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denkmalfachlich-konservatorisches Gutachten
zu Varianten des Hochstraßenausbaus

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Auftraggeber
LANDESAMT FÜR DENKMALPFLEGE
Referat II.3
Schloßplatz 1 | 01067 Dresden
Betreuung:
Dipl.-Ing. Henrike Schwarz
Referentin für Gartendenkmalpflege
Auftragnehmer
l a n d s c h a f t s A R C H I T E K T U R b ü r o
von Gagern
Oskarstraße 3 | 01219 Dresden
buero@von-gagern.de
Bearbeitung:
Dipl.-Ing.
Volker von Gagern
Dipl.-Ing.
Maxim von Gagern
B. Sc.
Deborah Springmann
Februar 2018
Überarbeitung: September 2018
Inhaltsverzeichnis
1 | Anlass und Aufgabe
3
2 | Vorgehensweise
4
3 | Planungsrechtliche Vorgaben
6
4 | Geschichtlicher Abriss
7
5 | Denkmalschutzrechtliche Bedeutung
11
6 | Bedeutung für die Erholung
12
7 | Vorbelastungen
14
8 | Betroffene Schutzziele
18
8.1 | Betroffene Einzeldenkmale / Parkelemente
20
8.2 | Betroffene Parkstrukturen
24
9 | Variantenbetrachtung
28
9.1 | Variante Brücke
32
9.2 | Variante Trog
40
9.3 | Variante Tunnel
48
9.4 | Variante Tunnel ebenerdig
56
9.5 | Variantenvergleich
64
10 | Empfehlung
76
11 | Zusammenfassung
77
12 | Quellenverzeichnis
78
13 | Abbildungsverzeichnis
78
GESAMTFAZIT
HAUPTTEIL
VORBETRACHTUNGEN
2 | 80

