image
Ereignisanalyse
Hoch­wasser­im­August­und­September­2010­
und­im­Januar­2011­in­Sachsen

2
Herausgeber:
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
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Telefax: + 49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen
Bahnhofstraße 14 | 01796 Pirna
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Telefax: +49 3501 796-103
E-Mail: poststelle@ltv.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/ltv
Redaktion:
Christina Görner, LfULG, LHWZ
Dr. Stephan Gerber, LTV
Redaktionsschluss:
30.04.2013
Titelbild:
Hauptstraße in Bertsdorf-Hörnitz am Bertsdorfer Wasser am 07.08.2010
Foto: O. Menges
Auflagenhöhe:
500 Exemplare
Satz und Gestaltung:
VOR Werbeagentur GmbH
www.vor-dresden.de
Druck:
Druckerei Wagner GmbH
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Papier:
Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier
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jedoch den Parteien, diese Informationsschrift zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden.

­3
Ereignisanalyse
Hoch­wasser­im­August­und­September­2010­­
und­im­Januar­2011­in­Sachsen
­
­
­
­
­
­
­
Projektleitung
Uwe­Höhne,­LfULG,­LHWZ
Projektkoordination
Christina­Görner,­LfULG,­LHWZ
Dr.­Stephan­Gerber,­LTV
Wissenschaftliche­Bearbeitung
LfULG:­Uwe­Büttner,­Christina­Görner,­Susann­Thieme,­Petra­Walther,­Erhard­Wolf
LTV:­Dr.­Stephan­Gerber,­Stefan­Jentsch,­Thomas­Kopp,­Ulf­Winkler
LDS:­Gudrun­Achtziger,­Dr.­Christiane­Etzenberg,­Christel­Sauer­
SMUL:­Peter­Wundrak

4
Vorwort
9
1
Einleitung
12
2
Gebietsbeschreibung
16
2.1
Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
17
2.2
Einzugsgebiet der Elbe
18
2.3
Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
21
2.4
Einzugsgebiet der Mulde
22
2.5
Einzugsgebiet der Weißen Elster
23
2.6
Einzugsgebiet der Spree
25
3
Meteorologie
28
3.1
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen im August 2010
28
3.2
Wetterlage und Niederschlagsgeschehen im September 2010
33
3.3
Räumliche und zeitliche Verteilung der Niederschläge im August und
September 2010 für die Region Sachsen
36
3.4
Schneesituation und Niederschlagsdargebot im Januar 2011
40
4
Hydrologie
46
4.1
Methodik zur Ermittlung der Abflussscheitel und Ganglinien
46
4.2
Hydrologische Auswertung der Hoch wasser in den einzelnen Einzugs gebieten
46
4.2.1
Lausitzer Neiße
46
4.2.2
Betroffene Nebenflüsse der Oberen Elbe
61
4.2.3
Schwarze Elster und Große Röder
70
4.2.4
Betroffene Nebenflüsse der Zwickauer Mulde
81
4.2.5
Spree
86
4.2.6
Weiße Elster im Januar 2011
103
4.3
Hoch wasserstatistische Einordnung der Hoch wasserereignisse 2010 und 2011
108
4.4
Grundwasser
111
4.4.1
„Grundhochwasser“ 2010/2011
112
4.4.2
Grundwasserprobleme in den Bergbaugebieten 2010/2011
115
4.4.3
Befragung der Landkreise und kreisfreien Städte zu Problemen durch hoch
anstehendes Grundwasser 2010/2011
115
4.4.4
Beispiele für Probleme durch „Grundhochwasser“ 2010/2011
116
5
Hydraulische Analysen in ausgewählten Flussgebieten
124
5.1
Methodische Erläuterungen zu den nachfolgenden Beispielen
124
5.2
Kirnitzsch
125
5.3
Rödergebiet unterhalb des Speichersystems Radeburg
128
5.4
Weiße Elster
132
5.5
Spree zwischen Talsperre Bautzen und Spreewiese
136
Inhaltsverzeichnis

­5
6
Schadensprozesse
140
6.1­
Überschwemmung durch Hoch
wasser
­
140
6.1.1­
Von­Überschwemmungen­im­August­und­September­2010­betroffene­Gebiete­­
140
6.1.2­
Von­den­Überschwemmung­im­Januar­2011­betroffene­Gebiete­
146
6.2­
Erosion
­
147
6.3­
Verklausung
­
150
6.4­
Übersarung
­
152
6.5­
Wild abfließendes Wasser
­
155
6.6­
Massenbewegungen
­
160
7
Schadensbilanz
166
7.1­
Schadenserfassung
­
166
7.3­
Monetär erfasste Schäden
­
169
7.4­
Schadensbeseitigung
­
174
8
Ereignismanagement und -bewältigung
178
8.1­
Hoch
wasserwarnung und Katastrophenmanagement
­
178
8.2­
Anpassungen im Hoch
wassermeldewesen und Katastrophen
management
nach den Hoch
wassern von 2010
­
185
8.3­
Medienberichterstattung – Kommunikation mit der Öffentlichkeit
­
186
9
Fallbeispiele
190
9.1­
Ostritz
­
190
9.1.1­
Gebiets-­und­Anlagenbeschreibung­
190
9.1.2­
Ereignisverlauf­
192
9.1.3­
Auswirkungen­und­Schäden­
195
9.1.4­
Schlussfolgerungen­
196
9.2­
Die Zerstörung der Talsperre Niedów an der Witka
­
198
9.2.1­
Beschreibung­des­Einzugs­gebietes­
198
9.2.2­
Beschreibung­der­Talsperre­
200
9.2.3­
Hydrologischer­Ereignisverlauf­
202
9.2.4­
Verlauf­des­Dammbruchs­
203
9.2.5­
Folgen­des­Dammbruches­
204
9.2.6­
Ausgegebene­Warnungen­
205
9.2.7­
Schlussfolgerungen­und­Anpassungsmaßnahmen­
205
9.3­
Prozesse am Berzdorfer See
­
206
9.3.1­
Einleitung­
206
9.3.2­
Beschreibung­des­Berzdorfer­Sees­
206
9.3.3­
Beschreibung­der­Flutungsbauwerke­und­des­Arbeitsdammes­
206
9.3.4­
Ereignisverlauf­
208
9.3.5­
Schäden­
210
9.3.6­
Schlussfolgerungen­und­Ausblick­
211

6­ ­
9.4­
Das Hoch
wasser in Rothenburg/O. L.
­
212
9.4.1­
Gebietsbeschreibung­
212
9.4.2­
Anlagenbeschreibung­
212
9.4.3­
Ereignisverlauf­
213
9.4.4­
Auswirkungen­und­entstandene­Schäden­
217
9.4.5­
Schlussfolgerungen­
217
9.5­
Die Hoch
wasserereignisse 2010 an der Kirnitzsch
­
218
9.5.1­
Gebietsbeschreibung­
218
9.5.2­
Ereignisverlauf­
218
9.5.3­
Schadensbeseitigung­
223
9.5.4­
Schlussfolgerungen­
223
9.6­
Mure in Wehlen – Pirnaer Straße 199
­
223
9.6.1­
Gebietsbeschreibung­
223
9.6.2­
Ereignisursachen,­Prozesse­und­Auswirkungen­
225
9.6.3­
Umsetzung­der­Sicherungsmaßnahmen­
226
9.6.4­
Fazit­
228
9.7­
Die Zerstörung der Spreebrücke in Sohland/Spree
­
229
9.7.1­
Beschreibung­des­Einzugs­gebietes­
229
9.7.2­
Beschreibung­des­Brückenbauwerkes­
230
9.7.3­
Ereignisverlauf­
230
9.7.4­
Schadensursachen­
233
9.7.5­
Maßnahmen­
233
9.7.6­
Schlussfolgerungen­
233
9.8­
Die Überschwemmung der Ortslage Harthau im Stadtgebiet Chemnitz durch
die Würschnitz
­
234
9.8.1­
Beschreibung­des­Einzugs­gebietes­
234
9.8.2­
Beschreibung­der­Brückensituationen­an­der­Würschnitz­im­Stadtgebiet­Chemnitz­
236
9.8.3­
Ereignisverlauf­
237
9.8.4­
Maßnahmen­
239
9.8.5­
Schlussfolgerungen­
239
9.9­
Das Augusthoch wasser im Gebiet des Bertsdorfer Wassers
­
240
9.9.1­
Gebietsbeschreibung­
240
9.9.2­
Ereignisverlauf­
242
9.9.3­
Maßnahmen­
243
9.9.4­
Entstandene­Schäden­
243
9.9.5­
Schadensbeseitigungsmaßnahmen­
244
9.9.6­
Schlussfolgerungen­
245
9.10­
Hoch wasser im Krippenbach
­
246
9.10.1­ Gebietsbeschreibung­
246
9.10.2­ Beschreibung­der­Hoch­wassergefährdung­am­Krippenbach­
246
9.10.3­ Ereignisverlauf­
248
9.10.4­ Nachhaltige­Schadensbeseitigung­und­weiterführende­Aktivitäten­
249

­7
9.11­
Das Augusthoch
wasser im Gebiet des Cunewalder Wassers
­
251
9.11.1­ Gebietsbeschreibung­
251
9.11.2­ Ereignisverlauf­
252
9.11.3­ Entstandene­Schäden­
254
9.11.4­ Durchführung­der­Schadensbeseitigung­
256
9.11.5­ Schlussfolgerungen­und­Anpassungsmaßnahmen­
256
10
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
259
10.1­
Zusammenfassung des Inhalts
­
260
10.1.1­ Hydrometeorologische­und­morphologische­Prozesse­
260
10.1.2­ Schäden­
261
10.1.3­ Ereignismanagement­und­-bewältigung­
261
10.2­
Zusammenfassung der Erkenntnisse
­
262
10.2.1­ Hochwasservorsorge­
262
10.2.2­ Hochwasserschutz­
263
10.2.3­ Hochwasserabwehr­
263
10.3­
Schlussfolgerungen
­
265
­
Anhang
­
267

8­ ­

image
image
­9
Innerhalb­ von­ sechs­ Monaten­ kam­ es­ 2010­ und­ 2011­ im­
Freistaat­Sachsen­zu­einer­Serie­von­Hochwasserereignissen­
mit­teilweise­extremen­Ausmaßen,­so­wie­auch­im­Juni­2013.­
In­der­vorliegenden­Analyse­kann­auf­die­Ereignisse­von­2013­
noch­nicht­eingegangen­werden.
Ausgelöst­ durch­ Starkniederschläge­ ereigneten­ sich­ im­
August­ und­ September­ 2010­ mehrere­ regional­ verteilte­
Hochwasserereignisse.­ Bei­ dem­ Hochwasser­ Anfang­ August­
waren­leider­vier­Todesopfer­zu­beklagen.­In­den­Landkreisen­
Görlitz,­ Bautzen,­ Meißen,­ Sächsische­ Schweiz-Osterzgebirge­
und­ im­ Raum­ Chemnitz­ entstanden­ zudem­ hohe­ materiel-
le­Schäden­verbunden­mit­starken­wirtschaftlichen­und­inf-
rastrukturellen­Einschränkungen.­Die­größten­Schäden­wur-
den­ in­ den­ Einzugsgebieten­ der­ Mandau,­ oberen­ Lausitzer­
Neiße­und­oberen­Spree­vor­allem­durch­die­extremen­Fließ-
geschwindigkeiten­des­Wassers­verursacht.
Im­Januar­2011­führten­rasche­Schneeschmelze­und­einset-
zender­ Regen­ zu­ Hochwasser­ im­ Einzugsgebiet­ der­ Weißen­
Elster­mit­Schäden­vor­allem­im­Raum­Leipzig.
Die­Sächsische­Staatsregierung­beauftragte­eine­Kommission­
(Jeschke­et­al.­2010)­unmittelbar­nach­dem­Augusthochwasser­
2010­ mit­ einer­ umfassenden­ Untersuchung­ des­ Hoch-
wassermeldesystems.­Aus­dem­Bericht­der­Kommission­gehen­
Hinweise­ für­ Verbesserungen­ der­ Meldesysteme­ sowie­ die­
Forderung­nach­einer­umfassenden­Ereignisanalyse­hervor.­
Aufgrund­ der­ innerhalb­ kurzer­ Zeit­ aufeinanderfolgen-
den­ Hochwasserereignisse­ bot­ sich­ eine­ entsprechende­
Erweiterung­der­geforderten­Analyse­an.­
Inhaltliche­Schwerpunkte­waren­die­Aufarbeitung­und­Doku-
mentation­ der­ Hochwasserereignisse­ aus­ meteorologischer­
und­hydrologischer­Sicht,­hydraulische­Untersuchungen,­die­
Analyse­ aufgetretener­ Schadensprozesse­ und­ entstandener­
Schäden­ sowie­ Betrachtungen­ zur­ Ereignisbewältigung­ und­
zum­Hochwassernachrichtendienst.
Die­ Sächsische­ Hochwasserschutzpolitik­ mit­ dem­ nach­ der­
Hochwasserkatastrophe­ von­ 2002­ entwickelten­ Ansatz­ ei-
nes­integrierten­Hochwasserrisikomanagements­hat­sich­bei­
den­Ereignissen­2010,­2011­und­auch­2013­bewährt.­Dennoch­
gilt­es­u.­a.,­nach­ extremen­ Hochwassern­ einzelne­ Elemente­
wie­Meldewege­und­Hochwasserschutzmaßnahmen­zu­über-
prüfen,­ Hoch­wasservorhersagemodelle­ anzupassen­ so-
wie­ Erfahrungen­ zu­ sichern,­ um­ daraus­ Lehren­ für­ das­
Hoch­wasser­risiko­management­ zu­ ziehen­ und­ mögliche­
Verbesserungen­ umzusetzen.­ Hierfür­ liefert­ eine­ Ereignis-
analyse­einen­wichtigen­Beitrag.
Die­ vorliegende­ Analyse­ wurde­ federführend­ vom­
Landesamt­ für­ Umwelt,­ Landwirtschaft­ und­ Geologie­ und­
der­ Landestalsperrenverwaltung­ erarbeitet.­ Mitgewirkt­ ha-
ben­die­Landesdirektion­Sachsen­und­das­Sächsische­Staats-
ministerium­ für­ Umwelt­ und­ Landwirtschaft.­ Umfang-
reiche­Informationen­und­Materialien­wurden­auch­von­den­
Landratsämtern,­zahlreichen­Kommunen­und­Privatpersonen­
unkompliziert­ zur­ Verfügung­ gestellt.­ Des­ Weiteren­ beruht­
die­ vorliegende­ Ereignisanalyse­ auf­ Gutachten,­ Daten­ und­
Zuarbeiten­des­Deutschen­Wetterdienstes,­des­Tschechischen­
Hydrometeorologischen­ Institutes­ (C
ˇHMÚ),­
des­ polnischen­
Instituts­ für­ Meteorologie­ und­ Wasserwirtschaft­ (IMGW-
PIB),­ der­ TU­ Dresden­ und­ von­ Ingenieurbüros.­ Dank­ der­
Kooperation­aller­Behörden,­Institute­und­Betroffenen­konn-
te­der­Auftrag­einer­umfassenden­Ereignisanalyse­umgesetzt­
werden.
An­dieser­Stelle­bedanken­wir­uns­bei­allen,­die­zum­Gelingen­
dieser­ Analyse­ der­ Hochwasserereignisse­ 2010/2011­ bei-
getragen­ haben,­ für­ ihre­ Unterstützung­ und­ die­ gute­
Zusammenarbeit.
Norbert­Eichkorn
Präsident­des­Sächsischen­Landesamtes­für­Umwelt,­
Landwirtschaft­und­Geologie
Dr.­Hans-Ulrich­Sieber
Geschäftsführer­der­Landestalsperrenverwaltung­des­
Freistaates­Sachsen
Vorwort

10­ ­

­11
Einleitung
1

image
image
12­ ­
Im­August­und­September­2010­ereigneten­sich­in­Sachsen­
mehrere­Hoch­wasser,­die­in­einigen­Gebieten­die­Grenzen­des­
bisher­aufgezeichneten­Hoch­wasserausmaßes­überschritten.­
Betroffen­waren­insbesondere­Regionen,­die,­abgesehen­vom­
Schadenszentrum­ im­ Chemnitzer­ Raum,­ nicht­ oder­ kaum­
vom­extremen­Hoch­wasser­des­Jahres­2002­betroffen­waren­
(Abbildung 1-1).­Die­entstandenen­Schäden­werden­auf­rund­
850­ Mio.­ Euro­ geschätzt,­ können­ aber­ erst­ nach­ Abschluss­
der­ noch­ laufenden­ Schadensbeseitigung,­ vor­ allem­ an­ den­
Gewässern­II.­Ordnung,­endgültig­beziffert­werden.­
Es­ist­Aufgabe­der­staatlichen­Verwaltung­solche­Ereignisse­
zu­analysieren,­um­daraus­Lehren­für­das­zukünftige­Hoch-
wasser­risiko­management­ zu­ ziehen.­ Sachsen­ hat­ nach­ den­
Erfahrungen­der­Hochwasserkatastrophe­im­August­2002­eine­
umfassende­ Hoch­wasserschutzstrategie­ entwickelt.­ Diese­
Hoch­wasserschutzstrategie­ist­entsprechend­dem­integrier-
ten­Hochwasserrisikomanagement­ganzheitlich­angelegt.­Sie­
beinhaltet­ innerhalb­ der­ Phasen­ Bewältigung,­ Regeneration­
und­Vorbeugung­(Müller
2010, LAWA 2010)­insbesondere­
die­ Eigenvorsorge,­ planerische­ Vor­sorge­maß­nahmen,­ Maß-
nah­men­ zum­ flächenhaften­ Hoch­wasserrückhalt,­ einzugs-
ge­bietsbe­zogene­ Hoch­wasser­schutz­konzepte­ als­ Grundlage­
für­ einen­ technischen­ Hoch­wasser­schutz­ sowie­ eine­ effek-
tive­ Hoch­wasserbekämpfung­ mit­ dem­ Zusammenspiel­ von­
Landes­hoch­wasserzentrum,­ Talsperrenmeldezentrale­ und­
dezentraler­Hoch­wasser­ab­wehr.­Dieser­Ansatz­hat­sich­be-
währt.­ Der­ Freistaat­ Sachsen­ ist­ damit­ für­ die­ Bewältigung­
von­ Hoch­wasserereignissen­ gerüstet.­ Dennoch­ müssen­ ein-
zelne­Elemente,­seien­es­Meldewege,­Hoch­wasser­vor­her­sage-
modelle­oder­auch­geplante­Hoch­wasser­schutz­maß­nahmen,­
nach­ extremen­ Hochwasserereignissen­ überprüft­ und­ auf­
Ver­besserungs­mög­lich­keiten­unter­sucht­werden.­
Direkt­ nach­ dem­ Hoch­wasserereignis­ im­ August­ 2010­ wur-
de­ von­ der­ Säch­sischen­ Staatsregierung­ eine­ Kommission­
zur­ Analyse­ der­ Melde­systeme­ im­ Zusammenhang­ mit­
dem­ Augusthoch­wasser­ 2010­ mit­ einer­ umfassen-
den­ Untersuchung­ der­ Meldewege­ beauftragt.­ Der­ dar-
aus­hervorgegangene­Bericht­(Jeschke
et al. 2010)­ent-
hält­ Hinweise­ zur­ weiteren­ Verbesserung­ der­ sächsischen­
1
Einleitung
Abbildung­1-1:­Die­Gebietskulisse­der­von­den­Hoch­wassern­2010­betroffenen­Gewässer­I.­Ordnung

image
image
image
image
image
­13
Meldesysteme.­ Des­ Weiteren­ wird­ eine­ umfassende­ Analyse­
des­Hochwasserereignisses­gefordert.­
Vor­diesem­Hintergrund­hat­das­Sächsische­Staatsministerium­
für­Umwelt­und­Landwirtschaft­die­Erarbeitung­der­Ereignis-
analyse­beauftragt.­Diese­erfolgte­unter­der­Federführung­des­
Landesamtes­ für­ Umwelt,­ Landwirtschaft­ und­ Geologie­ und­
der­Landestalsperrenverwaltung­des­Freistaates­Sachsen­sowie­
unter­der­Mitarbeit­der­Landesdirektion­Sachsen.­Des­Weiteren­
haben­ Landratsämter,­ Kommunen­ und­ Privatpersonen­
durch­ die­ Bereitstellung­ von­ Informationen,­ Berichten­ und­
Bildmaterial­zur­Erstellung­dieser­Analyse­beigetragen.
­
Die­wesentlichen­Ziele­der­Analyse­sind:­
c
c
die­Aufarbeitung­und­Dokumentation­der­Hoch­wasser-
ereignisse­aus­meteorologischer­und­hydrologischer­
Sicht,­
c
c
die­Untersuchung­Schaden­verursachender­Prozesse­­
c
c
die­Durchführung­aktueller­hydraulischer­
Untersuchungen­in­den­Bereichen,­wo­die­Hoch-
wasserereignisse­deren­Notwendigkeit­aufgezeigt­haben,­
c
c
die­Recherche­aufgetretener­Schäden.
Zusätzlich­wird­auf­Basis­des­Berichts­der­Kommission­der­säch-
sischen­Staatsregierung­(Jeschke
et al. 2010)­und­Berichten­
der­ betroffenen­ Landkreise­ die­ Bewältigung­ des­ Ereignisses­
untersucht­und­die­nach­den­Hoch­wasserereignissen­umge-
setzten­Anpassungen­im­Meldewesen­dargestellt.
In­zeitlicher­Nähe­zu­den­Hoch­wasserereignissen­des­Jahres­
2010­ kam­ es­ im­ Januar­ 2011­ zu­ einem­ außergewöhnlichen­
Winterhoch­wasser,­ bei­ dem­ besonders­ das­ nordwestsächsi-
sche­Tiefland­stark­betroffen­war­(Abbildung
1-2).­Aufgrund­
der­initiierten­Untersuchungen­zu­den­Hoch­wasserereignissen­
des­ Jahres­ 2010­ und­ der­ dafür­ aktiven­ Projektgruppe,­ er-
gab­sich­die­Möglichkeit­auch­die­Prozesse­des­Januarhoch-
wassers­2011­detailliert­zu­untersuchen.­Die­Ergebnisse­wer-
den­ebenfalls­im­vorliegenden­Bericht­dargestellt.
Abbildung­1-2:­Die­Gebietskulisse­der­vom­Januarhoch­wasser­2011­betroffenen­Gewässer­I.­Ordnung
Hinweis:
Zur Beschreibung der Ereignisse werden vielfach Datums- und Zeitangaben verwendet. Die Angaben der verschiedenen deutschen, tschechischen und polni-
schen Quellen wurden auf die einheitliche Bezugsbasis der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) bzw. Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) umgerechnet. Beim Vergleich
mit Originalquellen ist auf eventuelle Abweichungen zu lokalen Bezugszeiten zu achten.
Wasserstand am Hochwassermeldepegel hat Richtwert der
Alarmstufe­1­(Meldedienst)­überschritten
Alarmstufe­2­(Kontrolldienst)­überschritten
Alarmstufe­3­(Wachdienst)­überschritten
Alarmstufe­4­(Hochwasserabwehr)­überschritten­
keine­Alarmstufe­überschritten
Standgewässer
Fließgewässer
Elbe
1.­Ordnung
2.­Ordnung
betroffener Gewässerabschnitt laut HWMO
Richtwert­Alarmstufe­3­(Wachdienst)­überschritten
Richtwert­Alarmstufe­4­(Hochwasserabwehr)­überschritten
Kreisgrenze
Einzugsgebiet
Eger­(Ohrˇe)
Polzen­(Ploucˇine)
Elbe
Schwarze­Elster
Zwickauer­Mulde
Freiberger­Mulde
Vereinigte­Mulde
Saale
Weiße­Elster
Spree
Lausitzer­Neiße
Einleitung
1

14­ ­

­15
Gebietsbeschreibung
2

image
image
image
16­ ­
Der­ Freistaat­ Sachsen­ hat­ Anteile­ an­ drei­ bedeutenden­ eu-
ropäischen­ Naturregionen:­ am­ Europäischen­ Tiefland,­ am­
Lößgürtel­ (Lößhügelland)­ und­ an­ der­ Europäischen­ Mittel-
gebirgs­schwelle.­ Etwa­ 18­%­ der­ Landesfläche­ Sachsens­ lie-
gen­im­lößfreien­Tiefland,­33­%­im­sächsischen­Mittelgebirge­
und­ 49­%­ in­ den­ Lößgebieten­ (Mannsfeld­ und­ Syrbe­ 2008).­
Dem­ Tiefland­ können­ dabei­ die­ Leipziger­ Bucht­ sowie­ die­
nördliche­Oberlausitz­zugeordnet­werden.­Das­Lößhügelland­
befindet­ sich­ südlich­ davon.­ Die­ fruchtbaren­ Böden­ ge-
statten­ hier­ eine­ starke­ landwirtschaftliche­ Nutzung.­ Die­
Mittelgebirgsschwelle­bilden­vor­allem­das­Elstergebirge,­das­
Erzgebirge,­ das­ Elbsandsteingebirge­ und­ östlich­ daran­ an-
schließend­ das­ Oberlausitzer­ Bergland­ sowie­ das­ Zittauer­
Gebirge­(Abbildung
2-1).­
Insgesamt­dacht­das­Relief­Sachsens­nach­Nordwesten­und­
Norden­ab.­Dieser­Richtung­folgt­in­der­Regel­das­Tälersystem­
der­ vor­ allem­ im­ Mittelgebirge­ entspringenden­ Flüsse­
(Abbildung 2-1).­Die­Geländehöhen­liegen­zwischen­ca.­80­m­
ü.­NN­im­Tiefland­und­rund­1.200­m­im­Erzgebirge.
Die­ von­ den­ Hochwassern­ betroffenen­ Einzugs­gebiete­
der­ Lausitzer­ Neiße,­ der­ Nebenflüsse­ der­ Oberen­ Elbe,­ der­
Schwarzen­ Elster,­ der­ Zwickauer­ Mulde,­ der­ Weißen­ Elster­
und­der­Spree­werden­in­den­nachfolgenden­Kapiteln
2.1 bis
2.6­näher­beschrieben.
2
Gebietsbeschreibung
Abbildung­2-1:­Naturräumliche­Gliederung­Sachsens
Naturräume
Stadt
Fließgewässer
Höhenstufen
<­100
100–200
200–300
300–400
400–500
500–600
600–700
>­700
Naturräumliche Gliederung Sachsens

