image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Q
Voraussetzungen
Q
Programme
Q
Karrierechancen
in Deutschland

image
Impressum
Herausgeber:
DAAD
Deutscher Akademischer Austauschdienst
German Academic Exchange Service
Kennedyallee 50
53175 Bonn
Germany
Koordination:
Alexander Haridi, Cornelia Hauswald, Referat 532: Information
für Ausländer zum Bildungs- und Forschungsstandort
Deutschland, Kampagnen
Verlag:
Societäts-Verlag
Frankenallee 71–81
60327 Frankfurt
Germany
Redaktion:
Janet Schayan (verantwortlich),
Gunda Achterhold, Dr. Sabine Giehle
Gestaltung: Sylvia Bernhardt
Produktion: André Herzog
Gestaltung Titelseite: Christian Padberg
Bildnachweise: Titel: Dörthe Hagenguth, S. 3: Dominik Gigler,
Ausserhofer/Himsel/DAAD (2), Dominik Mentzos, Jörg Glä-
scher; S. 4: Ausserhofer/Himsel/DAAD; S. 5: Jan Greune,
S. 7: Dominik Gigler; S. 8/9: Tim Wegner; S. 10: Jörg Gläscher;
S. 11, 12: Lichtenscheid/DAAD; S. 13: Jan Greune; S. 14: Jörg
Gläscher; S. 15: Dominik Mentzos; S. 19: Ausserhofer/Himsel/
DAAD; S. 20: Jan Greune; S. 23: Dominik Gigler; S. 24/25:
Toma Babovic; S. 27: Jörg Gläscher; S. 28: Jan Greune; S. 30:
Ausserhofer/Himsel/DAAD, Jan Jacob Hofmann, Hub/DAAD;
S. 31: Ausserhofer/Himsel/DAAD (2); Hub/DAAD;
Druck: Welzel+Hardt GmbH
Unveränderter Nachdruck von „Promovieren in Deutschland“ (2009)
© DAAD
Diese Publikation wird aus Zuwendungen des Auswärtigen
Amtes finanziert.
Oktober 2010

image
image
image
image
image
Editorial
3
Promovieren in Deutschland
04 Was der Promotions- und For-
schungsstandort Deutschland bietet
06 Welche Wege zur Promotion führen
10 Was strukturierte Programme leisten
12 Was Professoren erwarten
14 Wie der Promotionsalltag aussieht
16 Wo man promovieren kann
Eine Promotion ist eine Entscheidung fürs Leben, eine Investition in die eigene Zukunft.
Aber auch eine zeitintensive Herausforderung, die überlegt sein will. Der Doktortitel be-
ansprucht viel Energie, Disziplin und Durchhaltevermögen. In Deutschland absolvieren
jedes Jahr rund 25.000 Akademiker erfolgreich ein Promotionsverfahren – weit mehr als
in jedem anderen europäischen Land. Und immer mehr internationale Nachwuchswis-
senschaftler kommen nach Deutschland, um ihre Dissertation zu schreiben, um hier in
einem Forschungsteam zu promovieren: Seit 1997 hat sich die Zahl der ausländischen
Akademiker, die in Deutschland als Promotionsstudierende eingeschrieben sind, auf
knapp 17.000 mehr als verdoppelt.
Der deutsche Doktortitel hat fächerübergreifend einen hervorragenden Ruf. Und die
Hochschulen und Forschungsinstitutionen zwischen Aachen und Zittau ermöglichen
Jungakademikern heute viele Wege zur Promotion. Gerade die in den vergangenen Jah-
ren neu geschaffenen strukturierten Promotionsprogramme bieten internationalen Gra-
duierten hochattraktive Möglichkeiten – im Forschungsteam, mit intensiver Betreuung
und überschaubarer Dauer. Den einen, idealen Weg zum Doktortitel aber gibt es nicht:
Diese Broschüre will daher einen Überblick geben über die verschiedenen Formen der
Promotion – von der traditionellen Einzelbetreuung über die strukturierten Angebote
von Graduiertenschulen und Graduiertenkollegs bis zu den International Max Planck
Research Schools. Sie hilft zudem mit vielen nützlichen Informationen rund um die
fachlichen und formalen Voraussetzungen und zu den Finanzierungswegen. Zu Wort
kommen auch internationale Doktoranden, die sich für eine Promotion in Deutschland
entschieden haben: Sie berichten über ihren Alltag und ihre Erfahrungen, geben Tipps
und machen Mut, sich auf das Abenteuer Promotion einzulassen. Dass sich die Entschei-
dung lohnt, bestätigt Personalberater Dr. Tiemo Kracht: „Es ist auf jeden Fall ein Mehr-
wert, in Deutschland promoviert zu haben.“ Aber er sagt auch, dass es bei einer Promoti-
on nicht nur um den Titel gehe, sondern um den Reiz, komplexe Themenstellungen zu
durchdringen. Und das hat seinen eigenen, bleibenden Wert – ganz unabhängig von
allen weiteren Karriereschritten.
Viel Vergnügen bei der Lektüre!
Webadressen weisen zu
jedem Thema auf weiterführende
Informationen hin.
Inhalt
18 Was vor dem Start zu beachten ist
20 Welche Finanzierungsformen es gibt
22 Was das Leben in Deutschland
ausmacht
26 Wie die Promotion der Karriere nützt
30 Welche Adressen weiterhelfen
Langfassungen der Experten-
Interviews gibt es online unter
www.daad.de/promotion

image
Hochschullandschaft
Rund zwei Drittel der 360 Hochschulen
(Universitäten, Fachhochschulen, Kunst-
und Musikhochschulen) in Deutschland
sind staatlich. Private Hochschulen spie-
len im Gegensatz zu vielen anderen Län-
dern nur eine geringe Rolle. Weit über 90
Prozent der Studierenden in Deutschland
sind an einer staatlichen Hochschule ein-
geschrieben. Für die Universitäten gilt das
Prinzip der „Einheit von Forschung und
Lehre“: Sie sind Lehranstalten und Orte
wissenschaf­tlicher Spitzenf­orschung, die
in intensivem Austausch mit Wissenschaf­t-
lern und Forschungseinrichtungen im In-
und Ausland stehen.
Deutsche Forschungsgemeinschaft
Die DFG ist die zentrale Selbst-
verwaltungsorganisation der Wissen-
schaf­t und der wichtigste Forschungs-
finanzier in Deutschland.
Promovieren heißt forschen:
Der Forschungsstandort Deutschland
Deutschland ist ein Wissenschafts- und
Forschungsstandort der Spitzenklasse.
Deutsche Universitäten und Forschungs-
einrichtungen gehören zu den besten
der Welt. Dafür gibt es viele Gründe: zum
Beispiel die große Auswahl an Hochschul-
standorten und Hochschultypen – nämlich
etwa 165 Orte mit 360 Hochschulen, da-
von 140 mit Promotionsrecht (Fachhoch-
schulen sind davon ausgenommen). Hin-
zu kommen ein großes Fächerangebot
(über 5.000 Studienmöglichkeiten von
Agrarwissenschaft bis Zellbiologie), eine
gute Ausstattung der Forschungsstätten
sowie gut ausgebildetes Personal und eine
zunehmend internationalisierte Ausrich-
tung. Als Hochschulstandort gehört
Deutschland zu den attraktivsten Zielen
der Welt: Rund 235.000 Ausländer (unter
ihnen 56.000 mit deutschem Schulab-
schluss) studieren hier. Damit hat mehr
als jeder zehnte Studierende einen interna-
tionalen Pass und Deutschland ist – nach
den USA und Großbritannien – das wich-
tigste Gastland für internationale Jung-
akademiker.
Spitzenforschung findet aber nicht nur an
den Hochschulen statt. Hunderte von au-
ßeruniversitären Forschungseinrichtungen
bieten optimale Arbeitsbedingungen, wie
sie weltweit nur selten zu finden sind. Zu
den leistungsfähigsten Wissenschaftsorga-
nisationen zählen die Max-Planck-Gesell-
schaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die
Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-
Gesellschaft: Allein die Helmholtz-Ge-
meinschaft – mit 16 Forschungszentren
und 28.000 Mitarbeitern – verfügt über
ein Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden
Euro. Die Wissenschaftler der 76 Max-
Planck-Institute wurden seit der Grün-
dung der Gesellschaft 1948 – neben vielen
anderen internationalen Preisen – 17 Mal
mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Die deutsche
Hochschullandschaft
zeich-
net sich durch die enge Zusammenarbeit
zwischen Hochschulen, Forschungsein-
richtungen und Industrie aus. In „Spitzen-
clustern“ schließen sich auf regionaler
Ebene wissenschaftliche Einrichtungen
und Wirtschaftsunternehmen zusammen,
um die Innovationskraft zu bündeln. Auch
deshalb gehört Deutschland in innova-
tiven, zukunftsträchtigen Forschungs-
feldern wie der Umwelt- oder Nanotechno-
logie zu den führenden Ländern. Dies gilt
für die Forschung und die Industrie: Bei
Patentanmeldungen in der Nanotechnolo-
4
Promovieren in Deutschland
Modernes Umfeld: Die Philologische Bibliothek der FU Berlin entwarf der britische Star-Architekt Norman Foster

image
www.daad.de
Das Inf­ormationsportal des DAAD bietet
alles, was man zum Thema Hochschulen
in Deutschland wissen muss. Eine Stipen-
diendatenbank hilf­t bei der Suche nach
Finanzierungsmöglichkeiten (Deutsch,
Englisch, Spanisch).
www.research-in-germany.de
Das Internetportal wendet sich an interna-
tionale Wissenschaf­tler und bietet mit we-
nigen Klicks viele Inf­ormationen über den
Forschungsstandort Deutschland. Es inf­or-
miert über neue Entwicklungen in der
Hochschullandschaf­t und gibt Tipps rund
um einen Forschungsauf­enthalt (Deutsch,
Englisch).
www.hochschulkompass.de
Unter dieser Adresse gibt die Hoch-
schulrektorenkonf­erenz Inf­ormationen
über Studienangebote und internationale
Hochschulkooperationen. Eine Datenbank
ermöglicht die Suche zum Beispiel nach
Promotionsmöglichkeiten oder den Na-
men und Adressen der zentralen Ansprech-
partner an den Hochschulen (Deutsch,
Englisch).
gie liegt Deutschland zum Beispiel auf
Platz drei, bei nanowissenschaftlichen Pu-
blikationen auf Platz vier. Beim Anteil der
Ausgaben für Forschung und Entwicklung
am Bruttoinlandsprodukt liegt Deutsch-
land im Bereich Umwelt mit an der Spitze
der OECD-Länder. Auch in den Geistes-
und Sozialwissenschaften genießen die
deutschen Universitäten große internatio-
nale Anerkennung. Innovative Forscher
und Preisträger lehren an deutschen
Hochschulen. Von den seit 1986 verge-
benen 270 Gottfried-Wilhelm-Leibniz-
Preisen – dem höchstdotierten deutschen
Forschungspreis – gingen 58 an Geistes-
und Sozialwissenschaftler.
Doktoranden in Deutschland sind Teil
dieses Forschungsprozesses. Die Promo-
tion wird als erste Phase einer wissen-
schaftlichen Berufstätigkeit angesehen.
So ist es auch zu verstehen, dass sich die
traditionelle deutsche Promotion in wei-
ten Teilen vom angloamerikanischen
PhD-System unterscheidet, in dem der
Doktorand einen Studienabschluss er-
wirbt. Doch das deutsche Hochschulwe-
sen befindet sich in einem tiefgreifenden
Erneuerungsprozess. Und so gibt es be-
reits an vielen Universitäten sogenannte
strukturierte Promotionsprogramme
und Doktorandenkollegs. In Zusammen-
Links
Forschungsstandort
5
Promotionen – Deutschland ist in
Europa Spitzenreiter
USA
56.067
Deutschland
24.946
Großbritannien
16.456
Japan
15.979
Frankreich
9.818
Italien
9.604
Abgeschlossene Promotionen im internationalen
Vergleich der OECD-Länder (in absoluten Zahlen,
2006), Quelle: OECD
arbeit mit außeruniversitären Institutio-
nen wie den Max-Planck-Instituten und
der
Deutschen Forschungsgemeinschaft
(DFG) sind zudem den angloamerika-
nischen Graduate Schools vergleichbare
Research Schools oder Graduierten-
kollegs entstanden. Diese strukturierten
Promotionsstudiengänge bereichern das
Hochschulwesen und erweitern die Mög-
lichkeiten internationaler Studierender
zu einer Promotion in Deutschland.
Viele Wissenschaftsorganisationen und
Forschungseinrichtungen fördern interna-
tionale Nachwuchswissenschaftler mit Pro-
jektmitteln, Stipendien und Preisen. Die
wichtigsten sind das Bundesministerium
für Bildung und Forschung, die DFG und
der
Deutsche Akademische Austausch-
dienst
(DAAD).
Deutscher Akademischer
Austauschdienst
Der DAAD, eine gemeinsame Einrichtung
der deutschen Hochschulen und große
Stipendienorganisation, f­ördert die inter-
nationalen Beziehungen im Hochschulbe-
reich. Seine Programme und Projekte sind
in der Regel of­f­en f­ür alle Fachrichtungen
und Länder und kommen Ausländern wie
Deutschen zugute. Der DAAD unterhält ein
weltweites Netzwerk von Büros, Dozenten
und Alumni-Vereinigungen und bietet
auch Beratungen im Ausland an.
Wissenschaft auf höchstem Niveau:
Max-Planck-Institut für Züchtungsfor-
schung, Köln
8.997
9.707
10.644
12.326
13.411
14.847
15.283
15.818
16.994
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
18.000
1999/00
2000/01
2001/02
2002/03
2003/04
2004/05
2005/06
2006/07
2007/08
Immer mehr
Immer
internationale
mehr internationale
Doktoranden
Doktoranden
promovieren
promovieren in Deutschland
Immatrikulierte Doktoranden, Destatis 2009

6
Promovieren in Deutschland
Wo promovieren? Douwe Bonthuis fiel die
Antwort leicht. „Entscheidend war mein
Thema“, sagt der Niederländer. Seit zwei
Jahren promoviert er an der TU München
über eine biophysikalische Fragestellung.
„Die Gruppe um meinen Professor Roland
Netz zählt zu den besten in Europa.“
Wer sich zu einer Promotion in Deutsch-
land entschließt, kann zwischen zwei Mög-
lichkeiten wählen: Bei dem traditionellen
Weg suchen sich die Doktorandinnen und
Doktoranden einen
Doktorvater
oder eine
Doktormutter
und arbeiten weitgehend
eigenständig an ihrer Dissertation, der
schriftlichen Promotionsarbeit. Dieses
sehr freie System ohne Anwesenheits-
pflicht, zeitliche Begrenzung oder verbind-
liches Curriculum setzt viel Eigeninitiative
voraus. Die Doktoranden sind weitgehend
auf sich selbst gestellt. Wer wie der 27 Jah-
re alte Douwe Bonthuis bei einem be-
stimmten Spezialisten promovieren will,
für den ist dieses sogenannte „Lehrlings-
modell“ besonders geeignet. Die große
Mehrzahl der Promovierenden in Deutsch-
land – nach Angaben des Wissenschafts-
rats sind es rund 90 Prozent – entscheidet
sich bisher noch für diese Variante.
Daneben wird aber ein zweiter Weg zum
Doktortitel immer beliebter und verzeich-
net hohen Zuwachs: die Promotion im
Strukturiert oder traditionell?
Wege zur Promotion
Doktorvater/Doktormutter
So heißen in Deutschland die wissen­
schaftlichen Betreuer eines Doktoranden.
Es gibt keinen Anspruch, von einem Pro­
fessor als Doktorand angenommen zu
werden. In allen Fällen außerhalb der
strukturierten Programme ist die Annah­
me als Doktorand durch einen Doktorvater
oder eine Doktormutter Voraussetzung, um
von einer Universität als Promovend aner­
kannt und zum Promotionsstudium und/
oder zur Prüfung zugelassen zu werden.
Graduiertenkolleg
In diesen befristeten Einrichtungen der
Hochschulen forscht ein Verbund von
Wissenschaftlern zu einem aktuellen The­
ma. Finanziert werden Graduiertenkollegs
durch die DFG, Universitäten oder Stif­
tungen. Mit zehn bis zwanzig Doktoranden
sind die Gruppen überschaubar und er­
möglichen eine besonders intensive Be­
treuung. Die Graduiertenkollegs sind inter­
disziplinär ausgerichtet und bieten auf die
Doktoranden zugeschnittene Veranstaltun­
gen und Programme. Die Laufzeit einer
Promotion beträgt in der Regel drei Jahre
(siehe S. 17).
Graduiertenschule
Die im Rahmen der Exzellenzinitiative ent­
standenen Graduiertenschulen sind inhalt­
lich breiter und interdisziplinärer angelegt
als die thematisch fokussierten Graduier­
tenkollegs. Teilnehmer werden in ein Team
integriert, in dem sie regelmäßig ihre Er­
gebnisse präsentieren. Die Zulassung fin­
det in leistungsorientierten Auswahlver­
fahren statt. Für ausländische Bewerber
gibt es sogar Vorstellungsgespräche über
Videokonferenzen (siehe S. 17).
Rahmen eines den PhD-Programmen im
angelsächsischen Hochschulsystem ver-
gleichbaren strukturierten Programms.
Angeboten werden strukturierte Promoti-
onsprogramme von:
Graduiertenkollegs
der Deutschen For-
schungsgemeinschaft
Graduiertenschulen
an Hochschulen
Promotionsstudiengängen
an
Universitäten
International Max Planck Research
Schools
Rund 600 Angebote für strukturierte
Promotionsprogramme gibt es bereits in
Deutschland. Viele von ihnen sind interna-
tional ausgerichtet und englischsprachig.
Sie werden von mehreren, eng koope-
rierenden Forschungsgruppen getragen.
Das erlaubt wissenschaftliches Arbeiten
auf höchstem Niveau. Gerade internationa-
len Bewerbern bieten diese Programme
viele Pluspunkte – wie zum Beispiel curri-
culare Angebote, zum Teil flexible Zugän-
ge für Bachelor-Absolventen, aber auch
Hilfen in Alltagsfragen. Ein weiterer Vor-
teil: Promovierende kommen schnell ans
Ziel – in der Regel nach drei Jahren.
Ksenia Robbe aus St. Petersburg, ebenfalls
27 Jahre alt, hat sich für so ein strukturier-
tes Promotionsprogramm entschieden.
Das Angebot der International Graduate
School for the Study of Culture der Univer-
!
Experten sein, aber auch Qualitäten als
Betreuer mitbringen. Ein Tipp: Am
besten sich frühzeitig am Lehrstuhl um-
hören: Es spricht sich herum, wer seine
Doktoranden erfolgreich begleitet.
Die traditionelle Promotion dauert
länger, ca. vier bis fünf Jahre.
Dissertationsthemen sind häufig zu
spezialisiert, zu wenig in Forschungs-
zusammenhänge eingebunden.
Um die Finanzierung muss man sich
selbst kümmern.
Wenig Vorgaben, Doktoranden müs-
sen sich selbst durchkämpfen.
Das Lehrlingsmodell erfordert zwar
ein hohes Maß an Eigeninitiative und
Selbstständigkeit. Dafür haben Dokto-
randen sehr viel Freiraum und können
die Promotionsphase selbst gestalten.
Sie ist besonders gut geeignet für
Doktoranden, die bei einem bestimmten
Wissenschaftler promovieren möchten.
Der traditionelle Weg bietet große
Freiheit in der Wahl des Dissertations-
themas (vor allem in den Geistes- und
Sozialwissenschaften).
Die Suche nach einem geeigneten
Doktorvater oder einer Doktormutter
kann sich schwierig gestalten. Sie sollten
Plus und Minus: Traditionelle Promotion

