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Bericht zum
Anerkennungsgesetz 2015

 
Beschluss des Bundeskabinetts vom 10. Juni 2015
Die Bundesregierung beschließt den von der Bundesministerin für Bildung
und Forschung vorgelegten „Bericht zum Anerkennungsgesetz 2015“.

 
INHALTSVERZEICHNIS
1
Inhaltsverzeichnis
Vorwort der Ministerin
12
I
Drei Jahre Anerkennungsgesetz des Bundes – Bilanz und Perspektiven
14
Einleitung zu den Teilen II bis IV
32
1.
Einleitung
33
2.
Danksagung
35
II
Entwicklung der Rechtsgrundlagen und Akteure im
Anerkennungsprozess
36
1.
Die Anerkennungsgesetzgebung von Bund und Ländern und angrenzende Rechtsgebiete
37
1.1
Anerkennungsgesetz des Bundes
37
1.2
Anerkennungsgesetze der Länder
38
1.3
Entwicklungen des EU-Rechts und Folgen für den deutschen Rechtsrahmen
39
1.4
Anerkennung und Aufenthalts- sowie Beschäftigungsrecht
41
1.4.1 Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie zum 1. August 2012
41
1.4.2 Zuwanderung in Berufen mit Fachkräftemangel – Die neue Beschäftigungsverordnung
43
1.4.3 Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge
43
1.5
Fazit
45
2.
Akteure im Anerkennungsprozess
46
2.1
Bündelungen von Zuständigkeiten für die Gleichwertigkeitsprüfung
46
2.2
Informations- und Beratungsangebote
47
2.3
Vernetzung der Akteure
52
III
Aktuelle Entwicklungen im Anerkennungsgeschehen
54
1.
Information und Beratung
55
1.1
Information
56
1.1.1 Portal „Anerkennung in Deutschland“
56
1.1.2 Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
60
1.1.3 BQ-Portal
62
1.2
Beratung durch IQ-Erstanlaufstellen und BAMF-Hotline/Hotline Arbeiten und Leben
in Deutschland
64

2
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
1.2.1 Beratungsaufkommen
64
1.2.2 Soziodemografische Daten der Beratungsinteressierten
67
1.2.3 Top Ten der Referenzberufe
69
1.3
Einstiegsberatung bei den Kammern
69
2.
Die amtliche Statistik für bundesrechtlich geregelte Berufe
71
3.
Bundeseinheitlicher Verwaltungsvollzug des Anerkennungsgesetzes? –
Ein Blick auf ausgewählte Bereiche
82
3.1
Antragstellung aus dem Ausland – unabhängig von Aufenthaltstitel, Wohnort und
Arbeitsstelle?
84
3.2
Gleichwertigkeitsfeststellung – notwendige Unterlagen für den Vergleich mit dem
deutschen Referenzberuf
85
3.3
Die Rolle externer Sachverständiger im Bereich ausgewählter reglementierter
Gesundheitsberufe
87
3.4
Die Berufserfahrung zum Ausgleich wesentlicher Unterschiede
89
3.5
Gleichwertigkeitsprüfung mithilfe „sonstiger geeigneter Verfahren“
91
3.6
Ausgleichsmaßnahmen bei reglementierten Berufen
92
3.7
Neue Regelungen in den Gesundheitsberufen des Bundes
95
3.7.1 Bescheid mit der Auflage an Ausgleichsmaßnahmen teilzunehmen
98
3.7.2 Auswirkungen der neuen Regelungen auf Ausgleichsmaßnahmen
99
3.7.3 Berufserlaubnis
101
3.8
Sprachkenntnisse – auf dem Weg zu einheitlichen Regelungen?
103
3.8.1 Aktuelle Entwicklungen in den akademischen Heilberufen
103
3.8.2 Zeitpunkt – Nachweis Sprachkenntnisse
106
3.9
Ende der Verfahren ohne Bescheid: Zurückgezogene Anträge
107
3.10 Fachärztliche Weiterbildung
108
3.11 Altenpflege – wenig Entfaltungsspielraum für das Anerkennungsgesetz
109
3.12 Fazit
110
4.
Weitere Qualifizierung
112
4.1
Anpassungsqualifizierungen im Kammerbereich
112
4.1.1 Nachfrage nach Beratung zu Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten
113
4.1.2 Angebot an Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten
115
4.1.3 Anpassungsqualifizierungen aus Sicht der Jobcenter
115
4.2
Weiterbildungsanbieter
116

INHALTSVERZEICHNIS
3
5.
Kosten und Finanzierung
119
5.1
Verfahrensgebühren im Überblick
120
5.2
Entwicklung der vorliegenden Finanzierungsinstrumente seit dem letzten Bericht
122
5.2.1 Regelinstrumente des Bundes
123
5.2.2 Anerkennungsspezifische Förderinstrumente des Bundes
124
5.2.3 Förderinstrumente der Länder
126
5.2.4 Finanzierung durch Betriebe und weitere Möglichkeiten
127
5.3
Befragungsergebnisse zu Kosten und Finanzierung
128
5.3.1 Jobcenter: Verfahrenskosten und Finanzierung
128
5.3.2 MBE: Verfahrenskosten und Finanzierung
131
5.3.3 Finanzierung als Grund, keinen Antrag zu stellen
133
5.4
Fazit
135
6.
Betriebe
137
6.1
Bekanntheit der Anerkennungsgesetze
137
6.2
Beschäftigung von Personen mit ausländischen Berufsabschlüssen und die Rolle
der Anerkennung
138
6.3
Beschäftigung und Beschäftigungsmöglichkeiten der Zielgruppe
142
6.4
Weitere Stärkung der Betriebsperspektive
143
IV
Detailstudien zum Anerkennungsgeschehen
144
1.
Entwicklung der Zielgruppe
145
1.1
Zuzug nach Deutschland
145
1.2
Alter und Qualifikation der Zugezogenen
148
1.3
Fazit
151
2.
Beratung zum Thema Anerkennung durch die Jobcenter und Migrationsberatung
für erwachsene Zuwanderer
152
2.1
Jobcenter
153
2.1.1 Informationsstand zum Thema Anerkennung und Nutzung von Informationsangeboten
154
2.1.2 Bestandteile der Beratung zum Thema Anerkennung
154
2.1.3 Sprache in der Beratung
156
2.1.4 Einschätzungen zu Bescheiden und zum Verbleib der Kundinnen und Kunden
156
2.1.5 Unterstützungsbedarf
157
2.2
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
157
2.2.1 Informationsstand zum Thema Anerkennung und Nutzung von Informationsangeboten
157

4
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
2.2.2 Bestandteile der Beratung zum Thema Anerkennung
158
2.2.3 Sprache in der Beratung
160
2.2.4 Einschätzungen zu Bescheiden und zum Verbleib der Kundinnen und Kunden
160
2.2.5 Unterstützungsbedarf
160
3.
Von der Beratung zum Antrag
162
3.1
Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen
163
3.2
Gründe, keinen Antrag zu stellen, aus der Sicht unterschiedlicher Akteure
164
3.2.1 Gründe aus der Sicht der Kammern (HWK – IHK)
165
3.2.2 Gründe aus der Sicht der zuständigen Stellen für die Berufe Ärztin und Arzt
sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger
167
3.2.3 Gründe aus der Sicht der Jobcenter und MBE
169
3.3
Angrenzende Rechtsgrundlagen
170
3.4
Alternative Verfahren und Möglichkeiten
172
Anhang
176
A1
Glossar
177
A2
Datensatzbeschreibungen
186
A3
Tabellen
191
Literaturverzeichnis
192

 
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
5
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1
Übersicht über die Anerkennungsgesetzgebung in Deutschland (Daten des Inkrafttretens
der Gesetze von Bund und Ländern) .....................................................................................................
38
Abbildung 2
Änderungsbedarf infolge der Novellierung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie ..................
40
Abbildung 3
Informations- und Beratungsaufkommen bei ausgewählten Institutionen – ein Überblick ..
56
Abbildung 4 Besuche und Seitenaufrufe von anerkennung-in-deutschland.de von 2012 bis 2014
(absolut)........................................................................................................................................................ 57
Abbildung 5 Entwicklung der Besuchszahlen der Datenbank anabin von 2007 bis Ende 2014 (absolut)....
61
Abbildung 6 Entwicklung der schriftlichen Anfragen im Gutachtenbereich bei der ZAB von 2006
bis Ende 2014 sowie der Anteil der schriftlichen Anfragen von Privatpersonen (absolut).......
61
Abbildung 7 Entwicklung der Anträge auf Zeugnisbewertung bei der ZAB von 2010 bis 2014 (absolut)....
62
Abbildung 8 Besuche von bq-portal.de von 2012 bis 2014 (absolut)....................................................................
63
Abbildung 9
Entwicklung der Anfragen mit intensiven Recherche- und Abstimmungstätigkeiten
des BQ-Portals pro Monat (absolut)......................................................................................................
64
Abbildung 10 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf
unterteilt nach Angebot (absolut) ..........................................................................................................
65
Abbildung 11 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf
unterteilt nach Staatsangehörigkeit (Europa/nicht Europa) (absolut)...........................................
66
Abbildung 12 Beratungsart bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (in Prozent)..................................
66
Abbildung 13 Alter (kategorisiert) bei Erstkontakt mit den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen
(absolut)........................................................................................................................................................ 67
Abbildung 14 Aufenthaltsdauer (kategorisiert) der von den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen
beratenen Personen in Deutschland (absolut)....................................................................................
68
Abbildung 15 Verteilung der Verfahren und Bescheide auf reglementierte und nicht reglementierte
Berufe für 2012 und 2013 (absolut und in Prozent)...........................................................................
72
Abbildung 16 Überjährige Verfahren von 2012/2013 (absolut und in Prozent)....................................................
73
Abbildung 17 Ergebnisse der beschiedenen Verfahren bei reglementierten und nicht reglementierten
Berufen für 2013 (absolut und in Prozent)...........................................................................................
74
Abbildung 18 Die 20 häufigsten Referenzberufe im Jahr 2013 (absolut)................................................................
75
Abbildung 19 Ergebnisse der beschiedenen Verfahren bei den drei häufigsten reglementierten
Referenzberufen für 2013 (absolut und in Prozent) ..........................................................................
76
Abbildung 20 Ergebnisse der beschiedenen Verfahren bei den drei häufigsten nicht reglementierten
Referenzberufen im Jahr 2013 (absolut und in Prozent) ..................................................................
76
Abbildung 21 Die 20 häufigsten Staatsangehörigkeiten der Personen, deren Verfahren im Jahr 2013
bearbeitet wurde (absolut).......................................................................................................................
77

6
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Abbildung 22 Ausbildungsstaaten der Personen, deren Verfahren im Jahr 2013 bearbeitet wurde,
nach Regionen gruppiert (absolut).........................................................................................................
78
Abbildung 23 Die 20 häufigsten Ausbildungsstaaten der Personen, deren Verfahren im Jahr 2013
bearbeitet wurde (absolut).......................................................................................................................
79
Abbildung 24 Dauer der bereits beschiedenen Anerkennungsverfahren im Jahr 2013 in Monaten
(absolut)........................................................................................................................................................ 80
Abbildung 25 Nachforderungen von Unterlagen im nicht reglementierten und reglementierten Bereich
(in Prozent)................................................................................................................................................... 86
Abbildung 26 Aussage: Nur externe Sachverständige können die Gleichwertigkeitsprüfung durchführen,
da sie „vom Fach“ sind. (absolut) ............................................................................................................
87
Abbildung 27 Berücksichtigung der Berufserfahrung bei abgeschlossenen Verfahren im nicht
reglementierten und reglementierten Bereich (in Prozent).............................................................
90
Abbildung 28 Gründe, warum die Berufserfahrung bei den befragten zuständigen Stellen für
Gesundheitsberufe nicht berücksichtigt wird (absolut)....................................................................
90
Abbildung 29 Art der Entscheidung bei positivem Verfahrensausgang in reglementierten Berufen 2013
(absolut)........................................................................................................................................................ 93
Abbildung 30 Häufigkeit, dass bei Drittstaatsabschlüssen wesentliche Unterschiede vorliegen (absolut) ...
94
Abbildung 31 Aussage: Die neue BMG-Verordnung hilft dabei, bundeseinheitliche Verfahren
gewährleisten zu können. (absolut) .......................................................................................................
98
Abbildung 32 Dauer der erteilten Berufserlaubnis (absolut) ..................................................................................... 102
Abbildung 33 Anforderung zum Termin des Nachweises der Sprachkenntnisse (absolut)................................ 106
Abbildung 34 Nachfrage nach Beratung zu Anpassungsqualifizierungsmöglichkeiten bei Personen
mit keiner beziehungsweise teilweiser Gleichwertigkeit (absolut)................................................. 114
Abbildung 35 Empfehlung: Tendenz Anpassungsqualifizierung und Tendenz Arbeitsmarktintegration
(absolut)........................................................................................................................................................ 116
Abbildung 36 Art der Weiterbildungsangebote (in Prozent) ..................................................................................... 117
Abbildung 37 Anzahl der Teilnehmenden an Weiterbildungskursen im Rahmen von Anerkennungen
(in Prozent)................................................................................................................................................... 118
Abbildung 38 Vorausschau auf die zentralen Finanzierungsinstrumente für Kosten der Anerkennung
ab 2015 ......................................................................................................................................................... 123
Abbildung 39 Bewilligte IQ-Förderprojekte für die Qualifizierung von Migrantinnen und Migranten
im Kontext des Anerkennungsgesetzes (Verteilung der 146 Teilprojekte) ................................... 125
Abbildung 40 Jobcenter: Zustimmung zur Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind meist vorhersehbar.“
(in Prozent)................................................................................................................................................... 128
Abbildung 41 Jobcenter: Berechnung der Kosten, die ein Verfahren mit sich bringen kann (in Prozent) ...... 129

ABBILDUNGSVERZEICHNIS
7
Abbildung 42 Jobcenter: Finanzierung von Weiterqualifizierungen und Ausgleichsmaßnahmen (in Prozent) .. 130
Abbildung 43 Jobcenter: Genutzte beziehungsweise empfohlene Förderinstrumente (in Prozent) ............... 131
Abbildung 44 MBE: Zustimmung zur Aussage „Die Kosten des Verfahrens sind meist vorhersehbar.“
(in Prozent)................................................................................................................................................... 132
Abbildung 45 MBE: Schätzung der Kosten, die ein Verfahren mit sich bringen kann (in Prozent) .................. 132
Abbildung 46 MBE: Empfohlene Finanzierungsinstrumente (in Prozent) ............................................................. 133
Abbildung 47 Jobcenter, MBE, HWKn und IHKn: Kosten und Finanzierung als Grund, keinen Antrag
zu stellen (Anzahl und Anteile der Nennungen in unterschiedlichen BIBB-Befragungen)...... 134
Abbildung 48 Länderbehörden: Kosten und Finanzierung als Grund keinen Antrag zu stellen (Anzahl
und Anteile der Nennungen) ................................................................................................................... 135
Abbildung 49 Bekanntheit der Anerkennungsgesetze bei den befragten Betrieben (in Prozent) .................... 138
Abbildung 50 Derzeitige Beschäftigung von Personen mit einem im Ausland erworbenen Berufs-
abschluss in den befragten Betrieben (in Prozent) ............................................................................ 139
Abbildung 51 Zeitpunkt der Durchführung des Anerkennungsverfahrens bei Betrieben, die Personen
beschäftigen, die ein Anerkennungsverfahren durchlaufen haben (in Prozent) ......................... 140
Abbildung 52 Art der Unterstützung von Beschäftigten im Anerkennungsverfahren durch Betriebe,
die Personen beschäftigen, die während ihrer Zeit im Betrieb ein Anerkennungsverfahren
durchlaufen (haben) (in Prozent)............................................................................................................ 140
Abbildung 53 Änderungen für Beschäftigte nach einem Anerkennungsverfahren in Betrieben,
in denen sich für Beschäftigte, die während ihrer Beschäftigung ein Anerkennungs­
verfahren durchlaufen haben, etwas geändert hat (in Prozent)...................................................... 141
Abbildung 54 Gründe für die Einstellung von Personen, die ihren Berufsabschluss im Ausland erworben
haben, bei Betrieben, die in den Jahren 2013/2014 Personen mit im Ausland erworbenem
Berufsabschluss eingestellt haben (in Prozent) .................................................................................. 142
Abbildung 55 Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern nach Deutschland nach Herkunftsgebieten
(absolut)........................................................................................................................................................ 146
Abbildung 56 Verhältnis der Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern des Jahres 2013
gegenüber 2006 nach Herkunftsgebieten............................................................................................ 147
Abbildung 57 Zusammensetzung der Zuzüge von Ausländerinnen und Ausländern 2013 nach
Herkunftsgebieten (in Prozent) .............................................................................................................. 148
Abbildung 58 Zugezogene Ausländerinnen und Ausländer im Jahr 2013 nach Herkunftsländern/-regionen
und Altersgruppen (in Prozent) .............................................................................................................. 149
Abbildung 59 Zugezogene 18- bis 49-jährige Ausländerinnen und Ausländer nach Herkunft und
Qualifikation (in Prozent) ......................................................................................................................... 150
Abbildung 60 Jobcenter: Einschätzung der Häufigkeit der Beratungsbestandteile zum Thema
Anerkennung (in Prozent) ........................................................................................................................ 155

8
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Abbildung 61 MBE: Einschätzung der Häufigkeit der Beratungsbestandteile zum Thema Anerkennung
(in Prozent)................................................................................................................................................... 159
Abbildung 62 Das Verhältnis von Beratungen zu Anträgen nach Zuständigkeitsbereichen (Schätzung) ....... 163
Abbildung 63 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der Handwerkskammern (absolut)......... 165
Abbildung 64 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der Industrie- und Handelskammern
(absolut)........................................................................................................................................................ 166
Abbildung 65 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der zuständigen Stellen für Ärztin
und Arzt (absolut)....................................................................................................................................... 168
Abbildung 66 Gründe, warum kein Antrag gestellt wird, aus Sicht der zuständigen Stellen für
Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger (absolut)............................................................ 169
Abbildung 67 Einreise von Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedlern und ihrer Angehörigen nach
Deutschland im Zeitverlauf von 2001 bis 2014 (absolut) ................................................................. 171
Abbildung 68 Handwerk sowie Industrie und Handel: Häufigkeit, dass bei einem Ausbildungsberuf
zu alternativen Möglichkeiten geraten wird (absolut)....................................................................... 173
Abbildung 69 Handwerk: Häufigkeit, dass bei einer Meisterqualifikation zu alternativen Möglichkeiten
geraten wird (absolut) ............................................................................................................................... 174

 
TABELLENVERZEICHNIS
9
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1
Top Ten der Herkunftsländer der Besuche von anerkennung-in-deutschland.de 2014
(absolut)........................................................................................................................................................ 57
Tabelle 2
Nutzung des mehrsprachigen Angebots auf anerkennung-in-deutschland.de von Juli
bis Dezember 2014 (absolut)...................................................................................................................
58
Tabelle 3
Gründe für ein Interesse an Anerkennung von Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de (in Prozent) .....................................................................................
58
Tabelle 4
Aufenthaltsdauer in Deutschland von Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de (in Prozent) .....................................................................................
58
Tabelle 5
Arbeitssituation von Besucherinnen und Besuchern auf anerkennung-in-deutschland.de
(in Prozent)................................................................................................................................................... 59
Tabelle 6
Nutzung der deutschen und englischen Berufsprofile auf anerkennung-in-deutschland.de
(jeweils die Zugriffszahlen auf die Startseiten der Berufsprofile) 2014 (absolut).......................
59
Tabelle 7
Die zehn häufigsten Berufe in der Beratung bei den Hotlines und den IQ-Erstanlauf-
stellen nach Wohnsitz (absolut und in Prozent) .................................................................................
69
Tabelle 8
Beratungen im Kammerbereich seit 1. April 2012 (absolut)............................................................
70
Tabelle 9
Ergebnisse der Verfahren im Jahr 2013 im Bereich der nicht reglementierten Berufe,
in denen auf ein „sonstiges geeignetes Verfahren“ zurückgegriffen wurde (absolut) ...............
92
Tabelle 10
Die neuen Regelungen in den Heilberufen des Bundes im Überblick ..........................................
96
Tabelle 11
Festgelegte Sprachniveaus im Rahmen der Eckpunkte der GMK .................................................. 104
Tabelle 12
Übersicht der geforderten Sprachkenntnisse nach Ländern für den Beruf Ärztin
beziehungsweise Arzt im Vergleich 2013 und 2014........................................................................... 105
Tabelle 13
Angebot an Anpassungsqualifizierungsmaßnahmen in der Region für Personen
mit keiner beziehungsweise teilweiser Gleichwertigkeit (absolut)................................................. 115
Tabelle 14
Abschlüsse der augenblicklich in den befragten Betrieben beschäftigten Personen
mit einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation (in Prozent)............................................... 139
Tabelle 15
Übersicht zum Stand der Anerkennungsgesetzgebung in den Ländern
(Stand: 1. Juli 2014).................................................................................................................................... 191

 
10
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Abkürzungsverzeichnis
Abkürzung
Bedeutung
AA
Auswärtiges Amt
AG „Koordinierende Ressorts“
Arbeitsgruppe der für die Anerkennung im Ausland erworbener Berufs­
qualifikationen koordinierend zuständigen Ressorts der Länder
(Arbeitsgruppe „Koordinierende Ressorts“)
AOLG
Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesgesundheitsbehörden
AQUA
Programm „Akademikerinnen und Akademiker qualifizieren sich
für den Arbeitsmarkt“ [beendet am 30.09.2013]
AufenthG
Gesetz über den Aufenthalt, die Erwerbstätigkeit und die Integration
von Ausländern im Bundesgebiet (Aufenthaltsgesetz)
ASMK
Arbeits­ und Sozialministerkonferenz
AsylVfG
Asylverfahrensgesetz
BA
Bundesagentur für Arbeit
BAFA
Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
BAföG
Bundesausbildungsförderungsgesetz
BAFzA
Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben
BÄO
Bundesärzteordnung
BAMF
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge
BBiG
Berufsbildungsgesetz
BDA
Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände
BeschV
Verordnung über die Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern
(Beschäftigungsverordnung)
BeschVerfV
Beschäftigungsverfahrensverordnung
BIBB
Bundesinstitut für Berufsbildung
BMAS
Bundesministerium für Arbeit und Soziales
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
BMFSFJ
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
BMG
Bundesministerium für Gesundheit
BMI
Bundesministerium des Innern
BMWi
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
BQFG
Gesetz über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufsqualifikationen
(Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz)
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
BQPGebVO
Berufsqualifikationsprüfungsgebührenverordnung
BVFG
Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge
(Bundesvertriebenengesetz)
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
DIHK
Deutscher Industrie­ und Handelskammertag
EA
Einheitlicher Ansprechpartner
EGovG
Gesetz zur Förderung der elektronischen Verwaltung
ESF
Europäischer Sozialfonds
EWR
Europäischer Wirtschaftsraum
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
FMK
Finanzministerkonferenz
GER
Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen
GMK
Gesundheitsministerkonferenz der Länder

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
11
Abkürzung
Bedeutung
HEGA
Handlungsempfehlung/Geschäftsanweisung der Bundesagentur für Arbeit
HWK
Handwerkskammer
HwO
Handwerksordnung
IAB
Institut für Arbeitsmarkt­ und Berufsforschung
IHK
Industrie­ und Handelskammer
IHK FOSA
Öffentlich­rechtlicher Zusammenschluss von 77 der 80 Industrie­ und
Handelskammern zur zentralen Entscheidung über Anträge zur Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen (FOSA = foreign skills approval)
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
IQ
Integration durch Qualifizierung
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
IW Köln
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
JMD
Jugendmigrationsdienst
KMK
Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik
Deutschland (Kultusministerkonferenz)
KMU
Kleine und mittlere Unternehmen
KrPflG
Krankenpflegegesetz
MBE
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
(im Bericht wird die Abkürzung auch stellvertretend für „Stellen der MBE“
verwendet)
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
MPK
Ministerpräsidentenkonferenz
PKT
Patientenkommunikationstest
RL
Richtlinie
RVO
Rechtsverordnung
SenBJW
Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft (Berlin)
SGB
Sozialgesetzbuch
SVR
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
VLK
Verband der Landwirtschaftskammern e.V.
VwVfG
Verwaltungsverfahrensgesetz
WeGebAU
Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Unternehmen
WHKT
Westdeutscher Handwerkskammertag
ZAA
Zentrale Anlaufstelle Anerkennung (in Hamburg)
ZAB
Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (im Sekretariat der KMK
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
ZAV
Zentrale Auslands­ und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit
– siehe auch Glossar (Anhang A1) –
ZDH
Zentralverband des Deutschen Handwerks

image
 
12
Vorwort
Auch drei Jahre nach Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes ist die Attraktivität der Anerkennungsver­
fahren ungebrochen. Die Nachfrage nach den Infor­
mations­ und Beratungsangeboten steigt stetig und
die Zahl der Anerkennungsverfahren entwickelt sich
weiter positiv. Vor dem Hintergrund der wachsen­
den Zuwanderungs­ und Flüchtlingszahlen sind die
Möglichkeiten, die die Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen bietet, ein wichtiger Beitrag, die
Potenziale der nach Deutschland kommenden Men­
schen für den Arbeitsmarkt zu erschließen und ihnen
eine Lebensperspektive zu eröffnen.
Ziel des am 1. April 2012 in Kraft getretenen Anerken­
nungsgesetzes ist es, Strukturen und Verfahren zur
Bewertung und Nutzung von im Ausland erworbenen
Qualifikationen für weitere Zielgruppen zu öffnen, zu
vereinfachen und zu verbessern. Das Gesetz und seine
Anwendung nehmen mit breitem politischem und
gesellschaftlichem Konsens einen Paradigmenwechsel
vor – weg von einer defizit- und problemorientierten
Sichtweise hin zu einer Betonung der Chancen und
Potenziale von Zuwanderinnen und Zuwanderern. Die
Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse ist ein
zentrales Element der Fachkräftesicherung. Das 2012
neu geschaffene Anerkennungsgesetz hat auch interna­
tional Beachtung gefunden. So bewertet die OECD den
neuen rechtlichen Rahmen für die Anerkennung in
Deutschland positiv, da er die Möglichkeiten verbessert,
Fachkräfte auch mit den gefragten Kompetenzen des
mittleren Qualifikationsniveaus im Ausland zu finden.
Zudem hat die Bundesregierung in den vergangenen
Jahren aktiv die Zuwanderungs­ und Arbeitsmög­
lichkeiten für ausländische Fachkräfte verbessert und
engagiert sich für die Etablierung einer Willkommens­
und Anerkennungskultur in Deutschland.
Zur kontinuierlichen Beobachtung des Anerkennungs­
geschehens und der Anwendung der gesetzlichen Rege­
lungen hat die Bundesregierung – entsprechend ihrer
Zusicherung an die Länder im Gesetzgebungsverfahren
zum Anerkennungsgesetz – das Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB) mit dem Monitoring beauftragt.
Dessen neue Ergebnisse werden in diesem Bericht
vorgestellt. Der erste Bericht zum Anerkennungsgesetz
wurde Anfang April 2014 veröffentlicht und zog erstmals
Bilanz. Seine Ergebnisse wurden auf einer Fachtagung
am 28. April 2014 auf breiter Basis mit den beteiligten
Akteuren von Ländern, Wirtschaft, Arbeitsverwaltung,
Beratungseinrichtungen und Sozialpartnern sowie
zuständigen Anerkennungsstellen diskutiert. Hiervon
gingen wichtige Impulse für die weitere Entwicklung
der Anerkennungspraxis aus. Der vorliegende zweite
Bericht zieht erneut eine Zwischenbilanz zu Regelungen
und Umsetzung des Anerkennungsgesetzes des Bundes.
Er stellt auch Ergebnisse der wissenschaftlichen Beglei­
tung durch die Fach­ und Berichtsstelle zur Anerken­
nung ausländischer Berufsqualifikationen beim BIBB
vor sowie einen Ausblick auf künftige Aufgaben.
Der aktuelle Bericht zeigt: Die mit dem Anerkennungs­
gesetz geschaffenen Möglichkeiten zur besseren

image
VORWORT
13
Verwertung der im Ausland erworbenen Berufsqualifi­
kationen in Deutschland greifen und Umsetzung und
Anwendung der Regelungen funktionieren im Wesent­
lichen. Das belegen die amtliche Statistik sowie das
Monitoring. Es werden neben den bisherigen Erfolgen
aber auch die weiteren kurz­, mittel­ und langfristigen
Handlungsbedarfe aufgezeigt. Dies sind vor allem die
weitere Verbesserung und Vereinheitlichung des Ver­
waltungsvollzugs in den Länderbehörden, die bessere
Verknüpfung von Zuwanderungs­ und Anerkennungs­
regeln und deren Vollzug für den Fachkräftezuzug aus
Drittstaaten, der Ausbau der Angebote für Anpassungs­
qualifizierungen sowie die Verstärkung der Rolle der
Betriebe im Anerkennungsverfahren.
Aufgabe des wissenschaftlichen Monitorings durch das
BIBB und der nach vier Jahren vorgesehenen Gesetzes­
evaluation wird es sein, fortlaufend detaillierte Kenntnis
über die Integrationswirkung der Anerkennungsregeln
und ihrer Umsetzung für die Zielgruppe in den Arbeits­
markt zu erlangen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse
wird es gemeinsames Ziel aller Beteiligten im Anerken­
nungsgeschehen sein, die bestehenden und künftigen
Herausforderungen zu definieren und konsequent
anzugehen.
Prof. Dr. Johanna Wanka
Bundesministerin für Bildung und Forschung

image
 
14
I
Drei Jahre Anerkennungsgesetz
des Bundes – Bilanz und Perspektiven

 
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
15
1. Anerkennung als Beitrag zur Fachkräftesicherung
Für ausländische Fachkräfte entwickelt sich die Attrak­
tivität des deutschen Arbeitsstandortes erfreulich posi­
tiv. Die Netto­Zuwanderung ist im vierten Jahr infolge
auf 429.000 n 2013 gestiegen
1
und OECD­weit liegt
Deutschland seit einigen Jahren in Bezug auf dauerhaf­
te Zuwanderungen an zweiter Stelle der beliebtesten
Einwanderungsländer nach den USA. Der Internatio­
nale Migrationsausblick der OECD für 2014
2
zeigt, dass
die vielen Zugewanderten nach Deutschland in erster
Linie aus der EU kommen, bedingt insbesondere durch
die sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwick­
lungen in den Mitgliedsstaaten. Aber auch der Zuzug
aus sogenannten Drittstaaten gewinnt an Bedeutung.
1
Migrationsbericht 2013 des Bundesamtes für Migration und Flücht
linge im Auftrag der Bundesregierung (2015).
2
Internationaler Migrationsausblick der OECD (2014), S. 17 ff.
Die Herausforderungen zur Fachkräftesicherung in
Deutschland bleiben hoch, da die Zahl der Erwerbsper­
sonen trotz hoher Zuwanderung sinken wird.
3
3
Fortschrittsbericht 2014 zum Fachkräftekonzept der Bundesregie
rung (BMAS 2015).
Zudem
wird sich der weltweite Wettbewerb um qualifizierte
Fachkräfte in Zukunft noch verstärken, da nicht nur
OECD­Länder, sondern auch Entwicklungsländer
und aufstrebende Volkswirtschaften um Talente und
qualifizierte Fachkräfte konkurrieren. Zugleich nutzen
zahlreiche Staaten die Erleichterungen internatio­
naler Mobilität dazu, ausländische Arbeitsmärkte zu
erschließen.
Deutschland ist auf die Zuwanderung von
Fachkräften angewiesen
Je nachdem, wie sich die wirtschaftliche Situation in
den übrigen Mitgliedsstaaten der EU weiter entwickelt,
wird gerade die Zuwanderung von qualifizierten Fach­
kräften aus Drittstaaten eine zunehmend wichtige Rol­
le bei der Deckung des Fachkräftebedarfs inländischer
Unternehmen spielen. Einer aktuellen Studie des IAB
4
zufolge müssten bis 2050 jährlich durchschnittlich bis
zu 491.000 Menschen aus Drittstaaten einwandern, um
das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten (zum
Vergleich: in den vergangenen zehn Jahren waren es
­
­
durchschnittlich etwa 100.000). Neben der steigenden
Nachfrage nach Akademikerinnen und Akademikern
ist insbesondere der prognostizierte Bedarf an qualifi­
zierten Arbeitskräften mit erlerntem Ausbildungsberuf
hoch. Bis 2030 wird mehr als die Hälfte von ihnen aus
Altersgründen aus dem Erwerbsleben ausscheiden
und muss ersetzt werden. Auch bei einer Steigerung
des inländischen Erwerbspersonenpotenzials, zum
Beispiel durch eine höhere Erwerbsbeteiligung von
Frauen oder die Anhebung des Rentenalters, bleibt eine
Nettozuwanderung aus dem Ausland zur Deckung des
Fachkräftebedarfs notwendig. Gerade für Personen mit
einer mittleren Qualifikation ist laut IAB-Studie die
erleichterte Anerkennung von Berufsabschlüssen dabei
besonders wichtig.
4
IAB-Studie, Zuwanderungsbedarf aus Drittstaaten in Deutschland
bis 2050 (Bertelsmann Stiftung 2015).
Auf diese Entwicklungen und Bedarfe hat Deutsch­
land reagiert, indem es neben Erleichterungen bei der
Zuwanderung auch die Regelungen zur Anerkennung
ausländischer Berufsabschlüsse reformierte, um den
bereits Zugewanderten und Neuzuwanderern eine
möglichst qualifikationsnahe Arbeitsmarktintegration
zu ermöglichen beziehungsweise zu erleichtern. Ein
modernes und transparentes Recht zur Anerkennung
ausländischer Berufsqualifikationen ist notwendige
Voraussetzung und erheblicher Standortvorteil bei
der Sicherung der Fachkräftebasis im internatio­
nalen Umfeld. Das Anerkennungsgesetz erleichtert
die Zuwanderung und die Arbeitsmarktintegration
– neben den Hochqualifizierten – insbesondere auch
den beruflich qualifizierten Fachkräften. Es etabliert
sich zunehmend als erfolgreiches Instrument zur
Arbeitsmarktintegration ausländischer Fachkräfte.
5
5
Jahreswirtschaftsbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft und
Energie (2015), S. 40.
Damit ist es eine gute Basis für die Integration der
Neu­Zugewanderten der letzten Jahre, die vielfach
gut qualifiziert und im erwerbsfähigen Alter sind. Fast
80 Prozent der 2013 nach Deutschland Zugewanderten
waren zwischen 18 und 49 Jahren und mehr als die
Hälfte von ihnen bringt einen Ausbildungsabschluss
oder einen Hochschulabschluss aus dem Ausland mit.
6
6
Unter den jüngeren Zugewanderten (18 bis 24 Jahre) befinden sich
vermutlich viele ausländische Studierende an deutschen Universi­
täten.