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1 | Anlass und Aufgabe
Im Dezember 2017 beauftragte das Landesamt für
Denkmalpflege (LfD) das landschaftsARCHITEK-
TURbüro von Gagern mit der Erarbeitung eines
denkmalfachlich-konservatorischen Gutachtens.
Inhalt des Gutachtens ist die vergleichende Betrach-
tung von vier möglichen Varianten des Ausbaus der
Bundesstraße 2 im Bereich des agra-Parks bei Leipzig
unter denkmalfachlichen Gesichtspunkten. Es kom-
men die Varianten Brücke, Trog und Tunnel (mit
zusätzlicher Untervariante „ebenerdiger Tunnel“) in
Betracht. Die drei Varianten sind in einer Vorunter-
suchung des Landesamtes für Straßenbau und Ver-
kehr (LASuV) erarbeitet worden und dienen als Basis
für dieses Gutachten. Die entsprechenden Unterlagen
(Lagepläne und Schnitte) aus der Voruntersuchung
liegen für die drei Hauptvarianten in Papierform vor.
In diesem Gutachten liegt der Fokus der Bearbeitung
auf der Frage, welche Auswirkungen diese vier Vari-
anten auf das Gartendenkmal agra-Park und dessen
denkmalpflegerische Schutzziele haben. Es werden
ausschließlich die durch die Neuplanungen betrof-
fenen Parkteile hinsichtlich ihrer Empfindlichkeit
gegenüber den Veränderungen untersucht. Es ist
ausdrücklich nicht Aufgabe des Gutachtens, eine ge-
samtheitliche Betrachtung des Denkmalwertes oder
eine denkmalpflegerische Zielkonzeption anzustre-
ben.
Zu den betroffenen Parkbestandteilen zählen neben
baulichen und gartengestalterischen Elementen
(Architekturen und Kleinarchitekturen, besondere
Gartensituationen) auch raumbezogene Strukturen,
die dem Gesamtgefüge des Gartendenkmals Rech-
nung tragen: die
Blickbeziehungen und Raumfol-
gen
. Sie werden in diesem Gutachten unter dem Be-
griff Parkstrukturen zusammengefasst. Aufgrund der
Geschichte und Bedeutung des Parks als öffentliche
Anlage wird die Wahrnehmbarkeit der Varianten und
deren Wirkung auf das Parkerlebnis ebenfalls in die-
sem Gutachten betrachtet.
Abb. 01: Der agra-Park aus der Luft (eigene Darstellung).
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2 | Vorgehensweise
Gemäß § 8 des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes
(SächsDSchG) sind Kulturdenkmale von ihren Be-
sitzern und Eigentümern im Rahmen des Zumutba-
ren denkmalgerecht zu erhalten und vor Gefährdung
zu schützen (§ 8 Abs. 2 SächsDSchG). Das Ziel des
Gutachtens ist die Empfehlung der denkmalfachlich-
konservatorisch günstigsten Variante der Sanierung
der B2 in ihrem Verlauf durch das Gelände des ag-
ra-Parks. Die vergleichenden Betrachtung der vier
möglichen Varianten hinsichtlich ihrer Wirkung auf
betroffene denkmalpflegerische Schutzziele stellt die
Grundlage für das Ergebnis des Gutachtens dar.
Hauptgliederungspunkte der Aufgabenstellung
sind:
1. Vertiefung der im Rahmen der ausführlichen
Denkmalbegründung des Landesamtes für Denk-
malpflege (LfD) getroffenen denkmalfachlichen Aus-
sagen zum agra-Park mit Darlegung der denkmal-
pflegerischen Schutzziele.
2. Vertiefung der vom LfD in seiner Stellungnahme
vom 9. November 2015 getroffenen denkmalfachli-
chen Aussagen zu den Auswirkungen der verschiede-
nen Varianten Brücke - Tunnel - Trog in Bezug auf
das Kulturdenkmal agra-Park. Hierbei ist insbeson-
dere darzulegen, inwieweit die Schutzziele durch die
jeweilige Variante beeinträchtigt werden.
3. Darstellung der Genehmigungsfähigkeit der ver-
schiedenen Varianten aus denkmalfachlich-konser-
vatorischer Sicht. In diesem Punkt ist zudem qualita-
tiv darauf einzugehen, wie
a) die Vorbelastungen (u. a. Störungen der
Gartenanlage einschließlich ihrer Blickbezie-
hungen) und
b) die Deichanlagen der Pleiße
im Gartenraum zu bewerten sind.
4. Erstellen einer Fotosimulation, die für fünf ausge-
wählte Blickbeziehungen die Wirkung der jeweiligen
Lösungsvariante Brücke - Trog - Tunnel - Tunnel
ebenerdig auf den agra-Park dokumentiert.
Es hat sich im Zuge der Bearbeitung gezeigt, dass die
Gliederung des Gutachtens einen feingliedrigeren
Aufbau erfordert, als die vier Hauptpunkte der Auf-
gabenstellung vorgeben. Um dennoch den Zusam-
menhang zur Aufgabenstellung nicht zu verwischen,
wird im Folgenden der Aufbau und die Vorgehens-
weise des Gutachtens, bezogen auf die vier Hauptglie-
derungspunkte der Aufgabenstellung, erläutert.
VORBETRACHTUNGEN
Kapitel 3 „Planungsrechtliche Vorgaben“
Das Gutachten beginnt mit einer kurzen Darstellung
der rechtlichen Grundlagen, auf Grund derer der
Park und die sich darin befindlichen Objekte unter
Denkmalschutz gestellt wurden.
Dies korrespon-
diert mit den Punkten 1 und 2 der Aufgabenstel-
lung.
Die Kartengrundlage für die denkmalrechtliche
Situation des Geländes wurde durch das LfD zur Ver-
fügung gestellt.
Kapitel 4 „Geschichtlicher Abriss“
Zur Geschichte des Parks sind Aussagen in der aus-
führlichen Denkmalbegründung (
siehe Aufgaben-
stellung Punkt 1
) und in den denkmalpflegerischen
Rahmenzielstellungen für die beiden Parkteile ent-
halten (Leipziger Seite und Markkleeberger Seite).
Auf diese Rahmenzielstellungen wird in der Aufgabe
hingewiesen.
Kapitel 5 „Denkmalrechtliche Bedeutung“
Im Kapitel 5 wird die Bedeutung des agra-Parks aus
denkmalrechtlicher Sicht aufgeführt. Dieses Kapitel
gliedert sich in geschichtliche, künstlerische, wissen-
schaftliche, städtebauliche und gartengestalterische
Bedeutung des Parks und das öffentliche Interesse an
der Erhaltung des Parks als Kultur-Denkmal.
Kapitel 6 „Bedeutung des Parks für die Erholung“
In diesem Kapitel wird die Bedeutung des Parks für
die Grünversorgung der Städte Markkleeberg und
Leipzig erörtert.
HAUPTTEIL
K
apitel 7 „Vorbelastung“
In diesem Teil des Gutachtens wird die aktuelle Vor-
belastung des agra-Parks analysiert.
Dies korrespon-
diert mit dem Punkt 3 der Aufgabenstellung
.
Kapitel 8 „Betroffene Schutzziele“
Für den Vergleich der Varianten und deren Auswir-
kungen ist im Vorhinein eine vertiefende Betrach-
tung der Schutzziele des Parks notwendig.
Dies folgt
aus den Punkten 1 und 2 der Aufgabenstellung.
Da
sich das Gutachten ausschließlich mit den Auswir-
kungen der Varianten beschäftigt, werden diejenigen
Schutzziele identifiziert, die durch die Sanierung der
bestehenden Hochstraße betroffen sind.
Die Schutzziele werden in Parkelemente (Kapitel 8.1)
und Parkstrukturen (Kapitel 8.2) gegliedert, die zu-
sammen das Parkgefüge ergeben.
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Kapitel 9 „Varianten“
Den Kern des Gutachtens stellt die vergleichbare
Aufbereitung der Varianten Brücke, Trog, Tunnel
und Tunnel ebenerdig hinsichtlich ihrer Auswirkun-
gen auf die zuvor identifizierten, betroffenen Parkele-
mente und -strukturen.
Dies korrespondiert mit den
Punkten 3 und 4 der Aufgabenstellung.
Vor dem
Vergleich werden die verwendeten Bewertungskri-
terien erläutert und deren Ausprägungen dargestellt.
Für jede Variante wird zunächst die technische Aus-
gestaltung und Dimensionierung erläutert. Auch
möglicherweise auftretende baubedingte Belastun-
gen (Grundwasserabsenkung, Erdankereinsatz) und
denkbare Veränderungen der Bodenmodellierung
werden an dieser Stelle behandelt. Um die techni-
sche Ausgestaltung aller vier Varianten vergleichend
betrachten zu können, wird diese jeweils mittels ei-
ner Gruppe von Bewertungskriterien abgeprüft. Die
Wertung gibt Aufschluss darüber, welche Dominanz
das jeweilige Bauwerk entwickeln kann.
Die zuvor als wichtige Teile der Parkstruktur erfass-
ten Blickbeziehungen werden in Form von Visuali-
sierungen hinsichtlich der Beeinträchtigung durch
die jeweilige Variante nebeneinander gestellt. Eine
verbal-argumentative Bewertung der Auswirkungen
auf Parkelemente und -strukturen wird für die Blick-
beziehungen erarbeitet. Unter dem Punkt „Fazit“
werden die Auswirkungen jeder Variante zusammen-
fassend und inhaltlich verknüpft betrachtet. Außer-
dem erfolgt an dieser Stelle für jede Variante die Be-
wertung anhand von Bewertungskriterien nach zwei
thematischen Aspekten. Es werden die Denkmal-
verträglichkeit der Variante und ihr Einfluss auf das
Parkerlebnis bewertet (siehe Hinweis „Relevanz des
Parkerlebnisses für das denkmalfachlich-konservato-
rische Gutachten“).
Im Kapitel 9.5 „Variantenvergleich“ werden alle Er-
gebnisse der Variantenbetrachtungen gegenüberge-
stellt. Die Visualisierungen werden aus Gründen der
Nachvollziehbarkeit im Nachgang des Variantenver-
gleiches gesondert in verschiedenen Kombinationen
aufgezeigt.
GESAMTFAZIT
Kapitel 10 „Empfehlung“
Kapitel 9.5 „Variantenvergleich“ dient als Grundla-
ge für die begründete Empfehlung des Gutachters
für eine Vorzugsvariante im zehnten Kapitel.
Damit
wird Punkt 3 der Aufgabenstellung berücksichtigt.
Kapitel 11 „Zusammenfassung“
Um dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich in kur-
zer Zeit einen Überblick über die Darstellungen des
Gutachtens zu verschaffen, erfolgt im Kapitel 11 eine
Zusammenfassung der wichtigsten Inhalte.
Hinweis: Relevanz des Parkerlebnisses für das
denkmalfachlich-konservatorische Gutachten
Der agra-Park ist Bestandteil einer Parklandschaft
entlang der Fließgewässer Pleiße und Floßgraben, de-
ren andere Anlagen im Zuge des Braunkohleabbaus
im Süden Leipzigs stark umgeformt, reduziert oder
gänzlich verschwunden sind. (Trajkovits (2017):
3f) Spätestens seit den 1950er Jahren besitzt der Park
als öffentliche Grünfläche eine hohe Bedeutung für
die Erholung (siehe Kapitel 4, 4. Phase der Parkent-
wicklung). Insofern stellt seine Nutzbarkeit und der
Zugang als Erholungspark einen wichtigen Aspekt
seiner Erhaltung als Denkmal dar. (§ 9 SächsDSchG)
Voraussetzung für die Erholungsfunktion ebenso wie
für die Rezeption der Gartengestaltung ist das unge-
störte Parkerlebnis der Besucher. Eine Störung der
sinnlichen Wahrnehmung des Parks ist insofern für
dieses Gutachten denkmalfachlich-konservatorisch
relevant. Sie wird anhand einer kriterienbasierten
Bewertung des Einflusses der Varianten auf das Park-
erlebnis betrachtet.
Hinweis: Gehölze in den Visualisierungen
Der Bereich der Hochstraße ist derzeit von einem teils
dichten Gehölzstreifen begleitet. Die vorhandenen
Bäume stammen jedoch nur teilweise aus der histo-
rischen Parkgestaltung. Die ursprüngliche Durch-
sichtigkeit bzw. die bewusst angelegten Durchblicke
wurden wegen der Hochstraße nicht weiter erhalten.
Stattdessen wurde das Ziel verfolgt, mit einer Verdich-
tung des Gehölzbestandes das technische Bauwerk zu
verdecken. Das hat zur Folge, dass alle durch die Brü-
cke beeinträchtigten Blickbeziehungen inzwischen
auch durch den Gehölzstreifen beeinträchtigt sind. In
den Visualisierungen werden die Blickbeziehungen
entsprechend des denkmalfachlich-konservatorisch
relevanten Bestandes dargestellt. Diese Entscheidung
geht von der Annahme aus, dass bei einer geänderten
Situation bezüglich der B2 auch das Gehölzkonzept
des Parks nach denkmalpflegerischen Prämissen wei-
terentwickelt wird.
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3 | Planungsrechtliche Vorgaben
Das gesamte Gelände des agra-Parks, nebst den
darin enthaltenen Gebäuden und Skulpturen, ist
als Kulturdenkmal im Sinne einer Sachgesamt-
heit (§ 2 Abs. 1 SächsDSchG) ausgewiesen. Da-
rüber hinaus ist der Park als Einzeldenkmal im
Sinne eines Gartendenkmals (§ 2 Abs. 5 Buchst.
c SächsDSchG) ausgezeichnet. Mehrere Gebäu-
de, sowie zahlreiche Skulpturen und Parkele-
mente sind zudem als Einzeldenkmal (§ 2 Abs.
5 Buchst. a, f und h SächsDSchG) ausgewiesen.
Dem Park als solches und den Einzeldenkma-
len ist ein hoher denkmalpflegerischer Wert
zuzuschreiben. Dies geht mit einer besonderen
Schutzwürdigkeit gegenüber störenden Einflüs-
sen einher.
Der zu untersuchende Sanierungsabschnitt der
Bundesstraße 2 liegt nicht vollständig innerhalb
der geschützten Bereiche des agra-Parks. Jedoch
ist auch die Umgebung eines Kulturdenkmals
Gegenstand des Denkmalschutzes, soweit sie
für dessen Bestand oder Erscheinungsbild von
erheblicher Bedeutung ist. (§ 2 Abs. 1 SächsD-
SchG) Insofern sind die Varianten für das Gut-
achten denkmalfachlich-konservatorisch rele-
vant, auch wenn sie sich außerhalb der gesetzlich
geschützten Bereiche befinden.
Abb. 02: Denkmalkartierung des Freistaates Sachsen (LfD 2018).
VORBETRACHTUNGEN
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4 | Geschichtlicher Abriss
1. Phase: 1890-1920, Aufbau des Westparks durch
Paul Herfurth
Die Geschichte des agra-Parks begann um 1890 mit
dem Erwerb einiger Wiesen südlich des Ritterguts
Raschwitz von Walter Kees durch den reichen Fir-
menerben Paul Herfurth. (DRZ Leipzig (2008): 7)
Bevor es zu einer künstlerischen Gestaltung des Ge-
ländes durch Herfurth kam, ließ dieser den Bereich
mit einem Damm vor Hochwasser schützen. (Hab-
erkern (2001): 11) 1896/97 folgte der Bau einer Vil-
la, welche heute als „Weißes Haus“ bezeichnet wird.
(DRZ Leipzig (2008): 7)
Das Weiße Haus sollte als Sommersitz der Familie
dienen und war im neoklassizistischen Stil errichtet
worden. Der Architekt Gustav Hempel orientierte
sich bei der Gestaltung an dem in Versailles erbau-
ten „Petit Trianon“ von 1762/66. (DRZ Markkleeberg
(2003): 10) Um die Jahrhundertwende entstanden
noch weitere Gebäude, so etwa das „Schweizer Haus“
und der „Musentempel“. (Ebd.)
Besondere Bedeutung wurde dem sogenannten „Tem-
pel am Wehr“ zuteil: das Gebäude war als halbrunder
Gartentempel erbaut worden, um welchen zahlreiche
Fichten gepflanzt wurden. Der helle Tempel wurde so
vor seinem dunklen Fichten-Hintergrund besonders
betont und zeichnete sich durch seine Fernwirkung
im Park aus. Sowohl beim Betreten des Parks durch
das Tor im Norden, als auch bei einem Spaziergang
über den Rundweg konnte man das Gebäude sehen.
Der Tempel selbst wurde zusätzlich durch eine He-
ckenrosenpflanzung geschmückt. Das Gebäude wies
einen inhaltlichen Bezug zum Weißen Haus und dem
Musentempel auf. (DRZ Leipzig (2008): 7)
Das Parkgelände als solches wurde im sogenannten
„gemischten Stil“ angelegt, da es sowohl formale-ar-
chitektonische als auch landschaftliche Teile enthielt.
(Ebd.) Diese Gestaltung gilt zudem als wichtiges Bei-
spiel für einen Villengarten der Lenné-Meyer-Schule,
welche die Gartenkunst in der zweiten Hälfte des 19.
bis ins frühe 20. Jahrhundert stilbildend bestimmte.
(Trajkovits (2017): 4)
Der Bereich um das Weiße Haus wurde durch ein
großes Rondell auf der Westseite, eine Terrasse und
eine axiale Treppe auf der Ostseite ergänzt. Im rest-
lichen Parkgelände herrschte der sogenannte land-
schaftliche Stil. Dieser Stil war durch die Gestaltung
mittels natürlich anmutender Elemente geprägt: ge-
schwungene Wege, weite Wiesen, der große Teich
und die Pleiße bestimmten das Parkbild. (DRZ Leip-
zig (2008): 7f)
Begrenzt wurde die Landschaft durch dichte Gehölz-
gruppen, die das Gelände räumlich strukturierten
und nach Westen hin abgrenzten. Außerdem wurden
Abb. 03: Plan des Herfurther Parks, um 1931 (Seelemann 2017).
VORBETRACHTUNGEN
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zusätzlich kleinere Schmuckelemente eingebracht.
So befanden sich am Weißen Haus ein Brunnen und
zwei Löwenplastiken, eine zweigeteilte Pergola über-
spannte einen Teil des Dammweges und zahlreiche
Steinbänke säumten das Parkgelände. (DRZ Leipzig
(2008): 8)
2. Phase: 1920-1945, Erweiterung über die Pleiße
Während der 1920er Jahre erwarb Paul Herfurth Län-
dereien zwischen der Pleiße und dem Pleißemühlgra-
ben. Dadurch wurde der Park nach Osten hin vergrö-
ßert. (DRZ Leipzig (2008): 8) Der neu erschlossene
Bereich wurde zunächst nur sporadisch gestaltet.
Weite Wiesen dominierten den östlichen Teil des
Parks (siehe Abb. 04). (Ebd.) Es wurden jedoch zahl-
reiche Plastiken, insbesondere Musen, hinzugefügt.
(DRZ Leipzig (2008): 8f) Die durch die Pleiße ge-
teilten Parkhälften ließ Herfurth mit drei Brücken
verbinden. Die Wege hinter den Brücken wurden
nach Vorbild der westlichen Parkhälfte gestaltet, um
somit einen zusammenhängenden Gesamteindruck
zu erzeugen. (DRZ Leipzig (2008): 8)
Auch wurden
zahlreiche Blickbeziehungen zwischen den beiden
Parkhälften geschaffen, zum Beispiel von der wei-
ten Wiesenfläche im neuen östlichen Teil des Parks
über die Pleiße zum Weißen Haus (vgl. Kapitel 6.2).
Umliegende Landschaften wurden nicht in den Park
miteinbezogen. Durch die dichte Anpflanzung von
Gehölzgruppen konnten parkfremde Einflüsse unter-
bunden werden. (Ebd.)
3. Phase: 1945-1956, der Herfurth‘sche Park als
Ausstellungsgelände der DDR
Die DDR nutzte den Park ab 1948 als Ausstellungs-
gelände für zahlreiche Gartenbauausstellungen. Zu-
nächst wurden diese Ausstellungen nur auf dem
westlichen Teil des Parks veranstaltet. Mit Vergröße-
rung der Ausstellung wurde ab 1950 auch der östliche
Teil mit einbezogen. (DRZ Leipzig (2008): 12)
Im Rahmen der Veranstaltungen von 1950 kam es zu
einer Umgestaltung des östlichen Parkteils. Bis auf
wenige Ausnahmen betraf dies sämtliche Elemente.
So wurde das Wegesystem fast gänzlich durch ein
neues ersetzt und mit einer weiteren Brücke ergänzt.
Die weiten Wiesen, die zuvor das östliche Parkge-
lände dominierten, wurden in eine Freilandausstel-
lungsfläche umfunktioniert. (DRZ Leipzig (2008):
12f) Zudem wurden 1951 mehrere Gebäude hinzu-
gefügt. Neben einem Restaurant, dem Vorgänger der
heutigen Parkgaststätte, wurden fünf Gebäude im
Abb. 04: Achse vom weißen Haus in den östlichen
Parkteil, um 1934 (Haberkern 2001).
VORBETRACHTUNGEN
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südlichen Bereich des Parks errichtet. Dabei bildete
eins der Gebäude, die Halle der VVG-Gartenbau, das
neue gestalterische Zentrum des Ostteils. (Ebd.) Im
Gegensatz zum östlichen Parkteil blieb der westliche
Teil größtenteils in seinem damaligen Zustand. Teile
der Ausstellung wurden hier in das bestehende Sys-
tem eingebettet. Lediglich die Plastiken und Skulp-
turen verschwanden nahezu gänzlich und wurden
durch neue ersetzt. (DRZ Leipzig (2008: 13)
4. Phase: 1956-1970, Erholungspark
Ab 1956 wurde der Park, insbesondere der östliche
Teil, zunehmend in ein Erholungsgebiet umgewan-
delt. So wurde die Freilandausstellungsfläche im Zen-
trum des Ostteils als „Große Sommerblumenwiese“
in ihren ursprünglichen Charakter, ergänzt durch
Staudengärten, zurückgeführt. (DRZ Leipzig (2008):
14)
Ebenso wurde das im Norden gelegene Restaurant
durch den Neubau der heutigen Parkgaststätte er-
setzt. Die Parkgaststätte orientiert sich am klassizisti-
schen Stil, geprägt durch schlanke Säulenkolonnaden
und eine symmetrische Fassade. Ihr Grundriss ist
konkav zur Parkseite hin angelegt. Dem gegenüber
steht der zentrale Eingang, welcher halbkreisförmig
in den Park hineinragt. (Ebd.)
Durch die Dominanz
der Parkgaststätte ergaben sich zahlreiche Blickbe-
ziehungen zu anderen Teilen des Parks.
Das bisher
dominierende Gebäude, die Halle des VVG-Gar-
tenbau, wurde beseitigt. Andere Ausstellungshallen
wurden ebenfalls entfernt oder für die Erholung um-
funktioniert. (Ebd.) Im westlichen Park wurden die
Hauptachse und das Vorfahrts- und Brunnenrondell
am Weißen Haus beseitigt. Starke Veränderungen
gab es insbesondere im Bereich des Teiches. So wurde
die Insel auf dem See zu einer Halbinsel umgestaltet.
(DRZ Leipzig (2008): 15) 1960 zog die Gartenbau-
ausstellung nach Erfurt. Daraufhin folgte die nahezu
vollständige Umwandlung des Geländes in ein Er-
holungsgebiet. Viele verbliebene Ausstellungshallen
wurden entfernt und die dazugehörigen Flächen
neu bepflanzt. Es entstanden zahlreiche Bereiche zur
Erholung, wie Spielbereiche oder Sitzplätze. Durch
zahlreiche Staudengärten und den Rosengarten blieb
der Blumenreichtum, für den das Gelände zu Zeiten
der Ausstellung bekannt war, erhalten. (DRZ Mark-
kleeberg (2003): 14)
In direkter Nachbarschaft und teilweise im Parkge-
lände fand jedoch weiterhin die später für den Park
namensgebende Landwirtschaftsausstellung der
DDR, die AGRA oder auch agra, statt. (DRZ Leipzig
(2008): 15)
5. Phase: 1970-1989, Hochstraßenbau und Teilung
des Herfurth‘schen Parks
In den 1970er Jahren kam es zu einer starken Ver-
änderung des Parks. Im Zuge des Kohleabbaus im
Leipziger Süden mussten zwei Straßen verlegt wer-
den. Man entschied sich für die Zusammenführung
beider Straßen in Form einer Hochstraße, die paral-
VORBETRACHTUNGEN
Abb. 05: Tempel am Wehr (Haferkorn).
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lel zur Pleiße durch den Park verlaufen sollte. (DRZ
Markkleeberg (2003): 14) Damit wurde der Park
in zwei Hälften zerschnitten. Die intensiven Baumaß-
nahmen führten außerdem zu einer Überprägung der
Originalsubstanz des ursprünglichen Herfurth‘schen
Parks. (DRZ Leipzig (2008): 16)
Ebenso wurden die Teichbereiche im Zuge des Baus
stark verändert. So wurde ein durch den Bau beein-
trächtigter Rosengarten an den großen Teich versetzt.
Das Pleiße-Wehr wurde in einen kleinen Teich umge-
baut, was die Umgebung des dort befindlichen Tem-
pels gänzlich veränderte. (Ebd.)
Neben dem Bau der Hochstraße fanden neue Stil-
Elemente Einzug in den Park. Geometrische Formen,
Betonfertigteile und eine funktionale Gestaltung
prägten nun das Gelände. (DRZ Markkleeberg
(2003): 15) Die farbenfrohen Staudenpflanzungen der
1950er Jahre wurden durch Koniferen und durch den
verstärkten Einsatz von Beet-Rosen ersetzt. (Ebd.)
Zum Ende der 1980er Jahre orientierte sich die Ge-
staltung des agra-Parks wieder stärker am ursprüng-
lichen Herfurth‘schen Park. So wurde das Vorfahrts-
rondell am Weißen Haus wiederhergestellt und eine
halbrunde Terrasse angelegt. Ehemaligen Plastiken,
ebenso wie Duplikate verlorener Modelle, wurden
neu aufgestellt. (DRZ Markkleeberg (2003): 15)
6. Phase: 1990-2018: Verfall des Parks und Wieder-
belebung
Mit Beginn der 1990er Jahre rückte der Park aus dem
Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Er verfiel
zusehends und die Parkgaststätte wurde geschlossen.
(DRZ Leipzig (2008): 17) In etlichen Bereichen des
Parks kam es zu Wildaufwuchs. (Ebd.) In dieser Zeit
gab es im östlichen Teil des Parks keine größeren Ver-
änderungen bis zur Übernahme der Parkgaststätte
durch einen neuen Betreiber, der das Gebäude sanie-
ren ließ. (Ebd.) Im westlichen Parkteil fanden Aus-
stellungen zur deutschen Landwirtschaft statt. Die
verantwortliche Gesellschaft errichtete hierfür eigens
VORBETRACHTUNGEN
Abb.
Parkgas
Haber
ein Museum, welches bereits 2001 wegen Insolvenz
der Gesellschaft schließen musste. (Ebd.) Heute dient
das Gebäude als Fotomuseum mit wechselnden Aus-
stellungen.
Die Insel des Musentempels im Teich wurde mit
der dazugehörigen Brücke entsprechend dem
Herfurth´schen Vorbild im Jahre 2000 wieder herge-
richtet. (DRZ Markkleeberg (2003): 15)
Das Schweizer Haus wurde zeitweise als Blumenladen
genutzt. (DRZ Leipzig (2008): 18) Das Weiße Haus
dient heute als Musikschule und Standesamt. Es kann
außerdem für Veranstaltungen gemietet werden.
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5 | Denkmalschutzrechtliche Bedeutung
Dem agra-Gelände bzw. dem Herfurther Park kommt
eine hohe denkmalschutzrechtliche Bedeutung zu.
Dies drückt sich rechtlich in seiner Ausweisung als
Sachgesamtheit im Sinne von § 2 Abs. 1 SächsDSchG
aus, an deren Erhalt ein öffentliches Interesse besteht.
Dieses Interesse schöpft sich aus der Bedeutung des
Geländes in geschichtlicher, künstlerischer, wissen-
schaftlicher, städtebaulicher und landschaftsgestal-
tender Hinsicht.
Geschichtliche Bedeutung
Das historische Interesse am agra-Gelände speist sich
aus seiner wechselvollen Geschichte, die sich noch
heute in verschiedenen Schichten ablesen lässt und
den Park in mehrfacher Hinsicht geschichtlich be-
deutsam macht.
Im ausgehenden 18. Jhd. lagen vor Leipzigs Mauern
viele Gärten. Mit der Schleifung der Stadtmauern
durch Napoleon im Jahr 1813 entstand stadtnahe
Bebauung im Bereich des Promenadenrings und die
Gärten verschwanden. Die einsetzende Industria-
lisierung reduzierte das Stadtgrün in Leipzig zuse-
hends zugunsten einer dichteren Bebauung in der
Innenstadt. Wer es sich leisten konnte, kaufte große
Grundstücke am Stadtrand; so auch Paul Herfurth.
Der Herfurth´sche Park ist ein Beispiel für ein Domi-
zil des aufkommenden Besitz-Bürgertums, welches
durch Unternehmen und Fabriken zu Reichtum kam,
der es ihm ermöglichte, außerhalb der Stadtgrenze
Landsitze zu errichten. Diese Demonstration von
Wohlstand konnte - wie im Falle des Herfurth´schen
Parks - das Ausmaß von herrschaftlichen Schlossan-
lagen erreichen. Tatsächlich war der Grad der Ausge-
staltung des Parks weit über dem üblichen Maß und
in dieser Form nur einem kleinen Teil des Leipziger
Bürgertums vorbehalten. Als ein weiteres Beispiel
kann nur die Villa der Familie Sack in Leipzig Kleinz-
schocher genannt werden, die weitgehend im histori-
schen Zustand erhalten blieb.
Das Gelände spiegelt somit die sozialen Verhältnisse
der Zeit um 1900 wider. (Traijkovitz (2017): 4) Paul
Herfurth war Mitglied in der elitären „XVIer Gesell-
schaft“, dies drückt seine hohe Stellung in der Leipzi-
ger Stadtgesellschaft aus und zeugt von der Beispiel-
haftigkeit des Herfurther Parks für die Lebenskultur
des reichen Bürgertums Leipzigs um 1900. (Seele-
mann (2008): 39)
In der Nähe des Herfurth´schen Parks sind noch wei-
tere Landsitze in der Zeit um 1900 entstanden: der
Park des Bruders von Paul Herfurth, Edgar Herfurth
in Prödel (heute im Zuge des Braunkohletagebaus
abgetragen), die Limburg´sche Parkanlage (heutige
Bornaische Straße) und der Dodel´sche Park (heu-
tige Helenenstraße). (Seelemann (2008): 39) Somit
sind ähnliche Parkanlagen entlang der sogenannten
Parklandschaft an der Pleiße entweder gänzlich ver-
schwunden oder nur noch stark überformt erhalten.
Dem Park kommt somit ein hoher Dokumentati-
onswert wie auch ein Seltenheitswert zu.
(Trajko-
vitz (2017): 4)
Mit der Enteignung 1945 und der weiteren Nutzung
als Ausstellungsgelände für Landwirtschafts- und
Gartenbauausstellung der DDR erhielt der Park eine
weitere historische Bedeutungsebene, die sich in
ihrem Verlauf heute gut an einer Reihe von Gestal-
tungselementen ablesen lässt. Hierzu zählen zwei-
felsohne der Blumenreichtum und der Artenreichtum
des Gehölzbestandes. Die Einzigartigkeit der agra als
Veranstaltung in der DDR verleiht dem Gelände zu-
sätzlichen Seltenheitswert, der historisches Interesse
im gesamtdeutschen Rahmen begründet. (Trajkovitz
(2017):4) Darüber hinaus stellt der östliche Parkteil
mit Gaststätte und Großer Blumenwiese ein heraus-
ragendes Beispiel für einen Erholungspark der DDR
der 1950er Jahre dar.
Künstlerische Bedeutung
Auch mit Blick auf die künstlerische Bedeutung spie-
len die verschiedenen Schichten des Parks eine Rolle.
So stehen die Elemente des Herfurth´schen Parks
als Beispiel für den sogenannten gemischten Stil um
1900. Hierzu zählen der Musentempel mit Insel und
zugehöriger Teichanlage, das Herrenhaus und das
durch einen anderen Stil ihm unterordnete Gesinde-
haus (Schweizer Haus). (Seelemann (2008): 40)
Die Neugestaltung der 50er und 70er Jahren bezieht
an vielen Stellen die Qualitäten des Herfurth´schen
Parks mit ein und zeichnet sich durch eine besondere
Komplexität aus, die einer zeittypischen Formenspra-
che folgt. Die Gestaltung ist insbesondere in den
Punkten Flächengliederung, Pflanzenverwendung
und Einsatz von Plastiken bemerkenswert ausge-
prägt. Hier ist vor allem das Ensemble von Parkgast-
stätte und Großer Blumenwiese maßgebend.
Der Wechsel in der Materialverwendung von Natur-
bruchsteinplatten in den 1950er Jahren hin zu Beton-
platten in den 1970er Jahren ist gut nachvollziehbar.
(Seeleman (2008): 40)
Wissenschaftliche Bedeutung
Ausgehend von der Vorbildwirkung der Garten-
bauaustellung für die Landschaftsarchitektur der
DDR erscheint die Material- und Pflanzenverwen-
dung in den Parkteilen aus dieser Zeit als fruchtbares
Feld für wissenschaftliche Untersuchungen. (Seele-
mann (2008): 41)
11 | 80

