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BASISGUTACHTEN
ANLAGE 6: BEFRAGUNG DER MITGLIEDER DER
STRATEGIEKOMMISSION

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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INHALT
1
VORGEHENSWEISE ...................................................................................... 4
1.1
ZIELSTELLUNG ................................................................................................................... 4
1.2
INHALTE .......................................................................................................................... 4
1.3
BETEILIGUNG .................................................................................................................... 5
1.4
AUSWERTUNG .................................................................................................................. 5
2
ZIELE UND PRIORITÄTEN AUS SICHT DER STAKEHOLDER ............................. 6
2.1
WELCHE VORDRINGLICHEN FUNKTIONEN MUSS DER ÖPNV IM FREISTAAT ÜBERNEHMEN? .............. 6
2.2
WELCHE HANDLUNGSFELDER SIND FÜR DIE REALISIERUNG DER VORDRINGLICHEN FUNKTIONEN AM
WICHTIGSTEN? ................................................................................................................. 7
2.3
BEWERTUNG DES VERKEHRSANGEBOTES IM SPNV UND ÖSPV IM FREISTAAT ............................... 9
2.4
BEWERTUNG DER VORHANDENEN INFRASTRUKTUR ................................................................. 11
2.5
BEWERTUNG DER AKTUELLEN FINANZIERUNGSSITUATION ........................................................ 12
2.6
WAS IST NÖTIG UM DIE FINANZIERUNG DES SÄCHSISCHEN ÖPNV ZU VERBESSERN? ...................... 14
2.7
SINNVOLLE KRITERIEN FÜR DIE BEMESSUNG EINES (GRUND-) ANGEBOTS IM ÖPNV .................... 15
3
ENTWICKLUNGSPERSPEKTIVEN AUS SICHT DER STAKEHOLDER ................. 16
3.1
WO STEHT DER ÖPNV IM FREISTAAT IM JAHR 2020/2025/2030 IM VERGLEICH ZU HEUTE? ....... 16
3.1.1
Verkehrsangebot und Fahrgastnachfrage ..................................................................... 16
3.1.2
Bedeutung der wesentlichen Instrumente zur ÖPNV-Finanzierung ............................. 18
3.1.3
Ergänzung des ÖPNV-Angebotes im ländlichen Raum .................................................. 20
3.1.4
Weiterentwicklung der Tarif- und Vertriebssysteme .................................................... 22
3.2
HANDLUNGSBEDARF IM FREISTAAT AUS SICHT DER STAKEHOLDER ............................................. 25
3.2.1
Weiterentwicklung des Verkehrsangebotes ................................................................. 26
3.2.2
Tarif und Vertrieb .......................................................................................................... 26
3.2.3
Gestaltung der finanziellen Rahmenbedingungen für den ÖPNV ................................. 27
3.2.4
Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen ......................................................... 27
3.3
FINANZIERUNGSSCHWERPUNKTE IN INFRASTRUKTUR UND ANGEBOT .......................................... 28
3.3.1
Investitionsschwerpunkte im sächsischen ÖPNV/SPNV (Infrastruktur) ........................ 28
3.3.2
Finanzierungsschwerpunkte im sächsischen ÖPNV/SPNV (konsumtiv) ........................ 29

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 2-1:
Vordringliche Funktionen des ÖPNV im Freistaat und deren Priorität ....................... 6
Abbildung 2-2:
Priorisierung der Instrumente zur Verbesserung der ÖPNV-Finanzierung ............... 14
Abbildung 2-3:
Priorisierung der Kriterien zur Bemessung des Grundangebotes (Frage A6) ........... 15
Abbildung 3-1:
Priorisierung der Investitionsschwerpunkte für Infrastruktur und Fahrzeuge ......... 28
Abbildung 3-2:
Priorisierung der Investitionsschwerpunkt im konsumtiven Bereich ....................... 29
TABELLENVERZEICHNIS
Tabelle 2-1:
Zuordnung der Schlagwörter zu den vordringlichen Funktionen, jeweils Top 3 ............ 8
Tabelle 2-2:
Bewertung des Verkehrsangebotes .............................................................................. 10
Tabelle 2-3:
Bewertung der vorhandenen Infrastruktur ................................................................... 11
Tabelle 2-4:
Bewertung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses und Anteils der Nutzerfinanzierung ..... 13
Tabelle 3-1:
Entwicklung bis 2030 – Angebot und Nachfrage ........................................................... 17
Tabelle 3-2:
Entwicklung bis 2030 – Anteile der Institutionen und Bürger an der
ÖPNV-Finanzierung ....................................................................................................... 19
Tabelle 3-3:
Entwicklung bis 2030 – Bedeutung der Bedienformen im ländlichen Raum ................ 21
Tabelle 3-4:
Künftige Bedeutung der Vertriebsformen..................................................................... 23
Tabelle 3-5:
Künftige Merkmale der Tarifangebote .......................................................................... 24

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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1
Vorgehensweise
1.1
Zielstellung
Ein wesentlicher Bestandteil der Bestandsaufnahme ist die Einbindung der relevanten Stakeholder in
Form der Mitglieder der Strategiekommission. Dies geschah in Form einer Befragung, um eine erste
Einschätzung der Mitglieder der Strategiekommission zur aktuellen Situation im sächsischen ÖPNV,
zu den Entwicklungstrends bis 2030 und zum Handlungsbedarf bezüglich der Weiterentwicklung des
sächsischen ÖPNV und der zugehörigen Rahmenbedingungen zu erhalten.
Diese
Ergebnisse
sollen
die
endgültige
Formulierung
der
fachlichen
Arbeitsziele
der
Strategiekommission unterstützen und als Einstieg in eine strukturierte Auseinandersetzung der
Kommission mit ihren Arbeitsgruppen mit den Entwicklungsprioritäten und –zielen für den ÖPNV in
Sachsen dienen.
1.2
Inhalte
Im Wesentlichen fokussierten sich die Inhalte der Befragung auf folgende Fragestellungen/Inhalte:
den vordringlichen Funktionen des ÖPNV im Freistaat Sachsen
den aktuellen Stärken und Schwächen im sächsischen ÖPNV in den Handlungsfeldern
o
Angebot & Nachfrage
o
Infrastruktur
o
Finanzierung & Organisation
o
Tarif & Vertrieb
o
Strategie & Kommunikation
den durch die Gutachter entwickelten sechs Basisfragen an die Strategiekommission
o
Wo sehen wir den ÖPNV im Jahr 2020/25/30 im Freistaat Sachsen?
o
Was wollen wir…?
o
Was wollen wir nicht…?
o
Was können wir besser?
o
Wo können wir effizienter werden?
o
Wo sollen wir investieren (konsumtiv/investiv)?

