Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
00:00:01
Moderatorin: Herzlich willkommen zu „Inklusiv“, dem Podcast des
Kultusministeriums zur schulischen Inklusion in Sachsen.
00:00:08
Moderatorin: Herzlich willkommen zur neuen Folge unseres Podcasts zur
schulischen Inklusion in Sachsen. Mein Name ist Heike Leschner. Ich werde Sie auch
in dieser Folge wieder begleiten. Und diesmal wollen wir über die Lernerfahrungen
eines Kindes mit sonderpädagogischem Förderbedarf und seiner Eltern sprechen,
da es im inklusiven Unterricht an einer Regelschule lernt. Wenn sich Eltern mit der
Frage beschäftigen, ob ihr Kind möglicherweise sonderpädagogischen
Förderbedarf hat und mit welchem Schwerpunkt, dann geht es im Hinblick auf die
zukünftige Schulwahl um ein paar sehr wichtige Aspekte. Wo und wie wird mein
Kind gleichberechtigt in den Schulalltag integriert? Wo wird es entsprechend seiner
Individualität und seiner Anlagen bestmöglich gefördert und somit auch motiviert,
gerne zur Schule zu gehen? Kurzum: Wo hat das Kind Spaß am Lernen? Sie merken,
es ist wichtig, den sonderpädagogischen Förderbedarf ganz genau zu überprüfen.
Aber wen fragen? Wer kann helfen? Welche Möglichkeiten gibt es? Und wer erstellt
schließlich ein detailliertes Gutachten, das Ihr Kind in all seinen Facetten
berücksichtigt? Vielleicht wissen Sie ja bereits, dass es in Sachsen zwei
gleichberechtigte Wege zur Förderung gibt. Einmal den Unterricht an der
Förderschule und den inklusiven Unterricht an einer Regelschule. Sie als Eltern
können, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, also den geeigneten Weg
für Ihr Kind wählen. Einmal vor der Einschulung und sogar während der Schulzeit.
Das ist ein unschätzbares Plus und wird durch das sächsische Schulgesetz
ermöglicht. Das stellt an die jeweiligen Lernkonzepte dann natürlich ganz
besondere Anforderungen. Was also ist zu tun? Sie werden überlegen, was Ihr Kind
ausmacht, welche Eigenheiten und Stärken es hat, welche Fähigkeiten. All das, was
Ihr Kind kann oder nicht kann, was es mag oder ablehnt, seine ganz eigene Art
werden Ihre Argumente für eine Schulart beeinflussen. Wir möchten Ihnen gern
dabei helfen, mit vielen Informationen und den Erfahrungen von Eltern, deren
Kinder bereits an einer Förderschule oder an einer Regelschule mit inklusiven
Unterricht lernen. Im Gespräch mit den Eltern werden für Sie die Vor- und Nachteile
der beiden Beschulungswege für Ihr eigenes Kind ganz sicher deutlich. Heute
besprechen wir den inklusiven Unterricht an einer Regelschule. Wie läuft ein Tag an
einer Schule mit inklusivem Unterricht ab? Wie tauschen sich Schülerinnen und
Schüler und ihre Eltern mit den Lehrerinnen und Lehrern aus? Und wie funktioniert

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Transkript zu Folge 3
auch der soziale Schulalltag, das Hortleben und wie sehen die außerschulischen
Aktivitäten aus? Ich freue mich diesmal, ein Elternpaar zu begrüßen. Annett und
Gunar Geuß aus Leipzig. Ihre Tochter hat sonderpädagogischen Förderbedarf im
Förderschwerpunkt Lernen und besucht die Carl-von-Linné Schule in Leipzig. Das ist
eine Grundschule. Herzlich willkommen, Herr und Frau Geuß.
00:03:01
Frau Geuß: Hallo.
00:03:01
Herr Geuß: Hallo.
00:03:01
Moderatorin: Wollen Sie sich kurz vorstellen? Wie alt sind Sie beide? Was machen
Sie beruflich? Was tun Sie außerhalb Ihrer Arbeit in der Freizeit sehr gerne?
00:03:11
Frau Geuß: Ich bin 47 und arbeite als Rechtsanwältin.
00:03:15
Herr Geuß: Ich bin 48, bin Diplom-Sportlehrer und habe ein kleines Fitnessstudio.
00:03:19
Moderatorin: Ganz sportliche Familie und ein Elternpaar, das beruflich ziemlich
eingespannt ist. So klingt es. Ihre Tochter lernt in welcher Klassenstufe?
00:03:30
Frau Geuß: Sie kommt jetzt in die Dritte zum neuen Schuljahr.
00:03:33
Moderatorin: Ich habe mich vorab ein wenig über die Schule informiert. Ich war
schon alleine von der Homepage ziemlich begeistert, muss ich sagen. Eine sehr,
sehr übersichtliche Seite. Einladend. Ich habe eine fröhliche Schulklasse gesehen,
die da von einem kunterbunten Foto schaut und mir hat ein Satz aus dem
Begrüßungstext für interessierte Besucher sofort zugesagt: "Es ist normal,
verschieden zu sein." Und der Satz steht da so ganz selbstbewusst und enthält eine
ganz klare Botschaft: Hier sind Kinder, egal wie sie sind, genau richtig aufgehoben.
Und es ist einfach die Vielfalt, die hier als das betrachtet wird, was sie ist. Eine
Stärke, zumal eine, die sich auf den gesamten Schulalltag bis in jede einzelne
Unterrichtsstunde auswirkt. Liebe Familie Geuß, wie ist denn die Schulklasse Ihrer
Tochter zusammengesetzt? Es ist inklusiver Unterricht, wie viele Kinder sind mit
sonderpädagogischem Förderbedarf in der Klasse und wie viele andere Kinder?

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Transkript zu Folge 3
00:04:29
Frau Geuß: Es sind meines Wissens 21 Kinder. Wie viele genau einen
sonderpädagogischen Förderbedarf haben, weiß ich nicht. Aber die Klasse ist
zumindest relativ Multikulti zusammengesetzt. Also es sind verschiedene
Nationalitäten auch in der Klasse und es gibt auch ein gemischtes Verhältnis Jungs
und Mädchen. Eher auch Kinder, die in ihrer Entwicklung schon ein Stück weiter
sind, die auch größer sind. Und dann natürlich die, die immer ein bisschen
langsamer sind. Eine bunte Vielfalt.
00:05:01
Moderatorin: Wie empfinden Sie als Eltern diese Klassenstruktur? Die
Zusammensetzung?
00:05:05
Herr Geuß: Ich würde sagen es ist genau passend. Dass in dem Sinne jetzt nicht
immer alles nur monoton ist, sondern schöne Vielfalt dann eben auch. Und ich
glaube, das merkt man auch bei den Kindern, dass die wenig Berührungsängste
haben.
00:05:18
Moderatorin: Wie sieht das Ihre Tochter selber?
00:05:22
Frau Geuß: Genauso. Also sie ist ja sowieso jemand, der sehr offen auf Menschen
zugeht, die sehr distanzlos ist, sag ich jetzt mal und eigentlich gern auf andere
Menschen zugehen, mit anderen Menschen spricht, andere Menschen beobachtet.
Sie mag das.
00:05:41
Moderatorin: Also ist sie ein neugieriges, offenes Kind. Kann man das so sagen?
00:05:43
Frau Geuß: Ja, das kann man so sagen.
00:05:47
Moderatorin: Der Papa nickt auch. Nun macht es ja das Wesen von Inklusion an
einer Regelschule aus, dass in einzelnen oder mehreren Klassen Schülerinnen und
Schüler lernen, die ganz besondere Unterstützung brauchen. Und an der Carl-von-
Linné Schule gibt es ja Schülerinnen und Schüler in vier verschiedenen
Förderschwerpunkt habe ich gesehen. Dazu gehört Lernen wie bei Ihrer Tochter.
Aber es gibt noch einen anderen Schwerpunkt bei Ihnen. Das haben Sie vorhin
schon erzählt Frau Geuß, welcher ist das noch?