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6 | Bedeutung für die Erholung
Neben seiner herausragenden denkmalrechtlichen
Bedeutung als Kulturdenkmal wohnt dem agra-Ge-
lände als Parkanlage innerhalb der wachsenden Stadt
Leipzig und ihrer Nachbarkommune Markkleeberg
die Funktion der Erholungsversorgung inne.
Wie Abbildung 07 verdeutlicht, liegt der agra-Park
im Süden von Leipzig. Er stellt ein wichtiges Binde-
glied zwischen dem Erholungspark Lösnig-Dölitz im
Osten und dem Wildpark Leipzig, sowie dem Land-
schaftspark Cospuden im Westen dar. Außerdem
ist der Park dank seiner Lage ein Tor zum Leipziger
Neuseenland, wie auch ein wichtiger Trittstein in die
Leipziger Auenbereiche.
Städtebauliche Bedeutung
Zeitgleich mit der Anlage der Herfurth´schen Villa
und des Parks um 1890 wurde westlich angrenzend
ein Baugebiet erschlossen. Es entwickelte sich ein
Villengebiet, welches heute als Denkmalschutzgebiet
nach § 2 Abs. 3 SächsDSchG ausgewiesen ist. Das
Entstehen einer so wertvollen Bebauung in der Zeit
der Anlage des Parks ist mit Blick auf das hohe Anse-
hen von Paul Herfurth im Zusammenhang zu sehen.
Insofern ist von einem Einfluss des Parks und seiner
Bebauung auf die Entwicklung der zuvor dörflich
geprägten Orte Oetzsch und Raschwitz auszugehen,
die 1933 zu Teilen der neu gegründeten Stadt Mark-
kleeberg wurden. (Seelemann (2008): 40) Auch heu-
te prägender Bestandteil des Ortsgefüges, trägt die
Anlage entscheidend zur Eigenart und Unverwech-
selbarkeit des Ortsbildes von Markkleeberg bei. (Tra-
jkovitz (2017): 4)
Landschaftsgestaltende Bedeutung
Die Umgestaltung der Auenlandschaft der Pleiße zu
einem Park nutzte und inszenierte die vorhandenen
landschaftlichen Reize. Des weiteren kann der ur-
sprüngliche Verlauf und damit die Umgestaltung
der Pleiße durch die Geländemodellierung des Parks
nachvollzogen werden. (Seelemann (2008): 40)
Öffentliches Interesse
Als ein nur noch selten erhaltenes Beispiel für einen
herrschaftlichen Landsitz in der Umgebung von Leip-
zig ist der Anlage eine
hoher Seltenheitswert
zuzu-
sprechen. Ursprünglich existierten mehrere solcher
Anlagen, jedoch sind davon einige durch die Anlage
der Braunkohle-Tagebaue im Leipziger Süden verlo-
ren gegangen bzw. wurden durch Nutzungsänderung
stark überformt. (Seelemann (2008: 41)
An dieser Stelle sei ebenfalls betont, dass das agra-
Gelände als ehemaliger Veranstaltungsort der ers-
ten Gartenbauausstellungen der DDR einzigartig ist.
Durch die gegebene Ablesbarkeit dieser Nutzungs-
phase wohnt dem Gelände ein
hoher Erinnerungs-
und Erlebniswert
inne. (Seelemann (2008: 41)
Da die Gestaltungsmerkmale aus der Zeit der 1950er
bis 1970er von Flächengliederung über Materialver-
wendung bis hin zu Teilen der Pflanzenverwendung
unverändert erhalten geblieben sind, ist der Anlage
darüber hinaus ein
hoher Authentizitätswert
zu at-
testieren. (Seelemann (2008: 41)
Abb. 07: Leipziger Grünflächen (eigene Darstellung).
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Der agra-Park wirkt erholungsversorgend in einem
durch Verkehr geprägten Umfeld (S-Bahn Linie,
Bundesstraße 2). Den alltäglichen Belastungen für
die Anwohner durch Straßen- und Schienenver-
kehrslärm, gesundheitsschädlichen Emissionen wie
Feinstaub und Stickstoffoxiden wird durch das Erho-
lungsangebot des agra-Parks entgegen gewirkt. Diese
Wirkung wird durch die Betroffenheit des Parks von
Straßenverkehrslärm und -emissionen gemindert,
die von der bestehenden Hochstraße der B2 ausge-
hen. Die Lage der Anlage in einem dicht besiedelten
Gebiet mit wenig Grünversorgung im unmittelbaren
Umfeld und den oben genannten Belastungen gebie-
tet es dennoch, sowohl die derzeitige Grünwirkung
als auch deren Potenzial bei Wegfall der Belastung
durch die Hochstraße zu betonen.
Darüber hinaus stellt das agra-Gelände mit seiner
spezifischen Ausstattung und dem damit verbunde-
nen geschichtlichen Hintergrund eine markante Fa-
cette des Erholungsangebotes im Leipziger Süden dar,
die für die Vielfalt an Stadtgrün und damit die umfas-
sende Wirkung von hoher Bedeutung ist.
Wie bereits bei der Erläuterung zur denkmalrechtli-
chen Bedeutung des Parks dargelegt, waren bürgerli-
che Landsitze wie der Herfurth´sche Park zu Beginn
des 20. Jahrhunderts im Leipziger Umland typisch.
Durch den tiefgreifenden landschaftlichen Wandel
der letzten 100 Jahre ist der agra-Park nicht nur im
Sinne seiner geschichtlichen Entstehung als Beispiel
für einen bürgerlichen Landsitz eine Seltenheit ge-
worden. Die hohe Dynamik seiner Umgebung macht
ihn zu einer der wenigen historischen Anlagen über-
haupt, die als weitestgehend authentisch eingestuft
werden können. Andere wesentliche Grünanlagen
für die Erholung im Leipziger Süden wie das Leipzi-
ger Neuseenland stellen neue Landschaften dar, deren
Herkunft deutlich jüngeren Ursprungs ist. Der Park
ist somit als „letzter seiner Art“ ein wichtiger Anker
für die Identifikation der Bevölkerung mit ihrer Hei-
matumgebung, da er in einer im Wandel befindlichen
Kulisse durch seine kontinuierliche Nutzung Halt
gibt.
Vergleich zum Tiergarten Berlin
Mit Blick auf die Bedeutung des agra-Parks lohnt sich
der Vergleich mit anderen historischen Parkanlagen,
die durch Tunnelbauwerke von einer zerschneiden-
den Wirkung der Verkehrstrasse verschont geblieben
sind.
Unter dem Tiergarten Berlin befinden sich drei Ver-
kehrstunnel. Neben einem U-
Bahn- einem Eisenbahn-Tunnel
ist 2006 auch ein Straßen-Tunnel
eröffnet worden („Tunnel Tier-
garten Spreebogen“, siehe Abb.
08). Mit 2.932 m Länge und
Baukosten in Höhe von insge-
samt 390 Mio. € ist der Tunnel
deutlich aufwendiger als die Va-
riante „Tunnel“ und „Tunnel
ebenerdig“ der Voruntersuchung
des LaSuV, welche im Hauptteil
des Gutachtens untersucht wird.
Auch ist dem Tiergarten als größ-
te Gartenanlage in Berlin und
aufgrund seiner zentralen Lage
eine höhere Bedeutung für die
Grünversorgung zuzusprechen,
als der agra-Park dies für Leipzig
leisten könnte.
Gleichwohl handelt es sich bei
beiden Anlagen um Parks, die
historisches Zeugnis von verschiedenen Epochen ab-
legen, von nationalem Interesse sind und aufgrund
ihrer Authentizität einen hohen dokumentarischen
Wert besitzen.
Gemessen am Verhältnis der beiden Straßentunnel
(ca. 3 km und 400 m) im Zusammenhang mit dem
Verhältnis der beiden bedeutenden Gartendenkmale
zueinander lässt sich konstatieren, dass eine Tunnel-
variante für ein Kulturdenkmal wie den agra-Park
angemessen erscheint.
Abb. 08: Tunnel Tiergarten Spreebogen Berlin (eigene Darstellung,
Grundlage DOP 2017 Geoportal Berlin).
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7 | Vorbelastungen
Die Hochstraße
Das Raumgefüge des agra-Parks wurde in den 1970er
Jahren aufgrund einer Trassenverlegung im Zusam-
menhang mit dem Kohleabbau im Leipziger Süden
durch ein parkfremdes, technisches Verkehrsbau-
werk in zwei Teile getrennt. Bis heute führt die Bun-
desstraße 2 in Form einer Hochstraße durch den Park
und trennt damit als Störelement, welches explizit
als Bestandteil ohne Denkmalwert bewertet wird,
den älteren westlichen Teil vom östlichen Teil ab.
(Schwarz (2017): 2; Tra-
jkovits (2017): 3)
Die Folge dieser Entwick-
lung ist
die Zerschnei-
dung visueller räumli-
cher Zusammenhänge.
Sei es die Dramaturgie der
Raumabfolge, bei der fer-
ne Punkte zum Teil der
Wahrnehmung des unmit-
telbaren Umfeldes werden
oder die Verknüpfung ver-
schiedener, entfernt ste-
hender Parkelemente als
Hinweis auf einen inhaltli-
chen Zusammenhang: der
agra-Park wird durch die
Störung seiner Blickbezie-
hungen in grundlegenden
Facetten seines Charakters
beeinträchtigt. Blickpunkte
wie die Parkgaststätte oder
das Weiße Haus werden
nicht gänzlich durch die
Hochstraße verdeckt (siehe
Abb. 10, 14). Dennoch lässt
die Art der Beeinträchtigung durch die Hochstraße
nicht zu, diese physisch noch zum Teil vorhandenen
Blickbeziehungen als erbauliches Erlebnis zu werten.
Die Zerschneidung der Blickbeziehung geht zudem
mit der Unterbrechung von Wegebeziehungen ein-
her. Das Erlebnis des Parks ist in hohem Maße von
der Bewegung entlang seiner Wege abhängig. Inso-
fern ist die Zäsur, die die Hochstraße in der Raumab-
folge entlang der durch sie betroffenen Wege darstellt,
denkmalfachlich-konservatorisch relevant. Sie trennt
die beiden Parkbereiche viel deutlicher voneinander
ab als der Wasserlauf der Pleiße. Dieser gliedert als
ein parktypisches Element die Fläche und teilt nicht
den Raum.
Ein durchgängiges Erlebnis des Parkraumes ist durch
das beengte, für einen Park untypische Raumgefühl
unterhalb der Brücke empfindlich gestört.
Weitaus entscheidender ist jedoch eine Folge, die
sich auf eine andere Eigenschaft der Hochstraße als
deren zerschneidende Wirkung zurückführen lässt:
Abb. 09: Musentempel im unmittelbaren Umfeld von
Hochstraße und Pleiße-Damm (eigene Darstellung).
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HAUPTTEIL
Abb. 10: Große Sommerblu
In seiner Eigenschaft als vielbefahrene Straße wirkt
das Bauwerk sowohl optisch, akustisch als auch ol-
faktorisch in verbleibende, eigentlich von der Brücke
selbst unberührte Parkbereiche.
Die Bundesstraße 2
hat dadurch, dass sie zur Hochstraße wird, gerade
im Bereich des Parks eine Dominanzwirkung, die
weder durch das Park-Gefüge noch durch einzel-
ne Elemente des Parks übertroffen werden kann
.
Ein Blick aus der Luft zeigt deutlich, dass es im Park
kein vergleichbares Element gibt, welches in puncto
Dimension, Lautstärke und Bewegung mit der beste-
henden Hochstraße vergleichbar ist. Hatten das Wei-
ße Haus oder auch die Parkgaststätte vor dem Bau
der Hochstraße einen unangetasteten Anspruch als
optische Dominanten im Wirkgefüge des Parks, so ist
dieser Eindruck mit Erscheinen des Straßenbauwerks
erloschen. Durch die Lage im Zentrum des Parks
erreicht die beschriebene Wirkung der Hochstraße
direkt oder indirekt (vom Parkbesucher erlebt oder
als „allgegenwärtig“ wahrgenommen) viele Parkbe-
reiche. Sie stört so, je nach Entfernung zum Betrach-
ter, das Erlebnis des agra-Parks - unabhängig von den
verlorenen Blickbeziehungen - als ein mit der Erwar-
tungshaltung des Parknutzers inkompatibles Element
im Parkraum.
Durch den Bau der Hochstraße ist ein Teil des Parks
überprägt worden. So lassen sich die Staudengärten
von 1956 auf der Blumenwiese im östlichen Teil des
Parks nicht mehr ablesen.
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HAUPTTEIL
Der Pleiße-Damm
Der Lauf der Pleiße durch das Parkgelände wurde im
Verlauf der Geschichte des Parks mehrfach verän-
dert. Bereits um 1900 wurde der natürliche Verlauf
der Pleiße ohne einen direkten Zusammenhang zur
Anlage des Herfurth´schen Parks begradigt. (Ha-
berkern (2001): 11; siehe früherer Pleiße-Verlauf
Abb. 11) Hierbei entstand ein Teil des heutigen Plei-
ße-Dammes, der auf historischen Fotografien zu er-
kennen ist. (DRZ Leipzig (2008): 8; siehe Abb. 13)
Anhand der Abbildungen wird deutlich, dass der
Pleiße-Damm vor der Existenz der Hochstraße kei-
Abb. 11: Karte zu geplanten Flussbegradigungen,
1854. (Seelemann )
nen störenden Einfluss auf die Parkgestaltung hatte
und auch wichtige Blickbeziehungen, wie die vom
Teich zur Parkgaststätte (siehe Abb. 15), nicht we-
sentlich beeinflusste.
Mit der Begradigung der Pleiße und der Verlegung
des Pleiße-Wehrs während des Baus der Hochstraße
wurde der Pleiße-Damm verlängert. Er ist derzeit ca.
einen Meter hoch. Die Beeinflussung der Parkgestal-
tung im Sinne einer Vorbelastung ist jedoch anhand
aktueller Fotos nicht belegbar (siehe Abb. 09).
Pflegenotstand
Neben der Hochstraße und dem Pleiße-Damm las-
sen sich Vorbelastungen im agra-Park auf einen
Pflegenotstand zurückführen. Die derzeitige Ge-
hölzstruktur verdeckt historische Blickbeziehungen.
Der Musentempel, der Tempel am Wehr und meh-
rere Plastiken sind mit Graffitis besprüht worden.
Pflegenotstände stellen jedoch im Allgemeinen kei-
ne Begründung für einen Eingriff dar, mit dem eine
vermeidbare Verschlechterung der Situation gegeben
wäre. (Verschlechterungs- und Vermeidungsgrund-
satz, § 8 SächsDSchG)
Abb. 12: Graffitis am Tempel am
Wehr. (eigene Darstellung )
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HAUPTTEIL
Abb. 15: Blick über den Teich und Pleiße-Damm zur Parkgaststätte.
Foto von 1960 (Seelemann).
Abb. 13: Blick vom Weißen Haus auf den Pleiße-
Damm. Foto von 1933 (Haberkern 2001).
Abb. 14:
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Die denkmalpflegerischen Schutzziele des agra-Parks
werden in diesem Gutachten in Parkelemente und
Parkstrukturen gegliedert. Wichtige Quellen sind die
ausführliche Denkmalbegründung des Landesamtes
für Denkmalpflege sowie die Stellungnahme des Lan-
desamtes für Denkmalpflege zum Variantenvergleich
Brücke - Tunnel - Trog vom 9. November 2015. Der
östliche Teil des agra-Parks gehört zur Stadt Mark-
kleeberg, der westliche Teil liegt in der Stadt Leipzig.
Insofern existieren zwei denkmalpflegerische Rah-
menzielstellungen für beide Parkteile. Die Rahmen-
zielstellungen enthalten einen gemeinsamen Ent-
wicklungsplan (siehe Abbildung Abb. 16), auf dem
sowohl Elemente als auch Strukturen verortet sind.
Für das Gutachten wurden anhand der Vorbelastung
(siehe Kapitel 7) diejenigen Elemente und Struktu-
ren herausgearbeitet, die von den Varianten betrof-
fen sind. Zusätzlich zu den Elementen und Struk-
turen aus dem gemeinsamen Entwicklungsplan der
Rahmenzielstellungen wurden Räume innerhalb des
Parks abgegrenzt und Wegeverläufe entlang der Räu-
me identifiziert, die Raumfolgen ergeben. (vgl. DRZ
Leipzig (2008): 44; DRZ Markkleeberg (2003): 39)
Abbildung 17 zeigt, dass das Kerngebiet des Parks
durch die Hochstraße betroffen und somit für das
Gutachten aus denkmalfachlich-konservatorischer
Sicht relevant ist.
Dies erklärt sich durch die zentrale
Lage der Hochstraße und das enge Geflecht an Sicht-
und Wegebeziehungen des östlichen und westlichen
Parkteils in diesem Bereich. Wird die Hochstraße
ausgebaut, ist von einer Veränderung der Situation
im betroffenen Parkgefüge auszugehen, die durch das
Gutachten bewertet wird (vgl. Kapitel 9).
8 | Betroffene Schutzziele
HAUPTTEIL
Abb.
Entw
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betroffenes Element
(siehe Kapitel 8.1)
Parkelemente
Parkstrukturen
betroffene Sichtbeziehung
(siehe Kapitel 8.2)
betroffener Parkraum
(siehe Kapitel 8.2)
betroffene Wegebeziehung
(siehe Kapitel 8.2)
nicht betroffenes Element
nicht betroffene
Sichtbeziehung
nicht betroffener
Parkraum
Grundlage: DRZ Leipzig (2008)
Grundlage: Denkmalpflegerische Zielstellung
(Seelemann 2008)
HAUPTTEIL
Abb. 17: Betro
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Die Auswahl der zu betrachtenden Parkelemente
stützt sich auf mehrere Kriterien (vgl. Abb. 18, 19).
Zum einen ist die denkmalfachlich-konservatorische
Bedeutung des Elements ein ausschlaggebender
Punkt. Dazu wurden die Elemente des Entwicklungs-
plans der denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung
berücksichtigt. Hierzu gehören das Weiße Haus (Nr.
1 Entwicklungsplan; siehe Abb. 16) und die Parkgast-
stätte (Nr. 16), denen eine „unlösbare konstituierende
Funktion für die Gesamtanlage“ zukommt. (Trajko-
vits (2017): 4) Außerdem werden der Musentempel
(Nr. 3), der Tempel am Wehr (Nr. 4) und die Plastiken
östlich der Brücke als betroffene Elemente in die Be-
trachtung aufgenommen.
Auch dem Terrassenbereich als Ausgangspunkt einer
historischen Blickachse und als wichtiger Abschnitt
in der Raumfolge des Wegeverlaufes rund um den
8.1 | Betroffene Einzeldenkmale / Parkelemente
See wird aus Gründen der Bedeutsamkeit für das
Parkgefüge im Rahmen dieses Gutachtens eine Un-
tersuchung zuteil.
Zum anderen spielt die Nähe und damit die Betrof-
fenheit zu den geplanten Trassenvarianten eine Rolle.
Es wird von folgender Grundannahme ausgegangen:
je weiter entfernt ein Element vom Ort der Umgestal-
tung liegt, desto größer und damit raumwirksamer
muss es sein, um in seiner Wirkung von der jeweili-
gen Variante noch wesentlich beeinträchtigt zu wer-
den. Somit fallen Plastiken, die nicht unmittelbar in
Nachbarschaft der Varianten verortet sind, aus der
direkten, vertiefenden Betrachtung heraus. Auch Ge-
bäude, die sich nicht im Umfeld der Hochstraße be-
finden, werden aus der vergleichenden Betrachtung
herausgenommen.
An dieser Stelle sei dennoch festgestellt, dass sämt-
liche mit dem Gartendenkmal in Verbindung ste-
henden Elemente über Raum- oder Deutungszusam-
menhänge zumindest indirekt von der Wirkung der
Hochstraße betroffen sind. Das Wirken des gesamten
Parkgefüges als Zusammenhang ist abhängig von
jedem Teilbereich, der dem Park als Ganzes zuge-
schrieben wird. Aus denkmalrechtlicher Sicht kor-
respondiert dies mit dem Funktionszusammenhang
der Sachgesamtheit agra-Park. Somit ist eine Verbes-
serung der Situation in beeinträchtigten Teilberei-
chen des Parks die Grundlage für die Verbesserung
der Gesamtsituation. Dies führt wiederum zu einer
Verbesserung der unerheblich betroffenen Parkteile.
HAUPTTEIL
Abb. 18: Betroffene Elemen
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Abb. 19: Betro
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Musentempel (um 1900)
Der Tempel steht auf einer kleinen Insel und ist über
eine Brücke erreichbar. Seine acht glatten Säulen sind
mit ionischen Kapitellen und attischen Basen ausge-
bildet. Der Tempel leuchtet in hellem Weiß, nur das
grüne Dach und die innen blau gefasste Kalotte he-
ben sich davon ab. (Haferkorn (o. J.): 30) Dadurch
erreicht er eine hohe Fernwirkung und ist neben dem
Weißen Haus prägendes Element des Bereiches um
den Teich. Der Tempel steht als Parkarchitektur in der
Tradition des englischen Landschaftsgartens. (Ebd.)
Weißes Haus (1896)
Auch unter dem Namen „Herfurth´sche Villa“ be-
kannt. Es handelt sich um einen neoklassizistischen
Bau des Historismus, der in seiner Proportion und
mit seinen wenigen, klar gestuften Dekorationsele-
menten harmonisch wirkt. (Haferkorn (o. J.): 25f)
Das Weiße Haus wurde in den 1980er Jahren teilsa-
niert und wird derzeit als Standesamt bzw. als Raum
für Feierlichkeiten genutzt. (DRZ Leipzig (2003): 18)
Parkgaststätte (1956)
Die Parkgaststätte wurde 1956 im Zuge der Entwick-
lung des agra-Parks zum Erholungsgebiet errichtet.
Der Stil lässt neoklassizistische Anklänge erkennen,
jedoch weist der Bereich der Rotunde barocke Züge
auf. (Haferkorn (o. J.): 34)
Unter architekturgeschichtlichen Gesichtspunkten ist
die Parkgaststätte das wahrscheinlich am höchsten
zu bewertende Element im agra-Park, stellt es doch
eines der qualitätsvollsten Zeugnisse der DDR-Archi-
tektur der 50er Jahre im Bereich öffentliche Bauten
dar. (Trajkovits (2017): 4)
Abb. 22: Musentempel (eigene Darstellung).
Beschreibungen betroffener Elemente
Abb. 21: Parkgaststätte (eigene Darstellung).
Abb. 20: Weißes Haus (eigene Darstellung).
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Plastiken östlich der Brücke
Die Plastiken östlich der Brücke sind
größtenteils während des 4. Internatio-
nalen Bildhauerpleinairs 1988 entstan-
den, welches unter dem Motto „Natur-
Landschaft-Umwelt“ veranstaltet wurde.
(DRZ Leipzig (2008): 24)
Früher entstanden sind die beiden ab-
gebildeten Plastiken „Liebespaar“ von
Gerhard Geyer (1969, rechts) und „Bau-
erngruppe“ von Frank Sobirey (1983,
links). (vgl. Haberkern (2001): Abb.
115)
HAUPTTEIL
Terrassenbereich
Der Bereich am südlichen Ufer grenzt direkt an den Teich
an und steht in Zusammenhang mit der Terrassenanlage von
1960, die im Entwicklungsplan verzeichnet ist (Nr. 11, siehe
Abb. 15). Der Terrassenbereich stellt einen wichtigen Aus-
gangspunkt für zahlreiche Blickbeziehungen über den See dar.
So zum Beispiel die visuelle Verknüpfung über den Teich zu
Musentempel und Parkgaststätte, welche als Blickbeziehung 4
im Gutachten behandelt wird.
Abb. 24: Betroffene Plastiken (eigene Darstellung).
Tempel am Wehr (1910)
Der teilweise fälschlich als „Antentempel“ bezeichne-
te Staffagenbau befindet sich an einem kleinen Teich
etwa 500 Meter südöstlich des Weißen Hauses.
Ähnlich wie beim Musentempel, hebt sich seine wei-
ße Färbung deutlich vom Hintergrund ab und er-
möglicht dem Bauwerk so eine Fernwirkung.
Abb. 25: Terrassenbereich (eigene Darstellung).
Abb. 23: Tempel am Wehr (eigene Darstellung).
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8.2 | Betroffene Parkstrukturen
Neben den einzelnen denkmalfachlich-konservato-
risch relevanten Elementen ist bei dem Gartendenk-
mal agra-Park vor allem das Beziehungsgeflecht von
Wegen, Räumen und Blickbeziehungen wesentlich
für das Parkerlebnis im Allgemeinen bzw. für das
Nachvollziehen der gartengestalterischen Bedeutung
des Denkmals im Besonderen. (Trajkovits (2017):4)
Die folgenden räumlichen Konstellationen sind
denkmalfachlich-konservatorisch von besonderer
Bedeutung, da sie in ihrer Abfolge bei der Bewegung
durch den Park sowohl das Parkerlebnis, als auch die
Inszenierung der Gartengestaltung prägen (vgl. Abb.
26, 27).
Raum 1: Teich mit Tempel und Weißem Haus
Im Bereich der westlichen Parkhälfte zieht sich Raum
1 entlang des Pleiße-Dammes und sorgt für einen der
prägendsten Raumcharaktere des agra-Parks. Er bil-
det die Kulisse für das Zusammenspiel von Tempel
und Weißem Haus. Darüber hinaus sind entlang des
Ufers mit Rosengarten und Terrassenanlage weitere
Bezugs- und Sichtpunkte des Raumerlebnisses gege-
ben. Dieser Raum ist in hohem Maße durch die Wir-
kung der derzeitigen Hochstraße betroffen. Sein Cha-
rakter zeichnet sich durch Ruhe, Natürlichkeit und
historische Architektur aus. Insofern steht er konträr
zu der technisch wirkenden, lärm- und geruchser-
zeugenden Hochstraße, die darüber hinaus eine hohe
räumlich Dominanz in Raum 1 entfaltet.
Raum 2: Terrassenbereich der Parkgaststätte
Der Terrassenbereich vor der Parkgaststätte ist ein
Aufenthaltsort, der geschützt und erhöht angelegt
ist sowie über zahlreiche Blickbeziehungen in den
dritten Parkraum der Großen Sommerblumenwiese
verfügt. Dieser Bereich wird in hohem Maße durch
die derzeitige Hochstraße beeinflusst, da er sich in
HAUPTTEIL
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unmittelbarer Nähe derselben befindet
(siehe Abb. 14).
Raum 3: Große Sommerblumenwiese
Die Große Sommerblumenwiese ist
eine wesentliche Struktur aus der Zeit
des Erholungsparks und der größte
der erfassten Parkräume. Ähnlich wie
Raum 1 grenzt er direkt an die Hoch-
straße an und wird dadurch in seinem
Charakter beeinträchtigt. Der Raum
beinhaltet mehrere betroffene Plasti-
ken und den Standort des Staudengar-
tens direkt an der Hochstraße.
Raum 4: Kleiner Teich mit Tempel
Obwohl durch eine dichte Gehölzgrup-
pe abgeschirmt, ist auch dieser Raum
von den Auswirkungen der Hochstra-
ße betroffen. Sein kleinräumiger und
geschützter Charakter verheißt (ähn-
lich wie Raum 1) Ruhe und Erbauung
an der historischen Architektur. Er
stellt die Kulisse für den Tempel am
Wehr dar.
HAUPTTEIL
Abb. 27: Betroffene P
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Besonderes Augenmerk liegt auf den durch die
Varianten betroffenen, historischen Blickbe-
ziehungen, die den Zusammenhang zwischen
dem westlichen und östlichen Parkbereichen
herausstellen könnten (vgl. Abb. 30). (Schutz-
ziele „Raumstrukturen, Blickbeziehungen“
siehe DRZ Markkleeberg (2003): 39; DRZ
Leipzig (2008): 44) Diese bedeutenden Eckpfeiler
des Parkerlebnisses werden als Indikatoren für die
Wirkung der Varianten herangezogen und in den fol-
genden Kapiteln als Grundlage für die Visualisierun-
gen verwendet.
Hierbei fiel die Wahl auf die bereits seit der Erwei-
terung des Parks zu Zeiten Paul Herfurths in den
1920er Jahren bestehende Achse zwischen Weißem
Haus und der später errichteten Parkgaststätte (sie-
he Abb. 28). Sowohl der Blick von der Gaststätte, als
auch vom Weißen Haus aus wird visualisiert (Blick-
beziehungen 1 und 2).
Betritt man den Park aus Richtung Osten von Dölitz
her, öffnet sich ein weites Blickfeld über die Große
Auswahl Blickbeziehungen
HAUPTTEIL
Abb. 28: Blick über die Achse vom Weißen Haus zum östlichen
Parkteil (Blickbeziehung 2) (Haberkern 2001).
Abb. 29: Blick vom
Parkgaststätte
Haberkern 2001)
(B
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Sommerblumenwiese (Parkraum 3).
Die historische Blickbeziehung zum
Weißen Haus wird im Rahmen des
Gutachtens als Blickbeziehung 3 be-
zeichnet. Der historische Blick vom
Terrassenbereich über den Teich wur-
de in den 1950ern Jahren mit der Park-
gaststätte ergänzt (siehe Abb. 29). Er
wird als Blickbeziehung 4 einbezogen.
Die historische Blickbeziehung zwi-
schen dem Rosengarten und der
Parkgaststätte ist in den denkmalpfle-
gerischen Zielstellungen erfasst (Blick-
beziehung 5, vgl. Abb. 16). Der sehr
dichte Gehölzaufwuchs entlang der
Achse macht eine Visualisierung dieser
Blickbeziehung technisch aufwendig.
Ähnlich verhält es sich mit der Blick-
beziehung zwischen Weißem Haus und
Tempel am Wehr, auf deren Achse auch
der Musentempel liegt (Blickbeziehung
6, vgl. Abb. 16). Von einer Visualisie-
rung der Varianten dieser beiden Blick-
beziehungen wird daher zugunsten
von Luftaufnahmen und zusätzlichen
Kartendarstellungen abgesehen (siehe
Kapitel 2, Aufgabenstellung Punkt 4).
Diese Darstellungen tragen maßgeblich
zum Verständnis der Dominanz- und
Zerschneidungswirkung der Hochstra-
ße und ihres Einflusses auf das Parkge-
füge bei. Die Blickbeziehungen 5 und 6
fließen als Teil des Parkgefüges in die
Gesamtbetrachtung ein.
HAUPTTEIL
Abb. 30: Betroffene hi
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9 | Variantenbetrachtung
Die Betrachtungen der Varianten stellen den Kern
des Gutachtens dar. Für die begründete Entscheidung
für eine Vorzugsvariante ist eine vergleichende Auf-
bereitung aller zur Auswahl stehenden Möglichkeiten
unerlässlich. Aus diesem Grund werden die vier Vari-
anten der Bundesstraße 2 nach dem gleichen Prinzip
analysiert und bewertet. Die Zusammenstellung der
Bewertung bildet die Grundlage für die Empfehlung
der verträglichsten Variante aus Sicht dieses Gutach-
tens.
Neben seiner Funktion als Denkmal besitzt der agra-
Park einen hohen Wert als Erholungsgelände für sein
Umfeld auf Markkleeberger sowie Leipziger Seite und
stellt einen städtebaulichen und landschaftsgestalten-
den Wert dar. (Trajkovits (2017): 4) Laut § 9 des
Sächsischen Denkmalschutzgesetzes ist die Zugäng-
lichkeit der Kulturdenkmale für die Öffentlichkeit
im Rahmen des Zumutbaren herzustellen. Insofern
ist der Einfluss der Varianten auf die Wahrnehmung
des Parkbesuchers von denkmalfachlich-konservato-
rischer Relevanz. Aus diesem Grund werden, neben
der Denkmalverträglichkeit, auch die Wirkung des
Bauwerkes und der Einfluss desselben auf das Par-
kerlebnis gesondert bewertet (siehe auch Kapitel 2:
„Hinweis zur Relevanz des Parkerlebnisses für das
denkmalfachlich-konservatorische Gutachten“).
Im Folgenden wird der Ablauf der Bewertung erläu-
tert.
Einzelbetrachtungen (Kapitel 9.1 bis 9.4)
Jede Variante wird für sich betrachtet. Als Bewer-
tungsmethoden werden die verbal-argumentative
Bewertung und die kriterienbasierte Bewertung he-
rangezogen. Die Visualisierungen werden verbal-ar-
Das Bauwerk erreicht eine hohe optische
Präsenz und überprägt somit andere optische
Dominanten.
Das Bauwerk erreicht im Betrieb einen Ge-
räuschpegel, der die typische Geräuschkulisse
einer Parkanlage übersteigt.
Mit Betrieb des Bauwerkes ist bei entsprechen-
der Windrichtung mit einem störenden olfakto-
rischen Einfluss zu rechnen.
Durch die Beschaffenheit des Bauwerks ist die
Verkehrsbewegung sichtbar und sorgt für eine
verstärkte optische Präsenz der Variante.
Das Bauwerk erreicht eine mäßig optische Prä-
senz und überprägt somit optische Dominanten
von geringer Wirkkraft.
Vom Bauwerk geht während des Betriebes ein
geringer Geräuschpegel aus, der sich mit der
typischen Geräuschkulisse einer Parkanlage
mischt.
Das Bauwerk erreicht nur eine geringe optische
Präsenz. Es ist somit nicht in der Lage, andere
optische Dominanten zu überprägen.
Das Bauwerk hat keine optische Präsenz.
Vom Bauwerk greift nicht wahrnehmbar in die
Geräuschkulisse seiner Umgebung ein.
Die olfaktorische Belastung ist bei Betrieb des
Bauwerkes so gering, dass sie vernachlässigt
werden kann.
Die Bewegung des Verkehrs ist durch das
Bauwerk verdeckt und erhöht dessen optische
Präsenz nicht.
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Sichtbarkeit der
Verkehrsbewegung
Ist das Bauwerk aufgrund
seiner Größenverhältnisse in
der Lage, eine hohe optische
Präsenz zu erreichen?
Geht der Betrieb des Bau-
werks mit einer störenden
Geräuschkulisse einher?
Geht der Betrieb des Bau-
werks mit einer störenden
Geruchsentwicklung einher?
Geht durch die Verkehrsbe-
wegung eine erhöhte optische
Präsenz vom Bauwerk aus?
hoch
mäßig
hoch
hoch
mögliche Ausprägungen
gering
mäßig
keine
keine
keine
gering
keine
HAUPTTEIL
Abb. 31: Kriterienbasierte Bewertung der
Wirkung des Bauwerks (eigene Darstellung).
28 | 80

