Gold in sächsischen Kiessandlagerstätten
(leicht aktualisiert nach LEHMANN, U. (2010): Gold in sächsischen Kiessandlagerstätten. – Glückauf,
146, 11, 560-564)
Dr. Uwe Lehmann, Referatsleiter Rohstoffgeologie, Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie, Postfach 540137, 01311 Dresden,
uwe.lehmann2@smul.sachsen.de
Kurzfassung:
Trotz der nach Literaturangaben weiten Verbreitung von Seifengold in Sachsen sowie
dessen bergbaulicher Gewinnung in der Vergangenheit ist nur wenig über das Auftreten und
die Eigenschaften von Gold im Bereich aktiver Kiessandgewinnungsbetriebe bekannt. Im
Rahmen erster Tastuntersuchungen wurden durch das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG) drei Kiessandlagerstätten näher hinsichtlich ihrer
Goldführung untersucht. Probenaufbereitung und Ergebnisinterpretation müssen sehr
sorgfältig durchgeführt werden, um Fehlerquellen zu vermeiden. An ausgewählten „Fallen“ in
den Kieswerken wurde Gold im ppm-Bereich gefunden, während hinsichtlich der Goldgehalte
im Rohkies noch keine verlässlichen Daten vorliegen. Nach den ermittelten
Kornverteilungskurven liegen die Maxima der Goldflitterlängen etwa zwischen 100 und 200
μm. Zusätzliche Daten werden vorgestellt. Derzeit findet eine systematische Beprobung
weiterer Kiessandbetriebe statt, deren Ergebnisse ab 2011 vorliegen und als Grundlage für
eine Bewertung einer eventuell wirtschaftlichen Nebengewinnung von Gold verwendet
werden können.
1. Einführung
In der Vergangenheit wurden gelegentlich Veröffentlichungen über Goldgewinnung in
Kieswerken publiziert (5),
(10), (14). Mündlichen Informationen zufolge ist in der Hobby-
Goldwäscher-Szene längst bekannt, dass an geeigneten Stellen in sächsischen Kieswerken
mit vergleichsweise geringem Aufwand Seifengold separiert werden kann. Diese Fakten
sowie die seit 2006 im Kieswerk Rheinzabern/Oberrheintal laufende Nebengewinnung von
Seifengold werfen die Frage auf, ob auch sächsische Kiessandlagerstätten ein Goldpotential
besitzen, welches sich wirtschaftlich nutzen lässt.
2. Literatur
Veröffentlichungen über Goldfunde in aktiv Abbau betreibenden sächsischen
Kiessandlagerstätten sind sehr selten. Im Internet wird durch Goldwäscher über Nuggets aus
der Elbe berichtet, welche aufgrund ihrer Seltenheit vermutlich nur aus einer größeren
Sedimentmenge – in einem Kieswerk – gewonnen werden konnten. (1) untersuchten Gold
aus der vor wenigen Jahren geschlossenen Kiessandlagerstätte Dresden-Zschieren. (9)
präsentierte ein knapp 0,9 g schweres Nugget aus einer Lausitzer Kiesgrube.
Wesentlich mehr publizierte Informationen existieren über Goldfunde im Bereich größerer
Kiessandvorkommen, welche in vergangenen Jahrhunderten im Rahmen gewerblicher
Goldwäscherei getätigt wurden (zuletzt zusammengefasst in (12)). Aus heutiger Sicht sind
dabei besonders Mittel- und Unterlauf von Weißer Elster, Zwickauer und Vereinigter Mulde,
Elbe und Neiße interessant.
Der durchschnittliche Goldgehalt (Clarke-Wert) der oberen Erdkruste wird in der Literatur
sehr unterschiedlich angegeben (Tab. 1).

