Bericht zur 58. Sitzung der Kommission zum Schutz gegen Fluglärm und Luftschadstoffe
(FLK) für den Flughafen Leipzig/Halle (FLH) am 14.10.2020 – Stand: 03.12.2020
Als Wesentliches zur Zusammensetzung der FLK ist zu erwähnen, dass die Eurowings GmbH als
bisheriger Vertreter der Luftfahrzeughalter auf eigenen Wunsch abberufen wurde.
Die Genehmigungsbehörde sucht nach einem Nachfolger.
Die Position des stellvertretenden Vorsitzenden ist aktuell nicht besetzt, da Herr Dr. Nietzschmann
auf eigenen Wunsch abberufen wurde. Die Wahl seines Nachfolgers wird vertagt, um sie zeitgleich
mit der regulären Neuwahl des Vorsitzenden in der Frühjahressitzung 2021 abzuhalten.
Die
Genehmigungsbehörde
hat den Antrag der Stadt Schkeuditz zur Erteilung eines zweiten Sitzes
in der Kommission negativ beschieden. Oberbürgermeister Bergner teilte mit, dass die Stadt
Schkeuditz nicht mit dieser Entscheidung einverstanden ist.
Die Genehmigungsbehörde erläuterte, dass ihre Entscheidung auf objektiven Kriterien beruht. Die
Zusammensetzung der FLK darf nicht willkürlich erfolgen. Die Berufung der Mitglieder muss sich an
objektiven Kriterien ausrichten. Die Zusammensetzung der FLK muss zudem die gegensätzlichen
Interessen im Umfeld eines Flugplatzes widerspiegeln. Bei der Berufung von Mitgliedern aus den im
Bereich des Flughafens Leipzig/Halle liegenden Gemeinden ist gegenwärtig das allein
ausschlaggebende Kriterium die Lage der Gemeinde im Nachtschutzgebiet. Dabei ist für jede
Gemeinde ein Sitz vorgesehen. Weitere geeignete objektive Kriterien sind nach Überprüfung der
Sach- und Rechtslage aktuell nicht erkennbar. Im Hinblick auf den Grundsatz der Gleichbehandlung
aller Gemeinden wird die Genehmigungsbehörde an ihrer getroffenen Entscheidung festhalten. Dies
trifft ebenfalls auf den inhaltsgleichen Antrag der Stadt Leipzig zu.
Die Genehmigungsbehörde teilte mit, dass die Stelle eines Fluglärmschutzbeauftragten im Rahmen
der Haushaltsaufstellung angemeldet ist. Die finale Entscheidung obliegt nun dem Landtag.
Der
Flughafen
informierte im Zuge der regelmäßigen Berichterstattung über die
Verkehrsentwicklung, Beschwerdesituation, Fluglärmmessungen, Bahnverteilung, Nutzung der
Triebwerksprobelaufhalle und die Umsetzung der Schallschutzmaßnahmen.
Pandemiebedingt sank die Anzahl der Gesamtflugbewegungen im Berichtszeitraum (Januar bis
September 2020) um 20,1% sowie die der Fluggäste um 76,3%. Die Frachtflugbewegungen stiegen
um 4,7% und die Luftfrachttonnage wuchs um 8,1%.
Aufgrund geänderter Anflugverfahren ist eine Zunahme von Beschwerden aus den Bereichen
Landkreis Nordsachsen (Eilenburg), Saalekreis sowie Landkreis Leipzig (Markkleeberg) zu
verzeichnen.
Im Zeitraum 01.04. – 31.08.2020 gingen bei FLH ein:
- 1.928 über den DFLD generierte digitale Beschwerden von 55 Beschwerdeführern und
- 106 schriftliche und telefonische Beschwerden von 24 Beschwerdeführern.
Fluglärmmessungen ergaben, dass in Rackwitz der nächtliche Einzelschallpegel ggü. dem Vorjahr
zunahm. Bei den anderen 9 stationären Fluglärmmessstellen waren keine signifikanten
Pegelveränderungen zu verzeichnen.
Bezüglich der mobilen Messstellen kam es pandemiebedingt zu Verzögerungen bei der Abstimmung
weiterer Messungen, da die lokalen Ansprechpartner nicht verfügbar waren. Zukünftig sollen
Ansprechpartner in den Gemeinden dem Flughafen zur Kontaktaufnahme benannt werden.
Die dritte mobile Messstelle wurde Covid19-bedingt verzögert im Juni geliefert und war bis Ende
Oktober 2020 in Lützschena im Einsatz. Für die Umsetzung von Messaufgaben stehen danach drei
mobile Messstellen zur Verfügung.