gumentativ hinsichtlich der Wirkung der Varianten
auf das Parkgefüge erörtert. Eine kriterienbasierte
Bewertung erfolgt für die Bauwerkswirkung, die Wir-
kung desselben auf das Parkerlebnis und die Denk-
malverträglichkeit.
Erläuterung der kriterienbasierten Bewertung „Wir-
kung Bauwerk“ (siehe Abb. 31)
Für diesen Bewertungsschritt ist die technische Aus-
gestaltung der Variante von Belang. Die Eigenwirkung
des Bauwerkes auf die Wahrnehmung wird anhand
einer Auswahl von Kriterien eingeschätzt. Hierbei
spielen die drei Hauptsinneskanäle des Menschen
(Sehen, Hören und Riechen) eine Rolle. Sie werden
über die akustische und die olfaktorische Belastung
sowie über die Raumwirkung einzeln aufgeschlüsselt.
Da es sich bei den Varianten um Verkehrswege han-
delt, wird ebenfalls die Sichtbarkeit der Verkehrsbe-
wegung betrachtet. Der sichtbare Verkehrsfluss sorgt
für eine zusätzliche optische Präsenz der Variante,
die über die Wirkung der Dimensionierung hinaus
geht. Die Gesamtwertung der Wirkung des Bauwer-
kes setzt sich aus den eben genannten Kriterien zu-
sammen und umfasst die möglichen Ausprägungen
„hoch“, „mäßig“, „gering“ und „keine“. Sie ist in den
orangenen Wertungskästen in der ersten Zeile ange-
geben.
Erläuterung der verbal-argumentativen Bewertung der
Visualisierungen
Die zuvor ausgewählten, besonders betroffenen
Blickbeziehungen werden anhand von Visualisierun-
gen ihres Zustandes bei Durchführung der jeweiligen
Variante dargestellt. Eine verbal-argumentative Wer-
tung erörtert die jeweilige Situation aus denkmal-
fachlich-konservatorischer Sicht.
Das Erlebnis von natürlicher Umgebung ist durch die
technische Prägung der Variante erheblich gestört.
Die Variante beeinträchtigt das Parkerlebnis durch seine
betriebsbedingten Geruchs-Emissionen erheblich.
Die Variante beeinträchtigt das Parkerlebnis durch seine
betriebsbedingten Lärm-Emissionen erheblich.
Das Erlebnis der Zusammenhänge der Parkgestaltung
ist durch Charakter und Zerschneidungswirkung der
Variante beeinträchtigt.
Der technische Charakter der Variante konterkariert die
natürlich anmutende Parkumgebung.
Die betriebsbedingten Geruchs-Emissionen der Variante
haben kaum Auswirkungen auf das Parkerlebnis.
Die betriebsbedingten Lärm-Emissionen der Variante
haben kaum Auswirkungen auf das Parkerlebnis.
Der Charakter und maßgeblich die Zerschneidungswir-
kung der Variante führen zu einer mäßigen Beeinträchti-
gung des Erlebnisses der Parkgestaltung.
Der Charakter des Bauwerkes stört das Erlebnis von
natürlicher Umgebung lediglich in unerheblicher Weise.
Der kaum erlebbare Charakter des Bauwerkes stört das
Erlebnis von natürlich Umgebung nicht.
Die Variante weist keine nennenswerten baubedingten
Geruchs-Emissionen auf, die das Parkerlebnis stören.
Die Variante weist keine nennenswerten Lärm-Emissio-
nen auf, die das Parkerlebnis stören.
Die Variante erzeugt durch ihren Charakter und ihre
abgeschwächte Zerschneidungswirkung kaum Beein-
trächtigungen für das Erlebnis der Parkgestaltung.
Die Variante beeinträchtigt die harmonischen Zusam-
menhänge der Parkanlage nicht.
Wertung Parkerlebnis
Ist das Bedürfnis nach
dem Erlebnis natürlich
anmutender Umgebung
durch das Bauwerk
gestört?
Ist das Bedürfnis nach
dem Erlebnis frischer
Luft durch das Bauwerk
beeinträchtigt?
Ist das Bedürfnis nach
dem Erlebnis von Ruhe
durch das Bauwerk be-
einträchtigt?
Ist das Bedürfnis nach
dem Erlebnis von einem
harmonischen Zusam-
menhang der Parkgestal-
tung beeinträchtigt?
überprägt
beeinträchtigt
beeinträchtigt
beeinträchtigt
mögliche Ausprägungen
beeinträchtigt
störungsfrei
störungsfrei
störungsfrei
kaum
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
mäßig
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
HAUPTTEIL
Abb. 32: Kriterienbasierte Bewertung des
Einflusses der Varianten auf das Parkerlebnis
(eigene Darstellung).
störungsfrei
29 | 80