Erdkruste Lithosphäre Saure bis ultrabasische Gesteine Sandstein (Ton)Schiefer
(2)
X,X
(4)
1
(13)
4 - 6
5
(15)
4,3
(6)
2 - 5
(7) 4,3
X,X 1
(11)
4
(3)
5
(16)
1,3
Tab. 1: Clarke-Werte verschiedener Autoren
Ein spezieller Clarke-Wert für Kiessande scheint bisher nicht zu existieren. Vereinzelte
Angaben von Goldgehalten in solchen Sedimenten stehen wahrscheinlich meist in einem
Zusammenhang mit erhöhter Goldführung (z.B.
(14): 8 – 91 ppb in Flussterasse des Rio
Segre, Katalonien, Spanien; (17): im Ostsudetischen Vorland 5 goldführende Horizonte,
unter anderem < 100 mg/m³ im Piedmont–Fächer, 100 – 370 mg/m³ in Kiessanden der
„Weißkies“-Serie) und sind daher als Durchschnittswert nicht zu verwenden.
3. Neue Daten
Im Rahmen erster Tastversuche erfolgte Mitte 2009 durch das Sächsische Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie eine Beprobung von drei aktiven sächsischen
Kiessandlagerstätten im Hinblick auf deren Goldführung. Aus Datenschutzgründen sowie mit
Bezug auf die Sedimentherkunft werden diese Lagerstätten nachfolgend als E1, GF1 sowie
M1 bezeichnet (Tab. 2).
Lokalität
Genese
Mittlerer Kiesgehalt
E1 Elbe Fluviatil 40 %
GF1 Mittelsachsen Glazifluviatil 35 %
M1 Mulde Fluviatil 60 %
Tab. 2: Kenndaten beprobter Kiessandlagerstätten
3.1 Methodik
Zur Gewinnung von Schwermineralkonzentraten wurde eine ca. 5 – 10° geneigte, 2 m lange
und 40 cm breite Waschrinne mit vier je 60 cm langen Wabengummimatten im Rinnenboden
eingesetzt. Durch dosierte breitflächige Wasserzugabe kam es zum Wegspülen der leichten
Bestandteile, während Schwerminerale in den Vertiefungen der Matten liegenblieben (Abb.
1).

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Abb. 1: Prinzip der Goldanreicherung mittels Waschrinne
Die weitere Anreicherung der Schwerminerale erfolgte mit einer Goldwaschpfanne, bis
optisch nur noch ein geringer Anteil heller Minerale erkennbar war. Aus diesem Konzentrat
wurden der magnetische Anteil mit einem Neodym-Starkmagneten entfernt und schließlich
die Goldflitter ausgelesen.
Zur Vermessung der Flitter wurden digitale Fotos mittels des Programmpakets ImageJ
ausgewertet. Abb. 2 zeigt beispielhaft umrandete (grün) und nummerierte (rot) Goldflitter
einer Probe aus dem Kieswerk M1. Damit kann auch nachträglich jedes Flitter hinsichtlich
seiner konkret gemessenen Parameter (z.B. maximale Länge, Flächeninhalt etc.) kontrolliert
werden.
Abb. 2: Goldflitter aus dem Kieswerk M1 mit digital erfolgter Umrandung (grün) und
Nummerierung (rote Zahlen)

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Um möglichst viele Goldflitter für eine Charakterisierung zu gewinnen, wurden – sofern
jeweils vorhanden – makroskopisch erkennbare Schwermineralfächer (Abb. 3), der
Bodensatz in Sandwaschanlagen, Sedimenthäufchen unter Förderbandrollen sowie sonstige
lokale Punkte mit zu erwartender Schwermineralanreicherung beprobt.
Abb. 3: goldführende Schwermineralanreicherungen in verspülten Abfallsanden einer
sächsischen Kiesgrube
Zusätzlich erfolgte eine Rohkiessandbeprobung. Unter Berücksichtigung der oben
angeführten Clarke-Werte sowie der Genese wird in diesem Aufsatz von einem Goldgehalt in
durchschnittlichen sächsischen Kiessanden in Höhe von 5 ppb (mg/t) ausgegangen. Dieser
Menge entsprechen je Tonne Kiessand etwa 800 kreisförmige Goldflitter von 150 μm
Durchmesser und ca. 20 μm Durchschnittsdicke. Daher sollten in einem Eimer Probe (ca. 12
Liter = ca. 20 kg) durchschnittlich ca. 15 Goldflitter vorhanden sein. Diese Erwartung hat sich
nur teilweise erfüllt (Tab. 3).
3.2. Ergebnisse
Trotz des weiter unten beschriebenen erfolgreichen Goldnachweises an ausgewählten
Stellen von Kiessandaufbereitungsanlagen bleiben Goldgehaltsbestimmungen des
Rohkiessandes unverzichtbar, um die eventuelle wirtschaftliche Machbarkeit einer
Goldgewinnung beurteilen zu können.
Lokalität Probenahme Probenvolumen (Liter) Probengewicht
(kg)
Probendichte
(g/cm³)
Goldfunde
E1 Übergabestelle
zwischen zwei
Förderbändern
24 36,8 1,53 Kein Nachweis
GF1 Kiesreiche
Lage im
Anstehenden
10 18,8 1,88 Kein Nachweis
M1 Vom
Förderband
20
34,1 kg
1,71
5 Flitter von insgesamt
0,037 mm² Fläche
Tab. 3: Kenndaten von Rohkiesbeprobungen

