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Hinweise für die Lärmaktionsplanung
Informationsbroschüre für Städte und
Gemeinden

2
Hinweise für die Lärmaktionsplanung
nach EU-Umgebungslärmrichtlinie
- Informationsbroschüre für Städte und Gemeinden -
Andreas Rink, Dr. Johannes Herhold

3
Inhalt
1
Einleitung .................................................................................................................................................................. 6
2
Lärmkartierung im Freistaat Sachsen .................................................................................................................... 7
3
Rechtliche Grundlagen der Lärmaktionsplanung.................................................................................................. 9
4
Fachliche Grundlagen für die Lärmaktionsplanung .............................................................................................. 10
5
Wer ist verpflichtet, einen Lärmaktionsplan aufzustellen? .................................................................................. 12
6
Zielstellung, Vorteile und Nutzen der Lärmaktionsplanung ................................................................................. 13
7
Die Schritte zur Erstellung eines Lärmaktionsplans ............................................................................................. 14
7.1
Erster Schritt: Vorbereitende Arbeiten ........................................................................................................................ 17
7.2
Zweiter Schritt: Bewertung der Lärmbelastung ........................................................................................................... 17
7.3
Dritter Schritt: Abschluss der Vorprüfung und Beschlussfassung ............................................................................... 20
7.4
Vierter Schritt: Zielformulierung .................................................................................................................................. 22
7.5
Fünfter Schritt: Beteiligungen ..................................................................................................................................... 24
7.6
Sechster Schritt: Entwicklung des Maßnahmenkatalogs ............................................................................................ 28
7.7
Siebter Schritt: Beschluss und Bekanntmachung des Lärmaktionsplans .................................................................. 35
8
Wichtiges zusammengefasst .................................................................................................................................. 35
9
Quellenverzeichnis ................................................................................................................................................... 39
10
Anhang ..................................................................................................................................................................... 40

4
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Hauptlärmquelle Straßenverkehr ..................................................................................................................... 6
Abbildung 2: Ergebnisse der Lärmkartierung – beispielhafte Darstellung ............................................................................ 8
Abbildung 3: Interpretation der Lärmkarten unter Berücksichtigung anderer, nicht kartierter
relevanter Lärmquellen ................................................................................................................................. 11
Abbildung 4: Prüfung der Notwendigkeit einer Lärmaktionsplanung - Ermittlung von Betroffenheiten
(beispielhafte Darstellung) ............................................................................................................................ 12
Abbildung 5: Schützenswertes ruhiges Gebiet ................................................................................................................... 13
Abbildung 6: Vorbereitende Arbeiten .................................................................................................................................. 17
Abbildung 7: Visualisierung von Lärmkonflikten mittels GIS ............................................................................................... 18
Abbildung 8: Kriterien für die Zielformulierung.................................................................................................................... 23
Abbildung 9: Beteiligung der Öffentlichkeit ......................................................................................................................... 25
Abbildung 10: Lärmschutzwand als mögliche Lärmminderungsmaßnahme ......................................................................... 30
Abbildung
11:
Berichterstattung
...........................................................................................................................................
37

5
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Zuständigkeiten und gesetzliche Fristen zur Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie .................................. 9
Tabelle 2: Schritte beim Verfahren der Lärmaktionsplanung ................................................................................................ 15
Tabelle 3: Orientierungshilfe für die Bewertung der Lärmbelastung ..................................................................................... 19
Tabelle 4: Am Verfahren zu beteiligende interne und externe Behörden sowie sonstige Stellen ......................................... 26
Tabelle 5: Schematische Darstellung der Beteiligungspflichten mit betreffenden Akteuren ................................................. 27
Tabelle 6: Bewertungsbogen für den Vergleich von Lärmminderungsmaßnahmen (mit Beispielen) ................................... 29
Tabelle 7: Beispiele für Lärmminderungsmaßnahmen an Hauptverkehrsstraßen
mit Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten ................................................................................................... 32

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6
1 Einleitung
Abbildung 1: Hauptlärmquelle Straßenverkehr
Die alltägliche Lärmbelastung der Bevölkerung ist eines der größten Umweltprobleme unserer heutigen Zeit.
Viele Betroffene im Einflussbereich von Straßen, Bahnstrecken oder auch Flughäfen sind aufgrund des rund
um die Uhr einwirkenden Verkehrslärms in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt oder sogar gesundheitlichen
Risiken ausgesetzt. Da die Hauptursachen für eine flächenhafte Verlärmung in direktem Zusammenhang mit
der Lebensweise einer modernen Industriegesellschaft stehen, ist eine einfache Problemlösung nicht zu er-
warten und auch nicht möglich.
Wichtige neue Impulse für die Lärmbekämpfung hat die Richtlinie 2002/49/EG über die Bewertung und Be-
kämpfung von Umgebungslärm (Umgebungslärmrichtlinie)
[1]
gesetzt. Sie verpflichtet die Städte und Ge-
meinden, die Lärmbelastung in Ballungsräumen sowie entlang von stark frequentierten Verkehrstrassen zu
ermitteln und in Lärmkarten darzustellen. Unter Einbindung der Öffentlichkeit sollen dann Lärmaktionspläne
erarbeitet werden. Mit den darin festgelegten Maßnahmen sollen die Lärmbelastung langfristig gesenkt,
Brennpunkte entschärft und bislang ruhige Gebiete vor einer weiteren Verlärmung geschützt werden. Da so-
wohl Lärmkarten als auch –aktionspläne alle fünf Jahre zu aktualisieren sind, erfolgt damit der Einstieg in ei-
nen fortlaufenden, dynamischen Prozess der Auseinandersetzung und Bekämpfung der lokalen Lärmsituation.
Durch die Umgebungslärmrichtlinie ist es gelungen, das Thema „Lärmbelastung“ in den Fokus gesamtgesell-
schaftlicher Aufmerksamkeit zu rücken. Beispielsweise ist die Absenkung der Auslösewerte für die Lärmsanie-
rung um 3 dB(A) im Jahr 2010 für Straßen in der Baulast des Bundes, der sich der Freistaat Sachsen für seine
Staatsstraßen angeschlossen hat, eine direkte Folge der öffentlichen Zuwendung zu diesem Problem. Dies
gilt ebenso für die Förderung von Lärmschutzmaßnahmen an kommunalen Straßen im Rahmen des Konjunk-
turpakets II und für die Realisierung von Pilotprojekten zur Erforschung lärmmindernder Fahrbahnbeläge für
innerörtliche Straßen. Nun gilt es, diesen dynamischen Prozess erfolgreich fort zu führen und das Instrument
der Lärmaktionsplanung auf breiter Basis zu verankern.
Schematisierte Lösungen für die Lärmaktionsplanung kann und wird es nicht geben, da die Konflikte und Mög-
lichkeiten vor Ort vielfältig sind. Die vorliegende Informationsbroschüre, erstellt in Zusammenarbeit mit der
ressortübergreifenden Projektgruppe Umgebungslärmrichtlinie, versteht sich deshalb nicht als strikte Hand-

7
lungsanleitung, sondern soll den Gemeinden Hilfestellung bei der Vorbereitung und Umsetzung ihrer Lärmak-
tionsplanung geben. Für die einzelnen Planungsschritte und Etappen werden Hinweise gegeben, gleichzeitig
sollen unnötiger Aufwand und Kosten für die Gemeinden vermieden werden. Vorrangiges Ziel ist zwar die
Erfüllung der gesetzlichen Pflichten aus der Umgebungslärmrichtlinie; gleichzeitig möchten wir aber auch die
Gemeinden und alle beteiligten Akteure dazu ermutigen, die Lärmaktionsplanung als Chance zu sehen, lang-
fristig die Lebensqualität in den betroffenen Städten und Gemeinden zu verbessern und somit ihre Attraktivität
zu erhöhen.
Der inhaltliche Schwerpunkt dieser Broschüre liegt zwar auf dem Straßenverkehrslärm, dennoch kann die
beschriebene Herangehensweise auch auf andere Lärmarten problemlos übertragen werden.
2 Lärmkartierung im Freistaat Sachsen
Mit Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie in deutsches Recht durch Änderung des Bundes-
Immissionsschutzgesetzes (BImSchG)
[2]
und dem
Erlass der 34. Verordnung zum
Bundes-
Immissionsschutzgesetz (Verordnung über die Lärmkartierung – 34. BImSchV)
[3]
sind für Ballungsräume
über 100.000 Einwohner sowie für Hauptlärmquellen die Geräuschbelastung in Lärmkarten darzustellen und
die Zahl der lärmbetroffenen Anwohner zu ermitteln. Außerhalb von Ballungsräumen sind Hauptverkehrsstra-
ßen mit einem Verkehrsaufkommen über 3 Millionen Kraftfahrzeugen, Haupteisenbahnstrecken mit mehr als
30.000 Zugfahrten pro Jahr und Großflughäfen mit mehr als 50.000 Flugbewegungen im Jahr in die Lärmkar-
tierung einzubeziehen. Innerhalb der Ballungsräume sind neben den genannten Hauptlärmquellen weitere
Straßen, sonstige Schienenwege von Eisenbahnen, Schienenwege von Straßenbahnen, Flugplätze für den
zivilen Luftverkehr und Anlagen, die unter die Richtlinie 96/61/EG fallen (IVU-Anlagen), zu kartieren. Zur Er-
mittlung des Umgebungslärms und der daraus resultierenden Belastetenzahlen wurden durch den Gesetzge-
ber spezielle Berechnungsvorschriften erlassen
[4] [5]
, mit deren Hilfe im Rahmen komplexer Schallausbrei-
tungsberechnungen für jede Geräuschart (Straße, Schiene, Flugverkehr, Anlagenlärm) die Lärmbelastung auf
Basis einer Vielzahl unterschiedlicher Eingangsgrößen ermittelt wird.
Lärmkarten existieren im Freistaat Sachsen für die drei Ballungsräume Dresden, Leipzig und Chemnitz. Dar-
über hinaus unterliegen etwa 1.500 km Hauptverkehrsstraße, darunter alle Autobahnen sowie stärker befah-
rene Bundes- und Staatsstraßen in über 200 Städten und Gemeinden, der Kartierungspflicht. Damit ist der
Straßenverkehr landesweit uneingeschränkt die Hauptlärmquelle. Die Länge der zu untersuchenden Hauptei-
senbahnstrecken liegt bei knapp 400 km. Ebenfalls zu kartieren war der Großflughafen Leipzig-Halle. Die
Lärmbelastung wird für bewohnte und unbewohnte Bereiche flächenhaft ermittelt, völlig unabhängig von der
Gebietsnutzung.
Die gesetzliche Zuständigkeit für die Lärmkartierung liegt bei den Kommunen, auf deren Gebiet die Haupt-
lärmquelle liegt. Eine Ausnahme bilden Haupteisenbahnstrecken, hier wird die Kartierung bundesweit in Ver-
antwortung des Eisenbahn-Bundesamtes durchgeführt. Trotz kommunaler Zuständigkeit wurde für die Anrai-
nergemeinden von Hauptverkehrsstraßen eine Möglichkeit geschaffen, die Kartierung zentral durch das
LfULG vorzubereiten und erarbeiten zu lassen.
Die bisherigen Ergebnisse der Lärmkartierung zeigen, dass die höchsten Lärmbetroffenheiten entlang von
stark befahrenen innerörtlichen Hauptverkehrsstraßen zu finden sind. Oftmals liegen die hier ermittelten Pe-
gelwerte erheblich über der Grenze zur Gesundheitsrelevanz von 55 dB(A) in der Nacht und 65 dB(A) am

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8
Tag. Handlungsbedarf ist dringend geboten. Dagegen zeigen die Ergebnisse der Lärmkartierung entlang von
Autobahnen, dass sich hier die gesetzlichen Vorgaben der Verkehrslärmschutzverordnung (16. BImSchV)
[6]
positiv auswirken. Erhebliche Belastungen sind dort allenfalls punktuell zu finden, in der Fläche sind die Belas-
tungen gegenüber den Innenstädten deutlich geringer. Allerdings sind mit der Einhaltung der Grenzwerte der
16. BImSchV an Autobahnen vielerorts die Handlungsspielräume für weiterführende Schutzmaßnahmen durch
die Baulastträger ausgeschöpft, auch wenn die Lärmbelastungen durchaus noch enormes Belästigungspoten-
zial für betroffene Anwohner haben. In
Kapitel 7
wird auf diese Situation nochmals gesondert eingegangen.
Abbildung 2: Ergebnisse der Lärmkartierung – beispielhafte Darstellung
Im Vergleich der Betroffenheit zwischen Straßen- und Schienenverkehr schneidet der Eisenbahnverkehr auf
Grund seiner geringeren Netzdichte günstiger ab. Jedoch sind die Betroffenheiten in den Anrainergemeinden
von innerorts verlaufenden Haupteisenbahnstrecken mit Güterverkehr zum Teil sehr hoch. Die Lärmpegel
liegen hier vielfach im gesundheitsgefährdenden Bereich. Am Flughafen Leipzig-Halle spiegelt die Lärmkartie-
rung den nächtlichen Frachtflugverkehr wider. Während tagsüber die Betroffenenzahlen relativ gering sind,
steigen diese in der Nacht deutlich an und liegen im direkten Flughafenumfeld oberhalb gesundheitsverträgli-
cher Pegel. Lärmbelastungen in der Umgebung von Industrieanlagen spielen dagegen in den Ballungsräumen
praktisch keine Rolle.
Die Lärmkarten sind alle fünf Jahre zu überprüfen und zu aktualisieren. Während die Ballungsräume und auch
der Flughafen Leipzig-Halle langfristig in der Kartierungspflicht verbleiben werden, variieren bei den Hauptver-
kehrsstraßen außerhalb der Ballungsräume etwa 15 % des zu untersuchenden Streckennetzes innerhalb die-
ses Zeitraums. Grund hierfür sind Verlagerungen des Verkehrsaufkommens sowie Straßenneubauprojekte.
Die Entscheidung über den Untersuchungsumfang ist im Jahr vor der Kartierung zu treffen, der voraussichtli-
che Kartierungsbestand jedoch bereits zwei Jahre vorher der EU-Kommission zu übermitteln.
Nach Abschluss der Lärmkartierung besteht die gesetzliche Pflicht, die Öffentlichkeit in geeigneter Weise über
die Ergebnisse der Lärmkartierung zu informieren.