Wertung Denkmalverträglichkeit
Sind die Raumgrenzen des
Gartendenkmals in untypi-
scher Weise ausgeprägt?
Ist die Raumfolge des Garten-
denkmals unterbrochen oder
beeinflusst?
Ist der Charakter des Raumes
überprägt?
verfälscht
unterbrochen
überprägt
mögliche Ausprägungen
mäßig
unberührt
unberührt
unberührt
kaum
beeinflusst
mäßig
überprägt
geringfügig
überprägt
Raumcharakter
Raumbildung
Raumfolge
Einfluss auf Räumlichkeit
Erläuterung der Wertung des Parkerlebnisses sowie der
Denkmalverträglichkeit der Variante
Zunächst erfolgt eine Bewertung der zu erwartenden
Einflüsse der Varianten auf das Parkerlebnis anhand
von Kriterien (siehe Abb. 32). Hierbei ergeben sich
Beziehungen zu den Kriterien der Bewertung der
Bauwerkswirkung wie auch zu den Kriterien zur Be-
wertung der Denkmalverträglichkeit. Da Dimensio-
nierung, Lärm- und Geruchsentwicklung der Varian-
ten die menschliche Wahrnehmung beim Besuch des
Parks beeinflussen, ist das Bedürfnis nach Naturnähe
(in Beziehung zur Dimension und technischen An-
mutung der Variante), nach frischer Luft (in Bezie-
hung zur Geruchsentwicklung der Varianten) und
nach Ruhe (in Beziehung zur Lärmentwicklung der
Varianten) Teil der Wertung des Parkerlebnisses. Das
Kriterium Harmonie hingegen steht in Beziehung zur
ungestörten Wirkung des Parks als Werk der Garten-
gestaltung. Die Gesamtwertung des Einflusses der
Varianten auf das Parkerlebnis ergibt sich aus den
Wertungen der vier betrachteten Kriterien und um-
fasst die möglichen Ausprägungen „gestört“, „mäßig
beeinträchtigt“, „kaum beeinträchtigt“ und „nicht
beeinträchtigt“. Diese Gesamtwertung wird in den
türkisfarbenen Bewertungskästen in der ersten Zeile
angegeben.
Gemäß des Punktes 3 der Aufgabenstellung ist die
Genehmigungsfähigkeit der Auswirkungen der Vari-
anten für den Park als Denkmal zu bewerten. Dies
wird durch eine kriterienbasierte Bewertung der
Denkmalverträglichkeit erreicht. Die Kriterien ori-
entieren sich an der dem Gutachten innewohnenden
Unterscheidung von Parkelementen und -strukturen.
Die Räumlichkeit des Denkmals als Gartendenkmal
wird durch eine Gruppe von Kriterien bezüglich der
Raumfolge, -bildung und des Raumcharakters geson-
Die Variante verfälscht die Raumbildung
ihrer Umgebung durch ihre Wirkung als
parkfremde Raumgrenze von technoge-
nem Charakter.
Die Variante unterbricht die typische
Raumfolge des Gartendenkmals in domi-
nanter Weise.
Der technische Charakter der Variante
führt zu einer Überprägung des Raum-
charakters des Gartendenkmals. Die
historisch begründete Raumgestaltung ist
überschrieben.
Die Variante stellt eine der ursprünglichen
Parkraumgestaltung fremde bzw. durch
ihre konvexe Form widersprechende
Bodenmodellierung auf der Wiesenfläche
dar.
Die Variante beeinflusst die Bildung der
Raumgrenzen des Gartendenkmals nicht.
Die zerschneidende Wirkung der Variante
hat kaum Einfluss auf die Raumfolge des
Gartendenkmals.
Die Raumfolge wird von der Variante
nicht nennenswert beeinflusst.
Die Variante wirkt technisch, ist jedoch
weniger dominant. Es kommt zu ei-
ner mäßigen und deutlich ablesbaren
Überprägung der historisch begründeten
Raumgestaltung.
Der Einfluss der Variante auf den Raum-
charakter kann durch die schwache, wenig
erlebbare, technogene Wirkung als gering-
fügig eingeschätzt werden.
Der Raumcharakter ist von der Variante
unberührt.
HAUPTTEIL
Abb. 33: Kriterienbasierte Bewertung der
Denkmalverträglichkeit über den Einfluss auf die
Räumlichkeit (eigene Darstellung).
30 | 80

Ist die prägende Wirkung
von Bauwerken wie Tempeln,
Gaststätte, Weißem Haus etc.
eingeschränkt?
in Konkurrenz
mögliche Ausprägungen
keine Konkurrenz
Bauwerke
Ist die prägende Wirkung von
Plastiken eingeschränkt?
kaum Konkurrenz
starke Konkurrenz
Plastiken
überprägt
Ist die prägende Wirkung
der raumbildenden und
charakterprägenden Gehölze
des Gartendenkmals beein-
trächtigt?
geringe Konkurrenz
starke Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
Gehölze
Ist die prägende Wirkung der
raumbildenden und charak-
terprägenden Wiesenflächen
des Parkdenkmals beein-
trächtigt?
geringe Konkurrenz
keine Konkurrenz
Wiesenflächen
überprägt
Einfluss auf Dominanten
Die Dimensionierung der Variante lässt sie in Kon-
kurrenz zu wichtigen Dominanten der Parkgestaltung
treten. Insbesondere die Tempelanlagen werden in
ihrem Anspruch als Bezugspunkte stark geschädigt.
Die prägende Wirkung der Plastiken im Umfeld
der Sanierungsmaßnahme wird durch das Bauwerk
negiert und kann sich nicht entfalten.
Durch die Dimension und technisch anmutende Wir-
kung der Variante besteht eine starke Konkurrenz zu
raumprägenden Solitären und Gehölzgruppen.
Durch die Dimension und technisch anmutende Wir-
kung der Variante wird die raumbildende Wirkung
der Wiesenflächen im Umfeld überprägt.
Die Variante stellt keine Konkurrenz zu den Bau-
werken des Gartendenkmals in ihrer Funktion als
Dominanten dar.
Die Variante steht in starker Konkurrenz zu den
Plastiken in ihrem Umfeld, sodass diese ihre Wirkung
innerhalb der Gartengestaltung nicht voll entfalten
können.
Die Variante stellt aufgrund der geringeren Wahr-
nehmbarkeit trotz ihres technischen Charakters nur
eine geringe Konkurrenz zu raumprägenden Solitären
und Gehölzgruppen dar.
Die Variante stellt eine geringe Konkurrenz zur prä-
genden Wirkung der Wiesenflächen im Umfeld dar.
Die Wirkung der Plastiken wird kaum durch die
Variante beeinträchtigt.
Die Wirkung der Plastiken wird nicht beeinträchtigt.
Die Wirkung der raumprägenden Solitäre und Ge-
hölzgruppen wird nicht durch die Variante beein-
trächtigt.
Die Wirkung der Wiesenflächen wird nicht durch die
Variante beeinträchtigt.
HAUPTTEIL
dert betrachtet (Bezug zu Parkstrukturen, siehe Abb.
33). Aus den Einzelwertungen der drei Kriterien er-
gibt sich die Wertung „Einfluss auf die Räumlichkeit“.
Sie umfasst die Ausprägungen „beeinträchtigend“,
„gering“ und „unberührt“.
Als Bezug zu den Parkelementen wird der Einfluss
der Varianten auf die Dominanten bewertet (siehe
Abb. 34). Hierzu zählen Bauwerke, Plastiken, Gehöl-
ze und Wiesenflächen. Die Betrachtung dieser vier
Aspekte ergibt eine Wertung des Einflusses auf die
Dominanten. Sie umfasst die Ausprägungen „beein-
trächtigend“, „beeinflussend“ und „unerheblich“.
Die Gesamtwertung der Denkmalverträglichkeit setzt
sich aus der Wertung des Einflusses auf die Räum-
lichkeit und die Dominanten zusammen und umfasst
die Ausprägungen „störend“, „beeinträchtigend“ und
„verträglich“. Die Gesamtwertung wird in den blauen
Bewertungskästen in der ersten Zeile angegeben.
Variantenvergleich (Kapitel 9.5)
Der letzte Teil der Variantenbetrachtung führt schließ-
lich die Ergebnisse der vorangegangenen Schritte
zusammen. Eine Übersicht über alle kriterienbasier-
ten Bewertungen und eine Zusammenstellung aller
durchgeführten Visualisierungen ermöglichen diffe-
renzierte Aussagen zu den unterschiedlichen Ausprä-
gungen der Wirkung der Varianten. Dieser Teil bildet
die Grundlage für die Empfehlung der verträglichs-
ten Variante aus denkmalfachlich-konservatorischer
Sicht.
Abb. 34: Kriterienbasierte Bewertung der
Denkmalverträglichkeit über den Einfluss auf die
Dominanten (eigene Darstellung).
31 | 80

image
image
image
9.1 | Variante Brücke
Die erste der möglichen Varianten ist der Bau einer
neuen Hochstraße über das agra-Gelände (vgl. Abb.
35 bis 37). Auch wenn diese Variante auf den ersten
Blick keine Veränderung zur derzeitigen Situation
verheißt, so weist die neue Brücke doch Unterschie-
de in der technischen Ausgestaltung auf. So beträgt
die Höhe der neuen Brücke ca. 6 Meter und ist somit
knapp 2,5 Meter niedriger als ihre Vorgängerin.
Die aktuelle Hochstraße verfügt entlang ihres Ver-
laufs durch den agra-Park über 16 Pfeilerpaare, die
neue Brücke verfügt über 11 Pfeilerpaare. Damit
erhöht sich der Abstand der Pfeiler von ehemals 21
Metern auf 31,5 Meter. Die Böschungen des Straßen-
dammes sollen sich nach Aussage des Landesamtes
für Straßenbaus und Verkehr an der Parkgestaltung
orientieren. (LASuV (2015): 5)
Die technische Ausgestaltung der neuen Brücke
spricht also dafür, dass auch mit dieser Variante zu-
mindest eine Veränderung der Situation des agra-
Parks zu erwarten ist. Nichtsdestotrotz handelt es
sich hierbei erneut um ein Bauwerk, welches in Di-
mension, Lautstärke und Bewegung einen ähnlich
dominanten Effekt auf das Parkgefüge haben könnte.
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
Brücke
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Sichtbarkeit der Verkehrsbewegung
Ansicht A - A`
A
hoch
hoch
mäßig
hoch
hoch
HAUPTTEIL
Abb. 35: Ansicht Variante Brücke (LASuV
2015, Abbildung geht über zwei Seiten).
Abb. 36: Schnitt Variante Brücke. Quelle: Landesa
32 | 80

image
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A`
Der bereits bestehende Damm
im Süden des Parkgeländes wird
von der neuen Brücke in ähnli-
cher Weise wie zuvor als Auffahrt
genutzt. Somit ist nicht von einer
Veränderung der Situation im Sü-
den des Parks auszugehen.
HAUPTTEIL
Abb. 35: Ansicht Variante Brücke (
33 | 80

image
Die Visualisierung der neuen Brücke zeigt in
der Blickbeziehung 1 eine ähnliche Wirkung wie
die Bestandsbrücke.
Das nahe gelegene Weiße Haus
wird zu einem
großen Teil sichtverschattet und kann so kei-
nerlei optische Wirkung entfalten. Der direkte
axiale Bezug zur Gebäudemitte über die Plei-
ße-Brücke hinweg ist nicht ablesbar. Darüber
hinaus ist die Brücke vom Standpunkt aus voll
sichtbar und nah gelegen, sodass sie ihre domi-
nante Wirkung in besonderer Weise entfalten
kann.
Die Wahrnehmung des agra-Parks ist
an dieser Stelle neben der fehlenden Sichtbe-
ziehung auch durch übermäßige technische
Überprägung gestört.
Blickbeziehung 1 - von der Parkgaststätte zum Weißen Haus | Variante Brücke
HAUPTTEIL
Abb. 38: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
34 | 80