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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1.3
Beteiligung
Durch die Geschäftsstelle der Strategiekommission wurden insgesamt 27 Fragebögen an die
Mitglieder
der
Strategiekommission
versandt.
Insgesamt
haben
sich
23
Mitglieder
der
Strategiekommission an der Befragung beteiligt. Vor diesem Hintergrund können die vorliegenden
Aussagen als repräsentativ für die Einschätzung der Strategiekommission gewertet werden.
1.4
Auswertung
Die eingegangenen Fragebögen wurden durch die Gutachter in einer Gesamtdarstellung
zusammengefasst, welche der Strategiekommission seit Ende Oktober 2015 in einer ersten Fassung
vorliegt. Die Auswertung erfolgte dabei in anonymisierter Form.
Die folgenden Kapitel stellen eine Zusammenfassung der Befragungsergebnisse als Grundlage für die
weitere Arbeit dar.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2
Ziele und Prioritäten aus Sicht der Stakeholder
2.1
Welche vordringlichen Funktionen muss der ÖPNV im Freistaat übernehmen?
Wesentliche Ergebnisse:
Als vordringliche Funktion des ÖPNV wird die Bereitstellung eines
bedarfsgerechten Angebotes
gesehen, welches in erster Linie
zuverlässig
(stabiles Angebot über einen längeren Zeitraum sowie
Pünktlichkeit im Rahmen der täglichen Reiseketten) sein sollte. Die einzelnen Angebote sind so zu
gestalten, dass der ÖPNV ein attraktives Bindeglied in der gesamten Wegekette darstellt
(
Umsteigeverbindungen, Einbeziehung anderer Verkehrsträger
).
Das
Angebot muss bezahlbar
(Kundensicht überwiegt)
und wirtschaftlich
(Effizienz des
Mitteleinsatzes)
sein
.
Abbildung 2-1:
Vordringliche Funktionen des ÖPNV im Freistaat und deren Priorität
Schlussfolgerungen:
Entscheidend aus Sicht der Kommissionsmitglieder ist es, dass das heutige und zukünftige Angebot
den Bedürfnissen der Fahrgäste im Freistaat Sachsen gerecht wird.
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Sichere Mobilität
Zügige Mobilität
Komfortable Mobilität
Umweltgerechte Mobilität
Zugängliche Mobilität
Bezahlbare Mobilität
Wirtschaftliche Mobilität
Eigene Nennung
Vernetzte Mobilität
Verlässliche Mobilität
Bedarfsgerechte Mobilität
Welche vordringlichen Funktionen muss der ÖPNV im
Freistaat übernehmen?

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2.2
Welche Handlungsfelder sind für die Realisierung der vordringlichen
Funktionen am Wichtigsten?
Wesentliche Ergebnisse:
Vertaktete Angebote mit adäquater Vernetzung der Verkehrsträger
an den Schnittstellen zwischen
SPNV und ÖSPV werden als
vordringliches Gestaltungselement
angesehen. Die Sicherung der
angebotenen Anschlüsse wird in diesem Kontext als wesentliches Komfort- und Sicherheitsmerkmal
eingestuft.
Die
Erreichbarkeit
der zentralen Orte (Reisezeiten, Reiseweiten, Anzahl Verbindungen) bzw.
wesentlichen
Aktivitätsgelegenheiten
(Bildung,
Einkaufen,
Arbeit)
hat
aus
Sicht
der
Befragungsteilnehmer
ebenfalls
einen
sehr
hohen
Stellenwert
bei
der
Sicherung
einer
bedarfsgerechten Mobilität.
Mit einer
wirtschaftlichen und bezahlbaren Mobilität
wird an erster Stelle der Begriff der
Angebotseffizienz
verbunden. Letztlich bedeutet dies, dass für die angebotenen ÖPNV-
Verkehrsleistungen ein entsprechendes Nachfragepotenzial vorhanden sein muss. Daneben wird
erwartet, dass die Effizienz des Mitteleinsatzes durch den Wettbewerb unterstützt wird. Ferner wird
erwartet, dass neue Finanzierungsinstrumente zur Sicherung der Wirtschaftlichkeit beitragen.
Mit dem Begriff „bezahlbare Mobilität“ verbinden die Befragungsteilnehmer vor allem
ein faires
Tarifsystem
mit sozialverträglichen Fahrpreisen ohne die Benachteiligung einzelner Kundengruppen
und
Relationen.
Neben
der
physischen
Barrierefreiheit
(für
Menschen
mit
Mobilitätseinschränkungen) werden ein
übersichtlicher Tarif
sowie ein
einfacher Ticketkauf und
Vertrieb
als
wesentlichste Gestaltungselemente
betrachtet.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Tabelle 2-1:
Zuordnung der Schlagwörter zu den vordringlichen Funktionen, jeweils Top 3
Schlussfolgerungen:
Die Befragung bestätigt, dass die Themen Integraler Taktfahrplan sowie Tarifgestaltung aus Sicht der
Mitglieder der Strategiekommission einen hohen Stellenwert haben. Diese sollten daher auf der
Tagesordnung der Strategiekommission stehen. Ergänzend sollten Fragen der Anschlusssicherung mit
in die Betrachtungen zur Verbesserung der gegenwärtigen Situation einbezogen werden.
Vordringliche
Funktion
Priorität 1
Priorität 2
Priorität 3
Bedarfsgerechte
Mobilität
Verknüpfung zu anderen
Verkehrsträgern
Erreichbarkeit
Taktfahrplan/Integraler
Taktfahrplan
Verlässliche
Mobilität
Anschlusssicherung
Pünktlichkeit
Taktfahrplan/Integraler
Taktfahrplan
Vernetzte Mobilität
Taktfahrplan/Integraler
Taktfahrplan
Verknüpfung zu anderen
Verkehrsträgern
Anschlusssicherung
Wirtschaftliche
Mobilität
Effizienz
Wettbewerb
Neue Finanzierungs-
instrumente
Bezahlbare
Mobilität
Faires Tarifsystem
Angebotseffizienz
Sozialverträgliche
Fahrpreise
Zugängliche
Mobilität
Barrierefreiheit
Einfacher
Ticketkauf/Vertrieb
Übersichtlicher Tarif
Umweltgerechte
Mobilität
Lärmminderung
Umweltverbund
Nachhaltigkeit
Komfortable
Mobilität
Anschlusssicherung
Verknüpfung zu anderen
Verkehrsträgern
Einfacher Ticketkauf
Zügige Mobilität
Reisegeschwindigkeit
(von Tür zu Tür)
Takthäufigkeit
Vermeidung langer
Aufenthaltszeiten
Sichere Mobilität
Sicherheitsempfinden
der Fahrgäste
Anschlusssicherung
Fahr- und
Sicherheitspersonal