image
Finanzierung
7
Plus und Minus: Strukturierte Promotion
sität Gießen überzeugte die Literaturwis-
senschaftlerin: „In den Promotionskollo-
quien treffen sich die Doktoranden alle
zwei Wochen mit zwei Professoren, um ih-
re Ergebnisse zu diskutieren“, erklärt die
Russin. „Das strukturiert den Zeitplan en-
orm.“ Wer auf dem traditionellen Weg pro-
moviert, hat in Oberseminaren und Kollo-
quien auch die Möglichkeit, sich fachlich
auszutauschen. Aber die strukturierten
Programme bieten eine wesentlich inten-
sivere und impulsgebende Betreuung an.
Promotionsprogramm oder Lehrlingsmo-
dell? Die Entscheidung hängt von verschie-
denen Faktoren ab. „Zunächst kommt es
auf die fachliche Neigung an“, sagt Dr. Bir-
git Klüsener vom DAAD. „Viele bleiben
auch aus praktischen Gründen an der Uni,
an der sie vorher studiert haben oder die
Wege zur Promotion
7
Strukturierte Programme führen
schnell zum Doktortitel – in der Regel in
drei Jahren.
Die Betreuung erfolgt durch mehrere
Hochschullehrer. Doktoranden sind
nicht auf das Wohlwollen eines einzel-
nen Professors angewiesen.
Teamarbeit und Praxisbezug werden
großgeschrieben: Man arbeitet häufig
an gemeinsamen Forschungsprojekten
und hat viel Gelegenheit, sich mit
anderen Doktoranden und Betreuern
auszutauschen.
Die Finanzierung wird oft durch die
Aufnahme ins Programm geregelt.
Für mich ist der traditio-
nelle Promotionsweg
ideal, weil ich die Doktor-
arbeit gezielt bei meinem
Professor schreiben wollte.
Seine Forschungsgruppe ge-
hört zu den besten in Europa.
Dass ich selbst Seminare hal-
ten muss, macht zwar Arbeit,
bringt mir aber auch etwas.
Douwe Bonthuis, Niederlande
Der Physiker promoviert an der TU München.
sie während eines Auslandssemesters ken-
nengelernt haben, und nutzen die Ange-
bote, die es dort gibt.“ Wer im Ausland
studiert hat und jetzt in Deutschland pro-
movieren möchte, verschafft sich vom Hei-
matland aus leichter einen Überblick über
die Angebote der strukturierten Pro-
gramme. Diese Stellen werden ganz offizi-
ell ausgeschrieben, auch der Bewerbungs-
prozess ist transparenter. Häufig werden
Betreuungsverträge abgeschlossen, in de-
nen Rechte und Pflichten genau definiert
sind. So lässt sich für Doktoranden besser
abschätzen, was auf sie zukommt. Ein ent-
scheidender Unterschied zum traditio-
nellen Lehrlingsmodell: Strukturierte Pro-
gramme sichern jedem Doktoranden in
der Regel zwei Betreuer zu. So hängt die
fachliche Betreuung nicht vom guten Wil-
len eines einzelnen Hochschullehrers ab.
Strukturierter Promotionsstudiengang
Diese Form der Promotion läuft vergleichs­
weise verschult und intensiv betreut an
den Universitäten ab. Promotionsstudien­
gänge sehen ein klar definiertes Curriculum
vor, das die Teilnahme an Lehrveran­
staltungen und das Anfertigen von Arbei­
ten zu bestimmten Zeitpunkten vorgibt.
Die Promotion dauert hier in der Regel
drei Jahre.
Ausländische Doktoranden werden
während der gesamten Promotionsphase
vielfältig unterstützt. Sie finden auch Hil-
fe bei Alltagsproblemen und werden
individuell betreut.
Bewerber durchlaufen mehrstufige
Bewerbungsverfahren. Deshalb unbe-
dingt genug Vorlaufzeit einplanen.
Das Programm an verpflichtenden
Kolloquien und Workshops ist sehr dicht.
Wer alle Angebote nutzen will, packt sich
den Stundenplan leicht zu voll.
Das Dissertationsthema muss ins Pro-
gramm passen, eine eigene Themenwahl
ist häufig nicht möglich.

image
Ich habe mich für eine strukturierte
Promotion an einer Graduiertenschule
entschieden. Mir gefällt die interdiszip-
linäre Arbeitsatmosphäre. Außerdem ist
der Zeitplan gut strukturiert und es gibt
viele spannende Veranstaltungsangebote.
Ksenia Robbe, Russland
Die Literaturwissenschaftlerin promoviert an der International
Graduate School for the Study of Culture in Gießen.
8
Promovieren in Deutschland
Eine fachübergreifende Zusammenset-
zung ermöglicht zudem einen Blick über
den Tellerrand. „In der Graduiertenschule
arbeiten verschiedene Disziplinen mitein-
ander, ich habe auch mit Historikern und
Ethnologen zu tun“, betont die Anglistin
Ksenia Robbe. „Diese aufgeschlossene Ar-
beitsatmosphäre konnte ich schon auf der
Website erkennen – das war ein ganz wich-
tiges Kriterium für mich.“
Das Gießener Programm setzt auf Multi-
Level-Monitoring. In „Research Areas“
kommen Postdocs und Doktoranden aus
verschiedenen Fächern zusammen. „In
diesen Kursen kann jeder sein Projekt vor-
stellen und bekommt Feedback aus ganz
verschiedenen Richtungen“, sagt Ksenia
Robbe. Der Austausch funktioniert auch
informell bestens: Alle Doktoranden sind
zusammen in einem Gebäude unterge-
bracht. „Es ist toll, dass ich einfach nur
über den Flur gehen muss, um eine Frage
zu diskutieren“, schwärmt die Russin. Sie
nutzt die vielen Angebote der Graduierten-
schule intensiv. An zwei bis drei Tagen in
der Woche hat sie Veranstaltungen, jeden
Montag leitet sie selbst ein Seminar für
Studenten. Eine freiwillige Angelegenheit,
keine Verpflichtung. „Ich wähle selbst The-
men aus, gestalte und entwickle die Veran-
staltung“, sagt Ksenia Robbe.
Für den traditionell promovierenden
Douwe Bonthuis ist die Lehre Teil seines
Vertrags. Der Niederländer hat an der TU
München eine Dreiviertelstelle und kann
sein Leben von dem Gehalt gut finanzie-
ren. Insgesamt fünf Seminare muss er hal-
ten, jedes zu einem anderen Thema. An-
fangs war der Doktorand noch wenig
begeistert von dieser Verpflichtung. Heute
sieht er Vorteile: „Die Seminare machen
viel Arbeit, aber sie sind eine gute Mög-
lichkeit, um Lehrerfahrungen zu sammeln
und den Grundlagenstoff zu wiederholen.“
In der verbleibenden Zeit forscht der Na-
turwissenschaftler, ganz klassisch, für sich
allein. „In der experimentellen Physik
sieht das natürlich anders aus“, erklärt
Douwe Bonthuis. „Im Labor wird immer
im Team gearbeitet, man tauscht sich aus
und diskutiert.“ Er hat sich bewusst für ei-
ne Promotion in der theoretischen Physik
Unterschiede in den Fächergruppen
Welcher Weg zur Promotion eingeschla­
gen wird, hängt vom Fach ab:
Geistes- und Sozialwissenschaften
Hier gibt es seltener große, lehrstuhlüber­
greifende Forschungsprojekte als in den
Naturwissenschaften. Das Lehrlingsmodell
herrscht noch stark vor, aber auch hier ist
ein wachsendes Interesse an strukturierten
Programmen zu erkennen. Die aktuelle
Studie „International promovieren in
Deutschland“ (HIS), eine Online­Befragung
von Doktoranden an 20 Hochschulen,
zeigt, dass bisher etwa 15 Prozent der
Geisteswissenschaftler in strukturierte Pro­
gramme eingebunden sind. Ein Viertel der
Doktoranden sind als wissenschaftliche
Angestellte an ein inner­ oder außeruni­
versitäres Institut angebunden. Etwas
mehr als die Hälfte der Nachwuchswissen­
schaftler in den Geisteswissenschaften
forscht für sich allein.
Die beliebtesten Promotionsfächer
Biologie
14,2 %
Chemie
11,6 %
Medizin
10,6 %
Physik
8,4 %
Maschinenbau
4,0 %
Elektrotechnik
3,7 %
Studienfächer mit den meisten Promotionen von
Ausländern, 2007 (von insgesamt 3499 bestandenen
Prüfungen), Quelle: Destatis

image
Finanzierung
9
www.academics.de
Die Website der Wochenzeitung „DIE
ZEIT“ und der Fachzeitschrift „Forschung
& Lehre“ hat unter dem Punkt „Promovie­
ren“ viele aktuelle Informationen zum
Thema zusammengetragen. Dazu gibt es
Berichte zu den Vor­ und Nachteilen der
traditionellen Promotion und der struktu­
rierten Programme, Tipps zu Bewerbung
und Finanzierung sowie Hintergrundinfor­
mationen zu den Besonderheiten in ver­
schiedenen Fachbereichen (Deutsch,
Englisch).
Link
Herr Professor Neher, Sie sind Sprecher der International Max Planck Research
School (IMPRS) for Neurosciences in Göttingen. Ist der Weg über strukturierte
Programme für Doktoranden attraktiver als der traditionelle Weg?
Früher waren Doktoranden sehr auf sich selbst angewiesen, gerade für internationa-
le Promovenden ist das nicht einfach. Die IMPRS bieten einen komfortablen Ser-
vice. Wir helfen ihnen dabei, Fuß zu fassen, zum Beispiel indem wir sie bei Behör-
dengängen unterstützen oder Kontakte untereinander fördern.
Hat der Doktorvater alten Stils heute ausgedient?
Für die Besten war es ein gutes System, weil es sehr viel mehr Freiheiten erlaubte.
Vorausgesetzt, der Doktorvater ist engagiert. Aber das ist eben nicht immer so. Inso-
fern ist die Betreuung durch ein mehrköpfiges Komitee sicher von Vorteil. Einmal
im Jahr vor der Kommission Ergebnisse vorzustellen, ist ein heilsamer Zwang.
Wie wird der deutsche Doktortitel international bewertet?
In unserem Fachgebiet sehr gut! In der Biochemie und in den Neurowissenschaften
werden Doktoranden aus Deutschland im Ausland als Postdocs sehr geschätzt.
Wege zur Promotion
9
Hat der Doktorvater alten Stils ausgedient? Ein Interview
mit Nobelpreisträger Professor Erwin Neher
www.daad.de/promotion
entschieden. Zweimal die Woche trifft er
sich mit seinem Doktorvater, einmal in der
Woche kommt die Arbeitsgruppe zusam-
men. Die
Unterschiede in den Fächer-
gruppen
sind groß: Während Geistes- oder
Sozialwissenschaftler ihren Doktortitel
häufig allein erarbeiten, haben Naturwis-
senschaftler und Ingenieure öfter Promoti-
Ingenieur- und Naturwissenschaften
Ungefähr die Hälfte der Promovenden in
den Naturwissenschaften (bei den Ingeni­
euren liegt der Anteil etwas höher) steigt
als wissenschaftlicher Mitarbeiter ein und
ist von Anfang an in Forschungsprojekte
eingebunden. Vom ersten Tag an werden
sie als Kollegen angesehen und sammeln
wertvolle Erfahrungen für die Karriere.
Zeitmanagement wird hier großgeschrie­
ben: Es kann eine Herausforderung sein,
neben den vielfältigen Aufgaben im Insti­
tutsbetrieb die eigene Forschungstätigkeit
nicht zu vernachlässigen.
Medizin
Ob klinische, experimentelle oder theoreti­
sche Arbeit: Mediziner promovieren meist
traditionell. Eine Promotion sollte beendet
werden, bevor die strapaziöse Zeit als
Assistenzarzt beginnt. Vom Umfang her ist
eine Dissertation in der Medizin eher mit
einer Diplomarbeit vergleichbar und erfor­
dert einen weit geringeren Aufwand als
in anderen Disziplinen.
onsstellen und arbeiten am Lehrstuhl mit
Kollegen zusammen. Eine Entwicklung,
die sich auch für andere Disziplinen ab-
zeichnet. DAAD-Expertin Birgit Klüsener
stellt fest: „Im Prinzip entwickelt sich mit
den strukturierten Promotionsprogram-
men eine Kultur, die es in den Naturwis-
senschaften schon immer gegeben hat.“

image
10
Promovieren in Deutschland
Von Kulturwissenschaften bis Photonik:
Deutschland bietet nach Einschätzung des
Bundesberichts zur Förderung des wissen-
schaftlichen Nachwuchses das im interna-
tionalen Vergleich breiteste Spektrum an
Möglichkeiten für Promovenden. Aber es
ist nicht einfach, sich einen Überblick über
die zahlreichen Angebote zu verschaffen
(Tipps dazu siehe Box). Zudem hat jedes
Programm seine Besonderheiten. Für den
Erfolg einer Promotion kann aber die Wahl
des Programms durchaus ausschlagge-
bend sein. Es lohnt, sich hier eingehend zu
informieren und gegebenenfalls die Bera-
tungsangebote der DAAD-Außenstellen
oder der DAAD-Informationszentren im
Ausland in Anspruch zu nehmen (die
Adressen und Links nennt die DAAD-Web-
site unter
www.daad.de/offices).
So gibt es neben den erwähnten Graduier-
tenkollegs, den Internationalen Graduier-
tenkollegs, den Graduiertenschulen und
den International Max Planck Research
Schools an den Hochschulen zum Beispiel
188 vom DAAD ausgewählte
International
Doctoral Programmes
. Die Angebote um-
fassen fast alle Fachgebiete. Besonders
viele Programme bieten aber die mathe-
matischen und naturwissenschaftlichen
Fächer sowie die Rechts-, Wirtschafts- und
Sozialwissenschaften.
Strukturierte Programme: Ein
breites Spektrum an Angeboten
International Doctoral Programmes
Der DAAD verzeichnet in einer Internet­
datenbank strukturierte Promotions­
Programme in Deutschland. Alle dort vor­
gestellten Studiengänge wurden vom
DAAD mit Sorgfalt ausgewählt und zeich­
nen sich zum Beispiel dadurch aus, dass
sie international anerkannte Abschlüsse
bieten und ganz oder überwiegend auf
Englisch (oder in einer anderen großen
Fremdsprache) durchgeführt werden. Das
Curriculum ist international ausgerichtet
und umfasst zum Beispiel Auslandsaufent­
halte und/oder die Einbindung von auslän­
dischen Gastdozenten. Zudem gewährleis­
ten die Angebote in der Datenbank eine
spezielle fachliche und außerfachliche Be­
treuung für internationale Promovenden.
Mehr Informationen gibt es unter
www.daad.de/international­programmes
Ich promoviere zu einem
umwelttechnologischen Thema
und untersuche Kosten-Nutzen-
Analysen von Kläranlagen – Wasser
ist in meiner Heimat ein wichtiges
Thema. Ich brauche den Austausch
mit anderen. Nebenan sitzen Statis-
tiker und Chemiker – mit denen kann
ich jederzeit diskutieren.
Jaime Cardona, Kolumbien
Der Wirtschaftswissenschaftler promoviert an
der Helmholtz Interdisciplinary Graduate School for
Environmental Research in Leipzig.
Auch unter dem Dach der
Helmholtz
­
Gemeinschaft
, der größten Wissenschafts-
organisation in Deutschland, ist eine struk-
turierte Doktorandenausbildung auf
Wie finde ich das richtige
Promotionsprogramm?
Es hilft nichts: Der Weg zum passenden
Promotionsprogramm führt über die
intensive individuelle Recherche. Einen
zusammenhängenden Überblick über
alle Programme gibt es nicht.
Gute erste Recherchemöglichkeiten
bieten zum Beispiel die folgenden
Internetseiten:
www.hochschulkompass.de
www.research-explorer.dfg.de
Portale der Max-Planck-Institute, der
Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-
Gemeinschaft oder Leibniz-Gemein-
schaft
Portale der Universitäten und
Graduiertenzentren
Interessenten sollten auch die Bera-
tungsangebote der DAAD-Außenstellen
und der DAAD-Informationszentren im
Ausland nutzen (siehe S. 30).