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­17
Die­ Lausitzer­ Neiße­ ist­ ein­ linker­ Nebenfluss­ der­ Oder­ und­
entspringt­ im­ Isergebirge­ in­ der­ Nähe­ des­ Ortes­ Bedrˇichov­
auf­ tschechischem­ Gebiet­ in­ einer­ Höhe­ von­ 774­ m­ ü.­ NN.­
Das­4.403­km²­große­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­liegt­
zu­ 16­%­ auf­ dem­ Territorium­ der­ Tschechischen­ Republik,­
zu­ 51­%­ auf­ dem­ der­ Republik­ Polen­ und­ zu­ 33­%­ auf­ dem­
der­ Bundesrepublik­ Deutschland.­ Der­ sächsische­ Anteil­ am­
Einzugsgebiet­ der­ Lausitzer­ Neiße­ beträgt­ 840­ km².­ In­ der­
Abbildung 2-2­ist­das­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­mit­
ausgewählten­Pegeln­und­Niederschlagsstationen­dargestellt.­
Die­Lausitzer­Neiße­ist­252­km­lang.­Nach­55­km­erreicht­sie­
bei­Hartau­im­Lausitzer­Gebirge­in­einer­Höhe­von­234­m­ü.­
NN­die­deutsche­Grenze.­Bis­zum­Dreiländereck­südlich­von­
Zittau­ bildet­ der­ Fluss­ auf­ etwa­ einem­ Kilometer­ Länge­ die­
Grenze­zwischen­Deutschland­und­Tschechien.­In­ihrem­weite-
ren­Verlauf­nach­Norden­ist­die­Lausitzer­Neiße­der­Grenzfluss­
zwischen­Deutschland­und­Polen.­Nachdem­sie­125­km­lang­
die­ Ostgrenze­ Sachsens­ bildete,­ erreicht­ sie­ auf­ deutscher­
Seite­Brandenburg.­Rund­15­km­südlich­von­Eisenhüttenstadt­
mündet­sie­bei­Ratzdorf­in­einer­Höhe­von­32­m­ü.­NN­in­die­
Oder.­ Der­ Höhenunterschied­ zwischen­ Quelle­ und­ Mündung­
beträgt­ damit­ 742­ m.­ Das­ Einzugsgebiet­ erstreckt­ sich­ über­
die­ Naturräume­ Isergebirge,­ Zittauer­ Gebirge,­ Östliche­
Oberlausitz,­Oberlausitzer­Heide-­und­Teichgebiet,­Muskauer­
Heide,­Niederlausitzer­Grenzwall­und­Luckau-Calauer­Becken­
(Abbildung 2-1).
Von­ polnischer­ Seite­ sind­ die­ bedeutendsten­ Zuflüsse­ die­
Miedzianka,­die­Witka­(auf­tschechischem­Gebiet­Smeˇda),­die­
Skroda,­die­Wodra­und­die­Lubsza.­Die­wichtigsten­linksseiti-
gen­Zuflüsse­auf­sächsischem­Gebiet­sind­die­Mandau­und­die­
Pließnitz,­ auf­ Brandenburger­ Gebiet­ der­ Malxe-Neiße-Kanal­
und­das­Schwarze­Fließ.
Der­mittlere­Jahresniederschlag­der­Referenzperiode­1961/90­
beträgt­an­der­Station­Görlitz­657­mm.­Die­mittleren­jährlichen­
2.1 Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
Abbildung­2-2:­Das­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­
Pegel
Deutschland
Tschechische­Republik
Republik­Polen
Niederschlagsstationen
Deutschland
Tschechische­Republik
Republik­Polen
Fließgewässer
Standgewässer
Stadt
Landesgrenze
Einzugsgebiet­
Lausitzer­Neiße­
Gebietsbeschreibung
2

18­ ­
Abflussspenden­ der­ Lausitzer­ Neiße­ bewegen­ sich­ zwischen­
15,9­l/(s·km²)­am­Pegel­Hartau­an­der­tschechischen­Grenze­
und­ 8,58­ l/(s·km²)­ weiter­ nördlich­ am­ Pegel­ Podrosche­ 2,­
dem­letzten­Pegel­der­Lausitzer­Neiße­im­Freistaat­Sachsen.­
Bei­ Betrachtung­ des­ Jahresganges­ der­ mittleren­ monatli-
chen­Abflussspenden­zeigt­sich­am­Pegel­Görlitz­der­März­mit­
15,4­ l/(s·km²)­ als­ abflussreichster­ Monat­ (Schneeschmelze).­
Durch­die­Wirkung­der­sommerlichen­Niederschläge­wird­in­
den­ mittleren­ monatlichen­ Abflussspenden­ im­ August­ mit­
9,6­l/(s·km²)­ein­zweites­Maximum­deutlich.­
Zwischen­der­Mündung­der­Pließnitz­und­der­Lausitzer­Neiße­
südlich­von­Görlitz­liegt­der­Restsee­Berzdorf.­Der­Berzdorfer­
See­hat­zwei­Flutungsbauwerke.­Das­von­der­Lausitzer­Neiße­
besitzt­eine­Kapazität­bis­maximal­10­m³/s­und­das­von­der­
Pließnitz­erreicht­eine­Kapazität­bis­maximal­2,5­m³/s.­Kurz­vor­
der­Mündung­der­Witka­in­die­Lausitzer­Neiße­am­Kilometer­
2,8­befindet­sich­auf­polnischem­Gebiet­der­Speicher­Niedów.­
Der­ Speicher­ Niedów­ wurde­ im­ Jahr­ 1962­ erbaut.­ Seine­
Hauptaufgabe­ ist­ die­ Wasserversorgung­ des­ Kraftwerkes­
Turów.­Vor­der­Zerstörung­des­Speichers­am­7.­August­2010­
hatte­der­Speicher­einen­Inhalt­von­ca.­4,8­Mio.­m³­(Jüpner
und Müller 2011).­Der­Neubau­eines­Absperrdammes­soll­bis­
2015­abgeschlossen­werden.­Zwischenzeitlich­wird­durch­ei-
nen­ Fangedamm­ aus­ Spundwänden­ ein­ Aufstau­ der­ Witka­
und­damit­die­Brauchwasserversorgung­ermöglicht.
Die­ Elbe­ bildet­ mit­ einer­ Länge­ von­ 1.094­ km­ von­ der­
Quelle­im­Riesengebirge­(1.384­m­ü.­NN)­bis­zur­Mündung­
in­ die­ Nordsee­ bei­ Cuxhaven­ und­ einem­ Einzugsgebiet­ von­
148.268­km²­nach­Donau,­Weichsel­und­Rhein­das­viertgrößte­
Flussgebiet­Mitteleuropas.­Es­erstreckt­sich­auf­einer­Fläche­
von­vier­Staaten:­Der­größte­Teil­liegt­in­Deutschland­(65,5­%)­
und­der­Tschechischen­Republik­(33,7­%),­ein­sehr­kleiner­Teil­
in­ Österreich­ (0,6­%)­ und­ Polen­ (0,2­%).­ Geomorphologisch­
wird­die­Elbe­wie­folgt­unterteilt:
c
c
Obere­Elbe­–­von­der­Elbequelle­bis­zum­Übergang­zum­
Norddeutschen­Tiefland­beim­Schloss­Hirschstein­zwi-
schen­Meißen­und­Riesa­(463­km)
c
c
Mittlere­Elbe­–­vom­Schloss­Hirschstein­bis­zum­Wehr­
Geesthacht­bei­Hamburg­(489­km)
c
c
Untere­Elbe­–­vom­Wehr­Geesthacht­bis­zur­Mündung­in­
die­Nordsee­bei­Cuxhaven-Kugelbake­(142­km)
Einzugs­gebiete­der­sächsischen­Neben-
flüsse­der­Oberen­Elbe
Im­ Folgenden­ werden­ jedoch­ lediglich­ die­ Einzugs­gebiete­
der­ Nebenflüsse­ dargestellt,­ die­ im­ Elbabschnitt­ von­ der­
deutsch-tschechischen­ Staatsgrenze­ bis­ Pirna­ in­ die­ Obere­
Elbe­münden­(Abbildung
2-3)­und­bei­den­Hoch­wassern­2010­
stark­ betroffen­ waren.­ Dies­ sind­ die­ rechtsseitigen­ Flüsse­
Kirnitzsch,­Lachsbach­mit­Sebnitz­und­Polenz­als­Quellflüsse­
und­Wesenitz­sowie­der­linksseitige­Fluss­Biela.­Ebenfalls­be-
troffen­war­der­linksseitige­Elbnebenfluss­Krippenbach.­Eine­
Beschreibung­seines­Einzugs­gebietes­ist­in­Kapitel
9.10­ent-
halten.­
Zwar­wurden­auch­an­den­linksseitigen­Zuflüssen­Wilde­Sau,­
Triebisch­ und­ Ketzerbach­ Hochwasser­ mit­ Wiederkehrzeiten­
bis­ zu­ 20­ Jahren­ (Triebisch)­ verzeichnet,­ allerdings­ wa-
ren­dabei­nur­geringfügige­Schäden­entstanden,­so­dass­im­
Rahmen­ dieser­ Analyse­ keine­ hydrologische­ Auswertung­ zu­
diesen­ Flüssen­ vorgenommen­ wird.­ Diese­ Gewässer­ sind­ in­
einer­früheren­Ereignisanalyse­(LfUG
2004)­einer­näheren­
Betrachtung­unterzogen­worden.
Kirnitzsch
Die­ 41,5­ km­ lange­ Kirnitzsch­ entspringt­ auf­ tschechischer­
Seite­im­Granitmassiv­des­Oberlausitzer­Berglandes­in­506­m­
ü.­NN­und­mündet­in­Bad­Schandau­in­einer­Höhe­von­116­m­
ü.­NN­in­die­Elbe.­Zwischen­Flusskilometer­19­und­26­bildet­
die­Kirnitzsch­die­Bundesgrenze­zur­Tschechischen­Republik.­
Das­ Einzugsgebiet­ der­ Kirnitzsch­ liegt­ zum­ Großteil­ in­ den­
Nationalparkregionen­ der­ Sächsisch-Böhmischen­ Schweiz­
und­ umfasst­ 157­ km².­ Die­ mittlere­ jährliche­ Abflussspende­
beträgt­ am­ Pegel­ Kirnitzschtal­ 9,35­ l/(s·km²)­ und­ das­
Maximum­ der­ mittleren­ monatlichen­ Abflussspenden­ wird­
mit­ 13,1­ l/(s·km²)­ im­ März­ (Schneeschmelze)­ erreicht.­ Der­
mittlere­ Jahresniederschlag­ beträgt­ dabei­ an­ der­ Station­
Zeughaus­796­mm­(Referenzperiode­1971-2000).
Die­ Kirnitzsch­ fließt­ hauptsächlich­ in­ westliche­ Richtung­
und­ hat­ sich­ dabei­ bis­ zu­ 30­ m­ tief­ in­ den­ anstehenden­
Kreidesandstein­ im­ Süden­ bzw.­ Lausitzer­ Granit­ im­ Norden­
eingeschnitten.­Sie­fließt­zunächst­in­einem­Klammtal­durch­
dicht­zertalte­Gebiete.­Anschließend­verläuft­sie­durch­mäßig­
zertalte­Bereiche­mit­teilweise­aufsitzenden­Felsbergen.­Der­
weitere­Verlauf­der­Kirnitzsch­ist­durch­Kerbsohlentäler­und­
schließlich­ vor­ der­ Mündung­ in­ die­ Elbe­ durch­ Sohlentäler­
charakterisiert.
2.2 Einzugsgebiet der Elbe

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­19
Abbildung­2-3:­Einzugs­gebiete­sächsischer­Nebenflüsse­der­Oberen­Elbe
Die­ Kirnitzsch­ stellt­ sich,­ abgesehen­ vom­ Unterlauf,­ als­
Gewässer­ mit­ gering­ bis­ mäßig­ veränderten­ Abschnitten­
dar­ und­ weist­ die­ typischen­ Merkmale­ naturnaher­ Mittel-
gebirgsflüsse­auf.­Während­die­steilen­Talhänge­nahezu­völlig­
bewaldet­sind,­zeichnet­sich­die­Talsohle­durch­einen­häufigen­
Wechsel­ von­ Nadelwäldern,­ kleinen­ Auwaldbeständen­ und­
Feuchtwiesen­ aus.­ Größere­ menschliche­ Ansiedlungen­ be-
schränken­sich­auf­die­unteren­Talabschnitte,­wo­Stauanlagen­
und­ Uferbefestigungen­ die­ anthropogenen­ Einflüsse­ erken-
nen­lassen.
Lachsbach­einschließlich­Sebnitz­und­­
Polenz
Der­ Lachsbach­ entsteht­ in­ 129­ m­ ü.­ NN­ durch­ den­
Zusammenfluss­ der­ Polenz­ und­ der­ Sebnitz­ in­ der­ Ortslage­
Porsch­dorf.­ Nach­ 3,1­ km­ Lauflänge­ mündet­ er­ in­ Rath-
manns­dorf­ in­ einer­ Höhe­ von­ 118­ m­ ü.­ NN­ in­ die­ Elbe.­
Sein­ Einzugsgebiet­ umfasst­ 270­ km²­ mit­ eine­ mittleren­
Abflussspende­von­11,4­l/(s·km²)­(Bezug:­Pegel­Porschdorf­1),­
wobei­ das­ Maximum­ der­ mittleren­ monatlichen­ Abfluss-
spende­mit­17,8­l/(s·km²)­im­März­liegt.­Die­mittlere­Jahres-
niederschlagssumme­ an­ der­ Messstation­ Porschdorf­ be-
trägt­747­mm­(Referenzperiode­1961–1990).­Das­Lachsbach-
Einzugsgebiet­ wird­ von­ Nord­ nach­ Süd­ den­ Naturräumen­
Westlausitzer­ Hügel-­ und­ Bergland,­ Oberlausitzer­ Bergland­
und­Sächsische­Schweiz­zugeordnet.­Es­umfasst­36­%­Wald-­
und­ Forstflächen,­ 52­%­ landwirtschaftliche­ Flächen,­ knapp­
7­%­ Siedlungsflächen­ und­ lediglich­ 1­%­ Industrie-­ und­
Gewerbeflächen.
Der­ Lachsbach­ durchläuft­ stark­ felsig­ durchsetzte­ Gebiete,­
welche­stark­und­steilhängig­eingetieft­sind.­Während­der­ge-
samten­Laufstrecke­herrschen­Sohlenkerbtäler­vor,­die­relativ­
dicht­ bebaut­ sind­ und­ daher­ durchgehend­ stark­ veränderte­
Gewässerabschnitte­aufweisen.
Die­ Sebnitz­ entspringt­ in­ 438­ m­ ü.­ NN­ auf­ der­ tschechi-
schen­ Seite­ des­ Oberlausitzer­ Berglands­ südöstlich­ des­
Hohwaldgebietes.­Die­Lauflänge­bis­zur­Vereinigung­mit­der­
Polenz­beträgt­30,5­km­und­das­entsprechende­Einzugsgebiet­
hat­eine­Größe­von­162­km².­Die­mittlere­Jahresabflussspende­
beträgt­am­Pegel­Sebnitz­2­14,4­l/(s·km²)­mit­einem­mittleren­
monatlichen­Maximum­von­21,1­l/(s·km²)­im­März.­Die­mittle-
re­Jahresniederschlagssumme­an­der­Station­Sebnitz­beträgt­
855­mm­(Referenzperiode­1961–1990).
Die­ Sebnitz­ durchfließt­ zunächst­ den­ engräumig­ zertal-
ten­ Südwestlausitzer­ Rücken­ und­ anschließend­ Sohlentäler­
im­ Bereich­ der­ Zentralen­ Sächsischen­ Schweiz.­ Zwischen­
Pegel
Niederschlagsstationen
Stadt
Landesgrenze
Teileinzugsgebiet
Einzugsgebiet­Nebenflüsse­der­Oberen­Elbe
Gebietsbeschreibung
2

20­ ­
Flusskilometer­19­und­23­bildet­die­Sebnitz­die­Bundesgrenze­
zur­Tschechischen­Republik.­Die­Sebnitz­weist­außerhalb­der­
bebauten­ Ortslagen­ überwiegend­ gering­ und­ teilweise­ mä-
ßig­ veränderte­ Gewässerabschnitte­ auf.­ Innerorts­ ist­ die­
Gewässerstruktur­stark­bis­sehr­stark­verändert.
Die­Polenz­entspringt­in­442­m­ü.­NN­in­der­niederschlags-
reichen­Umgebung­des­Hohwaldgebietes­um­den­Valtenberg­
im­ Naturraum­ Oberlausitzer­ Bergland.­ Ihr­ Gefälle­ beträgt­
auf­30,8­km­Flusslänge­bis­zur­Vereinigung­mit­der­Sebnitz­
313­ Höhenmeter.­ Das­ Einzugsgebiet­ umfasst­ 105­ km².­ Die­
mittlere­ Jahresabflussspende­ am­ Pegel­ Neustadt­ 1­ liegt­ bei­
13,6­l/(s·km²),­das­monatliche­Maximum­von­21,0­l/(s·km²)­im­
März.­Die­mittlere­Jahresniederschlagssumme­beträgt­an­der­
Station­Polenz­828­mm­(Referenzperiode­1961–1990).
Die­ Polenz­ durchfließt­ ebenfalls­ durch­ den­ Südwest-
lausitzer­ Rücken,­ und­ die­ Zentrale­ Sächsische­ Schweiz.­ Das­
Landschaftsbild­ ist­ durch­ Talfelsgebiete­ und­ Sohlentäler­
gekennzeichnet­ und­ ihre­ Gewässerstruktur­ ist­ in­ der­ frei-
en­ Landschaft­ überwiegend­ gering­ verändert.­ Lediglich­ im­
Oberlauf­ findet­ sich­ mehr­ oder­ weniger­ dichte­ Bebauung­
(Neustadt­ in­ Sachsen)­ mit­ einer­ sehr­ stark­ veränderten­
Gewässerstruktur.
Wesenitz
Das­ niederschlagsreiche­ Gebiet­ um­ den­ Valtenberg­ (587­m­
ü.­NN)­im­Naturraum­Oberlausitzer­Bergland­stellt­auch­für­
die­Wesenitz­das­Quellgebiet­dar.­Die­71­km­lange­Wesenitz­
entspringt­am­Südosthang­des­Valtenberges­in­515­m­ü.­NN,­
fließt­anschließend­durch­Teile­des­Westlausitzer­Hügel-­und­
Berglands­und­erreicht­unterhalb­der­Ortslage­Porschendorf­
die­Sächsische­Schweiz­(Abbildung
2-1).­In­der­Elbtalweitung­
in­einer­Höhe­von­115­m­ü.­NN­mündet­sie­schließlich­bei­
Pirna­in­die­Elbe.­Mit­dieser­Höhendifferenz­von­400­m­von­
der­Quelle­bis­zur­Mündung­handelt­es­sich­um­einen­typi-
schen­Mittelgebirgsfluss.­Nach­einer­überwiegend­westlichen­
Fliessrichtung­im­Oberlauf­fließt­die­Wesenitz­ab­der­Ortslage­
Bischofswerda­nach­Südwesten.­
Das­ Wesenitz-Einzugsgebiet­ umfasst­ 270­ km²­ und­ weist­
am­ Pegel­ Elbersdorf­ eine­ mittlere­ Abflussspende­ von­
9,42­l/(s·km²)­auf,­wobei­das­Maximum­der­mittleren­monatli-
chen­Abflussspende­mit­14,0­l/(s·km²)­bedingt­durch­Schnee-
schmelze­ im­ März­ liegt.­ Bezogen­ auf­ die­ Referenzperiode­
1961–1990­ beträgt­ die­ mittlere­ Jahresniederschlagssumme­
an­der­Station­Stolpen­705­mm.
In­ den­ von­ der­ Wesenitz­ durchflossenen­ Ortslagen­ ist­ das­
Flussbett­größtenteils­reguliert­und­verbaut.­Trotzdem­gehört­
die­Wesenitz­zu­den­Gewässern­in­Deutschland,­die­in­längeren­
Abschnitten­noch­verhältnismäßig­wenig­verändert­fließen.­
Insgesamt­ist­das­Einzugsgebiet­trotz­Verdichtungsansätzen­
im­ Oberlauf­ und­ an­ der­ Mündung­ als­ ländlich­ geprägter­
Raum­ mit­ einem­ sehr­ hohen­ Anteil­ an­ landwirtschaftlicher­
Nutzfläche­(ca.­65­%)­einzuordnen.­Etwa­20­%­sind­Wald-­und­
Forstflächen­ und­ auf­ Siedlungs-,­ Industrie-­ und­ Verkehrs-
flächen­entfallen­ca.­12­%.
Biela
Die­ Biela­ entspringt­ in­ der­ Böhmischen­ Schweiz­ in­ einer­
Höhe­von­ca.­520­m­ü.­NN­wenige­Kilometer­vor­der­Grenze­
zum­Freistaat­Sachsen.­Sie­fließt­in­nördliche­Richtung­und­
mündet­in­einer­Höhe­von­ca.­115­m­ü.­NN­bei­Königstein­
in­die­Elbe.­Die­Biela­hat­eine­Länge­von­insgesamt­22,2­km,­
ihr­Einzugsgebiet­umfasst­104­km²­und­die­mittlere­Abfluss-
spende­beträgt­9,36­l/(s·km²)­(Bezug:­Pegel­Bielatal­1),­wobei­
das­ monatliche­ Maximum­ mit­ 11,8­ l/(s·km²)­ im­ März­ liegt.­
Die­mittlere­Jahressumme­des­Niederschlags­beträgt­an­der­
Station­Bielatal­741­mm­(Referenzperiode­1961–1990).
Der­ größte­ Nebenfluss­ ist­ der­ rechtsseitige­ Cunnersdorfer­
Bach.­ Das­ Bielaeinzugsgebiet­ liegt­ im­ linkselbischen­ Berg-
land­ der­ Sächsischen­ bzw.­ Böhmischen­ Schweiz.­ Es­ ist­ ge-
kennzeichnet­ durch­ eine­ abwechslungsreiche­ Landschaft­
mit­ mäßig­ und­ dicht­ zertalten­ Gebieten,­ mit­ Plateaus­ und­
Tafelbergen­sowie­mit­Sohlentälern­und­Kerbsohlentälern.
Die­nördliche­Fließrichtung­der­Biela­wird­durch­die­Abdachung­
des­Erzgebirges­und­des­westlichen­Elbsandsteingebirges­be-
stimmt.­ Die­ gefällebedingte­ verstärkte­ Erosion­ führte­ zur­
Entstehung­ teils­ bizarrer­ Sandsteinformationen­ an­ den­
Talhängen.­ Im­ Einzugsgebiet­ der­ Biela­ bedecken­ Wald­ und­
Gehölze­ca.­86­%­der­Fläche,­auf­landwirtschaftliche­Flächen­
entfallen­ 13­%­ und­ auf­ Siedlungs-­ und­ Verkehrsflächen­ le-
diglich­1­%.

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­21
Die­ Schwarze­ Elster­ entspringt­ am­ Hochstein­ oberhalb­ der­
Ortslage­Kindisch­(Oberlausitz),­passiert­nach­63­Kilometern­
die­ sächsisch-brandenburgische­ Grenze­ und­ mündet­ bei­
Listafehrda­ (Landkreis­ Wittenberg)­ in­ die­ Elbe.­ Als­ rech-
ter­ Nebenfluss­ der­ Elbe­ durchfließt­ die­ Schwarze­ Elster­ die­
Bundesländer­ Sachsen,­ Brandenburg­ und­ Sachsen-Anhalt­
und­hat­ein­Gesamteinzugsgebiet­von­5.706­km²,­wovon­ca.­
2.263­km²­auf­sächsisches­Gebiet­entfallen
(Abbildung 2-4).­
Die­Gesamtlänge­beträgt­179­km,­davon­befinden­sich­88­km­
auf­dem­Gebiet­des­Landes­Brandenburg.­
Die­Naturraumeinheiten­Oberlausitzer­Heide-­und­Teichgebiet­
und­Königsbrück-Ruhlander­Heiden­nehmen­im­Einzugsgebiet­
der­ Schwarzen­ Elster­ flächenmäßig­ den­ größten­ Anteil­ ein­
(Abbildung 2-1).
Zum­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­gehören­zwei­nen-
nenswerte­ linksseitige­ Nebenflüsse,­ die­ Pulsnitz­ mit­ ei-
ner­ nördlichen­ und­ die­ Große­ Röder­ mit­ einer­ nordwestli-
chen­ Fließrichtung.­ Die­ Große­ Röder­ entspringt­ im­ Bereich­
der­ Westlausitzer­ Vorberge­ in­ der­ Nähe­ von­ Rammenau­
in­ 326­ m­ Höhe­ und­ entwässert­ das­ westliche­ Vorfeld­ des­
Nordwestlausitzer­ Berg-­ und­ Hügellandes.­ Sie­ ist­ 105­ km­
lang­ und­ ihr­ Gesamt­einzugs­gebiet­ umfasst­ insgesamt­
859­ km².­ Nachdem­ die­ Große­ Röder­ Großröhrs­dorf­ durch-
quert­hat,­fließt­sie­zwischen­Wallroda­und­Rade­berg­durch­
das­ Hüttertal,­ kurz­ danach­ nimmt­ sie­ in­ Radeberg­ das­
Wasser­der­Schwarzen­Röder­auf.­Westlich­von­Elster­werda­
(Brandenburg)­ mündet­ die­ Große­ Röder­ schließlich­ in­ die­
Schwarze­Elster.­
Als­ rechtsseitiger­ Nebenfluss­ mündet­ das­ Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser­bei­Hoyerswerda­in­die­Schwarze­Elster.­
Aufgrund­ von­ Veränderungen­ der­ Landschaft­ durch­ den­
Braunkohletagebau­wurde­die­Schwarze­Elster­insbesondere­
im­Gebiet­Lauta-Hoyerswerda­mehrmals­umgeleitet­und­er-
hielt­somit­teilweise­ein­neues­Flussbett.­
Im­ unmittelbaren­ Überschwemmungsgebiet­ der­ Schwarzen­
Elster­ und­ ihrer­ Zuflüsse­ finden­ sich­ nährstoffreiche­ Böden­
mit­ größeren­ Lehmanteilen­ und­ oberflächennah­ anstehen-
dem­ Grundwasser.­ Grundsätzlich­ andere­ Böden­ finden­ sich­
in­ den­ Rekultivierungsgebieten­ der­ Braunkohlentagebaue.­
Die­ Kippenböden­ stellen­ terrestrische­ anthropogene­ Böden­
dar.­Die­Landnutzung­im­sächsischen­Teil­des­Einzugs­gebietes­
2.3 Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Abbildung­2-4:­Der­sächsische­Teil­des­Einzugs­gebietes­der­Schwarzen­Elster
Pegel
Niederschlagsstationen
Fließgewässer
Standgewässer
Stadt
Landesgrenze
Einzugsgebiet­Schwarze­Elster
Gebietsbeschreibung
2