16
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Betrachtet man die Altersgruppe der 25­ bis 64­Jäh­
rigen, haben etwa zwei Drittel der Zugewanderten
eine berufliche Ausbildung oder einen Hochschulab­
schluss. Aus den Herkunftsländern mit den meisten
Zuwanderern (insbesondere Polen, Rumänien, Ungarn)
kommen überdurchschnittlich viele Personen mit
einem nicht akademischen beruflichen Ausbildungs­
abschluss, für die das Anerkennungsgesetz eine neue
gesetzliche Möglichkeit zur Gleichwertigkeitsfeststel­
lung eingeführt hat.
7
7
Vgl. zur Zielgruppenentwicklung allgemein IV-1.2.
Positive Wirkung der beruflichen Anerkennung
Mittlerweile belegen mehrere Studien den individuel­
len und gesamtwirtschaftlichen Nutzen einer verbes­
serten Arbeitsmarktintegration beziehungsweise einer
Anerkennung ausländischer Abschlüsse:
Nach einer Studie des ZEW aus dem Jahr 2014
8
können
hier lebende Ausländerinnen und Ausländer aufgrund
ihrer deutlich jüngeren Altersstruktur gegenüber der
deutschen Wohnbevölkerung den deutschen Staats­
haushalt bei den Kosten des demografischen Wandels
fiskalisch entlasten. Sie tragen schon jetzt mehr zu den
öffentlichen Haushalten bei, als sie von diesen in Form
von Transferleistungen empfangen. Ein stetiger Zuzug
von Fachkräften mit mindestens mittlerer Qualifika­
tion könne die künftigen fiskalischen Lasten der älter
werdenden Bevölkerung hierzulande deutlich verrin­
gern. Dieser Effekt könne analog der Verbesserung der
Arbeitsmarktposition der Zugewanderten gesteigert
werden, wozu ein verbesserter Bildungstransfer durch
die Anerkennung der im Ausland erworbenen Quali­
fikation zweifellos beiträgt. Auch der Lagebericht der
Integrationsbeauftragten 2014 stellt fest: Eine Anerken­
nung zu ermöglichen ist für den aufnehmenden Staat
wirtschaftlicher als eine erneute Ausbildung im Inland
zu finanzieren.
9
8
ZEW-Studie, Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwande­
rung zum deutschen Staatshaushalt (Bonin 2014).
9
Vgl. 10. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration,
Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und
Ausländer in Deutschland (2014) – im Weiteren: Lagebericht, S. 215.
Andere Studien enthalten Hinweise
auf den Nutzen der rechtlichen Anerkennung des im
Ausland erworbenen Abschlusses für den Einzelnen,
und zwar sowohl im Hinblick auf die Erwerbsbetei­
ligung an sich als auch auf die Wahrscheinlichkeit,
nicht unterhalb der Qualifikation beschäftigt zu sein,
sowie
auf die Höhe des Verdienstes.
10
10
IAB-Kurzbericht, Anerkannte Abschlüsse und Deutschkenntnisse
lohnen sich (Brücker u. a. 2014).
Die gesamtge­
sellschaftliche Bedeutung einer verbesserten Arbeits­
marktintegration und die Verbesserung des subjektiven
Integrationsgefühls der Zielgruppe insbesondere durch
die Verabschiedung des Anerkennungsgesetzes betont
auch der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für
Integration und Migration (SVR) in seinem Jahresgut­
achten für 2014.
11
11 Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Mi­
gration, Deutschlands Wandel zum modernen Einwanderungsland
(2014), S. 19.
Rechtsrahmen für Fachkräftezuwanderung wird
modernisiert und flexibilisiert
Um die Möglichkeiten der Fachkräftezuwanderung aus
Drittstaaten nach Deutschland besser erschließen zu
können, wurde der Rechtsrahmen in den letzten Jahren
entscheidend verbessert:
Für hochqualifizierte Akademiker und ihre Familienan­
gehörigen wurde mit der Blauen Karte EU ein attrak­
tiver Aufenthaltstitel geschaffen, den zwischen August
2012 und Dezember 2014 rund 25.000 Hochqualifizierte
genutzt haben. Es wird zu prüfen sein, ob eine weitere
Anpassung dieses Instruments im Hinblick auf Perso­
nen mit langjähriger Berufserfahrung sinnvoll wäre.
Die neue Beschäftigungsverordnung vom 1. Juli 2013
hat den Arbeitsmarkt erstmalig im Sinne einer arbeits­
marktorientiert gesteuerten Zuwanderung auch für
Drittstaatsangehörige mit einer ausländischen Berufs­
ausbildung geöffnet.
12
12 §§ 6 und 8 Beschäftigungsverordnung vom 6. Juni 2013 (BGBl. I
S. 1499).
Möglich ist nun eine Zuwan­
derung für Personen mit einem Gleichwertigkeits­
feststellungsbescheid, wenn eine Arbeitsplatzzusage
vorliegt und der Beruf zu einem der Engpassberufe in
Deutschland zählt. Auch Ausgleichsmaßnahmen bei
festgestellten Defiziten in der Ausbildung oder bei den
Sprachkenntnissen können nun in Deutschland durch­
geführt werden. Damit wird eine enge Verknüpfung des
Aufenthalts­, Beschäftigungs­ und Anerkennungsrechts
hergestellt, die ein starkes Signal an Fachkräfte aus
Drittstaaten darstellt. Wenngleich die Zahl der aufgrund
dieser Regelungen tatsächlich Beschäftigten bislang

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
17
noch relativ gering ist
13
, stellt die Regelung nicht zuletzt
aufgrund des erheblichen Bedarfs eine wesentliche Ver­
besserung des Rechtsrahmens dar und ist zudem eine
gute Vorbereitung auf absehbare Entwicklungen hin zu
einem Fachkräftemangel, der über punktuelle Engpässe
hinausgeht.
13 Im Jahr 2014 erteilte die Bundesagentur für Arbeit 482 Zustimmun­
gen nach § 6 Absatz 2 Nr. 2 und § 8 BeschV.
Weitere Verbesserungen werden von dem von der
Bundesregierung am 3. Dezember 2014 beschlosse­
nen Gesetzentwurf zur Neubestimmung des Blei­
berechts und der Aufenthaltsbeendigung
14
erwartet.
14 Gesetzentwurf der Bundesregierung, BTag-Drs. 18/4097.
Der Entwurf des neuen Aufenthaltstitels in § 17a
AufenthG sieht vor, ausländischen Fachkräften den
Aufenthalt für 18 Monate zur Durchführung aller
Bildungsmaßnahmen zu ermöglichen, die im Kon­
text eines Anerkennungsverfahrens infrage kommen,
zum Beispiel Anpassungslehrgänge, Vorbereitungs­
kurse auf Prüfungen, Sprachkurse oder betriebliche
Weiterbildungen. Der geplante neue Aufenthaltstitel
berechtigt künftig auch zur Einreise zwecks Ablegens
einer Kenntnisprüfung im Kontext Anerkennung so­
wie zur begleitenden Beschäftigung, was vor allem in
den Pflegeberufen zu weiteren Verbesserungen führen
wird. Der neue Aufenthaltstitel des § 17a wird damit
ein wichtiger Baustein für die Gewinnung ausländi­
scher Fachkräfte sein.
15
15 So auch der Bundesrat in seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf
vom 6. Februar 2015, BRat- Drs. 642/14 (Beschluss).
Flüchtlinge und Asylbewerber im Fokus
Ein weiteres Thema ist im vergangenen Berichtsjahr
stärker in den Fokus geraten: die steigenden Zahlen
von Flüchtlingen aus den Krisengebieten dieser Welt.
Ziel der Bundesregierung ist es, dieser Personengruppe
mit einem sinnvollen Zusammenspiel aus Anerken­
nungs- und Zuwanderungsregeln auch eine berufliche
Perspektive zu bieten. Ein wichtiger Schritt in diese
Richtung war die Erleichterung des Arbeitsmarktzu­
gangs von Asylbewerbern und Geduldeten im Novem­
ber 2014.
16
16 „Gesetz zur Einstufung weiterer Staaten als sichere Herkunftsstaaten
und zur Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber
und geduldete Ausländer“ (seit November 2014 in Kraft).
Das Modellprojekt „Jeder Mensch hat Potenzial –
Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen und
Asylbewerbern“ der Bundesagentur für Arbeit (BA) und
des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
probt in mehreren Städten, wie frühzeitig Potenziale
für den Arbeitsmarkt identifiziert werden können.
Speziell für die Anerkennung bietet das BQFG für
Flüchtlinge und andere Personen, die unverschuldet
über keine Unterlagen oder Nachweise mehr verfügen,
durch Qualifikationsanalysen
17
ein sehr gutes Instru­
ment, die Feststellung der beruflichen Qualifikationen
zu ermöglichen.
17 § 14 BQFG beziehungsweise § 50b Absatz 4 HwO „sonstige ge­
eignete Verfahren“, wenn Unterlagen nicht oder nicht ausreichend
vorgelegt werden können.
Das Bundesministerium für Bildung
und Forschung (BMBF) unterstützt die zuständigen
Stellen mit einem Förderprojekt bei der Durchführung
des mitunter gerade bei der erstmaligen Durchführung
eines Verfahrens aufwendigen Aufbaus von Wissen
und Arbeitsroutinen sowie bei der Entwicklung von
Standardmaterialien. Auch können Antragstellende
über das Projekt finanzielle Hilfe für die Verfahrens-
kosten erhalten.
18
18 Projekt „Prototyping Transfer – Berufsanerkennung mit Qualifika-
tionsanalysen“, vgl. II-2.2.
Ziel ist es, noch mehr Menschen,
insbesondere Flüchtlinge, von den Chancen profitieren
zu lassen, die mit dem Anerkennungsgesetz geschaffen
wurden.
Mit Blick auf die prognostizierten mindestens 450.000
Flüchtlingsanträge in 2015
19
ist es eine zentrale gesamt­
gesellschaftliche Aufgabe, die Flüchtlinge mit einer
hohen Bleibeperspektive möglichst frühzeitig bei der
Integration in Ausbildung und Arbeit zu unterstützen.
Wichtige Eckpfeiler für eine erfolgreiche zügige Inte­
gration bilden dabei unter anderem die Absicherung
des Aufenthalts während der Ausbildung, die frühzeiti­
ge Unterstützung bei der Anerkennung ausländischer
Qualifikationen und die Förderung des Spracherwerbs
so früh wie möglich.
19 Prognoseschreiben des BAMF vom 7. Mai 2015,
www.bamf.de

 
18
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
2. Weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen
für die Anerkennung
im Berichtszeitraum
Seit dem ersten Bericht trat eine Reihe rechtlicher Än­
derungen der Anerkennungsregelungen in Kraft, die zu
einer weiteren Verbesserung und Vereinheitlichung der
Anerkennungsmöglichkeiten in Deutschland beigetra­
gen haben:
Alle Länder-Anerkennungsgesetze sind in Kraft
Seit Mitte 2014 sind in allen 16 Ländern umfangreiche
gesetzliche Grundlagen für die Durchführung von
Anerkennungsverfahren für landesrechtlich geregel­
te Berufe in Kraft getreten. Das BQFG­Mustergesetz,
auf das sich die Länder geeinigt hatten und das unter
Beteiligung des BMBF erarbeitet worden war, ist vom
Geist eines möglichst weitgehenden Gleichklangs der
Anerkennungsregeln von Bund und Ländern ge­
tragen. Damit wird erstmalig von Bund und Ländern
ein einheitlicher Rechtsanspruch auf Feststellung der
Gleichwertigkeit im Ausland erworbener Berufsquali­
fikationen etabliert und ein länderübergreifendes
einheitliches Anerkennungsverfahren mit transparen­
ten Abläufen und Fristen geschaffen. Jedoch variieren
die verabschiedeten Landesgesetze in der konkreten
Umsetzung insbesondere bei der wichtigen Frage der
Ein­ beziehungsweise Ausbeziehung einzelner fachge­
setzlicher Regelungen in das jeweilige Landes­BQFG.
Einzelne Berufe sind in den Ländern systematisch
nicht in die BQFGs einbezogen worden. So bedauert
die Bundesregierung, dass einige Länder insbesondere
Ingenieur- und Lehramtsqualifikationen aus ihrem
Anwendungsbereich ausgenommen haben.
Als Folge unterschiedlicher Regelungen sowie der zwi­
schen den Ländern uneinheitlichen Anwendung der
Bundesregelungen gibt es Hinweise auf einen begin­
nenden Anerkennungstourismus zwischen den Län­
dern.
20
20 Vgl. III-3.
Schon jetzt tauschen sich Personen in Internet­
foren darüber aus, wo die Hürden am geringsten sind
und Verfahren am leichtesten abgeschlossen werden
können. Dies kann zur Verschiebung der Antragslasten
in den jeweiligen Länderbehörden führen und damit
wiederum unmittelbare Auswirkungen auf die Verfah­
rensbearbeitung und ­dauer haben. Dies sollte Ansporn
für eine weitere
Vereinheitlichung der Regelungen und
Verfahren sein. Der Bund begrüßt daher die Bestrebun­
gen der Länder, künftige Gesetzesänderungsverfahren
zu nutzen, um das weitere Vereinheitlichungspotenzial
in Bezug auf die Anerkennungsverfahren rechts­ und
verfahrensvereinfachend und eine Ausdehnung der
Anwendung der Berufsqualifikationsfeststellungsge-
setze der Länder zu prüfen.
Auch auf gesetzlicher Ebene des Bundes gab es eine
Reihe von Veränderungen, die zu weiteren verfahrens­
rechtlichen Vereinfachungen und Vereinheitlichungen
führten:
Änderungen im BQFG
Eine erste Änderung des
BQFG
wurde durch Ein­
führung technischer Erleichterungen für die An­
tragstellung vollzogen, die auf der Umsetzung des
E­Government­Gesetzes des Bundes im Jahre 2013
beruht: Seit dem 1. August 2013 kann die Antragstellung
auch per E­Mail erfolgen, zuvor war eine Schriftform
erforderlich.
Mit dem am 1. April 2015 vom Bundeskabinett be­
schlossenen
Gesetz zur Änderung des Berufsquali­
fikationsfeststellungsgesetzes und anderer Gesetze
wird derjenige Änderungsbedarf aus der novellierten
EU-Berufsanerkennungsrichtlinie
2005/36/EG um­
gesetzt, der in den sachlichen Anwendungsbereich des
BQFG und der Gewerbeordnung fällt. Ziel der geän­
derten Richtlinie ist es, die Verfahren zur Anerkennung
beruflicher Qualifikationen in reglementierten Berufen
weiter zu modernisieren, zu vereinfachen und die Mo­
bilität zwischen den EU­Mitgliedsstaaten zu erleich­
tern. Durch die Änderung des BQFG wird vor allem
die Möglichkeit zur elektronischen Übermittlung von
Anträgen und Unterlagen innerhalb der EU und des
EWR erleichtert sowie die Einsetzung des Einheitlichen
Ansprechpartners zur Entgegennahme und Weitergabe
von Anträgen im Anerkennungsverfahren eingeführt.
Die Anpassung des BQFG wurde gemeinsam mit den
Ländern im Rahmen eines gemeinsamen Mustergeset­

image
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
19
zes erarbeitet. Sie ist die erste gesetzliche Regelung zur
Umsetzung der novellierten EU­Richtlinie und damit
Vorbild und Orientierung für die ebenso notwendigen
Anpassungen in den berufsrechtlichen Fachgesetzen.
Sie soll nach Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens
Anfang 2016 in Kraft treten.
Der gemeinsam von BMBF und Ländern erstellte
Mustergesetzentwurf ist auch Grundlage für die An­
passungen in den Länder­BQFG. Damit wird erneut
ein weitgehender Gleichklang zwischen bundes­ und
landesrechtlichen Regelungen im Sinne möglichst
einheitlicher Verfahren und Kriterien angestrebt.
Der Mustergesetzentwurf sieht zudem für die Länder­
BQFG die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen
für den Aufbau einer koordinierten Länderstatistik
vor. Durch die Zusammenschau aller Statistiken von
Bund und Ländern wäre eine Abbildung des gesamten
Anerkennungsgeschehens in Deutschland möglich.
Bundesseitig wird auch begrüßt, dass die Länder sich in
der Arbeitsgruppe der für die Anerkennung im Ausland
erworbener Berufsqualifikationen koordinierend
zuständigen Ressorts der Länder (AG „Koordinierende
Ressorts“) mit der Frage des Aufbaus eines Anerken­
nungsmonitorings in den Ländern hinsichtlich ihrer
Anerkennungspraxis bei landesrechtlich geregelten
Berufen befassen. Hierdurch könnte perspektivisch
ein Gleichklang in der Betrachtung und Begleitung
der Anerkennungsverfahren erreicht werden. Nicht
zuletzt deshalb sieht der Bund die AG „Koordinieren­
de Ressorts“ der Länder als wichtigen und zentralen
Ansprechpartner auf Länderseite an, dessen koordinie­
rende Arbeit fortgesetzt werden sollte.
Der Entwurf des BQFG­Änderungsgesetzes des Bundes
enthält darüber hinaus eine Regelung, die dem BIBB
den Zugang zu den Daten der amtlichen Statistik nach
§ 17 BQFG ermöglicht. Als Vorbild dienten die Rege­
lungen zur Berufsbildungsstatistik. Die vorgesehene
Ergänzung dient der verbesserten Umsetzung der im
Gesetzgebungsverfahren zur Verabschiedung des Aner­
kennungsgesetzes an den Bundesrat gegebenen Zusage,
eine kontinuierliche Beobachtung des Gesetzesvollzugs
und eine zeitnahe Aus­ und Bewertung sicherzustellen.
Vereinheitlichungen auch bei den
Gesundheitsberufen
Bedeutsame Änderungen bei den fachgesetzlichen
Regelungen für den Verwaltungsvollzug der Gesund­
heitsberufe wurden darüber hinaus durch die am
1. Januar 2014 in Kraft getretene
Rechtsverordnung
zur „Durchführung und zum Inhalt von Anpassungs­
maßnahmen sowie zur Erteilung und Verlängerung von
Berufserlaubnissen in den Heilberufen des Bundes“ des
Bundesgesundheitsministeriums (BMG) eingeführt. Sie
haben aus Sicht der hierfür zuständigen Stellen zu einer
deutlichen Vereinheitlichung der sehr unterschiedlichen
Vorgehensweise insbesondere bei Anpassungsmaßnah­
men beigetragen. Die Ergebnisse der entsprechenden
Befragung werden im Bericht im Einzelnen vorgestellt.
21
21 Vgl. III-3.7.
Von großer praktischer Relevanz ist auch die Neurege­
lung der landesrechtlichen Anerkennung der
Facharzt­
ausbildung
für Drittstaatsabsolventen, die durch die
Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekam­
mer im Juni 2013 einheitlich verabschiedet ist und in
den Weiterbildungsordnungen der Länder sukzessive
umgesetzt wird.
22
22 Vgl. III-3.10.
Die zuständigen Stellen sind jetzt
aufgefordert, vor allem von dem eröffneten Ermessens­
spielraum bei der Verlängerung der Berufserlaubnis in
Härtefällen Gebrauch zu machen.

 
20
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
3. Amtliche Statistik 2013 des Bundes: Zahl der Anerkennungen
ausländischer Abschlüsse steigt, hohe Anerkennungsquoten und
viele Verfahren bei den nachgefragten Gesundheitsberufen
Die Antragszahlen für 2013, dem ersten vollständi­
gen Kalenderjahr der statistischen Erfassung, zeigen
weiterhin ein großes Interesse an der Anerkennung
von im Ausland erworbenen Qualifikationen. Insge­
samt wurden vom 1. April 2012 bis zum 31. Dezem­
ber 2013 26.466 Anträge auf Anerkennung einer im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation nach dem
Anerkennungsgesetz des Bundes
23
gestellt, was für
ein relativ neues Gesetz sehr beachtlich ist.
23 Abgebildet werden nur die Verfahren für die bundesrechtlich gere­
gelten Referenzberufe. Die Anerkennungsverfahren der Länderbe­
rufe sind nicht Gegenstand der Statistik nach § 17 BQFG-Bund. Für
die Referenzberufe der Länder (zum Beispiel Erzieher, Lehrer, Sozi­
alberufe) haben einige statistische Ämter der Länder (zum Beispiel
Rheinland-Pfalz) auch Zahlen für 2013 veröffentlicht, die ebenfalls
eine hohe Zahl von bearbeiteten Anträgen zu den Länderberufen
zeigen.
Dies geht
aus der aktuellen amtlichen Statistik des Statistischen
Bundesamts hervor, die am 12. Dezember 2014 ver-
öffentlicht wurde.
24
24 BMBF und Statistisches Bundesamt arbeiten gemeinsam daran,
künftig ein frühzeitiges Erscheinen im September des jeweiligen
Folgejahres zu ermöglichen.
Die Statistik belegt erneut: Die Anerkennungs­
verfahren funktionieren
Nahezu 96 Prozent aller in 2013 beschiedenen Verfahren
wurden mit der Feststellung einer vollen oder teilweisen
Gleichwertigkeit des ausländischen Berufsabschlusses
beendet. Insgesamt konnten 9.969 Qualifikationen als
voll gleichwertig anerkannt werden. Das entspricht rund
75 Prozent aller beschiedenen Verfahren. Die Ableh­
nungsquote liegt bei äußerst geringen 4 Prozent.
Das Verhältnis zwischen den Verfahren für regle­
mentierte und nicht reglementierte Berufe hat sich
gegenüber dem Vorjahr leicht zugunsten der nicht
reglementierten Berufe verschoben: Von den neu­
en Anträgen in 2013 entfielen mit rund 78 Prozent
weiterhin die meisten Anerkennungsverfahren auf die
reglementierten Berufe, bei denen der Bescheid den
Zugang zum Arbeitsmarkt erst eröffnet. Hoch ist – wie
im Vorjahr – die Nachfrage bei den medizinischen Ge­
sundheitsberufen, insbesondere Ärztinnen und Ärzte,
Gesundheits- und Krankenpflegerinnen
und -pfleger.
Allein in dieser Berufsgruppe wurden rund 9.900 volle
Gleichwertigkeiten oder Ausgleichsmaßnahmen, mit
denen eine volle Anerkennung erreicht werden kann,
ausgesprochen; darunter 6.030 für Ärztinnen und Ärz­
te. Das Gesetz zeigt also genau dort Wirkung, wo bereits
nachweislich ein hoher Fachkräftemangel herrscht.
Rund 22 Prozent (rund 3.600 Anträge) betrafen 2013
nicht reglementierte gewerblich­technische, kauf­
männische und handwerkliche Ausbildungsberufe im
dualen System. Rund 63 Prozent der hierzu beschie­
denen Anträge endeten mit einer vollen und rund
33 Prozent mit einer teilweisen Gleichwertigkeit. Das
ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
Auch der Anteil der negativen Bescheide ist von über
24 Prozent in 2012 auf 4 Prozent in 2013 gefallen. Diese
hohen Anerkennungsquoten zeigen eine hohe Erfolgs­
wahrscheinlichkeit für diejenigen, welche sich für die
Durchführung eines Verfahrens entscheiden.
Beachtlich ist auch der hohe Anteil der Verfahren, bei
denen die Berufserfahrung der Antragstellenden eine
maßgebliche Rolle spielte. Diese Möglichkeit wurde vor
dem Hintergrund der deutschen dualen Ausbildung
mit ihrem großen praktischen Anteil mit dem BQFG
neu eingeführt und findet international Beachtung.
In über 95 Prozent der Verfahren in den nicht regle­
mentierten Berufen, bei denen für die Prüfung der
Gleichwertigkeit die Berufserfahrung herangezogen
wurde, führte das Verfahren im Ergebnis zu einer vol­
len Gleichwertigkeit, was die Bedeutung dieser neuen
Regelung unterstreicht.
Ebenso positiv ist die deutliche Abnahme der Verfah­
rensdauer auf durchschnittlich 59 Tage, was einem Er­
fahrungszuwachs bei den zuständigen Stellen und den
Beratungseinrichtungen sowie dem funktionierenden
Erwartungsmanagement und der besseren Antrags­
vorbereitung bei den Anerkennungsinteressierten
zugeschrieben werden kann.

image
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
21
Weitere Steigerungen sind zu erwarten
Trotz dieser erfreulichen Entwicklung ist eine weitere
Steigerung der Anerkennungsverfahren in allen Be­
rufen, ob reglementiert oder nicht reglementiert, zur
Fachkräftesicherung und zur Arbeitsmarktintegration
von nach Deutschland Zugewanderten sinnvoll.
Angesichts der Zuwanderungs­ und Flüchtlingsbewe­
gungen ist ein zunehmendes Interesse an Anerken­
nungsverfahren zu erwarten. Die Bundesregierung
unterstützt die zielgruppenspezifische und passgenaue
Information im In­ und Ausland und insbesondere in
Betrieben, Betriebsräten und Personalvertretungen
zur besseren Nutzung der Möglichkeiten der Anerken­
nung.
25
25 Vgl. III-6.4.
Obwohl für 2013 die gemeldeten Verfahren als Un­
tergrenze anzusehen sind, konnte die Qualität der
amtlichen Statistik im Vergleich zu den Daten für 2012
erhöht werden. Zur weiteren Verbesserung der Quali­
tät der Meldungen und Erhebung der Statistik ist ein
konstruktiver Abstimmungsprozess zwischen zustän­
digen Stellen, den statistischen Ämtern der Länder
und dem Statistischen Bundesamt unter Einbeziehung
der Fach­ und Berichtsstelle zum Anerkennungsgesetz
beim BIBB etabliert worden. Ein erstes Ergebnis wird
die Einführung einer neuen Merkmalsausprägung der
Statistik ab 2015 sein, wonach auch „sonstige Erledi­
gungen“, also zum Beispiel zurückgezogene Anträge
erfasst werden. Dadurch kann der Verwaltungs­ und
Beratungsaufwand der zuständigen Stellen auch dann
dargestellt werden, wenn das Verfahren nicht mit
einem Bescheid endet.