9
Die Veröffentlichung soll vorzugsweise über das Internet erfolgen. Für Bürger ohne Internetzugang muss je-
doch auch die Möglichkeit bestehen, direkten Einblick in die Lärmkarten vor Ort nehmen zu können. Auch hat
die Veröffentlichung in der Weise zu erfolgen, dass sich jeder Betroffene auf den Lärmkarten orientieren bzw.
mit seinem Wohnort wiederfinden kann und eine Möglichkeit hat, die angegebenen Pegelwerte einzuschätzen
bzw. zu bewerten. Mittels moderner Web-GIS-Verfahren ist eine nutzerfreundliche Präsentation der Lärmkar-
ten im Internet heute problemlos möglich. Als Service für die Gemeinden bietet das LfULG eine interaktive
Bereitstellung der verfügbaren Lärmkarten unter
www.umwelt.sachsen.de
an. Die Lärmkarten der Hauptei-
senbahnstrecken sind über die Website des Eisenbahn-Bundesamtes abrufbar.
3 Rechtliche Grundlagen der Lärm-
aktionsplanung
Die Umgebungslärmrichtlinie wurde in der Bundesrepublik Deutschland durch §§ 47a–f des BImSchG (Sechs-
ter Teil: Lärmminderungsplanung) und die 34. BImSchV (Verordnung über die Lärmkartierung) rechtlich um-
gesetzt. Die wesentlichen Aufgaben, die sich daraus ergeben, sind:
Ermittlung der Schallausbreitung und Lärmbetroffenheit sowie deren graphische Darstellung in Lärmkarten
und
Zusammenstellung von Maßnahmen zur Vermeidung bzw. langfristigen Verminderung von Lärmbelastungen
in Lärmaktionsplänen.
Die Aufgaben, gesetzlichen Fristen und Zuständigkeiten sind in Tabelle 1 in Übersichtsform dargestellt.
Tabelle 1: Zuständigkeiten und gesetzliche Fristen zur Umsetzung der EU-Umgebungslärmrichtlinie
Quelle
Zuständigkeit in Sachsen
Lärmkartierung (LK)/ Lärmaktions-
planung (LAP)
Lärmkarten bis*
Lärmaktionspläne bis*
Ballungsräume
>250.000 Einwohner
(DD, L)
>100.000 Einwohner (
DD, L, C)
LK: Gemeinden
LAP: Gemeinden
30. Juni 2007
30. Juni 2012
18. Juli 2008
18. Juli 2013
Hauptverkehrsstraßen
> 6 Mio. Fahrzeuge/Jahr
1
(535 km)
> 3 Mio. Fahrzeuge/Jahr
2
(1.450 km)
LK: Gemeinden
LAP: Gemeinden
30. Juni 2007
30. Juni 2012
18. Juli 2008
18. Juli 2013
Haupteisenbahnstrecken
>60.000 Züge/Jahr
(95 km)
>30.000 Züge/Jahr
(360 km)
LK: Eisenbahn-Bundesamt
LAP: Gemeinden
30. Juni 2007
30. Juni 2012
18. Juli 2008
18. Juli 2013
Großflughäfen
>50.000 Bewegungen/Jahr
(L/H erstmals 2012/2013)
LK: Gemeinden
LAP: Gemeinden
30. Juni 2007
18. Juli 2008
*) danach Überprüfung und Aktualisierung der Lärmkarten sowie Lärmaktionspläne alle 5 Jahre!
1
entspricht einer Durchschnittlichen Täglichen Verkehrsstärke (DTV) von rund 16.400 Kfz/Tag
2
entspricht einer Durchschnittlichen Täglichen Verkehrsstärke (DTV) von rund 8.200 Kfz/Tag
Klammerangabe in Spalte Quelle: Untersuchungsumfang der Lärmkartierung 2007 und 2012 in Sachsen

10
Grundlage für die Lärmkartierung sind die nationalen Berechnungsvorschriften
[4] [5],
die zukünftig durch eu-
ropaweit geltende Vorschriften abgelöst werden sollen.
§ 47d BImSchG schreibt die Erstellung von Lärmaktionsplänen für Orte in der Nähe der in
Tabelle 1
genann-
ten Hauptlärmquellen sowie für Ballungsräume vor. Nach Abs. 3 ist die Bevölkerung bei der Lärmaktionspla-
nung rechtzeitig und effektiv zu beteiligen.
Lärmaktionspläne sind bis zum 18. Juli des auf die Lärmkartierung folgenden Jahres durch die Gemeinden
aufzustellen. Ihre Überprüfung und ggf. Überarbeitung hat spätestens alle 5 Jahre und zusätzlich bei Bedarf,
d.h. einer bedeutsamen Entwicklung für die Lärmsituation, zu erfolgen. Die Lärmaktionsplanung ist demzufol-
ge ein dynamischer, stetig fortschreitender Prozess und nicht einfach nur eine einmalige Auflistung möglicher
Maßnahmen.
Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie schreibt Mindestanforderungen an den Inhalt der Aktionspläne vor, die
bei deren Erstellung zu beachten sind. Darüber hinaus nennt Anhang VI der Richtlinie die Daten, welche in die
Berichterstattung an die EU-Kommission einfließen müssen.
4 Fachliche Grundlagen für die Lärm-
aktionsplanung
Die Ergebnisse der Lärmkartierung sind eine zentrale Basis für die Lärmaktionsplanung. Aber auch andere
Informationsquellen beinhalten wichtige Grundlagen für die Erstellung von Lärmaktionsplänen bzw. liefern
Anhaltspunkte hierfür. Folgende Informationen und Unterlagen sollten im Vorfeld zur Ermittlung der vollständi-
gen Belastungsschwerpunkte im Gemeindegebiet herangezogen werden:
Ergebnisse der Lärmkartierung,
Kenntnisse bzw. Hinweise auf weitere relevante Lärmquellen im Gemeindegebiet,
Hinweise der Bevölkerung, sowohl im Nachgang zur Lärmkartierung als auch bei der Lärmaktionsplanung,
andere laufende kommunale Planungen (z.B. Bauleitplanung, Verkehrsplanung, Luftreinhalteplanung),
ggf.
Informationen
aus
anderen
Behörden
(z.B.
Straßenbaulastträger/Straßenbaubehörden)
über Hauptlärmquellen,
ggf. vorhandene und zu schützende ruhige Gebiete.
Nur so kann sichergestellt werden, dass die Aktionsplanung auch an den tatsächlichen „Brennpunkten“ der
Lärmbelastung ansetzt.
Durch den strategischen Ansatz der Umgebungslärmrichtlinie, welcher nur die Kartierung von Hauptlärmquel-
len ab einem bestimmten Verkehrsaufkommen vorsieht
(siehe Kapitel 2 bzw. Tabelle 1)
, kann es vorkommen,
dass ggf. andere bedeutsame Lärmquellen bei der Kartierung unberücksichtigt bleiben. Eine Lärmaktionspla-
nung, die in solchen Fällen nur strikt an den kartierten Hauptlärmquellen ansetzt, erfüllt zwar die gesetzlichen
Forderungen, ist aber für die Betroffenen nicht zielführend.
Bild 3
verdeutlicht dies am Beispiel eines inner-
städtischen Gebietes.

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11
Stattdessen sollte eine Einbeziehung aller relevanten Lärmquellen in die Lärmaktionsplanung erfolgen – ent-
weder bereits bei der Lärmkartierung durch eine bewusste Erweiterung des Kartierungsumfangs oder nach-
träglich durch eine Abschätzung der Belastung bzw. ergänzende Kartierung.
Abbildung 3: Interpretation der Lärmkarten unter Berücksichtigung anderer, nicht kartierter relevanter
Lärmquellen
Wichtige Hinweise zu Belastungsschwerpunkten kann die Öffentlichkeit beisteuern, die möglichst frühzeitig an
der Lärmaktionsplanung beteiligt werden sollte. Aber auch der Verwaltung selbst liegen häufig Kenntnisse
über Belastungsschwerpunkte vor bzw. sie kann diese über einfache Kenngrößen ableiten (u.a. Kfz-
Aufkommen bzw. hoher LKW-Anteil bei dichter Wohnbebauung, schlechte Straßenoberfläche).
Zur abschließenden Einschätzung und Bewertung der Lärmsituation empfiehlt sich eine Visualisierung der
Konfliktbereiche unter Berücksichtigung von Pegelhöhe, Betroffenheiten und ggf. Mehrfachbelastungen (Ein-
wirkung verschiedener Lärmquellen).

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12
5 Wer ist verpflichtet, einen Lärmaktions-
plan aufzustellen?
Zuständig für die Lärmaktionsplanung sind im Freistaat Sachsen nach § 47 e Abs. 1 BImSchG die Gemein-
den, sowohl in Ballungsräumen als auch entlang von Hauptverkehrsstraßen und Haupteisenbahnstrecken.
Dabei werden sie fachlich von Landesbehörden soweit möglich unterstützt. Öffentliche Eisenbahninfrastruktu-
runternehmen (DB AG) sind sogar gesetzlich zur Mitwirkung verpflichtet.
Aus dem Wortlaut des § 47d Abs. 1 BImSchG lässt sich ableiten, dass sich neben den Ballungsräumen
grundsätzlich alle Gemeinden, in denen im Ergebnis der Lärmkartierung Geräuschimmissionen auf bewohnte
Gebiete einwirken, mit dem Verfahren der Lärmaktionsplanung auseinandersetzen müssen - unabhängig von
der Höhe der Immissionen und Betroffenenzahlen.
Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass in jedem Fall ein Lärmaktionsplan unter Beteiligung eines ex-
ternen Planungsbüros aufgestellt werden muss. Ergebnis der Vorprüfung (siehe
Kapitel 7, Schritte 1-3
) kann
nämlich auch sein, dass aufgrund nur unerheblicher Betroffenheiten bzw. sonstiger plausibler Gründe weitere
Planungsschritte nicht notwendig sind. In
Kapitel 7
werden die einzelnen Schritte des Verfahrens der Lärmak-
tionsplanung ausführlich erläutert. Ausmaß und Aufwand der Lärmaktionsplanung sind abhängig vom Umfang
der Betroffenheit und den örtlichen Gegebenheiten.
Abbildung 4: Prüfung der Notwendigkeit einer Lärmaktionsplanung - Ermittlung von Betroffenheiten
(beispielhafte Darstellung)
Bei der Ausgestaltung des Aktionsplans räumt § 47d Abs. 1 BImSchG den Gemeinden einen hohen Gestal-
tungsspielraum ein. Zitat: „
Die Festlegung von Maßnahmen in den Plänen ist in das Ermessen der zuständi-

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13
gen Behörden gestellt…
“. Dies setzt jedoch einen ordnungsgemäßen Abwägungsprozess unter Beteiligung
der Öffentlichkeit voraus. Inwieweit die Nutzung dieses Gestaltungsspielraums in der Folge zu einer tatsächli-
chen Reduzierung der Lärmbelastung führt, hängt nicht zuletzt sehr stark vom Engagement und Willen aller
Beteiligten ab.
Für die Aufstellung eines Lärmaktionsplans müssen nicht zwangsläufig alle darin berücksichtigten Lärmquel-
len gemäß EU-Umgebungslärmrichtlinie kartiert worden sein. Jeder Gemeinde ist es freigestellt, darüber hin-
aus weitere Konfliktbereiche in die Lärmaktionsplanung mit aufzunehmen. Auch kann ein Lärmaktionsplan
ausschließlich zum Schutz ruhiger Gebiete erstellt werden.
6 Zielstellung, Vorteile und Nutzen der
Lärmaktionsplanung
Ziel der Lärmaktionsplanung ist die Vermeidung bzw. Minderung von Umgebungslärm insbesondere dort, wo
die Lärmbelastung gesundheitsschädliche Auswirkungen haben kann. Dazu werden in Lärmaktionsplänen
geeignete Maßnahmen zur langfristigen Absenkung der Belastung zusammengestellt. Gleichzeitig sollen Flä-
chen, deren Nutzung mit einer hohen Ruheerwartung verbunden ist, als „ruhige Gebiete“ erhalten und vor
einer weiteren Verlärmung geschützt werden. Durch die Pflicht zur Mitwirkung der Öffentlichkeit an der Akti-
onsplanung werden die Betroffenen selbst in die Planung und in die weiteren Entscheidungsprozesse aktiv
und umfassend einbezogen. Damit wird die Akzeptanz gesteigert, aber auch eine gewisse Erwartungshaltung
zur Maßnahmenumsetzung geschürt. Darüber hinaus sollen auch betroffene externe Behörden und Stellen
möglichst frühzeitig am Verfahren beteiligt werden, um deren konstruktive Mitwirkung sicherzustellen.
Abbildung 5: Schützenswertes ruhiges Gebiet
In der Erstellung von Lärmaktionsplänen sollte deutlich mehr als eine durch die Umgebungslärmrichtlinie vor-
gegebene Pflichtaufgabe gesehen werden. Vielmehr bietet sich hier die Chance, die Lösung vorhandener
Lärmprobleme langfristig und nachhaltig in Angriff zu nehmen mit dem Ziel, eine attraktivere Lebensumwelt zu
schaffen. Mit der Festschreibung von Maßnahmen und der Verabschiedung der Lärmaktionspläne entfalten
diese eine verwaltungsinterne Bindungswirkung (vgl. § 47d Abs. 6 i.V. mit § 47 Abs. 6 BImSchG).
Darüber hinaus ist die Lärmaktionsplanung ein wichtiges fachübergreifendes Planungsinstrument. Da Lärmak-
tionspläne abwägungsrelevant für weitere Planungen sind, wird damit die Voraussetzung geschaffen, die Be-
lange des Lärmschutzes möglichst bei allen Planungen im Infrastruktur- und Umweltbereich zu berücksichti-

14
gen. Gleichzeitig wird das Thema „Lärmbelastung“ im Bewusstsein der Bevölkerung und der politischen Ent-
scheidungsträger verankert. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um effektive und nachhaltige Wege zur
Lärmminderung zu beschreiten.
Der Nutzen und die Vorteile einer qualifizierten Lärmaktionsplanung, sowohl extern als auch verwaltungsin-
tern, sind vielfältig. Beispielhaft zu nennen sind:
Gesundheitsschutz und -vorsorge,
Reduktion der Geräuschbelastung,
Verbesserung des Wohnumfelds und Erhöhung der Lebensqualität in der Gemeinde,
Erhöhung des Grundstückswertes und Verbesserung der Immobilienvermarktung,
Aufwertung der Gemeinde als Wohn- und Investitionsstandort,
Schutz ruhiger Gebiete vor Verlärmung,
festgeschriebene Grundlage zum Lärmschutz als Basis für kommunale Planungen sowie
Synergieeffekte in Verbindung mit anderen Fachplanungen (Luftreinhalteplanung, Verkehrsentwicklungspla-
nung, Bauleitplanung, städtebauliche Entwicklungskonzepte).
Darüber hinaus wird durch die Gemeinde transparent dargestellt, welche langfristigen Ziele bei der Lärmbe-
kämpfung verfolgt und welche Maßnahmen in welchen Zeiträumen geplant werden, aber auch, welche Maß-
nahmen nicht realisierbar sind.
Bei der Verwirklichung der Ziele der Lärmaktionsplanung spielen die Größe der Gemeinde, die Zuständigkei-
ten, die Finanzierbarkeit sowie die Komplexität der Aufgabenstellung eine Rolle. Etliche Minderungs- und
Lärmschutzziele können nur langfristig verwirklicht werden oder sind nur über die Umsetzung ganzer Maß-
nahmenbündel erreichbar. Dabei sollte die Zielsetzung zwar ambitioniert sein, der Fokus aber auf realisierba-
ren Maßnahmen liegen. Unrealistische Zielstellungen sollten daher von Anfang an vermieden werden, um
keine unerfüllbaren Erwartungen zu wecken.
7 Die Schritte zur Erstellung eines Lärm-
aktionsplans
Die Aufstellung eines Lärmaktionsplans ist ein mehrstufiges Verfahren, welches in enger Abstimmung mit der
Öffentlichkeit sowie mit anderen Behörden erfolgt. Die Voraussetzungen für die Lärmaktionsplanung sind nicht
in allen Gemeinden gleich. Möglichkeiten und Handlungsspielräume der Gemeinden sind je nach einwirken-
den Geräuschquellen sehr unterschiedlich. Hauptziel ist die Verminderung bestehender Lärmbelastungen auf
ein gesundheitsverträgliches Maß. Daneben sollte ein weiteres Augenmerk auf die Vermeidung neuer Lärm-
betroffenheiten und den Schutz ruhiger Gebiete gerichtet werden.
Die einzelnen Teilschritte der Lärmaktionsplanung sind in
Tabelle 2
schematisch dargestellt und sollen als
Orientierungshilfe dienen. Ausgehend von den lokalen Gegebenheiten ist es auch möglich, die einzelnen Ver-
fahrensschritte individuell anzupassen. Die Lärmaktionsplanung lässt sich grundsätzlich in zwei Teile unter-