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Transkript zu Folge 3
00:06:08
Frau Geuß: Das Sehen ist das noch. Unsere Tochter hat Probleme mit der visuellen
Wahrnehmung insbesondere.
00:06:14
Moderatorin: Also man kann auch Schwerpunkte sozusagen kombinieren?
00:06:19
Frau Geuß: Man kann es sich ja nicht aussuchen. Ich sag mal so, das ist ja das
Problem, dass die Formalien, die Einordnungen, die Typisierungen zu einem
Förderschwerpunkt verlangen und manchmal aber einfach die Kinder so besonders
sind, dass mehrere Förderschwerpunkt betroffen sind oder halt förderungsfähig
sind, wie man das auch nennt. Schwierig, es ist von jedem so ein bisschen, ein
bisschen lernen, ein bisschen sehen, das eine mehr, das andere weniger. Und das
wird bei anderen Kindern auch so sein.
00:06:56
Moderatorin: Haben Sie eigentlich bereits vor Schuleintritt geahnt, dass Ihre
Tochter ein Problem oder gar eine Behinderung im Bereich des Lernens hat? Und
woran haben Sie das bemerkt?
00:07:05
Frau Geuß: Das war uns eigentlich schon klar, weil wir im Alter von knapp zwei
Jahren die Diagnose bekommen haben, dass sie das Williams-Beuren-Syndrom hat.
Und das geht halt mit einer mehr oder weniger großen
Entwicklungsverzögerungen einher und da waren natürlich auch im Kleinkindalter
schon bestimmte Defizite bemerkbar. Und sie ist ja auch seit ihrem dritten
Lebensjahr in einer integrativen Kindertageseinrichtung gewesen und da war das
eigentlich erkennbar und absehbar, dass sie ein Förderschwerpunkt hat.
00:07:43
Moderatorin: Wie geht man dann so auch im Kindergarten damit um? Sind die
Erzieherinnen da sofort im Bilde? Wie, Sie haben es ja gerade schon verglichen, bei
einem Kind mit Down-Syndrom und sagen: Ja, das habe ich gelernt in meiner
Ausbildung oder auch schon in meiner Praxis. So gehe ich mit diesen Kindern um,
auf diese und jene Punkte muss ich achten. Sie lächeln. Ich glaube, da gab es einige
Schwierigkeiten. Wollen Sie das beschreiben?
00:08:05
Frau Geuß: Sie war ja zuerst in einem ganz normalen Kindergarten, der nicht
integrativ gearbeitet hat. Da hatten wir ja noch keine Diagnose. Und als die dann

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feststand, war aber auch klar, dass sie da irgendwie Unterstützung braucht. Und
dann sind wir halt in einen integrativen Kindergarten gewechselt nach Eutritzsch.
Das war das Beste, was wir machen konnten. Die Erzieher dort in der Gruppe waren
langjährig erfahren mit Integrationskindern ohne jegliche Berührungsangst. Also es
geht nicht, gibt es nicht. Die haben sich den Herausforderungen gestellt, haben
sich auch selber belesen. Und ich sage mal so, die haben schon ganz andere Kinder
groß gekriegt. Da war unser Kind noch ein Leichtes dagegen und das hat ihr viel
auch ermöglicht und eine gute Entwicklung beschert.
00:08:56
Moderatorin: Also hat sie eine schöne Kindergartenzeit gehabt, viel gelernt, sich
entwickelt, wie Sie gerade sagen. Aber nach dem Kindergarten, nach der Kita
kommt die Schule. Und dann war es an Ihnen beiden, sich auch über die passende
Schulart Gedanken zu machen. Haben Sie sich dahingehend auch vorher
professionell beraten lassen, bzw. wo haben Sie das gemacht?
00:09:16
Herr Geuß: Ich würde einfach mal so sagen, da ich meistens die Wege dann
übernommen habe, wo es darum geht, auf der einen Seite ein bisschen medizinisch
und vielleicht auch ein bisschen struktur-, schultechnisch, ein bisschen zu schauen.
Es gab unterschiedliche Positionen, die zu uns gesagt haben, was gut für unser Kind
wäre oder wo sie sich das vorstellen könnten. Es fing an über die
Schuleingangsuntersuchungen, die wir hatten, weil wir unsere Tochter haben
zurückstellen lassen. Die erfahrene Schulärztin, damals Amtsärztin, hatte damals
gesagt, ich würde Ihnen Folgendes empfehlen: Regelschule mit Schulbegleiter.
Daraufhin hatten wir dann auch mit dem Kindergarten gesprochen gehabt, was sie
unterstützen würden. Dann die Frühförderstelle bzw. das SPZ hier in Leipzig, die
dann eben auch nach den ganzen Untersuchungen und Test die wir gemacht haben,
gesagt haben, sie würden das auch so unterschreiben, dass Regelschule mit
Schulbegleiter das anzustrebende Ziel wäre. Und als es dann darum ging wieder die
Schuleingangsuntersuchung mit einer anderen Ärztin zu machen, die alle Tests und
Untersuchungen mit einbezog, bestätigte sie die Einschätzung der Ärztin davor-
Regelschule mit Schulbegleitung. Dementsprechend hatten wir es dann schwarz
auf weiß von diesen Stellen SPZ, die Frühförderstelle und der Kindergarten, die
unsere Tochter schon drei, vier Jahre lang begleitet haben und die aus unserer
Sicht die Kompetenzstellen waren zu sagen, in welche Richtung wir gehen sollten.
00:10:52
Moderatorin: War das für Sie beide als Eltern dann Fakt nach dieser Beratung