22­ ­
2.4 Einzugsgebiet der Mulde
Die­Mulde­(Vereinigte­Mulde)­ist­ein­linker­Nebenfluss­der­Elbe­
und­entsteht­in­Sachsen­durch­die­Vereinigung­von­Zwickauer­
Mulde­und­Freiberger­Mulde.­Das­Einzugsgebiet­der­Mulden­
entwässert­in­großen­Teilen­das­Erzgebirge­und­das­nördlich­
vorgelagerte­Hügelland.­
Als­ linker­ Quellfluss­ der­ Vereinigten­ Mulde­ besitzt­ die­
Zwickauer­Mulde­selbst­zwei­Quellbäche,­die­westliche­Rote­
Mulde­und­die­Weiße­Mulde.­Wenig­unterhalb­des­ursprüng-
lichen­ Zusammenflusses­ dieser­ beiden­ Bäche­ wurde­ die­
Talsperre­Muldenberg­gebaut.­
Der­vom­Hoch­wasser­im­August­2010­betroffene­Teil­konzen-
trierte­sich­im­Wesentlichen­auf­das­Gebiet­der­Chemnitz,­die­
als­größter­Nebenfluss­von­rechts­oberhalb­von­Wechselburg­
der­ Zwickauer­ Mulde­ zufließt­
(Abbildung 2-5).­
Sie­ wird­
durch­ den­ Zusammenfluss­ von­ Zwönitz­ und­ Würschnitz­
im­ Süden­ der­ Stadt­ Chemnitz­ gebildet­ und­ umfasst­ eine­
Einzugsgebietsfläche­von­533­km².­Lediglich­im­Stadtgebiet­
durchfließt­ die­ Chemnitz­ das­ Erzgebirgsbecken,­ unter-
halb­davon­das­Mulde-Lößhügelland­(Abbildung
2-1).­Etwa­
25­%­des­Chemnitzeinzugs­gebietes­sind­bewaldet.­Der­Anteil­
der­ bebauten­ Fläche­ ist­ hauptsächlich­ durch­ die­ Großstadt­
Chemnitz­mit­15­%­vergleichsweise­hoch.
Die­ bei­ 699­ m­ ü.­ NN­ am­ Südwestabfall­ der­ Erhebung­ des­
Geyerschen­Waldes­entspringende­Zwönitz­nimmt­alle­west-­
und­nördlich­gerichteten­Abflüsse­aus­dem­Geyerschen­Wald­
auf.­Sie­verläuft­größtenteils­in­einem­breiten­mittelhängigen­
Muldensohlental­ in­ den­ mittleren­ und­ unteren­ Höhenlagen­
des­ Mittelerzgebirges­ und­ erreicht­ erst­ kurz­ vor­ ihrem­
Zusammenfluss­mit­der­Würschnitz­das­Erzgebirgsbecken.­Die­
Zwönitz­ entwässert­ ein­ Einzugsgebiet­ von­ 145­ km²­ Größe.
Der­Oberlauf­der­Würschnitz­befindet­sich­in­einer­Höhe­von­
532­m­ü.­NN­im­Mittelerzgebirge­nahe­dem­nördlichen­Teil­
des­ Westerzgebirges.­ Ab­ Neuwürschnitz­ verläuft­ sie­ in­ ei-
nem­sehr­flachen­Muldensohlental­mit­großen­Ausuferungs-
flächen­ im­ Erz­gebirgsbecken.­ Als­ größte­ wasserwirtschaft-
liche­ Anlage­ des­ Chem­nitz­gebietes­ befindet­ sich­ an­ einem­
Neben­bach­ des­ größten­ Würschnitzzuflusses,­ des­ Gablenz-
baches,­ die­ Talsperre­ Stollberg.­ Diese­ staut­ den­ Abfluss­ aus­
einem­ vergleichsweise­ kleinen­ Einzugsgebiet­ von­ 5,3­ km²­
und­ dient­ hauptsächlich­ der­ Trinkwasserversorgung.­ Das­
Einzugsgebiet­der­Würschnitz­ist­mit­137­km²­nur­wenig­klei-
ner­als­das­der­Zwönitz.
Das­Abflussregime­des­Chemnitzgebietes­ist­wie­im­gesamten­
Muldegebiet­in­besonderem­Maße­durch­den­Niederschlag­ge-
prägt.­Der­mittlere­Jahresniederschlag­der­Jahresreihe­1961-
1990­beträgt­an­der­Station­Chemnitz­700­mm.­Als­die­Höhe­
der­Niederschläge­beeinflussende­orografische­Besonderheit­
(Luv)­stellt­sich­der­Geyersche­Wald­dar.
Am­Zusammenfluss­der­beiden­Quellflüsse­weist­die­Zwönitz­
mit­ 15,2­ l/(s·km²)­ eine­ höhere­ mittlere­ Abflussspende­ als­
die­ Würschnitz­ mit­ 11,3­ l/(s·km²)­ auf­ .­ Am­ Pegel­ Chemnitz­
1­beträgt­die­mittlere­jährliche­Abflussspende­10,2­l/(s·km²).­
Infolge­der­Einleitung­von­Fremdwasser­aus­dem­Flöhagebiet­
über­ die­ Kläranlage­ Chemnitz-Heinersdorf­ erhöht­ sich­ die­
mittlere­Jahresabflussspende­an­der­Mündung­der­Chemnitz­
in­die­Zwickauer­Mulde­auf­12,0­l/(s·km²).
Im­ Jahresgang­ zeigt­ sich­ im­ Chemnitzgebiet­ der­ in­ der­
Regel­ durch­ Schneeschmelze­ gekennzeichnete­ März­ als­
abflussreichster­ Monat.­ Bei­ Betrachtung­ der­ mittleren­
Hochwasserscheiteldurchflüsse­ wird­ die­ Abfluss­ erhöhen-
de­ Wirkung­ sommerlicher­ Niederschläge­ deutlich.­ Der­ Juli­
weist­ deshalb­ ein­ zweites­ Maximum­ auf,­ das­ etwa­ in­ der­
Größenordnung­des­März-Maximums­liegt.­
ist­ mit­ ca.­ 42­%­ landwirtschaftlicher­ Nutzfläche­ überwie-
gend­ agrarisch­ geprägt.­ Ein­ weiterer­ großer­ Teil­ der­ Fläche­
wird­ mit­ ca.­ 36­%­ von­ Wald­ eingenommen.­ Die­ Siedlungs-­
und­Verkehrsflächen­besitzen­einen­Anteil­von­knapp­9­%.­Auf­
Gewässer­entfallen­reichlich­4­%­und­auf­Industrie/Gewerbe­
knapp­2­%.
Der­durchschnittliche­Jahresniederschlag­des­Einzugsgebietes­
der­Schwarzen­Elster­beträgt­ca.­600­mm­und­die­mittleren­
jährlichen­ Abflussspenden­ der­ Schwarzen­ Elster­ liegen­ zwi-
schen­4,0­und­8,0­l/(s·km²).­Am­Pegel­Radeberg/Große­Röder­
liegt­dieser­Wert­bei­8,02­l/(s·km²).­Bei­Betrachtung­der­mitt-
leren­ monatlichen­ Hochwasserabflussspenden­ am­ Pegel­
Trado­3­werden­zwei,­in­der­Regel­durch­Schneeschmelze­her-
vorgerufene,­Maxima­im­Jahresgang­deutlich.­In­den­Monaten­
Januar­und­März­liegt­dieser­Wert­bei­etwa­26,0­l/(s·km²).­

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­23
Abbildung­2-5:­Einzugsgebiet­der­Zwickauer­Mulde­
Das­ Flussgebiet­ der­ Weißen­ Elster,­ das­ hydrographisch­
zum­ Stromgebiet­ der­ Elbe­ gehört,­ grenzt­ im­ Osten­ an­ das­
Flussgebiet­der­Mulde,­im­Süden­an­das­Flussgebiet­der­Eger­
und­im­Westen­an­das­Flussgebiet­der­Saale,­in­die­die­Weiße­
Elster­schließlich­mündet.­
Die­ Weiße­ Elster­ entspringt­ im­ tschechischen­ Teil­ des­
Elstergebirges­östlich­von­Asch­am­Fuße­des­Kapellenberges.­
Daran­schließt­sich­das­obere­sächsische­Teilgebiet­an­–­mit­
dem­Oberlauf­der­Weißen­Elster­und­dem­Oberlauf­der­Pleiße,­
dem­bedeutendsten­Nebenfluss­der­Weißen­Elster.­Der­größ-
te­Nebenfluss­der­Weißen­Elster­im­Oberlauf­ist­die­Göltzsch,­
die­kurz­unterhalb­der­Landesgrenze­zwischen­Sachsen­und­
Thüringen­ in­ die­ Weiße­ Elster­ mündet.­ Größter­ Nebenfluss­
der­Weißen­Elster­im­thüringischen­Gebiet­ist­die­Weida.­Von­
Thüringen­fließt­die­Weiße­Elster­durch­Sachsen-Anhalt­wie-
der­ nach­ Sachsen.­ Im­ unteren­ sächsischen­ Teilgebiet­ mün-
den­ neben­ der­ Pleiße­ als­ weitere­ wichtige­ Nebenflüsse­ die­
2.5 Einzugsgebiet der Weißen Elster
Pegel
Niederschlagsstationen
Fließgewässer
Standgewässer
Stadt
Landesgrenze­
Einzugsgebiet­Zwickauer­Mulde
Gebietsbeschreibung
2

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24­ ­
Schnauder­und­die­Parthe­in­die­Weiße­Elster.­Diese­mündet­
mit­ihren­Mündungsarmen­Luppe­und­Weiße­Elster­zwischen­
Merseburg­und­Halle­in­die­Saale.­Das­gesamte­Einzugsgebiet
(Abbildung 2-6)­von­ca.­5.225­km²­Fläche­zieht­sich­langge-
streckt­in­südnördlicher­Richtung­vom­Elstergebirge­zur­in­der­
Leipziger­ Tieflandsbucht­ liegenden­ Elster-Luppe-Niederung­
(Leipzig)­und­wechselt­dort­unterhalb­der­Parthemündung­in­
eine­westliche­bzw.­nordwestliche­Richtung­(Abbildung
2-1).­
Der­Höhenunterschied­beträgt­ca.­638­m­(von­ca.­720­m­ü.­
NN­auf­ca.­82­m­ü.­NN)­bei­einer­Lauflänge­von­ca.­260­km­
(mittleres­Gefälle­von­2,5­‰).­Großlandschaftlich­gehört­das­
Elstergebiet­ drei­ Regionen­ an.­ Im­ Oberlauf­ gehört­ es­ zum­
Mittelgebirge,­ hier­ dem­ Elstergebirge­ und­ dem­ thüringi-
schen­Schiefergebirge.­Es­ist­charakterisiert­durch­eine­weit-
gespannte,­ flachwellige­ Rumpffläche,­ die­ durch­ steilwandig­
eingeschnittene­ Kerbtäler­ oder­ Kerbsohlentaler­ gegliedert­
ist.­ Im­ Mittellauf­ gehört­ das­ Elstergebiet­ der­ Vorlandzone­
der­ Mittelgebirge­ an,­ einem­ Platten-­ und­ Hügelland.­ Bei­
geringerer­ absoluter­ Höhe­ des­ Gebietes­ vermindert­ sich­
die­ Reliefenergie­ in­ den­ Tälern­ merklich.­ Im­ Unterlauf­
tritt­ die­ Weiße­ Elster­ in­ das­ weite­ Flachland­ der­ Leipziger­
Tieflandsbucht­ein.
Der­ Anteil­ landwirtschaftlicher­ Flächen­ (Ackerland­ und­
Wirtschaftsgrünland)­ im­ Flussgebiet­ der­ Weißen­ Elster­ ist­
hoch.­ Er­ beträgt­ je­ nach­ Teilgebiet­ etwa­ 60­ bis­ 70­%.­ Der­
Waldanteil­im­Flussgebiet­Weiße­Elster­ist­niedrig.­Er­nimmt­
vom­Oberlauf­zum­Unterlauf­kontinuierlich­ab.­Im­Gegensatz­
zum­ Waldanteil­ nimmt­ der­ Anteil­ bebauter­ Flächen­ vom­
Oberlauf­zum­Unterlauf­zu­(DHI-WASY
2012).
Abbildung­2-6:­Einzugsgebiet­der­Weißen­Elster
Pegel
Niederschlagsstationen
Fließgewässer
Standgewässer
Stadt
Landesgrenze
Einzugsgebiet­Weiße­Elster

­25
2.6 Einzugsgebiet der Spree
Die­Spree­ist­ein­knapp­400­km­langer­linker­Nebenfluss­der­
Havel­im­Osten­Deutschlands­und­entspringt­im­Oberlausitzer­
Bergland­(Abbildung
2-1)­nahe­der­Grenze­zu­Tschechien­
aus­ drei­ Quellen:­ in­ Ebersbach-Spreedorf,­ in­ Neugersdorf­
und­am­Kottmar.­Sie­fließt­durch­die­Bundesländer­Sachsen,­
Brandenburg­sowie­Berlin­und­ihr­Gesamteinzugsgebiet­um-
fasst­10.104­km².­Der­sächsische­Anteil­des­Einzugs­gebietes­
der­Spree­umfasst­2.025­km²­und­der­Gesamtwasserlänge­be-
trägt­107,3­km­(einschließlich­Talsperre­Bautzen)­(Abbildung
2-7).­Die­Spree­hat­in­ihrem­Quellgebiet­zunächst­den­Cha-
rakter­ eines­ Mittelgebirgsflusses.­ Ab­ der­ Talsperre­ Bautzen­
(Mittellauf)­legt­die­Spree­den­Hauptteil­ihrer­Laufstrecke­als­
typischer­ Flachlandfluss­ zurück.­ Sie­ bildet­ im­ Oberlausitzer­
Heide-­und­Teichgebiet­die­erste­Flussverzweigung­d.­h.,­dass­
die­Kleine­Spree­nach­Westen­abzweigt­und­etwa­30­km­fluss-
abwärts­ bei­ Spreewitz­ wieder­ in­ die­ Große­ Spree­ mündet.­
Nach­ dem­ Abzweig­ der­ Kleinen­ Spree­ mündet­ das­ Löbauer­
Wasser­ in­ die­ Spree.­ Bei­ Sprey­ mündet­ als­ größter­ rechter­
Nebenfluss­der­Schwarze­Schöps,­in­den­10­km­oberhalb­der­
Weiße­ Schöps­ mündet.­ Nach­ Erreichen­ der­ brandenburgi-
schen­Landesgrenze­erreicht­die­Spree­die­Stadt­Spremberg­
und­bildet­im­weiteren­Verlauf­eine­zweite­Flussverzweigung,­
den­Spreewald.­Richtung­Norden­mündet­die­Spree­in­Berlin­
in­die­Havel,­welche­wiederum­in­die­Elbe­mündet.­
Einige­Besonderheiten­des­Spreeverlaufes­haben­ihre­Ursache­
in­ den­ Gefälleverhältnissen.­ Dem­ streckenweise­ außeror-
dentlich­geringen­Gefälle­verdankt­die­Spree­eine­auffallen-
de­Eigenart,­die­Neigung­zur­Flussspaltung­und­Vernetzung­
von­ Wasserläufen.­ Zu­ den­ natürlichen­ kommen­ zahlrei-
che­ künstliche­ Flussverzweigungen.­ Durch­ die­ eingeschal-
teten­ Seen­ sowie­ die­ mächtigen­ Grundwasserleiter­ in­ den­
glazialen­ Abflussbahnen­ ist­ die­ Wasserführung­ der­ mittle-
ren­Spree­bereits­von­Natur­aus­ausgeglichener­als­die­von­
Mittelgebirgsflüssen.­ Das­ Abflussverhalten­ der­ Spree­ und­
ihrer­ Nebenflüsse,­ insbesondere­ der­ Kleinen­ Spree,­ wird­
durch­ die­ Steuerung­ von­ Talsperren­ und­ Speichern,­ durch­
Überleitungen,­Grubenwassereinleitungen­sowie­die­Flutung­
von­Tagebaurestlöchern­erheblich­beeinflusst.
Die­ mittleren­ Jahresniederschlagsmengen­ der­ Referenz-
periode­ 1961/90­ im­ sächsischen­ Einzugsgebiet­ betragen­
an­der­Station­Eibau-Walddorf­785­mm­und­an­der­Station­
Boxberg­600­mm.­Die­mittleren­jährlichen­Abflussspenden­der­
Spree­bewegen­sich­zwischen­14,6­l/(s·km²)­in­unmittelbarer­
Nähe­der­Spreequelle­am­Pegel­Ebersbach­und­7,11­l/(s·km²)­
am­Pegel­Spreewitz,­der­sich­an­der­Grenze­zu­Brandenburg­
befindet.­ Am­ Zusammenfluss­ von­ Weißem­ und­ Schwarzem­
Schöps­liegt­dieser­Wert­bei­6,94­l/(s·km²).­Im­Jahresverlauf­
der­ mittleren­ monatlichen­ Abflüsse­ am­ Pegel­ Bautzen-­
Weite­ Bleiche/Spree­ zeigt­ sich,­ bedingt­ durch­ die­ Schnee-
schmelze,­ ein­ Maximum­ im­ Monat­ März.­ Die­ Abfluss­ erhö-
hende­Wirkung­sommerlicher­Niederschläge­wird­im­Monat­
Juli­deutlich,­welcher­ein­zweites,­geringeres­Maximum­auf-
weist.­
Insgesamt­deutlich­geringer­als­im­gebirgigen­Oberen-Weiße-
Elster-Gebiet­ sind­ die­ mittleren­ Jahresniederschläge­ im­
mittleren­ und­ unteren­ Teil­ des­ Einzugs­gebietes­ der­ Weißen­
Elster.­ Erkennbar­ ist­ dies­ bei­ der­ Betrachtung­ des­ mittleren­
Jahresniederschlages­ der­ Referenzperiode­ 1961-1990.­ An­
der­ Station­ Leipzig-Holzhausen­ (Tieflandcharakter)­ beträgt­
dieser­ Wert­ 585­ mm­ und­ an­ der­ Station­ Oelsnitz/Vogtland­
(Hügellandcharakter)­665­mm.­
Die­mittleren­Jahresabflussspenden­der­Weißen­Elster­bewe-
gen­ sich­ zwischen­ 11,2­ l/(s·km²)­ am­ Pegel­ Bad­ Elster­ 1­ und­
5,81­l/(s·km²)­am­Pegel­Kleindalzig.­Im­Jahresverlauf­zeigt­sich­
an­den­Pegeln­der­Weißen­Elster­der­Monate­März­als­abfluss-
reichster­Monat,­in­der­Regel­bedingt­durch­Schneeschmelze.­
Bei­Betrachtung­der­mittleren­Hoch­wasserabflussspenden­des­
Oberen-Weiße-Elster-Gebietes­wird­ein­zweites­Maximum­in­
den­Monaten­Juli­oder­August­deutlich.
Im­Einzugsgebiet­der­Weißen­Elster­gibt­es­zehn­Talsperren,­
zwei­Hochwasserrückhaltebecken­und­zwei­Speicher.­
Des­ Weiteren­ besitzt­ das­ Tal­ der­ Weißen­ Elster­ große­ Aus-
uferungsflächen­ (potentielle­ Überschwemmungsflächen),­
die­für­den­Hoch­wasserschutz­von­Bedeutung­sind­und­lo-
kal­ im­ Hoch­wasserfall­ als­ Überschwemmungsflächen­ und­
Retentionsräume­genutzt­werden.
Gebietsbeschreibung
2

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26­ ­
Abbildung­2-7:­Der­sächsische­Teil­des­Einzugs­gebietes­der­Spree
Pegel
Niederschlagsstationen
Fließgewässer
Standgewässer
Stadt
Landesgrenze
Einzugsgebiet­der­Spree

­27
Meteorologie
3

28­ ­
Im­Folgenden­werden­die­Wetterlagen­und­das­Niederschlags-
geschehen­ der­ Monate­ August­ und­ September­ 2010­ sowie­
Januar­2011­beschrieben.­Dabei­erfolgt­eine­Analyse­der­Nieder-
schlagssituation­für­Deutschland­sowie­für­Sachsen.­Sofern­bei­
den­hier­dargestellten­Tageswerten­der­Nieder­schlagshöhen­
nichts­ anderes­ angegeben­ ist,­ beziehen­ sich­ diese­ jeweils­
auf­den­Zeitraum­von­08:00­Uhr­des­Nieder­schlagstages­bis­
08:00­Uhr­des­Folgetages.­In­Kapitel
3.3­wird­die­räumliche­
und­zeitliche­Verteilung­der­Hoch­wasser­auslösenden­Nieder-
schläge­der­Monate­August­und­September­2010­für­Sachsen­
und­angrenzende­Gebiete­näher­analysiert­und­dargestellt.­
Die­Auswertungen­beruhen­zum­Großteil­auf­hydrometeoro-
logischen­ Gutachten­ des­ Deutschen­ Wetterdienstes­ zu­
den­ einzelnen­ Wetterlagen­ und­ Niederschlagssituationen­
(DWD 2011a, 2011b)­
sowie­ auf­ einem­ Gutachten­ von­
Prof.­U.­Haberlandt­der­Universität­Hannover­(Haberlandt
2011).­
Des­ Weiteren­ wurden­ die­ Analysen­ des­ Instituts­ für­
Meteorologie­der­FU­Berlin­(www.met.fu-berlin.de)­sowie­des­
Informationssystems­ „Wettergefahren-Früh­war­nung“­ heran-
gezogen­(www.wettergefahren-fruehwarnung.de).
Der­ erste­ Abschnitt­ der­ Hoch­wasserserie­ begann­ Anfang­
August­mit­der­Ausbildung­des­Tiefdruckgebietes­„Viola“­aus­
einer­Frontalwelle­über­dem­Nordatlantik­auf­der­Rückseite­
eines­ ausgedehnten­ Höhentroges­ über­ dem­ Europäischen­
Nordmeer,­ der­ bis­ nach­ Mittel-­ und­ Westeuropa­ reichte.­
„Viola“­bewegte­sich­an­der­Vorderseite­dieses­sich­immer­wie-
der­regenerierenden­Troges­nordwärts.­Nachdem­sich­am­6.­
August­eine­Vb-ähnliche­Situation­ergeben­hatte,­wies­der­7.­
August­synoptisch­gesehen­typische­Merkmale­einer­Vb-Lage­
auf.­ Das­ relevante­ Tiefdruckgebiet­ entwickelte­ sich­ jedoch­
nicht­klassisch­aus­einer­Genua-Zyklone,­sondern­entsprang­
der­ Kaltfront­ eines­ Tiefs­ über­ den­ britischen­ Inseln,­ welche­
von­ Westen­ nach­ Deutschland­ zog,­ sich­ stetig­ verlangsam-
te­und­sich­durch­frontogenetische­Effekte­erneut­vertiefte.­
Zunächst­war­am­7.­August­eine­von­der­Ostsee­über­Polen­und­
Tschechien­bis­nach­Österreich­verlaufende­wetteraktive­(ba-
rokline)­Zone­vorhanden.­Dabei­wurde­feuchtwarme­Luft­auf­
der­Ostflanke­dieses­Tiefs­nach­Norden­geführt,­während­über­
den­ westlichen­ Teilen­ Europas­ kühlere­ und­ trockenere­ Luft­
lag.­Durch­die­Entwicklung­bzw.­Verstärkung­eines­Tiefs­über­
Polen­wurde­die­feuchtwarme­Luft­großräumig­gehoben,­was­
zu­Kondensationsprozessen­und­Niederschlagsbildung­führte.­
Die­ konvergente­ Strömung­ in­ den­ unteren­ Schichten­ sorg-
te­außerdem­für­die­Verstärkung­der­Temperaturgegensätze­
und­die­Dynamik­der­Prozesse.­Das­großräumige­Regengebiet­
war­über­viele­Stunden­hinweg­nahezu­ortsfest,­da­die­Linie­
der­ Okklusionsfront­ nahezu­ bewegungslos­ im­ bodennah-
en­Feld­mehrere­Dutzend­Kilometer­östlich­des­Isergebirges­
verharrte­ und­ ihre­ retrograde­ Verlagerung­ durch­ einen­
Hochdruckrücken­ blockiert­ wurde,­ der­ sich­ von­ Südwesten­
her­über­Westeuropa­ausdehnte.­
Die­ Hoch­wasser­ auslösenden­ Niederschläge­ konzentrierten­
sich­insbesondere­auf­die­beiden­Tage­des­6.­und­7.­August.­
Durch­ die­ nördliche­ bis­ nordöstliche­ Strömung­ verstärkten­
sich­ dabei­ die­ Luveffekte­ an­ den­ Hängen­ des­ Isergebirges­
und­ des­ Lausitzer­ Berglands­ sowie­ mittleren­ Erzgebirges­
und­ des­ Böhmischen­ Mittelgebirges.­ Zusätzlich­ wurden­ die­
Niederschläge­ aufgrund­ des­ Feuchteangebots­ und­ der­ vor-
handenen­ Labilität,­ eine­ wesentliche­ Voraussetzung­ für­ die­
Auslösung­von­Schauern­und­Gewittern,­zusätzlich­verstärkt.­
Daraus­resultierten­relativ­kleinräumige­Niederschlagsspitzen.
Bis­zum­Sonntag,­dem­8.­August,­verlagerte­sich­das­Zentrum­
des­ sich­ auffüllenden­ Höhentiefs­ weiter­ nach­ Norden­ bis­
Nordwesten;­die­Luveffekte­nahmen­ab.­Gleichzeitig­begann­
eine­ Abschwächung­ der­ frontalen­ Schnittstelle,­ die­ infolge­
des­ sich­ weiter­ ausdehnenden­ Hochdruckrückens­ allmäh-
lich­ nach­ Osten­ abzog.­ Das­ alles­ führte­ zu­ einem­ spürba-
ren­Rückgang­der­Niederschläge.­Abbildung
3-1­zeigt­den­
Frontenverlauf­über­Europa­am­7.­August­um­02:00­Uhr.
Die­Dauer­der­Niederschlagstätigkeit­(30­bis­36­Stunden)­und­
der­Flächencharakter­der­intensiven­Niederschläge­zeugen­da-
von,­dass­es­sich­nicht­um­typische­lokale­Starkniederschläge­
handelte,­die­Sturzfluten­verursachen.­Vielmehr­waren­in­das­
ausgedehnte­Dauerniederschlagsfeld­Starkregenzentren­ein-
gelagert,­die­vor­allem­am­7.­August­in­intensiver­Weise­wirk-
sam­wurden.­In­Abbildung
3-2­ist­die­räumliche­Verteilung­
der­Niederschlagshöhen­für­Deutschland­und­der­grenznahen­
Gebiete­in­Tschechien­und­Polen­am­6.­August­dargestellt.
3
Meteorologie
3.1 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
im August 2010

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­29
Abbildung­3-1:­Frontenverlauf­über­Europa­am­07.08.2010,­02:00­Uhr­(Quelle:­DWD,­Namensgebung­der­Hoch-­und­Tiefdruckgebiete­durch­FU­
Berlin)
Abbildung­3-2:­Räumliche­Verteilung­der­Tageswerte­der­Niederschlagshöhe­für­Deutschland­am­06.08.2010­(Datenquelle:­RADOLAN,­DWD)
3
Meteorologie
Viola II
Wilhelmina
T
T
T
T
Xenia
Viola III

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30­ ­
Abbildung­3-3:­Räumliche­Verteilung­der­Tageswerte­der­Niederschlagshöhe­für­Sachsen­am­06.08.2010­(links)­und­07.08.2010­(rechts)­
(Datenquelle:­Haberlandt­(2011)­auf­Basis­von­DWD-Daten)
Die­
Abbildung 3-3­
enthält­ die­ räumliche­ Verteilung­ der­
Tagesniederschläge­für­den­6.­und­7.­August­für­das­säch-
sische­ Gebiet.­ Dabei­ lassen­ sich­ sehr­ gut­ die­ Hoch­wasser­
auslösenden­Niederschläge­für­das­Einzugsgebiet­der­Mulde­
(06.08.2010)­ und­ die­ Einzugsgebiete­ der­ Lausitzer­ Neiße,­
Spree­ und­ rechtsseitigen­ Nebenflüssen­ der­ Oberen­ Elbe­
(07.08.2010)­auf­sächsischem,­aber­vor­allem­auch­auf­tsche-
chischem­und­polnischem­Gebiet­erkennen.
Die­ statistisch­ gesehen­ extremsten­ Niederschlagssummen­
fielen­ in­ Sachsen­ im­ oberen­ Einzugsgebiet­ der­ Lausitzer­
Neiße­ mit­ Wiederkehrintervallen­ von­ >100­ Jahren­ (Station­
Bertsdorf-Hörnitz:­ 85,5­ mm/6h­ und­ 145,6­ mm/24h)­ und­
im­ oberen­ Spreegebiet­ mit­ Wiederkehrintervallen­ von­ 100­
Jahren­ (Station­ Sohland:­ 72,9­ mm/6­ h;­ Station­ Kubschütz:­
77,6­mm/6­h)­(Tabelle­3-1).­Auch­auf­tschechischem­Gebiet­
fielen­die­extremsten­Niederschläge­mit­Wiederkehrintervallen­
von­ >100­ Jahren­ im­ Einzugsgebiet­ der­ Lausitzer­ Neiße,­ vor­
allem­ im­ Bereich­ des­ Isergebirges­ im­ Kreis­ Liberec­ (Station­
Bedrˇichov­ –­ Olivetská­ hora:­ 289,6­ mm/24h;­ Bedrˇichov­ –­
Tomšovka:­287,2­mm/24h)­
Der­zweite­Abschnitt­der­Hoch­wasserserie­setzte­am­Montag,­
den­9.­August­ein,­als­sich­im­bodennahen­Feld­bis­Mitteleuropa­
von­Südwesten­bis­Westen­ein­Hochdruckrücken­ausbildete,­
der­sich­in­den­nächsten­Tagen­weiter­nach­Nordosten­verla-
gerte.­Gleichzeitig­vertiefte­sich­über­dem­Nordostatlantik­in­
den­höheren­Ebenen­das­Tiefdruckgebiet,­dessen­Zentrum­sich­
in­Richtung­Südosten­bis­Süden­bewegte.­Bis­zum­12.­August­
zog­das­Zentrum­dieses­Höhentiefs­über­die­Beneluxstaaten.­
Diese­Zyklonalität­generierte­bereits­am­12.­August­auf­dem­
Gebiet­der­Tschechischen­Republik­zahlreiche­Niederschläge.
Während­ des­ 13.­ und­ 14.­ August­ zog­ das­ Zentrum­ des­
Höhentiefs­nur­sehr­leicht­aus­dem­Bereich­der­Beneluxstaaten­
nach­Frankreich.­Die­gewellte­frontale­Schnitt­stelle­bewegte­
sich­auch­nur­langsam­von­Deutschland­nach­Böhmen,­wo­sich­
die­Frontalwelle­am­13.­August­praktisch­den­ganzen­Tag­über­
nahezu­bewegungslos­hielt.­In­der­Nacht­zum­14.­August­ent-
stand­an­der­Frontalwelle­ein­neues­leichtes­Tiefdruckgebiet,­
das­in­Richtung­Norden­abzuziehen­begann­und­am­Ende­des­
Tages­ über­ der­ Ostseeküste­ angelangt­ war.­ Am­ 15.­ August­
strömte­vor­einer­gewellten­Kaltfront­warme­und­feuchte­Luft­
mit­einer­instabilen­Temperaturschichtung­nach­Böhmen.­Bei­
der­ anschließenden­ Verlagerung­ der­ Kaltfront­ in­ Richtung­
Norden­ traten­ in­ einem­ schmalen­ Streifen­ in­ Mittel-­ und­
Nordböhmen­intensive­Starkniederschläge­auf.

