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Gewässer
Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Schriftenreihe, Heft XX/2014 (wird von ÖA LfULG vergeben)

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 2
Erfassung und Bewertung „Landschafts-
wasserhaushalt und Gewässer“
Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Kuhn, Karin; Börke, Dr. Peter; Jenemann, Kerstin; Schaarschmidt, Toralf; Schönherr, Michaela; Spänhoff, Dr.
Bernd; Engelmann, Dr. Uwe; Herbst, Dr. Frank; Höhne, Uwe; Decker, Annette

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 3
Inhalt
1
Einführung ............................................................................................................................................................. 5
2
Veränderungen des Landschaftswasserhaushaltes .......................................................................................... 6
2.1
Wasserrückhaltevermögen der Landschaft ............................................................................................................. 7
2.2
Veränderungen des Wasserhaushaltes durch Rohstoffabbau ................................................................................ 8
3
Grundwasser ......................................................................................................................................................... 9
3.1
Erfassung und Bewertung der Grundwasserkörper gemäß Wasserrahmenrichtlinie .............................................. 9
3.1.1
Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie/Wasserhaushaltsgesetz ..................................................... 9
3.1.2
Ergebnisse der Bewertung der Grundwasserkörper ................................................................................................ 9
3.1.3
Ursachen für die Beeinträchtigung von Grundwasserkörpern ................................................................................. 10
3.2
Schutzwürdigkeit des Grundwassers....................................................................................................................... 11
4
Oberflächengewässer ........................................................................................................................................... 12
4.1
Standgewässer ........................................................................................................................................................ 12
4.1.1
Erfassung und Bewertung der Standgewässer gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ........................................... 13
4.1.2
Erfassung und Bewertung der Standgewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie ..................................................... 14
4.1.2.1
Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie für die Standgewässer ....................................................... 14
4.1.2.2
Ergebnisse der Bewertung der Standgewässer ...................................................................................................... 16
4.1.2.3
Ursachen für die Beeinträchtigung von Standgewässern ........................................................................................ 16
4.1.3
Schutzwürdigkeit der Standgewässer ..................................................................................................................... 16
4.2
Fließgewässer ......................................................................................................................................................... 16
4.2.1
Naturnähe von Fließgewässern ............................................................................................................................... 17
4.2.2
Wärmebelastung der Gewässer .............................................................................................................................. 18
4.2.3
Erfassung und Bewertung der Fließgewässer gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ............................................ 19
4.2.4
Erfassung und Bewertung der Fließgewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie ...................................................... 20
4.2.4.1
Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie für die Fließgewässer ......................................................... 20
4.2.4.2
Ergebnisse der Bewertung der Fließgewässer ........................................................................................................ 21
4.2.4.3
Ursachen für die Beeinträchtigung von Fließgewässern ......................................................................................... 22
4.3
Vom Wasser abhängige Landökosysteme .............................................................................................................. 26
5
Literaturverzeichnis .............................................................................................................................................. 28

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 4
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Erhaltungszustand der Standgewässer-Lebensraumtypen (vgl. Bericht nach Artikel 17 FFH-
Richtlinie 2007-2012) .................................................................................................................................. 14
Tabelle 2: In Sachsen ausgewiesene LAWA-Seentypen nach Riedmüller et al. (2013) .................................... 15
Tabelle 3: Merkmale und Ausprägungen zur Beurteilung der Naturnähe von Fließgewässer (-auen) und -
landschaften (verändert nach BASTIAN & SCHREIBER 1999) ........................................................................ 17
Tabelle 5: Erhaltungszustand der Fließgewässer-Lebensraumtypen ................................................................ 19
Tabelle
6:
Erhaltungszustand
von
oberflächennahem
Grundwasser
abhängiger
terrestrischer
Lebensraumtypen ........................................................................................................................................ 27

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 5
1 Einführung
Niederschlag, Verdunstung und Abfluss bestimmen den Gebietswasserhaushalt. Der Gebietsabfluss setzt sich
aus dem oberirdischen Abfluss und dem unterirdischen Abfluss zusammen. Der unterirdische Abfluss hängt
von der Grundwasserneubildungsrate ab. Der Landschaftswasserhaushalt und die Gewässer erfüllen wichtige
Funktionen im Naturhaushalt, die zu erhalten oder wiederherzustellen sind (vgl. § 1 BNatSchG). Der Land-
schaftswasserhaushalt hat z.B. wesentlichen Einfluss auf das Vorkommen von Arten und die Ausprägung von
Lebensräumen. Darüber hinaus spielt die Nutzung des Wassers als Nahrungsgrundlage, Transportmedium
und Energiequelle in der kulturellen und technischen Entwicklung des Menschen eine zentrale Rolle (Sied-
lungs- und Landnutzungsformen, Wassertechnik etc.). Zu den Funktionen und Leistungen des Landschafts-
wasserhaushaltes und der Gewässer gehören unter anderem:
die Regulierung des lokalen/regionalen Klimas,
Lebensraum für spezifisch angepasste Biozönosen,
Verbindung von Lebensräumen und Wanderwege für Arten (Biotopverbund),
den Landschaftscharakter und das Landschaftsbild prägend, maßgeblich für die Landschaftsgliederung
Bedeutung für Erholung, Sport und Freizeit,
Ressource für die Trink- und Brauchwasserversorgung von Bevölkerung, Industrie und Landwirtschaft,
Regulierung des Hochwasserabflusses, Bereitstellung von Retentionsflächen (Hochwasserschutz),
Ressource für die Bewässerung,
Ressource für die Fischerei,
Ressource für die Energiegewinnung,
Verkehrsweg (Schifffahrt).
Die Maßstäbe für die Bewertung des Landschaftswasserhaushaltes und der Gewässer ergeben sich aus den
Rechtsgrundlagen, den untersetzenden Arbeitshilfen zur Bewertung sowie den Zielkonzepten des Fachbeitra-
ges zum Landschaftsprogramm.
Zwei für den ökologischen Zustand der Gewässer und den Zustand des Wasserhaushaltes bedeutsame Richt-
linien der Europäischen Union, die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
(FFH-RL), enthalten Bewertungsmaßstäbe für Schutz, Pflege und Entwicklung der Gewässer.
Die im Jahr 2000 in Kraft getretene WRRL und ihre Umsetzungen im Wasserhaushaltsgesetz (WHG), der
Oberflächengewässer- (OGewV) und Grundwasserverordnung (GrwV) sowie im Sächsischen Wassergesetz
(SächsWG) geben Maßstäbe für die Bewertung sowie Bewirtschaftungsziele für die Oberflächengewässer
und das Grundwasser vor. Die Grundwasserkörper sind im Hinblick auf ihren mengenmäßigen und chemi-
schen Zustand zu beurteilen. Bei anthropogenen Veränderungen des Grundwassers sind die Bezüge zu
grundwasserabhängigen Landökosystemen und Oberflächengewässer zu berücksichtigen, da diese sowohl
chemisch als auch mengenmäßig nicht signifikant geschädigt bzw. in ihrer Zielerreichung beeinträchtigt wer-

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 6
den dürfen. Oberflächenwasserkörper sind im Hinblick auf ihren ökologischen Zustand beziehungsweise - für
alle erheblich veränderten und künstlichen Gewässer - ihr ökologisches Potenzial und ihren chemischen Zu-
stand zu beurteilen.
Grundsätzlich unterscheidet das WHG in künstliche, erheblich veränderte und natürliche Oberflächenwasser-
körper, deren Einstufung des chemischen und ökologischen Zustands bzw. des ökologischen Potenzials
durch die OGewV geregelt wird. Die GrwV regelt demgegenüber die Einstufung des mengenmäßigen und
chemischen Zustands der Grundwasserkörper.
Zwar gelten die in der europäischen WRRL formulierten Ziele für alle Oberflächengewässergemäß dem An-
wendungs- und Geltungsbereiches des § 1SächsWG. Jedoch unterliegen nicht alle Oberflächengewässer
einer Überwachung oder der Berichtspflicht. Diese gelten nur für Fließgewässer ab einem Einzugsgebiet von
10 Quadratkilometern bzw. einer Abschnittslänge von mindestens 5 km und Standgewässern ab einer Was-
serfläche von 50 Hektar. Daher liegen nur für diese sogenannten Oberflächenwasserkörper Bewertungen
ihres Zustandes gemäß OGewV vor.
Durch die Ergebnisse der Überwachungsprogramme zur Umsetzung der WRRL sowie durch die Ersterfas-
sung und das Monitoring nach der FFH-RL haben sich die Kenntnisse zum ökologischen und chemischen
Zustand sowie zu den Lebensraumtypen und Arthabitaten der Gewässer in den letzten Jahren stark erweitert.
Ausführliche Informationen dazu können auf den Internetseiten des Sächsischen Landesamtes für Umwelt,
Landwirtschaft
und
Geologie
im
Portal
Umwelt
auf
den
Seiten
Wasser,
Wasserwirtschaft
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/index.html)
(hier insbesondere Europäische Wasserrahmen-
richtlinie
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/5682.htm
) sowie auf den Seiten Natur, Biologische
Vielfalt
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/index.html)
(hier
insbesondere
Natura
2000
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8049.htm
) eingeholt werden.
2 Veränderungen des Landschaftswas-
serhaushaltes
Die Nutzungen beeinflussen und verändern den natürlichen Landschaftswasserhaushalt tiefgreifend. Die ver-
schiedenen Nutzungsarten verändern das Wasserrückhaltevermögen der Landschaft. Besonders stark greift
der Rohstoffabbau, und hier insbesondere der großflächige Braunkohletagebau, in den natürlichen Wasser-
haushalt ein.
Im Laufe der Zeit wurden die Gewässer selbst vielfältig verändert. Fließgewässer wurden über die Jahrhun-
derte hinweg fortschreitend begradigt und ausgebaut, mit Deichen und Querbauwerken versehen und vor
allem als Verkehrsweg, zur Energiegewinnung und von der Fischerei genutzt.
Viele Gewässer wurden auch neu geschaffen wie zum Beispiel Fischteiche, Talsperren und Bergbaufol-
geseen. Große Wasserflächen beeinflussen das lokale Klima in Richtung einer kühl-feuchteren Ausprägung

