren Kino
Neben der Produktion von Filmen sind die Vermarktung und Aufführung
von Filmen ein weiterer Aspekt der sächsischen Filmwirtschaft. Sachsen
stehende Geschäftsmodelle zu entwickeln.
130
Mit der zunehmenden
Verbreitung leistungsfähiger und mobiler Abspielgeräte in Verbindung mit
einer breitbandigen Internetverbindung ergeben sich für die Filmindustrie in
diesem Zusammenhang zahlreiche neue Möglichkeiten.
Strukturbestimmte Trends durch Digitalisierung und neue Technologien
131
Generell befindet sich die Filmwirtschaft in einem Umbruch, weil die Effekte
der Digitalisierung in dieser Branche umfassend wirken und die gesamte
Wertschöpfungskette von der Filmaufnahme, über die Postproduktion
(wie Schnitt, die digitale Nachbearbeitung der Bilder, Vertonung),
Archivierung, die Bedienung des Kundens, die Vorführung von Kinofilmen,
den Videohandel und das Fernsehen betreffen. Die Digitalisierung
sowie technische Weiterentwicklungen, beispielsweise die verbesserte
Bildauflösung von Filmen, verändern den Alltag vieler Filmschaffender
132
,
aber auch der Konsumenten. Die dominanten Treiber für die Digitalisierung
in der Filmwirtschaft sind sinkende Kosten für Hard- und Software sowie
Virtual-Reality (VR)-Technologien.
133
Innovationen im Bereich der digitalen Produktions- und
Abspieltechnologien sind wichtige Einflussfaktoren im Hinblick auf das
zukünftige Absatzpotenzial der Filmwirtschaft.
134
Insbesondere interaktive
VR-Technologien beinhalten ein hohes Potenzial für neue Produkte
der Filmwirtschaft, beispielsweise für innovative Entwicklungen an der
Schnittstelle zwischen der Software/Games-Industrie und Filmwirtschaft.
Darüber hinaus beeinflussen sich diese Branchen auch auf technologischer
Ebene positiv, zum Beispiel im Bereich Motion Capturing (Verfahren
zur computergestützten Erfassung von Bewegungen) und Animation.
135
Interaktive Filmproduktionen und 360° Videos sind weitere aktuelle
Entwicklungen in der Filmwirtschaft, die auch von den sächsischen
Unternehmen der Filmwirtschaft aufgegriffen werden
136
und die
Entwicklungspotenziale aufweisen.
Digitalisierung fördert Innovationen bei der Produktion von Filmen
Die Filmproduktion beinhaltet die eigentlichen Dreharbeiten sowie die
Nachbearbeitung von Filmen im Rahmen der Postproduktion (z. B.
Synchronisation, visuelle Effekte, Schnitt etc.). Insbesondere in dieser
Wertschöpfungsstufe musste sich das Geschäftsmodell der Filmwirtschaft
in den vergangenen Jahren an medientechnologische Neuerungen
anpassen und verändern. So können inzwischen beispielsweise ganze
Filmszenen am Computer erstellt werden, während im Studio nur mit
digitalen Hintergrundeffekten gedreht wird.
137
Die Digitalisierung hat damit
die Angebotspallette der (Post-) Produktionsunternehmen erweitert.
Gleichzeitig haben die Schnittstellen der Filmwirtschaft zu anderen
Branchen, auch innerhalb der KKwi, weiter zugenommen. Unternehmen,
die vormals ausschließlich der Filmwirtschaft zuzuordnen waren, erbringen
ihre Leistungen inzwischen gleichermaßen für die Computerspielbranche,
Digitalagenturen, die Gesundheitswirtschaft und industrielle
Anwendungsfelder (Querschnittstechnologie), etwa im Maschinenbau, oder
in der Architektur.
138
Die Weiterentwicklung von Kompetenzen in diesen
Bereich eröffnet den Akteuren der Filmwirtschaft somit die Chance auf die
Erschließung neuer Marktsegmente.
Effekte auf die Vertriebskanäle
Der Wandel der Filmwirtschaft durch die Digitalisierung wird auf der
Absatzseite von einem zentralen Trend geprägt. Die traditionellen
Vertriebskanäle wie das Fernsehen und das stationäre Kino stehen aufgrund
130 Vgl. Birkel et al. (2017), S. 347.
131 Vgl. MWIDE (2017), S. 22 ff.
132 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 50.
133 Vgl. MWIDE (2017), S. 22.
134 Vgl. zur Thematik die Konferenzdokumentation film | innovation | economics
(Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF und Erich Pommer Institut 2018).
135 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 195.
136 Vgl. Filmverband Sachsen e.V. (2018).
137 Vgl. MWIDE (2017), S. 22 ff.
138 Vgl. Birkel et al. (2017), S. 342.
139 Vgl. MWIDE (2017), S. 22 ff.
140 Vgl. Birkel et al. (2017), S. 346.
141 Vgl. Ebenda, S. 344.

57
58
Tabelle 8: Chancen-Risiken-Analyse für
die sächsische Filmwirtschaft
CHANCEN
Digitalisierung und Konsumentenpräferenzen
• Zunehmende Ausgaben für Kultur und
Freizeitgestaltung.
• Wachsende Nachfrage nach
Onlineangeboten.
• Neue Marktpotenziale durch digitale
Produktions- und Abspieltechnologien.
• Virtual-Reality-Technologie als
Grundlage für neue Geschäftsmodelle.
• Zunehmende Umsätze auf dem
sächsischen Werbemarkt, mit dem die
Filmwirtschaft eng verflochten ist.
• Wachsende Bedarfe an Leistungen
der Filmwirtschaft in einer Reihe von
Wirtschaftszweigen (beispielsweise
in der Software-/Games-Industrie
(Computerspiele), Digitalagenturen,
Gesundheitswirtschaft und industrielle
Anwendungen).
• Sinkende Technologiekosten
(Filmsoftware und die entsprechende
Hardware) ermöglichen den
Markteintritt neuer Akteure.
RISIKEN
• Konzentrationsprozesse durch die
Ausnutzung von Skalenvorteilen.
• International agierende Firmen
verschärfen die Wettbewerbssituation
in der Filmwirtschaft.
• Steigende Qualifikationsbedarfe
aufgrund technologischer
Entwicklungen (bspw. neue
Aufnahmetechnik mit Drohnen und
360-Grad-Kameras; Kompetenzen in
IT).
• Zunehmender Innovationsdruck
aufgrund von Veränderungen
der Arbeitsprozesse durch neue
Technologien erfordert Investitionen.
• Neue Vertriebsstrukturen (Video on
Demand und Streaming Dienste)
verdrängen Videotheken.
• Videoblogger als zunehmende
Konkurrenz für kleine
Produktionsfirmen.
weist eine hohe Anzahl von Filmfestivals auf, die, ebenso wie das
Freilichtkino in Dresden, auch teils eine überregionale Anziehungskraft auf
Touristen haben. Das Angebot an Filmfestivals trägt somit zur Entwicklung
der Tourismuswirtschaft in Sachsen bei. Gleichzeitig eröffnen sich in diesem
Bereich zukünftige weitere Entwicklungspotenziale für die Filmwirtschaft
bei steigenden Ausgaben der Konsumenten für Freizeit und Kultur.
Qualifizierungsbedarfe für die Filmwirtschaft nehmen weiter zu
Die Digitalisierung beeinflusst die Qualifikationserfordernisse in der
Filmwirtschaft auf vielfältige Weise, weil sich sowohl die Filmproduktion,
beispielsweise durch den Einsatz von Drohnen und 360-Grad-Kameras,
als auch der Vertrieb verändert haben. Aufgrund dieser Veränderungen
gewinnen digitale und Software-Kenntnisse für die Erwerbstätigen
in der Filmwirtschaft an Bedeutung, wobei die Grenzen zwischen
ehemals technischen und kreativen Berufsbildern zunehmend fließend
sind.
142
Aber auch in anderen Bereichen der Filmwirtschaft steigen die
Qualifikationsanforderungen im Zuge der Digitalisierung. Beispielsweise
muss beim Maskenbild bei höherer Bildauflösung qualitativ hochwertiger
und aufwendiger gearbeitet werden.
143
Hohe Qualifizierungsbedarfe
bestätigt auch eine Befragung der Akteure der Rundfunk- und
Filmwirtschaft am Standort Leipzig. Die regionalen Akteure sehen,
neben den Absatzpotenzialen in der Region sowie steigenden Mieten,
insbesondere die Personalgewinnung als eine Herausforderung für die
zukünftige Entwicklung.
144
Die untenstehende Tabelle fasst die wesentlichen Einflussfaktoren auf die
Filmwirtschaft und die mit diesen einhergehenden Chancen und Risiken
zusammen.
142 Vgl. Birkel et al. (2017).
143 Vgl. Goldmedia GmbH Strategy Consulting et al. (2017), S. 50.
144 Vgl. Wink et al. (2017)
Neue, digitalisierte Vertriebsstrukturen führen zu einem sich intensivierenden
Wettbewerb in der Filmwirtschaft. Beispielsweise treten Videoblogger in zunehmende
Konkurrenz zu kleinen Produktionsfirmen. Video-on-Demand oder Streaming-Dienste
verdrängen stationäre Videotheken.
Kleinere Produktionsfirmen haben Schwierigkeiten, in dem sich intensivierenden
Wettbewerb bestehen zu können, weil international agierende Firmen durch die
Ausnutzung von Skalenvorteilen den Wettbewerb verschärfen.
Zu den zentralen Herausforderungen in den Bereichen Arbeit und Qualifikation
gehören Maßnahmen der Weiterbildung, insbesondere im Bereich von IT und digitalen
Medien, sowie die Verbesserung der sozialen Absicherung der Filmschaffenden.
Den steigenden Qualifikationserfordernissen in der Filmwirtschaft steht ein
unzureichendes Fachkräfteangebot gegenüber.