­31
Tabelle­3-1:­Gemessene­Niederschlagshöhen­unterschiedlicher­Niederschlagsdauerstufen­D­im­Freistaat­Sachsen­mit­Bewertung­des­
Wiederkehrintervalls­(DWD­2011a;­C
ˇHMÚ­2012a)
3
Station
Niederschlagshöhe [mm]
D [h]
Endtermin
Wiederkehrintervall [a]
Görlitz
33,0
6
­07.08.10,­08:00
5
44,4
24
­07.08.10,­08:00
1
Rosenthal
>­57,0
12
­08.08.10,­08:00
10
>­109,0
48
­07.08.10,­08:00
10
Lichtenhain-Mittelndorf
>­68,0
12
­08.08.10,­08:00
20
>­120,0
48
­07.08.10,­08:00
20
Sohland/Spree
40,4
2
­07.08.10,­17:00
20
53,7
3
­07.08.10,­17:00
30
72,9
6
­07.08.10,­18:00
100
91,4
12
­07.08.10,­20:00
100
101,7
24
­07.08.10,­20:00
50
104,0
48
­09.08.10,­01:00
20
Bertsdorf-Hörnitz
35,4
1
­07.08.10,­10:00
20
57,2
2
­07.08.10,­11:00
100
66,2
3
­07.08.10,­11:00
100
85,5
6
­07.08.10,­14:00
> 100
130,4
12
­07.08.10,­20:00
> 100
145,6
24
­08.08.10,­08:00
> 100
159,8
48
­08.08.10,­08:00
100
Chemnitz
44,6
6
­07.08.10,­07:00
10
84,3
30
­07.08.10,­12:00
40
Kubschütz, Kr. Bautzen
77,6
6
­08.08.10,­17:00
100
94,8
72
­09.08.10,­08:00
10
Stützengrün
84,1
48
­07.08.10,­08:00
5
Dürrhennersdorf
50,8
6
­07.08.10,­17:00
20
90,8
72
­08.08.10,­06:00
10
Hejnice (CZ)
220,5
24
07.08.10,­17:00
> 100
Olivetská hora (CZ)
289,6
24
07.08.10,­18:00
> 100
Tomšovka (CZ)
287,2
24
07.08.10,­18:00
> 100
Liberec (CZ)
139,7
24
08.08.10,­00:00
50
Varnsdorf (CZ)
114,3
24
08.08.10,­02:00
50
Bogatynia (PL)
90,0
24
08.08.10,­05:00
keine Angabe
Meteorologie

image
image
32­ ­
Abbildung­3-4:­Räumliche­Verteilung­der­Tageswerte­der­Niederschlagshöhe­für­Deutschland­am­15.08.2010­(Datenquelle:­RADOLAN,­DWD)
Abbildung­3-5:­Räumliche­Verteilung­der­Tageswerte­der­Niederschlagshöhe­für­Sachsen­am­15.08.2010­(Datenquelle:­Haberlandt­(2011)­auf­
Basis­von­DWD-Daten)
Im­ weiteren­ Verlauf­ des­ 15.­ August­ und­ in­ der­ Nacht­
zum­ 16.­ August­ zog­ die­ Kaltfront­ dieses­ Tiefs­ zügig­ über­
Sachsen­ nach­ Norden,­ wobei­ sich­ an­ ihr­ kräftige­ Gewitter­
entwickelten.­ Wie­ für­ Gewittersituationen­ typisch,­ wa-
ren­ die­ Niederschlagsmengen­ örtlich­ sehr­ unterschiedlich.­
Insbesondere­in­der­Nacht­vom­15.­zum­16.­August­kam­es­
im­Südosten­Sachsens­zu­kräftigen­Schauern­und­Gewittern.­
Die­ Verteilung­ der­ Tageswerte­ der­ Niederschlagshöhen­ für­
Deutschland­und­Sachsen­sind­in­den­Abbildungen
3-4 und
3-5­dargestellt.
Im­ Einzugsgebiet­ der­ Schwarzen­ Elster,­ im­ Dresdner­ Raum­
und­ im­ Osterzgebirge­ fielen­ 20­ bis­ 40­ mm­ Niederschlag,­
örtlich­ auch­ darüber.­ Die­ extremsten­ Ereignisse­ wurden­ im­
Gebiet­der­Sächsischen­Schweiz­(Station­Zeughaus,­42,9­mm­
binnen­ einer­ Stunde­ am­ 16.­ August,­ Wiederkehrintervall­
50­ Jahre)­ und­ im­ südlichen­ Umland­ von­ Dresden­ (Station­
Graupa,­52,1­mm­binnen­1­Stunde,­Wiederkehrintervall­100­
Jahre)­verzeichnet­(Tabelle
3-2).

­33
Tabelle­3-2:­Gemessene­Niederschlagshöhen­unterschiedlicher­Niederschlagsdauerstufen­D­im­Freistaat­Sachsen­mit­Bewertung­des­
Wiederkehrintervalls­(DWD­2011a)
Der­ dritte­ Abschnitt­ der­ Hoch­wasserserie­ begann­ meteoro-
logisch­am­24.­September.­Zu­dieser­Zeit­war­für­Europa­das­
Tiefdruckgebiet­ „Kathrein“­ wetterbestimmend.­ In­ der­ Nacht­
zum­25.­September­verlagerte­sich­„Kathreins“­Zentrum­von­
der­Nordsee­nach­Norddänemark,­wodurch­dessen­Kaltfront­
weiter­ ostwärts­ zog­ und­ Deutschland­ mit­ örtlich­ schweren­
Gewittern­ überquerte.­ Im­ Laufe­ des­ 24.­ September­ bildete­
sich­über­Südfrankreich­aus­der­Kaltfront­von­„Kathrein“­die­
Zyklone­„Lya“.­Die­Höhenwetterlage­sah­zu­diesem­Zeitpunkt­
so­aus,­dass­„Lya“­genau­im­Scheitelpunkt­eines­Kaltlufttroges­
entstand,­ der­ sich­ von­ Skandinavien­ über­ Mitteleuropa­ bis­
zum­westlichen­Mittelmeer­erstreckte.­
Mit­ der­ Bildung­ von­ Tief­ „Lya“­ veränderte­ „Kathrein“­ seine­
Zugrichtig­ und­ lag­ am­ 26.­ September­ über­ den­ Benelux-
Staaten.­ Dabei­ entstand­ eine­ markante­ Luftmassengrenze­
über­Ostdeutschland,­die­nur­wenig­östlich­der­Oder­lag­und­
die­Warmluft­über­Polen­von­der­Kaltluft­über­Deutschland­
trennte.­Auf­der­Ostseite­gelangte­so­subtropische­Luft­aus­
dem­Mittelmeerraum­über­den­Osten­Deutschlands­bis­nach­
Schweden­und­auf­der­Westseite­im­Gegensatz­dazu­mariti-
me­Arktikluft­bis­in­den­Norden­Frankreichs.­„Lya“­entwickel-
te­sich­dabei­zu­einem­sogenannten­Genuatief­mit­einer­als­
„Vb“­klassifizierten­nordöstlichen­Zugbahn.­Am­Boden­setzte­
eine­ entsprechend­ Vb-artige­ Entwicklung­ mit­ anhaltenden­
Aufgleitniederschlägen­ein.
Während­die­Lage­von­„Kathrein“­nahezu­ortsfest­blieb,­be-
wegte­sich­„Lya“­bis­zum­27.­September­über­das­südöstliche­
und­ östliche­ Mitteleuropa­ nach­ Norden.­ Am­ 25.­ September­
lag­ ihr­ Zentrum­ über­ Slowenien­ und­ die­ Luftmassengrenze­
verlagerte­sich­in­der­folgenden­Nacht­als­Warmfront­etwas­
weiter­ westwärts.­ Auf­ der­ Westseite­ der­ Luftmassengrenze­
bildete­ sich­ ein­ umfangreiches­ und­ intensives­ Regenband,­
das­von­Österreich­über­Tschechien­und­Sachsen­hinweg­bis­
zur­Ostsee­reichte.­Aufgrund­der­Strömungsverhältnisse­blieb­
die­ Luftmassengrenze­ quasi­ stationär.­ Aus­ dieser­ Situation­
resultierte­ein­großräumiger­Dauerregen.­Abbildung
3-6­ver-
anschaulicht­die­Wetterlage­und­Fronten­am­26.­September­
um­02:00­Uhr.
Am­27.­September­reichte­eine­ausgedehnte­Warmluftzunge­
von­ Osten­ nach­ Norddeutschland­ hinein.­ Die­ Warmluft­
wurde­ über­ die­ subpolare­ Meeresluft­ gehoben,­ sodass­ es­
zur­ Neubildung­ eines­ umfangreichen­ Regengebiets­ kam.­
Erneut­war­dabei­besonders­das­Erzgebirge­und­das­Lausitzer­
Bergland­von­Stauniederschlägen­betroffen,­sodass­sich­die­
Hoch­wassersituation­an­Spree,­Schwarzer­Elster­und­Großer­
Röder­zuspitzte.­Am­Abend­des­27.­September­konnte­„Lya“­
mit­ihrem­Zentrum­über­dem­Norden­Polens­lokalisiert­wer-
den.­Mit­dieser­Verlagerung­riss­der­Nachschub­der­feucht-
warmen­ Luftmassen­ ab.­ „Kathrein“­ löste­ sich­ bis­ zum­ 28.­
September­über­Frankreich­auf­und­„Lya“­zog­weiter­Richtung­
Russland,­sodass­am­Mittag­des­28.­September­die­Regenfälle­
endeten.
Die­Abbildung
3-7­zeigt­das­ausgedehnte­Niederschlagsfeld­
über­ Deutschland­ und­ Teilen­ Tschechiens.­ Dargestellt­
sind­ hier­ die­ Niederschlagssummen­ der­ 72­ Stunden­ vom­
25.­ September­ bis­ zum­ 27.­ September.­ Das­ Zentrum­ die-
ses­ Nieder­schlags­feldes­ lag­ dabei­ über­ den­ Bundesländern­
Sachsen,­ Sachsen-Anhalt­ und­ Brandenburg­ sowie­ dem­
Norden­ Tschechiens.­ Es­ wurden­ Niederschlagssummen­ von­
bis­zu­200­mm­(Tschechien)­und­130­mm­(Norden­Sachsens)­
erreicht.
3
Station
Niederschlagshöhe [mm]
D [h]
Termin
Wiederkehrintervall [a]
Dresden-Klotzsche
31,4­
24­
15./16.08.2010
<­1­
Dresden-Hosterwitz
26,0­
16.08.2010
Lichtenhain-Mittelndorf
25,8­
16.08.2010
Lohmen
30,4­
16.08.2010
10­
38,1­
15./16.08.2010
Graupa
52,1­
16.08.2010
100­
Zeughaus
42,9­
1
16.08.2010
50
3.2 Wetterlage und Niederschlagsgeschehen
im September 2010
Meteorologie
(Sächsische Schweiz)

image
image
image
34­ ­
Abbildung 3-8­zeigt­die­räumliche­Niederschlagsverteilung­
im­sächsischen­Raum­für­die­drei­Tage­vom­25.­bis­zum­27.­
September.­Tabelle
3-3­enthält­für­ausgewählte­Stationen­die­
72-Stundenwerte­der­Niederschlagshöhe­für­diesen­Zeitraum.­
Dabei­sind­nicht­in­erster­Linie­die­hohen­punktuellen­Werte­
an­Einzelstationen­hervorzuheben,­sondern­die­Tatsache,­dass­
es­zu­solchen­Niederschlagsmengen­in­einem­großen­Gebiet­
und­über­eine­Zeitspanne­von­drei­Tagen­verteilt­kam.
Im­ Einzugsgebiet­ der­ Schwarzen­ Elster­ erbrachten­ die­ an-
haltenden­ Niederschläge­ Summenwerte,­ die­ besondere­
Höhen­ erreichten:­ 131,5­ mm­ an­ der­ Station­ Gröditz­ bzw.­
122,1­ mm­ an­ der­ Station­ Strauch,­ gefallen­ jeweils­ binnen­
72­ Stunden,­ weisen­ statistisch­ gesehen­ ein­ Wiederkehr-
inter­vall­von­100­Jahren­auf.­Mit­einer­Niederschlagssumme­
von­ 119­ mm­ innerhalb­ von­ 72­ Stunden­ wurde­ an­ der­
Station­ Zinnwald-Georgenfeld­ der­ mittlere­ September-
Niederschlag­(Normalwertperiode­1961­bis­1990)­um­43­mm­
(156­ ­%)­ übertroffen.­ In­ Nordböhmen­ waren­ 72-stündige­
Niederschlagswerte­bei­Ústí­nad­Labem­mit­112­mm­und­bei­
Liberec­mit­118­mm­zu­verzeichnen­(Tabelle
3-3).
Abbildung­3-6:­Frontenverlauf­über­Europa­am­26.09.2010­um­02:00­Uhr­(Quelle:­DWD,­Namensgebung­der­Hoch-­und­Tiefdruckgebiete­durch­­
FU­Berlin)
Abbildung­3-7:­Räumliche­Verteilung­der­72-Stunden-Werte­der­
Niederschlagshöhe­für­Deutschland­vom­25.09.2010­bis­zum­
27.09.2010­(Datenquelle:­RADOLAN,­DWD)
Kathrein
Joleen
Ludger
Marcel
Lya
T
T
T
H
H

image
image
image
­35
3
Abbildung­3-8:­Tageswerte­der­Niederschlagshöhe­für­Sachsen­am­25.09.2010­
1
,­26.09.2010­
2
­und­27.09.2010­
3
­(Datenquelle:­
Haberlandt­(2011)­auf­Basis­von­DWD-Daten)
Tabelle­3-3:­72-Stunden-Wert­der­Niederschlagshöhe­an­ausgewählten­Stationen­für­die­drei­Niederschlagstage­25.09.–27.09.2010­(Endtermin:­
28.09.2010,­08:00­Uhr)­(DWD­2011a)
* An diesen Stationen hat es auch am 28.09. und 29.09.2010 weitergeregnet.
Stationsname
Niederschlagshöhe [mm]
Wiederkehrintervall [Jahre]
Gröditz
131,5­
100­
Deutschneudorf-Brüderwiese
127,3­
20­
Strauch
122,1­
100­
Zinnwald-Georgenfeld
118,9­
10­
Elsterwerda
118,5­
50­
Pulsnitz
116,1­
20­
Dresden-Klotzsche
113,0­
20­
Dürrhennersdorf *
93,8­
10­
Kubschütz, Kr. Bautzen *
92,3­
10­
Sohland/Spree *
88,4­
Ústí nad Labem (CZ)
112,0­
keine­Angabe
Liberec (CZ)
118,0­
keine­Angabe
1
3
2
Meteorologie

image
36­ ­
Die­ nachfolgenden­ Darstellungen­ und­ Auswertungen­ zur­
räumlichen­und­zeitlichen­Niederschlagsverteilung­in­der­Zeit­
vom­1.­August­bis­zum­30.­September­2010­basieren­auf­dem­
Gutachten­von­Haberlandt
(2011).
Grundsätzlich­ kann­ eine­ signifikante­ Verbesserung­ der­
räumlichen­ Niederschlagsschätzung­ durch­ Einbeziehung­
der­ Daten­ aus­ dem­ räumlich­ hoch­ auflösenden­ Radar-
messnetz­ des­ DWD­ erreicht­ werden.­ Daher­ sind­ sowohl­
Niederschlagsinformationen­aus­fünfminütigen­Radar­daten­
als­ auch­ stündliche­ Daten­ aus­ bodengebunden­ Messnetzen­
verwendet­ und­ mittels­ eines­ geostatistischen­ Merging­ver-
fahrens­kombiniert­worden.­Die­Güte­des­Mergingverfahrens­
wurde­ mit­ Hilfe­ einer­ Kreuzvalidierung­ geprüft­ und­ mit­
klassischen­ einfachen­ Interpolationsverfahren­ verglichen.­
Es­ wurden­ stündliche­ Rasterdaten­ für­ den­ Zeitraum­ vom­
1.­ August­ bis­ zum­ 30.­ September­ 2010­ in­ einer­ Auflösung­
von­ 1­ km­ x­ 1­ km­ für­ die­ sächsischen­ Flussgebiete­ von­ der­
Weißen­ Elster­ bis­ zur­ Lausitzer­ Neiße­ sowie­ angrenzende­
Gebiete­berechnet.
Abbildung 3-9­zeigt­das­Untersuchungsgebiet,­die­verwen-
deten­Niederschlagsstationen,­die­Abdeckung­durch­die­drei­
Radarstationen­ Dresden,­ Neuhaus­ und­ Ummendorf­ sowie­
eine­Teileinzugsgebietsgliederung­entsprechend­der­3-stelli-
gen­Gewässerkennzahl.
Der­Radius­der­Radardatenabdeckung­beträgt­jeweils­128­km.­
Nur­der­Radarstandort­Dresden­ist­im­Bild­dargestellt.­Um-
men­dorf­liegt­nordwestlich­und­Neuhaus­südwestlich­außer-
halb­des­Bildes.­Zu­sehen­ist,­dass­alle­drei­Radarstandorte­zur­
vollständigen­ Abdeckung­ der­ Teilgebiete­ benötigt­ wurden.­
Somit­war­zunächst­eine­Kombination­der­Radardaten­für­die­
drei­Standorte­erforderlich.
Insgesamt­ standen­ 87­ Niederschlagsstationen­ mit­ stündli-
chen­Daten­zur­Verfügung.­Es­ist­zu­erkennen,­dass­für­man-
che­Gebiete­kaum­Stationen­verfügbar­waren.­Im­Osten­be-
traf­dies­das­Gebiet­der­Lausitzer­Neiße­und­im­Norden­die­
Teilgebiete­von­Spree­und­Schwarzer­Elster.­Für­diese­Bereiche­
musste­mit­Abstrichen­an­die­Interpolationsgenauigkeit­ge-
3.3 Räumliche und zeitliche Verteilung der
Niederschläge im August und September 2010
für die Region Sachsen
N­Stationen­LfUG
Radar­Standorte
Radar­Bereiche
Abbildung­3-9:­Untersuchungsgebiet,­Niederschlagsstationen,­Radarstandorte­und­Teileinzugs­gebiete­entsprechend­der­dreistelligen­
Gewässerkennzahl­(Haberlandt­2011)
Dresden

­37
3
rechnet­werden.­Insbesondere­für­diese­Regionen­stellen­die­
Radardaten­daher­eine­sehr­wertvolle­Informationsquelle­dar.
In­Abbildung
3-10­ist­der­zeitlichen­Verlauf­des­mittleren­
stündlichen­ Niederschlages­ für­ das­ Gesamtgebiet­ für­ die­
zwei­Monate­August­und­September­dargestellt.­Dabei­zeigt­
sich,­ dass­ im­ August­ am­ meisten­ Niederschlag­ gefallen­ ist,­
sich­ dieser­ über­ den­ ganzen­ Monat­ verteilte­ und­ mehre-
re­ Starkniederschlagsereignisse­ auftraten.­ Im­ September­
hingegen­ gab­ es­ eine­ relativ­ konzentrierte­ Periode­ mit­
Starkniederschlag­am­Ende­des­Monats.­Daraus­resultierten­
die­verschiedenen­Hoch­wasserereignisse­im­August­mit­teil-
weise­mehreren­Wellen­und­das­Hoch­wasser­Ende­September.
Abbildung 3-11­enthält­die­räumliche­Verteilung­der­auf-
summierten­ Stundenniederschläge­ für­ die­ Monate­ August­
und­ September.­ Es­ wird­ wieder­ deutlich,­ dass­ die­ größten­
Niederschlagsmengen­im­August­fielen,­speziell­im­Osten­und­
Südwesten­von­Sachsen.­Die­höchsten­Summen­wurden­da-
bei­ in­ den­ Regionen­ des­ Elbsandsteingebirges,­ des­ Zittauer­
Gebirges­sowie­des­Isergebirges­erreicht.­Mit­bis­zu­447­mm­
fielen­hier­teilweise­Mengen­bis­zum­Fünffachen­der­mittle-
ren­Monatssumme.
Zwar­ fiel­ im­ September­ weit­ weniger­ Niederschlag­ als­
im­ August,­ dennoch­ wurden­ auch­ hier­ wieder­ sehr­ hohe­
Summen­erreicht.­Mit­bis­zu­230­mm­überstiegen­die­Mengen­
mancherorts­das­Vierfache­der­mittleren­Monatssumme.­Die­
höchsten­Niederschläge­fielen­dabei­in­den­Flussgebieten­von­
Schwarzer­Elster,­Freiberger­Mulde­und­Elbe.­
Abbildung­3-10:­Zeitlicher­Verlauf­des­mittleren­Gebietsniederschlages­über­dem­gesamten­Untersuchungsgebiet­für­den­Zeitraum­01.08.2010–
30.09.2010
Meteorologie
01.08.2010
11.08.2010
21.08.2010
31.08.2010
10.09.2010
20.09.2010
30.09.2010
Niederschlag [mm/h]
1
0.5
0

image
image
38­ ­
Die­Tabelle
3-4­gibt­einen­Überblick­über­die­mittleren,­mini-
malen­und­maximalen­Niederschlagssummen.
Abbildung 3-12­zeigt­die­räumliche­Verteilung­stündlicher­
Niederschläge­für­die­Stunden­vom­6.­August,­21:00­Uhr­bis­
zum­7.­August,­09:00­Uhr.­Es­ist­gut­die­starke­Heterogenität­
mit­ regional­ beschränkter­ Ausdehnung­ von­ Nieder­schlags-
zellen­zu­erkennen,­die­so­nur­unter­Verwendung­der­Radar-
daten­als­Zusatzinformation­erfasst­werden­konnte.­Weiter­hin­
spiegelt­sich­gut­das­Niederschlagsgeschehen­der­ausgewähl-
ten­zwölf­Stunden­wider­mit­zunächst­starken­Niederschlägen­
im­Einzugsgebiet­der­Mulde­und­mit­den­etwas­später­einset-
zenden­Starkniederschlägen­im­Elbsandsteingebirge,­Zittauer­
Gebirge­und­Isergebirge.
Abbildung­3-11:­Räumliche­Verteilung­der­monatlichen­Niederschlagssummen­für­August­(links)­und­September­2010­(rechts)­(Datenquelle:­
Haberlandt­(2011)­auf­Basis­von­DWD-Daten)
Tabelle­3-4:­Mittlere,­minimale­und­maximale­Niederschlagssummen­im­betrachteten­Niederschlagsgebiet­für­August­und­September­2010­
(Haberlandt­2011)
Monat
Mittel [mm]
Minimum [mm]
Maximum [mm]
August
143
112
447
September
89
39
231

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­39
3
Abbildung­3-12:­Räumliche­Verteilung­interpolierter­stündlicher­Niederschläge­für­die­Zeit­vom­06.08.2010,­21:00­Uhr­bis­07.08.2010,­09:00­Uhr­
(Datenquelle:­Haberlandt­(2011)­auf­Basis­von­DWD-Daten)
06.08.2010, 21:00–22:00 Uhr
07.08.2010, 00:00–01:00 Uhr
07.08.2010, 03:00–04:00 Uhr
07.08.2010, 06:00–07:00 Uhr
06.08.2010, 22:00–23:00 Uhr
07.08.2010, 01:00–02:00 Uhr
07.08.2010, 04:00–05:00 Uhr
07.08.2010, 07:00–08:00 Uhr
06.08.2010, 23:00–24:00 Uhr
07.08.2010, 02:00–03:00 Uhr
07.08.2010, 05:00–06:00 Uhr
07.08.2010, 08:00–09:00 Uhr
Meteorologie

