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Abteilung Gartenbau, Gartenakademie
Söbrigener Str. 3a, 01326 Pillnitz
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/gartenakademie
Autor:
Dr. Gerald Lattauschke
aktualisierte Auflage von Barbara Schön, Thomas Rettschlag
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon:
donnerstags 14-17 Uhr , 0351 2612-8080; Fax: 0351 2612-8099
Redaktionsschluss:
19.01.2015
Anbau von Kohlrabi im Haus- und Kleingarten
Bedeutung
Der Kohlrabi (wissenschaftlicher Name:
Brassica oleracea
var.
gongylodes
) ist unter allen Kohlarten
der Favorit im Kleingarten. Im Frühjahr gehört er zu den ersten erntereifen Gemüsearten aus dem
eigenen Garten. Die kurze Vegetationszeit macht den Kohlrabi zu einer wertvollen Vor- oder Nachkul-
tur. Dabei wird der Kohlrabi vornehmlich in deutschsprachigen Ländern gegessen. So wurde die deut-
sche Bezeichnung "Kohlrabi" in viele andere Sprachen
übernommen. Beim Kohlrabi wird hauptsächlich die so ge-
nannte Sprossknolle für den Verzehr genutzt. Nur in einigen
Gebieten Deutschlands werden auch die sehr vitaminrei-
chen Blätter verzehrt. Die ernährungsphysiologische Be-
deutung des Kohlrabis ist der des Blumenkohls etwa
gleichzusetzen. Neben Vitamin C und Karotin bestimmen
vor allem die Minerale Kalium, Kalzium, Phosphor und
Magnesium sowie Eiweiße, Ballaststoffe und Senföle den
Nährwert des Kohlrabis. Wichtig erscheint der Hinweis,
dass das Blatt für die Ernährung wertvoller als die Knolle
ist.
Standort
Kohlrabi benötigt wie alle Kohlarten tiefgründige Böden mit gutem Wasserhaltevermögen und einer
guten Bodenstruktur. Durch Stallmist im Herbst und Kompost im Frühjahr sollten dem Kohlrabi ausrei-
chend Nährstoffe für ein zügiges Wachstum zur Verfügung stehen. Ein mittlerer Humusgehalt und ein
pH-Wert um den Neutralpunkt (pH-7) entsprechen den Bedürfnissen der Kultur. Besonders wichtig ist
eine gleichmäßige Wasserversorgung ab Beginn des Dickenwachstums der Knolle. Dadurch werden
Platzer vermieden und das Holzigwerden wesentlich verzögert.
An das Klima stellt der Kohlrabi keine besonderen Ansprüche. Im Jugendstadium ist er empfindlich
gegenüber Frost. Die Kälteeinwirkung führt dann häufig zum Schossen der Pflanzen. Frühpflanzungen
(März, April) sollten deshalb unbedingt mit Vlies oder Lochfolie geschützt werden.
Abb.: Erntefertiger Kohlrabi
Bild: VOIGTLÄNDER B., LfULG

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Kohlrabi ist zum Anbau in Unter- oder Mischkulturen gut geeig-
net. Dabei sollte man den Anbau in Reihen bevorzugen. Die
Zusammenstellungen geeigneter Partner beruhen auf Erfahrun-
gen und Beobachtungen vieler Jahre. Kulturen, die sich im An-
bau mit Kohlrabi besonders begünstigen sind:
Bohnen, Dill, Erbsen, Fenchel, Gurken, Kartoffel, Porree,
Rote Beete, Salat, Schwarzwurzel, Sellerie, Spargel, Spi-
nat, Stangenbohnen sowie Tomaten.
Gegen das Auftreten von Schadschmetterlingen eignen sich für
eine Geruchsüberdeckung, Kombinationen mit Tomate und Sel-
lerie.
Aufgrund seiner kurzen Kulturzeit ordnet sich Kohlrabi in die
Gemüsefruchtfolge sehr gut ein (z.B. mit Frühkartoffeln, Busch-
bohnen, Spinat oder Erbsen). Lediglich beim Anbau nach
Kreuzblütlern ist auf eine 3 bis 4 jährige Anbaupause zu achten.
Sorten
Das Kohlrabisortiment ist in Abhängigkeit von den lokalen Verzehrgewohnheiten breit gefächert. So
unterscheidet man Sorten nach blattreich und blattarm sowie nach der äußeren Farbe der Knollen, in
weiße und blaue Kohlrabi. Nach dem Anbauzeitraum ist Kohlrabi sowohl für den Frühanbau als auch
für den Sommer- und Herbstanbau beschrieben.