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 7
(pseudoatlantischer Effekt), wie man es in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft feststellen kann
(BASTIAN & PORADA 2005). Vielfach wurden Bäche ausgebaut oder Gräben angelegt, um Gebiete zu entwäs-
sern und bessere landwirtschaftliche Erträge zu erzielen oder sie erst für die Landwirtschaft nutzbar zu ma-
chen.
2.1 Wasserrückhaltevermögen der Landschaft
Vielfältige Faktoren haben Einfluss auf die Abflussbildung. Dazu gehören zum Beispiel das Niederschlagsge-
schehen oder das Relief, die Flächennutzung und die Art und Weise, wie bei der Nutzung mit den Flächen
umgegangen wird.
Die Entwässerung der Landschaft durch Grabensysteme reicht weit zurück. Bekannt ist, dass mit der Besiede-
lung des Erzgebirges zur Zeit des mittelalterlichen Landesausbaus im Zusammenhang mit dem beginnenden
Bergbau Gräben angelegt wurden. Um Zinnablagerungen in erzgebirgischen Fließgewässern besser ausbeu-
ten zu können, entwässerte man die umgebenden Moore (THIEM & BASTIAN 2014: 228). Ab dem 16. Jahrhun-
dert wurde der Torfabbau stark intensiviert, da die Holzvorräte durch den Bergbau dezimiert waren. Auch hier-
für mussten Moore entwässert werden (THIEM & BASTIAN 2014: 228). Zusätzlich entstand ein Grabensystem
zur Entwässerung der Stollen.
Auch um Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen oder bessere Erträge zu erzielen, wurden feuchte und
nasse Gebiete zunächst durch Gräben entwässert. Diese Praxis wurde im 19. Jahrhundert und danach noch
einmal mit groß anlegten Meliorationsvorhaben in den 60er und 70erJahren des 20. Jahrhunderts intensiviert,
indem Gräben verlegt und zusätzlich Drainagen angelegt wurden. Dies beschleunigte den Wasserabfluss und
hatte zugleich den Rückgang vieler auf eine hohe Wasserversorgung angewiesener Lebensräume zur Folge.
Die stetig zunehmende Versiegelung beschleunigt den Oberflächenabfluss und führt zu erheblichen Proble-
men. Sie erhöht die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Hochwasser. Außerdem kann sie eine geringere
Grundwasserneubildung bewirken. Dies wird sich zukünftig durch die Auswirkungen der klimatischen Verän-
derungen, wie längere und ausgeprägte Trockenperioden sowie zunehmende Starkregenereignisse, verschär-
fen.
Bei kleineren Gewässern kann die Einleitung von zeitlich begrenzten, aber extrem hohen Niederschlagswas-
sermengen aus der Siedlungsentwässerung zu einem enormen hydraulischen Stress führen, der die Gewäs-
serfauna und -flora nachhaltig beeinflusst. Weiterhin können zu hohe Einleitmengen von Niederschlagswasser
aus Starkniederschlägen in Ortslagen, die die natürliche Abflusskapazität des Gewässers überschreiten, zu
massiven Schädigungen der Gewässerstruktur, zum Beispiel durch unkontrollierte und unnatürliche Erosion
der Ufer und der Gewässersohle, beitragen.
Darüber hinaus kann die Einleitung von Niederschlagswasser die Gewässergüte beeinträchtigen. Der Beitrag
von Mischwasserentlastungen und Regenwassereinleitungen aus Trennsystemen zu den von Abwassereinlei-
tungen insgesamt verursachten Gewässerbelastungen ist stark stoffabhängig. Während bei den Pflanzen-

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 8
nährstoffen Belastungen durch Niederschlagwassereinträge nur einen kleinen Anteil ausmachen, liegt der
Beitrag zu Belastungen der Gewässer mit Schwermetallen deutlich höher.
1
Die Verringerung des Wasserrückhaltevermögens ist insbesondere in den Hochwasserentstehungsgebieten
problematisch. Hochwasserentstehungsgebiete sind eine neue Kategorie des Sächsischen Wassergesetzes.
Sie befinden sich insbesondere in den Mittelgebirgs- und Hügellandschaften, in denen bei Starkniederschlä-
gen oder bei Schneeschmelze in kurzer Zeit starke oberirdische Abflüsse entstehen können, die zu einer
Hochwassergefahr in den Fließgewässern führen können (vgl. § 100b Abs. 1 SächsWG, s. auch Kapitel „Ge-
schützte Gebiete“ des Fachbeitrags zum Landschaftsprogramm).
Durch den Ausbau vieler Fließgewässer und den Bau von Hochwasserschutzanlagen wie Deichen, durch
Aufhöhung gewässernaher Grundstücke und Bebauungen wurden die Auen von den Fließgewässern getrennt
und das natürliche Überflutungsgeschehen zurückgedrängt und stark eingeschränkt. Auch das spezielle Was-
serregime der Auenlandschaften, das von periodischen Überflutungen und wechselnden Wasserständen des
oberflächennahen Grundwassers gekennzeichnet ist, hat sich stark verändert und mit ihm die an diese Ver-
hältnisse angepassten Lebensräume. Große Teile der natürlichen Überschwemmungsflächen der Fließge-
wässer wurden dadurch stark verkleinert und stehen nicht mehr als Flächen für die Wasserrückhaltung bei
Hochwasser zur Verfügung.
2.2 Veränderungen des Wasserhaushaltes durch Rohstoff-
abbau
Der aktive Braunkohlenbergbau und die Rekultivierung ausgekohlter Tagebaue hat massive Veränderungen
der Gewässerlebensräume und grundwasserabhängigen Biotope zur Folge, indem Gewässer verlegt, Grund-
wasser abgesenkt und Grundwasserhaltungen notwendig sowie Sümpfungswässer eingeleitet werden. Der
Wasserhaushalt reguliert sich nicht mehr selbst, sondern ist stark gesteuert. Im Zuge der Wiedernutzbarma-
chung entstehen durch die Flutung und den Grundwasserwiederanstieg neue Gewässerlebensräume oder
werden bewusst geschaffen.
Weiteres vgl. Kapitel Grundwasser und Oberflächengewässer, Erfassung und Bewertung gemäß
Wasserrahmenrichtlinie
1
LfULG, Emissionsbericht Abwasser,
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/6801.htm

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 9
3 Grundwasser
In Abhängigkeit von den hydrogeologischen Verhältnissen sowie von Niederschlägen und Oberflächengestalt
gehört der größte Teil Sachsens (70 bis 80 Prozent), insbesondere im Berg- und Hügelland, zu den grund-
wasserarmen Gebieten. Dort, wo pleistozäne Schotter verbreitet sind, findet man reiche Grundwasservor-
kommen. Die Grundwasservorkommen der Talauen besitzen neben den Talsperren des Erzgebirges hohe
Bedeutung für die Trinkwasserversorgung. In Sachsen sind gemäß § 3 WHG Grundwasserkörper (GWK) nach
geologischen, hydrologischen und geohydraulischen Kriterien abgegrenzt worden. Davon befinden sich 70
Grundwasserkörper in sächsischer Bewertungszuständigkeit, da der Hauptanteil dieser Grundwasserkörper
auf sächsischem Gebiet liegt.
3.1 Erfassung und Bewertung der Grundwasserkörper ge-
mäß Wasserrahmenrichtlinie
3.1.1
Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie/Wasserhaushaltsgesetz
Im Sächsischen Hintergrunddokument
2
sind die Bewertungsverfahren für den mengenmäßigen und chemi-
schen Zustand der GWK erläutert. Der mengenmäßige Zustand eines Grundwasserkörpers wird im Hinblick
auf seine zeitliche Entwicklung bewertet. Die Messgrößen Grundwasserstand bzw. Quellschüttung sind in
ihrer zeitlichen Entwicklung Grundlage der Zustandsbeschreibung bzw. –bewertung. Die Mengenbilanz eines
Grundwasserkörpers darf durch anthropogene Eingriffe nicht derart beeinflusst werden, dass ein fortlaufender
Vorratsverlust auftritt. Dementsprechend darf der Grundwasserspiegel keinen anthropogenen Schwankungen
unterliegen, in deren Folge angeschlossene Oberflächengewässer- und Landökosysteme signifikant beschä-
digt werden. Als Kriterien für einen solchen Vorratsverlust werden trendhaft abfallende Grundwasserstände
oder Quellschüttungen herangezogen. Die Gesamtbewertung des mengenmäßigen Zustands erfolgt durch
eine Analyse der räumlichen und zeitlichen Entwicklung sowohl der Wasserstände als auch der Quellschüt-
tungen aller relevanten Messstellen.
3.1.2
Ergebnisse der Bewertung der Grundwasserkörper
Die Beeinträchtigungen des chemischen Zustands der Grundwasserkörper sind im Hinblick auf die Umset-
zung der WRRL weitaus bedeutender als Beeinträchtigungen der Grundwassermenge. Nach derzeitigem
Kenntnisstand werden sich die Zustandseinstufungen der GWK für die ersten Bewirtschaftungspläne der
Flussgebiete Elbe und Oder bestätigen
3
. Hauptbelastungsursache für die Einstufung liegt bei den Parametern
Nitrat, Sulfat, Arsen und einigen Schwermetallen, vereinzelt auch leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasser-
2
Bericht über die sächsischen Beiträge zu den Bewirtschaftungsplanentwürfen Elbe und Oder 2014 (noch
nicht veröffentlicht)
3
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/13809