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Transkript zu Folge 3
Regelschule mit inklusiven Unterricht oder haben Sie vielleicht auch einmal über
Förderschulkonzepte nachgedacht?
00:11:01
Frau Geuß: Wir haben uns im Vorfeld auch eine Förderschule angeschaut. Haben
auch, ich denke mal, viel und intensiv gerade mit den KiTa-Erzieherinnen darüber
gesprochen, weil die ja das Kind den ganzen Tag sehen, weil die natürlich auch viele
andere Kinder in ihrer langen Berufstätigkeit hatten und mit den verschiedenen
Schulwegen auch Erfahrungen hatten. Die Kinder melden sich ja später auch zurück
bei den Erziehern und sagen, wie es so läuft. Und da stand eigentlich dann für uns
auch relativ schnell fest, dass eine Förderschule für sie möglicherweise nicht der
richtige Ort ist, um sie auch nicht zu unterfordern, um ihr auch die Möglichkeit zu
geben, das, was sie kann, auch herauszuholen. Und da haben wir in einer
Förderschule ein bisschen das Problem gehabt, dass man da möglicherweise die
Kinder, teilweise vielleicht auch unterfordert, dass sie mehr können, wenn man das
Entsprechende aus den Kindern herausholt. Das hat aber sicher auch mit der Art
der Förderschule zu tun.
00:12:09
Moderatorin: Aber Sie haben beide Modelle vorher schon verglichen?
00:12:12
Frau Geuß: Ja, ich habe auch mit einer Freundin gesprochen, die selbst
Förderpädagogin an einer Schule für Lernbehinderung ist und die ja unsere Tochter
kennt. Die hat auch gesagt, eure Tochter gehört nicht an eine Schule wie meine.
00:12:27
Moderatorin: Also, wenn ich das so höre, überall, wo Sie sich haben beraten lassen,
egal, ob das jetzt von Medizinern war oder schon Erzieherinnen im Kindergarten
oder auch Lehrkräften. Das ist alles in die gleiche Richtung gegangen, sodass Sie
das dann schon bestärkt hat: Regelschule mit inklusiven Unterricht. Was war denn
dann eigentlich für die Schule, in die sie jetzt geht, die Carl-von-Linné Schule,
entscheidet? Haben Sie gleich an der ersten Schule Erfolg gehabt, Ihre Tochter in
der ersten Klasse anzumelden, oder wie war der Weg dann, der Übergang vom
Kindergarten?
00:12:58
Frau Geuß: Der war steinig, steinig und zäh. Wir haben es bei verschiedenen
Schulen probiert. Also die Regelschule, die Schulbezirksschule, die hat halt einfach
gesagt: Ihr Kind kommt nicht an unsere Schule.

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00:13:15
Moderatorin: Begründung?
00:13:20
Frau Geuß: Gab es nicht. So nach dem Motto: Die kann bei uns hier nicht lernen. Das
geht nicht. Ich glaube, man wollte das dort einfach gar nicht anfangen. Der Sohn
hat die gleiche Grundschule besucht, also die Regelgrundschule, die die Tochter
abgelehnt hat. Die waren jetzt nicht unzufrieden bei ihm. Aber ich glaube, mit
Kindern, mit Behinderung wollte man dort nicht unbedingt anfangen.
00:13:46
Moderatorin: Wie ging es dann weiter?
00:13:47
Frau Geuß: Und dann haben wir uns auch bei privaten Schulen umgeschaut und
haben einfach geschaut, welche Schule hat schon Erfahrungen mit Inklusion, haben
Inklusionskinder? Und da sind wir halt eben auch auf die Carl-von-Linné Schule
gestoßen, weil die halt auch in der Nähe vom Kindergarten war. Der Kindergarten
auch gesagt hat, versucht es mal da. Und weil die zu dem Zeitpunkt ja auch an dem
Schulversuch ERINA teilgenommen haben, was ja auch so ein inklusiver Unterricht
ist. Die arbeiten ja sehr eng mit der im selben Schulhaus befindlichen Lindenhof
Schule zusammen- Schule für Kinder mit geistiger Behinderung. Wir haben einfach
gedacht, das ist eine Schule, die haben da keine Ängste vor. Die wissen, was auf sie
zukommt und die machen das.
00:14:37
Moderatorin: Es war aber anders. So schauen Sie!
00:14:37
Frau Geuß: Das war am Ende anders. Wir hatten ja eigentlich ein gutes Gefühl. Mein
Mann war ja mehrfach bei der Schule und hat auch dort gesprochen. Und deswegen
war es für uns dann halt auch ein bisschen unverständlich, dass dieser formelle
Antrag auf Schulbezirkswechsel, den man ja so stellen muss, so nennt sich das ja
offiziell, abgelehnt wurde. Und der Weg weiter war halt unter juristischer Hilfe. Wir
haben dann eine Anwältin eingeschaltet und halt auch vor dem Verwaltungsgericht
sozusagen die Schulzuweisung eingeklagt.
00:15:16
Moderatorin: Es ist ja oft so, wenn man juristische Schritte auch in anderen Themen
oder bei anderen Problemen im Leben einleitet, dass es dann nicht unbedingt
einfacher wird, sondern schwieriger. Ihre Tochter hat sozusagen den Schulalltag

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begonnen. In der ersten Klasse. Und wie ist es dann gelaufen? Ich frage jetzt mal
ganz frei heraus, gab es irgendwo Animositäten? Also sowas wie: wir wollten ja
nicht, dass die Tochter bei uns lernt. Oder ist es dann so gewesen, dass Sie dann
einfach in den Schulalltag integriert worden ist? Welche Erfahrungen haben Sie da
gemacht?
00:15:47
Frau Geuß: Wider Erwarten gab es da keine Befindlichkeiten. Das war wirklich der
Schlussstrich. Sie ist jetzt bei uns und damit gut und man merkt das auch überhaupt
nicht. Ich muss vielleicht noch etwas ergänzen, was vielleicht für die sämtlichen
Schulen, auch für das Landesschulamt, das ja auch involviert war, die ganze Sache
ein bisschen verkompliziert hat, dass bei ihr noch eine Erdnussallergie dazukommt,
wo sie auch Notfallmedikamente bei sich trägt, wo natürlich viele Schulen gesagt
haben: Jetzt haben wir ein Kind, was sowieso, sage ich mal, einen Förderbedarf hat
und das hat auch noch eine schwere Erdnussallergie. Ich weiß nicht, ob wir das dann
tatsächlich meistern können. Das war eben auch ein Argument von der
Grundschule im Schulbezirk, weil die halt relativ groß ist, wo die gesagt haben, das
ist uns zu gefährlich.
00:16:47
Moderatorin: Also durchaus auch ein großes Verantwortungsbewusstsein und
dadurch vielleicht auch die mangelnde Courage am Anfang. Wie ist es bei Ihrer
Tochter? Können Sie sich noch daran erinnern, wie sie in den ersten Tagen und
Wochen nach Hause kam, was sie so erzählt hat, wie sie ihren Schulalltag so
wahrgenommen hat?
00:17:07
Frau Geuß: Sie geht gerne in die Schule. Sie war ganz aufgeregt und toll. Hat aber,
ich sage es mal, wie wir es eigentlich vom großen Bruder nicht viel anders kennen,
immer wenig erzählt. Man musste immer alles aus der Nase rausziehen. Aber wir
hatten nicht den Eindruck, dass sie keinen Spaß dabei hat. Im Gegenteil, sie hat sich
wirklich gefreut. Sie war so wie alle anderen Kinder auch ein stolzer Schulanfänger.
00:17:32
Moderatorin: Und später, wie hat es sich so entwickelt, auch mit ihrer
Besonderheit?
00:17:38
Herr Geuß: Wir hatten, als das Schuljahr anfing, ein Gespräch mit allen Beteiligten
zusammen in der Schule. Das Schöne war wirklich, dass man gesagt: Wir stellen

