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STAATSMINISTERIUM
FÜR WISSENSCHAFT
UND KUNST

KULTUR
LAND
SACHSEN

 
Inhalt
Grußwort
................................................................................ 4
WAS UNS PRÄGT
......................................................................... 6
Ein Land im Wandel: Erfolgreich in Wissenschaft und Kunst
......................................... 8
Unsere Wurzeln: Industrie prägt Kultur und Identität .............................................. 12
Erinnern und Aufklären: Orte des Gedenkens .................................................... 16
Große Namen aus Musik, Malerei, Theater, Tanz und Literatur
....................................... 20
KULTUR HEUTE: FÜR JEDEN UND ÜBERALL
................................................... 24
Gutes Fundament: Kulturförderung auf hohem Niveau
............................................. 26
Dabeisein: Kulturelle Bildung stärken .......................................................... 30
Die Großen von Morgen: Künstlerische Ausbildung mit internationalem Renommee
...................... 32
KULTURLAND SACHSEN
................................................................... 34
Kulturerbe bewahren
...................................................................... 36
Hier spielt die Musik
...................................................................... 38
Theater mischt sich ein
.................................................................... 42
Museen als Wissensspeicher ................................................................. 46
Viele Feste für den Film .................................................................... 50
Es darf getanzt werden
.................................................................... 52
Sachsen liest
............................................................................ 54
Alte und neue sächsische Schule
............................................................. 58
Stark vor Ort: Bundesweit einmaliges Kulturraum-Modell
.......................................... 60
Dresden: Kulturvolle Sandsteinperle an der Elbe
................................................. 62
Leipzig: Cooler Ort der Kreativen ............................................................. 68
Chemnitz: Stadt der Moderne ................................................................ 74
Südwestsachsen: Wiege des Instrumentenbaus ................................................... 78
Erzgebirge-Mittelsachsen: Bergbau, Orgeln, Burgenland ............................................ 82
Rund um Leipzig: Luther, Mühlen, neue Seen .................................................... 86
Entlang der Elbe: Inspiration für Künstler
...................................................... 90
Ostsachsen: Viele Kulturen im Herzen Europas ................................................... 94
Gleichstellungshinweis: Ist zur besseren Lesbarkeit nur auf die weibliche
oder männliche Person Bezug genommen, so sind damit immer beide Gruppen gemeint .
Titelseite:
Breakdancer gegen Ballett-Solisten, Hip-Hop misst sich mit Spitzentanz: »Floor on Fire – Battle of Styles« ist ein neues Tanzformat, das von HELLERAU – Europäisches
Zentrum der Künste Dresden initiiert wurde. Es basiert auf dem Prinzip des Breakdance-Battles, wird aber neu interpretiert: Verschiedene Tanzstile und Tänzergenerationen
treffen aufeinander, um ihre individuellen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. In abwechselnder Reihenfolge versuchen Tänzer den gegenüberstehenden Kontrahenten
durch die eigene Darbietung zu übertrumpfen. Eine Jury entscheidet über den Erfolg der Tänzer und ihrer Vorstellung.
Sehen Sie die Tänzerinnen und Tänzer der Titelseite in dem Film »Floor On Fire – Battle of Styles« in Aktion:
www.kulturland.sachsen.de

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GRUSSWORT
In der Rüstkammer der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
SACHSEN
ist die Heimat von Kunst und Kultur, eine
der reichsten Kulturlandschaften Deutschlands . Die Fülle
und die Qualität an Kunstschätzen und Kultureinrich-
tungen wie Museen, Theater, Orchester und Bibliothe-
ken prägen nicht nur die Wahrnehmung des Bildes von
außen, sondern auch das Selbstverständnis der Sachsen
selbst . Die Marke Kulturland fasst allgemein zusammen,
was Sachsen im Speziellen ist: Land der Musik, Land der
Literatur, Land der Malerei, Land des Theaters oder des
Films .
Kunst und Kultur, die weltberühmten Museen
mit ihren
einzigartigen Sammlungen, interessante Galerien, die
Opernhäuser und Theater, Orchester wie die Staatskapel-
le Dresden und das Leipziger Gewandhaus locken Inte-
ressenten und Reisende aus aller Welt an und machen
den Freistaat zu einem kulturtouristischen Hotspot . Die
hohe Qualität unserer Institutionen und der hier tätigen
Künstlerinnen und Künstler reizt auch immer wieder
Maler, Sänger, Dirigenten, Schauspieler von Weltruf, in
Sachsen auszustellen und aufzutreten .
Gemäß Goethes Mahnung
über dem Eingang des Dresd-
ner Staatsschauspiels РȀltestes bewahrt mit Treue,
Freundlich aufgefasstes Neue« – prägen nicht nur das
reiche kulturelle Erbe und die starken Traditionen die
Entwicklung des Landes . Es hat sich ebenso eine jun-
ge und kreative Szene etabliert, die in Sachsen gute
Arbeitsbedingungen für ihr Schaffen in Literatur, Mu-
sik, Film, Tanz, Theater und Medienkunst vorfindet . Die
Absolventen von fünf sächsischen Kunsthochschulen
vergrößern diese Szene ständig und finden im Lande
nahrungsreiche Biotope . So, wie sich der Freistaat sei-
ner industriekulturellen Prägung bewusst wird, so ent-
decken junge Künstler und Kreative gerade die einstigen
Werke und Fabriken aus der Zeit während und nach der
industriellen Revolution als Schaffens- und Lebensorte . Sie
beleben und erhalten damit die gebauten Zeugnisse der
industriellen Entwicklung . Sie finden als Kunst-Werke
ein neues Leben .
Auf all das sind die Sachsen stolz.
Sie besuchen Muse-
en, Theater, Bibliotheken, Kinos und Festivals . Ihnen ist
die Schatzkammer Augusts des Starken genauso lieb wie

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Platzhalter
das reiche industriekulturelle Erbe . Kunst in Sachsen regt
auch zunehmend zur Auseinandersetzung an . Sie führt
die Menschen zusammen, wenn diese sich tolerant und
kreativ an den Werken der Künstler reiben . Kunst wird
in Sachsen gelebt . Künstler bringen sich ein in den ge-
sellschaftlichen Diskurs . Sie provozieren mit ihren Posi-
tionen . Aber sie schalten sich auch ganz praktisch ein,
indem sie helfen bei der Integration der Menschen, die
zu uns kommen, bei der interkulturellen Belebung oder
auch bei der kulturellen Bildung von Menschen jeden
Alters .
Die Politik sieht sich in der Verantwortung
, dieser Brei-
te des Kulturbegriffs zwischen Tradition und Kulturerbe
einerseits sowie Moderne und Experiment andererseits
gerecht zu werden . Sie muss den kulturellen Wert schüt-
zen und sein Infragestellen ermöglichen – für alle Sparten
von Kunst und Kultur übergreifend . Dies geschieht durch
die gezielte Förderung von Institutionen, Strukturen und
Projekten . Und durch eine Vielzahl von Kunstpreisen .
Die lebendige Kulturpolitik im Freistaat findet ihren Aus-
druck in einer Kultur der Weltoffenheit, Pluralität und
Toleranz .
Der Zustand einer Gesellschaft
ist auch daran abzule-
sen, wie sie mit ihren Minderheiten umgeht . Zu den na-
tionalen Minderheiten in Deutschland gehören die etwa
60 000
.
Sorben in Deutschland . Schutz und Förderung
der Sprache und Kultur des sorbischen Volkes sind in
Sachsen Verfassungsauftrag . Verfassungsrang hat auch
die Kultur in Sachsen . Laut Landesverfassung ist die Kul-
tur in ihrer Vielfalt zu sichern und eine gleichberechtigte
Teilnahme und Teilhabe aller an der Kultur zu ermögli-
chen – den Künstlerinnen und Künstlern und den inte-
ressierten Bürgern . Und dies ausdrücklich nicht nur in
den Großstädten, sondern auch in den ländlichen Regi-
onen, nicht nur in den kulturellen Spitzeninstitutionen,
sondern genauso in den Einrichtungen der Breiten- und
der Soziokultur . Der Soziokultur kommt hier eine beson-
dere Bedeutung zu, denn sie arbeitet generationenüber-
greifend und kann für Familien, Kinder und ältere Men-
schen Angebote erhalten oder schaffen, gerade im länd-
lichen Raum .
Die jährlichen Zuweisungen
, die den Kommunen im
Rahmen des Sächsischen Kulturraumgesetzes für die
Förderung der regional bedeutsamen Institutionen und
Projekte von der Staatsregierung zugehen, wurden da-
her aktuell um über acht Millionen Euro jährlich auf
94,7 Millionen Euro erhöht . Das Gesetz ist ein bundes-
weit einzigartiges Modell der solidarischen Finanzierung,
die die Kultur auch in den vom Bevölkerungsrückgang
geprägten ländlichen Regionen sichert . Das Kulturland
Sachsen steuert der Abwanderung von Menschen aus
bestimmten Regionen entgegen, indem es explizit Ein-
richtungen und Projekte in Kleinstädten und auf dem
Land unterstützt, die Mobilität der Menschen fördert,
damit ihnen der Zugang zu Kunst und Kultur nicht ver-
wehrt bleibt . Indem die Politik die Rahmenbedingungen
gestaltet, gibt sie Orientierung und ermöglicht Perspekti-
ven . Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Förderung
der kulturellen Bildung – sowohl für Kinder und Jugend-
liche, als auch im Sinne lebenslangen Lernens .
So gefördert und weiterentwickelt
wird die Kultur nicht
mehr nur ein Zeugnis des reichen Erbes und der lebhaf-
ten Moderne und damit der hohen Lebensqualität im
Freistaat sein . Sie wird auch zu einem Faktor, der mit
seinen Mitteln der Reflektion, der Provokation und der
Darstellung die Gesellschaft weiterentwickelt, weil sie
Impulse zu setzen vermag, die sonst fehlen würden . Zu-
nehmend bieten Museen und Theater den Besuchern und
Zuschauern nicht nur ihre eigene Reflektion, sondern
öffnen sich zu Orten des gesellschaftlichen Diskurses .
Diese Broschüre möchte Ihnen Einblicke in die reichhal-
tige Kulturlandschaft bieten . Sie stellt Ihnen das Kultur-
land Sachsen vor, indem sie Sie auf eine Entdeckungs-
reise zu den Kunstschätzen, den Traditionen und den
Künstlern mitnimmt .
Dr . Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst

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WAS
UNS
PRAGT
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Die sächsischen Fürsten hoch zu Ross
mit ihren charakteristischen Beinamen,
vom Großen, Erlauchten und Gebissenen,
über den Weisen und Großmütigen bis
zum Starken, Gerechten und Gütigen .
Danach Persönlichkeiten des sächsischen
Militäradels, der Hochschulen, Künstler
und als einzige Namenlose:
Bergleute, Bauern und Kinder .
Am »Langen Gang« des Stallhofes des Dresdner Residenzschlosses, heute wie eh
und je ein Anziehungspunkt, sind sie alle zu sehen . Der Fürstenzug – kein Abbild
untertäniger Unterwürfigkeit also, sondern der politischen Lage in Sachsen und
des Einschwörens auf die Gemeinsamkeit als Sachsen . Es war vor allem das Fürs-
ten- und spätere Königshaus, das die Pflege des sächsischen Selbstverständnisses
zu seiner Sache machte und sich dazu mit Adel und Bürgertum verband . Diese für
alle Seiten vorteilhafte Allianz gehörte als eine Art Grundsatz zur Innenpolitik des
Herrscherhauses . So hat sich in diesem schon früher dicht besiedelten Land eine
Kultur der Neugier, des Fortschritts und der stetigen Erneuerung des Landes ent-
wickelt – eine Atmosphäre, die noch heute den Freistaat Sachsen in Wissenschaft,
Wirtschaft und Kultur bestimmt .
Der »Fürstenzug« am Stallhof des Dresdner Residenzschlosses
besteht aus 23.000 Meißner Porzellanfliesen.
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Ein Land im Wandel:
Erfolgreich in Wissenschaft und Kunst
Heute finden wir Dörfer
mit Namen deutschen und
slawischen Ursprungs dicht nebeneinander . Viele Fami-
lien-, Flur-, Stadt- und Flussnamen bezeugen mit ihren
Zischlauten noch heute, wie bedeutsam der slawische
Anteil war .
Die Wirtschaftspolitik von Otto dem Reichen
(1156–1190
Markgraf von Meißen) begünstigte den Aufbau zahlrei-
cher Kleinstädte, die Träger von Bildung und Kunst im
ganzen Land wurden . Auf ihrem Nährboden entwickel-
te sich eine vielgestaltige Volks- und Alltagskultur . Die
Volkskultur wurde geformt von den verschiedenen Land-
strichen Sachsens mit ihren jeweiligen Besonderheiten .
Vogtländer und Lausitzer, Erzgebirger und Niederschlesi-
er bewahrten über Jahrhunderte ihre eigenständige Kul-
tur und ihre Dialekte .
Die Leipziger Teilung 1485
war ein großer Einschnitt in
der Geschichte des Landes: Als die beiden Söhne von
Kurfürst Friedrich II . gemeinsam die Regierung übernah-
men, teilten sie das Land . Albrecht bekam den Osten mit
der zukünftigen Residenz Dresden, Ernst den Westen mit
Wittenberg . Dieser Machtverlust beschränkte die Rolle
Sachsens auf die eines Staates mittleren Einflusses . Von
1485 bis 1918 regierten Albrecht und seine Nachkom-
men, die Albertiner, als Herzöge, Kurfürsten und Könige
in Sachsen .
Den Wohlstand Sachsens
hat der über Jahrhunderte an-
dauernde Erfolg des Bergbaus im Erzgebirge begrün-
det . In der dazugehörigen Wissenschaft waren Männer
tätig, die noch heute zu den Großen ihres Faches zäh-
Kriegerische Zeiten waren es,
als König Heinrich I . inmitten
des von slawischen Völkern
besiedelten Gebietes anno 929
auf einem Bergplateau an der
Elbe die Burg Meißen gründete
und deutsche Siedler, Franken
und (Nieder-) Sachsen, aber
auch Flamen einwanderten .
Rund 60.000 Sorben
leben heute in der Lausitz, davon et-
wa 20 .000 Niedersorben in der brandenburgischen Niederlausitz
und 40 .000 Obersorben in der sächsischen Oberlausitz . Schutz
und Förderung der Sprache und Kultur des sorbischen Volkes
sind in Sachsen Verfassungsauftrag . Die Kulturpflege der in der
Lausitz beheimateten nationalen Minderheit wird über die Stif-
tung für das sorbische Volk sowie im schulischen, vorschuli-
schen Bereich und im Hochschulbereich – mit dem Institut für
Sorabistik an der Universität Leipzig – und dem Kulturraum
Oberlausitz-Niederschlesien gefördert .
Im 12. Jahrhundert wurde bekannt, dass das Erzgebirge über reiche Silbererz-
vorkommen verfügt. Das »Berggeschrey« war eine Art Goldrausch. Heute wird
an der TU Bergakademie Freiberg aus der Tradition in Silberbergbau und Hütten-
wesen heraus in den Profillinien Geo, Material, Energie und Umwelt geforscht.
Auf drei Etagen mit insgesamt 3.000 Quadratmetern präsentiert
das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz (smac) die Entwick-
lung Sachsens von der Zeit der ersten Jäger und Sammler vor rund
300.000 Jahren bis zur frühen Industrialisierung.

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Hochschule für Bildende Künste, Dresden
len: Ulrich Rülein von Calw, Humanist, Arzt, Stadtplaner
und Bürgermeister von Freiberg um 1500, Rechenmeis-
ter Adam Ries oder Humanist und Naturforscher Geor-
gius Agricola, der von 1531 bis 1555 in Chemnitz wirkte .
Etwa zur gleichen Zeit war am ernestinischen Fürsten-
hof Wittenberg der Maler Lucas Cranach der Ältere tätig .
Er blieb bis zu seinem Tod, etwa 50 Jahre lang, Hofma-
ler des ernestinischen Fürstenhauses und prägte die Bild-
sprache in der Kunst über Jahrhunderte .
In Wittenberg veröffentlichte am 31. Oktober 1517
Mar-
tin Luther 95 Thesen gegen den Ablassmissbrauch – der
Auftakt der Reformation . Ohne den Einfluss der sächsi-
schen Kurfürsten hätte die Reformation nicht diese Wir-
kung erzielt . Die Ideen der Reformation haben Impul-
se gesetzt, die bis heute wirken – in Kultur, Gesellschaft
und Kirche . Die Übersetzung der Bibel durch Luther ins
Deutsche hatte eine bedeutende Wirkung, gerade in Ver-
bindung mit dem aufkommenden Buchdruck .
Als junger Mann von zwanzig Jahren
übernahm Her-
zog Moritz 1541 die Herrschaft der albertinischen Linie .
Auch wenn seine Herrschaft nur von kurzer Dauer war,
gelang es ihm, Sachsens politische und kulturelle Gestalt
für Jahrhunderte zu formen . Er gründete die drei be-
rühmten Fürstenschulen in Meißen, Pforta und Grimma
zur Erziehung einer evangelischen, staatstragenden Elite .
Neben Söhnen des Adels lernten hier Bürgerliche, auch
begabte Kinder Mittelloser konnten mit einem kurfürst-
lichen Stipendium ausgestattet werden . Darunter wa-
ren Männer wie Gotthold Ephraim Lessing und Friedrich
Gottlieb Klopstock, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich
Nietzsche .
Die Kultur der Herrschaft jenes Moritz von Sachsen
re-
präsentierte nicht nur Macht, sondern auch Reichtum
und Freude an der Kunst . Dies war ein Ton, der in der
sächsischen Residenz bis ins 19 . Jahrhundert hinein wi-
derklang . 1548 gründete er die Dresdner Hofkapelle, ein
Orchester, das den Geist der Stadt und des Landes mit-
geformt hat . Heute begeistert die Staatskapelle Dresden
mit dem »Dresdner Klang« sein Konzertpublikum in al-
ler Welt .
Kurfürst August von Sachsen
(Regierungszeit 1553–
1586), reagierte auf die europäische Renaissance und
ihre revolutionierenden Wechselwirkungen in den Wis-
senschaften und Künsten, in Philosophie und Technik,
Politik und Religion, indem er anfing, nahezu alles zu
sammeln, was für ihn und das Land wichtige Informa-
tionen bereithielt . Er gründete eine Bibliothek, die heute
unter dem Namen Sächsische Landesbibliothek – Staats-
und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) geführt wird
und richtete eine Kunstkammer ein, die in den Museen
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) fortbe-
steht . Heute sind die SKD mit ihren berühmten Samm-
lungsobjekten Publikumsmagnet und weltweit gefragter
Ausstellungspartner .
In den Dienst von Kurfürst Johann Georg I.
(1611–1656
Kurfürst von Sachsen) trat Heinrich Schütz 1617 und
übernahm mit 32 Jahren die Leitung der Hofkapelle
Sachsen, das Mutterland der Reformation
, verfügt über
große Kunstschätze aus der Reformationszeit . Die Gemälde-
galerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
wartet mit der weltweit größten Cranach-Sammlung auf . Seit
April 2017 können Besucher im Dresdner Residenzschloss welt-
weit einmalige Zeugnisse der Herrscher des 16 ./17 . Jahrhun-
derts sehen, beispielsweise Prunkkleider . Ein weiterer authenti-
scher Ort ist Torgau, einst Machtzentrum der Reformation .
Durch Kurfürst Moritz von Sachsen 1548 gegründet, ist die Sächsische Staatskapelle eines der ältesten und traditionsreichsten Orchester der Welt.

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in Dresden . Fast 40 Jahre lang wirkte Schütz, der ers-
te deutsche Komponist von Weltrang, hier als Hofkapell-
meister .
Mit der Krönung des sächsischen Kurfürsten
Friedrich
August I . (August der Starke) zum König von Polen im
Jahr 1697 rückten die Albertiner in die Reihe der rang-
höchsten Fürstenhäuser Europas auf . Das Land erlebte
einen wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufstieg,
der sich auch in den Dresdner Barockbauten und der
Gründung der Porzellan-Manufaktur Meissen (1710) ma-
nifestiert . Das gebildete Europa erkannte den besonde-
ren Rang jener augusteischen Blüte der Künste . Aus al-
len Richtungen strömten damals Begabungen zusammen .
Die Bürgerkultur war deutsch, die höfische international .
Leipzig war daneben nicht nur Handelsmetropole
des Kur-
fürstentums, sondern auch ein inspirierendes wissen-
schaftliches Zentrum . Im Klima der Leipziger Universität,
gegründet 1409 und damit die zweitälteste in Deutsch-
land, keimte die deutsche Aufklärung . Geprägt von ei-
nem starken geistes- und sozialwissenschaftlichen An-
teil, entwickelte sich die Universität zu einem Mittel-
punkt des wissenschaftlichen und politischen Diskurses
– unverzichtbar für die wirtschaftliche, kulturelle und
soziale Entwicklung des Freistaates .
Johann Sebastian Bach
, 27 Jahre bis zu seinem Tod im
Jahre 1750 Thomaskantor, trug mit seinem Wirken
entscheidend zum Aufschwung des deutschen bürger-
lichen Musiklebens im 18 . Jahrhundert bei . Das Gewand-
hausorchester als ältestes bürgerliches Konzertorchester
in Deutschland gehört heute zu den weltweit hochran-
gigen Orchestern . Leipzigs Ruf als Musikstadt ist eng
mit ihm verknüpft: Viele bedeutende musikalische
Werke fanden durch das Orchester ihre Uraufführung,
hervorragende nationale und internationale Solisten
traten im Alten Gewandhaus auf, darunter Mozart, Schu-
mann, Wieck, Weber, Paganini, Liszt, Berlioz, Cho-
pin, Mendelssohn Bartholdy, Wagner oder
Brahms . Mendelssohn gründete im Jahr
1843 in Leipzig mit dem Conser-
Mathematisch-Physikalischer Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden:
1728 unter August dem Starken gegründet, ist er bis heute eines der weltweit
bedeutendsten Museen historischer wissenschaftlicher Instrumente.
Links: 1708 gelang unter Führung von Johann Friedrich Böttger erstmals
die Herstellung des weißen Porzellans. Zwei Jahre später wurde die Porzellan-
Manufaktur Meissen auf der Albrechtsburg in Meißen eingerichtet.
1556 begann Kurfürst August von Sachsen mit
dem systematischen Aufbau einer Privat-
bibliothek. Die Staats- und Universitätsbi-
bliothek Dresden SLUB geht auf diese
kurfürstliche Bibliothek zurück und
ist heute eine der größten
wissenschaftlichen Biblio-
theken in Deutschland.
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vatorium die erste Musikhochschu-
le Deutschlands . Seit der Reformati-
on einer der wichtigsten Druck- und
Verlagsorte in Europa, befruchtete
der internationale Handel auch spä-
ter die weltbekannte Universität und
begünstigte den Aufstieg Leipzigs
zur Medienstadt .
In Dresden beschloss der Rat
der
Stadt im Jahr 1722 den Neubau
der Frauenkirche . August der Star-
ke wollte ein Zeichen königlicher
Macht, die Stadt eine Bekundung
protestantischen Geistes gegen-
über dem katholischen Hof . Die ba-
rocke Frauenkirche, 1743 vollendet,
krönte über 200 Jahre die Silhouet-
te der Stadt . Als ein Monument Stein
gewordenen Glaubens und bedeu-
tendster Kuppelbau nördlich der Al-
pen beeindruckte sie Fachleute und
Laien . Bährs Kuppel überstand so-
gar den Feuersturm des 13 . Febru-
ar 1945 . Aber am folgenden Tag, als
die Pfeiler in der Glut barsten, brach
sie in sich zusammen . Die Trümmer
der Kirche lagen bis Anfang der 90er
Jahre als bewegendes Mahnmal im
Herzen der Stadt . Am 13 . Februar
1990 ging ein Ruf aus Dresden um
die Welt: nach einer weltweiten Ak-
tion zum Wiederaufbau der Frau-
enkirche . Unzählige Menschen tru-
gen mit Spenden zum Wiederaufbau
bei . Am 30 . Oktober 2005 wurde die
Frauenkirche unter großer interna-
tionaler Anteilnahme geweiht . Die
Frauenkirche wird auch in Zukunft
Zeugnis ablegen über die Geschichte
ihrer Zerstörung . Zugleich bleibt sie
ein Zeichen der Hoffnung und Ver-
söhnung . Ein Zeichen der Kraft und
des Selbstbewusstseins des Bürger-
tums im 18 . wie im 21 . Jahrhundert,
aber auch der leidvollen Geschich-
te der nationalsozialistischen Herr-
schaft und des Zweiten Weltkrieges .
Auf rund 450 Quadratmetern Fläche
präsentiert das klingende und interaktive
Bach-Museum in Leipzig Leben und Wirken
Johann Sebastian Bachs und seiner Familie.
Das Martin-Luther-Denkmal
vor der Dresdner Frauenkirche

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Unsere Wurzeln:
Industrie prägt
Kultur und Identität
Das Licht der barocken Pracht,
der weltberühmten, wertvollen
und beeindruckenden Kunstschätze
der sächsischen Kurfürsten, Köni-
ge und Mäzene strahlt auch heute
hell . Grundlage dieses Reichtums
aber war die harte Arbeit Tausender
in Bergbau, Gewerbe und Industrie .
Wirtschaftliche Prosperität war
immer die Basis des Kulturlandes
Sachsen . Daher versteht sich der
Freistaat auch als ein Kultur- und
Industrieland – die Industriekultur
ist Teil der sächsischen Kultur
und Identität .

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Aus einer seit dem späten Mittelalter
dicht gewachse-
nen und bereits frühzeitig in den globalen Warenaus-
tausch eingebundenen Gewerbelandschaft entwickel-
te sich Sachsen im 19 . Jahrhundert zu einem Kernland
der von Europa ausgehenden Industrialisierung . Mit sei-
ner technisch und kulturell gebildeten Bevölkerung, sei-
nen vielfältigen kleinen und mittleren Unternehmen und
als Absatzmarkt war Sachsen immer ein attraktiver Wirt-
schaftsstandort, der Unternehmer, Unternehmensgründer
und Arbeitssuchende anzog .
Die montane Kulturlandschaft des Erzgebirges
, Industrie-
landschaften in den Flusstälern des Erzgebirgsvorlandes
oder in der Lausitz und dem Vogtland, Industrieorte und
-städte, aber auch die durch Agrarwirtschaft und Roh-
stoffabbau – insbesondere von Braunkohlen und Uran –
entstandenen Industrielandschaften sind Ergebnisse ei-
ner bis in die Reformationszeit zurückgehenden Gewer-
be- und Industriegeschichte . Auch die sprichwörtliche
sächsische »Fischelanz«, die Adaptions-, Innovations-
und Kooperationsfähigkeit, sowie eine grundsätzlich
positive Einstellung und Aufgeschlossenheit gegenüber
industriellem Fortschritt sind Ausdruck einer ganz be-
sonderen gesellschaftlichen Prägung .
Zahlreiche historische Industriebauten
sind sichtbarstes
Zeugnis für Fleiß und Arbeit der hier lebenden
Menschen . So prägen bis heute die oft eindrucksvol-
len Fabrikgebäude des 19 . und frühen 20 . Jahrhunderts
– aber eben auch technische Denkmale aus der vorin-
dustriellen Zeit – das Bild der Regionen und Städte im
Land und sind Teil der regionalen Identität . Eine Vielzahl
von Museen, Vereinen und Initiativen bewahren und
vermitteln das industriekulturelle Erbe im Freistaat . Als
traditionelle Exportregion ist Sachsen vom globalen
Austausch, vom freien Wettbewerb und nicht zuletzt von
einem friedlichen Miteinander abhängig . Seine histori-
sche Entwicklung, sein industriekulturelles Erbe und der
hier geleistete Beitrag für die Entwicklung des Industrie-
zeitalters machen Sachsen zu einer zentralen Region der
europäischen Industriekultur .
Das große Thema Industriekultur
, das alle Facetten un-
seres Lebens prägt und auch auf die Zukunft der Indus-
trie ausstrahlt, ist Thema der 4 . Sächsischen Landesaus-
stellung . Die Ausstellung soll zeigen, wie die industrielle
Entwicklung die Identität, den Wohlstand, das Zusam-
menleben im heutigen Sachsen beeinflusst hat . Einen be-
sonderen Wert wird die Ausstellung auf den weltoffenen
Handels- und Ideenaustausch legen . Die zentrale Leitaus-
Die ehemalige Brikettfabrik Knappenrode
bei Hoyerswerda ist heute Teil des
Sächsischen Industriemuseums.
1885 entstanden die ersten Fabrikgebäude
der Tuchfabrik Gebrüder Pfau in Crimmitschau.

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stellung zur Landesausstellung (vom 25 . April bis 1 . No-
vember 2020 in Zwickau) wird ergänzt von weiteren Mu-
seen, die Einblicke in branchenspezifische Aspekte der
Industriekultur geben und authentische Schauplätze der
Industriekultur sind: Industriemuseum Chemnitz (Maschi-
nenbau), Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf (Ei-
senbahn und Gütertransport), Tuchfabrik Gebrüder Pfau
in Crimmitschau (Textilindustrie), Bergbaumuseum Oels-
nitz/Erzgebirge (Steinkohlebergbau) und Horch-Museum
Zwickau (Automobilindustrie) . Auch die Himmelfahrt
Fundgrube in Freiberg (Erzbergbau, Ressourcenmanage-
ment) ist zur Teilnahme eingeladen . Die Leitausstellung
wird sich mit den tiefgreifenden technischen, gesell-
schaftlichen und sozialen Änderungen beschäftigen, die
die Industrialisierung seit Anfang des 19 . Jahrhunderts
für die Menschen und ihr Zusammenleben bewirkt hat .
Sie nimmt Bezug auf Grundfragen des Lebens in der Mo-
derne, im Industriezeitalter, auf das Verhältnis des Men-
schen zur Natur, zur Technik und zur Wissenschaft . Trä-
ger der Landesausstellung ist das Deutsche Hygiene-Mu-
seum Dresden .
Zu einem Streifzug durch 220 Jahre
sächsische Industrie-
geschichte lädt das Sächsische Industriemuseum Chem-
nitz schon heute ein . Es ist Teil des vom Freistaat ge-
förderten Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum,
der sich der Erforschung und Darstellung der sächsischen
Industrie-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte als wichtige
Aspekte von Historie und Tradition des Landes widmet .
Die historische Fassade des Industriemuseums entlang der Zwickauer Straße in Chemnitz
Im Industriemuseum Chemnitz, einem markanten und denkmal-
geschützten Fabrikbau, sind geniale technische Erfindungen und
Dinge zu sehen, die unseren Alltag revolutionierten.