 
22
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
4. Gute Information und Beratung, Vernetzung der Akteure: Der Schlüssel
für Anerkennung und qualifikationsnahe Beschäftigung
Das Interesse an der Anerkennung von im Ausland
erworbenen Berufsabschlüssen und die Inanspruchnah­
me von Beratungsleistungen sind auch nach drei Jahren
ungebrochen. Das Gesetz und seine Begleitstrukturen
werden von der Zielgruppe als wesentliche Verbesserung
ihrer Arbeitsmarktintegration wahrgenommen, doku­
mentiert nicht zuletzt durch die kontinuierlich wachsen­
de Inanspruchnahme der Einstiegsberatung der zustän­
digen Stellen sowie die Nutzung der Beratungsstellen
des Netzwerks „Integration durch Qualifizierung – IQ“,
der Telefonhotline „Arbeiten und Leben in Deutschland“
sowie der Informationsangebote im Internet.
Auch dieser Bericht bestätigt, dass passgenaue Infor­
mations­ und Beratungsangebote ein wesentlicher
Schlüssel für die Anerkennung ausländischer Berufs­
qualifikationen und eine qualifikationsadäquate Ar­
beitsmarktintegration sind. Dem liegt eine vollständige
Auswertung der Besuchszahlen des Internetportals
„Anerkennung in Deutschland“, der Datenbank anabin
der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB) der KMK, des BQ­Portals, der Telefonhotline
sowie der Beratungen durch die Kammern und die IQ­
Erstanlaufstellen zugrunde.
26
26 Vgl. ausführlich II-2.1.
Umfangreiche Informationsangebote im Internet
Die seitens des Bundes zur Verfügung gestellten
Angebote wurden kontinuierlich ausgebaut und die
Zusammenarbeit und Vernetzung der Akteure an den
Schnittstellen ihrer Arbeit weiterentwickelt:
Die Zahl der Nutzer der Internetangebote zur Anerken­
nung ausländischer Berufsabschlüsse ist 2014 wiederum
stark gestiegen. Die zielgruppenspezifischen Portale
„Anerkennung in Deutschland“, BQ­Portal und anabin
werden künftig ihre Kommunikation hinsichtlich der
eigenen Angebote und der Angebote der Partnerportale
noch besser aufeinander abstimmen und miteinander
verzahnen. Dies setzt die im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz formulierte Entwicklungsperspektive
für die Informationsangebote fort und entspricht der
Bitte der Länder in der Ministerpräsidentenkonferenz
2013, die im Zusammenhang mit Anerkennungsent­
scheidungen genutzten Datenbanken aufeinander abzu­
stimmen und einheitlich qualitätsgesichert zu betreiben.
Aktuell wird zudem eine Kooperation zwischen dem
Portal „Anerkennung in Deutschland“ und den Einheit­
lichen Ansprechpartnern geprüft und entwickelt, die
nach der novellierten EU­Berufsanerkennungsrichtlinie
auch spezifische Informationen bereitstellen müssen.
Dafür soll das umfangreiche Informationsangebot des
Anerkennungsportals inklusive der dahinter stehenden
Aktualisierungs­ und Qualitätssicherungsprozesse ge­
nutzt und gegebenenfalls um zusätzliche Detailinforma­
tionen ergänzt werden. Diese Ergänzungen werden auch
den Nutzern des Portals zugutekommen.
Hinsichtlich der Entwicklung der Besuchszahlen ver­
zeichnete allein das Portal „Anerkennung in Deutsch­
land“ 2014 nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem
Vorjahr auf mehr als eine Million Besuche. Die neu
eingerichtete Service­ und Informationsstelle zum
Anerkennungsgesetz beim BIBB gewährleistet auch
in Zukunft ein dauerhaft qualitätsgesichertes Angebot
der relevanten Informationen zu Anerkennungsver­
fahren und zuständigen Stellen und von umfänglichen
Verweisen zu Begleitstrukturen von der Erstberatung
bis zur Weiterbildung. Die 2014 gestartete internatio­
nale Kampagne des Anerkennungsportals hat zu einem
deutlichen Anstieg der Besuchszahlen geführt. Besucher
können sich über die Möglichkeiten der Anerkennung
ihrer Berufsabschlüsse in Deutschland in mittlerweile
acht Sprachen informieren. Nahezu die Hälfte von ihnen
kommt inzwischen aus dem Ausland, was zeigt, dass
das Ziel einer möglichst frühzeitigen Ansprache und
Information der Zielgruppe des Gesetzes erreicht wird.
27
27 Vgl. II-2.1.
Zur stärkeren Nutzung der Möglichkeiten des Aner­
kennungsgesetzes, Anträge direkt aus dem Ausland zu
stellen, würden zusätzlich Vor­Ort­Beratungsstrukturen
in den wichtigsten Zielländern beitragen. Der Anteil der
aus dem Ausland gestellten Anträge betrug nach der

I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
23
amtlichen Statistik 2013 rund 9 Prozent. Diese Verfahren
dauern bislang im Schnitt länger als solche, die von An­
tragstellenden mit Sitz im Inland gestellt werden.
28
28 Vgl. III-2.
Hier
könnten Erstanlaufstellen im Ausland eine Unterstüt­
zung bieten, wodurch es im Fall einer bereits geplanten
Auswanderung nach Deutschland einfacher würde,
bereits vor Ort die Voraussetzungen und den Nutzen für
eine Anerkennung des Berufsabschlusses zu prüfen oder
das Verfahren sogar schon vollständig durchzuführen.
Die Schwelle für eine Zuwanderung von Fachkräften
wird dadurch gesenkt und die Zeitdauer für die Integra­
tion in den Arbeitsmarkt minimiert.
Die Besuchszahlen der Datenbank anabin zeigen
ebenfalls ein deutlich gesteigertes Interesse an Infor­
mationen zum ausländischen Bildungswesen und an
der Bewertung ausländischer Bildungsnachweise. Im
vergangenen Jahr wurden rund 1,4 Millionen Besuche
registriert. Dies wirkt sich auch auf die Gutachtentätig­
keit der ZAB sowie auf das Antragsaufkommen bei
der Zeugnisbewertung für Hochschulqualifikationen
nach dem Lissabon­Anerkennungsübereinkommen
aus. Hier bedarf es seitens der Länder dringend einer
Verstetigung sowie eines weiteren, bedarfsorientierten
Ausbaus der personellen Kapazitäten. Dies würde nicht
zuletzt zu einer Beschleunigung des Zuwanderungs­
verfahrens durch die Auslandsvertretungen führen, die
auf die Bewertungen der ZAB (Zeugnisbewertung und
Einträge in anabin) zurückgreifen.
Telefon-Hotline wurde ausgeweitet
Eine Bündelung beziehungsweise Erweiterung des
telefonischen Beratungsangebots der Bundesregierung
zum Thema Anerkennung erfolgte am 1. Dezember
2014 mit der zentralen Fachkräftehotline „Arbeiten
und Leben in Deutschland“. Unter der bestehenden
Telefonnummer der Anerkennungshotline sowie per E­
Mail erhalten Interessierte nunmehr aus dem In­ und
Ausland auf Deutsch und Englisch Informationen rund
um die Themen Anerkennung ausländischer Berufs­
abschlüsse, Jobsuche, Arbeit und Beruf, Einreise und
Aufenthalt sowie Deutsch lernen. In den ersten beiden
Monaten des Jahres 2015 ließen sich 2.675 Interessierte
zum Thema Anerkennung beraten. Anerkennung stellt
damit bislang den größten Anteil der Beratungen ins­
gesamt (rund 62 Prozent). Die zentrale Informations-
Hotline
wird als Maßnahme der Demografiestrategie
der Bundesregierung gemeinsam vom BAMF und der
Bundesagentur für Arbeit (BA) im Rahmen einer res­
sortübergreifenden Kooperation zwischen dem Bun­
desministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi),
dem Bundesministerium des Innern (BMI), dem BMBF
und der BA betrieben.
Steigende Zahl von Anerkennungsberatungen
Als weitere wichtige Akteure bei der Beratung von Aner­
kennungsinteressierten haben sich die
Arbeitsagentu­
ren und Jobcenter
etabliert. Im Rahmen des 4­Phasen­
Modells der Integrationsarbeit werden Frage­ und
Problemstellungen aus dem Bereich „Anerkennung von
im Ausland erworbenen Abschlüssen“ mit den Kundin­
nen und Kunden erörtert, soweit diese für die Integ­
ration in Ausbildung und Beschäftigung von Relevanz
sind.
29
29 Regelung für Arbeitsagenturen und Jobcenter (gemeinsame Ein­
richtungen) gemäß HEGA 03/2012–17 – Anerkennungsgesetz und
IV-2.2.
Eine 2014 vom BIBB durchgeführte Befragung
von Beratungsfachkräften in Jobcentern ergab, dass
es jedenfalls im reglementierten Bereich nicht einfach
ist, Kundinnen und Kunden auch ohne Anerkennung
in eine Erwerbstätigkeit zu vermitteln. Dies belegt die
Bedeutung der Anerkennungsbescheide für die Arbeits­
marktintegration. Zentrales Element ist bei den Bera­
tungen durch die Arbeitsverwaltung auch die jeweilige
Klärung der Übernahme der Kosten von Anerkennungs­
verfahren.
30
30 Vgl. III-5.
Der Grad der Vernetzung mit anderen Ak­
teuren der Beratung ist, wie die BIBB­Befragung zeigt, in
einigen Regionen ausbaufähig. Bei den Jobcentern sieht
laut der Befragung zudem die Hälfte der Befragten noch
Unterstützungsbedarf im Bereich Wissensmanagement
und Schulungen unter anderem zum Thema Aufenthalt,
Arbeitsmarktzugang und Anerkennung, wie sie im Rah­
men des Förderprogramms „Integration durch Qualifi­
zierung
IQ“ durchgeführt werden.
Das Beratungsnetzwerk des Förderprogramms
„Inte­
gration durch Qualifizierung – IQ“
bietet bundesweit
eine kostenlose und flächendeckende Anerkennungs­
beratung an. Die Erstanlaufstellen verzeichnen einen
konstant hohen Bedarf an persönlichen und telefoni­
schen Beratungen. Das Aufkommen im Jahr 2014 ist

image
im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, insgesamt wurden
von August 2012 bis Ende 2014 fast 38.000 Personen
beraten.
31
31 Vgl. III-1.2.
Am 1. Januar 2015 ist die neue Förderperio­
de für die 16 Landesnetzwerke, fünf Fachstellen und
zahlreiche Teilprojekte gestartet. Die Anerkennungsbe­
ratung wurde mit der neuen Förderperiode seit Beginn
des Jahres 2015 zu einer für Anerkennungsinteressierte
kostenlosen Verfahrensbegleitung und Qualifizierungs­
beratung weiterentwickelt. Die IQ­Beratungsstellen
haben sich insbesondere für ein gutes Erwartungsma­
nagement der Anerkennungsinteressierten im Vorfeld
einer Antragstellung sowie für eine begleitende und
nachbereitende Unterstützung als wichtig erwiesen.
24
Im Bereich der
Handwerks- sowie der Industrie- und
Handelskammern
, die die Einstiegsberatungen im
Vorfeld der Antragstellung als eigenes Angebot bereit­
stellen, steigt die Zahl der Beratungen kontinuierlich.
Zwischen April 2012 und 31. Dezember 2014 wurden
rund 40.000 Beratungen durchgeführt. Der Bericht
geht in einer Detailstudie
32
der Frage nach, warum es
in vielen Fällen trotz der intensiven Beratung letztlich
nicht zu einer Antragstellung kommt.
32 Teil IV-3 (Detailstudie „Von der Beratung zum Antrag“).
Im Bereich der
Handwerksberufe beziehungsweise Industrie und
Handel führt nur jeder fünfte beziehungsweise zweite
Beratene letztlich ein Verfahren durch. Die Gründe
dafür erweisen sich nach einer BIBB­Befragung als
heterogen: Ein Grund liegt etwa darin, dass kammer­
seitig ein umfassender Beratungsansatz verfolgt wird,
der auch Alternativen zum Anerkennungsverfahren
umfasst,
zum Beispiel das Nachholen einer Ausbildung,
Umschulung oder die Externenprüfung. Die Gleich­
wertigkeit ist nicht immer der allein zielführende Weg
für eine möglichst qualifikations- und interessenad­
äquate Arbeitsmarktintegration.
Rolle der Auslandsvertretungen
Auch die Auslandsvertretungen informieren im Zusam­
menhang mit der Visaerteilung über Anerkennungs­
fragen. Damit die neue Verknüpfung der Zuwanderungs­
mit den Anerkennungsregeln in der Praxis ihre Wirkung
für eine Fachkräftezuwanderung noch besser entfalten
kann, muss das Wissen und die Nutzung dieser Mög­
lichkeiten in den Auslandsvertretungen und bei den
potenziellen Erwerbsmigranten noch verstärkt und eine
gelebte Anerkennungs­ und Willkommenskultur weiter
etabliert werden; dies hängt auch von einer klaren und
transparenten Umsetzung der Anerkennungsregelun­
gen ab. Für Fachkräfte, die an einer Zuwanderung nach
Deutschland interessiert sind, müssen auf den Internet­
seiten der deutschen Auslandsvertretungen umfassende,
einheitliche und klare Informationen darüber enthal­
ten sein, welche Fragen vor einer Anerkennung der im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation zu beantwor­
ten sind.
33
33 10. Lagebericht (2014), S. 221.
Im Rahmen der internationalen Kampagne
des BIBB werden daher auch die Auslandsvertretungen
eingebunden, um einheitliche und konsistente Informa­
tionsangebote bereitzustellen.

 
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
25
5. Anerkennungsverfahren: Fortschritte auf dem Weg zum einheitlichen
Vollzug, weitere Vereinheitlichungen der Verfahren notwendig
Nach Ablauf von drei Jahren seit Inkrafttreten des
Anerkennungsgesetzes des Bundes lässt sich feststellen,
dass sich bei den zuständigen Stellen Verfahrensabläufe
weiter etabliert und Erfahrungswerte und ­routinen
eingestellt haben. Die hohen Anerkennungsquoten in
nahezu allen Berufen zeigen, dass die Anerkennungs­
verfahren funktionieren und die Zielsetzungen des
Anerkennungsgesetzes erreicht werden.
Wie auch die AG „Koordinierende Ressorts“ der Länder
wiederholt festgestellt hat, sind jedoch noch erhebliche
Anstrengungen erforderlich, um die Anerkennungs­
prozesse länderübergreifend einheitlicher zu gestalten.
Hierzu würde vor allem eine weitere Bündelung nicht
nur von Wissen, sondern auch von Kompetenzen und
Zuständigkeiten beitragen. Bundesweit einheitliche
Verfahren und Anerkennungsstandards vereinfachen
und beschleunigen die Anerkennungsverfahren. Die
Bündelung von Kompetenzen und Expertenwissen
entlastet gerade die Verwaltungen, die nur punktuell
mit Anerkennungsfragen befasst sind. Die zentrale
zuständige Stelle IHK FOSA (Foreign Skills Approval)
für die IHK­Berufe ist ein positives Beispiel für eine
solche strukturelle Konzentration von Wissens­ und
Verfahrens­Know­how.
Zu begrüßen ist, dass durch den Landesgesetzgeber
Berlin der rechtliche Status des Sekretariats der Kul­
tusministerkonferenz (KMK) als Landesbehörde im
Februar 2014 klargestellt und damit die Voraussetzung
geschaffen wurde, dass die Länder Zuständigkeiten
für Anerkennungsverfahren für nicht reglementierte
landesrechtlich geregelte schulische Berufsabschlüsse
direkt an die ZAB der KMK übertragen können. Dies
haben bislang drei Länder (Baden­Württemberg, Berlin
und Niedersachsen) vollzogen, weitere Übertragungen
wären wünschenswert.
Stärkere Bündelung und Vereinheitlichung
in den Gesundheitsberufen erforderlich
Unter Bündelungs­ und Vereinheitlichungsaspekten
ist auch die bereits 2012 von der Gesundheitsminister­
konferenz und Kultusministerkonferenz beschlossene
Einrichtung einer zentralen Gutachtenstelle für die
Gesundheitsberufe dringend erforderlich und muss
endlich finanziell und mit einer entsprechenden Stel­
lenausstattung seitens der Länder umgesetzt werden.
Die damit verbundene zu erwartende Beschleunigung
und Vereinheitlichung ist ein wichtiger Schritt zur Ver­
besserung der Anerkennungsverfahren. Alle Beteiligten
sollten sich daher dringend für ihre zügige Realisierung
einsetzen. Die Befragungen des Monitorings zeigen,
dass die zuständigen Stellen für die Gesundheitsbe­
rufe einen Unterstützungsbedarf durch eine zentrale
Gutachtenstelle nicht nur für formale Qualifikationen,
sondern auch zur Bewertung der Berufserfahrung der
Antragstellenden als sinnvoll und erforderlich erach­
ten und der Einrichtung einer Gutachtenstelle positiv
gegenüberstehen.
34
34 Vgl. III-3.2.
Gerade im wichtigen Bereich der Anerkennung von
Gesundheitsberufen zeichnet sich durch die neuen
BMG­Rechtsverordnungen, die am 1. Januar 2014 in
Kraft getreten waren, ein wichtiger Schritt zur Verein­
heitlichung der Verfahren ab. Diese enthalten Vorgaben
für Anpassungsmaßnahmen und die Voraussetzungen
zur Erteilung der Berufserlaubnis. Sie werden vor
diesem Hintergrund von den zuständigen Stellen
grundsätzlich positiv und hilfreich für ihre Arbeit
bewertet.
35
35 Vgl. III-3.7.
Allerdings werden auch nachvollziehbare
Anfangsschwierigkeiten bei der konkreten Umsetzung
deutlich, insbesondere was eine verordnungskonfor­
me, Transparenz fördernde Bescheidgestaltung angeht.

26
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Besonderheiten aus dem Verwaltungsvollzug
Das Monitoring macht auch in diesem Berichtszeit­
raum einige besondere Aspekte des Vollzugs deutlich:
Positiv fällt auf, dass es kaum
Nachforderungen
von Unterlagen während der Anerkennungsver­
fahren aufgrund von Zweifeln an der Echtheit oder
inhaltlichen Richtigkeit der vorgelegten Unterlagen
gibt. Zwar ist das Problem gefälschter Nachweise bei
den zuständigen Stellen nach wie vor existent, ein
Massenphänomen, wie teilweise vermutet wurde, ist
jedoch nicht zu erkennen.
Im Rahmen der Befragungen wird beim Ländervoll­
zug aber auch weiterhin von uneinheitlichen Vorge­
hensweisen berichtet: Insbesondere das geforderte
Niveau der
Sprachkenntnisse
und der Zeitpunkt
ihrer Erbringung in den Gesundheitsberufen bleibt
zwischen den Ländern trotz Vereinheitlichungs­
bestrebungen in der Praxis sehr unterschiedlich.
Ebenso wird die Inanspruchnahme von
Gutachtern
für die Gleichwertigkeitsprüfung sehr unterschied­
lich gehandhabt. Bei den reglementierten Berufen
im Gesundheitsbereich zum Beispiel greift ein Teil
der zuständigen Stellen grundsätzlich auf deren
Expertise zurück, andere nur in komplizierten Fäl­
len, was für die Antragstellenden im Verfahren und
auch unter Kostengesichtspunkten durchaus einen
Unterschied bedeuten kann. Auch werden bei
An­
tragstellungen aus dem Ausland
von zuständigen
Stellen noch vereinzelt Stellenzusagen oder Wohn­
ortbescheinigungen verlangt – was den gesetzlichen
Vorgaben widerspricht. Diese rechtswidrige Praxis
muss länderseitig dringend geändert werden.
Unterschiede zeigen sich auch bei der Berücksichti­
gung der
Berufserfahrung.
Während 2013 insbeson­
dere bei den Ausbildungsberufen im dualen System
in über 40 Prozent der beschiedenen Verfahren die
Berufserfahrung als (mit­)entscheidendes Kriteri­
um für eine Anerkennung hinzugezogen wurde,
ist dies bei den meisten reglementierten Berufen
bislang eher selten der Fall. Eine zentrale Gutach­
tenstelle könnte in diesem Punkt Abhilfe schaffen,
indem Wissen zur Bewertung praktischer Erfahrung
gebündelt und Kriterien für die Anforderungen an
deren Nachweis entwickelt werden. Ein denkbares
Angebot zu Wissensbündelung und Transfer an die
für die reglementierten Berufe zuständigen Stellen
wäre auch eine IT­gestützte Sammlung und Doku­
mentation früherer Prüfergebnisse und Unterlagen
wie ausländische Curricula, ähnlich wie es mit
dem BQ­Portal insbesondere von den Handwerks­
kammern genutzt wird. Dies wäre auch eine gute
Hilfestellung im Hinblick auf die Antragstellenden,
die bei der Beschaffung der Unterlagen, insbesonde­
re was die ausländischen Curricula, wie detaillierte
Fächeraufstellungen angeht, je nach Ausbildungs­
land und dort erworbener Qualifikation große
Schwierigkeiten haben.
Bei reglementierten Berufen aus Drittstaaten
werden bei einigen zuständigen Stellen
Ausgleichs­
maßnahmen
(zum Beispiel bei Ärztinnen und
Ärzten eine Kenntnisprüfung) auferlegt, ohne eine
vorausgegangene Gleichwertigkeitsprüfung. Dies
entspricht nicht der Intention und Ausgestaltung
der zugrundeliegenden gesetzlichen Regelungen.
Hier liegt die Vermutung nahe, dass diese Entschei­
dung allein vor dem Hintergrund eines Abschlusses
aus einem Drittstaat getroffen wird. Diese teilweise
bestehende Verwaltungspraxis ist zwingend zu
ändern.
Wenig nachvollziehbar ist auch, dass einzelne Be­
hörden nach wie vor – entgegen der Vorgaben der
neuen Rechtsverordnungen des BMG – bei Antrag­
stellenden aus Drittstaaten auf die
Bescheidform
verzichten und den Antragstellenden formlos per
E­Mail eine abschlägige Nachricht der fehlenden
Gleichwertigkeit schicken, verbunden mit dem pau­
schalen Hinweis auf eine notwendige Ausgleichs­
maßnahme. Dies weist darauf hin, dass die Rechts­
verordnungen noch besser in der Praxis ankommen
und Anwendung finden müssen. Bund und Länder
sind hier weiterhin im engen Austausch.
Von Beratungsfachkräften der Arbeitsverwaltungen,
der Anerkennungsberatungsstellen und der Migra­
tionsberatungsstellen sowie der Visastellen wird
eine bessere
Verständlichkeit und Transparenz der
Bescheide
, insbesondere bei Teilanerkennungen
und der damit verbundenen Auswahl passender
Nachqualifizierungen gewünscht. Einerseits müssen
die zuständigen Stellen die gesetzlich vorgegebenen
Anforderungen an die Bescheide erfüllen, anderer­
seits gibt es gute Beispiele für Hilfestellungen vor
allem zur weiteren Nutzung für weitere Qualifizie­
rungen durch die zuständigen Stellen. Diese sollten
als Best Practice weitergegeben und aktiv kommuni­
ziert werden.

image
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
27
Standardisierte
Qualifikationsanalysen
sind 2013
nach der amtlichen Statistik erst in 60 Fällen durch­
geführt worden. Von dieser Möglichkeit sollten
sowohl die zuständigen Stellen als auch die Anerken­
nungsinteressierten stärker Gebrauch machen. Im
BMBF­geförderten Verbundvorhaben „Prototyping“
wurden bis Januar 2014 Standards entwickelt und
erprobt, die zu einer Vereinfachung der Verfahren
führen; es ist zu vermuten, dass eine gewisse Zurück­
haltung der zuständigen Stellen, das Verfahren an­
zubieten, auf einem vergleichsweise hohen Aufwand
bei der Durchführung beruht. Im Hinblick auf die
Bemühung, die vorgenannte Personengruppe leichter
in den Arbeitsmarkt zu integrieren, wird seit Januar
2015 der bundesweite Transfer der Verfahren über das
BMBF­Projekt „Prototyping Transfer – Berufsaner­
kennung mit Qualifikationsanalysen“ unterstützt.
In der
Altenpflege
werden trotz des hohen Bedarfs
an Fachkräften und der großen Nachfrage nach
Informationen die Möglichkeiten der Anerken­
nungsverfahren nicht genügend ausgeschöpft.
Insbesondere wenn entsprechende Berufserfah­
rung vorhanden ist, sollte die Altenpflege verstärkt
von den zuständigen Stellen als Referenzberuf im
Anerkennungsverfahren herangezogen und Aus­
gleichsmaßnahmen in diesem Bereich ermöglicht
werden.
Weitere Vereinheitlichungen im Verwaltungsvollzug
könnten in einigen Bereichen durch einen intensive­
ren Austausch der zuständigen Stellen in Netzwerken
oder Foren erreicht werden. Dazu könnten die zum Teil
bereits bestehenden Kooperationen mit dem IQ­Netz­
werk genutzt oder die Angebote des Anerkennungspor­
tals ausgeweitet werden. Zudem werden in diesem Jahr
durch das BIBB verschiedene zielgruppenspezifische
Workshops, insbesondere zusammen mit zuständigen
Stellen im Gesundheitsbereich, mit dem Ziel durch­
geführt, Erfahrungen und Best Practice­Beispiele
auszutauschen, Informationsbedarfe zu ermitteln und
sich zu vernetzen.

 
28
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
6. Verfahrensgebühren und Kosten sollten weiter vereinheitlicht
und Finanzierungsmöglichkeiten gesichert werden
Die Höhe der Gebühren für die Anerkennungsverfah­
ren richtet sich nach den Gebührenregelungen der
Länder beziehungsweise der Kammern und hängt vom
individuellen Aufwand für die Durchführung des Ver­
fahrens ab. Im Kammerbereich haben sich einheitliche
Gebührenrahmen (100 bis 600 Euro) für nicht regle­
mentierte Berufe etabliert, in den Länderbehörden ist
die Varianz größer und uneinheitlicher. Weitere Kosten
können für die Beschaffung individueller Nachweise,
weiterer Unterlagen einschließlich Beglaubigungen
und Übersetzungen sowie für die Vorbereitungen auf
Prüfungen oder für Anpassungslehrgänge entstehen.
36
36 Eine ausführliche Darstellung erfolgte im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz, BMBF (2014), S. 121 ff.
Auswirkungen der Kosten auf die Antragstellung
Die Erhebungen des Monitorings zeigen, dass die Grün­
de, keinen Antrag zu stellen, zwar stark vom individu­
ellen Werdegang und der aktuellen Lebenssituation
des Anerkennungssuchenden abhängen. Nicht selten
können nach einer Kosten­Nutzen­Abwägung auch
die Kosten für die Durchführung eines Anerken­
nungsverfahrens Interessierte davon abhalten, eine
Anerkennung zu beantragen. Dies dürfte insbesondere
für Personen mit geringen Einkommen gelten, die mit
weniger eindeutigen Bildungsrenditen rechnen als
zum Beispiel Ärzte und die nicht von den zahlreichen
Fördermöglichkeiten insbesondere der BA profitieren.
Aus Sicht der Bundesregierung wäre es daher begrü­
ßenswert, die Kosten für Anerkennungsverfahren
im Sinne einer größtmöglichen Transparenz stärker
bereichsspezifisch zu vereinheitlichen beziehungswei­
se einen einheitlichen Gebührenkorridor einzuführen
und die Gebühren sozialverträglich auszugestalten.
Bei nicht individuellen Nachweisen, wie zum Beispiel
bei Übersetzung ausländischer Curricula, könnten in
einzelnen Bereichen die Kosten ebenfalls durch Ein­
richtung eines übergreifenden Wissensmanagements
bei den zuständigen Stellen minimiert werden.
Bestehende Finanzierungsmöglichkeiten
Bei der Frage der Übernahme der Kosten stellen die
Finanzierungsmöglichkeiten der Grundsicherung bezie­
hungsweise Arbeitsförderung im Rahmen des Sozialge­
setzbuchs – SGB II und III – das zentrale Finanzierungs­
instrument dar. Die Arbeitsagenturen, kommunalen
Jobcenter und gemeinsamen Einrichtungen von Bund
und Kommunen haben sich nicht nur als ein wichtiger
Berater in Anerkennungsfragen etabliert, sie sind auch
häufig Träger der Verfahrenskosten. Darüber hinaus
übernehmen sie in vielen Fällen die Finanzierung von
Weiter- und Anpassungsqualifizierungen. Allerdings
haben die Untersuchungen für den Bericht noch eine
unterschiedliche Umsetzungspraxis ergeben. Hier wä­
ren zentrale Aktivitäten der Arbeitsverwaltung hilfreich
(zum Beispiel Arbeitshilfen zur Anerkennung und ein
fachlicher Austausch unter anderem mit Workshops
zum Thema Migration). Der Bericht stellt diese und wei­
tere Möglichkeiten der staatlichen Kostenübernahme
vor.
37
37 Vgl. III-5.3.
Insbesondere vor dem Hintergrund der ersten
Erfahrung der 2015 gestarteten Förderung von Quali­
fizierungsmaßnahmen im Förderprogramm IQ wird
die Bundesregierung prüfen, ob ergänzend mittelfristig
weiterer Bedarf für die Einrichtung eines Stipendien­
programms des Bundes besteht. Länderseitig bestand
im Berichtszeitraum nur in Hamburg ein entsprechen­
des Stipendienangebot. Es wäre zu begrüßen, wenn
auch hier entsprechende Unterstützungsangebote ge­
prüft und entwickelt würden. Zudem sind die Arbeitge­
ber bei der Unterstützung im Anerkennungsverfahren
stärker zu motivieren.

image
 
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
29
7. Das Angebot für Anpassungsqualifizierungen wird bedarfsgerecht ausgebaut
Die Nachfrage nach und die Angebote für Anpassungs­
qualifizierungen steigen.
38
38 Im Jahr 2013 ist der Anteil an Verfahren, die mit einer teilweisen
Gleichwertigkeit endeten, auf knapp 33 Prozent gestiegen (im Vor
jahr waren es rund 9 Prozent).
Aus den Befragungen der
Handwerks­ sowie Industrie­ und Handelskammern
zeigt der Bericht eine steigende Nachfrage von Perso­
nen, die einen Bescheid mit teilweiser Gleichwertigkeit
erhalten haben, nach den Möglichkeiten der Anpas­
sungsqualifizierung. Laut den Kammern können hierzu
bereits regionale Angebote unterbreitet werden.
39
39 Vgl. III-4.1.
Zusätzliche Unterstützungsangebote des Bundes
Zudem schafft die Bundesregierung neue Möglichkei­
ten für Nachqualifizierungen: Im
Förderprogramm
„Integration durch Qualifizierung – IQ“
werden im
neuen Handlungsschwerpunkt „Qualifizierung von
Migrantinnen und Migranten im Kontext des Anerken­
nungsgesetzes“ seit 2015 Angebote für Anpassungsmaß­
nahmen für reglementierte und nicht reglementierte
Berufe, Brückenmaßnahmen für Akademikerinnen und
Akademiker sowie Sprachkurse entwickelt und angebo­
ten und damit die Chancen auf eine volle Anerkennung
verbessert. Dafür stellt das BMAS in den Jahren 2015 bis
2018 gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds
(ESF) insgesamt etwa 188 Millionen Euro bereit. In
146 IQ­Teilprojekten werden bundesweit Angebots­
entwicklungen gefördert, wovon rund 40 Prozent auf
reglementierte Berufe und 25 Prozent auf nicht regle­
mentierte Berufe entfallen. Es wird abzuwarten sein, ob
und wie sich die Angebotsentwicklung mit dem Bedarf
an Anpassungsqualifizierungen künftig decken wird.
40
41 Vgl. dazu Kapitel „Weitere Qualifizierung“, III-4.
Angebote der Weiterbildungsanbieter steigen
Auch die über 2.000 befragten, am Markt aktiven
Weiterbildungsanbieter scheinen sich weiter auf die
neue Zielgruppe der Anerkennungsinteressierten,
die teilweise sehr heterogen ist und mit spezifischem
Qualifizierungsbedarf an sie herantritt, einzustellen
und ihr Angebot zunehmend daran auszurichten.
41
40 Vgl. dazu die Entwicklung der Statistik, III-2.
­
Zudem wurde die Zusammenarbeit zwischen Weiter­
bildungsanbietern und zuständigen Stellen ausgebaut.
Die Entwicklung marktgängiger Angebote wird weiter
zu beobachten sein.
In Deutschland ist das Portal KURSNET der BA ein
zentrales Internetangebot zur beruflichen Weiter­
bildung. Hier werden neben einer Vielzahl von Bil­
dungsangeboten auch Qualifizierungsmaßnahmen
im Kontext „Anerkennung von ausländischen Berufs­
qualifikationen“, insbesondere die neuen Angebote
im Rahmen des Förderprogramms IQ veröffentlicht.
Um Anerkennungssuchende gezielt zu erreichen, soll
dieses Informationsangebot von KURSNET auch über
das Portal „Anerkennung in Deutschland“ zugänglich
gemacht werden.

