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© Landesamt für Archäologie mit
Landesmuseum für Vorgeschichte
Dresden.
Zu Füßen der Frauenkirche:
Ausgrabungen im Quartier III
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1 Ausschnitt aus: Stadtplan Dresden nach Heinrich
Koch, 1932–1935.
2 Ausschnitt aus: Plan der inneren Stadt Dresden im
Jahre 1707, kgl. Hauptstaatsarchiv.
3 Ausschnitt aus: Stadtplan Dresden, Städtisches
Vermessungsamt, 27. Auflage, 1994.
4 Ausschnitt aus: Fehlstellenkartierung Dresden
Altstadt, LfA Sachsen.
5 Ausschnitt aus: Menselaufnahme der Stadt
Dresden, Stadtvermessungsamt, 1900
.

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Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für
Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Das Stadtbild von Dresden schliesst sich. Zu Füssen der wachsenden Frauenkirche liegen mehrere Quartiere, die in den alten Konturen wiederentstehen sollen. Das Quartier
lll zwischen Frauenkirche, Neumarkt und Landhausstraße ist das erste, dessen Wiederbebauung jetzt konkret wird. Als erster Schritt wurde auf der gesamten Fläche gegra-
ben. Das Landesamt für Archäologie führte die Grabung mit namhafter Unterstützung der MÜBAU durch. Weitere Unterstützung gewährte das Arbeitsamt Dresden durch
die Bewilligung einer umfangreichen ABM.
Das ca. 2700 m2 große Areal war zuletzt eine Grünfläche im Zentrum der Stadt. Nichts deutete mehr darauf hin, dass sich hier elf Grundstücke befanden, die bis zur
Zerstörung im Februar 1945 dicht bebaut waren.
Fotos zeigen die geschlossene Barockarchitektur der Straßenfront. Zum Zeitpunkt der Zerstörung war das Quartier dicht belegt. Die Erdgeschosse beherbergten Geschäfte,
in den Hinterhöfen waren handwerkliche Kleinbetriebe angesiedelt, und die Obergeschosse dienten als Wohnungen.
Die Grabung begann am 01.08.2000. An ihr waren neben fünf Archäologen bis zu 80 Arbeiter, Zeichner, Studenten und Schüler beteiligt. Pünktlich zum 12.04.2001 end-
ete die Untersuchung. In der Zwischenzeit waren 65 Kellerräume und zahlreiche Siedlungsgruben freizulegen, zu dokumentieren und zu klassifizieren. Die Nachbereitung
der Dokumentation und der Funde endete zum 31.10.2001.

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Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
© Landesamt für Archäologie mit Landesmuseum für
Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Im Februar 1945 brannte das Quartier vollständig nieder. Die zu einem Block
zusammengeschmolzenen Schraubenzieher veranschaulichen eindrucksvoll das
Ausmaß der Zerstörungen. Die Ruinen sind im Zuge der Trümmerbeseitung nach 1950
gesprengt, die Keller eingeschlagen und mit Schutt verfüllt worden.
Zusammengeschmolzene Schraubenzieher aus dem Lager der Fa. Morgenstern
Blick von der Frauenkirche, vor 1945