15
gliedern: die „Vorprüfung“ (Schritte 1-3) und die eigentliche „Erstellung des Lärmaktionsplans“ (Schritte 4-7)
mit der Maßnahmenplanung als zentralen Bestandteil. Die Vorprüfung kann von der Gemeinde selbst durch-
geführt werden und unter bestimmten Voraussetzungen bereits das Ende des Planungsprozesses darstellen.
Für die Erstellung des Lärmaktionsplans dagegen ist in der Regel die Einbindung eines Planungsbüros gebo-
ten.
Nachfolgend wird auf die einzelnen Schritte bei der Vorbereitung, Erarbeitung und Beschlussfassung der
Lärmaktionsplanung ausführlich eingegangen. Dabei soll auch den unterschiedlichen Ausgangssituationen in
den Gemeinden Rechnung getragen werden. Für die Fortschreibung bereits bestehender Lärmaktionspläne
dient
Tabelle 2
als „Checkliste“, mittels derer zu prüfen ist, welche Arbeitsschritte übernommen werden kön-
nen und welche Schritte neu zu durchlaufen sind.
Tabelle 2: Schritte beim Verfahren der Lärmaktionsplanung
Schritte/Akteure
Aufgabe
Was ist zu tun?
Vorprüfung
1. Schritt
Gemeinde
Vorbereitende Arbeiten
Information über die Aufgabe
Benennung eines zentralen Verantwortlichen
Information der Gremien (Gemeinderat, Ausschüsse)
Festlegung der Abläufe und vorläufige Zeitplanung
ggf. Planung von Haushaltsmitteln
2. Schritt
Gemeinde
(Planungsbüro
Bewertung der Lärmbelastung
Auswertung der Lärmkartierung (Höhe der Belastung, Zahl be-
troffener Einwohner, Gebietsnutzung, Hot-Spots)
Lokalisierung ggf. weiterer relevanter Lärmquellen oder Belas-
tungsschwerpunkte
Vergleich der Belastung mit geltenden deutschen Grenz- und
Richtwerten
Feststellung stark betroffener Bereiche (insbs. Bereiche mit ge-
sundheitsgefährdenden Belastungen) bzw. Gebiete mit Entlas-
tungspotenzial
Information beim Baulastträger über bereits umgesetzte Lärm-
schutzmaßnahmen (z.B. Schallschutzfenster)
Prüfung, ob ruhige, schützenswerte Gebiete vorhanden sind
3. Schritt
Gemeinde
(Öffentlichkeit)
Abschluss der Vorprüfung und
Beschlussfassung
Prüfung anhand der unter Schritt 2 gesammelten Ergebnisse, ob
innerhalb des Gemeindegebietes wesentliche Lärmbetroffenheiten
vorliegen
Abwägung, ob ein Lärmaktionsplan notwendig oder verhältnismäßig
ist sowie Entscheidung über die Weiterführung bzw. Beendigung
des Verfahrens
Information der Öffentlichkeit über das Ergebnis der Abwägung
(Abwägungsgründe benennen)
Prüfung und Berücksichtigung eventueller Hinweise aus der Öffent-
lichkeit
Beschlussfassung im Rat (Beschluss zur Aufstellung eines Lärmak-
tionsplans bzw. zum Verfahrensende)
bei Verfahrensende: plausible Begründung der Entscheidung
Meldung des Sachstandes zum Berichtstermin an das LfULG per
vorgegebenem Berichterstattungsformular

16
Schritte/Akteure
Aufgabe
Was ist zu tun?
Erstellung des Lärmaktionsplans
4. Schritt
Gemeinde
(Planungsbüro)
Zielformulierung
Bildung einer unterstützenden Arbeitsgruppe
Festlegung von kurz-, mittel und langfristigen Zielen für die Lärmak-
tionsplanung
i.d.R. Einbeziehung eines kompetenten Beraters
(Planungsbüro)
in
die Lärmaktionsplanung
Erstellung eines Zeitrahmens für das Verfahren der Lärmaktions-
planerstellung
Festlegung von räumlichen Schwerpunkten (vordringliche Sanie-
rungsgebiete) und zeitlichen Prioritäten
Einbeziehung bereits vorhandener Minderungsstrategien und
–konzepte
Ermittlung von Höhe und Ausmaß der Belastung für nicht kartierte
Gebiete, die zusätzlich in der LAP berücksichtigt werden
(aus
Schritt 2)
5. Schritt
Gemeinde,
ext. Behörden,
Öffentlichkeit
(Planungsbüro)
Beteiligungen
Bekanntmachung der Absicht der Lärmaktionsplanung
(siehe auch
Schritt 3)
Mitwirkung der Öffentlichkeit
Beteiligung der externen Behörden und sonstiger Stellen
(ext.
Behörden)
sowie betroffener Fachbereiche der eigenen Verwaltung
6. Schritt
Gemeinde,
Planungsbüro,
(ext. Behörden,
Öffentlichkeit)
Entwicklung des Maßnahmenka-
taloges
Auswertung der Beteiligungsverfahren (ext. Behörden, interne
Ämter, Öffentlichkeit)
Zusammenstellung möglicher Einzelmaßnahmen
falls nötig: Szenarien- und Variantenrechnungen
sachgerechte Bewertung verschiedener Maßnahmenvarianten,
dabei Berücksichtigung von Machbarkeit, Kosten, Nutzen und Zeit-
horizont
Variantenvergleich mit Wirkungsanalyse und Abwägung möglicher
Maßnahmen
Berücksichtigung anderer Planungen und Synergieeffekte (u.a.
Bauleitplanung, Verkehrsplanung, Luftreinhalteplanung)
Festlegung des Maßnahmenkatalogs
Berücksichtigung der in Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie
vorgegebenen formellen Kriterien
Benennung und Information der für die Umsetzung Verantwortli-
chen
7. Schritt
Gemeinde,
(ext. Behörden,
Öffentlichkeit)
Beschluss und Bekanntmachung
des Lärmaktionsplanes
Bekanntmachung des Planentwurfs und Möglichkeit zur Abgabe
von Stellungnahmen
ggf. Überarbeitung und Anpassung in Auswertung der Stellung-
nahmen
Verabschiedung des Lärmaktionsplans in den Gremien
Bekanntmachung des Lärmaktionsplans
Information betroffener Behörden und Stellen
Meldung der Ergebnisse an das LfULG unter Berücksichtigung des
aktuellen Berichterstattungsformulars (=> jederzeit möglich)
Danach
Gemeinde,
ext. Behörden
Umsetzung
Umsetzung der im Lärmaktionsplan festgeschriebenen Maßnahmen
durch die zuständigen Behörden
laufende Kontrolle des Umsetzungsprozesses
Ständige Berücksichtigung von Lärmschutzbelangen in kommuna-
len Planungen

image
17
7.1 Erster Schritt: Vorbereitende Arbeiten
Der Erfolg einer Lärmaktionsplanung hängt sehr stark vom Stellenwert ab, dem diese Planung innerhalb der
Gemeinde eingeräumt wird. Durch eine sorgfältige und umfassende Vorbereitung wird eine solide Basis für
den Prozess der Lärmaktionsplanung geschaffen.
Als grundlegende Voraussetzung ist es notwendig, dass sich die Gemeinde über ihre Pflichten und Möglich-
keiten aus der Lärmaktionsplanung frühzeitig informiert. Neben den gesetzlichen Grundlagen hat die
Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI) Hinweise zur Lärmaktionsplanung
[7]
erarbeitet.
Die LAI-Hinweise sind im Internet unter
www.umwelt.sachsen.de
eingestellt. Hier sind auch weitere Informati-
onen verfügbar.
Als wichtige administrative Grundlage für eine erfolgreiche Lärmaktionsplanung ist es sinnvoll, einen zentralen
Verantwortlichen in der Gemeindeverwaltung für diese Aufgabe zu benennen und zu autorisieren. Da dem
Verantwortlichen eine Managementfunktion zukommt, sollte damit
möglichst ein erfahrener Mitarbeiter betraut werden, der die Abläufe
in der Verwaltung kennt und von dem die Arbeiten für die Aktionspla-
nung koordiniert werden. Gleichzeitig müssen die internen Zustän-
digkeiten geklärt und die Abläufe für die Lärmaktionsplanung vorläu-
fig festgelegt werden. Wenn frühzeitig feststeht, dass ein Lärmakti-
onsplan erarbeitet werden muss, so kann es hilfreich sein, für den
weiteren Verlauf der Aktionsplanung dem Verantwortlichen einen
externen Moderator (Planungsbüro) an die Seite zu stellen.
Abbildung 6: Vorbereitende Arbeiten
Eine detaillierte Zeitplanung kann zu diesem Arbeitsstand noch nicht erfolgen, allerdings empfiehlt sich die
Festlegung eines ungefähren Zeitrahmens mit Definition einzelner Arbeitsetappen. Je nach Erheblichkeit der
Lärmprobleme sollte die Lärmaktionsplanung bereits bei der Aufstellung der kommunalen Haushalte mit ei-
nem entsprechenden Haushaltsansatz berücksichtigt werden, um die Bearbeitung der Maßnahmenplanung
durch ein Planungs- oder Ingenieurbüro zu gewährleisten. Da die Lärmaktionsplanung in der Regel eine lang-
fristige Aufgabe ist, kann je nach verfügbaren Haushaltsmitteln der Prozess über mehrere Jahre gestreckt
werden. Hilfreich für den Planungsprozess ist es, wenn sowohl betroffene Fachämter der eigenen Verwaltung
als auch die kommunalen Gremien (Stadt- oder Gemeinderat und die zuständigen Ausschüsse) frühzeitig
über Art und Umfang der anstehenden Aufgabe in Kenntnis gesetzt werden. Dabei sollte die Gelegenheit ge-
nutzt werden, die Ratsmitglieder dafür zu sensibilisieren, dass es sich bei der Lärmaktionsplanung nicht nur
um die Erfüllung einer gesetzlichen Pflicht handelt, sondern sich daraus erhebliche Chancen und ein großer
Nutzen für die Gemeinde ergeben können
(vgl. Kapitel 6)
.
7.2 Zweiter Schritt: Bewertung der Lärmbelastung
Wichtige Grundlage für die Bewertung der Lärmsituation ist die Prüfung, ob relevanter Umgebungslärm auf
bewohnte Gebiete einwirkt und in welchem Maße er dort Belastungen verursacht. Dabei ist es ratsam, in die
Bewertung neben den Ergebnissen der Lärmkartierung weitere Kriterien mit einzubeziehen. Als Grundlagen
für die Bewertung der Belastung sind zu nennen:
Lage der Hauptlärmquellen mit den zugehörigen Lärmkarten sowie die Zahl der in den einzelnen Pegelbe-
reichen belasteten Einwohner,
Bekannte sonstige Lärmquellen, welche relevante Belastungen verursachen (
siehe Kap. 4
),

image
18
Sofern vorhanden: „Hot-Spot-Analyse“,
Informationen über bereits umgesetzte Lärmschutzmaßnahmen (z.B. Lärmsanierung/ Lärmvorsorge),
Karte mit den bewohnten Bereichen der Gemeinde und der Angabe der Gebietsnutzung/ Gebietseinstufung
in Bereichen mit relevanten Lärmbelastungen,
Lage von besonders schutzwürdigen Objekten (Krankenhäuser, Pflegeheime, Kureinrichtungen, Schulen,
Kindertageseinrichtungen) sowie
Lage von schützenswerten ruhigen Gebieten.
Insbesondere bei größeren Untersuchungsgebieten ist es empfehlenswert, die vorgenannten Informationen
mittels eines Geographischen Informationssystems (GIS) zu visualisieren
(siehe Abbildung 7)
oder in einer
Karte zu kennzeichnen. Bereits dadurch werden Konfliktbereiche sichtbar.
Abbildung 7: Visualisierung von Lärmkonflikten mittels GIS
Die in den Lärmkarten dargestellten Pegel L
DEN
1)
und L
Night2)
werden nach europäischen, harmonisierten Be-
rechnungsvorschriften ermittelt. Diese schreiben eine Berechnung der Lärmbelastungen auf Basis detaillierter
Eingangsdaten vor. Geräuschmessungen sind nicht vorgesehen und im Übrigen auch nicht zielführend, da
Messergebnisse nur Momentaufnahmen darstellen. Die anzuwendenden Rechenvorschriften gelten aus-
schließlich für die Lärmkartierung nach EU-Umgebungslärmrichtlinie. Parallel dazu behalten die geltenden
deutschen Regelwerke für die Verkehrslärmberechnung ihre Gültigkeit. Zu den EU Berechnungsvorschriften
bestehen gewisse Unterschiede im Beurteilungszeitraum, im Berechnungsverfahren und bei den zu Grunde
liegenden Eingangsdaten. Daher können die in den Lärmkarten ausgewiesenen Geräuschpegel nicht direkt
1)
L
DEN
:
Mittlungspegel über Tag, Abend und Nacht (24 Stunden) mit 5 dB Zuschlag für den Abend und 10 dB für die Nacht gem. Ver-
ordnung über die Lärmkartierung – 34. BImSchV
2)
L
Night
:
Mittelungspegel für die Nacht (8 Stunden: 22:00 bis 06:00 Uhr) gem. Verordnung über die Lärmkartierung - 34. BImSchV