hohem Niveau entstanden. Zu den insge-
samt 16 renommierten Forschungszentren
gehören so bekannte Institutionen wie
das Alfred-Wegener-Institut für Polarfor-
schung in Bremerhaven, das Deutsche
Elektronen-Synchrotron in Hamburg oder
das Deutsche Krebsforschungszentrum in
Heidelberg. Die Internationalität in der
Forschung wird hier ganz gezielt geför-
dert. Schwerpunkte liegen im Austausch
mit China und Russland.
Promovieren in der Industrie
Interessant sind Angebote in Zusammen-
arbeit mit der Wirtschaft: Forschungsori-
entierte Unternehmen holen sich den wis-
senschaftlichen Nachwuchs gerne über
Doktorandenprogramme ins Haus. Die
Promotion in Industrie und Wirtschaft bie-
tet Absolventen eine attraktive Kombinati-
on aus Theorie und Praxis. Viele namhafte
deutsche Konzerne kooperieren mit Hoch-
Wege zur Promotion
11
schulen und bieten entsprechende For-
schungsprojekte an. In der Regel erhalten
Nachwuchsforscher befristete Arbeitsver-
träge und sichern die Promotionsphase so
finanziell ab. Als Gegenleistung arbeiten
sie in den jeweiligen Abteilungen mit. Es
erfordert nicht nur viel Disziplin, Job und
Forschungsarbeit miteinander zu verbin-
den. Die Interessen von Hochschule und
Unternehmen sind zudem nicht immer
deckungsgleich. Was wissenschaftlich in-
teressant ist, muss nicht für das Unterneh-
men sinnvoll sein. Der große Vorteil aber
ist: Doktoranden sammeln berufliche Er-
fahrung und knüpfen wichtige Kontakte.
Werden sie nach der Promotion im Unter-
nehmen eingestellt, übernehmen sie
schneller Verantwortung. Die Einarbei-
tungsphase fällt schließlich weg. Den Ein-
stieg über die Promotion bieten zum Bei-
spiel Unternehmen wie Nokia Siemens
Networks (NSN), Audi oder BoschRexroth.
Helmholtz-Gemeinschaft
In der Helmholtz­Gemeinschaft Deutscher
Forschungszentren haben sich 16 natur­
wissenschaftlich­technische und medizi­
nisch­biologische Forschungszentren zu­
sammengeschlossen. Sie ist mit 28.000
Mitarbeitern und einem Jahresbudget von
2,8 Milliarden Euro die größte Wissen­
schaftsorganisation Deutschlands. Ihr
Auftrag ist Forschung, die dazu beiträgt,
die drängenden Fragen von Wissenschaft,
Gesellschaft und Wirtschaft zu beantwor­
ten. Dabei geht es zum Beispiel um Fragen
von Mobilität und Energieversorgung
oder darum, Therapien für bisher unheil­
bare Krankheiten zu finden.
Herr Dr. Güdler, können Sie kurz erklären, was der „Research Explorer“ bietet?
Beim Research Explorer handelt es sich um ein bisher einzigartiges Online-Ver-
zeichnis deutscher Forschungsstätten, das mit wenigen Mausklicks zentralen Zu-
gang zu Informationen über fast 20.000 Institute an Hochschulen und außeruni-
versitäre Forschungseinrichtungen bietet.
An welche Zielgruppe wendet sich das Angebot in erster Linie?
Der Research Explorer ist durchgängig zweisprachig in Deutsch und Englisch ange-
legt. Er adressiert also insbesondere ein internationales Publikum – etwa Nach-
wuchswissenschaftler, die sich für eine Forschungstätigkeit in Deutschland interes-
sieren. Aber auch etablierte Forscher sowie Mitarbeiter internationaler
Forschungs- und Förderorganisationen finden hier einen guten Einstieg: Der REx
ist die beste Möglichkeit, über ein einziges Portal Informationen zu und von den
zentralen Akteuren öffentlich finanzierter Forschung in Deutschland zu erhalten.
Wie können ausländische Studierende, die sich für eine Promotion in Deutsch-
land interessieren, den REx am besten nutzen?
Für einen ersten Überblick zu den Hochschulen, an denen das interessierende Fach
angeboten wird, wählt man einfach das Fach und erhält die Liste. Der zweite Schritt
führt dann auf die Homepage des Instituts, die aktuelle Infos und Ansprechpartner
nennt. Durch Kooperation mit einem weiteren Partner – der Hochschulrektoren-
konferenz (HRK) – werden von Anfang 2010 an auch die Promotionsmöglichkeiten
von Hochschulen direkt im REx recherchierbar sein.
Können Sie an einem Beispiel erklären, wie man bei der Recherche am effektivs-
ten vorgeht?
Um einen ersten Einblick zu bekommen, kann man direkt einen Ort auf der Karte
auswählen und sehen, welche Institute sich an dem gewählten Ort befinden. Wer
ein Institut mit einer bestimmten fachlichen Ausrichtung sucht, nutzt dann die
„Auswahl nach Fachgebiet“. Hier lässt sich die Auswahl fachlich fortschreitend
eingrenzen, bis man das gewünschte Ergebnis erhält.
Wie nutzt man den Research Explorer (REx)? Ein Interview mit Dr. Jürgen
Güdler, Direktor des Bereichs Informationsmanagement der DFG
www.daad.de/promotion
www.research-explorer.dfg.de
Der Research Explorer ist das Forschungs­
verzeichnis von DFG und DAAD. Er
erschließt – stets auf aktuellstem Stand –
rund 20.000 Institute an deutschen Hoch­
schulen und außeruniversitären
Forschungseinrichtungen nach geogra­
fischen, fachlichen und strukturellen Krite­
rien (Deutsch und Englisch).
www.helmholtz.de
Unter „Jobs & Karriere“ gibt die Helm­
holtz­Gemeinschaft Infos zu Stellenaus­
schreibungen für Doktoranden (Deutsch,
Englisch, Chinesisch, Russisch).
Links

image
12
Promovieren in Deutschland
Jede Promotion ist eine Herausforderung.
Das fängt schon mit der Suche nach einem
geeigneten Thema, einem interessierten
Doktorvater oder dem passenden Promoti­
onsprogramm an. Das Promotionsverfah­
ren, zu dem neben der
Dissertation
eine
Mündliche Prüfung
und die
Veröffent­
lichung
gehören, ist ein Prozess mit Hö­
hen und Tiefen. Manchmal sind die Aufga­
ben nicht so, wie man sie sich vorgestellt
hat, oder das Verhältnis zum Doktorvater
gestaltet sich schwierig. Ausdauer gehört
ebenso dazu, die Promotionsphase erfolg­
reich und produktiv zu absolvieren, wie die
Fähigkeit zur Selbstkritik.
Von internationalen Doktoranden wird
Aufgeschlossenheit gegenüber dem deut­
schen Hochschulsystem erwartet (siehe In­
terview), das sich in manchen Punkten er­
heblich von den Modellen anderer Länder
unterscheidet. Speziell die Individualpro­
motion erfordert ein hohes Maß an Eigen­
initiative. Im Wesentlichen kommt es für
Doktoranden auf die folgenden Punkte an:
Motivation
Das Thema der Dissertation hält Doktoran­
den für mehrere Jahre auf Trab – es sollte
im Vorfeld gut überlegt sein und einen
wirklich interessieren. Denn Spaß an der
Arbeit ist der beste Antrieb: Wer für sein
Forschungsprojekt echte Begeisterung mit­
bringt, bleibt auch in schwierigen Phasen
leichter am Ball. Frühe Erfolgserlebnisse,
zum Beispiel eine Publikation, motivieren
zusätzlich.
Herausforderung Promotion:
Worauf es ankommt
Dissertation
Die Inauguraldissertation ist eine wissen-
schaftliche, selbstständige schriftliche Ab-
handlung, mit der sich der Doktorand um
die Verleihung des Doktortitels bewirbt. Die
formalen Kriterien sind in den Prüfungs-
ordnungen der Fachbereiche festgelegt.
Die Dissertation soll die Befähigung zur
vertieften wissenschaftlichen Arbeit bele-
gen und muss einen Erkenntnisfortschritt
bringen. Die Einreichung der Dissertation
ist die Voraussetzung für die Eröffnung
des Promotionsverfahrens.
Zeitmanagement
Eine Promotion ist mit vielfältigen Aufga­
ben verbunden. Wer zum Beispiel als
wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem
Lehrstuhl arbeitet, ist neben der For­
schungsarbeit zudem mit Lehrverpflich­
tungen beschäftigt und hat administrative
Aufgaben zu erledigen. Die besten Tipps
kommen von Kollegen: Doktoranden profi­
tieren von ihren Erfahrungen und lernen,
wie sich Prioritäten setzen und Aufgaben
strukturieren lassen.
Kooperation
Besonders beim Lehrlingsmodell sind
Doktoranden auf das Wohlwollen eines
Hochschullehrers angewiesen. Auch wenn
es manchmal schwerfällt: Diese Abhängig­
keit gilt es zu akzeptieren. Wer nicht die
volle Unterstützung seines Doktorvaters
hat, riskiert den Erfolg der Dissertation.
Teamarbeit
Forschung hat mit Austausch, Diskussion
und Zusammenarbeit zu tun. Es führt
nicht weiter, monatelang vor sich hin zu
arbeiten. Wo die regelmäßige Präsentation
der Ergebnisse nicht institutionalisiert ist –
wie bei strukturierten Programmen –,
müssen Doktoranden selbst dafür sorgen,
Feedback auf die eigene Arbeit zu erhalten.
Flexibilität
Nicht selten überlassen Doktorväter einen
Teil der Betreuung ihren Assistenten. Pro­
movenden sollten sich offen zeigen und
sich nicht zu sehr auf eine Bezugsperson
fixieren. Der Austausch mit Postdocs läuft
eher auf gleicher Augenhöhe und damit
häufig wesentlich entspannter ab.
Anpassung
An jedem Lehrstuhl, in jedem Forschungs­
institut gelten ungeschriebene Gesetze, die
beachtet werden sollten. Man sollte sich
anfangs lieber erstmal zurückhalten und
die neue Umgebung kennenlernen.
Arbeitstechniken
Die formalen Ansprüche an eine wissen­
schaftliche Arbeit unterscheiden sich von
denen anderer Länder. Auch wenn sich an­
gehende Doktoranden grundlegende For­
schungsmethodiken bereits während des
Studiums angeeignet haben, sollten sie ihr
Repertoire erweitern. Schließlich geht es
um die Erfassung und Bearbeitung einer
sehr viel komplexeren Materie als bei der
Abschlussarbeit. Viele Hochschulen bieten
entsprechende Kursangebote an.
Austausch und Zusammenarbeit:
Doktoranden sollten sich bemühen, früh ein
Feedback auf ihre Arbeit zu bekommen

image
Wege zur Promotion
Finanzierung13 13
Mündliche Prüfung
Teil des Promotionsverfahrens ist auch
eine mündliche Prüfung in Form des Rigo-
rosums oder der Disputation. Bei der
Disputation werden die Lösungswege und
Ergebnisse der Dissertation (hochschul-)
öffentlich vorgestellt und in einer anschlie-
ßenden Diskussion verteidigt und be-
gründet. Das Rigorosum ist in der Regel
eine nichtöffentliche mündliche Über-
prüfung der wissenschaftlichen Qualifi-
kation. Neben diesen beiden Formen
gibt es noch Mischformen.
Veröffentlichung
Erst wenn die Dissertation der wissen-
schaftlichen Öffentlichkeit durch Druck
oder eine gleichwertige Vervielfältigung
innerhalb einer bestimmten Frist zugäng-
lich gemacht und eine bestimmte Anzahl
von Pflichtexemplaren an die Universität
übergeben wurde – so ist der Regelfall –,
wird die Doktorurkunde an den Promoven-
den verliehen. Damit erhält er das Recht,
den Doktorgrad zu führen. Die meisten
Hochschulen akzeptieren mittlerweile eine
Reihe unterschiedlicher Veröffentlichungs-
wege (Verlag, wissenschaftliche Zeit-
schrift, elektronische Form etc.), maßgeb-
lich ist die jeweilige Prüfungsordnung.
Frau Professor Gymnich, Sie haben sich als Mitautorin des „Handbuchs Promoti­
on“ mit dem Thema „Internationalisierung der Doktorandenausbildung“ befasst.
Der Anteil internationaler Promovierender in Deutschland ist in den letzten Jah­
ren stark gestiegen. Wie kommt das?
Das Interesse an einem Studium in Deutschland steigt insgesamt sehr an. Deutsche
Hochschulen haben in den letzten Jahren immer stärker damit begonnen, auch auf
internationaler Ebene um Promovierende zu konkurrieren, das macht sich bemerk­
bar. Die Promotion in Deutschland hat nach wie vor einen guten Ruf – das gilt für
die traditionelle Promotion ebenso wie für die strukturierten Programme.
Was erwarten Sie als Professorin von internationalen Doktoranden?
Wer in Deutschland promovieren will, sollte Offenheit mitbringen und die Bereit­
schaft, sich auf ein neues Wissenschaftssystem einzustellen. Das fängt schon an bei
der Art und Weise, wie wissenschaftliche Texte geschrieben werden. Im Vergleich
etwa zu Frankreich sind Beiträge in Deutschland viel stärker formalisiert.
Worauf sollten angehende Doktoranden bei der Auswahl achten?
Zum Beispiel darauf, ob es mehrsprachige Angebote gibt – und wie der Abschluss
aussieht. An einigen Unis kann man sich auch auf Englisch, Französisch oder Spa­
nisch prüfen lassen, das kann hilfreich sein. Auch inhaltlich gibt es bei den Prü­
fungen große Unterschiede. In Gießen werden zentrale Thesen der Doktorarbeit
vorgestellt und diskutiert; in Heidelberg gibt es anschließend noch einen allgemei­
nen Teil; in Bonn werden vier Thesen eingereicht, die gar nichts mit der Dissertati­
on zu tun haben. Es lohnt sich, frühzeitig die Prüfungsordnung zu studieren.
Was erwarten Professoren von internationalen Doktoranden? Ein Interview
mit Professor Marion Gymnich, Universität Bonn
www.daad.de/promotion
Gute Kommunikation: Professor Liqiu Meng, TU München, im Gespräch mit Studierenden