Als Reaktion auf die Beschwerdesituation wird in Markkleeberg eine mobile Messstelle gegenüber
den bereits bestätigten Messungen in Gundorf und Zschortau vorgezogen eingerichtet. Dies erfolgt
nach Abschluss der Messungen in Halle/Saale sowie Landsberg.
Weiterhin wurde die beantragte Durchführung von mobilen Messungen in Teutschenthal (OT
Zscherben), Salzatal (OT Schiezig) und Merseburg (Hohendorfer Marke) durch die FLK bestätigt.
Zur Bahnverteilung berichtete der Flughafen, dass auf Grund der pandemiebedingten
Verkehrsrückgänge der Betrieb der Nordbahn tagsüber weitestgehend eingestellt und der
verbleibende Luftverkehr über die Südbahn abgewickelt wurde. Im Berichtszeitraum (01.04. –
31.08.2020) betrug die gesamte Benutzungsanteil der Nordbahn 13,5 %. In der Nachtzeit stieg ihr
Benutzungsanteil auf 14,3%.
Bei der Umsetzung der von der Planfeststellungsbehörde verfügten passiven Schallschutz-
maßnahmen sind keine signifikanten Änderungen zu verzeichnen. 97,8 % der Anträge sind
abschließend bearbeitet.
Bei der Nutzung der Triebwerksprobelaufhalle sind keine signifikanten Änderungen zu verzeichnen.
Im Zeitraum Jan. bis Aug. 2020 fanden 190 Triebwerksprobeläufe statt, davon 148 (77,9 %) in der
Triebwerksprobelaufhalle und keine außerhalb des Triebwerkprobelaufstandes in der Zeit zwischen
22:00 Uhr und 06:00 Uhr.
Im Änderungsgenehmigungsverfahren Triebwerksprobeläufe bewertet derzeit die Genehmigungs-
behörde die durch den Flughafen auf Anforderung nachgereichten Unterlagen (FFH-
Verträglichkeitsprüfungen und Aussagen zu Möglichkeiten der baulichen Ertüchtigung der
Triebwerksprobelaufhalle).
Der Flughafen berichtete erneut über die Flugbewegungen der AN 26, AN 12, AN 22 und AN 124
von 2015 bis Aug. 2020. Die Anzahl der Flugbewegungen der AN12 hat sich von 483 im Jahr 2019
auf 40 im Jahr 2020 (Stand August) reduziert. Dies bewirkte spürbare Entlastung für Lärmbetroffene
im Flughafenumfeld.
Des Weiteren informierte er über die laufenden Projekte zum Biomonitoring. Bei dem von März bis
August 2020 an 8 Standorten durchgeführten Biomonitoring mit Weidelgras wurden „keine
relevanten über die Hintergrundbelastung reichenden Immissionseinflüsse aus dem
Flughafenbetrieb an den jeweiligen Messpunkten im Umland“ festgestellt. Der Flughafen verkündete
die Veröffentlichung des finalen Berichts auf seiner Homepage.
Des Weiteren sind 10 Bienenvölker in den Orten Döllnitz, Röglitz und Papitz angesiedelt. Die jährlich
von einem Labor untersuchten Honigproben wiesen sowohl 2019 als auch in den vergangenen
Jahren keine Belastungen auf. Die Laborberichte sind auf der Homepage des Flughafens abrufbar.
Die
DFS
präsentierte den ersten Zwischenbericht zu den neuen, zum 30.01.2020 eingeführten
Anflugverfahren RNAV-1 STAR, welche eine Kapazitätserweiterung im Anflugbereich ermöglichen.
Die Umsetzung der neuen Anflugverfahren verlief problemlos. Der Vergleich der Flugspuren der
Jahre 2014, 2019 und 2020 bestätigt die deutliche Entlastung der Städte Leipzig und Halle.
Die zunehmende Betroffenheit der Städte Eilenburg und Markkleeberg spiegelt sich in der aktuellen
Beschwerdesituation wider.
Da die Stadt Markkleeberg sehr ruhige Gebiete aufweist, nehmen nach Einschätzung des
Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie die Bürger den Fluglärm stärker
wahr. Ferner kann beim Überflug von Seen eine Schallreflektion stattfinden, die zur Verstärkung des
Lärms führt.
Laut DFS befinden sich 95% der Flüge in dem vorgeschriebenen Flugkorridor, bei dem Rest handelt
es sich um notwendige Einzelfreigaben.