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 10
stoffe (LHKW). Die detaillierte parameterbezogene Bewertung des aktuellen chemischen Zustandes wird im
Sächsischen Hintergrunddokument dargestellt.
Der weitaus größte Teil der Grundwasserkörper befindet sich in Bezug auf ihren mengenmäßigen Zustand in
einem guten Zustand. Von den insgesamt 70 Grundwasserkörpern weisen nur sehr wenige einen schlechten
mengenmäßigen Zustand auf. Die genauen Bewertungen sind dem demnächst im Zuge der Anhörung veröf-
fentlichten Bericht über die sächsischen Beiträge zu den Bewirtschaftungsplanentwürfen Elbe und Oder 2014
zu entnehmen
(www.wasser.sachsen.de/wrrl).
Bei den Zustandseinstufungen der GWK werden sich gegenüber dem ersten Bewirtschaftungsplan voraus-
sichtlich einige Veränderungen ergeben. Diese Veränderungen ergeben sich aus der Auswertung der in den
Problemregionen verdichteten Bewertungsgrundlage (Schwermetalle und Arsen) und teilweise gestiegenen
Stoffkonzentrationen. Auch die Beurteilung des mengenmäßigen Zustands fußt auf verbesserter Datengrund-
lage. Neben den Wasserstandsdaten des Landesmessnetzes Grundwasser konnten aktuell erhobene Grund-
wasser-Entnahmedaten sowie die aktuellen landesweiten Wasserhaushaltsberechnungen zur Bilanzierung
herangezogen werden.
Es ist jedoch auch zu beachten, dass über die Boden- und Sickerwasserpassage sowie beim Weitertransport
im Grundwasser führenden Gestein erheblich größere Verweil- und Fließzeiten als in Oberflächengewässern
auftreten. Dies ist für die Interpretation der Stoffeinträge und für die Prognose zur Zielerreichung bei GWK
bedeutsam. Kurzzeitige Reaktionen und schnelle Verbesserungen sind wegen des "langen Gedächtnisses"
des Grundwassers weder zu erwarten noch zu erreichen.
3.1.3
Ursachen für die Beeinträchtigung von Grundwasserkörpern
Zu den signifikanten Belastungen und anthropogenen Auswirkungen auf die Grundwasserkörper zählen punk-
tuelle Quellen, z.B. aus industriellen Altlasten, diffuse Quellen insbesondere aus der Nährstoffbelastung sowie
teilweise Wasserentnahmen und bergbaubedingte Belastung des Braunkohlen und Erzbergbaus.
Relevante diffuse Grundwasserbeeinträchtigungen bestehen vor allem in der anorganischen und organischen
Düngung und Auswaschung aus dem landwirtschaftlich genutzten Ackerboden, der Viehhaltung in der Land-
wirtschaft, der Abgase aus dem Verkehr sowie teilweise der Rauchgase aus Industrie, Gewerbe und Haushalt.
Dabei wurden für einige GWK maßgebliche Belastungen durch Nährstoffe in erster Linie aus Einträgen durch
die Landwirtschaft festgestellt. Ein deutliches Trendverhalten konnte bei der Bewertung der GWK nicht nach-
gewiesen werden.
Infolge der bergbaulichen Aktivitäten in Sachsen, welche zum Teil bis in das 14. Jh. zurückreichen, wurden
und werden, aktuell in den sächsischen Braunkohlentagebauen der Vattenfall Europe Mining AG, abbaupro-
zessbedingt Gesteins- und Lockergesteinsschichten (Grundwasserleiter) entwässert. Dies zieht chemische
Folgereaktionen (Oxidation, Verwitterung) nach sich, dessen Reaktionsprodukte nach Beendigung der Berg-
bauaktivität, bedingt durch den Grundwasserwiederanstieg in den Tagebaubereichen und durch Grubenflu-
tung im untertägigen Altbergbau, im Wasser gelöst und mit der Grundwasserströmung bzw. durch Wasserlö-
sestollen verlagert werden. Die Beeinträchtigungen infolge des Bergbaus wirken sich also flächenhaft sowohl

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 11
auf die Grundwassermenge als auch auf die Beschaffenheit aus. In den Tagebaugebieten Sachsens sind vor
allem erhöhte Eisen-, Sulfat- und Ammoniumbelastungen zu verzeichnen, welche dem Vorfluter zufließen und
beispielswweise die Verockerungsproblematik in der Spree verursachen (vgl. Kapitel 4.2.4.3). In den Altberg-
baugebieten im Erzgebirge sind Schwermetalle und Arsen die Beschaffenheitsprobleme.
Innerhalb der Grundwasserbelastung „Punktquellen“ werden Altlasten und Altlastenverdachtsflächen mit der
Differenzierung nach Altablagerungen und Altstandorten betrachtet. Hierbei treten solche Stoffe in den Vor-
dergrund, die eine hohe Mobilität und ein geringes mikrobiologisches Transformationspotenzial besitzen. Die
Grundwasserbelastung wird durch organische Lösemittel aus der chemischen Reinigung und der Metallbe-
und –verarbeitung, z. B. durch leichtflüchtige Kohlenwasserstoffe (LHKW) wie Trichlorethen und Tetrachlo-
rethen sowie durch monoaromatische Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xoluol (BTEX)
hervorgerufen. Die LHKW haben außerdem eine höhere Dichte als Wasser, so dass diese den gesamten
Grundwasser führenden Bereich in der Tiefe durchdringen und auf stauenden bindigen Schichten auflagern
bzw. in diese migrieren. Lokal spielen auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) mit zwei
oder drei aromatischen Ringen eine Rolle.
Neben diesen Hauptbelastungsarten können auch atmosphärische Einträge sowie natürlich vorkommende
(geogene) Hintergrundkonzentrationen den chemischen Charakter des Grundwassers prägen und verändern.
Der mengenmäßige Zustand, bei dem einerseits die Entwicklung der Grundwasserstände und andererseits
die Wasserhaushaltsbilanzen in den GWK betrachtet werden, wird allein durch Wasserentnahmen geprägt.
Die größten Wasserentnahmen kommen dabei durch die anhaltende Sümpfung von Braunkohlentagebauen
zustande. Dies ist auch die Ursache für den schlechten mengenmäßigen Zustand bei den betroffenen GWK.
Die Auswirkungen des Klimawandels werden gemäß den Prognosen in den kommenden Jahrzehnten zuneh-
men. Dazu gehört u. a. die Abnahme der Grundwasserneubildung verbunden mit einem langfristigen Darge-
botsrückgang.
3.2 Schutzwürdigkeit des Grundwassers
Für die der Wasserrahmenrichtlinie unterliegenden Grundwasserkörper wurde die Schutzwürdigkeit mit der
Untersetzung des guten ökologischen und chemischen Zustands in dem demnächst im Zuge der Anhörung
veröffentlichten Bericht über die sächsischen Beiträge zu den Bewirtschaftungsplanentwürfen Elbe und Oder
2014 definiert
(www.wasser.sachsen.de/wrrl)..

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 12
4 Oberflächengewässer
4.1 Standgewässer
Größere natürliche Stillgewässer glazialer Herkunft (zum Beispiel Seen) fehlen in Sachsen. Entsprechend der
Bestandsaufnahme 2013 nach WRRL wurden in Sachsen 30 Standgewässer-Wasserkörper mit einer Größe
von mindestens 50 ha (zusammen 5030 ha) für die Berichtspflicht der WRRL ausgewiesen. Darunter befinden
sich Bergbaufolgeseen des Kies- und Braunkohletagebaus, Speicher und größere Talsperren.
Weitere 34 Bergbaufolgeseen mit einer Fläche von mindestens 50 ha (zusammen circa 13.800 ha), unterlie-
gen noch nicht der Berichtspflicht der WRRL, da diese sich noch in der Entstehung (Flutungsphase) befinden
bzw. sich noch kein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat, das erst eine Bewertung des ökologischen
Potenzials dieser künstlichen Wasserkörper ermöglicht.
Darüber hinaus existieren nach der Biotoptypen- und Landnutzungskartierung (BTLNK, Befliegung 2005)
circa 28 000 Standgewässer, die jeweils kleiner als 50 ha sind. Sie setzen sich aus circa 1.000 temporären
Kleingewässern und Tümpeln, circa 22.300 Gewässern mit jeweils weniger als 1 ha Größe, sowie circa 1.400
Teichen zwischen 1 und 50 ha Größe zusammen. Insgesamt nehmen diese kleinen Stillgewässer unter 50 ha
Größe eine Gesamtfläche von circa 14.500 ha ein.
Teichgebiete sind wesentliche Bestandteile sächsischer Kulturlandschaften und zugleich mit ihren reichhalti-
gen Biotopmosaiken Zentren der Biodiversität. Ihre Anlage und Nutzung reicht bis in das 13. Jahrhundert
(meist aber 15. bis 16. Jahrhundert) zurück und macht sie zu einem bemerkenswerten historischen und hyd-
rographischen Landschaftselement. Teichgebiete finden sich in allen Teilen des Freistaates Sachsen. In
deutschlandweit einmaliger Dichte prägen sie im Oberlausitzer Heide- und Teichgebiet / Hornjołužiska hola a
haty mit zahlreichen, zum Teil eng beieinander liegenden Teichgruppen das Landschaftsbild. Von überregio-
naler Bedeutung sind außerdem der große Torgauer Teich, die Teichgebiete von Moritzburg, Wermsdorf,
Eschefeld und Großhartmannsdorf. Die sächsischen Teiche sind teilweise bereits vor über 600 Jahren zur
Aufzucht von Fischen, überwiegend Karpfen, und als Bergwerksteiche angelegt worden und haben zum Zwe-
cke der Fischproduktion bis heute überdauert, dienen teilweise aber auch der Brauch- und Rohwasserbereit-
stellung und dem Hochwasserschutz. Etwa 1.500 Teiche werden fischereilich genutzt.
Die Teiche erfüllen nicht nur Nutzungsfunktionen, sondern stellen häufig auch naturschutzfachlich wertvolle
Lebensräume für Tiere und Pflanzen dar. Der naturschutzfachliche Wert eines Teiches steigt bei nicht zu ho-
her Bewirtschaftungsintensität in der Regel mit seiner Strukturvielfalt durch vielgestaltige Ufer, Flachwasserbe-
reiche und ausgeprägte Verlandungszonen (submerse Vegetation, Röhrichte, Rieder, Brüche). Aus der Sicht
des Vogelschutzes bemerkenswerte Bereiche außerhalb der Oberlausitz sind zum Beispiel die Moritzburger
Teiche, das Wermsdorfer Teichgebiet und die Eschefelder Teiche. Ein großer Teil der sächsischen Karpfen-
teichgebiete ist Bestandteil des SPA-Netzes der Europäischen Vogelschutzgebiete.

