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12. Juli 2021
Faktenblatt der Arbeitsschutzbehörde des Freistaates Sachsen
Welche Arbeitsschutzmaßnahmen sind bei Durchführung von PoC-
Antigen-Tests auf das Corona-Virus einzuhalten?
Mit dem Ziel, die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, werden Personen, die zum
Beispiel in medizinischen Einrichtungen, Pflege- oder Betreuungseinrichtungen arbeiten,
darin leben oder diese besuchen, mittels sogenannter Point-of-Care-Antigen-Tests, kurz
PoC-Antigen-Tests, vor Ort durch eine andere Person auf das Corona-Virus untersucht.
Der Test weist innerhalb weniger Minuten Eiweißmoleküle des Virus nach, die der
Testperson bei einem Nasen-Rachen-Abstrich entnommen werden.
SARS-CoV-2 ist als Biologischer Arbeitsstoff (Biostoff) der Risikogruppe 3 eingestuft.
Infolge des bei der Probennahme noch unbekannten Infektionsstatus ist dabei von einem
hohen Infektionsrisiko auszugehen. Das Arbeitsschutzgesetz
(ArbSchG)
fordert vom
Arbeitgeber die Gefährdung Beschäftigter (§ 2 Abs. 2
ArbSchG)
und diesen gleichgestell-
ten Personen (§ 2 Abs. 9 Biostoffverordnung
(BioStoffV)),
die PoC-Antigen-Testungen
durchführen, zu minimieren. Maßnahmen, welche die
Technische
Regel
für
Biologische
Arbeitsstoffe
(TRBA)
250
beschreibt, genügen den Anforderungen der
BioStoffV,
soweit
im Rahmen der PoC-Antigen-Testungen Labortätigkeiten nur in geringem Umfang (vgl.
Nr. 1.2
TRBA
250)
ausgeführt werden. Zudem sind gemäß ihres jeweiligen Anwendungs-
bereichs auch die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung
(Corona-ArbSchV,
§ 1 Abs. 2)
und die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel
(AR-CoV-2,
Nr. 1 Abs. 3, Abs. 4) zu beachten.
Dieses Faktenblatt verweist auf die für den Arbeitsschutz wesentlichen Verordnungen und
Regeln.
Wer darf die Testungen durchführen?
Die Probennahme dürfen nur nachweislich fachkundige Beschäftigte (zum Beispiel mit
einer abgeschlossenen Ausbildung im medizinischen Bereich) bzw. unter Aufsicht einer
fachkundigen Person (vgl. Nr. 4.1.10
TRBA
250)
auch Beschäftigte ohne nachgewiesene
Fachkunde vornehmen.
Nach § 11 Abs. 2 und § 12 Abs. 2 Mutterschutzgesetz
(MuSchG)
dürfen schwangere und
stillende Frauen
nicht
eingesetzt werden, Jugendliche nur unter Aufsicht eines
Fachkundigen, soweit es zum Erreichen des Ausbildungsziels notwendig ist (§ 22 Jugend-
arbeitsschutzgesetz
(JArbSchG)).

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Was muss vor der Aufnahme von Testungen beachtet werden?
1. Gefährdungsbeurteilung erstellen bzw. aktualisieren:
Vor Aufnahme der Tätigkeit
hat der Arbeitgeber eine Gefährdungsbeurteilung (§ 4
BioStoffV
i. V. m. Nr. 3.1
TRBA
250,
Nr. 3.1
TRBA
255,
TRBA
400)
durchzuführen, die durch fachkundige Per-
sonen (Nr. 3 und Nr. 4.3.1
TRBA
200)
zu erstellen und zu dokumentieren ist. Dabei sind
die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts zum
Infektionsschutz,
die Herstellerangaben
und ggf. die Sicherheitsdatenblätter der zu verwendenden Produkte zu berücksichtigen.
2. Schutzstufe festlegen:
Aus der Gefährdungsbeurteilung leitet sich die Schutzstufe
für die Tätigkeiten (i. d. R. Schutzstufe 2, vgl. Nr. 4.3 und 4.4
TRBA
100)
ab. Das Reinigen
und Desinfizieren kontaminierter Flächen und Gegenstände wird ebenfalls der
Schutzstufe 2 zugeordnet, jenes nicht kontaminierter Flächen der Schutzstufe 1 (Nr. 3.4.2
TRBA
250).