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Zum Zweckverband gehören neben dem Industriemuse-
um auch die Tuchfabrik Gebrüder Pfau Crimmitschau,
das Besucherbergwerk/Mineralogische Museum Zinngru-
be Ehrenfriedersdorf und die Energiefabrik Knappenrode .
Das Industriemuseum ist eine wichtige Station auf der
»Route der Industriekultur in Sachsen«, zu der über 50
Zeugen des Industriezeitalters bis 1945 gehören .
Industriekultur findet ihren Ausdruck
in Sachzeugnissen
und Denkmalen, in Landschaften und Stadtarchitektur,
aber auch in Wissen, sozialen Prägungen und Mentali-
täten . Um die sächsische Industriekultur zu pflegen und
weiterzuentwickeln, hat das Sächsische Staatsministeri-
um für Wissenschaft und Kunst die Koordinierungsstel-
le Industriekultur eingerichtet, die bei der Kulturstiftung
des Freistaates Sachsen angesiedelt ist . Über deren Infor-
mations- und Kommunikationsplattform wird das landes-
weite Netzwerk Industriekultur aufgebaut und gepflegt .
Seit mehr als 500 Jahren ist Leipzig ein Zentrum des Druckwesens. Das Museum für
Druckkunst Leipzig vermittelt alte Handwerkstechniken rund um das Thema Druck.
Heute sind einstige Fabrikhallen auch als Ausstellungsorte der Kultur- und Kreativwirtschaft begehrt, wie hier in der einstigen Baumwollspinnerei in Leipzig.
Das Industriezeitalter
begann in Sachsen mit der Textilher-
stellung . Im Jahr 1799 wurde in Chemnitz die erste Spinne-
rei errichtet und 1836 die Königliche Gewerbschule gegründet .
1837 liefen in 120 sächsischen Maschinenspinnereien 490 .000
Spindeln . Mit der Fertigung von Textilmaschinen – zunächst als
Nachbau nach englischem Vorbild – wurde der Grundstein für
den bedeutenden sächsischen Maschinenbau gelegt .

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Erinnern und Aufklären:
Orte des Gedenkens
In der Zeit der Intoleranz
und Menschenfeindlichkeit
ab 1933 fand die positive
Entwicklung des Landes
einen jähen Abbruch .
Auch in Dresden, Leipzig
und Chemnitz brannten
1933 die Bücher, 1938
die Synagogen und in der
Konsequenz 1945 die Städte .
Am 30. Januar 1934
hatte der Freistaat Sachsen staats-
rechtlich aufgehört zu bestehen, nachdem die Landesre-
gierung dem Reich unterstellt worden war . Im Zuge der
»Gleichschaltung der Länder« wurde der Hitlervertraute
Martin Mutschmann Reichsstatthalter von Sachsen . Un-
ter ihm, einem der mächtigsten Landespolitiker des na-
tionalsozialistischen Deutschlands, kam es ab Oktober
1938 in Sachsen zu Massendeportationen tausender Ju-
den . Sachsen war auf der anderen Seite auch ein Haupt-
schauplatz des Widerstandes gegen die Nationalsozialis-
ten . So gehörte beispielsweise die Leipziger Schumann-
Engert-Kresse-Gruppe in den Jahren 1943/44 zu den
aktivsten Widerstandsgruppen Deutschlands .
Im Juli 1945 wurde Sachsen
Teil der Sowjetischen Be-
satzungszone und erhielt eine neue Verfassung . Sachsen
ging im weiteren Verlauf der Geschichte dann in den Be-
zirken Dresden, Leipzig und Chemnitz/Karl-Marx-Stadt
auf . 1989 haben die Montagsdemonstrationen in Plau-
en, Dresden und Leipzig begonnen und entscheidend
zum Ende des SED-Regimes beigetragen . Am 3 . Oktober
1990, dem Tag der Deutschen Einheit, wurde auf der Al-
brechtsburg in Meißen der Freistaat Sachsen wieder er-
richtet . Am 6 . Juni 1992 trat die Verfassung des Frei-
staates Sachsen in Kraft .
In Sachsen dokumentieren verschiedene
Gedenkstätten
und Informationszentren die jüngere sächsische Ge-
schichte . An authentischen Orten wird der Opfer der
nationalsozialistischen Diktatur, der sowjetischen Besat-
zungszeit und des SED-Regimes gedacht .
»Es ist nicht leicht,
jemandem zu erklären,
was Freiheit ist,
der sie besitzt .«
Erich Loest (1926–2013)
Schriftsteller und Häftling in Bautzen II
Die Kultur und der innere Zusammenhalt
unserer Gesell-
schaft hängen maßgeblich davon ab, welche Lehren der
Geschichte die Menschen im Gedächtnis behalten und
zum Maßstab ihres Handelns machen . Die Auseinan-
dersetzung mit den verschiedenen Verbrechen der nati-
onalsozialistischen Gewaltherrschaft, insbesondere dem
Menschheitsverbrechen des Holocausts einerseits und
den Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen der
In der DDR gehörte die Grenzüberschreitung von einem künstlerischen
Medium zu einem anderen, von der bildenden Kunst zur Klangerzeugung,
zum Super-8-Film, zur Performance, zum Text und zum Theater in den 1970er
und 1980er Jahren zur Strategie der Aufmüpfigen, die gegen die Reglemen-
tierungen seitens des SED-Staats und des Künstlerverbandes angingen.
Im Foto: Kassettencover in der Ausstellung »Geniale Dilletanten«
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

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kommunistischen Diktatur andererseits, soll in der Ge-
genwart Orientierung im Hinblick auf Rechtsstaatlichkeit
und demokratische Werte vermitteln . Wenn die grausa-
men Lehren, die die Menschen im 20 . Jahrhundert erfah-
ren mussten, angenommen werden, dann muss das Wis-
sen um unsere Geschichte im Gedächtnis einen dauer-
haften Platz finden mit Tagen des Gedenkens, mit Orten
des Erinnerns, mit Stiftungen, die sich der Erinnerung
als Auftrag stellen .
Die Gedenkstätten in Sachsen
leisten an authentischen
Orten einen wichtigen Beitrag zur Auseinandersetzung
mit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und
der kommunistischen Diktatur in der Sowjetischen Be-
satzungszone und der DDR . Sie erfüllen zu einem erheb-
lichen Teil museale Aufgaben, da sie zu den Orten po-
litischer Verfolgung Zeugnisse sammeln, bewahren, for-
schen und das Wissen in Ausstellungen vermitteln . Sie
erreichen darüber hinaus gerade junge Menschen mit Le-
sungen, Konzerten, Theater und anderen Kunstprojekten .
Die Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung
an die Opfer politischer Gewaltherrschaft wurde am 15 .
Februar 1994 begründet .
GEDENKSTÄTTE BAUTZEN
In den Haftanstalten Bautzen I und II wurden während
der NS-Zeit, der sowjetischen Besatzungszeit und der
DDR politische Gegner unter unmenschlichen Haftbe-
dingungen gefangen gehalten . Die verschiedenen Verfol-
gungsperioden prägen drei Phasen des Gedenkens an ei-
nem Ort .
Im Gebäude des »Stasi-Knastes« Bautzen II wird an die
Opfer der beiden Bautzener Gefängnisse mit Schwer-
punktsetzung auf die Opfer der Sowjetischen Besat-
zungszone und der DDR erinnert .
GEDENKSTÄTTE MÜNCHNER PLATZ DRESDEN
Auch die Gedenkstätte Münchner Platz Dresden hat eine
solch mehrschichtige Vergangenheit zu gewärtigen . Sie
beschäftigt sich mit der politischen Strafjustiz und ihren
Opfern im Gebäudekomplex am Münchner Platz während
der nationalsozialistischen Diktatur, der sowjetischen
Besatzungszeit und der frühen DDR . Bis Ende 1956, als
die DDR-Justiz das letzte Todesurteil am Münchner Platz
vollstrecken ließ, wurde das 1907 als Königlich-Säch-
sisches Landgericht eröffnete Gebäude als Gerichtsort,
Haftanstalt und Hinrichtungsstätte genutzt . In der NS-
Zeit wurden mehr als 1 .300 Justizopfer dort hingerichtet,
mehrheitlich tschechoslowakische Staatsbürger . Darüber
hinaus bezieht die Gedenkstätte in ihre Forschungs- und
Bildungsarbeit weitere Stätten des Justizmissbrauchs in
der Stadt Dresden ein . Dazu gehörten das Oberlandesge-
richt Dresden in der Pillnitzer Straße und die mit ihm
verbundene Untersuchungshaftanstalt II in der Mathil-
denstraße 59 . Die sogenannte »Mathilde« war eine Zweig-
anstalt der an das Dresdner Landgericht angegliederten
Hauptanstalt in der George-Bähr-Straße 7 .
GEDENKSTÄTTE PIRNA-SONNENSTEIN
In den Jahren 1940 und 1941 ermordeten die Nationalso-
zialisten in der für ihre humanistische Tradition berühm-
ten ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnen-
stein 13 .720 vorwiegend psychisch kranke und geistig
behinderte Menschen, darunter viele Kinder . Sie wurden
im Rahmen der nationalsozialistischen Krankenmorde,
der sogenannten »Aktion T4«, in einer Gaskammer um-
gebracht . Im Sommer 1941 starben an diesem Ort mehr
als tausend Häftlinge aus nationalsozialistischen Kon-
zentrationslagern . Erst seit 1989 drang der fast vergesse-
ne Massenmord allmählich wieder in das öffentliche Be-
wusstsein . Bürgerinnen und Bürger der Stadt Pirna sowie
Angehörige der Ermordeten engagierten sich ab 1991 im
»Kuratorium Gedenkstätte Sonnenstein e . V .« für die Ein-
richtung einer Gedenkstätte . Im Juni 2000 wurde die Ge-
denkstätte am historischen Ort eingeweiht . Seitdem ver-
deutlichen der Gedenkbereich und eine Dauerausstellung
die Geschichte dieses Ortes .
Elfriede Lohse-Wächtler gehört zu den tausenden Menschen, die in den
Jahren 1940/1941 in der »Euthanasie«-Anstalt Pirna-Sonnenstein von den
Nationalsozialisten ermordet wurden. Sie gilt heute als eine der bedeu-
tendsten deutschen Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
»Selbstporträt mit Handstudie«, Bleistiftzeichnung auf Karton (1932)

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DOKUMENTATIONS- UND
INFORMATIONSZENTRUM (DIZ) TORGAU
Mit den beiden Militärgefängnissen »Fort Zinna« und
»Brückenkopf« und dem Reichskriegsgericht, das im Au-
gust 1943 von Berlin nach Torgau verlegt wurde, entwi-
ckelte sich Torgau während des Zweiten Weltkriegs zur
Zentrale des Wehrmachtstrafsystems . Nach dem Ende des
Krieges richtete die sowjetische Geheimpolizei NKWD im
Fort Zinna und in der benachbarten Seydlitz-Kaserne die
Speziallager Nr . 8 und 10 ein . Im Lager Nr . 8 wurden
Deutsche interniert; im Lager Nr . 10 deutsche und sowje-
tische Staatsbürger, die von sowjetischen Militärtribuna-
len verurteilt waren, gefangen gehalten . Die DDR-Volks-
polizei nutzte das Gefängnis Fort Zinna von 1950 bis
1990 für den Strafvollzug . In den fünfziger und sechzi-
ger Jahren saßen insbesondere politische Gefangene hier
ein . Bis 1975 wurden in Torgau auch jugendliche Straf-
gefangene inhaftiert .
Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ)
Torgau wurde 1991 als Verein mit dem Ziel gegründet,
die Geschichte der Torgauer Haftstätten während des Na-
tionalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszeit und
der DDR zu dokumentieren . Heute ist das DIZ Torgau Teil
der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an
die Opfer politischer Gewaltherrschaft .
Da der zentrale Haftort – Fort Zinna – als Justizvollzugs-
anstalt des Freistaates Sachsen genutzt wird, befindet
sich das DIZ Torgau mit seiner Ausstellung nicht dort,
sondern im Schloss Hartenfels . Ein Gedenkort, der den
verschiedenen Phasen des Gedenkens Raum gibt, ist ne-
ben der heutigen Justizvollzugsanstalt am Fort Zinna .
GEDENKSTÄTTE EHRENHAIN-ZEITHAIN
Die Gedenkstätte erinnert an die Opfer des Kriegsgefan-
genenlagers Zeithain bei Riesa zwischen 1941 und 1945 .
Es wurde vor dem Überfall des nationalsozialistischen
Deutschlands auf die Sowjetunion im April 1941 einge-
richtet . Ab Oktober 1943 kamen neben den sowjetischen
auch italienische, serbische, britische, französische und
polnische Gefangene in das Lager . Insgesamt sind ca .
25 .000 bis 30 .000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr
als 900 Gefangene aus anderen Ländern – davon min-
destens 862 Italiener – in Zeithain verstorben . Gründe
waren vor allem mangelhafte Ernährung und katastro-
phale hygienische Bedingungen .
Die Opfer des Lagers liegen auf vier Friedhöfen in der
Umgebung des ehemaligen Lagergeländes am Bahnhof
Jacobsthal begraben . Die Geschichte dieses deutschland-
weit bedeutendsten Lagers seiner Art wird in einer Dau-
erausstellung im Dokumentenhaus des Ehrenhains Zeit-
hain sowie in einer ehemaligen Lagerbaracke dargestellt .
Die Gedenkstätte versteht sich als Anlaufstelle für Ange-
hörige der ehemaligen Kriegsgefangenen sowie als inter-
nationale Informations- und Bildungsstätte insbesondere
auch für junge Menschen .
Institutionell gefördert
werden darüber hinaus vom
Kunstministerium die in freier Trägerschaft befindliche
Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden (ehemalige Unter-
suchungshaft der DDR-Staatssicherheit) und das Muse-
um in der »Runden Ecke« Leipzig (ehemalige Bezirksver-
waltung der Staatssicherheit) . Außerdem fördert die Stif-
tung aus Landes und Bundesmitteln freie Träger wie die
Erinnerungs- und Begegnungsstätte im ehemaligen Ge-
schlossenen Jugendwerkhof Torgau oder die Archive der
Bürgerbewegung der ehemaligen DDR und andere Ein-
richtungen der Gedenkstättenarbeit .
Mit der Novelle des Sächsischen Gedenkstättengesetzes
vom 16 .12 .2012 können sich weitere Gedenkstätten für
die institutionelle Förderung qualifizieren . Hierzu zählen
insbesondere die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leip-
zig, die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR
in Leipzig, das ehemalige NS-Konzentrationslager Sach-
Ausstellung im Schlesischen Museum in Görlitz
Links: Einblicke in die Geschichte von Diktatur und Widerstand in der Sowjetischen
Besatzungszone und der DDR bietet das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig.

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senburg, die Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerk-
hof Torgau, die frühere Frauenhaftanstalt Hoheneck und
die Gedenkstätte zu Ehren der Euthanasieopfer in Groß-
schweidnitz .
Die Dokumentationsstelle
»Widerstands- und Repressi-
onsgeschichte in der NS-Zeit und Sowjetischen Besat-
zungszone/DDR« ist eine historische Forschungseinrich-
tung der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinne-
rung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft mit Sitz
in Dresden . Thematische Schwerpunkte der Arbeit sind
die Widerstands- und Repressionsgeschichte der Zeit des
Nationalsozialismus, des Zweiten Weltkrieges und der
Nachkriegszeit, die Geschichte der Sowjetischen Besat-
zungszone sowie die Geschichte der DDR .
Neben den Gedenkstätten gibt es in Sachsen weitere Mu-
seen, die sich mit der jüngeren Geschichte unseres Lan-
des auseinandersetzen .
Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig
regt mit Ausstel-
lungen, Veranstaltungen und Bildungsangeboten zur Be-
schäftigung mit der Geschichte Deutschlands und Euro-
pas seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs an . Das mo-
derne Museum in der Leipziger Innenstadt trägt dazu bei,
die Erfahrungen der Menschen in Ost- und Westdeutsch-
land gegenseitig verständlich zu machen . Das Muse-
um ist ein Standort der Stiftung Haus der Geschichte in
Bonn, die von der Bundesrepublik Deutschland getragen
und finanziert wird .
Ein Schwerpunkt des vom Bund, dem Freistaat Sachsen
und der Stadt Görlitz finanzierten Schlesischen Muse-
ums zu Görlitz ist die Geschichte Schlesiens im 20 . Jahr-
hundert . Es wird ein detailreiches Bild von Politik, Kul-
tur und Alltag zur Zeit der Weimarer Republik und der
NS-Diktatur vermittelt . Film- und Toneinspielungen,
Fotos und Erinnerungen dokumentieren die Katastro-
phen, in denen das alte Schlesien unterging: die natio-
nalsozialistische Gewaltherrschaft, der Zweite Weltkrieg
und die Vertreibung der deutschen Bevölkerung . Der
Blick richtet sich auch auf die Ansiedlung polnischer
Bewohner in Schlesien und die Schicksale der Vertriebe-
nen in Ost- und Westdeutschland .
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr
in Dres-
den gehört zu den bedeutendsten Geschichtsmuseen
Europas . Im Zentrum der Ausstellungen stehen der
Mensch und die Frage nach den Ursachen von Krieg und
Gewalt . Unterschiedliche Standpunkte, Sichtweisen und
Schicksale spiegeln sich in den über 10 .000 Exponaten
der Ausstellung, die von vielen bewegenden Geschichten
zeugen . Das Museum versteht sich als ein Forum für die
Auseinandersetzung mit Militärgeschichte, für den Dis-
kurs über die Rolle von Krieg und Militär .
Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden mit dem »Keil« des Architekten Daniel Libeskind

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20 |
Große Namen
aus Musik, Malerei,
Theater, Tanz
und Literatur
Sachsen zog zu allen Zeiten
Menschen in seinen Bann .
Künstlerinnen und Künstler,
Dichter, Gelehrte, Natur- und
Geisteswissenschaftler, Unter-
nehmer, Frauen und Männer,
die in Sachsen bessere Chancen
sahen . Ob in Sachsen geboren,
wie Johann Gottlieb Fichte und
Gotthold Ephraim Lessing oder
zugereist wie Arthur Schopen-
hauer, Friedrich Schiller,
Johann Gottfried Herder,
Ludwig Tieck . Viele deutsche
Geistesgrößen sind über
Herkunft oder Aufenthalte
mit Sachsen verwoben .
In Sachsen wirkten über die Jahrhunderte
jene alten Meis-
ter, mit deren Namen sich unzählige Seiten füllen ließen
– ob in Malerei, Musik, Bildender Kunst und Architek-
tur, Literatur, Tanz oder Theater . Sie haben in Sachsen
ihr Werk vorangebracht und zum besonderen Charakter
sächsischer Kunst und Kultur beigetragen – und damit
zugleich bedeutende Kapitel deutscher und europäischer
Kulturgeschichte geschrieben . Dabei bietet das Erbe der
»Alten Meister« Inspiration und Reibungsfläche zugleich .
So wie Heinrich Schütz
zu Recht »Vater« der deutschen
Musik genannt wird, gibt es eine Vielzahl weiterer glanz-
voller Namen . Kein Caspar David Friedrich ohne Johann
Alexander Thiele, kein Johann Christoph Knöffel ohne
Matthäus Daniel Pöppelmann, kein Carl Maria von We-
ber ohne Johann Gottlieb Naumann . Nicht nur am Hof
Canaletto
und
Caspar David Friedrich
kamen in die Region, um
deren Schönheit auf Leinwand festzuhalten .
Otto Dix
wurde in
Sachsen geprägt, das Museum Gunzenhauser in Chemnitz hat
heute eine der größten Sammlungen seiner Werke . Künstler-
gruppen fanden ihre schöpferische Handschrift in Sachsen und
schrieben so Kunstgeschichte, wie die expressionistische Künst-
lergruppe
»Die Brücke«
, die
Leipziger Schule
um
Bernhard Heisig
,
Wolfgang Mattheuer
und
Werner Tübke
oder die Neue Leipzi-
ger Schule, die mit ihrer Galerie EIGEN + ART die Welt eroberte .
Heute hoch gehandelte Künstler wie
Georg Baselitz
,
A. R. Penck
,
Gerhard Richter
und
Neo Rauch
haben sächsische Wurzeln .

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in Dresden, auch in den Kleinstädten des Landes wuch-
sen besondere Talente heran . Die Wurzeln vieler sächsi-
scher Musiker und Kirchenmusiker reichen zurück in die
Pfarrhäuser des Erzgebirges, wo die musikalische Traditi-
on besonders gepflegt wurde und wird . Dies alles zusam-
men ist das Fundament für ein breites zeitgenössisches
Schaffen in Sachsen .
Sächsische Künstler
wie Max Klinger, Max Beckmann
und Karl Schmidt-Rottluff inspirierten die Epoche der
klassischen Moderne ebenso, wie es Gret Palucca gelang,
dem Tanz mit dem neuen Ausdruckstanz ein völlig neues
Kapitel hinzuzufügen . Was wir heute in vielfältiger Form
als freien, zeitgenössischen Tanz kennen, hat seinen Ur-
sprung in Dresden-Hellerau .
Die Poesie blühte in Sachsen
seit der frühen Neuzeit . Der
lebendige Austausch von Malern, Künstlern, Musikern
und Literaten befruchtete alle Kunstgattungen . Namen
wie Lessing, Gellert oder Goethe und Schiller sind mit
der sächsischen Literaturlandschaft eng verbunden . Sie
setzten ebenso Maßstäbe wie später die Autoren der
»Sächsischen Dichterschule« im 20 . Jahrhundert . Ge-
boren in den 1930er und 1940er Jahren und
meist durch das Leipziger Literaturinsti-
tut »Johannes R . Becher« und den Lyriker Georg Maurer
geprägt, wurden Namen wie Karl Mickel, Volker Braun,
Sarah und Rainer Kirsch, Heinz Czechowski, Adolf End-
ler, Bernd Jentzsch, Wulf Kirsten, Peter Gosse, Elke Erb
bekannt .
Zur Zeit der Wende vom 19. zum 20.
Jahrhundert versuchte das offiziel-
le Dresden, den ansteigenden In-
dustrielärm, die Spannungen der
wachsenden Großstadt und den
Ruf nach mehr Demokratie
und sozialer Gerechtig-
keit zu überhören . Es
war dieser Geist der
Residenz, der 1905
die Revolte der jun-
gen malenden Dresd-
ner Architekturstu-
denten auslöste, die
Das Erich Kästner
Museum am Dresdner
Albertplatz zeigt den
weltbekannten Kinder-
buchautor, Gebrauchs-
lyriker, Journalisten
und Medienmann als
exemplarischen Autor
des 20. Jahrhunderts.
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Ausstellung mit Werken von Gerhard Richter, einem der bedeutendsten Künstler
des 20. und 21. Jahrhunderts, in den SKD. Das Gerhard Richter Archiv der SKD
umfasst rund 300 Publikationen zu Gerhard Richter und etwa weitere 4.500
Bücher und Kataloge, die sich mit seinem Werk auseinandersetzen.
Links: Unweit vom Leipziger Gewandhaus ist das Wohn- und Sterbehaus
Felix Mendelssohn Bartholdys zu finden. Das Mendelssohn-Haus lädt ein zu einer
spannenden Entdeckungsreise über das Leben und Schaffen des Künstlers.

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Industriemuseum Chemnitz
sich zur Künstlergemeinschaft »Die Brücke« zusammen-
geschlossen hatten: Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Lud-
wig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff; später kamen
noch Max Pechstein und Emil Nolde dazu . Gegen arri-
viertes Künstlertum und moralische Heuchelei setzten sie
ihr Bekenntnis zur freien Natürlichkeit . Weitere große
Namen wie Robert Sterl, Oskar Kokoschka oder Otto Dix
sind untrennbar mit der Hochschule für Bildende Künste
Dresden verbunden, gegründet 1764 als »Haupt-Kunst-
Akademie« durch die Wettiner .
Junge sächsische Kunststudenten
blieben um die Jahr-
tausendwende trotz der neuen Medien bei dem, was
man an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buch-
kunst schon immer tat: handwerklich gut ausgebildet
malen . Inzwischen haben sie als »Neue Leipziger Schu-
le« ihre Reise in die Welt angetreten und feiern in de-
ren Kunstmetropolen geradezu atemberaubende Erfol-
ge . Neo Rauch, Tilo Baumgärtel, Tim Eitel und David
Schnell lernten bei Arno Rink, Matthias Weischer wurde
von Sighard Gille geprägt . Rink und Gille sind ehemalige
Schüler der Protagonisten der »Leipziger Schule« Bern-
hard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke .
Viele Künstler, die in der DDR geboren worden waren
,
verließen das Land, das ihnen geistig zu eng und per-
spektivlos erschien, darunter weltberühmte Maler wie
Gerhard Richter, Georg Baselitz und A . R . Penck . Ande-
re, die im Land blieben, wie Herrmann Glöckner, Gerhard
Altenbourg, Carl Friedrich Claus oder Michael Morgner
sowie Max Uhlig und Hartwig Ebersbach können sich
an den Maßstäben einer internationalen Moderne mes-
sen lassen . Auch die sächsische Musikszene reibt sich an
ihren »Alten Meistern«, doch daneben kommt nicht sel-
ten das Ungehörte des 20 . und 21 . Jahrhunderts zur (Ur-)
Aufführung .
Berühmte Lehrende und Alumni
an den Musikhochschu-
len in Sachsen prägten und prägen die internationa-
le Kulturlandschaft: an der Hochschule für Musik und
Theater Leipzig neben dem Gründer Felix Mendelssohn
Bartholdy beispielsweise Wilhelm Backhaus, Ludwig
Güttler, Sebastian Krumbiegel, Tobias Künzel, Kurt Ma-
sur, Ulrich Mühe, Tom Pauls, Max Reger, Robert Schu-
mann, Sir Arthur Sullivan oder Nadja Uhl, an der Hoch-
schule für Musik Carl Maria von Weber Dresden Namen
wie Günter »Baby« Sommer, René Pape, Till Brönner, An-
nette Jahns, Eckart Haupt oder Céline Rudolph . Die Bei-
spiele ließen sich fortsetzen: im Theater mit Namen wie
Corinna Harfouch, Rolf Hoppe; in der Literatur mit Tho-
mas Rosenlöcher, Marcel Beyer, Durs Grünbein, Peter
Richter, Franziska Gerstenberg, Uwe Tellkamp . Es wird
immer nur ein Ausschnitt sein .
Dauerausstellung »Karl Schmidt-Rottluff. Gemälde und Skulpturen« in den Kunstsammlungen Chemnitz
Handrij Zejler (1804–1872)
gilt als Begründer der mo-
dernen sorbischen Dichtung . Nach ihm ist der Zejler-Preis des
Kunstministeriums benannt, der herausragende Leistungen auf
dem Gebiet des Erwerbs, des Gebrauchs und der Vermittlung der
sorbischen Sprache prämiert .

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Die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum blicken auf eine 100-jährige Geschichte zurück.
Lucas Cranach, Franz von Lenbach oder Max Liebermann sind nur einige der vielen Künstler, deren Werke in
den Museumssälen ihren Platz gefunden haben. Besonderer Schwerpunkt liegt auf den Werken des gebürtigen
Zwickauers und »Brücke«-Künstlers Max Pechstein (1881–1955).
Tanz Matinée der Palucca Hochschule für Tanz Dresden. Die Schule wurde 1925 von Gret Palucca gegründet.

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KULTUR HEUTE:
FUR JEDEN
UND UBERALL
Sachsen ist bekannt für seine reiche
und lebendige Kunst- und Kulturszene .
Jedes Jahr werden Millionen Gäste und
Besucher vom Ruf sächsischer Kultur
angelockt . Sie gehen in die Museen und
Theater, hören Konzerte und Opern oder
sie gestalten selbst mit: in den vielen
soziokulturellen Zentren, in Chören
und Musikensembles, in Theatern .
Kultur zu erleben oder sich kulturell zu betätigen heißt,
am Leben teilzuhaben . Mit Kreativität, Neugierde und
Fantasie . Kultur ist für eine Gesellschaft wesentlich,
denn sie ermöglicht Austausch und Begegnung . Kultur-
einrichtungen, Künstler, soziokulturelle Zentren sind of-
fen für neue, inspirierende Kulturen und tragen so zu ei-
ner wirklichen Verständigung bei . Kultur kann aber auch
zuspitzen und Konflikte in der Gesellschaft mit ihren ei-
genen Mitteln thematisieren – uns einen Spiegel vorhal-
ten und streitbar sein .
»Montagscafé« im Kleinen Haus des Dresdner
Staatsschauspiels, ein offener Treffpunkt für
Dresdner und Flüchtlinge
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Gutes Fundament:
Kulturförderung
auf hohem Niveau
Kultur kann Brücken bauen und
braucht doch selbst ein Fundament .
Wie mit Kunst und Kultur möglichst
viele Menschen unabhängig von
Alter, sozialer Lage oder Herkunft
erreicht werden können, wie die
Kultur in Sachsen weiter gepflegt
werden und wie Raum für neue
Kulturformen, für künstlerische
Entfaltung und für gesellschaftliche
Beteiligung an Kunst und Kultur
geschaffen werden kann – das sind
Fragen, mit denen sich Kulturpolitik
beschäftigen muss .
Kultur, die zum Entdecken, Staunen und Flanieren einlädt: Bei der »Langen Nacht der Theater« beispielsweise
zeigen Dresdner Theater und Ensembles auf über 30 Bühnen Kostproben ihres Schaffens.

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Der Freistaat Sachsen
und insbesondere das sächsische
Kunstministerium tragen für eine Vielzahl von kultu-
rellen Einrichtungen und Projekten die Verantwortung .
Nach dem Subsidiaritätsprinzip (danach soll eine staat-
liche Aufgabe soweit wie möglich von der unteren Ebe-
ne bzw . kleineren Einheit wahrgenommen werden) über-
nehmen zunächst die Kommunen, dann die Kulturräume,
die Kulturstiftung Sachsen und das Kunstministerium ih-
re jeweiligen Verantwortungsbereiche .
Die klar strukturierte Förderpolitik
unterscheidet zwi-
schen Landesförderung durch das Sächsische Staats-
ministerium für Wissenschaft und Kunst – also die
Förderung der Landeseinrichtungen und allgemeine
Kunst- und Kulturförderung –, Kulturraumförderung,
kommunaler Kulturförderung und schließlich Förderung
durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen .
Dem Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft
und Kunst unmittelbar zugeordnet sind die Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden (SKD), die Sächsische Staats-
oper Dresden mit der Sächsischen Staatskapelle, das
Staatsschauspiel Dresden, das Landesamt für Archäolo-
gie Sachsen mit dem Staatlichen Museum für Archäolo-
gie Chemnitz (smac), die Sächsische Landesbibliothek –
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) und
die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) mit Sitz
in Leipzig . Daneben ist der Freistaat Sachsen Alleinge-
sellschafter der Landesbühnen Sachsen GmbH, der Staat-
lichen Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH,
der Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde Schloss-
betriebe gGmbH, der Festung Königstein gGmbH und der
Meissen Porzellan-Stiftung GmbH .
Sachsen ist das Bundesland
mit den höchsten Pro-Kopf-
Kulturausgaben im Vergleich der Flächenländer . Das
stellt der 8 . Kulturfinanzbericht 2016 der Statistischen
Ämter des Bundes und der Länder fest . Für die Kultur
werden im Haushalt des Staatsministeriums für Wissen-
Mit der Übertragung der Projekte der allgemeinen Kunst- und Kulturförderung auf die
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
übernimmt diese seit 2005 die Verantwortung für die Förderung von Projekten mit landesweiter, überregionaler und internationaler
Wirksamkeit . Dazu zählen Wettbewerbe, Theater-, Tanz- und Musiktage, Aufführungen und Gastspiele, Dokumentationen und Publika-
tionen sowie Maßnahmen der kulturellen Bildung . Daneben vergibt die Kulturstiftung Stipendien an freiberuflich tätige Künstlerinnen
und Künstler . Die Kulturstiftung ist Teil der dem Kunstministerium nachgeordneten mittelbaren Staatsverwaltung .
Die Kulturpflege in Sachsen kann sich zudem auf die unabhängige Beratungskompetenz des Sächsischen Kultursenats und der Sächsi-
schen Akademie der Künste stützen . Die
Sächsische Akademie der Künste
hat als Einrichtung des Freistaates Sachsen die Aufgabe,
Kunst zu fördern, Vorschläge zu ihrer Förderung zu machen und die Überlieferungen des sächsischen Kulturraums zu pflegen .
Der
Sächsische Kultursenat
nimmt zu grundlegenden kulturpolitischen Fragen Stellung und begleitet beratend die Förderpolitik
im Bereich der Kunst und Kultur des Landes und der Kommunen . Strukturelle sowie Grundsatzfragen stehen hierbei im Vordergrund .
Die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig gehört zu den ältesten Kunsthochschulen Deutschlands. Etwa 600 Studierende werden hier ausgebildet.