 
30
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
8. Betriebliche Anerkennungskultur: Die Rolle der Arbeitgeber
und Betriebe stärken
Über den Bekanntheitsgrad der gesetzlichen Anerken­
nungsmöglichkeiten ausländischer Berufsabschlüsse
bei Arbeitgebern und Betrieben gibt es verschiedene
Aussagen.
Repräsentative Betriebsbefragung
In einer repräsentativen Befragung des BIBB im Jahr
2014 bei rund 5.300 Betrieben gaben über 40 Prozent an,
die Anerkennungsgesetze zu kennen.
42
42 Auswertung der BIBB-Betriebsbefragung (2014), III-6.
Dies ist ange­
sichts der immer noch relativen Neuheit der Regelungen
eine sehr beachtliche Zahl. Allerdings haben sich von
diesen bislang nur etwa 6 Prozent intensiver mit dem
Thema beschäftigt oder schon selbst Erfahrungen mit
Anerkennungsverfahren gemacht. Arbeitgeber bezie­
hungsweise Personalverantwortliche in Unternehmen
sind dabei nicht nur die Adressaten der Anerkennungs­
bescheide, aufgrund derer sie die Entscheidung über die
Einstellung einer Person mit ausländischen Qualifikatio­
nen treffen. Sie haben auch ein zusätzliches Instrument,
um das Potenzial ihrer Belegschaft im Hinblick auf
Übertragung zusätzlicher Verantwortungs­ und Aufga­
benbereiche sowie Aufstiegsmöglichkeiten richtig einzu­
schätzen und ihr Personal langfristig an sich zu binden.
Der BIBB­Betriebsbefragung zufolge sind insbesondere
große Unternehmen personell und strukturell besser
in der Lage, die teilweise komplizierten Rekrutierungs­
prozesse, insbesondere aus dem Ausland, zu bewälti­
gen, bei denen unter Umständen auch die Frage einer
Anerkennung des Berufsabschlusses mitzudenken ist.
Nichtsdestotrotz bietet, darauf wurde bereits im ersten
Bericht 2014 hingewiesen, gerade für kleine und mitt­
lere Unternehmen ohne professionalisierte betriebliche
Personalgewinnungs­ und ­entwicklungskonzepte die
Anerkennung von im Ausland erworbenen Abschlüs­
sen ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine gute
Möglichkeit, ihren spezifischen Fachkräftebedarf mit­
tels eines Anerkennungsverfahrens bei neu einzustel­
lendem Personal zu decken oder hierdurch ein in ihrer
Belegschaft vorhandenes Potenzial durch eine formale
Anerkennung zu erschließen.
Unterstützung durch die Betriebe
Für die Arbeitgeber öffnet sich hier ein weites Feld
denkbarer – ideeller, organisatorischer und auch mate­
rieller – Hilfestellungen. Die in der Betriebsbefragung
geäußerte Unterstützungsbereitschaft der befragten
Betriebe ist erfreulich groß: Fast 80 Prozent haben
keine Bedenken, Personen mit einer ausländischen
Berufsqualifikation einzustellen, und rund zwei Drittel
der befragten Betriebe wären zu einer Unterstützung
im Anerkennungsverfahren bereit. Diese vorhandene
Bereitschaft sollte in konkrete Maßnahmen umgewan­
delt werden, um die Chancen auf eine qualifikationsna­
he Beschäftigung der Mitarbeiter und die Integration
ausländischer Fachkräfte weiter zu erhöhen.
Es spricht also sehr viel dafür, dass eine passgenaue
Information insbesondere kleiner und mittlerer Be­
triebe über die Vorteile eines Anerkennungsverfahrens
zu einem Nutzen für den Betrieb und die Belegschaft
und letztlich zu mehr betrieblichem Engagement führt.
Hierdurch würde Potenzial der Arbeitnehmerinnen
und Arbeitnehmer in Bezug auf ihre formale Qualifika­
tion entdeckt und nutzbar gemacht sowie eine gelebte
Anerkennungskultur als Teil eines aktiven Diversity
Managements in den Betrieben gestärkt. Voraussetzung
ist allerdings, dass gerade kleinere Betriebe selbst eine
professionelle Beratung und Unterstützung in diesem
Prozess erhalten, die sie aufgrund ihrer Betriebsstruk­
turen selbst oft nicht leisten können.
Das BMBF unterstützt daher Projekte zur Sensibi­
lisierung und Unterstützung von Arbeitgebern und
Betriebsräten
43
und wird diese Aktivitäten 2015 weiter
ausweiten und intensivieren. Ergänzend bietet das
BQ­Portal einen guten ersten Überblick für Unterneh­
men über die Ziele und Vorteile der Anerkennung und
informiert über Best Practice­Beispiele aus Unterneh­
mersicht.
43 Siehe III-6.4.
In diesen Maßnahmen zur Erhöhung der Aktivität der
Betriebe im Kontext des Anerkennungsgesetzes wird

 
I DREI JAHRE ANERKENNUNGSGESETZ DES BUNDES – BILANZ UND PERSPEKTIVEN
31
ein erhebliches Potenzial zur Ansprache qualifizierter
Fachkräfte gesehen, die für beide Seiten – Arbeitgeber
und Arbeitnehmer – erhebliche Vorteile bringt.
Weitere Aktivitäten auf Bundesebene, die Betriebe bei
dem Ziel der Fachkräftesicherung und der Rekrutie­
rung von Personal aus dem Ausland unterstützen, sind
die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Ener­
gie unterstützte Internetplattform Kompetenzzentrum
Fachkräftesicherung (KOFA) sowie die „Qualifizierungs­
beratung“ der BA.
9. Fazit
Obgleich das Anerkennungsgesetz des Bundes erst seit
drei Jahren in Kraft ist, hat es sich in der Praxis bereits
vielfach bewährt: Laut amtlicher Statistik wurden von
April 2012 bis Dezember 2013 rund 26.500 Anträge
gestellt, von denen fast alle mit der Feststellung einer
vollen oder teilweisen Gleichwertigkeit der ausländi­
schen Berufsqualifikation beendet wurden.
Die Bundesregierung unternimmt große Anstrengun­
gen, damit noch mehr Menschen mit ausländischen
Abschlüssen von den Möglichkeiten der Anerkennung
profitieren können: Zur Information und für die Be­
ratung werden sehr umfangreiche und mehrsprachige
Angebote vorgehalten und im In­ und Ausland bewor­
ben. Die vorliegenden Daten zeigen, dass diese Ange­
bote sehr gut nachgefragt sind, der Informations­ und
Beratungsbedarf stetig steigt und damit die Grundlage
für eine erfolgreiche Anerkennung gelegt ist. Deshalb
wird der Bund die Informations­ und Beratungsange­
bote fortführen und weiterentwickeln.
Auch der Rechtsrahmen und die Bedingungen für
die Zuwanderung werden laufend verbessert, denn es
herrscht Einigkeit: Deutschland braucht ausländische
Fachkräfte. Ein zentrales Element für eine gelingende
Integration in den Arbeitsmarkt ist die Anerkennung
ihrer beruflichen Qualifikationen. Und viele Zuge­
wanderte und Flüchtlinge bringen einen Hochschul­
abschluss oder eine berufliche Ausbildung mit nach
Deutschland. Um die Zuwanderung dieser Fachkräfte
aus Drittstaaten weiter zu verbessern, ist die Verknüp­
fung der Anerkennungs­ und Zuwanderungsregeln
stärker in der Praxis der Auslandsvertretungen, der
Ausländerbehörden, der Arbeitsverwaltung und der
zuständigen Anerkennungsstellen zu etablieren und
mit einer gelebten Anerkennungs­ und Willkommens­
kultur auszufüllen.
Der Bericht zeigt zugleich: Nicht jede Beratung führt
zu einem Antrag. Die Gründe dafür sind unterschied­
lich – manche brauchen keine förmliche Anerkennung,
um in den Arbeitsmarkt zu kommen, andere brauchen
noch mehr Informationen über ihre Möglichkeiten
und Chancen, andere Ermutigung oder auch finanzielle
Unterstützung. Manchmal werden aber auch alternati­
ve Wege sinnvoller sein. Hierfür ist eine professionelle
Beratung, wie sie schon jetzt angeboten wird, entschei­
dend. Trotzdem können insbesondere Betriebe durch
bessere Informationen und gezielte Ansprache sowie
durch eine gelebte Anerkennungskultur eine größere
Rolle im Anerkennungsgeschehen spielen. Dafür wer­
den mit Unterstützung des Bundes mehr Arbeitgeber
gezielt über die Chancen der Anerkennung für ihre
Betriebe informiert.
Die größte Herausforderung liegt weiterhin in der
Vereinheitlichung des Verwaltungsvollzugs in einigen
Bereichen. Dafür bedarf es weiterer Bündelungen von
Kompetenzen und Zuständigkeiten – insbesondere die
zentrale Gutachtenstelle für Gesundheitsberufe durch
die Länder ist jetzt schnell einzurichten. Bereits gestar­
tet ist eine Verbesserung des Angebots für diejenigen
Antragsteller, deren Qualifikationen nur eine teilweise
Gleichwertigkeit bescheinigt wurde: Für sie werden
die Angebote für Anpassungsqualifizierung ausgebaut.
Dafür wird die Bundesregierung im Förderprogramm
IQ gemeinsam mit dem Europäischen Sozialfonds in
den nächsten Jahren insgesamt etwa 188 Millionen
Euro bereitstellen.
Die Bundesregierung stellt sich ungeachtet der bisher
erreichten Erfolge den bestehenden Herausforderun­
gen und wird sich auch weiterhin für die Verbesserung
der Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
zur Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland
einsetzen.

image
 
32
Einleitung zu den Teilen II bis IV

 
EINLEITUNG ZU DEN TEILEN II BIS IV
33
1. Einleitung
Drei Jahre nach dem Inkrafttreten des Anerkennungs­
gesetzes des Bundes legt das BIBB mit den Teilen II
bis IV dieses Berichts den zweiten Fachbericht zu den
Ergebnissen seiner im Auftrag des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführten
Untersuchungen zur Umsetzung des Gesetzes vor.
Der Auftrag, der Untersuchungsansatz – nach dem die
Perspektiven der verschiedenen Beteiligten zu einem
Gesamtbild der Praxis zusammenfügt werden – sowie
die methodische Herangehensweise wurden bereits
im ersten Bericht ausführlich dargestellt (siehe Erbe
u. a. 2014, S. 38 f.). Für den zweiten Bericht wurde eine
Reihe weiterer empirischer Untersuchungen durchge­
führt. Sie sind in den jeweiligen Kapiteln sowie in der
Datensatzbeschreibung im Anhang A2 beschrieben.
Der Bericht konzentriert sich erneut überwiegend auf
die Betrachtung der Bundesberufe. Der Fokus liegt
in diesem Berichtszeitraum wieder auf den bereits
in Deutschland lebenden Fachkräften mit einer im
Ausland erworbenen Qualifikation. Zusätzlich werden
erste Erkenntnisse zur Antragstellung aus dem Aus­
land berichtet. Der Schwerpunkt der Untersuchungen
lag in diesem Berichtszeitraum ebenfalls erneut auf
der Perspektive der zuständigen Stellen sowie der
Beratungseinrichtungen, wobei bei beiden zusätzliche
Akteure einbezogen wurden. Neu hinzugekommen ist
die Perspektive der Betriebe sowie punktuell die Per­
spektive der Anerkennungsinteressierten.
Die Teile II bis IV sind wie folgt aufgebaut: Die Teile II
und III aktualisieren die im ersten Bericht enthaltenen
Informationen und stellen somit jährlich wiederkeh­
rende Faktenberichte zu den Kernaspekten des Aner­
kennungsgeschehens dar. Teil IV enthält Detailanalysen
zu jährlich wechselnden, ausgewählten Fragestellungen
der Anerkennungspraxis sowie damit zusammenhän­
genden Entwicklungen (siehe Abbildung unten).
Die Abbildung gibt in stark reduzierter Form die ver­
schiedenen Schritte des Anerkennungsprozesses wie­
der, die im Detail auch Inhalt des vorliegenden Berichts
sind. Über jedem Kapitel findet sich die Darstellung
wieder und verdeutlicht, welcher der Schritte Inhalt
des jeweils vorliegenden Kapitels ist.
Teil II
zeichnet die Entwicklung der Rechtsgrundlagen
der beruflichen Anerkennung seit dem ersten Bericht
nach (Kapitel 1) und aktualisiert den Überblick über die
Akteure der Umsetzung der Gesetze (Kapitel 2).
Teil III
beleuchtet aktuelle Entwicklungen im An­
erkennungsgeschehen und orientiert sich dabei an
den Prozessen, die Personen beim Erwerb der Aner­
kennung ihrer im Ausland erworbenen Qualifikation
durchlaufen: vom Einholen der ersten Informationen
über Beratung bis zum Antrag bei der zuständigen
Stelle, dem Bescheid und eventuell sinnvollen An­
passungsqualifizierungen und schließlich bis zur
Verwertung des Gleichwertigkeitsbescheids auf dem
Arbeitsmarkt.
Kapitel 1 „
Information und Beratung
“ gibt einen Über­
blick darüber, welche Informations­ und Beratungs­
möglichkeiten von welchen Personengruppen genutzt
wurden. Berücksichtigt werden hierbei die Beratungs­
daten des Portals „Anerkennung in Deutschland“, der
Anerkennungshotline des Bundesamts für Migration
und Flüchtlinge (BAMF), der neuen Hotline „Arbeiten
Zielgruppe
Information &
Beratung
Verfahren
ggf. Anpassungs­
qualifizierung
Nutzung
für den Beruf
Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen, Akteure, Kosten)

34
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
und Leben in Deutschland“, der IQ­Erstanlaufstellen
und natürlich auch der Industrie­ und Handelskam­
mern sowie der Handwerkskammern. Darüber hinaus
bietet das Kapitel Informationen zur Nutzung des BQ­
Portals sowie der ZAB und anabin.
Kapitel 2
„Die amtliche Statistik für bundesrechtlich
geregelte Berufe“
zeigt ausgewählte Ergebnisse der auf
Grundlage des § 17 Berufsqualifikationsfeststellungs­
gesetzes (BQFG) (sowie der Regelungen im Fachrecht,
die auf § 17 BQFG verweisen) erhobenen Daten, für die
Jahre 2012 und 2013.
Kapitel 3 „
Bundeseinheitlicher Verwaltungsvollzug
des Anerkennungsgesetzes? – Ein Blick auf ausgewähl­
te Bereiche
“ geht der im Titel gestellten Frage nach.
Dazu wird die praktische Umsetzung der gesetzlichen
Regelungen im Verwaltungsvollzug näher betrachtet.
Ergebnisse der amtlichen Statistik werden in diesem
Kapitel um jene der eigenen qualitativen und quantita­
tiven Befragungen ergänzt.
Kapitel 4 „
Weitere Qualifizierung
“ beleuchtet insbeson­
dere die Möglichkeiten, die sich für Antragstellende
bei nicht reglementierten Berufen ergeben, wenn eine
teilweise Gleichwertigkeit festgestellt wird. Darüber
hinaus werden Ergebnisse der wbmonitor­Befragung
2014 dargestellt, die darüber Auskunft geben, inwieweit
bei den befragten Weiterbildungsanbietern auch Wei­
terbildungen im Rahmen der Anerkennung ausländi­
scher Berufsqualifikationen eine Rolle spielen.
Kapitel 5 „
Kosten und Finanzierung
“ gibt einen Über­
blick über anfallende Kosten im Rahmen einer Aner­
kennung sowie über die Entwicklung und die Nutzung
von Finanzierungsinstrumenten.
Kapitel 6 „
Betriebe
“ präsentiert die Ergebnisse der im
Auftrag des BIBB durchgeführten repräsentativen
telefonischen Befragung von 5.286 Betrieben. Hier­
bei stehen Fragen nach der Bekanntheit der sowie
Erfahrungen mit den Anerkennungsmöglichkeiten
bei Betrieben, nach der Beschäftigung von Personen
mit im Ausland erworbenem Berufsabschluss sowie
die Beschäftigungsmöglichkeiten der Zielgruppe im
Vordergrund.
In
Teil IV
werden im Rahmen von Detailstudien einzel­
ne Fragestellungen näher untersucht; hierfür werden
Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenge­
führt.
Kapitel 1 „
Entwicklung der Zielgruppe“
untersucht, wie
sich der Zuzug beruflich qualifizierter Ausländerinnen
und Ausländer nach Deutschland in den vergangenen
Jahren verändert hat und welche Auswirkungen sich
daraus für die Zielgruppe des Anerkennungsgesetzes
ergeben.
Kapitel 2 beleuchtet die „
Beratung zum Thema Aner­
kennung durch die Migrationsberatung für erwachsene
Zuwanderer und die Jobcenter
“.
In Kapitel 3 „
Von der Beratung zum Antrag
“ wird Grün­
den für die Diskrepanz zwischen den Beratungszahlen
und den Antragszahlen nachgegangen.

 
EINLEITUNG ZU DEN TEILEN II BIS IV
35
2. Danksagung
Als Team des BIBB­Anerkennungsmonitorings bedan­
ken wir uns ganz herzlich bei all jenen, die unsere Be­
fragungen und weiteren Untersuchungen unterstützt
haben beziehungsweise derzeit noch unterstützen und
auf diese Weise dazu beitragen, umfangreiche Er­
kenntnisse zur Umsetzung des Anerkennungsgesetzes
des Bundes zu gewinnen sowie Unterstützungs­ und
Anpassungsbedarf zu identifizieren.
Unser besonderer Dank geht an
die Kammerdachverbände ZDH und DIHK, die Vor­
Ort­Kammern in den Regionen sowie die IHK FOSA,
die unsere Befragung unterstützt beziehungsweise
sich daran beteiligt haben;
die für die Gesundheitsberufe zuständigen Länder­
behörden, die an unserer Befragung teilgenommen
haben;
die durchführenden Wohlfahrtsverbände der MBE
(DRK – Generalsekretariat, AWO Bundesverband
e.V., Deutscher Caritasverband, Evangelisches Werk
für Diakonie und Entwicklung e.V., Paritätischer
Gesamtverband, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden
in Deutschland e.V., Bund der Vertriebenen), die die
MBE in ihrer Trägerschaft gebeten haben, an der Be­
fragung teilzunehmen, sowie ganz besonders allen
MBE, die sich an unserer Befragung beteiligt haben;
die Koordinierungsstelle Migration der BA sowie die
Jobcenter und die Arbeitsagentur, die an der Befra­
gung teilgenommen haben;
das f­bb und das BAMF dafür, dass sie uns die Bera­
tungsdaten für weitere Auswertungen zur Verfü­
gung stellen;
die Fachstellen „Beratung und Qualifizierung“ und
„berufsbezogenes Deutsch“ im Förderprogramm
IQ – stellvertretend für verschiedene Akteure im IQ­
Netzwerk – für die vielfältige gute Zusammenarbeit.
Außerdem bedanken wir uns bei den Mitgliedern un­
seres Projektbeirats für die Beratung hinsichtlich der
durchgeführten Erhebungen und Ergebnisverwertung.

image
 
36
II
Entwicklung der Rechtsgrundlagen
und Akteure im Anerkennungsprozess

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
37
1. Die Anerkennungsgesetzgebung von Bund und Ländern und
angrenzende Rechtsgebiete
Zielgruppe
Information &
Beratung
Verfahren
ggf. Anpassungs­
qualifizierung
Nutzung
für den Beruf
Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen & Akteure)
Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die Entwick­
lung des rechtlichen Rahmens zur Anerkennung aus­
ländischer Berufsqualifikationen. Dargestellt werden
das Anerkennungsgesetz des Bundes mit den jüngsten
Änderungen, der Stand der Ländergesetzgebung sowie
die Entwicklung des EU­Rechts mit den Folgen für den
deutschen Rechtsrahmen. Auch die Rolle des Themas
Anerkennung im Rahmen des Aufenthalts­ und Be­
schäftigungsrechts wird in diesem Kapitel erläutert.
1.1 Anerkennungsgesetz des Bundes
Seit dem 1. April 2012 gilt das „Gesetz zur Verbesse­
rung der Feststellung und Anerkennung im Ausland
erworbener Berufsqualifikationen“ – kurz: Anerken­
nungsgesetz – des Bundes. Es schafft einen allgemeinen
Rechtsanspruch auf Prüfung der Gleichwertigkeit von
im Ausland erworbenen Berufsqualifikationen für die
rund 600 Berufe in der Zuständigkeit des Bundes und
legt die Verfahren dafür fest.
Das Anerkennungsgesetz ist ein sogenanntes Artikelge­
setz. Neben dem in Artikel 1 neu eingeführten „Gesetz
über die Feststellung der Gleichwertigkeit von Berufs­
qualifikationen“ – kurz: Berufsqualifikationsfeststel­
lungsgesetz (BQFG) – umfasst es in den Folgeartikeln 2
bis 61 Änderungen beziehungsweise Anpassungen in
den berufsrechtlichen Gesetzen und Verordnungen
wie beispielsweise der Bundesärzteordnung (BÄO) oder
dem Krankenpflegegesetz (KrPflG) (Fachrecht). Die Ziele
– Arbeitsmarktintegration und Fachkräftesicherung –
und die Inhalte des Gesetzes sowie seine Struktur und
Abgrenzung zu anderen Rechtsgrundlagen der berufli­
chen Anerkennung sind im ersten Bericht zum Aner­
kennungsgesetz erläutert (siehe Erbe u. a. 2014, S. 22 ff.).
Eine erstmalige Änderung des BQFG des Bundes erfolg­
te mit dem Inkrafttreten des E­Government­Gesetzes
des Bundes (EGovG) am 1. August 2013: Zum einen
wurde in der Regelung des Verfahrens, nach der der An­
trag schriftlich zu stellen war (§ 6 Absatz 1 Satz 2 BQFG),
das Wort „schriftlich“ gestrichen, sodass Anerkennungs­
verfahren nunmehr auch per E­Mail beantragt werden
können. Eine analoge Änderung erfolgte im Verwal­
tungsverfahrensgesetz (vgl. § 3a VwVfG elektronische
Kommunikation). Diese Änderung in § 6 Absatz 1 Satz 2
BQFG bezieht sich nur auf die Antragstellung. Die Form
der einzureichenden Unterlagen richtet sich weiterhin
nach §§ 5 und 12 Absatz 2 und 3, wonach Originale
oder beglaubigte Kopien vorzulegen sind, es sei denn,
die zuständige Behörde lässt auch einfache Kopien zu.
Zum anderen ergänzte das EGovG die Liste der von
den zuständigen Stellen zu meldenden Merkmale der
amtlichen Statistik um den Wohnort der Antragstellen­
den (§ 17 Absatz 2 Nr. 1 BQFG). Damit werden ab dem
Erhebungsjahr 2013 künftig Auswertungen ermöglicht,
wie beispielsweise zu regionalen Verteilungen oder dem
Anteil von Anträgen aus dem Ausland.
Im Bereich des Fachrechts hat der Bund zudem
ergänzende Rechtsverordnungen erlassen, um einem
deutlich gewordenen Regelungsbedarf Rechnung zu
tragen. So traten am 1. Januar 2014 zwei Verordnungen
des Bundesministeriums für Gesundheit in Kraft, die
bundeseinheitliche Verfahren zum Ziel haben (siehe im
Detail III­3.7):

 
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
38
Verordnung zur Durchführung und zum Inhalt von
Anpassungsmaßnahmen sowie zur Erteilung und
Verlängerung von Berufserlaubnissen in Heilberu­
fen des Bundes vom 2. August 2013 (BGBl. I, S. 3005),
Ausbildungs­ und Prüfungsverordnung für Notfall­
sanitäterinnen und Notfallsanitäter vom 16. Dezem­
ber 2013 (BGBl. I, S. 4280).
Bis zum Ende des diesjährigen Berichtszeitraumes am
31. Dezember 2014 befanden sich zudem weitere Ände­
rungen des Bundesgesetzes in Vorbereitung, mit denen
die Fortentwicklung des EU­Rechts umgesetzt werden
soll (siehe II­1.3).
1.2 Anerkennungsgesetze der Länder
Für die Berufe in Zuständigkeit der Länder sind im
Zeitraum zwischen 1. August 2012 und 1. Juli 2014 in
allen 16 Ländern
Landes-Anerkennungsgesetze
in
Kraft getreten (vgl. die Übersicht über die Daten des
Inkrafttretens in Abbildung 1 sowie die Übersicht über
die Bezeichnungen und Fundstellen der Gesetze in der
Tabelle 15 im Anhang). In weitgehender Übereinstim­
mung mit dem Bundesgesetz und mit dem Ziel, die
Verfahren zu vereinheitlichen, enthalten die Landesge­
setze in Artikel 1 die gleichen Rahmenbedingungen, die
auch für das BQFG des Bundes gelten.
Abbildung 1 Übersicht über die Anerkennungsgesetzgebung in Deutschland (Daten des Inkrafttretens der Gesetze
von Bund und Ländern)
2012
2013
2014
2015
2016
Quelle: Angaben nach Tabelle 15 im Anhang; Darstellung des BIBB.
Sachsen-Anhalt 01.07.14
Schleswig-Holstein 27.06.14
Thüringen 01.05.14
Berlin 20.02.14
Bremen 06.02.14
Baden-Württemberg 11.01.14
Brandenburg 01.01.14
Sachsen 31.12.13
Rheinland-Pfalz 16.10.13
Bayern 01.08.13
Nordrhein-Westfalen 15.06.13
Mecklenburg-Vorpommern 29.12.12
Hessen 21.12.12
Niedersachsen 19.12.12
Saarland 30.11.12
Hamburg 01.08.12
Bundesgesetz 01.04.12
Der Anwendungsbereich der Landes­Anerkennungsge­
setze ist unterschiedlich, da sich die Länder für unter­
schiedliche Reichweiten entschieden haben (sogenann­
ter Ein­ und Ausbezug von Berufen aus dem jeweiligen
Landes­BQFG). Alle Länder haben übereinstimmend in
ihren BQFG geregelt, dass die BQFG der Länder jeweils
vorrangig gelten. Die Nichtanwendung des BQFG­Land
erfordert eine entsprechende Änderung des speziellen
Berufsgesetzes, in der erklärt wird, dass das BQFG nicht
anzuwenden ist (eingeschränkte Subsidiarität durch
erforderlichen Ausbezug). Auch bei Ausbezug von der
Anwendung des BQFG ist es jedoch möglich, dass im je­
weiligen Fachgesetz dem BQFG analoge Anerkennungs­
regelungen erfolgen. Betrachtet man beispielsweise

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
39
die in der Beratung stark nachgefragten Berufe, wurde
der Ein­ oder Ausbezug wie folgt
44
geregelt: Beim Beruf
Erzieherin und Erzieher erfolgt die Anerkennung weit­
gehend einheitlich nach den BQFG der Länder. Beim
Beruf Lehrerin und Lehrer übernehmen sieben Länder
die Anerkennungsverfahren des Bundes, während neun
Länder davon abweichen (Baden­Württemberg, Bayern,
Hessen, Niedersachsen, NRW, Rheinland­Pfalz, Saar­
land, Sachsen­Anhalt und Schleswig­Holstein). So sieht
Bayern keine Anerkennungsmöglichkeit für Drittstaats­
angehörige vor und NRW lässt Drittstaatsangehörige
nur zum Vorbereitungsdienst zu. Bei der Berufsbe­
zeichnung Ingenieurin und Ingenieur übernehmen
sieben Länder die Anerkennungsverfahren des Bundes,
während neun Länder davon abweichen.
44 Angaben nach einer Präsentation des BMBF beim Dialoggremium
der IQ-Fachstelle „Qualifizierung“ in Berlin am 8. Oktober 2014.
Wie auch beim Bundes­Anerkennungsgesetz erfordert
die notwendige Umsetzung der EU­Richtlinie 2013/55/
EU Anpassungen in allen Länder­Anerkennungsrege­
lungen bis zum Januar 2016 (siehe II­1.3).
1.3 Entwicklungen des EU-Rechts und Folgen
für den deutschen Rechtsrahmen
Seit rund zehn Jahren gilt in der Europäischen Union die
Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikati­
onen 2005/36/EG, kurz: Berufsanerkennungsrichtlinie.
Sie konsolidiert die früheren Regeln zur gegenseitigen
Anerkennung und schafft die Voraussetzung dafür, dass
die Unionsbürgerinnen und Unionsbürger ihre Rechte
auf Arbeitnehmerfreizügigkeit, Niederlassungs­ und
Dienstleistungsfreiheit in allen EU­Mitgliedsstaaten
ausüben können. Zur Umsetzung der Richtlinie hatten
die Mitgliedsstaaten Gesetze erlassen oder geändert, um
diesem Personenkreis die entsprechenden Rechte einzu­
räumen. In Deutschland haben die Anerkennungsgeset­
ze von Bund und Ländern aus den Jahren 2011 bis 2014
diesen Rechtsanspruch teilweise auf alle ausländischen
Berufsqualifikationen ausgeweitet.
Mit dem Ziel, das Wirtschaftswachstum in der EU zu
fördern, sowie aufgrund von festgestellten Hindernissen
bei der praktischen Inanspruchnahme der Rechte hat
die EU im Jahr 2013 eine umfassende Novellierung der
Regeln vorgenommen. Sie trat am 17. Januar 2014 mit
der Richtlinie 2013/55/EU zur Änderung der Richtlinie
von
2005 in Kraft.
45
45 Richtlinie 2013/55/EU des Europäischen Parlaments und des Rates
vom 20. November 2013 zur Änderung der Richtlinie 2005/36/EG
über die Anerkennung von Berufsqualifikationen und der Verord­
nung (EU) Nr. 1024/2012 über die Verwaltungszusammenarbeit
mithilfe des Binnenmarkt-Informationssystems („IMI-Verordnung“),
Amtsblatt der Europäischen Union L 354 vom 28. Dezember 2012.
Die Richtlinie sieht für reglementierte Berufe zudem ein Stufen­
modell mit einer Bestandsaufnahme und einem Aktionsplan jedes
Mitgliedsstaats vor („Transparenzinitiative“).
Zur Umsetzung der Novelle sind
wiederum Änderungen des nationalen Rechts erforder­
lich, welche bis zum 18. Januar 2016 in Kraft getreten
sein müssen. In Deutschland ergibt sich daraus ein
Änderungsbedarf in den BQFG von Bund und Ländern
sowie in allen Berufsgesetzen und ­verordnungen, die
die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
regeln. Mit dem Ziel eines abgestimmten Vorgehens von
Bund und Ländern berieten verschiedene Gremien
46
auch im Laufe des Jahres 2014 über die erforderlichen
Änderungen.
46 Darüber berieten zum einen die Unterarbeitsgruppe „Rechtsetzung“
(UAG 1) der AG „Koordinierende Ressorts“ und zum anderen die
vom federführenden BMBF einberufene Arbeitsgruppe Vollzug, an
der einige Akteure der Umsetzungspraxis beteiligt sind. Zu beiden
Gremien vgl. Erbe u. a. (2014, S. 34).
Für den Bund hat das BMBF im Februar
2015 den Entwurf eines BQFG­Änderungsgesetzes
vorgelegt, der am 1. April 2015 vom Bundeskabinett
beschlossen wurde.
47
47 Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Berufsqualifikationsfest
stellungsgesetzes und anderer Gesetze.
Damit wird der Regelungsbedarf
der Richtlinie, der in den Anwendungsbereich des
BQFG und der Gewerbeordnung fällt, umgesetzt. Das
parlamentarische Verfahren soll bis Ende 2015 abge­
schlossen sein, damit ein Inkrafttreten bis zum Ablauf
der Umsetzungsfrist gewährleistet ist.
Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Neuerungen
der Richtlinien­Novelle mit dem Anpassungsbedarf
im nationalen Recht. Vor dem Hintergrund des An­
wendungsbereichs der EU­Richtlinie beziehen sich die
Neuerungen überwiegend auf die Regelungen zu regle­
mentierten Berufen und Abschlüssen aus der EU, dem
Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der Schweiz.
Mit dem Ziel, einheitliche Verfahren und Rechte analog
zum Anerkennungsgesetz zu ermöglichen, wurde eine
entsprechende Ausweitung auf alle ausländischen
Berufsqualifikationen diskutiert, insbesondere aus tech­
nischen Gründen (keine Teilnahme von Drittstaaten am
Binnenmarkt­Informationssystem IMI). In den meisten
Fällen wird eine Ausweitung wohl nicht erfolgen.
­

40
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Abbildung 2 Änderungsbedarf infolge der Novellierung der EU-Berufsanerkennungsrichtlinie
Inhalte der novellierten Richtlinie 2005/36/EG
für einige Berufe (zunächst Krankenpfleger, Apothekerin,
Physiotherapeut, Bergführer und Immobilienmaklerin)
wird ein
Europäischer Berufsausweis
eingeführt
ein
partieller Zugang zu einem Beruf
soll ermöglicht werden*
erforderliche deutsche
Sprachkenntnisse
dürfen erst
nach
Feststellung der Gleichwertigkeit geprüft werden
zuständige Stellen müssen eine
Eignungsprüfung innerhalb
von 6 Monaten
nach der Entscheidung ermöglichen
Anträge nehmen auf Wunsch künftig auch die
Einheitlichen
Ansprechpartner (EA)
aus der Dienstleistungs-RL entgegen und
leiten sie an zuständige Stellen weiter
Anerkennungsverfahren sollen „leicht aus der Ferne und
elektronisch
“ beantragt und abgewickelt werden können**
Einführung eines Vorwarnmechanismus bei Verwendung gefälschter
Nachweise über Berufsqualifikationen im Anerkennungsverfahren
Erforderliche Anpassungen im deutschen Rechtsrahmen
Umsetzung in BQFG bzw. Berufsgesetzen***,
teilweise durch Verordnungsermächtigung
Umsetzung in Berufsgesetzen
Umsetzung in Berufsgesetzen (vgl. III-3.8 Verfahren);
BQFG enthält keine solchen Regelungen
Umsetzung in BQFG bzw. Berufsgesetzen***
EA sind im Verwaltungsverfahren bereits eingeführt,
ihre Zuständigkeit ist in BQFG bzw. Berufsgesetzen***
anzuordnen
Umsetzung in BQFG bzw. Berufsgesetzen***
(über die eGovG-Änderung hinaus)
Umsetzung in BQFG bzw. Berufsgesetzen***
*
Bei den reglementierten Berufen kann bisher keine Teilanerkennung erfolgen. Sofern wesentliche Unterschiede festgestellt werden, sind diese
über eine Ausgleichsmaßnahme zu kompensieren, damit eine volle Anerkennung ausgesprochen werden kann.
**
Im Fall begründeter Zweifel an der Echtheit der Unterlagen können auch beglaubigte Kopien verlangt werden.
*** Soweit das BQFG nicht anwendbar ist.
Quelle: Darstellung des BIBB anhand des Entwurfs eines Gesetzes zur Änderung des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes
und anderer Gesetze vom 1. April 2015 sowie der Darstellung des BMBF „Wichtige übergreifende Änderungen der RL 2005/36/EG
ohne Umsetzungsbedarf im BQFG“ für die AG Vollzug vom 22. September 2014.
Der Gesetzentwurf zur Änderung des BQFG und der
Gewerbeordnung enthält unter anderem die Einfüh­
rung der Option einer elektronischen Übermittlung
von Anträgen und Unterlagen innerhalb der EU und
des EWR sowie die Einführung einer Frist von sechs
Monaten für die Ablegung von Eignungsprüfungen,
die erforderlich sind, um die volle Gleichwertigkeit der
ausländischen Berufsqualifikation zu erreichen.
Ein wesentliches Anliegen der Richtlinien­Novelle ist
die Vereinfachung der Informationsbeschaffung und
Antragstellung aus dem Ausland: Die Einheitlichen An­
sprechpartner
48
können nun auch für Anerkennungs­
verfahren genutzt werden. Sie wurden in Umsetzung
der Dienstleistungsrichtlinie (DLRL) durch die dafür
zuständigen Länder eingerichtet
für alle Verwaltungs­
verfahren, die unter die Dienstleistungsrichtlinie fallen.
Dafür wurde in den Verwaltungsverfahrensgesetzen
von Bund und Ländern das „Verfahren über eine
einheitliche Stelle“ eingeführt. Die länderspezifische
Ausgestaltung ist in Gesetzen zu den Einheitlichen An­
sprechpartnern geregelt. Die Zuständigkeitsverteilung
und Befugnisse zwischen beteiligten Behörden werden
nicht berührt. Dem Einheitlichen Ansprechpartner
kommt lediglich die Rolle eines „Verfahrensmittlers“
zu, der mit den zuständigen Behörden zusammenar­
beiten und die nötigen Informationen online bereit­
stellen muss.
48 Vgl.
http:/
/einheitlicher-ansprechpartner.info
(Abruf:
18. März 2015).