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alles auf null. Wir fangen alle vernünftig an. Wir gucken einfach, wo die Reise sich
hin entwickelt. Wir hatten mit der Klassenlehrerin einen super tollen Fang
gemacht, die eben auch Förderlehrerin selber ist. Dann mit der Schulbegleitung,
die damals mit dabei war, das war eine junge Dame damals zu dem Zeitpunkt
gewesen. Das hat super gepasst, eine super Kommunikation zwischen der
Klassenlehrerin und den Schulbegleitern. Ich glaube, das ist auch einer der
wichtigsten Punkte. Nicht, dass sich da irgendjemand dazwischendrängt oder
sowas, sondern es war wirklich ein super tolles Miteinander. Und dann muss man
sagen, da ist unsere Tochter mit geschwommen und man hat förmlich gemerkt, es
macht ihr Riesenspaß, auch zu lernen. Und ich glaube, das war einer der Momente,
wo wir dann gesagt haben, es war richtig, diesen Weg dann auch zu gehen.
00:18:36
Moderatorin: Nun ist das inklusive Regelunterricht. Sie hatten vorhin, Frau Geuß,
schon mal geschildert, warum es die Förderschule dann doch nicht geworden ist,
weil Sie sich auch überlegt haben, ob der Unterricht dort und das Schulkonzept
vielleicht Ihre Tochter unterfordern könnte oder auch andere Kinder. Aber wie
herausfordernd ist hier der Unterricht? Was kommt denn ihren Neigungen, ihren
Anlagen und ihren Fähigkeiten besonders entgegen? Wodurch wird sie gefordert
und gefördert?
00:19:04
Frau Geuß: Ich sage mal so, sie hat ja eine gute Aufnahmefähigkeit im Sinne von
Merkfähigkeit. Das fällt ihr schon einfach. Sie kann auch ganz gut lernen, wenn man
es mit Materialien macht, die ihr Interesse wecken. Also ob das jetzt
Rechenaufgaben sind, die bildlich dargestellt, nicht mit einfachen Zahlenstäbchen
gerechnet werden, sondern wenn man sie zum Beispiel mit Autos oder Sachen, die
sie halt gerne mag, rechnen lässt, dann geht das viel einfacher. Es wird viel Leistung
abgerufen. Sie wird, muss man dazu sagen, oder sie kann lernzieldifferenziert
unterrichtet werden. Da hat ihre Klassenlehrerin, die einen Großteil der
Unterrichtsstunden macht, auch ein sehr gutes Händchen. Teilweise schwimmt sie
im ganz normalen Regelschulplan mit, wo man aber merkt, dass sie das einfach
nicht schafft. Meistens eben qualitativ nicht schafft, aber auch quantitativ. Da
kriegt sie zum Beispiel halt vielleicht einfach weniger Aufgaben oder die
feinmotorischen Schwierigkeiten, die sie hat beim Schreiben. Da hat man eben die
Idee gehabt, ihr einfach einen Computer zur Verfügung zu stellen und eine
spezielle Tastatur oder manchmal übernimmt einfach die Schulbegleitung in einer
Arbeit oder auch im Unterricht das Schreiben. Es heißt, unsere Tochter rechnet

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Transkript zu Folge 3
selber die Aufgaben oder sagt die Worte und die Schulbegleitung schreibt sie dann
eben auf, weil ihr das Schreiben schwerfällt und sie wäre dann relativ schnell an
ihrem Leistungslimit angekommen, wenn sie eben rechnen und gleichzeitig noch
schreiben müsste.
00:20:56
Moderatorin: Sie sprechen jetzt, Frau Geuß, einen ganz wichtigen Punkt an. Wer ist
diese Schulbegleiterin und steht sie nur Ihrer Tochter zur Verfügung im Unterricht?
00:21:03
Herr Geuß: Die Schulbegleiterin hat keine spezielle Ausbildung. Ja, sie steht zur
Verfügung, aber nur unserer Tochter. Sie ist wirklich dazu da, auf der einen Seite
klar aufzupassen wegen dieser Erdnussallergie, das ist das eine. Auf der anderen
Seite hilft sie ihr aber, die Aufgaben während des Unterrichts so mundgerecht
darzubieten, dass sie die dann auch wirklich schlucken kann.
00:21:28
Moderatorin: Also sie sitzt dann immer neben ihr sitzt, oder wie muss man sich das
vorstellen?
00:21:30
Frau Geuß: Ja genauso. Das heißt, sie sitzen zu zweit auf der Bank. Rechts unsere
Tochter, links die Schulleiterin und dementsprechend hilft sie ihr bei dem
Verständnis für die Aufgabe dann eben auch oder wenn sie merkt, wenn sie es
selber schreibt, dass es jetzt zu langsam wird, übernimmt sie den Part, um ihr
sozusagen die Freiheit zu geben, sich nur auf das Lernen oder auf das Ergebnis und
auf die Rechenaufgaben zu konzentrieren. Und dann sieht man, dass sie ihr damit
hilft. Das ist einfach eine Art Arbeitsteilung, die dann eben stattfindet.
00:22:04
Moderatorin: Gibt es Ihre Tochter auch so wieder zu Hause, dass ihr das hilft? Wenn
sie aus der Schule kommt. Spricht sie manchmal auch darüber über die
Schulbegleiterin oder über was sich da abgespielt hat während der
Unterrichtsstunde. Eine kleine Episode?
00:22:20
Frau Geuß: Ich sage es mal so, sie ist durchaus auch mal genervt von der
Schulbegleiterin. Das gehört dazu. Aber sie hat sie jetzt sehr lieben gelernt,
nachdem sie coronabedingt bei Papa Homeschooling hatte. Und seitdem geht sie
lieber zur Schulbegleiterin, als noch einmal Papa Homeschooling zu machen. Also
nach dem Motto, da ist das dann die bessere Alternative.

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00:22:42
Moderatorin: Sie sieht ja auch, dass andere Kinder in der Klasse keinen
Schulbegleiter, keine Schulbegleiterinnen haben. Hat sie damit irgendein Problem?
Wie sieht sie das? Gar nicht? Das ist ihr normaler Alltag.
00:22:53
Frau Geuß: Genau. Sie kennt es ja nicht anders. Sie weiß, dass sie da ist, wegen ihrer
Allergie und um sie halt zu unterstützen. Und sie hinterfragt das eigentlich auch
nicht.
00:23:05
Moderatorin: Wie entwickeln sich denn nicht nur die Leistungen Ihrer Tochter,
sondern auch ihre kognitiven, ihre sozialen Kompetenzen, seit sie jetzt aus dem
Kindergarten in ihr Schulleben übergegangen sind? Jetzt, zwei Jahre. Sie kommt in
die dritte Klasse. Können Sie ja schon von einigen Erfahrungen berichten.
00:23:22
Herr Geuß: Die kognitive Entwicklung würde ich mal sagen, dass ist das, wo wir
nicht wussten, wo die Reise hingeht. Nennen wir es einfach mal so. Sie wird in dem
Sinne ganz normal Altersgerecht beschult. Dementsprechend kann sie der Qualität,
die der Unterricht bietet, ganz normal folgen. Das ist, glaube ich, das, was jetzt
vielleicht die Schule betrifft. Gehen wir mal von den sozialen Aspekten aus. Da gibt
es eine Spezifik, dass es den Kindern schwer fällt Freundschaften zu entwickeln. Da
tun sie sich verdammt schwer.
00:23:50
Moderatorin: Obwohl sie so offen auf andere zugeht?
00:23:52
Frau Geuß: Richtig. Auf Erwachsene bezogen ja.
00:23:55
Moderatorin: Okay.
00:23:56
Herr Geuß: Also sei es wirklich auf Erwachsene bezogen, das heißt die kleben eher
einem Erwachsenen an der Seite. Im Vergleich dazu mit Gleichaltrigen tun sie sich
wirklich sehr schwer. Sie hat eine sehr, sehr gute Freundin, die ist aber nicht in der
Klasse, sondern in einer Parallelklasse. Und da muss man auch sagen, dass es dann,
wenn derjenige auch so ein gewisses Gespür dafür hat, dass der andere vielleicht
ein bisschen anders ist und dementsprechend komme ich damit klar und habe
damit keine Berührungsängste, so wie unsere Tochter dann eben auch. Dann