Aufgrund des rasanten technologischen Fortschrittes und damit einhergehenden
Veränderungen der Arbeitsprozesse steht die Filmwirtschaft unter einem dauerhaften
Innovations- und Investitionsdruck. Gerade kleineren Unternehmen können diesem
Druck, etwa im Hinblick auf Investitionserfordernisse, nur schwer standhalten.
Durch die Verschiebung der Nachfragepräferenzen von lokalen TV-Angeboten hin
zu internationalen Serien verlieren Film-Vertriebsunternehmen in Sachsen potenziell
an Umsätzen, denn Onlineplattformen sind zumeist an international agierende
Technologieunternehmen angegliedert.
ENTWICKLUNGSHEMMNISSE

59
60
Wachsende Nachfrage nach Leistungen der Filmwirtschaft in einer Reihe von
Wirtschaftszweigen, z.B. in der Werbewirtschaft und in der Industrie.
Innovationen im Bereich der digitalen Produktions- und Abspieltechnologien eröffnen
zukünftige Absatzpotenziale für die Filmwirtschaft, etwa an der Schnittstelle zur
Software/Games-Industrie oder auch für bewegte Bilder in Social Media.
In der Zusammenarbeit der Filmwirtschaft mit anderen Wirtschaftszweigen in
Sachsen besteht ein Potenzial für Cross-Innovationen, so etwa bei der Produktion von
Musikvideos oder dem Kunstmarkt im Bereich multimedialer Kunstausstellungen.
Mit Video-on-Demand über das Internet ist ein neuer Vertriebszweig innerhalb der
Filmwirtschaft entstanden, der neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Die Filmwirtschaft
kann technische Innovationen wie Motion Capturing oder Virtual-Reality als
Grundlage für die Etablierung neuer Geschäftsmodelle nutzen.
Die sächsische Filmwirtschaft profitiert weiter von der regionalökonomischen
Bedeutung des MDR.
Leipzig kann seine Bedeutung als Konzentrationspunkt der Filmwirtschaft in den
neuen Bundesländern weiter ausbauen.
Sinkende Technikkosten (Filmsoftware und die entsprechende Hardware) ermöglichen
den Markteintritt neuer Akteure der Filmwirtschaft.
Der steigende Kostendruck in der Produktion trägt zur Bedeutung von Standorten mit
geringen Lohnkosten und Mieten für Studios bei. Hiervon können vor allem ländliche
Kulturräume profitieren.
Interessenverbände setzen sich erfolgreich zur Verbesserung der sozialen
Absicherung von Filmschaffenden ein.
Durch stabile Förderstrukturen für die Filmwirtschaft kann Kontinuität für die
Umsetzung von sächsischen Filmprojekten und die Entlohnung der Akteure
geschaffen werden.
Durch die Stärkung der Filmfestival-Landschaft (z.B. mit Kurzfilm in Dresden) und die
Entwicklung innovativer Angebote in diesem Bereich in Sachsen kann das kulturelle
Angebot in urbanen und ländlichen Kulturräumen in Sachsen weiterentwickelt werden.
Hier bietet auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, etwa mit Polen und
Tschechien, Potenziale.
Die kontinuierliche Differenzierung der sächsischen Filmfestival-Landschaft
fördert den Kulturtourismus in Sachsen und prägt darüber hinaus die positive
Außenwahrnehmung der Branche.
Es gibt Ansatzpunkte für die weitere Profilierung der Drehstandorte in Sachsen für
nationale und internationale Filmproduktionen sowie die Integration von Film- und
Festivaltourismus in das Regional- und Stadtmarketing.
ENTWICKLUNGSPOTENZIALE

78
62
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
RUNDFUNKWIRTSCHAFT
02.5 RUNDFUNKWIRT-
SCHAFT
STATISTISCHE ECKDATEN
145
Der Rundfunk gliedert sich generell in den gebührenfinanzierten
öffentlich-rechtlichen und den privatwirtschaftlichen Rundfunk
146
(sog.
duales Rundfunksystem).
147
Die statistische Branchenabgrenzung der
Rundfunkwirtschaft für die KKwi beinhaltet hingegen die überwiegend
erwerbswirtschaftlich ausgerichteten Unternehmen.
148
Der öffentlich-
rechtliche und der nicht-kommerzielle Rundfunk
149
bleiben deshalb in dieser
Abgrenzung unberücksichtigt.
150
Dennoch sind diese Rundfunkveranstalter
als Auftraggeber für Selbstständige und Unternehmen der
Rundfunkwirtschaft relevant.
Die Rundfunkwirtschaft als Teilmarkt der KKwi in Sachsen hat im Jahr 2015
eine Bruttowertschöpfung von 66 Millionen Euro erwirtschaftet, was einem
Anteil von 3,4 Prozent an der KKwi in Sachsen entsprach.
151
Gemessen an
der Bruttowertschöpfung ist die Rundfunkwirtschaft damit ein kleinerer
Teilmarkt der KKwi, mit etwa der Größenordnung der Filmwirtschaft, des
Buchmarktes und des Kunstmarktes.
Im Jahr 2015 gab es in Sachsen in der Rundfunkwirtschaft (Teilmarkt der
KKwi) insgesamt 685 Unternehmen (einschließlich der selbstständigen
Journalisten und Pressefotografen) mit einem Jahresumsatz ab 17.500
Euro (vgl. Abbildung 17), darunter 17 Hörfunkveranstalter (2,5 % der
Unternehmen) und 13 Fernsehveranstalter (1,9 % der Unternehmen).
152
Diese Unternehmen der Rundfunkwirtschaft in Sachsen haben im Jahr 2015
einen Umsatz von 112,9 Millionen Euro erwirtschaftet, was 3,0 Prozent der
145 Die dargestellten statistischen Werte für die Rundfunkwirtschaft stammen aus SMWA (2017), S. 51 ff.
146 Vgl. SMWA (2017), S. 51.
147 Dabei dominiert der öffentlich-rechtliche Rundfunk generell sowohl im Fernseh- als auch im Radiobereich
die Umsätze und die Beschäftigung des gesamten Rundfunks. In Sachsen waren im Jahr 2016 im öffentlich-
rechtlichen Rundfunk 1.550 Personen beschäftigt, während für die privaten Fernsehsender 230 und für den
privaten Hörfunk 242 Personen tätig waren. Noch größer ist das Ungleichgewicht bei den Umsätzen, bei
denen der private Anteil unter 10 Prozent liegt (vgl. Goldmedia 2017a, S. 2ff). Die genannten Daten stammen
aus der Studie von Goldmedia „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2016/2017“. Die Erhebung
basiert auf einer Primärdatenerhebung bei allen deutschen privaten Fernseh- und Hörfunkveranstaltern.
148 Vgl. Büro für Kulturwirtschaftsforschung (2016).
149 Zum nicht-kommerziellen Rundfunk zählen Radio- und Fernsehsender, die nicht mit Gewinnerzielungsabsicht
betrieben werden und nicht staatlich oder Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind (z.B. „Bürgerfunk“).
150 Vgl. Büro für Kulturwirtschaftsforschung (2016).
151 Vgl. SMWA (2017)
152 Vgl. Ebenda.
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 18: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Rundfunkwirtschaft
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 17: Unternehmen* der
Rundfunkwirtschaft im Jahr 2015
Selbstständige Journalisten und Presse-
fotografen (96 %)
Hörfunkveranstalter (2 %)
Fernsehveranstalter (2 %)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

63
64
Abbildung 20: Verflechtungsstrukturen der
sächsischen Rundfunkwirtschaft
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Die Zahl der Erwerbstätigen in der sächsischen Rundfunkwirtschaft
ist im Zeitraum 2010 bis 2015 weitgehend konstant geblieben.
155
In
Deutschland insgesamt hat die Rundfunkwirtschaft in diesem Zeitraum
leichte Zuwächse bei der Anzahl der Arbeitsplätze realisieren können.
156
Im
Zwischenbericht zum zweiten Kulturwirtschaftsbericht für Sachsen wird
für den Zeitraum von 2010 bis 2015 insgesamt ein Rückgang der Umsätze
für die Rundfunkwirtschaft ausgewiesen.
157
Hingegen ergibt die von den
Landesmedienanstalten im Auftrag gegebenen Studie die „Wirtschaftliche
Lage des Rundfunks in Deutschland 2016/2017”, welche eine Vollerhebung
aller Rundfunkunternehmen in Deutschland ist, für die privaten Radio- und
Fernsehunternehmen in Sachsen steigende bzw. stabile Umsätze von
2010 bis 2016.
158
Die Studie zeigt, dass trotz des intensiven Wettbewerbs
die wirtschaftlichen Verhältnisse der sächsischen Rundfunkwirtschaft
weitgehend stabil waren.
159
Generell haben die Unternehmen und Selbstständigen der
Rundfunkwirtschaft im Bereich der Rundfunkveranstalter und der
Journalisten unterschiedliche Geschäftsmodelle, was sich auf die
Struktur der Rundfunkwirtschaft auswirkt. Dabei sind Werbeaufträge
eine zentrale Finanzierungsgrundlage der privaten Rundfunkanbieter,
ebenso wie Auftragsproduktionen. Selbstständige Journalisten der
Rundfunkwirtschaft arbeiten häufig auch im Auftrag der öffentlich-
rechtlichen Anbieter und sind damit auch von deren Geschäftsentwicklung
abhängig. Dabei hat besonders der öffentlich-rechtliche Rundfunk für
Sachsen regionalökonomische Bedeutung als Auftraggeber für die
Rundfunkwirtschaft.
160
Der MDR ist in Sachsen ein wichtiger Auftraggeber
Abbildung 19: Statistische Eckdaten zur
sächsischen Rundfunkwirtschaft 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2013.
Gesamtumsätze der KKwi in Sachsen entsprach. Die höchste Bedeutung für
die Umsätze der Rundfunkwirtschaft hatten 2015 die Hörfunkveranstalter,
die mit 71 Millionen Euro Jahresumsatz etwa 62,0 Prozent aller Umsätze
erzielten. Die privaten Fernsehveranstalter spielen mit einem Umsatzanteil
von 4,0 Prozent eine nachgeordnete Rolle. Die selbstständigen
Journalisten erwirtschaften etwa ein Drittel der gesamten Umsätze der
Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab 17.500 Euro in diesem Teilmarkt.
