Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz
Arbeitsgruppe Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände, Wein und Kosmetika (ALB)
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.
Orientierungswerte für Mineralölkohlenwasserstoffe (MOH) in Lebensmitteln
Stand April 2019
Die Vertreter der Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder und der BLL als Spitzenverband
der deutschen Lebensmittelwirtschaft empfehlen die Anwendung von „Orientierungswerten“
für
Gehalte an Mineralölkohlenwasserstoffen sowie deren strukturellen Analoga. Diese Orientierungs-
werte wurden im Rahmen eines gemeinsamen Projekts auf Basis aktueller Daten ab Juni 2016 ent-
wickelt.
Ziel ist es, der Lebensmittelwirtschaft, Verbrauchern, Verbraucherschutzorganisationen und Wa-
rentestern sowie den Überwachungsbehörden eine Orientierung zu geben, bis zu welcher Höhe
Belastungen mit mineralölartigen Kohlenwasserstoffen (mineral oil-like hydrocarbons
MOH) un-
ter Beachtung und bei Kontrolle und Beherrschung der bisher bekannten Eintragspfade erwartbar
sind.
Die Orientierungswerte berücksichtigen in ihrer Ableitung ausdrücklich keine Aspekte der Toxiko-
logie oder Exposition, da nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Literatur sowie
im Hinblick auf die mögliche Bioakkumulation bestimmter MOSH-Fraktionen eine Ableitung ge-
sundheitsbasierter Werte für die Gesamtheit der mineralölartigen Kohlenwasserstoffe derzeit
nicht möglich ist.
Im Sinne der Beschlussfassung der 13. Verbraucherschutzminister (VSMK) 2017 können die Orien-
tierungswerte den Ausgangspunkt für weitere Minimierungsanstrengungen darstellen.
Beispielsweise durch die BLL-Toolbox werden stufenbezogen Maßnahmen zur Vermeidung erkann-
ter, spezifischer Kontaminationsquellen durch Anpassung der Herstellungs- und Verpackungsprak-
tiken (GMP) empfohlen, die sich in den Prozessketten realisieren lassen. Durch die Vielfalt der Quel-
len, ubiquitäre Umwelteinflüsse, die Komplexität und Unterschiedlichkeit der Prozessketten, aber
auch die Verwendung zugelassener Hilfsstoffe ergibt sich die Erkenntnis, dass sich auch bei Einhal-
tung einer optimierten Guten Herstellungs- und Verpackungspraxis Gehalte von mineralölartigen
Kohlenwasserstoffen nicht in allen Fällen vermeiden lassen.
Eckpunkte für das Konzept:
Quellenunabhängigkeit
Berücksichtigung aktueller Daten basierend auf allgemein akzeptierten analytischen Verfahren
Gesamter Fraktionsbereich C
10
- C
50
Keine Berücksichtigung von Exposition und Toxizität
Statistische Betrachtung der Situation innerhalb einer Produktgruppe
Keine rechtliche oder gesundheitliche Beurteilung

2
Erarbeitet wurden die Orientierungswerte von einer
„ALB/BLL-Projektgruppe“ aus repräsentativen
Vertretern der Bundesländer und der involvierten Wirtschaftskreise, letztere unter Koordination
des BLL. Dafür wurden mehr als 10.000 Einzeldatensätze anonymisiert erfasst und ausgewertet.
Im Ergebnis
liegen nunmehr für erste Lebensmittelkategorien
„Gemeinsame MOH-
Orientierungswerte“ (Tabelle
Stand April 2019) vor, die in parallelen Abstimmungsprozessen von
BLL-Gremien und ALB bestätigt wurden.
Aus der Sicht der Projektgruppe sind folgende Informationen und Hinweise wichtig:
Die Ableitung der Orientierungswerte erfolgte nach statistischen Grundsätzen auf Ba-
sis des 90. Perzentils aktueller Daten zu Produktgruppen, bei denen bereits in der Ver-
gangenheit eine erfolgreiche Reduktion der Belastung mit MOH erreicht und belegt
werden konnte. Die Orientierungswerte auf Basis des 90. Perzentils stellen im Rahmen
der guten fachlichen Praxis (GMP) i.d.R. mindestens erreichbare Werte dar.
