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Einleitung
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Im August und September 2010 ereigneten sich in Sachsen
mehrere Hoch wasser, die in einigen Gebieten die Grenzen des
bisher aufgezeichneten Hoch wasserausmaßes überschritten.
Betroffen waren insbesondere Regionen, die, abgesehen vom
Schadenszentrum im Chemnitzer Raum, nicht oder kaum
vom extremen Hoch wasser des Jahres 2002 betroffen waren
(Abbildung 1-1).
Die entstandenen Schäden werden auf rund
850 Mio. Euro geschätzt, können aber erst nach Abschluss
der noch laufenden Schadensbeseitigung, vor allem an den
Gewässern II. Ordnung, endgültig beziffert werden.
Es ist Aufgabe der staatlichen Verwaltung solche Ereignisse
zu analysieren, um daraus Lehren für das zukünftige Hoch­
wasser risiko management zu ziehen. Sachsen hat nach den
Erfahrungen der Hochwasserkatastrophe im August 2002 eine
umfassende Hoch wasserschutzstrategie entwickelt. Diese
Hoch wasserschutzstrategie ist entsprechend dem integrier­
ten Hochwasserrisikomanagement ganzheitlich angelegt. Sie
beinhaltet innerhalb der Phasen Bewältigung, Regeneration
und Vorbeugung
(Müller 2010, LAWA 2010)
insbesondere
die Eigenvorsorge, planerische Vor sorge maß nahmen, Maß­
nah men zum flächenhaften Hoch wasserrückhalt, einzugs­
ge bietsbe zogene Hoch wasser schutz konzepte als Grundlage
für einen technischen Hoch wasser schutz sowie eine effek­
tive Hoch wasserbekämpfung mit dem Zusammenspiel von
Landes hoch wasserzentrum, Talsperrenmeldezentrale und
dezentraler Hoch wasser ab wehr. Dieser Ansatz hat sich be­
währt. Der Freistaat Sachsen ist damit für die Bewältigung
von Hoch wasserereignissen gerüstet. Dennoch müssen ein­
zelne Elemente, seien es Meldewege, Hoch wasser vor her sage­
modelle oder auch geplante Hoch wasser schutz maß nahmen,
nach extremen Hochwasserereignissen überprüft und auf
Ver besserungs mög lich keiten unter sucht werden.
Direkt nach dem Hoch wasserereignis im August 2010 wur­
de von der Säch sischen Staatsregierung eine Kommission
zur Analyse der Melde systeme im Zusammenhang mit
dem Augusthoch wasser 2010 mit einer umfassen­
den Untersuchung der Meldewege beauftragt. Der dar­
aus hervorgegangene Bericht
(Jeschke et al. 2010)
ent­
hält Hinweise zur weiteren Verbesserung der sächsischen
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Einleitung
Abbildung 1­1: Die Gebietskulisse der von den Hochwassern 2010 betroffenen Gewässer I. Ordnung

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Meldesysteme. Des Weiteren wird eine umfassende Analyse
des Hochwasserereignisses gefordert.
Vor diesem Hintergrund hat das Sächsische Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft die Erarbeitung der Ereignis­
analyse beauftragt. Diese erfolgte unter der Federführung des
Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie und
der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen sowie
unter der Mitarbeit der Landesdirektion Sachsen. Des Weiteren
haben Landratsämter, Kommunen und Privatpersonen
durch die Bereitstellung von Informationen, Berichten und
Bildmaterial zur Erstellung dieser Analyse beigetragen.
Die wesentlichen Ziele der Analyse sind:
c
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die Aufarbeitung und Dokumentation der Hoch wasser­
ereignisse aus meteorologischer und hydrologischer
Sicht,
c
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die Untersuchung Schaden verursachender Prozesse
c
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die Durchführung aktueller hydraulischer
Untersuchungen in den Bereichen, wo die Hoch­
wasserereignisse deren Notwendigkeit aufgezeigt haben,
c
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die Recherche aufgetretener Schäden.
Zusätzlich wird auf Basis des Berichts der Kommission der säch­
sischen Staatsregierung
(Jeschke et al. 2010)
und Berichten
der betroffenen Landkreise die Bewältigung des Ereignisses
untersucht und die nach den Hoch wasserereignissen umge­
setzten Anpassungen im Meldewesen dargestellt.
In zeitlicher Nähe zu den Hoch wasserereignissen des Jahres
2010 kam es im Januar 2011 zu einem außergewöhnlichen
Winterhoch wasser, bei dem besonders das nordwestsächsi­
sche Tiefland stark betroffen war
(Abbildung 1-2).
Aufgrund
der initiierten Untersuchungen zu den Hoch wasserereignissen
des Jahres 2010 und der dafür aktiven Projektgruppe, er­
gab sich die Möglichkeit auch die Prozesse des Januarhoch­
wassers 2011 detailliert zu untersuchen. Die Ergebnisse wer­
den ebenfalls im vorliegenden Bericht dargestellt.
Abbildung 1­2: Die Gebietskulisse der vom Januarhochwasser 2011 betroffenen Gewässer I. Ordnung
Hinweis:
Zur Beschreibung der Ereignisse werden vielfach Datums- und Zeitangaben verwendet. Die Angaben der verschiedenen deutschen, tschechischen und polni-
schen Quellen wurden auf die einheitliche Bezugsbasis der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) bzw. Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) umgerechnet. Beim Vergleich
mit Originalquellen ist auf eventuelle Abweichungen zu lokalen Bezugszeiten zu achten.
Wasserstand am Hochwassermeldepegel hat Richtwert der
Alarmstufe 1 (Meldedienst) überschritten
Alarmstufe 2 (Kontrolldienst) überschritten
Alarmstufe 3 (Wachdienst) überschritten
Alarmstufe 4 (Hochwasserabwehr) überschritten
keine Alarmstufe überschritten
Standgewässer
Fließgewässer
Elbe
1. Ordnung
2. Ordnung
betroffener Gewässerabschnitt laut HWMO
Richtwert Alarmstufe 3 (Wachdienst) überschritten
Richtwert Alarmstufe 4 (Hochwasserabwehr) überschritten
Kreisgrenze
Einzugsgebiet
Eger (Ohrˇe)
Polzen (Ploucˇine)
Elbe
Schwarze Elster
Zwickauer Mulde
Freiberger Mulde
Vereinigte Mulde
Saale
Weiße Elster
Spree
Lausitzer Neiße
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