Sie repräsentieren mit 96,0 Prozent die Mehrheit der Selbstständigen/
Unternehmen in der Rundfunkwirtschaft, was die hohe Bedeutung von
(Solo-)Selbständigen in diesem Teilmarkt der KKwi verdeutlicht.
In der Rundfunkwirtschaft gab es im Jahr 2015 insgesamt 3.097
Erwerbstätige, von denen 1.249 Beschäftigte und 1.848 Selbstständige
waren (vgl. Abbildung 19). Die Selbstständigenquote beträgt damit in
der Rundfunkwirtschaft 59,7 Prozent, was den entsprechenden Anteil
in einer Reihe von anderen Teilmärkten der KKwi in Sachsen übertrifft.
Im Durchschnitt gab es 1,7 Erwerbstätige pro Unternehmen. Von den
Erwerbstätigen gehen 1.187 Personen einer sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung nach, was mit 95 Prozent der insgesamt Beschäftigten der
höchste Wert der Teilmärkte der sächsischen KKwi ist. Nur 62 Personen
waren im Jahr 2015 geringfügig Beschäftigte.
153
1.163 Selbstständige haben
ein Einkommen von unter 17.500 Euro erzielt. Der Frauenanteil an den
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Rundfunkwirtschaft betrug
48,5 Prozent, was in etwa dem Durchschnitt der KKwi (46,6 %) entsprach.
154
Abbildung 20 gibt einen Überblick über die Verflechtung der
Rundfunkwirtschaft mit Auftragnehmern und Auftraggebern in Sachsen.
Die wichtigsten Auftraggeber für die Rundfunkwirtschaft sind Unternehmen
der KKwi, so der Werbemarkt (Werbeagenturen/Werbegestaltung),
von dessen Unternehmen fast 30 Prozent der Einnahmen der
Rundfunkwirtschaft stammen. Über 18 Prozent der Aufträge kommt von
den Hörfunkveranstaltern selbst.
3.097
Erwerbstätige
(100 %)
1.249
Beschäftigte
(40,3 %)
Selbstständige
1.848
/ Unternehmen
(59,7 %)
Sozialversicher-
1.187
ungspflichtig
Beschäftigte
(95 %)
Frauen: 48,5 %
Geringfügig
62
Beschäftigte
(5 %)
1.163
Unter 17.500 €
(62,9 %)
Ab
685
17.500 €
(37,1 %)
3,8 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
66
Mio. €
Bruttowertschöpfung
(3,4 % der KKwi)
Tausend
165
€ Umsatz
je Unternehmen
112,9
Mio. € Umsatz
(3,0 % der KKwi)
Erwerbstätige
1,7
je Unternehmen
Lieferungen aus Sachsen an die
sächsischen Unternehmen der
Rundfunkwirtschaft (Anteile an
den gesamten Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen der
Rundfunkwirtschaft an
sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Dienstleistungen der Kunst, der
Kultur und des Glücksspiels
(18,0 %)
Erziehungs- und
Unterrichtsdienstleistungen
(14,3 %)
Dienstleistungen des Sports, der
Unterhaltung und der Erholung
(8,9 %)
Dienstleistungen der öffentlichen
Verwaltung und der Verteidigung
(6,5 %)
Hörfunkveranstalter (5,7 %)
Werbeagenturen/Werbegestaltung
(29,5 %)
Hörfunkveranstalter (18,2 %)
Herstellung von Filmen, Videofilmen
und Fernsehprogrammen (11,8 %)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (3,9 %)
Beherbergungs- und
Gastronomiedienstleistungen (3,7 %)
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)
155 Vgl. SMWA (2017), S. 51 ff.
156 Vgl. BMWi (2017), S. 34 ff.
157 Vgl. SMWA (2017), S. 51 ff.
158 Vgl. Goldmedia (2017a), S. 212. Nicht berücksichtigt wurden Programme in lokalen Kabelanlagen
oder Gemeinschaftsantennenanlagen mit einer technischen Reichweite unter 10.000 angeschlossenen
Haushalten sowie nicht-kommerzielle oder rein spendenfinanzierte Hörfunk- und Fernsehanbieter.
159 Entsprechend der Umsatzsteuerstatistik, die auch die Grundlage für die Analyse der sächsischen Rundfunkwirtschaft
in SMWA (2017) bildet, sind die Umsätze (-29,8 %) und die Bruttowertschöpfung (-27,9 %) in der sächsischen
Rundfunkwirtschaft von 2010 auf 2015 deutlich gesunken. Die Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung
(-4,4 %) und der Erwerbstätigkeit (-1,2 %) in der sächsischen Rundfunkwirtschaft im Zeitraum von 2010 bis 2015 (vgl.
SMWA 2017) sowie die Ergebnisse der Studie „Wirtschaftliche Lage des Rundfunks in Deutschland 2016/2017“ (vgl.
Goldmedia 2017a; Primärdatenerhebung) lassen aber vermuten, dass es sich bei dem in SMWA (2017) ausgewiesenen
Rückgang des Umsatzes der Rundfunkwirtschaft um ein rein buchungstechnisches Phänomen handelt.
160 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 45.
153 Die Angaben zu Unternehmen und Umsatz der Rundfunkwirtschaft bezogen sich im Ersten Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht
für Sachsen ausschließlich auf steuerpflichtige Unternehmen (ohne MDR, soweit gebührenfinanziert), während die Angaben zu den
Erwerbstätigen die steuerpflichtigen Unternehmen und den gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen MDR umfassten (vgl. SMWA
2009, S. 40). Nach dem aktualisierten Leitfaden zur Erfassung von statistischen Daten für die Kultur- und Kreativwirtschaft (vgl. Büro
für Kulturwirtschaftsforschung) wird hiervon abweichend für die Beschäftigten der Anteil der privaten Rundfunkwirtschaft geschätzt.
154 Die Angaben zum Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigen für den Teilmarkt Rundfunkwirtschaft beziehen
sich aus Datenschutzgründen auf die geschlechterspezifischen Beschäftigungsverhältnisse des Jahres 2013 (vgl. SMWA (2017), S. 24).

65
66
Auch das Radio behält seine hohe Bedeutung für die Nutzung von
Medien breiter Bevölkerungsschichten in Deutschland. Etwa 80 Prozent
der Bevölkerung nutzt täglich das Radio, wobei sich neben hohen
Nutzungswerten auch eine große emotionale Verbundenheit mit
dem Medium und einzelnen Sendern zeigt.
166
Dabei wird die deutsche
Radiolandschaft maßgeblich von regionalen und lokalen Angeboten
geprägt, von denen in Sachsen ein großer Teil privatwirtschaftlich
organisiert ist. Dabei konnten in den letzten Jahren die lokalen Anbieter
ihren Marktanteil gegenüber den überregionalen Anbietern steigern.
167
Die
Erträge des privaten Hörfunks in Sachsen haben von 2010 bis 2016 um 6
Millionen auf 40 Millionen Euro zugenommen.
168
Werbeinnahmen steigen deutschlandweit
In den letzten Jahren sind die Ausgaben für Fernseh- und Radiowerbung
deutschlandweit fast kontinuierlich gestiegen
169
, wobei die klassische
Werbung die wichtigste Einnahmenquelle der privaten Rundfunkanbieter
ist. Dabei hat Fernsehen mit 48 Prozent den höchsten Anteil an den
Werbeaufwendungen. Das Radio hat dagegen nur einen Anteil von 6
Prozent. In beiden Bereichen sind die Werbeeinnahmen in den letzten
Jahren deutschlandweit fast kontinuierlich gestiegen. Insgesamt war das
Niveau der Werbeeinnahmen der privaten Rundfunkanbieter in Sachsen
hingegen im Zeitraum von 2010 bis 2016 tendenziell rückläufig aufgrund der
Entwicklungen im Bereich des Privatfernsehens.
170
Die Werbeeinnahmen des
Privatradios sind hingegen in der jüngeren Vergangenheit im Wesentlichen
stabil gewesen. Bei den Werbeeinnahmen in Sachsen zeigte sich in den
vergangenen Jahren somit eine in Teilen abweichende Entwicklung von
der in Deutschland insgesamt, wobei die Ursachen hierfür auf Basis der
vorliegenden Daten nicht identifiziert werden können.
Beschäftigungssituation
171
Die Beschäftigung im sächsischen Lokal-TV ist in den letzten Jahren
zurückgegangen. Im Jahr 2016 waren bei den Lokal-TV-Betrieben 230
Personen beschäftigt. Von diesen waren 70 Prozent festangestellt.
Aufgrund der Einsparungen gelang es den Anbietern – in der Summe –
die Kosten und den Kostendeckungsgrad etwa konstant zu halten. Dabei
haben aber einige Anbieter die Geschäftstätigkeit aufgegeben.
172
Im
sächsischen Privatradio sind die Ausgaben für das festangestellte Personal
und die freien Mitarbeiter mit 5,5 Millionen Euro zwischen 2014 und 2016
stabil geblieben, während sie bundesweit um rund 6 Prozent stiegen. Die
Zahl ihrer Mitarbeiter stieg zwischen 2014 bis 2016 jedoch von 211 auf 242,
was einem Plus von fast 15 Prozent entspricht. Neue Jobs entstanden vor
allem für freie Mitarbeiter, deren Zahl von 65 auf 92 wuchs, während es
bei den Voll- und Teilzeitkräften in Festanstellung keine nennenswerten
Veränderungen gab.
173
Stark differenzierte lokale TV-Landschaft in Sachsen
Insgesamt gibt es in Sachsen 25 private TV-Veranstalter, die mit ihren
Programmen eine technische Reichweite von mindestens 10.000
Haushalten haben. Bei Berücksichtigung der Angebote mit einer geringeren
Verbreitung sind es 54 Lokal-TV-Programme von 46 Fernsehveranstaltern.
