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Quellen zur Judenverfolgung
im Staatsarchiv Leipzig
Das Sächsisches Staatsarchiv/Staatsarchiv Leipzig verwahrt einen
bemerkenswerten Fundus an Quellen über die Entrechtung und Verfol-
gung der Juden in Leipzig und Umgebung. Sie befinden sich vorrangig
in den Beständen der Polizei- und Finanzbehörden, Banken und Gerich-
te. Unter ihnen ragen die Bestände 20031 Polizeipräsidium Leipzig und
20206 Oberfinanzpräsident Leipzig heraus. Aber auch in der Überliefe-
rung von Behörden der allgemeinen Verwaltung (Kreis- und Amts-
hauptmannschaft), von Kommunen oder Wirtschaftsunternehmen sind
entsprechende Unterlagen in unterschiedlicher Dichte vorhanden. So
beleuchtet der Bestand 20979 Versteigerungshaus Hans Klemm die
Praxis der öffentlichen Auktionen des beschlagnahmten bzw. zurück-
gelassenen Hausrats, während die Firmenakten des Bestands 21765
Börsenverein der Deutschen Buchhändler zu Leipzig über die »Arisie-
rung« der Verlage in jüdischem Besitz Auskunft geben.
Die Nutzbarmachung dieser Unterlagen steht seit vielen Jahren im Mit-
telpunkt von Erschließungsarbeiten. Lag der Schwerpunkt um 1990 auf
der Erarbeitung des »Judaica-Inventars«, gehört heute die computer-
gestützte Erfassung der Bestände entsprechend der technischen Mög-
lichkeiten zum Alltag der Archive. Die stetig anwachsenden Datenban-
ken bieten gute Voraussetzungen für die Benutzung und
Auskunftserteilung zum Schicksal einzelner Personen oder zu Sachver-
halten. Die Einsichtnahme in die Bestände ist unter Beachtung der
datenschutzrechtlichen Bestimmungen möglich.
Das Staatsarchiv Leipzig hat sich darüber hinaus aktiv an bundeswei-
ten Projekten wie dem »Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden
unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland
1933–1945« des Bundesarchivs und dem Inventar »Quellen zur
Geschichte der Juden in den Archiven der neuen Bundesländer« betei-
ligt. Zukünftig wird das Online-Angebot des Archivs mit geeigneten
Findbüchern und Digitalisaten weiter ausgebaut werden.
Die Übersicht gibt Auskunft über die wichtigsten Bestände im Staats-
archiv Leipzig und ihre Überlieferung zur Judenverfolgung.
INNERES
20031 Polizeipräsidium Leipzig
(1900–1952)
471 lfm Akten
Datenbank und Findbuch (2007)
Inhalt: Zusammenwirken von Polizei und Gestapo.-
Ca. 1500 Akten zu jüdischen Personen und Vereinen, zu
Überwachung, Passerteilung zur Auswanderung,
Führerscheinangelegenheiten.- Ermittlungsverfahren und
Strafmitteilungen.- Register des Polizeigefängnisses.-
Meldekartei der Stadt Leipzig (1911–1950).
JUSTIZ
20114 Landgericht Leipzig
(1879–1952)
84 lfm Akten
Findbuch, Findkartei (1985)
Inhalt: Strafverfahren gegen jüdische Personen.- Untersu-
chung und Anklageerhebung durch die Staatsanwaltschaft.
20124 Amtsgericht Leipzig (1830–1952)
418 lfm Akten
Datenbank und Findbuch (1997, 2004)
Inhalt: Strafverfahren gegen jüdische Personen.- Jüdische
Rechtsanwälte.- Handels- und Genossenschaftsregister.
FINANZEN
20206 Oberfinanzpräsident Leipzig
(1933–1945)
62 lfm Akten
Datenbank und Findbuch (2007)
Inhalt: Überwachung des Devisenverkehrs.- Aufsicht über
jüdisches Vermögen, Sicherungsanordnungen.- Kontrolle über
Steuern und Finanzen bei Auswanderungen, Genehmigungen
für den Zahlungsverkehr bei Sperr- und Sonderkonten.-
Zusammenarbeit mit Devisenbanken.
BANKEN
21006 Allgemeine Deutsche Creditanstalt Leipzig
(1856–1950)
21016 Commerzbank, Filiale Leipzig (
1926–1954)
21017 Deutsche Bank, Filiale Leipzig
(1901–1946)
21018 Dresdner Bank in Leipzig
(1873–1947)
21033 Reichsbankhauptstelle Leipzig mit Nebenstellen
(1852–1946)
21040 Stadt- und Girobank Leipzig
(1917–1952)
Inhalt: Kennzeichnung jüdischer Konten und Wertpapierfonds.- Kon-
trolle des Devisenverkehrs.- Jüdisches Vermögen, Vollzug der Siche-
rungsanordnungen gegen Personen und
Firmen.- Zwangsanbietung von Wertpapieren.- Zahlungsverkehr bei
Sperr- und Sonderkonten, Auslandskonten.