Nachruf zum Tode von Professor Dr. Heinrich Magirius
Am Sonntag, den 13. Juni 2021 verstarb der weithin bekannte und hoch geschätzte
Kunsthistoriker und Denkmalpfleger Prof. Dr. Dr. h.c. Heinrich Magirius. Mit ihm verliert die
sächsische Denkmalpflege eine Persönlichkeit, die über mehr als vier Jahrzehnte nicht nur
die Denkmallandschaft, sondern auch das Denkmalbewusstsein zahlreicher Menschen
nachhaltig geprägt hat. Dies galt für die Zeit seines beruflichen Wirkens am Institut – später
dann Landesamt für Denkmalpflege Sachsen – als auch für die Zeit seines Ruhestandes.
Heinrich Magirius war über Sachsens Grenzen hinaus anerkannter Wissenschaftler,
Hochschullehrer, praktischer Denkmalpfleger, publizistisch in ungeheurer Breite wirkender
Kunsthistoriker und ein engagiertes und hochgeachtetes Mitglied in zahlreichen Gremien,
Vereinen und wissenschaftlichen Akademien.
Am 1. Februar 1934 in Dresden geboren, besuchte Heinrich Magirius 1940 - 1946 die Volks-
und Oberschule in Radebeul, Seit 1946 ging er zur Kreuzschule in Dresden, an der er 1952
sein Abitur ablegte. Gleichzeitig war Heinrich Magirius Mitglied des Kreuzchores unter
Leitung von Kreuzkantor Rudolf Mauersberger. Das Studium der Kunstgeschichte, der
Klassischen und Christlichen Archäologie absolvierte er 1952 - 1957 an den Universitäten
Greifswald und Leipzig. Seine Lehrer waren u. a. Karl Heinz Clasen, Heinz Ladendorf und
Johannes Jahn. Zwischen 1953 und 1956 war Heinrich Magirius als freiberuflicher
Mitarbeiter des Instituts für Denkmalpflege mit Grabungen im Zisterzienserkloster Altzella
beschäftigt. Die dabei erworbenen Kenntnisse lagen seiner Diplomarbeit „Kloster Altzella, ein
Abriß seiner Kunstgeschichte“ (1957) zugrunde. Mit der Dissertation über Altzella erwarb er
1958 den Titel eines Doktors der Philosophie. Nach kurzer Tätigkeit als wissenschaftlicher
Assistent am Institut für Christliche Archäologie an der Martin-Luther-Universität in Halle
folgte Heinrich Magirius seiner inneren Berufung zum Denkmalpfleger. Seit 1958 war der
Kunsthistoriker vorerst als wissenschaftlicher Mitarbeiter, später dann als Abteilungsleiter am
Institut für Denkmalpflege – Arbeitsstelle Dresden tätig.
Mit seiner Arbeit zur „Geschichte der Denkmalpflege in Sachsen“ habilitierte sich Heinrich
Magirius 1988. Im folgenden Jahr übertrug ihm die Hochschule für Bildende Künste Dresden
eine Professur. 1994 – 1999 war Heinrich Magirius Landeskonservator am Landesamt für
Denkmalpflege Sachsen.
In mehr als vier Jahrzehnten erwarb sich Magirius bleibende Verdienste um die
wissenschaftliche Erschließung und die Pflege der Denkmallandschaft in Sachsen. Seinem
Wirken ist die hohe Qualität einer Vielzahl von Restaurierungsmaßnahmen an bedeutenden

Bau- und Kunstdenkmalen der Region zu danken. Dies gilt vor allem für die Thomas- und
Nikolaikirche in Leipzig wie auch für den Freiberger Dom, die Stiftskirche zu Wechselburg,
die Annenkirche zu Annaberg, den Meißner Dom oder das Dresdner Opernhaus von
Gottfried Semper.
Heinrich Magirius gehörte zu den ersten, die den Wiederaufbau der Frauenkirche in Dresden
forderten und all diese Maßnahmen fachlich fundiert zum Erfolg führte. Auch der
authentische Wiederaufbau des Residenzschlosses der Landeshauptstadt zeugt von hohem
ideellen Anspruch, den der Verstorbene über Jahrzehnte immer wieder einforderte. Dieser
wurde zuletzt in der profunden dreibändigen Publikation des Landesamtes für
Denkmalpflege Sachsen zur Geschichte des Dresdner Residenzschlosses deutlich, die ohne
seinen das ganze Werk prägenden Beitrag nicht denkbar wäre.
Die Liste seiner Publikationen umfasst bisher mehr als 150 Titel. Unter ihnen verdienen „Der
Dom zu Freiberg“ (Berlin 1969), „Der Wechselburger Lettner“ (Weimar 1983) und „Gottfried
Sempers zweites Hoftheater in Dresden“ (Leipzig 1985) besondere Aufmerksamkeit.
Heinrich Magirius wurde 1985 mit dem Nationalpreis der DDR II. Klasse für Kunst und
Literatur ausgezeichnet. 1994 verlieh ihm die Freie Universität Berlin den „Doctor honoris
causa“ und würdigte damit das hohe Ansehen, das er als Kunstwissenschaftler seit
Jahrzehnten international genießt. 1995 erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des
Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2004 wurde er mit dem Sächsischen
Verdienstorden ausgezeichnet. Im Jahre 2007 erhielt er den Andreas Möller Geschichtspreis
der Stiftung für Kunst und Kultur der Kreissparkasse Freiberg und 2010 den Kunstpreis der
Großen Kreisstadt Radebeul.
Die wissenschaftliche Erforschung der Denkmale war Magirius nie Selbstzweck. Stets galt
seine Aufmerksamkeit der „Wertfülle“ des Denkmals, die dessen Ruf und Schutzstatus
begründe. Im Hinblick auf manch falsch verstandene Denkmaldoktrin lehrt uns Magirius,
„daß Dokumente, die an nichts zu erinnern vermögen, so nichtsnutzig werden können, daß
selbst ein reicher Staat sie sich nicht mehr wird leisten können. Kulturelle Fruchtbarkeit der
Monumente hängt mit dem Eros zusammen, mit dem sie geliebt, erkannt und gepflegt
werden … Sie hat … mit einem Taktgefühl zu tun, daß nur sehr schwer anerzogen werden
kann, aber immer wieder kultiviert werden muß.“ (Geschichte der Denkmalpflege in Sachsen.
Berlin 1989). Heinrich Magirius ermutigt uns damit, Denkmale nicht nur als historische
Dokumente zu konservieren, sondern als Monumente zu pflegen. Die große Wertschätzung
seiner Leistungen als Kunsthistoriker und Denkmalpfleger wurde schon an der Heinrich

Magirius zum 60. Geburtstag gewidmeten Festschrift „Denkmalkunde und Denkmalpflege.
Wissen und Wirken“ (Dresden 1995) deutlich und erfuhr seitdem keinen Abbruch.
Heinrich Magirius bleibt in einer Vielzahl seiner anspruchsvollen Publikationen, in den durch
ihn nachhaltig geprägten Restaurierungen hochkarätiger Monumente und in der Erinnerung
all jener lebendig, die die Chance hatten, ihn in seiner trotz höchster Sach- und
Fachkompetenz ruhigen und bescheidenen Wesensart kennenzulernen. Beeindruckend
waren stets seine Selbstdisziplin, seine Hingabefähigkeit und seine Geradlinigkeit. In all
diesen Aspekten wird er nicht nur uns, als seine Nachfolger im „Denkmalwächteramt“, ein
unvergessliches Vorbild bleiben.
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen