Gewinner des Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreises:
32. Mittelschule „Sieben Schwaben“, Dresden-Tolkewitz
Begonnen hat alles mit der Erforschung Ihres denkmalgeschützten Schulgebäudes,
einem Bau des Architekten und Dresdner Stadtbaurats Hans Erlwein. Er schuf in der
Zeit zwischen 1907-1909 einen Schulbau, der nach seinen eigenen Worten „etwas
ganz besonders Gutes“ sein sollte.
Die Mittelschüler haben in ihrer Freizeit nach historischen Quellen recherchiert und
im Schulhaus nach Spuren der Baumeister und Künstler gesucht. Ab 1999
erarbeiteten die Schüler anlässlich des 90. Schuljubiläums eine Schulchronik und
eine Ausstellung zur Geschichte der Schule. Seitdem finden regelmäßig Führungen
von Schülern für Schüler und Besucher, Vorträge und ein Wissensquiz zur Schule
statt, natürlich auch zum Tag des offenen Denkmals. 2009 organisierten Ihre Schüler
anlässlich des 100. Schuljubiläums eine „Erlwein-Rallye“ zu Bauwerken des
berühmten Architekten in Dresden. Darüber hinaus erforschten Schülergruppen im
Laufe der Jahre verschiedene Kulturdenkmale im Umfeld der Schule, wie z.B. die
Versöhnungskirche in Dresden-Striesen und ein technisches Denkmal, den Bus- und
Betriebshof Tolkewitz.
„Georgius-Agricola-Gymnasium“ in Glauchau
Den Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis erhält das „Georgius-Agricola-
Gymnasium“ in Glauchau. Auch hier begann die Mitarbeit am PEGASUS-Projekt mit
der Erforschung der eigenen Schule. Im Vorfeld des 140. Schuljubiläums begannen
die Schüler der Arbeitsgemeinschaft Geschichte unter Leitung von Hubertus
Schrapps, ein „Museum in der Schule“ aufzubauen. In unzähligen Stunden haben
Sie Gegenstände vom Baustaub befreit, Ausstellungsstücke aufbereitet, sortiert und
archiviert. Das Museum wird ständig erweitert, denn oft kommen Schüler und bringen
Dinge mit, die sie beim Stöbern bei Groß- oder Urgroßeltern entdeckt haben.
Außerdem beschäftigen sich die Schüler mit der Geschichte ihrer Heimatstadt
Glauchau. Für das Agricolajahr 2005 entstand erstmals ein Kalender zu Denkmalen
der Stadt Glauchau. Seither ist dieser jährlich herausgegebene Kalender ein Muss
für interessierte Glauchauer. Für den diesjährigen Kalender waren die Schüler unter
dem Motto „Denk mal an die Heimatstadt!“ unterwegs. Sie haben Orte erkundet, die
auf historischen Postkarten dargestellt waren, dazu kurze Texte erarbeitet und die
Motive dann heutigen Ansichten gegenübergestellt.
Bemerkenswert ist auch Ihr Engagement für die Geschichte der Garnison in
Glauchau. Schüler der Abiturklasse haben das ehrgeizige Ziel entwickelt, die letzten
Reste der in den 1990er Jahren abgerissenen Kaserne – ein Postenhäuschen und
einen Torbogen –vor dem Vergessen zu bewahren, zu restaurieren und für eine
Ausstellung zu nutzen. Die Schüler haben die Bevölkerung sensibilisiert und
Sponsoren und Mitstreiter gesucht. Während die Gymnasiasten ein Museum
konzipierten, kümmerten sich die Fachoberschüler des Beruflichen Schulzentrums
„Dr. Friedrich Dittes“ um die bauliche Instandsetzung des Postenhäuschens. Ganz
nebenbei entstand eine einzigartige Attraktion in Glauchau und Umgebung – das
vielleicht kleinste Museum der Welt. In diesem historischen Kleinod werden ständig
Ausstellungen zur Entwicklung der im Jahr 1913 errichteten Kaserne zu sehen sein,

die zukünftig durch die AG Geschichte gestaltetet werden. Mit dem Eintrag in das
Guinness-Buch der Rekorde hat es zwar noch nicht geklappt, dafür werden die
Schülerinnen und Schüler mit ihrem Projektleiter Hubertus Schrapps für ihr Projekt
“Das kleinste Museum“ aber mit dem Sächsischen Kinder- und Jugenddenkmalpreis
ausgezeichnet.
Beruflichen Schulzentrum „Dr. Friedrich Dittes“ in Glauchau
Das Berufliche Schulzentrum „Dr. Friedrich Dittes“ (BSZ) erhält den Sächsischen
Kinder- und Jugenddenkmalpreis für Projekte in der praktischen Denkmalpflege und
wird für seine jahrelange Mitarbeit am PEGASUS-Projekt ausgezeichnet.
Seit 15 Jahren nehmen Auszubildende und Schüler des BSZ Glauchau am
PEGASUS-Projekt teil. Zwischen 1997 und 2006 haben sich Stuckateurlehrlinge am
BSZ Glauchau unter Anleitung ihrer Projektleiter Ulrich Schleife und Joachim
Schönherr an der Restaurierung des Dresdner Residenzschlosses und des Dresdner
Zwingers beteiligt. Eine einmalige Herausforderung! Die Azubis haben Probeachsen
für den Großen Ballsaal und den Großen Altan des Dresdner Schlosses und für den
Böttger-Saal im Dresdner Zwinger erstellt, Stuckteile nach historischen Vorlagen
angefertigt und Probeentwürfe für die Kleine Englische Treppe und für den
Eckparadesaal des Dresdner Schlosses. Schüler der Berufsfachschule für Informatik
haben Raster für die Herstellung der Formen errechnet, Datenbanken erstellt und die
Projekte dokumentiert. Nach 2006 folgten weitere praktische Denkmalprojekte in
Glauchau, wie am Meisterhaus Glauchau und in den Zieglerschen Terrassengärten.
Für Ihre Auszubildenden sind die Praktikumswochen ein Höhepunkt ihrer Ausbildung.
In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und unter Anleitung von
erfahrenen Fachleuten werden sie am Denkmal an traditionelle Handwerkstechniken
herangeführt. Dabei können sie in Eigeninitiative und Eigenverantwortung
Erfahrungen in der Denkmalpflege sammeln. Lehrlinge und Schüler erleben den
gesamten Fertigungsprozess mit dem Bewusstsein, dass das Resultat ihrer Arbeit
genutzt und über Jahre am Baudenkmal zu sehen sein wird.
Für dieses Konzept erhielt 2001 das BSZ den Initiativpreis für Aus- und
Weiterbildung des Bundespräsidenten. Im selben Jahr fand auch im BSZ Glauchau
unter dem Motto „Schule als Denkmal – Denkmal als Schule: Jugend und Kulturerbe“
die zentrale Eröffnungsveranstaltung für Sachsen zum Tag des offenen Denkmals
statt.
Ihr aktuelles Projekt ist einzigartig. Es wurde im Jahr 2006 von Prof. Andrieux aus
Frankreich angeregt. Zusammen mit ihren Lehrern haben ca. 100 junge Europäer in
ihren Schulen Maschinen nach Vorlagen der „De Re Metallica“ von Georgius Agricola
rekonstruiert. In Spanien wurde ein Schmelzofen, in Frankreich ein
Schmiedehammer und am BSZ Glauchau ein Pochwerk im Originalmaßstab nach
eigenen Zeichnungen nachgebaut.