Sachsen hat damit eine der differenziertesten Lokal-TV-Landschaften
Deutschlands.
174
Intensiver Wettbewerb der Hörfunkprogramme
Im sächsischen Privatradiomarkt herrscht ein intensiver Wettbewerb.
Insgesamt werden 88 verschiedene private kommerzielle und
nichtkommerzielle Hörfunkprogramme von 51 Veranstaltern verbreitet.
175
für selbstständige Journalisten, die häufig sowohl für den privaten
als auch den öffentlichen Rundfunk tätig sind. Dabei gibt es in der
Rundfunkwirtschaft einen hohen Anteil von sogenannten „festen freien
Mitarbeitern“, d.h. selbstständige Journalisten, die regelmäßig für dieselben
Auftraggeber tätig sind.
Fachkräfte
In Sachsen gibt es spezifisch auf die journalistische Tätigkeit zugeschnittene
Studiengänge, wie beispielsweise den Masterstudiengang Journalismus an
der Universität Leipzig und verschiedene Angebote an der Leipzig School
of Media wie Crossmedia Management und New Media Journalism. Zudem
werden verschiedene Studiengänge mit Fokus auf den Medienbereich
angeboten, wie etwa an der Technischen Universität Dresden im Bereich
Medienforschung und Medienpraxis sowie an der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig im Bereich Medienmanagement und
Fernsehproduktion. An der Hochschule Mittweida gibt es die Fakultät
Medien, an der unter anderem Sportjournalismus studiert werden
kann. Andererseits steigen auch viele Geisteswissenschaftler, wie auch
Politologen, quer in den Journalisten-Beruf ein.
Netzwerke, Preise und Sächsische Ausbildungs- und Erprobungskanäle
Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien
(SLM) befasst sich mit den Rahmenbedingungen zur Entwicklung
und Förderung des privatwirtschaftlichen Rundfunks in Sachsen. Die
SLM versteht sich dabei als ein zentraler Ansprechpartner für die
Belange des privaten Rundfunks und der Telemedien in Sachsen.
161
Die
Rundfunkwirtschaft Sachsens ist zudem außenwirksam vernetzt. Die
Landesmedienanstalten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
verleihen gemeinsam den Rundfunkpreis Mitteldeutschland in den Sparten
Fernsehen, Hörfunk und Bürgermedien. Lokale sächsische Programme
haben bereits in verschiedenen Kategorien Auszeichnungen des Deutschen
Regionalfernsehpreises erhalten, so etwa im Jahr 2018, der von der SLM
unterstützt wird.
162
Die Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle
(SAEK), welche eine Medienkompetenz-Initiative der SLM sind, bieten
der sächsischen Bevölkerung vielfältige Möglichkeiten, Beiträge in den
Bereichen Hörfunk, Fernsehen sowie Onlinemedien zu erstellen, z.B.
Hörspiel- und Fernsehproduktionen. Dies geschieht häufig in Kooperation
mit Schulen und Bildungsträgern. Sachsenweit gibt es acht SAEK-
Standorte:
163
Bautzen, Chemnitz, Dresden, Görlitz, Leipzig, Plauen, Riesa und
Zwickau sowie ein mobiles SAEK-Angebot.
Nachfrage
Bisher ist das Fernsehen in Sachsen der dominierende Medienkanal,
was auch für das Privatfernsehen günstige Rahmenbedingungen setzt.
Dabei sehen 96 Prozent der Bevölkerung die Fernsehprogramme ganz
überwiegend auf klassischen Fernsehgeräten. Es folgen mobile oder
stationäre PCs und erst dann kommen Tablets und Smartphones. Dabei
verfügt mehr als drei Viertel der sächsischen Bevölkerung über einen
Internetanschluss. Den Fernseher hat etwa jeder Dritte an das Internet
angeschlossen, etwa jeder Fünfte nutzt darüber hinaus den Internetbereich
des Fernsehers. Das lokale Fernsehprogramm wird überwiegend per
digitalem Kabel (69 %) empfangen. Die Lokal-TV-Plattform via Satellit
oder DVB-T spielen mit Anteilen von 10 bzw. 3 Prozent nur eine geringe
Rolle. Dennoch konnte das lokale Fernsehen in Sachsen seine Position
im Medienmix stabil halten.
164
Insgesamt konnte das private Fernsehen in
Sachsen im Jahr 2016 Erträge auf einem ähnlichen Niveau wie 2010 erzielen,
wobei zwischenzeitlich etwas höhere Werte realisiert wurden.
165
161 Vgl. SLM (2019a).
162 Vgl. Fernsehen in Dresden GmbH (2018).
163 Stand: 12. Mai 2019.
164 Vgl. SLM (2018).
165 Vgl. Goldmedia (2017a), S. 212.
166 Vgl. Rühle (2014), S. 325.
167 Vgl. Goldmedia (2017a), S. 212.
168 Vgl. Ebenda.
169 Vgl. Möbus und Heffler (2018), S. 129.
170 Vgl. Goldmedia (2017a), S. 213.
171 Vgl. Ebenda, S. 214.
172 Vgl. Ebenda, S. 213.
173 Vgl. Ebenda, S. 222.
174 Vgl. Ebenda, S. 210.
175 Vgl. SLM (2019b)

67
68
Fachkräfte und Netzwerke
• Die Rahmenbedingungen für die
Rundfunkwirtschaft werden durch die
Sächsische Landesanstalt für privaten
Rundfunk und neue Medien gefördert.
• Es gibt verschiedene Studiengänge
an den sächsischen Hochschulen mit
Bezug zur Rundfunkwirtschaft, z.B.
Journalismus und Medienmanagement.
• Es werden verschiedene Preise
für Sendungen der sächsischen
Rundfunkwirtschaft vergeben.
Dabei konkurrieren überregionale größere private Anbieter mit privaten
Lokalradiostationen um Hörer und Werbeeinnahmen. Im dicht besetzten
Markt konkurrieren die privaten Veranstalter nicht nur untereinander um
Hörer und Werbekunden, sondern müssen sich auch gegen sechs Wellen
des beitragsfinanzierten Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) behaupten, von
denen zwei (MDR Jump und MDR Sachsen) werbungsführend sind.
176
Technologische Entwicklungen
Sowohl beim Fernsehen als auch beim Radio gibt es viele Möglichkeiten,
wie das Programm zu den Zuschauern kommt. Beim Fernsehen liegt der
Fokus in Sachsen auf der Verbreitung über das Kabel. Derzeit nutzen 33
Veranstalter ausschließlich diesen Weg. Nur fünf Veranstalter verbreiten ihre
Programme über DVB-T, vier davon besitzen parallel auch eine Zulassung
für die Verbreitung ihrer Programme im Kabel, drei Veranstalter verfügen
über eine bundesweite Satellitenzulassung und weitere fünf Veranstalter
beschränken sich auf eine Programmverbreitung via Internet.
177
Beim Radio dominiert die UKW-Übertragung. Diese wird in Sachsen von
vier landesweiten und 15 regionalen bzw. lokalen Programmen sowie fünf
nichtkommerziellen Hörfunkprogrammen genutzt. Seit Anfang 2018 gibt es
zudem ein lokales DAB+
178
-Hörfunkangebot in Leipzig (15 Programme) und
in Freiberg (14 Programme), wovon insgesamt 14 Programme noch zugleich
über UKW zu empfangen sind. Dies ist wesentlich auf die Förderung durch
die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien
(SLM) zurückzuführen.
179
Im Ergebnis haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Thüringen, für welche die Zahlen nur gemeinsam ausgewiesen werden,
unter allen Bundesländern nach Bayern den zweithöchsten Anteil von DAB+
Nutzern.
180
Tabelle 9 fasst zentrale Stärken und Schwächen für die sächsische
Rundfunkwirtschaft zusammen.
Tabelle 9: Stärken und Schwächen der
sächsischen Rundfunkwirtschaft
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Struktur und Wachstum
• Sachsen weist eine der am stärksten
differenzierten Lokal-TV-Landschaften
Deutschlands mit breitem lokalem
Angebot auf.
• Fernsehen und Radio sind für breite
Bevölkerungsschichten in Sachsen
wichtige Medienangebote.
• Die Werbeeinnahmen der
sächsischen Rundfunkwirtschaft
waren in der jüngeren Vergangenheit
leicht rückläufig, während sie
deutschlandweit zugenommen haben.
• Die privaten Anbieter der
Rundfunkwirtschaft stehen in einem
engen Wettbewerb untereinander und
zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
• Die hohe Wettbewerbsintensität
zwischen verschiedenen privaten
Anbietern (lokalen und überregionalen)
führt tendenziell zu sinkender
Kostendeckung.
• Es gibt zahlreiche „feste freie
Mitarbeiter“ unter den Journalisten.
CHANCEN UND RISIKEN
Der Bedarf der sächsischen Bevölkerung an lokalen Informations- und
Unterhaltungsangeboten von sächsischen Radio- und Fernsehanbietern
ist hoch. Dabei sind die Aufträge der Werbewirtschaft an lokale
private Rundfunk- und Fernsehanbieter in Sachsen eine zentrale
Finanzierungsgrundlage der privaten Rundfunkanbieter. Selbstständige
Journalisten arbeiten hingegen auch im Auftrag der öffentlich-rechtlichen
Anbieter. Die Auftragslage der Journalisten wird deshalb auch von dem
Bedarf der öffentlich-rechtlichen Anbieter, wie etwa dem MDR, beeinflusst.
Insgesamt sind die wesentlichen Einflussfaktoren auf die zukünftige
Entwicklung der Nachfrage nach Leistungen der privaten
Rundfunkwirtschaft die Größe, Altersstruktur und regionale Verteilung der
Bevölkerung, die Nutzung von Medien unterschiedlicher Altersgruppen und
alternative Möglichkeiten, die Bevölkerung mit lokalen Werbeangeboten zu
erreichen.