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schaft und Kunst 2017 213,4 Millionen Euro bzw . 2018
216,2 Millionen Euro bereitgestellt . Im Vergleich zu den
Vorjahren wurden die Mittel damit um etwa 13 Millionen
Euro erhöht . Neben der Finanzierung der großen Kultur-
staatsbetriebe wie die SKD, das Landesamt für Archäolo-
gie Sachsen mit dem smac Chemnitz und die im Staats-
betrieb Sächsische Staatstheater zusammengefassten
Bühnen der Staatsoper und des Staatsschauspiels Dresden
beteiligt sich das Kunstministerium bzw . der Freistaat fi-
nanziell an weiteren Einrichtungen bzw . Stiftungen .
Dazu zählen die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen
,
der Sächsische Kultursenat, die Stiftung für das Sorbi-
sche Volk, die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die
Stiftung Bach-Archiv Leipzig, die Mendelssohn-Stiftung,
das Sächsische Industriemuseum, die Galerie für Zeit-
genössische Kunst Leipzig, das Schlesische Museum zu
Görlitz, das Deutsche Hygiene-Museum Dresden oder die
Sächsische Akademie der Künste . Außerdem werden vom
Kunstministerium Projekte der darstellenden Kunst- und
Musikpflege, der bildenden Kunst, nichtstaatlicher Mu-
seen, des Films, der Literatur sowie der Soziokultur und
spartenübergreifende Kunstformen gefördert . In anderen
Bereichen, zum Beispiel Bau, Kultur- und Kreativwirt-
schaft oder Integration, wird die Kultur in Sachsen durch
weitere Ministerien unterstützt .
Das zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffen
wird in al-
len Sparten der allgemeinen Kunst- und Kulturförderung
einschließlich der Soziokultur durch den Freistaat Sach-
sen gefördert: bildende und darstellende Kunst, Literatur,
kulturelle Filmförderung oder auch spartenübergreifen-
de Kunstformen . Schwerpunkt der Förderung liegt auf in
Sachsen ansässigen Künstlerinnen und Künstlern sowie
deren Kunstprojekte in der zeitgenössischen Kunst .
Das Kunstministerium zeichnet herausragende Leistungen
und hoffnungsvolle Talente mit Preisen aus .
Vergeben werden:
y
Sächsischer Museumspreis (alle zwei Jahre, dotiert mit
30 .000 Euro – ein Hauptpreis und zwei Spezialprei-
se), im Wechsel mit der Auszeichnung zur Würdigung
»Ehrenamtlicher im Museumswesen«)
y
Lessingpreis des Freistaates Sachsen und Förderpreise
zum Lessingpreis (alle zwei Jahre, dotiert mit insge-
samt 24 000
.
Euro)
y
Sächsischer Literaturpreis (alle zwei Jahre, dotiert mit
5 .500 Euro)
y
Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung
(jährlich, dotiert mit 20 .000 Euro, in Kooperation mit
der Stadt Leipzig)
y
Sächsischer Industriekulturpreis (alle zwei Jahre,
dotiert mit 10 .000 Euro, gemeinsam mit der Vereini-
gung der Sächsischen Wirtschaft e . V . und der
Johann-Andreas-Schubert-Stiftung)
y
Sächsischer Bibliothekspreis (jährlich, dotiert mit
10 .000 Euro, in Kooperation mit dem Landesverband
Sachsen im Deutschen Bibliotheksverband e . V .)
y
Filmförderpreis (jährlich, dotiert mit 20 .000 Euro)
y
Europäischer Kinderfilmpreis (jährlich, dotiert mit
12 .500 Euro)
y
Sächsischer Verlagspreis (ab 2018, dotiert mit 10 .000
Euro, gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministe-
rium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr und dem Lan-
desverband Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen des
Börsenvereins des Deutschen Buchhandels)
Der Bundeswettbewerb »Jugend musiziert«
motiviert junge Musikerinnen und Musiker
zu besonderen künstlerischen Leistungen
und bereichert Gäste wie Teilnehmer. Es
ist eine schöne Tradition des Sächsischen
Staatsministeriums für Wissenschaft und
Kunst gemeinsam mit dem Sächsischen Mu-
sikrat, die Preisträgerinnen und Preisträger
im Anschluss an den Bundeswettbewerb mit
einem Konzert zu ehren.
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In Sachsens Kultur- und Kreativwirtschaft
arbeiten etwa
87 .000 Architekten, Kunsthändler, Komponisten, Musiker, Au-
toren, Bühnenkünstler, Journalisten, Rundfunkveranstalter, Ver-
leger und Spieleentwickler . Viele junge Künstler und Kultur-
wissenschaftler brauchen Unterstützung bei der Kommunikati-
on, Bürosuche oder auch bei der Vernetzung mit anderen, wenn
sie freiberuflich sind oder ein kleines Unternehmen gründen .
Mit 2,5 Millionen Euro Anschubfinanzierung durch Mittel des
Freistaates und »Hilfe zur Selbsthilfe« baut sich Sachsens Kul-
tur- und Kreativwirtschaft ein Zentrum auf . Getragen wird das
Zentrum vom Landesverband der Kultur- und Kreativwirtschaft
Sachsen e . V .
y
Neiße-Filmpreis (jährlich, dotiert mit 5 000
.
Euro)
y
Preis für sorbische Sprache Zejler-Preis (alle zwei Jah-
re, dotiert mit 5 .000 Euro)
y
Sächsischer Tanzpreis (alle zwei Jahre, dotiert mit
10 .000 Euro, gefördert von der Sparkassen-Versiche-
rung Sachsen)
y
Förderpreis für Computer- und technikbasierte Kunst
(alle zwei Jahre, dotiert mit 10 .000 Euro)
y
Förderpreis für Kunst und Demografie (alle zwei Jah-
re, dotiert mit 10 .000 Euro, in Kooperation mit dem
Landesverband Soziokultur Sachsen e . V . und gestiftet
von der Johanna und Fritz Buch Gedächtnis-Stiftung)
y
Sächsischer Preis für Kulturelle Bildung (alle zwei
Jahre, dotiert mit insgesamt 8 .500 Euro, in Kooperati-
on mit dem Landesverband Soziokultur Sachsen e . V .)
Einen wertvollen Beitrag
bei der Bewahrung, Entwick-
lung, Förderung und Verbreitung der sorbischen Spra-
che, Kultur und Traditionen leistet die Stiftung für das
sorbische Volk . Die dauerhafte Unterstützung der Stif-
tung ist dem Freistaat Sachsen ein wichtiges Anliegen,
denn nur mit dieser finanziellen Unterstützung wird es
möglich sein, diese Aufgaben weiterhin gut erfüllen zu
können . Im Dritten Abkommen über die gemeinsame Fi-
nanzierung der Stiftung für das sorbische Volk zwischen
dem Bund, dem Freistaat Sachsen und dem Land Bran-
denburg werden 9,3 Millionen Euro vom Bund, 6,2 Milli-
onen Euro vom Freistaat Sachsen und 3,1 Millionen Euro
von Brandenburg getragen . Auf dieser Grundlage erhält
die Stiftung eine jährliche Gesamtförderung in Höhe von
18,6 Millionen Euro .
Neben der staatlichen und kommunalen Trägerschaft
und
Förderung von Kultur sind das bürgerschaftliche Engage-
ment und das Ehrenamt ein wichtiges Element . Es reicht
von der musisch-künstlerischen Tätigkeit in der Freizeit,
der Mitgliedschaft in Fördervereinen, der ehrenamtlichen
Betreuung und den Freiwilligendienst über Schenkungen
und Zustiftungen von Kulturgut aus Privatbesitz in die
Obhut der Museen bis hin zu klassischem Mäzenatentum
und privatem Kultursponsoring . Ohne private Stiftun-
gen, ohne den persönlichen Einsatz der vielen Freiwil-
ligen und Ehrenamtlichen wäre die Kulturlandschaft im
Freistaat Sachsen um einiges ärmer und in manchen Be-
reichen gar nicht lebensfähig . Auch die Kirchen und Re-
ligionsgemeinschaften stellen ein wichtiges Bindeglied in
der sächsischen Kulturpflege dar .
Immer mehr Barrierefreiheit in immer mehr Museen. Das heißt: bauliche
Barrierefreiheit, Führungen in Leichter Sprache, Angebote für blinde,
seheingeschränkte oder hörbehinderte Menschen – beispielsweise im
Deutschen Hygiene-Museum Dresden.
Links: Bei der Verleihung der Auszeichnung
»Ehrenamt im Museum«

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Dabeisein:
Kulturelle Bildung
stärken
Kultur für alle und überall – das
heißt, den Zugang zu Kultur für
alle Menschen einfach und ohne
Hürden zu gestalten, ob in Stadt
oder Land . Das heißt auch, dafür
Sorge zu tragen, dass Jung und
Alt in den ländlichen Regionen die
gleichen Möglichkeiten haben, an
der reichhaltigen Kulturlandschaft
in Sachsen teilzuhaben, sich einzu-
bringen und sie mitzugestalten .
Der Landesverband Soziokultur Sachsen e. V. ist der Dachverband für über
50 soziokulturelle Einrichtungen und Initiativen im Freistaat Sachsen.
Eine Aufgabe, für die es einen langen Atem
braucht und
die immer wieder neue Herausforderungen stellt . Vie-
le Akteure widmen sich bereits dem Thema . Die Kultur-
und Kunstverbände, die Kommunen, die Netzwerkstellen
der Kulturräume, Künstler selbst, die Schulen, die Bil-
dungsagentur, die Jugendhilfe, Museen, Theater, Musik-
schulen und andere vermitteln kulturelle Bildung .
Das Kunstministerium fördert Projekte
und Strukturen
der kulturellen Bildung jährlich mit rund einer Million
Euro . Finanziert werden damit beispielsweise in meh-
reren Kulturräumen Netzwerkstellen, die organisieren,
dass Schulen, Künstler und kulturelle Einrichtungen
miteinander in Kontakt kommen . Auch andere Projekte
sind dabei, so die gemeinsam mit dem Kultusministeri-
um finanzierte Koordinierungsstelle Schule und Theater
(KOST), die Theaterprojekte an den Schulen unterstützt
und das Schülertheatertreffen im Freistaat organsiert .
Das Kunstministerium fördert auch Mobilitätsprojekte,
die in ländlichen Regionen dafür sorgen, dass kunstinte-
ressierte Kinder und Jugendliche und kulturelle Einrich-
tungen zusammenkommen .
Außerdem werden 25 Musikschulen
im Verband deut-
scher Musikschulen mit über fünf Millionen Euro im Jahr
gefördert . Ein weiterer Baustein der kulturellen Bildung
ist das landesweite Projekt »Jedem Kind ein Instrument«
in Trägerschaft des Verbandes deutscher Musikschulen
– Landesverband Sachsen e . V . Im Projekt kooperieren
mehr als 50 Grundschulen, vorwiegend aus dem ländli-
chen Raum, mit kommunalen Musikschulen .
Mithilfe eines landesweiten Konzeptes
soll die schulische
kulturelle Bildung deutlicher akzentuiert, die kulturelle
und interkulturelle Kompetenz gefördert, kulturelle Bil-
dungsangebote vor allem außerhalb der urbanen Zent-
ren gestärkt und eine digitale Plattform zur Präsentation
der Angebote und Fördermöglichkeiten entwickelt wer-
den . Für Schulen im ländlichen Raum geht es auch um
ein Mobilitätskonzept, damit der Zugang zu den Ange-
boten der kulturellen Bildung erleichtert wird .
Generationenübergreifend arbeitet die Soziokultur
, die
für Familien, Kinder und ältere Menschen Angebote er-
halten oder schaffen kann, gerade im ländlichen Raum .
Der Soziokultur als bunteste und vielfältigste Form der
Kultur kommt hier eine besondere Bedeutung zu . Die So-
ziokultur steht einerseits gleichberechtigt neben allen
Sparten, andererseits hat sie eine Querschnittsfunktion
zu erfüllen . Sie ist nicht das klassische Theater, die klas-
sische bildende Kunst oder die klassische Literatur, son-
dern es ist immer etwas von allem mit unterschiedlichen
Ausführungsformen und Ansprachen für verschiedene
Generationen .

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Theater kann Mut machen. »Get up! Stand up!«, das erste Projekt des Staatsschauspiels Dresden, in dem eine ganze Schulklasse auf der Bühne steht, hat das einmal mehr gezeigt.
Kultur für alle
, das heißt, Menschen mit Beeinträchtigun-
gen nicht außen vor zu lassen . Menschen mit Behinde-
rungen gehören dazu – als Mitarbeiter und als Besucher
von Kultureinrichtungen . Barrierefreiheit bedeutet, dass
jeder Mensch Zugang zu allen gestalteten Lebensberei-
chen hat und diese uneingeschränkt nutzen kann . Die
Kultureinrichtungen in Sachsen arbeiten daran, ihre bar-
rierefreien Angebote auszubauen . Dazu gehören bauli-
che Barrierefreiheit, Führungen in Leichter Sprache, An-
gebote für blinde, seheingeschränkte oder hörbehinderte
Menschen . Im Aktionsplan der Sächsischen Staatsregie-
rung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonven-
tion wurde beschlossen, dass barrierefreie Vermittlungs-
angebote in staatlichen Museen und Theatern gefördert
werden . Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit
in nichtstaatlichen Museen und sonstigen Kultureinrich-
tungen werden über eine eigene Richtlinie »Inklusion«
gefördert . Zur Verbesserung der Teilhabemöglichkeiten
von Menschen mit Behinderung stehen seit Juni 2017
jährlich jeweils eine Million Euro an Fördermitteln zur
Verfügung . Ziel ist, dass es irgendwann nicht mehr um
die Integration von Einzelfällen geht, sondern alle Be-
dingungen vorab so gestaltet sind, dass die Bedürfnisse
aller Menschen mit oder ohne Behinderungen und Beein-
trächtigungen bedacht sind – so wie es die UN-Behinder-
tenrechtskonvention fordert .
In verschiedenen Museen, wie hier im Staatlichen Museum für
Archäologie, sind auch Führungen in Leichter Sprache möglich.

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Die Großen von Morgen:
Künstlerische Ausbildung
mit internationalem Renommee
Die künstlerische Bildung ist in
Sachsen in vielen Bereichen
einzigartig: Mit fünf namhaften
Kunsthochschulen werden junge
Künstlerinnen und Künstler aus
aller Welt ausgebildet .
Die Palucca Hochschule für Tanz Dresden
bietet aufbau-
end auf einer über 85-jährigen Tradition eine interdis-
ziplinäre Tanzausbildung auf höchstem Niveau . an . Der
Leitgedanke der Hochschule ist es, kreatives Lernen zu
ermöglichen und alle Studierenden, ob in der Ausbil-
dung zu Tänzern, Tanzpädagogen oder Choreografen, zu
ermutigen, eine eigene künstlerische Sprache zu finden .
Mit ihrer über 250-jährigen Geschichte
gehört die Hoch-
schule für Bildende Künste Dresden zu den ältesten Aus-
bildungsstätten für Bildende Kunst in Europa . 1764 wur-
de sie als »Haupt-Kunst-Akademie« gegründet; seit 1680
existierte als Vorläufereinrichtung eine »Zeichen- und
Malerschule« . Für das Studium steht
eine Vielzahl künstlerisch-prak-
tischer Werkstätten zur Ver-
fügung, darunter die »Gra-
fischen Werkstätten«, die
»Bildhauerwerkstätten«, ein »offenes Medienlabor« und
das »Videostudio« . Zusätzlich befinden sich in den ein-
zelnen Studiengängen weitere fachspezifische Einrich-
tungen .
An der Hochschule für Musik
Carl Maria von Weber
Dresden, einer der ältesten Einrichtungen ihrer Art in
Deutschland, studieren mehr als 600 Studierende aus al-
ler Welt . Mit den Angeboten in der Hochschule und im
angegliederten Landesgymnasium verfügt die Dresdner
Musikhochschule über eines der innovativsten Ausbil-
dungskonzepte deutschlandweit . Mit einem neuen Kon-
zertsaal, dem Kleinen Saal sowie zahlreichen externen
Veranstaltungsorten ist die Hochschule der größte regio-
nale Konzertveranstalter . Über 400 Veranstaltungen fin-
den jährlich statt – vom Kinderkonzert bis zur Oper, vom
Workshop bis zu Meisterklassen, vom Wettbewerb bis
zum Jazzkonzert .
Höchstes internationales Niveau
auch in Leipzig an der
Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn
Bartholdy« . Am 2 . April 1843 wurde auf Betreiben des
damaligen Gewandhauskapellmeisters Mendelssohn
Bartholdy und weiterer kunstsinniger Bürger das Leip-
ziger Conservatorium der Musik eröffnet und damit die
erste höhere Bildungsanstalt für Musiker im Gebiet des
heutigen Deutschlands . Die Hochschule zählt mit 700
Events zu den Ausbildungsstätten mit den meisten Ver-
anstaltungen jährlich . Sinfoniekonzerte, Opernauffüh-
rungen, Orgelkonzerte, Jazzveranstaltungen, Thea-
terinszenierungen oder Wettbewerbe sind feste Grö-
ßen im Leipziger Kulturleben .
An der Hochschule für Musik
Carl Maria von Weber Dresden
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Es geht um Austausch, neue Sichtweisen, ein lebendiges Mit-
einander und um Chancen: Unter den vielen nach Deutschland
Geflüchteten
sind auch junge Menschen, die in ihrer Heimat
gerade ein Kunst- oder Grafikstudium absolvierten, es jedoch
nicht abschließen konnten . An der Akademie für transkulturel-
len Austausch der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
– gestartet als bundesweit einmaliges Projekt – können sie ihr
Studium nach einer Eignungsprüfung weiterführen .
Als Zeichnungs-, Mahlerey- und Architectur-Akademie
gemeinsam mit der Dresdener Akademie und einer Zei-
chenschule an der Porzellan-Manufaktur Meissen vom
sächsischen Kurfürsten Friedrich Christian gegründet,
zählt die Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
zu den ältesten europäischen Kunsthochschulen . Dem
Anspruch von Innovation und Tradition wird die Hoch-
schule mit ihren sehr gut ausgestatteten Werkstätten für
Holzschnitt, Künstlerischen Offsetdruck, Lithografie, Ra-
dierung und Siebdruck sowie für Buchdruck, Buchein-
band und Handsatz sowie dem Audiovisuellen Labor und
dem 3-D-Labor gerecht . Im Institut für Buchkunst der
Hochschule entstehen aufwendige und außergewöhnliche
Publikationen, die regelmäßig in nationalen und inter-
nationalen Wettbewerben mit Auszeichnungen bedacht
werden .
Das Deutsche Literaturinstitut Leipzig
(DLL) an der Uni-
versität Leipzig bietet hervorragende Universitätsausbil-
dung für Schriftsteller im deutschen Sprachraum . Zu den
Studierenden des Leipziger Literaturinstitutes, die sich
später als Schriftsteller einen Namen machten, gehören
unter anderen: Ralph Giordano, Kerstin Hensel, Sarah
Kirsch, Rainer Kirsch, Angela Krauß, Erich Loest, Die-
ter Mucke, Andreas Reimann, Gerti Tetzner, Fred Wander
und weitere, schon erwähnte Künstler der »Sächsischen
Dichterschule« .
Als Hochschule der Angewandten Wissenschaften
setzt
die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leip-
zig eine lange Tradition in der Ausbildung von Biblio-
thekaren, Buchhändlern und Museologen in Leipzig fort .
Die Hochschule positioniert sich herausragend mit ih-
ren seltenen Studiengängen rund um das Buch . Studen-
ten der Westsächsischen Hochschule Zwickau können an
der Fakultät Angewandte Kunst in Schneeberg Holzge-
staltung, Modedesign und Textilkunst/Textildesign stu-
dieren und angehende Musikinstrumentenbauer erlernen
ihr Handwerk in Markneukirchen . An der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden wird der Studiengang
Produktgestaltung angeboten . Zum vielfältigen Angebot
der staatlichen Hochschulen in Sachsen kommen weite-
re in privater oder kirchlicher Trägerschaft wie die Hoch-
schule für Kirchenmusik der Evangelisch-Lutherischen
Landeskirche Sachsens in Dresden .
Studiengang Theatermalerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
Rechts: Palucca Hochschule für Tanz Dresden
mit dem Stück »Aufforderung zum Tanz«

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KULTUR
LAND
SACHSEN
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Ein großer Reichtum
in Musik, Theater, Museen,
Film, Tanz, Literatur und
bildender Kunst ist fest mit
Sachsen verbunden .
Die sächsische Kulturlandschaft,
stark in ihrem kulturellen Erbe,
zugleich mit Mut für Neues,
macht das Land lebenswert,
unverwechselbar und für viele
anziehend, wirkt identitäts-
stiftend und gibt Halt und
Orientierung . Deshalb ist im
Freistaat Sachsen der Schutz,
die Pflege bzw . die Fördrung
von Kunst und Kultur eine
staatliche Aufgabe von
Verfassungsrang .
DOK Leipzig, 1955 gegründet, ist es das älteste Dokumentarfilmfestival
der Welt. Das Programm von DOK Neuland ist Teil der offiziellen Auswahl
des Festivals. Hier werden die neuesten Entwicklungen im Bereich inter-
aktiver Arbeiten präsentiert.
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Kulturerbe bewahren
Für Besucher wie Einheimische
anziehend sind auch die gut
erhaltenen oder sanierten Altstadt-
kerne, Baudenkmale, teils auch
archäologische Denkmale, kultur-
touristische Wege, Schlösser,
Burgen und Gärten, aber auch
Werke der modernen Baukultur .
Die wichtigsten Museen
sind in außerordentlich hoch-
wertigen Gebäuden, in Denkmalen, untergebracht . Al-
lein in den Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlos-
ses wurden seit den 90er Jahren weit über 300 Millionen
Euro investiert . Schloss Augustusburg, Schloss Pillnitz,
die Innenstädte von Meißen, Torgau, Bautzen oder die
geschlossenen Gründerzeitgebiete wie auf dem Kaßberg
in Chemnitz sowie zahlreiche Denkmale – die Liste der
sächsischen Baukultur ist lang . Die »Staatliche Schlösser,
Burgen und Gärten Sachsen gemeinnützige GmbH« ver-
marktet, bewirtschaftet und präsentiert neunzehn der in-
teressantesten Kulturdenkmale .
Der deutsch-polnische Landschaftspark
»Fürst-Pückler-
Park Bad Muskau« ist in die Welterbeliste der UNESCO
aufgenommen worden und steht unter besonderem
Schutz . Er ist ein herausragendes Beispiel europäischer
Gartenbaukunst und der größte Landschaftspark Zentral-
europas im englischen Stil . Die Montanregion Erzgebirge
steht auf der Tentativliste der nationalen Vorschlagsliste
der UNESCO .
Das immaterielle Kulturerbe repräsentiert
eine lebendige
Alltagskultur, die von Generation zu Generation weiter-
gegeben wird . Tanz, Theater, Musik, mündliche Überlie-
ferungen, Naturheilkunde und Handwerkstechniken zäh-
len dazu – Wissen und Können, das Menschen ein Gefühl
von Zugehörigkeit und Identität vermittelt . Deutschland
ist seit 2013 Vertragsstaat des UNESCO-Übereinkommens
zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes . Die Genos-
senschaftsidee gehört seit Ende 2016 zum Immateriel-
len Kulturerbe der Menschheit . Der länderübergreifen-
de Antrag zur Aufnahme wurde in Rheinland-Pfalz und
Sachsen erarbeitet . Sachsen ist mit weiteren Einträgen in
das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturer-
bes vertreten: Dazu gehören die Chormusik in deutschen
Amateurchören, Bräuche und Feste der Lausitzer Sorben,
Köhlerhandwerk und Teerschwelerei, Vogtländischer Mu-
sikinstrumentenbau in Markneukirchen und Umgebung,
Sächsische Knabenchöre sowie Bergparaden und Berg-
aufzüge . Außerdem hat Sachsen ein eigenes Landesver-
zeichnis .
Mit der Nikolaikirche, dem Leipziger Ring
und dem Mu-
seum in der »Runden Ecke« werden drei Leipziger Stät-
ten als Teil des Europäischen Kulturerbes »Eiserner Vor-
hang« gewürdigt . Das Expertengremium der Kultusmi-
nisterkonferenz hat Ende 2016 zudem die Bewerbung der
Der »Fürst-Pückler-Park Bad Muskau« liegt zu zwei Dritteln auf polnischem und zu einem Drittel auf deutschem Staatsgebiet.

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Stadt Leipzig um das Europäische Kulturerbe-Siegel be-
fürwortet und den Antrag »Leipzigs Musikerbe-Stätten –
Leipzig’s Musical Heritage Sites« als einzige deutsche Be-
werbung zur Entscheidung an die Europäische Kommis-
sion weitergeleitet .
Die Sächsische Landesbibliothek
– Staats- und Universi-
tätsbibliothek Dresden (SLUB) bewahrt mehrere Hand-
schriften von Weltdokumentenrang . Das Weltdokumen-
tenerbe ist ein Verzeichnis im Rahmen des UNESCO-
Programms Memory of the World zum Erhalt des
dokumentarischen Erbes der Menschheit . Aufgenom-
men werden wertvolle Handschriften, Partituren, Bücher
oder Bild-, Ton- und Filmdokumente, die das kollekti-
ve Gedächtnis der Menschen in den verschiedenen Län-
dern repräsentieren . Weltdokumentenerbe in der SLUB
ist ein eigenhändiges Manuskript Martin Luthers, das er
als frisch promovierter Theologieprofessor für seine ers-
te Vorlesung über die Psalmen in den Jahren von 1513
bis 1515 an der Universität Wittenberg verwendete . Auch
die in der SLUB aufbewahrten sogenannten »Corvinen«
sind Weltdokumentenerbe . Der ungarische König Matthi-
as Corvinus besaß eine der größten und bedeutendsten
Büchersammlungen der Renaissance . Im Jahr 2005 hat
die UNESCO die weltweit 216 erhaltenen Corvinen aus
52 öffentlichen und privaten Sammlungen zum Weltdo-
kumentenerbe erklärt .
In das Bundesverzeichnis
des immateriellen Kultur-
erbes aufgenommen: der
vogtländische Musikinstru-
mentbau in Markneu-
kirchen und Umgebung
Heute ist kaum mehr vorstellbar, dass das Dresdner Residenzschloss erst seit einigen Jahren wieder aufgebaut ist. Bei den Bombenangriffen im Februar 1945
war es fast vollständig ausgebrannt – nur ein Teil des Historischen Grünen Gewölbes sowie die Kellerräume blieben unversehrt. Im Foto: der Große Schlosshof
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Hier spielt die Musik
Große Namen der Musikgeschichte sind untrenn-
bar mit Sachsen verbunden . Dresden und Leipzig
waren die Wirkungsstätten so bedeutender Kom-
ponisten wie Schütz, Bach, Weber, Schumann,
Mendelssohn Bartholdy und Wagner . Auch heute
ist Sachsen eine um seinen kulturellen und
besonders den musikalischen Reichtum beneide-
te Region . Die äußerst große Dichte und Breite
hochqualifizierter musikalischer Angebote
reichen von Amateurmusik, wie sie an Schulen
und Musikschulen gepflegt wird, in Chören,
jungen Bands, in fast jeder Kirchgemeinde,
angebunden an andere Einrichtungen und
Theater, über Ausbildungseinrichtungen wie
Sachsens Musikhochschulen, über die freie Szene
bis hin zu professionellen Ensembles, deren
Renommee weltweit ihresgleichen sucht .
Sachsen ist das Bundesland
mit der dichtesten Theater-
und Orchesterstruktur in Deutschland . Zwischen Plauen
und Görlitz gibt es sechzehn Theater, von denen zehn äl-
ter als 100 Jahre sind, die Sächsische Staatsoper Dresden
und die Oper Leipzig bestehen seit über 300 Jahren . Un-
ter den Orchestern Sachsens ragen die Sächsische Staats-
kapelle, das Leipziger Gewandhausorchester und die
Dresdner Philharmonie hervor . Es gibt noch weitere neun
selbständige Orchester im Freistaat Sachsen .
Das Leipziger Gewandhausorchester gehört zu den
internationalen Spitzenensembles.

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Aufgabe des
Sächsischen Musikrates
ist, die Musiktradition
in Sachsen zu pflegen und das zeitgenössische Musikschaffen
zu unterstützen . Als größtem kulturellem Dachverband in Sach-
sen gehören ihm derzeit 49 Landesverbände und Institutionen
an, darunter auch die Deutsche Orchestervereinigung e . V ., Ver-
tretung Sachsen .
Die Sächsische Staatsoper Dresden
, die Semperoper, ge-
hört zu den bedeutendsten Opernhäusern weltweit . Sie
ist der großen Dresdner Operntradition verpflichtet, die
immer auch das zeitgenössische Musiktheater umfasste .
Entsprechend ihrer internationalen Bedeutung und ih-
rem kulturpolitischen Auftrag arbeitet die Staatsoper mit
Künstlern von nationalem und internationalem Rang zu-
sammen . Klangkörper der Staatsoper ist die Sächsische
Staatskapelle Dresden, eines der ältesten und traditions-
reichsten Orchester der Welt . Heinrich Schütz, Johann
Adolf Hasse, Carl Maria von Weber und Richard Wag-
ner haben sie geleitet . Zahlreiche Komponisten schrie-
ben Werke, die von der Staatskapelle uraufgeführt wur-
den bzw . ihr gewidmet sind . »Wie Glanz von altem Gold«
– so hat Herbert von Karajan den Klang der Dresdner
Staatskapelle bei der gemeinsamen Aufnahme der »Meis-
tersinger« 1972 beschrieben und damit eine weitere Be-
sonderheit des Orchesters charakterisiert . Der Staatska-
pelle ist gelungen, sich im Laufe der Jahrhunderte eine
eigene klangliche Identität zu bewahren, durch die sie
sich von anderen Spitzenorchestern unterscheidet .
Die Oper Leipzig
blickt auf eine über 300-jährige Ge-
schichte zurück . Auch das Leipziger Gewandhausorches-
ter und die Dresdner Philharmonie sind Glanzlichter, die
auch international große Anerkennung finden . Zahlen-
Die Dresdner Semperoper bietet den festlichen Rahmen für Aufführungen der Sparten Oper, Staatskapelle, Ballett und Junge Szene.
Zugleich ist sie zu einem Symbol dieser Stadt geworden und weltweit Inbegriff für bedeutende Opernkunst.