19
mit nach deutschen fachgesetzlichen Rechtsvorschriften geltenden Richt-, Auslöse- oder Grenzwerten vergli-
chen werden und es leitet sich kein gesetzlicher Anspruch auf Lärmschutz daraus ab. Als Orientierungsgröße
können sie insbesondere beim Straßenverkehr jedoch herangezogen werden (für den Nachtpegel liegt die
Abweichung unter 1 dB(A), im Vergleich zwischen 24-Stunden Pegel L
DEN
und deutschen Tag-
Beurteilungspegel kann die Abweichung bis 3 dB(A) betragen). Mit der geplanten Überarbeitung der EU-
Berechnungsvorschriften und der deutschen Regelwerke ist eine weitgehende Angleichung – bei gleicher
Qualität der Eingangsdaten - zu erwarten.
Tabelle 3
stellt beispielhaft die im Rahmen der Lärmkartierung ermittelten Pegel den bundesdeutschen Richt-
und Grenzwerten gegenüber.
Neben den durch die Lärmkartierung ermittelten Lärmkonflikten können weitere, nicht durch die Kartierung
erfasste maßgebliche Lärmquellen zur Belastung beitragen. Diese sollten für eine wirksame Lärmaktionspla-
nung ebenfalls in die Bewertung der Lärmsituation einfließen. Eine erste Bewertung dieser Belastung kann
mittels Pauschalannahmen erfolgen. Im späteren Verlauf der Lärmaktionsplanung
(siehe Schritt 4)
kann es
notwendig werden, auch diese Bereiche noch nachträglich zu kartieren. Es wird empfohlen, innerörtliche
Lärmschwerpunkte bei der nächsten turnusmäßigen Lärmkartierung mit zu berücksichtigen, selbst wenn die
für die Kartierungspflicht maßgebliche Verkehrsbelegung dort nicht erreicht wird.
Tabelle 3: Orientierungshilfe für die Bewertung der Lärmbelastung
Schallpegelbereich
Bewertung
Hintergrund
>70 dB(A) L
DEN
>60 dB(A) L
Night
sehr hohe Belastung
Sanierungsauslösewerte gem. VLärmSchR 97
[8]
sind überschritten
Richtwerte gemäß Lärmschutz-Richtlinien-StV
[9]
können überschritten sein
Lärmbeeinträchtigungen, die im Einzelfall straßen-
verkehrsrechtliche Anordnungen, aktive oder passi-
ve Schallschutzmaßnahmen auslösen können
Es besteht bei Dauerbe-
lastung ein signifikant er-
höhtes Risiko für das Auf-
treten einer Herz-
Kreislauf-Erkrankung
bzw. Bluthochdruck, auf-
grund stressbedingter
Reaktionen des Körpers
Wichtiges kurzfristiges
Umwelthandlungsziel ist
die Absenkung der Ge-
räuschbelastung auf ein
gesundheitlich unbedenk-
liches Maß (SRU)
[10]
Grenze zur Gesund-
heitsrelevanz:
L
DEN
: 65 dB(A)
L
Night
: 55 dB(A)
>65-70 dB(A) L
DEN
>55-60 dB(A) L
Night
hohe Belastung -
Grenze zur Gesund-
heitsrelevanz
Vorsorgegrenzwerte gem. 16. BImSchV für Kernge-
biete, Dorfgebiete und Mischgebiete können über-
schritten sein
Sanierungsauslösewerte gem. VLärmSchR 97
[8]
können für Wohngebiete überschritten sein
Bei Neubau und wesentlicher Änderung von Stra-
ßen und Schienenwegen in o.g. Gebieten sind
Lärmschutzmaßnahmen durchzuführen
>55-65 dB(A) L
DEN
>45-55 dB(A) L
Night
deutliche Belästigung
Vorsorgegrenzwerte für Wohngebiete und Kleinsiedlungsgebiete der 16. BImSchV
können überschritten sein. Bei Neubau und wesentlicher Änderung von Straßen
und Schienenwegen kann in o.g. Gebieten Lärmschutz erforderlich werden.
Beeinträchtigung der Wohnqualität durch Belästigungswirkung
<55 dB(A) L
DEN
<45 dB(A) L
Night
Belästigung möglich
Hauptsächlich durch die subjektive Lärmempfindung geprägte Belästigung
Die Höhe des einwirkenden Geräuschpegels allein lässt noch keinen Rückschluss über das Ausmaß der Be-
lastung in einem Gebiet zu. Zur Bewertung werden daher neben der Pegelhöhe auch die Zahl der betroffenen
Einwohner und die Schutzwürdigkeit des Gebietes (Gebietsnutzung) benötigt. Die entsprechenden Informatio-
nen können aus der Bauleitplanung entnommen werden. So ist eine Belastung bei gleichem Pegel in einem

20
Wohngebiet stärker als beispielsweise in einem Gewerbegebiet zu bewerten. Neben der derzeitigen Nutzung
sollten dabei auch zukünftige Planungen und Entwicklungskonzepte der Gemeinde berücksichtigt werden.
Auch bereits vorhandener Lärmschutz ist bewertungsrelevant. Hierzu sollten die zuständigen Straßenbaube-
hörden
3
bereits im Rahmen der Vorprüfung schriftlich angefragt werden, ob gegebenenfalls bereits Lärm-
schutzmaßnahmen entlang der Strecke realisiert wurden oder konkret geplant sind (z.B. Lärmvorsorge nach
16. BImSchV oder Lärmsanierung nach den VLärmSchR 97).)
Ebenso sind eventuelle Mehrfachbelastungen durch verschiedene, getrennt kartierte Lärmarten bei der Be-
wertung zu berücksichtigen, weiterhin besonders schützenswerte Objekte wie Krankenhäuser, Pflegeheime,
Kureinrichtungen, Kindertageseinrichtungen oder Schulen. Mit Hilfe dieser Bewertungskriterien können dann
die Gebiete mit erheblichen Lärmproblemen festgestellt und die Bereiche mit vordringlichem Lärmsanierungs-
bedarf (sog. „hot-spots“) ausgewählt werden.
Vordringliche Priorität hat der Gesundheitsschutz der Bevölkerung. Auch wenn bislang keine verbindlichen
Auslösewerte für die Lärmaktionsplanung existieren, sondern dies in das sachgerechte Ermessen der Ge-
meinde gestellt ist, sollte die in
Tabelle 3
genannte Grenze zur Gesundheitsrelevanz bei der Entscheidung
über die Notwendigkeit einer Lärmaktionsplanung besondere Beachtung finden.
Ruhige Gebiete
Ein Augenmerk bei der Bewertung ist auf bestehende „ruhige Gebiete“ zu richten. Diese sollten vor einer Zu-
nahme des Lärms geschützt werden (§ 47d Abs. 2 BImSchG). Eine Hilfestellung zur Auswahl solcher ruhiger
Gebiete auf dem Land und in Ballungsräumen liefert Kapitel 5 der LAI-Hinweise zur Lärmaktionsplanung.
Auswahl und Festlegung ruhiger Gebiete erfolgen im Ermessen der Gemeinde und sollte sich an der mit der
derzeitigen oder geplanten Nutzung verbundenen Ruheerwartung orientieren. Ruhige Gebiete benötigen kei-
ne Mindestfläche. Sie können auch innerhalb von besiedelten Gebieten liegen und dort kleine „Oasen“ mit
Ruheerwartung oder Erholungsfunktion sein. Zu nennen sind beispielsweise Parks, Friedhöfe, Klinikgebiete,
Naherholungsbereiche, Kur- und Erholungsgebiete oder Biotopverbundbereiche aus der Landschaftsplanung.
7.3 Dritter Schritt: Abschluss der Vorprüfung und
Beschlussfassung
Im Anschluss an die Bewertung der Lärmbelastung ist auf Grundlage der zusammengetragenen Informationen
und der Bewertungsergebnisse über das weitere Vorgehen bei der Lärmaktionsplanung zu entscheiden. Hier-
zu ist es notwendig, dass jede Gemeinde die Ergebnisse der Bewertung anhand der örtlichen Gegebenheiten
und Möglichkeiten beurteilt. Wichtiges Beurteilungskriterium sind die ermittelten Betroffenheiten oberhalb der
in Schritt 2 genannten gesundheitsrelevanten Pegelwerte, insbesondere während der Nacht. Letztlich muss im
Rahmen einer sachgerechten Abwägung festgestellt
werden, ob innerhalb der Gemeinde wesentliche Lärm-
probleme vorliegen und somit die Festschreibung von Minderungsmaßnahmen in einem Lärmaktionsplan
notwendig ist. Wesentliche Lärmprobleme liegen beispielsweise vor, wenn
sehr hohe Belastungen auf eine geringe Anzahl betroffener Einwohner,
hohe Belastungen auf eine hohe Zahl betroffener Einwohner oder
3
für Bundesautobahnen , Bundes- und Staatsstraßen in Sachsen: Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV)

21
Belastungen durch mehrere einwirkende Lärmquellen, die sich bei Gesamtbetrachtung zu einer hohen Be-
lastung addieren, auf eine hohe Zahl betroffener Einwohner
einwirken. In die Bewertung muss auch die Gebietsnutzung einfließen. Reine und allgemeine Wohngebiete
haben einen hohen Schutzanspruch. Lärmkonflikte in Gewerbe- und Industriegebieten spielen bei der Bewer-
tung in der Regel dagegen eine geringere oder keine Rolle. Lärmprobleme, welche nur einzelne Gebäude
betreffen, machen keine komplexe Lärmaktionsplanung notwendig, wenn das Problem auch mit Einzelmaß-
nahmen gelöst werden kann. Als ein weiteres Abwägungskriterium ist heranzuziehen, ob bereits Schallschutz
nach deutschen fachgesetzlichen Rechtsvorschriften entlang der Hauptlärmquelle realisiert wurde (z.B. nach
der 16. BImSchV oder den VLärmSchR 97).
Die Phase der Vorprüfung dient dazu, zu entscheiden, ob Lärmprobleme vorliegen, welche die Aufstellung
eines Lärmaktionsplans notwendig machen oder ob das Verfahren an dieser Stelle beendet werden kann. Der
Bevölkerung ist das Ergebnis der Vorprüfung bekannt zu machen. Die weitere Vorgehensweise (Einstieg in
die Maßnahmenplanung oder Beendigung des Verfahrens) sollte durch einen Ratsbeschluss untermauert
werden.
Zusammengefasst bedeutet dies, dass nur auf Grundlage der Gegebenheiten vor Ort eine Bewertung der
Lärmsituation und eine sachgerechte Abwägung durchgeführt werden kann.
Vorzeitige Beendigung der Lärmaktionsplanung
Wenn sich nach Abschluss der Vorprüfung zeigt, dass keine relevanten Lärmprobleme vorliegen oder punktu-
elle Einzelmaßnahmen ausreichen, so liegt es im Ermessen der Gemeinde, das Verfahren der Lärmaktions-
planung trotzdem fortzusetzen oder an dieser Stelle zu beenden. Bei einer Beendigung sollten folgende Rah-
menbedingungen beachtet werden:
Die Abwägung, auf welcher der Verzicht auf weitere Schritte der Lärmaktionsplanung basiert, muss sachge-
recht durchgeführt worden sein.
Rechtzeitig vor der Beschlussfassung ist die beabsichtigte Beendigung des Verfahrens der Öffentlichkeit
mitzuteilen (ortsübliche Bekanntmachung) und ihr ist die Möglichkeit zu geben, Einwände vorzubringen.
Diese sind in die Abwägung mit einzubeziehen.
Die Gründe dafür sind ebenfalls zu veröffentlichen.
Die gesetzliche Pflicht zur Ergebnismeldung an die EU bleibt bestehen, sie kann jedoch nach einem verein-
fachten Verfahren stattfinden. Aus der Meldung muss hervorgehen, dass die Lärmaktionsplanung nicht wei-
tergeführt wird und welche Abwägungsgründe dafür ausschlaggebend sind
(Verfahren siehe Kapitel 8).
Auch bei vorzeitigem Verfahrensabschluss sollten künftige kommunale Planungen unter Beachtung von
Lärmschutzgesichtspunkten erfolgen und unnötige Verlärmungen, insbesondere von ruhigen Gebieten, ver-
mieden werden.
Folgende Gründe können z.B. für eine Beendigung des Lärmaktionsplanungsverfahrens nach Abschluss der
Vorprüfung ausschlaggebend sein
Es sind im Gemeindegebiet keine relevanten Lärmprobleme vorhanden, da nur unbewohntes Gebiet ver-
lärmt ist oder Belastungen unterhalb der Erheblichkeitsschwelle liegen. Empfohlen werden zur Beurteilung
der Erheblichkeit die in
Tabelle 3
genannten gesundheitsrelevanten Pegel bzw. die Kriterien nach § 4 Abs. 4
Nr. 2 der 34. BImSchV, sofern diese bei der Lärmkartierung durch die Gemeinde festgelegt wurden.

22
Im Rahmen des Neubaus oder der wesentlichen Änderung einer Straße oder eines Schienenweges wurde
in der Vergangenheit bereits Schallschutz nach 16. BImSchV berücksichtigt und die entsprechenden
Grenzwerte sind eingehalten. Dies kann insbesondere bei Anrainergemeinden von Autobahnen der Fall
sein.
Vorhandene Lärmbelastungen betreffen nur einzelne oder wenige Gebäude.
Entlang der kartierten Straße wurde bereits durch den Baulastträger ein Lärmsanierungsprogramm nach
VLärmSchR 97
[8]
umgesetzt oder ist umsetzungsreif geplant.
Bestehende Lärmprobleme werden durch den Neubau oder Ausbau von Straßen oder Schienenstrecken,
welche sich bereits im Bau befinden und deren Realisierung somit feststeht, in absehbarer Zeit beseitigt.
Wichtige Informationen hierzu kann ggf. die zuständige Straßenbaubehörde beisteuern, die wie in
Schritt 2
beschrieben bereits im Rahmen der Vorprüfung kontaktiert werden sollte.
Der Verzicht auf die Erstellung eines Lärmaktionsplans im Ergebnis der Abwägung darf jedoch nicht aus-
schließlich mit dem Argument einer fehlenden Realisierungschance von Minderungsmaßnahmen begründet
werden. Vielmehr sind auch solche Maßnahmen langfristig im Plan zu verankern, die in Abstimmung mit dem
Baulastträger zwar kurzfristig nicht realisierbar sind, die jedoch hohes Entlastungspotenzial aufweisen und als
umsetzbar bewertet werden. Hier könnten sich langfristige Realisierungsmöglichkeiten z.B. durch geeignete
Förderprogramme ergeben, die ohne Verankerung im Aktionsplan keine Berücksichtigung finden würden.
Selbst wenn direkt an der Lärmquelle keine Maßnahmen zur Lärmminderung mehr möglich sind, so sollte bei
hohen Betroffenheiten unbedingt eine planungsseitige Lärmvorsorge langfristig im Lärmaktionsplan verankert
werden (z.B. über Bauleitplanung, Stadtumbau, Abriss oder durch Nutzungsänderung).
Die Bewertung der Lärmbelastung und die Vorprüfung kann die Gemeinde prinzipiell ohne fremde Unterstüt-
zung in Eigenleistung vornehmen. Die Einbindung eines Planungs- oder Ingenieurbüros kann dann sinnvoll
sein, wenn bereits feststeht, dass ein Lärmaktionsplan in jedem Fall zu erstellen ist. Aber auch dann muss
sich die Gemeinde am Prozess der Abwägung aktiv beteiligen, um ihre Interessen in das Verfahren einzubrin-
gen. Zum gesetzlichen Stichtag
(Tabelle 1)
muss mindestens die Vorprüfung abgeschlossen und eine ent-
sprechende Meldung per Berichterstattungsformular an das LfULG abgegeben worden sein.
7.4 Vierter Schritt: Zielformulierung
Mit Schritt 4 beginnt nun die Erstellung des Lärmaktionsplans mit der Maßnahmenplanung. Spätestens jetzt
sollte die Bildung einer fachbereichsübergreifenden Arbeitsgruppe, welche das Verfahren begleitet und den
Verantwortlichen unterstützt, ins Auge gefasst werden.
Wenn im Ergebnis der Vorprüfung erhebliche Lärmkonflikte die Festschreibung von Maßnahmen zur Ge-
räuschminderung notwendig machen, ist es für das Verfahren und für die Beteiligten wichtig, dass bereits im
Vorfeld die Ziele klar definiert werden, welche mit der Lärmaktionsplanung erreicht werden sollen. Damit lässt
sich die Maßnahmenplanung zielgerichteter und aufwandsreduzierter durchführen. Spätestens hier muss fest-
gelegt werden, ob ein externes Planungsbüro beauftragt wird und welche Aufgaben an das Büro übertragen
werden. Da die Lärmaktionsplanung ein sehr komplexes Verfahren ist, ist es notwendig, dafür einen Aktions-
rahmen vorzugeben. In die Erarbeitung der Zielstellung sollte unbedingt die individuelle örtliche Situation in
der Gemeinde einfließen. Daher können allgemeingültige Vorgaben für eine geeignete Zielformulierung hier
nur bedingt gemacht werden. Auch sollte Wert darauf gelegt werden, erreichbare Ziele zu definieren, ansons-

image
image
image
image
image
image
image
23
Zielstellung der
Lärmaktionsplanung
Grundsätzliche Zielstellung:
Zeithorizont abstecken:
Strategien und Konzepte:
Prioritätensetzung:
Finanzielle Rahmenbe-
dingungen bestimmen:
Nutzung von Synergieeffekten:
-
Luftreinhalteplanung
-
Bauleitplanung
-
Verkehrsplanung
Wo sind konkretisierende
Lärmberechnungen durchzuführen?
ten werden bei den Beteiligten Erwartungen geweckt, welche letztlich unerfüllbar sind. Folgende Punkte soll-
ten in der Zielformulierung Berücksichtigung finden:
Grundsätzliche Zielstellung der Aktionsplanung:
Festlegung von Zielen, die mit der Lärmaktionsplanung verfolgt werden. Auch Untersuchungsumfang und –
tiefe sollten - grob umrissen - bereits einfließen.
Zeithorizont für die Lärmaktionsplanung:
Erarbeitung eines realistischen Zeitplans für die Erstellung des Lärmaktionsplanes unter Festlegung einzel-
ner, schrittweise abzuarbeitender Etappen. Dabei Abschätzung der Zeithorizonte für die Umsetzung der im
Aktionsplan festzuschreibenden kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen.
Strategien und Konzepte zur Zielerreichung:
Es sollte darüber nachgedacht werden, mittels welcher Strategien und Konzepte die Gemeinde bei der
Lärmaktionsplanung vorgehen will, u.a. Art der Einbindung der politischen Entscheidungsträger, Einbindung
der Öffentlichkeit, Beteiligung betroffener Behörden und sonstiger Stellen, Finanzierungskonzepte, Förder-
möglichkeiten zur Maßnahmenumsetzung etc….
Abbildung 8: Kriterien für die Zielformulierung