image
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image
Blickbeziehung 2 - vom Weißen Haus zur Parkgaststätte | Variante Brücke
Die historische Achse vom Weißen Haus zum
östlichen Parkteil ist nicht mehr baulich gefasst;
die Brücke über den neu gestalteten Teichab-
schnitt verläuft außerhalb. Dieser Umstand und
der dichte Baumbestand vor der Brücke lassen
nur einen kleinen Teil der Parkgaststätte sicht-
bar werden. Doch auch dieser Blickpunkt wird
durch die neue Brücke zerschnitten.
Von einer
Besserung der Situation durch die neue Brü-
cke kann also an dieser Stelle nicht ausgegan-
gen werden.
Vergrößerung
HAUPTTEIL
Abb. 39: Visualisierung Variant
35 | 80

image
Blickbeziehung 3 - von Osten zum Weißen Haus | Variante Brücke
Der Blick vom östlichen Parkrand über die Gro-
ße Sommerblumenwiese zum Weißen Haus
wird deutlich durch die neue Brücke dominiert.
Jedoch kann das Weiße Haus, durch seine er-
höhte Lage von dieser entfernten Position aus
zur niedriger ausgeführten neuen Brücke, eine
Wirkung als Blickpunkt entfalten. Durch den
offenen Raum hat diese Blickbeziehung ein be-
sonders weites Blickfeld, was die horizontale Di-
mension der Brücke unterstreicht, welche über
die gesamte Länge des Blickfeldes auszumachen
ist.
Aufgrund der entfernten Lage dieses Blickpunk-
tes ist davon auszugehen, dass die Fahrzeuge auf
der Brücke gut zu sehen sein werden. Die Bewe-
gung des Verkehrs entlang des gesamten Blick-
feldes und direkt vor dem Weißen Haus wird
dessen zuvor beschriebene Wirkung als Blick-
punkt konterkarieren.
Die räumliche Beziehung zwischen Parkgast-
stätte und Weißem Haus ist von dieser Position
aus sehr gut wahrnehmbar. Beide sind promi-
nent im Sichtfeld gelegen und die axiale Aus-
richtung des Weißen Hauses in Richtung der
Parkgaststätte wird deutlich. Gerade deshalb
ist die zerschneidende Wirkung der Brücke
zwischen diesen beiden Elementen von diesem
Punkt aus in besonderer Weise augenfällig.
Obwohl von geringerer Höhe und mit weniger
Pfeilern als die derzeitige Hochstraße versehen
wird die Brücke von diesem Blickpunkt aus die
Stellung des dominantesten Elements im Park-
gefüge einnehmen.
Die bedeutendste negative
Vorbelastung (siehe Kapitel 7) würde somit
nicht gemindert.
HAUPTTEIL
Abb. 40: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
36 | 80

image
Blickbeziehung 4 - vom Terrassenbereich zu Tempel und Parkgaststätte | Variante Brücke
Die Blickbeziehung 3 zwischen dem Musentem-
pel und der Parkgaststätte wird durch die neue
Brücke in gleicher Weise durchkreuzt wie durch
die aktuelle Hochstraße. Die Fassade der Park-
gaststätte wird mittig zerschnitten und ist so
kaum im Zusammenhang erkennbar.
Unabhängig von der Blickbeziehung selbst ist
von diesem Punkt aus eine weitere Auswirkung
der Variante besonders offensichtlich: Analog
zur Großen Sommerblumenwiese im östlichen
Parkteil
ist der Teich mit Tempel, Terrassen-
bereich und Weißem Haus durch die direkte
Nachbarschaft der neuen Brücke massiv in
seiner Wirkung gestört.
HAUPTTEIL
Abb. 41: Visualisierung Variant
37 | 80

image
image
image
Fazit Brücke
Die Variante der neuen Brücke zeigt in vielerlei Hin-
sicht eine ähnliche Wirkung wie die aktuelle Hoch-
straße. Auch wenn ihr schlankeres Erscheinungsbild,
die geringere Höhe und die niedrigere Anzahl an Trä-
gern grundsätzlich für eine Besserung im Vergleich
zur aktuellen Situation spricht, zeigt sich mit Blick auf
die betrachteten Blickbeziehungen, dass diese Besse-
rung denkmalfachlich-konservatorisch nicht beleg-
bar ist.
Keine der untersuchten Blickbeziehungen kann
mit dem Bau einer neuen Brücke wiederhergestellt
werden.
Es ist lediglich für alle Blickbeziehungen zu
beobachten, dass von den bedeutenden Park-Ele-
menten im Blickfeld etwas mehr sichtbar sein würde.
Neben der Beeinträchtigung der Blickbeziehun-
gen lässt sich auch im Zusammenhang mit der Do-
minanzwirkung der neuen Brücke feststellen,
dass
weiterhin ein Fremdkörper im Kernbereich des
agra-Parks die anderen Dominanten überprägen
Blickbeziehung 2
Blickbeziehung 4
würde.
Dies hängt auch damit zusammen, dass
die neue Brücke den gleichen Verlauf wie ihre
Vorgängerin nehmen würde. Insofern wäre
bei dieser Variante auch in Zukunft davon
auszugehen, dass
die Raumcharaktere
und Raumfolgen, also auch das Parker-
lebnis, in hohem Maße überprägt sein
würden
.
Die Wirkung der neuen Brücke hängt
mit dem Habitus einer Hochstraße als
solche zusammen. Es ist festzustellen,
dass eine niedrigere Brücke mit weniger
Pfeilern, einer anderen Farbe oder Textur
im Gesamtzusammenhang ein ähnliches Er-
gebnis für die Situation aus denkmalfachlich-
konservatorischer Sicht zur Folge haben würde.
Wertung Denkmalverträglichkeit
Raumcharakter
Plastiken
Brücke
Raumbildung
Gehölze
Raumfolge
Bauwerke
Wiesenflächen
Einfluss auf Räumlichkeit
Einfluss auf Dominanten
beeinträchtigend
überprägt
überprägt
störend
verfälscht
beeinträchtigend
starke Konkurrenz
unterbrochen
in Konkurrenz
überprägt
Brücke
Wertung Parkerlebnis
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
gestört
beeinträchtigt
überprägt
beeinträchtigt
beeinträchtigt
HAUPTTEIL
38 | 80

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Blickbeziehung 1
Blickbeziehung 3
HAUPTTEIL
B
Darstel
39 | 80

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9.2 | Variante Trog
Der Trog stellt baulich eine Kompromissvariante
zwischen Tunnel und Brücke dar. Durch seine Ein-
senkung in den Boden weist er nicht die dominan-
te optische Wirkung eines Brückenbauwerkes auf.
Durch fehlende Überdeckung stellt er allerdings nach
wie vor eine deutlich erlebbare Zerschneidung dar.
Die Lärmentwicklung durch den Verkehr nimmt
durch die Absenkung des Verkehrsweges spürbar ab.
An den Brücken und an den Einfahrten in den Trog
ist die Erlebbarkeit des Gartendenkmals weiterhin
durch den Lärm beeinträchtigt (siehe Abb. 44).
Anders als die Variante des Tunnels, dessen Abde-
ckung eine Erhebung im Gelände erzeugt, kann die
Oberkante des Bauwerks an der Oberkante des Ge-
ländes abschließen (siehe Abb. 43). Somit liegt der
Trog - gemeinsam mit der Variante Tunnel ebenerdig
- von allen Varianten am tiefsten und gibt am meis-
ten Sicht frei. Aufgrund der fehlenden Überdeckung
ist wiederum ein Geländer nötig, welches laut der
Voruntersuchung des LASuV mit einer Höhe von
1,46 m deutlich im Parkbild ablesbar sein würde. Da
der Trog den gleichen Verlauf wie die Brücke nimmt,
stellt das Geländer ein unübersehbares Bauwerk dar,
was sich nicht als Parkgestaltung erklärt und eine op-
tische Zerschneidung des Gartendenkmals mit sich
bringt, die in der Betrachtung der Visualisierungen
zu bewerten ist.
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
Trog
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Baubedingte Grundwasserabsenkung
Durch die für den Bauvorgang nötige Absenkung des
Grundwasserspiegels kommt es zu einer Trockenbelas-
tung der Parkbäume im Umfeld der Baumaßnahme.
Baubegleitende Baumschutzmaßnahmen beispielsweise
in Form von regelmäßiger Wässerung vorausgesetzt, ist
dieser zeitlich begrenzte Zustand kompensierbar.
gering
gering
keine
mäßig
mäßig
HAUPTTEIL
Abb. 43: Schnittansicht Variante Trog (LASuV 2015, Abbildung ge
Abb. 44: Sch
Sichtbarkeit der Verkehrsbewegung
40 | 80

image
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Veränderungen am Damm des bestehenden
südlichen Brückenwiderlagers
Der bestehende Damm im Süden des Garten-
denkmals muss möglicherweise durch den Bau
des Trogs auf die anschließende Geländehöhe
abgesenkt werden. Dies zieht eine Veränderung
der Topografie innerhalb des Gartendenkmals
nach sich.
Eine Verschlechterung der bestehenden Situati-
on ist jedoch nicht gegeben, da im Falle einer
Absenkung des Dammes die Straße im südli-
chen Teil des Parks nach wie vor sichtbar, wenn
auch nicht mehr erhöht wäre.
Sollten es die baulichen Umstände zulassen, ist
der Damm beidseitig der in den Trog absinken-
den Straße zu erhalten. In diesem Falle wäre die
Wirkung der Straße im südlichen Bereich des
Parks gemindert.
Bauliche Eingriffe durch Erdanker
Im Zuge des Bauprozesses wären insgesamt 56
Erdanker zu beiden Seiten des Bauwerkes nötig,
die ca. aller 20 Meter eingebracht werden. Durch
die Erdanker können Wurzelräume von Bäumen
des Gartendenkmals beeinträchtigt werden. Aus
dem Abstand der Erdanker ergibt sich, dass der
Wurzelbereich eines Baumes maximal an 2 Stel-
len gestört wird, in der Regel jedoch höchstens
einmal betroffen sein kann. Die damit einherge-
hende Belastung für den jeweiligen Baum wird
als leicht ausgleichbar eingeschätzt.
HAUPTTEIL
Abb. 43: Schnittansicht Variante Trog (
41 | 80

image
Das Geländer des Trogs liegt in unmittelbarer
Nähe des Ausgangspunktes der Blickbeziehung
1 und ist deutlich wahrnehmbar. Die Vertiefung
ist ebenfalls gut einsehbar. So ist der techno-
gene, für einen Park untypische Charakter des
Trogs als besonders dominant einzuschätzen.
Es ist mit gedämpften Verkehrsgeräuschen zu
rechnen.
Da es sich um für einen Park untypi-
sche Geräusche handelt, sorgt auch eine gerin-
ge Lautstärke für eine Störung des Parkerleb-
nisses.
Die Achse zum Weißen Haus erfährt in
dieser Variante die geringste Beeinträchtigung,
da das Weiße Haus nicht durch das Verkehrs-
bauwerk verdeckt wird.
Blickbeziehung 1 - von der Parkgaststätte zum Weißen Haus | Variante Trog
HAUPTTEIL
Abb. 46: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
42 | 80

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image
Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„1b Trog“
Vom Weißen Haus aus gesehen liegt der Trog
optisch kaum wahrnehmbar unterhalb der Plei-
ße-Brücke.
Bis auf eine geringe akustische Be-
einträchtigung kann an dieser Stelle von einer
Wiederherstellung der Blickbeziehung ausge-
gangen werden.
Blickbeziehung 2 - vom Weißen Haus zur Parkgaststätte | Variante Trog
Vergrößerung
HAUPTTEIL
Abb. 47: Visualisierung Varia
43 | 80

image
Blickbeziehung vom östlichen
Parkeingang zum weißen Haus
„2 Trog“
Blickbeziehung 3 - von Osten zum Weißen Haus | Variante Trog
Beim Blick über die Große Sommerblumen-
wiese fällt das Geländer des Trogs nicht sofort
ins Auge. Die beiden Dominanten Weißes Haus
und Parkgaststätte können aufgrund ihrer Di-
mension und Stellung im Raum ihre für das
Parkerlebnis erforderliche Wirkung entfalten.
Auch die axiale Beziehung der beiden Häuser
zueinander wird deutlich.
Nichtsdestotrotz wirkt das Geländer, sobald es
wahrgenommen wird, wie eine für einen Park
untypische Raumgrenze, die durch seinen Ver-
lauf über die gesamte Länge des Blickfeldes
noch verstärkt wird.
Von olfaktorischen oder akustischen Beein-
trächtigungen des Parkerlebnisses wird an die-
sem Standpunkt nicht ausgegangen.
HAUPTTEIL
Abb. 48: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
44 | 80

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Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„4 Trog“
Blickbeziehung 4 - vom Terrassenbereich zu Tempel und Parkgaststätte | Variante Trog
Die beiden Dominanten der Blickbeziehung
vom Terrassenbereich aus können im Falle einer
Trog-Lösung vom Betrachter wieder zueinander
in Beziehung gesetzt werden. Das Geländer des
Trogs ist nur zum Teil sichtbar, da es hinter dem
Pleiße-Damm liegt. Die optische Beeinträchti-
gung durch das Geländer ist in dieser Situation
mäßig; es ist über lange Strecken sichtbar und
schiebt sich vor das Gebäude der Parkgaststätte.
Es erreicht jedoch nicht ansatzweise die nötige
Dimensionalität, um als Dominante das Bild zu
bestimmen.
Es wird von keiner olfaktorischen und einer ge-
ringen akustischen Beeinträchtigung ausgegan-
gen.
Vergrößerung
HAUPTTEIL
Abb. 49: Visualisierung Varia
45 | 80

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Fazit Trog
Der Vorzug der Trogvariante ist ihre geringe Höhe,
das zeigt sich in allen Visualisierungen. Die Blick-
beziehungen 2 und 4 weisen im Falle eines Troges
eine nur geringfügig gestörte Funktion auf, die an die
historischen Situationen anknüpfen kann. Auch die
geringere Lärmbelastung schlägt bei den weiter ent-
fernten Blickpunkten positiv zu Buche.
Aufgrund der bestehenden Trennung durch die Plei-
ße und den Pleiße-Damm ist der westliche Parkraum
mit Teich, Musentempel, Terrassenbereich und Wei-
ßem Haus bei dieser Variante nur auf geringe Weise
in seinem Charakter beeinträchtigt. Somit würde im
Herzstück des Villengartens wieder eine weitestge-
hend parkartige Atmosphäre herrschen. Das Gelän-
der konkurriert in seinen Dimensionen nicht mehr
mit den Bauwerken, dennoch durchaus mit Gehölzen
und in der Nähe positionierten Plastiken wie denen
östlich der jetzigen Hochstraße.
Der Trog stellt wie die Brücke eine Zerschneidung
des agra-Parks dar. Die Raumfolge ist unterbrochen,
die historische Raumbildung wird durch das
Geländer verfälscht. Dies wirkt sich ebenso
auf die Naturnähe der betroffenen Parkbe-
reiche aus. In der Nähe des Trogs und auf
den Brücken besteht weiterhin eine akus-
tische und olfaktorische Belastung.
Im Bereich des Parkraums um den Tem-
pel am Wehr wird von wahrnehmbarem
Verkehrslärm ausgegangen. Durch seine
unmittelbare Nachbarschaft ist auch der
Parkraum der Großen Sommerblumen-
wiese beeinflusst. Der Parkraum vor der
Parkgaststätte ist deutlich durch den Trog
geprägt (siehe Blickbeziehung 1).
Auch wenn sie bei weitem nicht die negati-
ven Auswirkungen wie eine Brücke erreicht,
ist die Variante des Trogs eine Beeinträchtigung
des Gartendenkmals und des Parkerlebnisses.
Blickbeziehung 2
Blickbeziehung 4
Wertung Denkmalverträglichkeit
Raumcharakter
Plastiken
Trog
Raumbildung
Gehölze
Raumfolge
Bauwerke
Wiesenflächen
Einfluss auf Räumlichkeit
Einfluss auf Dominanten
beeinträchtigend
mäßig überprägt
starke Konkurrenz
beeinträchtigt
verfälscht
beeinflussend
geringe Konkurrenz
unterbrochen
keine Konkurrenz
geringe Konkurrenz
Trog
Wertung Parkerlebnis
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
mäßig
beeinträchtigt
kaum beeinträchtigt
beeinträchtigt
mäßig beeinträchtigt
kaum beeinträchtigt
HAUPTTEIL
Abb. 50: Variante
(eigene Da
46 | 80

image
image
image
Blickbeziehung 1
Blickbeziehung 3
HAUPTTEIL
Abb. 50: Variante Trog
(eigene Darste
47 | 80

image
image
image
9.3 | Variante Tunnel
Der Verlauf der B2 würde im Falle eines Tunnels im
Bereich des Parkes überwiegend unter die Erde ver-
legt (siehe Abb. 53). Diese Bauweise hat grundsätzlich
gegenüber den zuvor geprüften Varianten mehrere
denkmalfachlich-konservatorisch relevante Vorzüge.
Zum einen würde die Straße mit ihrem Verkehrslärm
und der Verkehrsbewegung weitgehend verschwin-
den. Zum anderen stellt der Bereich der notwendigen
Überdeckung des Tunnels grundsätzlich einen land-
schaftsarchitektonisch gestaltbaren Raum dar (siehe
Abb. 52).
Mit dem Tunnel ist die zerschneidende Wirkung der
B2 nicht mehr in der Form gegeben, wie das bei einer
neuen Brücke oder einem Trog der Fall wäre. Doch
es ist zu beachten, dass durch den bislang geplanten
Aufbau der Tunnelüberdeckung das Gelände im Be-
reich des Tunnels angehoben wird (siehe Abb. 51).
Somit entsteht eine Art Erdwall, der wiederum sei-
nerseits eine zerschneidende Zäsur des Parkgefüges
mit sich bringt, wenn auch nicht in dem Maße wie bei
den zuvor geprüften Varianten. Die Auswirkung die-
ses Effekts ist demnach unter anderem Gegenstand
der folgenden Untersuchung der Visualisierungen.
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
Tunnel
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Erhöhung des
Geländes durch
Tunnelaufbau
mäßig
keine
keine
HAUPTTEIL
Abb. 51: Schnittansicht Variante Tunnel (LASuV 2015, Abbildung ge
Abb.
Schn
LASuV
.
gering
Sichtbarkeit der Verkehrsbewegung
keine
48 | 80