image
14
Promovieren in Deutschland
Promotionskolleg
Promotionskollegs verbinden Elemente
der traditionellen Einzelbetreuung von
Promovierenden mit den Neuerungen der
strukturierten Doktorandenprogramme:
Sie sind eine durch einen Zusammen-
schluss von Hochschullehrern getragene
Einrichtung und haben das Ziel der ge-
meinsamen Ausbildung und Betreuung
von Promovierenden. Die gegenüber dem
traditionellen Weg verbesserte Betreuung
soll zu deutlich kürzeren Promotionszeiten
führen. Die Kollegs eröffnen zudem mehr
Feedback-Chancen und fördern die Orien-
tierung in der „Scientific Community“.
Dies soll die häufige soziale und wissen-
schaftliche Isolation traditionell Pro-
movierender überwinden und Risiken der
Promotionsphase minimieren. Universi-
täten können ihre Promotionskollegs in
Zentren für Graduiertenstudien zusam-
menfassen.
Moussa Sangare hat gerade über Skype ei-
ne Konferenz mit seiner Micro-AG ge-
schaltet und sich mit fünf anderen Dokto-
randen über die nächsten Arbeitsschritte
ausgetauscht. Der 39 Jahre alte Afrikaner
promoviert seit zwei Jahren an der Tech-
nischen Universität Dresden. In seiner
Dissertation beschäftigt er sich mit der
Qualität privater Hochschulen in seinem
Heimatland, der Elfenbeinküste. Der regel-
mäßige Austausch in kleinen Arbeitsge-
meinschaften und feste Veranstaltungen
sind bei dem
Promotionskolleg
„Lebens-
langes Lernen“ Programm. Es setzt auf
Vernetzung und einen klar definierten
Rahmen und greift damit wesentliche Ele-
mente der strukturierten Promotionsstudi-
engänge auf.
Auch in Dresden lässt sich beobachten: Das
Modell der Graduiertenschulen und Gradu-
iertenkollegs macht an deutschen Universi-
täten Schule. „Wir treffen uns regelmäßig
zu Workshops und Kolloquien, um unsere
Ergebnisse zu präsentieren“, sagt Sangare.
Feedback erhalten die Doktoranden von
allen vier Professoren der beteiligten Lehr-
stühle. Die Kollegiaten sind in kleinen
Arbeitsgemeinschaften organisiert. Die
Fachsprache ist
Deutsch
– für den Afrika-
ner, der Germanistik studiert und in Abid-
jan eine Ausbildung zum Deutschlehrer ge-
macht hat, ist das kein Problem. „Und
wenn ich eine Frage habe, brauche ich nur
zu den Kollegen nebenan zu gehen, die hel-
fen mir sofort weiter.“ Auch seine Doktor-
mutter, die bereits seine Masterarbeit be-
gleitet hat, ist jederzeit für ihn zu sprechen.
Dieser Austausch ist Sangare wichtig. Des-
halb wird er so bald wie möglich morgens
wieder in sein Büro am Institut für Berufs-
pädagogik radeln. Denn in den letzten Wo-
chen hat er jede Minute genutzt, um mög-
lichst rasch den theoretischen Teil seiner
Arbeit abzuschließen.
Jeden Tag pünktlich um zehn Uhr klappt
er seinen Laptop auf, arbeitet bis zum frü-
hen Abend an der Dissertation und gönnt
sich dann zum Ausgleich zwei Stunden
Sport. Anschließend geht es am Schreib-
tisch weiter, oft bis in die Nacht. Rings um
seinen Arbeitsplatz stapeln sich Lehrbü-
cher. Die bestellt der Doktorand online
und holt sie von der Unibibliothek ab. Ein
bisschen ist er mit seinem Zeitplan in Ver-
zug. Moussa Sangare hat ein Stipendium
der Hans-Böckler-Stiftung, die das Promo-
tionskolleg unterstützt. Als Stipendiat der
politischen Stiftung wird von ihm gesell-
schaftspolitisches Engagement erwartet.
Der Afrikaner hat deshalb ein Buch über
die politische Situation in seiner Heimat
geschrieben. Den hohen Zeitaufwand
muss er jetzt wieder aufholen: Das Stipen-
dium läuft über drei Jahre, dann muss die
Arbeit fertig sein. „Mein bester Freund ist
im Moment die Disziplin.“
Die Soziologin Szilvia Major plant erheb-
lich mehr Zeit für ihre Doktorarbeit über
langjährige Partnerschaften ein. Dreimal
die Woche arbeitet die Ungarin als An-
sprechpartnerin für ausländische Dokto-
Der Alltag als Doktorand: „Ohne
Selbstdisziplin geht es nicht“
Mein bester Freund ist die
Disziplin. Ich möchte schnell
mit der Doktorarbeit fertig
werden. In Workshops diskutie-
ren wir regelmäßig über unsere
Ergebnisse, das hilft sehr.
Moussa Sangare, Elfenbeinküste
Der Deutschlehrer promoviert am Promotionskolleg
„Lebenslanges Lernen“ der TU Dresden.

image
auf das Engagement eines einzelnen
Hochschullehrers angewiesen. Als An-
sprechpartnerin für internationale Dokto-
randen hat Szilvia Major in dieser Bezie-
hung schon so manche Klage gehört.
Selbst macht sie jedoch die Erfahrung,
dass ein Hochschullehrer mit persön-
lichem Einsatz auch im Rahmen des tradi-
tionellen Wegs viel bewirken kann.
„Zweimal im Monat treffen sich alle Dokto-
randen meines Professors für ein Wochen-
ende an seinem Wohnort und stellen ihre
Fortschritte vor“, so Major. Übernachtet
wird in der Jugendherberge. „Das ist keine
Verpflichtung, aber es bringt einem un-
heimlich viel.“
Szilvia Major ist mit einem Ungarn verhei-
ratet, einem Arzt in Ausbildung. Ob die
beiden nach Ungarn zurückkehren, ist
noch offen. Moussa Sangare kann es dage-
gen auch aus persönlichen Gründen gar
nicht schnell genug gehen mit der Promo-
tion. Er hat drei Kinder, die er nur einmal
im Jahr sieht. „Mein Ziel ist es, sofort nach
der Promotion nach Hause zu gehen, um
dort an der Uni zu arbeiten und ein nor-
males Familienleben führen zu können.“
randen an der Universität Gießen und fi-
nanziert so ihre Promotion. Ihr Berufsziel
ist klar: „Ich möchte in die Partnerschafts-
beratung, meine Dissertation ist darauf zu-
geschnitten.“ Die 27-Jährige promoviert
auf dem traditionellen Weg. So lässt sich
ihre Doktorarbeit mit der halben Stelle im
International Office der Uni vereinbaren.
„Mir ist es wichtig, neben der Promotion
praktische Erfahrungen zu sammeln –
auch wenn es so natürlich länger dauert.“
Vier bis fünf Jahre kalkuliert Szilvia Major
für die Doktorarbeit ein. „Noch befinde ich
mich in der Lesephase, da kann ich ein
Buch schon mal mit ins Schwimmbad
nehmen“, sagt sie. Aber wenn der theore-
tische Teil beginnt, will sie jeden Vormit-
tag in ihrem Büro in der Uni arbeiten und
ab Mittag die Tür verschließen, um sich
konsequent der Dissertation zu widmen.
Ein guter Plan, ist sich die Doktorandin si-
cher: „So hat der Tag Struktur, aber ohne
Selbstdisziplin geht es nicht. Deshalb
könnte ich niemals zu Hause arbeiten, ich
brauche die räumliche Trennung.“ Wer
wie sie den Doktortitel nach dem traditio-
nellen Lehrlingsmodell erarbeitet, ist stark
Wenn der theoretische Teil meiner Arbeit beginnt, werde
ich jeden Tag in meinem Büro an der Uni sein und den
Tag gut strukturieren. Zu Hause könnte ich nicht arbeiten.
Szilvia Major, Ungarn
Die Soziologin promoviert an der Universität Gießen und berät ausländische Doktoranden.
Deutsch
Auch wenn man in vielen Promotionsstu-
diengängen und in den Universitäts-
städten gut mit Englisch durchkommt:
Ohne Deutschkenntnisse entgeht einem
viel vom Alltagsleben. Außerdem:
Deutsch ist eine der großen Wirtschafts-
und Wissenschaftssprachen. Mehr als
100 Millionen Menschen sprechen
Deutsch als Muttersprache. Weltweit kom-
men noch einmal rund 24 Millionen dazu,
die Deutsch können.
Wege zur Promotion
15
blog.scholarz.net
Auf dieser Kommunikationsplattform
bloggen Doktoranden für Doktoranden: Zu
den zentralen Themen gehören Erfah-
rungen rund um Dissertationen und
Forschungsarbeiten. Interessant sind auch
die Posts zum „Wissenschaftlichen Arbei-
ten im Web 2.0“ (Deutsch, Englisch).
Link

16
Promovieren in Deutschland
Schleswig-
Holstein
Niedersachsen
Nordrhein-
Westfalen
Rheinland-
Pfalz
Saarland
Hessen
Baden-
Württemberg
Bayern
Thüringen
Sachsen-
Anhalt
Sachsen
Brandenburg
Berlin
Mecklenburg-
Vorpommern
Hamburg
Bremen
Hannover
Berlin
Lübeck
Hamburg
Bremen
Oldenburg
Braunschweig
Frankfurt/O.
Osnabrück
Hildesheim
Clausthal-
Zellerfeld
Magdeburg
Leipzig
Dresden
Chemnitz
Freiberg
Cottbus
Potsdam
Rostock
Greifswald
Kiel
Flensburg
Zittau
Passau
Bochum
Münster
Dortmund
Hagen
Düsseldorf
Duisburg
St. Augustin
Bonn
Aachen
Trier
Mainz
Frankfurt a.M.
Darmstadt
Kaiserslautern
Karlsruhe
Ludwigsburg
Stuttgart
Tübingen
Freiburg
Augsburg
Benediktbeuern
München
Martinsried
Garching
Regensburg
Erlangen-Nürnberg
Köln
Essen
Witten-Herdecke
Bielefeld
Detmold
Eichstätt
Neuendettelsau
Bayreuth
Bamberg
Konstanz
Saarbrücken
Speyer
Koblenz
Vallendar
Oestrich-
Winkel
Paderborn
Wuppertal
Hohenheim
Weingarten
Trossingen
Würzburg
Bad Nauheim
Golm
Kaltenburg-Lindau
Lüneburg
Vechta
Halle
Erfurt
Weimar
Ilmenau
Jena
Göttingen
Schwäbisch Gmünd
Gießen
Fulda
Marburg
Kassel
Siegen
Mannheim
Heidelberg
Ulm
7
2
2
3
3
4
3
7
4
3
4
2
4
4
2
5
2
2
2
2
3
2
2
2
2
Wo promovieren? Ein Überblick
über die Promotionsorte
Hochschulen mit
Promotionsrecht
Städte mit mehreren Hoch­
schulen mit Promotionsrecht
Graduiertenschulen der
Exzellenzinitiative
International Max Planck
Research Schools
2
Hochschulen und Rankings
Die deutsche Hochschullandschaft bietet
ein großes Spektrum von Hochschultypen:
Zu den 360 Hochschulen zählen Universi-
täten und Technische Universitäten/Hoch-
schulen, Kunst-, Musik- und Filmhoch-
schulen sowie die anwendungsorientierten
Fachhochschulen, die jedoch kein Promo-
tionsrecht haben. Mit wissenschaftlicher
Exzellenz glänzen nicht nur die großen
Städte. Rankings haben in Deutschland bei
der Wahl des Hochschulortes keine Traditi-
on. Erst seit wenigen Jahren gibt es über-
haupt seriöse Rankings, die verschiedene
Indikatoren für die wissenschaftliche Akti-
vität und Qualität zugrunde legen. Emp-
fehlenswert sind die folgenden Rankings:
www.che-ranking.de
www.dfg.de/ranking
www.humboldt-foundation.de/ranking
Hochschul- und Bildungspolitik
Deutschland ist ein Bundesstaat aus
16 Ländern, die jeweils eigenständige,
wenn auch eingeschränkte Staatsgewalt
besitzen. Bund und Länder kooperieren
bei Bildungsfragen, grundsätzlich liegt
die Bildungspolitik – zu der auch die Ver­
waltung der Hochschulen gehört – aber
weitgehend in der Verantwortung der
Länder. Der Bund ist vor allem für die Be­
reiche Bildungsforschung, Berufsbildung,
Weiterbildung sowie für Abschlüsse und
Forschungsförderung an den Hochschulen
zuständig.

image
Binationale Promotion
Bei den binationalen Promotionsverfah­
ren, auch Cotutelle­Verfahren genannt,
kooperiert (mindestens) eine internationa­
le Hochschule mit einer deutschen Hoch­
schule in Bezug auf die Betreuung von
Doktoranden. Dies schließt in der Regel
Arbeitsaufenthalte zur Anfertigung der
Doktorarbeit an den beteiligten Hochschu­
len sowie die Mitwirkung auswärtiger
Betreuer auch im abschließenden Pro­
motionsverfahren ein. Feste Partner­
schaften haben zum Beispiel die von der
DFG geförderten Internationalen Gra­
duiertenkollegs oder die unter dem Dach
der Deutsch­Französischen Hochschule
zusammengeschlossenen mittlerweile
25 Deutsch­Französischen Doktoranden­
kollegien. Verliehen wird zum Abschluss
des Verfahrens aber kein „binationaler“
Doktortitel, sondern ein Doktorgrad, der
nach den Grundsätzen des deutschen
Prüfungsrechts erworben wird.
Promotionsorte
17
International Max Planck
Research Schools
Die International Max Planck Research
Schools (IMPRS) sind ein Nachwuchsför-
derungsprogramm, das sich an besonders
begabte deutsche und ausländische Studie-
rende richtet. Die 55 IMPRS an 32 Standor-
ten bieten dabei die Möglichkeit, sich im
Rahmen einer strukturierten, interdiszipli-
när ausgerichteten Ausbildung unter exzel-
lenten Forschungsbedingungen auf die
Promotionsprüfung vorzubereiten. Dabei
liegt ein Schwerpunkt auf der internationa-
len Zusammenarbeit: Die Research
Schools wenden sich insbesondere an in-
ternationale Doktoranden, die sie für eine
Promotion in Deutschland gewinnen wol-
len. Angestrebt ist, dass die Hälfte der
IMPRS-Studierenden aus dem Ausland
kommt. Im September 2009 lag der Anteil
der internationalen Promovierenden der
insgesamt 2.100 IMPRS-Doktoranden bei
53 Prozent. Die Promotionsprüfung kann
wahlweise an einer deutschen oder an der
Heimatuniversität abgelegt werden.
Graduiertenkollegs, Graduiertenschulen,
Max Planck Research Schools
Graduiertenschulen der
Exzellenzinitiative
Graduiertenschulen sind im Rahmen der
Exzellenzinitiative geförderte Doktoran-
denprogramme. Sie bieten strukturierte
Promotionsprogramme innerhalb eines
exzellenten Forschungsumfeldes. Derzeit
werden 39 Graduiertenschulen durch-
schnittlich jeweils mit rund 5,7 Millionen
Euro auf 5 Jahre gefördert. Graduierten-
schulen sind breiter angelegt als die the-
matisch fokussierten Graduiertenkollegs:
Mehrere Fakultäten forschen zusammen
an einer übergeordneten Fragestellung.
Auf die internationale und interdiszip-
linäre Zusammensetzung der Teams wird
viel Wert gelegt. Ein Vorteil der fakultätsü-
bergreifenden Zusammenarbeit ist der in-
tensive Austausch zwischen Doktoranden
und Professoren benachbarter Fächer. Be-
sonders hoch Qualifizierte haben die Mög-
lichkeit, über Fast-Track-Programme schon
nach einem Masterjahr an der Graduier-
tenschule zu starten. Der Abschluss lässt
sich meist auf Englisch absolvieren.
Graduiertenkollegs und
Internationale Graduiertenkollegs
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) unterstützt zurzeit 227 Graduierten-
kollegs (GRKs), darunter 58 Internationale
Graduiertenkollegs (IGKs). Bei den Inter-
nationalen Graduiertenkollegs kooperieren
eine oder mehrere internationale Hoch-
schulen mit einer deutschen Hochschule.
Doktoranden werden von einer Gruppe an
einer deutschen Hochschule und einer
Partnergruppe im Ausland ausgebildet.
Zusammen mit den Professoren erarbeiten
die Doktoranden einen individuellen Pro-
motionsplan mit festem Zeitrahmen.
Programme für Studium und Forschung
werden gemeinsam entwickelt, die Dokto-
randen werden von jeweils zwei Profes-
soren, die verschiedenen Hochschulen an-
gehören, betreut. Bestandteil der bilateralen
Promotionsförderung ist zudem ein sechs-
monatiger Auslandsaufenthalt bei dem
jeweiligen Partner.
www.dfg.de/gk
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft
(DFG) listet hier alle aktuell geförderten
nationalen und internationalen Graduier­
tenkollegs auf (Deutsch, Englisch).
www.dfg.de/exzellenzinitiative/
gsc
Hier bietet die DFG auch eine Überblicks­
liste mit Links zu den geförderten Gradu­
iertenschulen (Deutsch, Englisch).
www.mpg.de
Im Schnellzugriff führt der Menüpunkt
„Research Schools“ zu einer Übersicht
mit allen International Max Planck
Research Schools (Deutsch, Englisch).
www.helmholtz.de/
graduiertenschulen-kollegs
Die Helmholtz­Gemeinschaft fördert
junge Wissenschaftler in Graduiertenschu­
len und Kollegs (Deutsch, Englisch).
Links