24
Prioritätensetzung:
Benennung der Brennpunkte, an denen vordringlich mit einer Lärmaktionsplanung begonnen werden soll.
Sofern etliche Konflikte identifiziert wurden, kann eine nochmalige Unterteilung in sehr hohe und hohe Be-
lastung gemäß
Tabelle 3
sinnvoll sein. Diese vorläufigen Prioritäten können sich im Ergebnis der Beteili-
gungsverfahren ggf. nochmals verändern.
Finanzielle Rahmenbedingungen:
Klärung, in welcher Höhe der Gemeinde Mittel für die Aktionsplanung zur Verfügung stehen und wie diese
sich ggf. auf die Haushaltsjahre verteilen.
Nutzung von Synergieeffekten:
Evaluierung der Ziele und Zeithorizonte von anderen kommunalen Planungen (z.B. Luftreinhalteplanung,
Verkehrsentwicklungsplanung, städtebauliche Planungen u.a.), bei denen eine Verknüpfung mit der Lärmak-
tionsplanung sinnvoll bzw. geboten ist.
Durchführung konkretisierender Lärmberechnungen:
Sofern weitere Lärmprobleme in die Lärmaktionsplanung mit einbezogen werden, die nicht Gegenstand der
Lärmkartierung waren oder wenn für die Berechnung der Lärmkarten an Brennpunkten, die in die Aktions-
planung einfließen, auf pauschale Eingangsdaten zurückgegriffen wurde, ist zu prüfen, ob für eine Lärmakti-
onsplanung neue oder aktualisierte Lärmberechnungen notwendig werden. Berechnungen können auch
sinnvoll sein, um die Entlastungswirkung bei umfangreichen bzw. aufwändigen Maßnahmen aufzuzeigen
oder das Kosten-Nutzen-Verhältnis zu ermitteln.
7.5 Fünfter Schritt: Beteiligungen
Ein hoher Stellenwert bei der Lärmaktionsplanung wird der Information und Mitwirkung der Öffentlichkeit ein-
geräumt. Auch externe Behörden und sonstige Stellen sowie Fachbereiche der eigenen Verwaltung, die von
der Lärmaktionsplanung berührt werden, sind frühzeitig einzubinden.
Die Pflicht zur Beteiligung geht dabei deutlich über die reine Information hinaus. Vielmehr müssen die Beteilig-
ten die Möglichkeit erhalten, sich frühzeitig und aktiv in das Verfahren einzubringen. Die Ergebnisse der Betei-
ligung sollen in die Abwägung einfließen. Für die Art der Beteiligung ist kein formelles Verfahren vorgeschrie-
ben, hier stehen den Gemeinden verschiedene Möglichkeiten offen. Wichtig dabei ist jedoch, dass die Bürger
erreicht und eingebunden werden. Damit wird die Lärmaktionsplanung transparent und den Beteiligten die
Möglichkeit gegeben, sich mit ihr zu identifizieren. In
Tabelle 5
ist der mögliche Ablauf eines Beteiligungsver-
fahrens schematisch dargestellt und es werden Mindestfristen vorgeschlagen. Die Aktivitäten in
Schritt 5
sind
dabei zeitlich und inhaltlich eng verzahnt mit der Entwicklung des Maßnahmenkatalogs, beschrieben in
Schritt 6
.
Beteiligung der Öffentlichkeit
Nachdem die Öffentlichkeit bereits über die Ergebnisse der Lärmkartierung in Kenntnis zu setzen ist
(Kapitel
2)
, ist sie gemäß § 47d Abs. 3 BImSchG umfassend in die Erarbeitung der Lärmaktionspläne einzubinden.
Die Bevölkerung ist dabei
über das Ergebnis des im Rahmen der Vorprüfung
(Schritt 3)
durchgeführten Abwägungsverfahrens zu in-
formieren. Insbesondere wenn im Ergebnis einer sachgerechten Abwägung die Lärmaktionsplanung nicht
fortgeführt werden soll, muss der Bevölkerung dies frühzeitig unter Darlegung der Abwägungsgründe mitge-
teilt und ihr die Möglichkeit zu Einwendungen gegeben werden,

image
25
zu Vorschlägen für Lärmaktionspläne zu hören indem ihr die Möglichkeit eingeräumt wird, an der Ausarbei-
tung der Lärmaktionspläne, insbesondere der Festlegung von geeigneten Minderungsmaßnahmen, mitzu-
wirken (teils parallel zu
Schritt 6
),
über getroffene Entscheidungen zu unterrichten.
Nach den gesetzlichen Vorschriften sind die Ergebnisse der Mitwirkung zu berücksichtigen. Dies erfolgt über
eine sachgerechte Abwägung der eingegangenen Vorschläge. Wichtige Voraussetzungen für eine erfolgrei-
che Öffentlichkeitsbeteiligung sind, dass der Verfahrensablauf und die Verantwortlichkeiten klar dargelegt,
angemessene Fristen benannt, die Öffentlichkeit über geeignete Medien zielgruppengerecht erreicht und im
Anschluss daran auch die getroffenen Entscheidungen mit ihren Abwägungsgründen kommuniziert werden.
Durch eine aktive Beteiligung wird die Ortskenntnis der Bevölkerung zur Lokalisierung von Lärmproblemen für
das Verfahren genutzt und die Akzeptanz der Lärmaktionsplanung gesteigert. Mindestens ist nach den Vorga-
ben der Umgebungslärmrichtlinie über die Öffentlichkeitsbeteiligung ein Bericht zu erstellen, besser ist die
Erarbeitung einer Dokumentation über Art und Umfang der Beteiligung sowie die Abwägungsergebnisse.
Als mögliche Ansätze für eine Öffentlichkeitsbeteiligung sind beispielsweise zu nennen:
Informationsveranstaltungen/ Podiumsdiskussionen,
Runder Tisch oder Arbeitsgruppen,
Informationsflyer mit Möglichkeit der Rückantwort,
Aufruf im Amtsblatt/ örtliche Presse/ Stadtteilzeitungen,
Interaktive Web-Anwendungen,
Öffentliche Rats- oder Ausschusssitzungen (mit Anhörungsverfahren),
Bürgergutachten.
Abbildung 9: Beteiligung der Öffentlichkeit
Je nach Größe der Gemeinde und den ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten bzw. dem Ausmaß des in
der Voruntersuchung festgestellten Untersuchungsumfangs werden durch die Gemeinden unterschiedliche
Instrumente zur Öffentlichkeitsbeteiligung zu verwenden sein. Um die verschiedenen Zielgruppen zu errei-
chen, kann es sinnvoll sein, mehrere Instrumente parallel zu nutzen. Bei hohen Betroffenheitszahlen, gerade

26
in größeren Städten, hat es sich bewährt, das Beteiligungsverfahren durch einen externen Mediator begleiten
zu lassen.
Allerdings ist zu erwarten, dass auch Einwendungen eingehen, die keinen Bezug zur Lärmaktionsplanung
besitzen. Hier empfiehlt sich eine Vorauswahl in Form einer Relevanzprüfung. Im weiteren Verfahren sollten
dann nur relevante Einwendungen in die Abwägung mit einbezogen werden. Weiterführende Hinweise und
Vorschläge zur Einbindung der Öffentlichkeit geben die Publikationen zur Umgebungslärmrichtlinie des Um-
weltbundesamtes
(www.umweltbundesamt.de).
Beteiligung anderer Behörden
Eine frühzeitige Einbeziehung betroffener kommunaler Fachbereiche sowie betroffener anderer Behörden
oder Stellen ist sehr wichtig für eine erfolgreiche Lärmaktionsplanung. Gerade in Fällen, in denen die Zustän-
digkeit für die Durchsetzung und Finanzierung von im Aktionsplan festgeschriebenen Maßnahmen nicht bei
der Gemeinde liegt, z.B. bei fehlender Straßenbaulastträgerschaft, ist eine rechtzeitige Abstimmung zwingend
notwendig. Zu beachten ist dabei, dass diese Fachbehörden bei der Maßnahmenumsetzung an ihre fachge-
setzlichen Vorgaben gebunden sind. Ihr Handlungsspielraum ist daher ggf. eingeschränkt. Auf das Ausschöp-
fen bestehender Ermessensspielräume sollten jedoch konsequent gedrängt werden. Nur so sind realistische
Maßnahmen, sowohl kurz-, mittel- und langfristiger Art, im Lärmaktionsplan zu verankern und es werden keine
unerfüllbaren Erwartungen bei der Öffentlichkeit geweckt. Gleiches gilt auch, wenn Maßnahmen durch Anord-
nung oder sonstige Entscheidungen externer Behörden umzusetzen sind. Darüber hinaus empfiehlt sich eine
Abstimmung mit benachbarten Gemeinden bei gemeindeübergreifenden Lärmproblemen. Unter Umständen
können hier gemeinsame Maßnahmenvorschläge erarbeitet werden.
Ebenso ist die Beteiligung weiterer betroffener Fachämter innerhalb der eigenen Verwaltung ein nicht zu ver-
nachlässigender Faktor für eine kosteneffiziente (Stichwort: Synergieeffekte) und erfolgreiche Aktionsplanung.
Hierbei kommt dem federführenden Koordinator in der Gemeinde und dessen Unterstützung durch den Stadt-/
Gemeinderat eine hohe Bedeutung zu.
Tabelle 4: Am Verfahren zu beteiligende interne und externe Behörden sowie sonstige Stellen
Die Einbeziehung folgender Behörden/Stellen in das Verfahren der Lärmaktionsplanung sollte geprüft werden
(keine abschließende Aufzählung - je nach Hauptgeräuschquelle und örtlichen Gegebenheiten können sich Veränderungen ergeben)
Fall 1:
Die Baulast für die Hauptlärmquelle liegt nicht
bei der Gemeinde
betroffene Ämter innerhalb der Stadt- oder Gemeindeverwaltung (z.B. Bauamt,
Verkehrs- und Stadtplanung, Umweltamt, Liegenschaftsamt, Kämmerei)
Straßenbaubehörde (LASuV)
Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis, ggf. Polizei
Immissionsschutzbehörden
sonstige Planungsbehörden
Eisenbahn-Bundesamt/DB AG (für Schienenlärm)
Fall 2
Die Baulast für die Hauptlärmquelle liegt bei
der Gemeinde
betroffene Ämter innerhalb der Stadt- oder Gemeindeverwaltung (z.B. Bauamt,
Verkehrs- und Stadtplanung, Umweltamt, Liegenschaftsamt, Kämmerei)
Straßenverkehrsbehörde, ggf. Polizei
Immissionsschutzbehörden
sonstige Planungsbehörden, ggf. Denkmalschutz
ggf. Verkehrsbetriebe (insbes. bei Straßenbahnverkehr)

27
Tabelle 5: Schematische Darstellung der Beteiligungspflichten mit betreffenden Akteuren
Beteiligungsverfahren – Ablaufplan/Fristen
Eine umfassende Information der Öffentlichkeit und der betroffenen Behörden und Stellen ist Voraussetzung für deren Mitwirkung an
der Lärmaktionsplanung.
Die Information der Öffentlichkeit sollte über verschiedene Kommunikationskanäle verlaufen, um möglichst viele Bevölkerungsschichten
zielgruppengerecht zu erreichen.
Die Öffentlichkeit sollte fortlaufend über den aktuellen Stand der Lärmaktionsplanung, Meilensteine und wichtige Termine informiert
werden.
Schritte/ empfohlene Fristen
Beteiligte
Veröffentlichung der Ergebnisse der Lärmkartierung
Die Lärmkarten, Betroffenheiten und sonstigen Ergebnisse der Lärmkartierung sind Grundlage für die
Bewertung der Lärmsituation in der Gemeinde.
Gemeinde
Einbindung der Öffentlichkeit bereits während der Vorprüfung
Durch eine Mitwirkung der Öffentlichkeit bereits bei der Bewertung der Lärmsituation können das
subjektive Lärmempfinden und die Ortskenntnis der Bürger in der Planung Berücksichtigung finden
und auch durch die Lärmkartierung ggf. nicht untersuchte Brennpunkte erfasst werden. Die Entschei-
dung über Fortführung/Beendigung der LAP wird damit transparent. Die Baulastträger können abwä-
gungsrelevante Hinweise auf bereits umgesetzte Lärmschutzmaßnahmen geben
Öffentlichkeit
Behörden (Informationen
einholen)
Erarbeitung des Planentwurfs unter Beteiligung betroffener interner Ämter, externer Behör-
den/Stellen und der Öffentlichkeit
Bei der konkreten Planung von Lärmminderungsmaßnahmen sind neben der Öffentlichkeit nun unbe-
dingt auch betroffene Behörden einzubinden, insbesondere wenn ihnen die Umsetzung von vorge-
schlagenen Maßnahmen obliegt. Auch andere Fachplanungen sind zu berücksichtigen
Behörden (zwingend)
Öffentlichkeit (mind. eine
öffentl. Veranstaltung
)
Veröffentlichung bzw. Auslegung des Planentwurfes
(~ 1 Monat)
Öffentlichkeit, Behörden
Möglichkeit zur schriftlichen Stellungnahme
(mind. 2 Wochen)
Informationsveranstaltung mit öffentlicher Erörterung (ggf.)
Öffentlichkeit, Behörden,
Gemeinde
Beschlussfassung durch die Gemeindevertretung
Stadt- oder Gemeinderat
Bekanntmachung und Auslegung
Veröffentlichung des Lärmaktionsplanes/ Übersendung an betroffene Behörden/Stellen.
Gemeinde
Eine Beteiligung von anderen Behörden oder Stellen soll bei folgenden Arbeitsschritten erfolgen:
schon im Rahmen der Vorprüfung
(Schritt 2)
, wenn Aussagen externer Behörden (z.B. Straßenbaubehörde)
für das Abwägungsergebnis relevant sind (z.B. für Autobahnanrainergemeinden),
frühzeitige Information über die geplante Lärmaktionsplanung nach Abwägung und Beschlussfassung
(in
Anschluss an Schritt 3), sowie

