Versuche im deutschen Gartenbau 2019
Gemüsebau
Langzeitlagerung von Sä-Schalotten bis April ist kritisch zu bewerten
1
Dr. Gerald Lattauschke| Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie| Pillnitzer Platz 3|
01326 Dresden| gerald.lattauschke@smul.sachsen.de| 0351-26128700
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Im Versuch "Lagereignung von Sä-Schalotten" wurden 2018/2019 am Sächsischen Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie in Dresden-Pillnitz 7 Sorten geprüft. Sowohl die flachrunden als auch die
hochrunden Sä-Schalotten offenbarten nach der Langzeitlagerung bis April zum Teil erhebliche Defizite, die bei
den hochrunden Sorten deutlicher als bei den flachrunden Schalotten ausfielen. Eine Langzeitlagerung
insbesondere von hochrunden Sä-Schalotten (haben die größere wirtschaftliche Bedeutung) ist demzufolge nur
bedingt zu empfehlen. Inwieweit die kritischen Anbaubedingungen (Hitze- und Trockenstress) des Vorjahres
das Ergebnis beeinflussten kann nicht abgeschätzt werden. Bei den parallel untersuchten Speisezwiebeln war
der Witterungseinfluss eher als gering einzuschätzen.
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Prüfung der Lagereigenschaften des aktuellen Sortiments und Neuzüchtungen von Sä-Schalotten im
simulierten Frischluftlager sowie bei der Nachlagerung unter Vermarktungsbedingungen. Das
einzulagernde Sortiment (flachrunde und hochrunde Sorten) sowie die Lagerdauer wurden im
Vorfeld gemeinsam mit den Züchterfirmen festgelegt.
Ergebnisse im Detail
-
Das Wetter im Hitzesommer 2018 beeinflusste die Abreife der Zwiebeln nachhaltig. Aufgrund
der extremen Temperaturen und der Trockenheit im August des letzten Jahres mussten die
Sä-Schalotten bereits bis zum 03. August gerodet werden. Hitzeschäden (Sonnenbrand,
Überhitzung) an den Bulben sind nicht auszuschließen.
-
Über die Resultate der Bonitur zum Auslagerungstermin am 01. April 2019 informiert Tab. 1.
In die Prüfung wurden 3 flachrunde und 4 hochrunde Sorten einbezogen. Die
Gewichtsverluste
der Sä-Schalotten verhielten sich in beiden Gruppen ähnlich und waren mit
durchschnittlich 8,2 % (flachrund) bzw. 9,2 % (hochrund) recht hoch (Abb. 1). Sie lagen damit
über dem Niveau von gelben Speisezwiebeln. Tendenziell verbuchten die flachrunden Sorten
geringfügig geringere Gewichtsverluste als die hochrunden Sä-Schalotten. Deutliche
Sortenunterschiede offenbarten sich aber nicht.
-
Die
Festigkeit
(Abb. 2) der Lagerware änderte sich im Verlaufe der Lagerperiode erheblich.
Dabei büßten die flachrunden Sorten im Mittel 5 Punkte beim Festigkeitsindex und die
hochrunden Varietäten 6 Punkte ein. Mit rund 68 bis 74 Punkten auf der Festigkeitsskala
waren die Schalotten deutlich weicher als die parallel mitgelagerten gelben Speisezwiebeln
(um 80 Punkte). Die höchste Festigkeit wies bei den flachrunden Sorten ‘Nero‘ und bei den
hochrunden Sorten ‘Lavall‘ auf.
-
Auch in der
Schalenhaftung
und im
Wurzelantrieb
offenbarten insbesondere die hochrunden
Sorten schon bei der Auslagerung erhebliche Defizite. Hier wurde die Schalenhaftung
bestenfalls als mittelgut (‘Conservor‘) eingestuft. Der Wurzelantrieb war bei allen 4 Sorten
schon weit fortgeschritten. Im Gegensatz dazu wiesen die flachrunden Schalotten nach der
Lagerung noch akzeptable Bewertungen bei der Schalenfestigkeit (Boniturnoten 6-7) auf. Der
Wurzelantrieb konnte allerdings auch hier nur noch mit mittleren Noten bedacht werden.

