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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft
Potentiale, Probleme und Handlungsfelder
Rolf Steffens
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Gliederung
Einführung
Die Potentiale – eine kurze Übersicht
Naturschutz und biologische Vielfalt
Biologische Vielfalt und Landnutzung
Biologische Vielfalt und bürgerliches
Engagement
Biologische Vielfalt und Klimaschutz
Einige Schlussbemerkungen

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die Potenziale – eine kurze Übersicht
Der Freistaat Sachsen
ist mit ca. 18 500qkm und 2,4 Mill. Einwohnern ein relativ kleines
und überwiegend dicht besiedeltes Bundesland
erstreckt sich vertikal von unter 100m ü. NN bis über 1 000m ü. NN
hat Anteil an den drei bedeutenden europäischen Naturregionen
Tiefland, Hügelland und Mittelgebirgsschwelle
Weist eine erhebliche klimatische (Höhenlage, Exposition) sowie
kleinräumige geologische, morphologische, hydrologische und
nutzungsbedingte Differenzierung auf
Daraus ergibt sich ein insgesamt vielfältiges Landschafts- und
Vegetationsbild sowie eine reichhaltige Flora und Fauna

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die Potenziale – eine kurze Übersicht
Der Freistaat Sachsen
ist mit ca. 18 500qkm und 2,4 Mill. Einwohnern ein relativ kleines
und überwiegend dicht besiedeltes Bundesland
erstreckt sich vertikal von unter 100m ü. NN bis über 1 000m ü. NN
hat Anteil an den drei bedeutenden europäischen Naturregionen
Tiefland, Hügelland und Mittelgebirgsschwelle
Weist eine erhebliche klimatische (Höhenlage, Exposition) sowie
kleinräumige geologische, morphologische, hydrologische und
nutzungsbedingte Differenzierung auf
Daraus ergibt sich ein insgesamt vielfältiges Landschafts- und
Vegetationsbild sowie eine reichhaltige Flora und Fauna

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
nach Mannsfeld (2006)

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die Potenziale – eine kurze Übersicht
Der Freistaat Sachsen
ist mit ca. 18 500qkm und 2,4 Mill. Einwohnern ein relativ kleines
und überwiegend dicht besiedeltes Bundesland
erstreckt sich vertikal von unter 100m ü. NN bis über 1 000m ü. NN
hat Anteil an den drei bedeutenden europäischen Naturregionen
Tiefland, Hügelland und Mittelgebirgsschwelle
Weist eine erhebliche klimatische (Höhenlage, Exposition) sowie
kleinräumige geologische, morphologische, hydrologische und
nutzungsbedingte Differenzierung auf
Daraus ergibt sich ein insgesamt vielfältiges Landschafts- und
Vegetationsbild sowie eine reichhaltige Flora und Fauna

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
(SMUL 2008)

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
aus Berger (2009)

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die Potenziale – eine kurze Übersicht
Der Freistaat Sachsen
ist mit ca. 18 500qkm und 2,4 Mill. Einwohnern ein relativ kleines
und überwiegend dicht besiedeltes Bundesland
erstreckt sich vertikal von unter 100m ü. NN bis über 1 000m ü. NN
hat Anteil an den drei bedeutenden europäischen Naturregionen
Tiefland, Hügelland und Mittelgebirgsschwelle
Weist eine erhebliche klimatische (Höhenlage, Exposition) sowie
kleinräumige geologische, morphologische, hydrologische und
nutzungsbedingte Differenzierung auf
Daraus ergibt sich ein insgesamt vielfältiges Landschafts- und
Vegetationsbild sowie eine reichhaltige Flora und Fauna