image
image
image
Veränderungen am bestehenden Damm des
südlichen Brückenwiderlagers
Der bestehende Damm im Süden des Garten-
denkmals wird wahrscheinlich mit dem Bau der
Tunneleinfahrt auf die anschließende Gelände-
höhe abgesenkt werden müssen. Dies bedeutet
eine Veränderung der bestehenden Topografie
innerhalb und im unmittelbaren Umfeld des
Gartendenkmals.
Eine Verschlechterung der bestehenden Situati-
on ist jedoch nicht gegeben, da im Falle einer
Absenkung des Dammes die Straße im südli-
chen Teil des Parks nach wie vor sichtbar, wenn
auch nicht mehr erhöht wäre.
Sollten es die baulichen Umstände zulassen, ist
zu der Erhaltung des Dammes beidseitig der ab-
sinkenden Straße zu raten. In diesem Falle wäre
die Wirkung der Straße im südlichen Bereich
des Parks gemindert (gleiche Bedingungen wie
bei der Trogvariante).
HAUPTTEIL
Abb. 51: Schnittansicht Variante Tunnel (
49 | 80

image
In unmittelbarer Nähe zur wallartigen Überde-
ckung des Tunnels ist deren optische Wirkung
gut ablesbar. Das Weiße Haus ist zu einem klei-
nen Teil durch den Hügel verdeckt, die Pleiße-
Brücke nicht zu sehen. Doch an dieser Stelle er-
schöpfen sich die negativen Auswirkungen.
Der Tunneleingang liegt dutzende Meter weiter
nördlich, wodurch wenig Verkehrslärm zu er-
warten ist.
Betritt der Parkbesucher das Rondell (wenige
Meter im Rücken der Visualisierung), befindet
er sich auf einer erhöhten Position. Von dort ist
die Wirkung des Walls geringer und das Weiße
Haus besser sichtbar.
Blickbeziehung 1 - von der Parkgaststätte zum Weißen Haus | Variante Tunnel
HAUPTTEIL
Abb. 54: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
50 | 80

image
image
image
Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„1b Tunnel“
Der neue Wall des Tunnels ist erkennbar hinter
der Pleiße-Brücke gelegen und verdeckt einen
kleinen Teil der Parkgaststätte. Dennoch ist die
Blickbeziehung gegeben und durch keine für ei-
nen Park untypischen Elemente beeinflusst.
Blickbeziehung 2 - vom Weißen Haus zur Parkgaststätte | Variante Tunnel
Vergrößerung
HAUPTTEIL
Abb. 55: Visualisierung Variant
51 | 80

image
Blickbeziehung vom östlichen
Parkeingang zum weißen Haus
„2 Tunnel“
Der Blick über die Große Sommerblumenwiese
zum Weißen Haus und zur Parkgaststätte stellt
sich ohne nennenswerte Beeinträchtigung dar.
Der Tunnel-Wall ist wahrnehmbar, passt sich
jedoch als natürlich anmutendes Element in die
Parkgestaltung ein und ordnet sich den Domi-
nanten im Raumgefüge unter. Aufgrund seiner
Durchgängigkeit wirkt der Wall jedoch wie eine
Raumkante und nimmt damit Einfluss auf die
historische Raumbildung des Parks.
Blickbeziehung 3 - von Osten zum Weißen Haus | Variante Tunnel
HAUPTTEIL
Abb. 56: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
52 | 80

image
Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„4 Tunnel“
Der Wall verdeckt einen nicht unerheblichen
Teil der Parkgaststätte und nimmt so Einfluss
auf das Bild von Tempel und Gaststätte. Analog
zu Blickbeziehung 3 wirkt er aufgrund seiner
Durchgängigkeit als Raumgrenze.
Blickbeziehung 4 - vom Terrassenbereich zu Tempel und Parkgaststätte | Variante Tunnel
HAUPTTEIL
Abb. 57: Visualisierung Variant
53 | 80

image
image
image
Fazit Tunnel
Die Vorteile einer Tunnellösung überwiegen eindeu-
tig im Vergleich zu den Nachteilen. Obwohl auch der
Wall des Tunnels durch seine Position im Parkgefüge
eine Beeinflussung der Räumlichkeit bewirkt (siehe
Blickbeziehung 3 und 4), so ist diese weniger stark
ausgeprägt als bei den Varianten Brücke und Trog.
Der aus der Nähe deutlich wahrnehmbare Wall (sie-
he Blickbeziehung 1) besitzt durch seine Materiali-
tät eine natürliche Anmutung und könnte auch bei
geringer Erdüberdeckung des Tunnelaufbaus mit
Stauden und Sträuchern bepflanzt werden. So ergibt
sich für den „Fußabdruck“ des Tunnels eine Vielfalt
an Gestaltungsmöglichkeiten, die diese Variante von
den anderen unterscheidet. Eine denkmalgerechte
Anpassung der Modellierung und Pflanzenverwen-
dung ist ein denkbarer Weg, die räumliche Wirkung
des Walls weiter zu verringern.
Es wäre des Weiteren mit dieser Variante möglich,
Parkteile wieder zu beleben, die mit dem Bau der
Hochstraße beeinträchtigt wurden. Dies betrifft vor
Tunnel
Wertung Parkerlebnis
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
kaum
beeinträchtigt
störungsfrei
kaum beeinträchtigt
kaum beeinträchtigt
störungsfrei
Blickbeziehung 2
Blickbeziehung 4
allem den Staudengarten aus den 1950er Jahren,
der sich westlich der Blumenwiese im Umfeld
der aus der gleichen Entstehungszeit stam-
menden Parkgaststätte befand.
Letztlich hat der Wall des Tunnels einen
Einfluss auf die Blickbeziehungen 1, 3 und
4. Durch die Höhe des Walls sind Teile
der Bauwerke verdeckt. Es kommt in die-
sen Fällen jedoch nicht zu einer techno-
genen Prägung des Parkbildes.
Die ästhetisch wirksamen Verkehrsemis-
sionen (Lärm, Geruch und visuelle Beto-
nung durch Bewegung) werden mit dieser
Variante - bis auf die unmittelbaren Bereiche
der Tunneleinfahrten im Norden und Süden
des Parks - ausgeschlossen. Der südliche Park-
weg zwischen den beiden Parkteilen befindet sich
unmittelbar an der Einfahrt und wäre somit diesen
Einflüssen ausgesetzt.
Wertung Denkmalverträglichkeit
Einfluss auf Räumlichkeit
Raumcharakter
Plastiken
Tunnel
Raumbildung
Einfluss auf Dominanten
Gehölze
Raumfolge
Bauwerke
Wiesenflächen
gering
gerinfügig überprägt
verträglich
mäßig
unerheblich
kaum beeinflusst
keine Konkurrenz
kaum Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
HAUPTTEIL
Abb. 58: Variante Tun
und Verortung (eige
54 | 80

image
image
image
Blickbeziehung 1
Blickbeziehung 3
HAUPTTEIL
Abb. 58:
und Ver
55 | 80

image
image
9.4 | Variante Tunnel ebenerdig
Die zusätzliche Untervariante der Betrachtung orien-
tiert sich an der Möglichkeit, den Tunnel so tief abzu-
senken, dass der obere Geländeabschluss auf der ur-
sprünglichen Höhe des Geländes liegt. Somit wäre es
möglich, ein Verkehrsbauwerk zu schaffen, welches
einen enorm geringen Einfluss auf seine Umgebung
hat.
Da diese Variante kein Teil der Voruntersuchung des
LaSuV war, wurden die technischen Pläne der Tun-
nel-Variante durch das mit dem vorliegenden Gut-
achten betraute Büro angepasst. So lässt sich auf Ab-
bildung 59 im Vergleich zur Abbildung 51 (Variante
Tunnel) sehr gut der Unterschied zwischen beiden
Varianten ablesen.
Da der Tunnel in dieser Variante keinen Erdwall er-
zeugt, wird die Wirkung des Bauwerkes noch geringer
eingeschätzt und kann im Vergleich zur Hochstraße
vernachlässigt werden. Neben keiner nennenswer-
ten olfaktorischen und akustischen Belastung ist nun
auch die Raumwirkung des Tunnels nicht mehr ge-
geben. Die Verkehrsbewegung bleibt, wie bei allen
anderen Variante bis auf die der Brücke, ebenfalls
verborgen.
Es entsteht durch den Tunnel ein Raum, der wieder
nach historischen Vorbild in die Parkgestaltung ein-
gebunden werden könnte.
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
Tunnel
ebenerdig
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Keine Erhöhung des Gelän-
des durch Tunnelaufbau
keine
keine
keine
HAUPTTEIL
Abb. 59: Schnittansicht Variante Tunnel ebenerdig (eigene Darstellu
keine
Sichtbarkeit der Verkehrsbewegung
keine
56 | 80

image
image
Veränderungen am bestehenden Damm des
südlichen Brückenwiderlagers
Der bestehende Damm im Süden des Garten-
denkmals wird wahrscheinlich mit dem Bau der
Tunneleinfahrt auf die anschließende Gelände-
höhe abgesenkt werden müssen. Dies bedeutet
eine Veränderung der bestehenden Topografie
innerhalb und im unmittelbaren Umfeld des
Gartendenkmals.
Eine Verschlechterung der bestehenden Situati-
on ist jedoch nicht gegeben, da im Falle einer
Absenkung des Dammes die Straße im südli-
chen Teil des Parks nach wie vor sichtbar, wenn
auch nicht mehr erhöht wäre.
Sollten es die baulichen Umstände zulassen, ist
zu der Erhaltung des Dammes beidseitig der ab-
sinkenden Straße zu raten. In diesem Falle wäre
die Wirkung der Straße im südlichen Bereich
des Parks gemindert (gleiche Bedingungen wie
bei der Trogvariante).
HAUPTTEIL
Abb. 59: Schnittansicht Variante Tunnel ebenerdig (eigen
57 | 80

image
image
Die Auswirkungen der Variante Tunnel ebener-
dig auf Blickbeziehung 1 zeigen sehr anschau-
lich, dass die Straße trotz ihrer unmittelbaren
Nähe zum Standpunkt des Betrachters keine
Auswirkungen auf das Parkerlebnis hat. Das
Weiße Haus ist in Gänze zu sehen und damit
ist die ursprüngliche Achse zwischen Parkgast-
stätte und Weißem Haus als wiederhergestellt zu
betrachten.
Blickbeziehung 1 - von der Parkgaststätte zum Weißen Haus | Variante Tunnel ebenerdig
HAUPTTEIL
Abb. 61: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
58 | 80

image
image
Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„1b Tunnel“
Im Vergleich zur Variante des Tunnels ergeben
sich keine erkennbaren Unterschiede, da der
Damm des Tunnels bereits vom Weißen Haus
aus nicht hinter der Brücke zu sehen war. Somit
ist auch das Fehlen desselben nun nicht sichtbar.
Blickbeziehung 2 - vom Weißen Haus zur Parkgaststätte | Variante Tunnel ebenerdig
Vergrößerung
HAUPTTEIL
Abb. 62: Visualisierung Variante Tunnel e
59 | 80

image
Blickbeziehung vom östlichen
Parkeingang zum weißen Haus
„2 Tunnel“
Die starke horizontale Wirkung, welche die Brü-
cke, das Geländer oder der Tunnelwall hatten,
ist in dieser Variante nicht spürbar. Die Große
Sommerblumenwiese, der Baumbestand des an-
grenzenden Teiches und die Wirkung und Be-
ziehung von Parkgaststätte und Weißem Haus
können sich ungestört entfalten.
Blickbeziehung 3 - von Osten zum Weißen Haus | Variante Tunnel ebenerdig
HAUPTTEIL
Abb. 63: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
60 | 80

image
Blickbeziehung vom Bootsanleger
über den Tempel zur Parkgaststätte
„4 Tunnel“
Das Ensemble aus Tempel und Parkgaststätte
präsentiert sich nahezu so wie auf den bereits
abgebildeten historischen Fotos (siehe Abb. 29,
Seite 26). Eine Beeinflussung durch die Variante
kann nicht festgestellt werden.
Blickbeziehung 4 - vom Terrassenbereich zu Tempel und Parkgaststätte | Variante Tunnel ebenerdig
HAUPTTEIL
Abb. 64: Visualisierung Variante Tunnel e
61 | 80

image
image
image
Fazit Tunnel ebenerdig
Die ebenerdige Variante des Tunnels bewirkt weder
in den vier untersuchten Blickbeziehungen noch in
der kriterienbasierten Bewertung eine nennenswer-
te Beeinflussung des agra-Parks. Das Parkerlebnis
wird in den zuvor durch die Hochstraße beeinfluss-
ten Bereichen durch den ebenerdigen Tunnel nicht
beeinträchtigt. Luftqualität und Ruhe sind gegeben,
die naturnahe Anmutung des Parkbildes lässt sich
durch die nicht wahrnehmbare Anwesenheit des
technischen Bauwerkes nicht trüben und durch die
Störungsfreiheit ist der harmonische Zusammenhang
des Parks als Ganzes gegeben. Ebenso verhält es sich
mit der Räumlichkeit, da Raumbildung, Raumfolge
und Raumcharakter unberührt bleiben. Die Domi-
nanten des Parks stehen zur Variante nicht in Kon-
kurrenz.
Lediglich im unmittelbaren Umfeld der Tunnelein-
fahrten ist - analog zur Variante Tunnel - mit einer
Beeinflussung durch den Verkehr zu rechnen.
Wertung Parkerlebnis
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
nicht
beeinträchtigt
störungsfrei
störungsfrei
störungsfrei
störungsfrei
Blickbeziehung 2
Blickbeziehung 4
Wertung Denkmalverträglichkeit
Einfluss auf Räumlichkeit
Raumcharakter
Plastiken
Raumbildung
Einfluss auf Dominanten
Gehölze
Raumfolge
Bauwerke
Wiesenflächen
unberührt
verträglich
unberührt
unberührt
unberührt
unerheblich
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
HAUPTTEIL
Abb. 65: Variante Tun
und Verortung (eige
Tunnel
ebenerdig
Tunnel
ebenerdig
62 | 80

image
image
image
Blickbeziehung 1
Blickbeziehung 3
HAUPTTEIL
Abb. 65:
und Ver
63 | 80

9.5 | Variantenvergleich
Wirkung Bauwerk
Raumwirkung/Dimension
akustische Belastung
olfaktorische Belastung
Sichtbarkeit der Verkehrsbewegung
Brücke
hoch
hoch
mäßig
hoch
hoch
Der direkte Wertungsvergleich der betrach-
teten Varianten spiegelt in der Abstufung
von Brücke über Trog zu Tunnel einen ab-
nehmenden störenden Einfluss auf das
Parkgefüge aus denkmalfachlich-konserva-
torischer Sicht wider. Es zeigt sich, dass die
Variante Tunnel in fast allen Punkten der
Bewertung die beste Wertung erhält. Darü-
ber hinaus erreicht die Wertung der Varian-
te des ebenerdigen Tunnels ausnahmslos die
beste Wertung.
Bereits in seiner spezifischen Wirkung als
Bauwerk erweist sich der Tunnel als deutlich
weniger invasiv als Trog und Brücke. Allein
die Raumwirkung des knapp zwei Meter ho-
hen Walls wird als höher eingeschätzt als die
des anderthalb Meter hohen und blickdurch-
lässigen Geländers. Das Fehlen des Erdwalls
führt bei der ebenerdigen Ausführung des
Tunnels zu einer geringsten Wertung der
Raumwirkung. Das Fehlen von olfaktori-
schen und akustischen Beeinträchtigungen
zeichnet den Tunnel und den ebenerdigen
Tunnel aus. Der Brücke als mehrere Meter
hohes und massives Bauwerk ist - trotz Be-
mühen um eine schlanke Konstruktion - aus
denkmalfachlich-konservatorischer Sicht
eine hohe Dominanzwirkung zuzuschrei-
ben.
Trog
gering
gering
mäßig
keine
mäßig
Tunnel
Tunnel
ebenerdig
mäßig
keine
keine
keine
keine
keine
keine
keine
niedrig
keine
Wertung Parkerlebnis
Ruhe
Naturnähe
Harmonie
Luftqualität
HAUPTTEIL
gestört
mäßig
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
nicht
beeinträchtigt
beeinträchtigt
überprägt
beeinträchtigt
beeinträchtigt
mäßig
beeinträchtigt
mäßig überprägt
mäßig
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
störungsfrei
störungsfrei
kaum
beeinträchtigt
kaum
beeinträchtigt
störungsfrei
störungsfrei
störungsfrei
störungsfrei
Abb. 66: Wertung der
Bauwerkswirkung und
des Parkerlebnisses der
vier Varianten (eigene
Darstellung).
führt wird. Der Blick auf die betrachteten Visualisie-
rungen zeigt jedoch eine mäßige Beeinflussung durch
den Erdwall des Tunnels bei den Blickbeziehungen 1,
3 und 4. Ein Einfluss auf die Räumlichkeit bleibt so-
mit allein bei der Variante des ebenerdigen Tunnels
aus.
Das Parkerlebnis wird durch die Brücke gestört. Im
Gegensatz dazu zeichnet sich die Tunnelvariante
durch eine kaum beeinträchtigte Naturnähe und
Harmonie der Parkkomposition aus und bleibt bei
den Kategorien Luftqualität und Ruhe aus denkmal-
fachlich-konservatorischer Sicht störungsfrei. Die
ebenerdige Variante zeigt sich bei der Wertung des
Parkerlebnisses in allen Kategorien störungsfrei.
Mit Blick auf die Denkmalverträglichkeit der Varian-
ten erweist sich die Brücke als störend und damit un-
verträglich, da sie in hohem Maße die Räumlichkeit
und damit die Parkstruktur und die als Dominanten
wirkenden Parkelemente beeinträchtigt. Den gerings-
ten Einfluss auf Parkstrukturen und Parkelemente hat
der Tunnel, insbesondere, wenn er ebenerdig ausge-
64 | 80