Regionale Bevölkerungsentwicklung und Struktur
Die Bevölkerungsprognose für Sachsen zeigt einen Rückgang der
Einwohnerzahl in den kommenden Jahren. Für den Zeitraum von 2016
bis 2030 wird für die sächsische Bevölkerung ein Rückgang um 4,6 %
auf 3,9 Millionen Einwohner prognostiziert.
181
Innerhalb des Bundeslandes
wird sich die Bevölkerung stärker auf die Städte konzentrieren, sodass die
ländlichen Regionen noch stärker an Bevölkerung verlieren werden.
182
In
den ländlichen sächsischen Kulturräumen könnte aufgrund rückläufiger
Bevölkerungszahlen der Umfang der potenziellen Nachfragegruppe nach
Angeboten der Rundfunkwirtschaft zukünftig abnehmen.
Mediennutzung unterschiedlicher Altersgruppen
Derzeit hat die ältere Bevölkerung einen deutlich höheren Konsum an
klassischen Fernseh- und Radioprogrammen als die jüngere. Dabei hat
das klassische Fernsehen bei den über 50jährigen ein Anteil von fast 85
Prozent, während es bei den unter 30jährigen nur knapp 40 Prozent sind. In
dieser Altersgruppe dominiert der Medienkonsum über Video on Demand
Angebote, die über das Internet, wie zum Beispiel über Netflix, Amazon
oder YouTube, bereitgestellt werden.
183
Auch beim Radiokonsum haben die Jüngeren ein anderes Nutzerverhalten
als die Älteren. Zwar ist die prozentuale Tagesreichweite des Hörfunks über
alle Alterskohorten zwischen 2010 und 2015 relativ stabil geblieben, aber
die Hördauer blieb nur bei den Älteren auf einem annähernd konstanten
Niveau. Bei den unter 30-Jährigen hat sich die tägliche Radionutzung
dagegen deutlich verkürzt: So sank bei den 14- bis 19-Jährigen die tägliche
Hördauer von 115 Minuten in 2010 auf nur noch 91 Minuten in 2015.
184
Vieles spricht dafür, dass die Jüngeren ihr derzeitiges Nutzungsverhalten
beibehalten auch wenn sie älter werden. Gleichzeitig könnte sich der
Trend der Abkehr vom klassischen Rundfunk bei den „zukünftig“ Jüngeren
noch weiter verstärken. Damit würde sich die wirtschaftliche Situation der
privaten Rundfunkwirtschaft deutlich verschlechtern. Denn es entstehen
für Rundfunkanbieter zunehmend neue Konkurrenten, eben durch die
Zunahme der Musikplattformen für das Radio ebenso wie durch neue,
global agierende Video-on-Demand Plattformen für die Fernsehveranstalter.
Allerdings gibt es auch im Internet eine große Nachfrage nach lokalen
Informationen, was Möglichkeiten für die Integration des Angebotes
der Rundfunkwirtschaft in Onlinedienste eröffnet. Dies zeigt, dass
181 Vgl. ETR (2019).
182 Vgl. Wilsdorf/Kirschke (2016).
183 Vgl. Kunow (2017).
184 Vgl. Goldmedia (2017b), S. 41.
176 Vgl. Goldmedia (2017a), S. 210.
177 Vgl. SLM (2019c).
178 DAB steht für „Digital Audio Broadcasting“, welche die digitale Verbreitung von Audiosignalen über Antenne
(Terrestrik) ist. Dabei ist DAB+ die Weiterentwicklung von DAB in optimierter digitaler Audiokomprimierung.
179 Vgl. SLM (2019b).
180 Vgl. Gerlitsch (2017).

69
70
Strategien zu Fachkräftegewinnung
Die Rundfunkwirtschaft steht bundesweit vor der Herausforderung,
qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Dabei steigen die
Qualifizierungsanforderungen mit der Digitalisierung. So planen
fast die Hälfte der deutschen Rundfunkunternehmen ihre
Weiterbildungsmaßnahmen auszubauen. Allerdings ist dies für viele
Unternehmen in der Rundfunkwirtschaft ein finanzielles Problem. Als
weitere Strategien zur Gewinnung von Fachkräften wollen etwa 40 Prozent
der Unternehmen die Arbeitszeitflexibilisierung, wobei 27,5 Prozent der
Unternehmen explizit familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle einführen
wollen.
190
Da die Rundfunkwirtschaft stark regional geprägt ist, spielt die
Fachkräftegewinnung im Ausland nur eine untergeordnete Rolle.
Bisher nutzt die Rundfunkwirtschaft intensiv freie Mitarbeiter, mit denen
flexible Veränderungen des Angebots zu geringen Kosten möglich
sind.
191
So klagen viele Unternehmen in der Rundfunkwirtschaft über zu
hohe Personalausfallkosten. Der Anteil ist fast doppelt so hoch wie im
Durchschnittswert für die gesamte deutsche KKwi. Als Konsequenzen
planen auch so viele Unternehmen wie in keiner anderen Branche der
KKwi die Einstellung von weiteren freien Mitarbeitern. Dabei könnte aber
gerade der Fachkräftemangel und die Notwendigkeit zur Weiterbildung die
Unternehmen zwingen, die Mitarbeiter fest und längerfristig zu binden.
Die untenstehende Tabelle fasst die wesentlichen Einflussfaktoren auf die
Rundfunkwirtschaft und die damit einhergehenden Chancen und Risiken
zusammen.
gerade für die lokalen Radioanbieter insbesondere in Kombination mit
Onlineangeboten weiterhin Potenziale bestehen.
185
Durch die Integration
von klassischen Radio- und Fernsehangeboten mit Onlineangeboten
und Streamingdiensten haben sich neue Produkte entwickelt wie etwa
Internetradio, das Internet-basiertes Angebot an Hörfunksendungen.
Generell gilt dabei, dass ein zunehmendes digitales Angebot der
Rundfunkwirtschaft den Bedarf an Navigationsinstrumente und
Suchmaschinen im audiovisuellen Bereich erhöht.
186
Werbeeinnahmen
Die Werbeinnahmen des Radiowerbemarktes waren in den letzten
20 Jahren im Vergleich zu anderen Mediengattungen stabil. Während
es im Bereich der Print-, Fernseh- und Internetwerbung deutliche
Verschiebungen gab, die durch einen starken Anstieg der Onlinewerbung
zu Lasten der Printmedien geprägt waren, konnte das Radio seinen
Anteil am Werbemarkt konstant halten. Dabei zeigt die Verteilung der
Werbeausgaben auf die verschiedenen Mediengattungen, dass bei der
Belegung von Radio-Werbezeiten die Regionalität eine wichtige Rolle
spielt: Es sind vor allem die Branchen Möbel und Einrichtung, Hotel und
Gastronomie, Kaufhäuser, Lebensmitteleinzelhandel, PKW und Bier, die
überdurchschnittliche Anteile ihres Werbevolumens ins Radio investieren.
187
Deshalb sind die sächsischen kleinen und mittleren Unternehmen wichtige
Auftraggeber für die sächsische Rundfunkwirtschaft.
Hoher Wettbewerb
Das differenzierte Rundfunkangebot führt zu einem hohen Wettbewerbs-
und Kostendruck. Die ohnehin schon sehr hohe Wettbewerbsintensität
in der Rundfunkwirtschaft wird in den nächsten Jahren durch mehr
digitale Angebote weiter verschärft. Eine wichtige Rolle spielen dabei
Musikstreaming-Dienste wie Spotify, Amazon Music oder Deezer, die
insbesondere bei jüngeren Zielgruppen zunehmende Reichweiten
erzielen. Dabei geht es um die Gewinnung von Konsumenten und damit
verbundenen Werbeinnahmen. So verschiebt sich das Onlineangebot
von Musik vom Download hin zum Streaming-Konsum, womit auch eine
Veränderung der Werbemöglichkeiten verbunden ist. Der digitale Markt
macht bereits mehr als ein Viertel des gesamten Musikmarktes aus und
ist damit definitiv im Massenmarkt angekommen. Einen Großteil der
deutschen Nachfrage von digitalen kostenpflichtigen Musikdiensten decken
ausländische Anbieter ab (Amazon, iTunes, Spotify).
188
Digitalisierung bringt steigende Qualifikationsanforderungen
Mit den technischen Möglichkeiten der Digitalisierung steigen die
Ansprüche an die technische Qualität der Angebote. Streaming-Angebote
wie klassisches Webradio oder Musikstreaming-Dienste, entwickeln sich
weiter und gewinnen an Relevanz. Dabei gewinnt das Smartphone als
Endgerät eine immer größere Bedeutung. Darüber hinaus steigt die Zahl
der DAB+ Geräte in Haushalten und auch im Pkw. Um die steigenden
Qualitätsanforderung zu erfüllen, benötigen die privaten Rundfunkanbieter
mehr qualifiziertes Personal. Vor diesem Hintergrund planen viele Anbieter
verstärkt in Weiterbildung zu investieren. Softwarekenntnisse sowie der
Umgang mit sozialen Medien sind in der Rundfunkwirtschaft besonders
wichtig, um dem gesellschaftlichen Wandel gerecht werden zu können.
In beiden Bereichen sieht jeweils ein höherer Anteil der Unternehmen
Fortbildungsbedarf als in allen anderen Teilmärkten der KKwi. In der
Rundfunkwirtschaft gehen demnach 64,1 Prozent der Unternehmen von
Weiterbildungsbedarf bei Softwarekenntnissen und 57,2 Prozent bei
sozialen Medien aus.
189
Tabelle 10: Chancen-Risiken-Analyse für
die sächsische Rundfunkwirtschaft
CHANCEN
Demografische Entwicklung und Konsumentenpräferenzen
• Weiterhin Wunsch nach lokalen
Informationen der sächsischen
Bevölkerung, die auch durch
Integration von Angeboten der
Rundfunkwirtschaft mit Onlinediensten
genutzt werden können.
RISIKEN
• Im ländlichen Raum könnte aufgrund
rückläufiger Bevölkerungszahlen
der Umfang der potenziellen
Nachfragegruppe nach Angeboten der
Rundfunkwirtschaft abnehmen.