Auf dieser Grundlage wird eine Betriebsanweisung (§ 14 Abs. 1
BioStoffV
i. V. m. Nr. 7.1
TRBA
250)
und ein Hygieneplan (Nr. 4.1.5
TRBA
250)
erstellt.
3. Maßnahmen ableiten:
Notwendige Schutzausrüstung:
Die testende Person muss mindestens eine FFP2-Maske zusammen mit einer dicht-
schließenden Schutzbrille oder mit einem Gesichtsschild/Visier tragen, das an der Stirn
dicht aufsitzt und über das Kinn hinausreicht. Weiterhin sind Schutzhandschuhe und
Schutzkleidung, wie zum Beispiel ein vorn durchgehend geschlossener Schutzkittel oder
eine flüssigkeitsdichte Schürze zu tragen. Die Handschuhe sind nach jedem Probanden,
die übrige Schutzkleidung und insbesondere die Atemschutzmaske sind nach jeder
Schicht sowie bei Durchfeuchtung oder Verschmutzung unverzüglich zu wechseln. Die
Schutzausrüstung ist vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen.
Gestaltung und Ausstattung des Arbeitsplatzes bei der Probenentnahme:
Die Zahl exponierter Beschäftigter ist auf das zur Durchführung der PoC-Antigen-Testung
erforderliche Maß zu begrenzen (§ 9 Abs. 3 Nr. 3 BioStoffV), die Abtrennung und Lüftung
des Bereichs der Probennahme (vgl. Nr. 4.2.1, 4.2.3 und 4.2.10
SARS-CoV-2-Arbeits-
schutzregel)
sowie die Möglichkeit zum sicheren An- und Ablegen persönlicher Schutz-
ausrüstung (PSA), Handwaschplätze und leicht zu reinigende Oberflächen sind vorzu-
sehen sowie Desinfektionsmittel und ggf. eine mikrobiologische Sicherheitswerkbank zur
Verfügung zu stellen.

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Beim Beladen der Testeinheiten in Point-of-Care-Einrichtungen kann auf eine
mikrobiologische Sicherheitswerkbank der Klasse 2
verzichtet
werden, wenn
a) die Testeinheit unmittelbar im Anschluss durch dieselbe Person im gleichen Raum,
in dem die Probennahme an der untersuchten Person stattfindet, mit dem
Probenmaterial befüllt wird, oder
b) Abstrichproben vor dem Transfer direkt inaktiviert werden, sofern dies ein vali-
dierter Nachweis des Herstellers bestätigt.
Wenn die beschriebenen Voraussetzungen nicht erfüllt werden, sind die
Schutzmaßnahmen für diagnostische Labore einzuhalten, die der
ABAS-Beschluss
6/2020
unter Nr. 2 beschreibt.
Entsorgung des Probenmaterials:
Nichtflüssige Abfälle können in aller Regel nach Abfallschlüssel 18 01 04 Abfallverzeich-
nisverordnung
(AVV)
entsorgt werden und sind der Abfallsammlung grundsätzlich in ver-
schlossenen und reißfesten Plastiksäcken zuzuführen. Spitze und scharfe Gegenstände
sind in bruch- und durchstichsicheren Einwegbehältnissen zu sammeln und zu verpacken.
Flüssige Abfälle wie Abstrichmedien sind vor Ort auf geeignete Weise zu inaktivieren oder
nach Abfallschlüsselnummer 18 01 03 zu entsorgen. Auch bei der Entsorgung sind die
Maßnahmen des Arbeitsschutzes zu beachten und es ist PSA zu tragen.
4. Personal unterweisen:
Die Beschäftigten sind in die ordnungsgemäße Handhabung des PoC-Antigen-Tests (§ 4
MPBetreibV) einzuweisen sowie anhand der Betriebsanweisung und der betrieblichen
Hygienemaßnahmen (Hygieneplan) über die auftretenden Gefahren und über die erfor-
derlichen Schutzmaßnahmen vor Aufnahme der Tätigkeiten, zudem bei maßgeblichen
Änderungen der Arbeitsbedingungen, mindestens jedoch jährlich insbesondere auch hin-
sichtlich des sicheren Tragens, An- und Ablegens der PSA zu unterweisen (§ 14 Abs. 2,
Abs. 3
BioStoffV
i. V. m. Nr. 7.2
TRBA
250).