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40­ ­
Bereits­Ende­Dezember­2010­erreichten­die­Schneehöhen­ins-
besondere­im­Norden­und­Osten­von­Sachsen­für­Dezember­
überdurchschnittlich­große­Werte.­In­Sachsen­wurden­bis­ins­
Flachland­vielerorts­neue­Extremwerte­registriert.­Es­kam­im­
zentralen­Sachsen­zu­einer­Überschreitung­der­langjährigen­
Extremwerte­ der­ Schneehöhe­ um­ bis­ zu­ 100­%­
(Abbildung
3-13).­
Diese­ ließ­ allerdings­ eine­ Höhenabhängigkeit­ erken-
nen.­ Zwischen­ ca.­ 100­ m­ und­ 550­ m­ Höhe­ wurden­ am­ 29.­
Dezember­ im­ Mittel­ die­ klimatologischen­ Extremwerte­ für­
den­Zeitraum­1951–2000­erreicht­und­häufig­überschritten.­
Oberhalb­dieses­Niveaus­fiel­die­Schneehöhe­dagegen­über-
wiegend­geringer­aus.­
Im­ Vergleich­ mit­ den­ Schneehöhen­ des­ gesamten­ Winters­
wurden­aber­auch­unterhalb­von­ca.­550­m­ü.­NN­im­Mittel­die­
50-jährlichen­Extremwerte­des­Zeitraumes­1951–2000­nicht­
erreicht.­Nur­vereinzelt­kam­es­zum­Auftreten­neuer­Extreme.­
Daher­ kann­ geschlussfolgert­ werden,­ dass­ die­ Schneedecke­
im­Dezember­2010­im­Flachland­und­Mittelgebirgsraum­zwar­
früher­ als­ durchschnittlich­ beobachtet­ worden­ ist,­ aber­ die­
dort­ gemessenen­ Höhen­ für­ die­ restlichen­ Wintermonate­
nicht­ungewöhnlich­waren.­
Insgesamt­ wird­ aus­ dieser­ Analyse­ ersichtlich,­ dass­ Ende­
Dezember­ 2010­ ein­ beachtliches­ Wasseräquivalent­ in­ der­
Schneedecke­ gespeichert­ war.­ In­ den­ Höhenlagen­ des­
Erzgebirges­ wurden­ Werte­ zwischen­ 180­ und­ 260­ mm­ er-
reicht­ und­ auch­ im­ Flachland­ konnten­ verbreitet­ bis­ zu­
50­mm­und­teilweise­noch­höhere­Wasseräquivalente­ermit-
telt­werden.­Diese­stellten­ein­beachtliches­Potential­für­die­
Schmelzwasserbildung­dar
(Abbildung 3-14).
Die­Zeiträume­vom­6.­bis­10.­Januar­sowie­vom­11.­bis­etwa­
18.­ Januar­ konnten­ als­ jene­ identifiziert­ werden,­ in­ denen­
Tagessummen­ des­ Niederschlagsdargebots­ von­ ca.­ 10­ mm­
oder­mehr­auftraten.
3.4 Schneesituation und Niederschlagsdargebot
im Januar 2011
Abbildung­3-13:­
1
­Schneehöhe­(SH)­am­29.12.2010­(Datenbasis:­74­Stationen);­
2
­maximale­Schneehöhe­Dezember­(Extremwert­der­Periode­
1951-2000,­Datenbasis:­55­Stationen);­
3
­Abweichung­der­Schneehöhe­am­29.12.2010­vom­klimatologischen­Maximalwert­im­Monat­Dezember­
(DWD­2011b)
1
2
3

image
­41
3
In­ der­ Nacht­ zum­ 6.­ Januar­ leiteten­ Tiefausläufer­ aus­ dem­
Westen­eine­Wetterumstellung­ein.­Milde­Temperaturen­und­
Regen­ führten­ zu­ starkem­ Tauwetter.­ Im­ Bergland­ schmolz­
die­ Schneedecke­ vom­ 6.­ zum­ 7.­ Januar­ um­ 10–20­ cm­ und­
im­ Tiefland­ um­ bis­ zu­ 10­ cm­ ab.­ Für­ den­ 6.­ und­ 7.­ Januar­
wurden­24-stündige­Niederschlagssummen­von­jeweils­2­mm­
bis­ 5­ mm­ (im­ Bergland­ auch­ darüber:­ Fichtelberg­ 10,1­ mm­
am­06.01.­und­9,0­mm­am­07.01.)­registriert­(Tabelle
3-5,
Abbildung 3-15).­Für­Sachsen­wurden­die­höchsten­Werte­
der­24-stündigen­Summe­des­Niederschlagsdargebots­in­der­
betrachteten­Periode­für­den­7.­Januar,­08:00­Uhr­ermittelt.­
Der­Schwerpunkt­mit­den­höchsten­Spitzen­für­Sachsen­lag­
dabei­im­Raum­nördlich­von­Chemnitz­mit­Maximalwerten­im­
Bereich­von­ca.­50–70­mm
(Abbildung 3-16).­
Tageshöchsttemperaturen­ von­ bis­ zu­ 10­ Grad­ im­ Tiefland,­
sowie­4­Grad­im­Bergland­ließen­die­Schneedecken­vom­7.­
bis­zum­8.­Januar­weiter­abtauen.­Die­Schneedecken­verrin-
gerten­ sich­ um­ 5­ bis­ 20­ cm­ im­ Bergland­ und­ 2­ bis­ 10­ cm­
im­ Tiefland.­ Mit­ einem­ ausgeprägten­ Tiefdruckgebiet­ über­
dem­Norden­Europas­wurden­bis­zum­Morgen­des­10.­Januar­
weiterhin­ feuchte­ und­ milde­ Luftmassen­ in­ die­ sächsische­
Region­ geführt.­ Bei­ Tageshöchsttemperaturen­ von­ 4­ bis­
10­ °C­ und­ leichtem­ Regen,­ setzte­ sich­ das­ Tauwetter­ auch­
vom­9.­bis­zum­10.­Januar­fort.­In­diesem­Zeitraum­verrin-
gerten­sich­die­Schneedecken­im­Bergland­um­bis­zu­10­cm­
und­ im­ Tiefland­ um­ 5­ cm.­ Vom­ 8.­ bis­ zum­ 10.­ Januar­ tau-
ten­ aus­ dem­ Wasservorrat­ der­ Schneedecke­ 30–40­ mm­ ab.­
Am­Ende­der­ersten­Monatsdekade­waren­im­Bergland­noch­
Schneedecken­ von­ 10­ bis­ 50­ cm­ und­ im­ Tiefland­ bis­ 3­ cm­
zu­verzeichnen.­Ab­dem­10.­Januar­wurde­nach­Abzug­einer­
Kaltfront­Zwischenhocheinfluss­wirksam­und­es­strömte­käl-
tere­Luft­vom­Atlantik­zu.­Das­Abtauen­der­noch­vorhandenen­
Schneedecke­wurde­nachts­gestoppt­und­tagsüber­verlang-
samt.
Abbildung­3-14:­Gemessenes­Wasseräquivalent­der­Schneedecke­[mm]­am­29.12.2010,­07:00­Uhr­regionalisiert­mit­SNOW4­(DWD­2011b)
Meteorologie

image
image
image
image
42­ ­
Abbildung­3-15:­Tageswert­der­Niederschlagshöhe­[mm]­vom­
08.01.2011,­01:00­Uhr­für­die­vorhergehenden­24­Stunden,­regionali-
siert­mit­SNOW4­(DWD­2011b)
Abbildung­3-16:­Tageswert­des­Niederschlagsdargebots­[mm]­für­den­
07.01.2011,­07:00­Uhr,­simuliert­mit­SNOW4­(DWD­2011b)
Station
Tagessumme Niederschlag [mm]
Datum
Leipzig-Halle
1,9
06.01.
Leipzig-Holzhausen
2,8
06.01.
Oschatz
4,0
06.01.
Görlitz
2,1
07.01.
Dresden-Klotzsche
5,5
07.01.
Aue
2,7
07.01.
Plauen
2,9
07.01.
Marienberg
5,1
07.01.
Chemnitz
3,6
07.01.
Zinnwald-Georgenfeld
7,3
06.01.
Fichtelberg
9,0
07.01.
Tabelle­3-5:­Maximale­Tagessummen­des­Niederschlags­für­die­erste­Phase­hohen­Niederschlagsdargebots­an­den­11­Stationen,­
an­denen­Simulationen­mit­SNOW4­möglich­waren­(DWD­2011b)

image
image
image
­43
3
Die­ zweite­ Phase­ mit­ hohem­ Niederschlagsdargebot­ trat­
zwischen­ dem­ 11.­ und­ 15.­ Januar­ auf­
(Abbildung 3-17
und 3-18),­
als­ ein­ Regengebiet­ Deutschland­ überquerte.­
Am­Abend­des­12.­Januar­zog­von­Westen­eine­Warmfront­
heran­ und­ brachte­ milde­ Luft­ mit­ zeitweiligem­ Regen.­ Es­
kam­ zu­ starkem­ Tauwetter­ bis­ ins­ obere­ Bergland.­ Am­ 14.­
Januar­wurden­Mengen­von­meist­5­mm­bis­10­mm,­in­der­
Sächsischen­ Schweiz,­ im­ Einzugsgebiet­ der­ Großen­ Röder­
und­im­Dresdner­Raum­15­mm­bis­20­mm­gemessen­(Tabelle
3-6).­
Im­ Bergland­ dauerte­ diese­ zweite­ Phase­ mit­ abneh-
mendem­ Niederschlagsdargebot­ noch­ bis­ zum­ 18.­ Januar,­
wobei­ die­ Schneedecke­ dort­ erhalten­ blieb,­ jedoch­ bedingt­
durch­ positive­ Temperaturen­ und­ erneute,­ jedoch­ geringe­
Niederschläge,­ um­ bis­ zu­ ca.­ 50­%­ zurückging.­ Nach­ dieser­
Phase­ waren­ nur­ noch­ geringe­ Niederschläge­ zu­ verzeich-
nen,­die­milden­Temperaturen­ließen­jedoch­die­Schneedecke­
im­ oberen­ Bergland­ weiter­ tauen.­ Unter­ dem­ Einfluss­ eines­
Hochdruckgebietes­über­dem­westlichen­Mittelmeer­gelang-
te­ mit­ einer­ Südwestströmung­ weiterhin­ milde­ Luft­ nach­
Sachsen.­Vom­16.­bis­zum­Abend­des­18.­Januar­blieb­es­nie-
derschlagsfrei.
Eine­ dritte­ Phase­ hohen­ Niederschlagsdargebots­ trat­ um­
den­ 25.­ Januar­ auf,­ als­ ein­ Tiefausläufer­ von­ der­ Nordsee­
mit­ seinem­ Niederschlagsgebiet­ Deutschland­ überquer-
te.­ In­ höheren­ Lagen­ fielen­ die­ Niederschläge­ bei­ negati-
ven­ Temperaturen­ als­ Schnee.­ Sie­ konzentrierte­ sich­ mit­
Tagessummen­ des­ Niederschlagsdargebots­ von­ maximal­ ca.­
10–15­ mm­ jedoch­ auf­ Nordwest-Sachsen­ (Raum­ Leipzig).­
Abbildung 3-19­gibt­exemplarisch­für­die­Station­Aue­den­
Verlauf­ von­ Schneedeckenhöhe,­ Niederschlag,­ Temperatur­
und­Wasseräquivalent­wieder.
Für­die­Station­Chemnitz­wurde­ermittelt,­dass­dort­in­fast­
allen­Dauerstufen­(1,­2,­3,­4,­5,­6,­7,­8,­9­und­10­Tagen)­in­
den­ ersten­ beiden­ diagnostizierten­ Phasen­ im­ Januar­ 2011­
die­bisher­höchsten­Niederschlagsdargebotssummen­auftra-
ten.­Dabei­wurden­bis­auf­die­Dauerstufe­1­Tag­(48,2­mm)­
Wiederkehrintervalle­oberhalb­von­10­Jahren,­für­die­Dauer-
stufen­3–6­Tage­(132,8­mm­bis­155,5­mm)­sogar­oberhalb­von­
100­Jahren­erreicht.
An­der­Station­Leipzig­lagen­die­Wiederkehrintervalle­bei­den­
Dauerstufen­1–3­Tage­(37,7­mm­bis­62­mm)­und­7–10­Tage­
(79,2­ mm­ bis­ 88­ mm)­ im­ Bereich­ von­ ca.­ 5­ und­ 20­ Jahren.­
An­ der­ Station­ Dresden­ wurden­ Wiederkehrintervalle­ für­
Andauern­ zwischen­ 2­ und­ 7­ Tagen­ ähnlich­ wie­ für­ Leipzig­
ermittelt.­ Für­ Andauern­ von­ 8–10­ Tagen­ (106,8­ mm­ bis­
107,2­ mm)­ lagen­ die­ Wiederkehrintervalle­ zwischen­ ca.­ 15­
und­40­Jahren.
Für­ Görlitz­ wurden­ besonders­ bei­ Summen­ des­ Nieder-
schlags­dargebots­ über­ 6­ Tage­ und­ mehr­ (95,1­ mm­ bis­
120,8­ mm)­ erhebliche­ Mengen­ erreicht.­ Deren­ Wieder­kehr-
intervalle­lagen­dabei­in­Bereichen­zwischen­ca.­30­und­100­
Jahren.
Abbildung­3-17:­Tageswert­der­Niederschlagshöhe­[mm]­vom­
14.01.2011,­01:00­Uhr­für­die­vorhergehenden­24­Stunden,­­
regionalisiert­mit­SNOW4­(DWD­2011b)
Abbildung­3-18:­Tageswert­des­Niederschlagsdargebots­[mm]­für­den­
14.01.2011,­01:00­Uhr,­simuliert­mit­SNOW4­(DWD­2011b)
Meteorologie

44­ ­
Wie­ sich­ aus­ der­ vorgenommenen­ Betrachtung­ von­
Dauerstufen­ bis­ zu­ 10­ Tagen­ bereits­ andeutete,­ erreichte­
die­ ermittelte­ Summe­ des­ Niederschlagsdargebots­ über­ die­
Tauwetterperiode­ von­ etwa­ zwei­ Wochen­ z.­T.­ erhebliche­
Werte.­Das­wird­speziell­am­Beispiel­des­Erzgebirges­deutlich.­
Im­ Klimamittel­ 1961–1990­ (WMO-Normalwertperiode)­ liegt­
die­ Jahressumme­ des­ Niederschlags­ in­ dieser­ Region­ zwi-
schen­ca.­700­und­1.000­mm.­Die­Summe­für­den­Winter­er-
reicht­Werte­zwischen­etwa­160­und­250­mm,­wobei­speziell­
im­Januar­dort­im­Mittel­zwischen­ca.­50­und­100­mm­fallen.­
Für­ das­ Niederschlagsdargebot­ im­ Einzugsgebiet­ der­ Mulde­
wurden­ aufsummiert­ über­ die­ Tauwetterperiode­ im­ Januar­
2011­Spitzenwerte­bis­zu­ca.­300–400­mm­berechnet.­Damit­
wurde­die­mittlere­Wintersumme­des­Niederschlags­bei­wei-
tem­überstiegen­und­nahezu­50­­%­der­Jahressumme­erreicht.
Tabelle­3-6:­Beispiele­für­Tagessummen­des­Niederschlagsdargebots­und­zugehörige­Tagessummen­des­Niederschlags­für­die­zweite­Phase­ho-
hen­Niederschlagsdargebots­(DWD­2011b)
Abbildung­3-19:­Messungen­von­Schneehöhe,­Wasseräquivalent­der­Schneedecke,­Niederschlag­und­Lufttemperatur­sowie­Simulation­des­
Niederschlagsdargebots­an­der­Station­Aue­(DWD­2011b)
Station
Tagessumme Nieder-
schlagsdargebot [mm]
Tagessumme Niederschlag
[mm]
Datum
Leipzig-Halle
12,2
11,1
12.01.
Leipzig-Holzhausen
14,1
12,8
13.01.
Oschatz
12,2
11,1
14.01.
Dresden-Klotzsche
17,4
15,8
14.01.
Marienberg
39,6
15,0
13.01.
Zinnwald-Georgenfeld
40,9
13,5
14.01.
Fichtelberg
27,7
15,4
13.01.
100
90
80
70
60
50
40
30
20
10
0
Dn [cm], P [mm], Rn [mm], Wn [mm]
T [°C]
Schneedeckenhöhe (Dn)
Niederschlagsdargebot (Rn) simuliert
Lufttemperatur (T)
Niederschlagshöhe­(P)­
Wasseräquivalent­(Wn)
01.01.11
06.01.11
11.01.11
16.01.11
21.01.11
26.01.11
31.01.11
15,0
12,0
9,0
6,0
3,0
0,0
-3,0
-6,0
-9,0
-12,0
-15,0

­45
Hydrologie
4

46­ ­
Die­hohen­Niederschläge­im­August­und­September­2010­so-
wie­ die­ rasche­ Schneeschmelze­ in­ Verbindung­ mit­ ergiebi-
gem­Regen­und­hoher­Vorfeuchte­im­Januar­2011­führten­in­
vielen­sächsischen­Einzugs­gebieten­zu­starken­und­vielerorts­
auch­ extremen­ Hoch­wassern.­ In­ diesem­ Kapitel­ erfolgt­ die­
Darstellung­ der­ hydrologischen­ Analysen­ und­ Berechnungen­
für­ die­ jeweils­ am­ stärksten­ betroffenen­ Einzugs­gebiete.­
Zunächst­wird­dabei­in­Kapitel
4.1­die­Methodik­zur­Ermittlung­
der­ Abflussscheitel­ und­ Ganglinien­ erläutert.­ Nach­ den­ hyd-
rologischen­ Auswertungen­ der­ Wasserstände­ und­ Abflüsse­
sowie­der­Wirkung­der­Stauanlagen­in­Kapitel
4.2­erfolgt­in­
Kapitel 4.3­die­hoch­wasserstatistische­Einordnung­der­jewei-
ligen­ pegelbezogenen­ Scheitelabflüsse.­ Abschließend­ enthält­
Kapitel 4.4­eine­Darstellung­der­durch­die­Starkniederschläge,­
Schneeschmelze­ und­ Hoch­wasserereignisse­ verursachten­
Probleme­durch­hohe­Grundwasserstände.
4
Hydrologie
4.1 Methodik zur Ermittlung der Abflussscheitel und
Ganglinien
4.2 Hydrologische Auswertung der Hoch wasser in den
einzelnen Einzugs gebieten
4.2.1 Lausitzer Neiße
Basis­ für­ die­ Untersuchung­ des­ Hoch­wasserablaufs­ waren­
Wasserstands-­ und­ Abflussdaten­ der­ Pegel­ des­ gewässer-
kundlichen­ Messnetzes­ des­ Freistaates­ Sachsen­
(vgl. bei-
liegende Karte)­sowie­der­grenznächsten­Pegel­der­Tschech-
ischen­Republik­und­der­Republik­Polen­(vgl.
Abbildung 2-2).­
Die­ Abflussganglinien­ wurden­ zunächst­ aus­ den­ Wasser-
standsaufzeichnungen­ der­ Schreib­pegel­ mit­ Hilfe­ von­ ext-
rapolierten­ Wasserstands-Durchfluss-Beziehungen­ (W-Q-
Beziehung)­ bestimmt,­ wobei­ die­ Hoch­wasser­scheitelab­flüsse­
an­den­Pegeln­in­einem­ersten­Schritt­auf­der­Grundlage­von­
Längs­schnittbetrachtungen­ der­ Hoch­wasser­scheitel­ab­fluss­-
spenden­geschätzt­wurden.­Deren­Prüfung­erfolgte­in­der­Regel­
durch­stationär­ungleichförmige­hydraulische­Berechnungen.­
Aus­den­sich­ergebenden­Abflussganglinien­wurden­als­charak-
teristische­Kennwerte­der­Hochwasserscheiteldurchfluss­HQ,die­
Scheiteleintrittszeit­und­die­Hochwasserscheitelabflussspende­
Hq­sowie­der­Direktabfluss­RD­bestimmt.­Zur­Ermittlung­des­
Direktabflusses­ erfolgte­ eine­ Separation­ des­ Basisabflusses.­
Der­ Anfang­ des­ Direktabflusses­ wurde­ in­ der­ Regel­ auf­ den­
Beginn­des­Anstiegs­und­dessen­Ende­vor­Beginn­des­nächsten­
Niederschlages­beim­3-­bis­4-fachen­des­vieljährigen­mittleren­
Durchflusses­MQ­festgelegt.­Innerhalb­dieser­Dauer­wurde­der­
Basisabfluss­linear­interpoliert.
Auf­ Grundlage­ von­ Änderungen­ der­ W-Q-Beziehungen­ der­
Pegel­wurde­schließlich,­von­den­Oberläufen­ausgehend,­ite-
rativ­sowohl­eine­plausible­Direktabflussfüllenbilanz­als­auch­–­
unter­Berücksichtigung­des­Gebietsniederschlags­–­ein­plau-
sibles­ Abflussbeiwertverhalten­ in­ den­ einzelnen­ Ge­wässer­-
längsschnitten­hergestellt.­Weitergehende­Erläuterungen­fin-
den­sich­in­Büttner­et­al.­(2013).
Ereignis­August­2010
Die­Starkniederschläge­am­7.­und­8.­August­im­Einzugsgebiet­
führten­ vor­ allem­ in­ der­ oberen­ Lausitzer­ Neiße­ (unterhalb­
Liberec)­und­ihren­Zuflüssen­zu­einem­Hoch­wasser­von­ext-
remem­Ausmaß.­Insbesondere­in­den­Neiße-Zuflüssen­Jerˇica,­
Mandau,­Miedzianka­und­der­Witka­(Smeˇda)­hatte­das­Hoch-
wasser­katastrophale­Auswirkungen.
Den­ Niederschlägen­ folgte­ eine­ sehr­ schnelle­ Reaktion­ im­
Einzugsgebiet,­die­durch­zahlreiche­Pegelstationen­auf­tsche-
chischem,­polnischem­und­deutschem­Gebiet­aufgezeichnet­
wurde­(Abbildung
2-2).­Teilweise­wurden­aber­auch­Pegel­
zerstört,­ überflutet­ oder­ umflutet,­ was­ die­ hydrologische­
Auswertung­des­Hoch­wassers­erschwerte.
Auch­ die­ Auswertungen­ der­ polnischen­ und­ tschechischen­
Fachleute­wurden­berücksichtigt­(IMGW
PIB 2011, C
ˇ
HMÚ
2012).
Wasser­standsganglinien­ von­ ausgewählten­ Pegeln­ der­ Lau-
sitzer­Neiße­vom­Ereignis­im­August­sind­in­der­Abbildung
4-1­dargestellt.­

­47
4
Hydrologie
Abbildung­4-1:­Beobachtete­und­rekonstruierte­(---)­Wasserstandsganglinien­mit­entsprechenden­Richtwerten­der­Alarmstufen­1-4­an­ausge-
wählten­Pegeln­an­der­Lausitzer­Neiße­für­den­Zeitraum­01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Zittau 1
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Rosenthal
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
Podrosche 2
Görlitz
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

image
image
48­ ­
Abbildung­4-2:­Talsperre­Mlýnice­(Albrechticky`­potok)­am­07.08.2010­(Foto:­Povodi­Labe)
Abbildung­4-3:­Der­Kristýnasee­nach­dem­Hoch­wasser­Anfang­August­2010­(Foto:­J.­Strupl)

image
image
image
­49
Bereits­ am­ Vormittag­ des­ 7.­ August­ entwickelte­ sich­ im­
Oberlauf­ der­ Lausitzer­ Neiße­ auf­ tschechischem­ Gebiet­
eine­ extreme­ Hoch­wassersituation.­ Schwerpunkt­ des­ Hoch-
wassers­ war­ hier­ nicht­ die­ Lausitzer­ Neiße­ selbst­ sondern­
das­ Einzugsgebiet­ der­ Jerˇica­ (rechter­ Zufluss­ der­ Lausitzer­
Neiße).­ Im­ oberen­ Teil­ des­ Jerˇica-Einzugs­gebietes­ wurden­
die­ höchsten­ Niederschläge­ innerhalb­ von­ zwei­ Tagen­ ge-
messen­(Olivetská­hora­–­310­mm).­Am­7.­August­fielen­von­
00:00­Uhr­bis­04:00­Uhr­80­bis­120­mm.­Nochmals­sehr­inten-
sive­Starkniederschläge­traten­in­der­Zeit­zwischen­09:00­und­
11:00­Uhr­mit­10­mm/h­bis­50­mm/h­auf­(C
ˇ
HMÚ 2012).­Die­
Wasserstände­in­den­Flüssen­stiegen­sehr­schnell­an­und­es­
kam­dazu,­dass­an­den­Talsperren­Fojtka­und­Mlýnice­(beide­
im­Einzugsgebiet­der­Jerˇica)­das­Wasser­über­die­Dammkrone­
strömte­(Abbildung
4-2).­An­diesen­beiden­Talsperren­und­
auch­an­der­Talsperre­Bedrˇichov­(C
ˇ
erna­Nisá)­kam­es­zu­kei-
ner­Havarie.
An­ der­ Pegelstation­ Chrastava/Jerˇica­ stieg­ das­ Wasser­ sehr­
schnell­ an.­ Gegen­ Mittag­ kam­ der­ größte­ Teil­ der­ Hoch-
wasserwelle­ an.­ Zwischen­ 10:00­ und­ 12:00­ Uhr­ nahm­ der­
Wasserstand­im­Fluss­um­250­cm­zu.­Um­12:30­Uhr­erreichte­
der­Scheitel­den­Pegel­bei­einem­Stand­von­433­cm­und­einem­
Durchfluss­von­271­m³/s­(C
ˇ
HMÚ 2012).­
Das­ Hoch­wasser­ der­ Lausitzer­ Neiße­ bis­ zum­ Pegel­ Hrádek­
n.­N.­auf­tschechischem­Gebiet­wurde­vor­allem­durch­den­
Verlauf­ des­ Hoch­wassers­ an­ der­ Jerˇica­ geprägt.­ Am­ Pegel­
Hrádek­n.­N.­bildete­sich­der­Scheitel­um­17:20­Uhr­mit­einem­
Wasserstand­von­395­cm­und­einem­Durchfluss­von­410­m³/s.­
Dieser­ermittelte­Durchfluss­am­Pegel­Hrádek­n.­N.­umfasst­
nicht­die­gesamte­Wassermenge­der­Lausitzer­Neiße.
Abbildung­4-4:­Lage­des­Kristýnasees­an­der­Lausitzer­Neiße­
4
Hydrologie
Pegel
Freistaat­Sachsen
Tschechische­Republik
Standgewässer
Fließgewässer
Abbildung­4-5:­Abflussganglinie­an­den­Pegeln­Hrádek­n.­N.­und­Hartau/Lausitzer­Neiße­für­den­Zeitraum­06.08.–12.08.2010
06.08.­
00:00
06.08.­
12:00
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Hradek­n.­N.
Hartau

image
50­ ­
Ein­Teil­floss­in­Richtung­des­Kristýnasees,­der­sich­unterhalb­
des­ Pegels­ auf­ der­ rechten­ Flussseite­ befindet­
(Abbildung
4-3 und 4-4).­Am­Pegel­Hartau,­dem­ersten­Pegel­an­der­
Lausitzer­Neiße­auf­deutschem­Gebiet,­bildete­sich­der­Hoch-
wasserscheitel­ gegen­ 18:15­ Uhr­ mit­ 430­ cm­ aus.­ An­ bei-
den­ Pegeln­ wurden­ die­ höchsten­ seit­ 1981­ beobachteten­
Wasserstände­um­mehr­als­einen­Meter­überschritten.
Am­Pegel­Hartau­wurde­ein­Hoch­wasserscheitel­mit­360­m³/s­
ermittelt,­ wobei­ hier­ der­ beidseitige­ Deichhinterlandabfluss­
mit­ beachtet­ worden­ ist.­ Die­ Wassermengen,­ die­ Richtung­
Kristýnasee­ ausgebrochen­ sind,­ flossen­ verzögert­ der­
Lausitzer­ Neiße­ oberhalb­ des­ Pegels­ Hartau­ wieder­ zu,­ was­
die­Abbildung
4-5­sehr­gut­veranschaulicht.
Das­ Hoch­wasser­ in­ der­ Lausitzer­ Neiße­ unterhalb­ Hartau­
wurde­ maßgeblich­ durch­ die­ Mandau­ beeinflusst.­ Hier­ er-
eignete­ sich­ ein­ Hoch­wasser­ mit­ verheerenden­ Ausmaßen­
vor­ allem­ auf­ deutschem­ Gebiet.­ Im­ tschechischen­ Teil­ des­
Einzugs­gebietes­der­Mandau­(Mandava)­traten­die­intensivs-
ten­Niederschläge­in­den­Morgen-­und­Nachmittagsstunden­
des­7.­August­mit­Niederschlagsintensitäten­von­10–15­mm/h­
auf.­Am­Pegel­Rumburk­wurde­der­Scheitel­um­19:40­Uhr­mit­
einem­ Wasserstand­ von­ 308­ cm­ (48,2­ m³/s)­ erreicht.­ Der­
Durchfluss­entspricht­einem­20­bis­50­jährlichen­Hoch­wasser­
(C
ˇ
HMÚ 2012).­Die­Hoch­wasserscheitel­der­Mandau­sind­in­
Tabelle 4-1­zusammengefasst.
Im­deutschen­Einzugsgebiet­der­Mandau­waren­die­Nieder-
schläge­ stärker­ als­ im­ tschechischen­ Einzugsgebiet.­ An­ der­
Station­Bertsdorf-Hörnitz­wurden­in­der­Zeit­von­07:00­Uhr­
bis­ 16:00­ Uhr­ Niederschlagsintensitäten­ von­ 10­ mm/h­ bis­
maximal­35­mm/h­gemessen.­Insgesamt­fielen­am­7.­August­
an­der­Station­Bertsdorf-Hörnitz­102­mm­mit­katastrophalen­
Auswirkungen­(Abbildung
4-6).­
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Rumburk
Mandava
07.08.,­19:40
308
48,2
Seifhennersdorf
Mandau
07.08.,­17:45
248
91,9
Niederoderwitz
Landwasser
07.08.,­17:30
218
45,5
Großschönau­2
Mandau
07.08.,­17:15
364
187
Zittau­5
Mandau
07.08.,­18:30
473
300
Tabelle­4-1:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Mandau­im­August­2010
Abbildung­4-6:­Die­Hauptstraße­in­Bertsdorf-Hörnitz­am­07.08.2010­um­ca.­09:45­Uhr­(Foto:­O.­Menges)

­51
4
Hydrologie
Am­ Pegel­ Großschönau­ 2/Mandau­ bildete­ sich­ bereits­ um­
17:15­Uhr­ein­Scheitel­mit­einem­Wasserstand­von­364­cm­
aus.­Am­Pegel­Niederoderwitz/Landwasser­wurde­der­Scheitel­
mit­ einem­ Wasserstand­ von­ 218­ cm­ um­ 17:30­ Uhr­ regist-
riert.­Am­unterhalb­der­Einmündung­des­Landwassers­gele-
genen­Pegel­Zittau­5/Mandau­trat­der­höchste­Wasserstand­
um­18:30­Uhr­mit­473­cm­ein.­Der­Pegel­ist­durch­das­Hoch-
wasser­ der­ Lausitzer­ Neiße­ rückstaubeeinflusst­ gewesen.­
Die­ Auswertungen­ ergaben­ einen­ Scheiteldurchfluss­ von­
300­ m³/s.­ Die­ Hoch­wasserganglinien­ an­ den­ Pegeln­ im­
Einzugsgebiet­der­Mandau­sind­in­Abbildung
4-7­dargestellt.­
In­ der­
Abbildung 4-8­
sind­ der­ Niederschlags-­ und­ Abfluss-
verlauf­ für­ das­ Einzugsgebiet­ des­ im­ Hochwasserrückstau­ der­
Lausitzer­Neiße­gelegenen­Pegels­Zittau­5/Mandau­für­das­Hoch-
wasserereignis­im­August­dargestellt.­Vom­6.­August,­08:00­Uhr­
bis­zum­9.­August,­07:00­Uhr­ist­für­das­Einzugsgebiet­der­Man-
Abbildung­4-7:­Abflussganglinien­für­die­Mandau­für­den­Zeitraum­06.08.-12.08.2010
Abbildung­4-8:­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Zittau­5/Mandau­für­den­Zeitraum­06.08.-12.08.2010
06.08.­
00:00
06.08.­
12:00
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Seifhennersdorf/Mandau
Großschönau­2/Mandau
Niederoderwitz/Landwasser
Zittau­5/Mandau
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
0
5
10
15
20
25
P [mm/h]
06.08.­
00:00
06.08.­
12:00
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00

52­ ­
dau­bis­zum­Pegel­Zittau­5­ein­Gebiets­niederschlag­von­145­mm­
und­ein­Direktabfluss­von­71­mm­ermittelt­worden.­Fast­50­%­
des­im­Einzugsgebiet­gefallenen­Niederschlages­sind­direkt­aus­
diesem­abgeflossen.
Unterhalb­der­Mündung­der­Mandau­in­die­Lausitzer­Neiße­be-
findet­sich­der­Pegel­Zittau­1.­Wie­die­Abbildung
4-9­zeigt,­tra-
fen­ die­ Hoch­wasserscheitel­ von­ Lausitzer­ Neiße­ und­ Mandau­
fast­unmittelbar­aufeinander.­Der­Pegel­Zittau­1­hat­das­Hoch-
wasserereignis­vollständig­aufgezeichnet.­Aus­der­Auswertung­
der­ Daten­ geht­ hervor,­ dass­ 20:30­ Uhr­ der­ Scheitel­ mit­ einem­
Wasserstand­von­492­cm­eintrat.­Dieser­Wasserstand­liegt­fast­
einen­ Meter­ über­ dem­ Wasserstand­ vom­ Hoch­wasser­ im­ Juli­
1981­(W­=­400­cm)­(vgl.
Tabelle A-1).
Während­ des­ Ereignisses­ wurde­ der­ linke­ Deich­ unter-
halb­des­Bahnviaduktes­überströmt­(Abbildung
4-10).­Mit­
Berücksichtigung­ dieser­ Umflut­ ergibt­ sich­ für­ den­ Pegel­
Zittau­1­ein­Hoch­wasserscheiteldurchfluss­von­601­m³/s­und­
bestätigt­ damit­ das­ Ergebnis­ der­ polnischen­ Seite­ für­ den­
Pegel­Sieniawka­(IMGW-PIB
2011).
Der­grenznächste­Pegel­an­der­Lausitzer­Neiße­auf­deutscher­
Seite­ist­der­Pegel­Rosenthal.­Dieser­befindet­sich­ca.­10­km­
flussabwärts­vom­Pegel­Zittau­1­und­unterhalb­der­Mündung­
der­ Miedzianka.­ Der­ maximale­ Wasserstand­ am­ Pegel­ Turo-
szów­an­der­Miedzianka­trat­am­7.­August­um­13:30­Uhr­mit­
590­ cm­ ein­ und­ entspricht­ einem­ Durchfluss­ von­ 83­ m³/s­
(IMGW-PIB 2011).­Auch­dieser­Pegel­ist­durch­das­Hoch-
wasser­ der­ Lausitzer­ Neiße­ rückstaubeeinflusst­ gewesen.­
Trotz­ des­ katastrophalen­ Hoch­wassers­ an­ der­ Miedzianka­
und­ der­ dadurch­ verursachten­ Zerstörung­ von­ vie-
len­ Gebäuden­ in­ der­ Stadt­ Bogatynia­ wurde­ der­ in­ einer­
Gewässerverlegungsstrecke­gelegene­Pegel­nicht­zerstört.
Abbildung­4-9:­Abflussganglinie­der­Lausitzer­Neiße­an­den­Pegeln­Hartau­und­Zittau­1­sowie­am­Pegel­Zittau­5­an­der­Mandau­für­den­Zeit-
raum­06.08.–12.08.2010
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Differenz
[m³/s]
Rennersdorf­1
Petersbach
07.08.,­18:00
132
15,1
Rennersdorf­6
Berthelsdorfer­Wasser
07.08.,­15:45
143
16,0
Rennersdorf­3
Pließnitz
07.08.,­20:45­
311
33,6
Tauchritz
Pließnitz
07.08.,­19:45
210
43,4
Tabelle­4-2:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Pließnitz­am­07.08.2010
06.08.­
00:00
06.08.­
12:00
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
650
600
550
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
Hartau/Lausitzer­Neiße
Zittau­5/Mandau
Zittau­1/Lausitzer­Neiße

image
­53
4
Hydrologie
Am­Pegel­Rosenthal­stieg­der­Wasserstand­von­13:00­Uhr­bis­
20:00­ Uhr­ um­ fast­ drei­ Meter­ an.­ Gegen­ 20:00­ Uhr­ wurde­
das­ Pegelhaus­ überströmt­ und­ die­ technische­ Ausstattung­
in­Mitleidenschaft­gezogen,­sodass­bis­zum­11.­August­kei-
ne­ Wasserstandsaufzeichnungen­ vorhanden­ sind.­ Der­ am­
Pegel­ Rosenthal­ auf­ Grundlage­ der­ Geschwemmsellinie­ mit­
839­ cm­ eingemessene­ Höchststand­ liegt­ knapp­ drei­ Meter­
über­ dem­ höchsten­ bekannten­ Hoch­wasser­ von­ 1958­ (W­ =­
550­cm)
(vgl. Tabelle A-1).­Der­Scheiteleintritt­wurde­ent-
sprechend­den­Einwohnerbeobachtungen­auf­22:30­Uhr­fest-
gelegt.­Anhand­der­örtlichen,­mit­Uhrzeit­versehenen­Video-­
und­Fotoaufnahmen­sowie­mit­Längsschnitt-­und­hydrauli-
schen­Betrachtungen­wurde­ein­Scheitelabfluss­von­730­m³/s­
ermittelt.
Oberhalb­ des­ Tagebaurestsees­ Berzdorf­ münden­ von­ rechts­
die­Witka­(Smeˇda)­und­wenig­unterhalb­der­Witka­von­links­
die­ Pließnitz­ in­ die­ Lausitzer­ Neiße.­ Am­ Pegel­ Tauchritz/
Pließnitz­ wurde­ um­ 19:45­ Uhr­ der­ Hoch­wasserscheitel­ von­
W­=­210­cm­und­Q­=­43,4­m³/s­beobachtet.­Weitere­Angaben­
zum­Hoch­wasser­der­Pließnitz­sind­in­der
Tabelle 4-2­zusam-
mengefasst.
Am­ 7.­ August­ um­ ca.­ 18:30­ Uhr­ traf­ die­ steil­ ansteigende­
Welle­aus­der­Witka­auf­die­Lausitzer­Neiße.­Am­8.­August­ge-
gen­03:30­Uhr­kam­der­Hoch­wasserscheitel­vom­Oberlauf­der­
Lausitzer­Neiße­an­der­Mündung­der­Witka­an.­Es­kam­zu­kei-
ner­Überlagerung­der­beiden­Hoch­wasserscheitel.
Die­ Hoch­wasserwelle­ der­ Lausitzer­ Neiße­ wurde­ im­ Raum­
Hagenwerder­ unterhalb­ der­ Mündung­ der­ Witka­ durch­ das­
Überströmen­ des­ Auslaufbauwerkes­ und­ des­ nordöstli-
chen­ Randstreifens­ des­ Berzdorfer­ Sees­ abgeflacht.­ Etwa­
zwischen­ 21:00­ Uhr­ und­ 22:00­ Uhr­ brach­ das­ Wasser­ zum­
Berzdorfer­ See­ hin­ aus­ und­ ca.­ 5,1­ Mio.­ m³­ flossen­ in­ die-
sen­Tagebaurestsee­(siehe
auch Kapitel 9.3).­Dies­hatte­auch­
zur­Folge,­dass­sich­00:30­Uhr­der­Anstieg­des­Wasserstandes­
am­ Pegel­ Görlitz­ verringerte.­ An­ diesem­ Pegel­ begann­ ab­
20:45­Uhr­ein­drastischer­Wasserstandsanstieg,­der­zwischen­
20:00­Uhr­und­Mitternacht­ca.­vier­Meter­betrug.­Der­ma-
ximale­ gemessene­ Anstieg­ betrug­ dabei­ ca.­ zwei­ Meter­ in­
30­ Minuten.­ Der­ höchste­ Wasserstand­ wurde­ hier­ am­
8.­August­um­07:00­Uhr­mit­720­cm­registriert­und­lag­29­cm­
höher­ als­ der­ Wasserstand­ des­ Hoch­wasserereignisses­ vom­
Juli­1981­(vgl.
Tabelle A-1).­Für­den­Scheitelwasserstand­wur-
de­ein­Durchfluss­von­1.010­m³/s­ermittelt
(Abbildung 4-11).
17­ Stunden­ später,­ am­ 8.­ August­ um­ Mitternacht,­ wur-
de­am­Pegel­Podrosche­2,­rund­50­km­unterhalb­des­Pegels­
Görlitz,­der­Höchststand­mit­691­cm­registriert.­Auf­der­ca.­
50­ km­ langen­ Strecke­ von­ Görlitz­ nach­ Podrosche­ kam­ es­
durch­ die­ vorhandenen­ Retentionsflächen­ auf­ deutscher­
und­polnischer­Seite­zu­einer­Abflachung­des­Hoch­wassers.­
Der­ Hoch­wasserscheitel­ am­ Pegel­ Podrosche­ 2­ wurde­ un-
ter­ Berücksichtigung­ der­ Ergebnisse­ der­ vorgenommenen­
Durchflussmessungen­ und­ einer­ plausiblen­ Abflussfüllen-­
und­ -beiwertbilanz­ im­ Gewässerlängsschnitt­ mit­ 790­ m³/s­
festgelegt.­ Dieser­ Wert­ liegt­ unter­ dem­ von­ polnischer­
Seite­ angegebenen­ Hoch­wasserscheitel­ für­ den­ gegenüber-
liegenden­ Pegel­ Przewóz­ (1.040­ m³/s),­ der­ allein­ aus­ den­
Durchflussmessergebnissen­abgeleitet­wurde.
Abbildung­4-10:­Von­der­Lausitzer­Neiße­überschwemmtes­Gebiet­in­Zittau­und­Sieniawka­am­08.08.2010­(Foto:­SMI)

54­ ­
Abbildung­4-11:­Abflussganglinie­an­den­Pegeln­Rosenthal­(---­rekonstruierte­Ganglinie)­und­Görlitz/Lausitzer­Neiße­und­der­simulierte­Zufluss­
aus­der­Witka­mit­dem­Bruch­des­Dammes­des­Speichers­Niedów­für­den­Zeitraum­07.08.-10.08.2010­(entnommen­aus­IMGW-PIB­2011)
Abbildung­4-12:­Abflussganglinien­(­---­rekonstruiert)­der­Lausitzer­Neiße­von­Pegel­Hartau­bis­Pegel­Guben­2­für­den­Zeitraum­06.08.2010-
12.08.2010
06.08.­
00:00
06.08.­
12:00
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
1.100
1.000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
Q [m
3
/s]
Hartau
Zittau­1
Rosenthal
Görlitz
Podrosche­2
Klein­Bademeusel
Guben­2
07.08.­
00:00
07.08.­
06:00
07.08.­
12:00
07.08.­
18:00
08.08.­
00:00
08.08.­
06:00
08.08.­
12:00
08.08.­
18:00
09.08.­
00:00
09.08.­
06:00
09.08.­
12:00
09.08.­
18:00
10.08.­
00:00
1.300
1.200
1.100
1.000
900
800
700
600
500
400
300
200
100
0
Q [m
3
/s]
Rosenthal/Lausitzer­Neiße
Zufluss­aus­der­Witka­(simuliert)
Görlitz/Lausitzer­Neiße

­55
4
Hydrologie
Eine­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­an­den­deutschen­
Pegeln­der­Lausitzer­Neiße­zeigt­Tabelle
4-3.
Im­ weiteren­ Verlauf­ des­ Ereignisses­ erreichte­ die­ Hoch-
wasserwelle­ am­ 9.­ August­ nachmittags­ die­ Landesgrenze­
von­Sachsen­zu­Brandenburg.­Am­Brandenburger­Pegel­Klein­
Bademeusel­ bildete­ sich­ am­ 9.­ August­ um­ 18:30­ Uhr­ der­
Hoch­wasserscheitel­ mit­ 528­ cm­ (Q­ =­ 569­ m³/s)­ aus.­ Dieser­
Wasserstand­blieb­nur­4­cm­unter­der­Marke­von­1981.­Am­
Pegel­Guben­2,­13,8­km­vor­der­Mündung­der­Lausitzer­Neiße­
in­die­Oder,­kam­es­zum­höchsten­Wasserstand­mit­632­cm­
(Q­=­610­m³/s)­am­10.­August.­In­Abbildung
4-12­sind­die­
Abflussganglinien­für­den­Abschnitt­der­Lausitzer­Neiße­vom­
Pegel­Hartau­bis­zum­Pegel­Guben­2­dargestellt.
Das­ Hoch­wasserereignis­ ist­ neben­ den­ extremen­ Scheitel-
abflüssen­ auch­ durch­ die­ große­ Direktabflussfülle­ gekenn-
zeichnet.­Für­ausgewählte­Pegelquerschnitte­sind­die­Direkt-
abflussfüllen­und­Abflussbeiwerte­in
Tabelle 4-4­enthalten.­
Die­ Abflussbeiwerte­ bewegen­ sich­ bei­ den­ ausgewerteten­
Pegeln­ im­ Bereich­ von­ 20­%­ bis­ fast­ 60­%.­ Dabei­ ist­ davon­
auszugehen,­dass­diese­im­Kern­des­Niederschlagsgebietes­im­
tschechischen­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­noch­größer­
gewesen­sind.
Um­ die­ Hoch­wassercharakteristik­ im­ Einzugsgebiet­ weiter­
zu­vergleichen,­wurden­die­Scheitelabflussspenden­ermittelt.­
Diese­sind­ebenfalls­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­
der­Lausitzer­Neiße­in­Tabelle
4-4
zusammengestellt.­Sie­be-
wegen­ sich­ auf­ deutschem­ Gebiet­ in­ Abhängigkeit­ von­ der­
Einzugsgebietsgröße­ und­ den­ Niederschlägen­ zwischen­
250­l/(s·km
2
)­bis­1.000­l/(s·km
2
).­Im­Kern­des­Nieder­schlags-
gebietes,­ das­ sich­ auf­ tschechischem­ Einzugsgebiet­ der­
Lausitzer­ Neiße­ befand,­ wurden­ maximale­ Abflussspenden­
von­6.000­l/(s·km
2
)­bis­10.000­l/(s·km
2
)­berechnet.
In­Abbildung
4-13­werden­für­die­wichtigsten­Pegel­im­
Einzugsgebiet­ die­ Scheitelabflussspenden­ des­ Augusthoch-
wassers­ 2010­ dargestellt,­ wobei­ die­ höchsten­ Abflussspen-
den,­aus­denen­auch­die­Hüllkurve­berechnet­wurde,­an­den­
Pegeln­ im­ tschechischen­ Einzugsgebiet­ der­ Lausitzer­ Neiße­
auftraten.­ Die­ Abflussspenden­ der­ Pegel­ Liberec/Lausitzer­
Neiße­ und­ Tauchritz/Pließnitz­ zeigen,­ dass­ hier­ nicht­ der­
Schwerpunkt­des­Hoch­wassergeschehens­war.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Hartau
Lausitzer­Neiße
07.08.,­18:15
427
360
Zittau­1
Lausitzer­Neiße
07.08.,­20:30
492
601
Rosenthal
Lausitzer­Neiße
07.08.,­22:30
839
730
Görlitz
Lausitzer­Neiße
08.08.,­07:00
720
1010
Podrosche­2
Lausitzer­Neiße
09.08.,­00:00
691
790
Klein­Bademeusel
Lausitzer­Neiße
09.08.,­18:30
528
569
Guben­2
Lausitzer­Neiße
10.08.,­10:00
632
610
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Hartau
Lausitzer­Neiße
377
139,3
82,8
31,3
59
360
953
Zittau­5
Mandau
295
145,3
71,3
21,0
49
300
1.015
Zittau­1
Lausitzer­Neiße
693
144,5
78,5
54,4
54
601
866
Rosenthal
Lausitzer­Neiße
879
138,9
79,3
69,7
57
730
831
Tauchritz
Pließnitz
162
75,5
17,3
2,81
23
43,4
267
Görlitz
Lausitzer­Neiße
1.630
112,2
64,4
105
57
1.010
619
Podrosche­2
Lausitzer­Neiße
2.070
98,4
44,9
93,0
46
790
382
Tabelle­4-3:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­an­den­Pegeln­der­Lausitzer­Neiße­im­August­2010
Tabelle­4-4:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(Ψ),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­für­den­Zeitraum­06.08.–09.08.2010

56­ ­
Abbildung­4-13:­Scheitelabflussspenden­(Hq)­des­Augusthochwassers­2010­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­und­aus­
den­Scheitelabflussspenden­des­Oberlaufs­berechnete­Hüllkurve
1
10
100
1.000
10.000
100.000
10.000
1.000
100
Hq [l/(s∙km
2
)]
A
Eo
in km
2
Hüllkurve
Scheitelabflussspenden­
August­2010
Talsperre Mlynice/Jefice
Billy Potok/Smeda
Chrastava/Jerice
Frydland/Smeda
Zittau 5/Mandau
Hartau/Lausitzer Neiße
Zittau 1/Lausitzer Neiße
Görlitz/Lausitzer Neiße
Podrosche 2/Lausitzer Neiße
Liberec/Lausitzer Neiße
Tauchritz/Pließnitz
Ereignis­September­2010
Nach­dem­schweren­Hoch­wasser­vom­7.­bis­zum­10.­August­kam­
es­ im­ August­ noch­ zu­ geringfügigen­ Wasserstandsanstiegen­
im­Einzugsgebiet­bis­in­den­Bereich­der­Alarmstufe­2.­Ab­dem­
25.­ September­ sorgte­ dann­ ein­ neues­ Frontensystem­ für­ an-
dauernden­ und­ ergiebigen­ Regen.­ Dabei­ wurden­ erneut­ starke­
Niederschläge­ im­ polnischen­ und­ tschechischen­ Einzugsgebiet­
der­ Lausitzer­ Neiße­ registriert.­ Die­ Wasserstände­ an­ den­ Hoch-
wassermeldepegeln­stiegen­teilweise­wieder­bis­in­den­Bereich­der­
Alarmstufe­4.
Die­Wasserstandsganglinien­von­ausgewählten­Pegeln­der­Lau­sitzer­
Neiße­für­das­Ereignis­von­Ende­September­bis­Anfang­Oktober­
sind­in­der­Abbildung
4-14­dargestellt.
Der­Wasserstandsanstieg­am­Pegel­Zittau­1­bis­in­den­Bereich­
der­ Alarmstufe­ 4­ wurde­ wie­ beim­ Ereignis­ Anfang­ August­ im­
Verlauf­ durch­ das­ fast­ zeitgleiche­ Zusammentreffen­ der­ Hoch-
wasserscheitel­aus­der­Mandau­und­aus­dem­Oberlauf­der­Lausitzer­
Neiße­geprägt­(Abbildung
4-15).­
­
In­der­Lausitzer­Neiße­am­Pegel­Zittau­1­trat­am­28.­September­
um­00:30­Uhr­der­Hoch­wasserscheitel­mit­einem­Durchfluss­von­
236­m³/s­auf.­Dabei­kamen­vom­Oberlauf­der­Lausitzer­Neiße­über­
100­m³/s­und­aus­der­Mandau­über­90­m³/s­(Tabelle
4-5).
In­der­Abbildung
4-16­sind­der­Niederschlags-­und­Abfluss­
verlauf­
für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Zittau­5/Mandau­für­das­Hoch-
wasserereignis­ von­ Ende­ September­ bis­ Anfang­ Oktober­ dar-
gestellt.­ Vom­ 25.­ September,­ 11:00­ Uhr­ bis­ zum­ 30.­ September,­
00:00­Uhr­ist­für­das­Einzugsgebiet­der­Mandau­bis­zum­Pegel­
Zittau­5­ein­Gebietsniederschlag­von­102,7­mm­berechnet­worden.­
Für­dieses­Hoch­wasser­wurde­ein­Direktabfluss­von­fast­40­mm­er-
mittelt.­Etwa­40­%­des­Niederschlages­sind­im­Einzugsgebiet­direkt­
zum­Abfluss­gekommen.­
Fast­ 12­ Stunden­ später­ bildete­ sich­ am­ Pegel­ Görlitz­ am­
28.­September­um­12:00­Uhr­mit­einem­Wasserstand­von­607­cm­
der­Hoch­wasserscheitel­aus­und­war­damit­113­cm­niedriger­als­
am­ 8.­ August.­ Der­ starke­ Wasserstandsanstieg­ am­ Pegel­ Görlitz­
wurde­neben­dem­hohen­Zufluss­aus­der­Witka­auch­durch­die­
Pließnitz­beeinflusst.­Am­Pegel­Ostróz˙no/Witka­auf­polnischer­Seite­
bildete­sich­am­28.­September­ab­03:00­Uhr­ein­sehr­langgestreck-
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Seifhennersdorf
Mandau
27.09.,­23:30
165
33,3
Niederoderwitz
Landwasser
27.09.,­23:15
136
14,6
Großschönau­2
Mandau
27.09.,­23:45
199
57,1
Zittau­5
Mandau
28.09.,­00:30
269
90,9
Tabelle­4-5:­Übersicht­über­die­Hochwasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Mandau­im­September­2010

­57
Abbildung­4-14:­Beobachtete­Wasserstandsganglinien­an­ausgewählten­Pegeln­an­der­Lausitzer­Neiße­für­den­Zeitraum­15.09.–15.10.2010
4
Hydrologie
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
700
600
500
400
300
200
100
0
W [cm]
W [cm]
W [cm]
W [cm]
Zittau 1
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.­
23.09.­
24.09.­
25.09.­
26.09.­
27.09.­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.­
04.10.­
05.10.­
06.10.­
07.10.­
08.10.­
09.10.­
10.10.­
11.10.
12.10.­
13.10.­
14.10.­
15.10.
Görlitz
Rosenthal
Podrosche 2
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