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Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
2227 Grube, 2228 Verfüllung, Lage: Qu. 55,
56, 67, 68
Beschr.: Stark gestört, nur noch in Form eines
rundovalen Kreissegments erhalten, 1,5x1,0m,
Seiten vertikal, Boden vertikal, Tiefe ca. 0,9m,
Sohle unter 110, 57 m ü. NN. Heterogene
lehmige Verfüllung, enthält in moderater Zahl
Backsteinfragmente, Bruchsteine und
Kalkstippen, Keramik (Anzahl unglasierter
Scherben 2194, glasierter Scherben 586,
Gefäße oder sonstige Gegenstände 5). Strat.:
Eingetieft in Gewachsenen, geschnitten von
den neuzeitlichen Baugruben 2285 und 2176,
unter der Steinkonstruktion 2170 aus dem 16.
Jh.
Dat.: 1. Hälfte 16. Jh.
In den nicht unterkellerten Hofflächen sind die ältesten mittelalterlichen Gruben und Stakenlöcher erhalten geblieben
Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
Die Anfänge
Unscheinbare Gruben sind die ältesten Spuren menschlicher Tätigkeit an der Frauenkirche.
Dieser Befund ist insofern bemerkenswert, als dass die Frauenkirche als älteste Kirche
Dresdens angesehen wird, um die sich bereits im 10. Jahrhundert eine Siedlung etabliert
haben soll. Die Ergebnisse der unmittelbar an der Frauenkirche durchgeführten Grabung
widerspricht dieser gängigen Meinung eindeutig: Das Fehlen von Häusern und Funden aus
der vermuteten Gründungszeit der Frauenkirche zeigt, dass das Areal außerhalb der
geschlossenen Bebauung lag. Ab dem frühen 13. Jahrhundert wird die Fläche gärtnerisch
genutzt, erst im 14. Jahrhundert ist eine intensivere Nutzung nachweisbar.
Bis zum Festungsbau unter Herzog Moritz lag das Areal ausserhalb der Stadtbefestigung.
Erst die Stadterweiterung 1547/48 vereingte die Frauenkirche und die umliegendenen
Flächen mit der seit dem 13. Jh. durch eine Stadtmauer gesicherte Kernstadt. Der
Strassenverlauf und die Lage des Neumarktes spiegeln diese Geschichte wieder: Der Platz
markiert die vor dem 1548 abgetragenen Frauentor gelegene Freifläche, auf die nach
Osten führenden Strassen beginnen. Die Namen dieser Straßen – Rampische und
Pirnaische Gasse, die heutige Landhausstrasse– geben Auskunft auf die nächstgelegenen
Ziele. Längs der späteren Landhausstrasse etablierte sich bereits vor der Stadterweiterung
eine strassenbezogene Ansiedlung, die ihren auch heute noch nachvollziehbaren
Niederschlag in dem vergleichsweise hohen Baualter der an sie grenzenden Keller fand.
Um witterungsunabhängig arbeiten zu können, wird ein Zelt
gerichtet.
Ausgraben ist Handarbeit

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Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
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Vorgeschichte, Dresden. Alle Rechte vorbehalten.
Die Keller
Trotz stärkster Kriegszerstörungen ist die Kellerebene nahezu vollständig erhalten.
Nach 1950 hat man die Kellerdecken eingeschlagen und die Räume mit Schutt ver-
füllt.
Die Keller sind mit Hilfe eines Baggers wieder freigelegt worden. Abgesehen von den
Spuren der Hitzeeinwirkung wirken die Räume wie neu. Bei näherem Hinschauen ver-
raten sie jedoch ihre Geschichte, die im Gegensatz zu den Obergeschossen über die
Jahrhunderte zurückzuverfolgen ist. Die ältesten Keller sind im 15. Jahrhundert errich-
tet worden. Sie sind damit der Beleg dafür, dass sich bereits vor der Stadterweiterung
im 16. Jahrhundert vor den Toren der Stadt eine Vorstadt etablierte. Die Zerstörung
Dresdens durch preußischen Beschuss 1760 erreichte die Keller nicht, obwohl gerade
die Quartiere um die Frauenkirche besonders stark betroffen waren. Die letzten
Eingriffe wurden während des 2. Weltkriegs vorgenommen, indem Verbindungen zwi-
schen den einzelnen Räumen hergestellt wurden.
Um das Mauergefüge beurteilen zu können, wird der Putz abgeschlagen.
Barocke Kellerwand mit Weltkriegsdurchbruch
Vom Gerüst der Frauenkirche stellt sich die Kellerlandschaft zunächst als verwirrendes Labyrinth dar.