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 13
Kleine Gewässer sind naturschutzfachlich ebenfalls sehr bedeutsam und weisen, wie größere Gewässer
auch, sehr unterschiedliche Zustände auf. Neben naturnahen Ausprägungen gibt es viele anthropogen über-
prägte kleine Gewässer, die ihre naturhaushaltlichen Funktionen nur noch eingeschränkt erfüllen.
Sachsen zählt in Deutschland zu den Bundesländern mit den meisten Stauanlagen, insbesondere Talsperren.
So ist die LTV für rund 140 Stauanlagen (einschließlich Vorsperren und Vorbecken) mit circa 600 Millionen
Kubikmetern bewirtschaftetem Gesamtstauraum verantwortlich.
Tagebaurestseen und Baggerseen sind im Zusammenhang mit Bergbau auf Braunkohle oder Kies entstanden
beziehungsweise im Entstehen begriffen. Räumliche Schwerpunkte bilden dabei das Lausitzer Braunkohlen-
revier und das Mitteldeutsche Revier. Hier sind ganze Seen-Landschaften in Entwicklung, die das Land-
schaftsbild und den regionalen Landschafts(wasser)haushalt, aber auch das Nutzungspotenzial erheblich
verändern.
4.1.1
Erfassung und Bewertung der Standgewässer gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
In Sachsen kommen vier FFH-Lebensraumtypen (LRT) der Stillgewässer vor:
Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer (LRT 3130)
Oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Stillgewässer (LRT 3140)
Eutrophe Stillgewässer (LRT 3150)
Dystrophe Stillgewässer (LRT 3160)
Neben den FFH-Lebensraumtypen sind auch viele Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie unmittelbar
an stehende Gewässer oder an Feuchtbiotope gebunden. Zu nennen sind hier insbesondere die Vertreter der
Amphibien (zum Beispiel Rotbauchunke, Kammmolch) und Libellen (zum Beispiel Grüne Keiljungfer), aber
auch Pflanzen (zum Beispiel Scheidenblütgras, Froschkraut).
Eine Beschreibung der LRT, der Arten und ihrer Verbreitung findet sich auf den Internetseiten
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8062.htm.
Für jedes FFH-Gebiet wurden Managementpläne (MaP) angefertigt, für die die vorkommenden Lebensraum-
typen und Arten erstmalig erfasst und ihr Erhaltungszustand nach festgelegten Kriterien drei Stufen (A, B und
C) zugeordnet wird
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/21212.htm).
In den Managementplänen sind
außerdem Maßnahmen für die erfassten Arten und Lebensraumtypen festgelegt.
Die Lebensraumtypen und die Arten der FFH-Richtlinie unterliegen Berichtspflichten, für die alle 6 Jahre die
Einstufung des Erhaltungszustandes der LRT und Arten für Sachsen zu überprüfen ist (vgl.
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/20036.htm).
Die Einschätzung des Erhaltungszustands erfolgt auf
der Grundlage des Bewertungsschemas der EU-Kommission. Das Schema unterscheidet in die Kategorien
günstig (grün), unzureichend (gelb) und schlecht (rot) sowie unbekannt (grau). Für diese Einschätzung sind
unter anderem Angaben zu Verbreitung, Flächengröße, Datenqualität, Trend und Trendursachen, Beeinträch-

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tigungen sowie Zukunftsaussichten erforderlich. Außerdem wurden Referenzwerte für einen günstigen Erhal-
tungszustand festgelegt, an denen die aktuellen Größen gemessen werden. Die erhobenen Daten der einzel-
nen Bewertungsparameter werden nach festgelegten Regeln aggregiert. Entscheidend für das Gesamtergeb-
nis ist die ungünstigste Einschätzung. (vgl. HETTWER ET AL. 2009)
Den derzeitigen Erhaltungszustand der Stillgewässer-Lebensraumtypen Sachsens zeigt Tabelle 1. Auch eini-
ge Arten besitzen einen landesweit unzureichenden oder schlechten Erhaltungszustand. (vgl. Bericht nach
Artikel 17 FFH-Richtlinie 2007-2012,
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/34035.htm
) Um die Lebens-
raumtypen und die Habitate der Arten zu verbessern, müssen daher Erhaltungsmaßnahmen umgesetzt wer-
den.
Tabelle 1: Erhaltungszustand der Standgewässer-Lebensraumtypen (vgl. Bericht nach Artikel 17 FFH-
Richtlinie 2007-2012)
Lebensraumtypen
LRT-Nr.
Erhaltungszustand
Trend
Oligo- bis mesotrophe Still-
gewässer
3130
Unbekannt
Sich
verschlechternd
Oligo- bis mesotrophe kalk-
haltige Stillgewässer
3140
Günstig
Unbekannt
Eutrophe Stillgewässer
3150
Unzureichend
Stabil
Dystrophe Stillgewässer
3160
Unzureichend
Stabil
4.1.2
Erfassung und Bewertung der Standgewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie
4.1.2.1 Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie für die Standgewässer
Nach der Aktualisierung der Bestandsaufnahme in 2013 fallen 30 Standgewässer-Wasserkörper unter die
sächsische Berichtspflicht zur Umsetzung der WRRL. Davon wurden 14 künstlich als Speicher oder in der
Folge von Kies- oder Braunkohleabbau hergestellt (künstliche Standgewässer-Wasserkörper). 16 Wasserkör-
per entstanden durch den Aufstau von Fließgewässern (Talsperren), die dadurch in Ihrem Wesen erheblich
verändert wurden und aufgrund der langen Verweilzeit des Wassers als Seen zu bewerten sind. Sie werden
als erheblich veränderte Standgewässer-Wasserkörper gemeldet.
Die Standgewässer sind entsprechend ihrer Eigenschaften unterschiedlichen Typen zugeordnet (vgl. Tabel-
le 2). 17 Standgewässer, überwiegend Talsperren, wurden der Ökoregion „Zentrales Mittelgebirge“ zugeord-
net. Die Talsperren Eibenstock, Gottleuba, Klingenberg, Lehnmühle, Muldenberg und Rauschenbach sind
kalkarm (Typ 8). Im „Zentralen Tiefland“ liegen 13 Standgewässer-Wasserkörper. Hier liegt der Schwerpunkt
der künstlichen Kies- und Bergbaufolgeseen sowie Speicher.
Wie bei den Fließgewässern ist die Zuordnung zur Ökoregion im Übergangsbereich zwischen Mittelgebirge
und Tiefland oft eine Einzelfallentscheidung, bei der die vorhandene Biozönose mit herangezogen wird. Im

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 15
Übergangsbereich befinden sich die Talsperre Quitzdorf (160 mNN) und der Olbersdorfer See (237 m NN).
Beide haben Einzugsgebiete im Mittelgebirge und wurden daher Mittelgebirgstypen zugeordnet.
Das Bewirtschaftungsziel für künstliche und erheblich veränderte Gewässer ist nach OGewV das gute ökolo-
gische Potential und der gute chemische Zustand. Bewertet wird das ökologische Potential in 4 Stufen (gut
und besser, mäßig, unbefriedigend und schlecht), das die Abweichungen vom Referenzzustand, dem „höchs-
ten ökologischen Potential“ beschreibt.
Die Einstufung des ökologischen Potentials erfolgt auf der Grundlage von Untersuchungen des Phytoplank-
tons und, soweit Wasserspiegelschwankungen wie bei Talsperren dem nicht entgegenstehen, Makrophyten
und Phytobenthos. Für Makrozoobenthos und Fische liegen derzeit noch keine anwendungsbereiten Verfah-
ren für künstliche und erheblich veränderte Standgewässer vor. Unterstützend werden chemische und che-
misch-physikalische Parameter erhoben. Werden Umweltqualitätsnormen für flussgebietsspezifische Schad-
stoffe nach Anlage 5 OGewV überschritten, kann das ökologische Potential maximal als „mäßig“ eingestuft
werden. Ansonsten entscheidet die empfindlichste biologische Qualitätskomponente über die Einstufung des
ökologischen Potentials.
Tabelle 2: In Sachsen ausgewiesene LAWA-Seentypen nach Riedmüller et al. (2013)
Ca
2+
[mg/l]
VQ
[m²/m³]
Stabile
Schich-
tung
(mind. 3
Monate)
Verweil-
zeit
Ökoregion 9: Mittelgebirge, Höhe ca. 200 - 800 m und höher
Typ 5
Geschichteter, calciumreicher Mittelgebirgssee mit
relativ großem Einzungsgebiet
>15
>1,5
x
Typ 6
Polymiktischer, calciumreicher Mittelgebirgssee
>15
>1,5
-
Typ 8
Geschichteter, calciumarmer Mittelgebirgssee mit
relativ großem Einzugsgebiet
< 15
>1,5
x
Ökoregion 14: Norddeutsches Tiefland, Höhe < 200 m
Typ 10
Geschichteter Tieflandsee mit relativ großem
Einzugsgebiet
>15
>1,5
x
Typ 11
Polymiktischer Tieflandsee mit relativ großem
Einzugsgebiet
>15
>1,5
-
> 30 d
Typ 13
Geschichteter Tieflandsee mit relativ kleinem
Einzugsgebiet
>15
< 1,5
x
Der chemische Zustand ist „gut“, wenn die Umweltqualitätsnormen nach OGewV, Anlage 7 eingehalten wer-
den, bzw. „nicht gut“, wenn die UQN mindestens eines Stoffes überschritten wird.

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 16
Eine ausführlichere Beschreibung der Erhebungs- und Bewertungsmethoden sowie deren Ergebnisse werden
im Bewirtschaftungsplan 2015 veröffentlicht. Ein Entwurf wird bereits im Dezember 2014 zur öffentlichen An-
hörung bereitgestellt
(www.wasser.sachsen.de/wrrl).
4.1.2.2 Ergebnisse der Bewertung der Standgewässer
Bei den Standgewässern hat sich das ökologische Potenzial nur wenig verändert. Dies ist unter anderem da-
rin begründet, dass die Reaktionszeiten von großen, stehenden Gewässern auf Veränderungen im Stoffhaus-
halt relativ langsam reagieren. Kurzfristige Einflussnahmen können nur über die Änderungen der Wassermen-
genbewirtschaftung erfolgen. Dies ist allerdings nur in wenigen Fällen relevant, da insbesondere die Anforde-
rungen an Talsperren und Speicher zur Bereitstellung von Brauchwasser und zum Hochwasserschutz nur
wenig Spielraum für eine Veränderung der Bewirtschaftung zulassen. Die genauen Bewertungen sind dem
demnächst im Zuge der Anhörung veröffentlichten Bericht über die sächsischen Beiträge zu den Bewirtschaf-
tungsplanentwürfen Elbe und Oder 2014 zu entnehmen
(www.wasser.sachsen.de/wrrl).
4.1.2.3 Ursachen für die Beeinträchtigung von Standgewässern
Standgewässer, die derzeit nicht das gute ökologische Potenzial als Bewirtschaftungsziel erreichen, sind Tal-
sperren und Speicher, die zur Bereitstellung von Brauchwasser genutzt werden. Aufgrund des zeitweisen
Nährstoffüberschusses in den Standgewässern, der durch die zufließenden Gewässer aber auch durch inter-
ne Rücklösungsprozesse aus den Sedimenten bedingt ist, kommt es zur Ausprägung von nicht gewässertyp-
spezifischen Algengemeinschaften mit hohen Biomassen, die nur das mäßige oder unbefriedigende ökologi-
sche Potenzial indizieren. Die Verursacher der erhöhten Nährstoffmengen in den Standgewässern sind neben
der Landwirtschaft auch die Einleitungen von gereinigtem Abwasser aus Kläranlagen und Einträge aus der
Siedlungsentwässerung.
4.1.3
Schutzwürdigkeit der Standgewässer
Insbesondere die noch verbliebenen naturnahen Gewässer und die mit ihnen funktional verbundenen Uferbe-
reiche bedürfen eines besonderen Schutzes vor negativen Strukturveränderungen.
Für die Gewässer, die der Berichtspflicht der Wasserrahmenrichtlinie unterliegen, wurde die Schutzwürdigkeit
mit der Festlegung des guten ökologischen Potenzials und guten chemischen Zustands als Bewirtschaf-
tungsziele in den Bewirtschaftungsplänen definiert.
4.2 Fließgewässer
Gewässer erfüllen als „Lebensadern der Landschaft“ sehr vielfältige Funktionen. Durch dynamische Prozesse
wie Überflutung, Erosion und Sedimentation haben sie vielfältig strukturierte Auenlandschaften geschaffen,
die ebenso wie die Gewässer selbst Lebensräume spezifischer Artengemeinschaften darstellen. Gerade die
linearen Fließgewässer sind für viele Organismen Wander- und Ausbreitungskorridore und haben damit eine