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2.3
Bewertung des Verkehrsangebotes im SPNV und ÖSPV im Freistaat
Wesentliche Ergebnisse:
Umfang und Attraktivität des aktuellen
SPNV-Angebotes
werden von der Mehrzahl der
Befragungsteilnehmer als
ausreichend
betrachtet.
Das
ÖSPV-Angebot
wird demgegenüber von einer Mehrheit der Kommissionsmitglieder als
unzureichend
bewertet. Dies betrifft sowohl den
Umfang als auch
die
Attraktivität
des
Angebotes. Diese
Einschätzung
gilt
insbesondere
für
den
ÖSPV
außerhalb
der
Ballungsräume.
Die
Abstimmung der SPNV- und der ÖSPV-Angebote
wird ebenfalls als
nicht ausreichend
eingestuft.
Der mit der ÖPNV-Nutzung verbundene Komfort wird sowohl im ÖSPV als auch im SPNV als
ausreichend angesehen.
Ein
Überangebot
wird von einer breiten Mehrheit der Befragungsteilnehmer
weder beim
ÖSPV
(einstimmig)
noch beim SPNV
gesehen.
Die zugehörigen Begründungen verdeutlichen, dass
Angebotsdefizite vor allem bei der Versorgung
des ländlichen Raumes
gesehen werden. Insbesondere im ländlichen Raum erfüllt nach Auffassung
der Mehrzahl der Befragungsteilnehmer der
ÖSPV
die Aufgabe der
Daseinsvorsorge nicht
vollumfänglich
.
Folgende wesentliche Schwachstellen werden durch die Befragungsteilnehmer in den Begründungen
für Ihre jeweiligen Bewertungen adressiert:
Eingeschränkte
zeitliche
Verfügbarkeit
von
ÖPNV-Verbindungen
(Tagesrandlagen,
Wochenende), insbesondere außerhalb der Ballungsräume,
Zu geringe Bedienungshäufigkeit im ländlichen Raum,
Ausrichtung
der
Angebotsstruktur
im
ländlichen
Raum
auf
den
Schülerverkehr,
eingeschränkter Nutzen des vorhandenen Angebotes für übrige Bevölkerungsgruppen,
Unzureichende Vernetzung der Verkehrsträger (SPNV/ÖSPV),
Zu geringe Platzkapazität in Spitzenzeiten auf stark nachgefragten SPNV-Relationen,
Zu wenig barrierefreie Angebote im ländlichen Raum,
Einsatz veralteter Fahrzeuge im ÖSPV.
Schlussfolgerungen:
Das Ausloten der Möglichkeiten und Grenzen zur Verbesserung der Situation im ländlichen Raum und
zur Verbesserung der Verknüpfung der Verkehrsträger sollte ein wesentlicher Schwerpunkt der
Kommissionsarbeit sein.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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SPNV
ÖSPV
Verkehrsangebo
t
Attraktivität
Komfort
Abstimmung
des Angebots
SPNV - ÖSPV
Daseinsvorsorge
Tabelle 2-2:
Bewertung des Verkehrsangebotes
35%
56%
9%
67%
33%
0%
33%
67%
0%
68%
32%
0%
23%
77%
0%
38%
62%
0%
64%
32%
4%
57%
38%
5%
27%
68%
5%
57%
38%
5%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2.4
Bewertung der vorhandenen Infrastruktur
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrzahl der Befragungsteilnehmer betrachtet die vorhandene Infrastruktur als nicht
ausreichend. Dies gilt sowohl für den SPNV als auch für den ÖPSV.
SPNV
ÖSPV
Die zur
Verfügung
stehende
Infrastruktur
ist…
Tabelle 2-3:
Bewertung der vorhandenen Infrastruktur
Aus den individuellen Begründungen (siehe Anlage) wurden seitens des Gutachters folgende
Hauptgründe
für diese Einschätzung identifiziert:
Mangelhafter
Allgemeinzustand
und
teilweise
fehlende
Barrierefreiheit
der
Verkehrsstationen
(SPNV) sowie des zugehörigen Umfeldes
Geringe Attraktivität der ÖSPV-Zugangsstellen
, insbesondere
im ländlichen Raum
(fehlender Fahrgastunterstand, mangelnde Fahrgastinformation, Barrierefreiheit nicht
gegeben, nicht immer fahrgastfreundliche Gestaltung der Umsteigepunkte)
Geringe Haltestellendichte und somit
zu geringe Erschließungswirkung
im
ländlichen Raum
Elektrifizierungslücken
im
Eisenbahnnetz
(Dresden – Görlitz / Leipzig – Chemnitz / Plauen –
Bad Brambach)
Eingleisige Eisenbahnstrecken / fehlende Kreuzungsmöglichkeiten.
Ebenfalls hervorgehoben wird der hohe
Bedarf an notwendigen Ersatzinvestitionen
für Busse und
Straßenbahnfahrzeuge sowie die Erhaltung von Straßenbahninfrastruktur als auch der Mittelbedarf
für die Unterhaltung der teilweise mit Förderung durch den Freistaat aufwendig ausgebauten
Netzknoten (Busbahnhöfe, Übergangsstellen), welcher
durch die verfügbaren Finanzmittel nicht
vollständig gedeckt
werden kann.
68%
32%
0%
77%
23%
0%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Die mangelnde Fahrgastinformation an der Haltestelle ist auch im Kontext der eingeschränkten
Verfügbarkeit mobiler
webbasierter
Auskunftsangebote im ländlichen Raum
zu bewerten (z. B.
Bandbreite zu gering zur schnellen Informationsanzeige).
Schlussfolgerungen:
Durch die Strategiekommission sollten nach Einschätzung der Gutachter daher folgende Fragen
beantwortet werden:
Durch welche Maßnahmen und Programme kann die Attraktivität der Zugangsstellen weiter
gesteigert werden?
Wie wird eine ausreichende Erschließung im ländlichen Raum sichergestellt?
Durch welche Maßnahmen kann die Erneuerung der Fahrzeugflotte im ÖSPV weiter
vorangetrieben werden?
Welche Standards sind für die Barrierefreiheit anzusetzen und wie können diese erreicht
werden?
Welche ergänzenden Finanzierungsinstrumente sind erforderlich, um den Bedarf an
Ersatzinvestitionen für Infrastruktur und Fahrzeuge im ÖSPV abzudecken?
2.5
Bewertung der aktuellen Finanzierungssituation
Wesentliche Ergebnisse:
Der
Anteil der Nutzer
an der ÖPNV-Finanzierung wird vom überwiegenden Teil der
Befragungsteilnehmer als
ausreichend
angesehen. Dies gilt gleichermaßen für den SPNV und
den ÖSPV.
Das
Kosten-Nutzen-Verhältnis
des
ÖPNV
wird insgesamt
positiv bewertet
. Dabei schneidet
der ÖSPV deutlich besser ab als der SPNV. Etwa die Hälfte der Befragten (46%) bescheinigt
dem
SPNV
ein
zu geringes Nutzen-Kosten-Verhältnis
.
Etwa die Hälfte der Befragungsteilnehmer kritisiert die derzeitige Finanzierungspraxis der
Schmalspurbahnen im Freistaat. Dabei gehen
38% der Befragten
davon aus, dass die
bestehende
Finanzierung der Schmalspurbahnen mehr als ausreichend
ist (52% stufen sie
als ausreichend ein).
Schlussfolgerungen:
Die deutlich schlechtere Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für den SPNV wirft folgende
Fragen auf:
Wie kann der Nutzen der kostenintensiven SPNV-Angebote weiter gesteigert werden (z. B.
bessere
Verknüpfung
mit
ÖSPV,
zusätzliche
bzw.
angepasste
Zugangsstellen
zur
Verbesserung der Erschließungswirkung)?
Durch welche Maßnahmen können die hohen Kosten des SPNV weiter reduziert werden
(z. B. differenziertere Infrastrukturstandards / alternative Betreibermodelle im ländlichen
Raum)?