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zeugen unserer Natur- und Kulturgeschichte
(einige Beispiele)
Naturgeschichte
Das feucht-kühle Klima der Hoch- und Kammlagen hat zur
Entwicklung von (in Teilen noch heute erhaltenen) Hochmooren geführt
Auf süd- bis südwestexponierten Seilhängen und Kuppen
konzentrieren sich Halbtrockenrasen sowie Wälder trockenwarmer
Standorte mit Offenland- und Warmzeitrelikten/zeugen
Die Erosionslandschaften des Elbsandsteingebirges sind weit über
Sachsen hinaus bekannte Naturerscheinungen
Kulturgeschichte
Durch ihre Vielfalt und Schönheit beeindrucken noch heute z. B. die:
die Steinrückenlandschaften des Erzgebirges
die Weinbaugebiete um Pillnitz, Radebeul und Meißen
die Teichgebiete der Oberlausitz
Letztendlich lassen sich auf Naturbedingungen und Landnutzung
alle für den Naturschutz relevante Sachverhalte zurückführen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zeugen unserer Natur- und Kulturgeschichte
(einige Beispiele)
Naturgeschichte
Das feucht-kühle Klima der Hoch- und Kammlagen hat zur
Entwicklung von (in Teilen noch heute erhaltenen) Hochmooren geführt
Auf süd- bis südwestexponierten Seilhängen und Kuppen
konzentrieren sich Halbtrockenrasen sowie Wälder trockenwarmer
Standorte mit Offenland- und Warmzeitrelikten/zeugen
Die Erosionslandschaften des Elbsandsteingebirges sind weit über
Sachsen hinaus bekannte Naturerscheinungen
Kulturgeschichte
Durch ihre Vielfalt und Schönheit beeindrucken noch heute z. B. die:
die Steinrückenlandschaften des Erzgebirges
die Weinbaugebiete um Pillnitz, Radebeul und Meißen
die Teichgebiete der Oberlausitz
Letztendlich lassen sich auf Naturbedingungen und Landnutzung
alle für den Naturschutz relevante Sachverhalte zurückführen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Halbtrockenrasen
Foto: Archiv LfULG U. Zöphel

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Wiesen – Kuhschelle (
Pulsatilla
pratensis)
Foto: Archiv LfULG, F. Klenke

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zeugen unserer Natur- und Kulturgeschichte
(einige Beispiele)
Naturgeschichte
Das feucht-kühle Klima der Hoch- und Kammlagen hat zur
Entwicklung von (in Teilen noch heute erhaltenen) Hochmooren geführt
Auf süd- bis südwestexponierten Seilhängen und Kuppen
konzentrieren sich Halbtrockenrasen sowie Wälder trockenwarmer
Standorte mit Offenland- und Warmzeitrelikten/zeugen
Die Erosionslandschaften des Elbsandsteingebirges sind weit über
Sachsen hinaus bekannte Naturerscheinungen
Kulturgeschichte
Durch ihre Vielfalt und Schönheit beeindrucken noch heute z. B. die:
die Steinrückenlandschaften des Erzgebirges
die Weinbaugebiete um Pillnitz, Radebeul und Meißen
die Teichgebiete der Oberlausitz
Letztendlich lassen sich auf Naturbedingungen und Landnutzung
alle für den Naturschutz relevante Sachverhalte zurückführen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, H. Rank

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zeugen unserer Natur- und Kulturgeschichte
(einige Beispiele)
Naturgeschichte
Das feucht-kühle Klima der Hoch- und Kammlagen hat zur
Entwicklung von (in Teilen noch heute erhaltenen) Hochmooren geführt
Auf süd- bis südwestexponierten Seilhängen und Kuppen
konzentrieren sich Halbtrockenrasen sowie Wälder trockenwarmer
Standorte mit Offenland- und Warmzeitrelikten/zeugen
Die Erosionslandschaften des Elbsandsteingebirges sind weit über
Sachsen hinaus bekannte Naturerscheinungen
Kulturgeschichte
Durch ihre Vielfalt und Schönheit beeindrucken noch heute z. B. die:
die Steinrückenlandschaften des Erzgebirges
die Weinbaugebiete um Pillnitz, Radebeul und Meißen
die Teichgebiete der Oberlausitz
Letztendlich lassen sich auf Naturbedingungen und Landnutzung
alle für den Naturschutz relevante Sachverhalte zurückführen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, W. Riether

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Weinberge mit Spitzhaus
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, K.-H. Trippmacher