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 17
wichtige Biotopverbundfunktion. Gemeinsam mit gewässer- und auentypischen Biotopen und Nutzungsformen
prägen sie in vielfältiger Weise das Landschaftsbild und beeinflussen das lokale/regionale Klima (zum Bei-
spiel Kaltluftabfluss in Talräumen der Gewässer). Intakte Gewässer verfügen über die Fähigkeit zur natürli-
chen Selbstreinigung.
In Sachsen besteht ein dichtes Fließgewässernetz mit einer Gesamtlänge von circa 23 770 km. Davon entfal-
len circa 180 km auf die Elbe (Bundeswasserstraße) und circa 2 900 km auf Gewässer 1. Ordnung. Nur ein
Teil der Fließgewässer - größere mit in der Regel einem Einzugsgebiet von mindestens 10 km² beziehungs-
weise einer Abschnittslänge von mindestens 5 km) - unterliegt den Berichtspflichten der Wasserrahmenrichtli-
nie. Im Rahmen der laufenden Umsetzung der Maßnahmenprogramme werden aber auch kleinere, nicht
WRRL-berichtspflichtige Gewässer mit betrachtet, wenn dort Maßnahmen umgesetzt werden können, die zu
einer ökologischen Aufwertung des eigentlichen WRRL-relevanten Gewässers führen können.
Quellbereiche und kleine Gewässer sind naturschutzfachlich ebenfalls sehr bedeutsam und weisen, wie grö-
ßere Gewässer auch, sehr unterschiedliche Zustände auf. Neben naturnahen Ausprägungen gibt es viele
anthropogen überprägte kleine Gewässer, die ihre naturhaushaltlichen Funktionen nur noch eingeschränkt
erfüllen.
4.2.1
Naturnähe von Fließgewässern
Der Zustand eines Flusses mit seinen Ufer- und Auenbereichen ist in dem Maße als „naturnah“ zu bezeich-
nen, in dem er der naturraumtypischen Ausprägung entspricht. Die Bewertung des Gewässerzustandes erfolgt
im Hinblick auf seine ökologische Funktionsfähigkeit. Die engen Wechselbeziehungen zwischen Fließgewäs-
ser und angrenzenden Auenbereichen werden gleichermaßen berücksichtigt. Ist der Zustand eines Gewäs-
sers insgesamt nur geringfügig oder nicht nachteilig vom Menschen geprägt, sodass das Gewässer seine
gesamten ökologischen Funktionen zu erfüllen vermag, wird dieser Gewässerzustand als „(bedingt) naturnah“
eingestuft (siehe Tabelle 3).
Tabelle 3: Merkmale und Ausprägungen zur Beurteilung der Naturnähe von Fließgewässer
(-auen) und -landschaften (verändert nach BASTIAN & SCHREIBER 1999)
Natürlich
Naturnah
Bedingt naturnah
vielfältiger, den naturräumlichen
Gegebenheiten
entsprechender
Verlauf
vom Menschen nicht erkennbar
verändert
gut reliefierte Sohle, wechselnde
Wassertiefen, natürliches Gefäl-
le, variierende Breiten, Fischun-
terstände
einem natürlichen Gewässer in
Quer-
und
Längsprofil
ver-
gleichbar, aber bereits erkenn-
bar (geringfügig) vom Men-
schen beeinflusst
naturnahe Böschungsgestaltung
(asymmetrisches Profil, natur-
belassene Elemente, Lebend-
verbauung)
begradigte Gewässerabschnitte
vorhanden
naturnahe Elemente wie Flach-
/Tiefwasserzonen
mit
unter-
schiedlichen Sohlensubstraten
noch regelmäßig ausgeprägt
insgesamt noch vergleichsweise
gering
ausgebaut
und/oder
durch
Unterhaltungsmaßnah-

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 18
naturbelassene,
strukturierte
Böschung,
standortgerechte,
überwiegend
gebietsheimische
Gehölze/Stauden
Aue
mit
natürlicher
Wasser-
standsdynamik, nicht (mehr) ge-
nutzten
Feuchtgebieten
(ein-
schließlich Auwälder) entspre-
chend der pnV, natürliche Altge-
wässer (Altarme und Altwässer)
oder breite, mit standortgerech-
ten, überwiegend gebietsheimi-
schen Gehölzen bestandene Puf-
ferzonen zur genutzten Aue
Hangwälder
mit
naturnaher
Baumartenzusammensetzung
ohne oder mit nur gelegentlichen
sehr extensiven Nutzungen
standortgerechte
Gehölze/
Stauden, hierzu auch: anthro-
pogen unveränderte Gewässer,
an denen aber die Ufergehölze
entfernt wurden
Durchgängigkeit in Fließrichtung
gegeben (keine Störung des
Auf- und Abstiegs von Fischen/
Wasserorganismen)
teilentwässerte Aue mit extensiv
genutzten
Feuchtgebieten
(Grünland mit standorttypischen
Flurelementen,
Auwaldreste,
Altarme und Altwässer z. T. er-
halten, z. T. reliktisch), Auffors-
tungen aus Auwaldgehölzen,
sekundäre Feuchtgebiete (z. B.
Lachen in Abbauflächen) oder
mit standortgerechten Gehölzen
bestandene Puffersäume zur
genutzten Aue
Hangwälder mit überwiegend
naturnaher
Baumarten-
zusammensetzung, +/- extensiv
genutzt
men verändert
reichhaltig
ausgebildete
Uferstruktur, Gehölze überwie-
gend standortgerecht
Durchgängigkeit nicht mehr für
alle Gewässerorganismen oder
nur abschnittsweise gegeben
(teil)entwässerte Aue mit regu-
liertem Wasserstand, Mosaike,
v. a. aus extensiv und intensiv
genutztem, z. T. renaturiertem
Grünland
mit
Flurelementen
(v. a. Auengehölze), Altgewäs-
ser meist nur noch reliktisch,
gehölzbestandene Puffersäume
zur genutzten Aue
Hangwälder mit größeren Antei-
len
naturnaher
Baum-
artenzusammensetzung,
Nut-
zungen mit unterschiedlicher In-
tensität
Die Bewertung der Gewässer erfolgt unter Beachtung der Kriterien Einheit (zwischen aquatischen, amphibi-
schen und terrestrischen Lebensräumen), Vielfalt, Dynamik, Durchgängigkeit, Funktionsfähigkeit, Seltenheit
und Gefährdung sowie Repräsentanz. Für die Beurteilung der Naturnähe von Fließgewässern sind gleichfalls
die Ergebnisse der Strukturgütekartierung nach dem LAWA-Vor-Ort-Verfahren heranzuziehen (vergleiche
Kapitel 4.2.4 „Erfassung und Bewertung der Fließgewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie“ und
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/7121.htm
). Ergebnisse liegen für die WRRL-relevanten sächsi-
schen Fließgewässer vor, wobei „natürliche“ Fließgewässer im Bereich der als „unverändert“ (LAWA-Vor-Ort-
Verfahren) kartierten Gewässerabschnitte, „naturnahe“ im Bereich der „gering veränderten“ und „bedingt na-
turnahe“ im Bereich der „mäßig veränderten“ Gewässerabschnitte hinsichtlich der Gewässerstruktur zu erwar-
ten sind.
4.2.2
Wärmebelastung der Gewässer
Wärmebelastungen von Gewässern entstehen zum Beispiel durch die Einleitung von Kühlwasser aus der
Industrie und der Energieerzeugung. Außerdem sind Wärmebelastungen auch in zunehmendem Maße als
Folge des Klimawandels zu erwarten und werden vor allem dadurch auch in Sachsen an Bedeutung gewin-
nen. Ausgeprägte Hitzeperioden, die mit längeren niederschlagsarmen oder -freien Witterungsabschnitten

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 19
zusammenfallen, können in den Gewässern, vor allem bei den dann niedrigen Wasserständen, eine starke
Erwärmung bewirken. Solche Extremsituationen sind in der Vergangenheit schon vorgekommen, zum Beispiel
im Hitzesommer 2003, als kleinere Gewässer teilweise sogar völlig ausgetrocknet sind. Durch niedrige Was-
serstände und hohe Wassertemperaturen von bis zu 30 °C verändern sich die physikalisch-chemischen Was-
serparameter (zum Beispiel Sinken des Sauerstoffgehaltes) und damit die Lebensbedingungen für die aquati-
sche Fauna und Flora. Fisch- und Muschelsterben sowie die schnellere Verbreitung von Krankheiten können
die Folge sein, außerdem ein starkes Wachstum von Algen (unter anderem Blaualgen) und Makrophyten.
Aufgrund der projizierten Veränderungen in der Niederschlagsverteilung mit geringeren Niederschlagsmengen
in den Sommermonaten in Ost- und Nordwestsachsen werden in diesen Regionen auch längere Trockenperi-
oden und zeitweise höhere Wassertemperaturen die Lebensgemeinschaften der Gewässer betreffen. Welche
Auswirkungen des Klimawandels auf die Temperaturen der Fließgewässer in Sachsen generell zu erwarten
sind, wurde in einer Studie abgeschätzt (Löser et al. 2011).
4.2.3
Erfassung und Bewertung der Fließgewässer gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie
In Sachsen kommen drei FFH-LRT der Fließgewässer vor
Fließgewässer mit Unterwasservegetation (LRT 3260)
Flüsse mit Schlammbänken (LRT 3270)
Kalktuff-Quellen (LRT 7220)
Davon gehören die Kalktuff-Quellen zu den prioritären Lebensraumtypen, die einem strengeren Schutz durch
die FFH-Richtlinie unterliegen als die übrigen LRT.
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Fließgewässer-Lebensraumtypen
Lebensraumtypen
LRT-Nr.l
Erhaltungszustand
Trend
Fließgewässer mit Unterwas-
servegetation
3260
Unzureichend
Stabil
Flüsse mit Schlammbänken
3270
Unzureichend
Sich
verschlechternd
Kalktuff-Quellen
7220
Unzureichend
Stabil
Eine
Beschreibung
der
LRT
und
ihrer
Verbreitung
findet
sich
auf
den
Internetseiten
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8062.htm.
Zur Bewertung vgl. Kap. 4.1.1 – Erfassung und Bewer-
tung der Standgewässer gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.
Alle Fließgewässer-Lebensraumtypen befinden sich in einem ungünstigen Erhaltungszustand. Neben den
FFH-Lebensraumtypen sind auch viele Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie unmittelbar an fließen-
de Gewässer oder an Feucht- und Auenbiotope gebunden. Zu nennen sind hier insbesondere die Vertreter