lagen sowie die Anerkennungsurkunde
der promotionsberechtigenden Hoch­
schulzeugnisse. Der nächste Schritt
heißt: Immatrikulation (Einschreibung)
für einen Promotionsstudiengang. Es ist
aber nicht für jedes Fach nötig, sich zur
Promotion zu immatrikulieren. Dies
hängt von der
Promotionsordnung
des
Fachbereichs ab, die jeder genau durchle­
sen sollte. Sie kann auf den Webseiten
der Fakultäten eingesehen werden. Die
Einschreibung als Doktorand bringt viele
Vorteile – etwa einen besseren ausländer­
rechtlichen Status. Voraussetzung ist die
Zulassung zum Studium. Sie wird in der
Regel im Studentensekretariat nach Vor­
lage der Zeugnisse, der Anerkennungs­
urkunde sowie – falls nötig – des Nach­
weises der Sprachkenntnisse erteilt.
Deutschkenntnisse müssen nachgewie­
sen werden (
DSH
oder TestDaF­
Prüfungen), wenn die Dissertation in
deutscher Sprache verfasst werden muss.
Das ist bei Weitem nicht immer so und
hängt von der jeweiligen Promotionsord­
nung ab.
Wer sich um einen Platz in einem struk­
turierten Promotionsprogramm, einem
Graduierten­ oder Doktorandenkolleg be­
wirbt, geht im Prinzip ähnlich vor. Doch
hier steht an erster Stelle die Bewerbung
um die Teilnahme an dem Programm.
Dazu muss die geplante Dissertation zu
den Schwerpunkten des Programms pas­
sen und ein gutes bis sehr gutes, in
Deutschland anerkennbares Examen vor­
liegen. Die Bewerbung, die häufig auch
über das Internet abgewickelt werden
kann, verläuft meist – aber nicht immer –
mehrstufig: Zunächst wird beim zustän­
digen Dekanat oder Kolleg das Bewer­
In sieben Schritten zum Doktoranden
Anerkennung des
Universitätsabschlusses
Beim Dekanat, beim Promotionsausschuss
der jeweiligen Fakultät oder bei der Abtei­
lung Internationales der Universität wird
die Anerkennung des Universitätsab­
schlusses beantragt. In manchen Fällen
wird die endgültige Zulassung zur Promo­
tion von einer weiteren Prüfung abhängig
gemacht, die feststellt, ob die Kenntnisse
auf dem Niveau des deutschen Studienab­
schlusses liegen. Im Fach Rechtswissen­
schaft werden aufgrund der Unterschied­
lichkeit der auf das jeweilige nationale
Recht bezogenen Studieninhalte häufig
zusätzliche Auflagen gemacht.
Mit Bachelorgrad zur Promotion
Besonders qualifizierte ausländische
Bewerber können auch mit einem Bache­
lorabschluss Zugang zur Promotion erhal­
ten. Voraussetzung ist in der Regel ein
Eignungsfeststellungsverfahren. Ihm geht
eine meist einjährige Vorbereitungsphase
voraus. Über die Form des Verfahrens und
über den Zugang entscheiden die einzel­
nen Universitäten. Die Zulassung ist grund­
sätzlich immer eine Einzelfallentschei­
dung. Interessenten sollten sich deshalb
mit der für sie zuständigen Fakultät in Ver­
bindung setzen. Regelungen finden sich
auch in einigen Promotionsordnungen der
jeweiligen Fachbereiche.
Wer in Deutschland seinen Doktor ma­
chen möchte, braucht einen in Deutsch­
land
anerkannten Universitätsabschluss
.
Im Allgemeinen ist dies ein dem Master
oder Magister, Diplom oder Staatsexamen
entsprechender Abschluss. Auch mit
einem
Bachelorgrad
kann man in Ausnah­
mefällen promovieren. Als Nächstes gilt es
einen Betreuer, sprich einen Doktorvater
oder eine Doktormutter, zu finden – oder
einen Platz in einem strukturierten Pro­
motionsprogramm.
Der am häufigsten beschrittene Weg ist in
Deutschland zurzeit noch die Promotion
bei einem Doktorvater. Die Vorentschei­
dungen muss dabei jeder selbst treffen:
Auf welchem Gebiet soll wissenschaftlich
gearbeitet werden? Welche Universitäten
kommen in Frage und welcher Professor?
Der potenzielle Doktorand muss sich dann
selbst an diese Hochschullehrer wenden.
Und das am besten ganz früh, am besten
persönlich (oder schriftlich) – und am bes­
ten gut vorbereitet mit Infos über den bis­
herigen Werdegang und die wissenschaft­
lichen Ziele. Gut vorbereitet heißt auch,
dass es schon ein kurzes Exposé der ge­
planten Dissertation gibt. Jetzt ist Über­
zeugungsarbeit zu leisten: Denn eine Be­
ziehung zwischen Doktorvater und
Doktorand ist auf mehrere Jahre – in der
Regel drei bis fünf – angelegt und für bei­
de Seiten recht arbeitsintensiv.
Ist ein Betreuer gefunden, ist der wich­
tigste Schritt gemacht. Jetzt muss die An­
nahme als Doktorand vom zuständigen
Fachbereich oder Promotionsausschuss
bestätigt werden. Dazu braucht man in
der Regel eine Bescheinigung des Dok­
torvaters, die beglaubigten Zeugnisunter­
Vor dem Start: Die ersten Schritte
zur Promotion in Deutschland
Examen
Doktorvater
finden und über-
zeugen oder Be-
werbung bei
einem Promoti-
onsprogramm/
an einem
Graduiertenkolleg
Anerken-
nung
des
Examens
beantragen
Ggf. An-
nahme als
Doktorand
im Fachbe-
reich bean-
tragen
Ggf. Zulassung
zur Promotion
beantragen
(an manchen
Hochschulen
ist das erst
später nötig)
Ggf. Zu-
lassung
zum
Studium
beantragen
Ggf. Imma-
trikulation
als
Promotions-
student
18
Promovieren in Deutschland

image
www.internationale-studierende.de
Umfassende und sehr nützliche Informa­
tionen des Deutschen Studentenwerks
für internationale Studierende (Deutsch,
Englisch).
www.research-in-germany.de/faq
Hier bietet das Dachportal der deutschen
Forschung die Infobroschüre „FAQs –
Preparing your research stay in Germany“
als PDF zum Download (Englisch).
Promotionsordnung
Sie enthält die wichtigsten fach­ und
fakultätsspezifischen Regelungen für das
Promotionsverfahren. Dazu gehören die
Zulassung zum Promotionsverfahren, die
Voraussetzungen für die Zulassung (Ab­
schlüsse, Noten etc.), Regelungen zur
Einreichung der Dissertation und zur Er­
stellung der Gutachten sowie die Ausge­
staltung der mündlichen Prüfung.
DSH
Die Deutsche Sprachprüfung für den
Hochschulzugang besteht aus einer
schriftlichen und einer mündlichen Prü­
fung und ist meist kostenfrei. Einige
Hochschulen erheben auch Gebühren. Alter­
nativ kann auch eine Prüfung im Heimat­
land nach dem TestDaF­Verfahren nachge­
wiesen werden
(www.testdaf.de).
Aufenthaltserlaubnis
Alle Doktoranden aus Nicht­EU­Ländern
oder Ländern außerhalb des Europäischen
Wirtschaftsraums benötigen eine Aufent­
haltserlaubnis. Sie wird durch das lokale
Ausländeramt ausgestellt. Den Antrag auf
Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis er­
hält man bei der Behörde. Eine Aufent­
haltserlaubnis ist immer befristet und kann
nach Ablauf verlängert werden. Die Ver­
längerung muss unbedingt vor Ablauf der
Gültigkeitsdauer beantragt werden.
gehören, ein entsprechendes Visum. Auf
keinen Fall sollten sie mit einem Touris­
tenvisum einreisen. Dieses kann später
nicht umgewandelt werden und es droht
die Rückreise ins Heimatland.
Nach der Ankunft in Deutschland steht
der Gang zum Einwohnermeldeamt (oder
Bürgerservice) oben auf der To­do­Liste.
Dort muss sich jeder anmelden. Wer
nicht aus der EU, Island, Norwegen oder
Liechtenstein ist, muss noch zum Aus­
länderamt, um eine
Aufenthaltserlaubnis
zu beantragen. Dafür benötigt man auch
einen Nachweis über eine Krankenversi­
cherung (sie wird auch für die Immatri­
kulation gebraucht, siehe S. 22). Wer ei­
nen Arbeitsvertrag hat, wird automatisch
krankenversichert. Wichtig ist auch, sich
schon frühzeitig um eine Wohnung zu
bemühen. Für die Bewerbung um einen
Platz in einem Studentenwohnheim
braucht es meist schon die Immatrikula­
tionsbescheinigung. Bei der Wohnraum­
suche hilft das Studentenwerk. Doktoran­
den brauchen auch ein Girokonto. Das
kann man bei jeder Bank oder Sparkasse
– in der Regel kostenfrei – einrichten.
bungsschreiben mit Lebenslauf,
Abschlussarbeit, Exposé der geplanten
Dissertation und Begründung der Bewer­
bung eingereicht. Nach Aufforderung er­
folgt eine ausführliche Bewerbung mit
umfangreicherem Exposé und der Einrei­
chung von mindestens zwei Referenzen
von Hochschullehrern. In einer dritten
Stufe wird dann meist ein persönliches
Bewerbungsgespräch geführt. Über die
genauen Modalitäten und Bewerbungs­
fristen informieren die Webseiten der
Programme und Kollegs. War die Bewer­
bung erfolgreich, nimmt der Doktorand
an einem Promotionsstudiengang teil
mit speziell auf die Bedürfnisse der Dok­
toranden zugeschnittenen Lehrveranstal­
tungen und individueller Betreuung
durch ein Team von Hochschullehrern.
Bei den Formalitäten hilft in der Regel
ein Mentor.
Praktische Tipps
Egal, ob mit Doktorvater oder in einem
strukturierten Programm: Die Bürokratie
ist für alle gleich. Zur Einreise benötigen
angehende Doktoranden aus Ländern,
die nicht der Europäischen Union (EU) an­
Links
Voraussetzungen
19
Deutschkenntnisse sind immer
nützlich – aber für eine Promotion
in Deutschland nicht unbedingt
erforderlich
www.daad.de/promotion
Wie sieht eine erfolgreiche Bewerbung als Doktorand aus?
Ein Interview mit Professor Sandra Klevansky, Direktorin der Graduate
School of Fundamental Physics der Universität Heidelberg
Frau Professor Klevansky, welche Voraussetzungen müssen Doktoranden in
Deutschland – neben den fachlichen – auf jeden Fall erfüllen?
An erster Stelle steht die Selbstständigkeit. Sie spielt bei uns eine große Rolle.
Wie sieht eine erfolgreiche Bewerbung um die Annahme als Doktorand aus? Und
welche Fehler ließen sich im Vorfeld vermeiden?
Wir erwarten hervorragende Noten, eine vollständige Bewerbung mit allen Unterlagen
(Urkunden, Transcripts of Records, Referenzen) – und ein deutlich formuliertes Inter­
esse am Thema. Bewerber sollten nicht blauäugig loslegen. Sie sollten herausfinden,
welche Unterschiede zu einer Promotion in ihrem Heimatland existieren, um unnöti­
ge Überraschungen zu vermeiden – zum Beispiel, dass Promovenden nicht nur for­
schen, sondern auch Kurse besuchen müssen, oder dass eine Lehrpflicht besteht.

image
Von Kosten und Fördermöglichkeiten:
Die Finanzierung der Promotion
Was kostet ein Promotionsstudium in
Deutschland? Die gute Nachricht ist: im
Prinzip nichts. Promotionsstudiengänge
an den staatlichen Universitäten und
Hochschulen sind – in den ersten sechs
Semestern – gebührenfrei. Doch das Le-
ben in Deutschland will finanziert werden
und das Thema Geld spielt schon vor der
Einreise eine Rolle. Bereits für das Visum
oder die Aufenthaltsgenehmigung müssen
die angehenden Doktoranden nachweisen,
dass sie über genügend Mittel verfügen,
um in Deutschland leben zu können.
Rund 7.800 Euro erwarten die deutschen
Behörden für ein Jahr. Es können aber
auch höhere Nachweise verlangt werden.
Die Lebenshaltungskosten variieren stark,
je nach Lebensstil und Hochschulort –
denn rund ein Drittel der monatlichen
Ausgaben fließt normalerweise in die Mie-
te. Hier gibt es allerdings große Unter-
schiede in Deutschland.
Neben den Ausgaben für Lebensmittel,
Kleidung, Mobilität, Bücher, Gesundheit,
Kommunikation und Freizeit, für die laut
dem Deutschen Studentenwerk Studieren-
de in Deutschland im Durchschnitt rund
740 Euro ausgeben, kommen noch
Semes­
terbeiträge
für diejenigen hinzu, die sich
in einen Promotionsstudiengang einge-
schrieben haben.
Für Promovierende, die an einem struktu-
rierten Promotionsprogramm teilnehmen
und an einem Promotions-, Doktoranden-
oder Graduiertenkolleg promovieren, wird
die Finanzierung zumeist schon mit der
Annahme der Bewerbung geklärt: Sie ar-
beiten als wissenschaftliche Mitarbeiter
oder erhalten ein
Stipendium
(in der Regel
etwa 1.000 Euro). Doch auch für diejeni-
gen, die im traditionellen Lehrlingsmodell
promovieren, besteht die Möglichkeit, sich
auf eine
Doktorandenstelle
zu bewerben –
wenn bei dem Wunsch-Doktorvater gerade
eine Stelle frei ist.
Promovieren mit Doktorandenstelle
Hier arbeiten die Promovierenden als wis-
senschaftliche Mitarbeiter (häufig auf einer
halben Stelle) an dem Lehrstuhl ihrer Pro-
fessoren an der Dissertation und werden
nach dem Tarifrecht des Bundeslandes be-
zahlt. Die Aufgaben umfassen – je nach
Fachgebiet und Universität – neben der
Fertigstellung der Dissertation meistens
auch die Mitarbeit an Forschung und/oder
Lehre sowie die Übernahme von Verwal-
tungsaufgaben. Betreut der Professor eines
der zahlreichen Sonderforschungspro-
gramme der DFG, so gibt es die Möglich-
keit, als wissenschaftlicher Mitarbeiter
schon während der Promotion an einem
DFG-geförderten Forschungsprojekt mit-
20
Promovieren in Deutschland
Semesterbeiträge
Wer sich als Doktorand für einen Studien­
gang einschreibt, muss einen Beitrag
entrichten. (Nicht zu verwechseln mit den
in einigen Bundesländern erhobenen
Studiengebühren, die für Doktoranden in
den ersten sechs Semestern aber nicht
anfallen!) Die Einschreibung ist – je nach
Hochschule – nicht immer erforderlich,
aber empfehlenswert. Sie erleichtert den
Umgang mit den Behörden – der ausländer­
rechtliche Status ist verbessert und ein
Nebenjob außerhalb der Hochschule wird
möglich. Zudem gibt es für eingeschrie­
bene Promovierende meist billigere Bus­
tickets und vergünstigtes Essen in der
Mensa. Auch viele Theater, Museen und
Kinos gewähren reduzierten Eintritt. Die
Semesterbeiträge können – je nach Hoch­
schule und einbegriffener Leistung –
zwischen 50 und 250 Euro schwanken.
Ich kann mich ganz meiner Disser­
tation widmen. Meine Promotion
wird von einer Stif­tung gef­ördert,
die gezielt Entwicklungszusammenar­
beit auf­ dem Gebiet der regenerativen
Energien unterstützt. Für diese sehr
guten Bedingungen bin ich dankbar,
denn ich möchte mein Thema gründ­
lich bearbeiten.
Patricia Chaves, Brasilien
Die Ingenieurin promoviert an der Universität Oldenburg.