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mäßig kaum zu erfassen sind die vielen Kantoreien, Chö-
re, Musiziergemeinschaften und Laienmusikensembles in
Sachsen .
Mit der Elblandphilharmonie
hat Sachsen einen exzellen-
ten, großen und in unterschiedlichsten Teil-Ensembles
und Musikgenres einsetzbaren Klangkörper, der im Land
unterwegs ist und hervorragende musikalische Angebo-
te macht . Die Elblandphilharmonie bildet auf der Grund-
lage einer Kooperation auch das Orchester der Landes-
bühnen Sachsen GmbH und findet seine Zuhörer dadurch
nicht nur bei Musiktheateraufführungen im Stammhaus
in Radebeul, sondern auch auf der einzigartigen Felsen-
bühne Rathen .
Seit dem 13. Jahrhundert
entstanden in Sachsen Knaben-
chöre mit der Hauptaufgabe, die Liturgie musikalisch zu
gestalten: an der Thomaskirche in Leipzig der Thomaner-
chor (1212 gegründet), an der Kreuzkirche in Dresden der
Kreuzchor (erste Erwähnung 1300) und an der Schloss-
kapelle in Dresden 1548 die Hofkapelle mit Knabenstim-
men, aus denen 1709 die heutigen Dresdner Kapellkna-
ben wurden . In der heutigen Aufgabenstellung der Chöre
hat der liturgische Gesang nach wie vor eine wesentliche
Rolle, die Kreuzchorvespern und die Gottesdienste in der
Dresdner Hofkirche mit den Kapellknaben ziehen jedes
Jahr Zehntausende von Zuhörern an, ebenso wie die Mo-
tetten- und Oratorienaufführungen sowie Gottesdienste
der Thomaner in Leipzig . Die Chöre sind durch geistliche
Konzerte ein Bestandteil des Musiklebens ihrer Stadt und
werden durch zahlreiche Einladungen zu Auslandsreisen
auch international beachtet .
Mit etwa 60 jährlich stattfindenden Musikfestivals
hat
sich in Sachsen eine außerordentlich vielfältige und jun-
ge Szene herausgebildet . Etwa 950 Veranstaltungen an
370 Veranstaltungsorten pro Jahr gestalten das bunte
kulturelle Angebot . Das Leipziger Bachfest, die Dresdner
Musikfestspiele und das Wave-Gotik-Treffen in Leipzig
sind international bekannte Musikfestivals . Zahlreiche
Festival-Ereignisse haben sich nach mehrmaliger erfolg-
reicher Wiederholung im sächsischen Kulturland etab-
liert: der Mittelsächsische Kultursommer, das Moritz-
burg-Festival, der Lausitzer Musiksommer, die Interna-
tionalen Schostakowitsch Tage Gohrisch, das Musikfest
Erzgebirge oder die Silbermann Tage . Tradition haben in
Sachsen aber genauso Jazz, Dixieland und Pop .
Neben vielen Initiativen
gibt es fachlich kompetente
Förderer wie den Sächsischen Musikrat, der koordiniert,
weiterbildet und mit dem Wettbewerb »Jugend musi-
ziert« musikalischen Nachwuchs ins öffentliche Licht
rückt . Oder die »Mitteldeutsche Barockmusik«, eine Ein-
richtung, die mit Mitteln von Bund und den drei Län-
dern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die groß-
artige Tradition der Barockmusik in diesen Ländern in
allen Formaten und an verschiedensten Orten mit ihrer
Förderung lebendig hält . So erfreuen sich jährlich Tau-
sende von Besucherinnen und Besuchern, darunter Gäs-
te aus ganz Europa und darüber hinaus, am Heinrich
Schütz Musikfest, das seinen Hauptveranstaltungsort in
Dresden hat .
Die ursprünglich elfköpfige Dresdner Brass-Band »Banda Comunale«, die sich um
mehrere geflüchtete Musikerinnen und Musiker aus aller Welt zur »Banda Internati-
onale« erweitert hat, macht »Heimatmusik«: traditionelle und zeitgenössische Musik
aus den Herkunftsländern aller Künstler fließen zusammen. Banda Internationale
hat inzwischen mehrere Preise erhalten.
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Die Thomaskirche wurde 1212 als Klosterkirche im spätgotischen Stil begründet und ist weltweit als Wirkungsstätte
des Thomanerchors bekannt geworden. Die Tradition und Aufführungspraxis geistlicher Musik durch sächsische Knabenchöre
wurde inzwischen in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

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Theater mischt sich ein
Mit 80 Spielstätten allein im öffentlichen Bereich
und
fast 30 000
.
Plätzen hat Sachsen – so die Statistik des
Deutschen Bühnenvereins von 2014/15 – eine beson-
ders reiche Theaterlandschaft . Sie ist geprägt durch zwei
hervorragende Staatstheater und eine Fülle unterschied-
lichster Einrichtungen in kommunaler Trägerschaft . Da-
neben tragen Privat- und Amateurtheater zu einem ganz
vielfältigen kulturellen Angebot bei . Das Repertoire
der sächsischen Bühnen umfasst alle Sparten – von der
Operette über das Kabarett bis hin zu Puppenspiel oder
Mundartstücken . Auch die zweisprachigen Aufführungen
des Sorbischen Theaters gehören dazu .
In Trägerschaft der Freistaates Sachsen
bieten im Staats-
betrieb Sächsische Staatstheater die bekannte Sächsische
Staatsoper Dresden mit der Sächsischen Staatskapelle
Dresden und das Staatsschauspiel Dresden ihr Programm
auf Spitzenniveau . Beide Häuser sind Leuchttürme in
Theater in all seinen Facetten, das ist
im besten Falle: ein besonderer Ort
der Kultur, des Experiments,
ein politisches, ein soziales Angebot,
ein Ort der Kunst und der Diskussion
gleichzeitig, ein Ort, an dem leben-
dige Auseinandersetzung mit Themen
und Fragen der Zeit möglich wird –
Horizonterweiterung!
Modernes und leidenschaftliches Theater am Staatsschauspiel Dresden: Hier die bejubelte Vorstellung »Hamlet« mit Christian Friedel.

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der sächsischen Theaterlandschaft . Die Semperoper zählt
mit ihren vier Sparten – Oper, Ballett, Konzert und Jun-
ge Szene – zu den international anerkannten Opernhäu-
sern . Das Ballett mit seiner weit über Deutschland hin-
aus geschätzten Tanzcompany bietet ein breites Reper-
toire zwischen klassischem und zeitgenössischem Tanz .
Als integraler Bestandteil widmet sich die – gern auch
als Wunderharfe bezeichnete – Sächsische Staatskapel-
le dem Konzertschaffen auf herausragendem Niveau . Der
Opern- und Ballettbetrieb großer Häuser wie der Sem-
peroper ist ohne Internationalität nicht zu denken . Ne-
ben einem überregionalen Publikum kommen Künstle-
rinnen und Künstler aus aller Welt .
Das Staatsschauspiel Dresden
zählt zu den führenden
deutschen und mittlerweile vielfach ausgezeichneten
Schauspielhäusern . Vor über hundert Jahren finanzierte
die Bürgerschaft Dresdens den Bau des Schauspielhauses
durch das Zeichnen einer Theateranleihe . Heute ist das
Staatsschauspiel fest im kulturellen Leben der Stadt ver-
ankert . Es ist der Tradition des Schauspiels in Deutsch-
land und der Förderung der zeitgenössischen Theater-
kunst gleichermaßen verpflichtet . Neben dem Schau-
spielhaus am Zwinger, das 1913 eröffnet wurde und nach
den Kriegszerstörungen 1948 wiedereröffnet werden
konnte, ist das Kleine Haus in der Dresdner Neustadt ei-
ne beliebte Spielstätte . In Städten wie Berlin, Wien, Ko-
penhagen oder Wrocław war das Staatsschauspiel auf
Gastspielreise, während andere Theater mit Produktionen
nach Dresden kamen . Austausch und Begegnung in vie-
lerlei Hinsicht, auch bei Festivals oder der Langen Nacht
der Theater .
Beste Ausbildung
im Bereich Schauspiel und Dramaturgie ga-
rantiert die Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendels-
sohn Bartholdy« Leipzig . An der Universität Leipzig erweitert seit
2016 ein neues Kompetenzzentrum die Arbeit des Instituts für
Theaterwissenschaften vor allem durch seinen Praxisbezug . Das
»Centre of Competence for Theatre« kooperiert mit Theaterhäu-
sern regional und überregional und fördert praxisorientierte For-
schung mit Partnern innerhalb und außerhalb der Universität .
Semperoper Dresden

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Mit der Bürgerbühne
hat das Staatsschauspiel Dresden
vor einigen Jahren das Theater für Laiendarsteller geöff-
net . Die Dresdner haben dieses Angebot zum Mitspielen
und zur Auseinandersetzung gern angenommen . Men-
schen stehen im Mittelpunkt, die sonst so nicht gehört
worden wären . Die Spieler bringen ihre Freunde, ihre
Familien mit – ein ganz neuer Kreis von Menschen, die
das Theater vielleicht sonst nie betreten hätten . Mit dem
Montagscafé im Kleinen Haus ist ein Ort der Begegnung
von Dresdnern und Geflüchteten geschaffen worden .
Leidenschaftliches Spiel
gibt es nicht nur in den Theatern
der Landeshauptstadt, zu denen auch das 1776 gegrün-
dete Societaetstheater gehört . Die Oper Leipzig, die mit
Oper, Musikalischer Komödie und Leipziger Ballett einen
hervorragenden Ruf genießt, das Schauspiel Leipzig mit
besonderen Angeboten für Menschen mit Beeinträch-
tigungen, das international anerkannte Theater Chem-
nitz mit Oper, Ballett, Schauspiel, Figurentheater und der
Robert-Schumann-Philharmonie, das Mittelsächsische
Theater mit dem Theater Freiberg, Theater Döbeln und
Seebühne Kriebstein oder auch das Eduard-von-Win-
terstein-Theater Annaberg-Buchholz mit der Erzgebirgi-
schen Philharmonie Aue sind in den Städten verwurzelt
wie Plauen und Zwickau mit Musiktheater, Ballett und
Schauspiel .
Das Gerhart-Hauptmann-Theater
macht Kultur in Zittau
und Görlitz zur internationalen Angelegenheit . J-O-Ś , ei-
ne 2013 gegründete internationale Initiative von Thea-
tern aus Jelenia Góra, Liberec und Zittau – benannt nach
den drei markanten Bergen des Dreiländerecks Ješt
ě
d-
Oybin-Ś nie
ż
ka – feiert hier ihren jährlichen Höhepunkt
mit dem Festival »3LänderSpiel« .
Die Landesbühnen Sachsen
, seit 2012 durch eine Theater
GmbH als leistungsstarkes Mehrspartentheater betrieben,
sind im Stammhaus Radebeul und auf der Felsenbühne
Rathen zu Hause, aber auch im Land mit Aufführungen
Die Geschichte der sächsischen Bühnenlandschaft ist eng verknüpft mit den Namen
Gotthold Ephraim Lessing
oder
Friederike
Caroline Neuber
. Der aus Kamenz stammende Aufklärer Lessing setzte sich mit seinen Schriften für die Freiheit des deutschen The-
aters gegenüber dem französischen Vorbild ein und beeinflusste maßgeblich die Entwicklung eines bürgerlichen deutschen Theaters .
Friederike Caroline Neuber, in Reichenbach/Vogtland geboren, gründete im 18 . Jahrhundert die Neuber‘sche Komödiantengesellschaft
und kurz darauf in Leipzig eines der ersten feststehenden Theater Deutschlands .
In Radebeul zu Hause, aber auch im Land unterwegs: die Landesbühnen Sachsen. Im Foto: Tanzcompagnie der Landesbühnen Sachsen

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präsent . Sie sind Deutschlands zweitgrößtes Reisetheater .
Mit ihrem Engagement im ländlichen Raum ergänzen die
Landesbühnen das regionale Theaterangebot .
Die sächsischen Spielstätten
sind nicht nur inhaltlich
sehr unterschiedlich, Zuschauer können vom Renaissan-
cebau in Zwickau über das neobarocke Staatsschauspiel
in Dresden bis hin zu den Naturbühnen in Rathen und
auf den Greifensteinen im Erzgebirge wählen . Auch das
Straßentheater hat in Sachsen seinen festen Platz . Eines
der traditionsreichsten Studententheater ist an der Tech-
nischen Universität Dresden zu Hause: die bühne . Ein
neues Zuhause erhielt Ende 2016 im Dresdner Kraftwerk
Mitte das Theater Junge Generation mit seinen drei Spar-
ten Schauspiel, Puppentheater und Theaterakademie . Mit
über 600 Vorstellungen im Jahr ist es eines der größten
Kinder- und Jugendtheater Deutschlands . Das Kraftwerk
Mitte ist auch neuer Standort für die Staatsoperette Dres-
den, die mit ihren Vorgängern auf eine 235 Jahre Tradi-
tion als musikalisches Volkstheater zurückblickt .
Mit dem Landesverband Sachsen
im Deutschen Bühnen-
verein, der unter anderem das Sächsische Puppenthea-
tertreffen und das Sächsische Theatertreffen oder Treffen
von Theaterpädagogen organisiert, dem Landesverband
Freie Theater Sachsen e . V . oder dem Landesverband
Amateurtheater Sachsen e . V . gibt es in diesem Bereich
starke Interessenvertreter . Das Landesbüro Darstellende
Künste Sachsen e . V . ist als eine zentrale Service- und
Schnittstelle tätig .
Im Mai verwandelt das Trinationale Theaterfestival J-O-Ś das Zittauer
Gerhart-Hauptmann-Theater in eine internationale Theaterbühne.
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Puppenspiel hat in Sachsen eine 500-jährige Tradition. Auch heute gibt es eine lebendige Puppenspielszene, wie hier im Theater Chemnitz.

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Mit der Kunsthalle im Lipsiusbau, die von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden betreut wird, hat Dresden einen imposanten Ort
für Kunstausstellungen wiedergewonnen. Zahlreiche Sonderausstellungen bieten den Besuchern ein informatives und abwechslungsreiches Programm.
Besondere Bestimmung der Kunsthalle aber ist es, ein Ort für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischem Kunstschaffen zu sein.
Von der klassischen Antike über die Kunst von
Renaissance, Barock und Expressionismus bis ins
21. Jahrhundert reichen die hochkarätigen
Bestände der Dresdner Skulpturensammlung.
Museen als Wissensspeicher
Museen sind Orte der Vergangenheit
und gleichzeitig hel-
fen sie den Menschen heute, die Gesellschaft zu verste-
hen . Es sind Orte der Begegnung, des Gesprächs und der
Bildung, außerschulische Lernorte und Forschungsstät-
ten . Es sind die staatlichen Museen wie die Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden und das Staatliche Muse-
um für Archäologie Chemnitz, aber auch über 400 Mu-
seen in unterschiedlicher Trägerschaft – darunter
so herausragende wie das Museum der bilden-
den Künste in Leipzig, die Kunstsammlungen
Chemnitz oder das Militärhistorische Muse-
um – die einladen zum Erinnern, Staunen
Mehr über Kunst, Kultur und
Geschichte kann man in Sachsen
in vielen, ganz unterschiedlichen
Museen erfahren . Unzählige gegen-
ständliche, bildliche oder schrift-
liche Kunst- und Sammlungs-
objekte in Museen, aber auch
Bibliotheken, sind ein unermess-
licher Wissensspeicher – und
wichtige Zeugnisse gesell-
schaftlicher Entwicklungen .

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und Lernen . Zentraler Ansprechpartner für alle Fragen
rund ums Sammeln, Bewahren, Forschen, Dokumentie-
ren, Ausstellen und Vermitteln ist die Sächsische Lan-
desstelle für Museumswesen .
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
(SKD) gehö-
ren mit ihren insgesamt 12 Museen und weiteren Insti-
tutionen zu den bedeutendsten und ältesten Museums-
verbünden der Welt . Hervorgegangen sind sie aus den im
16 . Jahrhundert angelegten Sammlungen der sächsischen
Kurfürsten, vor allem aus der im Dresdner Residenz-
schloss eingerichteten Kunstkammer . Durch den schritt-
weisen Einzug der Sammlungen in das wiedererrichtete
Residenzschloss, die grundlegende Sanierung und Neu-
gestaltung des Albertinums sowie durch zahlreiche hoch-
karätige Sonderausstellungen im In- und Ausland und
durch die wissenschaftliche Aufarbeitung der jüngeren
Sammlungsgeschichte haben die SKD ihre internationale
Reputation in den vergangenen Jahren stark ausgebaut .
Heute umfassen die SKD
das Grüne Gewölbe, das Kup-
ferstich-Kabinett, das Münzkabinett, die Rüstkammer,
die Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen
(mit Standorten in Dresden, Leipzig und Herrnhut), die
Porzellansammlung, den Mathematisch-Physikalischen
Salon, die Gemäldegalerie Alte Meister, die Skulpturen-
sammlung, die Galerie Neue Meister, das Museum für
Sächsische Volkskunst mit der Puppentheatersammlung
sowie das Kunstgewerbemuseum . Außerdem sind die
Kunstbibliothek, der Kunstfonds und das Gerhard Richter
Archiv Teil des Verbundes . Die Mitarbeiter der SKD ste-
hen im Austausch mit ihren Kollegen in der ganzen Welt,
internationale Kooperationen und Ausstellungsprojekte
bestimmen zu einem guten Teil den Alltag . Die Kunst-
sammlungen sind mit großen Ausstellungen weltweit
präsent . In den letzten Jahren wurden die Kunstschätze
in Peking, Tokio, Moskau und Kiew, Versailles, London,
Madrid und Rom gezeigt .
Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz
(smac)
als Teil des Landesamtes für Archäologie Sachsen ist
seit 2014 im ehemaligen Kaufhaus Schocken in Chem-
nitz zu Hause . Die Dauerausstellung präsentiert mit
über 6 .000 Exponaten rund 300 .000 Jahre sächsische
Landesgeschichte auf 3 .000 Quadratmetern – von den
Egidio Marzona
gilt als einer der international bedeutends-
ten Sammler von Kunst und Design des 20 . Jahrhunderts . Ein
Glücksfall für Sachsen ist, dass er sich entschieden hat, sein Ar-
chiv der Avantgarden als Schenkung in die Obhut der SKD zu
geben . Der Wert der Sammlung wird auf 120 Millionen Euro ge-
schätzt . Ihr Domizil findet die Sammlung im Dresdner Block-
haus .
Das 1912 gegründete Deutsche Hygiene-Museum ist ein Unikat unter Europas Museen. Neben der populärwissenschaftlichen Dauerausstellung
»Abenteuer Mensch« mit der Gläsernen Frau und dem interaktiven Kinder-Museum »Unsere fünf Sinne« können Besucher hier aufwendig inszenierte
Sonderausstellungen erleben, in denen aktuelle Themen aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft zur Diskussion gestellt werden.

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frühen Neandertalern bis zur Industrialisierung . Sachsen
hat mit dem Museum eine dauerhafte Präsentation sei-
ner archäologischen Landesschätze erhalten . Mit einer
modernen, multimedialen und didaktisch ausgeklügel-
ten Präsentation vermittelt es einzigartige Einblicke in
die Entstehung und Besiedlung des Gebietes des heuti-
gen Sachsens .
Naturkunde hat in Sachsen eine lange Tradition
.
So ge-
hen die Naturhistorischen Sammlungen Dresden bis auf
die kurfürstliche Kunst- und Naturalienkammer zurück,
in der die sächsischen Herrscher schon im 16 . Jahrhun-
dert Naturalien sammelten . Die Naturhistorischen Samm-
lungen Dresden und das Museum für Naturkunde Görlitz
gehören seit 2009 der Senckenberg Gesellschaft für Na-
turforschung und somit auch der Wissenschaftsgemein-
schaft Gottfried Wilhelm Leibniz an . Sie wurden damit in
den Dienst der Biodiversitätsforschung gestellt .
Mit dem Deutschen Hygiene-Museum Dresden
initiier-
te der Dresdner Odol-Fabrikant Karl August Lingner
1911 eine Institution, die bis heute weltweit ohne Ver-
gleich ist . Als modernes Wissenschaftsmuseum macht es
die biologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen
des Menschen erlebbar und für ein breites Publikum ver-
ständlich . Die Leitfrage des Museums, auf einen kurzen
Nenner gebracht, stellt sich uns allen: Wie wollen wir
leben? Die spannenden Ausstellungen beschäftigen sich
mit aktuellen oder historischen Themen aus Wissenschaft
und Gesellschaft, Kunst und Kultur . Neben seiner Aus-
stellungstätigkeit organisiert es ein differenziertes Füh-
rungs- und Bildungsangebot für alle Generationen .
Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac)
48 |
Neben dem Sammeln, Bewahren, Vermitteln
und Bil-
den ist Forschen eine Säule der Museumstätigkeit .
Museen sind nicht nur Zentren geisteswissenschaft-
licher Kompetenz, sondern auch Foren des Austau-
sches zwischen Geistes- und Naturwissenschaften .
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)
zählen seit Jahrzehnten zu den Institutionen, an de-
nen intensiv geforscht wird und für die der inter-
nationale Wissenschaftsaustausch eine große Rol-
le spielt . Im Jahr 2008 begannen die SKD mit dem
Projekt Daphne, einem Recherche-, Erfassungs- und
Inventurprojekt für die rund 1,2 Millionen Objek-
te im SKD-Bestand . Es erlaubt erstmals die syste-
matische Provenienzrecherche sämtlicher Zugänge
seit 1933 . Der Freistaat hat für Daphne von 2008 bis
2016 rund 20 Millionen Euro zusätzlich zur Verfü-
gung gestellt . Die SKD sind wie auch das Deutsche
Hygiene-Museum Dresden, die Sächsische Landesbi-
bliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dres-
den (SLUB) und das Militärhistorische Museum ne-
ben Forschungseinrichtungen Partner des Netzwerkes
Dresden-concept (Dresden Research and Education
Synergies for the Development of Excellence and
Novelty) der TU Dresden .
Auf eine ebenfalls jahrzehntelange interdisziplinäre
Forschungs- und Vermittlungsarbeit blickt das Lan-
desamt für Archäologie Sachsen mit dem Staatlichen
Museum für Archäologie Chemnitz zurück . Beiden
kommt die Aufgabe zu, die vor- und frühgeschichtli-
che Archäologie in Sachsen auf der Grundlage natio-
nal und international kooperierender Forschungspro-
jekte zu erforschen und die Ergebnisse im Rahmen
wissenschaftlicher Ausstellungen, Publikationspro-
grammen, Fachtagungen und Workshops zu vermit-
teln .
16 Fraunhofer-Institute, die SKD und die SLUB
ko-
operieren seit 2015 bei verschiedenen Forschungs-
projekten zum Erhalt und zur Restaurierung von
wertvollem sächsischem Kulturgut . Die Fraunhofer-
Gesellschaft betreibt seit über 25 Jahren Forschung
zum Erhalt des Kulturerbes . 2008 begründete sie zu-
sammen mit der Leibniz-Gemeinschaft und der Stif-
tung Preußischer Kulturbesitz eine »Forschungsalli-
anz Kulturerbe« . Von Beginn an bestand auch eine
enge Zusammenarbeit mit den SKD und der SLUB
unter anderem bei Rekonstruktionsarbeiten im Grü-
nen Gewölbe oder der Restaurierung und Konservie-
rung von historischem Schriftgut .

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Im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz
– Teil des vom
Freistaat geförderten Zweckverbandes Sächsisches Indus-
triemuseum – werden Exponate aus 220 Jahren sächsi-
scher Industriegeschichte vom Bergbau und der Textilin-
dustrie über den Maschinen- und Automobilbau, bis hin
zu den sozialen Folgen der Industrialisierung präsentiert .
Ästhetisches Highlight ist ein durch die gesamte Hal-
le laufendes silbernes Band, auf dem sich eine Auswahl
herausragender sächsischer Erzeugnisse und Erfindungen
befindet . Erstaunlich, was alles aus Sachsen kommt und
welch neuen Entwicklungen der Freistaat zu bieten hat .
Im Schlesischen Museum zu Görlitz
sind schlesische Ge-
schichte und modernes Ausstellungsdesign zu erleben .
Der aufwendig sanierte Görlitzer Schönhof zählt zu den
ältesten Renaissancebauten Deutschlands und beherbergt
die Dauerausstellung . Auf 2 .000 Quadratmetern Fläche
lernen die Besucher die Geschichte und Kultur Schlesi-
ens kennen – sowohl in ihren regionalen Traditionen als
auch in ihren europäischen Verflechtungen .
Große Landesausstellungen
zu landestypischen Kulturthe-
men finden in Sachsen in unregelmäßigen Abständen
statt . Diese Ausstellungen werden als herausragende kul-
turelle Ereignisse konzipiert, die über das jeweilige Som-
merhalbjahr sächsische Geschichte, Identität und kultu-
relles Selbstverständnis vermitteln . Orte früherer Lan-
desausstellungen waren das Kloster St . Marienstern in
Panschwitz-Kuckau, Torgau und Görlitz . Die 4 . Sächsi-
sche Landesausstellung zum Thema Industriekultur führt
im Jahr 2020 nach Zwickau und in weitere Orte West-
sachsens .
Viele weitere spannende Museen
zu ganz unterschiedli-
chen Themen, wie beispielsweise das Sorbische Museum
in Bautzen, warten in Sachsen auf die Besucher . Das Mu-
seum der Westlausitz Kamenz, das Museum für Natur-
kunde Chemnitz, das Museum Bautzen, das Grassi-Mu-
seum für Angewandte Kunst Leipzig und das Deutsche
Hygiene-Museum Dresden wurden in den letzten Jahren
mit dem Sächsischen Museumspreis des Kunstministeri-
ums besonders geehrt .
Auch die sächsischen Universitäten
unterhalten Muse-
en und Sammlungen . In der Schatzkammer des Buchmu-
seums der SLUB werden z . B . Kostbarkeiten aus dem Be-
stand gezeigt: die Maya-Handschrift, Wiegendrucke und
weitere einzigartige Handschriften .
Der Grundstein für das Museum der bildenden Künste Leipzig wurde im Jahr 1858 gelegt, als Mitglieder des Leipziger Kunstvereins ihre Idee in die Tat
umsetzten, mit einer Bürgerstiftung ein Museum zu gründen. Heute macht hier die Präsentation zeitgenössischer Werke und raumbezogener Installationen
auf den Terrassen, in den Höfen und Treppenhäusern die Begegnung von Kunst und Architektur in besonderer Weise erlebbar.

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Viele Feste für den Film
Sachsen ist Filmland . Und das nicht nur als Kulisse für Kino- und
Fernsehproduktionen im »Görliwood« genannten Görlitz . Neben einer
großen Anzahl von Kinos, die mit dem sächsischen Kinodigitalisierungs-
programm des Kunstministeriums unterstützt werden, gibt es in Sachsen
eine bundesweit einmalige Dichte an renommierten Filmfestivals .
Mit dem Leipziger Kurzfilmfestival
KURZSUECHTIG star-
tet die sächsische Festivalsaison . Im weiteren Jahresver-
lauf schließt sich das Filmfest Dresden an, eine der bes-
ten europäischen Kurzfilmadressen und im Jahr 2017
erstmals auch barrierefrei angeboten, danach das Nei-
ße-Filmfestival mit Spielstätten in Polen, Tschechien und
der Oberlausitz . Im Herbst laden der SCHLINGEL zum in-
ternationalen Kinderfilmfestival nach Chemnitz ein und
nach Leipzig eines der bestdotiertesten Dokumentarfilm-
festivals Europas: das ebenso vom Kunstministerium ge-
förderte Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
DOK Leipzig . Hier setzen Filme kulturelle Maßstäbe, re-
gen aber auch den Dialog in der Gesellschaft an, so-
wohl zu historischen als auch zu aktuellen Themen . Das
Kunstministerium hat daher die Filmförderung für diese
Festivals und weitere Institutionen wie die AG Kurzfilm,
In Sachsen ist eine Vielfalt von Filmfestivals entstanden, die deutschlandweit ihresgleichen sucht. Hier die Eröffnung von DOK Leipzig.