28
Einbindung bei der Entwicklung und Festlegung geeigneter Maßnahmen in
Schritt 6
(bereits in der Phase
der Erarbeitung von Maßnahmenvorschlägen).
Eine Einbindung mittels formalisiertem TÖB-Verfahren hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt. Oftmals
werden über diese strikt reglementierten Verfahrensschritte nicht die gewünschten Ansprechpartner, sondern
stattdessen nur die offiziell festgelegten TÖB-Stellen erreicht. Beispielsweise ist das für die Lärmaktionspla-
nung zuständige Fachreferat im LfULG in ein TÖB-Verfahren nicht eingebunden. Da das Verfahren der Lärm-
aktionsplanung nicht an eine bestimmte Form gebunden ist, empfiehlt sich stattdessen eine direkte Kontakt-
aufnahme zu den betroffenen Behörden oder Stellen.
7.6 Sechster Schritt: Entwicklung des Maßnahmenkatalogs
Das zentrale Element des Lärmaktionsplans ist der Maßnahmenkatalog. Darin werden Maßnahmen zur
Lärmminderung zusammengestellt, bewertet und priorisiert. Wichtige Voraussetzung für die Maßnahmenpla-
nung ist die in
Schritt 2
durchgeführte Einschätzung der Lärmbelastung. Sollen Lärmbrennpunkte in die Akti-
onsplanung aufgenommen werden, für die keine Lärmkarten erstellt wurden, so ist spätestens hier die Ent-
scheidung zu fällen, ob noch nachträgliche Lärmberechnungen notwendig werden, ob diese Brennpunkte erst
in der nächsten Kartierungsrunde berücksichtigt werden oder ob geeignete Minderungsmaßnahmen mit einer
pauschalen Abschätzung der Belastung geplant werden können.
externe Unterstützung
Spätestens bei der Entwicklung des Maßnahmenkataloges empfiehlt sich die Einbeziehung von externer
Fachkompetenz. Mit der Erarbeitung des Maßnahmekatalogs sollte vorzugsweise ein Planungsbüro (z.B. Ver-
kehrsplaner) beauftragt werden, welches bei Bedarf auch akustischen Sachverstand einbindet. Die Erfahrun-
gen zeigen, dass damit auch die Durchsetzbarkeit des Lärmaktionsplans verbessert wird.
Entwicklung des Maßnahmenkatalogs
Die Entwicklung des Maßnahmenkatalogs kann in folgenden Teilschritten ablaufen:
Zusammenstellung von ortsbezogen möglichen Minderungsmaßnahmen,
Beteiligung der Öffentlichkeit (=> Maßnahmenvorschläge)
Abwägung und Bewertung der Maßnahmen,
Priorisierung der Maßnahmen,
Abstimmung des Entwurfs mit beteiligten Behörden/Stellen und Öffentlichkeit sowie
Festlegung des abschließenden Maßnahmenkatalogs.
In einem vorläufigen Maßnahmenkatalog sind mögliche Minderungsmaßnahmen aufzuführen und zu bewer-
ten. Es empfiehlt sich, nur solche Maßnahmen mit aufzunehmen, die von der Kommune auch beeinflusst wer-
den können. Bei der Aufstellung des Maßnahmenkatalogs sind die Ergebnisse der Beteiligungsverfahren (an-
dere Behörden/Stellen und Öffentlichkeit) zu berücksichtigen, ggf. ist der Katalog nach Abschluss der Beteili-
gungen nochmals zu überarbeiten. Zur weiteren Beurteilung empfiehlt es sich, die möglichen Maßnahmen
tabellarisch zusammenzustellen. Ein Beispiel hierfür ist in
Tabelle 6
zu finden. Die Entlastungswirkung kom-
plexer, kostenintensiver Maßnahmen kann durch Szenarienrechnungen untermauert werden. Über die Not-
wendigkeit ist jedoch immer am konkreten Einzelfall zu entscheiden.

29
Tabelle 6: Bewertungsbogen für den Vergleich von Lärmminderungsmaßnahmen (mit Beispielen)
lfd.
Nr.
Maßnahme
Ziel der Maßnahme
Ort
Zeithorizont
1)
Entlastungswirkung
(1)
Errichtung Lärm-
schutzwall auf
500 m Länge
Absenkung der Nachtbe-
lastung im OT Muster
unter 55 dB(A)
Gemeinde Musterdorf, OT
Muster - westlich BAB 4
(zw. AS Nord und AS Süd)
mittelfristig (im
Rahmen des BAB-
Ausbaus)
hoch (bis 10 dB(A) je
nach Lage)
(2)
Verstetigung
Verkehrsfluss
Reduzierung belästigen-
der Brems- und Beschleu-
nigungsvorgänge
Bahnhofstraße in Muster-
stadt
kurzfristig
gering (1-2 dB(A) nicht
berechenbar
(3)
1)
kurz-/mittel- oder langfristig bzw. Angabe einer Jahreszahl
lfd.
Nr.
Betrof-
fene
2)
Kosten
(geschätzt)
Zuständigkeit
für Umsetzung
Kostenträger
Rechts- und
Finanzierungs-
grundlage
Voraussetzung für
Realisierung
(1)
75
200 T€
Landesamt für
Straßenbau und
Verkehr
Bund als Bau-
lastträger der
BAB
16. BImSchV
(Lärmvorsorge)
Planfeststellungsverfahren zur
Herstellung des Baurechts,
Grunderwerb
(2)
50
5 T€
Tiefbauamt
Musterstadt
Stadtratsbeschluss
vom 13.07.2013
Erarbeitung eines Ampel-
schaltungskonzeptes, Mittel-
bereitstellung
(3)
2)
sofern bekannt oder abschätzbar
Die Bewertung der Maßnahmen sollte ausgehend von folgenden Gesichtspunkten erfolgen:
Realisierbarkeit der Maßnahme,
Kosten/Nutzen-Analyse,
Zeithorizont für eine Umsetzung und
Finanzierung und eventuelle Fördermöglichkeiten.
Hauptziel ist die Verringerung der Lärmbelastung in Gebieten mit hoher Betroffenheit. Der Nutzen aus einer
deutlichen Entlastung von Brennpunkten kann dabei schwerer wiegen, als vergleichsweise geringe, für die
Betroffenen kaum oder nicht wahrnehmbare Lärmentlastungen in der Fläche. Das Verhältnis von Nutzen zu
Aufwand (Kosten) sollte demzufolge möglichst hoch sein. Offensichtlich unverhältnismäßige oder nicht um-
setzbare Maßnahmen sollten nicht in Betracht gezogen werden. Auch muss darauf geachtet werden, dass
durch die Umsetzung einer Maßnahme nicht an anderer Stelle neue Betroffenheiten geschaffen werden, z.B.
durch ungewollte Verkehrsverlagerung von hochbelasteten auf bislang deutlich geringer belastete Straßen in
Wohngebieten. Ebenso sollte der Zeitraum, in der eine Maßnahmenumsetzung realistisch möglich ist, in die
Bewertung einfließen.
Resultierend aus der Bewertung sind letztlich bei der Maßnahmenfestschreibung im Lärmaktionsplan entspre-
chende Prioritäten zu setzen. Prioritäten können sowohl örtlich, zeitlich als auch bei der Auswahl von Maß-
nahmen gesetzt werden. Den Prioritäten wird im Lärmaktionsplan durch die Einstufung als kurz-, mittel- oder
langfristig durchzuführende Maßnahme Rechnung getragen. Die Maßnahmen sind möglichst konkret zu for-
mulieren und festzulegen. Im Vordergrund sollten Maßnahmen von hoher Akzeptanz und Effizienz stehen.
Auch ihre Umsetzbarkeit ist wichtig. Wichtig für die Prioritätensetzung ist ebenso die Berücksichtigung von

image
30
Wechselwirkungen mit anderen Planungen (z.B. Luftreinhalteplanung) bzw. mit anderen, nicht kartierten
Lärmquellen. Im Ergebnis der Bewertung können auch Maßnahmen als ungeeignet wieder aus dem Maß-
nahmenkatalog gestrichen oder zurückgestellt werden. Dies ist zu begründen.
Oftmals ist die gewünschte Lärmminderung durch die Umsetzung einer einzelnen Maßnahme nicht erreichbar.
In diesen Fällen kann eine Kombination aus mehreren Einzelmaßnahmen in einem Maßnahmenpaket langfris-
tig zum Ziel führen. Sofern nach einer sachgerechten Bewertung der Maßnahmenoptionen und Beteiligung
der Öffentlichkeit keine Handlungsoptionen bestehen bzw. geeignete Maßnahmen bereits umgesetzt sind, ist
dies ebenfalls entsprechend zu begründen. Zielstellung und Fortführung der Lärmaktionsplanung sind in die-
sen Fällen kritisch zu prüfen. Sollten an der maßgeblichen Lärmquelle selbst keine Minderungsmaßnahmen
realisierbar sein, um betroffene Bürger zu entlasten, stellt dies alleine noch kein ausreichendes Argument für
den Verzicht auf die Erstellung eines Lärmaktionsplanes dar. Hier sollte sich die Gemeinde in der Aktionspla-
nung mit den örtlichen Gegebenheiten auseinandersetzen und überlegen, inwieweit mit planerischen Mitteln
langfristig mit dem Lärmproblem und den Belastungen umgegangen werden kann (z.B. Bauleitplanung, Stadt-
sanierung, Nutzungsänderungen, Abriss, u.a.).
Bei größeren Untersuchungsgebieten z.B. in Ballungsräumen mit zahlreichen Hauptlärmquellen besteht auch
die Möglichkeit, in einem „Masterplan“ die Zielrichtung der Lärmaktionsplanung vorzugeben. Dies hat den
Vorteil, dass sukzessive erst im Laufe der Fortschreibung des Plans die Untersuchungstiefe zu erhöhen ist
und einzelne Gebiete später gezielt beplant werden können.
Auswahl und Abstimmung geeigneter Minderungsmaßnahmen
Im Maßnahmenkatalog aufgenommene Minderungsmaßnahmen können vielfältiger Art sein, z.B.:
baulicher Art,
straßenverkehrsrechtlicher Art,
planerischer Art oder
sonstige Maßnahmen.
Abbildung 10: Lärmschutzwand als mögliche Lärmminderungsmaßnahme

31
Tabelle 7
enthält Beispiele möglicher Minderungsmaßnahmen. Eine weitergehende Zusammenstellung von
Lärmminderungsmaßnahmen ist in den LAI-Hinweisen zur Lärmaktionsplanung zu finden. Die LfULG –
Broschüre „Positivbeispiele aus der Lärmaktionsplanung
[11]
stellt beispielhaft einzelne bereits umgesetzte
Maßnahmen vor.
Nicht jede im Lärmaktionsplan dargestellte Maßnahme muss eine akustisch nachrechenbare Entlastungswir-
kung ausweisen. So können auch Maßnahmen aufgenommen werden, welche rechnerisch zwar keine Entlas-
tungswirkung ergeben, da sie in den schalltechnischen Berechnungsvorschriften nicht berücksichtigt sind,
aber real trotzdem zur Verminderung des Geräuschpegels oder der Störwirkung beitragen. Zu nennen sind
hier beispielsweise die Verstetigung des Verkehrsflusses, Ausbesserung schadhafter Stellen im Straßenbelag
oder auch Reduzierung belästigender Geräuschspitzen. Wenn möglich, ist die Entlastungswirkung einer Min-
derungsmaßnahme anzugeben und die geschätzte Abnahme der Anzahl lärmbetroffener Personen zu doku-
mentieren.
Viele Lärmminderungsmaßnahmen können nicht durch die Gemeinde selbst umgesetzt werden, sondern dazu
bedarf es der Mitwirkung und ggf. auch Entscheidungen weiterer Behörden. Oft ist die Umsetzung allein des-
halb problematisch, da die Lärmaktionsplanung selbst keine Rechts- und Finanzierungsgrundlage zur Maß-
nahmenumsetzung für diese Behörden, wie z.B. Straßenbau- oder Straßenverkehrsbehörden, bietet. Statt-
dessen sind diese an bundesgesetzliche Regelungen und die entsprechenden Verwaltungsvorschriften (z.B.
zum Verkehrslärmschutz) gebunden und unterliegen insoweit einem engen rechtlichen Rahmen. Weiterhin ist
zu beachten, dass die Umsetzung und Realisierbarkeit vieler Maßnahmen nach dem aktuell gültigen techni-
schen Regelwerk erfolgen muss. Daher ist eine frühzeitige Einbeziehung der für die Maßnahmenumsetzung
zuständigen Behörde unbedingt notwendig. Hierbei sollte die Gemeinde vehement darauf drängen, dass vor-
handene Ermessensspielräume im Sinne der Lärmminderung ausgeschöpft werden.
Unabhängig von der Baulastträgerschaft können sich Gemeinden auch für die Möglichkeit entscheiden, bei
entsprechender Flächenverfügbarkeit (eigener oder auch fremder Grundbesitz) auf eigene Kosten Lärm-
schutzmaßnahmen zu projektieren bzw. entsprechende Investoren dafür zu gewinnen (z.B. Aufschütten eines
Lärmschutzwalls oder Bau einer Lärmschutzwand). Die planungs- und baurechtlichen Vorschriften und Ver-
fahrensabläufe sind hierbei zu beachten. Der Abschluss einer Vereinbarung mit der zuständigen Straßenbau-
behörde zur Herstellung des Baurechts, Unterhaltslast usw. ist insbesondere bei der Planung von Lärm-
schutzanlagen in der Anbauverbots- oder Anbaubeschränkungszone einer Straße erforderlich.
Lärmaktionsplanung an Haupteisenbahnstrecken
Die Vorschriften zur Erarbeitung von Lärmaktionsplänen gelten auch für Schienenverkehrswege. Auch hier
liegt die Zuständigkeit für die Lärmaktionsplanung bei den betroffenen Kommunen. Die Durchsetzung von
Lärmminderungsmaßnahmen an der Strecke ist dabei jedoch schwieriger. Hier empfehlen sich unbedingt eine
Abstimmung mit der DB AG und ein Abgleich mit deren Lärmsanierungsprogramm. Eisenbahninfrastrukturun-
ternehmen sind gemäß § 47d Abs. 2a BImSchG an der Mitwirkung bei der kommunalen Lärmaktionsplanung
verpflichtet. Darüber hinaus sind auch bei der Lärmaktionsplanung an Haupteisenbahnstrecken alle Maßnah-
men geeignet, die in Zuständigkeit der Gemeinden umgesetzt werden können, wie z.B. lärmschutzgerechte
Bauleitplanung.
Wenn in einer Gemeinde sowohl relevanter Straßen- als auch Schienenlärm ermittelt wurde, so sollte der
Lärmaktionsplan beide Geräuscharten umfassen.