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zeugen unserer Natur- und Kulturgeschichte
(einige Beispiele)
Naturgeschichte
Das feucht-kühle Klima der Hoch- und Kammlagen hat zur
Entwicklung von (in Teilen noch heute erhaltenen) Hochmooren geführt
Auf süd- bis südwestexponierten Seilhängen und Kuppen
konzentrieren sich Halbtrockenrasen sowie Wälder trockenwarmer
Standorte mit Offenlandrelikten und Warmzeitzeugen
Die Erosionslandschaften des Elbsandsteingebirges sind weit über
Sachsen hinaus bekannte Naturerscheinungen
Kulturgeschichte
Durch ihre Vielfalt und Schönheit beeindrucken noch heute z. B. die:
die Steinrückenlandschaften des Erzgebirges
die Weinbaugebiete um Pillnitz, Radebeul und Meißen
die Teichgebiete der Oberlausitz
Letztendlich lassen sich auf Naturbedingungen und Landnutzung
alle für den Naturschutz relevante Sachverhalte zurückführen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Arten und Biotope im landesweiten Vergleich
Seltene/gefähr-
dete Arten
Bedeutsame
Artvorkommen
Biotope
Biotope
Summe
Anzahl
/Raster
Rang Punkte Rang Fläche Rang Dichte Rang Ränge Platz-
ziffer
Oberl. Heide-
u. Teichgebiet
15,3
1
834
1
14724
1
9,60
3 6 1
Elbtal u.
Randlagen
12,6
2
796
2
6322
6
7.63
5 15 2
Muskauer
Heide
10,2
6
340
6
8055
2
9,03
4 18 3
Sächsische
Schweiz
9,4
8
246
9
3814
9
9,61
2 28 5
Oberes West-
u. Mittelerz.
8,3
14
432
5
7928
3
5,95
7
29
6
Großenhainer
Pflege
11,3
5
164
14
2005
17
3,35
15 51 13
Mittelsäch-
sisches
Lößhügelland
5,6
19
66
19
1501
18
2,50
19 65 19

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Bewertung der Arten und Biotope im Gebiet Elbtal und Randlagen
nach Lebensraumbereichen im landsweiten Vergleich (19 Ränge)
Arten
Biotope (nur Ränge 1-5)
Punkte
Rang
Rang
Fläche
Rang
Dichte
Feuchtgebiete und Auen
256,5
3
Grünland frischer
Standorte
Feuchtgebüsch
Altwasser
(Auwälder)
2
4
2
(12)
2
2
2
(9)
Trockenwarme Standorte
388,5
1
Trockenmauern
Weinberge
Trockengebüsch
Trockenrasen
Staudenfluren trocken
warmer St.
Sreuobstwiesen
Laubwald trocken warmer
Standorte
1
1
1
2
4
1
2
1
1
1
3
5
2
2
Wald
162,0
1
Höhlenreiche
Altholzinseln
Laubwald mesophil
Laubwald bodensauer
Sonstige wertvolle
Gehölze
1
1
5
3
1
3
5
3

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Naturschutz und biologische Vielfalt
Definition der biologischen Vielfalt lt. CBD
… „die Vielfalt innerhalb der Arten und zwischen den Arten und die
Vielfalt der Ökosysteme“…
Bedeutung der biologischen Vielfalt
Die biologische Vielfalt ist Voraussetzung für die stetige Erneuerung
elementarer Lebensbedingungen (Energieflüsse, Stoffkreisläufe,
Bodenfruchtbarkeit, Luft zum Atmen, ausgeglichenes Weltklima,
Aufbau/Abbau organischer Substanzen)
Schutz der naturraumtypischen biologischen Vielfalt

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Landnutzung
Die
historischen Landnutzungsformen
haben zunächst (
bis Mitte des
19. Jh.)
in Mitteleuropa den
Artenreichtum
der Fauna und Flora sowie
ihrer Lebensräume
erhöht
.
Seither
ist ein
stetiger
, in jüngster Zeit beschleunigter
Artenrückgang
zu verzeichnen, der inzwischen ein
weltweit dramatisches Ausmaß
hat.
Spätestens seit der
UNO – Umweltkonferenz 1992 in Rio
gehört der
Schutz der
biolog. Vielfalt
zu den
weltweit wichtigsten Umweltthemen
.
Das
EU – Ziel
, den
Rückgang
der biologischen Vielfalt
bis 2010
zu
stoppen
wurde mehrheitlich, so auch in Deutschland und im Freistaat
Sachsen,
verfehlt
.
Die
neue Zielsetzung
lautet „den Verlust an biologischer Vielfalt und die
Verschlechterung der Ökosystemleistungen in der EU bis
2020
zum
Stillstand zu bringen ...“
Das ist
nur realistisch wenn die Landnutzung
an die Erfordernisse
zum Schutz der biologischen Vielfalt (z. B. durch Nutzungsdifferenzierung)
angepasst wird
.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Offenlandnutzung
Geschichte der Offenlandnutzung in Sachsen
Die großen Waldrodungen (bis 13. (17.)Jh.)
Die klassische Dreifelderwirtschaft (bis 19. Jh.)
Der Nutzungswandel im Industriezeitalter (bis Mitte des 20. Jh.)
Die hochindustrielle Phase (nach 1960)
Die Zeit nach 1990