Charakterliche Merkmale für alle Sorten lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Kohlrabi sollte nicht schossen,
keine Flaschenhälse bilden,
muss eine sehr gute Standfestigkeit haben,
sich leicht schneiden lassen sowie
keine Neigung zum Verholzen und Platzen vorweisen.
Aus dem Sortiment für den Haus- und Kleingarten werden folgende Sorten angeboten:
Typ
Sorte
Weiße Knolle, Früh
Knaufs Frühweiß, Kref F
1
, Lanro, Noriko, Quickstar
Weiße Knolle, Som-
mer
Delikates Weißer (Witte), Konmar F
1
, Korist F
1
, Kossak F
1
, Kref F
1
, Lanro,
Noriko, Troja F
1
Blaue Knolle, Früh
Azur-Star, Blaro
Blaue Knolle, Som-
mer
Delikates Blauer
Riesenkohlrabi
Gigant, Superschmelz
Die Sorten der Riesenkohlrabis ´Gigant` und ´Superschmelz` verfügen noch bei Einzelgewichten von
bis zu 4 kg über zarte, nicht verholzte Knollen. Er wird in der Zeit von März bis Mai ausgesät und ist ab
Ende August erntereif. Blaue Sorten haben gegenüber den weißen Sorten eine etwas längere Ent-
wicklungszeit.
Abb.: Mischkultur aus Salat und Kohlrabi
Bild: SCHÖN B., LfULG

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Anbau
Die Vielfalt an Sorten ermöglicht einen Anbau über die gesamte Gartensaison. Frühsorten werden
unter Glas herangezogen. Diese Setzlinge werden im März, April beim Gärtner gekauft. Dann haben
die Pflanzen ca. 4 Blätter und die Knolle ist im Ansatz zu erkennen. Kohlrabi wird im Frühjahr unter
Vlies oder Lochfolie gepflanzt. Der Pflanzabstand beträgt zu dieser Zeit 25 x 25 cm, also 16 Pflanzen/
m². Die Pflanzung erfolgt möglichst hoch, sodass die sich bildende Knolle unten sauber bleibt. Mit der
ersten Ernte ist in Abhängigkeit von der Witterung ab Mitte Mai zu rechnen.
Sommersorten werden im April gesät und ab Juni, Juli geerntet. Für die Herbsternte erfolgt die Aus-
saat bis Mitte Juli mit Pflanzterminen bis Mitte August. Für die späteren Sätze sind Pflanzabstände
von ca. 11 Pflanzen/ m² (30 x 30 cm) einzuplanen.
Die Anzucht von Jungpflanzen kann dann bequem selbst vorgenommen werden. Dazu zieht man auf
Freilandbeeten Jungpflanzen an, die nach ca. 4 Wochen pflanzfertig sind. Im Sommer- und Herbstan-
bau hat auch die Direktsaat von Kohlrabi eine gewisse Bedeutung. Nach dem Auflaufen sind die Be-
stände allerdings auf Endabstand zu vereinzeln. Für die kontinuierliche Selbstversorgung mit frischem
Kohlrabi sind Folgepflanzungen im Abstand von 3- 4 Wochen ratsam. Neben dem Anbau im Beet
kann Kohlrabi auch zur Randbepflanzung von Gurken- oder Tomatenbeeten verwendet werden.
Mischkulturen mit verschiedenen Salaten bieten sich ebenfalls an.
Riesenkohlrabi wird von Ende April bis Mai im Abstand von 5 Pflanzen/ m²(45 x 45 cm) gepflanzt.
Nach einer Standdauer von 90 bis 120 Tagen kann ab Ende August geerntet werden. Zu den Pflege-
arbeiten gehört neben dem Hacken und der Unkrautbekämpfung vor allem das regelmäßige Wässern
der Pflanzen.
Pflanzenschutz und Düngung
Neben den bereits angesprochenen physiologischen Erkrankungen wie Platzen, Schossen und Hol-
zigwerden, können weitere parasitäre Krankheiten und Schädlinge auftreten. Unter den Krankheiten
hat die Kohlhernie eine herausragende Bedeutung. Die typischen Wucherungen an der Wurzel, mit
anschließender Welke der gesamten Pflanze durch gestörte Wasseraufnahme, sind das Resultat ei-
ner zu engen Fruchtfolge von Kohlgewächsen. Die Sporen des pilzähnlichen Organismus überdauern
im Boden mehrere Jahre. Eine Bekämpfung setzt sich aus strategisch abgestimmten Pflegemaßnah-
men des Bodens zusammen. Dazu wird der Boden gegen Staunässe tiefengelockert und in den
Oberboden organisches Material eingearbeitet. Wichtig ist die Kontrolle des pH-Wertes, der neutral
sein und nicht unter 7 liegen sollte. Regulierendes Kalken ist, in der Menge abhängig zum pH-Wert,
ca. eine Woche vor der Pflanzung zu empfehlen. Der Wechsel der Pflanzbeete beim Anbau von
Kreuzblütlern ist trotz dieser Maßnahmen wesentlich. Bleibt er aus, finden sowohl die Kohlhernie als
auch der Falsche Mehltau, eine weitere bedeutende Fruchtfolgeerkrankung, geförderte Bedingungen
vor.