• Geringere Nachfrage nach Angeboten
des Rundfunks innerhalb der jüngeren
Bevölkerung.
• Digitalisierung führt zu sinkenden
Produktionskosten von hochwertigen
Angeboten.
• Höhere Ausgaben für Weiterbildung.
Digitalisierung
• Zunehmender Innovationsdruck
aufgrund von Veränderungen
der Arbeitsprozesse durch neue
Technologien.
• Mangel an qualifiziertem Personal (IT-
Kenntnisse).
• Steigende Personalkosten
(aufgrund steigender
Qualifizierungsanforderungen).
• Aufgrund zunehmender
Wettbewerbsintensität rückläufige
Festeinstellungen für Journalisten.
185 Vgl. zu Webradios in Sachsen Radiolisten.de (2019).
186 Vgl. SWTF (2014), S. 28.
187 Vgl. Rühle (2014), S. 335.
188 Vgl. Verband der Internetwirtschaft (2017).
189 Die Befragungsdaten sind dem Monitoringbericht entnommen (vgl. BMWi (2018), S. 105).
190 Die Befragungsdaten sind dem Monitoringbericht entnommen (vgl. BMWi (2018), S. 105).
191 Die Befragungsdaten sind dem Monitoringbericht entnommen (vgl. BMWi (2018), S. 106).

71
72
Das differenzierte Rundfunkangebot führt zu einem hohen Wettbewerbs-
und Kostendruck für die einzelnen Unternehmen. Zusätzlich steigt die
Konkurrenz in der Rundfunkwirtschaft durch andere Medien und den
zunehmenden digitalen Angeboten wie Spotify, Amazon Music oder Deezer,
die insbesondere bei jüngeren Zielgruppen zunehmende Reichweiten erzielen.
Ansteigende Personalausgaben sowie Fachkräfteengpässe bei gleichzeitig
steigenden Qualifikationsanforderungen können zu erheblichen
Kostensteigerungen führen.
Im ländlichen Raum könnte aufgrund rückläufiger Bevölkerungszahlen
der Umfang der potenziellen Nachfragegruppe nach Angeboten der
Rundfunkwirtschaft abnehmen.
ENTWICKLUNGSHEMMNISSE
In den letzten Jahren sind die Ausgaben für Fernseh- und Radiowerbung
deutschlandweit fast kontinuierlich gestiegen. Generell können von diesem
Trend positive Impulse auf die Einnahmen der sächsischen Rundfunkwirtschaft
ausgehen.
Für die kleinen und mittelständischen Unternehmen bleibt die sächsische
Rundfunkwirtschaft ein wichtiger Werbekanal.
Die Digitalisierung ermöglicht es den lokalen Rundfunkstationen, ein
qualitativ hochwertiges Angebot bei sinkenden Produktionskosten zu senden.
Der Fachkräftebedarf erfordert eine stärkere Personalbindung in der
sächsischen Rundfunkwirtschaft, welche zu Festeinstellungen und höheren
Ausgaben für Weiterbildung führt, womit die Fachkräfteverfügbarkeit gestärkt
wird.
Die zunehmende Integration von traditionellen Angeboten der
Rundfunkwirtschaft mit innovativen Online-Angeboten (wie Web-Radio und
Web-TV) stärkt die Attraktivität der privaten Rundfunkwirtschaft.
Der Wunsch der sächsischen Bevölkerung nach lokalen Informations- und
Unterhaltungsangeboten von sächsischen Radio- und Fernsehanbietern bleibt
anhaltend hoch, was Potenziale für eine weitere stark differenzierte private
Rundfunkwirtschaft in Sachsen darstellt.
ENTWICKLUNGSPOTENZIALE

90
74
02
TEILMÄRKTE
DER SÄCHSISCHEN
KULTUR- UND
KREATIVWIRTSCHAFT
MARKT FÜR
DARSTELLENDE
KÜNSTE
02.6
MARKT FÜR
DARSTELLENDE
KÜNSTE
STATISTISCHE ECKDATEN
192
Die Bruttowertschöpfung des sächsischen Marktes für Darstellende Künste
betrug im Jahr 2015 118 Millionen Euro, was einem Anteil von 6,0 Prozent an
der KKwi in Sachsen entsprach. Damit ist der Markt für Darstellende Künste
als siebtgrößter ein mittelgroßer Teilmarkt der KKwi in Sachsen.
Etwas mehr als die Hälfte der 712 Selbstständigen/Unternehmen (ab
17.500 Euro Jahresumsatz) des Marktes für Darstellende Künste in Sachsen
sind selbstständige Bühnen-, Film-, TV-Künstler (vgl. Abbildung 21).
Einen hohen Anteil an den Unternehmen weisen zudem die Erbringung
von Dienstleistungen für die Darstellende Kunst und Kulturunterricht/
Tanzschulen auf, was die hohe Bedeutung des Marktes für Darstellenden
Kunst für die kulturelle Bildung zeigt.
193, 194
Der Markt für Darstellende Künste verzeichnete im Jahr 2015 Umsätze
in Höhe von 175 Millionen Euro, was 4,7 Prozent der Gesamtumsätze der
KKwi in Sachsen entsprach. Es gab im Jahr 2015 4.913 Erwerbstätige,
von denen 1.770 Personen beschäftigt und 3.143 selbstständig waren
(vgl. Abbildung 23). Damit sind in diesem Teilmarkt deutlich mehr
Personen selbstständig tätig (64 %) als abhängig beschäftigt. Die
durchschnittliche Erwerbstätigenzahl pro Unternehmen lag im Jahr 2015 bei
1,6 Personen. Im Vergleich zur sächsischen KKwi insgesamt (62 %) haben
überdurchschnittlich viele Selbstständige im Markt für Darstellende Künste
mit 2.341 Selbstständigen/Unternehmen ein Einkommen von unter 17.500
Euro (77,4 %). Es gab im Jahr 2015 1.303 sozialversicherungspflichtige
Beschäftigungsverhältnisse und 467 geringfügig Beschäftigte. Mit 51,3
Prozent (2016) liegt der Anteil weiblicher sozialversicherungspflichtig
Beschäftigter im Markt für Darstellende Kunst leicht über dem Durchschnitt
der sächsischen KKwi insgesamt (46,6 %).
192 Die dargestellten statistischen Werte für den Markt für Darstellende Künste stammen aus SMWA (2017), S. 54 ff.
193 Dabei beinhaltet der Kulturunterricht die Erteilung von Kunst-, Schauspiel- und Musikunterricht. Einheiten, die diese
Art von Unterricht erteilen, können die Bezeichnung „Schule“, „Studio“ oder „Klasse“ usw. tragen. Sie erteilen formal
organisierten Unterricht, hauptsächlich für Hobby, Freizeitbeschäftigung oder Selbstentfaltung, die Unterweisung führt
jedoch nicht zu einem beruflichen Abschluss, oder Hochschulabschluss (vgl. Statistische Ämter der Länder 2019).
194 Vgl. zur kulturellen Bildung in Sachsen auch das “Konzept Kulturelle Kinder
und Jugendbildung für den Freistaat Sachsen“ (SMWK 2018c).
8,5%
der KKwi
3,2%
3,1%
3,3%
3,4%
6,0%
9,5%
7,2%
19,2%
8,9%
20,7%
5,0%
5,1%
der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an der
Bruttowertschöpfung der KKwi
%
Anteil der Teilmärkte an den Unternehmen der
KKwi mit einem Jahresumsatz ab 17.500 €
3,8%
4,6%
5,7%
5,9%
6,1%
16,8%
11,9%
11,1%
11,3%
11,4%
3,6%
Abbildung 22: Unternehmen der KKwi und ihre Bruttowertschöpfung 2015
– Fokus Markt für Darstellende Künste
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.
* gerundete Werte; ab 17.500€ Jahresumsatz
Abbildung 21: Unternehmen* des
Marktes für Darstellende Künste
im Jahr 2015
Selbstständige Bühnen-, Film-,
TV-Künstler
(Anteil an Unternehmen 57%)
Selbstständige Artisten,
Zirkusbetriebe (5%)
Theaterensembles (1%)
Theater- und Konzertveranstalter (8%)
Private Musical-/Theaterhäuser,
Konzerthallen u.ä. (1%)
Varietés und Kleinkunstbühnen (2%)
Erbringung von Dienstleistungen f. d.
Darst. Kunst (14%)
Kulturunterricht/Tanzschulen (13%)
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC.

75
76
Abbildung 24: Verflechtungsstrukturen des
sächsischen Marktes für Darstellende Künste
STÄRKEN UND SCHWÄCHEN
Wachstum und Struktur
Die Umsätze (+ 8,8 %), die Bruttowertschöpfung (+ 9,0 %) und die
Anzahl der Erwerbstätigen (+23,0 %) des Marktes für Darstellende
Künste in Sachsen haben im Zeitraum von 2010 bis 2015 zugenommen.
Der Anstieg der Anzahl der Arbeitsplätze im Markt für Darstellende
Künste ist insbesondere auch auf die sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigungsverhältnisse zurückzuführen (+14,1 %). Damit wies der
Markt für Darstellende Künste im Zeitraum von 2010 bis 2015 in diesem
Bereich der Erwerbstätigkeit eine besonders günstige Entwicklung auf. Die
Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse in
der sächsischen KKwi war in diesem Zeitraum nur in der Designwirtschaft
(+23,8 %) und der Software-/Games-Industrie (+82,0 %) höher als im
Markt für Darstellende Künste. Die Zuwächse bei den Umsätzen und
der Bruttowertschöpfung des Marktes für Darstellende Künste lagen
aber unter dem Durchschnitt der KKwi in Sachsen insgesamt
195
, der
sächsischen Gesamtwirtschaft
196
und der KKwi in Deutschland
197
. Auch im
Berichtszeitraum des ersten Kulturwirtschaftsberichts für Sachsen gab es
eine positive Entwicklung auf dem Markt für Darstellende Künste, mit einem
Umsatzwachstum von 34 Prozent im Zeitraum von 2000 bis 2006.