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die AG Animationsfilm, das Deutsche Institut für Anima-
tionsfilm und den Landesfilmverband in den letzten Jah-
ren deutlich erhöht .
Das sächsische Kunstministerium
hat sich auf die kul-
turelle Filmförderung spezialisiert, während die wirt-
schaftliche Filmförderung die Mitteldeutsche Medienför-
derungs-GmbH (MDM) in Leipzig übernimmt . Diese wird
von den Freistaaten Sachsen und Thüringen und dem
Land Sachsen-Anhalt sowie dem Mitteldeutschen Rund-
funk und dem Zweiten Deutschen Fernsehen getragen .
Rund 47.600 Stunden auf Film und Video
– das entspricht
ca . 32 .000 Spielfilmen – sowie Tondokumente mit einer
Gesamtlänge von etwa 48 .000 Stunden lagern
laut einer Umfrage in den Archiven staatli-
cher und nichtstaatlicher Einrichtungen, bei
Produktionsfirmen und TV-Sendern im Frei-
staat Sachsen . Sie halten wesentliche Mo-
mente der Geschichte in den letzten 150 Jah-
ren fest und sind einmalige und unverzicht-
bare Zeugnisse der Geschichte mit
großem Wert für die historische Er-
innerung . Das audiovisuelle Erbe
ist wichtiger Bestandteil des kul-
turellen Erbes, das in Sachsen mit
einem eigenen Programm gesi-
chert werden soll . In einem Mo-
dellprojekt wurden sorbische
Filme digitalisiert, restauriert
und archiviert .
Die historische Altstadt von Görlitz wird gern als Kulisse für nationale und internationale Filmproduktionen genutzt.
SCHLINGEL ist ein
Internationales
Filmfestival für
Kinder und junges
Publikum. Es fin-
det seit 1996 all-
jährlich in der
Woche vor den
sächsischen Herbst-
ferien in Chemnitz
statt und gibt einen
Überblick über die
neuesten internationalen
Produktionen im Kinder-
und Jugendfilmbereich.
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Das Festspielhaus Hellerau – 1911 als Bildungsanstalt
für Rhythmik erbaut – ist heute Sitz von HELLERAU
– Europäisches Zentrum der Künste Dresden. Nach
der wechselvollen Geschichte des Hauses begann in
den 90er Jahren die Wiederbelebung des Ortes durch
Kunst. Mittlerweile zählt HELLERAU zu den wichtigs-
ten interdisziplinären Zentren zeitgenössischer Künste
Deutschlands und Europas. Zeitgenössischer Tanz,
Neue Musik, Theater, Performance, Bildende Kunst
und Neue Medien sind hier zu Hause – auch die
Dresden Frankfurt Dance Company. Die Company
residiert zu gleichen Teilen in Dresden und Frankfurt
am Main.
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Es darf getanzt werden
Sachsen ist nicht nur die Wiege
des modernen Ausdruckstanzes,
sondern hat auch heute eine
vielfältige und lebendige Tanz-
szene, die sich immer besser
vernetzt und auch größer wird .
Über ein reiches Repertoire
an klassischem Ballett ver-
fügt das Ballett der Semperoper Dresden – ein Ensemble,
das auf eine Geschichte bis ins Jahr 1825 zurückblicken
kann, als Carl Maria von Weber die Einrichtung eines
festen Ballettensembles am Dresdner Hoftheater durch-
setzte . Die Tanz- und Ballettarbeit des Hauses umfasst
heute auch faszinierende Choreographien z . B . von Mats
Ek, David Dawson und William Forsythe und bewegt sich
kontinuierlich auf die Spitze der großen internationalen
Ballettensembles zu . Auch an vielen anderen Spielstätten
wird im Freistaat der Bühnentanz ausgesprochen kreativ
und vital gelebt – beispielsweise am Theater Chemnitz,
an der Leipziger Oper, der Dresdner Staatsoperette und
den Landesbühnen Sachsen in Radebeul .
Eine besondere Rolle spielt die Tanzpädagogik
in Sach-
sen . Am Rand von Dresden, in Hellerau, entwickelte sich
um 1900 ein Zentrum für modernen Tanz, das weltweit
Berühmtheit erlangte . Emile Jaques-Dalcroze unterrich-
tete hier Tänzerinnen und Tänzer in rhythmischer Gym-
nastik . Nicht einstudierte Tänze, sondern Improvisati-
on und körperliche Beherrschung standen im Zentrum .
Jaques-Dalcroze bildete in Hellerau Tänzer aus, die welt-
bekannt wurden . Nach seiner Flucht während des Ersten
Weltkrieges entwickelten seine Schüler wie Mary Wig-
man oder deren Schülerin Gret Palucca seine Tanzthe-
orien und -methoden weiter . Gret Palucca war es auch,
die 1925 die Palucca-Schule gründete . Auch heute ist die
Palucca Hochschule für Tanz Dresden eine weltweit ein-
zigartige Institution für die Ausbildung von jungen Tän-
zern . Zeitgenössischer und Klassischer Tanz sowie Im-
provisation werden zu gleichen Anteilen unterrichtet .
Der Ausdruckstanz
hat in Sachsen nach wie vor sein Zu-
hause: Das Europäische Zentrum der Künste in Hellerau
ist eine feste Größe der internationalen Tanzwelt . Inter-
nationale Tanzensembles gastieren regelmäßig in Sach-
sen, beispielsweise das Tanztheater Derevo oder Heike
Hennig & Co . Auch freie Tanzprojekte wie im Societa-
etstheater Dresden oder im Kellertheater der Oper Leip-
zig setzen die sächsische Tanztradition fort . In Leipzig
gibt es außerdem mit dem Internationalen Choreografi-
schen Zentrum auch ein freies Aus- und Weiterbildungs-
zentrum sowie ein Tanzarchiv, das Vorträge, Tagungen
und ein Festival organisiert . Bekannt ist die Internatio-
nale Tanzwoche Dresden, die aktuelle Entwicklungen aus
den Bereichen Tanztheater und Performance präsentiert .
Erstmals wurde im Jahr 2015
der mit 10 000
.
Euro do-
tierte »URSULA-CAIN-PREIS . DER SÄCHSISCHE TANZ-
PREIS« verliehen . Der Preis zeichnet alle zwei Jahre
sächsische Künstler aus, die Grenzen überschreiten, klas-
sisch und modern verbinden, Alt und Jung begeistern
und das Tanzland Sachsen prägen . Die Namensgeberin
Ursula Cain (1927–2011) wurde an der Mary-Wigman-
Schule und der Tanz-Akademie des Konservatoriums als
Tänzerin und Pädagogin ausgebildet .
Ausgezeichnet mit dem Sächsischen Tanzpreis 2017: das Ballett des Theater Chemnitz für die Produktion »Gesichter der Großstadt«

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Sachsen liest
Was wäre die Welt ohne Literatur?
Ganz verschiedene Bücher können
genau die Richtigen zur rechten
Zeit sein . Indem Literatur mit den
Mitteln der Sprache, mit genauen,
gründlichen Untersuchungen der
Wirklichkeit und einem offenen,
nachdenklichen Blick uns etwas
über uns selbst mitteilt, wirkt sie
heraus aus den Seiten der Bücher,
ins reale Leben hinein . Ob damals
zur Zeit Johann Wolfgang Goethes,
Erich Kästners, Victor Klemperers
oder heute .
Die Literatur in Sachsen
hat eine großartige Traditi-
on, und auch die heutige Generation wichtiger deut-
scher Autoren besteht zu einem nennenswerten Teil aus
Sachsen . Manche von diesen leben nicht mehr in ihrer
Herkunftsregion, andere haben sich erst im Laufe ih-
res Lebens für diese Gegend entschieden . Aber die Prä-
gung durch diesen Landstrich ist in ihre Literatur einge-
flossen . Die sächsische Literaturlandschaft ist vor allem:
reich und vielfältig . Schriftstellerinnen und Schriftstel-
ler, Übersetzerinnen und Übersetzer, Buchhändlerinnen
und Buchhändler, Stadtschreiber, Bibliothekare, Verbän-
de, Festivals oder Museen sind der Literatur verbunden .
Die Leipziger Buchmesse mit dem Lesefest »Leipzig liest«
oder das Literaturfest Meißen, das sich zu Deutschlands
größtem eintrittsfreien Open-Air-Lesefest entwickelt hat,
sind nur zwei Beispiele für die Leselust im Land . Beste
Ausbildung angehender Schriftsteller bietet das Deutsche
Literaturinstitut Leipzig (DLL) an der Universität Leipzig .
Literaturschaffende haben mit
dem seit über 20 Jahren
bestehenden Sächsischen Literaturrat einen starken und
geschätzten Verbündeten . Er organisiert Projekte, die in
ganz Sachsen ausstrahlen, so die Lesereihe »Landnahme«,
das seit mehreren Jahren erfolgreiche »Literaturforum Bi-
bliothek« in Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Bib-
liotheksverband oder die vom Literaturrat zusammen mit
dem Kunstministerium organisierte Vergabe des Sächsi-
schen Literaturpreises .
Der Freistaat Sachsen fördert Literatur und Sprache
mit
dem Ziel, freies literarisches Schaffen sowie öffentlich
wirksames literarisches Leben im Freistaat Sachsen zu
erhalten und zu aktivieren . Institutionelle Förderung er-
hält der Sächsische Literaturrat e . V . Weiterer Schwer-
punkt der Literaturförderung ist die individuelle Talente-
förderung von vor allem jungen Schriftstellerinnen und
Schriftstellern, literarischen Übersetzerinnen und Über-
setzern . Darüber hinaus können zum Teil auch sparten-
übergreifende Stipendien in Zusammenarbeit mit der Be-
auftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
für Studienaufenthalte im Ausland vergeben werden .
Seit 1993 zeichnet der Freistaat Sachsen
alle zwei Jahre
mit dem Lessing-Preis Persönlichkeiten aus, deren Wer-
ke in der von Lessing geprägten geistigen Tradition ste-
hen und die für die deutschsprachige Literatur oder das
deutschsprachige Theater Herausragendes geleistet ha-
ben: zum Beispiel Kurt Drawert, Carolin Emcke, Volker
Lösch, Monika Maron, Kito Lorenc und Ruth Klüger . Ver-
bunden ist der Preis mit je zwei Förderpreisen .
Der Leipziger Buchpreis
zur Europäischen Verständigung
wird von einem Kuratorium aus dem Freistaat Sach-
Übrigens ist in Sachsen ist die
älteste öffentliche Büche-
rei Deutschlands
zu finden: Sie entstand 1828 in Großenhain
mit 132 Büchern . Karl Benjamin Preusker (1786–1871) gilt als
Gründer der ersten Bürgerbibliothek Deutschlands .
Entspanntes Lesen in der Sächsischen Landesbibliothek –
Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)
Rechte Seite: Leipziger Buchmesse

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sen, der Stadt Leipzig, dem Börsenverein des Deutschen
Buchhandels und der Leipziger Messe GmbH verliehen .
Das Kunstministerium und die Stadt Leipzig stiften das
Preisgeld . Das Kunstministerium vergibt außerdem den
Literaturpreis der Kunstministerin, den alle zwei Jahre
ein jüngerer Autor erhält . Er ehrt Autoren und Autorin-
nen, die einen besonderen Bezug zu Sachsen haben . Be-
kannte oder bekanntgewordene Namen sind darunter, wie
Franziska Gerstenberg, Jan Kuhlbrodt, Andreas Altmann,
Jens Wonneberger, Undine Materni oder Thomas Böhme .
Die Verlagswirtschaft in Sachsen
hat nach der deutschen
Wiedervereinigung schwierige Zeiten durchstehen müs-
sen, viele Betriebe mussten sich umorientieren und einen
neuen Platz auf dem hartumkämpften Markt erobern .
Heute haben sich viele Verlage am Markt neu etabliert,
junge Verleger besetzen Nischen . Künftig werden beson-
dere Verlagsleistungen im Freistaat mit dem Sächsischen
Verlagspreis ausgezeichnet (siehe Seite 28) .
Im Domowina-Verlag
werden sorbisch- und deutschspra-
chige Bücher, Zeitschriften und Zeitungen zu sorbischen
Themen verlegt .
Kleine private, zum Teil preisgekrönte Buchhandlungen
haben sich mit Leidenschaft und Kreativität behaup-
tet oder sind neu entstanden . Vielfach sind sie kulturelle
Zentren in ihren Orten .
An der Spitze der wissenschaftlichen Bibliotheken
Sach-
sens steht die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und
Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) . Neben der Tech-
nischen Universität Dresden verfügen auch die ande-
ren Universitäten, Kunsthochschulen und Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften über hervorragende Bi-
bliotheken . So wurde die Universitätsbibliothek Leip-
zig als »Bibliothek des Jahres 2017« ausgezeichnet . Mit
der Deutschen Zentralbücherei für Blinde (DZB) in Leip-
zig hat Sachsen eine in dieser Form einmalige Einrich-
Bibliotheken
sind heute die am besten besuchten Kulturein-
richtungen . Sachsen hat mit über 450 öffentlichen und 43 wis-
senschaftlichen Bibliotheken eine besonders vielfältige Biblio-
thekslandschaft .
Die Bibliotheca Albertina ist die zentrale Einrichtung der Universitätsbibliothek Leipzig.

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tung . Aus den Beständen der DZB können beispielweise
tausende DAISY-Hörbücher über sächsische Bibliotheken
ausgeliehen werden . DAISY ist ein weltweiter Standard
für navigierbare, zugängliche Multimedia-Dokumente .
Öffentliche Bibliotheken
werden mit jährlich etwa 27
Millionen Euro durch die Kulturräume in Sachsen bezu-
schusst, deren Arbeit der Freistaat über das Sächsische
Kulturraumgesetz wesentlich mitfinanziert . Daneben gibt
es auch eine kontinuierliche fachliche Unterstützung
durch die vom Freistaat getragene Landesfachstelle für
Bibliotheken in Chemnitz . Mit 50 .000 Euro fördert das
sächsische Kunstministerium mit dem Literaturforum Bi-
bliothek Lesungen sächsischer Autoren und Übersetzer in
den Bibliotheken .
Der mit 10.000 Euro
dotierte Sächsische Bibliothekspreis
des Kunstministeriums in Kooperation mit dem Landes-
verband Sachsen im Deutschen Bibliotheksverband e . V .
prämiert herausragende und nutzerorientierte Biblio-
theksarbeit sowie Konzepte zur Bewältigung der Heraus-
forderungen des demografischen Wandels .
Die Digitalisierung von Beständen
aus wissenschaftlichen
und öffentlichen Bibliotheken sowie von bedeutsamem
Schriftgut aus weiteren Kultur- und Wissenschaftsein-
richtungen wird vom Freistaat Sachsen mit zusätzlichen
Mitteln unterstützt . Ziel ist ein möglichst umfassen-
der Online-Zugang zu Informationen und Objekten der
kulturellen und wissenschaftlichen Überlieferung des
Freistaates für Zwecke der Lehre und Forschung sowie
für die breite Öffentlichkeit . Die SLUB koordiniert die-
ses Landesdigitalisierungsprogramm, betreibt mit dem
Dresdner Digitalisierungszentrum ein führendes Zentrum
zur Massendigitalisierung und ist Mitglied im Kompe-
tenznetzwerk Deutsche Digitale Bibliothek .
Umfangreiche Kulturgüter
staatlicher und nichtstaatli-
cher Provenienz werden in den beim Staatsministeri-
um des Innern ressortierenden Sächsischen Hauptstaats-
archiven, aber auch in kommunalen Archiven bewahrt .
In den lokalen Archiven gibt es dabei eine enge Über-
schneidung der Aufgaben von Archiven, Bibliotheken
und Museen .
Die Deutsche Zentralbücherei für Blinde (DZB) in Leipzig versorgt blinde und sehbehinderte Menschen mit einem vielfältigen
Informations- und Literaturangebot. Sie ist nicht nur Bibliothek. In der DZB werden Braille- und Hörbücher, Zeitschriften,
Reliefs, Noten und vieles mehr produziert und zur kostenlosen Ausleihe oder zum Verkauf angeboten.
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Alte und neue sächsische Schule
Bildhauerei . Malerei . Zeichnung oder Grafik – die großen Traditionen
der bildenden Kunst wirken in Sachsen noch heute fort . Nicht nur in den
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, auch in Kunstmuseen, Galerien
und Ateliers lässt sich das Wirken von Malern, Bildhauern, Grafikern,
Fotografen, angewandten Künstlern und Vertretern neuer Genres erleben .
Künstlerinnen und Künstler präsentieren sich bei Symposien, auf Kunst-
messen und -festen oder auch in sogenannten Off-Räumen . Viele von
ihnen sind im Landesverband Bildende Kunst Sachsen e . V ., in Kunst-
vereinen oder in Verbänden für Design und angewandte Kunst organisiert .
Die Gemäldesammlung der Kunstsammlungen Chemnitz mit rund 1.400 Werken reicht von der Kunst des späten 18. Jahrhunderts bis in die unmittelbare Gegenwart.

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Bei der Förderung
stehen die Entwicklung neuer künst-
lerischer Ausdrucksformen, die nachhaltige Vermittlung
zeitgenössischer Kunst und Kultur sowie die Pflege des
künstlerischen Nachwuchses im Vordergrund . Über die
Kulturstiftung, also mit Mitteln des Freistaates, werden
Auslandsaufenthalte von Künstlerinnen und Künstlern
in Columbus/Ohio, Rom, Olevano Romano, Paris, Vene-
dig oder anderen Orten gefördert, Stipendien ausgereicht
oder Projekte unterstützt . Über den Kunstfonds des Frei-
staates Sachsen der Staatlichen Kunstsammlungen Dres-
den werden Werke bildender Künstler angekauft .
Sowohl die Hochschule für Bildende Künste Dresden
als
auch die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
sind geschätzte Adressen für bildende Künstler in Sach-
sen . Hier werden die Studierenden von Professoren und
Lehrenden mit internationalem Renommee und ausge-
wiesenem künstlerischem Werk betreut .
Auf Landesebene fördert
das Kunstministerium den Lan-
desverband Bildende Kunst Sachsen e . V . Institutionel-
le Förderung erhält auch die Galerie für Zeitgenössische
Kunst in Leipzig, deren Mitstifter neben der Stadt Leip-
zig und dem Förderkreis der Galerie für Zeitgenössische
Kunst e . V . der Freistaat Sachsen ist .
Der Kunst im öffentlichen Raum
fühlt sich Sachsen tra-
ditionell besonders verpflichtet, auch die Sächsische
Staatsregierung hat hier in den letzten Jahren viele fas-
zinierende Werke ermöglicht . Der Freistaat Sachsen hat
es sich zur Pflicht gemacht, bei geeigneten Bauwerken,
die er selbst errichten lässt, auch Aufträge an Künstle-
rinnen und Künstler für Kunst am Bau zu vergeben . Da-
mit wird die zeitgenössische bildende Kunst gefördert
und es werden gestalterische Akzente in den sächsischen
Städten und Gemeinden gesetzt . Darüber hinaus werden
Überlegungen angestellt, wie das künstlerische Werk in
Sachsen zu Lebzeiten und auch nach dem Tod der Kunst-
schaffenden bewahrt und sichtbar gemacht werden kann .
Teil der Lösung kann eine von den Künstlerinnen und
Künstlern lebenslang oder im Nachhinein von den Erben
bestückte Datenbank über ihre Arbeiten sein, die derzeit
unter Beteiligung der Kunstschaffenden und gefördert
vom Freistaat entwickelt wird . Außerdem wird an einer
Standortkonzeption zur Sicherung von Künstlernachläs-
sen gearbeitet .
Der Freistaat Sachsen
kauft jährlich wichtige Werke säch-
sischer Künstler an . Dies dient der Förderung junger ebenso
wie der Anerkennung älterer Künstler und der Ergänzung von
Sammlungen . Die Sammlung des Kunstfonds des Freistaates
Sachsen ist eine der bedeutendsten Kunstsammlungen zur säch-
sischen Kunst nach 1945 . Sie umfasst mehr als 30 .000 Werke al-
ler Genres der bildenden Kunst, darunter Malerei, Skulptur, Gra-
fik, Fotografie, Kunstgewerbe, Konzept-, Video- und Installati-
onskunst sowie Arbeiten im öffentlichen Raum . Seit 1992 wird
die Sammlung durch die jährlich stattfindenden Förderankäufe
des Freistaates Sachsen um zeitgenössische bildende Kunst al-
ler Sparten mit Bezug zu Sachsen ergänzt . Insgesamt investier-
te der Freistaat Sachsen in dieser Zeit rund 3,2 Millionen Euro .
Die Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und ein Museum
für Kunst nach 1945. Die GfZK fördert und vermittelt nationale und internationale künstlerische Positionen.

 
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Stark vor Ort:
Bundesweit einmaliges
Kulturraum-Modell
Sachsen hat als einziges Bundesland
mit dem Kulturraumgesetz ein transpa-
rentes und demokratisches Instrument
zur solidarischen Finanzierung von
Kultureinrichtungen mit regionaler
Bedeutung geschaffen . Es hat sich in den
über 20 Jahren seines Bestehens bewährt .
Die Kulturräume fördern kulturelle Einrichtungen
,
ein-
schließlich Musikschulen, und Maßnahmen von regiona-
ler Bedeutung als Pflichtaufgaben . Vor Ort in den Kom-
munen wird über die Förderung der Kultureinrichtun-
gen und Projekte entschieden . Das Land unterstützt die
Kulturräume bei der Finanzierung der Kultur jährlich
mit derzeit 94,7 Millionen Euro (Summen für 2017 und
2018), im Jahr 2014 waren es noch 86,7 Millionen Euro .
Damit konnte und kann in Sachsen ein flächendeckendes
Angebot an regional bedeutsamen Kultureinrichtungen
erhalten und gefördert werden .
Sachsen wird in acht Kulturräume unterteilt
:
Die drei
kreisfreien Städte Chemnitz, Dresden und Leipzig bilden
jeweils einen urbanen Kulturraum . Dazu kommen fünf
ländliche Kulturräume, gebildet jeweils aus zwei Land-
kreisen . Über die Förderung von Kultureinrichtungen
und Projekten wird dort eigenverantwortlich entschie-
den . Jeder Kulturraum erarbeitet dazu im Konsens von
Fachleuten und politischen Entscheidungsträgern eigene
Förderrichtlinien und Bewertungskriterien für die Kultur-
förderung . Über einen staatlichen Kulturlastenausgleich
und eine von den Kommunen aufgebrachte Kulturumla-
ge wird eine solidarische Finanzierung der Kulturange-
bote zwischen den kommunalen Gebietskörperschaften
im ländlichen Raum und dem Freistaat garantiert . Ge-
koppelt an die Finanzzuweisung des Freistaates mindes-
tens im Verhältnis zwei zu eins wird durch die Landkrei-
se eine selbst festgelegte Kulturumlage erhoben . Durch
einen sogenannten Sitzgemeindeanteil werden die ört-
lichen Kommunen angemessen an der Finanzierung der
regional bedeutsamen Einrichtungen und Maßnahmen
beteiligt .
Borna
Aue
Zwickau
Plauen
KULTURRAUM
LEIPZIGER RAUM
Seite 86
KULTURRAUM
VOGTLAND-ZWICKAU
Seite 78
LEIPZIG
Seite 68

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Aufgrund der Kulturhoheit der Länder liegt die Zuständigkeit
für Fragen der Kunst und Kultur bei jedem einzelnen Bundes-
land . Damit trägt jedes Land selbst
Verantwortung
für seine
kulturellen Werte und seine Kulturlandschaft .
Torgau
Hoyerswerda
Niesky
Görlitz
Bautzen
Meißen
Freiberg
Mittweida
Döbeln
Annaberg
KULTURRAUM
OBERLAUSITZ-
NIEDERSCHLESIEN
Seite 94
KULTURRAUM
MEISSEN-
SÄCHSISCHE SCHWEIZ-
OSTERZGEBIRGE
Seite 90
KULTURRAUM
ERZGEBIRGE-
MITTELSACHSEN
Seite 82
CHEMNITZ
Seite 74
DRESDEN
Seite 62

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Dresden: Kulturvolle
Sandsteinperle
an der Elbe
Seit 1837 das erste Dampfschiff
auf der Elbe verkehrte,
gehören die Personendampfer der Sächsischen Dampf-
schifffahrtsgesellschaft, der ältesten Raddampferflot-
te der Welt, zum Bild der Elblandschaft . Kurfürst Fried-
rich August I ,. genannt August der Starke (Regentschaft
1694–1733), entwickelte, angeregt durch eine Kava-
lierstour nach Italien, die Idee der Elbe als eines Cana-
le Grande, an dem nach dem Vorbild Venedigs Paläs-
te und Schlösser zugänglich sein sollten . Der legendäre
Kurfürst machte die Altstadt mit repräsentativen Bauten
wie Schloss, Hofkirche, Zwinger oder Japanischem Palais
zur Residenz . Auch sie orientieren sich zum Fluss . Spä-
ter kamen Semperoper, Brühlsche Terrasse, Albertinum,
Kunstakademie und Ständehaus hinzu . Jedes der Bau-
werke steht als Sehenswürdigkeit für sich . Endpunkte der
Festkultur des lebenslustigen und kunstsinnigen Regen-
ten waren Schloss Übigau im Westen und Schloss Pillnitz
im Osten .
Sachsens Kurfürsten und Könige
sammelten über Jahr-
hunderte kostbare und kuriose Gegenstände aus Kunst,
Naturwissenschaft und Technik . Kurfürst August, unter
dessen Herrschaft Dresden zu Wohlstand gelangte, leg-
te im Jahr 1560 mit der kurfürstlichen Kunstkammer den
Grundstein für die erste Dresdner Sammlung, die bereits
im 17 . Jahrhundert zu den berühmtesten Sehenswürdig-
keiten Europas gehörte .
Leben am Fluss . Die Elbe
formte das ausgedehnte Tal .
Rund 1 .000 grüne Hektar
säumen ihre Ufer . Stadtnahe
Weinberge und Schlösser an
Elbhängen, weite Wiesen und
Fluss-Auen . Atmosphäre und
Lebensqualität .

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Blick auf die Silhouette der historischen Dresdner Altstadt mit Hochschule für Bildende Künste, Frauenkirche, Ständehaus, Schloss, Hofkirche und Semperoper
Der Komplex des Dresdner Residenzschlosses beherbegt heute neben dem Neuen und Alten Grünen Gewölbe auch die Türckische Cammer.

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Die Sammelstücke wuchsen
so rasch in Art und Zahl,
dass schon im 18 . Jahrhundert Spezialmuseen gegründet
wurden . Die Sammlungen machen Dresden heute zu ei-
ner der wichtigsten Museumsstädte in Europa . Das be-
kannteste Museum der Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden (SKD) ist sicher die Gemäldegalerie Alte Meister,
als deren berühmtestes Werk die »Sixtinische Madonna«
von Raffael gilt . Diese Galerie ist eines von 12 Museen
der SKD . Die verschiedenen Museen befinden sich in sie-
ben prachtvollen Gebäuden, die allein schon einen Be-
such wert sind . Im Herzen der Dresdner Altstadt gelegen
ist das Residenzschloss . Der ehemalige Stammsitz des
Fürstengeschlechts der albertinischen Linie der Wettiner
beherbergt das Historische und das Neue Grüne Gewölbe,
das Münzkabinett, das Kupferstich-Kabinett, die Rüst-
kammer und die Türckische Cammer . Letztere birgt ei-
ne unverwechselbare Sammlung osmanischer Kunst . 160
Quadratmeter orientalischer Traum aus Gold und Seide
lassen erahnen, wie viel Bewunderung August der Starke
für die osmanische Kultur hegte .
Als »Museum der Moderne« ist das Albertinum
mit der
Galerie Neue Meister und der Skulpturensammlung
ebenso ein Besuchermagnet . Nach Umbau und Sanie-
rung bietet es durch riesige gläserne Schaudepots Einbli-
cke in das Museum und dessen einst verborgene Samm-
lung . Den Anlass für eine Neukonzeption des Museums
gab das Jahrhunderthochwasser der Elbe und ihrer Ne-
benflüsse im Jahr 2002 . Was damals als Katastrophe be-
gann und die Depots im Untergeschoss des historischen
Baus in Mitleidenschaft zog, stellte sich als Chance her-
aus . Denn drei Monate später versteigerten mehr als 40
zeitgenössische Künstler im Rahmen einer Auktion je-
weils aus ihrem Œuvre bekannte Werke . Der Erlös von
über 3,4 Millionen Euro gab die Initialzündung für die
Komplettsanierung des Albertinums – mit einem welt-
weit einzigartigen, hochwassersicheren Museumsgebäu-
de . Der Lipsius-Bau mit seiner markanten Glaskuppel, im
Volksmund Zitronenpresse genannt, zieht ebenfalls viele
Architektur- und Kunstfreunde an . Auch im Lipsius-Bau
untergebracht ist die Kunstakademie, eines der drei Ge-
bäude der Hochschule für Bildende Künste Dresden .
Weitere Museen der SKD
befinden sich im Zwinger: Ge-
mäldegalerie Alte Meister, Porzellansammlung und Ma-
thematisch-Physikalischer Salon; im Japanischen Pa-
lais mit dem Museum für Völkerkunde Dresden; im Jä-
gerhof mit dem Museum für Sächsische Volkskunst und
der Puppentheatersammlung; im Schloss Pillnitz mit dem
Kunstgewerbemuseum . Seit Ende 2016 gehört Egidio
Marzonas Archiv der Avantgarden des 20 . Jahrhunderts
zu den SKD . Diese Schenkung des deutsch-italienischen
Im April 2017 öffnete der komplett modernisierte Kulturpalast am Altmarkt seine Türen.

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Kunstsammlers erhält ein eigenes Museum im an der El-
be gelegenen historischen Blockhaus . Ebenfalls zum Mu-
seumsverbund zählen die öffentlich zugängliche Kunst-
bibliothek im Residenzschloss, der Kunstfonds mit ei-
ner Sammlung aller Genres der bildenden Kunst und das
Gerhard Richter Archiv im Albertinum .
Auch die Sächsische Landesbibliothek
geht auf eine
Gründung des Kurfürsten August von Sachsen im Jahr
1556 zurück . Sie wurde bereits Ende des 18 . Jahrhun-
derts öffentlich zugänglich gemacht . Internationalen
Rang besitzen die Sammlungen zur sächsischen Regio-
nalkunde, zu Kunst, Musik und Stenographie . 1996 fusi-
onierten die Universitätsbibliothek der Technischen Uni-
versität Dresden und die Sächsische Landesbibliothek zur
Sächsischen Landesbibliothek – Staats und Universitäts-
bibliothek Dresden (SLUB), die heute in Deutschland eine
führende Stellung bei der Digitalisierung von Kulturgut
einnimmt . Die Handschriftensammlung und die Musika-
liensammlung haben internationalen Rang .
Über 40 Museen laden in Dresden
zum Besuch ein . Das
im Jahr 2011 nach einem von Daniel Libeskind geleite-
ten umfassenden Umbau wiedereröffnete Militärhisto-
rische Museum der Bundeswehr zeigt auf knapp 20 .000
Quadratmetern Fläche die Militärhistorie als eine Kultur-
geschichte der Gewalt . Das vom Odol-Fabrikanten Karl
August Lingner angeregte Deutsche Hygiene-Museum
Dresden mit seinen Sonderausstellungen zwischen Ge-
sundheitsaufklärung, Kunstpräsentation und politischer
Diskussion macht über die Grenzen des Freistaates hin-
aus von sich reden . Ebenso sehenswert: die Technischen
Sammlungen . Einst hatten hier wichtige Firmen der Fo-
to- und Filmindustrie ihren Sitz . Heute befinden sich in
den ehemaligen Produktionsräumen spannende Ausstel-
lungen zur deutschen und vorwiegend sächsischen In-
dustrie- und Technikgeschichte . Zu den zehn Museen der
Stadt Dresden gehört neben den Technischen Sammlun-
gen auch die Städtische Galerie mit Sitz im Landhaus,
nicht weit von der Frauenkirche entfernt . Die ständi-
ge Ausstellung zeigt einen Streifzug durch die Dresd-
ner Kunst des 20 . und 21 . Jahrhunderts und wird ergänzt
von verschiedenen Sonderausstellungen .
Die Dresdner Musikfestspiele haben sich im Laufe ihrer nunmehr 40-jährigen
Geschichte zu einem bedeutenden Anziehungspunkt für ein Konzertpublikum und
Künstler aus aller Welt entwickelt – hier ein Konzert in der Dresdner Frauenkirche.
Konzerte und Kino open air – das bieten die Filmnächte am Elbufer vor traumhafter Kulisse.