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Sofern das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht hinreichend verbessert werden kann: An welchen
Stellen ist der SPNV durch Angebote so zu ersetzen, dass der Nutzen der eingesetzten Mittel
für den ÖPNV für die Bevölkerung maximiert wird?
Bei der Weiterentwicklung der Tarifangebote und bei der Entwicklung von Ansätzen zur Finanzierung
ist ferner zu berücksichtigen, dass die Nutzer nicht wesentlich höher als im Status quo belastet
werden sollten. Darüber hinaus ist die aktuelle Finanzierungspraxis der Schmalspurbahnen auf den
Prüfstand zu stellen.
SPNV
ÖSPV
Der Anteil der
Nutzer-
finanzierung ist
….
Im Vergleich
von Kosten und
Nutzen ….
Tabelle 2-4:
Bewertung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses und Anteils der Nutzerfinanzierung
18%
77%
5%
28%
67%
5%
46%
36%
18%
28%
43%
29%

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ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2.6
Was ist nötig um die Finanzierung des sächsischen ÖPNV zu verbessern?
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrheit der Befragungsteilnehmer spricht sich dafür aus, dass sich der
Freistaat
Sachsen stärker als bisher
bei der ÖPNV-Finanzierung
engagieren
sollte.
Als
weitere
wichtige
Finanzierungsinstrumente
, deren Umfang erhöht werden sollte,
werden die
Finanzierung durch den Bund sowie durch Anlieger und Unternehmen
(Nutznießer des ÖV) gesehen.
Demgegenüber spricht sich nur eine
Minderheit
der Befragungsteilnehmer
für eine stärkere
Finanzierung durch Kommunen, Nutzer
oder
alle Bürger
aus.
Eine Senkung der Kosten wird nur von einer geringen Minderheit der Befragungsteilnehmer
als Mittel der Wahl angesehen. Vielmehr wird erwartet, dass die
Kostensenkungspotenziale
in den meisten Anwendungsfällen bereits
ausgeschöpft
sind.
Abbildung 2-2:
Priorisierung der Instrumente zur Verbesserung der ÖPNV-Finanzierung
Schlussfolgerungen:
Die
Strategiekommission
sollte
daher
Möglichkeiten
und
Wege
zur
Anpassung
der
Finanzierungsmodelle ohne gravierende Mehrbelastung
für
Nutzer
und
Kommunen
suchen, ein
verstärktes Engagement des Freistaates wird von der Mehrzahl der Befragten als wesentlich für die
Verbesserung der Finanzierungssituation erachtet.
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
stärker die Kosten senken
stärker durch alle Bürger finanziert werden
stärker durch die Nutzer finanziert werden
stärker durch die Kommunen finanziert werden
Stärker durch Anlieger / Unternehmen finanziert werden
stärker vom Bund finanziert werden
stärker vom Freistaat finanziert werden
Was ist nötig um die Finanzierung des sächsischen ÖPNV zu
verbessern?