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: A. Winkler

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Innerhalb der in der Tabelle aufgeführten faunistischen Artengruppen
sind
Offenlandarten um reichlich 1/3 häufiger gefährdet
als die übrigen
Arten.
Gefährdung faunistischer Artengruppen in Sachsen unter besonderer Beachtung
des Agrarraumes
(Datengrundlage: Börner et al. 1994, Rau et al. 1999- Reinhardt 1998, Schulz 1999)

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Wie das Beispiel der Brutvogelfauna zeigt, ist
für Offenlandarten
auch
nach
1990 keine Stabilisierung
eingetreten, sondern die
Situation
hat sich vor
allem seit Mitte der 1990er Jahre
weiter verschärft
.
Brutvogelarten mit deutlich negativem bzw. positivem Trend in drei
Bezugszeiträumen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: A. Winkler

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Bestandsrückgang des Rebhuhn in Sachsen seit Ende der 1970er Jahre
Bestände:
3000-
5000
BP
1500-
3000
BP
200-
400
BP

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Situation bei der
Segetalflora
Zum Beispiel sind von den
bei GLÖCKNER (2002)
aufgeführten 22 reinen
Ackerarten
9 bereits ausgestorben
12 sind gefährdet
nur eine ist nicht gefährdet
(Acker-Steinsame).

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Niederwildgerechte Flächenstilllegung-Ergebnisbeispiel (Spittler 2000)
Projektergebnis
1995
1997
1999
Rebhuhn
3 BP
9 BP
12 BP
Feldhase
< 25
50
Hamsterbaue
0
1
15

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Differenzierte Landnutzung (nach Haber 2002)

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Flächenbedarf für die ökologische Infrastruktur in
Agrarlandschaften
- ca. 5% der LN: Restrukturierung der Landschaft (Raine,
Hecken, Feldgehölze, Kleingewässer und
Gewässerrandstreifen)
- ca. 25% der LN: Acker- und Grünlandnutzung mit spezifischen
Anforderungen aus der Sicht des Arten- und
Biotopschutzes
Räumliche Schwerpunkte
sollten die
FFH -Gebiete
und die
Vogelschutzgebiete
sowie die
Kern- und Verbindungsflächen
der
fachlichen Arbeitsgrundlagen für den
Biotopverbund
sein.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Waldnutzung
Geschichte der Waldnutzung in Sachsen
Die
großen Waldrodungen
(bis 13. (17.) Jh.)
Mittel- und Niederwaldwirtschaft
, Waldweide und Streunutzung, lichte
Plenterwälder im Bergland (bis 18./19. Jh.)
Geregelten Forstwirtschaft
mit Fichten- und Kiefern-Monokulturen und
überwiegend Kahlschlagwirtschaft (19. u. 20. Jh.)
Übergang zur naturnahen Waldwirtschaft
in den Staatsforsten,
Förderung der naturnahen Waldwirtschaft im Privatwald,
Genehmigungspflicht für Kahlschläge > 2ha (seit 1990)
Die naturnahe Waldwirtschaft und der damit verbundene Waldumbau
sind echte Fortschritte gegenüber der Kahlschlagswirtschaft. Allein
dadurch ist jedoch noch kein hinreichender Schutz der biologischen
Vielfalt des Waldes gegeben.