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Langzeitlagerung von Sä-Schalotten bis April ist kritisch zu bewerten
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-
Lagerkrankheiten
spielten sortenübergreifend nur eine sehr geringe Rolle.
Angetriebene
Zwiebeln
wurden nicht festgestellt.
-
Nach der Auslagerung
wurden die Zwiebeln bis zum 29.04.2019 bei ca. 20 °C nachgelagert.
Wöchentlich wurden die Proben bonitiert und die nicht mehr marktfähigen Schalotten erfasst.
-
Auch im
‘shelf life‘
unterschieden sich die beiden Sortentypen ebenfalls. Während die
flachrunden Typen 3 bis 4 (‘SHL 10734‘) Wochen nachgelagert werden konnten, schieden die
hochrunden Sorten schon nach 2 bis 3 Wochen aus der Nachlagerung aus (Abb. 3). Die
vergleichsweise kurze Nachlagerung ist ein weiterer Beleg für die bedingte Eignung der Sorten
für die Langzeitlagerung.
-
Als
Hauptursache
für das Auftreten nicht marktfähiger Ware (Abb. 4) war bei allen Sorten der
Wurzelantrieb anzusprechen. Bei den hochrunden Sorten wurden 80 bis 90 % aller Schalotten
aus diesem Grund aussortiert. Die etwas länger lagerfähigen flachrunden Sorten
verzeichneten dazu nennenswerte Anteile (24 bis 31 %) an nicht marktfähiger Ware in Folge
von Nacktschaligkeit.
Kultur- und Versuchshinweise
Erntetermin:
31.07. bis 03.08.2018
Vortrocknung:
auf Schwad (1 bis 2 Tage)
Nachtrocknung:
unter Dach bis September 2018 (rascheltrocken)
Lager:
September 2018 bis 01.04.2019
Lagerbedingungen:
Temperatur: 5 °C; 70-75 % rLF, Lager maschinengekühlt; Umluft über
Kühlmaschine; geregelte Luftfeuchte
Lagerverpackung:
Gemüsestiege (40 x 60 cm); ca. 13 kg/Stiege
Nachlagerung:
01.04. - 29.04.2019 bei ca. 20 °C (Simulation von Verkaufsbedingungen)
Bonitur:
wöchentlich
nicht marktfähig wenn:
Sprossaustrieb, Wurzelaustrieb, zur geringe Festigkeit, nackte Zwiebeln
Literatur
LATTAUSCHKE, G. (2018): Hitze und Trockenheit beeinflussten die Entwicklung und den Ertrag von Sä-
Schalotten negativ.
www.hortigate.de

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Tab. 1: Bonitur Sä-Schalotten zum Auslagertermin am 01.04.2019
Sorte
Züchter
Farbe vor
Einlagerung
außen
Farbe vor
Einlagerung
innen
Farbe nach
Einlagerung
außen
Gewichts-
verlust
Angetriebene
Zwiebeln
Kranke
Zwiebeln
(weich, faul,
Schimmel)
Druck-
festigkeit*
Okt. 2018
Druck-
festigkeit*
April 2019
Schalen-
haftung
Wurzel-
antrieb
Lager-
fähigkeit
inkl. Nach-
lagerung
[%]**
[%]**
[%]**
[Messwert] [Messwert]
[1-9]
[1-9]
[1-9]
Flachrunde Sorten
Lorient F
1
MKS
braun
weiß bis rosa
rotbraun
9,0
0,00
0,0
76,3
71,1
7
5
5
Nero F
1
MKS
rotbraun
pink bis rosa
rotbraun
7,8
0,00
0,4
79,2
73,5
7
5
5
SHL 10734 F
1
SAK
braun
rosa bis pink
braun
7,9
0,00
0,7
75,3
71,1
6
5
6
Hochrunde Sorten
Bastion F
1
MKS
braun
rosa bis pink
braun
8,8
0,00
0,6
77,6
71,6
5
3
3
Conservor F
1
Bejo
braun
rosa bis pink
rotbraun
9,3
0,00
0,7
76,3
70,9
6
3
4
Lavall F
1
MKS
braun
pink bis rosa
braun
9,5
0,00
0,6
75,9
74,2
4
3
4
Picador F
1
Bejo
braun
rosa bis pink
rotbraun
9,2
0,00
0,9
78,4
68,2
4
3
3
Zeichenerklärung:
* Gemessen mit digitalem Härteprüfer HPE II (Fa. Bareiss); je höher der Wert, desto größer die Festigkeit
** bezogen auf Gewicht der eingelagerten Proben
Legende:
1
5
9
Schalenhaftung, Lagerfähigkeit
schlecht
mittel
sehr gut
Wurzelantrieb; Krankheitsbefall
stark
mittel
fehlend

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Abb. 1: Sä-Schalotten - Gewichtsverluste während der Lagerung
Abb. 2: Sä-Schalotten - Änderung der Druckfestigkeit während der Lagerung
9,0
7,8
7,9
8,8
9,3
9,5
9,2
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
9,0
10,0
Lorient F1
Nero F1
SHL 10734 F1
Bastion F1
Conservor F1
Lavall F1
Picador F1
Gewichtsverlust [%]
Mittelwert flachrund: 8,2 %
Mittelwert hochrund: 9,2 %
60,0
65,0
70,0
75,0
80,0
85,0
Lorient F1
Nero F1
SHL 10734 F1
Bastion F1
Conservor F1
Lavall F1
Picador F1
Festigkeitsindex
Okt 18
Apr 19
Mittelwert hochrund:
Oktober 2018: 77,1
April 2019:
71,2
Mittelwert flachrund:
Oktober 2018: 76,9
April 2019:
71,9

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Abb. 3: Sä-Schalotten - Verlauf der Zunahme nicht marktfähiger Zwiebeln während der
Nachlagerung
Abb. 4: Sä-Schalotten - Ursachen für die Einstufung als nicht marktfähige Ware
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Lorient F1
Nero F1
SHL 10734 F1
Bastion F1
Conservor F1
Lavall F1
Picador F1
Summe nicht marktfähiger Schalotten [%]
15.04.2019
23.04.2019
29.04.2019
flachrund
hochrund
69
66
72
79
86
90
90
28
31
24
17
10
10
10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Summe nicht marktfähiger ln [%]
Austrieb
Wurzelaustrieb
"nackte" Zwiebeln
weiche Zwiebeln
flachrund
hochrund