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
kommen die wunderbar miteinander klar. Also das ist erstaunlich. Unsere Tochter
selber tut sich damit natürlich verdammt schwer, alleine Kontakte zu suchen, die
dann auch zu pflegen. Das ist schwierig für sie.
00:24:39
Frau Geuß: Also zu Gleichaltrigen. Ich glaube, das ist das vielleicht auch was ihr... Ich
kann ja jetzt auch nicht für die Schule sprechen, aber als angenehm empfindet, dass
sie zu jedem Lehrer, zu jedem Hortner eine ganz offene Beziehung hat, auf jeden
zugeht, jeden fragt, was ihr gerade einfällt. Und ich sage es mal sie ist bei allen
bekannt und wahrscheinlich auch beliebt. Und deswegen haben die Lehrer
wahrscheinlich auch eine ganz andere Beziehung ihr gegenüber, weil sie ebenso
offen auf die Erwachsenen zugeht.
00:25:23
Moderatorin: Sie haben auch nicht das Gefühl, dass sie die anderen Mitschüler
braucht? Die sind eben da. Aber sie muss nicht Everybody´s Darling sein. Sie
braucht sie nicht unbedingt.
00:25:29
Frau Geuß: Nein, das merkt man auch. Wenn sie ihre Ruhe braucht, dann zieht sie
sich sowieso auch zurück. Wenn sie mit den Kindern spielen will, dann sucht sie
auch die anderen Kinder, aber kann auch genauso gut im Hort sich herumdrehen
und ihr eigenes Ding machen.
00:25:46
Moderatorin: Wenn Sie überlegen, anfangs, als sich die Diagnose so herausgestellt
hat und das relativ spät war, wie Sie es geschildert haben. Dann kam der integrative
Kindergarten, jetzt haben Sie schon die ersten beiden Schuljahre. Was würden Sie
denn als Eltern sagen? Natürlich hat man immer ein ganz besonders emotionalen
Bezug und sieht jeden kleinen Fortschritt als großen, was auch völlig richtig ist. Wie
entwickelt sie sich?
00:26:07
Frau Geuß: Prima, prima. Also wir haben auch einen guten regen
Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Eltern. Wir haben einen
bundesweiten Elternverband und das hilft uns auch sehr gut und man kann fragen,
gerade auch was den Schulweg betrifft, war dort auch viel in der Diskussion. Da
haben gerade auch die Eltern mit älteren Williams-Beuren-Kindern, denen damals
einfach die Möglichkeiten der Inklusion auch nicht offenstanden, gesagt macht das.
Es sind aber auch andere dabei, die sagen unser Weg war auch für uns richtig. Man

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
muss das auch so individuell entscheiden, aber man merkt schon, dass die älteren
sagen: oh das ist toll, dass ihr das jetzt so machen könnt, weil man einfach sieht,
was die Kinder vielleicht noch ein Stück mehr können, das wir ihnen gar nicht
bieten können, weil einfach die gesellschaftlichen Verhältnisse so noch nicht
waren. Kann man so sagen?
00:27:11
Herr Geuß: Das trifft es ganz gut. Die haben uns damals einen tollen Spruch mit auf
den Weg gegeben, dass man den Kindern mehr zutrauen soll, als man selbst denk
was sie können. Und das war eine tolle Motivation, dann eben auch zu sagen: wir
haben die Möglichkeiten, wir probieren es. Wenn ich es nicht probiere, dann weiß
ich nicht, wo die Reise hingeht. Dementsprechend, was meine Frau so sagt: Wir sind
mit dem Stand, wo sie ist, sehr zufrieden. Wir wissen irgendwann mal geht
vielleicht die Schere auf. Aber jetzt ist es mal schön zu sehen, dass es richtig war,
diesen Weg zu gehen.
00:27:47
Moderatorin: Schön! Halbzeit der Grundschule. Ein tolles Zwischenfazit. Ehrlich
gesagt, habe ich auf der Internetseite der Carl-von-Linné Grundschule gelesen, dass
dort sehr darauf geachtet wird, dass auch Kinder ohne sonderpädagogischen
Förderbedarf, diejenigen, die diesen Bedarf haben, auch unterstützen sollten.
Merken Sie das? Geht das überhaupt? Was glauben Sie, wie Ihre Tochter von
anderen Kindern unterstützt werden könnte? Sie hat ja schon die Schulbegleiterin?
00:28:19
Frau Geuß: Manchmal zumindest das, was uns die Klassenlehrerin sagte, nimmt sie
auch mal ein Stück weit die Schulbegleiterin raus, bewusst raus und lässt auch eine
Gruppenarbeit mit einem anderen Schüler machen. Dann natürlich vielleicht
jemand, wo man auch weiß, der hat da so ein entsprechendes Händchen für. Das
macht sie schon auch. Eben weil ja auch beide Seiten davon profitieren.
00:28:43
Moderatorin: Sie haben das vorhin schon mal am Beispiel Übergang vom
integrativen Kindergarten zur Schule geschildert, dass Erzieher und Lehrkräfte
auch zusammenarbeiten, natürlich untereinander stark vernetzt sind, was an der
Carl-von-Linné Schule ganz intensiv beachtet wird und gemacht wird, wie auch die
Vernetzung mit den Eltern. Wie intensiv ist das? Welchen Kontakt haben Sie? Wie
intensiv ist es auch? Wie oft können Sie überhaupt ständig sich melden, wenn Sie

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eine Frage haben? Gibt es da immer ein offenes Ohr? Wie läuft die Kommunikation
mit den Lehrern?
00:29:14
Frau Geuß: Also die Lehrerin unserer Tochter, die hat immer ein offenes Ohr. Die
kann man immer erreichen, die ist immer da. Ich glaube aber nicht nur für uns, auch
für alle anderen Eltern. Da ist, wenn man ein Problem hat, wird das schnell gelöst.
Sie hat auch sehr viel... Wie gesagt die Idee mit dem PC, mit dem Hilfsmittel. Die
kam von der Lehrerin, die versucht, auch die Arbeitsmaterialien für unsere Tochter
ein bisschen individueller zu gestalten. Einfach ihren Vorlieben entsprechend, aber
ich glaube, das macht sie bei anderen Kindern auch, wenn sie merkt, dass sie da
vielleicht bei Kindern mehr erreichen kann.
00:29:58
Moderatorin: Also haben Sie eigentlich zwei Hauptansprechpartnerinnen. Das ist
die Klassenlehrerin, das ist die Schulbegleiterin. Gibt es noch jemanden? Wo sind
die vielleicht irgendwo miteinander vernetzt und schließen sich ab und zu mal kurz?
00:30:09
Frau Geuß: Es gibt ja noch eine Förderpädagogin, die, ich weiß gar nicht, wie viel
Stunden in der Woche noch ergänzend Förderstunden gibt, mit der haben wir
selbst noch nicht gesprochen, weil dann immer eher der Kontakt Förderlehrer über
Klassenlehrer funktioniert. Aber ich denke, wenn wir wollten, wären auch sie für
Gespräche offen.
00:30:33
Moderatorin: Gibt es eigentlich nach der reinen Unterrichtszeit so etwas wie einen
Hort? Einen Schulhort?
00:30:37
Frau Geuß: Ja.
00:30:39
Moderatorin: Und den besucht Ihre Tochter auch? Und gibt es da eigentlich eine
Verbindung? Ich weiß es nicht, die Hausaufgaben dort macht oder dass man des
Unterrichts geschehen da fortsetzt oder auch dort nochmal ganz speziell auf die
verschiedenen Kinder eingeht, egal, ob sie jetzt aus verschiedenen Kulturen
stammen oder ob sie jetzt in sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Wie ist es
da im Hort geregelt? Wie läuft das?
00:31:02
Frau Geuß: In der ersten Klasse, war das noch stärker klassenspezifisch, dass man