www.academics.de
Das Portal bietet in Deutschland den
größten Online­Stellenmarkt für Wissen­
schaftler (Deutsch, Englisch).
www.f­unding­guide.de
Stipendiendatenbank des DAAD zur Re­
cherche nach Fachrichtung, Herkunftsland
und akademischem Status (Deutsch,
Englisch, Spanisch).
www.euraxess.de
Die „Förderdatenbank“ der Alexander
von Humboldt­Stiftung umfasst auch Pro­
gramme für ausländische Gastwissen­
schaftler (Deutsch, Englisch).
www.stipendienlotse.de
Die gut strukturierte Datenbank ermög­
licht eine zielgenaue Suche nach aktuellen
Stipendienprogrammen (Deutsch).
lichkeit dieser Programme bietet die Da-
tenbank des DAAD
www.funding-guide.de.
Für alle anderen bleibt die Möglichkeit der
privaten Finanzierung, und die heißt meis-
tens: jobben. Wer sein Geld nicht als wis-
senschaftlicher Mitarbeiter oder als Teil
des Lehrpersonals verdient, unterliegt al-
lerdings einigen Beschränkungen. Dokto-
randen aus EU und EWR sind deutschen
Studierenden gleichgestellt: Sie dürfen
während des Semesters bis zu 20 Stunden
in der Woche arbeiten, während der vorle-
sungsfreien Zeit unbegrenzt. Arbeiten sie
länger, gelten sie unter Umständen als
„normale“ Arbeitnehmer und müssen hö-
here Sozialabgaben zahlen. Nicht-EU-Mit-
glieder dürfen bis zu 90 volle Tage im Jahr
jobben – Ausnahmen gelten für wissen-
schaftliche und studentische Hilfskräfte.
Hilfe bei der Jobsuche bietet das Studen-
tenwerk. Auf jeden Fall sollte vor Jobantritt
die Genehmigung der Ausländerbehörde
und/oder der Agentur für Arbeit eingeholt
werden, denn nicht nur für die neuen EU-
Länder gelten Ausnahmeregelungen.
zuarbeiten. Darüber hinaus bieten auch
außeruniversitäre Institutionen – wie zum
Beispiel das Fraunhofer-Institut – Dokto-
randen Mitarbeiterstellen in Forschungs-
projekten an. Auch einige Unternehmen
vergeben und fördern Doktorarbeiten.
Stipendien f­ür Hochqualifizierte
Doch diese Stellen sind rar. Bessere Chan-
cen bieten da die vielfältigen Förderpro-
gramme, die auch ausländische Doktoran-
den mit einem Stipendium unterstützen.
Das umfangreichste Stipendienprogramm
bietet der DAAD. Er unterstützte 2008
2.580 internationale Doktoranden mit ei-
ner Individualförderung. Zusätzlich för-
dert der DAAD jährlich rund 2.000 aus-
ländische Promovierende in diversen
Projekten. In Ausnahmefällen wird auch
eine Vollpromotion in Deutschland bis zu
vier Jahre gefördert.
Eine ganze Reihe von Stiftungen unter-
stützt darüber hinaus hochqualifizierte
ausländische Doktoranden, wenn diese an
einer deutschen Hochschule zur Promoti-
on zugelassen sind (zum Beispiel das
Evangelische Studienwerk Villigst e.V., die
Friedrich-Ebert-Stiftung, die Friedrich-
Naumann-Stiftung, die Hans-Böckler-Stif-
tung, die Hanns-Seidel-Stiftung, die Hein-
rich-Böll-Stiftung, die Stiftung der
deutschen Wirtschaft und die Rosa-Luxem-
burg-Stiftung). Neben den großen, von der
Bundesregierung unterstützten Begabten-
förderwerken gibt es noch eine Vielzahl
von kleineren Stiftungen und Stipendien-
programmen. Eine gute Recherchemög-
Was erwarten Stif­tungen von Stipendiaten? Ein Interview mit Prof­. Dr.
Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbands Deutscher Stif­tungen
Herr Prof­essor Fleisch, gibt es f­ür internationale Promovierende größere Hürden
bei einer Bewerbung um ein Stif­tungsstipendium als f­ür deutsche?
Grundsätzlich nicht. Die meisten Stiftungen, die sich für Stipendien im Bereich der
Promotion öffnen, beschränken sich nicht auf eine Nationalität.
Wie findet man die richtige Stif­tung f­ür ein Promotionsvorhaben?
Nicht alle Stiftungen sind in den Stipendiendatenbanken vertreten. Man muss auch
individuell suchen. Das ist für Ausländer oft schwerer, weil viele Stiftungen nur ein
deutsches Internetangebot haben. Man sollte aber hier etwas Zeit investieren. Gera-
de bei kleinen Stiftungen ist das Angebot oft größer als die Nachfrage.
Was erwarten die Stif­tungen von ihren Stipendiaten?
Stiftungen möchten gerne Erfolge fördern: eine wichtige Arbeit, die wirklich etwas
bewirkt, die eine Hebelwirkung und einen Zusatzeffekt über die Zeit des Stipendi-
ums hinaus hat. Umgekehrt bieten die Stiftungen ihren Stipendiaten neben der För-
derung aber auch starke Netzwerke – ein sehr wichtiges „soziales Kapital“.
Private Hochschulen
In Deutschland haben 10 private und
12 kirchliche staatlich anerkannte
Hochschulen Promotionsrecht. Viele
kirchliche Hochschulen nehmen keine
Gebühren. Die Kosten für einen Pro-
motionsstudiengang an einer Privat-
hochschule können bei mehreren
tausend Euro pro Semester liegen.
Links
www.daad.de/promotion
Finanzierung
21
Stipendium
Viele Organisationen unterstützen hoch­
begabte internationale Studierende. Vor­
aussetzung ist in der Regel ein über­
durchschnittlicher Studienabschluss. Hinzu
kommen – je nach Einrichtung – Anfor­
derungen an ein soziales, gesellschaftspo­
litisches oder kirchliches Engagement. Ein
Stipendium wird befristet, meist auf zwei
bis drei Jahre, gewährt und muss in der
Regel jährlich neu beantragt werden. Die
Begabtenwerke unterstützen die Promo­
venden meist auch mit Seminaren und der
Austauschmöglichkeit in einem Alumni­
Netzwerk.
Doktoranden­ oder Promotionsstelle
Eine eigens eingerichtete Stelle zur Pro­
motion ist der Idealfall für (traditionell)
Promovierende. Wissenschaftliche Mit­
arbeiterstellen gibt es auch in DFG­Pro­
jekten. Die Besetzung der Stellen liegt in
der Verantwortung der jeweiligen Pro­
jektleitung.

22
Promovieren in Deutschland
Am Wochenende sind Yang Ji und seine
Frau Hang Zhao meistens mit dem Fahr-
rad unterwegs. Sie radeln durch den Eng-
lischen Garten oder zum Olympiapark, le-
gen sich auf die Wiese und genießen den
Sommer. „München ist eine sehr schöne
Stadt“, sagt der chinesische Diplominfor-
matiker, der an der Technischen Universi-
tät München promoviert. „Die Leute sind
aufgeschlossen, das Umfeld ist sehr inter-
national und es gibt hier viel Grün.“ Nach
dem Studium an der Friedrich-Schiller-
Universität Jena im Jahr 2007 hatte Ji zwei
Angebote für eine Doktorandenstelle –
München und Stuttgart. Seine Frau, mit
der er damals frisch verheiratet war, durfte
entscheiden – die Wahl fiel ihr nicht
schwer. 2001 war Hang Zhao als Studen-
tin zunächst nach München gekommen,
um Deutschkurse zu belegen. „Aus dieser
Zeit habe ich noch viele Freunde hier.“ An-
schließend ging sie nach Jena, um dort
Deutsch als Fremdsprache
zu studieren.
International oder familiär:
Leben in Deutschland
Lebenshaltungskosten
Nach einer Erhebung des Deutschen Stu-
dentenwerks verfügt der durchschnittliche
Studierende in Deutschland über rund
770 Euro im Monat. Davon gehen für Mie-
te 266 Euro, für Essen 147 Euro, für Klei-
dung 50 Euro ab. Für Fahrtkosten gibt der
Durchschnittsstudierende 82 Euro im Mo-
nat aus, die
Krankenversicherung
kostet
54 Euro. Telefon, Internet, Rundfunk- und
TV-Gebühren schlagen mit 43 Euro zu Bu-
che. Für Arbeitsmaterialien und Lernmittel
wie Bücher braucht er weitere 35 Euro.
62 Euro bleiben dann für Freizeit, Kultur
und Sport – die monatlichen Kosten belau-
fen sich so durchschnittlich auf 739 Euro.
Krankenversicherung
Jeder muss in Deutschland krankenver-
sichert sein. Der Nachweis einer Kranken-
versicherung wird sowohl für die Immat-
rikulation an der Hochschule als auch für
die Aufenthaltsgenehmigung benötigt.
Man kann sich bei einer gesetzlichen oder
einer privaten Krankenkasse versichern.
Je nach Aufenthaltszweck und Alter gelten
unterschiedliche Bedingungen. Informa-
tionen gibt das Studentenwerk.
Der Umzug von der kleinen Universitäts-
stadt in Thüringen in die bayerische Lan-
deshauptstadt im Süden Deutschlands war
für das junge Paar eine Umstellung. „In
Jena findet man ganz leicht eine Wohnung
für maximal 200 Euro“, erzählen sie. „Wir
haben in einem Wohnheim gewohnt und
nur wenig gezahlt.“ Aber die
Lebenshal­
tungskosten
sind in Deutschland recht
unterschiedlich: München gilt als eine der
teuersten Städte Deutschlands. Die Mieten
sind hoch, die Wohnungssuche ist schwie-
rig. „Das International Office der Hoch-
schule unterstützt internationale Dokto-
randen bei der Suche“, sagt Ji. Er selbst ist
jedoch auf eigene Faust über eine Internet-
plattform schnell fündig geworden. Für die
Zwei-Zimmer-Wohnung mitten im Stu-
dentenstadtteil Schwabing zahlt der Wis-
senschaftler 780 Euro. „Der Eigentümer
ist Absolvent der TU München“, sagt Ji,
„das verbindet.“
Am Lehrstuhl für Computation in Engi-
neering ist Yang Ji als wissenschaftlicher
Mitarbeiter angestellt. Feste Arbeitszeiten
gibt es nicht. „Wir kommen zwischen neun
und zehn Uhr und arbeiten bis um 18
Uhr.“ Den frühen Abend verbringt der In-
formatiker mit seiner Frau. Anschließend
erledigt er zu Hause organisatorische Auf-
gaben, füllt Formblätter aus oder bereitet
eine Veranstaltung vor. „Am Anfang gab es
zwischen uns eine kleine Krise“, erzählt
er. „Ich musste so viele Sachen parallel
machen und war abends mit den Gedan-
ken ganz woanders.“ Die eigene For-
schungsarbeit voranzutreiben und gleich-
zeitig Übungen oder Workshops zu
betreuen, ist für viele Wissenschaftler eine
große Herausforderung. Die TU München
bietet deshalb gezielt Fortbildungen für al-
le Doktoranden an. Dabei können sie Prä-
sentationstechniken ebenso schulen wie
das persönliche Zeitmanagement. „Diese
Angebote haben mir sehr geholfen“, be-
tont Ji. „Ich habe gelernt, Prioritäten zu
setzen und konzentriert eine Sache nach
der anderen abzuarbeiten.“
Die Atmosphäre an seinem Lehrstuhl sei
sehr entspannt, erzählt er. „Aus welchem
Land man kommt, spielt keine Rolle. Alle
werden als Kollegen betrachtet.“ Seine Ar-
beitsgruppe pflegt auch außerhalb der Wis-
senschaft Gemeinsamkeiten. Die Kollegen
machen Sport oder fahren zusammen in
die Berge zum Wandern. Einmal in der
Woche wird gemeinsam mit dem Profes-
sor in der kleinen Institutsküche gekocht.
„Das ist eine gute Gelegenheit, sich beim
Mittagessen auszutauschen und dabei
auch mal über den Wissenschaftsalltag zu
lachen“, sagt der Doktorand, und fügt ver-
schmitzt hinzu: „Zum Beispiel über die
Bürokratie in Deutschland.“ Die Wissen-
schaftler sprechen untereinander Englisch,
die Arbeitsgruppe ist international bunt
gemischt. „Trotzdem ist es sehr, sehr wich-
tig Deutsch zu lernen“, findet Yang Ji. Vor
acht Jahren ist er aus Nordchina nach
Die größten Herkunftsländer
Die am stärksten vertretenen Herkunftsländer aus­
ländischer Promovenden, 2007 (von insgesamt 3499
bestandenen Prüfungen), Quelle: Destatis
China
8,2 %
Indien
7,1 %
Polen
5,1 %
Russland
4,9 %
Italien
3,9 %
Griechenland
3,5 %
Rumänien
3,4 %
Österreich
3,3 %
Frankreich
3,0 %
Türkei
2,7 %

image
Leben in Deutschland
23
www.daad.de/aaa
Die Datenbank des DAAD verzeichnet
die Akademischen Auslandsämter und
International Offices der deutschen Hoch-
schulen. Sie helfen bei den zentralen
Fragen rund um Hochschule und Alltag
weiter (Deutsch, Englisch, Spanisch).
www.deutsch­uni.com
Das von den Deutsch-als-Fremdsprache-
Experten der Ludwig-Maximilians-Univer-
sität München ausgearbeitete Online-
angebot macht das Deutschlernen von zu
Hause aus und am eigenen Rechner
ganz einfach. Die Kurse werden zum Teil
von Tutoren persönlich betreut (in
sechs Sprachen).
Links
Wir haben gern in Jena gelebt. Eine kleinere Stadt hat
den Vorteil, dass man sich leichter einleben kann. Aber
München gefällt uns auch sehr gut – vor allem die Interna­
tionalität und auch die Mentalität der Menschen hier.
Yang Ji und Hang Zhao, China
Der Informatiker promoviert an der TU München, seine Frau studiert in München und Jena.
Deutschland gekommen, um an einem
Studienkolleg in Jena das Abitur abzulegen
und die deutsche Sprache zu lernen. Da-
mals war er gerade 19 Jahre alt. Von An-
fang an hat er versucht, viel Deutsch zu
sprechen. „Die meisten Leute reagieren
sehr geduldig und offen und helfen einem
freundlich weiter – man muss keine Hem-
mungen haben.“
Seine Frau Hang Zhao ist gerade dabei, ihr
Studium zu beenden. Die Abschlussarbeit
schreibt sie in München; alle zwei Wochen
fährt sie mit dem Zug nach Jena, um dort
Termine an der Universität wahrzuneh-
men. Ji hält es für einen großen Vorteil,
dass er seine ersten Jahre in Deutschland
in einer kleineren Stadt mit überschau-
barer Umgebung verbracht hat. „Ich bin
jeden Tag dieselbe Strecke von meinem
Zimmer zum Campus gelaufen, kannte
die Frau in der Bäckerei und die Mitarbei-
ter in der Bibliothek – es war ein bisschen
wie in einer Familie, man lebt sich leichter
ein.“ In München gehe es dagegen sehr
viel internationaler zu. Das gefällt dem
Paar allerdings ebenfalls gut: „Ich kann
hier chinesisch essen gehen – oder thailän-
disch oder vietnamesisch –, es gibt einfach
alles und auch Spezialitätenläden zum
Einkaufen“, sagt Yang Ji. Besonders gern
mag er außerdem die Mentalität der Men-
schen im Alpenvorland. „Ich liebe Mün-
chen, weil die Bayern so eine eigene Kultur
und Identität haben und so stolz darauf
sind“, sagt er. Und das berühmte Bier
schätzt er natürlich auch. „Das Oktoberfest
finde ich super!“

image
image
image
24
Promovieren in Deutschland
Das war vor fünf Jahren.
Als DAAD-Stipendiatin
habe ich ein Informatik-Masterstudium an
der Uni in Saarbrücken abgeschlossen. Die
Stadt erschien mir wie ein Paradies! So ru-
hig, und alles ließ sich in 15 Minuten errei-
chen. Dort habe ich mit Kursen für Latein-
und Standardtänze angefangen. Das war
sehr gut für mich, weil ich die einzige Aus-
Engagement und Initiative: Was dazu-
gehört, um sich zu Hause zu fühlen
Tipps zum Einleben in Deutschland
Die International Offices und die
Akademischen Auslandsämter der Univer­
sitäten und Forschungsinstitute tun eine
ganze Menge, um internationalen Promo­
venden das Einleben zu erleichtern. Stadt­
rundfahrten, Ausflüge in die Umgebung
oder Sprachkurse helfen gerade in den ers­
ten Monaten dabei, Kontakte zu knüpfen
und sich einen Eindruck vom neuen
Wohnort zu verschaffen. Studentenvertre­
tungen, internationale Foren oder Arbeits­
gemeinschaften bieten überall die Gele­
genheit, sich im Hochschulleben zu
engagieren. Auch außerhalb des Campus
gibt es viele Möglichkeiten, die Freizeit in­
teressant zu gestalten. Das kann ein Koch­
kurs sein, ein Tanzclub oder ein Abo im
Fitnesscenter. Vorteil: Dort kann man auch
Leute kennenlernen, die rein gar nichts
mit Wissenschaft zu tun haben!
Nach dem Mathestudium in Istanbul
bin ich nach Deutschland gekommen.
länderin war und alle Deutsch gesprochen
haben. Außerdem habe ich auf diese Weise
ganz unterschiedliche Leute kennenge-
lernt und nicht nur Gleichaltrige wie an
der Uni. Ich war begeistert von der Menta-
lität der Deutschen in Bezug auf Respekt,
Offenheit und Freundlichkeit und so bin
ich mit vielen bis heute befreundet. Mein
Vater hat auch schon in Deutschland stu-
Wer die Oper liebt, Theater, Ausstel-
lungen und überhaupt den großstädti-
schen Trubel, kommt in Städten wie
Berlin, München, Köln, Hamburg oder
Frankfurt auf seine Kosten.
Einkaufen wie zu Hause: Das weltläu-
fige Flair großer Städte macht sich auch
beim Einkaufen bemerkbar. Internatio-
nale Spezialitäten zu erhalten, ist hier
kein Problem.
Große Städte haben meistens auch ei-
ne hohe Dichte an internationalen Un-
ternehmen vorzuweisen. Besonders in-
teressant ist das für alle, die in einem
Unternehmen promovieren oder früh-
zeitig Jobkontakte knüpfen wollen.
!
So viel Attraktivität hat ihren Preis:
Die Mietpreise und Lebenshaltungskos-
ten sind hoch. Eine Ausnahme macht
ausgerechnet die Hauptstadt: In Berlin
ist das Leben deutlich günstiger als in
anderen Großstädten oder vergleich-
baren europäischen Metropolen.
Neue Sprache, neue Umgebung,
neuer Job, wenig Freizeit. Sich als Neu-
ling in einer großen Stadt einen Über-
blick zu verschaffen, ist nicht leicht.
Wer mit Familie kommt, braucht
Glück. Plätze in Krippen und Kindergär-
ten sind in vielen Stadtteilen völlig über-
laufen. Einen Betreuungsplatz für die
Kinder zu finden, kann schwierig sein.
Plus und Minus: Promovieren in der Großstadt

image
image
Leben in Deutschland
25
www.thesis.de
Das interdisziplinäre Netzwerk für Promo­
vierende und schon Promovierte verfügt
über etwa 600 Mitglieder, die in lokalen
und regionalen Netzwerken organisiert
sind. Sie treffen sich auch zu Stamm­
tischen oder Veranstaltungen (Deutsch).
www.internationale-studierende.de
Die Website des Deutschen Studenten­
werks hat unter der Rubrik „Gerade ange­
kommen?“ viele Tipps für einen glatten
Start in Deutschland zusammengetragen
(Deutsch, Englisch).
www.studenten-wg.de
Über die Suchfunktion kann man deutsch­
landweit Wohnungen oder Zimmer in
Wohngemeinschaften suchen (Deutsch).
Links
Hier stimmt das Preis-Leistungs-
Verhältnis meist noch. Wohnungen sind
günstiger und oft auch leichter zu
finden als in den Großstädten. Gerade
für Familien ein erhebliches Plus.
Das Einleben fällt hier häufig leichter:
Alles ist viel überschaubarer, man
kennt sich schnell aus und trifft bald
auf bekannte Gesichter.
Aufs Rad und raus: Die Nähe zur
Natur ist einer der ganz großen Vorteile
eher ländlich gelegener Städte.
Typische Unistädte wie Heidelberg,
Freiburg oder Konstanz haben eine aus-
geprägte studentische Infrastruktur.
In kleinen Städten geht es ruhiger,
aber auch provinzieller zu. Das Angebot
an kulturellen Veranstaltungen ist eher
begrenzt (muss aber keineswegs qualita-
tiv schlecht sein).
Es gibt meist eine weniger
große Dichte internationaler Lokale
und Lebensmittelläden.
Großkonzerne siedeln sich nicht nur
im großstädtischen Raum an. In hoch-
konzentrierter Form sind sie jedoch vor
allem dort zu finden. Ein Nachteil bei der
Suche nach potenziellen Arbeitgebern.
Längere Fahrzeiten bis zum nächsten
Flughafen.
diert. Ich bin sogar hier geboren, dann
aber in der Türkei aufgewachsen. Studie-
ren wollte ich hier, weil ich das Land, die
Leute und die Kultur kennenlernen wollte
und die individuelle Freiheit in Deutsch-
land schätze. Zum anderen suchte ich
nach einer Studienmöglichkeit auf dem
Niveau hoher, internationaler Standards.
Für die private Jacobs University Bremen
habe ich mich entschieden wegen der Ex-
pertise meines Doktorvaters Professor Mi-
chael Kohlhase im Bereich der künstlichen
Intelligenz und wegen der Internationalität
auf dem Campus, die für mich mit Kom-
militonen aus 100 Ländern einmalig ist.
Im ersten Jahr hatte ich ein Stipendium;
jetzt habe ich eine halbe Stelle in einem
Forschungsprojekt. In meiner Dissertation
beschäftige ich mich mit der Frage, wie
man die Zusammenarbeit unterschied-
licher Computersysteme für mathema-
tisches Wissensmanagement ermöglichen
kann. Neben der Forschung engagiere ich
mich in der Graduate Students Associa-
tion. Mir bedeutet es viel, an der Gestal-
tung des Hochschullebens beteiligt zu
sein. Ich wohne in Bremen-Nord, wo auch
die Uni liegt. Dort ist es sehr idyllisch mit
viel Grün. In meiner Freizeit fahre ich ger-
ne Rad oder jogge, dafür ist die Umgebung
ideal. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht.
Alltag auf dem Campus: Fulya Horozal,
27, promoviert bei Professor Michael
Kohlhase zum Thema Wissensmanage-
ment in Computersystemen
Fulya Horozal, Türkei
Die Informatikerin ist PhD-Studentin
im Fach Computer Science an
der Jacobs University in Bremen.
Plus und Minus: Promovieren in einer kleinen Stadt

image
26
Promovieren in Deutschland
Ein Doktortitel kostet viel Zeit, viel Energie
und bis zum ersten richtigen Job dauert es
noch einige Jahre länger. Ob sich der Auf-
wand lohnt, hängt ebenso von der Fach-
richtung wie von den Berufsplänen ab. Für
eine Laufbahn in der Wissenschaft und für
die
Hochschulkarriere
, die zum Beispiel
mit einer
Juniorprofessur
starten kann, ist
die Promotion Voraussetzung. Naturwis-
senschaftler kommen ohne sie auch in der
Industrie nicht weit. Für Mediziner ist der
Dr. med. fast zwingend, um sich im Beruf
zu positionieren, er wird meistens bereits
während des Studiums vorangetrieben.
Doch längst nicht überall ist der Abschluss
Voraussetzung, um die Karriereleiter zu
erklimmen: Je produkt- oder kundennäher
eine berufliche Tätigkeit ist, desto weniger
wichtig ist der Doktortitel. Für den erfolg-
reichen Karrierestart in Vertrieb, Marke-
ting oder Produktmanagement spiele die
Promotion eine eher untergeordnete Rolle,
sagt Dr. Ulrich Langer vom Hochschul-
team der Arbeitsagentur in Düsseldorf. „In
diesen Bereichen sind praktische Fähig-
keiten wie Eloquenz oder Geschicklichkeit
im Umgang mit Kunden wichtiger als For-
malqualifikationen.“ Auch bei den Geistes-
wissenschaftlern stellt sich die Situation
komplexer dar. Die Gefahr, den Berufsein-
stieg angesichts unsicherer Perspektiven
auf dem Arbeitsmarkt hinauszuzögern, ist
hier besonders groß. Dennoch: Es gibt
Branchen, in denen ein Dr. phil. auf jeden
Fall von Vorteil ist, in Verlagen zum Bei-
spiel oder im höheren Bibliothekswesen.
Karriere mit Doktortitel:
Was bringt die Promotion?
Hochschulkarriere
Da Bildung in Deutschland Ländersache
ist, kann es sich auszahlen, bei der Karriere­
planung auch die Geografie im Auge zu
behalten: Die Unterschiede in der Besol­
dung von Professoren schwanken von
Bundesland zu Bundesland um bis zu
15 Prozent, wie die Fachzeitschrift „For­
schung & Lehre“ ermittelt hat.
Juniorprofessur
Eine attraktive Alternative zur Habilitation:
Die Juniorprofessur ermöglicht herausra­
genden jungen Wissenschaftlern, auch
ohne Habilitation an einer deutschen Uni­
versität zu lehren und zu forschen. Rund
800 Juniorprofessuren gibt es bereits. Ne­
ben Juniorprofessuren gibt es auch Positi­
onen als Leiter einer wissenschaftlichen
Nachwuchsgruppe, zum Beispiel im Rah­
men des Emmy­Noether­Programms der
DFG, in der Helmholtz­Gemeinschaft und
in der Max­Planck­Gesellschaft. Zudem
gibt es auch Habilitanden, die eine Gruppe
innerhalb eines Lehrstuhls leiten. Die Aus­
wahlverfahren, Rahmenbedingungen und
Mittelausstattung unterscheiden sich sehr.
Die Stellen der Helmholtz­Gemeinschaft
sind mit Tenure Track (Laufbahnzusage)
ausgestattet.
Auch große Kanzleien und Unterneh-
mensberatungen legen viel Wert auf den
Titel. Eine Promotion zeugt nicht nur von
der Fähigkeit zur intensiven Auseinander-
setzung mit einem komplexen Thema. Sie
macht sich auch gut auf der Visitenkarte.
Grundsätzlich gilt, dass in den Top-Positi-
onen der Anteil promovierter Führungs-
kräfte überdurchschnittlich ist. Für be-
stimmte Funktionsbereiche wie zum
Beispiel in Forschung und Entwicklung
werden in der Industrie promovierte Be-
werber bevorzugt. „Ohne die Promotion
wäre ich nicht Laborleiterin geworden“,
stellt Dr. Natalia Ragozina fest. Die 31 Jahre
alte Russin ist beim Pharmaunternehmen
Boehringer Ingelheim für ein Team von
fünf Mitarbeitern zuständig. „Personalver-
antwortung zu übernehmen ist für einen
Wissenschaftler natürlich erst mal eine
ganz neue Erfahrung“, erklärt die Chemi-
kerin. „Promovierte Absolventen fangen je-
doch in der Regel direkt in einer Leitungs-
funktion an.“ Nach dem Studium an der
Lomonossow-Universität in Moskau hat
sich Natalia Ragozina als Doktorandin an
Universität Heidelberg
6,5 %
LMU München
5,2 %
Universität Göttingen
4,2 %
TU München
3,3 %
Deutsche Universitäten mit den meisten Promotionen
von Ausländern, 2007 (von insgesamt 3499
bestandenen Prüfungen), Quelle: Destatis
Top-Unis für Promotionen
ausländischer Doktoranden
Titel erwünscht: In Bereichen wie Forschung und Entwicklung bevorzugt die Industrie promovierte Bewerber

image
Karrierechancen
27
Als Postdoc in Berlin
werde ich noch mehr
Erfahrung in meinem
Fachgebiet sammeln.
Später möchte ich mir eine
Karriere als Wissenschaftler
in Indien aufbauen. Gern wür-
de ich dann interdisziplinäre
Projekte mit Kollegen aus
Indien und Deutschland auf
den Weg bringen.
Dr. Jayaseelan Murugaiyan, Indien
Der Biochemiker hat in Leipzig
promoviert und geht jetzt als Postdoc an
die Freie Universität Berlin.
der deutschen Partneruniversität Marburg
mit der pharmazeutischen Analytik be-
schäftigt. „Der deutsche Titel hat mir bei
der Suche nach einer Stelle sicher gehol-
fen“, sagt sie. „Die Qualität der Ausbildung
lässt sich für hier angesiedelte Unterneh-
men einfach leichter einschätzen.“
Auch Dr. Jayaseelan Murugaiyan, in Leip-
zig promovierter Biochemiker, ist sicher,
dass sein Doktortitel von einer internatio-
nal anerkannten deutschen Universität es
ihm erleichtert, sich in Fachkreisen einen
guten Namen zu machen. Er ist gerade da-
bei, nach Berlin umzuziehen, wo er eine
Postdoc
-Stelle an der Freien Universität
Berlin angenommen hat. „Als promo-
vierter Mitarbeiter an einer deutschen
Hochschule kann ich interessante Kon-
takte zu anderen Forschern aus der Bio-
technologie aufbauen“, sagt er. „Das ist ei-
ne wichtige Grundlage, um später
spannende interdisziplinäre Projekte mit
Kollegen aus Indien und Deutschland auf
den Weg zu bringen. Das ist mein Ziel.“
Promovierte selbst sind ganz überwiegend
der Meinung, dass die Dissertation eine
Investition war, die sich gelohnt hat. Und
zwar nicht nur als Karriere-Sprungbrett.
Hoch bewertet wird auch der persönliche
Nutzen. Eine Befragung der Hochschul-In-
formations-System GmbH (HIS) zeigt,
welch hohen Stellenwert der persönlich-
keitsbildende Faktor unter Promovierten
genießt: Eine Dissertation wird als Mög-
lichkeit zur persönlichen Weiterbildung
gesehen und als Gelegenheit zur Arbeit an
einem interessanten Thema. Ein Aspekt,
der auch von Arbeitgebern sehr geschätzt
wird (siehe S. 29).
Entsprechend positiv macht sich die Pro-
motion in der Laufbahn von Doktoren
bemerkbar. Die von HIS befragten Absol-
venten zogen einen deutlichen wirtschaft-
lichen Nutzen daraus. Vor allem Promo-
vierte in den Naturwissenschaften, der
Humanmedizin und Rechtswissenschaft-
ler sehen eine Verbesserung ihrer Be-
rufschancen durch die Promotion. Eine er-
höhte Akzeptanz bei Kunden, Klienten
und Geschäftspartnern stellen besonders
Freiberufler wie Ärzte oder Juristen und
Wirtschaftswissenschaftler in kaufmän-
nischen Berufen fest. Der Doktortitel öff-
net nicht nur Türen, er zahlt sich auch fi-
nanziell aus. Laut einer aktuellen Studie
der Kienbaum Unternehmensberatung er-
zielen Uniabsolventen ohne Doktortitel im
Durchschnitt ein Jahresbruttogehalt von
43.000 Euro. Sogenannte High Potentials
mit Auslandserfahrung und sehr guten
Studienabschlüssen erhalten zwischen
45.000 und 50.000 Euro. Das Gehalt für
Postdoc
Für hochqualifizierte internationale Post­
docs gibt es in Deutschland eine Reihe
von Forschungsstipendien, die den nächs­
ten Schritt der wissenschaftlichen Karriere
ebnen. Mit Forschungsstipendien der DFG
arbeiten Postdocs aller Fachgebiete zum
Beispiel über einen Zeitraum von bis zu
zwei Jahren in Zusammenarbeit mit
einem selbst gewählten wissenschaft­
lichen Gastgeber an ihrem Projekt. 2008
wurden 355 solcher Projekte gefördert.
Der DAAD vergibt ebenfalls Postdoc­Sti­
pendien: Bewerben kann man sich schon
in der Endphase der Promotion. Auch die
Alexander von Humboldt­Stiftung und
viele andere Stiftungen sind gute Adres­
sen für Postdocs, die eigene Forschungs­
projekte umsetzen wollen.

image
Mein Traum ist ein eigenes
Forschungsinstitut nach europäischem
Standard in Afrika. Mir geht es nicht
darum, meine Publikationsliste zu
verlängern. Ich will ganz praxisorientiert
etwas für mein Land verändern.
Dr. Damaris Odeny, Kenia
Die Molekularbiologin promovierte am Zentrum für Entwick-
lungsforschung und war Postdoc am Max-Planck-Institut, Köln.
28
Promovieren in Deutschland
Frauenanteil bei Promovenden
Rund 10.000 Doktortitel wurden 2007 bei
Promovenden in Deutschland an Frauen
verliehen. Nach Angaben des Statisti­
schen Bundesamtes stieg damit der Frau­
enanteil an allen Promotionen auf
42 Prozent (2000: 34 Prozent). In beruf­
lichen Positionen in Forschung und Lehre
sind Frauen aber noch unterrepräsentiert:
Ihr Anteil am wissenschaftlichen und
künstlerischen Personal an deutschen
Hochschulen lag 2007 bei einem Drittel.
DAAD Research Ambassador
Die DAAD­Außenstelle New York hat das
Research­Ambassador­Programm initiiert.
Für 2009/2010 wurden 17 Research Am­
bassadors ausgewählt, die ihre Erfah­
rungen mit dem Forschungsstandort
Deutschland an Studierende und Wissen­
schaftler in den USA und Kanada weiter­
geben sollen. Mehr unter
www.daad.org
Einsteiger mit Promotion oder MBA liegt
mit 50.000 und 65.000 Euro an der Spit-
ze. Wichtige Zusatzkriterien sind Praktika
und Sprachkenntnisse. Internationale
Doktoranden, die in Deutschland promo-
vieren, liegen also gut im Rennen. Der
Frauenanteil
unter den Promovenden ist
in den vergangenen Jahren in Deutschland
übrigens sehr deutlich gestiegen.
„Ein Doktortitel aus Deutschland wird hier
in Kanada sehr hoch geschätzt“, betont
auch die kanadische Molekularbiologin
Dr. Gabrielle Siegers. Am Freiburger Max-
Planck-Institut für Immunbiologie habe
sie sehr viel gelernt, sowohl theoretisch als
auch von den molekularbiologischen Tech-
niken her. „Ich hatte Zugang zu jedem
und allem, was ich brauchte, um mein
Projekt zu verfolgen“, betont die Wissen-
schaftlerin. „Ich war einen Monat lang in
Spanien, im Rahmen einer Forschungsko-
operation.“ Nach der Promotion Anfang
2007 ist die Wissenschaftlerin als Postdoc
nach Toronto zurückgekehrt und arbeitet
heute am Ontario Cancer Institute. Die
positiven Erfahrungen, die sie in Deutsch-
land gemacht hat, teilt sie inzwischen als
Research Ambassador
des DAAD mit an-
deren kanadischen Studierenden und Wis-
senschaftlern, die sich für eine Promotion
oder einen Forschungsaufenthalt in
Deutschland interessieren. „Als Ansprech-
partnerin informiere ich über Deutschland
als Forschungsstandort und stelle Kontakte
zu Wissenschaftlern her.“ So sorgen nicht
selten Deutschland-Alumni wie Gabrielle
Siegers dafür, dass der Kreis der internatio-
nalen Promovierenden in Deutschland im-
mer größer wird.