Das von den Erwartungen abweichende Resultat der Goldsuche in Rohkiessandproben ist
aus aktueller Sicht aus mehreren Gründen verständlich.
Zum einen scheint der Goldgehalt in glazifluviatilen Kiessanden deutlich geringer zu sein, als
in Elbe- und Muldesedimenten. Insofern war die Probemenge im Kieswerk GF1 für einen
Goldnachweis wahrscheinlich zu gering bemessen.
Aus dem mittlerweile mehrfach belegten Fakt einer Goldanreicherung in Sandhäufchen unter
Förderbandrollen bzw. Bandabstreifern folgt, dass es offensichtlich während des
Kiessandtransports auf einem Förderband zu Absinkprozessen der schweren Goldflitter
kommt. Dieser Effekt sollte mit steigender Länge des Förderbandes, steigender Feuchte des
Materials und abnehmender Kohäsion der Goldflitter an Fremdpartikeln zunehmen. Insofern
muss davon ausgegangen werden, dass bei der Entnahme von Proben am Übergabepunkt
eines laufenden Förderbandes mittels Schippe oder Auffangen in einem Eimer ein Teil des
ursprünglich vorhandenen Goldes nicht erfasst wird.
Schließlich ist die Absätzigkeit der Goldverteilung in Sedimenten zu berücksichtigen, die
einen erhöhten Probenumfang erfordert.
Dass grundsätzlich auch in relativ kleinen Probemengen (im 10 kg – Bereich)
vergleichsweise goldarmer Rohkiessande mehrere Goldflitter auftreten und erfolgreich
separiert werden können, zeigt die derzeit laufende Untersuchung einer Kiessand-
Erkundungsbohrung im Elbegebiet. Hier wurde je Bohrmeter das gesamte Material als
Beutelprobe von etwa 5 – 10 kg Gewicht gesammelt und nach Abschluss der üblichen
Untersuchungen (Kiessandqualitätsbeurteilung) für eine Prüfung auf Goldführung zur
Verfügung gestellt. Erste durchgearbeitete Proben zeigen, dass jeweils mehrere Goldflitter
enthalten sind und beispielsweise für Konzentrationsberechnungen oder vertikale
Goldverteilungskurven herangezogen werden können.
Bisher ist allerdings für Sachsen noch unsicher, inwieweit die bekannte „Absätzigkeit“ des
Goldes, also eine schwankende Goldführung über geringe Distanzen, die Ergebnisse
relativiert. Hierzu wird das derzeit laufende Projekt des LfULG, welches unter anderem die
Untersuchung von je 5 Eimer Rohkiessand in 25 sächsischen Kieswerken zum Ziel hat,
Fakten liefern.
Um das in den untersuchten Kieswerken auftretende Gold verlässlicher durch Untersuchung
größerer Mengen charakterisieren zu können, wurden ergänzend zu den
Rohkiesbeprobungen unter anderem im Kieswerk E1 von der Unterseite eines Förderbandes
abgestreiftes Material, im Kieswerk M1 der Bodensatz einer stillgelegten Schneckenwäsche
sowie in GF1 eine Schwermineralfalle vor der Aufgabe von 0/2-Sand in eine
Schneckenwäsche beprobt. Ergebnisse enthält Tabelle 4.
E1
GF1
M1
Probemenge (kg)
2
50
35
Goldgewicht (mg)
10,5
25,9
82,8
Flitter-Gesamtfläche (mm²)
23
66
280
Durchschnittliche Flitterdicke (μm)
24
22
15
Durchschnittliche maximale Flitterlänge (μm)
179
227
156
Goldkonzentration (ppm)
5,2
0,48
2,37
Flitterzahl (Stück)
1.365
ca. 2.500
ca. 22.000
Durchschnittliches Einzelgewicht eines Flitters (μg)
7,7
10,4
3,9
Tab. 4: Ergebnisse der Goldflitterseparation und –vermessung in drei sächsischen
Kieswerken
Die mittlere Dicke wurde aus gemessenen Flitterflächen und durch Wiegung bestimmten
Goldgewichten über die Beziehung D = V/A = m/ρ*A (mit D=Dicke, A=Fläche, V=Volumen,

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ρ=Dichte der Goldflitter) bestimmt. Für die Dichte wurde 18 mg/mm³ angesetzt (entspricht bei
einer Gold-Silber-Legierung einem Goldgehalt von etwa 85 Gewichts-%).
Mittels der oben beschriebenen digitalen Flittervermessung ergaben sich folgende
Korngrößenverteilungen (Abb. 4.
Abb. 4: Korngrößenverteilung der Goldflitter aus drei sächsischen Kieswerken
Demgemäß weisen die drei Goldflitterproben eine ähnliche Kornverteilung mit
Schwerpunkten zwischen etwa 100 und 200 μm auf. Zu berücksichtigen sind dabei allerdings
Klassierungsprozesse der Flitter während Gewinnung, Transport und Aufbereitung innerhalb
der Kieswerke. Dies zeigt sich beim Vergleich der Kornverteilungskurven von Flitterproben
aus unterschiedlichen Lokalitäten innerhalb eines Kieswerks (Abb. 5).
Abb. 5: Korngrößenverteilung der Goldflitter an zwei verschiedenen Anlagenteilen eines
sächsischen Kieswerks
Die Probe des Anlagenteils „Falle“ stammt aus dem Boden einer Wanne, welche sehr
schnell und turbulent von einem Wasser/Sand (0/1) – Gemisch durchströmt wird. Der
Ausgang aus dieser Wanne ist etwa 5 cm über deren Boden konstruiert, so dass sich
schwere gleichfällige Partikel (gröbere Schwermineralkörnchen sowie besonders große
Leichtminerale) davor anreichern können. Demgegenüber wurde die Probe „Abfallsand“ aus

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schwermineralreichen Schwemmfächern in verspültem Feinsand entnommen, nachdem
dieser die „Falle“ passiert hat. Trotz der für eine statistische Betrachtung relativ geringen
Partikelanzahl zeigt sich eine deutliche Anreicherung gröberer Goldflitter in der „Falle“
gegenüber dem „Abfallsand“. Die größten Goldkörnchen aus der „Falle“ zeigt Abb. 6.
Abb. 6: bis 2,5 mm große Goldkörnchen (teils mit Quarz verwachsen) aus der Lokation
„Falle“ im Kieswerk E1
Unter Berücksichtigung dieser Fakten sind die in Abb. 4 gezeigten Kornverteilungskurven als
nur bedingt repräsentativ für die wahre Kornverteilung der Goldflitter in der
Kiessandlagerstätte zu betrachten. Nur eine Separation aller Goldflitter unmittelbar aus dem
Anstehenden kann eine unverfälschte Korngrößenverteilung der Goldflitter reflektieren. Trotz
der vergleichsweise hohen statistischen Sicherheit der Kornverteilung in der Probe GF1 mit
2.531 Flittern scheint gerade dort eine Selektion gröberer Flitter zuungunsten kleinerer Flitter
erfolgt zu sein, was sich unter anderem in einem starken Linksabfall der
Kornverteilungskurve der Abb. 4 äußert. Die Probenahme erfolgte dort aus einem „Totraum“,
bei dem eine vergleichbare Situation wie eben bei der „Falle“ beschrieben existiert (Abb. 7).

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Abb. 7: Probenahmestelle aus einem „Totraum“ im Kieswerk GF1
Eine reproduzierbare digitale Bewertung der Flitterformen wurde bisher nicht vorgenommen.
Grundsätzlich dominieren plattige Exemplare mit wulstigen Umrissen. Häufig sind
Sandwichstrukturen erkennbar, die von einem mehrfachen Umfalten und Zusammendrücken
der Flitter während des Transports im Sediment zeugen (Abb. 8).
Abb. 8: Rasterelektronenmikroskopische (REM) Aufnahme eines Goldflitters mit
Sandwichstruktur aus der Kiessandlagerstätte E1
Mit abnehmender Häufigkeit folgen stängelige und – vor allem bei geringeren Korngrößen –
isometrische Exemplare. Eckige Umrisse treten vorwiegend bei kleineren Partikeln auf. Die
Morphologie der Flitteroberflächen ist im Detail sehr unterschiedlich. Bei starker
Vergrößerung zeigen sich im REM-Bild manchmal zahlreiche bizarr geformte Hohlräume im
μm-Bereich mit kantigen Umrissen (Abb. 9), deren Genese noch ungeklärt ist. Manchmal
sitzen darin xenomorphe Fremdpartikel (meist Quarz).