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
41
Zur Fortführung der von Bund und Ländern gemein­
sam verfolgten Einheitlichkeit des Rechtsrahmens
wurde auch zum Umsetzungsbedarf der EU­Berufs­
anerkennungsrichtlinie entsprechend des MPK­
Beschlusses vom 15. Dezember 2010 ein gemeinsames
Muster­BQFG­Änderungsgesetz zwischen Bund und
Ländern entworfen. Aufgrund der unterschiedlichen
Zuständigkeiten in der föderalen Grundordnung sowie
der unterschiedlichen Anwendungsbereiche der BQFGs
wird es in den Änderungsgesetzen der Länder und des
Bundes bei einzelnen Regelungen unterschiedliche
Ausgestaltungen geben.
1.4 Anerkennung und Aufenthalts- sowie
Beschäftigungsrecht
Damit das Anerkennungsgesetz seine Wirkung entfal­
ten kann und eine qualifikationsnahe Beschäftigung
möglich wird, ist die Verknüpfung der Anerkennungs­
regelungen mit dem Aufenthalts­ und Beschäftigungs­
recht von hoher Relevanz. Die Anerkennung auslän­
discher Berufsqualifikationen wird von den Personen
beantragt, die (qualifikationsnah) in Deutschland
berufstätig werden möchten. Anträge auf Anerken­
nung können zwar unabhängig vom Aufenthaltstitel,
der Staatsangehörigkeit und des Wohnsitzes gestellt
werden, es besteht aber dennoch eine wechselseitige
Abhängigkeit zwischen Aufenthalts­ beziehungswei­
se Beschäftigungsrecht und der Anerkennung einer
ausländischen Berufsqualifikation. Personen aus einem
sogenannten Drittstaat dürfen in Deutschland grund­
sätzlich nur dann arbeiten, wenn dies in der Aufent­
haltserlaubnis ausdrücklich vermerkt ist.
49
49 Für EU-Bürgerinnen und -Bürger und Staatsangehörige aus EWR-
Staaten sowie der Schweiz gilt die Arbeitnehmerfreizügigkeit.
Gleichzeitig
kann die Entscheidung für die Erteilung eines Auf­
enthaltstitels von der erfolgreichen Anerkennung der
Berufsqualifikation abhängig sein. Im Folgenden soll
ein Überblick über die in diesem Zusammenhang rele­
vanten Regelungen gegeben werden. Dabei werden die
rechtlichen Änderungen der letzten drei Jahre (2012 bis
2014) berücksichtigt, die der Gesetzgeber zur Erleichte­
rung der Fachkräftezuwanderung von Drittstaatsange­
hörigen vorgenommen hat.
1.4.1 Umsetzung der Hochqualifizierten-Richtlinie
zum 1. August 2012
Durch das Gesetz zur Umsetzung der Hochqualifizier­
ten­Richtlinie der Europäischen Union
50
, das dem Ziel
dient, den Standort Deutschland für gut ausgebildete
Fachkräfte attraktiver zu gestalten, haben sich Ände­
rungen für den Bereich des Arbeitsmarktzugangs für
Drittstaatsangehörige ergeben.
50 BGBl. I 2012, S. 1224. Am 1. August 2012 ist das Umsetzungsgesetz
zur Hochqualifizierten-Richtlinie (Richtlinie 2009/50/EG) in Kraft
getreten. Durch dieses Gesetz wird unter anderem mit § 19a Auf­
enthG die Blaue Karte EU als neuer Aufenthaltstitel eingeführt.
Mit der
Blauen Karte EU
(§ 19a Aufenthaltsgesetz
(AufenthG)) wurde im August 2012 ein neuer Aufent­
haltstitel für Drittstaatsangehörige mit akademischem
Abschluss und einem konkreten Arbeitsplatzangebot
eingeführt. Voraussetzung ist ein abgeschlossenes, in
Deutschland anerkanntes Hochschulstudium
51
und
ein Arbeitsvertrag beziehungsweise eine verbindliche
Stellenzusage mit einem bestimmten Jahresbruttoge­
halt.
52
51 Wenn der Hochschulabschluss nicht in Deutschland erworben
wurde, muss der Abschluss entweder anerkannt oder mit einem
deutschen Hochschulabschluss vergleichbar sein (§ 19a Absatz 1
Nr. 1a AufenthG).
52 Die Höhe ergibt sich aus § 2 BeschV. 2014 musste das Jahresbrutto
gehalt mindestens 47.600 Euro betragen.
Für Inhaberinnen und Inhaber der
Blauen Karte
EU
besteht die Möglichkeit auf Erteilung eines unbe­
fristeten Aufenthaltstitels (Niederlassungserlaubnis)
nach 33 Monaten hochqualifizierter Beschäftigung.
Wenn sie ausreichende Sprachkenntnisse
53
besitzen,
verkürzt sich die Frist auf 21 Monate.
53 Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens (GER).
Die Einreise für
Familienmitglieder von Inhaberinnen und Inhabern
der
Blauen Karte EU
wird dadurch erleichtert, dass
diese vor der Einreise keine deutschen Sprachkenntnis­
se vorweisen müssen.
54
54 Vgl. § 30 I 2 Nr. 5 AufenthG.
Die für die Familienmitglieder
von Inhaberinnen und Inhabern einer Blauen Karte EU
privilegierende Möglichkeit, sofort uneingeschränkt
erwerbstätig werden zu können
55
, gilt inzwischen für
alle Familienangehörigen mit einem Aufenthaltstitel
zum Familiennachzug.
55 Vgl. § 29 V Nr. 2 AufenthG a. F.
Mit
§ 18c AufenthG
wurde ein Aufenthaltstitel zur Ar­
beitsplatzsuche eingeführt. Die bisher übliche Verbin­
dung von Arbeitsstelle und Aufenthaltsgenehmigung
­

42
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
wird mit dieser Änderung aufgehoben und ein befris­
tetes Aufenthaltsrecht für Arbeitsuchende eingeführt,
das nicht einen Nachweis über ein bereits bestehendes
Beschäftigungsangebot voraussetzt. Mit dieser Rege­
lung können akademisch qualifizierte Personen eine
Aufenthaltserlaubnis für sechs Monate erhalten, wenn
sie nachweisen, dass sie über ausreichende finanziel­
le Mittel verfügen, um ihren Lebensunterhalt selbst
zu bestreiten. Der ausländische Hochschulabschluss
muss – wie auch bei Beantragung der
Blauen Karte EU
anerkannt oder einem deutschen Abschluss vergleich­
bar sein. Die Aufenthaltserlaubnis berechtigt nicht zur
Erwerbstätigkeit.
Für beide Aufenthaltstitel nach § 19a und § 18c
AufenthG ist Tatbestandsvoraussetzung ein anerkann­
ter oder ein einem deutschen Hochschulabschluss
vergleichbarer ausländischer Hochschulabschluss.
Für die Visaerteilung ist geübte Verwaltungspraxis der
Visastellen, die Vergleichbarkeit durch Abgleich mit der
Datenbank anabin
56
festzustellen oder, falls dort nicht
auffindbar, den Antragstellenden auf eine Zeugnisbe­
wertung im Einzelfall nach der sogenannten Lissabon­
Konvention durch die Zentralstelle für ausländisches
Bildungswesen (ZAB) zu verweisen. Zudem wird ge­
prüft, wieweit darüber hinaus vorliegende Erkenntnisse
der Auslandsvertretung vor Ort über einzelne Studien­
gänge und ­abschlüsse, die von besonderem Interesse
wären und gegebenenfalls bereits durch OECD­Part­
nerstaaten als vergleichbar eingestuft werden, ebenfalls
Grundlage für eine Prüfung der Vergleichbarkeit durch
die Visastelle bilden können.
56 Vgl.
http:/
/anabin.kmk.org
(Abruf:
18. März 2015).
Bei reglementierten Berufen muss zwischen dem
Berufszugang und dem zugrunde liegenden Hoch­
schulabschluss unterschieden werden. In den Fällen, in
denen die Akademikerinnen oder Akademiker in dem
reglementierten Beruf arbeiten wollen (zum Beispiel
Ärztinnen und Ärzte oder Lehrerinnen und Lehrer),
ist die Anerkennung des Abschlusses notwendig, um
die Blaue Karte EU erhalten zu können. In diesen
Fällen ist die Anerkennung bei der zuständigen Stelle
in Deutschland zu beantragen. In den sonstigen Fällen
(zum Beispiel für eine medizinische Tätigkeit in der
Forschung beziehungsweise bei einer Versicherung
oder für die Erteilung einer Berufserlaubnis bei akade­
mischen Heilberufen) ist eine Einstufung der Gleich­
wertigkeit
nach der Datenbank anabin der ZAB wie bei
nicht reglementierten Berufen ausreichend.
Eine der „Qualifikation angemessene Beschäftigung“
im Sinne von § 19a AufenthG bedeutet nicht zwangs­
läufig die Beschäftigung in diesem reglementierten
Beruf (zum Beispiel als Ärztin oder Arzt), sondern eine
Beschäftigung, die erstens üblicherweise nur mit einem
Hochschulabschluss ausgeübt werden kann und zwei­
tens einen Zusammenhang mit den in der Hochschul­
ausbildung erworbenen Kenntnissen erkennen lässt
beziehungsweise die mit der Hochschulausbildung
erworbenen Kenntnisse zumindest teilweise oder mit­
telbar benötigt werden. Insofern kann zum Beispiel ein
Arzt auch in der Pharmabranche beschäftigt werden.
Insgesamt wurden 15.308 Blaue Karten EU (nach § 19a
Absatz 1 AufenthG)
57
seit Inkrafttreten am 1. August
2012 bis 31. Dezember 2013 in Deutschland erteilt
(BAMF 2015a, S. 78), bis 31. Dezember 2014 waren es
25.165.
57 Damit befindet sich diese Zahl in einer ähnlichen Größenordnung
wie die positiv beschiedenen Verfahren im Rahmen des Anerken­
nungsgesetzes des Bundes.
Zum selben Stichtag waren davon noch 20.421
Personen im Besitz der Blauen Karte EU.
58
58 3.714 Ausländerinnen und Ausländer, die zuvor eine Blaue Karte EU
besaßen, haben von den günstigen Regelungen zum Erhalt eines
Daueraufenthaltsrechts profitiert und inzwischen eine Niederlas­
sungserlaubnis erhalten.
Unter die­
sen befanden sich 14.577 Fachkräfte (71,4 Prozent),
die erstmals eine (hochqualifizierte) Beschäftigung
in Deutschland aufgenommen haben, darunter 9.665
Neu­Zugewanderte und 4.912 Drittstaatsangehörige,
die in Deutschland ein Studium oder eine Aus­ und
Weiterbildung absolviert hatten. Hauptherkunftslän­
der sind Indien (21,2 Prozent), China (8,5 Prozent) und
die Russische Föderation (7,8 Prozent) (BAMF 2015b).
Damit ist Deutschland innerhalb der EU Spitzenreiter
bei der Blauen Karte EU. Laut Sachverständigenrat
deutscher Stiftungen für Integration und Migration
(SVR) ist das Potenzial der Blauen Karte EU als Instru­
ment, Europa als Einwanderungskontinent attraktiver
zu machen, gesamteuropäisch betrachtet bei Weitem
noch nicht ausgeschöpft (vgl. SVR 2014a).

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
43
1.4.2 Zuwanderung in Berufen mit Fachkräfte­
mangel – Die neue Beschäftigungsverordnung
Zum 1. Juli 2013 ist eine Neufassung der Beschäfti­
gungsverordnung (BeschV)
59
in Kraft getreten, die die
bisherige BeschV und die Beschäftigungsverfahrens­
ordnung (BeschVerfV) ersetzt und die Zulassung aller
Migrantinnen und Migranten zum Arbeitsmarkt re­
gelt.
60
Ziel der Verordnung ist es, das Ausländerbeschäf­
tigungsrecht übersichtlicher zu gestalten und damit die
Fachkräftebasis zu sichern.
59 BGBl. I 2013, S. 1499.
60 Bisher war der Arbeitsmarktzugang für neueinreisende sowie
bereits im Inland lebende Ausländerinnen und Ausländer in diesen
zwei Verordnungen geregelt: Verordnung über die Zulassung von
neueinreisenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäftigung
(Beschäftigungsverordnung – BeschV) vom 22. November 2004
(BGBl. I, S. 2937); Verordnung über das Verfahren und die Zulassung
von im Inland lebenden Ausländern zur Ausübung einer Beschäf­
tigung (Beschäftigungsverfahrensverordnung – BeschVerfV) vom
22. November 2004 (BGBl. I, S. 2934).
Vor allem aber öffnen die Regelungen den Arbeits­
markt erstmalig allgemein für Drittstaatsangehörige,
die im Ausland eine Berufsausbildung abgeschlossen
haben (§ 6 BeschV). Bis dahin hatten nicht akade­
mische Fachkräfte nur die Möglichkeit, im Rahmen
von bestehenden Vermittlungsabsprachen zwischen
Deutschland und einem Drittstaat einen Arbeitsmarkt­
zugang zu erhalten. Mit der neuen BeschV ist eine
arbeitsmarktbedarfsbezogene Zuwanderung nun auch
in den Ausbildungsberufen möglich. Voraussetzung
dafür ist die Feststellung der Gleichwertigkeit des aus­
ländischen Bildungsabschlusses nach dem BQFG
61
, eine
Arbeitsplatzzusage und ein Engpass auf dem deutschen
Arbeitsmarkt in dem entsprechenden Beruf.
62
61 Die ausländischen Fachkräfte müssen einen Bildungsabschluss
nachweisen, der mit einer deutschen, mindestens zweijährigen
Ausbildung vergleichbar ist.
62 Die Engpassberufe werden von der BA in ihrer Positivliste geführt:
http:/
/www.arbeitsagentur.de/web/wcm/idc/web/wcm/idc/
groups/public/documents/webdatei/mdaw/mta4/~edisp/
l6019022dstbai447048.pdf (Abruf: 18. März 2015).
Hat die
Bundesagentur für Arbeit (BA) einen solchen Engpass
identifiziert, erteilt sie die Zustimmung zur Erwerbs­
tätigkeit in Deutschland ohne vorherige Vorrangprü­
fung.
63
63 Feststellung, dass für den betreffenden Arbeitsplatz keine Deutsche
beziehungsweise kein Deutscher oder keine sonst bevorrechtigte
Arbeitnehmerin beziehungsweise kein sonst bevorrechtigter Arbeit­
nehmer aus der EU/EWR/Schweiz zur Verfügung steht.
Wenn für die Feststellung der Gleichwertigkeit
eine befristete praktische Tätigkeit erforderlich ist (zum
Beispiel Praktikum, betrieblicher Anpassungslehrgang),
kann nach § 8 BeschV
die BA die Zustimmung für die­
sen Zeitraum erteilen.
Antragstellende aus dem Ausland haben damit die
Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel zum Zweck der
Weiterbildung nach § 17 AufenthG zu beantragen. Als
gesetzliche Neuerung ist geplant, einen neuen Aufent­
haltstitel (§ 17a AufenthG) einzuführen, der sämtliche
Bildungsmaßnahmen im Kontext von Anerkennungs­
verfahren abdeckt und gleichzeitig die Möglichkeit
bietet, eine begleitende Beschäftigung in einem mit
dem geplanten Beruf zusammenhängenden Bereich
auszuüben
64
(siehe III­3.1).
64 Gesetzentwurf der Bundesregierung vom 3. Dezember 2014, BRat-
Drs 642/14.
Für bestimmte Berufe
besteht eine Sonderregelung, die einen sogenannten
„brain drain“ in sensiblen Bereichen der öffentlichen
Daseinsvorsorge verhindern soll. So darf Gesundheits­
personal aus den 57 Ländern, in denen nach den Fest­
legungen der Weltgesundheitsorganisation selbst ein
Mangel an Personal besteht, in Deutschland nur dann
arbeiten, wenn sich die interessierten Fachkräfte selbst
eine Arbeitsstelle gesucht haben.
65
65 Die Verordnung zur Änderung der BeschV vom 7. November 2013
schließt die Anwerbung und private Arbeitsvermittlung von Gesund­
heitspersonal aus diesen Ländern aus.
1.4.3 Arbeitsmarktzugang für Flüchtlinge
Die Neufassung der BeschV enthält auch grundlegende
Erleichterungen beim Arbeitsmarktzugang für Asyl­
suchende mit einer Aufenthaltsgestattung und für
Migrantinnen und Migranten mit einer Aufenthalts­
erlaubnis aus völkerrechtlichen, humanitären oder
politischen Gründen. Personen, denen aus humanitä­
ren Gründen eine Aufenthaltserlaubnis (§§ 22 bis 25
AufenthG) erteilt wurde, können jetzt eine uneinge­
schränkte Arbeitserlaubnis erhalten, die die Ausländer­
behörden erteilen. Die bisher notwendige Zustimmung
der BA und die damit verbundene Vorrangprüfung
entfallen.
Auch für Asylsuchende mit Aufenthaltsgestattung
wurde der Arbeitsmarktzugang erleichtert. Die Warte­
frist in § 61 Absatz 2 Asylverfahrensgesetz (AsylVfG)
wurde durch Artikel 1 Nr. 1 des
Gesetzes zur Einstufung
weiterer Staaten als sichere Herkunftsstaaten und zur

44
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber
und geduldete Ausländer
mit Wirkung zum 6. Novem­
ber 2014 von neun auf drei Monate verkürzt.
Nach Ende der dreimonatigen Wartefrist ist im Regel­
fall die Zustimmung der BA notwendig und an das
Vorliegen bestimmter Voraussetzungen geknüpft.
66
66 Zum Beispiel wird bei der Vorrangprüfung festgestellt, ob eine
bestimmte Arbeitnehmerin beziehungsweise ein bestimmter Arbeit­
nehmer für den konkreten Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Bevor­
rechtigt sind insbesondere Deutsche, EU-Bürgerinnen und -Bürger
und sonstige Ausländerinnen und Ausländer, denen aufgrund ihres
Aufenthaltstitels die Erwerbstätigkeit gestattet ist (§ 39 Absatz 2
Nr. 1b AufenthG).
Al­
lerdings ist auch für Asylbewerberinnen und ­bewerber
der Zugang zu Berufsausbildungen und für Hoch­
qualifizierte zu Beschäftigung nach den Regelungen
der Blauen Karte EU zustimmungsfrei. Für Fachkräfte
nach § 2 BeschV (Hochqualifizierte) oder Fachkräfte in
Engpassberufen (§§ 6 und 8 BeschV) entfällt die Vor­
rangprüfung bereits mit Arbeitsmarktzugang. Für alle
anderen entfällt die Vorrangprüfung nach 15­monati­
gem rechtmäßigem Aufenthalt in Deutschland.
Unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthalts­
titel können Flüchtlinge eine im Ausland erworbene
Berufsqualifikation nach dem Anerkennungsgesetz des
Bundes auf Gleichwertigkeit mit der entsprechenden
deutschen Qualifikation prüfen lassen.
Ausdrückliche Intention des Gesetzgebers war es,
durch die Möglichkeit der Anerkennung der auslän­
dischen Berufsqualifikation auch für Flüchtlinge die
Erfolgsaussichten auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen
beziehungsweise bei bundesrechtlich reglementierten
Berufen (wie zum Beispiel Gesundheits­ und Kranken­
pflegerin und -pfleger) einen Zugang zum Arbeitsmarkt
im betreffenden Beruf überhaupt erst zu ermöglichen.
In den „Erläuterungen zum Anerkennungsgesetz“ des
BMBF heißt es hierzu:
„[D]er durch das Arbeitsmigrationssteuerungsgesetz
von 2009 neu eingefügte § 18a AufenthG [ermöglicht es]
Geduldeten, eine Aufenthaltserlaubnis zu bekommen,
wenn sie eine ihrem Abschluss entsprechende Beschäfti­
gung finden. Die Eröffnung des Anerkennungsverfahrens
für Geduldete verhilft dieser Vorschrift, die im Interesse
der Sicherung des Fachkräftebedarfs eingeführt wurde, zu
mehr Wirksamkeit.“ (BMBF 2012, S. 16).
Die frühzeitige arbeitsmarktbezogene Unterstützung
für Flüchtlinge ist auch Ziel
des Modellprojekts „Jeder
Mensch hat Potenzial – Arbeitsmarktintegration von
Asylbewerberinnen und Asylbewerbern“, das die BA,
das BAMF und das vom Europäischen Sozialfonds
(ESF) geförderte Bundesprogramm „XENOS – Arbeits­
marktrechtliche Unterstützung für Bleibeberechtigte
und Flüchtlinge“ initiiert haben und welches bis Ende
2015 verlängert wurde. Das Projekt verfolgt das Ziel,
frühzeitig Potenziale für den Arbeitsmarkt zu iden­
tifizieren und gezielt Vermittlungsdienstleistungen
bereitzustellen. Nach dem Prinzip „Early Intervention“
können Asylbewerberinnen und Asylbewerber so früh­
zeitig und zugeschnitten auf ihr Qualifikationsprofil
in Prozesse und Maßnahmen der Arbeitsmarktinte­
gration einbezogen werden (siehe II­2.2 und III­5.2.2).
Das Unterstützungsangebot in dem Projekt beinhaltet
auch die Verweisberatung zu Fragen der Anerkennung
im Ausland erworbener Abschlüsse. Um Asylbewerbe­
rinnen beziehungsweise ­bewerber und Geduldete, die
nach Ablauf einer Wartezeit von drei Monaten einen
Arbeitsmarktzugang und damit einen Anspruch auf
Vermittlung
67
haben und denen vielfältige Unterstüt­
zungsmöglichkeiten durch die arbeitsmarktpolitischen
Förderinstrumente der Arbeitslosenversicherung
offenstehen, erreichen zu können, werden ergänzend
zum Modellprojekt „Early Intervention“ auch Ansätze
für weniger qualifizierte Asylbewerber mit hoher Blei­
bewahrscheinlichkeit benötigt. Darüber hinaus wird es
auch darauf ankommen, dass der Arbeitsmarktzugang
möglichst vielen Betroffenen durch gemeinnützige
Initiativen ermöglicht wird.
67 Anspruch auf Beratung besteht auch schon während der dreimona­
tigen Wartefrist.
Zur Unterstützung von Flüchtlingen, die keine oder
nicht ausreichend Unterlagen zur Durchführung der
Anerkennungsverfahren vorlegen können, besteht die
Möglichkeit mithilfe von Qualifikationsanalysen die vor­
handenen Kompetenzen nachzuweisen (vgl. Teil III­3.5).

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
45
1.5 Fazit
In Bund und Ländern sind seit Mitte 2014 mit den
Anerkennungsgesetzen die rechtlichen Grundla­
gen der Anerkennung geschaffen und in der Praxis
etabliert. Zugleich wurden erste Rechtsvorschriften
im Bundes­ und Landesrecht entwickelt oder ange­
passt. Nicht zuletzt wegen neuer Anforderungen der
2013 novellierten EU-Berufsqualifikationsrichtlinie
ist bereits eine Weiterentwicklung der rechtlichen
Grundlagen in Vorbereitung beziehungsweise bereits
im Gesetzgebungsverfahren. Auch wenn die Anpassung
an die Vorgaben der EU­Richtlinie keine grundlegen­
den Änderungen der Anerkennungsregelungen mit
sich bringt, wird zu beobachten sein, wie die neuen
Regelungen in der Praxis aufgegriffen und welche
Auswirkungen sie haben. Insbesondere wird die Praxis
zeigen, wie die zuständigen Stellen mit dem Wegfall
des Schrifterfordernisses bei der Antragsentgegennah­
me umgehen werden und zugleich ihrem Bedarf an
Echtheitsnachweis von Urkunden nachkommen. Auch
die neue Rolle der Einheitlichen Ansprechpartner im
Anerkennungsgeschehen und die Frage, ob und wie sie
die ihnen zugewiesenen Aufgaben erfüllen werden, gilt
es weiter zu verfolgen.
In den letzten drei Jahren hat der Gesetzgeber die
bereits vor 15 Jahren mit der Greencard begonnene
Politik der Erleichterung der Fachkräftezuwande­
rung (vgl. SVR 2014b, S. 72 f.) auch auf die Fachkräfte
im mittleren Qualifikationsniveau erweitert und mit
den neuen Möglichkeiten des Anerkennungsgesetzes
verknüpft. Demnach ist die Anerkennung des auslän­
dischen Berufsabschlusses in bestimmten Konstellatio­
nen Voraussetzung für ein Einreisevisum oder einen
Aufenthaltstitel. Hierfür muss die Antragsberechtigung
vom Aufenthaltsstatus losgelöst sein. Wie in den empi­
rischen Untersuchungen und Rückmeldungen aus der
Praxis deutlich wurde, sind jedoch noch Umsetzungs­
defizite in der Praxis zu beobachten, insbesondere
hinsichtlich der Anträge aus dem Ausland (siehe III­3.1)
und hinsichtlich des Zeitpunktes der Feststellung der
Sprachkenntnisse (siehe III­3.8). Gemeinsame Aufgabe
aller Beteiligten sollte es sein, vor allem auch vor dem
Hintergrund der notwendigen Sicherung des Fach­
kräftebedarfs, Umsetzungsdefizite zu beseitigen und
damit die Attraktivität Deutschlands für ausländische
Fachkräfte zu erhöhen.

 
46
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
2. Akteure im Anerkennungsprozess
Zielgruppe
Information &
Beratung
Verfahren
ggf. Anpassungs­
qualifizierung
Nutzung
für den Beruf
Übergreifende Aspekte (rechtliche Grundlagen & Akteure)
Im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz wurden
anhand der drei Phasen Orientierung, Vollzug und Ver­
wertung die Akteure, die an unterschiedlichen Stellen
des Anerkennungsprozesses relevant sind, sowie deren
Aufgaben und Funktionen dargestellt. Im vorliegenden
Bericht liegt der Blick vor allem auf den Akteuren und
deren teilweise neuen und/oder erweiterten Aufgaben­
bereichen. Konkrete Inhalte und Abläufe von Informa­
tion, Beratung und Verfahren werden in Teil III des
Berichts näher beleuchtet.
Wie bereits im ersten Bericht dargestellt, übernehmen
einige Akteure Aufgaben in mehreren Phasen. So bieten
beispielweise die Handwerkskammern (HWKn) Bera­
tungen an, führen aber auch die Verfahren durch und
unterstützen bei einer möglichen Anpassungsqualifi­
zierung. Im Vergleich zum ersten Jahr der Umsetzung
des Anerkennungsgesetzes zeigt sich, dass Angebote
von verschiedenen Akteuren ganzheitlicher angelegt
sind. So bieten die IQ­Erstanlaufstellen im Rahmen der
Anerkennung nicht mehr ausschließlich Erstberatun­
gen zur Anerkennung an, sondern führen seit 1. Januar
2015 auch Qualifizierungsberatungen durch.
2.1 Bündelungen von Zuständigkeiten für
die Gleichwertigkeitsprüfung
Zuständigkeit im Bereich Industrie und Handel
Die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) führt als eigen­
ständige Körperschaft des öffentlichen Rechts für 77
von 80 Industrie­ und Handelskammern (IHKn) die
Gleichwertigkeitsprüfung für die Berufe durch, die
durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) geregelt sind.
Nur die Kammern Wuppertal­Solingen­Remscheid,
Hannover und Braunschweig beteiligen sich nicht,
wobei die IHK Braunschweig die Aufgaben nach dem
BQFG auf die IHK Hannover übertragen hat (vgl. Erbe
u. a. 2014, S. 32).
Alle Industrie­ und Handelskammern bieten Antrags­
interessierten eine Einstiegsberatung vor Ort an. Die
Bearbeitung des Antrags übernimmt bei den 77 Indus­
trie­ und Handelskammern die IHK FOSA. Für Bera­
tungen zu möglichen Anpassungsqualifizierungen oder
auch für die Durchführung von Qualifikationsanalysen
nach § 14 BQFG sind die regionalen Industrie- und
Handelskammern zuständig.
Zuständigkeit im Bereich Handwerk
Im Handwerk sind die Vor­Ort­Kammern für alle
Aufgaben rund um das Anerkennungsgesetz zuständig:
Sie beraten im Vorfeld und prüfen die Gleichwertigkeit.
Ebenfalls führen sie Qualifikationsanalysen nach § 14
BQFG durch und unterstützen die Organisation und
Durchführung von Anpassungslehrgängen. Um trotz
des dezentralen Ansatzes einen möglichst einheitlichen
Vollzug zu gewährleisten, wurde das Leitkammer­
system installiert, ein auf Freiwilligkeit basierendes,
arbeitsteiliges Vorgehen der Handwerkskammern. Die
Leitkammern bündeln dabei die Expertise zu bestimm­
ten Herkunftsländern und übernehmen auf Antrag ei­
ner Vor­Ort­Handwerkskammer die Gleichwertigkeits­
prüfung. Für die abschließende Beurteilung und damit
auch für die Bescheiderteilung bleibt die Vor­Ort­HWK
zuständig (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 32).

 
II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
47
Zuständigkeitsbündelungen bei Kammern
der Freien Berufe
Seit dem ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz hat
zusätzlich die Landessteuerberaterkammer Thüringen
ihre Zuständigkeit nach dem BQFG für das Berufsbild
der
Steuerfachangestellten
auf die Steuerberaterkam­
mer Niedersachsen übertragen, die damit derzeit für
insgesamt elf Landessteuerberaterkammern die Gleich­
wertigkeitsprüfung durchführt.
Die Zahnärztekammer Westfalen­Lippe führt weiter­
hin für 14 Landeszahnärztekammern die Gleichwertig­
keitsprüfung für das Berufsbild der
zahnmedizinischen
Fachangestellten
durch.
Für die Anerkennungsverfahren für
medizinische Fach­
angestellte
gibt es eine Bündelung bei der Ärztekammer
Westfalen­Lippe, die für elf Landesärztekammern die
Verfahren übernimmt.
14 Apothekerkammern haben ihre Zuständigkeit nach
BQFG für das Berufsbild der
pharmazeutisch­kaufmän­
nischen Angestellten
auf die Landesapothekerkammer
Brandenburg übertragen.
Im Bereich der
Landwirtschaft
gab es seit der Ver­
abschiedung des BQFG bislang keine überregional
relevanten Empfehlungen oder Entscheidungen der
zuständigen Stellen. Gleichwertigkeitsfeststellungen
werden von den einzelnen zuständigen Stellen vorge­
nommen, und es gibt dafür keine überregional geregel­
ten Verfahren.
2.2 Informations- und Beratungsangebote
68
68 Im Kapitel wird sich um Vollständigkeit bemüht, diese kann aber
nicht garantiert werden.
„Anerkennung in Deutschland“ – das Portal der
Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen
69
69 Vgl. Erbe u. a. 2014, S. 28.
Die mehrsprachige Website „Anerkennung in Deutsch­
land“ informiert im Auftrag des BMBF seit April 2012
über die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüs­
se.
70
Hauptdienstleistung des Portals ist das Online­
Tool „Anerkennungs­Finder“, welches die Recherche
des deutschen Referenzberufes ermöglicht, berufsspe­
zifische Informationen zum Anerkennungsverfahren
anbietet, die gesetzlichen Grundlagen nennt und –
abhängig vom gewünschten Arbeitsort – die für die An­
erkennung zuständige Stelle anzeigt. Diese komplexe
Dienstleistung ist das Alleinstellungsmerkmal des „An­
erkennungs­Finders“, dessen Datenbank zurzeit über
700 Berufsprofile und rund 1.500 Adressdatensätze der
zuständigen Stellen umfasst. Für die Qualitätssicherung
des Adressbestands und der Berufezuständigkeiten
sorgt dabei die sogenannte „Aktualisierungsroutine“
71
,
in die alle relevanten Akteure einbezogen werden.
70 Das BMBF hat das BIBB mit der Herausgabe dieses offiziellen
Informationsportals zum Anerkennungsgesetz des Bundes betraut.
Das Projekt wurde in der ersten Projektphase von 2011 bis 2014 im
Rahmen des Förderprogramms „Integration durch Qualifizierung
(IQ)“ finanziert. In der zweiten Projektphase 2015 bis 2018 ist das
BMBF alleiniger Mittelgeber.
71 Zwischen den Ländern wurde insbesondere mit Beschluss der AG
Koordinierende Ressorts der Länder vom 19. April 2012 ein Melde­
verfahren für die Aktualisierung der Daten der für die Anerkennung
zuständigen Stellen vereinbart, um die Aktualität und Richtigkeit des
Datenbestands zu gewährleisten, der Grundlage ist für die Erhebung
der Statistik nach § 17 BQFG und den entsprechenden Regelungen
in den Ländergesetzen sowie für die Zuständigkeitsnachweise in
der Datenbank anabin der ZAB und dem Anerkennungsportal
www.
anerkennung-in-deutschland.de
des
Bundes. Die Aufgabe der Be­
treuung und Durchführung der Aktualisierung wurde seit 15. Sep­
tember 2012 dem BIBB übertragen.
(Haupt­)Zielgruppe des Portals sind interessierte
Fachkräfte mit einer ausländischen Berufsqualifikation,
es unterstützt aber auch Mitarbeiterinnen und Mitar­
beiter in Anerkennungsberatungsstellen, Jobcentern
oder Arbeitsagenturen in ihrer täglichen Arbeit. Es
bündelt alle Informationen zu rechtlichen Grundlagen
der Anerkennungsverfahren. Im „Profi-Filter“ können
Beratungsfachkräfte nach zuständigen Stellen und
Berufen suchen. Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Förderprogramms „Integration durch Qualifizie­
rung (IQ)“ hält das Portal ein Forum für die Anerken­
nungsberatung bereit.
Nachdem das Portal im Juli 2012 auf Englisch online
gegangen ist, stehen seit Mitte 2014 die wichtigsten
Informationsseiten auf Italienisch, Polnisch, Rumänisch,
Spanisch und Türkisch zur Verfügung, im März 2015
kam eine griechische Portalversion hinzu. Damit werden
die Informationen in insgesamt acht Sprachen angebo­
ten (zur Entwicklung der Zugriffszahlen siehe III­1.1.1).

48
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Neben der kontinuierlichen Bekanntmachung des Por­
tals bei Anerkennungsinteressierten im Inland wurden
in 2014 erstmals gezielte Maßnahmen zur Bekanntma­
chung des Portals im Ausland gestartet. Die Aktivitäten
finden statt in den Pilotländern Italien, Polen, Rumä­
nien, Spanien, Türkei sowie allgemein international
(dort nur online). Schwerpunkt der Aktivitäten ist die
Zusammenarbeit mit Multiplikatoren, die vor Ort Aus­
wandererinnen und Auswanderer beraten. Bei seinen
Auslandsaktivitäten kooperiert das Projekt mit dem
Willkommensportal „Make it in Germany“, welches
Informationen zum Arbeiten und Leben in Deutsch­
land bereitstellt.
YY
Weitere Informationen:
www.anerkennung-in-deutschland.de
BQ-Portal
Das BQ-Portal, finanziert durch das Bundesministe­
rium für Wirtschaft und Energie (BMWi), unterstützt
zuständige Stellen und Arbeitgeber bei der Bewertung
ausländischer Berufsabschlüsse mit umfassenden Infor­
mationen zu ausländischen Berufsqualifikationen und
Berufsbildungssystemen mit dem Ziel zu Transparenz
und Einheitlichkeit beizutragen. Die Länder­ und Berufs­
profile (für anerkannte Ausbildungsberufe laut BBiG/
Handwerksordnung (HwO) und korrespondierende
Fortbildungsberufe) werden vom Institut der deutschen
Wirtschaft Köln (IW Köln) erstellt und in den öffentli­
chen Bereich des BQ­Portals eingestellt.
72
72 Von September 2012 bis Mai 2014 unterstützte das BIBB die Erstel­
lung der Länder- und Berufsprofile.
Die Kammern
können Berufsprofile in diesen sowie Ergebnisse ihrer
Gleichwertigkeitsprüfungen selbst in den internen
Bereich des Portals eintragen. Letzterer dient insofern
insbesondere als Arbeitsinstrument der zuständigen
Kammermitarbeitenden. Das BQ­Portal wird kontinu­
ierlich weiterentwickelt. So werden die Nutzerinnen und
Nutzer seit Februar 2014 automatisch benachrichtigt,
sobald ein neuer Inhalt im Portal angelegt wird. Zudem
wurde das Navigieren zu einem gewünschten Länder­
profil durch das Einbinden einer Weltkarte vereinfacht.
Auch für Unternehmen sind 2014 weitere Unterstüt­
zungsangebote hinzugekommen, wie zum Beispiel
eine Orientierungshilfe zum Einschätzen ausländischer
Berufsqualifikationen sowie die Möglichkeit Inhalte
ausländischer Berufsqualifikationen direkt als PDF-
Dokument
herunterzuladen. Das BQ­Portal wird derzeit
vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle
(BAFA) im Auftrag des BMWi evaluiert (Evaluierungszeit­
raum: März 2012 bis Dezember 2014). Bis Mai 2015 sind
weitere Erhebungsschritte geplant. Der Endbericht soll
spätestens im September 2015 vorliegen.
YY
Weitere Informationen:
www.bq-portal.de
Internetportal „Make it in Germany“
„Make it in Germany“ ist das mehrsprachige Will­
kommensportal für internationale Fachkräfte. Es wird
vom BMWi umgesetzt. Das Portal informiert über das
Thema Anerkennung ausländischer Berufsqualifikatio­
nen hinaus alle zuwanderungsinteressierten Fachkräfte
über ihre Karrierechancen und zeigt, wie sie erfolgreich
ihren Weg nach Deutschland gestalten können und
warum es sich lohnt, hier zu arbeiten und zu leben.
Das Willkommensportal enthält aktuelle Jobangebo­
te in Engpassberufen und Informationen darüber, in
welchen Branchen Fachkräfte gesucht werden. Zudem
stellen sich internationale Fachkräfte vor, die bereits
hierzulande erfolgreich Karriere machen. Arbeitgeber
in Deutschland erhalten Tipps bei der Rekrutierung
internationaler Fachkräfte. Eine Fortführung und
Weiterentwicklung des Willkommensportals wird der­
zeit umgesetzt. Neben der deutschen und englischen
Version werden die Informationen in Kürze auch auf
Spanisch abrufbar sein. Kurze Informationen stehen
derzeit bereits in den Landessprachen für Vietnam,
Indien, Indonesien, Russland, Serbien, Italien sowie
für spanisch­ und portugiesischsprachige Länder zur
Verfügung. Das Portal flankiert die Maßnahmen der
Bundesregierung, die eine offene Willkommenskultur
und gezielte Zuwanderung von Fachkräften fördern.
YY
Weitere Informationen:
www.make-it-in-germany.com
Telefon-Hotline „Arbeiten und Leben in
Deutschland“
Am 1. Dezember 2014 wurde die Anerkennungs-Hotline
des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF)
zur „Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland“
ausgeweitet. Die neue deutsch­ und englischsprachige

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
49
Telefon­Hotline bietet ein umfassendes Angebot zu Fra­
gen der Zuwanderung und Integration. Zugewanderte
und zuwanderungsinteressierte Fachkräfte, Studierende
und Auszubildende erhalten eine persönliche Beratung
zu den Themen Arbeitssuche, Anerkennung ausländi­
scher Berufsabschlüsse, Einreise und Aufenthalt sowie
Deutsch lernen. Sie ist eine Maßnahme im Rahmen der
Demografiestrategie der Bundesregierung. Das BAMF
und die Zentrale Auslands­ und Fachvermittlung (ZAV)
der BA haben hierfür ihre bestehenden Hotlines im
Rahmen einer ressortübergreifenden Kooperation zwi­
schen dem BMBF, dem Bundesministerium des Innern
(BMI), dem BMWi und der BA zusammengeschlossen.
Die Telefon­Hotline begleitet die bestehenden Infor­
mationsangebote von
www.make-it-in-germany.com
,
www.anerkennung-in-deutschland.de
,
www.bamf.de
,
www.arbeitsagentur.de
und
www.zav.de
.
YY
Weitere Informationen:
www.make-it-in-germany.com/hotline
Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB)
Die ZAB der Kultusministerkonferenz (KMK) ist das
Kompetenzzentrum der Länder zur Anerkennung
ausländischer Bildungsnachweise. Die Kernaufgaben
sind die Beobachtung, Analyse und Bewertung aus­
ländischer Bildungssysteme sowie die Dokumentation
und Veröffentlichung dieser Informationen auf dem
Internetportal anabin
(
http:/
/anabin.kmk.org
)
73
zur Nutzung für Behörden und Privatpersonen.
73 Die Datenbank anabin
(http:/
/anabin.kmk.org/)
stellt
Informationen
zur Bewertung von ausländischen Bildungsnachweisen zu über 180
Ländern und deren Bildungsinstitutionen und Abschlüssen bereit.
Auf
Anfrage von zuständigen Behörden erstellt die ZAB
Gutachten ausländischer Bildungsnachweise. Auf
Anfrage von Privatpersonen stellt die ZAB Zeugnis­
bewertungen für ausländische Hochschulabschlüsse
nach dem Lissabonner Anerkennungsübereinkommen
weltweit aus. Die ZAB ist zudem Nationale Infor­
mationsstelle für die Berufsanerkennungsrichtlinie
2005/36/EG (Informationen über Zuständigkeiten
und Verfahren, Empfehlungen zur Anwendung der
Richtlinie für Länderbehörden). Seit Inkrafttreten der
Anerkennungsgesetze hat die ZAB neue Aufgaben
übernommen, die aus den Anerkennungsgesetzen
von Bund und Ländern resultieren: die Begutachtung
von Drittstaatsqualifikationen für die zuständigen
Anerkennungsstellen
der Länder sowie die Ausstel­
lung von Gleichwertigkeitsbescheiden für einige nicht
reglementierte landesrechtlich geregelte schulische
Berufe, deren Zuständigkeit von den Ländern Baden­
Württemberg, Berlin und Niedersachsen an die ZAB
übertragen wurden.
Auf Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz soll
in Abstimmung mit der Kultusministerkonferenz eine
länderübergreifende Gutachtenstelle für Gesundheits­
berufe (akademische Heilberufe und Gesundheits­
fachberufe) errichtet werden. Derzeit wird das dazu
erarbeitete Konzept in den beteiligten Fachminister­
konferenzen beraten.
YY
Weitere Informationen:
http:/
/www.kmk.org/zab/unsere-aufgaben.html
Förderprogramm Integration durch Qualifizierung
(IQ)
Bundesweit gibt es im Rahmen des Förderprogramms
„Integration durch Qualifizierung (IQ)“ bereits seit
der vergangenen Förderphase (2011 bis 2014) rund
70 IQ­Erstanlaufstellen für die Anerkennung aus­
ländischer Berufsqualifikationen. Zielgruppe sind
Personen mit ausländischen Berufsabschlüssen und
anfragende Multiplikatoren und Betriebe (vgl. Erbe u. a.
2014, S. 29). Das Förderprogramm IQ wird durch das
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)
in enger Kooperation mit dem BMBF und der BA seit
dem 1. Januar 2015 um den Handlungsschwerpunkt
„Qualifizierungsmaßnahmen im Kontext des Anerken­
nungsgesetzes“ weiterentwickelt und ausgebaut. Die
Erweiterung des bundesweiten Förderprogramms IQ
erfolgt im Rahmen der neuen ESF­Förderphase (2014
bis 2020). Die Finanzierung des Programms für die
Handlungsschwerpunkte 1 (Anerkennungs­ und Quali­
fizierungsberatung) und 2 (Entwicklung von Qualifizie­
rungsmaßnahmen) erfolgt mit Mitteln des BMAS sowie
des ESF, der Handlungsschwerpunkt 3 (Interkulturelle
Öffnung) wird ausschließlich aus nationalen Mitteln
des BMAS finanziert.
Ziel der neuen Förderrichtlinie ist es, Personen mit
Migrationshintergrund zu den erforderlichen Quali­
fizierungen zu verhelfen, die zur vollen Anerkennung

50
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
ihrer ausländischen Berufsqualifikationen benötigt
werden oder die eine berufsbildungsadäquate Er­
werbstätigkeit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
ermöglichen. Aufgaben sind insbesondere: der Ausbau
der Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung,
Entwicklung von Qualifizierungsmaßnahmen bei
reglementierten Berufen sowie von Anpassungsquali­
fizierungen im Bereich des dualen Systems, Brücken­
maßnahmen für Akademikerinnen und Akademiker
sowie Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Exter­
nenprüfung bei negativem Ausgang oder negativer
Prognose des Anerkennungsverfahrens. Vor allem
zwei Handlungsschwerpunkte (HSP) sind im Anerken­
nungsprozess relevant: HSP 1 „Anerkennungs­ und
Qualifizierungsberatung“, in dem 95 IQ-Teilprojekte
74
aktiv werden, sowie HSP 2 „Entwicklung von Qualifi­
zierungsmaßnahmen“, in dessen Rahmen 146 IQ­
Teilprojekte bundesweit gefördert werden (siehe dazu
III­5.2.2).
75
74 23 dieser Projekte führen ausschließlich Anerkennungsberatung
durch und 29 ausschließlich Qualifizierungsberatung. 46 Projekte
sind sowohl für die Anerkennungs- als auch die Qualifizierungsbera­
tung zuständig.
Hinweis: Die Summe der angegebenen Zahlen (98) übersteigt das im
Text genannte „n“ (95) um drei Teilprojekte. Dies lässt sich dadurch
erklären, dass eine zweifache Nennung möglich war. Davon haben
drei TP im LNW Bayern Gebrauch gemacht, die sowohl Anerken­
nungsberatung als auch Qualifizierungsberatung anbieten, jedoch
als getrennte Leistungen.
75 Das IQ Multiplikatoren-Projekt Transfer (MUT) organisiert auf
Bundesebene das Förderprogramm IQ. Vgl.
http:/
/www.netzwerk-iq.
de/netzwerk-iq.html (Abruf: 10. April 2015).
YY
Weitere Informationen:
http:/
/www.netzwerk-iq.de
Prototyping Transfer: Berufsanerkennung mit
Qualifikationsanalysen
Von August 2011 bis Januar 2014 wurden im Rahmen
eines vom BMBF geförderten Verbundprojektes zur
Entwicklung von Qualifikationsanalysen (Projekt
Prototyping) Standards und Materialien für geeignete
Verfahren zur Feststellung beruflicher Handlungskom­
petenzen im Rahmen des § 14 BQFG erarbeitet (vgl.
Erbe u. a., S. 30).
76
76 Die Projektergebnisse umfassen die Darstellung von Musterverfah­
ren, Empfehlungen an die zuständigen Stellen inklusive Arbeitsma­
terialien wie zum Beispiel Checklisten, Merkblätter und Muster­
aufgaben sowie ein Schulungskonzept. Weitere Informationen zu
den Ergebnissen des Projekts unter:
http:/
/www.handwerk-nrw.
de/aus-und-weiterbildung/initiativen-des-whkt/prototyping.html,
Abruf: 18. März 2015.
Nach Ende des Projektes ergibt sich ein sehr wichti­
ger Handlungs­ und Transferbedarf, da bisher kaum
zuständige Stellen die Qualifikationsanalysen syste­
matisch anbieten und nur wenige Menschen die Qua­
lifikationsanalysen nutzen. Eine wichtige Zielgruppe
sind Flüchtlinge, die aufgrund fehlender Dokumente
ihre Qualifikationen auf diesem Wege nachweisen
können. Deshalb sollen im Rahmen eines Transfer­
projektes die modellhaft entwickelten Instrumente
und Verfahren bundesweit zugänglich gemacht und
Kammern bei Bedarf bei der Implementierung der
Verfahren unterstützt werden. Es werden nicht nur
die notwendigen Arbeitshilfen zur Verfügung gestellt
und weiterentwickelt, sondern es sind auch finanzielle
Mittel zur Finanzierung der Qualifikationsanalysen
in besonderen Härtefällen vorgesehen. Das Transfer­
projekt ist zum 1. Januar 2015 mit einer Laufzeit von
drei Jahren gestartet. Am Projekt sind Kammern aus
Industrie und Handel sowie dem Handwerk beteiligt,
die Koordination erfolgt durch das Bundesinstitut für
Berufsbildung (BIBB).
YY
Weitere
Informationen:
www.anerkennung-in­
deutschland.de/qualifikationsanalyse
Arbeitsverwaltung (Agenturen für Arbeit
und Jobcenter)
Die Agenturen für Arbeit und Jobcenter
77
bieten Ar­
beitsmarkt­ und Berufsberatung für Arbeitgeber sowie
für junge Menschen und Erwachsene an. Für Agen­
turen für Arbeit und die Jobcenter in gemeinsamer
Einrichtung werden Kunden mit im Ausland erwor­
benen Qualifikationen in das Profiling im Rahmen des
4­Phasen­Modells der Integrationsarbeit einbezogen.
77 Neben den 303 Jobcentern in gemeinsamer Einrichtung, die von den
Agenturen für Arbeit vor Ort mit kreisfreien Städten beziehungswei­
se Landkreisen gebildet worden sind, und 156 Agenturen für Arbeit
übernehmen zusätzlich 106 Kommunen die Arbeit der Jobcenter
(zugelassene kommunale Träger).
Dabei ist insbesondere interessant, inwieweit die im
Ausland erworbene Qualifikation auf dem deutschen
Arbeitsmarkt verwertbar ist. Im Sprachgebrauch der
Agenturen für Arbeit und der Jobcenter in gemeinsa­
mer Einrichtung wird dies als Arbeitsmarktberatung
mit Bezug zur Anerkennung des ausländischen Ab­
schlusses bezeichnet (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 29). Konkret
haben die Beraterinnen und Berater der Agenturen für

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
51
Arbeit und der Jobcenter die Aufgabe, die ausbildungs­
adäquaten Integrationschancen in den deutschen Ar­
beitsmarkt auf Grundlage der im Ausland erworbenen
Qualifikation (mit/ohne Anerkennung) einzuschätzen
und gegebenenfalls Hinweise auf die für die Anerken­
nung zuständige Stelle (inkl. Vorklärung des möglichen
deutschen Referenzberufs) zu geben.
YY
Weitere Informationen:
http:/
/www.anerkennung-in-deutschland.de/
html/de/arbeitsvermittler.php
Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer
(MBE)
Die über 700 Beratungsstellen der MBE, die vom
BMI finanziert werden und für deren Durchführung
das BAMF zuständig ist, bieten Beratung für (Neu­)
Zugewanderte an. Ziel ist es, den Integrationsprozess zu
fördern und zu begleiten, um hierdurch Zuwanderin­
nen und Zuwanderer zu selbstständigem Handeln in
allen Angelegenheiten des täglichen Lebens zu befähi­
gen.
78
78 Das Angebot der MBE richtet sich an Personen über 27 Jahren. Die
Migrationsberatung der jugendlichen und jungen erwachsenen
Zuwandererinnen und Zuwanderer bis zum 27. Lebensjahr führen
die über 420 Jugendmigrationsdienste (JMD) durch.
Die Personen werden dabei an die bestehenden
themenspezifischen Unterstützungs- und Beratungs­
angebote herangeführt. Die Umsetzung der MBE wird
durch die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege
(Arbeiterwohlfahrt, Deutscher Caritasverband, Deut­
scher Paritätischer Wohlfahrtsverband, Deutsches
Rotes Kreuz, Diakonisches Werk der EKD, Zentralwohl­
fahrtsstelle der Juden in Deutschland) sowie durch den
Bund der Vertriebenen gewährleistet. Es handelt sich
um ein zeitlich befristetes, bedarfsorientiertes, indivi­
duelles Grundberatungsangebot. Zuwanderinnen und
Zuwanderer können die MBE höchstens drei Jahre lang
in Anspruch nehmen.
YY
Weitere Informationen:
http:/
/www.bamf.de/DE/
Willkommen/InformationBeratung/Erwachsene
Beratung/erwachseneberatung-node.html
Projekt „Anerkannt – Anerkennung von im Ausland
erworbenen Qualifikationen in der Arbeitswelt
durch Arbeitnehmendenvertretungen fördern“ des
Gemeinnützigen Bildungswerks des Deutschen
Gewerkschaftsbundes e.V. (Laufzeit: 1. Januar 2014
bis 31. Dezember 2015)
Mit dem vom BMBF geförderten Projekt „Anerkannt“
sollen die Möglichkeiten, die eine formale Anerken­
nung der Berufsqualifikationen bietet, insbesondere
bei Betriebs­ und Personalräten, Jugend­ und Auszu­
bildendenvertretungen und Vertrauenspersonen etc.
verbreitet werden. Es soll eine Anerkennungskultur
in Betrieben geschaffen und unterstützt werden. Um
diese Ziele zu erreichen, übernimmt das Projekt insbe­
sondere die folgenden Aufgaben:
Entwicklung einer Ausbildung zur „betrieblichen
Fachkraft Anerkennung“,
Ausbildung von Arbeitnehmendenvertretungen
zu Mittlern zwischen Beschäftigten und Anerken­
nungsstellen,
Angebote von Fachgesprächen als Austausch von
Multiplikatoren sowie Expertinnen und Experten
aus Politik, Wissenschaft und Praxis,
Durchführung von handlungsorientierten Work­
shops für betriebliche Akteure und Interessierte aus
unterschiedlichen Netzwerken und Institutionen.
YY
Weitere Informationen und Ergebnisse aus dem
Projekt:
www.migration-online.de/dossier_anerkannt
Modellprojekt: „Jeder Mensch hat Potenzial –
Arbeitsmarktintegration von Asylbewerberinnen
und Asylbewerbern“ der BA
Die BA, das BAMF und das BMAS (insbesondere das
vom ESF geförderte Netzwerk des Bundesprogramms
„XENOS – Arbeitsmarktliche Unterstützung für Blei­
beberechtigte und Flüchtlinge“) haben gemeinsam
ein Modellprojekt zur Arbeitsmarktintegration von
Asylbewerberinnen und Asylbewerbern in Deutsch­
land initiiert. Ziel des Projekts ist es, frühzeitig Poten­
ziale für den Arbeitsmarkt zu identifizieren und gezielt
Vermittlungsdienstleistungen bereitzustellen. Nach
dem Prinzip „Early Intervention“ können Asylbewer­
berinnen und Asylbewerber so frühzeitig und zuge­
schnitten auf ihr Qualifikationsprofil in Prozesse und

 
52
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration einbezogen
werden (vgl. III­5.2.2). Weitere Projektziele sind es, erste
Erfahrungen mit einer frühzeitigen Betreuung der
Asylantragstellenden zu gewinnen, Kenntnisse über
mögliche Hürden im Hinblick auf einen erfolgreichen
Arbeitsmarktzugang zu sammeln und Strategien für
eine nachhaltige Teilhabe am Arbeitsmarkt zu ent­
wickeln.
Das Modellprojekt wurde vorerst im Zeitraum von
Januar bis Dezember 2014 an den sechs Modellstand­
orten Augsburg, Bremen, Dresden, Freiburg, Hamburg
und Köln durchgeführt und durch das Institut für
Arbeitsmarkt­ und Berufsforschung (IAB) mit einer
Evaluation begleitet. Der Verwaltungsrat der BA hat
am 26. September 2014 die Weiterführung des Modell­
projekts bis Ende 2015 beschlossen. Zudem wird das
Projekt auf drei neue Standorte (Berlin, Ludwigshafen
und Hannover) ausgeweitet.
YY
Weitere Informationen:
www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/
DE/2014/20140403-mensch-potenzial.html
und
www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Presse/
Presseinformationen/Sonstiges/Detail/index.htm
?dfContentId=L6019022DSTBAI686796
2.3 Vernetzung der Akteure
Eine sinnvolle und zielgerichtete Vernetzung der un­
terschiedlichen Akteure ist eine grundlegende Voraus­
setzung für eine schnelle und gelungene Umsetzung
des Anerkennungsgesetzes und der anschließenden
erfolgreichen Integration der Zielgruppe in den Ar­
beitsmarkt. Dazu gehört sowohl die Kommunikation
zwischen den Akteuren als auch die Abstimmung der
Informations­ und Beratungsangebote.
Wie bei einem Arbeitstreffen Ende 2014 bekräftigt wur­
de, werden aus diesem Grund die Portale „Anerken­
nung in Deutschland“, „BQ­Portal“ und „anabin“ ihre
Angebote künftig noch besser aufeinander abstimmen.
Dabei sollen die unterschiedlichen Profile der Portale
stärker betont werden, um mögliche Verwirrungen vor
allem bei Multiplikatoren zu vermeiden. „Anerkennung
in Deutschland“ soll unter anderem als allgemeiner
Einstieg ins Thema und Wegweiser fungieren, während
das BQ­Portal und anabin als Fachportale ein spezi­
fisches Unterstützungsangebot für die zuständigen
Anerkennungsstellen und ­behörden sowie Informa­
tionen für bestimmte Zielgruppen bereithalten.
Das Förderprogramm IQ ist mit 16 Landesnetzwerken
in allen 16 Ländern aktiv. Denn eine weitere zentrale
Aufgabe von IQ ist die Verzahnung der auf die Ar­
beitsmarktintegration von Migrantinnen und Mig­
ranten gerichteten Unterstützungsleistungen in der
Region im Sinne einer „Prozesskette der beruflichen
Integration“.
79
79
Vgl.
http:/
/www.iq-netzwerk-sh.de/das-iq-modell-beruflicher-
integration/vernetzung-der-angebote-die-iq-prozesskette
(Abruf:
18. März 2015).
Dieses Modell sieht die arbeitsteilige
Zusammenarbeit unterschiedlicher lokaler Akteure
in den Regionen vor. Ziel ist dabei, Menschen mit
Migrationshintergrund so zu unterstützen, dass sie
notwendige und passgenaue Unterstützung erhalten,
damit die berufliche Integration in den Arbeitsmarkt
gelingt. Aus diesem Grund bieten die Landesnetzwerke
unter anderem spezifische Schulungsangebote schwer­
punktmäßig für Fachkräfte der Arbeitsverwaltung
und von Beratungseinrichtungen (zum Beispiel MBE)
an. Die durchgeführte standardisierte Befragung
80
von Jobcentern und MBE ergibt, dass 48 Prozent der
Jobcenter und 53 Prozent der MBE bereits an einer
Schulung durch das IQ­Netzwerk zum Thema Aner­
kennung teilgenommen haben.
81
80
Vgl. Datensatzbeschreibung im Anhang A2.
81 Mehrfachantworten möglich. Die Prozentangaben beziehen sich nur
auf die Jobcenter (n = 136) beziehungsweise MBE (n = 200), die diese
Frage beantwortet haben.
Die Evaluation des
Förderprogramms IQ
82
stellt außerdem fest, dass die
Anerkennungsberatung der IQ­Beratungsstellen den
Integrationskräften sehr helfe und damit in vielen
Ämtern einen Bedarf bediene (Univation 2014, S. 12).
82 Die Evaluation des Förderprogramms IQ wurde von Univation –
Institut für Evaluation im Zeitraum Sommer/Herbst 2014 durchge­
führt.
Entsprechend der Aufgabenteilung, die zwischen den
beteiligten Institutionen und den Ministerien abge­
stimmt wurde, verweisen Agenturen für Arbeit und
Jobcenter bei Bedarf Kundinnen und Kunden zur
vertieften Anerkennungsberatung an die regionale IQ­
Beratungsstelle, die eine Einschätzung hinsichtlich des
Ausgangs eines Anerkennungsverfahrens abgibt. Die
BA hat alle relevanten Informationen zum Anerken­
nungsgesetz – auch Vernetzungsmöglichkeiten und
Schnittstellen – für die Arbeitsvermittlerinnen und

II ENTWICKLUNG DER RECHTSGRUNDLAGEN UND AKTEURE IM ANERKENNUNGSPROZESS
53
­vermittler in der Handlungsempfehlung und Ge­
schäftsanweiseung (HEGA) der BA HEGA 03/2012 –17
83
zusammengestellt. Auch viele MBE verfahren nach
diesem Muster im Rahmen ihres Case Managements
und verweisen zur Anerkennungsberatung an die
IQ­Beratungsstellen.
84
83 Vgl. HEGA 03/2012–17 – Anerkennungsgesetz; Auswirkungen auf
die Arbeitsmarktberatung
(http:/
/www.arbeitsagentur.de/web/
content/DE/Veroeffentlichungen/Weisungen/Arbeitgeber/Detail/
index.htm?dfContentId=L6019022DSTBAI431814, Abruf: 19. Mai
2015). Gilt nur für Agenturen für Arbeit und Jobcenter in gemein-
samer Einrichtung.
84 Ergebnis der qualitativen Interviews mit den MBE.
Insgesamt bescheinigen die
Ergebnisse der Evaluation von IQ den angebotenen
regionalen Vernetzungsmöglichkeiten (unter anderem
durch Schulungen zum Thema Anerkennung, Diversi­
ty/interkulturelle Öffnung) eine positive Wirkung für
die Integration von Migrantinnen und Migranten in
Gesellschaft und Arbeitsmarkt (Univation 2014, S. 20).
Die Fachstelle „Beratung und Qualifizierung“
85
hat im
Dezember 2014 eine Abfrage zur Zusammenarbeit mit
den zuständigen Stellen auf Landesebene durchgeführt,
die zeigt, dass eine gute Kooperation der IQ­Landes­
netzwerke und den zuständigen Stellen in den Ländern
ein wichtiges Ziel im Förderprogramm IQ darstellt. Die
Zusammenarbeit hat in den letzten Jahren kontinuier­
lich zugenommen und funktioniert größtenteils, auch
wenn es regionale Unterschiede gibt. Eine Intensivie­
rung der Zusammenarbeit wird als besonders nützlich
für die Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und
Migranten angesehen.
85 Die fünf Handlungsfelder im Förderprogramm IQ werden bundes­
weit jeweils von einer Fachstelle bearbeitet und (weiter-)entwickelt.
Die Fachstellen übernehmen neben der fachlichen Beratung und Be­
gleitung der Landesnetzwerke vor allem die Qualitätssicherung für
Angebote und Maßnahmen im jeweiligen Themenfeld. Vgl.
http:/
/
www.netzwerk-iq.de/fachstellen.html
(Abruf: 18. März 2015).
Die schriftlichen BIBB­Befragungen
86
der Jobcenter und
MBE zu Kontakten und Kooperationen zum Thema
„Anerkennung“ geben Hinweise auf deren regionale
Vernetzung: Von den befragten Jobcentern, für die eine
Begleitung des Anerkennungsverfahrens nicht zu ihren
Aufgaben gehört, geben immerhin rund 47 Prozent
an, bei Bedarf selbst Kontakt zur zuständigen Stelle
aufzunehmen.
86 Vgl. Datensatzbeschreibung im Anhang A2. Jobcenter: n = 181; MBE:
n = 248. Mehrfachantworten möglich.
Auch MBE suchen oftmals (67 Prozent)
direkten Kontakt mit der zuständigen Stelle, beispiels­
weise um den Referenzberuf zu klären oder die Erfolgs­
aussichten der Verfahren einschätzen zu lassen. Ein
regelmäßiger
Austausch mit Beraterinnen und Bera­
tern, Fallbearbeiterinnen und Fallbearbeitern, Sachbear­
beiterinnen und Sachbearbeitern aus anderen Einrich­
tungen spielt eine geringere Rolle: Rund 29 Prozent der
befragten Jobcenter geben an, einen solchen Austausch
zum Thema Anerkennung mit anderen Einrichtungen
zu betreiben. Auch rund 39 Prozent der MBE nehmen
an regelmäßigen Austauschtreffen teil. Etwa 62 Prozent
der befragten MBE und auch der befragten Jobcenter
verteilen Informationsmaterialien anderer Einrichtun­
gen an Anerkennungsinteressierte.
Die Länderbehörden, die für die Anerkennung der Ärz­
tinnen und Ärzte, der Apothekerinnen und Apotheker,
der Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie der Gesund­
heits- und Krankenpflegerinnen und -pfleger zustän­
dig sind, wurden nach der Relevanz des Austausches
beziehungsweise der Kooperationen zwischen den
Behörden befragt. Von den 38 befragten Stellen halten
13 solche Kontakte für wichtig und 17 für eher wichtig.
Acht Länderbehörden finden eine solche Zusammenar­
beit eher unwichtig. Die Frage nach den bereits existie­
renden Kontakten dieser Art ergibt, dass 27 zuständige
Stellen nach eigenen Aussagen über solche Kontakte
verfügen, elf hingegen noch nicht.
Grundsätzlich dienen Netzwerke und (über­)regionale
Kooperationen der Vermeidung von Doppelstruktu­
ren und der Bündelung von Ressourcen. Gerade im
Länderbereich soll dazu im weiteren Projektverlauf im
Rahmen von Workshops geprüft werden, inwieweit
unter anderem die Generierung und Pflege eines ge­
meinsamen Wissenspools (zum Beispiel über bisherige
Prüfergebnisse) sinnvoll ist.

image
 
54
III
Aktuelle Entwicklungen
im Anerkennungsgeschehen

 
III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
55
1. Information und Beratung
Zielgruppe
Information &
Beratung
Verfahren
ggf. Anpassungs­
qualifizierung
Nutzung
für den Beruf
Das Wichtigste in Kürze:
Das Interesse an Themen rund um die Anerken­
nung von im Ausland erworbenen Berufsab­
schlüssen und die Inanspruchnahme von Bera­
tung dazu ist weiterhin hoch.
Die Besuchszahlen des Portals „Anerkennung in
Deutschland“ sind von ca. 257.000 im Jahr 2012
auf ca. 1.117.000 (mit 5.341.793 Seitenaufrufen) im
Jahr 2014 gestiegen.
87
87 Die Daten des Portals „Anerkennung in Deutschland“ werden
mit dem Analysetool PIWIK erfasst, das Portal „anabin“ ermittelt
seine Zugriffszahlen mit der CMS-Ergänzung „Statistic“. Aufgrund
der teilweise inkonsistenten und unterschiedlichen Methoden
von Webanalysetools sind die hier angegebenen Zugriffszahlen
nicht vollständig vergleichbar. Dies wird insbesondere durch die
Positionierung und Unterschiede des Trackingcodes im jeweiligen
Tool, durch unterschiedliche Definition von bestimmten Kennzahlen
(in diesem Fall „Besuche“), durch abweichende Filterregeln oder
durch unterschiedliche Cookies erschwert. Die angegebenen Zahlen
stammen aus den Analysetools der jeweiligen Portale und sind vor
allem für portalimmanente Analysen geeignet.
Zwischen 2012 und 2014 sind die Besuchszahlen
der Datenbank anabin von etwa 907.000 (2012) auf
rund 1.360.000 (2014) gestiegen.
Im Durchschnitt besuchen monatlich rund 7.300
Besucherinnen und Besucher aus dem In­ und
Ausland die Seiten des BQ­Portals.
Die IQ­Erstanlaufstellen haben zwischen August
2012 und Dezember 2014 fast 38.000 Personen
beraten.
Die Anerkennungs­Hotline des BAMF hat von
April 2012 bis Dezember 2014 insgesamt fast
27.000 Erstberatungen durchgeführt.
88
88 Das Beratungsaufkommen des BAMF, welches in diesem Teil des
Berichts dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu
beruflichen Abschlüssen. Beratungen zu Schulabschlüssen, Führung
akademischer Grade usw. werden nicht betrachtet.
Bei der Erstberatung durch die IQ­Erstanlauf­
stellen und die Anerkennungs­Hotline zeigt sich
ein hohes Qualifikationsniveau der beratenen
Personen: Etwa zwei Drittel der Beratungssuchen­
den haben einen Hochschulabschluss beziehungs­
weise eine Ausbildung und einen Hochschulab­
schluss.
Mehr als die Hälfte der Personen in der Erstbera­
tung sind jünger als 35 Jahre.
Auch die Zahl der Beratungen durch die Kammern
steigt kontinuierlich. Diese haben seit Inkrafttreten
des Gesetzes bis zum Dezember 2014 mindestens
40.000 Einstiegsberatungen durchgeführt.
Neben Anzahl und Ergebnis der Anträge ist auch die
Inanspruchnahme von Beratung bei den einschlägigen
Institutionen ein wichtiger Indikator zur Beurtei­
lung der Umsetzung des Anerkennungsgesetzes. Die
Zielgruppe der hier dargestellten Informations­ und
Beratungsangebote sind nicht ausschließlich Privat­
personen mit einem Interesse an Anerkennung. So
richtet sich zum Beispiel der Profi-Filter des Portals
„Anerkennung in Deutschland“ an die Zielgruppe der
Fachleute (beispielsweise Beratende in Kammern oder
anderen Einrichtungen). Auch die ZAB stellt, wie unter
II­2.2 beschrieben, Informationen und Dienstleistun­
gen sowohl für Privatpersonen als auch für zuständige
Stellen, Arbeitgeber und Hochschulen zur Verfügung.
Das Angebot des BQ­Portals richtet sich hauptsächlich
an zuständige Stellen und Arbeitgeber.
Im Folgenden wird ein Überblick über die quantitative
Entwicklung der Informations­ und Beratungsleistung
von zentralen Akteuren im Kontext des Anerkennungs­
gesetzes gegeben. Sowohl die Beratungen der Jobcenter/
Arbeitsagenturen als auch die der MBE werden hier
nicht thematisiert, da von diesen keine Gesamtzahlen
zu Beratungen mit Anerkennungsbezug vorliegen. Ihre
Beratung wird jedoch an anderen Stellen des Berichts
anhand der Befragungsergebnisse behandelt (siehe III­4,
III­5 und IV­2).

 
56
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
90
Die Reihenfolge der Darstellung orientiert sich an
Abbildung 3. Zuerst werden die Informationsangebo­
te, anschließend die Daten der Erstberatungen und
danach Zahlen zu den Einstiegsberatungen bei den
Kammern dargestellt. Auch die Länderbehörden für
reglementierte Berufe wurden zum Beratungsaufkom­
men befragt, allerdings ergaben die Rückmeldungen
keine belastbare Datenbasis, da sich nicht ausreichend
zuständige Stellen beteiligten und eine Hochrech­
nung der vorhandenen Werte aufgrund der stark
unterschiedlichen Zahlen der einzelnen Stellen nicht
möglich ist.
89
89 In Abschnitt IV-3 kann anhand anderer Befragungsergebnisse ge­
zeigt werden, dass fast auf jede Beratung ein Antrag folgt. In diesen
Bereichen, so auch die Rückmeldungen aus den Interviews mit den
entsprechenden zuständigen Stellen, scheint das Beratungsaufkom­
men relativ stark mit dem Antragsverhalten von Anerkennungsinter­
essierten zu korrespondieren.
Abbildung 3 Informations- und Beratungsaufkommen bei ausgewählten Institutionen – ein Überblick
90
Entgegennahme des Antrags durch die zuständige Stelle
Einstiegsberatung
bei der zuständigen Stelle
Erstberatung
Informationsangebote
Einstiegsberatungen (April 2012 bis Dezember 2014)
Handwerk:
26.425
Industrie und Handel:
mind. 13.508
Erstberatungen (April/August 2012 bis Dezember 2014)
IQ-Erstanlaufstellen und BAMF-Hotline/
Hotline Arbeiten und Leben in Deutschland:
64.926
Besuchszahlen (2014)
Portal AiD:
rund 1.117.000
Datenbank anabin:
rund 1.360.000
Quelle: Angaben siehe folgende Abschnitte; Darstellung des BIBB.
90 Siehe Fußnote 87 zu den Angaben zum Portal „Anerkennung in
Deutschland“ sowie zur Datenbank „anabin“.
1.1 Information
1.1.1 Portal „Anerkennung in Deutschland“
„Anerkennung in Deutschland“ ist das offizielle
Internetportal der Bundesregierung und informiert
seit 2012 rund um das Thema Anerkennung von im
Ausland erworbenen Qualifikationen (siehe II-2.2). Das
BIBB hat das Portal 2011 entwickelt und betreibt es im
Auftrag des BMBF. Es richtet sich an Anerkennungsin­
teressierte und beratende Personen aus dem In­ und
Ausland.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
57
Abbildung 4 Besuche und Seitenaufrufe von anerkennung-in-deutschland.de von 2012 bis 2014 (absolut)
700.000
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000
0
Mrz 12
Apr 12
Mai 12
Jun 12
Jul 12
Aug 12
Sep 12
Okt 12
Nov 12
Dez 12
Jan 13
Feb 13
Mrz 13
Apr 13
Mai 13
Jun 13
Jul 13
Aug 13
Sep 13
Okt 13
Nov 13
Dez 13
Jan 14
Feb 14
Mrz 14
Apr 14
Mai 14
Jun 14
Jul 14
Aug 14
Sep 14
Okt 14
Nov 14
Dez 14
Seitenaufrufe
Besuche
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt. Darstellung des BIBB.
In Abbildung 4 wird die Entwicklung der Zugriffszah­
len (Seitenansichten und Besuche
91
) auf das Angebot
seit April 2012 dargestellt.
91 Ein Besuch bedeutet, dass ein Besucher die Website besucht und
Seiten aufruft beziehungsweise Aktionen durchführt. Das Analyse­
tool PIWIK zählt einen neuen Besuch, wenn ein Besucher die Websi­
te nach 30 Minuten Inaktivität nochmals besucht.
Das Portal verzeichnet
eine kontinuierliche Steigerung der Besuchszahlen:
Waren es im Jahr 2012 insgesamt ca. 257.000 und
2013 ca. 560.000 Besuche, wurde es im Jahr 2014
rund 1.117.000­mal besucht. Diese Entwicklung
entspricht in etwa einer Verdopplung pro Jahr. Auch
die Anzahl der getätigten Seitenansichten weist eine
steigende Tendenz auf. Im Dezember 2014 erreichen
die Nutzungszahlen die höchsten Werte seit dem
Onlinegang: rund 133.000 Besuche mit rund 623.000
Seitenaufrufen. Seit der Online­Schaltung des Portals
im April 2012 wurde es insgesamt fast 2 Millionen
Mal besucht, wobei über 10 Millionen Seitenan­
sichten erfolgten.
Das große Interesse an dem Thema Anerkennung zeigt
sich auch an dem hohen Anteil an Besuchen aus dem
Ausland: Im Jahresdurchschnitt 2014 sind
47 Prozent
der Besuche von „Anerkennung in Deutschland“ aus
dem Ausland erfolgt. Tabelle 1 stellt die häufigsten
Herkunftsländer dar: Die meisten Besuche kamen aus
Italien
und der Russischen Föderation.
Tabelle 1 Top Ten der Herkunftsländer der Besuche
von anerkennung-in-deutschland.de 2014
(absolut)
Land
Besuche
Deutschland
589.856
Italien
47.767
Russische Föderation
42.609
USA
34.171
Ägypten
28.625
Polen
22.722
Spanien
20.714
Großbritannien
20.492
Indien
15.677
Rumänien
13.908
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des
Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

58
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Seit Juli 2014 wird das Portal (neben Deutsch und
Englisch) in fünf weiteren Sprachen angeboten.
92
92 Seit März 2015 wird es auch auf Griechisch angeboten.
Tabelle 2 zeigt die Seitenansichten in der jeweiligen
Sprachversion. Parallel zu der Entwicklung der Besuche
aus dem Ausland wird auch die italienische Version mit
über 130.000 Seitenansichten am häufigsten frequen­
tiert. Mit etwas Abstand folgen der spanische und der
polnische Auftritt. Vergleichsweise seltener werden die
rumänische und türkische Version des Portals besucht.
Tabelle 2 Nutzung des mehrsprachigen Angebots auf
anerkennung-in-deutschland.de von Juli bis
Dezember 2014 (absolut)
Sprachversion
Seitenansichten
Deutsch
1.623.792
Englisch
470.857
Italienisch
132.162
Spanisch
83.338
Polnisch
27.362
Rumänisch
14.620
Türkisch
14.362
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des
Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.
Über das Kontaktformular werden an das Portal
„Anerkennung in Deutschland“ zudem
Anfragen vor
allem von Privatpersonen zum Anerkennungsthema
gerichtet. Im Jahr 2014 erreichten das Portal ca. 3.380
Anfragen aus dem Inland und Ausland, die unter ande­
rem in Kooperation mit der BAMF­Hotline beantwor­
tet wurden.
Im Rahmen des Besuches des Portals haben die Nutze­
rinnen und Nutzer seit Herbst 2013 die Möglichkeit an
themenspezifischen Befragungen
teilzunehmen.
93
93 Die Fragen erscheinen bei jeder Person, die ausgewählte Seiten
besucht. Dargestellt werden im Folgenden die Ergebnisse bis De­
zember 2014.
Sie
wurden zu den Themen Interesse an einer Anerken­
nung, Aufenthaltsdauer und derzeitige Arbeitssituation
befragt. Die Fragen bilden dabei keine geschlossene
Befragung: Besucherinnen und Besucher mit einem
spezifischen Interesse, beispielsweise an Themen wie
Jobsuche oder berufliche Anerkennung, werden auf
den jeweiligen Seiten nach ihrer persönlichen Lage
befragt. Durch
den themenspezifischen Zugang zu den
Fragen kann es vorkommen, dass einzelne Personen
nur auf eine Frage antworten.
Tabelle 3 Gründe für ein Interesse an Anerkennung
von Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de
(in Prozent)
Warum sind Sie an einer Anerkennung Ihrer Qualifikation
interessiert?
Weil ich mehr verdienen möchte.
8 %
Weil ich mich bewerben will und damit meine Chancen
erhöhen möchte.
40 %
Weil ich die Anerkennung zwingend brauche
(mein Beruf ist reglementiert).
33 %
Ich möchte mich weiter qualifizieren.
18 %
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. n = 2.619. Zu 100 Prozent
fehlend = offene Angabe. Jeweils auf volle Prozentangaben gerundete
Werte, daher kann die Summe mehr oder weniger als 100 Prozent
ergeben. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über
das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.
Das Hauptmotiv (keine Mehrfachnennung) der be­
fragten Besucherinnen und Besucher des Portals ist es
durch eine Anerkennung bessere Chancen bei der Be­
werbung auf eine (neue) Stelle zu erzielen (40 Prozent).
Ein Drittel der Befragten gibt an, dass sie die Anerken­
nung für ihre Berufsausübung in einem reglemen­
tierten Bereich brauchen. 18 Prozent möchten sich im
Anschluss an eine Anerkennung ihres erlernten Berufs
weiter qualifizieren. Das Motiv, mehr Geld zu verdie­
nen, spielt für 8 Prozent der befragten Besucherinnen
und Besucher die Hauptrolle.
Tabelle 4 Aufenthaltsdauer in Deutschland von
Besucherinnen und Besuchern auf
anerkennung-in-deutschland.de
(in Prozent)
Leben Sie in Deutschland?
Nein.
29 %
Ja, weniger als 1 Jahr.
24 %
Ja, mehr als 2 Jahre.
19 %
Ja, mehr als 5 Jahre.
10 %
Ja, mehr als 10 Jahre.
18 %
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. n = 4.017. Jeweils auf volle
Prozentangaben gerundete Werte, daher kann die Summe mehr oder
weniger als 100 Prozent ergeben. Alle Nutzungszahlen des Portals
wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
59
Die befragten Besucherinnen und Besucher des Portals
leben überwiegend in Deutschland. Etwa ein Viertel
hält sich weniger als ein Jahr hier auf. Mehr als zwei
Jahre leben 19 Prozent der Befragten in Deutschland
und 10 Prozent mehr als fünf Jahre. Fast ein Fünftel der
Befragten lebt länger als zehn Jahre hier. Fast 30 Pro­
zent leben nicht in Deutschland.
Jeweils mehr als ein Drittel der befragten Besucherin­
nen und Besucher ist entweder arbeitslos oder arbei­
tet im erlernten Beruf. 17 Prozent arbeiten in einem
anderen Beruf und 4 Prozent befinden sich in einer
Fortbildung.
Tabelle 5 Arbeitssituation von Besucherinnen
und Besuchern auf anerkennung-in­
deutschland.de (in Prozent)
Wie sieht Ihre derzeitige Arbeitssituation aus?
Arbeit im gelernten Beruf
34 %
Arbeit in einem anderen Beruf
17 %
Arbeitslos
36 %
In einer Fortbildung
4 %
Anderes
10 %
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. n = 5.597. Jeweils auf volle
Prozentangaben gerundete Werte, daher kann die Summe mehr oder
weniger als 100 Prozent ergeben. Alle Nutzungszahlen des Portals
wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.
Zusammengefasst belegen die einzelnen Ergebnisse,
dass das Internetangebot des Anerkennungsportals
von sehr heterogenen Gruppen, was ihre Motive, ihren
Aufenthalt oder ihre Erwerbssituation betrifft, genutzt
wird.
Der
Anerkennungs-Finder
ist die zentrale Dienst­
leistung des Portals. Das Online­Tool wurde für die
Hauptzielgruppe des Portals entwickelt, das heißt
für Personen, die über kein oder kaum Vorwissen im
Bereich der Anerkennung und des deutschen Bildungs­
systems verfügen. Der Anerkennungs­Finder bietet den
Anerkennungsinteressierten zum einen die Möglich­
keit, einen ihrer ausländischen Qualifikation entspre­
chenden deutschen
Referenzberuf
zu ermitteln. Die
Datenbank umfasst aktuell über 700 Berufsprofile mit
der Möglichkeit der Volltextsuche und zusätzlicher
berufsfachlicher Verschlagwortung, die in der zweiten
Jahreshälfte 2014 für reglementierte Berufe in Bundes­
und Länderzuständigkeit um Berufsbezeichnungen
in 23 Sprachen erweitert wurde. Durch diese Such­
funktion soll jene Zielgruppe aufgefangen werden, die
insbesondere Schwierigkeiten mit der Identifizierung
der deutsch­ oder englischsprachigen Berufsbezeich­
nung hat. Zum anderen ermöglicht der Anerkennungs­
Finder durch wenige Klicks zu einer umfangreichen In­
formationsseite über Modalitäten der Anerkennung in
dem gewünschten Beruf (berufsspezifische Verfahren,
Tabelle 6 Nutzung der deutschen und englischen Berufsprofile auf anerkennung-in-deutschland.de
(jeweils die Zugriffszahlen auf die Startseiten der Berufsprofile) 2014 (absolut)
Deutsche Berufsprofile
Seitenansichten
Englische Berufsprofile
Seitenansichten
Lehrer/-in
19.843
Ingenieur/-in
14.353
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in
17.877
Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)
5.496
Ingenieur/-in
15.522
Fachärztin/Facharzt für Allgemeinmedizin
4.410
Ärztin/Arzt (Erteilung der Approbation)
14.521
Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation)
3.923
Erzieher/-in
11.035
Apotheker/-in (Erteilung der Approbation)
3.475
Sozialpädagogin/Sozialpädagoge, Sozialarbeiter/-in
6.053
Lehrer/-in
3.375
Altenpfleger/-in
5.368
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in
2.920
Betriebswirt/-in
4.807
Fachinformatiker/-in
2.607
Zahnärztin/Zahnarzt (Erteilung der Approbation)
4.782
Beratende/-r Ingenieur/-in
2.060
Psychologin/Psychologe
4.320
Architekt/-in
1.928
Quelle: anerkennung-in-deutschland.de. Alle Nutzungszahlen des Portals wurden über das Webstatistik-Tool PIWIK ermittelt.

 
60
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Bewertungskriterien, erforderliche Unterlagen, ein­
schlägige Gesetzgebung, nächste Beratungsstelle etc.)
zu gelangen. Auf dieser Seite wird auch – abhängig von
dem gewünschten Arbeitsort – die für die Anerken­
nung zuständige Stelle angezeigt. Zurzeit sind in der
dazugehörigen Datenbank über 1.500 Adressdatensätze
hinterlegt, die auch auf ihre Aktualität und Korrektheit
geprüft und gepflegt werden. Unter anderem geschieht
das durch ein Aktualisierungs­ und Qualitätssiche­
rungsverfahren, das vom Portal in Zusammenarbeit
mit den Ländern, Berufsverbänden und zuständigen
Stellen umgesetzt wird.
Etwa die Hälfte der getätigten Seitenansichten entfällt
im Jahresdurchschnitt in 2014 auf den Anerkennungs­
Finder, was eine starke Nachfrage an den dort hinter­
legten Inhalten zeigt. Die am häufigsten aufgerufenen
Berufsprofile auf Deutsch und Englisch sind in Tabel­
le 6 aufgeführt.
Das stärkste Interesse bei der Recherche im Anerken­
nungs­Finder besteht an dem in Deutschland reg­
lementierten Bereich, das heißt an den Berufen, bei
denen die Gleichwertigkeitsfeststellung eine unabding­
bare Voraussetzung für den Berufszugang bildet (Ta­
belle 6). Bei den deutschen Berufsprofilen werden vor
allem landesrechtlich geregelte Berufe (Lehrerin und
Lehrer (an erster Stelle), Ingenieurin und Ingenieur (an
dritter Stelle) und Erzieherin und Erzieher (an fünfter
Stelle)) eingesehen. Auch bundesrechtlich geregelte, re­
glementierte Berufe werden häufig aufgerufen (hier vor
allem Gesundheits- und Krankenpflegerin und -pfleger
(an zweiter Stelle), Ärztin und Arzt (an vierter Stelle) so­
wie Altenpflegerin und Altenpfleger (an siebter Stelle)).
Bei den englischen Berufsprofilen besteht vor allem ein
Interesse am Beruf Ingenieurin und Ingenieur, gefolgt
von unterschiedlichen Ärzteberufen und der Apothe­
kerin und dem Apotheker. In der deutschen wie auch
in der englischen Version spielen nicht reglementierte
Ausbildungsberufe und Meisterqualifikationen eine
untergeordnete Rolle.
Seit März 2013 ergänzt der
Profi-Filter
den Anerken­
nungs-Finder. Der Profi-Filter stellt diverse Experten-
Suchfunktionen für zuständige Stellen und Berufe
zur Verfügung. Er umfasst beispielsweise eine Fil­
termöglichkeit nach Regelungen (zum Beispiel Lan­
des­ oder Bundesregelung) oder nach Berufsgruppen.
Die Suchfunktion nach Berufsgruppen basiert auf der
einheitlichen nationalen Klassifikation der Berufe 2010
(KldB 2010). Dieser Filter ist eine Besonderheit im An­
erkennungsbereich: Er erlaubt eine erste Einschätzung
über mögliche Referenzberufe in einem bestimmten
Beschäftigungsfeld. Die ca. 290.000 Seitenansichten im
Jahr 2014 deuten darauf hin, dass der Filter von seiner
Experten­Zielgruppe (zum Beispiel Beratungsfachkräf­
te) gut genutzt wird.
1.1.2 Zentralstelle für ausländisches
Bildungswesen
Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen
(ZAB) stellt als zentrale Gutachtenstelle in Deutsch­
land Informationen zur Anerkennung ausländischer
Bildungsnachweise aus allen Nationalstaaten bereit.
Zu dieser und weiteren Aufgaben der ZAB siehe II­2.2.
Über die Datenbank anabin
(
http:/
/anabin.kmk.org
)
stellt die ZAB Behörden, Arbeitgebern, Bildungsinsti­
tutionen (vor allem Hochschulen) und Anerkennungs­
interessierten Informationen über die nationalen
Bildungssysteme und zur Bewertung ausländischer
Bildungsnachweise zur Verfügung. Die Datenbank
enthält über 100.000 Einträge zu Bildungsinstitutionen,
Abschlüssen und bewerteten Einzelfällen aus über 180
Ländern. Wer in anabin die zuständigen Stellen im Be­
reich der beruflichen Anerkennung sucht, nutzt dabei
den Anerkennungsfinder des Portals „Anerkennung in
Deutschland“.
Wie die Entwicklung der Zugriffszahlen auf die Daten­
bank anabin zeigt, ist das Interesse an Informationen
zum ausländischen Bildungswesen und an der Bewer­
tung ausländischer Bildungsnachweise in den letzten
Jahren deutlich angestiegen. Während in 2007 knapp
350.000 Besuche der Datenbank registriert wurden,
waren es 2014 mit rund 1.360.000 bereits über 1 Million
mehr (Abbildung 5).

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
61
Abbildung 5 Entwicklung der Besuchszahlen der Datenbank anabin von 2007 bis Ende 2014 (absolut)
94
1.600.000
1.400.000
1.200.000
1.000.000
800.000
600.000
400.000
200.000
0
Quelle: ZAB 2015.
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
94
94 Anzahl der Besuche auf der Site innerhalb eines Monats. Bei einem
Besuch können beliebig viele Seiten abgerufen werden. Ein Besuch
endet nach 30–120 Minuten. Weitere Seitenabrufe zählen dann als
neuer Besuch. Ein Besucher kann innerhalb eines Monats 1 – n Be­
suche machen.
Abbildung 6 Entwicklung der schriftlichen Anfragen im Gutachtenbereich bei der ZAB von 2006 bis Ende 2014
sowie der Anteil der schriftlichen Anfragen von Privatpersonen (absolut)
20.000
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
Private Anfragen
Anfragen gesamt
Quelle: ZAB 2015.

 
62
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Im Bereich der Gutachtentätigkeiten ist die Anzahl der
bearbeiteten Anfragen ebenfalls kontinuierlich ange­
stiegen. Wurden 2006 etwa 12.000 Anfragen bearbeitet,
erhöhte sich die Anzahl der erstellten Gutachten bis
2014 auf 17.500 pro Jahr. Die Anfragen von Privatper­
sonen stiegen im genannten Zeitraum sogar um ca.
130 Prozent von 2.050 auf ca. 4.700 Anfragen (siehe
Abbildung 6). Neben den schriftlichen Eingängen
wurden in 2014 weitere 13.800 telefonische Anfragen
beantwortet, von denen ca. 6.000 auf Privatpersonen
entfielen.
Auch die vor allem für ausländische Fachkräfte wich­
tige Bewertung von Hochschulqualifikationen auf
Grundlage der „Lissabon­Konvention“ wurde in den
letzten Jahren sehr stark nachgefragt. So erhöhte sich
die Anzahl der bei der ZAB eingehenden Anträge auf
Ausstellung einer „Zeugnisbewertung“ seit 2010 um
ca. 300 Prozent, von knapp 2.700 auf über 8.000 in 2014
(siehe Abbildung 7).
Abbildung 7 Entwicklung der Anträge auf Zeugnisbewertung bei der ZAB von 2010 bis 2014 (absolut)
9.000
8.000
7.000
6.000
5.000
4.000
3.000
2.000
1.000
0
2010
2011
2012
2013
2014
Quelle: ZAB 2015.
Die ZAB wird von den Ländern nach dem Königsteiner
Schlüssel finanziert, ebenso die Datenbank anabin. Die
Modernisierung der Datenbank erfolgte in den Jahren
2009 und 2010 mit finanzieller Unterstützung des Aus­
wärtigen Amtes.
1.1.3 BQ-Portal
Das BQ­Portal richtet sich als Informationsangebot zu
ausländischen Berufsqualifikationen in Deutschland
vorrangig an die zuständigen Stellen für die Anerken­
nung von bundeseinheitlich geregelten, vorwiegend
nicht reglementierten Berufen und bestimmten regle­
mentierten Berufen wie zum Beispiel Handwerksmeis­
terin und Handwerksmeister sowie Unternehmen. Es
unterstützt Kammern – vor allem im Handwerk – und
Arbeitgeber bei der Bewertung ausländischer Berufsab­
schlüsse. Zu dieser und weiteren Aufgaben des BQ­
Portals siehe II­2.2.
Im BQ­Portal waren zum Stichtag 31. Dezember 2014
insgesamt 69 Länderprofile, 958 ausländische Berufs­
profile aus 60 Ländern im öffentlichen Bereich und
386 Prüfergebnisse im internen Bereich veröffent­
licht. Im Jahr 2014 wurden 24 neue Länderprofile und
326 neue Berufsprofile erstellt. Damit werden rund
96 Prozent der Länder, aus denen Antragstellerin­
nen und Antragsteller kommen, abgedeckt. Auch bei
den eingestellten Prüfergebnissen zeichnet sich eine
deutliche Steigerung im Vergleich zum ersten Bericht
zum Anerkennungsgesetz ab (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 31).
Im Durchschnitt wird das BQ­Portal monatlich rund
6.100­mal aus dem In­ und Ausland besucht.

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
63
95
Abbildung 8 Besuche von bq-portal.de von 2012 bis 2014 (absolut)
95
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
Mrz 12
Apr 12
Mai 12
Jun 12
Jul 12
Aug 12
Sep 12
Okt 12
Nov 12
Dez 12
Jan 13
Feb 13
Mrz 13
Apr 13
Mai 13
Jun 13
Jul 13
Aug 13
Sep 13
Okt 13
Nov 13
Dez 13
Jan 14
Feb 14
Mrz 14
Apr 14
Mai 14
Jun 14
Jul 14
Aug 14
Sep 14
Okt 14
Nov 14
Dez 14
Quelle: IW Köln.
95 Ein Besuch bedeutet, dass ein Besucher die Website besucht und
Seiten aufruft beziehungsweise Aktionen durchführt. Das Analy­
setool etracker zählt einen neuen Besuch, wenn ein Besucher die
Website nach 30 Minuten Inaktivität nochmals besucht.
In Abbildung 8 wird die Entwicklung der Besuchs­
zahlen dargestellt. Das Portal verzeichnet eine konti­
nuierliche Steigerung der Besuchszahlen So sind die
durchschnittlichen monatlichen Besuchszahlen von
rund 4.200 im Jahr 2012 auf rund 7.300 im Jahr 2014
angestiegen. Die Zahl der Seitenaufrufe lag 2014 im
Durchschnitt bei 36.400 und erreichte mit 40.400 im
Februar ihren Höchststand. Zudem hat das Projekt­
team im Jahr 2014 gut 1.200 substanzielle Anfragen
von Kammermitarbeitenden rund um die Recherche
zu ausländischen Berufsabschlüssen sowie Fragen zu
Länder- und Berufsprofilen, zur Registrierung und zur
Dateneingabe beantwortet. Im Folgenden werden drei
Anfragetypen unterschieden (Zeitraum: 1. April 2012
bis 31. Dezember 2014):
Anfragen allgemeiner Natur (zum Beispiel techni­
sche Fragen, Fragen zu Nutzerzugängen):
ca. 15 pro Monat
96
(per E­Mail oder telefonisch),
96 Hier und im Folgenden: Durchschnittliche auf das Kalenderjahr 2014
bezogene Anzahl der Anfragen pro Monat.
fachliche Anfragen an die Länderexpertinnen und
Länderexperten aus dem Projektteam: ca. 65 pro
Monat (per E­Mail oder telefonisch),
Anfragen von zuständigen Stellen, die intensi­
ve Recherche­ und Abstimmungstätigkeiten des
Projektteams im In­ und Ausland in Interaktion mit
den zuständigen Stellen nach sich ziehen (mit einem
Zeitaufwand von mehreren Tagen bis hin zu mehre­
ren Monaten): ca. 22 pro Monat.
Der in Abbildung 9 dargestellte Verlauf bezieht sich
auf den Zeitraum vom 1. April 2012 bis zum 31. De­
zember 2014 und bildet nur die Anfragen ab, die mit
einem intensiven Recherche­ und Abstimmungsauf­
wand verbunden waren. In 2014 wurden 265 solcher
Anfragen von Kammern an das BQ­Portal gerichtet. In
der Abbildung sind die oben genannten Anfragetypen
(Anfragen allgemeiner Natur sowie fachliche Anfragen
an die Länderexpertinnen und Länderexperten) nicht
enthalten.
Nach Aussagen des IW Köln hängt der leichte Rück­
gang des Anfragenaufkommens im vergangenen Jahr
nicht mit der Anzahl der Antragstellungen zusammen,
denn diese ist weiter gestiegen, was sich auch in der
gestiegenen Zahl an dokumentierten Prüfergebnissen
im internen Bereich des BQ­Portals niederschlägt. Es
ist vielmehr Folge von weiteren Aktivitäten des BQ­
Portals, wie Unterstützungs­ und Aktivierungsmaß­
nahmen, beispielsweise im Rahmen von Schulungen,

 
64
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Telefonberatungen und Workshops, die die selbst­
ständige Vorgehensweise der zuständigen Kammern
fördern.
Abbildung 9 Entwicklung der Anfragen mit intensiven Recherche- und Abstimmungstätigkeiten des BQ-Portals
pro Monat (absolut)
40
35
30
25
20
15
10
5
0
Apr 12
Mai 12
Jun 12
Jul 12
Aug 12
Sep 12
Okt 12
Nov 12
Dez 12
Jan 13
Feb 13
Mrz 13
Apr 13
Mai 13
Jun 13
Jul 13
Aug 13
Sep 13
Okt 13
Nov 13
Dez 13
Jan 14
Feb 14
Mrz 14
Apr 14
Mai 14
Jun 14
Jul 14
Aug 14
Sep 14
Okt 14
Nov 14
Dez 14
Quelle: IW Köln.
1.2 Beratung durch IQ-Erstanlaufstellen und
BAMF-Hotline/Hotline Arbeiten und Leben in
Deutschland
Die Erstanlaufstellen, insbesondere die Beratungs­
stellen des Förderprogramms IQ sowie IQ­externe
Beratungsstellen und die BAMF­Hotline
97
bieten
Anerkennungsinteressierten Grundinformationen im
Sinne einer
Erstberatung.
98
Am 1. Dezember 2014 wur­
de die Anerkennungs­Hotline des BAMF zur „Hotline
Arbeiten und Leben in Deutschland“
99
ausgeweitet.
97 Das Beratungsaufkommen des BAMF, welches in diesem Teil des
Berichts dargestellt wird, bezieht sich nur auf die Beratungen zu
beruflichen Abschlüssen. Beratungen zu Schulabschlüssen, Führung
akademischer Grade usw. werden nicht betrachtet.
98 Dabei muss beachtet werden, dass die Angebote unterschiedliche
Beratungstiefen und Intensitäten haben. Siehe dazu II-2.2.
99 Daher wird im Folgenden von den Hotlines gesprochen. Siehe dazu
auch II-2.2.
Gegenstand der Erstberatung ist die Klärung des
Anerkennungsanliegens sowie die Feststellung, ob die
notwendigen Voraussetzungen für die Inanspruchnah­
me eines Anerkennungsverfahrens gegeben sind. Die
Ratsuchenden erhalten Informationen zum Verfahren
und der entsprechende
deutsche Referenzberuf wird,
im Sinne einer Vorklärung, identifiziert. Im Vorfeld der
Antragstellung unterstützt die Erstberatung bei der Be­
schaffung der notwendigen Dokumente. Des Weiteren
wird eine „Verweisberatung“ an die entsprechende zu­
ständige Stelle durchgeführt.
100
100 Für eine detaillierte Beschreibung der Erstberatung siehe Erbe u. a.
2014, S. 68 ff.
Zu dieser und weiteren
Aufgaben der Erstanlaufstellen siehe II­2.2.
Die vorliegenden Daten der IQ­Beratungsstellen und
der Hotlines (siehe Datensatzbeschreibung im Anhang
A2) liefern Informationen zum Beratungsaufkommen
bei den Erstanlaufstellen.
1.2.1 Beratungsaufkommen
Seit April 2012 beziehungsweise August 2012 doku­
mentierten die Hotlines und die IQ­Beratungsstellen
fast
65.000 Beratungen
. Abbildung 10 stellt das Bera­
tungsaufkommen der Hotlines und der IQ-Beratungs­
stellen im Zeitverlauf dar.
Wie die Daten zum Zeitverlauf des Beratungsaufkom­
mens deutlich zeigen, wurden bei den IQ­Erstanlauf­