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ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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2.7
Sinnvolle Kriterien für die Bemessung eines (Grund-) Angebots im ÖPNV
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrheit der Kommissionmitglieder spricht sich dafür aus, dass
das ÖPNV-Angebot
in
erster Linie
nach raum- und verkehrsplanerischen Kriterien bemessen
werden sollte
(Erreichbarkeit, aktuelle Nachfrage und vorhandene Potenziale, Alters- und Sozialstruktur der
Bevölkerung).
Nur eine Minderheit (weniger als 1/3 der Befragungsteilnehmer) spricht sich dafür aus,
wirtschaftliche Kriterien zur Bemessung des Grundangebotes heranzuziehen.
Die geringe Anzahl der Nennungen der Schüleranzahl ist als
Kritik am bestehenden ÖPSV-
Angebot im ländlichen Raum
zu werten, welches
einseitig auf den Schülerverkehr
ausgerichtet
ist.
Abbildung 2-3: Priorisierung der Kriterien zur Bemessung des Grundangebotes (Frage A6)
Schlussfolgerungen:
Für die Arbeit der Strategiekommission bedeutet dieses Ergebnis, dass
zuerst
das
Grundangebot aus
verkehrsplanerischer Sicht
definiert werden sollte im Zuge der Arbeit in den Arbeitsgruppen.
Anschließend
wäre dieses dann aus
wirtschaftlicher Sicht
zu evaluieren und,
sofern
die
vorhandenen bzw. weiterentwickelten
Finanzierungsinstrumente nicht ausreichen
, zu modifizieren.
0
2
4
6
8
10
12
14
16
Haltestellendichte
Anzahl Schüler
Fläche
Wirtschaftliche Kriterien
Anzahl Einwohner
Alters- und soziale Struktur der Bevölkerung
Nachfrage im ÖPNV (und Potenziale)
Erreichbarkeit
Was sind Ihrer Ansicht nach sinnvolle Kriterien für die
Bemessung eines (Grund-) Angebots im ÖPNV?

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3
Entwicklungsperspektiven aus Sicht der Stakeholder
3.1
Wo steht der ÖPNV im Freistaat im Jahr 2020/2025/2030 im Vergleich zu
heute?
Für die drei Zeithorizonte 2020/2025/2030 erfolgte eine Einschätzung der Entwicklung für die
folgenden Kriterien im der Veränderung gegenüber dem Status quo.
Verkehrsangebot
Fahrgastnachfrage
Finanzierungsanteil
Ergänzung des Angebotes im ländlichen Raum
Vertrieb sowie
Tarife.
3.1.1
Verkehrsangebot und Fahrgastnachfrage
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrzahl der Befragungsteilnehmer geht von einer Anpassung des ÖPNV-Angebotes an die u. a.
infolge der demographischen Entwicklung zu erwartende Nachfrageentwicklung aus. Dies bedeutet:
Ausweitung des Angebotes in Ballungsräumen
vor dem Hintergrund einer weiter steigenden
Fahrgastnachfrage
Weitere
Reduzierung des konventionellen Angebotes im ländlichen Raum
infolge des
demographisch bedingten Nachfragerückgangs.
Die Unterschiede bezüglich der erwarteten Entwicklung in den drei Zeithorizonten sind gering.
Schlussfolgerungen:
Vor dem Hintergrund der erwarteten Entwicklung sind folgende Fragen zu beantworten:
Wie können Angebotsausweitungen in den Ballungsräumen finanziert werden?
Durch welche ergänzenden Mobilitätsangebote kann die Daseinsvorsorge im ländlichen
Raum auch bei einem weiteren Rückzug des konventionellen ÖPNV gesichert werden (siehe
dazu auch 3.1.3)?

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Verkehrsangebot
Zeithorizont
2020
2025
2030
Ballungsraum
Ländlicher Raum
Fahrgastnachfrage
Jahr
2020
2025
2030
Ballungsraum
Ländlicher Raum
Tabelle 3-1:
Entwicklung bis 2030 – Angebot und Nachfrage
0%
39
%
61
%
5%
16
%
79
%
4%
26
%
70
%
26%
61%
13%
58
%
21
%
21
%
48
%
26
%
26
%
4%
13
%
83
%
5%
5%
90
%
4%
9%
87%
52%
26%
22%
47%
32%
21%
44%
30%
26%