58­ ­
Abbildung­4-16:­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Zittau­5/Mandau­für­den­Zeitraum­25.09–05.10.2010
Abbildung­4-15:­Abflussganglinie­der­Lausitzer­Neiße­an­den­Pegeln­Hartau­und­Zittau­1­sowie­am­Pegel­Zittau­5­an­der­Mandau­für­den­Zeitraum­
25.09.–05.10.2010
250
200
150
100
50
0
Q [m
3
/s]
25.09.­
26.09.­
27.09.­
­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.
04.10.
05.10.
Hartau/Lausitzer­Neiße
Zittau­1/Lausitzer­Neiße
Zittau­5/Mandau
25.09.­
26.09.­
27.09.­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.­
04.10.­
05.10.­
120
100
80
60
40
20
0
P [mm/h]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
Q [m
3
/s]

­59
Abbildung­4-17:­Abflussganglinie­an­den­Pegeln­Rosenthal­und­Görlitz/Lausitzer­Neiße,­Tauchritz/Pließnitz­und­am­Pegel­Ostróz˙no/Witka­für­den­
Zeitraum­25.09.–05.10.2010
4
Hydrologie
25.09.­
26.09.
27.09.­
28.09.­
29.09.
30.09.­
01.10.
02.10.­
03.10.­
04.10.­
05.10.
500
450
400
350
300
250
200
150
100
50­
0
Q [m
3
/s]
Rosenthal/Lausitzer­Neiße­
Görlitz/Lausitzer­Neiße
Tauchritz/Pließnitz
Ostróz˙no/Witka
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Rennersdorf­1
Petersbach
28.09.,­08:00
120
11,1
Rennersdorf­6
Berthelsdorfer­Wasser
27.09.,­22:15­
92
5,37
Rennersdorf­3
Pließnitz
28.09.,­04:45
281
24,6
Tauchritz
Pließnitz
28.09.,­02:45
222
49,5
Tabelle­4-6:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Pließnitz­im­September­2010
ter­Hoch­wasserscheitel­aus.­Fast­12­Stunden­flossen­über­90­m³/s­
aus­der­Witka­der­Lausitzer­Neiße­zu.­Die­Pließnitz­brachte­maximal­
50­m³/s­(Tabelle
4-6).
Die­ Hauptwassermenge­ mit­ einem­ Scheiteldurchfluss­ von­
336­ m³/s­ am­ Pegel­ Rosenthal­ kam­ aber­ aus­ dem­ Oberlauf­ der­
Lausitzer­ Neiße.­ Der­ Scheiteldurchfluss­ am­ Pegel­ Görlitz­ betrug­
452­m³/s­(Abbildung
4-17).­
Einen­ Tag­ später,­ am­ 29.­ September­ um­ 07:00­ Uhr,­ wurde­ am­
Pegel­Podrosche­2­rund­50­km­unterhalb­des­Pegels­Görlitz­der­
Höchststand­mit­605­cm­registriert.­Das­sind­86­cm­unter­dem­
Höchststand­ vom­ 8.­ August.­ Eine­ Übersicht­ über­ die­ Hoch-
wasserscheitel­an­den­Pegeln­der­Lausitzer­Neiße­zeigt
Tabelle 4-7.
Im­weiteren­Verlauf­des­Ereignisses­erreichte­die­Hoch­wasserwelle­
am­ 29.­ September­ in­ der­ zweiten­ Tages­hälfte­ die­ Landesgrenze­
von­ Sachsen­ zu­ Brandenburg.­ Am­ Brandenburger­ Pegel­ Klein­
Bademeusel­ bildete­ sich­ am­ 30.­ September­ um­ 01:30­ Uhr­ der­
Hoch­wasserscheitel­mit­470­cm­aus.­Am­Pegel­Guben­2,­13,8­km­
vor­der­Mündung­der­Lausitzer­Neiße­in­die­Oder,­kam­es­zum­
höchsten­Wasserstand­mit­620­cm­am­30.­September­um­14:45­Uhr.­
Dieser­Wasserstand­lag­nur­7­cm­unter­dem­Höchststand­vom­
10.­August.­Die­Abflussganglinien­der­Lausitzer­Neiße­vom­Pegel­
Hartau­bis­zum­Pegel­Guben­2­sind­in­Abbildung
4-18
dargestellt.
Das­ Hoch­wasserereignis­ im­ September/Oktober­ 2010­ ist­ nicht­
so­extrem­abgelaufen­wie­das­Ereignis­im­August.­Die­aufgetre-
tenen­ Hoch­wasserscheitel­ gehören­ aber­ zu­ den­ höchsten­ be-
obachteten­ Hoch­wassern­ seit­ über­ 50­ Jahren.­ Im­ Oberlauf­ der­
Lausitzer­Neiße­am­Pegel­Zittau­1­waren­neben­dem­Augusthoch-
wasser­nur­die­Hoch­wasser­von­1958,­1981­und­1995­höher­ge-
wesen,­am­Pegel­Görlitz­die­Ereignisse­von­1958,­1981,­1995­und­
2002.­Für­ausgewählte­Pegel­sind­die­Spenden­und­Füllen­des­
Direktabflusses­sowie­die­Abflussbeiwerte­in­Tabelle
4-8­enthal-
ten.­Die­Abflussbeiwerte­bewegen­sich­auch­aufgrund­der­hohen­
Vorfeuchte­bei­den­betrachteten­Pegeln­im­Bereich­von­gut­30­%­
bis­fast­60­%­und­sind­für­das­sächsische­Einzugsgebiet­vergleich-
bar­mit­denen­im­August­2010.­Die­Scheitelabflussspenden­sind­
im­Vergleich­zum­Ereignis­im­August­nicht­so­extrem­und­bewe-
gen­sich­in­Abhängigkeit­von­der­Einzugsgebietsgröße­zwischen­
270­l­/­(s·km
2
)­bis­380­l/(s·km
2
).

60­ ­
Abbildung­4-18:­Abflussganglinien­der­Lausitzer­Neiße­von­Pegel­Hartau­bis­Pegel­Guben­2­für­den­Zeitraum­25.09.–05.10.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Hartau
Lausitzer­Neiße
377
107,3
48,0
18,1
45
103
273
Zittau­5
Mandau
295
102,7
37,5
11,1
37
90,9
307
Zittau­1
Lausitzer­Neiße
693
105,3
60,8
42,2
58
238
343
Rosenthal
Lausitzer­Neiße
879
105,5
58,5
51,4
55
336
382
Tauchritz
Pließnitz
162
107,2
33,9
5,5
32
49,5
304
Görlitz
Lausitzer­Neiße
1.630
105,6
42,4
69,3
40
452
277
Podrosche­2
Lausitzer­Neiße
2.070
105,5
38,0
78,6
36
486
235
Tabelle­4-8:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(Ψ),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Lausitzer­Neiße­für­den­Zeitraum­25.09.–30.09.2010
Q [m³/s]
600
500
400
300
200
100
0
25.09.­
25.09.­
27.09.­
­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.
04.10.
05.10.
Hartau
Zittau­1
Rosenthal
Görlitz
Podrosche­2
Klein­Bademeusel
Guben­2
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Hartau
Lausitzer­Neiße
28.09.,­04:00
254
103
Zittau­1
Lausitzer­Neiße
28.09.,­00:30
353
238
Rosenthal
Lausitzer­Neiße
28.09.,­04:15
501
336
Görlitz
Lausitzer­Neiße
28.09.,­12:00
607
452
Podrosche­2
Lausitzer­Neiße
29.09.,­07:00
605
486
Klein­Bademeusel
Lausitzer­Neiße
30.09.,­01:30
470
423
Guben­2
Lausitzer­Neiße
30.09.,­14:45
620
534
Tabelle­4-7:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­an­den­Pegeln­der­Lausitzer­Neiße­im­September­2010

­61
4
Hydrologie
Von­den­Zuflüssen­zur­Oberen­Elbe­waren­die­im­sächsischen­
Elb­sand­steingebirge­gelegenen­Gebiete­der­rechtselbischen­
Kirnitzsch­und­der­linkselbischen­Biela­sowie­das­Lachsbach-­
und­das­Wesenitzgebiet­stark­betroffen.­Die­beiden­letzteren­
Gebiete­sind­rechtselbisch­und­haben­größere­Gebietsanteile­
im­Lausitzer­Bergland­(vgl.
Kapitel 2.2).
In­den­vier­oben­genannten­Gebieten­zeichnete­sich­das­Hoch-
wasser­der­Kirnitzsch­aufgrund­des­Grades­der­Zer­störungen­
als­besonders­markant­aus.­Gewässerprofile­und­Pegel­wur-
den­teilweise­zerstört.­Mehrere­Straßen­mussten­wegen­um-
gestürzter­Bäume,­Überspülungen­oder­nach­Erdrutschen­ge-
sperrt­werden.­
Wasserstandsganglinien­ für­ ausgewählte­ Pegel­ an­ der­ Kir-
nitzsch­sind­in­Abbildung
4-19­dargestellt.
Der­ Pegel­ Buschmühle­ an­ der­ Kirnitzsch­ hat­ das­ Hoch-
wasser­ vollständig­ aufgezeichnet.­ Der­ Hoch­wasserscheitel­
stellte­sich­hier­am­7.­August­von­18:15­Uhr­bis­18:30­Uhr­
bei­ einem­ Wasserstand­ von­ 324­ cm­ ein­ und­ lag­ damit­
58­cm­über­dem­HHW­vom­20.07.1981.­Sechs­Kilometer­un-
terhalb­ des­ Pegels­ Buschmühle­ befindet­ sich­ der­ Hoch-
wassermeldepegel­ Lichtenhain.­ Hier­ liegen­ kontinuierliche­
Messwertaufzeichnungen­nur­bis­zum­07.­August,­17:00­Uhr­
vor­ (W­ =­ 157­ cm­ entspricht­ Alarmstufe­ 3),­ danach­ wurde­
der­ Pegel­ überschwemmt.­ Der­ Wasserstand­ wurde­ nachfol-
gend­im­Gelände­mit­300­cm­eingemessen­und­liegt­damit­
höher­als­der­Wasserstand­des­Hoch­wassers­vom­14.07.1897­
(200­cm)­und­des­HHW­vom­30.07.1927­mit­270­cm.­3,5­km­
vor­der­Einmündung­der­Kirnitzsch­in­die­Elbe­befindet­sich­
der­ Pegel­ Kirnitzschtal.­ Auch­ hier­ wurde­ mit­ 318­ cm­ ein­
Wasserstand­ von­ mehr­ als­ 300­ cm­ registriert.­ Mit­ diesem­
4.2.2 Betroffene Nebenflüsse der Oberen Elbe
Abbildung­4-19:­Wasserstandsganglinien­der­Kirnitzsch­am­Pegel­Buschmühle­und­Kirnitzschtal­für­den­Zeitraum­­
01.08.–31.08.2010
400
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
Buschmühle
Kirnitzschtal
400
350
300
250
200
150
100
50
0
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.

62­ ­
Abbildung­4-20:­Durchflussganglinien­der­Pegel­Buschmühle­und­Kirnitzschtal­an­der­Kirnitzsch­für­den­Zeitraum­07.08.–12.08.2010
Abbildung­4-21:­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Buschmühle/Kirnitzsch­für­den­Zeitraum­07.08.–12.08.2010
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
80­
70­
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
0
10­
15­
20
P [mm/h]
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
Buschmühle
Kirnitzschtal

­63
4
Hydrologie
Abbildung­4-22:­Wasserstandsganglinien­mit­entsprechenden­Richtwerten­der­Alarmstufen­1–4­an­den­Pegeln­im­Gebiet­des­Lachsbaches­für­
den­Zeitraum­01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Porschdorf 1/Lachsbach
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Neustadt 1/Polenz
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4
W [cm]
400
350
300
250
200
150
100
50
0
Sebnitz 2/Sebnitz

64­ ­
Höchststand­ wurde­ das­ bisherige­ HHW­ vom­ 16.04.1917­ um­
118­cm­überschritten
(vgl. Tabelle A-3).­In­Tabelle 4-9­sind­die­
Hoch­wasserscheitel­zusammengefasst.
Aber­auch­die­bisherigen­HHQ-Werte­vom­Juli­1981­wurden­an­
den­Pegeln­Buschmühle­und­Kirnitzschtal­deutlich­überschrit-
ten­(Tabelle
A-4).­Die­Durchflussganglinien­beider­Pegel­zeigt
Abbildung 4-20.­
Den­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­den­Pegel­Busch-
mühle­zeigt­die­Abbildung
4-21.­Niederschlags­
in­ten­sitäten­mit­
teilweise­über­10­mm/h­über­vier­Stunden­hinweg­hatten­fast­
unmittelbar­den­starken­Anstieg­der­Wasser­führung­zur­Folge.
Die­charakteristischen­Abflusskennwerte­für­ausgewählte­Pegel­
an­der­Kirnitzsch­enthält­die­Tabelle
4-10.­Die­Auswertungen­
haben­ergeben,­dass­ein­Drittel­des­Nieder­schlages­während­des­
Ereignisses­direkt­zum­Abfluss­gekommen­ist.­Trotz­des­kata-
strophalen­ Hoch­wasserereignisses­ liegen­ die­ Abflussspenden­
deutlich­ unter­ denen­ im­ Oberlauf­ des­ Einzugs­gebietes­ der­
Lausitzer­Neiße­oder­Spree.
Erneute­ Starkniederschläge­ ließen­ in­ den­ frühen­ Morgen-
stunden­des­16.­August­die­Wasserstände­noch­einmal­rasch­
ansteigen.­In­der­Kirnitzsch­am­Pegel­Lichtenhain­wurde­dabei­
der­Richtwert­der­Alarmstufe­4­erreicht.
Auch­am­Lachsbach­und­seinen­Quellflüssen­Sebnitz­und­Polenz­
wurden­am­7.­August­die­bisherigen­HHW­überschritten­(Tabelle
A-3).­Die­beobachteten­Wasserstandsganglinien­im­Gebiet­des­
Lachsbaches­enthält­Abbildung
4-22.
In­
Tabelle 4-11­
sind­ die­ Hoch­wasserscheitel­ der­ Pegel­ von­
Sebnitz,­Polenz­und­Lachsbach­zusammengestellt.­Noch­in­den­
frühen­ Morgenstunden­ des­ 7.­ August­ 2010­ lag­ die­ Wasser-
führung­ in­ den­ Fließgewässern­ im­ Mittelwasserbereich.­ Bis­
in­ die­ Abendstunden­ wurden­ Wasserstandsanstiege­ an­ den­
Pegeln­von­über­zwei­Meter­an­der­Polenz­und­fast­drei­Meter­
an­ der­ Sebnitz­ und­ Lachsbach­ beobachtet.­ Dabei­ wurden­ die­
Richtwerte­der­Alarmstufe­4­am­Pegel­Neustadt­1­um­fast­ei-
nen­halben­Meter­und­am­Pegel­Sebnitz­2­um­über­einen­Meter­
überschritten.­Der­Wasserstand­am­Pegel­Sebnitz­2­stieg­inner-
halb­von­zwei­Stunden­um­135­cm­an.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Buschmühle
Kirnitzsch
07.08.,­18:15
324
59,9
Lichtenhain
Kirnitzsch
07.08.,­k.­A.
300
k.­A.
Kirnitzschtal
Kirnitzsch
07.08.,­21:30
318
96,0
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Porschdorf­1
Lachsbach
08.08.,­00:15
362
116
Sebnitz­2
Sebnitz
07.08.,­21:15
326
42,0
Neustadt­1
Polenz
07.08.,­20:30
238
20,3
Tabelle­4-9:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Kirnitzsch­am­07.08.2010
Tabelle­4-11:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­des­Lachsbaches­Anfang­August­2010
Tabelle­4-10:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(Ψ),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­die­Pegel­Buschmühle­und­Kirnitzschtal­an­der­Kirnitzsch­für­den­Zeitraum­06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Buschmühle
Kirnitzsch
97,3
132,1
35,3
3,43
27
59,9
616
Kirnitzschtal
Kirnitzsch
154,3
133,1
44,2
6,82
33
96,0
622

­65
Abbildung­4-23:­Abflussganglinien­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­des­Lachsbaches­für­den­Zeitraum­07.08.–12.08.2010
4
Hydrologie
Abbildung­4-24:­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Sebnitz­2/Sebnitz­für­den­Zeitraum­­
07.08.–12.08.2010
Q [m
3
/s]
P [mm/h]
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
0
10­
15­
20
50
40
30
20­
10
0
120
100
80
60
40
20
0
Q [m
3
/s]
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
Porschdorf­1/Lachsbach
Sebnitz­2/Sebnitz
Neustadt­1/Polenz

66­ ­
Aber­auch­die­bisher­beobachteten­HHQ­wurden­an­den­Pegeln­
Sebnitz­2/Sebnitz­und­Porschdorf­1/Lachsbach­deutlich­über-
schritten
(Tabelle A-4).
Abbildung 4-23­zeigt­die­Abflussganglinien­der­Pegel­im­
Einzugsgebiet­ des­ Lachsbaches.­ Knapp­ drei­ Stunden­ nach-
dem­an­den­Pegeln­im­Oberlauf­von­Sebnitz­und­Polenz­die­
Hoch­wasserscheitel­beobachtet­worden­sind,­kam­es­unter-
halb­des­Zusammenflusses­am­Pegel­Porschdorf­1/Lachsbach­
zum­ Scheitel.­ Dabei­ müssen­ aus­ dem­ 126­ km²­ großen­
Zwischeneinzugsgebiet­nochmals­über­4­Mio.­m³­Wasser­di-
rekt­abgeflossen­sein.
Beispielhaft­für­das­Einzugsgebiet­wird­in­Abbildung
4-24­der­
Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Gebiet­des­Pegels­
Sebnitz­ 2/Sebnitz­ dargestellt.­ Insgesamt­ fielen­ im­ Einzugs-
gebiet­ 116­ mm­ Niederschlag.­ Von­ 13:00­ Uhr­ bis­ 16:00­ Uhr­
wurden­ die­ höchsten­ Niederschlagsintensitäten­ beobachtet,­
die­unmittelbar­den­starken­Anstieg­der­Wasserführung­zur­
Folge­hatten.
Die­ charakteristischen­ Abflusskennwerte­ für­ die­ Pegel­ im­
Einzugsgebiet­des­Lachsbaches­enthält­die­Tabelle
4-12.­Die­
Auswertungen­ haben­ ergeben,­ dass­ fast­ 30­%­ des­ Nieder-
schlages­während­des­Ereignisses­direkt­zum­Abfluss­gekom-
Abbildung­4-25:­Wasserstandsganglinien­und­entsprechende­Richtwerte­der­Alarmstufen­1–4­an­den­Pegeln­Cunnersdorf­1/Cunnersdorfer­
Bach­und­Bielatal­1/Biela­für­den­Zeitraum­01.08.–31.08.2010
Tabelle­4-12:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(Ψ),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­des­Lachsbaches­für­den­Zeitraum­06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Porschdorf­1
Lachsbach
268
110,4
31,9
8,58
29
116
432
Sebnitz­2
Sebnitz
102
115,5
29,2
2,97
25
42,0
412
Neustadt­1
Polenz
40,2
112,2
30,5
1,23
27
20,3
505
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Cunnersdorf 1/Cunnersdorfer Bach
Bielatal 1/Biela
250
200
150
100
50
0
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

­67
men­sind.­Die­Abflussbeiwerte­und­Abflussspenden­sind­mit­
denen­der­Kirnitzsch­vergleichbar.
Ein­ analoges­ Abflussverhalten­ zeigen­ die­ Biela­ und­ der­
Cunnersdorfer­ Bach­ als­ bedeutendster­ Zufluss­ der­ Biela.­
Am­Pegel­Bielatal­1/Biela­wurde­der­Hoch­wasserscheitel­am­
7.­August­um­15:00­Uhr­bei­172­cm­mit­nur­einem­Zentimeter­
unter­dem­HHW­vom­August­2002­beobachtet.­Dagegen­stieg­
der­ Wasserstand­ am­ Pegel­ Cunnersdorf­ 1/Cunnersdorfer­
Wasser­mit­188­cm­(17:15­Uhr)­um­acht­Zentimeter­über­das­
HHW­vom­20.07.1981
(Tabelle 4-13,Tabelle A-3). Abbildung
4-25­enthält­die­dazugehörigen­Wasserstandsganglinien,­die­
auch­die­kleinen­Wellen­in­der­zweiten­Augustdekade­zeigen.
Das­Hoch­wasser­der­Biela­am­Pegel­Bielatal­im­August­2010­
ist­ vergleichbar­ mit­ dem­ Hoch­wasser­ im­ August­ 2002.­ Der­
Scheiteldurchfluss­liegt­mit­23,7­m³/s­nur­knapp­unter­dem­
HHQ­mit­24­m³/s­vom­August­2002.­Im­Cunnersdorfer­Bach­
wurde­im­August­2010­nicht­nur­der­Scheiteldurchfluss­vom­
Hoch­wasser­im­August­2002­übertroffen,­sondern­auch­das­
HHQ­vom­20.07.1981
(vgl. Tabelle A-4).
Die­Durchflussganglinien­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Biela­
vom­7.­bis­zum­12.­August­sind­in­Abbildung
4-26­dargestellt.
Wegen­einer­anderen­zeitlichen­Niederschlagsverteilung­zeigt­
sich­der­Hoch­wasserverlauf­im­Längsschnitt­der­Wesenitz­dif-
ferenzierter.­ Die­ dazugehörigen­ Wasserstandsganglinien­ für­
die­Pegel­an­der­Wesenitz­zeigt­Abbildung
4-27.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Cunnersdorf­1
Cunnersdorfer­Bach
07.08.,­17:15
188
11,9
Bielatal­1
Biela
07.08.,­16:00
172
23,7
Tabelle­4-13:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Biela­am­07.08.2010
Abbildung­4-26:­Durchflussganglinien­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Biela­für­den­Zeitraum­07.08.–12.08.2010
4
Hydrologie
Q [m
3
/s]
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
30­
25­
20­
15­
10­
0
Cunnersdorf­1/Cunnersdorfer­Bach
Bielatal­1/Biela

68­ ­
Abbildung­4-27:­Wasserstandsganglinien­und­entsprechende­Richtwerte­der­Alarmstufen­1–4­der­Wesenitz­vom­Pegel­Bischofswerda­und­
Elbersdorf­für­den­Zeitraum­01.08.–31.08.2010
Abbildung­4-28:­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­das­Einzugsgebiet­des­Pegels­Elbersdorf/Wesenitz­für­den­Zeitraum­07.08.–12.08.2010
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
07.08.­
00:00
07.08.­
12:00
08.08.­
00:00
08.08.­
12:00
09.08.­
00:00
09.08.­
12:00
10.08.­
00:00
10.08.­
12:00
11.08.­
00:00
11.08.­
12:00
12.08.­
00:00
0
10­
15­
20
P [mm/h]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
Bischofswerda
Elbersdorf
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

­69
4
Hydrologie
Am­ Pegel­ Bischofswerda/Wesenitz­ bildete­ sich­ der­ Hoch-
wasserscheitel­ mit­ einem­ Wasserstand­ von­ 205­ cm­ am­
8.­August­von­04:00­Uhr­bis­05:15­Uhr­aus.­Dieser­lag­deutlich­
unter­dem­HHW­vom­30.07.1897­mit­260­cm­(Tabelle
A-3).­
In­ der­ Folge­ entstand­ durch­ größere­ seitliche­ Zuflüsse­ am­
Pegel­Elbersdorf/Wesenitz­eine­zweigipflige­Hoch­wasserwelle.­
Tabelle 4-14­enthält­die­Hoch­wasserscheitel­für­die­Pegel­an­
der­Wesenitz­für­das­Ereignis­Anfang­August.
Vom­ 6.­ bis­ zum­ 8.­ August­ fielen­ im­ Einzugsgebiet­ teilwei-
se­über­100­mm­Niederschlag.­Die­höchsten­Niederschlags-
intensitäten­ wurden­ am­ 7.­ August­ etwa­ in­ der­ Zeit­ von­
12:00­ Uhr­ bis­ 17:00­ Uhr­ beobachtet­ und­ hatten­ den­ star-
ken­ Anstieg­ der­ Wasserführung­ unmittelbar­ zur­ Folge.­ In­
Abbildung 4-28­ist­der­Niederschlags-­und­Abflussverlauf­für­
das­Gebiet­des­Pegels­Elbersdorf­beispielhaft­dargestellt.
Der­ erste­ Scheitel­ erreichte­ am­ 7.­ August­ zwischen­
20:15­ Uhr­ und­ 20:30­ Uhr­ einen­ Wasserstand­ von­ 199­ cm.­
Der­ mit­ der­ zweiten­ Hoch­wasserwelle­ aus­ dem­ Oberlauf­
kommende­ und­ höchste­ Scheitel­ erreichte­ am­ 8.­ August­
zwischen­15:15­Uhr­und­15:30­Uhr­229­cm­und­blieb­damit­
unterhalb­des­Richtwertes­der­Alarmstufe­3.
Die­ charakteristischen­ Abflusskennwerte­ für­ die­ Pegel­ im­
Einzugsgebiet­der­Wesenitz­für­das­Ereignis­Anfang­August­
fasst­
Tabelle 4-15­
zusammen.­ Die­ Auswertungen­ ha-
ben­ ergeben,­ dass­ fast­ 30­%­ des­ Niederschlages­ während­
des­ Ereignisses­ direkt­ zum­ Abfluss­ gekommen­ sind.­ Die­
Scheitelabflussspenden­ fallen­ deutlich­ geringer­ aus­ als­ die­
der­Pegel­an­Lachsbach,­Sebnitz,­Polenz­und­Kirnitzsch.
Im­Vergleich­zu­den­vorher­behandelten­Elbezuflüssen­trat­in­
der­zweiten­Augustdekade­am­Wesenitzpegel­Elbersdorf­ein­
höherer­Hochwasserscheitel­als­in­der­ersten­Dekade­auf.­In­
Tabelle 4-16­sind­die­Hoch­wasserscheitel­für­die­Pegel­in­der­
Wesenitz­für­dieses­Ereignis­zusammengestellt.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bischofswerda
Wesenitz
08.08.,­04:00
205
26,4
Elbersdorf
Wesenitz
08.08.,­15:15
229
45,3
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Bischofswerda
Wesenitz
16.08.,­12:30
144
12,8
Elbersdorf
Wesenitz
16.08.,­03:45
268
57,6
Tabelle­4-14:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Wesenitz­am­08.08.2010
Tabelle­4-16:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­der­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Wesenitz­am­16.08.2010
Tabelle­4-15:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(
Ψ
),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­die­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Wesenitz­für­den­Zeitraum­06.08.–11.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Bischofswerda
Wesenitz
69,2
107,8
29,0
2,01
27
26,4
381
Elbersdorf
Wesenitz
227
90,1
23,4
5,33
26
45,3
199