image
Abb. 9: stark vergrößertes Goldflitter aus dem Kieswerk M1 mit zahlreichen Hohlräumen
Schleifspuren sind nicht allzu häufig und machen oft einen sehr frischen Eindruck. Sie rühren
vermutlich überwiegend von den Beanspruchungen im Kieswerk bzw. bei der Probenahme
und –aufbereitung her.
Der mittels REM-EDX bestimmte Oberflächenchemismus (repräsentativ für die obersten ca.
1-3 μm) ist bei je einem Messpunkt an insgesamt 10 Flittern (3x aus Kieswerk E1, 2x aus
Kieswerk GF1, 5x aus Kieswerk M1) durch nahezu reines Gold (≥ 99 Gew.-%)
gekennzeichnet. Nur an einem Flitter aus dem Kieswerk M1 fanden sich knapp 3 und 24 %
Silber. Weitere Elemente wurden nicht detektiert. Oberflächennahe Armut an Silber
zugunsten einer Anreicherung von Gold ist oft in der Literatur beschrieben worden und wird
als Folge der randlichen chemischen Herauslösung von Silber aus ursprünglich
silberreicherem Gold interpretiert. Die bisher durchgeführten Oberflächenanalysen mittels
REM-EDX gestatten daher keine Aussage bezüglich der Gold/Silber-Verhältnisse der
jeweiligen gesamten Flitter.
4. Ausblick
Die vorgestellten Ergebnisse der Untersuchung von Seifengoldflittern aus drei sächsischen
Kieswerken wurden im Rahmen erster orientierender Arbeiten zur Klärung der Verbreitung
und Genese von Seifengold in Sachsen erzielt. Sie sind durch ein „Herantasten“ an die
Beprobungs- und Untersuchungsmethodik gekennzeichnet und erfordern daher teilweise –
z.B. hinsichtlich der Bestimmung der Goldgehalte im Rohkiessand – ergänzende Arbeiten
mit größeren Probemengen.
Im Unterschied zu anderen natürlichen Rohstoffen zeichnet sich Gold durch eine besondere
Attraktivität aus, was sich nicht zuletzt in seinem hohen Preis widerspiegelt. Berichte über
Untersuchungen an Gold sind daher in besonderem Maße der öffentlichen Aufmerksamkeit
unterworfen, wobei Fakten oftmals verzerrt wiedergegeben werden. Dies führt unter
anderem dazu, daß Kieswerksbetreiber aus einer Fülle von Gründen den Umgang mit Daten
zum Thema „Gold“ vertraulich behandeln. Der im LfULG angesiedelte Staatliche
Geologische Dienst ist als neutraler Ansprechpartner für derartige Arbeiten prädestiniert. Im
Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen geologischen Landesaufnahme wird derzeit auch
der Rohstoff Gold hinsichtlich Vorkommen, Genese, rohstoffgeologischer Eigenschaften
sowie wirtschaftlicher Nutzbarkeit untersucht. Dazu erfolgte eine Auswahl von 25
Kiesgruben, wobei jeweils der Rohkiessand sowie je nach Einzelfall ausgewählte
goldreichere Teile der Transport- und Aufbereitungsanlage beprobt wurden. Ergebnisse
werden Ende 2011 vorliegen. Mit dem Ziel, eine mögliche Goldnebengewinnung unter

Berücksichtigung der im Vordergrund stehenden Kiessandproduktion attraktiv zu machen, ist
eine weitestmögliche Publikation der Resultate vorgesehen, welche in jedem Einzelfall die
Interessen der Kieswerksbetreiber an vertraulichem Umgang mit den Gold-relevanten Daten
wahrt. Inwieweit die Goldvorkommen in sächsischen Kiesgruben tatsächlich eine
wirtschaftliche Bedeutung besitzen, wird sich zeigen. Tatsache ist, dass im Rahmen der
bisher gelaufenen Arbeiten in jedem Kieswerk Gold nachgewiesen wurde und die
Goldgehalte in den Rohkiesproben bis 9 ppb erreichen.
Danksagung: Ein Großteil der vorgestellten neueren Ergebnisse wurde in Zusammenarbeit
mit der TU Bergakademie Freiberg (Lehrstuhl Lagerstättenlehre und Petrologie),
insbesondere mit Unterstützung durch Herrn Prof. Jens Gutzmer sowie Prof. Thomas Seifert
gewonnen, denen dafür herzlicher Dank gebührt. Das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie stellte finanzielle Mittel zur Durchführung der Untersuchungen
zur Verfügung.
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