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
nach dem Unterricht erstmal auch im Klassenverband mit dem Hortner dann den
Unterricht hat ausklingen lassen, Hausaufgaben gemacht hat. Und jetzt, in der
zweiten Klasse, wird ja zunehmend mehr dieser offene Hort gelebt. Aber was auch
nicht verkehrt ist, denn dadurch mischt sich die ganze Sache nochmal ein bisschen
mehr. Man lernt ein paar andere Kinder kennen, andere Kinder lernen unsere
Tochter kennen. Man kann die Personen nach seinen Vorlieben aussuchen.
00:31:43
Moderatorin: Wenn Sie es jetzt vergleichen mit vor zwei Jahren oder reichlich vor
zwei Jahren, als Sie die Entscheidung treffen mussten, Förderschule oder inklusiver
Unterricht in der Regelschule? Glauben Sie, dass es für Ihre Tochter jetzt alles so
besser organisiert ist und gut gehandhabt wird und besser, als es an der
Förderschule möglich wäre?
00:32:08
Frau Geuß: Ja, eigentlich ein klares ja.
00:32:11
Moderatorin: Man kann es ja nicht zu 100 Prozent sagen.
00:32:13
Frau Geuß: Wir kennen ja die Förderschule.
00:32:14
Moderatorin: Richtig. Aber die Einschätzung?
00:32:17
Herr Geuß: Ja, ich würde es eher so beschreiben. Unser Ziel war damals oder was
wir gesehen haben, dass unsere Tochter mit ihrem großen Bruder unwahrscheinlich
gut an ihm orientiert und sozusagen sich mitreisen lässt. Das haben wir im
Kindergarten betrachtet. Dementsprechend war für uns auch eher der Weg, dass
unsere Tochter mit ihrer Besonderheit eben auch einer Schule stellt, in der sie
genau das vorfindet wie im Kindergarten oder eben, was man bei dem großen
Bruder kennengelernt hat. Unter der Maßgabe war es genau richtig und es ist
eigentlich das eingetreten, was wir uns erhofft haben. Deswegen ist es schwer zu
sagen, was es im Vergleich zu einer Förderschule wäre, weil er doch ein bisschen
anders ist. Ich will nicht sagen gleich oder gleich, das ist Quatsch, sondern es ist ein
bisschen anders. Deswegen kann man es nicht miteinander vergleichen, sondern
wir vergleichen, mit unseren Vorstellungen, mit unseren Wünschen, die wir hatten.
Und da muss man klipp und klar sagen: Ja, es ist genau das eingetreten, aber
entscheidend ist die Manpower, die dahintersteht, die macht es aus in der

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
Endkonsequenz. Dann muss man ehrlich sagen: Sie haben eine verdammt gute
Arbeit gemacht in den ersten zwei Jahren. Wir hoffen, dass das so weitergehen
kann.
00:33:32
Moderatorin: Was glauben Sie denn? Es ist wieder so eine Sache der mangelnden
Vergleichbarkeit. Aber hat der inklusive Unterricht eine Regelschule aus Ihrer Sicht
vielleicht auch Nachteile? Können Sie sich das vorstellen gegenüber einer
Förderschule, wo die Kinder ganz individuell auch durch den Schulalltag begleitet
werden? Können Sie sich vorstellen, dass es Nachteile gibt?
00:33:51
Frau Geuß: Das kommt bestimmt auch sehr stark auf das jeweilige Kind und auf die
Voraussetzungen an, die es hat, auf den Unterstützungsbedarf, den es hat. Und ich
denke, wichtig ist, dass man halt den Weg geht, der für das eigene Kind am besten
ist. Wenn jetzt, wie gesagt, die Regelbeschulung nicht der richtige Weg gewesen
wäre, weil wir gemerkt hätten, dass sie da überfordert ist, hätten wir jetzt auch
kein Problem mit der Förderschule. Wichtig ist, dass das Kind sich wohlfühlt, dass
es weder über noch unterfordert wird, dass es auch für sich einen sicheren Raum
zum Lernen hat und die Freude am Lernen. Egal, auf welcher Schule das ist.
00:34:45
Moderatorin: Wenn Ihre Tochter nach Hause kommt, haben wir ja selber in unserer
Schulzeit erlebt, dass es nicht immer alles gut gelaufen ist. Gibt es so etwas?
00:34:51
Frau Geuß: Sie meckert schon mal, wenn sie Sachen machen musste, die sie halt
nicht machen wollte. Wenn sie halt an irgendeiner Stelle meint, ich habe keine Lust
mehr. Mir fällt da ein gutes Beispiel, vielleicht eher eine Anekdote ein. Wenn sie
keine Lust mehr hat oder sich überfordert fühlt, wählt sie gern den Weg zur
Toilette. Das ist halt auch schon mal passiert, dann ist sie während des Unterrichts.
Ich weiß gar nicht. Das war, glaub ich, Sachunterricht. Das hat sie nicht interessiert.
Vielleicht war es auch Ethik.
00:35:27
Herr Geuß: Nein, es war Sachunterricht.
00:35:30
Frau Geuß: Da hat sie den Unterricht verlassen, um auf Toilette zu gehen, und ging
aber nicht wieder zurück, sondern schlurfte da so durch das Schulhaus und lief aber
ihrer Klassenlehrerin in die Arme, die halt fragte, was sie machte. Dann hat sie halt

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
gesagt: ich habe mir das angeguckt und jenes. Daraufhin meinte die Lehrerin: Ja, du
hast doch aber Unterricht. Worauf unsere Tochter entgegnete: Ja, da wollte sie
nicht hin. So kam das halt einfach durch Zufall raus, weil die Klassenlehrerin was
kopiert hat. Da ist sie halt einfach nicht wieder zurückgegangen.
00:36:01
Moderatorin: Aber da hat man ja einen schönen Anhaltspunkt. Wenn Ihre Tochter
dann verschwindet und auf die Toilette geht, dann sollte man vielleicht erst mal
fragen: was denn war, was ihr vielleicht nicht so gefallen hat. Aber sie erzählt jetzt
zu Hause wenig davon, warum der Tag jetzt nicht so zugesagt hat in der Schule?
00:36:18
Frau Geuß: Nein, so ein Stück weit, denke ich, die Schulklingel läutet zur letzten
Stunde und damit ist die Schule für sie beendet. Dann legt sie da den Schalter um
und ist abgeschlossen für den Tag.
00:36:35
Moderatorin: Wenn wir nach dem Schulalltag noch ein bisschen in die Freizeit
gucken oder auch das Wochenende. Sie haben geschildert, sie hat eine beste
Freundin. Trifft sie sich mit ihr manchmal außerhalb der Schule? Ist ja aus der
Parallelklasse.
00:36:47
Frau Geuß: Eher selten. Wir haben natürlich immer das Problem, dass sie natürlich
außerhalb des Unterrichts außerhalb der Schulzeiten auch noch Therapien
wahrnehmen muss, so dass natürlich die Woche dann auch durchgetaktet ist und
deswegen zeitweilig einfach wenig Raum für so etwas bleibt, weil wir auch nicht in
unmittelbarer Nähe zur Schule wohnen. Die meisten wohnen im unmittelbaren
Umfeld. Das heißt, man muss sie auch wieder hinfahren, hinbringen irgendwo, was
dann auch immer nicht organisatorisch so einfach ist.
00:37:17
Moderatorin: Jetzt hat Ihre Tochter noch zwei Jahre Grundschule vor sich. Würden
Sie sich wünschen, dass es genauso läuft wie in den ersten beiden Jahren, oder soll
noch was anderes passieren?
00:37:23
Herr Geuß: Nein, es sollte eigentlich genau so weiter gehen. Es wäre schön, wenn
es genau so weitergehen würde.
00:37:30
Frau Geuß: Wobei die Anforderungen jetzt sicher steigen werden. Es wird sicher