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3.1.2
Bedeutung der wesentlichen Instrumente zur ÖPNV-Finanzierung
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrzahl der Befragungsteilnehmer geht davon aus, dass der
Anteil des Bundes an der
Finanzierung des ÖPNV gleich oder niedriger
ist als im Status quo. Mehr als die Hälfte der
Befragten erwarten für die Zeithorizonte 2020 und 2030 einen geringeren Anteil des Bundes
als im Status quo.
Bezüglich der künftigen
Beteiligung von Freistaat und Kommunen
an der ÖPNV-Finanzierung
besteht
keine einheitliche Sicht
.
Etwa die Hälfte der Befragungsteilnehmer erwartet
hierbei
ein
stärkeres Engagement seitens des Freistaates und/oder der Kommunen
. Dies gilt für alle
Zeithorizonte gleichermaßen.
Bis zu zwei Drittel der Befragungsteilnehmer gehen davon aus, dass der
Anteil der Nutzer an
der ÖPNV-Finanzierung
weiter
steigen wird
.
Weiterhin erwartet die Mehrheit der Befragungsteilnehmer, dass der
Anteil der
Unternehmen und Anlieger
an der ÖPNV-Finanzierung weiter
steigt
. Dies gilt insbesondere
für den Langfrist-Horizont (2030).
Schlussfolgerungen:
Vor dem Hintergrund der Erwartungshaltung bezüglich gedeckelter bzw. sinkender Zuschüsse durch
den Bund ist nach alternativen Ansätzen zur ÖPNV-Finanzierung zu suchen. Die diesbezüglichen
Möglichkeiten sollten durch die Strategiekommission ausgelotet werden, um, in Abhängigkeit vom
festgestellten Bedarf, den Erhalt des Status quo bzw. die erforderlichen Angebotsverbesserungen
finanziell abzusichern.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Finanzierungsanteil
Zeithorizont
2020
2025
2030
Bund
Freistaat
Kommunen
ÖPNV-Nutzer
Alle Bürger
Unternehmen /
Anlieger
Tabelle 3-2:
Entwicklung bis 2030 – Anteile der Institutionen und Bürger an der ÖPNV-Finanzierung
56%
22%
22%
42%
32%
26%
52%
22%
26%
26%
17%
57%
21%
16%
63%
21%
16%
63%
17%
57%
26%
16%
42%
42%
17%
35%
48%
4%
32%
64%
5%
42%
53%
4%
35%
61%
5%
71%
24%
0%
65%
35%
0%
43%
57%
5%
57%
38%
6%
53%
41%
5%
24%
71%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.1.3
Ergänzung des ÖPNV-Angebotes im ländlichen Raum
Wesentliche Ergebnisse:
Die Mehrheit der Befragungsteilnehmer erwartet, dass die
Bedeutung alternativer
Bedienformen bis 2030 kontinuierlich weiter steigen
wird. Dies gilt sowohl für flexible
ÖPNV-Bedienformen, als auch für integrierte multimodale Angebote (z.B. Kopplung von
Carsharing-Angeboten und ÖPNV-Nutzung).
Eine
bedarfsgerechte Verstärkung
des
ÖPNV-Angebotes
wird für die drei Zeithorizonte
differenziert
(Rückgang der Bedeutung bis 2030) bzw.
konträr bewertet
. So erwarten 41%
der Befragten für den Zeithorizont 2020 eine Verstärkung des ÖPNV-Angebotes, 41% der
Befragten erwarten dies nicht bzw. sehen dies nicht als Mittel der Wahl.
Die Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass die
private Organisation
von
Mobilität
im
ländlichen Raum erforderlich
bleiben wird. Dies gilt insbesondere für den Langfrist-Horizont
(2025/30).
Schlussfolgerungen:
Der mögliche Beitrag alternativer Bedienformen für die Sicherung der Daseinsvorsorge und die
Attraktivierung des ÖPNV im ländlichen Raum sollte im Basisgutachten dargestellt und im Rahmen
der Kommissionsarbeit weiter vertieft werden. Im Ergebnis sollten Empfehlungen zur weiteren
Förderung
von
Alternativen
zum
konventionellen
ÖPNV
und
zur
Vereinheitlichung
der
Nutzungsregeln und Informationsangebote erarbeitet werden.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Angebot ländlicher
Raum ergänzt durch
2020
2025
2030
flexible Bedienformen
integrierte
multimodale
Angebote
private
Organisation
von Mobilität
bedarfsgerechte
Verstärkung
mittels
ÖPNV
Tabelle 3-3:
Entwicklung bis 2030 – Bedeutung der Bedienformen im ländlichen Raum
76%
14%
10%
70%
18%
12%
72%
14%
14%
57%
19%
24%
70%
18%
12%
70%
18%
12%
59%
32%
9%
70%
18%
12%
71%
19%
10%
41%
41%
18%
37%
42%
21%
36%
46%
18%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.1.4
Weiterentwicklung der Tarif- und Vertriebssysteme
Wesentliche Ergebnisse:
Anhand der Nennungen zu den Vertriebsformen lässt sich ableiten, dass die Mitglieder der
Strategiekommission im Wesentlichen von folgender Entwicklung ausgehen:
Mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer geht davon aus, dass auch 2030 der
Vertrieb
weiterhin
über alle Kanäle
erfolgen wird.
Einige Befragungsteilnehmer erwarten einen
Rückgang
der
Bedeutung
des
dezentralen
Vertriebes
und des
stationären Vertriebes
über
Fahrkartenautomaten
. Selbiges gilt für den
personalbedienten Fahrkartenverkauf.
Eine Mehrheit der Befragungsteilnehmer erwartet, dass die
Tarifangebote
vor dem
Hintergrund der zunehmenden
multimodalen Vernetzung
künftig
flexibler wählbar
bzw.
kombinierbar
sein werden.
Ferner wird von einer Mehrheit der Befragungsteilnehmer erwartet, dass die
Tarife
bis 2030
stärker vereinheitlicht
werden.
Eine
bundesweite
Vereinheitlichung
der
Tarife
wird
von
der
Mehrzahl
der
Befragungsteilnehmer auch langfristig (bis 2030) nicht erwartet.
Schlussfolgerungen:
Im Rahmen der Strategiekommission sollten die Möglichkeiten zur Vereinheitlichung der Tarife
ausgelotet werden. Bei der Weiterentwicklung des Tarifsystems sind die verstärkte Nutzung
innovativer Telematiklösungen sowie die Verknüpfung der Verkehrsträger (z. B. Einbeziehung von
Carsharing) zu berücksichtigen.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Vertriebsformen
2020
2025
2030
Dezentral
Mobil
Personalbedient
Stationär mit
Automaten
Über alle Kanäle
Tabelle 3-4:
Künftige Bedeutung der Vertriebsformen
62%
29%
9%
56%
39%
5%
41%
45%
14%
100
%
0%
100
%
0%
91%
4%
5%
57%
33%
10%
35%
53%
12%
38%
48%
14%
81%
14%
5%
82%
18%
0%
67%
28%
5%
70%
10%
20%
59%
18%
23%
53%
33%
14%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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Tarifangebote
2020
2025
2030
ausdifferenziert nach
Nutzerbedürfnissen
flexibel
wählbar
aufgrund
multimodaler
Vernetzung
stärker vereinheitlicht
bundesweit
vereinheitlicht
Tabelle 3-5:
Künftige Merkmale der Tarifangebote
60%
25%
15%
50%
31%
19%
57%
19%
24%
62%
19%
19%
78%
11%
11%
77%
9%
14%
50%
32%
18%
67%
33%
0%
68%
18%
14%
95%
5%
95%
5%
5%
76%
19%