Die „MOSH-Werte“ beziehen sich auf die Gesamtheit der in einem Produkt analysier-
baren mineralölartigen Kohlenwasserstoffe (MOSH einschließlich der MOSH-Analoga
wie POSH oder MORE) ungeachtet der Eintragsquellen, wie z.B. Packstoffe oder tech-
nische Hilfsstoffe.
In Bezug auf MOAH gelten die im JRC-Report beschriebenen maximalen Bestimmungs-
grenzen LOQ
max
, jedoch bezogen auf die Gesamtfraktion C
10
C
50
, als Orientierungs-
werte.
Bei der analytischen Überprüfung der Einhaltung der Orientierungswerte dient der
durch das Europäische Referenzlabor JRC veröffentlichte „Technical Report“
(
Guidance on sampling, analysis and data reporting for the monitoring of mineral oil hyd-
rocarbons in food and food contact materials, 2019)
als methodische Bezugsgrundlage.
Als künftiges Projektziel sind Orientierungswerte auch für weitere Produktgruppen
vorgesehen. Die Projektgruppe arbeitet derzeit an der Erhebung, Zusammenführung
und Auswertung weiterer Datensätze.
Autoren und Vertreter der Projektgruppe:
Dr. Sieglinde Stähle
Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.
Claire-Waldoff-Str. 7 . 10117 Berlin
sstaehle@bll.de
www.bll.de
Rüdiger Helling
SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR SOZIALES UND VERBRAUCHERSCHUTZ
Referat 22 Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit, Bedarfsgegenstände, Kosmetika
Albertstraße 10 01097 Dresden
ruediger.helling@sms.sachsen.de
www.sms.sachsen.de

MOH-ORIENTIERUNGSWERTE
LAV und BLL empfehlen gemeinsam die Anwendung von „Orientierungswerten“ für das quellenunabhängige Vorkommen von
Mineralölkohlenwasserstoffen
und Analogen (MOH der Summe von MOSH (einschließlich MOSH-Analoge) und MOAH) in Lebensmitteln als einheitlich zu verwendende, abgestimmte Beur-
teilungsgrundlagen. Die Orientierungswerte beruhen auf statistisch gesicherter Grundlage vergleichbarer Daten, die der BLL und die Bundesländer im Rahmen
eines gemeinsamen Projektes für den Zeitraum ab Juni 2016 erhoben haben. Die Daten sind nach abgestimmten Vorgaben zur Analytik und Erfassung (siehe
Projekt-Beschreibung vom Juni 2018) undifferenziert und unabhängig von den potentiellen Eintragsquellen erfasst worden. Aus dem umfangreichen Daten-
pool wurden bei ausreichender Datengrundlage für bestimmte Lebensmittelgruppen in einem pragmatischen statistischen Prozess die
„Orientierungswerte“
abgeleitet (i.d.R. basierend auf dem 90%-Perzentil einer Verteilung). Die so abgeleiteten Orientierungswerte basieren nicht auf toxikologischen oder Expositi-
onsbewertungen und stellen kein Kriterium zum Nachweis der lebensmittelrechtlichen Konformität dar. Sie geben den aktuellen Stand der Technik unter
Berücksichtigung der verschiedenen Eintragspfade für Mineralölkohlenwasserstoffe und deren Analoge (vgl. BLL-Toolbox-Konzept (Dezember 2017) wieder.
Die Werte sind dementsprechend Empfehlungen und Orientierungshilfen für die Praxis, sie sind definitionsgemäß nicht als Grenzwerte zu verstehen oder
anzuwenden. Die Werte gelten für Endverbraucherprodukte bzw. Produkte am Markt und stellen den Stand der Guten Agrar-, Herstellungs- und Verpackungs-
praxis der jeweiligen Prozessketten zum gegenwärtigen Zeitpunkt dar.