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
schwieriger und nicht einfacher, sodass wir auch sehen müssen, wie sie mit den
höheren Anforderungen zurechtkommt.
00:37:44
Moderatorin: Was ich bis jetzt von Ihnen gehört habe, entnehme ich nicht, dass Sie
in den letzten beiden Jahren schon mal darüber nachgedacht haben, ob Sie
vielleicht doch an eine Förderschule wechseln sollte. Die die Möglichkeit gibt es ja.
Deswegen vergleichen wir ja auch die beiden Schularten. Das wir auch immer mal
drüber reden. Gibt's denn zwischendurch auf dem Weg auch mal Gedanken,
Mensch, wäre es nicht doch besser gewesen? Aber ich glaube, das ist bei Ihnen
überhaupt nicht vorgekommen in den letzten beiden Jahren. Die Entscheidung war
so völlig richtig, wie Sie sie getroffen haben.
00:38:13
Frau Geuß: Die Entscheidung war richtig so, wie wir sie getroffen haben. Eher so die
Gedanken, die jetzt schon beginnen aus den Erfahrungen. Wie schwer es war, den
Grundschulplatz zu finden, stellt sich jetzt die Frage nach der weiterführenden
Schule. Was nochmal eine Herausforderung einfach wird.
00:38:29
Moderatorin: Das ist ja auch der Anspruch der Carl-von-Linné-Schule, die
Schülerinnen und Schüler, gerade mit sonderpädagogischem Förderbedarf für die
weiterführende gemeinsame Beschulung in der Sekundarstufe 1 fit zu machen.
Und das gelingt wohl auch Jahr für Jahr, so dass die Kinder dann weiter im
gemeinsamen, inklusiven Unterricht lernen können. Haben Sie schon manchmal
darüber nachgedacht, wie es nach der Grundschule weitergehen könnte? Es ist
natürlich noch ein bisschen Zeit.
00:38:56
Frau Geuß: Ja, nachgedacht schon. Man muss auch drüber nachdenken, aber das
dann erst mal beiseitegeschoben, weil man es vielleicht jetzt, so nach der zweiten
Klasse, noch schwer abschätzen kann. Ich denke mal, die dritte Klasse wird jetzt
eher so ein bisschen ein Gradmesser werden, um zu sehen, ob und was geht. Dann
stellt sich auch wieder die Frage, die geeignete Schule zu finden. Das wird genauso
schwierig sein wie bei der Grundschule.
00:39:27
Moderatorin: Wollen Sie das ganz allein entscheiden für sich? Sie haben
mittlerweile schon Erfahrungen gemacht und auch viel recherchiert und viel auch

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
schon hinter sich, was das angeht. Oder wollen Sie sich doch noch dazu auch
beraten lassen? Gibt es da schon Überlegungen?
00:39:41
Frau Geuß: Wir werden natürlich auf jeden Fall im engen Kontakt mit der
Klassenlehrerin so eine Entscheidung treffen. Dann natürlich, wie wir es bislang
immer gemacht haben. Mit dem SPZ an der Uniklinik in Leipzig. Und ich denke dann
werden wir eine gute Entscheidung treffen können.
00:40:01
Moderatorin: Ich überlege gerade, wenn andere Eltern oder wenn Eltern, die ihre
Kinder noch vor der Einschulung jetzt gerade auf dem Weg begleiten. Welche
Schule soll es sein? Welche Schulart soll es sein und überhaupt nicht wissen, wie sie
sich orientieren? Was würden Sie denen denn raten? Wo anfangen, wo vielleicht
auch anfangen, sich zu orientieren, sich zu befragen, beraten zu lassen?
00:40:24
Herr Geuß: Ich glaube, die erste Stelle, die für uns besonders wichtig war und die
uns geholfen hat, das war eigentlich der Kindergarten. Da wir dort ein sehr, sehr
gutes Verhältnis hatten. Das war der Schlüssel zum Erfolg für unsere Tochter. Wo
die Reise hingehen soll. Ich glaube, dort sollte man anfangen, wenn man ein gutes
Verhältnis hat, weil die den ganzen Tag mit den Kindern zu tun haben und dann
sagen: Okay, Ihr Kind hat folgende Stärke, oder könnte da ein bisschen
Förderbedarf oder was auch immer haben. Ich glaube, das ist eine wichtige Sache.
Dass dort im Kindergarten schon die ersten Weichen gestellt werden. Und wenn
man dann natürlich engagierte Erzieher hat, denke ich mal, dass das die ersten
waren, die uns dabei geholfen haben. Und dann ist es natürlich auf der anderen
Seite, dass man sich selbst organisieren muss, weil es ebenso speziell war. Wenn es
für andere etwas einfacher ist, dann sollte man sich vielleicht mit anderen Eltern
kurzschließen, was die vielleicht zu der Schule sagen, ob sie damit zufrieden sind?
Oftmals habe ich ja gar keine Wahl, weil wohnortnah ist ja meine Schule. Also muss
ich dort hingehen. Wenn ich aber eine andere Sache wähle: Schule angucken, dort
auch ein bisschen reinschnuppern. Wichtig ist aber auch, vielleicht kennt man
wieder jemanden, Leipzig ist ja nicht so groß, dass man sich ja nicht oder
irgendjemanden kennt, der vielleicht jemanden dort hat. Sich da ein bisschen
schlau machen. So haben wir es genauso gemacht. Also dementsprechend.
00:41:56
Moderatorin: Aber man sollte es nicht einfach auf sich zukommen lassen?