32
Tabelle 7: Beispiele für Lärmminderungsmaßnahmen an Hauptverkehrsstraßen mit Voraussetzungen und Verantwortlichkeiten
mögliche Maßnahmen
Wirkung
Zuständigkeit
Voraussetzung
Kosten
bauliche Maßnahmen
a) Austausch lauter Fahrbahnbeläge (Pflaster, Beton)
b) Einbau lärmarmer Deckschichten außerorts)
c) Einbau lärmarmer Deckschichten innerorts
(aktiver Lärmschutz)
Teils erhebliche Verminderung der Geräuschbelastung.
Wirkung lärmarmer Fahrbahnbeläge bei niedrigeren Ge-
schwindigkeiten geringer. Geeignetes Instrument für stark
befahrene innerörtliche Hauptverkehrsstraßen unter Be-
achtung der Verkehrszusammensetzung und der Belags-
charakteristika
Baulastträger
a) Grundhafter Straßenausbau bzw. De-
ckenerneuerung
b) als Lärmvorsorge nach 16. BImSchV
außerorts
c) Innerorts noch keine Regelbauweise.
Solange nur mit pilothaftem Charakter
als Lärmsanierung möglich (bauliche
und akustische Begleitung)
hoch
(gering
bis
mittel
falls
Austausch
turnusmäßig
ansteht)
Errichtung von Lärmschutzwänden und –wällen (aktiver
Lärmschutz)
sehr hohe Lärmreduzierungen im Nahbereich möglich (von
der Lage des Immissionsortes abhängig)
Baulastträger
(oder Kommunen als
Eigenleistung in
Abstimmung mit
Baulastträger)
Lärmvorsorge nach 16. BImSchV oder
Lärmsanierung einer Straße nach VLärm-
SchR 97 bzw. anderen haushaltsrechtli-
chen Regelungen
hoch
Austausch nicht lärmgeminderter oder defekter Fahr-
bahnübergänge an langen Brücken durch lärmarme
Konstruktionen (aktiver Lärmschutz)
Minderung störender Überfahrgeräusche insbesondere im
Nahbereich von Brückenbauwerken möglich
Baulastträger
Verschleiß der vorhandenen Konstruktio-
nen; Wohnbebauung im Nahbereich u.a.
Vorgaben (Einzelfallentscheidung)
mittel
Erhaltung der Fahrbahn (Unterhaltung, Instandsetzung,
Erneuerung)
Vermeidung und Beseitigung von Fahrbahnschäden redu-
ziert Lärmemissionen zum Teil erheblich
Baulastträger
kleine bzw. großflächige Fahrbahnschä-
den
mittel
bauliche Umgestaltung von Straße und Straßenraum
(Fahrbahneinengung, Parkregime, Querungshilfen,
Radfahrstreifen, Begrünung)
Entschärfung von Tempospitzen sowie generelle Verlang-
samung der Geschwindigkeit. Vergrößerung der Abstände
zwischen Bebauung und Fahrbahn. Anstatt baulicher
Eingriffe kann die Umgestaltung z.T. auch mit Markierun-
gen erfolgen
Baulastträger/ ggf.
Straßenverkehrsbe-
hörde
keine Verlagerung der Lärmkonflikte auf
andere Straßen
mittel
Bau von Umgehungsstraßen
sehr hohe Wirkung in der Ortsdurchfahrt, auf neue Belas-
tungen achten und nach Möglichkeit minimieren
Baulastträger
Straßenplanung, Baurechtsverfahren,
Bereitstellung der Finanzmittel
sehr hoch
Einbau von Lärmschutzfenstern und ggf. Lüftern, Däm-
mung von Umfassungsbauteilen (passiver Lärmschutz)
a)
im Rahmen der Lärmvorsorge
b)
im Rahmen der Lärmsanierung
erhebliche Lärmminderung in straßenseitig gelegenen
Innenräumen. Außenbereiche und nicht zum Wohnen
dienende Räume bleiben jedoch verlärmt. Sollte nur dann
in Erwägung gezogen werden, wenn aktive Maßnahmen
unmöglich oder nicht angemessen sind => oft letzte Mög-
lichkeit an stark verlärmten Hauptstraßen
a) Baulastträger
b) Baulastträger/
Eigentümer (i.d.R.
25%)
a) Lärmvorsorge
b) Lärmsanierung
(siehe zweite Zeile)
mittel
Einbau lärmarmer Gullydeckel
Punktuell hohe Wirksamkeit, da Reduktion lästiger Ge-
räuschspitzen vor Ort. Rechnerisch nicht nachweisbar
Baulastträger
Austausch defekter Gullydeckel od. bei
Straßenneubau
gering bis
mittel

33
mögliche Maßnahmen
Wirkung
Zuständigkeit
Voraussetzung
Kosten
Straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen
Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit
(auch zeitlich begrenzt mit begleitenden Geschwindig-
keitskontrollen) durch Schilder oder bauliche Maßnah-
men
mittlere Entlastungswirkung je nach örtlicher Situation. Es
empfehlen sich begleitende Kontrollen. Hinzu kommen
positive Effekte bei Verkehrssicherheit und Luftqualität.
Entschärfung von Tempospitzen
Straßenverkehrs-
behörde
§ 45 StVO
[12]
i.V. mit den Lärmschutz-
RL-StV und Ermessensentscheidung der
Straßenverkehrsbehörde
gering
Verkehrsbeschränkungen (z.B. LKW-Nachtfahrverbote,
Anliegerverkehr)
mittlere Entlastungswirkung, Minderungen lästiger Ge-
räuschspitzen während der Nacht. Es empfehlen sich
begleitende Kontrollen. Negative Wirkungen auf Aus-
weichstrecken beachten.
Straßenverkehrs-
behörde
§ 45 StVO i.V. mit Lärmschutz-RL-StV und
ggf. Ermessensentscheidung der Straßen-
verkehrsbehörde
gering
Planerische Maßnahmen
lärmschutzgerechte Bauleitplanung:
Keine Wohngebiete in verlärmte Bereiche, Schutz von
Ruhezonen, Auflagen zum Lärmschutz in Bebauungs-
plänen wenn Lärmimmissionen einwirken (z.B. Vorga-
ben für Schalldämmmaße), Planung verkehrsarmer
Straßen
sehr hohe Wirkung, da Konflikte bereits durch Vorbeugung
vermieden werden
Gemeinde/
planende Behörden
Festsetzungen im Bebauungsplan
dazu sind Entscheidungsgremien entspre-
chend zu sensibilisieren
gering
Eigenabschirmung:
gezielte Schließung von Baulücken, Einrichtung von
Gebäuderiegeln, entspr. Anordnung bei Neuplanungen,
Erhalt lärmabschirmender Bebauung
Schaffung bzw. Erhalt ruhiger, abgeschirmter Bereiche
(dahinter liegende Bebauung aber auch Hofflächen). Bei
den Neubauten auf lärmgerechte Grundrissgestaltung
achten
Gemeinde/ Bauherr
Festsetzungen im Bebauungsplan
gering bis
hoch
Vorgabe der Grundrissgestaltung, Beschränkung von
Außenwohnbereichen
Schutz vor Lärmbelastungen der Bewohner wenn:
Wohn- und Schlafräume nur auf lärmabgewandter Seite;
Terrassen, Balkone auf lärmabgewandten Seite oder
Einhausung
Gemeinde/ Bauherr
Festsetzungen im Bebauungsplan
gering
Gliederung von Nutzungen
Vermeidung/Reduzierung von Konflikten, wenn Gewerbe-
oder Mischgebiete angrenzend an Lärmquelle angeordnet
werden. Aufgliederung von Mischgebieten in Bereiche für
gewerbliche Nutzungen und Wohnbereiche
Gemeinde
Ausweisung in Bauleitplänen
gering
Ausweisung von Abstandsflächen, Flächen für aktiven
Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzwände oder –
wälle)
gute Wirkung, jedoch langfristige Planung nötig
Gemeinde
Ausweisung in Bauleitplänen
gering
Schaffung von Stadtgrün an geeigneten Stellen zwi-
schen Bebauung und Straße
rein akustisch wenig wirksam aber hohe subjektive Wir-
kung bei den betroffenen Anwohnern
Gemeinde
ggf. Ausweisung in Bauleitplänen/ Grün-
ordnungsplänen
gering
bis
mittel

34
mögliche Maßnahmen
Wirkung
Zuständigkeit
Voraussetzung
Kosten
Sonstige Maßnahmen
Verstetigung des Verkehrsflusses (Ampelschaltungen
„Grüne Welle“, Umbau von Knotenpunkten, Kreisver-
kehre, Straßenraumgestaltung)
mittlere Entlastungswirkung je nach örtlicher Situation (in
Lärmberechnungen nicht darstellbar). Jedoch Reduktion
von belästigenden Lärmspitzen. Auch positive Effekte für
Luftqualität
Straßenverkehrsbe-
hörde/ Gemeinde/
Baulastträger
gering bis
mittel
Verkehrslenkung/Verkehrsmanagement:
Verkehrs- und LKW-Lenkungskonzepte, Bündelung des
Verkehrs, Verkehrsbeeinflussungsanlagen u.a.
je nach örtlicher Lage geringe bis hohe Entlastungen.
Reduzierung von LKW-Anteilen birgt deutliches Minde-
rungspotenzial, Auswirkungen auf Verkehrssicherheit und
Luftqualität (positiv aber ggf. auch negativ). An Verkehrs-
entwicklungsplanung koppeln. Negative Wirkungen auf
Ausweichstrecken beachten
Straßenverkehrsbe-
hörde mit Gemeinde
Widmungsfunktion der Straße muss erhal-
ten bleiben
gering bis
mittel
Förderung des ÖPNV und des Fußgänger- und Radver-
kehrs
Verbesserung von Radverkehrsnetzen und –anlagen
(einschl. Instandhaltung)
entlastende Wirkungen durch Verminderung von Fahrten
mit eigenem Kfz
Steigerung von Wohnqualität und Gesundheitsbewusst-
sein, positive Wirkung auch auf Luftqualität. Ggf. Kombina-
tion mit verkehrsbeschränkenden Maßnahmen
Gemeinde/ Landkreis
Straßenbaulastträger
entsprechendes Angebot muss langfristig
geschaffen werden
gering bis
mittel
Geschwindigkeitskontrollen an Brennpunkten
„erzieherische Wirkung“ der Verkehrsteilnehmer
Gemeinde/ Polizei
Abstimmung und Planung
gering
Schutz ruhiger Gebiete
vorbeugender Lärmschutz, Schaffung/ Erhalt von Ruhezo-
nen
Planungsträger
ggf. planerische Festlegungen
gering

35
7.7 Siebter Schritt: Beschluss und Bekanntmachung des
Lärmaktionsplans
Um dem Lärmaktionsplan die notwendige Verbindlichkeit zu geben, sollte der mit der Öffentlichkeit und den betei-
ligten Behörden/Stellen abgestimmte Entwurf von den kommunalen Entscheidungsgremien (Stadt- oder Gemein-
derat) beschlossen werden. Dies wird dringend empfohlen, da der Lärmaktionsplan auf diese Weise die gewünsch-
te Bindungswirkung entfaltet, die bei weiteren kommunalen Planungen zu beachten ist.
Nach seiner Verabschiedung ist der Lärmaktionsplan der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Zu veröffentlichen
sind:
der Lärmaktionsplan,
eine Darstellung des Plangebietes,
eine Übersicht über den Ablauf des Beteiligungsverfahrens sowie
die Abwägungsgründe für die getroffenen Entscheidungen.
Bei
der
Veröffentlichung
ist
eine
allgemeinverständliche
Darstellung
der
Informationen
wichtig.
Zur Veröffentlichung empfiehlt es sich daher
die wesentlichen Inhalte des Lärmaktionsplans ortsüblich bekannt zu machen,
den gesamten Plan öffentlich auszulegen bzw. zur Einsichtnahme bereitzuhalten,
elektronische Medien zur Veröffentlichung zu nutzen (=> Veröffentlichung im Internet) und
unterstützend die Veröffentlichung mit Pressearbeit zu begleiten.
Mehrfertigungen des beschlossenen Plans sollten an betroffene externe Behörden und Stellen übersandt werden.
Nach der Beschlussfassung und Veröffentlichung ist das LfULG mittels des vorgegebenen Ergebnismeldebogens
über den Lärmaktionsplan zeitnah zu informieren. Diese Information kann jederzeit erfolgen und ist nicht an die in
Tabelle 1
genannten Fristen gebunden. Das LfULG übernimmt die turnusmäßige Berichterstattung gemäß § 47e
Abs. 2 BImSchG an das Umweltbundesamt.
8 Wichtiges zusammengefasst
Allgemeines
Die Aufstellung von Lärmaktionsplänen eröffnet den Städten und Gemeinden eine Perspektive, die Lebensqualität
in Bereichen, die von Umgebungslärm betroffen sind, langfristig zu verbessern und eine Verlärmung von bislang
nicht oder nur wenig belasteten Gebieten zu vermeiden.
Bei der Erarbeitung des Lärmaktionsplanes sollte insbesondere auf die Realisierbarkeit der Planungen und deren
Wirksamkeit geachtet werden. In den Plan sollten solche kurz-, mittel und langfristigen Maßnahmen oder auch
Maßnahmenbündel aufgenommen werden, die geeignet sind, den Umgebungslärm für die Betroffenen wirksam
und vor allem nachhaltig zu reduzieren. Dabei kommt auch dem Kosten-Nutzen-Verhältnis von möglichen Maß-
nahmen unter Berücksichtigung der für die Lärmminderung zu setzenden Prioritäten und der ggf. verfügbaren För-
dermöglichkeiten eine entscheidende Rolle zu.

36
Formale Anforderungen an den Lärmaktionsplan
Die Mindestinhalte eines Lärmaktionsplans sind in Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie aufgeführt. Kernelemen-
te dabei sind:
Bewertung der Lärmsituation,
Zusammenstellung und Abwägung geeigneter Maßnahmen zur Lärmminderung,
Dokumentation der Öffentlichkeitsbeteiligung,
finanzielle Informationen (Kosten-Nutzen-Analyse) und
möglichst eine Angabe der durch die Maßnahmen erzielte Reduzierung der Lärmbetroffenheiten.
Rechtsverbindlichkeit eines Lärmaktionsplans
Der Lärmaktionsplan bildet keine eigenständige Ermächtigungsgrundlage für die Umsetzung der darin festge-
schriebenen Lärmminderungsmaßnahmen. Hinsichtlich der Durchsetzung von Maßnahmen, die der Lärmaktions-
plan vorsieht, verweist § 47d Abs. 6 auf § 47 Abs. 6 BImSchG. Danach sind die im Lärmaktionsplan festgeschrie-
benen Maßnahmen durch die zuständigen Behörden nach dem BImSchG oder nach anderen Rechtsvorschriften
durchzusetzen. Der Lärmaktionsplan entfaltet somit eine interne Bindungswirkung für Behörden, und zwar nicht nur
für die Gemeinde, sondern für alle Träger öffentlicher Verwaltung. Die besonderen fachgesetzlichen Vorschriften
werden jedoch durch die Inhalte des Lärmaktionsplans und das BImSchG nicht verdrängt. Demzufolge haben die
zuständigen Behörden planungsrechtliche Festlegungen in den Lärmaktionsplänen bei Fachplanungen mit abzu-
wägen.
Vernetzung mit anderen Planungen
Im Lärmaktionsplan festgeschriebene Maßnahmen zur Lärmvermeidung und -reduzierung können in der Regel
nicht losgelöst von den übrigen Planungszielen und Belangen der Gemeinde entwickelt werden. Vielmehr ist ein
ganzheitlicher Ansatz erforderlich, da die Lärmaktionsplanung eng mit anderen Fachplanungen verknüpft ist. Es
empfiehlt sich daher eine frühzeitige Koordinierung der Planungsabsichten. Welche Zielstellungen verfolgen ande-
re kommunale Planungen in Bezug auf die im Lärmaktionsplan lokalisierten Brennpunkte bzw. schützenswerte
Gebiete? Können die im Maßnahmenplan festgeschriebenen Minderungsmaßnahmen ggf. im Zuge anderer Pla-
nungen umgesetzt oder deren Umsetzung befördert werden? Dadurch erhält der Lärmschutz auf planerischer
Ebene einen gewichtigeren Stellenwert.
Beispielhaft zu nennen sind hierbei die Bauleitplanung (z.B. sollten verlärmte Gebiete nicht als Wohngebiete be-
plant werden oder es sind ggf. Darstellungen bzw. Festsetzungen zum Lärmschutz im Flächennutzungs-/ Bebau-
ungsplan zu treffen), die Verkehrsentwicklungsplanung (die Entwicklung des Verkehrs soll so vorangetrieben wer-
den, dass
die Ziele des Aktionsplanes befördert werden) und die Luftreinhalteplanung. Auch eine Vernetzung mit
laufenden Programmen zur energetischen Gebäudesanierung (Stichwort: Fenster) oder mit Stadtsanierungspro-
grammen ist zu prüfen.
Berichterstattungspflichten
Zu den in § 47 d BImSchG festgelegten Terminen
(siehe Tabelle 1)
muss die Gemeinde über den Stand der Lärm-
aktionsplanung berichten. Im Freistaat Sachsen erfolgt die Berichterstattung an das LfULG. Entsprechende Ergeb-
nismeldebögen werden im Vorfeld der Berichterstattungstermine den Gemeinden zur Verfügung gestellt und ste-
hen unter
www.umwelt.sachsen.de
zum Download bereit. Im LfULG werden die Ergebnisse gebündelt, auf Plausi-
bilität und Vollständigkeit geprüft und an den Bund zur Berichterstattung an die EU weitergemeldet.