Bei der Überprüfung der Einhaltung der Orientierungswerte dient der aktuelle Leitfaden1, des europäischen Referenzlabors als methodischer Bezug einschließ-
lich der dort angegebenen mindestens zu erreichenden Bestimmungsgrenzen (LOQmax), analytischen Rahmenbedingungen sowie der Hinweise zur weiteren
Charakterisierung bei schwierigen Proben und Matrices unter Verwendung zusätzlicher analytischer Methoden wie z.B. GC-MS, LC-GC-FID/MS oder GCxGC-
FID/MS, über deren Notwendigkeit jedoch von Fall zu Fall entschieden werden muss.
DEFINITION
„MOH-Orientierungswerte“
„Die Werte geben eine Orientierung, welcher quellenunabhängige Gehalt an mineralölartigen Kohlenwasserstoffen (MOH als Summe
von MOSH und MOSH-
Analogen (wie POSH, PAO, MORE) und als MOAH) in Lebensmitteln einer spezifischen Gruppe mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist als
Ergebnis einer guten fachlichen Herstellungspraxis auf den verschiedenen Prozessstufen und aufgrund ubiquitärer Einflüsse.
Werden Orientierungswerte überschritten, kann dies auf mögliche und gemäß der Guten Praxis gegebenenfalls vermeidbare Eintragsquellen im Rahmen
der Herstellungs- und Verpackungsprozesse entlang einer Lieferkette hinweisen und Anlass für Ursachenforschung sein.
Bei der weiteren Beurteilung eines Produktes sind dessen
Zusammensetzung, Art und Dauer der Verpackung, Mindesthaltbarkeit,
Informationen über die Rohstoffsituation, über Verarbeitungsprozesse und Lebensmittelkontaktmaterialien auf allen Stufen sowie
die Zweckbestimmung und die üblichen Verzehrmengen zu berücksichtigen.“
1
JRC Technical Report: Guidance on sampling, analysis and data reporting for the monitoring of mineral oil hydrocarbons in food and food contact materials, 2019,
ISBN 978-92-76-00172-0

4
n.b. - nicht bestimmbar, d.h. Gehalte < Bestimmungsgrenze (hier: LOQ
max
in mg/kg gemäß der JRC Guidance on sampling, analysis and data reporting for monitor-
ing of mineral oil hydrocarbons in food and food contact materials, Stand 2019)
2
LOQmax für jede Fraktion (vgl. JRC Technical Report
1
) für Fette / Öle entspricht 2 mg/kg
3
LOQmax für jede Fraktion (vgl. JRC Technical Report
1
) für fettarme Lebensmittel < 4% Fett entspricht 0,5 mg/kg; > 4 % Fett entspricht 1 mg/kg
LAV-BLL: MOH-Orientierungswerte (April 2019)
Nr.
Produktgruppe
Lebensmittelkategorie
MOSH
und
Analoga
[mg/kg]
C
10
-C
50
MOAH
[mg/kg]
C
10
-C
50
Hinweise zu Anwendung
(Hinweise zu den erfassten Lebensmittelgruppen /
zu nichterfassten Produkte und Abgrenzungen/
ggf. zu Begründungen, Datenbasis oder sonstige Besonderheiten)
1
Pflanzliche Öle,
(wie Rapsöl, Sonnenblumenöl,
Leinöl, Olivenöl)
(außer Öle/Fette tropischer
Pflanzen und Sojaöl)
13
n.b.
2
diese Orientierungswerte sind nicht zur Anwendung für Öle/Fette, die aus tropischen Pflanzen gewon-
nen wurden (z. B. Kokosöl), vorgesehen aufgrund ungenügender statistischer Datenbasis (im Dez.
2018)
2
Brot und Kleingebäck, Feine
Backwaren, Getreideerzeug-
nisse und getreidebasierte Pro-
dukte, Cerealien, Teigwaren,
Reis
6
n.b.
3
nur anwendbar auf Enderzeugnisse für Verbraucher; nicht für Rohwaren oder Rohteige
3
Süßwaren (Zuckerwaren außer
Kaugummi), Schokolade und ka-
kaobasierte Süßwaren
9
n.b.
3