Hinweise zu letzterem finden Sie auf den
Informationsseiten
des Robert-Koch-Instituts. Zu berücksichtigen sind Anhang 7 der
TRGS
250,
Nr. 7.4
TRBA
255
und die Vorgaben der
DGUV-Regel
112-190
“Benutzung
von Atemschutzgeräten“ – auch in Hinblick auf die Tragezeitbegrenzung (Anhang 2 Nr. 5)
Die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
(ArbMedVV)
ist zu beachten.
Die Unterweisung hat durch fachkundige, in der Tätigkeit und der Anwendung von PSA
nachweislich erfahrene Personen zu erfolgen
(Beschluss
6/2020
des ABAS). Sie ist
schriftlich zu dokumentieren und von den unterwiesenen Personen durch Unterschrift zu
bestätigen.

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Weitergehende Informationen finden Sie im:
-
Arbeitsschutzgesetz
(
https://www.gesetze-im-internet.de/arbschg/
),
-
Infektionsschutzgesetz
(
https://www.gesetze-im-internet.de/ifsg/
),
-
Mutterschutzgesetz
(
https://www.gesetze-im-internet.de/muschg_2018/index.html
),
-
Jugendarbeitsschutzgesetz
(
https://www.gesetze-im-internet.de/jarbschg/index.html
),
-
Biostoffstoffverordnung
(
https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/
),
-
Medizinproduktebetreiberverordnung
-
(
https://www.gesetze-im-internet.de/mpbetreibv/index.html
)
-
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
(
https://www.gesetze-im-internet.de/arbmedvv/
),
-
SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung
(
https://www.gesetze-im-internet.de/corona-arbschv_2021-07/
),
-
Beschluss 6/2020
des ABAS in der Fassung vom 08. Februar 2021
(
https://www.baua.de/DE/Aufgaben/Geschaeftsfuehrung-von-
Ausschuessen/ABAS/Empfehlungen.html
),
-
SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel des BMAS
(
https://www.baua.de/SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel
),
-
TRBA 100 zu Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien,
-
TRBA 200 zur Fachkunde nach Biostoffverordnung,
-
TRBA 250 zu Biostoffen im Gesundheitswesen und der Wohlfahrtspflege,
-
TRBA 255 zum Arbeitsschutz vor respiratorischen Viren im Falle einer Epidemie,
-
TRBA 400 zur Gefährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit Biostoffen,
-
TRBA 500 zu grundlegenden Maßnahmen bei Tätigkeiten mit Biostoffen
(
https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-
Regeln/Regelwerk/TRBA/TRBA.html
),
-
Hygieneempfehlungen des RKI bzgl. SARS-CoV-2-Infektionen
(
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html
),
-
Hinweise des RKI zu Musterhygieneplänen
(
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/ThemenAZ/H/Hygien
e/Hygiene_plan.html
),
-
An- und Ablegen persönlicher Schutzausrüstung
(
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/PSA_Fachperso
nal/Dokumente_Tab.html
),
-
DGUV Regel 112-190 „Benutzung von Atemschutzgeräten“
(
https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/1011
),

image
-
Entsorgung von Covid-19 Abfällen
(
https://www.umweltbundesamt.de/covid-19-abfaelle-aus-einrichtungen-des
),
-
Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes
(
https://www.laga-online.de/documents/m_2_3_1517834373.pdf
).
Haben Sie Fragen? Bitte wenden Sie sich an:
Landesdirektion Sachsen, Abteilung 5 Arbeitsschutz
Die regionalen Kontaktdaten der
Landesdirektion Sachsen, Abteilung Arbeitsschutz
finden Sie auf der Internetseite der
Arbeitsschutzverwaltung
des
Freistaates
Sachsen
Dieses Faktenblatt entspricht dem aktuellen Stand. Aufgrund der dynamischen Situation
werden Auflagen angepasst. Die aktuellen Informationen sind auf dem zentralen
Informationsportal
der
sächsischen
Staatsregierung
zusammengestellt.