Der FLK-Vorsitzende betonte, dass sich die Kommission im Jahr 2019 intensiv mit den von der DFS
vorgeschlagenen Alternativvarianten auseinandergesetzt und sich auf Grundlage der Betroffenheits-
analyse für die Variante mit der geringsten Betroffenheit ausgesprochen hat. Aus dem Beschluss
der 56. Sitzung geht eindeutig hervor, dass es sich bei der Implementierung der neuen
Anflugverfahren um keinen zeitlich begrenzten Probebetrieb handelt.
Vertreter der Planfeststellungsbehörde (Landesdirektion Sachsen (LDS)) informierten die Mitglieder
der FLK über den vorgesehenen Verfahrensablauf zur Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger
öffentlicher Belange bezüglich des
Antrages der Flughafen Leipzig/Halle GmbH vom 12.08.2020 zur
Änderung des Planfeststellungsbeschlusses für das Vorhaben „Ausbau des Verkehrsflughafens
Leipzig/Halle, Start- und Landebahn Süd mit Vorfeld“ (15. Planänderung)
.
Die Antragsunterlagen sind im Zeitraum vom 16.11.2020 bis zum 15.12.2020 online bzw. in den
Gemeinden und Städten einsehbar. Die Einwendungsfrist sowie die Frist zur Abgabe der
Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange (TÖB) endet mit Ablauf des 15.02.2021. Nach
Sichtung und erster Bewertung der Einwendungen / Stellungnahmen wird die LDS den Antragsteller
um Abgabe von Stellungnahmen dazu auffordern und zu einem Erörterungstermin einladen.
Die FLK wird als TÖB beteiligt. Zur Erarbeitung eines Entwurfes für die Stellungnahme im
Planänderungsverfahren hat sie die Bildung einer Arbeitsgruppe (aus 12 Mitgliedern) beschlossen.
Für die Beschlussfassung zur Stellungahme wurde eine Sondersitzung der Kommission anberaumt.
Ein Antrag des Saalekreises auf gleichmäßige Auslastung der Nord-und Südlandebahn wurde
mehrheitlich bestätigt. In der Diskussion dazu wiesen die Vertreter der DFS und die
Flughafengesellschaft auf die Notwendigkeit baulicher und operativer Anpassungen zur Erfüllung
der Flugsicherheitsanforderungen hin. Die Kommission wurde bereits in der 57. Sitzung über den
Terminplan für die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen informiert. Auch ein Antrag der Stadt
Leipzig auf schnellstmögliche Umsetzung dieser Maßnahmen fand mehrheitlich Zustimmung in der
Kommission. Die DFS wird in der nächsten Sitzung über die Sachstände und weitere Aktivitäten zu
den notwendigen Anpassungen informieren.
Die Anträge „Einführung lärm- und emissionsabhängiger Start-/Landeentgelte“ und „Differenzierung
der Entgelte nach Tag/Nacht“ wurden zurückgestellt sowie abgelehnt.
Die Flughafengesellschaft versicherte, dass sie die Entgeltordnung regelmäßig überprüft und aktuell
an einer Anpassung arbeitet. Sie ist zuversichtlich, diesbezüglich in der Frühjahressitzung 2021
einen neuen Sachstand geben zu können.
Zum Schluss informierte der Flughafen über die im Jahr 2021 bevorstehende Sanierung der Start-
und Landebahn Nord. Auf Grund einer Schädigung der Deckschicht, umgangssprachlich als
Betonkrebs bezeichnet, ist der Austausch der oberen Betonschicht notwendig. Zur Durchführung
der notwendigen Arbeiten ist die Schließung der SLB Nord voraussichtlich im Zeitraum April bis
Oktober 2021 vorgesehen.
Zur Untersuchung von Möglichkeiten der Anwendung veränderter lärmärmerer Abflugverfahren am
Flughafen Leipzig/Halle unter Einbeziehung der CO
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-Bilanz hat das Sächsische Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Ausschreibung für eine Studie laufen. Es wird darüber in
der nächsten Sitzung weiterberichten.
Für die anstehende Neuwahl des Vorsitzenden der FLK und seines Stellvertreters können die
Mitglieder Vorschläge an die Genehmigungsbehörde (das SMWA) übermitteln.
Der Termin für die reguläre Sitzung im Frühjahr wird in der Sondersitzung am 28.01.2021 festgelegt.
Steffen Schwalbe
Vorsitzender der Fluglärmkommission für den Flughafen Leipzig/Halle