198
Ein besonderes Merkmal des Marktes für Darstellende Künste ist die hohe
Anzahl von selbstständigen Künstlern mit einem Einkommen von weniger
als 17.500 Euro. Die statistischen Daten der Künstlersozialkasse zeigen
für ihre Mitglieder in Sachsen im Bereich der Darstellenden Kunst ein
Durchschnittseinkommen von 12.347 Euro im Jahr 2016.
199
Abbildung 23: Statistische Eckdaten zum
Markt für Darstellende Künste 2015
Quellen: SMWA (2017); eigene Darstellung RMC und ETR. Datenbasis: 2015; Bruttowertschöpfung und Umsätze für Unternehmen
ab 17.500 Euro Jahresumsatz; Frauenanteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten für das Jahr 2016.
Der Markt für Darstellende Künste ist über Lieferungen und Leistungen
mit anderen Wirtschaftszweigen in Sachsen verflochten, auch mit anderen
kulturrelevanten Wirtschaftszweigen sowie mit dem Bildungsbereich (vgl.
Abbildung 24). 17,7 Prozent ihrer Lieferungen, beispielsweise im Bereich
ihrer Angebotserbringung für Theater, beziehen die Darstellenden Künste
von anderen Dienstleistungen der Kunst, der Kultur und des Glücksspiels.
Dazu können zum Beispiel Ballettgruppen, Orchester, Kapellen und Chöre
gehören. 13,1 Prozent seiner Vorleistungen erhält der Markt für Darstellende
Künste von Erziehungs- und Unterrichtsdienstleistungen. Die Leistungen
des Marktes für Darstellende Künste, beispielsweise im Hinblick auf
Theateraufführungen und Kulturunterricht, gehen schwerpunktmäßig
an Dienstleistungen der Kunst, der Kultur und des Glücksspiels (18,0 %),
Erziehungs- und Unterrichtsdienstleistungen (14,3 %) und Dienstleistungen
des Sports, der Unterhaltung und der Erholung (8,9 %).
4.913
Erwerbstätige
(100 %)
1.770
Beschäftigte
(36 %)
Selbstständige
3.143
/ Unternehmen
(64 %)
Sozialversicher-
1.303
ungspflichtig
Beschäftigte
(73,6 %)
Frauen: 51,3 %
Geringfügig
467
Beschäftigte
(26,4 %)
2.431
Unter 17.500 €
(77,4 %)
Ab
712
17.500 €
(22,6 %)
6,1 %
der Erwerbstätigen
der KKwi
118
Mio. €
Bruttowertschöpfung
(6,0 % der KKwi)
Tausend
246
€ Umsatz
je Unternehmen
Mio.
175
€ Umsatz
(4,7 % der KKwi)
Erwerbstätige
1,6
je Unternehmen
Lieferungen aus Sachsen an
die sächsischen Unternehmen
des Marktes für Darstellende
Künste (Anteile an den gesamten
Lieferungen)
Leistungen der sächsischen
Unternehmen des Marktes
für Darstellende Künste an
sächsische Unternehmen
(Anteil an den gesamten
Leistungen)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (17,8 %)
Erziehungs- und
Unterrichtsdienstleistungen (13,1 %)
Vorb. Baustellen-, Bauinstallations-
und sonstige Ausbauarbeiten (6,5 %)
Landverkehrs- und
Transportleistungen in
Rohrfernleitungen (5,4 %)
Wach-, Sicherheitsdienstlg.,
wirtschaftl. Dienstleistg. a.n.g. (5,3 %)
Dienstleistungen der Kunst, der Kultur
und des Glücksspiels (18,0 %)
Erziehungs- und
Unterrichtsdienstleistungen (14,3 %)
Dienstleistungen des Sports, der
Unterhaltung und der Erholung
(8,9 %)
Dienstleistungen der öffentlichen
Verwaltung und der Verteidigung
(6,5 %)
Hörfunkveranstalter (6,1 %)
Quelle: ETR (2018); eigene Berechnungen auf Basis regionalisierter Input-Output-Tabellen für Sachsen. (dargestellt: die jeweils
fünf bedeutendsten Wirtschaftszweige)
195 Vgl. SMWA (2017), S. 8.
196 Vgl. Ebenda.
197 Vgl. BMWi (2017), S. 6.
198 Vgl. SMWA (2009), S. 47.
199 Vgl. SMWA (2017), S. 32.

77
78
bspw. Stipendien vergibt. Das TanzNetzDresden ist ein Netzwerk, das
Möglichkeiten des Austauschs und der Kooperation für professionell
arbeitende Tanzschaffende in Dresden anbietet. Auch das Europäische
Zentrum der Künste HELLERAU in Dresden engagiert sich in zahlreichen
Netzwerken und ist Mitglied im Bündnis internationaler Produktionshäuser.
Im Studio W.M. – Werkstatt für Musik und Theater in Chemnitz – gibt es eine
breite Palette an Angeboten für Darstellende Künstler.
Kulturelle Infrastruktur und Schwerpunkte
Öffentlich finanzierte Theater und Opernhäuser zählen nicht zum Markt für
Darstellende Künste. Generell profitieren aber die privatwirtschaftlichen und
öffentlich finanzierten Spielstätten voneinander, weil sie in der Gesamtheit
zur Sichtbarkeit der Darstellenden Künste in Sachsen beitragen
203
und
Anknüpfungspunkte für die Vernetzung zwischen öffentlichen und privaten
Einrichtungen bieten. Auch im Kultur- und Kreativwirtschaftsbericht
für Dresden 2018 wird auf das Potenzial verwiesen, welches im Markt
für Darstellende Künste in der engeren Verzahnung zwischen der freien
Szene der Darstellenden Kunst und öffentlich getragenen Theater- und
Opernhäusern liegt.
204
Deshalb ist die öffentliche kulturelle Infrastruktur
für die Bewertung des Potenzials des Marktes für Darstellende Künste in
Sachsen ebenfalls zu berücksichtigen. Diese kulturellen Einrichtungen,
die in den urbanen Kulturräumen konzentriert sind, tragen zur hohen
Anziehungskraft Sachsens für Touristen aus dem In- und Ausland bei.
In Sachsen gibt es somit zahlreiche Veranstaltungsorte für die Darstellenden
Künste in unterschiedlichen Größenordnungen, wobei es sich häufig um
qualitativ hochwertige und modernisierte kulturelle Infrastruktur handelt,
wie den im Jahr 2017 wiedereröffneten vollständig sanierten Kulturpalast
Dresden oder dem im Jahr 2016 eröffneten Kulturzentrum Kraftwerk Mitte
in Dresden. Das Staatsschauspielhaus Dresden, die Semperoper in Dresden,
die Landesbühnen Sachsen, die Staatsoperette Dresden und das Theater
Junge Generation in Dresden bieten ein vielfältiges Angebot im Bereich der
Darstellenden Künste.
Beispiele für Spielstätten des freien Theaters in Dresden sind das
Festspielhaus Hellerau - Europäisches Zentrum für Künste, das
Societätstheater Dresden, das Projekttheater Dresden und die Comödie
Dresden, die im World Trade Center Dresden angesiedelt ist. Im Kultur- und
Kreativwirtschaftsbericht für Dresden 2018
205
wird für die Darstellenden
Künste in Dresden hervorgehoben, dass die zahlreichen Veranstaltungen
zu einer hohen Sichtbarkeit dieses Teilmarktes der sächsischen KKwi
beitragen. Dazu zählt beispielsweise die Lange Nacht der Theater, an
der sowohl öffentlich finanzierte als auch private Theater beteiligt sind.
Weitere Beispiele für Veranstaltungen in Dresden sind der Scheune
Schaubudensommer und das Varieté- und Zirkusfestival Dresden.
In Dresden gibt es im Markt für Darstellende Künste besondere strukturelle
Stärken im Bereich Tanz zu der, neben der renommierten Palucca
Hochschule für Tanz und HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste,
eine Reihe von Veranstaltungen und Ensembles beitragen. Beispiele dafür
sind die Tanzwoche in Dresden, das Dance transit Festival und die Dresden
Frankfurt Dance Company (ehemals Forsythe Company).
Zu den zahlreichen öffentlich finanzierten Einrichtungen für die
Darstellende Kunst in Leipzig zählen beispielsweise die Oper Leipzig,
die Musikalische Komödie, das Schauspiel Leipzig und das Theater der
Jungen Welt, welches eines der ältesten professionellen Kinder- und
Jugendtheater im deutschsprachigen Raum ist.
206
Freie Theater mit eigener
Die selbstständigen darstellenden Künstler, wie Schauspieler und
Tänzer, dürften deshalb häufig eine Nebentätigkeit ausüben, wobei
es beispielsweise Verflechtungen mit dem Bildungsbereich und dem
öffentlichen Kultursektor gibt. Solo-Selbstständige haben in Deutschland
im Allgemeinen häufiger mehrere Einkommensquelle als abhängig
Beschäftigte. Eine Analyse der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass der
Anteil der Solo-Selbstständigen in der KKwi, die neben ihrer Tätigkeit in
der KKwi eine weitere Einkommensquelle haben, im Untersuchungsjahr
bei etwa 18 Prozent lag.
200
Selbstständige Bühnen-, Film-, TV-Künstler
Schauspieler des Marktes für Darstellende Künste sind beispielsweise auch
an öffentlichen Theaterhäusern und in der Filmwirtschaft tätig.
Generell sind öffentliche und private Fördermittel, beispielweise über
staatliche Institutionen, Vereine und Sponsoring, für den Betrieb der
Spielstätten und Aufführungen des Marktes für Darstellende Kunst
bedeutsam. Es gibt in Sachsen Förderansätze, welche die Potenziale
der Darstellenden Kunst im Bereich privatwirtschaftlicher Aktivitäten
unterstützt. Ein Beispiel dafür ist die „Richtlinie des Sächsischen
Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst zur Förderung der
Kunst und Kultur im Freistaat Sachsen“. Ein konkretes Beispiel ist die
Gastspielförderung für freie Theatergruppen der Kulturstiftung des
Freistaates Sachsen auf der Grundlage von im Sächsischen Staatshaushalt
bereitgestellten Mitteln.