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
aus Scherzinger (1996)

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, M. Rentsch

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, M. Rentsch

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: flickr/harald

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Gewässerbewirtschaftung
Durch
Rückgang der Gewässerverunreinigung
hat sich die Situation in
manchen Bereichen etwas entspannt. Es gibt jedoch noch
erhebliche Defizite
Naturschutzfachliche Anforderungen (Auswahl)
Verbesserung der Strukturgüte
von Fließgewässern durch komplexe
Fließgewässerrenaturierung
Verbindung
des technischen
Hochwasserschutzes
mit
ökologische
n bzw.
integrativen
Lösungen
Beachtung der ökologischen Bedeutung von Strukturelementen
im und
am Fließgewässer bzw. in der Gewässeraue beim Ausbau und bei der Pflege
von Fließgewässern
Stärkere Nutzungsdifferenzierung
bei der Bewirtschaftung von
Fischteichen
°
Fischbesatz
(Karpfen) von K0 bis K3
°
Intensitätsdifferenzierung
von Kleinteichen ohne Besatz bis hin zu hohem
Besatz mit
ausreichender Zufütterung
°wechselndes
Bespannungsregime
(Sömmerung, Winterung, Teilbespannung)
°
Schilfschnitt
nur außerhalb der Fortpflanzungszeit der Wasservögel

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Siedlung/Bebauung/Verkehr
.
Naturschutzfachliche Anforderungen (Auswahl)
Sicherung der Lebensstätten gebäudebewohnender Tierarten
bei
Neubau und Sanierung entsprechender Objekte
Stärkere
Beachtung von Siedlungsrandbereichen
, Gärten und
Grünanlagen
als Rückzugsräume
für Offenlandarten
Stärkere
Beachtung von innerstädtischen Brachflächen als Lebens-
raum
ruderaler Pflanzen und insbesondere einer reichhaltigen Entomofauna
Differenzierte Gestaltung und Pflege
(Blütenreichtum, Nisthilfen,
Unterholz, Staudensäume und ungemähte Bereichen etc.)
von Grünanlagen
und Gärten
unter Beachtung der Lebenszyklen der Organismen
Sicherung
Mindestanteil höherer Bäume in Kleingartenanlagen
Reduzierung der
Flächenversiegelung
und der Flächenzerschneidung
bzw. der
Zerschneidungswirkung von Verkehrstrassen

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Fischotter
(Lutra lutra)
Foto: Archiv LfULG, G. Engler

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Abb. 3 Gemeldete verkehrstote Fischotter im Freistaat Sachsen
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
1981-84
1985-88
1989-92
1993-96
1997-2000
2001-04
Anzahl

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Luchs
(Lynx lynx
Foto: Archiv LfULG, H. Rank

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Rothirsch
(Cervus elaphus)
Foto: Archiv LfULG, R. Stets

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Aus Hauer et al. (2009)

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und bürgerliches Engagement
Verbraucherbewustsein
kann Grundbedingungen für den Schutz der
biologischen Vielfalt verbessern (z. B. Kaufverhalten)
Grundstückseigentümer
können vor allem im Siedlungs- und
Siedlungsrandbereich durch
spezifische Gestaltungs- und
Pflegemaßnahmen
Rückzugsbereiche für Fauna und Flora schaffen bzw.
erhalten
Naturwissenschaftliche Fachvereine
leisten maßgebliche Beiträge zur
Erfassung und Zustandsbewertung der Fauna und Flora
sowie zur
Ursachenermittlung von Gefährdungen
Ehrenamtlicher Naturschutzdienst, Naturschutzverbände
und
Einzelbürger engagieren sich für den
Schutz
und die
Pflege wertvoller
(naturnaher/artenreicher)
Restflächen bzw. gefährdeter Arten
Das alles sind unverzichtbare Beiträge für den Naturschutz in der
Kulturlandschaft. Unabhängig davon liegt aber die
Hauptverantwortung
bei der Landnutzung und deren Rahmenbedingungen
.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
Die Organismen leben in verschiedenen trophischen Ebenen, über die sich
der Energiefluss und Stoffkreislauf vollzieht
Primärproduzenten
(autotrophe
Pflanzen)
Konsumenten 1
(phytophager Tiere)
Konsumenten 2
(Fresser
phytophager Tiere)
Konsumenten 3
(Fresser zoophager
Tiere)
Destruenten
(saprophage Tiere)
Reduzenten
(heterotrophe u.
chemoautotrophe
Pilze, Bakterien u.a.)