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Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
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Eine mit Töpfereiabfall verfüllte Grube wird ausgegraben. Auszug aus der Befundbeschreibung:
Bei den Befunden handelt es sich um Erdgruben, die sich über drei Grundstücke ausdehnten.
Auf Flurstück 149 fanden sich fünf Befunde in der rückwärtigen Hälfte (Befundnummern 2227, 2237, 2420,
2477, 2590) in scheinbar regelloser Lage. Bis auf Befund 2420 waren die unverbauten Gruben relativ stark
gestört und lassen die ehemalige Ausdehnung nur noch in Ansätzen vermuten. In den überwiegend lehmi-
gen, teils sandigen Verfüllungen fanden sich neben der Keramik vereinzelt Glas, verziegelter Lehm und
Holzkohle sowie Steine und Backsteinbruch.
Auf Flurstück 150 konnten im mittleren Abschnitt drei Gruben aufgedeckt werden. Befund 3257 war wiede-
rum bereits stark gestört. Es ließen sich dennoch zwei, fast ausschließlich aus Keramik bestehende
Verfüllungen unterscheiden, die aber in einem nicht allzu großen zeitlichen Abstand in den Boden gelangt
sein dürften, da es keinerlei Anzeichen gab, daß die Grube über einen längeren Zeitraum offenstand.
Die beiden Übrigen lagen in direkter Nachbarschaft zueinander und waren fast gänzlich ungestört. Die unte-
re Verfüllung zu 3066 bestand fast ausschließlich aus Keramik und enthielt außerdem Backsteinfragente,
deren starke Verglasungen an der Innenseite auf ihren ehemaligen Verbau in einem Töpferofen verweisen.
Die aufliegende Verfüllung enthielt hauptsächlich Bauschutt.
Beinahe ebenso rund war die Grube 3112. Neben sehr wenigen Scherben bestand die Verfüllung zu gerin-
gen Teilen aus einem tonigen Material, daß vielleicht als Rohton angesprochen werden kann und hier zur
Aufbereitung gelagert wurde.
Auf dem Grundstück 151 fand sich zunächst im mittleren Parzellenabschnitt das Segment der ehemals wohl
rundlichen Grube 4157 mit vielfältigen Keramikabfällen. Fünf weitere Gruben lagen unmittelbar an der nord-
östlichen Parzellengrenze und ließen sich zum Teil stratigraphisch voneinander absetzen. Soweit erkennbar
hatten zumindest zwei eine Rechteckform (4178, 4181). Hinsichtlich der Größe überragten besonders die
Gruben 4187 und 4181 die übrigen Befunde. Von den verbleibenden beiden Rundgruben 4195 und 4203
ist letzterer noch besonders zu erwähnen, da er an der Sohle eine noch halbkreisförmige ein bis zwei Lagen
starke Setzung aus Backsteinen enthielt, die Verglasungen aufwiesen. Vermutlich handelt es sich bei ihnen
um zweitverwendetes Baumaterial eines Töpferofens. Bis auf den letztgenannten Befund 4203 sowie die
Grube 3111 als potentielles Rohtonlager ließ sich für die weiteren Befunde keine spezifische Funktion erken-
nen. Zumindest diejenigen Gruben, die 10 000 oder mehr Scherben aufgenommen haben, könnten eigens
für die Entsorgung des Keramikabfalls angelegt worden zu sein.
Töpfer in Dresden
Auffällig sind die zahlreichen Nachweise von Töpfern, die hier um 1500 ansässig waren. Insgesamt sind 90.000 Scherben
von Fehlbränden geborgen worden, während vollständige Gefäße selten waren. Das Spektrum der hergestellten Gefässe
umfasst das gesamte Inventar an Haushaltskeramik und Ofenkacheln.
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Zu Füßen der Frauenkirche: Ausgrabungen im Quartier III
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Ofenkacheln und Figuren
Besonders auffällig sind die
Ofenkacheln und Figuren. Während
die meisten Kacheln unverziert sind
und als Schüsselkacheln mit der Öff-
nung nach außen in die Ofenwand
eingebaut wurden, zeigen einige auf-
wendig gestaltete Schauseiten. Eine
Blattkachel ist mit einer detailreich
gearbeitete Jagdszene versehen: Ein
an Tracht und Frisur erkennbarer
Höfling jagt mit Hund und Spieß
einen Hirsch. Dieses Motiv muss sehr
beliebt gewesen sein, denn es fan-
den sich mehrere modelgleiche
Stücke.
Unter den 90.000 Töpferei- funden
befinden sich insgesamt 16
Tonfiguren. Die Unterscheidung zwi-
schen Heiligenfigur und Spielzeug ist
nicht immer eindeutig zu treffen. Die
meisten Figuren dürften allerdings
Heilige darstellen. So sind insgesamt
zehn Jesusfiguren vertreten, sog.
„Bornkindl“, der nackte Knabe, der in
der Weihnachtszeit bekleidet und in
eine Krippe gelegt wird. Andere
Figuren zeigen Maria mit dem Kind
oder die heilige Dorothea.

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