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.2
Handlungsbedarf im Freistaat aus Sicht der Stakeholder
Der aus Sicht der Stakeholder identifizierte Handlungsbedarf zur Stärkung des Gesamtsystems ÖPNV
orientiert sich an den durch den Gutachter entwickelten Basisfragen zur Weiterentwicklung des
sächsischen ÖPNV:
Was wollen wir?
Was wollen wir nicht?
Was können wir besser als heute?
Wo können wir effizienter werden?
Die Teilnehmer waren aufgefordert zu jeder Basisfrage mindestens drei, maximal fünf Elemente zu
benennen. Dabei wurden keine weiteren Vorgaben gemacht (Themenfelder, Auswahlmöglichkeiten).
Ergebnis der Fragenbeantwortung sind individuelle Statements der Befragungsteilnehmer zu den
Basisfragen. Diese wurden durch die Gutachter nach Themenfeldern geclustert. Dafür wurde jedes
Statement einem Themenfeld zugeordnet. Dabei wurden folgende Hauptthemenfelder identifiziert:
Weiterentwicklung des Verkehrsangebotes
Tarif und Vertrieb
Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen
Weiterentwicklung der Organisationsstruktur
In der ausführlichen Dokumentation zur Befragung sind für jedes identifizierte Themenfeld und jede
Basisfrage die zugehörigen Statements 1:1 wiedergegeben.
Die Statements untermauern im Wesentlichen die Bewertungen zu den übrigen Fragen. Aufgrund
der nunmehr vorliegenden Strukturierung nach Themenfeldern ist ein Aufgreifen der Statements bei
der Diskussion spezifischer Problemfelder im Basisgutachten und im Rahmen der Fachgruppenarbeit
jederzeit möglich.
Eine Wichtung der Ergebnisse ist nicht möglich, da jeder Befragungsteilnehmer eigene Schwerpunkte
gesetzt hat.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.2.1
Weiterentwicklung des Verkehrsangebotes
Wesentliche Ergebnisse:
Die Prioritätensetzung bei der künftigen Angebotsgestaltung wird kontrovers diskutiert
(Ballungsraum vs. ländlicher Raum). Dies gilt auch für die künftige Rolle von ÖSPV und SPNV
bei der Flächenbedienung, den Umfang der erforderlichen Daseinsvorsorge sowie die
Anforderungen an die Angebotseffizienz (Auslastung).
Die vorhandenen Defizite bei verbund- bzw. landesübergreifenden Angeboten sind
abzubauen.
Aus den dazu abgegebenen Statements ist ein Votum für die Ausweitung vertakteter
Angebotsformen bis hin zum integralen Taktfahrplan erkennbar.
Die Attraktivität des Angebotes sollte u. a. durch den Abbau von Zugangshemmnissen weiter
gesteigert werden. Dies betrifft insbesondere die Bereiche Tarif/Vertrieb sowie die
Gewährleistung des barrierefreien Zugangs für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.
Schlussfolgerungen:
Der Umfang des Grundangebotes im ländlichen Raum und die Prioritätensetzung zwischen
Ballungsraum und ländlichem Raum sollten innerhalb der Strategiekommision intensiv diskutiert
werden.
3.2.2
Tarif und Vertrieb
Wesentliche Ergebnisse:
Aus den individuellen Statements ist ein Votum für die weitere Harmonisierung der Tarife
und Beförderungsbestimmungen im Freistaat ableitbar.
Neben dem Ausbau digitaler Vertriebsformen (z.B. E-Ticket) wird der sachsenweite Vertrieb
von Fahrscheinen aller Verbünde bzw. relevanten Verkehrsunternehmen auch im
personenbedienten Verkauf als Lösungsansatz gesehen.
Schlussfolgerungen:
Die
Entwicklung
sachsenweiter
Tarifangebote
und
die
Harmonisierung
der
Tarif-
und
Beförderungsbestimmungen
sowie
des
Vertriebes
sind
wichtige
Elemente
zur
weiteren
Attraktivierung des ÖPNV in Sachsen. Im Rahmen der Fachgruppenarbeit sollten diesbezügliche
Lösungsansätze aufgezeigt und bewertet werden.