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Dresden ist musikverliebt
.
Die Sächsische Staatskapel-
le, 1548 von Kurfürst Moritz von Sachsen als Dresdner
Musikalische Kapelle gegründet, ist das älteste Orches-
ter Europas und Klangkörper der Semperoper . Zu ihren
Kapellmeistern zählten Schütz, Hasse, Weber und Wag-
ner . Wagner feierte als Kapellmeister an der (ersten)
Semperoper Triumphe, bevor er – Mai-Revolutionär wie
Gottfried Semper – 1848 die Stadt verlassen musste . Die
Dresdner Philharmonie ist Musikfreunden aus aller Welt
ein Begriff . Der Dresdner Kreuzchor kann auf eine mehr
als achthundertjährige Geschichte zurückblicken . Von
den 28 Kreuzkantoren seit der Reformation prägte Ru-
dolf Mauersberger in seiner mehr als 40-jährigen Amts-
zeit den Chor wie kein anderer: Er belebte ihn nach dem
Zweiten Weltkrieg neu, bewahrte seine christliche Bin-
dung während zweier Diktaturen und führte den Chor
auf sein international anerkanntes Niveau .
Die Hochschule für Musik
Carl Maria von We-
ber ist eine herausragende Schmiede für
Opern- und Orchestermusiker, für künfti-
ge Profis in Jazz, Rock, Pop und Neu-
er Musik . Musikalischer Ausbilder
ist ebenso die Evangelische Hochschule für Kirchenmu-
sik, wie auch Frauenkirche, Kreuzkirche oder Kathedra-
le Aufführungsorte anspruchsvoller Konzertprogramme
sind . Dank zahlreicher Orchester, Chöre und Ensembles,
einer Vielzahl an Konzerten und Musikfestivals in und
um Dresden wehen das ganze Jahr hindurch unterschied-
lichste Klänge durch die Stadt . Seit April 2017 nach der
Sanierung auch im wieder eröffneten, denkmalgeschütz-
ten Kulturpalast, in dessen Herzstück, dem hochgelob-
ten Konzertsaal, die Dresdner Philharmonie aufspielt . Der
Kulturpalast ist zugleich Heimat der städtischen Zentral-
bibliothek und Spielstätte des Kabaretts Herkuleskeule .
Dresden hat eine jahrhundertealte Tradition
beim Feiern
glanzvoller Feste . Bereits die sächsischen Fürsten ließen
ihre Turnierspiele, Tierhatzen und Massenaufzüge von
Musik, Gesang und Tanz begleiten . Der Dresdner Karne-
val war legendär . Bis heute hat sich eine vielfältige
Festkultur erhalten . Dazu gehört auch der ältes-
te deutsche Weihnachtsmarkt, der 1434 ge-
gründete Striezelmarkt . Noch heute ver-
stehen sich die Dresdner aufs Feiern .
Das Elbhangfest, Kunst- und Bür-
Elektronische Musikperformance bei der CYNETART, einem internationalen Festival für computergestützte Kunst
Festspielhaus Hellerau
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gerfest zwischen den Dresdner Stadtteilen Loschwitz und
Pillnitz entlang der Elbe, zieht jedes Jahr zehntausende
Besucher an . Mit dem Dresdner Stadtfest in der Altstadt
wird jährlich im August ein Wochenende lang der Ge-
burtstag der Stadt gefeiert und Stadtteilfeste wie in Pie-
schen, Laubegast, im Hechtviertel oder in Gorbitz oder
die Bunte Republik Neustadt (BRN) sorgen den ganzen
Sommer über für Festlaune .
Seit vierzig Jahren laden die Dresdner Musikfestspiele
inzwischen eine prägende Kulturinstitution der Stadt –
im Mai und Juni nach Dresden ein . Die Vision des Inten-
danten Jan Vogler ist es, den Ruf der Musikfestspiele in
die Welt zu tragen und »Dresden in der ersten Liga der
Festivalstädte der Welt zu etablieren« .
400.000 Dixielandfreunde
machen alljährlich im Mai
Dresden zur europäischen Hauptstadt des Dixieland .
Große Konzerte mit Bands aus aller Welt im Kulturpa-
last, auf der Freilichtbühne Junge Garde und im Alten
Schlachthof tragen den Ruf des 1971 begründeten Dixie-
land-Festivals weit über Dresden hinaus .
Das Europäische Zentrum der Künste Dresden
, vormals
Dresdner Zentrum für zeitgenössische Musik, knüpft an
den Ursprungsgedanken seiner Gründer an: geistiger
und künstlerischer Ort zeitgenössischer Kunst und ihres
Dialogs über Spartengrenzen hinweg zu sein . Das Fest-
spielhaus Hellerau zählt zu den mehr als 30 teils auch
privaten Bühnen der Stadt, die neben Wahrzeichen wie
der Semperoper ein Theaterspektrum von Komödie, Ka-
barett, Sommerspiel und Puppentheater, Europas einzi-
gem Märchentheater, dem Theaterkahn auf der Elbe bis
hin zum Kammerspiel abdecken . Neuer Kultur- und Kre-
ativstandort ist das ehemalige Kraftwerk Mitte Dresden,
ein Industriedenkmal aus dem 19 . Jahrhundert, das seit
Ende 2016 die Staatsoperette Dresden und das Theater
Junge Generation beherbergt . Mit der Etablierung der
Bürgerbühne und streitbaren Inszenierungen hat sich das
Staatsschauspiel als Ort gesellschaftlicher Debatten un-
verzichtbar gemacht; zeitgenössische Kunst bahnt sich
ihren Weg auch in der Theaterlandschaft einer Stadt, die
ihre kostbaren Traditionen und kulturellen Schätze be-
wusst bewahrt .
Die Kulisse der Kunst- und Kulturstadt
wurde in der jün-
geren Vergangenheit auch zur Bühne für Bewegungen,
die dem demokratisch-europäisch toleranten Geist von
Stadt und Land entgegenstehen . Die »Initiative weltoffe-
nes Dresden«, ein Zusammenschluss der Dresdner Kultur-
institutionen, bietet seit Anfang 2015 in ihren Häusern
gezielt Veranstaltungen an, mit denen Weichen für eine
offene Gesellschaft, für Toleranz und Solidarität und ge-
gen Angstmacherei und Populismus gesetzt werden .
Kraftwerk Mitte

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Leipzig: Cooler Ort
der Kreativen
Die wievielte Messe gerade stattfindet
, weiß in Leipzig
niemand so genau – die Tradition reicht weit zurück .
1687 öffnete am Naschmarkt eine der ersten europäi-
schen Handelsbörsen, und die Buchmesse überflügelte
die Frankfurter Konkurrenz . Die Notentypen Breitkopfs,
des ältesten Musikverlages der Welt, wurden bis nach
Amerika exportiert . In der Zeit des frühen 18 . Jahrhun-
derts wurde Bach Thomaskantor und verbrachte hier sein
halbes Leben . In Leipzig erschien die erste gedruckte Zei-
tung Deutschlands, hielt Gellert Vorlesungen über deut-
sche Dichtkunst, begründete der Literat Gottsched die
deutsche Schauspieltradition . Wieland, Klopstock, Les-
sing und Goethe weilten in der Pleiße-Stadt Leipzig mit
seiner 1409 gegründeten Universität .
Im 19. Jahrhundert
war Leipzig eine Stadt der Verleger,
Arbeitervereine und Fabrikanten . Um 1830 sind die An-
fänge der Industrialisierung im Leipziger Raum zu beob-
achten . Zwischen Leipzig und Dresden wurde 1839 die
erste deutsche Eisenbahnfernverbindung eröffnet, weite-
re Eisenbahnlinien ließen schon bald einen Eisenbahn-
knotenpunkt entstehen . Damit konnte Leipzig seine Rolle
als deutsches Handelszentrum mit internationaler Bedeu-
tung für viele Jahrzehnte sichern und wesentliche Vo-
raussetzungen für den industriellen Aufschwung schaf-
fen . Im Jahr 1863 rief hier der Allgemeine Deutsche Ar-
beiterverein, aus dem später die SPD wurde, zu seiner
Gründungsversammlung auf .
Leipzig ist Musikstadt
, das spürt man auf Schritt und
Tritt . Im Stadtzentrum streben Schüler mit ihren Instru-
menten in die städtische Musikschule, im Musikviertel
hört man durch die offenen Fenster die Studierenden der
Hochschule für Musik und Theater »Felix Mendelssohn
Bartholdy« üben . Neben den regelmäßigen Konzerten in
der Hochschule, im Gewandhaus, in den Kirchen und an
vielen anderen Orten haben sich verschiedene Musikfes-
tivals etabliert, Straßenmusiker gehören zum Stadtbild .
Die Musik ist neben der Völkerschlacht
bei Leipzig im
Jahr 1813 die große Verbindung der Stadt zur europä-
ischen Geschichte . Die Lebensläufe von Musikern wie
Bach, Bartholdy, Schumann, Mahler und Wagner sind
eng mit der Geschichte Leipzigs verknüpft: Mehr noch,
alle großen Komponisten des 19 . und frühen 20 . Jahr-
hunderts haben hier studiert oder komponiert, gastiert
oder referiert . Kein Wunder: In Leipzig gab es das erste
deutsche Konservatorium – gegründet von Mendelssohn
Bartholdy . Gewandhaus und Oper waren wichtige Spiel-
stätten, dazu kamen die Musikverlage und die Piano-
fabriken . Leipzig verfügt über eine einzigartige Dich-
te an Komponistenhäusern und eine Vielzahl klassischer
Musikstätten . 23 dieser Orte sind seit 2012 im Stadt-
zentrum durch die fünf Kilometer lange »Leipziger No-
tenspur« verbunden . Hörszenen entlang der Notenspur
»Wahrhaftig hast du Recht .
Mein Leipzig lob ich mir .
Es ist ein Klein-Paris und
bildet seine Leute« . So erwies
Goethe, der große Universal-
gelehrte, einer der ältesten
Universitätsstädte seine
Referenz . Leipzigs neues
Kultur-Leben wächst aus alter
Kraft . Und immer wahrte die
Bürgerstadt selbstbewusst
ihre Unabhängigkeit .
Linke Seite:
Konzert am Bachdenkmal
Mit dem akustischen Leitsystem
unterwegs auf der Leipziger
»Notenspur«

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bringen dem Spaziergänger Musik und Musikgeschichte
der Stadt näher .
Die Stadt klingt. Noch heute
.
Wer aus dem Leipziger
Bahnhof tritt, kann die Musik schon förmlich sehen: St .
Thomas und St . Nicolai, die Wirkungsstätten Bachs, der
27 Jahre in der Stadt blieb, grüßen mit ihren Türmen .
Im Bach-Museum am Thomaskirchhof und beim jährli-
chen Internationalen Bachfest, einem der herausragen-
den kulturellen Ereignisse, wird jene Zeit wieder leben-
dig . Der Stiftung Bach-Archiv – Museum, Forschungs-
institut und Bibliothek – und dem Bachmuseum gelang
es in den letzten Jahren, Leipzig als international aner-
kanntes Bach-Zentrum zu etablieren . In der Thomaskir-
che erklingen noch heute die Motetten und Kantaten-
aufführungen der Thomaner . Der Knabenchor hat dazu
beigetragen, dass sich Leipzig zu einem Zentrum protes-
tantischer Kirchenmusikpflege auf höchstem Niveau ent-
wickelte . Jenseits der Thomaner halten heute Ensembles
wie das Neue Bachische Collegium Musicum und die Ca-
pella Fidicinia diese Traditionen lebendig .
Leipzigs internationaler Ruf als Musikstadt
ist eng mit
dem Wirken des Gewandhausorchesters verbunden . Als
Leipzigs Kaufleute einen Konzertverein ins Leben riefen,
dessen erstes Konzert 1743 stattfand, begründeten sie
das älteste bürgerliche deutsche Konzertorchester . Später
erhielt es den Namen »Gewandhausorchester«, der ihm
bis heute erhalten blieb . Die Mendelssohn-Festtage, in
Erinnerung an den einstigen Gewandhaus-Kapellmeister
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), sind ein be-
sonderer Höhepunkt im Leipziger Musikleben . Welch ex-
zellentes Orchester mit erstklassigen Musikern, die dem
Klangkörper einen ganz typischen Klang geben, in die-
ser Stadt beheimatet ist, zeigt sich auch an den Dirigen-
ten am Pult . Auch in jüngster Zeit steht dort immer wie-
der Weltklasse – erst Kurt Masur, dann Herbert Bloms-
tedt, Ricardo Chailly und nun Andris Nelsons .
Oper Leipzig
Grassi-Museum für Völkerkunde zu Leipzig: Die beeindruckende Sammlung von Objekten aus allen Kontinenten erzählt von vielfältigen Weltsichten und globalen
Verbindungen. Hier können Besucher mehr über das Leben, Glauben und Handeln in den verschiedenen Kulturen und Gesellschaften der Welt erfahren.
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Alle beziehen sich auch auf die Kompositionen
von Al-
bert Lortzing, Robert und Clara Schumann, geborene
Wieck, die in der Stadt lebten und arbeiteten . Die Ge-
burtsstunde der Leipziger Oper schlug bereits 1693 . Be-
kannte Komponisten und Musiker wie Georg Philipp Te-
lemann und E .T .A . Hoffmann haben hier gewirkt . Im Fo-
yer des Schauspielhauses erinnert heute eine Reliefplatte
an die Schauspielerin und Theaterreformerin Caroline
Neuber, die mit ihrer Theatertruppe im Großen Blumen-
berg am Brühl auftrat . Das Theater der Jungen Welt ist
das älteste Kinder- und Jugendtheater im deutschspra-
chigen Raum . Musikalisch eng mit der Stadt und dem
Hörfunk verbunden ist heute das Sinfonieorchester des
Mitteldeutschen Rundfunks, welches gemeinsam mit dem
MDR-Rundfunkchor im In- und Ausland vielbeachtete
Konzerte gibt .
Im Mendelssohn-Haus
ist die Felix-Mendelssohn-Barthol-
dy-Stiftung zu Hause, eine weltweit tätige Institution zur
Bewahrung und Verbreitung des Erbes Felix Mendels-
sohn Bartholdys . Sie betreibt das Museum am original
erhalten gebliebenen Wohn- und Sterbehaus, einem au-
thentischen Ort mit hoher musikalischer Kompetenz und
internationaler Ausstrahlung .
Seit 1991 mauserte sich »Leipzig liest«
, das einzigartige
Lesefest der Buchmesse, mit etwa 2 .000 Veranstaltungen
an vier Tagen überall in der Stadt und auf dem Messe-
gelände zum Markenzeichen Leipzigs . »Leipzig liest« Eu-
ropas größtes Lesefest, nimmt das Interesse auf, das die
Leipziger Buchmesse auf sich zieht, zu der jedes Jahr
rund 200 .000 Besucher kommen . Letztlich hilft die Buch-
messe auch dabei, dass wieder eine Verlagslandschaft
in der Stadt wächst . Viele große deutsche Verlage hat-
ten nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Geschäftssitz in
die westlichen Bundesländer verlegt . Obwohl es seit der
deutschen Einheit möglich ist, kamen nur wenige in ih-
re eigentliche Heimatstadt zurück . Doch auch die star-
ke und freie Kunstszene in der Stadt trägt dazu bei, dass
neue Verlage entstehen und gedeihlich wachsen .
Leipzig ist eine offene Stadt
, die viele Menschen an-
lockt . Wem heute Berlin zu kommerziell und zu groß ist,
der zieht von der Spree an die Pleiße und findet hier ein
überschaubares kulturelles Biotop . Das trägt auch die alt-
eingesessenen Kulturinstitutionen . So etwa das Museum
der bildenden Künste . Mit dem ebenso spektakulären wie
kontrovers diskutierten Neubau erhielten die Gemälde-
und Skulpturensammlung und die Graphische Sammlung
wieder ein eigenes Domizil inmitten der Stadt . Um 1858
hatten Leipziger Kaufleute, Verleger, Händler und Ban-
kiers das Museum der bildenden Künste Leipzig gegrün-
det . Seitdem sind mehrere Sammler ihrem Beispiel ge-
folgt und haben das Museum mit Schenkungen und Stif-
tungen bedacht .
Im Alten Rathaus
, einem der schönsten Gebäude der
Stadt, hat das Stadtgeschichtliche Museum sein Quar-
tier . Ihm zugeordnet ist das Völkerschlachtdenkmal . Das
umfassend sanierte Grassi-Museum beherbergt mit dem
Museum für Völkerkunde, das zu den Staatlichen Kunst-
sammlungen Dresden gehört, eine der bedeutendsten
Augustusplatz Leipzig mit Gewandhaus Leipzig, rechts das City-Hochhaus
mit einer Höhe von 142,5 Metern
Museum der bildenden Künste Leipzig

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Völkerkundesammlungen der Welt . Untergebracht sind
im Grassi auch das europaweit bekannte Museum für
Angewandte Kunst und das Museum für Musikinstru-
mente der Universität Leipzig .
In der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK)
, 1998
als Labor der Gegenwartskunst eröffnet, reicht das
Spektrum der gezeigten Werke von Gemälden, Gra-
fien, Fotografie, Collagen und Skulpturen bis zu In-
stallationen sowie Video und Medienkunst . Inno-
vative Ideen und Formate und eine intensive Ar-
beit auf dem Gebiet der kulturellen Bildung
sind das Marklenzeichen der GfZK .
Das Deutsche Buch- und Schrift-
museum
in Leipzig ist das welt-
weit älteste Fachmuseum sei-
ner Art . Das 1884 gegründete
Museum sammelt, bewahrt und er-
schließt wertvolle Zeugnisse der Buch-,
Schrift- und Papierkultur . Im vierten Erwei-
terungsbau der Deutschen Nationalbibliothek
in Leipzig hat für das Deutsche Buch- und
Schriftmuseum eine neue Ära begonnen . Kli-
matisierte Depots, erweiterte Arbeitsflächen und
großzügige öffentliche Bereiche bieten optimale
Bedingungen für die Bewahrung des Bestandes .
Das Zeitgeschichtliche Forum Leipzig
erinnert an
die Geschichte von politischer Repression, von
Opposition sowie von Widerstand und an die Friedliche
Revolution vor dem Hintergrund der deutschen Teilung
und dem Alltagsleben in der kommunistischen Diktatur .
Dazu kommt die Darstellung des Wiedervereinigungspro-
zesses .
Das Museum für Druckkunst Leipzig
hat sich der
Bewahrung eines bedeutenden Stücks Industrie-
kultur verschrieben . Durch die Kombination
einer produzierenden Werkstatt und eines
Museums ist es möglich, 500 Jahre Druck-
geschichte hautnah zu erleben . Die moder-
ne Ausbildung dieses Gewerbes zeigt sich im
Leipziger Westen, der als das wichtigste Krea-
tivzentrum in Sachsen gilt . Nachdem die dort
traditionell ansässigen Manufakturen, Fab-
riken und Industriebetriebe die Produktion
einstellten, nahmen nach und nach Künst-
ler, Gewerbetreibende und Kulturwirt-
schaftler die einstigen Brachen in Nutzung
und bewahrten sie so vor dem Verfall .
So ist die ehemalige Baumwollspinnerei
im Wes-
ten Leipzigs für viele Künstler und Galerien zu
einer wichtigen Plattform geworden . Vor hun-
Figur aus dem »Triadischen Ballett« nach dem Bauhaus-Lehrer
Oskar Schlemmer bei der euro-scene Leipzig, einem Festival
zeitgenössischen europäischen Theaters und Tanzes
In den vergangenen Jahren hat sich das Theater der Jungen Welt, das 1946 als erstes professionelles Theater für Kinder und Jugendliche in Deutschland gegründet wurde,
zu einem der renommiertesten deutschsprachigen Kinder- und Jugendtheater entwickelt und ist nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Gastspiel- und Festivaleinladungen
deutschlandweit und international präsent.

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dert Jahren tanzten hier Garnspulen auf den riesigen
Spinnmaschinen . In die Backsteingebäude zogen junge
Künstler, Agenturen, Architekten und Handwerker ein .
Neben der »Spinnerei« locken längst auch das Tapeten-
werk und das Westwerk in Galerien und offene Ateliers .
Im Leipziger Westen arbeiten auch viele bildende Künst-
ler der »Neuen Leipziger Schule«, die bei Liebhabern und
Sammlern auf dem internationalen Kunstmarkt hoch im
Kurs stehen . Namhafte Künstler wie Rauch, Baumgärtel,
Baumgartner, Eitel, Triegel und andere finden sich hier
mit ihren Ateliers genauso wie junge aufsteigende Ta-
lente . Die Malerei stützt sich in Leipzig auf eine lange
Tradition . Den guten Ruf begründet vor allem die Hoch-
schule für Grafik und Buchkunst .
Leipzig ist eine pulsierende Stadt
, die sich gern als Bühne
für Anhänger besonderer Milieus gibt . So beispielsweise,
wenn jedes Jahr zu Pfingsten die Stadt von zehntausen-
den schwarzgekleideten Menschen wimmelt, die hier ihre
besonderen Garderoben präsentieren und zur Musik von
über hundert Bands feiern . Wenn das Wave-Gotik-Tref-
fen, ein Musik- und Kulturfestival, stattfindet, dann sieht
Leipzig schwarz und keinen stört es .
Beim DOK Leipzig, dem Internationalen Leipziger Festi-
val für Dokumentar- und Animationsfilm, werden jähr-
lich über 300 Filme aus rund 50 Ländern gezeigt . Es ist
das größte deutsche und zweitgrößte europäische Festi-
val für den künstlerischen Dokumentarfilm . Das Festival
euro-scene Leipzig ist das einzige Festival für zeitgenös-
sisches Theater und modernen Tanz in den neuen Bun-
desländern und gehört zu den wichtigsten Avantgarde-
Festivals zwischen West- und Osteuropa .
Das LOFFT
, Produktionszentrum und Spielstätte für Freie
Darstellende Kunst in Leipzig, präsentiert Schauspiel,
Tanz und Performance . Wichtig ist es dabei, die Leipziger
Szene mit nationalen und internationalen Entwicklungen
in Kontakt zu bringen . Dies scheint überhaupt wichtigs-
tes Anliegen oder zumindest Nebeneffekt aller Leipziger
Aktivitäten in Kunst und Kultur zu sein – die Verbin-
dung zur Welt . Es kommen Studenten, Künstler, Forscher,
Fachkräfte, die in der Stadt berufliche Perspektive und
hohe Lebensqualität finden und sich mit ihren Familien
gern niederlassen . Das macht Leipzig zu einer der dyna-
mischsten Großstädte Deutschland und Kunst und Kultur
aller Ebenen tragen dazu ganz entscheidend mit bei .
Zweimal pro Jahr lädt die einstige Baumwollspinnerei
zum Rundgang durch ein Dutzend Galerien.
Karl-Liebknecht-Straße mit dem soziokulturellen
Zentrum »die naTo« e. V., das auch ein Kino beherbergt

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Chemnitz: Stadt der Moderne
CHEMNITZ, rund 850 Jahre alt, im Herzen Sachsens gelegen, hat sich
mit diesem Slogan neu erfunden . Geprägt von Industrie, als sozialistische
Musterstadt vom übermächtigen Appell »Proletarier aller Länder,
vereinigt euch!« des Karl-Marx-Monuments tief gezeichnet, stand
Chemnitz 1990 vor einem radikalen Umbruch .
Die westsächsische Stadt
hat ihn für sich genutzt, um
sich neu zu definieren . Sie ist nicht nur moderner Tech-
nologiestandort, sondern auch Kulturstadt . Symbolisiert
wird dies durch die neu entstandene Stadtmitte mit ih-
ren Bauten . Architekten wie Hans Kollhoff, Helmut Jahn
und Christoph Ingenhoven stehen dafür . Neben moderner
Baukunst: Kleinode wie die Villa Esche oder Gründer-
zeithäuser des Kaßbergs . Klassische Moderne, Bauhaus,
Jugendstil . In Chemnitz lässt sich all das finden . Der ers-
te Neubau einer Synagoge in Ostdeutschland – neben
Berlin – setzte nicht nur architektonisch ein Zeichen .
Chemnitz ist Museumsstadt:
Im berühmten halbrunden
Kaufhaus-Bau in der Brückenstraße in Chemnitz – ein
Werk des bedeutenden Architekten Erich Mendelsohn,
entworfen 1927 und drei Jahre später eröffnet – zeigt
seit 2014 das Staatliche Museum für Archäologie Chem-
nitz (smac) als Teil des Landesamtes für Archäologie
Sachsen eine Dauerausstellung und wechselnde Sonder-
ausstellungen . Hier werden 300 000
.
Jahre Menschheits-
geschichte erfahrbar .
Die Kunstsammlungen Chemnitz
reihen sich ein in die
Spitzengruppe der Kunstmuseen in Deutschland . Sie
beherbergen zum Beispiel die zweitgrößte Sammlung
von Gemälden Karl Schmidt-Rottluffs, des in Chemnitz
geborenen Malers des Expressionismus und Mitbegrün-
ders der Künstlergruppe »Brücke« . Unter Leitung der
Das vor allem durch moderne Bauten geprägte Zentrum von Chemnitz

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Ausstellungsbereich des
Industriemuseums Chemnitz
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Kunstsammlungen arbeiten das Henry van de Velde-Mu-
seum in der Villa Esche sowie das Schlossbergmuseum
Chemnitz als Museum für Stadtgeschichte . 2007 öffne-
te das Museum Gunzenhauser mit einer Dauerausstel-
lung zur Kunst der klassischen Moderne und der zwei-
ten Hälfte des 20 . Jahrhunderts mit Künstlern wie Edvard
Munch, Otto Dix, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rott-
luff .
Das Kulturkaufhaus DAStietz
vereint unter einem Dach
Volkshochschule und Stadtbibliothek, das Museum für
Naturkunde mit dem einzigartigen Sterzeleanum, einer
Sammlung versteinerter Baumstämme sowie die Neue
Sächsische Galerie, die städtische Sammlung sächsischer
Kunst nach 1945 . Aus dem alten Konsumtempel Tietz ist
ein einzigartiges Haus für Kultur, Bildung und generatio-
nenübergreifende Begegnung entstanden .
Das Deutsche SPIELEmuseum Chemnitz
, in seiner Art
einzigartig in Deutschland, sammelt historische, aktu-
elle und interaktive Spiele . Im Sächsischen Eisenbahn-
museum bekommen die Besucher neben der größten ur-
sprünglich erhaltenen funktionsfähigen Bahnbetriebsan-
lage über 40 Lokomotiven zu sehen .
Oder das Industriemuseum:
Eine neue Dauerausstellung
zeigt mehr als zwei Jahrhunderte Industriegeschichte .
Ein Höhepunkt der Ausstellung ist ein durch die gesam-
te Halle laufendes silbernes Band, auf dem die Auswahl
herausragender sächsischer Erzeugnisse und Erfindungen
zu sehen ist . Im Zusammenhang mit der 4 . Sächsischen
Landesausstellung wird das Industriemuseum als »Schau-
platz Maschine« den Wandel des sächsischen Maschinen-
baus vom englischen Spinnmeister und Maschinenbauer
Evan Evans bis zur Fabrik 4 .0 darstellen .
Eine Stadt denkt sich neu
.
Chemnitz schließt mit dieser
Entwicklung an die Aufbruchphase in Industrie, Küns-
ten und Architektur des frühen 20 . Jahrhunderts an –
als Textil und Werkzeugmaschinenbau zu »Arbeit, Wohl-
Das denkmalgeschützte Museumsgebäude des smac wurde nach Plänen des berühmten Architekten
Erich Mendelsohn gebaut und am 15. Mai 1930 als Kaufhaus Schocken eröffnet.

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Neue Synagoge
DAStietz, Kulturzentrum
stand, Schönheit« führten, wie es Max Klinger 1918 in
seinem Wandbild für den Stadtverordnetensaal darstellte .
Später folgte die Kraftfahrzeug-Industrie . Seit dem 14 .
Jahrhundert hatte sich Chemnitz, ausgestattet mit dem
Privileg zur Errichtung einer Landesbleiche, zum Zent-
rum der obersächsischen Leinenweberei und später der
textilen Produktion entwickelt . Georgius Agricola (1494–
1555), einer der bedeutendsten sächsischen Humanisten,
lebte von 1531 bis 1555 in der Stadt, wirkte als Bürger-
meister und verfasste hier sein montanwissenschaftliches
Hauptwerk »De re metallica« .
1799 wurde in Chemnitz die erste Spinnerei
errichtet;
eineinhalb Jahrzehnte später liefen in Kursachsen tau-
sende Spindeln . Den englischen Maschinen folgten säch-
sische Konstruktionen, den Spinnereien die Maschinen-
baubetriebe, die selbstverständlich erzgebirgisches Ei-
sen verwendeten, das mit Zwickauer Kohle geschmolzen
wurde . Chemnitz stieg zum »deutschen Manchester« auf .
Und auch die Kultur setzte Zeichen
.
Als am 1 . Septem-
ber 1909 das Neue Stadttheater seinen Spielbetrieb fest-
lich eröffnet hatte, machte in den folgenden Jahren mit
Richard Tauber eine bekannte Persönlichkeit die Chem-
nitzer Bühnen im Land bekannt . Heute sind die Thea-
ter Chemnitz ein Fünfspartentheater und bestehen aus
Oper, Ballett, Philharmonie, Schauspiel und Figurenthea-
ter . Der Theaterplatz mit dem Opernhaus, dem König-Al-
bert-Museum und der Petrikirche gehört zu den schöns-
ten baulichen Ensembles der Stadt .
International geht es jedes Jahr
in den Herbstferien beim
vom Kunstministerium geförderten Filmfestival für Kin-
der und junges Publikum »Schlingel« zu, seit 1996
eine feste Größe in Chemnitz . Tausende junge Besucher
sehen dann etwa 150 Filme aus über 50 Ländern . Verge-
ben wird hier auch der Europäische Kinderfilmpreis der
sächsischen Kunstministerin, der mit 12 .500 Euro do-
tiert ist .
Viele weitere kulturelle Höhepunkte
berei-
chern das Leben in der Stadt: die interkul-
turellen Wochen, die Tage der jüdischen
Kultur oder das sächsische Mozart-
fest, das sich einen guten Ruf als eines der bedeutends-
ten Klassikfestivals im Sachsendreieck Dresden-Leipzig-
Chemnitz erarbeitet hat . Die Chemnitzer Filmwerkstatt
belebt den Film für alle, die unabhängig bewegte Bil-
der produzieren wollen . Interkulturelle Begegnungen und
europäischer Austausch sind dem Verein dabei ein be-
sonderes Anliegen . Vereine wie der Kraftwerk e . V . mit
seinen soziokulturellen Angeboten für jedes Alter sind
inzwischen aus Chemnitz nicht mehr wegzudenken .
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Felsenlandschaft, Sächsische Schweiz
Südwestsachsen: Wiege des Instrumentenbaus
Der »Vogtländische Musikwinkel«
gehört zu den Welt-
zentren des Instrumentenbaus . Hier wird immer noch
alles gefertigt, was bläst, zupft, schlägt und streicht .
Das Geigenmacherdenkmal vor dem Paulus-Schlössel,
dem Musikinstrumenten-Museum Markneukirchens, er-
innert an die große Tradition des Instrumentenbaus .
Wo Meisterhände wertvolle Instrumente fertigen, wird
auch musiziert . Junge Instrumentalisten aus der ganzen
Welt treffen sich alljährlich zu Musikwettbewerben im
Vogtland . Der Internationale Akkordeonwettbewerb Klin-
genthal und der Internationale Instrumentalwettbewerb
Markneukirchen leben auch von der einmaligen Atmo-
sphäre des Instrumentenbaus .
Die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach
versteht
sich als »musikalischer Botschafter der Region« . Das Or-
chester verbindet mit seinen Konzerten die Freistaaten
Sachsen und Thüringen musikalisch . Darüber hinaus ko-
operiert das Orchester mit der Chursächsischen Philhar-
monie Bad Elster/Bad Brambach .
Dass die Kultur- und Festspielstadt Bad Elster
auf eine
lange Theatertradition zurück blicken kann, hat vor al-
lem mit Wasser zu tun . Die Heilquellen vulkanischen Ur-
sprungs machten Ende des 19 . Jahrhunderts Bad Elster
und Bad Brambach bei Badegästen beliebt . Die Kurgäste
vertrauten nicht nur der heilenden Wirkung der Quellen:
Musik und Theater taten das Ihrige . Die Chursächsische
Philharmonie knüpft heute mit ihren Konzerten im König
Albert Theater, im Königlichen Kurhaus und im Natur-
Theater Bad Elster an diese Tradition an . Dann heißt es
in den Sächsischen Staatsbädern wieder: »königlich ge-
nießen« mit den Chursächsischen Festspielen .
In Markneukirchen hängt der
Himmel voller Geigen . Geigenbauer
aus Böhmen hatten sich im 17 . Jahr-
hundert aus Glaubensgründen im
Elstertal niedergelassen und 1677
die erste Geigenmacherinnung
gegründet . Sie legten damit den
Grundstein für den Instrumentenbau
im Vogtland . Mit Stolz verweisen die
Markneukirchner auf die damit
350-jährige gelebte Tradition
des Musikinstrumentenbaues,
die 2014 in die Liste des
immateriellen Kulturerbes in
Deutschland aufgenommen wurde .
Die KUNSTSAMMLUNGEN ZWICKAU Max-Pechstein-Museum blicken auf eine 100-jährige Geschichte zurück.
1914 als König-Albert-Museum gegründet, geben sie einen Einblick in verschiedene Epochen der Kunstgeschichte.
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Plauen ist die größte Stadt
und kulturelles Zentrum im
Vogtland . Die Theater Plauen-Zwickau gGmbH als ein
Mehrspartentheater nimmt das Publikum nicht nur in ih-
ren traditionsreichen Stammhäusern in die Welt des The-
aters mit, sondern bringt diese auch an viele andere Orte
im Kulturraumgebiet sowie darüber hinaus .
Plauen ist Spitze
.
Das gilt natürlich insbesondere für
die handwerkliche Kunst, eben die Plauener Spitze . Sie
brachte in ihrer Hochzeit der Stadt einen Grand Prix
zur Weltausstellung 1900 in Paris und damit Weltruhm .
Noch heute findet man Plauener Spitze auf den Laufste-
gen der Modebranche genauso wie als dekorative Acces-
soires auf Tischen und an Fenstern . Wie stark die Plaue-
ner Spitze mit der Entwicklung der Stadt verbunden ist,
zeigen Spitzenmuseum und Schaustickerei .
Das Vogtlandmuseum Plauen
ist nach umfassender Sa-
nierung ein architektonisches Kleinod . Der Gebäudekom-
plex zählt zu den bedeutenden Beispielen gut erhalte-
ner frühklassizistischer bürgerlicher Architektur Mittel-
deutschlands . Zum Museum gehören auch das Hermann
Vogel-Haus in Krebes und die Galerie e .o .plauen . Bes-
ser bekannt unter seinem Pseudonym »e .o .plauen« – in
Verehrung an seine Heimatstadt – hat sich der brillante
Zeichner und Karikaturist Erich Ohser besonders mit sei-
nen Vater-Sohn-Geschichten weltweit einen Namen ge-
macht .
Aber auch in der Folkmusik
ist Plauen spitze, wird doch
im Plauener Malzhaus jedes Jahr zum Folkherbst von
Jury und Publikum der einzige Europäische Folkmu-
sikpreis Deutschlands verliehen, der Eiserne Everstei-
ner . Das Malzhaus, eines der ältesten Häuser Plauens, ist
seit 1989 soziokulturelles Zentrum und damit fest in der
Hand der Kultur . Konzerte von Rock bis Jazz, Blues und
Folk, Kino, Kabarett und Kleinkunst finden sich neben
einer Galerie mit Ausstellungen und Veranstaltungen zur
bildenden Kunst .
Das Konventsgebäude
, einziges erhaltenes Gebäude des
Deutschen Ordens in Mitteldeutschland, Besucherberg-
werk und Luftschutzmuseum, die liebevoll erhaltenen
sogenannten Weberhäuser im ältesten Teil Plauens, das
Weisbachsche Haus, ehemalige Kattundruckerei und äl-
testes Barock-Manufakturgebäude Deutschlands, in dem
künftig die Geschichte der Plauener Spitze ihr Domizil
erhalten soll, sind weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt .
Die Namen des Neuberinhauses
und -museums in Rei-
chenbach gehen auf Friederike Caroline Neuber zurück,
die 1725 ihre eigene Theatertruppe gründete, mit der sie
Musiktheater, Schauspiel, Ballett oder Konzerte: Das Theater Plauen-Zwickau präsentiert
einen vielseitigen Spielplan, der auch vielseitige theaterpädagogische Angebote umfasst.
In der Region um Markneukirchen werden seit rund
350 Jahren Musikinstrumente hergestellt.