Karrierechancen
29
www.academics.de
Das „Karriereportal der Wissenschaft“ ist
eine gute Adresse für aktuelle Stellenaus­
schreibungen an Hochschulen und For­
schungseinrichtungen. academics bietet
den größten Online­Stellenmarkt für Pro­
fessoren, Juniorprofessoren, wissen­
schaftliche Mitarbeiter, Forscher und Do­
zenten in Deutschland (Deutsch, Englisch).
www.fazjob.net
Im Online­Stellenmarkt der renommierten
deutschen Tageszeitung „Frankfurter All­
gemeine Zeitung“ sind besonders viele
Führungspositionen ausgeschrieben.
Auch für Wissenschaftler gibt es interes­
sante Stellenangebote. Außerdem viele
Tipps und Infos rund um Bewerbung, Kar­
riere, Arbeitswelt und Beruf (Deutsch).
www.unilife.de
Das Studentenportal der Krankenkasse
AOK hat unter „Job und Karriere“ Tipps
für Absolventen parat (Deutsch).
www.findapostdoc.com
FindAPostDoc verzeichnet internationale
Postdoc­Stellen und bietet auch mehrere
Foren für Doktoranden und Postdocs (Eng­
lisch).
Links
Was bringt die Promotion für die Karriere? Ein Interview mit
Dr. Tiemo Kracht, Geschäftsführer Kienbaum Executive Consultants
Herr Dr. Kracht, wie wichtig ist eine Promotion für die berufliche Karriere?
Der Doktortitel hat nach wie vor einen hohen Stellenwert, denn er reflektiert einen
inhaltlichen Anspruch. Wer promoviert, zeigt ein starkes Interesse daran, auf der
Höhe der Zeit zu bleiben und komplexe Sachverhalte zu durchdringen. Das lässt
auf einen gesunden Ehrgeiz schließen. Zudem bauen sich Doktoranden ein Netz-
werk in der Welt der Wissenschaft auf, das für Unternehmen interessant ist.
In welchen Fächern ist eine Promotion Voraussetzung, um weiterzukommen?
In allen forschungsintensiven Disziplinen wie Pharmazie, Informationstechnologie
oder im Ingenieurwesen werden Führungspositionen nur mit promovierten Wis-
senschaftlern besetzt. In anderen Branchen wie im Bankwesen, in großen Anwalts-
sozietäten oder in der Unternehmensberatung ist der Doktortitel keine Vorausset-
zung, aber es wird sehr stark danach geschaut.
Und das drückt sich auch im Einstiegsgehalt aus?
Das Delta zwischen promovierten und nichtpromovierten High Potentials liegt
zwischen zehn und zwanzig Prozent. Zumal Wissenschaftler, die bereits drei, vier
Jahre an einem Lehrstuhl gearbeitet haben und als Dozenten tätig waren, wertvolle
Berufs- und Lebenserfahrungen mitbringen. In der Unternehmensberatung erhal-
ten promovierte Einsteiger auch einen anderen Status. Sie werden eher auf Themen
gesetzt und übernehmen Teilprojekte sehr schnell in eigener Verantwortung.
Je mittelständischer und praxisorientierter, desto weniger zählt die Promotion –
kann man das so sagen?
Es gibt Bereiche, in denen ein Doktortitel eher Dekoration wäre. Das kann ein mit-
telständisches Unternehmen sein, das eher jemanden mit praktischer Erfahrung
sucht. Aber auch da kommt es auf die Branche an. Im Maschinen- und Anlagenbau
braucht auch eine kleinere Firma ausgewiesene Experten.
Internationale Abschlüsse wie der MBA werden immer beliebter. Läuft der
Master dem Doktortitel den Rang ab?
Der Master wird als Ausbildungsgang heute dem Diplomkaufmann gleichgestellt
und ist für Unternehmen interessant, die Mitarbeiter gerne in jungen Jahren inte-
grieren. Das schließt eine spätere Promotion nicht aus, die auch berufsbegleitend
absolviert werden kann. Der Doktortitel behält seine Bedeutung – unter den Vorzei-
chen der Wirtschafts- und Finanzkrise ganz besonders.
Wie meinen Sie das?
Auch charakterliche Defizite haben zu dieser wirtschaftlichen Schieflage geführt.
Viele hochwertige Lebensläufe, die präsentiert worden sind, waren häufig nur Fas-
sade. Das hat dazu geführt, dass Persönlichkeitsfacetten heute wieder stärker bewer-
tet werden als die Formalbildung. Und die Promotion ist so eine Facette. Doktoran-
den sind ja nicht alle titel- und statusfixiert. Es geht ihnen um den Reiz, komplexe
Themenstellungen zu durchdringen. Das ist ein Wert an sich.
Wie wird der Doktortitel „made in Germany“ international bewertet?
Deutschland hat ein ausgeprägtes Renommee als Wirtschaftsstandort. Wenn ich die
Spitzengruppe deutscher Universitäten nehme, halten die im internationalen Ver-
gleich erstklassiger Hochschulen mit. Für internationale Doktoranden ist es auf je-
den Fall ein Mehrwert, in Deutschland promoviert zu haben – je internationaler das
Programm, desto besser. In einem internationalen Umfeld bauen sich Nachwuchs-
forscher ein globales Netzwerk auf, das ihre Handlungsfähigkeit im Management
verbessert. Attraktiv sind auch Kooperationen zwischen Hochschulen und Wirt-
schaftsunternehmen. Die Strukturen verändern sich in diesem Bereich sehr. An
einem Institut zu promovieren, das beispielsweise mit SAP oder Siemens zusam-
menarbeitet, hat einen extrem hohen Stellenwert.

image
image
image
Service-Adressen: Mehr
zum Thema Promovieren in
Deutschland
Vorbereitung & Überblick
www.daad.de
Die Website des Deutschen Akademischen Austauschdiensts ist die
erste Anlaufstelle für zuverlässige und umfassende Informationen
rund um die Themen Studium und Promotion in Deutschland. Sie bie-
tet zudem viele Datenbank- und weiterführende Linkhinweise. Die
Mitarbeiter in den weltweit 14 DAAD-Außenstellen und den 50 DAAD-
Informationszentren (IC) helfen ebenso wie die vom DAAD an interna-
tionale Hochschulen entsandten Lektoren und Dozenten auch gerne
persönlich weiter (mehr als 20 Sprachen).
www.daad.de/promotion
Auf der speziell an internationale Interessenten gerichteten DAAD-
Website steht das ergänzende crossmediale Informationsangebot zu
diesem Magazin mit weiteren Texten und vertieften Interviews zum
Thema (Deutsch, Englisch, Spanisch).
Eine Doktorarbeit sollte gut vorbereitet sein – erst recht, wenn
man plant, sie im Ausland zu schreiben. Die Internetadressen auf
diesen Seiten führen zu allen wichtigen Informationen rund um
die Themen Promovieren und Leben in Deutschland. Aber auch
wenn die Information im Netz noch so ausführlich ist, Deutsch-
land und die deutsche Forschungslandschaft lernt man am besten
im Land selbst kennen: zum Beispiel bei einem der vielen speziell
an internationale Studierende gerichteten Sommerkurse an deut-
schen Hochschulen.
30
Promovieren in Deutschland
Links
www.daad.de/sommerkurse
Das Datenbankangebot hilft bei der Recherche nach einem passenden
Sommerkurs an einer Hochschule in Deutschland – eine gute Möglich-
keit, Deutschland und die Hochschullandschaft kennenzulernen. Die
Kursthemen reichen von „Deutsch als Fremdsprache“ bis „Ingenieur-
wissenschaften“. Die meisten dieser speziell für internationale Studie-
rende gedachten Kurse finden zwischen Juni und September statt, es
gibt aber auch einige Angebote im Winter (Deutsch, Englisch).
www.academics.de
Infos zum Thema Promotion sowie einen stets aktuellen Überblick
über offene Promotionsstellen an deutschen Hochschulen bietet das
von der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ und der Hochschulzeitschrift „For-
schung & Lehre“ aufgelegte Portal (Deutsch, Englisch).
www.research-in-germany.de/faq
Der Link führt zu der Infobroschüre „FAQs – Preparing your research
stay in Germany“, die sich an Gastwissenschaftler richtet und viele In-
fos über einen Aufenthalt in Deutschland umfasst. Eine FAQ-Broschüre
zum Thema Promotion steht von Ende 2009 an bereit. Die Website bie-
tet viele Einblicke in den Forschungsstandort Deutschland (Englisch).
www.hochschulkompass.de
In der Datenbank lassen sich Promotionsmöglichkeiten nach Hoch-
schulen, Fächern und Sachgebieten, Regelungen zur Zulassung und
zur Dissertation recherchieren. Promotionsstudiengänge sind in der
Datenbank allerdings noch nicht ausgewiesen (Deutsch, Englisch).
www.auswaertiges-amt.de
Unter > Willkommen in Deutschland > Einreise und Aufenthalt gibt es
wichtige Hinweise zu Visabestimmungen sowie Antragsformulare zum
Download. Auch die deutschen Auslandsvertretungen helfen bei Fragen
zur Einreise weiter (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch).
Leben & Wohnen
www.deutschland-tourismus.de
Viele Tipps rund um das Thema Reisen, Freizeit und Ausflüge hat die
Deutsche Zentrale für Tourismus auf ihren Internetseiten gesammelt.
Eine Veranstaltungsdatenbank hilft bei der Suche nach Eventterminen.
www.young-germany.de
Die Website wendet sich an eine junge internationale Zielgruppe mit
Interesse an Deutschland. Auch Wissenschaft ist oft Thema, dazu gibt
es viel Service rund um Job- und Zimmersuche (Englisch).
www.tatsachen-ueber-deutschland.de
„Tatsachen über Deutschland“ stellt Hintergrundwissen über alle
Bereiche des Lebens in Deutschland ins Netz. Dem Thema Bildung und
Forschung ist ein eigenes Kapitel gewidmet (in 17 Sprachen).
www.magazin-deutschland.de
Der Online-Auftritt des Magazins „Deutschland“ informiert mit Repor-
tagen, Berichten und Hintergrundinfos über aktuelle Themen aus der
deutschen Politik, Kultur und Wissenschaft (in zehn Sprachen).
www.studenten-wg.de
Über die Wohnungsbörse im Internet lassen sich gezielt und deutsch-
landweit provisionsfreie Wohnungen und Zimmer in Wohngemein-
schaften suchen (Deutsch).

image
image
image
Service
31
Sprache & Prüfungen
www.deutsch-lernen.net
Der DAAD bietet hier viele Informationen, wo und wie man Deutsch
lernen kann, und beantwortet FAQs (Deutsch, Englisch, Spanisch).
www.goethe.de
Die Seite des weltweit tätigen Goethe-Instituts verbindet Infos und Links
zu Deutschkursen und Deutschprüfungen mit viel Wissenswertem zu den
Themen Künste, Gesellschaft und Wissen (Deutsch, Englisch).
Netzwerke & Communities
www.kisswin.de
Die Internetplattform kisswin.de richtet sich an Studierende und Dok-
toranden sowie an alle, die an einer wissenschaftlichen Karriere in
Deutschland interessiert sind. Das Portal wird vom Bundesministerium
für Bildung und Forschung gefördert und bietet Informationen zu
wissenschaftlichen Karrierewegen, Workshops, Netzwerken und
Foren, außerdem Nachrichten und Termine sowie eine eigene Daten-
bankrecherche zu Förderorganisationen (Deutsch, Englisch).
www.thesis.de
Das interdisziplinäre Netzwerk für Promovierende und schon Promo-
vierte verfügt über etwa 600 Mitglieder, die in lokalen und regionalen
Netzwerken organisiert sind. Sie treffen sich auch zu Stammtischen oder
Veranstaltungen. Es gibt verschiedene Projektgruppen zu Themen wie
Hochschulpolitik, Internationales oder transdisziplinäre Wissenschaften.
Thesis vertritt Deutschland im Eurodoc, dem Europäischen Netzwerk der
Promovierendenvertretungen in Europa (Deutsch).
www.eurodoc.net
Eurodoc ist ein europaweiter Zusammenschluss von Doktoranden und
jungen Wissenschaftlern. Ziel ist die politische Vertretung auf europä-
ischer Ebene, außerdem kümmert sich Eurodoc um Themen wie Quali-
tätssicherung in der Promotionsphase und fördert die Vernetzung der
nationalen Zusammenschlüsse von Nachwuchswissenschaftlern.
Auf der Internetplattform finden sich News und Informationen, Veran-
staltungshinweise und die Vorstellung der verschiedenen inhaltlichen
Arbeitsgruppen (Englisch).
blog.scholarz.net
Auf der Kommunikationsplattform junger Nachwuchswissenschaftler
dreht sich alles um das Thema Promotion, um Erlebnisse und Erkennt-
nisse rund um die Dissertation (Deutsch, Englisch).
www.dab-ev.org
Die Homepage des Deutschen Akademikerinnenbundes wendet sich ge-
zielt an Wissenschaftlerinnen und bietet auch Kontakte zu regionalen
Netzwerken an (Deutsch).
Bildung & Wissenschaft
www.euraxess.de
Die Info-Plattform der Alexander von Humboldt-Stiftung für internatio-
nale Forscher bietet auch für Doktoranden interessante Tipps und Hin-
weise zu Leben und Forschen in Deutschland, eine Förderdatenbank,
eine europaweite Jobbörse sowie viele Links zu weiterführenden Infor-
mationsportalen (Deutsch, Englisch).
www.scilife.net
SciLife will Wissenschaftler besser untereinander vernetzen. So kön-
nen Mitglieder ihr eigenes Profil anlegen, Kontakte hinzufügen, Grup-
pen gründen oder in bereits bestehende Gruppen eintreten (Englisch).
www.bildungsserver.de
Bildungsrelevante Informationen bietet diese Plattform. Der Deutsche
Bildungsserver versteht sich als Meta-Server, über den sich Informati-
onen zum deutschen Bildungswesen finden lassen, die zum Beispiel
von Bund und Ländern, der Europäischen Union, Hochschulen, Schu-
len, außeruniversitären Forschungseinrichtungen, Dokumentations-
stellen oder Museen bereitgestellt werden (Deutsch, Englisch).
www.forschungsportal.net
Die Suchmaschine des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
durchsucht die Internet-Server der öffentlich finanzierten Einrichtungen,
wie Hochschulen und Universitäten, und die der außeruniversitären For-
schungsinstitutionen nach Forschungsergebnissen und Dissertationen
(Deutsch, Englisch).
Stiftungen & Stipendien
www.funding-guide.de
Die Stipendiendatenbank des DAAD ermöglicht Graduierten die ge-
zielte Recherche nach Fördermöglichkeiten mit Hilfe der Parameter
Fachrichtung und Herkunftsland (Deutsch, Englisch, Spanisch).
www.stipendiumplus.de
Die Homepage der elf vom Bundesministerium für Bildung und For-
schung unterstützten deutschen Begabtenförderungswerke zeigen in
ihrem gemeinsamen Profil die Ziele, Voraussetzungen und Leistungen
ihrer Förderprogramme auf. Außerdem geben sie einen Überblick
über die spezifischen Angebote und verlinken natürlich auch zu den
einzelnen Förderwerken (Deutsch).
www.stipendienlotse.de
Der Stipendienlotse ist eine neue, sehr übersichtlich strukturierte und
anwenderfreundliche Stipendiendatenbank des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung. Doktoranden können sich hier umfassend
und zielgerichtet nach verschiedenen Parametern über aktuelle Stipen-
dienprogramme informieren (Deutsch).

image
image