Brücke
Brücke
Trog
Trog
Tunnel
Tunnel
ebenerdig
Tunnel
ebenerdig
Tunnel
Wertung Denkmalverträglichkeit
Raumcharakter
Plastiken
Raumbildung
Gehölze
Raumfolge
Bauwerke
Wiesenflächen
Einfluss auf Räumlichkeit
Einfluss auf Dominanten
HAUPTTEIL
verfälscht
beeinträchtigend
beeinträchtigend
beeinträchtigend
beeinflussend
überprägt
verfälscht
unterbrochen
unterbrochen
mäßig überprägt
gering
unberührt
unberührt
unberührt
gering
unberührt
mäßig
kaum
störend
beeinträchtigend
verträglich
verträglich
überprägt
starke Konkurrenz
in Konkurrenz
überprägt
starke Konkurrenz
geringe Konkurrenz
keine Konkurrenz
geringe Konkurrenz
unerheblich
unerheblich
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
kaum Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
keine Konkurrenz
Abb. 67: Wertung der Denkmalverträglichkeit der vier Varianten
(eigene Darstellung).
65 | 80

image
image
Brücke
Trog
Blickbeziehung 1 - von der Parkgaststätte zum Weißen Haus
HAUPTTEIL
Abb. 68: Gegenüberstellung Varianten in
Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung, Abbildung
besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
66 | 80

image
image
Tunnel
HAUPTTEIL
Abb. 68: Gegen
Blickbeziehung 1 (eig
besteht aus vier Visualis
Tunnel
ebenerdig
67 | 80

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image
Blickbeziehung 2 - vom Weißen Haus zur Parkgaststätte
HAUPTTEIL
Abb. 69: Gegenüberstellung Varianten in
Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung, Abbildung
besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
Brücke
Trog
68 | 80

image
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HAUPTTEIL
Abb. 69: Gegen
Blickbeziehung 2 (eig
besteht aus vier Visualis
Tunnel
Tunnel
ebenerdig
69 | 80

image
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Blickbeziehung 3 - von Osten zum Weißen Haus
HAUPTTEIL
Abb. 70: Gegenüberstellung Varianten in
Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung, Abbildung
besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
Brücke
Trog
70 | 80

image
image
HAUPTTEIL
Abb. 70: Gegen
Blickbeziehung 3 (eige
besteht aus vier Visualisi
Tunnel
Tunnel
ebenerdig
71 | 80

image
image
Blickbeziehung 4 - vom Terrassenbereich zu Tempel und Parkgaststätte
HAUPTTEIL
Abb. 71: Gegenüberstellung Varianten in
Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung, Abbildung
besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
Brücke
Trog
72 | 80

image
image
HAUPTTEIL
Abb. 71: Gegenü
Blickbeziehung 4 (eigen
besteht aus vier Visualisier
Tunnel
Tunnel
ebenerdig
73 | 80

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image
image
image
image
image
image
image
Blickbeziehung 1
Blickbeziehung 2
Brücke
Trog
Tunnel
HAUPTTEIL
Abb. 72: Gegenüberstellung
aller Varianten in sämtlichen
Blickbeziehungen (eigene
Darstellung, Abbildung geht
über zwei Seiten).
Tunnel
ebenerdig
74 | 80

image
image
image
image
image
image
image
image
Brücke
Trog
Tunnel
Blickbeziehung 3
Blickbeziehung 4
HAUPTTEIL
Abb. 72: Gegenüberstellung
aller Varianten in sämtlichen
Blickbeziehungen (eigene
Darstellung, Abbildung geht
über zwei Seiten).
Tunnel
ebenerdig
75 | 80

image
image
image
10 | Empfehlung
Die vier Varianten des Ausbaus der B2 im Bereich
des agra-Parks wurden auf ihre Denkmalverträg-
lichkeit und ihren Einfluss auf das Parkerlebnis der
Parkbesucher geprüft. Der Vergleich der Wirkung
auf Parkelemente und Parkstrukturen sowie die Vi-
sualisierung von ausgewählten historischen Blick-
beziehungen lassen eine klare Schlussfolgerung und
Empfehlung zu.
Eine ebenerdige Tunnel-Lösung, stellt sich als die
verträglichste der zur Wahl stehenden Varianten
heraus. Sie stellt aus denkmalfachlich-konserva-
torischer Sicht eine erhebliche Verbesserung der
Situation dar.
Darüber hinaus wird diese Variante
der Bedeutung des agra-Parks als Erholungspark ge-
recht (vgl. § 9 Abs. 3 SächsDSchG).
Das Gutachten kommt darüber hinaus zu dem
Schluss, dass sich die Variante Tunnel ebenfalls als
sehr konfliktarm auszeichnet.
GESAMTF AZIT
Abb. 73: Darste
Wirkung Bauwerk
keine
Wertung Parkerlebnis
nicht
beeinträchtigt
Wertung Denkmalverträglichkeit
verträglich
Einfluss auf Räumlichkeit
unberührt
Einfluss auf Dominanten
unerheblich
Tunnel
ebenerdig
76 | 80

image
image
image
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11 | Zusammenfassung
Im Dezember 2017 beauftragte das Landesamt für
Denkmalpflege (LfD) das landschaftsARCHITEK-
TURbüro von Gagern mit der Erstellung eines denk-
malfachlich-konservatorischen Gutachtens. Inhalt
des Gutachtens ist die vergleichende Betrachtung von
vier möglichen Varianten des Ausbaus der B2 unter
denkmalfachlichen Gesichtspunkten. Es kommen
die Varianten Brücke, Trog, Tunnel und ebenerdiger
Tunnel in Betracht, die durch eine Voruntersuchung
des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (LA-
SuV) aufgestellt wurden.
Das Ziel des Gutachtens ist die Empfehlung der
denkmalfachlich-konservatorisch günstigsten Vari-
ante des Ausbaus der B2 in ihrem Verlauf durch das
Gelände des Agra-Parks. Das Gutachten orientiert
sich dabei methodisch an den 4 Hauptgliederungs-
punkten der vom LfD erarbeiteten Aufgabenstel-
lung. Der Ablauf gliedert sich in eine Voruntersu-
chung, welche die planungsrechtlichen Vorgaben,
einen kurzen geschichtlichen Abriss und Aussagen
zur denkmalfachlichen Bedeutung des Parks sowie
seiner Erholungsfunktion beinhaltet. Der darauffol-
gende Hauptteil enthält die Einschätzung der Vorbe-
lastung, die vertiefende Betrachtung der betroffenen
denkmalpflegerischen Schutzziele in den Kategorien
Parkelemente und -strukturen, sowie den Varianten-
vergleich mittels einer verbal-argumentativen Bewer-
tung visualisierter Blickbeziehungen und einer krite-
rienbasierten Bewertung der Wirkung des Bauwerks,
des Parkerlebnisses (vgl. § 9 Abs. 3 SächsDSchG) und
der Denkmalverträglichkeit (vgl. § 8 Abs. 2 Sächs-
DSchG). Am Schluss des Gutachtens steht eine auf
Grundlage der Ergebnisse des Variantenvergleiches
erarbeitete Empfehlung.
GESAMTF AZIT
Der Vergleich lässt eine klare Schlussfolgerung und
Empfehlung zu. Es spiegelt sich in der Abstufung von
Brücke über Trog, Tunnel zu ebenerdigem Tunnel ein
abnehmender störender Einfluss auf das Parkgefüge
wider. Es zeigt sich, dass die Variante Tunnel eben-
erdig in allen betrachteten Punkten die beste Bewer-
tung erreicht.
Eine ebenerdige Tunnel-Lösung, stellt sich als die
verträglichste der zur Wahl stehenden Varianten
heraus. Sie stellt aus denkmalfachlich-konservato-
rischer Sicht eine erhebliche Verbesserung der Si-
tuation dar.
Das Gutachten kommt darüber hinaus zu dem
Schluss, dass sich die Variante Tunnel ebenfalls als
sehr konfliktarm auszeichnet.
Abb. 74: Gegenüberstellung Variante Tunnel
ebenerdig und Bestand.,Blickbeziehung 1
(eigene Darstellung).
Abb. 75: Gegenüberstellung Variante
Tunnel ebenerdig und Bestand,
Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
77 | 80

Haberkern, K. (2001): agra-Park Markklee-
berg. Diplomarbeit, unveröffentlicht.
Haferkorn, C. (o. J.): Das agra-Gelände in
Leipzig/Markkleeberg. Architektur und Land-
schaftsgestaltung. Magisterarbeit, unveröffent-
licht.
Landesamt für Strassenbau und Verkehr
Sachsen (LASuV) (2015): Ausbau südl. Leipzig
mit Erneuerung BW 33 ü. d. Agra. Voruntersu-
chung (Auszug).
Schwarz, H. (2017): B 2 Leipzig - Böhlen /
Ausbau südlich Leipzig mit Erneuerung BW 33
über die AGRA. Stellungnahme zum Varianten-
vergleich - Brücke - Tunnel - Trog.
DRZ Markkleeberg: Seelemann, D.; Hab-
erkern, K. (2003): Denkmalpflegerische Rah-
menzielstellung. Markkleeberg, Park an der
Herfurth´schen Villa / agra-Park.
DRZ Leipzig: Seelemann, D. (2008): Denk-
malpflegerische Rahmenzielstellung. Leipzig:
Herfurth´scher Park / agra Park.
Trajkovits, T. (2017): Denkmalbegründung
für den „Herfurth-Park/agra-Park“.
Rechtsquellen:
Sächsisches Denkmalschutzgesetz (Sächs-
DSchG) vom 3. März 1993. Letzte Änderung 15.
Dezember 2016.
12 | Quellenverzeichnis
13 | Abbildungsverzeichnis
Abb. 01: Der agra-Park aus der Luft (eigene Darstellung).
3
Abb. 02: Denkmalkartierung des Freistaates Sachsen (LfD 2018).
6
Abb. 03: Plan des Herfurther Parks, um 1931 (Seelemann 2017).
7
Abb. 04: Achse vom weißen Haus in den östlichen Parkteil, um 1934 (Haberkern 2001).
8
Abb. 05: Tempel am Wehr (Haferkorn).
9
Abb. 06: Parkgaststätte um 1956 (Haberkern 2001).
10
Abb. 07: Leipziger Grünflächen (eigene Darstellung).
12
Abb. 08: Tunnel Tiergarten Spreebogen Berlin (eigene Darstellung, Grundlage DOP 2017 Geoportal Berlin).
13
Abb. 09: Musentempel im unmittelbaren Umfeld von Hochstraße und Pleiße-Damm (eigene Darstellung).
14
Abb. 10: Große Sommerblumenwiese, Blick von Osten (eigene Darstellung).
15
Abb. 11: Karte zu geplanten Flussbegradigungen, 1854. (Seelemann )
16
Abb. 12: Graffitis am Tempel am Wehr. (eigene Darstellung )
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Abb. 13: Blick vom Weißen Haus auf den Pleiße-Damm. Foto von 1933 (Haberkern 2001).
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Abb. 15: Blick über den Teich und Pleiße-Damm zur Parkgaststätte. Foto von 1960 (Seelemann).
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Abb. 14: Zerschnittene Achse zwischen Weißem Haus und Parkgaststätte (eigene Darstellung).
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Abb. 16: Entwicklungsplan der denkmalpflegerischen Rahmenzielstellung (DRZ Leipzig 2008).
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Abb. 17: Betroffene Teile des Parkgefüges (eigene Darstellung).
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Abb. 18: Betroffene Elemente in der Vogelperspektive (eigene Darstellung).
20
Abb. 19: Betroffene Elemente im Luftbild (eigene Darstellung).
21
Abb. 20: Weißes Haus (eigene Darstellung).
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Abb. 21: Parkgaststätte (eigene Darstellung).
22
Abb. 22: Musentempel (eigene Darstellung).
22
Abb. 24: Betroffene Plastiken (eigene Darstellung).
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Abb. 23: Tempel am Wehr (eigene Darstellung).
23
Abb. 25: Terrassenbereich (eigene Darstellung).
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Abb. 26: Betroffene Strukturen in der Vogelperspektive (eigene Darstellung).
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Abb. 27: Betroffene Parkstrukturen im Luftbild (eigene Darstellung).
25
Abb. 28: Blick über die Achse vom Weißen Haus zum östlichen Parkteil (Blickbeziehung 2) (Haberkern 2001).
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Abb. 29: Blick vom Terrassenbereich über den Teich zu Tempel und Parkgaststätte (Blickbeziehung 4), um 1956 (Haberkern 2001).
26
Abb. 30: Betroffene historische Blickbeziehungen (eigene Darstellung).
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Abb. 31: Kriterienbasierte Bewertung der Wirkung des Bauwerks (eigene Darstellung).
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Abb. 32: Kriterienbasierte Bewertung des Einflusses der Varianten auf das Parkerlebnis (eigene Darstellung).
29
Abb. 33: Kriterienbasierte Bewertung der Denkmalverträglichkeit über den Einfluss auf die Räumlichkeit (eigene Darstellung).
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Abb. 34: Kriterienbasierte Bewertung der Denkmalverträglichkeit über den Einfluss auf die Dominanten (eigene Darstellung).
31
Abb. 35: Ansicht Variante Brücke (LASuV 2015, Abbildung geht über zwei Seiten).
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Abb. 36: Schnitt Variante Brücke. Quelle: Landesamt für Straßenbau und Verkehr (LASuV 2015).
32
Abb. 37: Visualisierung Variante Brücke im Luftbild (eigene Darstellung).
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Abb. 38: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
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Abb. 39: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung).
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Abb. 40: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
36
Abb. 41: Visualisierung Variante Brücke, Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung).
37
Abb. 42: Variante Brücke, alle Blickbeziehungen und Verortung (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
38
Abb. 43: Schnittansicht Variante Trog (LASuV 2015, Abbildung geht über zwei Seiten).
40
Abb. 44: Schema zur Lärmausbreitung (eigene Darstellung).
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Abb. 45: Visualisierung Variante Brücke im Luftbild (eigene Darstellung).
41
Abb. 46: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
42
Abb. 47: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung).
43
Abb. 48: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
44
Abb. 49: Visualisierung Variante Trog, Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung).
45
Abb. 50: Variante Trog, alle Blickbeziehungen und Verortung (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
46
Abb. 51: Schnittansicht Variante Tunnel (LASuV 2015, Abbildung geht über zwei Seiten).
48
Abb. 52: Schnitt der Variante Tunnel (LASuV 2015).
48
Abb. 53: Visualisierung Variante Tunnel im Luftbild. (eigene Darstellung).
49
Abb. 54: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
50
Abb. 55: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung).
51
Abb. 56: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
52
Abb. 57: Visualisierung Variante Tunnel, Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung).
53
Abb. 58: Variante Tunnel, alle Blickbeziehungen und Verortung (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
54
Abb. 59: Schnittansicht Variante Tunnel ebenerdig (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
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Abb. 60: Visualisierung Variante Tunnel im Luftbild. (eigene Darstellung).
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Abb. 61: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
58
Abb. 62: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung).
59
Abb. 63: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
60
Abb. 64: Visualisierung Variante Tunnel ebenerdig, Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung).
61
Abb. 65: Variante Tunnel, alle Blickbeziehungen und Verortung (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
62
Abb. 66: Wertung der Bauwerkswirkung und des Parkerlebnisses der vier Varianten (eigene Darstellung).
64
Abb. 67: Wertung der Denkmalverträglichkeit der vier Varianten (eigene Darstellung).
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Abb. 68: Gegenüberstellung Varianten in Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung, Abbildung besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
66
Abb. 69: Gegenüberstellung Varianten in Blickbeziehung 2 (eigene Darstellung, Abbildung besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
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Abb. 70: Gegenüberstellung Varianten in Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung, Abbildung besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
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Abb. 71: Gegenüberstellung Varianten in Blickbeziehung 4 (eigene Darstellung, Abbildung besteht aus vier Visualisierungen über zwei Seiten).
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Abb. 72: Gegenüberstellung aller Varianten in sämtlichen Blickbeziehungen (eigene Darstellung, Abbildung geht über zwei Seiten).
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Abb. 73: Darstellung der Vorzugsvariante (eigene Darstellung).
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Abb. 74: Gegenüberstellung Variante Tunnel und Bestand.,Blickbeziehung 1 (eigene Darstellung).
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Abb. 75: Gegenüberstellung Variante Tunnel und Bestand, Blickbeziehung 3 (eigene Darstellung).
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