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in ganz Europa berühmt wurde . Das Neuberinhaus ist
Teil der landkreiseigenen Vogtland Kultur GmbH, zu der
auch ein kleines, aber feines Haus der Soziokultur ge-
hört – die Göltzschtalgalerie Nicolaikirche in Auerbach –
sowie das Vogtländische Freilichtmuseum Landwüst, das
eine Reise in die Vergangenheit zum Leben wie zu Ur-
großmutters Zeiten ermöglicht . Auch das »Museum un-
ter Tage« – das Besucherbergwerk Grube Tannenberg am
Schneckenstein, das mit dem Vogtländischen Mineralien-
zentrum und dem Topasfelsen die »Topaswelt« bildet –
zählt zur Vogtland Kultur GmbH .
Das Museum Adorf
überrascht mit der deutschlandweit
größten Sammlung zum Thema »Perlmutter« . Zwischen
1719 und 1879 wurden im Vogtland 22 .000 Perlen ge-
funden . Mit dem Vormarsch der Industrie stieg die Fluss-
verschmutzung, die Perlenfischerei im Vogtland ende-
te im Jahr 1927 . Zum Museum gehören die Schauanlage
»Klein-Vogtland«, die Lust darauf macht, die Sehenswür-
digkeiten der Region auch vor Ort und in »wahrer Größe«
zu betrachten, sowie der Botanische Garten .
Im Geburtsort Sigmund Jähns
, des ersten deutschen Welt-
raumfahrers, präsentiert sich die deutschlandweit einma-
lige Raumfahrtausstellung mit fast 900 Quadratmetern
Ausstellungsfläche und 1 .000 Exponaten, darunter sogar
das MIR-Trainingsmodul . Weiterhin sehenswert sind die
Museen auf Schloß Voigtsberg in Oelsnitz im Vogtland .
Hier befindet sich das Teppichmuseum mit einer Ausstel-
lung zur Geschichte der Teppichindustrie . In der Kern-
burg entstand ein »Illusorium« – eine Dauerausstellung
zur Illustrationskunst .
Kultur wird im Vogtland
aber nicht nur von den Einrich-
tungen getragen, unzählige Vereine stehen für bewahr-
te und gelebte Traditionen der Heimatregion . Ein ein-
drucksvolles Spiegelbild dieser Vereinsarbeit liefert der
alle zwei Jahre stattfindende »Tag der Vogtländer« . Beim
größten Kulturfest der Region gestalten etwa 2 .000 Teil-
nehmer »ihren« Tag mit einem großen Festumzug und
abwechslungsreichen Programm des »Vogtländischen
Nachmittags« .
Zwickau ist nicht nur eine Stadt
mit automobiler Tra-
dition, sondern auch der Kultur . Schon zur Reformati-
onszeit gelangte Zwickau durch ein starkes Bürger-
tum zu Reichtum und Blüte, davon zeugen noch heute
am Hauptmarkt die prächtigen Fassaden der Bürgerhäu-
ser aus sechs Jahrhunderten . Mehr über die Geschichte
der Stadt erfährt man in den Priesterhäusern Zwickau,
die nicht nur als Denkmal an sich zu den ältesten er-
haltenen Wohnbauten Deutschlands zählen, sondern seit
2003 auch das Museum für Stadt- und Kulturgeschichte
beherbergen . Direkt gegenüber befindet sich die Galerie
am Domhof, die im Mittelalter Ort der ansässigen Latein-
schule war und sich heute in ihrem neoklassizistischen
Gebäude der Gegenwartskunst widmet .
Am Hauptmarkt ist die Musik zu Hause
.
Das Gewandhaus
– einst das Zunfthaus der Tuchmacherinnung – ist seit
1823 Hauptspielstätte des Theaters und das Zentrum des
Mehrspartentheaters mit Musiktheater, Schauspiel, Bal-
lett . Das Puppentheater – mit einer mehr als 60-jährigen
Geschichte – gehört seit der Spielzeit 2016/17 als kultu-
reller Eigenbetrieb zur Kultour Z . in Zwickau .
Robert Schumann wurde 1810
im Zwickau geboren . Im
Robert-Schumann-Haus Zwickau ist eine Dauerausstel-
lung zum Leben und Schaffen Schumanns und seiner
Gattin, der Pianistin Clara geb . Wieck, zu sehen . Zudem
beherbergt es die weltgrößte Schumann-Sammlung mit
mehr als 4 .000 Originalhandschriften des Künstlerehe-
paares sowie einen Konzertsaal . Dieser ist das Zentrum
des alljährlich stattfindenden Schumann-Festes, das auf
Die Chursächsische Philharmonie
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eine Tradition seit 1847 verweisen kann . Künstler von
nationalem und internationalem Rang zieht es jedes Jahr
in die Muldestadt, um das musikalische Erbe Schumanns
zu Gehör zu bringen . Alle vier Jahre tritt an seine Stel-
le der Internationale Robert-Schumann-Wettbewerb für
Klavier und Gesang . Der musikalische Nachwuchs prä-
sentiert sein Können alle zwei Jahre beim Kleinen Schu-
mann-Wettbewerb des Robert Schumann Konservatori-
ums im Fach Klavier .
Die Saxionade, das Glauchauer Jazz-Open-Air
, sowie das
internationale Swingfestival Swinging-Saxonia erwei-
tern den musikalischen Bogen der Region . Modern ist das
Programm des Soziokulturellen Zentrums Alter Gasome-
ter e . V . gestrickt . Hier reicht die Bandbreite der Veran-
staltungen von Comedy, Kleinkunst, Kino über Kneipen-
quiz und Poetryslam bis hin zu Konzerten von Jazz bis
Rock .
In der Nordvorstadt kann man
einem weiteren berühmten
Sohn der Stadt begegnen: Max Pechstein . Dem bedeu-
tenden Expressionisten und Brücke-Maler ist ein eigener
Ausstellungsbereich gewidmet . Die Kunstsammlungen
Zwickau tragen den Beinamen Max-Pechstein-Museum .
Der nach ihm benannte Kunstpreis der Stadt Zwickau
bildet zugleich eine »Brücke« zur aktiv gelebten Tradition
der Förderung der Gegenwartskunst . Der Max-Pechstein-
Preis ist ein internationaler Kunstpreis für Malerei, Gra-
fik, Plastik und künstlerische Projekte .
Zum Automobilbau
, der sich zu Beginn des 20 . Jahrhun-
derts zu einem wichtigen Industriezweig der Region ent-
wickelte, eröffnete im Jahr 2004 in den sanierten Gebäu-
den des ehemaligen Audi-Werkes das »Automobilmu-
seum August Horch« eine neu konzipierte Ausstellung .
Jetzt stehen hier Horch, Phaeton und Trabant nebenei-
nander . Zwickau wird im Jahr 2020 auch Hauptstand-
ort der 4 . Sächsischen Landesausstellung zum Thema
Industriekultur sein . Im sogenannten Audi-Bau in der
Audistraße 9 ist die Leitausstellung geplant .
Im Schlosspalais von Lichtenstein
wurde 2001 mit dem
Daetz-Centrum das weltweit erste Zentrum für inter-
nationale Holzbildhauerkunst eingeweiht . Im Museum,
zu dem eine Begegnungs- und Weiterbildungsstätte für
Künstler und Kunsthandwerker gehört, werden mehr als
600 Exponate aus fünf Kontinenten präsentiert .
Das Naturalienkabinett
im Museum Waldenburg zählt
mit seinen weit über 8 .000 Exponaten zu den ältesten
naturwissenschaftlichen Sammlungen in Deutschland .
Das Agrar- und Freilichtmuseum
Schloss Blankenhain
in der Nähe von Crimmitschau ist eine in Deutschland
einmalige Museumsanlage, die auf einer Fläche von elf
Hektar die ländliche Kultur, Technik sowie Lebens- und
Arbeitswelt Mitteldeutschlands präsentiert .
Das August-Horch-Museum im ehemaligen Zwickauer Audi-Werk zeigt die Geschichte des über einhundert Jahre alten westsächsischen Automobilbaus.
Robert-Schumann-Haus Zwickau

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Erzgebirge-Mittelsachsen:
Bergbau, Orgeln, Burgenland
Das Jahr 1168 war das Schicksalsjahr für Sachsen . Damals wurden hier
Silberfunde gemacht . Daraufhin berief Markgraf Otto von Meißen erfahrene
Bergleute aus dem Harz zum »freien Berg« . Mit ihrer Ansiedlung entstand
Freiberg, das sogleich Stadtrecht erhielt und im hohen Mittelalter die größte
Stadt in der Mark Meißen blieb . Damit hatte Markgraf Otto die Grundlagen
für den Jahrhunderte andauernden Erfolg des Bergbaus und den Wohlstand
des Landes geschaffen . Auf dem Freiberger Markt wurde ihm im 19 . Jahr-
hundert ein Standbild errichtet, auf dem auch sein alter sächsischer
Zuname zu lesen ist: Otto der Reiche .
Die Marienkirche
mit ihrer romanischen Goldenen Pfor-
te (um 1230) und der Freiberger Dom mit seiner Tulpen-
kanzel (um 1508) sind steinerne Zeugen einer mächtigen
und prächtigen Zeit . Sie sind auch heute Kulturdenkma-
le von europäischem Rang . In Schaubergwerken um Frei-
berg kann man mit Untertage-Führungen im Silberberg-
werk heute besichtigen, wo einst der Reichtum Sachsens
dem Fels abgetrotzt wurde . In den engen und dunklen
Stollen liegen die Wurzeln der wirtschaftlichen, politi-
schen und kulturellen Größe Sachsens . In Jahrzehnten
wurde Mine auf Mine ergraben . Auf Bergmannsschul-
tern wuchs Stadt auf Stadt in jenem Gebirge, welches

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das Erzgebirge heißen sollte . Die Bergleute erhielten vom
Markgrafen als oberstem Bergherrn gegen Zahlung von
einem Zehntel der Ausbeute das Schürfrecht .
Die durch Handel und Bergbau blühenden Städte
wettei-
ferten auch in der Kunst miteinander: Während Kurfürst
Moritz in der Residenz Dresden 1548 die »Hofcantorey«
gründete, stellten Städte wie Döbeln »Stadtpfeifer« an .
Daraus wurde das städtische Orchester; aus dem Marstall
der »Comödiensaal« . Freiberger Bürger gaben das Schau-
spielhaus Ende des 18 . Jahrhunderts in städtische Hand .
Noch um 1900 bestanden allein im Erzgebirge fünf städ-
tische Sinfonieorchester . Auf solch einem Fundament
lässt sich gut bauen – und Theater machen: 1993 schlos-
sen sich die Theater Döbeln und Freiberg zur Mittelsäch-
sischen Theater Philharmonie gGmbH zusammen und be-
spielen nunmehr den gesamten Kulturraum . Seit die 250
Quadratmeter große Seebühne auf der Erlebnistalsperre
Kriebstein im Jahr 2007 eröffnet wurde, ist die sächsi-
sche Theaterlandschaft um einen idealen Schauplatz rei-
cher .
Sachsen, ganz besonders das Osterzgebirge
, ist eine
Hochburg für Orgelfreunde aus aller Welt . Die Orgeln
von Gottfried Silbermann, der 1683 im erzgebirgischen
Kleinbobritzsch geboren wurde, stehen für außerge-
wöhnliche Klangschönheit und handwerkliche Qualität .
Schon Mozart befand: Es seien über die Maßen herrli-
che Instrumente . Trotz verheerender Kriege und Brände
sind von 46 Orgeln noch 31 erhalten . Die bekannteste er-
klingt im Dom in Freiberg, viele kleinere in den Dörfern
des Umlandes wie Frankenstein, Oederan oder Großhart-
mannsdorf . Alle zwei Jahre finden zu Ehren des großen
sächsischen Orgelbaumeisters in Freiberg die Gottfried-
Silbermann-Tage mit dem Internationalen Gottfried-Sil-
bermann-Orgelwettbewerb statt .
Die Zunft der Bergleute
brachte ein eigenes Selbstver-
ständnis hervor . Es gab wohl nur wenige Berufsgruppen,
die ihr Tagwerk mit einem Gebet und einem Lied began-
nen . Die eigenen Riten der Bergleute und ihre religiös-
kulturelle Haltung fanden ihr Abbild in den erzgebirgi-
schen Hallenkirchen und ihren Bildwerken . Die Standes-
vereinigungen der Bergleute, die Bergbrüderschaften und
Knappschaften, pflegen die bergmännischen Traditio-
nen bis heute: die großen Bergaufzüge, Bergparaden und
Bergfeste in den Bergstädten des Erzgebirges .
Das große »Berggeschrey«
, die sich schnell verbreitende
Kunde reicher Erzfunde im 15 . Jahrhundert, blieb nicht
ohne Folgen für die Wissenschaft . Unter den Spezialis-
ten, die der Bergbau nach Annaberg lockte, war 1523
auch Adam Ries . Jahrelang war er Bergschreiber und
Leiter der bekannten Rechenschule, die er im heutigen
Adam-Ries-Museum in Annaberg-Buchholz eingerichtet
hatte, um »dem gemeynen man« die Rechenkunst zu er-
schließen . Die Qualität seiner Rechenbücher sicherte ihm
über seinen Tod im Jahr 1559 hinaus bleibende Anerken-
Silbermann-Orgel im Freiberger Dom
Blick auf Johanngeorgenstadt/Erzgebirge
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nung . Die Originalhandschrift der »Coß«, eines mehr als
500 Seiten umfassenden Lehrbuches der Algebra, wird
heute im Erzgebirgsmuseum in Annaberg-Buchholz auf-
bewahrt .
Nachdem der Bergbau
durch nachlassende Vorkommen
im 17 . Jahrhundert an Bedeutung verlor, suchten die
Bergleute ihr Auskommen in der Textilproduktion und
der Holzwaren und Spielzeugherstellung . In den Holzar-
beiten vereinten sich altes bergmännisches Gedankengut
und die Sehnsucht des Bergmannes nach Licht . Der En-
gel als Beschützer und Lichtträger auf dem dunklen und
beschwerlichen Weg in den Berg wurde zur Symbolfigur
der frommen Bergleute des Erzgebirges .
Das Erzgebirge ist eine der Regionen
mit den meisten
Museen in Deutschland . Bergbauliche Anlagen über und
unter Tage, Besucherbergwerke, Bergbaulehrpfade und
technische Museen wie das Bergbaumuseum Oelsnitz/
Erzgebirge spiegeln die Leistungen, den Mut und Erfin-
dertum seiner Bewohner . Das Stadt- und Bergbaumuse-
um Freiberg, das Spielzeugmuseum Seiffen oder das Erz-
gebirgsmuseum Annaberg-Buchholz erzählen von ihrem
handwerklichen Geschick .
Die »artmontan-Kulturtage«
laden ein zu künstlerischen
und musikalischen Experimenten, Neukompositionen
und Inszenierungen, die ausschließlich in bergbaulichen
und Industrieanlagen stattfinden Raum, Atmosphäre und
Akustik ergänzen sich mit der Experimentierfreude der
Künstler, so dass eine außergewöhnliche Wirkung von
Klang und Farbe entsteht .
Nicht nur für die Annaberger
ist die Erzgebirgische The-
ater und Orchester gGmbH – sie besteht aus dem Edu-
ard von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz und
dem Erzgebirgischen Sinfonieorchester Aue – ein kultu-
reller Mittelpunkt . Die besondere Ausstrahlung und der
Wirkungskreis von Theater und Orchester reichen von
Aue bis Olbernhau, von Stollberg über Marienberg bis in
die Granitklippen der Greifensteine, der beliebten Natur-
bühne .
Zinngrube Ehrenfriedersdorf

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Widmen sich auch das Erzgebirgsensemble Aue
und die
Erzgebirgischen Jugendkulturtage besonders der Pfle-
ge von heimatlichen Traditionen, so führen der Litera-
turpreis »Kammerweg«, die Arbeit des Kulturzentrums
Schloss Schwarzenberg und die Kinder- und Jugendthe-
aterarbeit des Theaterpädagogischen Zentrums Stollberg
eine lebendige Kultur vor Augen, in der das zeitgenössi-
sche Schaffen breiten Raum einnimmt .
Das Musikfest Erzgebirge
, 2010 ins Leben gerufen, gilt
mit seinem Slogan »Hohe Kunst, tief verwurzelt« als eine
der jüngsten Kulturinstitutionen der Region . Im jährli-
chen Wechsel mit den Gottfried Silbermann-Tagen
bereichern diese zwei kooperierenden Festi-
vals die Region . Alle zwei Jahre kom-
men zum Musikfest Erzgebirge na-
tionale und internationale Musi-
ker sowie berühmte Dirigenten und
Chöre von Weltruf zusammen,
um in den schönsten Sakralbau-
ten Sachsens wie in Marienberg,
Zschopau, Schneeberg, Lößnitz,
Freiberg, Annaberg, Schwarzen-
berg einen Dreiklang aus Land-
schaft, Architektur und Musik
anzustimmen .
In Mittelsachsen
haben glanzvol-
le Zeiten ihre Spuren hinterlassen .
Malerische Burgen und Schlösser
bezeugen eine bewegte Vergangen-
heit . Dicke Mauern erzählen vom Herrschen und Kämp-
fen, von Jagd und Waldeslust . Heute bieten gotische
Wehrbauten, geschwungene Renaissancegiebel und ge-
pflegte Barockgärten die Kulisse für ein buntes Kulturle-
ben: Schloss Rochlitz über dem Muldental thronend, die
trutzige Ritterburg Kriebstein auf hohem Felssporn über
der wilden Zschopau, Schloss Lichtenwalde, die
Rochsburg sowie das Jagd- und Lustschloss Au-
gustusburg, die Krone des Erzgebirges mit Blick
über das hügelige Land .
Die Akteure in Sachen Kultur in Mittelsachsen
bauen aber nicht nur auf die historischen
Schätze . Sie haben eigene Höhepunk-
te des kulturellen Lebens angestoßen .
Dazu gehört ein Kulturfestival, wel-
ches inzwischen zu den vielseitigsten
und bedeutendsten in Sachsen zählt .
Alljährlich von Juni bis September atmet
Mittelsachsen Kultur . Das Festivalmot-
to »Landschaft genießen, Kultur erleben«
wird auf Burgen und Plätzen, in Kir-
chen, Klöstern, Parks und Schlössern, zu
Lande oder zu Wasser als oberster An-
spruch gesetzt . Jedes Jahr besuchen mehr
als 250 .000 Gäste die über 50 Veranstaltun-
gen in den Städten und Gemeinden Mittel-
sachsens . Tausende freiwillige Helfer tra-
gen zum Gelingen dieses großen Kultur-
festes bei .
Minerale, Edelsteine und Meteorite aus der ganzen Welt – zu sehen in der terra mineralia im Schloss Freudenstein in Freiberg.

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Rund um Leipzig:
Luther, Mühlen,
neue Seen
Im Mai 1532 fand auf der Burg
des Heidestädtchens (Bad) Düben
der Prozess des Rosshändlers Hans
Kohlhase aus Cölln an der Spree
gegen Günter von Zaschwitz statt .
Der adlige Strauchdieb hatte dem
Händler bei Wellaune an der Mulde
zwei Pferde gestohlen . Im Kampf
um sein Recht wurde aus dem
friedlichen Bürger ein Rebell .
Bildnis Martin Luthers aus der Werkstatt von Lucas Cranach d. Ä. (1532)
Bekannt wurde Kloster Nimbschen im Zusammenhang mit Martin
Luthers Frau Katharina von Bora. Sie lebte hier von 1509 bis 1523
als Nonne. Mit Hilfe von Martin Luther gelang ihr 1523 die Flucht.

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1540 wurde der Zeitgenosse Martin Luthers
in Ber-
lin hingerichtet . Heinrich von Kleist setzte ihm mit der
Novelle »Michael Kohlhaas« ein literarisches Denkmal .
Kalkmalereien im Turm der Burg Düben erinnern noch
heute an den »Kämpfer für das Recht« .
»Wittenberg ist die Mutter, Torgau die Amme
der Refor-
mation .« Dieses geflügelte Wort hat durchaus seine Be-
rechtigung . Martin Luther weilte über vierzigmal in Tor-
gau . Torgaus Bürgertum, durch Brauerei und Tuchge-
werbe zu Wohlstand gekommen, stand der Reformation
aufgeschlossen gegenüber . Unter dem Schutz der säch-
sischen Kurfürsten und Herzöge konnte Luther seine Re-
form der Kirche in Sachsen vorantreiben . Diese Entwick-
lung führte zu einer Spaltung der Kirche und mit dem
Augsburger Religionsfrieden von 1555 zur Anerkennung
zweier christlicher Bekenntnisse . Zeichen der engen Ver-
bindung von Glaube und Macht in Sachsen ist die von
Martin Luther am 5 . Oktober 1544 geweihte Torgauer
Schlosskapelle, die als erster protestantischer Kirchenbau
in die Geschichte eingegangen ist . Die Gassen der Alt-
stadt und das Schloss Hartenfels lassen noch heute den
Charakter der Residenzstadt der ernestinischen sächsi-
schen Kurfürsten während der Renaissance erleben . Im
Jahr 2017 öffneten im Schloss Hartenfels die Kurfürstli-
chen Gemächer des letzten ernestinischen Kurfürsten Jo-
hann Friedrich der Großmütige zu einer dauerhaften Ex-
position .
Vom Zisterzienserinnenkloster Marienthron
, das sich seit
dem 13 . Jahrhundert in Nimbschen nahe Grimma be-
fand, sind lediglich einige Mauerreste übriggeblieben .
Hier lebte Martin Luthers spätere Frau Katharina von
Bora, bis der Kaufmann Koppe die Edelfrau und weitere
acht ihrer Gelübde überdrüssige Nonnen – der Legende
nach – in leeren Heringsfässern zu Ostern 1523 aus dem
Kloster nach Torgau schmuggelte . Seit 2017 kann die sa-
nierte Katharina-Luther-Stube als einziger Gedenkort in
Deutschland für die Ehefrau des Reformators wieder be-
sichtigt werden .
Das Gebiet mit seinen Burgen und Schlössern
entlang der
Mulde gehört zur Ferienlandschaft »Tal der Burgen«, die
sich bis in die Dübener Heide erstreckt . Wo manch einer
nur Industrielandschaften des 19 . Jahrhunderts vermu-
tet, präsentieren historische Altstadtkerne sowie Schlös-
ser und Parkanlagen Spuren sächsischer Geschichte .
Hinter alten Mauern entfalten
heute zahlreiche Initiati-
ven ein munteres kulturelles Leben . So entwickelte sich
Schloss Colditz zu einem Kulturzentrum von überregio-
naler Bedeutung . In der Landesmusikakademie Sachsen
Schloss Hartenfels in Torgau: bedeutendes kurfürstliches Schloss, Festungsensemble und Meilenstein
der Kirchen- und Architekturgeschichte. Heute sind hier verschiedene Ausstellungen zu entdecken.
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im Schloss, vom Freistaat umfangreich saniert und 2010
in Betrieb genommen, finden Amateurmusiker aller Al-
tersgruppen, freie Projekt- und Schulensembles, Schu-
lensembles und die Sächsischen Landesjugendensembles
eine musikalische Heimat . Das Museum Schloss Frohburg
richtet mit einem »Museum zum Anfassen« seine päda-
gogische Arbeit und die kulturellen Angebote verstärkt
auf Kinder aus; eine »historische Schulstunde« vermittelt
Einblicke in das Schulwesen um die Jahrhundertwende .
Vielfältige Initiativen wie das soziokulturelle Zentrum
KuHstall Großpösna, das Kulturelle Aktionsprojekt Tor-
gau (KAP) – Kulturbastion oder das soziokulturelle Zen-
trum E-Werk Oschatz und auch die Kulturszene in Grim-
ma bieten in diesem Kulturraum ein breites Spektrum an
Kunst und Kultur . Das Künstlergut Prösitz fühlt sich be-
sonders der Förderung junger Künstlerinnen mit Kindern
verpflichtet .
Das Leipziger Symphonieorchester
prägt mit weit über
100 Konzerten im Jahr das Musikleben im Kulturraum
Leipziger Raum entscheidend mit . Sowohl Laienensemb-
les der Region als auch international anerkannte Künst-
ler spielen mit dem Orchester . Darüber hinaus haben
junge Musiker im Rahmen der Nachwuchsförderung die
Möglichkeit, sich in Konzerten zu bewähren . Vor allem
mit der Hochschule für Musik und Theater »Felix Men-
delssohn Bartholdy« in Leipzig besteht seit vielen Jah-
ren eine intensive Kooperation . Das 1963 gegründete Or-
chester begeistert nicht nur im Leipziger Raum mit an-
spruchsvollen und attraktiven Programmen, sondern
auch bei Gastauftritten im In- und Ausland .
Südlich von Leipzig
taucht eine einzigartige Kulturland-
schaft auf, genannt »Leipziger Neuseenland« . Seit der
Stilllegung der meisten Tagebaue nach dem Jahr 1990
füllen sich die Gruben . Für den Braunkohletagebau, der
sich auf bis zu 250 Quadratkilometern ausdehnte, muss-
ten 80 Dörfer weichen . Mit den neuen Seen wie dem
Kulkwitzer, Cospudener, Markkleeberger, Schladitzer See
oder dem Großen Goitzschsee ist eine attraktive Freizeit
und Erholungslandschaft entstanden .
Nordsachsen ist Mühlenland
.
Durch die Muldenaue führt
der 25 Kilometer lange Mühlen-Radweg allein an über
20 romantisch gelegenen Mühlen vorbei . Inhaber und
Mühlenland Norsachsen

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Müller laden ein, die fachgerecht und liebevoll sanier-
ten Bockwindmühlen, Turmwindmühlen oder Paltrock-
windmühlen zu besichtigen . Wissenswertes und Kurio-
ses begegnen hierbei dem Besucher: Mühlen, die als Aus-
sichtsturm im Siebenjährigen Krieg genutzt wurden, die
höchste Mühle Sachsens und Mühlen, die an einen an-
deren Ort versetzt wurden oder bereits in fünfter Gene-
ration in Familienbesitz sind . Zum Deutschen Mühlen-
tag jeweils Pfingstmontag stellt Nordsachsen diese wich-
tigen Zeitzeugen der Energieerzeugung und -nutzung
vergangener Jahrhunderte vor und bietet zugleich viel-
fältige Rahmenprogramme mit Ausstellungen, Bauern-,
Öko- und Kunsthandwerkermärkten und Konzerten un-
terschiedlicher Couleur .
Das Leipziger Symphonieorchester
Ob auf den Spuren von Ringelnatz wie hier im Museum Wurzen
oder bei einer Schreib- und Buchstabenwerkstatt: Kulturelle Bildung
wird mit Mitteln den Kulturraumes besonders gefördert.