201
Regionale Schwerpunkte
Besondere Potenziale für die Darstellenden Künste gibt es dort, wo
bereits Unternehmen dieses Teilmarktes der KKwi konzentriert sind und
wo es aufgrund der lokalen Bevölkerungszahl ein vergleichsweise hohes
Besucherpotenzial für Veranstaltungen der Darstellenden Künste gibt.
Unternehmen und Selbstständige des Marktes für Darstellende Künste
sind mit 207 beziehungsweise 237 in Dresden und Leipzig konzentriert,
202
womit hier die regionalen Stärken dieses Teilmarktes der KKwi in Sachsen
liegen. Dabei hat die Unternehmenszahl sowohl in Dresden (+ 16,7 %) als
auch in Leipzig (+ 33,3 %) im Zeitraum von 2010 bis 2015 zugenommen. In
Chemnitz gab es im Jahr 2015 67 Unternehmen in diesem Teilmarkt und
damit neun Prozent mehr als im Jahr 2010. In den ländlichen Kulturräumen
lassen sich keine besonderen regionalen Schwerpunkte des Marktes für
Darstellende Künste feststellen.
Ausbildung
In Sachsen gibt es verschiedene Ausbildungsangebote für die Darstellende
Künste, beispielsweise an der Hochschule für Musik und Theater „Felix
Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig, der Hochschule für Musik „Carl Maria
von Weber“ in Dresden und der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden.
In Delitzsch gibt es die Theaterakademie Sachsen. Ebenso bieten
beispielsweise die sächsische Artistenschule e.V. in Dresden und das
Artistenkombinat Leipzig e.V. ein vielfältiges Angebot, besonders für
Kinder und Jugendliche, allerdings ohne qualifizierenden Berufsabschluss.
Theaterwissenschaften können an der Universität Leipzig studiert werden.
Netzwerke
Die Darstellenden Künste in Sachsen sind in zahlreichen Initiativen vernetzt.
Die gemeinsamen Interessen des Landesverbands der Freien Theater
Sachsen e. V. und des Landesverbands Amateurtheater Sachsen e. V.
werden durch das Landesbüro Darstellende Künste Sachsen vertreten.
Das Landesbüro ist dabei die übergeordnete Koordinierungsstelle für
die anderen Vereine. Ein weiteres Beispiel für eine Institution mit Bezug
zum Markt für Darstellende Künste ist die Kulturstiftung Sachsen, welche
203 Vgl. Landeshauptstadt Dresden (2018a), S. 50.
204 Vgl. Ebenda, S. 51.
205 Vgl. Ebenda.
206 Vgl. Stadt Leipzig (2018a).
200 Vgl. Friedrich-Ebert-Stiftung (2012), S. 14.
201 Vgl. Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2019).
202 Vgl. SMWA (2017), S. 56.

79
80
Fachkräfte und Netzwerke
• Ausbildungsinfrastruktur für
Darstellende Künste (mit
Schwerpunkten in den urbanen
Kulturräumen).
• Es gibt zahlreiche Netzwerke, auch
internationale, mit Bezug zum Markt für
Darstellende Künste.
Kulturelle Infrastruktur und Veranstaltungen
• Es gibt ein breit gefächertes
Angebot an Spielstätten und Bühnen
(auch Angebote in den ländlichen
Kulturräumen).
• Vielfältige, auch modernisierte,
Veranstaltungsinfrastruktur in den
urbanen Räumen (auch für kleinere
Aufführungen).
• Es gibt zahlreiche (internationale)
Festivals für Darstellende Künste.
• Die öffentlich finanzierte kulturelle
Infrastruktur in Sachsen zieht eine hohe
Anzahl von Kulturtouristen aus dem In-
und Ausland an.
Spielstätte in Leipzig sind das LOFFT, die Schaubühne Lindenfels, der
Lindenfels Westflügel (Figurentheater), das Puppentheater Sterntaler und
die Cammerspiele. In Leipzig gibt es eine Reihe von Theaterfestivals, wie
beispielsweise das Festival zeitgenössischen europäischen Theaters und
Tanzes Leipzig euro-scene oder das Theaterfestival off-Europa, welches
auch Vorstellungen in Chemnitz und Dresden hat.
Für den Markt der Darstellenden Künste in Leipzig lässt sich als ein
charakteristisches Merkmal die Vielfalt an Kabarett- und Kleinkunstbühnen
nennen.
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Zu den ältesten Kabaretts gehören die Leipziger Pfeffermühle
und die academixer. Neu entstanden sind in jüngerer Zeit beispielsweise das
Kabarett-Theater SanftWut, das Leipziger Central Kabarett, das Leipziger
Brettl und das HinterhofTheater Boccaccio. In Leipzig findet jährlich die
Lachmesse, ein europäisches Satire- und Humorfestival, statt.
Auch außerhalb von Dresden und Leipzig gibt es in Sachsen verschiedene
Angebote im Bereich der Darstellenden Kunst, hervorzuheben sind hier
Theaterfestivals und mobile Theater. Beispiele sind das internationale
Straßentheaterfest ViaThea in Görlitz, das Straßentheaterfestival im
Rahmen des Weinfests Radebeul und das deutsch-sorbische Volkstheater,
ein bikulturelles Theater, in Bautzen. Ein Beispiel für ein sächsisches
Tourneetheater sind die Eibenstocker „Comediantes”. Öffentlich
finanzierte Spielstätten sind beispielsweise Die Theater Chemnitz und die
Landesbühnen Sachsen, ein mobiles Theater mit Stammhaus in Radebeul.
Marktzugang
Die Besucher von Veranstaltungen des Marktes für Darstellende Kunst
in Sachsen kommen in der Tendenz eher aus dem (über-)regionalen und
lokalen Umfeld. Jedoch gibt es auch in Sachsen eine zunehmende Anzahl
von internationalen Veranstaltungen mit der Beteiligung von Künstlern
aus dem Ausland. Dabei wurde im Rahmen von Fachgesprächen für
die Erstellung des Zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für
Sachsen darauf hingewiesen, dass internationale Veranstaltungen auch zur
Wahrnehmung des sächsischen Marktes für Darstellende Künste im Ausland
beitragen. Dies eröffnet Potenziale für die Erschließung von überregionalen
Märkten. In diesem Zusammenhang wurde im Zuge der Erstellung des
zweiten Kultur- und Kreativwirtschaftsberichts für Sachsen auch darauf
hingewiesen, dass die Produktionen der freien Szene bisher noch nicht
in ausreichendem Maße auf international einschlägigen Festivals und
Bookingplattformen sichtbar sind, was sich nachteilig auf die überregionale
Markterschließung auswirkt.
Tabelle 11 fasst zentrale Stärken und Schwächen für den sächsischen Markt
für Darstellende Künste zusammen.
Tabelle 11: Stärken und Schwächen des
sächsischen Marktes für Darstellende Künste
STÄRKEN
SCHWÄCHEN
Wachstum, Struktur und regionale Schwerpunkte
• Zunehmende Umsätze,
Bruttowertschöpfung und
Erwerbstätigenzahlen (auch im Bereich
der sozialversicherungspflichtigen
Beschäftigung).
• Die kleinteiligen Strukturen des Marktes
für Darstellende Künste ermöglichen
den Unternehmen hohe Flexibilität.
Dresden und Leipzig sind regionale
Schwerpunkte mit einer wachsenden
Anzahl von Solo-Selbstständigen und
Unternehmen im Markt für Darstellende
Künste.
Dresden weist strukturelle Stärken im
Bereich Tanz auf.
• Strukturelle Stärken im Bereich
Kabarett gibt es in Leipzig.
• Relativ geringe Einkommen für
Darstellende Künstler.
• Erfordernisse von Nebentätigkeiten
für die Erwerbstätigen mit geringen
Einkommen.
• Hohe Abhängigkeit des Marktes für
Darstellende Künste von Fördergeldern.
• Die Kulturtouristen konzentrieren sich
in den urbanen Kulturräumen.
Absatzmärkte
• Lokale und überregionale Nachfrage
aus dem Inland.
• Internationale Festivals haben auch
Anziehungskraft auf Besucher aus dem
207 In verschiedenen Presseartikeln und auf Websites findet sich die Bezeichnung „Kabarettstadt Leipzig“ (vgl. z.B . Kabarett
Ausland.
academixer GmbH (2019)).

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mit Übernachtungen. Die Anzahl der touristischen Übernachtungen
in den Zentren der Darstellenden Kunst in Sachsen, Leipzig (+ 57 %)
215
und Dresden (+ 25 %)
216
, hat im Zeitraum von 2010 bis 2017 deutlich
zugenommen. Generell gehen mit touristischen Aufenthalten, neben
Ausgaben für das Freizeit- und Unterhaltungsgewerbe, auch positive
Effekte auf den Einzelhandel, das Transportgewerbe, die Gastronomie
und das Beherbergungsgewerbe aus. Zukünftig könnten sich für Sachsen
auch touristische Potenziale im Zusammenhang mit der Bewerbung von
Chemnitz, Dresden und Zittau zur Europäischen Kulturhauptstadt 2025
ergeben.
Digitalisierung setzt neue Impulse für Darstellungsformate
Im Vergleich zu einigen anderen kulturwirtschaftlichen Teilmärkten der
KKwi, wie beispielsweise dem Buchmarkt und dem Musikmarkt, sind die
zu erwartenden Effekte der Digitalisierung auf den Markt für Darstellende
Künste geringer. Dennoch gibt es verschiedene Effekte der Digitalisierung
auf die Darstellenden Künste, beispielsweise betreffend Aufführungsformate
und Qualifikationsanforderungen.
Digitale Technik und digitale Kultur ermöglichen neue ästhetische Formen,
neue Erlebniswelten und neue Erzähl- und Kommunikationsweisen.