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 20
der Fische/Rundmäuler (zum Beispiel Groppe, Lachs), Libellen (zum Beispiel Grüne Keiljungfer, Helm- Azur-
jungfer und Vogel-Azurjungfer), aber auch Säugetiere (Biber, Fischotter) und Pflanzen (zum Beispiel Frosch-
kraut). Auch hier besitzen mehrere einen landesweit unzureichenden oder schlechten Erhaltungszustand. Um
die Lebensraumtypen und die Habitate der Arten zu verbessern, müssen daher Erhaltungsmaßnahmen um-
gesetzt werden.
Die Elbe ist ungeachtet ihres Ausbaus als Bundeswasserstraße hinsichtlich ihrer natürlichen Lebensraum- und
Biotopverbundfunktion von herausragender Bedeutung für das kohärente europäische ökologische Netz Natu-
ra 2000. Sie ist der längste Strom in Mitteleuropa, dessen Fliessgewässerkontinuum auf einer erheblichen
Länge seines Laufes nicht durch Querverbauungen unterbrochen wird. Die ununterbrochene Fließstrecke
zwischen dem Stauwehr Schreckenstein auf tschechischer Seite und der Staustufe Geesthacht bei Hamburg
beträgt rund 625 km. Die gesamte Elbe ist nicht zuletzt deshalb ein besonders schützenswertes Ökosystem
von internationaler Bedeutung. Seit 1990 ist eine erhebliche Verbesserung der Gewässergüte in der Elbe ein-
getreten, die auch zu einer Verbesserung der Existenzbedingungen für zahlreiche Fischarten geführt hat.
Die Fischartengemeinschaft im sächsischen Elbelauf entwickelt sich zunehmend in Richtung der für diesen
Abschnitt der Elbe charakteristischen Barbenregion mit einer deutlichen Zunahme rheophiler (strömungslie-
bender) Fischarten, wie der Leitfischart Barbe und ihrer Begleitarten (zum Beispiel Zährte, Nase, Hasel, Dö-
bel, Aland). Die Wiederansiedlung des Lachses (anadromer, das heißt im Salzwasser lebender, zum Laichen
ins Süßwasser aufsteigender Langdistanzwanderfisch) in der Elbe zeugt von ihrer Durchgängigkeit und ver-
besserten Wassergüte.
4.2.4
Erfassung und Bewertung der Fließgewässer gemäß Wasserrahmenrichtlinie
4.2.4.1 Bewertungsverfahren gemäß Wasserrahmenrichtlinie für die Fließgewässer
616 Fließgewässer-Wasserkörper unterliegen der Überwachung und Berichtspflicht nach der Wasserrahmen-
richtlinie (WRRL) (in der Regel Einzugsgebiet von mindestens 10 km² beziehungsweise Abschnittslänge von
mindestens 5 km). Die Bewirtschaftungspläne und Maßnahmenprogramme sind für diese Gewässer erstmals
bis Ende 2009 zu erstellen und danach alle 6 Jahre zu überprüfen und ggf. zu aktualisieren (vgl. § 84 WHG).
Für die Fließgewässer-Wasserkörper liegen Zustandseinstufungen aus dem Bewirtschaftungsplan 2010 und
demnächst aus dem Bewirtschaftungsplan 2015 vor. Ein Entwurf wird bereits im Dezember 2014 zur öffentli-
chen Anhörung bereitgestellt
(www.wasser.sachsen.de/wrrl).
Im Zusammenhang mit der WRRL wurde eine bundesweite Typologie für natürliche Fließgewässer bezie-
hungsweise -abschnitte erstellt, wobei nach der Bestandsaufnahme 2013 für Sachsen 15 Fließgewässerty-
pen zu unterscheiden sind. Fast die Hälfte der sächsischen Wasserkörper gehört zum Fließgewässertyp „sili-
katisch geprägter Mittelgebirgsbach“ (Typ 5). Mit 16,1 % folgt der „sandgeprägte Tieflandbach“ (Typ 14) vor
dem silikatischen Mittelgebirgsfluss (Typ 9), dem 7,6 % der sächsischen Fließgewässer-Wasserkörper zuge-
ordnet sind. Der prozentuale Anteil der Wasserkörper an den anderen 12 Typen liegt jeweils unterhalb von
6 %.

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 21
Grundlage für die Einstufung des ökologischen Zustandes der Gewässer sind die vier biologischen Qualitäts-
komponenten Benthische Invertebraten (sichtbare Wirbellosenfauna des Gewässerbodens), Fische, Phyto-
plankton (im Wasser schwebende pflanzliche Organismen) und Makrophyten/Phytobenthos (höhere Wasser-
pflanzen, Moose und Armleuchteralgen / am Gewässerboden lebende Algen, insbesondere Kieselalgen) so-
wie bestimmte flussgebietsspezifische Schadstoffe mit ökotoxikologischer Wirkung (zum Beispiel Arsen, Kup-
fer oder bestimmte Pflanzenschutzmittel) nach Anlage 5 OGewV.
Wegen der großen Bedeutung der Gewässerstruktur für die Habitatausprägungen der Gewässerbiozönose
wurde in den Jahren 2006 bis 2008 in Sachsen eine detaillierte Kartierung der Gewässerstruktur nach dem
LAWA-Vor-Ort-Verfahren für Fließgewässer durchgeführt und seither bedarfsweise aktualisiert. Der chemi-
sche Zustand der Fließgewässer wird anhand bestimmter, für die Umwelt besonders gefährlicher Schadstoffe
(zum Beispiel Metalle wie Cadmium, Industriechemikalien wie Weichmacher in Kunststoffen, Pestizide, andere
Schadstoffe wie ausgewählte Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)) beurteilt. Für die prioritä-
ren Schadstoffe wurden europaweit geltende Umweltqualitätsnormen festgelegt.
4.2.4.2 Ergebnisse der Bewertung der Fließgewässer
Bei der Bewertung des ökologischen Zustands bzw. Potenzials der Fließgewässer zur Umsetzung der WRRL
werden sich einige Veränderungen zum Stand von 2009 ergeben. Da die Auswertungen der Überwachungs-
programme erst vorläufig abgeschlossen sind und die Ergebnisse noch in die öffentliche Anhörung nach Arti-
kel 14 WRRL gegeben werden, ist die Zustandsbewertung nicht abgeschlossen. Nach derzeitigem Kenntnis-
stand werden sich in erster Linie Gewässer verbessern, die in 2009 noch als schlecht oder unbefriedigend
eingestuft wurden. Allerdings beschränkt sich die Verbesserung dann zumeist auf das Erreichen der nächst-
besseren Zustandsklasse „mäßig“ oder „unbefriedigend“. Problematischer erweisen sich die Veränderungen
zu einer schlechteren Zustandsklasse, die in der Regel auf natürliche Schwankungen im Vorkommen der rele-
vanten Tier- und Pflanzenarten (biologische Qualitätskomponenten), sowie auf die ökologischen Auswirkun-
gen von Wetterschwankungen (sehr trockene bzw. feuchte Jahre, höhere Temperaturen) beruhen, so dass es
sich meist um eine marginale Veränderung des Zustands bzw. Potenzials handelt. Die Veränderung bereits
einer Qualitätskomponente von einer guten zu einer mäßigen Einstufung reicht aus, um dem „worst-case-
Prinzip“ folgend den ökologischen Zustand des OWK insgesamt abzuwerten.
Ein weiterer Grund für die Veränderung der Einstufung des ökologischen Zustands / Potenzials von OWK sind
auch in den bundesweiten Neuregelungen für die Bewertung von 13 Schadstoffen der Anlage 5 OGewV zu
sehen, von denen insbesondere das Pflanzenschutzmittel Diflufenican für Sachsen relevant ist. Darüber hin-
aus wurden für die Überwachung bestimmter flussgebietsspezifischer Schadstoffe neue Vorgaben in der
OGewV getroffen, die u.a. dazu führen, dass Umweltqualitätsnormen in einigen OWK gegenüber den Ergeb-
nissen aus 2009 überschritten wurden. Auch hierzu ist herauszustellen, dass die Überschreitung der Umwelt-
qualitätsnorm
eines
flussgebietsspezifischen Schadstoffes ausreicht, um den ökologischen Zustand bzw.
Potenzial eines OWK insgesamt auf „mäßig“ abzuwerten.
Die Gewässerstrukturkartierung erbrachte für die WRRL-berichtsrelevanten Gewässer (circa 7 100 km kartier-
te Fließgewässerstrecke) folgendes Ergebnis: Insgesamt wurden circa 3 Prozent der kartierten Gewässerstre-
cken als „unverändert“ (0,2 Prozent) beziehungsweise „gering verändert“ (2,8 Prozent) eingestuft, rund 8,2
Prozent als „mäßig verändert“, rund 44 Prozent als „deutlich“ bis „stark verändert“ und 38 Prozent als „sehr