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Entlang der Elbe: Inspiration für Künstler
Schluchten und Klammen, schattige Buchenwälder, schroffe Steilwände,
Tafelberge – dazwischen eingesenkt das Elbtal: die Sächsische Schweiz .
Über Jahrmillionen hat das Wasser der Elbe und ihrer Zuflüsse diese
bizarre Felslandschaft aus dem Sandstein gewaschen, ein Paradies für
Wanderer und Kletterer . 1990 erhielt diese einzigartige Naturlandschaft
mit ihrer artenreichen Pflanzen- und Tierwelt den Status »Nationalpark« .
Mit dem Nationalparkzentrum in Bad Schandau betreibt die Sächsische
Landesstiftung Natur und Umwelt eines der modernsten Naturschutz-
informationszentren Deutschlands .
Seit dem 18. Jahrhundert
haben sich Maler, Literaten und
Komponisten immer wieder vom Elbsandsteingebirge an-
regen lassen . Die Künstler der Romantik fanden hier alles,
was sie für ihre idealistischen Landschaften brauchten:
Felsentor und Abgründe, Wasserfall und mittelalterli-
che Burgen, Mondschein, aus den Schluchten steigen-
der Nebel . Caspar David Friedrich, Ludwig Richter und
Carl Friedrich Carus kamen und malten . Seitdem gehörte
es zur Tradition der Dresdner Kunstakademie, dass Stu-
denten zum Naturstudium elbaufwärts in die Sächsische
Schweiz wanderten . So findet sich im Lebenswerk von
Künstlern, die mit der sächsischen Landschaft verbunden
sind, fast immer ein von der Sächsischen Schweiz inspi-
riertes Werk .
Carl Maria von Weber
schuf hier seine Oper »Der Frei-
schütz« . Wohl keine Bühne kann ein besserer Schauplatz
für die »Wolfsschluchtszene« sein als eines der schönsten
Naturtheater Europas, die Felsenbühne Rathen – am bes-
ten zu erreichen von Dresden per Elbedampfer und dann
noch eine Viertelstunde zu Fuß den Amselgrund hinauf .
Auch das Festival »Sandstein und Musik« bezieht seine
Inspiration und seinen Namen von der Kulisse des Elb-
sandsteingebirges .
Vom Tal der Elbe bis hin zu den Kammlagen
des Osterz-
gebirges künden Burgen und Schlösser von einer wech-
Die Felslandschaft der Sächsischen Schweiz
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selvollen sächsischen Geschichte . Ob als Festung gebaut,
wie Burg Stolpen und die mächtige Anlage auf dem Kö-
nigstein oberhalb der Elbschleife gegenüber des Lilien-
steins . Ob als Raubritterburg wie Hohnstein oder als Fa-
miliensitz sächsischer Adelshäuser wie die Schlösser
Kuckuckstein und Weesenstein am Hang des Müglitztals .
Heute werden die Burgen und Schlösser meist als Muse-
en genutzt und bewahren hinter ihren dicken Mauern die
Sachzeugen einer bewegten Vergangenheit .
Das Osterzgebirgsmuseum
im Renaissanceschloss Lau-
enstein im schmalen Müglitztal präsentiert neben ver-
schiedenen Ausstellungen zur Regionalgeschichte, Natur
und Volkskunde eine ständige Ausstellung zu Leben und
Werk des berühmten Baumeisters der Dresdner Frauen-
kirche, George Bähr . Er wurde 1666 in Fürstenwalde bei
Lauenstein geboren und verbrachte hier seine Kindheit .
Alljährlich findet im Schloss Lauenstein ein deutsch-
tschechisches Künstlersymposium statt .
Als Erinnerung an Wagners Aufenthalt
in Graupa bei Pir-
na im Sommer 1846 wurden Anfang des 20 . Jahrhun-
derts im ehemaligen Schäferschen Gut, dem heutigen
Lohengrinhaus, Gedenkzimmer eingerichtet . Heute la-
den die aufwendig sanierten Richard-Wagner-Stätten in
Graupa ein, das Leben und Werk des Künstlers kennen
zu lernen .
Das älteste Schloss Deutschlands: die Albrechtsburg in Meißen, hier ein Blick in den größten Saal, die Große Hofstube
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Die Botanischen Sammlungen
gehören zur jüngsten Ge-
schichte von Schloss Pirna-Zuschendorf . Das Kunstblu-
menmuseum in Sebnitz und das Stuhlbaumuseum in Ra-
benau erzählen von den regionalen Besonderheiten der
kleinen und mittleren Städte . Das Lohgerber-, Stadt- und
Kreismuseum Dippoldiswalde zeigt in seinem aus dem
18 . Jahrhundert originalgetreu rekonstruierten Lohger-
berhaus, wie Tierhaut zu Leder verarbeitet wurde . In ei-
ner eigenen Galerie des Museums wurden über 1 .800
Werke mit Motiven und Landschaften der bedeutendsten
Künstler des Osterzgebirges gesammelt .
Silberbergwerke aus dem 12. Jahrhundert
fanden Ar-
chäologen erst in den letzten Jahren in Dippoldiswal-
de . Im besonderen Klima der verborgenen Stollen haben
zahllose Artefakte die Jahrhunderte überdauert – und es
wurde sichtbar, wie die Bergmänner in den engen Stollen
vor 800 Jahren gearbeitet haben . Mit einem 3-D-Scanner
vermessen Forscher die gefundenen Fragmente im Lan-
desamt für Archäologie in Dresden . Die Bilder des Scan-
ners lassen sich am Computer wie ein Puzzle zusammen-
setzen . So entstehen die Arbeitsgeräte von einst virtu-
ell wieder . Im Bergbaumuseum Altenberg finden sich mit
der Erzwäsche und einem Schaustollen viele Zeugnisse
des seit 1440 betriebenen Bergbaus im Osterzgebirge .
Über die Jahrhunderte
wuchs an den Hängen der »Son-
nenstube« Sachsens, im Meißner Land, der Weinbau zu
einem bedeutenden Wirtschaftszweig heran, der die Kul-
tur prägte wie auch das Aussehen der Dörfer und Städ-
te entlang des Elbtals . In Sandstein gefasste Brunnen,
Fachwerkhäuser, die sich über Jahrhunderte geneigt ha-
ben und inzwischen liebevoll restauriert wurden, Sitzni-
schen an Renaissanceportalen und weinumrankte Lau-
bengänge in lauschigen Höfen, über allem die Türme des
Domes: So wie der Maler Ludwig Richter die tausend-
jährige Stadt sah, ist Meißen heute wieder zu erleben .
Auf der heutigen Albrechtsburg wurde von 1710 an Eu-
ropas erstes Porzellan hergestellt . Es hat den Namen der
Stadt in der Welt berühmt gemacht . Seit 1863 wird es in
der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen im Stadt-
viertel Triebischtal gefertigt, wo eine Schauwerkstatt die
Handarbeit erleben lässt . Stadtmuseum und Theater Mei-
ßen, die Musikschule des Landkreises Meißen, der Kunst-
verein Meißen e . V ., das soziokulturelle Zentrum Hafen-
straße e . V . und viele Vereine tragen heute zu einem le-
bendigen kulturellen Leben bei .
Per Fahrrad oder mit dem Dampfschiff
– reizvoller lässt
sich das Elbtal kaum entdecken . Von Meißen aus strom-
ab am Fluss liegt Riesa . Die frühere »Stahlstadt« hat sich
zu einem modernen Wirtschafts-, Sport- und Kulturzen-
trum entwickelt und mit sportlichen Höhepunkten in der
neu gebauten SACHSENarena einen Namen weit über
die Region hinaus erarbeitet . Als Glanzlicht des kultu-
rellen Lebens präsentiert sich die Elbland Philharmonie
Sachsen GmbH, die mit einem vielfältigen musikalischen
Angebot auch in der Sächsischen Schweiz und im Os-
terzgebirge unterwegs ist . Von Meißen stromauf geht es
mit dem historischen Raddampfer weiter gen Radebeul .
Herrliche Weingüter, prunkvolle Adelssitze und stilvolle
Bürgerhäuser ziehen die Blicke auf sich . Eine malerische
Silhouette mit Wettinhöhe, Wasserturm, Friedensburg,
Minckwitzschem Weingut, Bismarck-Turm und Spitz-
haus, zu dem eine schnurgerade Treppe mit 365 Stufen
auf 52 Absätzen vom Tal hinaufführt .
Im Tal funkelt die Elbe, am Hang
reifen die Trauben . Vor über 800
Jahren begannen Mönche, Rebstö-
cke in die lieblichen Hänge an der
Elbe zu setzen . Die Weinberge zwi-
schen den ELBWEINDÖRFERN von
Diesbar-Seußlitz den Fluss hinauf
bis hin nach Pillnitz zählen heute zu
den nördlichsten in Europa .
Die farbschönen Steine alter Weinbergmauern speichern
die Sonne . Rebenhügel in sanft welligem Grün . Rhapso-
die in Farbe und Wein . Süden . Hier entdeckte der jugend-
liche Gerhart Hauptmann im »Eden von Hohenhaus« das
Paradies . Hier fand Karl May, der »Abenteurer im Geiste«,
Naturtheater vor einzigartiger Kulisse: die Felsenbühne Rathen

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einen Platz zum Träumen und Schreiben . Sein Domizil,
die große Villa Shatterhand, ist heute Karl-May-Museum .
Gleich nebenan im Garten steht das Blockhaus Villa Bä-
renfett und beherbergt ein Indianermuseum . Hier in Ra-
debeul verwirklichte der Naturheilkundler Friedrich Edu-
ard Bilz seine Reformideen . Er baute das erste Wellenbad
Deutschlands und seine Sanatorien auf, deren Naturheil-
empfehlungen Gäste aus aller Herren Länder anzogen .
In Radebeul steht heute das Stammhaus
der Landes-
bühnen Sachsen GmbH, des zweitgrößten Reisetheaters
Deutschlands . Außer an seinem reizvollsten Spielort, der
Rathener Felsenbühne in der Sächsischen Schweiz, gas-
tiert das Ensemble an vielen anderen Orten wie Meißen,
Großenhain, Bad Elster bis hin nach Sachsen-Anhalt .
Und in Radebeul produziert das Sächsische Staatswein-
gut Schloss Wackerbarth im barocken Ambiente von Wa-
ckerbarths Ruh Wein und Sekt . Das Weinbaumuseum im
ehemaligen kurfürstlichen Weinschlösschen Hoflößnitz
belegt mit verschiedenen Exponaten die Geschichte der
Weinwirtschaft im Elbtal .
Rauchschwaden und Gebimmel
locken von den Höhen der
Weinberge herab ins Lößnitztal . Der Lößnitzdackel, eine
der letzten Schmalspurbahnen Deutschlands, schlängelt
sich entlang des Lößnitzbaches den Berg hinauf in Rich-
tung Moritzburg . Schloss Moritzburg, benannt nach sei-
nem Erbauer Herzog Moritz und ab 1723 von Kurfürst
August dem Starken zu einem repräsentativen Jagd- und
Lustschloss umgebaut, liegt inmitten des Moritzburger
Teichgebietes . In den ehemaligen Königlichen Stallun-
gen gleich nebenan wird bis heute Pferdezucht betrieben .
Liebhaber hochkarätiger Kammermusik besuchen Moritz-
burg jedes Jahr im August, wenn weltberühmte Solisten
und Nachwuchsmusiker aus der ganzen Welt beim Mo-
ritzburg Festival im unverwechselbaren Ambiente von
Jagdschloss und Moritzburger Kirche zu hören sind .
In Moritzburg verbrachte Käthe Kollwitz
, eine der bedeu-
tendsten deutschen Grafikerinnen und Bildhauerinnen
des 20 . Jahrhunderts, vom Sommer 1944 an ihr letztes
Lebensjahr . In ihrem Sterbehaus mit Blick auf Schloss
und Teich gibt heute die Käthe-Kollwitz-Gedenkstätte
mit einer kleinen grafischen Sammlung Einblick in mehr
als 50 Jahre ihres künstlerischen Schaffens und fördert
mit Veranstaltungen und Ausstellungen die zeitgenössi-
sche Kunst .
Das sommerliche Moritzburg Festival hat inzwischen eine über 25-jährige Tradition, im Foto (Mitte) Jan Vogler, Mitbegründer, Künstlerischer Leiter, Cellist.

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Ostsachsen: Viele Kulturen
im Herzen Europas
Die Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban (Polen)
,
Löbau und Zittau schlossen sich 1346 als Oberlausit-
zer Sechsstädtebund zusammen . Ziel war der gemeinsa-
me Schutz der Handelswege und die Stärkung der Macht .
An wichtigen Fernhandelsstraßen wie der Via Regia von
Frankfurt am Main über Schlesien nach Krakau güns-
tig gelegen, waren die Oberlausitzer Handelsstädte reich
und mit Sachsens Wirtschaft traditionell verflochten . Die
»Via Regia«, Europäische Kulturstraße, und die »Via Sac-
ra« führen durch die Region .
Das Leben in Bautzen
wird seit Jahrhunderten vom Mit-
einander von Deutschen und Sorben bestimmt und noch
heute befinden sich hier die wichtigsten kulturellen sor-
bischen Institutionen . Die Volkskunst in Lied, Tanz, Po-
esie und bildender Kunst leistet neben der Sprache und
dem kirchlichen Leben einen wertvollen Beitrag zur
Wahrung der kulturellen Identität der Sorben . Zur Volks-
kultur der Sorben gehören auch Bräuche wie das Oster-
reiten oder die Vogelhochzeit .
Die Stiftung für das sorbische Volk
unterstützt als ge-
meinsames Instrument des Bundes sowie der beiden Län-
der Brandenburg und Sachsen die Bewahrung, Entwick-
lung, Förderung und Verbreitung der sorbischen Spra-
che, Kultur und Traditionen als Ausdruck der Identität
des sorbischen Volkes . Schwerpunktaufgabe dabei ist die
Förderung sorbischer Institutionen wie des Domowina-
Die mittelalterlichen Türme und
Basteien von BAUTZEN, der alten
Hauptstadt der Oberlausitz, erheben
sich weithin sichtbar auf einem
Granitplateau, zu dessen Füßen sich
die Spree durch das Tal schlängelt .
Die zum Teil sehr gut erhaltenen
Wehranlagen zeigen einstige
Geltung als Grenzfeste und politi-
sches Zentrum, die Sakral- und
Bürgerbauten wirtschaftliche Macht .
Sachsen und Brandenburg teilen sich mit dem Bund die Verant-
wortung für die
Stiftung für das sorbische Volk
, deren Auf-
gabe die Bewahrung und Entwicklung, Förderung und Verbrei-
tung der sorbischen Sprache, Kultur und Traditionen ist .
Blick vom Protschenberg auf Bautzens Altstadt

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Verlages, des Sorbischen Institutes, des Sorbischen Muse-
ums, sorbischer Bühnenkunst und der Domowina – Bund
Lausitzer Sorben e . V . Sie fördert beispielsweise Wett-
bewerbe zur Förderung musikalischen und literarischen
Nachwuchses sowie Kindertheatertage, ist Auftraggeber
und Herausgeber von Tonträgern und Notenmaterialien
oder Videofilmen in sorbischer Sprache .
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater
– N
ě
msko-Serbske
ludowe d
ź
iwadło – bietet als einziges zweisprachiges
Theater in Deutschland seine Inszenierungen in deut-
scher und sorbischer Sprache . Zum Publikumsmagneten
nicht nur für Bautzen, sondern für die gesamte Oberlau-
sitz hat sich der Bautzener Theatersommer entwickelt .
Das Sorbische National-Ensemble Bautzen
– Serbski lu-
dowy ansambl – pflegt mit den drei Sparten Ballett,
Chor und Orchester die kulturelle Tradition der Sorben .
Tanztheater und musikalische Märchen für Kinder gehö-
ren ebenso dazu wie Chorprogramme und Konzerte . Da-
bei verstehen sich die Mitglieder des Ensembles auch als
kulturelle Botschafter in einem vereinten Europa . Jähr-
lich bestreitet das Sorbische National-Ensemble eine
Vielzahl von nationalen und internationalen Gastspiele .
In Bautzen haben auch das »Haus der Sorben«
und die
Domowina – Bund Lausitzer Sorben e . V . hier ihren Sitz .
Die Domowina vertritt die Interessen des sorbischen Vol-
kes in der Öffentlichkeit . Zu ihren Zielen gehören die Er-
haltung und Entwicklung von Sprache, Kultur und Tra-
ditionen des sorbischen Volkes ebenso wie die Förderung
von Toleranz und Verständigung zwischen dem deut-
schen und dem sorbischen Volk .
Der Domowina-Verlag Bautzen
– Ludowe nakładnistwo
Domowina – gibt Bücher, Zeitungen und Zeitschriften
in obersorbischer, niedersorbischer und deutscher Spra-
che heraus . Das WITAJ-Sprachzentrum, eine eigenstän-
dige Abteilung der Domowina, im Jahre 2001 gegründet,
entwickelt Aktivitäten, die die sorbische Sprache erhal-
ten und ihre breite Anwendung fördern helfen . Dazu ge-
hört, dass sorbische Kinder ihre Muttersprache auf ho-
Osterreiten ist ein altes religiöses Ritual in der Oberlausitz.
Aufführung im Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen

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hem Niveau lernen und sprechen können und die sorbi-
sche Sprache in Kindergarten und Schule lebendig und
authentisch vermittelt wird .
Das Sorbische Institut
– Serbski institut – mit Sitz in
Bautzen und einer Arbeitsstelle in Cottbus erforscht
Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben in der Ober-
und Niederlausitz in Vergangenheit und Gegenwart .
Das Sorbische Museum Bautzen
– Serbski muzej – gibt
mit seiner Ausstellung im Salzhaus der Ortenburg einen
Überblick über die Geschichte der Sorben von den An-
fängen bis zur Gegenwart, ihre Kultur und Lebenswei-
se, die Sprach- und Literaturentwicklung sowie die sor-
bische bildende Kunst .
Im Sorbischen Künstlerbund
, der 1990 gegründet wurde,
sind fast 100 Schriftsteller, Komponisten, Schauspieler,
Tänzer, Musiker und Maler vereint .
Unweit von Bautzen, in der Kleinstadt Kamenz
am Ran-
de der Oberlausitz, wurde 1729 Gotthold Ephraim Les-
sing geboren, der große Dichter der Aufklärung, dessen
»Nathan der Weise« und »Emilia Galotti« Literatur- und
Theatergeschichte schrieben . Das Lessing-Museum be-
richtet von seinem Leben und Wirken – alle zwei Jah-
re finden hier die Kamenzer Lessing-Tage statt, zu de-
ren Eröffnung der Lessing-Preis des Freistaates Sachsen
verliehen wird . Anziehungspunkte für Besucher sind in
Kamenz das mit dem Sächsischen Museumspreis ausge-
zeichnete Museum der Westlausitz ebenso wie die sanier-
te Klosterkirche und Sakralmuseum St . Annen .
Hoyerswerda
war über viele Jahre der Lebensmittelpunkt
der Schriftstellerin Brigitte Reimann . Zwischen 1960 und
1968 entstanden in Hoyerswerda Werke, mit denen sie
sich einen Namen machte . Eine Plastik, das »Denkzei-
chen für Brigitte Reimann«, erinnert heute in Hoyerswer-
da an die unangepasste Schriftstellerin . Nicht nur die-
ses, sondern auch vieles andere im kulturellen Leben von
Hoyerswerda verdankt die Stadt dem Wirken des weit
über ihre Grenzen bekannten Hoyerswerdaer Kunstver-
eins e . V .
Das Zuse-Computer-Museum
in Zentrum Hoyerswerdas
lädt zu einer Entdeckungsreise in die digitale Welt ein .
Hier können Besucher die Erfolgsgeschichte des Compu-
ters nachverfolgen . Konrad Zuse, der 1928 in Hoyerswer-
da sein Abitur machte, wird auch der »Vater des Compu-
ters« genannt .
Der Ortsteil Schwarzkollm
der Stadt Hoyerswerda ist von
der Krabatsage geprägt . Bei den jährlichen Krabat-Fest-
spielen werden auf dem eindrucksvollen Gelände des
Mühlenhofs Inszenierungen über die sorbische Sagen-
gestalt aufgeführt . Die KRABAT-Mühle ist touristisches
Highlight: Hier wurde die »Schwarze Mühle« nachgebaut,
die als Hauptschauplatz der Krabat-Sage insbesondere
durch das Buch »Die schwarze Mühle« von Jurij Br
ě
zan
und den Roman »Krabat« von Otfried Preußler bekannt
wurde .
In Löbau
findet man die außergewöhnliche Villa Schmin-
ke des berühmten Architekten der Klassischen Moder-
ne, Hans Scharoun . Das Haus Schminke wurde um 1930
nach einem Entwurf des berühmten Bauhausarchitekten
errichtet .
Der Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien
ist nicht nur
geprägt von der Zweisprachigkeit der Deutschen und
Sorben, sondern auch durch das Dreiländereck Deutsch-
land, Polen, Tschechien . So versteht sich die zwischen
Deutschland und Polen geteilte Doppel-Stadt Görlitz-
Zgorzelec als eine Europastadt .
Das Schlesische Museum Görlitz
trägt mit seiner Arbeit
an der Nahtstelle Europas zum europäischen Brücken-
schlag über die Neiße bei . Es organisiert Ausstellungen
Die Via Sacra
verläuft durch das Zittauer Dreiländereck und
führt die Besucher auf alte Handelswege . 16 Stationen mit ein-
zigartigen religions- und kunsthistorisch bedeutsamen Kultur-
denkmalen in der Euroregion Neiße laden hier zum Besuch ein .
Auf deutschem und niederschlesischem Gebiet ist die Route zum
Teil identisch mit der historischen Via Regia und dem Jakobs-
weg . Die Route führt beispielsweise zur Evangelischen Brüder-
Unität Herrnhut, den Zittauer Fastentüchern, dem Freilichtmu-
seum Burg und Kloster Oybin, der Evangelischen Dorfkirche Cu-
newalde, zur Zisterzienserinnenabtei Klosterstift St . Marienthal
bei Ostritz oder zur Zisterzienserinnen-Abtei St . Marienstern .
Die Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben zu untersuchen –
das ist die Aufgabe des Sorbischen Instituts in Bautzen.

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mit deutschen und polnischen Partnern und für ein Pu-
blikum beiderseits der Grenze, knüpft wissenschaftliche
und menschliche Kontakte, führt das Gespräch über die
Vergangenheit und Zukunft Schlesiens .
Das Schlesische Musikfest
nahm die bereits im 19 . Jahr-
hundert gepflegte Tradition des musikalischen Austau-
sches der Regionen wieder auf und findet alle zwei Jahre
im Wechsel mit dem Lausitzer Musiksommer statt . Dieses
grenzüberschreitende Klassikfestival widmet sich der re-
gionalen Musikpflege aus sorbischer, mitteldeutscher und
europäischer Tradition . Eine lebendige Begegnung mit
anderen Nationalitäten und Kulturen praktizieren auch
die Schülerinnen und Schüler der Musikschulen der Eu-
roregion Neiße, wenn sie im »Europera Jugendorchester«
miteinander musizieren .
Europa ist Musik
– mit diesem Leitmotiv hat der Mee-
tingpoint Music Messiaen e . V . auf dem geschichtsträch-
tigen Terrain des ehemaligen Strafgefangenenlagers Sta-
Lag VIII A Görlitz eine Jugend-Kultur-Begegnungsstät-
te aufgebaut . Etwa neun Monate seines kreativen Lebens
verbrachte Olivier Messiaen als Gefangener hier und
komponierte eines seiner wichtigsten Werke: das »Quar-
Soziokulturelle Zentren
wie das Steinhaus in Bautzen, die
Kulturfabrik Hoyerswerda und die »Hillersche Villa« in Zittau
und Großhennersdorf haben sich mit ihrem vielfältigen und ge-
nerationenübergreifenden Angebot einen festen Platz im Kul-
turleben der Oberlausitz erarbeitet . Wer die Kunst in der Ober-
lausitz entdecken will, kann auch den »Kunstbus« nutzen . Der
Kunstbus ist temporäres Nahverkehrsmittel und Eventraum glei-
chermaßen . Er will an ausgewählten Wochenenden im Jahr die
Kunst- und Kulturschaffenden in der Oberlausitz miteinander
vernetzen und Kunstinteressierten den Zugang zu ihnen erleich-
tern . Zwischen den Stationen sorgen in den Bussen Performan-
ces, Aufführungen und Livemusik für eine kunstvolle und un-
terhaltsame Fahrt .
Blick über den Grenzfluss Neiße auf die Görlitzer Altstadt mit der Peterskirche

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tett für das Ende der Zeit«, das im Lager 1941 vor Mitge-
fangenen uraufgeführt wurde . Im Jahr 2008 hatte Olivier
Messiaen seinen 100 . Geburtstag . Seit diesem Zeitpunkt
– mit diesem visionären Komponisten als Impulsgeber –
treffen sich im Meetingpoint Music Messiaen Jugendli-
che und Künstler aus ganz Europa zu Kompositionswett-
bewerben, Lernwochen für Schulklassen, Instrumenten-
Workshops und musikalischen Aufführungen .
Nach dem aus Schlesien stammenden
Literaturnobelpreis-
träger Gerhart Hauptmann wurde das Theater der Region
benannt . Am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
sind an den beiden Standorten Görlitz und Zittau mit der
Neuen Lausitzer Philharmonie Schauspiel, Musiktheater,
Tanz und Konzert zu erleben .
Mit der 3. Sächsischen Landesausstellung
»via regia«, die
im Jahr 2011 in Görlitz stattfand, wurde auch der Kaiser-
trutz saniert . 2015 wurde in der dritten Etage des Kaiser-
trutzes die »Galerie der Moderne« eröffnet . Das Kultur-
historische Museum Görlitz präsentiert sich in insgesamt
drei denkmalgeschützten Gebäuden – neben dem Kaiser-
trutz im Reichenbacher Turm und im Barockhaus Neiß-
straße 30 .
Nördlich von Görlitz
durchfließt die Neiße die Land-
schaftsanlage »Fürst-Pückler-Park« Bad Muskau . Sein
Schöpfer, Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785–
1871), ließ sich von der idyllischen Tallandschaft inspi-
rieren und schuf hier ab 1815 ein Gartenreich beacht-
lichen Ausmaßes . Der etwa 598 Hektar große Park liegt
heute zu zwei Dritteln auf polnischem Staatsgebiet . Seit
2004 verbinden Fußgängerbrücken beide Parkteile wie-
der miteinander .
Die alte böhmische Königstadt Zittau
zeichnet sich aus
durch ein reiches kulturelles Erbe und eine kostbare Bau-
substanz von der Frühgotik über den Hochbarock bis zu
Karl Friedrich Schinkels Johanniskirche, einem Meis-
terwerk des Klassizismus . Den größten Schatz der Stadt
stellen die Zittauer Fastentücher als Zeugnisse sakra-
ler Kunst der Oberlausitz dar . Das in der Stadt ansässige
Zentrum für Oberlausitzer Heimatpflege widmet sich der
Erhaltung von Mundart und regionalen Traditionen der
vielfältigen Oberlausitzer Volkskultur .
Als 1722 der sächsische Reichsgraf Ludwig Nikolaus
von
Zinzendorf mährischen Glaubensflüchtlingen erlaubte,
auf seinem Grund und Boden in der Oberlausitz zu sie-
deln, ahnte er sicher nicht, dass er damit den Grundstein
einer weltweiten Erfolgsgeschichte legte . Fünf Jahre spä-
ter gründete sich dort die nach dem Ort benannte »Herrn-
huter Brüdergemeine«, heute als Brüder-Unität bekannt .
Eng mit ihr verbunden sind die weltweite Missionsarbeit,
die Sammlung wertvoller ethnografischer Kostbarkei-
ten aus fernen Ländern, die wirtschaftliche Entwicklung
bäuerlich geprägter Regionen auf allen Kontinenten im
19 . Jahrhundert sowie die beliebten »Herrnhuter Sterne«
und »Die Losungen – Gottes Wort für jeden Tag« .
Ein religiöser Kunstschatz von herausragender Bedeutung weit über
Deutschlands Grenzen hinaus ist das Große Zittauer Fastentuch von 1472.
Das internationale Straßentheaterfestival »Via Thea« in der Görlitzer Altstadt

 
Bildquellen:
Seite 1: Lisa Börnert
Seite 4: SKD/David Prinzer
Seite 5: SMWK/Martin Förster
Seite 6: David Nuglisch
Seite 8: Stephan Floss; smac/Michael Jungblut
Seite 9: Matthias Creutziger
Seite 10: Stephan Floss; Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Seite 11: Andreas Schmidt, Leipzig; Christoph Münch
Seite 12: David Nuglisch
Seite 13: Michael Lange
Seite 14: Dietmar Träupmann/Industriemuseum Chemnitz;
Hannelore Zschocke
Seite 15: Museum für Druckkunst Leipzig; Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 16: Eric Tschernow
Seite 17: Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein
Seite 18: Stiftung Haus der Geschichte/Christoph Petras;
Schlesisches Museum Görlitz
Seite 19: Sven Döring/Agentur Focus
Seite 20: Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 21: David Pinzer (SKD); Frank Exß
Seite 22: PUNCTUM/Bertram Kober
Seite 23: Stadtverwaltung Zwickau;
Palucca Hochschule für Tanz Dresden/Ian Whalen
Seite 25: Daniel Koch
Seite 26: Daniel Koch
Seite 27: Stephan Floss
Seite 28: Steffen Giersch
Seite 29: Blende auf – Fotostudio
Seite 30: Swen Reichhold
Seite 31: David Baltzer; smac/Jutta Boehme
Seite 32: Stephan Floss
Seite 33: Stephan Floss; Ian Whalen
Seite 34: DOK Leipzig/Henrike Schneider
Seite 36: Schlösserland Sachsen/Dittrich
Seite 37: Danny Otto; SKD
Seite 38: Gert Mothes
Seite 40: Klaus Gigga
Seite 41: Banda Internationale; Dirk Brzoska
Seite 42: Matthias Horn
Seite 43: Klaus Gigga
Seite 44: Hagen König
Seite 45: Roman Dobes; Dieter Wuschanski
Seite 46: Oliver Killig; David Prinzer
Seite 47: Oliver Killig; DHMD
Seite 48: Jutta Böhme/SMAC
Seite 49: Museum der bildenden Künste Leipzig
Seite 50: DOK/Susann Jehnichen
Seite 51: Stadtverwaltung Görlitz; Stephan Floss
Seite 52: High Breed/Paolo Porto
Seite 53: Dieter Wuschanski
Seite 54: SLUB Dresden/Henrik Ahlers
Seite 55: Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 56: Stephan Floss
Seite 57: DZB
Seite 58: Stephan Floss
Seite 59: Galerie für zeitgenössische Kunst/Sebastian Schröder
Seite 62: David Nuglisch
Seite 63: Oliver Killig
Seite 64: Christoph Münch
Seite 65: Sven Döring/Agentur Focus; Stephan Floss
Seite 66: Miguel Angel Regalado; Stephan Floss
Seite 67: Michael Schmidt
Seite 68: Dirk Brzoska
Seite 69: Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 70: Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 71: Jens Gerber (Gewandhaus);
Museum der bildenden Künste/Anselm Kiefer
Seite 72: Tom Schulze/Theater der Jungen Welt;
Euroscene Wilfried Hösl, München
Seite 73: Stephan Floss, Andreas Schmidt, Leipzig
Seite 74: Stephan Floss
Seite 75: Dirk Hanus
Seite 76: smac/László Farkas
Seite 77: Stephan Floss
Seite 78: Stadtverwaltung Zwickau/Gregor Lorenz
Seite 79: Theater Plauen Zwickau/Peter Awtukowitsch;
Stadtverwaltung Markneukirchen
Seite 80: Stadtverwaltung Zwickau/Gregor Lorenz;
Stadtverwaltung Zwickau/Helge Gerischer
Seite 81: Danny Otto
Seite 82: Stephan Floss
Seite 83: Stephan Floss
Seite 84: Michael Lange
Seite 85: Stephan Floss
Seite 86: SKD, Gemäldegalerie Alte Meister/Hans-Peter Klut; TMGS
Seite 87: Dirk Brzoska
Seite 88: Verein Mühlenregion Nordsachsen e . V .
Seite 89: Schweizerhaus Pücher e . V .; LSO gGmbH Andreas Döhring
Seite 90: Stephan Floss
Seite 91: Frank Hoehler,
Seite 92: Martin Krok/Montage: Martin Reißmann
Seite 93: Oliver Killig
Seite 94: Peter Wilhelm
Seite 95: Theater Bautzen, Gabriele Suschke; Archiv TMGS/Rainer Weisflog
Seite 96: André Wucht
Seite 97: Moritz Kertzscher; Kunstinitiative »Im Friese« e . V .
Seite 98: Rene Pech; Stadtverwaltung Görlitz/Reiner Weisflog
www .kulturland .sachsen .de
www .sorben .sachsen .de

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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Wigardstraße 17, 01097 Dresden
www .smwk .sachsen .de
Redaktion:
Pressestelle Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst unter
Verwendung von Texten von Annette Therese Jäger aus früheren Ausgaben
Redaktionsschluss:
Oktober 2017
Gestaltung und Satz:
blaurock markenkommunikation, Dresden
Druck:
Lößnitz-Druck
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