70­ ­
Abbildung­4-29:­Durchflussganglinien­der­Pegel­Bischofswerda­und­Elbersdorf­an­der­Wesenitz­für­den­Zeitraum­07.08.–18.08.2010
Das­Hoch­wasser­hat­ein­Starkniederschlag­vom­15.­August,­
23:00­Uhr­bis­zum­16.­August,­06:00­Uhr­ausgelöst.­Dabei­sind­
im­Einzugsgebiet­der­Wesenitz­moderate­33­mm­Niederschlag­
gefallen,­davon­aber­fast­20­mm­in­einer­Stunde.­Unter­fast­
alleiniger­ Beteiligung­ des­ Gebietes­ zwischen­ den­ Pegeln­
Bischofswerda­ und­ Elbersdorf­ stieg­ der­ Wasserstand­ am­
Pegel­Elbersdorf­am­16.­August­um­03:45­Uhr­auf­den­höchs-
ten­ Wert­ im­ August­ 2010.­ Der­ Scheitelwasserstand­ betrug­
268­cm­und­blieb­damit­aber­unter­dem­HHW­vom­02.03.1956­
mit­275­cm
(vgl. Tabelle A-3).­Die­Hoch­wasserwelle­aus­dem­
Oberlauf­erreichte­mit­ihrem­Scheitel­von­144­cm­(12:30­Uhr­
bis­13:30­Uhr)­erst­wesentlich­nach­dem­Scheiteldurchgang­
am­Pegel­Elbersdorf­den­Pegel­Bischofswerda­(Abbildung
4-29).­
Dieser­ verzögerte­ dann­ lediglich­ den­ Rückgang­ des­
Wasserstandes­am­Pegel­Elbersdorf.
Die­ nordwestlich­ und­ westlich­ davon­ gelegenen­ Einzugs-
gebiete­von­Elbezuflüssen­in­Sachsen­verzeichneten­zwischen­
August­und­Oktober­im­betrachteten­Zeitraum­in­ihrer­Größe­
nur­durchschnittliche­Hoch­wasser,­die­keinen­Anlass­für­eine­
genauere­Betrachtung­geben­und­somit­hier­nicht­behandelt­
werden.
Im­ Folgenden­ werden­ nur­ die­ Hoch­wasser­ näher­ beschrie-
ben,­bei­denen­die­meisten­Pegel­des­sächsischen­Schwarze-
Elster-Gebietes­die­zwei­höchsten­Scheitel­im­Zeitraum­vom­
1.­August­bis­31.­September­2010­aufwiesen.­Dies­war­zum­
einen­ das­ Hoch­wasser­ vom­ 7.­ bis­ zum­ 9.­ August,­ zum­ an-
deren­ das­ Hoch­wasser­ 28./29.­ September.­ Entsprechend­ der­
Niederschlagsverteilung­waren­bei­ersterem­im­Allgemeinen­
die­Scheitel­im­östlichen­Schwarze-Elster-Gebiet­etwas­höher­
als­bei­letzterem,­während­es­im­westlichen­Schwarze-Elster-
Gebiet­umgekehrt­war.
Ereignis­August­2010
Im­sächsischen­Schwarze–Elster-Gebiet­kam­es­im­August­2010­
zur­Ausbildung­von­zwei­bedeutenden­Hoch­wasserscheiteln,­
zum­einen­am­8.­August­und­zum­anderen­am­16./17.­August.­
Zwischen­ diesen­ beiden­ Ereignissen­ kam­ es­ durch­ weitere­
Niederschläge­ zu­ erneuten­ Wasserstandsanstiegen,­ so­ dass­
die­Scheitel­vom­12.­bis­zum­17.­August­voneinander­abhän-
gen­und­es­sich­um­ein­mehrgipfliges­Hoch­wasserereignis­in­
diesem­Zeitraum­handelt­(Abbildung
4-30).
4.2.3 Schwarze Elster und Große Röder
07.08.­
08.08.
09.08.­
10.08.­
11.08.
12.08.­
13.08.
14.08.­
15.08.­
16.08.­
17.08.­
18.08.
60
50
40
30
20
10
0
Q [m
3
/s]
Bischofswerda­­
Elbersdorf

­71
4
Hydrologie
Abbildung­4-30:­Beobachtete­Wasserstandsganglinien­mit­entsprechenden­Richtwerten­der­Alarmstufen­1–4­an­den­Pegeln­an­der­Schwarzen­
Elster­für­den­Zeitraum­01.08.–31.08.2010
01.08.
02.08.
03.08.
04.08.
05.08.
06.08.
07.08.
08.08.
09.08.
10.08.
11.08.
12.08.
13.08.
14.08.
15.08.
16.08.
17.08.
18.08.
19.08.
20.08.
21.08.
22.08.
23.08.
24.08.
25.08.
26.08.
27.08.
28.08.
29.08.
30.08.
31.08.
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kamenz
Trado 3
Neuwiese
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

72­ ­
Die­in­der­letzten­Julidekade­und­Anfang­August­gefallenen­Nieder-
schläge­hatten­bereits­eine­erhöhte­Wasserführung­zur­Folge.­Am­
7.­August­lagen­deshalb­die­Durchflüsse,­außer­an­den­Pegeln­im­
Hoyerswerdaer­Schwarzwasser,­zwischen­60­%­und­80­%­des­mehr-
jährigen­Jahresmittels­des­Durchflusses.­Die­Niederschläge­began-
nen­am­6.­August­und­hielten­fast­20­Stunden­an.­Dabei­traten­
Gebietsniederschläge­in­Höhe­von­65­mm­bis­90­mm­(außer­Mittel-­
und­Unterlauf­Große­Röder)­auf.­Wesentlich­für­den­relativ­schnel-
len­Anstieg­der­Wasserstände­war­der­in­den­Dauerregen­eingela-
gerte­7-­bzw.­8-stündige­Starkregen,­der­im­südlichen­und­östlichen­
Einzugsgebietsteil­nicht­nur­örtlich,­sondern­flächendeckend­auftrat.
In­der­Schwarzen­Elster,­aber­auch­in­den­Zuflüssen­wie­Kloster-
wasser­und­Hoyerswerdaer­Schwarzwasser,­bildeten­sich­in­den­
Oberläufen­am­8.­August­in­den­frühen­Morgenstunden­begin-
nend­die­Hoch­wasserscheitel­aus.­Dabei­wurden­an­den­Hoch-
wasserpegeln­ meist­ die­ Richtwerte­ der­ Alarmstufe­ 2,­ nur­ am­
Pegel­Zescha­am­Hoyerswerdaer­Schwarzwasser­der­Richtwert­der­
Alarmstufe­3­überschritten.­Ausgewählte­Wasserstandsganglinien­
der­Pegel­an­der­Schwarzen­Elster­für­den­Monat­August­sind­in­
Abbildung 4-30­dargestellt.
Die­Hoch­wasserscheitel­mit­ihren­Eintritts­zeiten­sind­für­ausge-
wählte­Pegel­der­Schwarzen­Elster­und­ihren­Zuflüssen­bis­Pegel­
Neuwiese­in­Tabelle
4-17­zusammengestellt.
Das­Hoch­wasser­in­der­Schwarzen­Elster­bis­zum­Pegel­Neu­wiese­
wurde­maßgeblich­durch­das­Hoyerswerdaer­Schwarzwasser­be-
einflusst.­ Dabei­ sind­ im­ Oberlauf­ des­ Hoyerswerdaer­ Schwarz-
wassers­ mit­ dem­ Langen­ Wasser­ die­ höchsten­ Gebietsnieder-
schläge­aufgetreten.­In­der­Abbildung
4-31­sind­der­Niederschlags-­
und­Abflussverlauf­für­den­Pegel­Pietzschwitz­am­Langen­Wasser­
für­das­Hoch­wasserereignis­im­August­dargestellt.
Für­ das­ Einzugsgebiet­ des­ Langen­ Wassers­ bis­ zum­ Pegel­
Pietzschwitz­ ist­ für­ den­ Zeitraum­ vom­ 6.­ August,­ 08:00­ Uhr­
bis­ zum­ 8.­ August,­ 08:00­ Uhr­ ein­ Gebietsniederschlag­ von­
83,5­mm­ermittelt­worden.­Der­Direktabfluss­wurde­mit­17,2­mm­
berechnet.­ Nur­ 21­%­ des­ Niederschlages­ sind­ am­ Pegel­ direkt­
zum­ Abfluss­ gekommen.­ Trotzdem­ hatte­ der­ eingelagerte­ sie-
benstündige­Starkregen­in­Höhe­von­57­mm­(Gebietsmittel)­zur­
Folge,­dass­der­Hoch­wasserscheitel­am­Pegel­Pietschwitz­das­bis-
her­höchste­beobachtete­Hoch­wasser­HHQ­vom­Juli­1981­über-
schritten­hat
(vgl. Tabelle A-6).­
Am­ Pegel­ Prischwitz/Hoyerswerdaer­ Schwarzwasser­ bildete­ sich­
der­Hoch­wasserscheitel­am­8.­August­um­00:00­Uhr­mit­einem­
Wasserstand­von­202­cm­und­einem­Durchfluss­von­15,2­m³/s­aus­
und­lag­knapp­unter­dem­Richtwert­der­Alarmstufe­3.­Der­rela-
tiv­lang­anhaltende­Hoch­wasserscheitel­und­die­verhältnismäßig­
breit­gezogene­Welle­am­15­km­unterhalb­gelegenen­Pegel­Zescha­
zeigt­die­Rückhaltewirkung­des­bei­Neschwitz­und­Zescha­gelege-
nen­natürlichen­Über­schwemmungsgebietes.
Auch­in­der­Pulsnitz­und­Großen­Röder­kam­es­in­diesem­Zeitraum­
zu­ Wasserstandsanstiegen.­ An­ den­ Hoch­wasser­meldepegeln­ an­
der­ Großen­ Röder­ wurden­ Wasser­stände­ maximal­ bis­ in­ den­
Bereich­der­Alarmstufe­3­registriert.­Diese­Einzugs­gebiete­ver-
zeichneten­im­betrachteten­Zeitraum­nur­2-­bis­5-jährliche­Hoch-
wasser­scheitel­durch­flüsse,­ die­ keinen­ Anlass­ für­ eine­ genauere­
Betrachtung­geben­und­somit­hier­nicht­behandelt­werden.
Die­Niederschläge­am­16./17.­August­hatten­nochmals­Wasser-
stands­anstiege­im­gesamten­Einzugsgebiet­zur­Folge.­Dabei­wur-
den­ ähnliche­ Hoch­wasserscheitel­ wie­ Anfang­ August­ beobach-
tet.­ Nur­ an­ den­ Pegeln­ Zescha/Hoyerswerdaer­ Schwarz­wasser­
(16.08.,­12:30­Uhr,­W­=­210­cm)­und­Klein­raschütz/Große­Röder­
(17.08.,­ 06:45­ Uhr,­ W­ =­ 215­ cm)­ wurden­ geringfügig­ höhere­
Wasser­stände­registriert.
Das­ Hoch­wasserereignis­ von­ Anfang­ August­ 2010­ im­ Ein-
zugs­gebiet­ der­ Schwarzen­ Elster­ war­ nicht­ so­ extrem­ wie­ die­
Ereignisse­im­Flussgebiet­der­Spree­oder­der­Lausitzer­Neiße.­Im­
Anhang­sind­in­den­Tabellen
A-5­und­A-6
für­ausgewählte­Pegel­
zum­Vergleich­die­Hauptwerte­zusammengestellt.­Die­für­diesen­
Zeitraum­ausgewerteten­Scheitel­ab­fluss­spenden­bestätigen­die-
se­Aussage­(Tabelle
4-18).­Die­Gründe­dafür­liegen­primär­in­der­
Verteilung­der­Niederschläge­in­Ost­sachsen,­die­im­Ein­zugs­gebiet­
der­Schwarzen­Elster­nicht­so­extrem­wie­in­den­Einzugs­gebieten­
der­Lausitzer­Neiße­und­Spree­ausfielen.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Kamenz
Schwarze­Elster
08.08.,­03:00
149
-
Trado­3
Schwarze­Elster
08.08.,­17:00
158
9,47
Schönau
Klosterwasser
08.08.,­16:30
192
15,8
Pietzschwitz
Langes­Wasser
08.08.,­01:15
182
6,66
Prischwitz
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
08.08.,­00:00
202
15,2
Zescha
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
08.08.,­13:30
206
19,9
Neuwiese
Schwarze­Elster
09.08.,­07:45
283
35,3
Tabelle­4-17:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­Anfang­August­2010­

­73
Abbildung­ 4-31:­ Niederschlags-­ und­ Abflussverlauf­ für­ das­ Einzugsgebiet­ des­ Pegels­ Pietzschwitz/Langes­ Wasser­ für­ den­ Zeitraum­ 06.08.–
21.08.2010
Abbildung­4-32:­Abflussganglinie­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­für­den­Zeitraum­06.08.–21.08.2010
4
Hydrologie
06.08.­ 07.08. 08.08.­ 09.08. 10.08.­ 11.08. 12.08.­ 13.08.­ 14.08.­ 15,08­ 16.08
17.08.­ 18.08
19.08.­ 20.08.­ 21.08.
10
9
8
7
6
4
3
2
1
0
Q [m
3
/s]
0
5
10
15
20
P [mm/h]
Q [m
3
/s]
06.08.­ 07.08. 08.08.­ 09.08. 10.08.­ 11.08. 12.08.­ 13.08.­ 14.08.­ 15,08­ 16.08
17.08.­ 18.08
19.08.­ 20.08.­ 21.08.
40
35
30
25
20
15
10
5
0
Trado­3/Schwarze­Elster­
Schönau/Klosterwasser
Zescha/Hoyerswerdaer­Schwarzwasser
Neuwiese/Schwarze­Elster
Prischwitz/Hoyerswerdaer­Schwarzwasser
Pietzschwitz/Langes­Wasser

74­ ­
Tabelle­4-18:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(
Ψ
),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­für­den­Zeitraum­
06.08.–12.08.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Trado­3
Schwarze­Elster
166
69,2
7,32
1,21
11
9,47
57
Neuwiese
Schwarze­Elster
669
76,8
8,86
5,92
12
35,3
53
Schönau
Klosterwasser
106
84,7
21,7
2,29
26
15,8
150
Pietzschwitz
Langes­Wasser
42,3
83,5
17,2
0,73
21
6,66
157
Prischwitz
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
104
88,8
18,1
1,89
20
15,2
146
Zescha
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
181
78,7
15,5
2,80
20
19,9
110
Radeberg
Große­Röder
114
71
18,6
2,11
26
24,7
217
Großdittmanns-
dorf
Große­Röder
299
57,3
11,8
3,53
21
37
124
Kleinraschütz
Große­Röder
679
35,7
3,52
2,39
10
25,3
37
Ereignis­September­2010
Zu­ Beginn­ des­ Dauerregens­ Ende­ September­ 2010­ la-
gen­ die­ Durchflüsse­ aufgrund­ der­ über­ den­ mehrjährigen­
Mittelwasserstand­ aufgefüllten­ Grundwasserleiter­ und­ der­
hohen­ Bodenfeuchte­ zwischen­ 110­%­ und­ 140­%­ des­ mehr-
jährigen­ mittleren­ Jahresdurchflusses.­ Am­ Pegel­ Zescha/
Hoyerswerdaer­ Schwarzwasser­ flossen­ dagegen­ nur­ noch­
70­%­ und­ in­ Radeberg/Große­ Röder­ 90­%­ des­ mittleren­
Jahresdurchflusses,­während­es­am­Pegel­Neuwiese/Schwarze­
Elster­ noch­ 160­%­ waren.­ Der­ ergiebige­ Dauerregen­ führ-
te­ am­ 27.­ September­ ab­ etwa­ 03:00­ Uhr­ zu­ einem­ relativ­
schnellen­Anstieg­der­Wasserstände­in­der­Schwarzen­Elster­
oft­bis­in­den­Bereich­der­Alarmstufen­3,­am­Pegel­Trado­3/­
Schwarze­ Elster­ bis­ in­ den­ Bereich­ der­ Alarmstufe­ 4.­ Die­
Hoch­wasserscheitel­in­den­Oberläufen­von­Schwarzer­Elster,­
Klosterwasser,­ Hoyerswerdaer­ Schwarzwasser­ wurden­ am­
28.­September­in­den­frühen­Morgenstunden,­in­der­Schwarzen­
Elster­am­Pegel­Neuwiese­einen­Tag­später­erreicht­(Abbildung
4-33).­Die­Hoch­
wasserscheitel­mit­ihren­Eintrittszeiten­sind­
für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­
bis­Pegel­Neuwiese­in­Tabelle
4-19­zusammengestellt.
Pegel
Gewässer
Scheiteleintrittszeit
(MESZ)
Scheitelwasserstand
[cm]
Scheitelabfluss
[m³/s]
Kamenz
Schwarze­Elster
28.09.,­04:00
192
Trado­3
Schwarze­Elster
28.09.,­09:30
206
16,3
Schönau
Klosterwasser
28.09.,­15:15
179
14,3
Pietzschwitz
Langes­Wasser
28.09.,­03:30
175
6,12
Prischwitz
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
28.09.,­04:30
187
14,2
Zescha
Hoyerswerdaer­
Schwarzwasser
28.09.,­13:00
196
18,4
Neuwiese
Schwarze­Elster
29.09.,­06:15
325
55,2
Tabelle­4-19:­Übersicht­über­die­Hoch­wasserscheitel­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­Ende­September­2010

­75
4
Hydrologie
Abbildung­4-33:­Beobachtete­Wasserstandsganglinien­und­die­entsprechenden­Richtwerte­der­Alarmstufen­1–4­an­den­Pegeln­an­der­
Schwarzen­Elster­für­den­Zeitraum­15.09.–15.10.2010
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kamenz
Trado 3
Neuwiese
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.­
23.09.­
24.09.­
25.09.­
26.09.­
27.09.­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.­
04.10.­
05.10.­
06.10.­
07.10.­
08.10.­
09.10.­
10.10.­
11.10.
12.10.­
13.10.­
14.10.­
15.10.
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

76­ ­
Das­ Klosterwasser­ reagierte­ ähnlich­ wie­ Anfang­ August.­
Die­ Höchstwasserstände­ im­ Gebiet­ des­ Hoyerswerdaer­
Schwarzwassers­lagen­unter­denen­vom­8.­August­2010,­wäh-
rend­sie­an­den­Pegeln­der­Schwarzen­Elster­bis­fast­50­cm­
höher­lagen.
Während­der­Scheitel­am­Pegel­Trado­3/Schwarze­Elster­mit­
206­cm­am­28.­September­um­09:30­Uhr­und­damit­4­Stunden­
nach­Starkniederschlagsende­auftrat­(Abbildung
4-34),­dau-
erte­es­knapp­20­Stunden,­bis­der­Höchststand­mit­325­cm­und­
einem­Abfluss­von­55,3­m³/s­(29.09.,­06:15­Uhr­bis­10:45­Uhr)­
in­Neuwiese­registriert­wurde.­Das­HW­von­325­cm­am­Pegel­
Neuwiese­lag­damit­21­cm­unter­dem­Hoch­wasser­vom­Juli­
1981
(Tabelle A-7).­Am­Pegel­Trado­3­kam­es­höchstwahr-
scheinlich­ ca.­ 2­ cm­ unter­ Höchststand­ am­ 28.­ September­
von­05:00­Uhr­bis­14:00­Uhr­zur­rechtsseitigen­Pegelumflut,­
die­sich­oberhalb­des­Weges­mit­viel­Stroh­als­Schwemmgut­
anstaute­ und­ trotz­ der­ relativ­ kleinen­ Ursache­ massive­
Auswirkungen­hatte.­Ein­Teil­des­Umflutwassers­passierte­das­
Gewässerprofil­ des­ Lattenpegels­ Trado­ 2/Schwarze-Elster-
Umflut­(Teichabzugsgraben).
Am­ 29.­ September­ nachmittags­ wurde­ am­ Pegel­ Neuwiese­
bei­ einem­ Wasserstand­ von­ 319­ cm­ und­ bereits­ fallen-
der­ Wasserführung­ mit­ einem­ Ultraschall-Messboot­ ein­
Durchfluss­von­53,1­m³/s­gemessen­(Abbildung
4-35).
In­Abbildung
4-36­sind­die­Abflussganglinien­der­Schwarzen­
Elster­bis­zum­Pegel­Neuwiese­und­der­wichtigsten­Zuflüsse­
Hoyerswerdaer­ Schwarzwasser­ und­ Klosterwasser­ darge-
stellt.­ Die­ Darstellung­ zeigt,­ wie­ die­ Hoch­wasserwellen­ aus­
den­Zuflüssen­mit­der­Welle­aus­dem­Oberlauf­der­Schwarzen­
Elster­fast­gleichzeitig­stark­anwuchsen­und­damit­den­steilen­
Anstieg­am­Pegel­Neuwiese­verursachten.
Die­ Betrachtung­ der­ Füllen­ der­ Hoch­wasserganglinien­ und­
der­ gefallenen­ Niederschläge­ zeigt­ aber­ auch,­ dass­ von­
den­ 100­ bis­ 105­ mm­ flächendeckend­ im­ östlichen­ säch-
sischen­ Schwarze-Elster-Gebiet­ vom­ 25.­ September­ bis­
28.­ September­ gefallenen­ Niederschlag­ in­ den­ Teileinzugs-
gebieten­etwa­20­mm­abgeflossen­sind.­Es­kann­abgeschätzt­
werden,­dass­gleichmäßig­in­allen­Teileinzugs­gebieten,­abge-
sehen­vom­Oberlauf­der­Großen­Röder,­trotz­des­bedeuten-
den­ Hoch­wassers­ über­ zwei­ Drittel­ des­ Niederschlages­ ge-
speichert­ worden­ sind.­ Die­ entsprechenden­ Abflussbeiwerte­
und­Abflussfüllen­sind­in­Tabelle
4-20­für­ausgewählte­Pegel­
im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­zusammengefasst.
Während­im­Oberlauf­der­Pulsnitz­am­Pegel­Reichenau­nur­der­
Richtwert­der­Alarmstufe­2­in­den­frühen­Morgenstunden­des­
28.­September­erreicht­wurde,­überschritt­am­Brandenburger­
Pegel­ Ortrand­ am­ 28.­ September­ in­ den­ Abendstunden­
(18:15­ Uhr)­ der­ Hoch­wasserscheitel­ mit­ 248­ cm­ kurzzeitig­
den­ Richtwert­ der­ Alarmstufe­ 4.­ Dabei­ überschwemmte­ die­
Pulsnitz­unterhalb­Ortrand­die­Autobahn­A13.
An­ allen­ Pegeln­ der­ Großen­ Röder­ wurde­ beim­ Sep­tember-
hochwasser­2010­der­Richtwert­der­Alarmstufe­4­überschrit-
ten­(Abbildung
4-37).­Am­Pegel­Großdittmannsdorf­lag­der­
Hoch­wasserscheitel­ vom­ 28.­ September­ mit­ 293­ cm­ um­
30­ cm­ und­ am­ Pegel­ Radeberg­ mit­ 211­ cm­ um­ 40­ cm­ hö-
her­als­die­Hoch­wasserscheitel­vom­August­2010.­Bei­beiden­
Pegeln­wurden­jedoch­nicht­die­höchsten­Hoch­wasserstände­
erreicht.­Am­Pegel­Kleinraschütz­wurde­nicht­nur­der­Hoch-
Abbildung­ 4-34:­ Niederschlags-­ und­ Abflussverlauf­ für­ das­ Einzugsgebiet­ des­ Pegels­ Trado­ 3/Schwarze­ Elster­ für­ den­ Zeitraum­ 25.09.–
05.10.2010­
25.09.­
26.09.
27.09.­
28.09.
29.09.­
30.09.
01.10.­
02.10.
03.10.­
04:10
05.10.
20
18
16
14
12
10
8
6
4
2
0
Q [m
3
/s]
0
4
7
9
10
P [mm/h]

image
­77
4
Hydrologie
Abbildung­4-36:­Abflussganglinie­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­bis­zum­Pegel­Neuwiese­für­den­Zeitraum­25.09.–05.10.2010
Abbildung­4-35:­Durchflussmessung­der­BfUL­mittels­Ultraschall­(ADCP)­–­Messboot­am­Pegel­Neuwiese/Schwarze­Elster­bei­W­=­319­cm­(fallend)­
am­29.09.2010­nachmittags­(Foto:­BfUL)
Q [m
3
/s]
25.09.­
26.09.
27.09.­
28.09.
29.09.­
30.09.
01.10.­
02.01.
03.10.­
04.10.
05.10.
60
50
40
30
20
10
0
Trado­3/Schwarze­Elster
Schönau/Klosterwasser
Zescha/Hoyerswerdaer­Schwarzwasser
Neuwiese/Schwarze­Elster

78­ ­
Abbildung­4-37:­Beobachtete­Wasserstandsganglinien­und­die­entsprechenden­Richtwerte­der­Alarmstufen­an­den­Pegeln­an­der­Großen­Röder­
für­den­Zeitraum­15.09.–15.10.2010­
15.09.
16.09.
17.09.
18.09.
19.09.
20.09.
21.09.
22.09.­
23.09.­
24.09.­
25.09.­
26.09.­
27.09.­
28.09.­
29.09.­
30.09.­
01.10.­
02.10.­
03.10.­
04.10.­
05.10.­
06.10.­
07.10.­
08.10.­
09.10.­
10.10.­
11.10.
12.10.­
13.10.­
14.10.­
15.10.
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
W [cm]
350
300
250
200
150
100
50
0
Kleinraschütz
Großdittmansdorf
Radeberg
Alarmstufe­1
Alarmstufe­2
Alarmstufe­3
Alarmstufe­4

image
­79
wasserstand­vom­August­2010­um­108­cm­überschritten,­son-
dern­auch­der­bisherige­höchste­Hoch­wasserstand­von­2002­
um­15­cm­(vgl.
Tabelle A-7).­Dabei­wurde­der­rechtsseitige­
Teilschutzdeich­unmittelbar­unterhalb­des­Pegels­überströmt.­
Auch­ am­ Pegel­ Großdittmannsdorf­ wurde­ die­ rechtsseitige­
Verwallung­zwischen­Brücke­Heidestraße­und­Pegel­etwa­ab­
250­cm­überströmt.­Damit­umfloss­ein­schwer­bestimmbarer­
Anteil­des­Hoch­wasserdurchflusses­den­Messstegquerschnitt­
und­gelangte­in­das­durch­Rückstau­bereits­überschwemmte­
150­m­breite­„Flügeldeichhinterland“.
Die­Hoch­wasserscheitel­und­Durchflüsse­mit­ihren­Eintritts-
zeiten­sind­für­ausgewählte­Pegel­der­Großen­Röder­in
Tabelle
4-21­zusammengestellt.
Tabelle­4-20:­Einzugsgebietsfläche­(A
Eo
),­Gebietsniederschlag­(P),­Direktabflusshöhe­(RD),­Direktabflussfülle­(V(RD)),­Abflussbeiwert­(
Ψ
),­
Scheitelabfluss­(HQ)­und­Scheitelabflussspende­(Hq)­für­ausgewählte­Pegel­im­Einzugsgebiet­der­Schwarzen­Elster­für­den­Zeitraum­25.09.–04.10.2010
Pegel
Gewässer
A
Eo
[km²]
P
[mm]
RD
[mm]
V(RD)
[Mio. m³]
Ψ
[ %]
HQ
[m
3
/s]
Hq
[l/(s∙km
2
)]
Trado­3