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.2.3
Gestaltung der finanziellen Rahmenbedingungen für den ÖPNV
Wesentliche Ergebnisse:
Die individuellen Statements verdeutlichen die Bedeutung einer langfristig verlässlichen
Finanzierung, die auch eine entsprechende Dynamisierung der Mittel zum Abfangen
unvermeidbarer Kostensteigerungen im Zeitverlauf beinhaltet.
Es wird erwartet, dass eine Steigerung der Effizienz (Wirtschaftliche Leistungserstellung,
Auslastung) und Attraktivität (Erlöse) auch zur Kostensenkung beitragen kann.
Daneben wird von einigen Befragungsteilnehmern eine Reallokation der Mittel innerhalb des
Systems als auch von anderen Verkehrsträgern (MIV) als Lösungsansatz gesehen.
Schlussfolgerung:
Durch die Strategiekommission sollte geprüft werden, durch welche Maßnahmen auf Landesebene
und auf regionaler Ebene die erforderlichen finanziellen Rahmenbedingungen gesichert werden
können. Dies beinhaltet auch eine Prioritätensetzung bei der Verwendung der verfügbaren Mittel.
3.2.4
Weiterentwicklung der Organisationsstrukturen
Wesentliche Ergebnisse:
Aus
den
Statements
ist
ein
eindeutiges
Votum
für
eine
Verbesserung
der
aufgabenträgerübergreifenden Zusammenarbeit in den relevanten Bereichen (Angebotsplanung,
Ausschreibungsmanagement, Tarif und Vertrieb) erkennbar. Diese Zusammenarbeit sollte sich an
einer Mobilitätsstrategie für den gesamten Freistaat orientieren.
Schlussfolgerung:
Die Arbeit der Strategiekommission sollte mindestens die Grundlagen für eine sachsenweite ÖPNV-
Strategie bereitstellen, die eine koordinierte und an den Oberzielen orientierte Arbeit der einzelnen
Organisationseinheiten zulässt.

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ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.3
Finanzierungsschwerpunkte in Infrastruktur und Angebot
Ein weiterer wesentlicher Punkt war die Identifikation zukünftiger Finanzierungsschwerpunkte aus
Sicht der Stakeholder getrennt nach Infrastruktur (investiv) und Angebot (konsumtiv).
3.3.1
Investitionsschwerpunkte im sächsischen ÖPNV/SPNV (Infrastruktur)
Wesentliche Ergebnisse:
Als
Hauptschwerpunkt
künftiger
Investitionen
im
investiven
Bereich
wird
der
Telematikbereich
(Fahrgastinformationssysteme und innovative Verkehrslösungen) gesehen.
Als
weitere vordringliche Investitionsschwerpunkte
werden (im Einklang mit den in Kapitel
2.4 dargestellten Ergebnissen zur Bewertung der Infrastruktur) die
ÖSPV-Fahrzeuge sowie
ÖSPV- und SPNV-Zugangsstellen
gesehen. Investitionen in das Hauptstreckennetz der Bahn,
in multimodale Infrastruktur sowie Vertriebssysteme liegen im Mittelfeld der Bewertungen.
Als
weniger wichtig
angesehen werden Investitionen in die
Schiene im Nebennetz
, in die
ÖSPV-Infrastruktur
(trotz
des
durch
einige
Befragungsteilnehmer
attestierten
Erneuerungsbedarfes) sowie in
SPNV-Fahrzeuge
.
Schlussfolgerungen:
Im
Rahmen
der
Arbeit
der
Strategiekommission
ist
zu
prüfen,
ob
die
vorhandenen
Finanzierungsinstrumente zur Förderung innovativer Telematiklösungen sowie für die weitere
Modernisierung der Zugangsstellen (ÖSPV, SPNV) und der ÖSPV-Fahrzeuge ausreichend sind. Bei
Bedarf sind Vorschläge für alternative bzw. ergänzende Instrumente zu entwickeln.
Abbildung 3-1: Priorisierung der Investitionsschwerpunkte für Infrastruktur und Fahrzeuge
0
2
4
6
8
10
12
14
Fahrzeuge SPNV
ÖSPV-Infrastruktur
Schiene Nebennetz
Vertriebssysteme
Multimodale Infrastruktur (auch Ladeeinrichtungen…
Schiene Hauptnetz
Haltestelleninfrastruktur SPNV
Haltestelleninfrastruktur ÖSPV
Fahrzeuge ÖSPV
Innovative Verkehrslösungen (Telematik)
Fahrgastinformationssysteme
Wo sollen wir im sächsischen ÖPNV/SPNV investieren
(Infrastruktur)?

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Basisgutachten im Rahmen der Strategiekommission für einen leistungsfähigen
ÖPNV/SPNV in Sachsen / Anlage 6 Befragung Mitglieder Strategiekommission
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3.3.2
Finanzierungsschwerpunkte im sächsischen ÖPNV/SPNV (konsumtiv)
Wesentliche Ergebnisse:
Bezüglich der Investitionen in Verkehrsleistungen (=Mehrangebot) werden der SPNV im
Ballungsraum sowie der ÖSPV im ländlichen Raum als vorrangige Investitionsschwerpunkte
betrachtet. Die übrigen Auswahlmöglichkeiten wurden durch die Befragungsteilnehmer in etwa
gleich häufig genannt. Hervorzuheben sind die Themenfelder Kundeninformation, Vertrieb sowie
kundenorientierte Tarifangebote.
Abbildung 3-2: Priorisierung der Investitionsschwerpunkt im konsumtiven Bereich
Schlussfolgerungen:
Neben der Sicherstellung der ausreichenden Mittelbereitstellung für Verkehrsleistungen ist zu
prüfen, inwieweit die vorhandenen Finanzierungsinstrumente für den Betrieb der aktuellen und
künftig weiterzuentwickelnden Vertriebs- und Auskunftssysteme (bis hin zum personenbedienten
Verkauf) ausreichend sind. Daneben ist zu prüfen, wie multimodale Angebote stärker als bisher
unterstützt werden können. Dies sollte Bestandteil der Fachgruppenarbeit der Strategiekommission
sein.
0
2
4
6
8
10
12
14
Fahrgast/Kunde (Tarifangebote)
Ballungsgebiet ÖSPV
ländlicher Raum SPNV
multimodale Angebote
Vertrieb und Kundeninformation
ländlicher Raum ÖSPV
Ballungsgebiet SPNV
Wo sollen wir im sächsischen ÖPNV/SPNV investieren
(konsumtiv)?