Zunehmende Bedeutung ist dem Gefleckten Kohltriebrüssler beizumessen. Infolge der Fraßschäden
platzen die Knollen. Da er aber überwiegend im unmittelbaren Einzugsbereich von Rapsflächen über-
wintert, korreliert sein Vorkommen auch mit der Entfernung zu entsprechenden Schlägen.
Besonders in warmen, trockenen Sommern ist mit starkem Auftreten der Mehligen Kohlblattlaus zu
rechnen. Das Vorkommen von Blattlausparasiten und -räubern sowie ein Entfernen der Blätter mit
Anfangsbefall nach regelmäßiger Kontrolle, können dem Schaden begrenzend wirken.
Abb.: Entwicklungsstadien Kohlrabipflanze; Bilder: VOIGTLÄNDER B., LfULG

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Erdflöhe werden durch frühzeitige Unkrautbekämpfung sowie regelmäßiges Gießen und Hacken der
Gemüsebeete vertrieben.
Dem Wurzelfraß von Larven der Kohlfliege wird durch eine Verhinderung
der Eiablage begegnet. Praktikabel sind hierfür sowohl eine Verwendung
von Kulturschutznetzen oder Manschetten als auch die kontinuierliche Be-
wässerung in Trockenperioden.
Verschiedene Schmetterlingsarten präferieren zur Eiablage Kohlgewächse.
Sowohl die Larven des Großen- und Kleinen Kohlweißlings als auch die der
Kohleule und Kohlmotte verursachen Fraßschäden sowie Verschmutzung
durch Kot an den Pflanzen. Bei Befall sollten Raupen sowie geschädigte
Pflanzenteile entfernt werden. Vorbeugend haben sich die Entwicklung von
Artenvielfalt, durch eine abwechslungsreich gestaltete Gartenstruktur, zur
Förderung von natürlichen Gegenspielern sowie (wiederum) der Einsatz
von Kulturschutznetzen bewährt.
In Bezug auf die Nährstoffversorgung ist der Kohlrabi im Vergleich zu anderem Kohlgemüse weniger
anspruchsvoll. Maßgebend ist ein durch einarbeiten von Kompost und/oder weiterem organischen
Düngematerial gut vorbereiteter Boden. Bei Kohlrabi ist im Abstand von 3 Wochen eine Stickstoffkopf-
düngung sinnvoll. Bei „Riesenkohlrabi“ sind im 4-wöchigen Abstand 2 Kopfdüngungen erforderlich.
Ernte
Das Ausreifen der Kultur steht in Abhängigkeit von Sorte und Jahreszeit. Die Ernte erfolgt ab einem
Knollendurchmesser von ca. 6 cm. Kohlrabi sollte so früh wie möglich geerntet werden, da die Konsis-
tenz hier zart und der Geschmack am besten ist. Bleiben die erntereifen Pflanzen längere Zeit stehen,
verlieren sie schnell an Qualität und werden holzig.
Die Lagerfähigkeit bei Ernte mit Laub ist begrenzt und beträgt selbst im Kühlschrank nur wenige Tage,
da das Laub recht schnell welkt und vergilbt. Herbstsorten lassen sich allerdings unter guten Bedin-
gungen (0-1 °C und ca. 95 % relative Luftfeuchtigkeit) bis in das Folgejahr lagern.
Weiterführende Literatur für den Gartengebrauch
BÖHMIG, F.: Rat für jeden Gartentag, Ein praktisches Handbuch für den Gartenfreund, Rund 2000
Tipps für das Gartenjahr. 24. Aufl. 1995
Eine Information der Pflanzenschutzdienste der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thürin-
gen: Sachgerechter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten. 4. Aufl. 2014
BRICKELL C.: DuMont`s Grosse Garten-Enzyklopädie, The Royal Horticultural Society. 1994
Abb.: Kulturschutznetze
Bild: SCHÖN B., LfULG