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
00:41:58
Frau Geuß: Nein auf keinen Fall.
00:42:01
Moderatorin: Sondern sich schon bewegen, sich informieren und nicht abwarten,
was passiert.
00:42:05
Frau Geuß: Wir hatten sehr stark den Eindruck, dass man versucht hat, uns auf die
Förderschule hin zu, wie soll ich sagen, dass die Tochter auf die Förderschule gehen
sollte. Alle haben uns eigentlich von den öffentlichen Stellen eher abraten wollen
von einer Regelschule. Man wollte sie tatsächlich fast abschieben auf eine
Förderschule, so nach dem Motto: das können wir dem Kind nicht antun, das ist ja
nur der Ehrgeiz der Eltern und so weiter. Das man sich da vielleicht auch nicht
vorschnell in die falsche Richtung drängen lässt. Wie gesagt, wenn man dann nach
Abwägung aller Für und Wider die Entscheidung für die Förderschule trifft, dann ist
das in Ordnung, aber sich nicht vorschnell auf diese Schiene Förderschule schieben
lässt. Das war, glaube ich, bei uns ein Problem, dass alle dachten, das kann sie nicht
meistern, und deswegen ist das der falsche Weg. Ohne je das Kind zu kennen.
00:43:04
Moderatorin: Eben, das wollte ich gerade sagen. Am besten können es diejenigen
einschätzen, die Ihre Tochter kennen. Sie als Eltern zuallererst und die
Erzieherinnen im Kindergarten, die das Mädchen aus dem Effeff kennen und genau
wissen, was kann sie, was kann sie nicht? Was mag sie? Was mag sie nicht? Und was
geht überhaupt?
00:43:18
Frau Geuß: Viel hat uns auch der Austausch mit anderen Eltern geholfen, die Kinder
mit dem gleiche Syndrom haben. Wobei auch klar ist, das weiß auch jeder, dass die
Kinder so verschieden sind, so individuell, dass auch das, was für den einen richtig
ist, für den anderen nicht richtig sein muss. Trotzdem: einfach die Erfahrungen, die
sie vom Schulalltag geschildert haben, helfen die Entscheidung zu treffen.
00:43:41
Moderatorin: Es ist natürlich auch ein Plus für die Schule, die am Anfang auch
Befindlichkeiten hatte. Das muss man aber verstehen, wenn man das
Krankheitsbild oder die Diagnosebild der Schülerin oder des potenziellen Schülers
noch nicht kennt, dass man dann auch vielleicht aus Unsicherheit, aber auch aus
Verantwortungsgefühl, sagt: Ich glaube, da sind wir überfordert, das können wir

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
nicht leisten. Wir entsprechen dem Kind nicht. Das muss man wahrscheinlich der
Lehrerschaft auch zugutehalten, aber auch, dass das Team der Carl-von-Linné-
Grundschule doch versucht hat und das vielleicht auch ein guter Aspekt ist, ein
guter Hinweis für andere Schulen zu sagen: ja, vielleicht versuchen wir es doch.
00:44:20
Frau Geuß: Ja, ich denke, das ist sicher ein Problem für die Schulen. Die würden
vielleicht viel eher wollen, aber die Rahmenbedingungen stimmen einfach für die
Schulen oftmals eben nicht. Da kann ich mir schon vorstellen, dass es dann
schwierig ist, gerade wenn ich vielleicht auch eine Klassenstärke mit 28 Kindern
habe, und habe dann zwei Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf drinnen,
das reicht schon. Ein Lehrer, der ganz allein da vorne steht, vielleicht auch keine
Erfahrungen mit Kindern hat, mit Lernschwierigkeiten, mit vielleicht auch
Auffälligkeiten in der Persönlichkeit. Dann wird es schon schwierig. Und dann kann
es natürlich auch passieren, dass alle darunter leiden. Ich denke, da müssen die
ganzen Voraussetzungen geschaffen werden, dass die Schulen das auch meistern
können.
00:45:06
Moderatorin: Wenn wir das jetzt noch einmal zusammenfassen wollen: die
Überlegungen am Anfang Förderschule oder Regelschule mit inklusivem
Unterricht, das war für Sie beide relativ schnell klar…
00:45:17
Herr Geuß: Es ist schön zu sehen, solche engagierten Lehrer auch zu haben.
Dementsprechend muss man dann sagen, es ist nicht alles gut. Es ist nicht
selbstverständlich. Und auf andere Seite, wie gesagt, die sollen sich aber auch nicht
kaputt machen. Das muss man auch sagen. Wo man permanent auf 380 unterwegs
ist, das muss nicht sein, sondern wenn Probleme sind, werden Sie angesprochen,
man diskutiert und man versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden. Ich glaube,
das ist das Wichtigste. Und da haben wir auch ein tolles Team, das sich da gebildet
hat. Dementsprechend weiter so.
00:45:52
Moderatorin: Wenn man am Anfang so eine Entscheidung trifft, wie Sie das auch
machen mussten und gemacht haben: Regelschule vs. inklusiver Unterricht? Man
weiß nicht: ist es richtig? Wie wird es laufen? Kommt das Ihrer Tochter entgegen?
Jetzt das Zwischenfazit: Würden Sie es nochmal genauso machen? Genau, nochmal
die gleiche Entscheidung treffen.

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
00:46:09
Frau Geuß: Ja.
00:46:13
Herr Geuß: Ja.
00:46:13
Moderatorin: Doppeltes Ja, mehr muss man dazu nicht sagen, dann bedanke ich
mich bei Ihnen, Herr und Frau Geuß. Dafür, dass Sie so offen und auch so detailliert
vom Schulalltag Ihrer Tochter und vom Familienleben mit der Diagnose gesprochen
haben und vom Schulalltag an der Carl-von-Linné-Schule in Leipzig und auch ihre
eigenen Erfahrungen so offen geschildert haben. Denn nur so kann man ja anderen
Eltern, die diese Erfahrung noch nicht haben, auch helfen, ihre eigene Entscheidung
zu treffen. Es ist auch nicht immer ganz einfach, so private Dinge dann zu schildern.
Und doch ist es auch wirklich ein riesen Informationsschatz für Eltern, die ihre
Entscheidungen zu treffen haben. Und für sie, die sie uns als Eltern oder
Angehörige eines Kindes mit sonderpädagogischem Förderbedarf hören, die uns
zugehört haben, vielleicht auch als Lehrkraft an einer Förderschule oder einer
Regelschule mit inklusivem Unterricht waren hoffentlich ganz viele nützliche
Hinweise und auch Impulse dabei, um sich für eine der beiden in Sachsen möglichen
Bildungswege zu entscheiden oder die geschilderten Erfahrungen auch in ihre
eigene Arbeit mit einzubinden. Für Ihre Tochter und Ihre Familie alles Gute.
00:47:16
Frau Geuß: Danke.
00:47:16
Herr Geuß: Danke.
00:47:17
Moderatorin: Auch Grüße an den Sohn, der ja auch zur Familie gehört. Für die
Tochter weiter Spaß am Lernen. Natürlich so, wie sie es bisher hatte, wie sie es
erzählt haben und auf das sie sich recht gut entwickelt, optimal entwickelt.
Herzlichen Dank.
00:47:31
Frau Geuß: Wir danken auch.
00:47:32
Moderatorin: Sie hörten eine Folge unserer Reihe „Inklusiv - Der Podcast zur
schulischen Inklusion in Sachsen“. Wir laden Sie ein, sich in einer unserer Episoden
auch über den Unterricht an einer Förderschule für Kinder mit

Inklusiv – Der Podcast zur schulischen Inklusion in Sachsen
Transkript zu Folge 3
sonderpädagogischem Förderbedarf zu informieren. Sie können beide Konzepte
besser miteinander vergleichen und auch in dieser Episode wird ein Elternteil vom
Schulalltag und der Zusammenarbeit mit Lehrerinnen und Lehrern berichten.
Informationen zum Thema finden Sie auch auf der Inklusionswebsite des
Kultusministeriums
www.inklusion.bildung.sachsen.de
. Vielen Dank für Ihr
Interesse.