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 22
stark“ bis „vollständig verändert“ (Rest zu 100 Prozent: keine Daten, trockene Gewässerabschnitte oder
Standgewässer). Die Daten werden in den kommenden Jahren aktualisiert.
Die Bewertung bringt zum Ausdruck, dass es an den betrachteten Fließgewässern in Sachsen nur noch sehr
wenige Gewässerabschnitte gibt, die bezüglich der Struktur „unverändert“ (nur circa 14 km) und „gering ver-
ändert“ (circa 200 km) sind. Diese wenigen natürlichen und naturnah erhaltenen Gewässerabschnitte bedür-
fen eines besonderen Schutzes.
4.2.4.3 Ursachen für die Beeinträchtigung von Fließgewässern
Morphologische Veränderungen und Abflussregulierungen
Aufgrund des Erkenntniszuwachses zur ökologischen Auswirkung von Abflussregulierungen und morphologi-
schen Veränderungen der Gewässer wurde ermittelt, dass ca. 90 % der sächsischen OWK signifikant durch
die anthropogen bedingten Veränderungen der Gewässermorphologie belastet sind. Davon sind etwa 6 %
auch den Auswirkungen des Braunkohlenbergbaus zuzuordnen.
Abflussregulierungen werden in erster Linie durch Stauhaltungen (u. a. Talsperren, Speicher, Teiche, Wehre)
und Abflusssteuerung (u. a. Umfluter, Flutmulden) aber auch durch Sohlbauwerke wie Grundschwellen her-
vorgerufen. Morphologische Veränderungen sind im Tiefland vor allem durch den Gewässerausbau zur Er-
schließung von landwirtschaftlich genutzten Flächen (Landentwässerung), im Rahmen des Siedlungsbaus und
der Verkehrsinfrastruktur und dem damit zusammenhängenden Verlust von Ufer- und Aueflächen bedingt.
Maßnahmen zur Verringerung der Belastungen durch frühere Gewässerausbau- und Abflussregulierungs-
maßnahmen bedürfen aufgrund der vorgenannten Zahlen einer nahezu flächendeckenden Umsetzung, wobei
die Verwirklichung kosteneffizienter Maßnahmen in den Gewässerabschnitten mit der größten Wirksamkeit
zur Erreichung der Umweltziele zu priorisieren ist. Dazu ist erfahrungsgemäß die Verfügbarkeit von Grundstü-
cken an den Gewässern notwendig, um eine begrenzte eigendynamische Entwicklung des Gewässers, we-
nigstens in den gesetzlich festgelegten Gewässerrandstreifen (§ 24 SächsWG), zu ermöglichen. Eine Ausge-
staltung der Gewässerrandstreifen mit standorttypischen Bäumen und dem Zulassen eigendynamischer Ent-
wicklungsprozesse, mit dem Ziel die ökologischen Funktionen des Gewässerrandstreifens zu erfüllen, würde
zu einer deutlichen Verbesserung des ökologischen Zustands der Fließgewässer beitragen.
Durchgängigkeit der Fließgewässer
Die Fließgewässer stellen von Natur aus miteinander vernetzte Lebensräume dar. In ihnen wurden viele
Querbauwerke errichtet, die verschiedene Funktionen erfüllen, so unter anderem das Aufstauen der Gewäs-
ser in Talsperren zur Trink- und Brauchwasserbereitstellung, Rückhaltebecken zum Hochwasserschutz und
Wasserkraftanlagen zur Energieerzeugung, aber auch Wehranlagen und Abstürze zur Stabilisierung der Ge-
wässersohle in begradigten Gewässerabschnitten. Sie stören den Transport von Geschiebe und die biologi-
sche Durchgängigkeit im Hauptstrom. Fische und andere im Gewässer lebende Tierarten sind dadurch in
ihrem Wanderverhalten beeinträchtigt und können sich oft nur noch begrenzt ausbreiten. Die Durchgängigkeit

Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm
Erfassung und Bewertung „Landschaftswasserhaushalt und Gewässer | 23
der Fließgewässer für die Wanderungen von Fischen und anderen gewässergebundenen Lebewesen ist dar-
über hinaus eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Entwicklung von gewässertypspezifischen Le-
bensgemeinschaften.
Sachsens Fließgewässer weisen mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel der Elbe zahlreiche Querbauwer-
ke auf. Diese sind noch nicht vollständig systematisch erfasst. Zurzeit existieren in den sächsischen Berichts-
gewässern ca. 8.000 Querbauwerke, davon sind u.a. eine große Anzahl Sohlschwellen und kleinere Abstürze
bis zu 30 cm Höhe, aber auch Talsperren bekannt. Die Mehrzahl der Querbauwerke stellt Wanderhindernisse
dar und ist nicht oder nur eingeschränkt passierbar. Viele, aber längst nicht alle Querbauwerke sind für die
aktuellen Gewässernutzungen notwendig. Die sächsische Wehrdatenbank umfasst (Stand Januar 2011) über
2 600 Querbauwerke. Davon wurde circa ein Drittel als durchgängig für die Wanderung von Fischen einge-
schätzt. Die übrigen Querbauwerke werden als für Fische im Aufstieg nicht passierbar bewertet. Inzwischen
gibt es zwar auch über 300 Fischaufstiegsanlagen, die aber wiederum nur circa zur Hälfte als voll funktionsfä-
hig eingeschätzt werden konnten (HAHN 2011). Aber auch die als „durchgängig“ bewerteten Querbauwerke
können zum Teil nur von leistungsstarken Fischen und einem Teil des Makrozoobenthos passiert werden. Der
Fischabstieg ist bisher kaum berücksichtigt und kann beim Regelbetrieb (Laufwasserkraftwerke) trotz Rechen
zu erheblichen Verlusten von Fischen (vor allem von Langdistanzwanderfischen wie dem Aal) in Turbinen
führen.
Der abschnittsweise Aufstau der Fließgewässer führt zu einer Veränderung der Abflussdynamik und des Se-
dimentationsgeschehens. Die natürliche Strömungscharakteristik als prägender und ökologisch wirksamster
Faktor in Fließgewässern kommt mehr oder weniger zum Erliegen. Der Aufstau hat neben einer Erhöhung der
Wassertemperatur im aufgestauten Bereich eine erhöhte Ablagerung von Geschiebe und organischer Sub-
stanz zur Folge, die ihrerseits eine Sauerstoffzehrung und Eutrophierung bewirken können und die Habitatbe-
dingungen für fließgewässertypische Fische (zum Beispiel Beschaffenheit des Gewässergrundes als Laichha-
bitat) verschlechtern.
Der Rückbau oder die Herstellung der Durchgängigkeit war bisher aufgrund der oftmals unbekannten Rechts-
verhältnisse, des Erfordernisses der hydraulischen Abflussregulierung, der Betriebsnotwendigkeit der Bau-
werke oder anderer Gründe nicht oder nur mit hohem Aufwand realisierbar.
Wasserkraftanlagen (WKA) führen zu einer Beeinträchtigung der Gewässerlebensräume, wenn beispielsweise
durch die Ableitung des Wassers zur Energieerzeugung die Mindestwassermenge in der Ausleitungsstrecke
unterschritten und dadurch die ökologische Funktionsfähigkeit des Gewässers nicht mehr gewährleistet wird
(oder das Gewässer hier gar zeitweise trockenfällt). Beeinträchtigungen ergeben sich weiterhin, wenn die
Querverbauung für flussaufwärts wandernde Arten nicht durchgängig ist, flussabwärts wandernde Arten (zum
Beispiel Aal, Lachs) in den WKA-Turbinen in populationsrelevanter Menge getötet werden können, naturferne
Verbauungen der Gewässerufer und Ausleitungsstrecke vorhanden sind, sich physikalisch-chemische Was-
serparameter (zum Beispiel Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt) durch die Unterbrechung des Gewässerkon-
tinuums und die Beeinflussung der Fließgeschwindigkeit nachteilig für die naturraumtypische Gewässerbio-
zönose verändern. Insbesondere kleine WKA weisen häufig ein ungünstiges Verhältnis zwischen ihrem Bei-
trag zum Ausbau der Erneuerbaren Energien und ihren negativen Umweltwirkungen auf. Folgende Maßnah-
men sind unter anderem erforderlich:

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Nährstoffeinträge
Bezogen auf die Gesamteinträge von Phosphorverbindungen in die Fließgewässer Sachsens tragen die Klär-
anlagen und die sonstige Entwässerung der Siedlungen (inklusive der dezentralen Abwasserbehandlung) in
den zurückliegenden Jahren den mit Abstand größten Anteil bei (in 2012 ca. 600 Tonnen Phosphor pro Jahr).
Demgegenüber weisen die Gesamt-Phosphoreinträge aus der landwirtschaftlichen Flächennutzung (Acker-
und Grünland) deutlich geringere Frachten auf (in 2012 ca. 210 Tonnen Phosphor pro Jahr). Andere Quellen
(ca. 60 Tonnen Phosphor pro Jahr) sind gegenüber diesen Hauptverursachern der Phosphoreinträge in die
Oberflächengewässer zu vernachlässigen. Die Phosphoreinträge in die Gewässer wurden seit 2000 sowohl
durch die intensive Ertüchtigung der Abwasserbehandlung als auch die Förderung von Agrarumweltmaßnah-
men in der Landwirtschaft kontinuierlich reduziert. Inzwischen werden in Sachsen bereits 90 % der häuslichen
Abwässer ordnungsgemäß gereinigt und ca. 35 % der Ackerflächen so bewirtschaftet, dass Abschwemmun-
gen von Bodenmaterial so gut wie möglich verhindert werden.
Die Hauptanzahl der Fließgewässer mit signifikanter Nährstoffbelastung durch Phosphorverbindungen wird
durch Einträge aus der Siedlungsentwässerung und der Landwirtschaft sowie in Kombination der beiden Quel-
len beeinträchtigt. Kläranlagen sind trotz hoher Gesamteintragsfrachten für eine vergleichsweise geringere
Anzahl von OWK als Hauptbelastungsquelle für die Nährstoffeinträge verantwortlich. Weitere OWK sind durch
Kombinationen von Nährstoffeinträgen aus Kläranlagen und der Siedlungsentwässerung bzw. Kläranlagen
und der Landwirtschaft belastet. Eine geringe Anzahl von OWK wird durch Mischbelastungen aus mehr als
zwei Quellen bzw. durch sonstige Quellen wie z. B. Belastungen aus oberliegenden Gewässern beeinflusst.
Schadstoffeinträge
Bei der Einschätzung der Belastungssituation der sächsischen Oberflächengewässer durch Schadstoffe muss
berücksichtigt werden, dass insbesondere durch die Anreicherung von Quecksilber in den relevanten biologi-
schen Qualitätskomponenten eine flächendeckende Überschreitung der Umweltqualitätsnorm festzustellen ist.
Bezieht man die Schadstoffeinträge auf die weiteren relevanten Stoffe, u. a. Cadmium, Arsen, Kupfer, Zink,
Pflanzenschutzmittel, etc. und deren Vorkommen gelöst im Wasser oder gebunden an Sedimentpartikel, dann
ist davon auszugehen, dass etwa 1/3 der OWK signifikant belastet sind.
Die Herkunft der Schadstoffe ist in der Regel schwierig nachzuweisen. Ubiquitäre Schadstoffe werden in ers-
ter Linie über atmosphärische Deposition, d. h. durch Emissionen von schadstoffbehafteten Partikeln in die
Luft und der nachfolgenden Auswaschung durch Regenereignisse auf die gesamte Fläche, verteilt. Viele
Schadstoffe sind bereits über Jahrzehnte durch Einträge aus der Vergangenheit in den Gewässersedimenten
angereichert worden und werden regelmäßig bei der Analyse von Schwebstoffen im Rahmen der Überwa-
chungsprogramme erfasst. Aktive Eintragsquellen von Schadstoffen sind die Wasserlösestollen des Altberg-
baus (u. a. Rothschönberger Stolln), Siedlungsentwässerungen (Misch- und Trennkanalisationen), Infiltratio-
nen aus belastetem, vor allem bergbaulich verändertem Grundwasser und in geringerem Umfang die landwirt-
schaftliche Nutzung von Einzugsgebieten.