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
65
stellen und bei den Hotlines im Jahr 2014 mehr Perso­
nen in Fragen zur Anerkennung im Ausland erworbener
Berufsabschlüsse beraten als in den Jahren zuvor.
Abbildung 10 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf unterteilt
nach Angebot (absolut)
2.000
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
600
400
200
0
Apr 12
Jun 12
Aug 12
Okt 12
Dez 12
Feb 13
Apr 13
Jun 13
Aug 13
Okt 13
Dez 13
Feb 14
Apr 14
Jun 14
Aug 14
Okt 14
Dez 14
IQ-Erstanlaufstellen
Hotlines
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 24. Februar 2015); n = 64.926; Berechnungen und Darstellung des BIBB.
Auch bei der BAMF­Anerkennungs­Hotline (zu diesem
Zeitpunkt gab es die „Hotline Arbeiten und Leben in
Deutschland“ noch nicht, daher nur bei der BAMF­
Hotline) erfolgte nach dem Jahreswechsel 2013 zu 2014
ein Anstieg der durchgeführten Beratungen, allerdings
gab es weniger Anfragen zwischen April und Septem­
ber 2014. Darüber hinaus ist abermals, wie schon im
Dezember 2012, für Dezember 2013 ein urlaubs­ und
feiertagsbedingter zwischenzeitlicher Rückgang der
Erstberatungen festzustellen. Der Anstieg im Dezember
2014 bei der Hotline ist wohl auf deren Neuausrichtung
und Erweiterung sowie verstärkte Marketingaktivitä­
ten (unter anderem durch das Portal „Anerkennung
in Deutschland“) zurückzuführen (vgl. Hoffmann und
Tatarlieva 2014, S. 12 f. und 42 f.).
Auffällig ist der fast parallele Verlauf des Beratungs­
aufkommens für europäische Staatsbürgerinnen und
­bürger sowie Staatsangehörige eines Staates außerhalb
Europas (siehe Abbildung 11). Zwar liegen die Bera­
tungszahlen für die nicht europäischen Staatsangehöri­
gen zu jedem Zeitpunkt unter denen der europäischen
Staatsangehörigen, das Aufkommen steigt jedoch in
ähnlicher Weise stetig. Zum Jahreswechsel 2013 zu 2014
kommt es bei beiden Staatsangehörigkeitsgruppen zu
einem Anstieg der Anfragen; allerdings ist der Anstieg
bei den europäischen Staatsangehörigen intensiver als
bei den anderen.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das Bera­
tungsaufkommen im Rahmen der Erstberatung bei den
IQ­Erstanlaufstellen und den Hotlines im Vergleich zum
ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz gestiegen ist.
Bei der
Art der Beratung
zeigen sich deutliche Unter­
schiede zwischen den beiden Angeboten. Dies liegt
vor allem an den unterschiedlichen Typen der Be­
ratungsangebote.
101
101 So wird von den Hotlines keine Face-to-Face-Beratung angeboten.
Während die Hotlines in erster
Linie telefonische Beratung durchführen (73 Prozent
der Beratungen), bieten die IQ­Erstanlaufstellen vor

66
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
allem Gespräche vor Ort an. So macht bei diesen die
Face­to­Face­Beratung mit fast zwei Dritteln auch den
größeren Anteil der Beratungsleistung aus. Das andere
Drittel entfällt auf die telefonische oder E­Mail­Be­
ratung (siehe Abbildung 12). Im Vergleich zum ersten
Bericht zum Anerkennungsgesetz ist der Anteil der
persönlichen Beratung leicht angestiegen (vgl. Erbe
u. a. 2014, S. 74).
Abbildung 11 Beratungsaufkommen bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen im Zeitverlauf unterteilt
nach Staatsangehörigkeit (Europa/nicht Europa) (absolut)
1.800
1.600
1.400
1.200
1.000
800
600
400
200
0
Apr 12
Mai 12
Jun 12
Jul 12
Aug 12
Sep 12
Okt 12
Nov 12
Dez 12
Jan 13
Feb 13
Mrz 13
Apr 13
Mai 13
Jun 13
Jul 13
Aug 13
Sep 13
Okt 13
Nov 13
Dez 13
Jan 14
Feb 14
Mrz 14
Apr 14
Mai 14
Jun 14
Jul 14
Aug 14
Sep 14
Okt 14
Nov 14
Dez 14
nicht Europa
Europa
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 24. Februar 2015); n = 58.813; Berechnungen und Darstellung des BIBB.
Abbildung 12 Beratungsart bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (in Prozent)
IQ-Erstanlaufstellen
Hotlines
35 %
65 %
Face-to-face
telefonische oder E-Mail-Beratung
27 %
73 %
telefonische Beratung
E-Mail-Beratung
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014 Stichtag: 24. Februar 2015); n = 64.926; Berechnungen und Darstellung des BIBB.

 
III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
67
1.2.2 Soziodemografische Daten der Beratungs-
interessierten
In Hinblick auf das
Geschlech
t der Beratenen zeigt
sich, dass die Erstberatung von den IQ­Erstanlaufstel­
len und den Hotlines häufiger von Frauen in Anspruch
genommen wird (61 Prozent). Männer machen mit
39 Prozent den weitaus kleineren Anteil in der Bera­
tung aus.
Der Blick auf die
Altersstruktur
(siehe Abbildung 13)
zeigt, dass die 25- bis 34-Jährigen mit 45 Prozent die
größte Gruppe der Beratungsinteressierten darstellt,
gefolgt von den 35- bis 44-Jährigen mit 31 Prozent.
Insgesamt zeigen sich kleinere Unterschiede zwischen
den beiden Beratungsangeboten. Bei den Hotlines sind
etwa 12 Prozent der Beratenen jünger als 25 Jahre, bei
den IQ-Erstanlaufstellen etwa 9 Prozent. Insgesamt
betrachtet sind 54 Prozent der Anerkennungsinteres­
sierten zum Zeitpunkt des Erstkontakts 34 Jahre oder
jünger. Dieses sind Personen, für die sich eine Aner­
kennung besonders lohnt, da sie noch ein langes Er­
werbsleben vor sich haben (vgl. Hoffmann 2014, S. 46).
Gleich niedrig ist bei beiden Angeboten der Anteil von
beratenen Personen, die 55 Jahre und älter sind (etwa
2,5 Prozent).
Abbildung 13 Alter (kategorisiert) bei Erstkontakt mit den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen (absolut)
20.000
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 24. Februar 2015); n = 41.518; Berechnungen und Darstellung des BIBB.
unter 20 Jahre
20 bis 24 Jahre
25 bis 34 Jahre
35 bis 44 Jahre
45 bis 54 Jahre
55 bis 64 Jahre
65 Jahre oder
älter
3.494
18.689
12.722
5.221
995
339
58
12 Prozent der Beratenen haben die deutsche
Staatsan­
gehörigkeit
und bilden damit die größte Gruppe (dies
ähnelt den in Abschnitt III­2 dargestellten Verteilungen
bei den Antragstellenden). Darauf folgen die Staats­
angehörigen Polens mit 9 Prozent, der Russischen
Föderation mit 8 Prozent, Rumäniens mit 5 Prozent
und der Türkei mit 5 Prozent. Weniger als die Hälfte der
Beratungsinteressierten sind Staatsangehörige eines
EU28-Landes (etwa 46 Prozent). Dieses bedeutet einen
relativ hohen Anstieg innerhalb dieser Gruppe.
102
102 Im ersten Bericht zum Anerkennungsgesetz macht die Gruppe der
EU27-Staatsangehörigen 35 Prozent aus (Erbe u. a. 2014). Durch den
Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013 fallen diese Staatsangehörigen in
diesem Bericht in die Gruppe der Mitgliedsstaaten der Europäischen
Union.
Der Großteil der Beratungssuchenden hat seinen
Wohnort
in Deutschland (86 Prozent). Jedoch gibt es
deutliche Unterschiede zwischen den Angeboten. Wäh­
rend ein Viertel der von den Hotlines beratenen

68
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Personen ihren Wohnsitz nicht in Deutschland haben,
sind es bei den IQ­Erstberatungsstellen weniger als
6 Prozent (vgl. Hoffmann und Tatarlieva 2014, S. 50).
Die ausländischen Beratungsgesuche entfallen auf
148 weitere Staaten. Von denen, die einen Wohnort im
Ausland angegeben haben, kommen die häufigsten
Beratungswünsche aus Indien (fast 6 Prozent) sowie
Polen, Bosnien und Herzegowina und der Türkei mit
jeweils 5 Prozent. Die Mitgliedsstaaten der EU bilden
mit etwa 36 Prozent den größten Anteil.
Die Hälfte der Beratungssuchenden hält sich erst seit
Kurzem in Deutschland auf; 52 Prozent sind seit bis zu
zwei Jahren in Deutschland. 19 Prozent sind länger als
zehn Jahre in Deutschland (siehe Abbildung 14) (eben­
da, S. 20 und 51).
Abbildung 14 Aufenthaltsdauer (kategorisiert) der von den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen beratenen
Personen in Deutschland (absolut)
25.000
20.000
15.000
10.000
5.000
0
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014 Stichtag: 24. Februar 2015); n = 43.630; Berechnungen und Darstellung des BIBB.
bis zu 2 Jahre
3 bis 5 Jahre
6 bis 10 Jahre
über 10 Jahre
22.843
6.351
6.049
8.387
Die IQ­Erstanlaufstellen dokumentieren bei ihrer
Beratung auch den Erwerbsstatus. Der Anteil ihrer Be­
ratungsinteressierten, die zum Zeitpunkt der Beratung
nicht erwerbstätig beziehungsweise arbeitssuchend
sind, ist mit über zwei Drittel (67 Prozent) hoch. Von
dieser Gruppe ist fast die Hälfte der Personen (49 Pro­
zent) im SGB II-Bezug. 11 Prozent sind im SGB III-
Bezug. Ein Drittel der Nichterwerbstätigen (31 Prozent)
erhält keine Leistungen. Nur etwa jede/r sechste Bera­
tungsinteressierte (16 Prozent) ging zum Zeitpunkt der
Beratung einer sozialversicherungspflichtigen abhängi­
gen Beschäftigung nach (ebenda, S. 40 f.).
Die Beratungssuchenden weisen ein hohes Qualifika­
tionsniveau auf. Etwa zwei Drittel der Beratungssu­
chenden haben einen Hochschulabschluss (61 Prozent)
beziehungsweise eine Ausbildung und einen Hoch­
schulabschluss (5 Prozent). Bei etwa einem Drittel wur­
de eine Ausbildung als höchster beruflicher Abschluss
dokumentiert (34 Prozent) (ebenda, S. 24). Deutlich
werden Unterschiede zwischen den Angeboten. Bei
den Hotlines haben mehr als zwei Drittel der Berate­
nen einen Hochschulabschluss, etwa 1 Prozent einen
Hochschulabschluss und eine berufliche Ausbildung
103
und weniger als ein Drittel ausschließlich eine Aus­
bildung. Bei den IQ­Erstanlaufstellen sind es weniger
als 60 Prozent, die ausschließlich einen Hochschulab­
schluss haben, etwas mehr als 7 Prozent, die sowohl
einen Hochschulabschluss als auch eine Ausbildung
vorweisen, und mehr als ein Drittel, die ausschließlich
eine berufliche Ausbildung haben.
103 Die BAMF-Hotline hat erst seit dem 1. Januar 2014 die Möglichkeit
mehrere Abschlüsse pro Person zu erfassen.

 
III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
69
Das hohe Qualifikationsniveau spiegelt sich auch in der
Top Ten der Referenzberufe wider, zu denen beraten
wurde.
1.2.3 Top Ten der Referenzberufe
Bei Beratungsinteressierten mit Wohnsitz in Deutsch­
land zeigt sich eine andere Reihenfolge der am häu­
figsten nachgefragten Referenzberufe als bei jenen mit
Wohnsitz im Ausland.
Die Verteilung der zehn häufigsten Berufe
104
in der
Erstberatung ist in Tabelle 7 ersichtlich.
104 Berücksichtigt werden sowohl landesrechtlich als auch bundesrecht­
lich geregelte Berufe. Unter den landesrechtlichen Berufen sind in
der Berufeliste in der Datenbank nur landesrechtlich reglementierte
Berufe enthalten.
Die „Top Ten­
Berufe“ der Personen mit Wohnsitz in Deutschland
machen insgesamt 41 Prozent aller für diese Gruppe
identifizierten Referenzberufe aus, das heißt die Berufe
ab Platz elf machen 59 Prozent aus. Die „Top Ten-Be­
rufe“ der Personen mit Wohnsitz im Ausland hingegen
machen 56 Prozent aller Referenzberufe dieser Perso­
nengruppe aus. Insgesamt überwiegen reglementierte
Berufe – hier insbesondere die landesrechtlich geregel­
ten – in der Beratung von IQ­Erstanlaufstellen und den
Hotlines. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass auch
die Kammern im Bereich der nicht reglementierten
Berufe eine hohe Zahl von Beratungen durchführen
(siehe III­1.3).
Tabelle 7 Die
zehn häufigsten Berufe in der Beratung bei den Hotlines und den IQ-Erstanlaufstellen
nach Wohnsitz (absolut und in Prozent)
Wohnsitz in Deutschland
Wohnsitz im Ausland
Lehrer/-in
5.824
28,0 %
Ärztin/Arzt
1.099
23,3 %
Ingenieur/-in
3.708
17,9 %
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in
924
19,5 %
Gesundheits- und Krankenpfleger/-in
2.494
12,0 %
Ingenieur/-in
923
19,5 %
Erzieher/-in
1.979
9,5 %
Lehrer/-in
504
10,7 %
Betriebswirt/-in
1.674
8,1 %
Zahnärztin/Zahnarzt
372
7,9 %
Ärztin/Arzt
1.395
6,7 %
Erzieher/-in
202
4,3 %
Sozialpädagogin/Sozialpädagoge
1.028
5,0 %
Physiotherapeut/-in
189
4,0 %
Ökonom/-in
1.018
4,9 %
Betriebswirt/-in
187
4,0 %
Bürokauffrau/Bürokaufmann
850
4,1 %
Informatiker/-in
171
3,6 %
Psychologin/Psychologe
785
3,8 %
Apotheker/-in
155
3,3 %
20.755
100 %
4.726
100 %
Quelle: Hotline-Beratungsdaten (1. April 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 1. Januar 2015) und IQ-Beratungsdaten
(1. August 2012 bis 31. Dezember 2014; Stichtag: 24. Februar 2015); n = 59.675; Berechnungen des
BIBB.
1.3 Einstiegsberatung bei den Kammern
Die Kammern bieten im Vorfeld der Antragstellung
eine eigene Einstiegsberatung für Anerkennungsin­
teressierte an. Ziel der Einstiegsberatung ist es, Aner­
kennungsinteressierte im Vorfeld der Antragstellung
über den Referenzberuf, das Anerkennungsverfahren,
die rechtlichen Grundlagen und die Anforderungen,
beispielsweise hinsichtlich der zu erbringenden Unter­
lagen zu informieren.
Die Einstiegsberatung ist als eine individuelle, verfah­
rensvorbereitende Beratung angelegt. Zunächst findet
in beiden Kammerbereichen eine Vorklärung des
Anliegens der Anerkennungsinteressierten statt; dazu
gehört die Ermittlung der Zuständigkeit und eine Klä­
rung des Anerkennungsanliegens und des Verfahrens­
anspruchs. Im Bereich der Industrie­ und Handelskam­
mern erfolgt die Entscheidung über die Zuständigkeit
und das Bestehen eines Anspruches auf

70
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
106
107
ein Verfahren nach dem BQFG durch die IHK FOSA.
Sollte sich herausstellen, dass andere Verfahren besser
zu den Zielen der Anerkennungsinteressierten passen,
beraten die Kammern auch zu alternativen Verfahren
(siehe IV­3.3 und IV­3.4).
Darauf folgt eine verfahrensbezogene Beratung. Diese
beinhaltet die Weitergabe von grundlegenden Informa­
tionen zum Anerkennungsverfahren und die Identifika­
tion und Festlegung des Referenzberufs für die Antrag­
stellung. Die finale Festlegung des Referenzberufs erfolgt
durch die IHK FOSA. Im Rahmen der Beratung wird
auch eine Vorprüfung auf Vollständigkeit der zu erbrin­
genden Dokumente durchgeführt. Der Abschluss der
Beratung beinhaltet eine Planung der nächsten Schritte
der Anerkennungsinteressierten mit dem Ziel, einen
Antrag auf Gleichwertigkeitsfeststellung zu stellen.
105
105 Für eine detaillierte Beschreibung der Erstberatung siehe Erbe u. a.
2014, S. 68 ff.
Im Handwerksbereich sind die Vor­Ort­Kammern für
die Beratung und die Gleichwertigkeitsfeststellung
verantwortlich. Im IHK­Bereich bieten die Vor­Ort­
Kammern die Einstiegsberatung an. Die Gleichwertig­
keitsprüfung wird für 77 von 80 Kammern durch die
IHK FOSA durchgeführt (vgl. II­2.1).
Im
Kammerbereich
wurden seit 1. April 2012 fast
40.000 Beratungen
gemeldet. Auf den Handwerksbe­
reich entfallen davon 26.425 Beratungen. Im Bereich
Industrie und Handel ist die IHK FOSA – bis auf die
Kammern Wuppertal­Solingen­Remscheid, Hannover
und Braunschweig – die zuständige Stelle. Für die Bera­
tung im Vorfeld der Antragstellung und auch für even­
tuelle Folgeberatungen sind die Vor­Ort­Kammern
verantwortlich. Sie dokumentierten 13.508 Beratungen
(siehe Tabelle 8).
Von den Industrie­ und Handelskammern wurden,
über die Einstiegsberatungen zum BQFG hinaus, mehr
als 8.500 Verweisberatungen zu anderen Stellen und
etwa 600 Beratungen zum Bundesvertriebenengesetz
(BVFG) durchgeführt.
Bei den Handwerkskammern wurden keine Daten zur
Verweisberatung zu anderen Stellen erhoben; die hier
erfassten Daten im Handwerk bilden nur Beratungen
ab, die länger als zehn Minuten dauern. Verweisbera­
tungen fallen nach
Aussagen der Handwerkskammern
unter die „Zehn­Minuten­Grenze“.
Die meisten Beratungen wurden in Nordrhein­West­
falen durchgeführt. Auf den Handwerksbereich ent­
fallen dabei über 5.000 und auf den IHK­Bereich weit
über 3.000 Beratungen. Im Handwerk folgen die Länder
Baden­Württemberg, Hessen und Bayern als weitere
beratungsintensive Regionen. Bei den Industrie­ und
Handelskammern sind es vor allem die Länder Bayern,
Baden­Württemberg und die Stadtstaaten, wo sich eine
hohe Nachfrage an Beratung abzeichnet.
Tabelle 8 Beratungen im Kammerbereich seit
1. April 2012
106
(absolut)
IHK
HWK
Baden-Württemberg
1.878
4.972
Bayern
2.420
4.389
Brandenburg
8
310
Hessen
1.337
4.446
Mecklenburg-Vorpommern
19
29
Niedersachsen
2.362
1.066
NRW
3.225
5.167
Rheinland-Pfalz
110
1.552
Saarland*
443
Sachsen
113
641
Sachsen-Anhalt
42
203
Stadtstaaten**
1.926
2.461
Schleswig-Holstein
53
643
Thüringen
15
103
Gesamt
13.508
26.425
* Für den IHK-Bereich liegt aus diesem Land keine Meldung vor.
** Berlin, Bremen und Hamburg.
107
Quelle: DIHK-Sonderauswertung des Archiv- und Dokumentations
systems für Anerkennungsberatungen (Stichtag: 31. Dezember 2014)
und BIBB-Befragung (2014) der Industrie- und Handelskammern;
BIBB-/ZDH-Befragung (2014) der Handwerkskammern;
(Stichtag: 31. Dezember 2014); Berechnungen des BIBB.
­
106 Insgesamt haben 68 von 80 Industrie- und Handelskammern eine
Rückmeldung zum Beratungsaufkommen gegeben. Das Datenma­
nagement-Tool des Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK) wird derzeit von 63 IHKn genutzt. Bei fünf weiteren IHKn
wurden über die BIBB-Befragung Daten zur Beratung erfasst (Stich­
tag: 31. März 2014). Die Industrie- und Handelskammer zu Hannover
ist Projektnehmer im Rahmen des Förderprogramms IQ. Insgesamt
sind daher die dargestellten Daten aus dem IHK Bereich als Mindest­
zahl zu interpretieren.
Alle 53 Handwerkskammern haben eine Rückmeldung zur Einstiegs­
beratung gegeben. Die Handwerkskammern wurden in Absprache mit
dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gebeten, Anga­
ben zur Häufigkeit der durchgeführten Einstiegsberatung zu machen.
107 Da die Beratungsdaten zum Teil im Rahmen von ausführlicheren
Befragungen erhoben wurden, sollten diese drei Staaten beim Land
nur „Stadtstaat“ angeben, um die Anonymität zu gewährleisten.

 
III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
71
108
2. Die amtliche Statistik für bundesrechtlich geregelte Berufe
108
108 Bei den hier referierten Absolutwerten handelt es sich jeweils um
auf ein Vielfaches von 3 gerundete Werte.
Zielgruppe
Information &
Beratung
Verfahren
ggf. Anpassungs­
qualifizierung
Nutzung
für den Beruf
Das Wichtigste in Kürze:
Y
Insgesamt wurden seit Inkrafttreten des Gesetzes
am 1. April 2012 bis zum 31. Dezember 2013 be­
reits 26.466 Anträge auf die Anerkennung einer im
Ausland erworbenen Berufsqualifikation gestellt.
Im Jahr 2013 wurden insgesamt 16.695
109
Ver­
fahren von den zuständigen Stellen bearbeitet,
darunter waren 15.477 neue Anträge.
109 Diese Angaben sind als Untergrenze zu verstehen, da die Meldungen
einiger zuständiger Stellen nicht vollständig erfolgten.
Von den neuen Anträgen im Jahr 2013
bezogen sich 77,9 Prozent auf einen regle­
mentierten und 22,1 Prozent auf einen nicht
reglementierten Referenzberuf.
Y
13.344 Verfahren wurden im Jahr 2013 von den
zuständigen Stellen beschieden.
Insgesamt 9.969 Qualifikationen konnten als
voll gleichwertig anerkannt werden (74,7 Pro­
zent der beschiedenen Verfahren).
Die Ablehnungsquote bei den Bescheiden
(keine Gleichwertigkeit sowie Unaufklärbar­
keit des Sachverhaltes) ist mit 4,0 Prozent
weiterhin niedrig.
Im Bereich der nicht reglementierten Be­
rufe ist der Anteil der negativ beschiedenen
Verfahren (keine Gleichwertigkeit sowie
Unaufklärbarkeit des Sachverhaltes) von
24,9 Prozent im Jahr 2012 auf 4,4 Prozent
im Jahr 2013 gefallen.
Die meisten Verfahren wurden mit 78,2 Prozent
in den reglementierten Berufen durchgeführt.
Dabei entfielen allein 62,9 Prozent aller Verfahren
auf die Referenzberufe Ärztin und Arzt (Approba­
tion) sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin
und -pfleger.
Die häufigsten Ausbildungsstaaten sind Polen,
Rumänien sowie die Russische Föderation.
Bei 9,4 Prozent der Verfahren hatten die Antrag­
stellenden ihren Wohnsitz im Ausland.
Durchschnittlich dauerte ein Anerkennungsver­
fahren vom Vorliegen der vollständigen Unterla­
gen bis zum ersten rechtsmittelfähigen Bescheid
59 Tage.
Mittlerweile liegen Ergebnisse der amtlichen Statistik
für die Jahre 2012 (1. April bis 31. Dezember) sowie
2013 (1. Januar bis 31. Dezember) vor.
110
110 Wie im ersten „Bericht zum Anerkennungsgesetz“ (Erbe u. a. 2014,
S. 42 f.) dargestellt wurde, gab es bei den Daten für 2012 noch
einige Unplausibilitäten. Durch die Entwicklung weiterer Plausibi­
litätsfilter sowie die Anpassung der „Begriffe und Erläuterungen“
(vgl. Statistisches Bundesamt 2014) zur Statistik konnte die Zahl
unplausibler Angaben verringert werden. Dennoch sind auch in den
Daten für 2013 wieder Meldungen enthalten, die Merkmalsausprä­
gungen kombinieren, die inhaltlich nicht möglich sind. So wurden
zum Beispiel 159 Fälle bei reglementierten Berufen gemeldet,
bei denen eine Entscheidung sowohl unter Berücksichtigung
der Berufserfahrung als auch gleichzeitig als eine automatische
Anerkennung im Sektorenberuf erfolgte. In diesen Fällen wird die
Gleichwertigkeit der Berufsqualifikation nach den Vorgaben der Be­
rufsanerkennungsrichtlinie (Titel III, Kapitel III) und der jeweiligen
Umsetzung im Fachgesetz automatisch anerkannt. Daher muss die
Berufserfahrung nicht berücksichtigt werden, weshalb es sich um
Falschmeldungen handeln muss. Es wird laufend daran gearbeitet,
unplausible Meldungen in den kommenden Jahren weitestgehend
auszuschließen. Zudem kommt es bei einer vergleichsweise jungen
Statistik in den ersten Erhebungsjahren erfahrungsgemäß noch zu
fehlerhaften Meldungen.
Rechtliche
Grundlage für die Erhebung der Daten sind § 17 BQFG
sowie die Regelungen im Fachrecht, die auf § 17 BQFG
verweisen. Im Vergleich zu 2012 hat sich in Bezug auf
die Erhebungsmerkmale (vgl. Erbe u. a. 2014, S. 42) kei­
ne Änderung ergeben. Das heißt unter anderem, dass
auch in der Statistik für 2013 keine Informationen über
zurückgezogene Anträge vorhanden sind. Diese werden
ab der Erhebung für 2015, welche in 2016 stattfindet,
Bestandteil der amtlichen Statistik sein.

72
BERICHT ZUM ANERKENNUNGSGESETZ 2015
Die hier dargestellten Ergebnisse der amtlichen Statis­
tik beziehen sich ausschließlich auf
bundesrechtlich
geregelte Berufe
. Für die landesrechtlich geregelten
Berufe gibt es bisher noch keine koordinierte Statistik,
sodass eine zusammenhängende Abbildung des gesam­
ten Anerkennungsgeschehens in Deutschland noch
nicht möglich ist. Diese wird jedoch angestrebt.
Für das Berichtsjahr 2013 wurden dem Statistischen
Bundesamt insgesamt
16.695 Verfahren
auf Anerken­
nung einer im Ausland erworbenen Berufsqualifikation
in den Bundesberufen gemeldet. Davon waren
15.477
Meldungen
neue Anträge, die im Jahr 2013 erstmalig
gestellt wurden. Die verbleibenden 1.218 Meldungen
des Jahres 2013 beziehen sich auf Anträge, die bereits
im Jahr 2012 gestellt und in 2012 nicht abschließend
bearbeitet wurden.
Vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 wurden insge­
samt
13.344 Verfahren beschieden
. Abbildung 15 zeigt,
wie sich die Anträge und die Bescheide auf reglemen­
tierte und nicht reglementierte Berufe in den Berichts­
jahren 2012 und 2013 verteilen.
Abbildung 15 Verteilung der Verfahren und Bescheide auf reglementierte und nicht reglementierte Berufe
für 2012 und 2013 (absolut und in Prozent)
Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung des BIBB, gemeldete Verfahren 2012 und 2013; bei Verfahren 2012 N = 10.989, bei Bescheiden 2012
N = 7.980, bei neuen Verfahren 2013 N = 15.477, bei gemeldeten Verfahren 2013 N = 16.695 bei Bescheiden 2013 N = 13.344.
18.000
16.000
14.000
12.000
10.000
8.000
6.000
4.000
2.000
0
gemeldete Verfahren
2012 insgesamt
Bescheide 2012
neue Verfahren 2013
gemeldete Verfahren
2013 insgesamt
Bescheide 2013
gesamt
79,8 %
90,0 %
77,9 %
78,2 %
78,6 %
20,2 %
10,0 %
22,1 %
21,8 %
21,4 %
reglementierte Berufe
nicht reglementierte Berufe
Dabei wird deutlich, dass sowohl 2012 als auch 2013
mehr als drei Viertel aller Anträge für die Anerkennung
eines reglementierten Referenzberufes gestellt wurden.
Dies ist vor allem darin begründet, dass bei reglemen­
tierten Berufen eine erfolgreiche Anerkennung der Be­
rufsqualifikation die Voraussetzung zur Ausübung des
Berufes in Deutschland ist. Im Bereich der reglemen­
tierten Berufe wurden 2013 80,3 Prozent der Verfahren
beschieden (2012 waren es 81,8 Prozent), im Bereich
der nicht reglementierten Berufe waren es 78,5 Prozent
(im Jahr 2012 waren es 36,1 Prozent). Bei den übrigen
Anträgen stand zum Stichtag 31. Dezember 2013 eine
Entscheidung noch aus. Es zeigt sich also, dass sich der
Anteil der abgeschlossenen Verfahren im Bereich der
nicht reglementierten Berufe mehr als verdoppelt hat.
Eine mögliche Erklärung hierfür ist, dass sich nach
der Anfangsphase und dem Aufbau neuer Strukturen
für die neuen Verfahren nach dem BQFG die Abläufe
bei den zuständigen Stellen etabliert haben und damit
zügigere Verfahren bereitgehalten werden können.
Von den insgesamt 3.009 im Jahr 2012 nicht abschlie­
ßend bearbeiteten Anträgen (offene Verfahren) wurden
im Jahr 2013 die Bescheide für 1.209 Anträge erteilt

III AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IM ANERKENNUNGSGESCHEHEN
73
(vgl. Abbildung 16). Darunter sind die Anträge mit
reglementierten Referenzberufen stark überrepräsen­
tiert. Nahezu zwei Drittel der offenen Verfahren mit
reglementiertem Referenzberuf aus 2012 wurden 2013
beschieden, während es bei Anträgen mit nicht reg­
lementiertem Referenzberuf weniger als ein Sechstel
waren. Folglich wurden von den nicht abgeschlossenen
Verfahren bei nicht reglementierten Referenzberufen
aus dem Jahr 2012 über 80 Prozent auch im Jahr 2013
nicht beschieden (bei reglementierten Berufen weniger
als 40 Prozent).
Abbildung 16 Überjährige Verfahren von 2012/2013
(absolut und in Prozent)
offene Verfahren 2012
überjährige Verfahren aus
2012 in 2013 abgeschlossen
reglementierte Berufe
nicht reglementierte Berufe
Quelle: Statistisches Bundesamt, Darstellung des BIBB,
gemeldete Verfahren 2013.
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
53,0 %
81,6 %
47,0 %
18,4 %
Diese Verfahren wurden entweder beendet, weil der
Antrag zurückgezogen wurde, oder sie befinden sich
weiterhin in der Bearbeitung. In beiden Fällen er­
folgt keine Meldung an die Statistischen Ämter. Da
die Statistik bis einschließlich zum Berichtsjahr 2014
zurückgezogene Anträge nicht dokumentiert (siehe
III­3.9), kann über den Verbleib der übrigen offenen
Verfahren des Berichtsjahres 2012 (N = 1.800) keine zu­
verlässige Aussage gemacht werden. Auffällig ist jedoch,
dass Verfahren mit reglementierten Referenzberufen
deutlich häufiger zum Abschluss gekommen sind als
Verfahren mit nicht reglementierten Referenzberufen.
Hier kommt möglicherweise nochmals zum Ausdruck,
dass die Anerkennung in reglementierten Berufen eine
Schlüsselrolle beim Arbeitsmarktzugang besitzt und
somit für die Antragstellenden von großer Bedeutung
sein kann. Die Zahlen werden in den kommenden
Jahren weiter beobachtet.
111
111 Bei dieser vergleichsweise jungen Statistik muss in den ersten
Erhebungsjahren noch mit nicht plausiblen Meldungen gerechnet
werden. So besteht die Möglichkeit, dass überjährige Verfahren nicht
als solche in Erscheinung treten, wenn beispielsweise das Datum der
Antragstellung falsch gemeldet wird.
Die dokumentierten überjährigen Verfahren sind durch
eine auffällig lange Verfahrensdauer gekennzeichnet.
112