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
Es entstehen dabei hochkomplizierte Nahrungsnetze.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Die biologische Vielfalt als Voraussetzung für ein
stabiles Klima.
Ergebnis all dieser Wechselbeziehungen ist ein Gleichgewicht
zwischen
Photosynthese
(Assimilation)
6 H
2
O + 6 CO
2
+ Sonnenenergie
C
6
H
12
O
6
+ 6 O
2
und
Atmung
(Dissimilation)
6 O
2
+ C
6
H
12
O
6
6 CO
2
+ 6 H
2
O + 2880 kJ/mol Glukose
Die Gesamtheit der heute lebenden Organismen mit ihren
Nahrungsnetzen und ihnen innewohnenden
Rückkopplungsmechanismen bzw. Puffersystemen reguliert
letztendlich auch unser Klima.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Schutz der biologischen Vielfalt ist deshalb zugleich
auch Klimaschutz.
Diesem Sachverhalt tragen Klimadiskussion und Maßnahmen des
Klimaschutzes bisher noch ungenügend Rechnung.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Klimaprognose in Sachsen bis Ende des 21. Jahrhunderts
(nach KÜCHLER&MELLENTIN- Vortrag in Bad Düben 15. März 2008)
Gravierender Temperaturanstieg (stärkere Verdunstung)
Markanter Rückgang der Niederschläge in der Vegetationsperiode
Keine nennenswerte Zunahme der Winterniederschläge in Sachsen
Rückgang der Niederschläge findet vor allem in Regionen statt, die a priori sehr
wenig Niederschlag aufweisen (Nord- und Ostsachsen)
Resümee:
Trockenheit und Dürre
sind voraussichtlich das Problem Nr. 1 in Sachsen im
21. Jahrhundert

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Klimafolgen
Natürliche Standortsvielfalt, naturnahe Wälder sowie Nutzungs- und
Kulturartenvielfalt sind wesentliche Grundlagen der Biodiversität. Gleichzeitig
mindern sie die Folgen von Klimaveränderungen.
Natürliche Standortsabfolge
trocken
frisch
feucht
nass
zunehm. Trockenheit
s.trocken
trocken
frisch
feucht
Veränderung 25 %
Nivellierter Standort
zunehm. Trockenheit
Veränderung 100 %
frisch
trocken

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt und Klimafolgen
Monokulturen
zunehm. Trockenheit
Mischwald
zunehm. Trockenheit
Fichtenforste
z.B. im Hügelland
flächenhafte Dürreschäden,
Insektenkalamitäten
z. B. Eichen (Hainbuchen)
Buchenwald
Veränderung der Baumarten-
anteile
Arten mit intakten Populationen und hoher innerartlicher Vielfalt, dürften i. d. R.
anpassungsfähiger an Klimaänderungen sein als Arten mit bereits
eingeschränkter genetischer Vielfalt.
R-Strategen dürften (in der Übergangsphase) i. d. R. gegenüber den
K-Strategen im Vorteil sein.

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Schlußfolgerung
Biologische Vielfalt kann die Folgen von Klimaänderungen
mildern
Der Biotopverbund kann dazu einen wesentlichen Beitrag
leisten, indem er den Organismen
in den Kernflächen durch Standorts- und Lebensraumvielfalt
interne Ausweichmöglichkeiten bietet
in den Verbindungsflächen durch Trittsteine u. a.
Lebensraumelemente die Zu- und Abwanderung ermöglicht

 
Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Zusammenfassung
Natürliche
Standortsvielfalt
Landnutzungsvielfalt
(differenz. Landnutzung)
biologisch Vielfalt
Biologische Vielfalt
Lebensgrundlage
Minderung der Klimafolgen
Lebensqualität
Biologische Vielfalt
Biologische Vielfalt
Nur wenn es uns gelingt, die entsprechenden Anforderungen in die
Landnutzungssysteme zu integrieren, werden wir den Rückgang der
biologischen Vielfalt aufhalten können

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Biologische Vielfalt ist auch Lebensqualität, Quelle
sinnlicher Wahrnehmung und ästhetischen Empfindens
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert
Foto: Archiv LfULG

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Dr. Rolf Steffens:
Naturschutz in der sächsischen Kulturlandschaft – Potentiale, Probleme, Handlungsfelder
Vielen Dank fürs Zuhören
Foto: Archiv LfULG, W. Böhnert