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Weitere Ursachen der z. T. hohen Schwermetallbelastungen von Fließgewässern in Teilen der Erzgebirgsre-
gion (Altbergbau) sind Auslaugungsprozesse von Haldenmaterial (Spül- und Grobbergehalden), Rückstände
aus der Lagerung, dem Transport und der Verladung der Roherze, Feinstaubrückstände des Verhüttungspro-
zesses der sulfidischen Erze, Emissionen und sedimentäre Partikel (Stäube und Aerosole) aus der Verhüttung
der Erze sowie schwermetallbelastete Sickerwasseremissionen aus Industrie- und Hausmülldeponien.
Wasserentnahmen
Einem oberirdischen Gewässer darf gemäß § 33 WHG (Mindestwasserführung) nur so viel Wasser entnom-
men werden, dass die Abflussmenge erhalten bleibt, die für das Gewässer und andere damit verbundene
Gewässer erforderlich ist, um die festgelegten Umweltziele zu erreichen. Daher ist davon auszugehen, dass
jede Wasserentnahme und -überleitung, die über den Gemein-, Eigentümer- und Anliegergebrauch nach
WHG (§§ 25, 26) hinausgeht, nur erlaubt werden kann, wenn sichergestellt ist, dass die erforderliche Min-
destwasserführung im Gewässerbett erhalten wird.
Zu berücksichtigen ist aber, dass es in Sachsen Regionen gibt, in denen es saisonal und insbesondere wäh-
rend Perioden ausgesprochener Trockenheit zu einer angespannten Wasserhaushaltssituation kommen kann.
Diese Regionen sind durch einen oftmals saisonal bedingten großen Bedarf an Wasser z. B. zur Fischzucht in
der Lausitzer Teichlandschaft charakterisiert. Im komplexen Zusammenspiel der vielfältigen Belastungsein-
flüsse können sich Wasserentnahmen bzw. -überleitung als Belastung erweisen, die auch dazu beitragen,
dass ein Fließgewässer die Umweltziele nicht erreichen kann.
Weitere Belastungen
Weitere signifikante Belastungen spielen in der Gesamtbetrachtung für Sachsen nur für wenige OWK eine
Rolle. Betroffen sind dabei Gewässer in der Braunkohlefolgelandschaft durch wiederansteigendes Grundwas-
ser, das mit hohen Konzentrationen an Sulfat- und Eisenverbindungen in die Oberflächengewässer exfiltriert.
Die Beeinflussung der Fließgewässer durch die Hinterlassenschaften des stillgelegten Braunkohlenbergbaus
hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen und kann auch weiterhin noch zunehmen. Die Prognosen
gehen zum Beispiel für Sulfat von einem hohen Belastungsniveau für die kommenden Dekaden aus. Danach
wird eine langfristige, langsam abnehmende Belastung der betroffenen Fließgewässer prognostiziert.
Folgende Eintragsquellen für Sulfat sind im Zusammenhang mit dem Bergbau relevant:
Eintrag über Sümpfungswässer aus Tagebauen
Eintrag aus Tagebaurestseen, die zum Teil auch zur Wasserspeicherung genutzt werden
diffuser Eintrag über Grundwässer aus Tagebaugebieten einschließlich der gesamten Grundwasserabsen-
kungstrichter
Darüber hinaus gelangt Sulfat anthropogen bedingt auch über den atmosphärischen Schwefeleintrag (Ver-
brennung fossiler Brennstoffe) sowie durch direkte (zum Beispiel Kläranlagen) und diffuse Einträge (Bodene-
rosion, Einträge aus der Landwirtschaft) in Fließgewässer.

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Eine hohe Sulfatkonzentration in den Fließgewässern stellt die Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat vor ein
Problem, da der Trinkwasserindikatorwert von 250 mg/l Sulfat insbesondere aus technischen Gründen einge-
halten werden muss, um gesundheitlichen Risiken vorzubeugen. In gewässerökologischer Hinsicht können
erhöhte Sulfatkonzentrationen eutrophierungsfördernd wirken und die Gewässerbiozönosen beeinflussen.
Sulfat kann auch zur Mobilisierung von im Sediment festgelegtem Phosphor führen.
Für andere braunkohlenbergbaubürtige Stoffe liegen bisher keine Prognosen vor. Beispiele, wie der Unterlauf
der Kleinen Spree, der Unterlauf des Wasserkörpers Spree-4 und größere Abschnitte des Wasserkörpers
Pleiße-4b zeigen aber, dass der Eiseneintrag so erheblich sein kann, dass es zu einer starken Braunfärbung
des Wassers und zur Ablagerung von Eisenhydroxid kommt.
Beide Erscheinungen bewirken eine deutliche Reduzierung der biozönotischen Vielfalt im Gewässer und ver-
hindern einen guten ökologischen Zustand beziehungsweise gutes ökologisches Potenzial. Ursache für diese
Entwicklung ist die Pyritverwitterung in den entwässerten und belüfteten, auch nicht devastierten geologischen
Schichten, die zur Bildung von Schwefelsäure, Sulfat und Eisen führt. Diese Stoffe werden nach Grundwas-
serwiederanstieg mit dem Grundwasser flächenhaft und diffus in die Fließgewässer eingetragen und bewirken
eine starke Verschlechterung der Wasserqualität.
Ebenfalls regional bedeutsam in einigen Gewässern sind Unterschreitungen des pH-Wertes, die auf eine anth-
ropogen bedingte Versauerung des Gewässers hinweisen kann. Zum Teil ist dafür auch der zuvor genannte
Wiederanstieg von Grundwasser in der Bergbaufolgelandschaft des Braunkohleabbaus verantwortlich. Für die
betroffenen Regionen im Erzgebirge sind hier vermutlich die Nachwirkungen des „sauren Regens“ sowie der
zurückliegenden intensiven Nadelforstnutzung verantwortlich, deren Auswirkungen in den letzten Jahren aber
eine abnehmende Tendenz zeigen, so dass von einer natürlichen Regeneration der betroffenen Ökosysteme
ausgegangen werden kann.
Darüber hinaus sind in einigen Gewässern Überschreitungen der Orientierungswerte für die maximale Ge-
wässertemperatur festgestellt worden. Diese sind zumeist durch die fehlende natürliche Beschattung und ge-
ringe Wasserführung in den Sommermonaten begründet.
Die Auswirkungen des Klimawandels werden gemäß den Prognosen in den kommenden Jahrzehnten zuneh-
men. Dazu gehören u. a. die Abnahme der Niedrigwassermengen und eine Zunahme der Häufigkeit und Dau-
er von Niedrigwasserereignissen sowie ein Anstieg der Temperaturen in den Oberflächengewässern.
4.3 Vom Wasser abhängige Landökosysteme
Manche Landökosysteme sind in besonderem Maße von einer hohen Versorgung durch Wasser abhängig.
Die Versorgung kann über Niederschlag, hoch anstehendes oberflächennahes Grundwasser oder Überflutun-
gen oder mehrere Wege geschehen.

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Dies gilt insbesondere für naturraum- beziehungsweise landschaftstypischen Biotope mit standörtlicher Bin-
dung an oberflächennahes Grundwasser. Vom oberflächennahen Grundwasser abhängige Lebensräume wie
Moore, Sümpfe, Auen und andere Feuchtgebiete stellen bei intaktem Zustand meist sehr artenreiche Lebens-
räume dar. Sie benötigen z.B. spezielle Grundwasserstände ggf. mit ausreichender Wasserversorgung durch
Niederschlag wie Moore oder aber sie sind wie die Auenwälder von periodischen Überflutungen abhängig.
Viele dieser Lebensräume unterliegen einem gesetzlichen Schutz gemäß Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.
Tabelle 5: Erhaltungszustand von oberflächennahem Grundwasser abhängiger terrestrischer Lebens-
raumtypen
Lebensraumtypen
LRT-Nr.l
Erhaltungszustand
Trend
Feuchten Hochstaudenfluren
6430
Unbekannt
Sich
verschlechternd
Brenndolden-Auenwiesen
6440
Unzureichend
Sich
verschlechternd
Erlen-, Eschen- und Weich-
auenwäldern
91E0
Unzureichend
Stabil
Hartholzauenwäldern
91F0
Unzureichend
Sich
verschlechternd
Eine
Beschreibung
der
LRT
und
ihrer
Verbreitung
findet
sich
auf
den
Internetseiten
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/natur/8062.htm.
Ursächlich dafür sind nicht zuletzt Veränderungen im natürlichen Wasserhaushalt und in der Überflutungsdy-
namik durch anthropogene bauliche Veränderungen der Gewässer und direkte Entwässerungen. Infolge groß-
flächiger Entwässerungsmaßnahmen, dem Ausbau der Gewässer im Verlauf der letzten Jahrhunderte und
dem Bau technischer Hochwasserschutzmaßnahmen wie Deiche und Rückhaltebecken haben sich die stan-
dörtlichen Bedingungen für die wasserabhängigen Landökosysteme erheblich verschlechtert. Diese Maßnah-
men greifen in die Gewässerlebensräume ein und verändern diese nachhaltig. Insbesondere wird die natürli-
che Gewässerdynamik unterbunden und damit die funktionale Verbundenheit der Fließgewässer und ihrer
Auen gestört.

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5 Literaturverzeichnis
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sen.- Schriftenreihe des LfULG, Heft 39/2011.- 112 S.

Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
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Autoren:
Kuhn, Karin; Börke, Dr. Peter; Jenemann, Kerstin; Schaarschmidt, Toralf,
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Frank; Höhne, Uwe
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Redaktionsschluss:
29.09.2014
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