image
37
Abbildung 11: Berichterstattung
Die Berichterstattungspflicht schließt auch die Gemeinden ein, welche die
Aktionsplanung nach der Vorprüfung (
Schritt 3)
bereits beenden konnten.
Die Lärmaktionsplanung ist ein dynamisch und langfristig angelegter Pro-
zess. Sie wird deshalb in aller Regel nicht innerhalb eines Jahres nach Fer-
tigstellung der Lärmkarten abgeschlossen sein. Daher wird zum Berichter-
stattungstermin die Übermittlung der aktuellen Arbeitsstände akzeptiert. Die
Vorprüfung muss jedoch sachgerecht erfolgt und bei Verfahrensende die
Entscheidung plausibel begründet sein. Der geplante weitere zeitliche Ablauf
der Lärmaktionsplanung ist darzulegen. Nach Fertigstellung erhält das
LfULG zeitnah eine Zusammenfassung des Lärmaktionsplanes von nicht
mehr als 10 Seiten mit den in Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie ge-
nannten relevanten Angaben (siehe Ergebnismeldebogen). Das LfULG aktu-
alisiert regelmäßig über den Bund die Berichterstattung an die EU.
Aktualisierung und Fortschreibung bestehender Lärmaktionspläne
Die Lärmaktionspläne sind alle fünf Jahre zu überprüfen und bei Bedarf fortzuschreiben. Bei bedeutsamen Ent-
wicklungen für die Lärmsituation außerhalb dieses Turnus ist die Aktionsplanung ebenfalls fortzuschreiben.
Sofern bereits ein beschlossener Lärmaktionsplan vorliegt, muss dieser also nicht alle fünf Jahre völlig neu erstellt
werden, sondern es genügt seine Aktualisierung. Im Rahmen der Aktualisierung dienen die in dieser Handlungsan-
leitung beschriebenen Verfahrensschritte als Orientierungshilfe für die Überprüfung. Zu aktualisieren ist insbeson-
dere die Bewertung der Lärmsituation unter Berücksichtigung der Wirkung bereits umgesetzter Lärmminderungs-
maßnahmen aus dem Maßnahmenplan. Dieser ist ebenfalls kritisch zu prüfen und ggf. zu ergänzen Die Öffentlich-
keit ist an der Überprüfung und der Fortschreibung entsprechend zu beteiligen (Mitwirkung). Ebenso sind betroffe-
ne Behörden und sonstige Stellen zu informieren und einzubinden. Der aktualisierte Plan sollte wiederum vom
Stadtrat oder den zuständigen Ausschüssen autorisiert werden.
Über den fünfjährigen Aktualisierungszyklus hinaus ist es wichtig, in regelmäßigen Abständen die im Plan festge-
schriebenen Maßnahmen auf Aktualität, Umsetzung einzelner Maßnahmen und ggf. Veränderungen bei den Zu-
ständigkeiten zu überprüfen.
Aktivitäten zur Umsetzung des Lärmaktionsplans
Mit der Beschlussfassung und Veröffentlichung des Lärmaktionsplanes sowie der Berichterstattung an die EU ist
die Basis für seine erfolgreiche Umsetzung gelegt. Damit die im Plan festgeschriebenen Maßnahmen zu der ange-
strebten Minderung der Lärmbetroffenheit führen, sind kontinuierliche Bestrebungen zur Umsetzung unbedingt
notwendig. Eine umfassende Projektsteuerung über die gesamte Umsetzungszeit wird empfohlen. Zu unterschei-
den ist zwischen kurz-, mittel- und langfristig umsetzbaren Maßnahmen zur Lärmminderung einerseits und Maß-
nahmen zur Lärmvermeidung andererseits. Während Minderungsmaßnahmen i.d.R. schrittweise umgesetzt wer-
den (meist nacheinander), sind Maßnahmen zur Lärmvermeidung bei allen kommunalen und sonstigen lärmrele-
vanten Planungen unbedingt laufend und vorsorglich zu beachten.
Sofern Maßnahmen durch andere Behörden oder Planungsträger realisiert oder durchgesetzt werden müssen, ist
es sinnvoll, dass durch die Gemeinde auf die Umsetzung gedrängt wird. Innerhalb der Gemeinde sollte angestrebt
werden, Aspekte des Lärmschutzes – und hier liefert der Lärmaktionsplan eine gute Basis – regelmäßig in die
sonstigen kommunalen Planungen mit einzubeziehen. Damit befindet sich der Lärmaktionsplan bereits erfolgreich

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in der Umsetzung. Sinnvollerweise sollte die Einwerbung von Fördermitteln für die Realisierung von Lärmminde-
rungsmaßnahmen langfristig in die Strategien zur Umsetzung des Lärmaktionsplans mit integriert werden.
Aufwand und Kosten
Aufwand und Kosten für die Erstellung eines Lärmaktionsplanes variieren erheblich mit den örtlichen Gegebenhei-
ten bzw. Planungsschwerpunkten und können daher nicht pauschal beziffert werden. Für die Phase der Vorprü-
fung brauchen Finanzmittel nicht zwingend eingeplant zu werden. Für die Maßnahmenplanung empfiehlt sich die
Einholung mehrerer Angebote. Gegenüber den Kosten für die Maßnahmenumsetzung sind die Kosten für die Pla-
nerstellung in aller Regel gering.
Der Lärmaktionsplan soll, falls verfügbar, Informationen über die ungefähren Kosten der Minderungsmaßnahmen
enthalten. Aufgrund seines strategischen Ansatzes und langfristigen Planungshorizontes stehen exakte Kosten
sowie die Finanzierung der Lärmschutzmaßnahmen zum Zeitpunkt der Planerstellung allerdings noch nicht fest.
Die Kosten sollten jedoch mindestens pauschal veranschlagt werden. Zur Bewertung ist es hilfreich, wenn diesen
Kosten die durch eine Maßnahme zu erwartende Entlastung bzw. die resultierenden positiven Wirkungen gegen-
übergestellt werden (Kosten/Nutzen-Analyse). Hierzu zählen z.B. auch absehbare Steigerungen von Immobilien-
werten und höhere Mieterlöse. In der Regel nicht zu beziffern sind Kostenentlastungen im Gesundheitswesen,
welche durch den Rückgang lärmbedingter Erkrankungen zu erwarten sind. Durch eine derartige Gegenüberstel-
lung wird die Festlegung von Prioritäten erleichtert und die Kosten-Nutzen-Struktur kann transparenter aufgezeigt
werden.
Wichtig für Aufwand und Kosten der Maßnahmenumsetzung sind insbesondere die zeitlichen, räumlichen und fi-
nanziellen Wechselwirkungen mit Maßnahmen aus anderen Fachplanungen, z.B. der Verkehrsplanung oder der
Bauleitplanung, bzw. bereits geplante Maßnahmen anderer Behörden (z.B. geplante Sanierung eines verschlisse-
nen Straßenbelags). Auch kann eine Recherche nach Fördermöglichkeiten lohnenswert sein.
Unterstützung und Fördermöglichkeiten
Unterstützung erfahren die Gemeinden bei der Lärmaktionsplanung durch die ressortübergreifende Projektgruppe
Umgebungslärmrichtlinie und das LfULG. Diese arbeiten kontinuierlich an einer Verbesserung der Rahmenbedin-
gungen für die kommunalen Planungen. Neben den unter
www.umwelt.sachsen.de
zur Verfügung gestellten Infor-
mationen und Arbeitshilfen besteht die Möglichkeit von Einzelkonsultationen in komplexen Fällen. Auch die LAI-
Hinweise zur Lärmaktionsplanung enthalten wertvolle Tipps. Im Auftrag des Bundes wurde in verschiedenen Pro-
jekten die Wirksamkeit von Minderungsmaßnahmen untersucht und effektive Ansätze für die Einbindung der Öf-
fentlichkeit erprobt. Informationen hierzu, wie beispielsweise Maßnahmenblätter zur Lärmminderung im Straßen-
verkehr, sind unter
www.umweltbundesamt.de
auf den Fachseiten Lärm unter Publikationen bzw. Links zur Umge-
bungslärmrichtlinie verfügbar.
Da es sich um eine gesetzliche Pflichtaufgabe handelt, ist die Aufstellung eines Lärmaktionsplanes grundsätzlich
nicht förderfähig. Allerdings sollte bei der Maßnahmenplanung bereits darauf geachtet werden, ob die Umsetzung
bestimmter Maßnahmen mit Fördermitteln (Straßenbau, Städtebau, energetische Sanierung, Pilotprojekte u.a.)
unterstützt werden kann. Eine Übersicht ggf. in Frage kommender Förderprogramme stellt das LfULG den Ge-
meinden auf seiner Homepage zur Verfügung.
Ein gültiger Lärmaktionsplan kann im Übrigen auch Voraussetzung für die Inanspruchnahme von speziellen För-
dermaßnahmen sein (z.B. Förderung spezieller Lärmschutzmaßnahmen im Rahmen des KP II in der Vergangen-
heit).

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9 Quellenverzeichnis
[1]
Richtlinie 2002/49/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 25. Juni 2002 über die Bewertung
und Bekämpfung von Umgebungslärm (Umgebungslärmrichtlinie)
[2]
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luftverunreinigungen, Geräusche, Erschüt-
terungen und ähnliche Vorgänge (Bundes- Immissionsschutzgesetz- BImSchG) vom 15. März 1974 in der
jeweils aktuellen Fassung
[3]
Vierunddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verordnung über
die Lärmkartierung – 34. BImSchV) vom 6. März 2006
[4]
Bekanntmachung der Vorläufigen Berechnungsverfahren für den Umgebungslärm nach § 5 Abs. 1 der Ver-
ordnung über die Lärmkartierung vom 22. Mai 2006
[5]
Bekanntmachung der Vorläufigen Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umge-
bungslärm (VBEB) vom 9. Februar 2007
[6]
Sechzehnte Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (Verkehrslärmschutzver-
ordnung - 16. BImSchV) vom 12. Juni 1990
[7]
Hinweise zur Lärmaktionsplanung der Bund/ Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz (LAI-
Hinweise zur Lärmaktionsplanung) in der Fassung vom 18. Juni 2012
[8]
Richtlinien für den Verkehrslärmschutz an Bundesfernstraßen in der Baulast des Bundes (VLärmSchR 97)
vom 2. Juni 1997 in der jeweils aktuellen Fassung
[9]
Richtlinien für straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm (Lärmschutz-
Richtlinien-StV) vom 23. November 2007 in der jeweils aktuellen Fassung
[10]
Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen (SRU); Deutscher Bundestag Drucksa-
che 14/2300 vom 15. Dezember 1999 und Drucksache 15/5900 vom 28. Juni 2005
[11]
Positivbeispiele aus der Lärmaktionsplanung, Freistaat Sachsen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie, April 2013
[12]
Straßenverkehrsordnung (StVO) vom 6. November 1970 (BGBl. I S. 1565) in der jeweils aktuellen Fassung
[13]
Leitfaden für die Aufstellung von Aktionsplänen zur Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie, Ministerium für
Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein

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10 Anhang
Übersicht über die Anlagen:
Anlage 1: Wortlaut des § 47 d BImSchG in der Fassung vom 27. Juni 2012
Anlage 2: Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie
Anlage 1: Wortlaut des § 47 d BImSchG in der Fassung vom 27. Juni 2012
§ 47d Lärmaktionspläne
(1) Die zuständigen Behörden stellen bis zum 18. Juli 2008 Lärmaktionspläne auf, mit denen Lärmprobleme und
Lärmauswirkungen geregelt werden für
1. Orte in der Nähe der Hauptverkehrsstraßen mit einem Verkehrsaufkommen von über sechs Millionen Kraftfahr-
zeugen pro Jahr, der Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von über 60 000 Zügen pro Jahr
und der Großflughäfen,
2. Ballungsräume mit mehr als 250 000 Einwohnern.
Gleiches gilt bis zum 18. Juli 2013 für sämtliche Ballungsräume sowie für sämtliche Hauptverkehrsstraßen und
Haupteisenbahnstrecken. Die Festlegung von Maßnahmen in den Plänen ist in das Ermessen der zuständigen
Behörden gestellt, sollte aber auch unter Berücksichtigung der Belastung durch mehrere Lärmquellen insbesonde-
re auf die Prioritäten eingehen, die sich gegebenenfalls aus der Überschreitung relevanter Grenzwerte oder auf-
grund anderer Kriterien ergeben, und insbesondere für die wichtigsten Bereiche gelten, wie sie in den Lärmkarten
ausgewiesen werden.
(2) Die Lärmaktionspläne haben den Mindestanforderungen des Anhangs V der Richtlinie 2002/49/EG zu entspre-
chen und die nach Anhang VI der Richtlinie 2002/49/EG an die Kommission zu übermittelnden Daten zu enthalten.
Ziel dieser Pläne soll es auch sein, ruhige Gebiete gegen eine Zunahme des Lärms zu schützen.
(2a) Öffentliche Eisenbahninfrastrukturunternehmen sind verpflichtet, an der Aufstellung von Lärmaktionsplänen für
Orte in der Nähe der Haupteisenbahnstrecken und für Ballungsräume mit Eisenbahnverkehr mitzuwirken.
(3) Die Öffentlichkeit wird zu Vorschlägen für Lärmaktionspläne gehört. Sie erhält rechtzeitig und effektiv die Mög-
lichkeit, an der Ausarbeitung und der Überprüfung der Lärmaktionspläne mitzuwirken. Die Ergebnisse der Mitwir-
kung sind zu berücksichtigen. Die Öffentlichkeit ist über die getroffenen Entscheidungen zu unterrichten. Es sind
angemessene Fristen mit einer ausreichenden Zeitspanne für jede Phase der Beteiligung vorzusehen.
(4) § 47c Abs. 3 gilt entsprechend.
(5) Die Lärmaktionspläne werden bei bedeutsamen Entwicklungen für die Lärmsituation, ansonsten jedoch alle fünf
Jahre nach dem Zeitpunkt ihrer Aufstellung überprüft und erforderlichenfalls überarbeitet.
(6) § 47 Abs. 3 Satz 2 und Abs. 6 gilt entsprechend.
(7) Die zuständigen Behörden teilen Informationen aus den Lärmaktionsplänen, die in der Rechtsverordnung nach
§ 47f bezeichnet werden, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit oder einer von
ihm benannten Stelle mit.

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Anlage 2: Anhang V der Umgebungslärmrichtlinie

Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351 2612-0
Telefax: + 49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Autoren:
Andreas Rink, Dr. Johannes Herhold
Abteilung Klima, Luft, Lärm, Strahlen
Referat Anlagenbezogener Immissionsschutz, Lärm
Söbrigener Straße 3a, 01326 Dresden
Telefon: + 49 351 2612-5211
Telefax: + 49 351 2612-5099
E-Mail: laerm.lfulg@smul.sachsen.de
Redaktion:
Andreas Rink
Redaktionsschluss:
31.03.2013
2., überarbeitete Auflage
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Die Broschüre steht nicht als Printmedium zur Verfügung, kann aber als PDF-
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