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VDA Workshop „Notfall Wasser“ im Archivzentrum Hubertusburg am 25. 04. 2018
Übung 1: Was passiert, wenn Archivgut nass wird?
(hier: Frage- und Informationsbogen)
Sächsisches Staatsarchiv, Archivzentrum Hubertusburg, Barbara Kunze
1
1. Was sind die 5 wesentlichen Auswirkungen von Wasser auf Archivgut (hier: Aktenschriftgut):
Gewichtszunahme (bis zu 100 %)
Volumenzuwachs, Dimensionsveränderung
Flexibilisierung, Verlust der
S
tabilität
Anlösen, Verlagerung, Aus- oder Einspülen loser oder löslicher
Bestandteile ( z. B. Leimung, Farb- und Füllstoffe,
Beschichtungen, Schreibstoffe, Verklebungen - Achtung!
Signaturschilder -; Eintrag von Schlamm u.a.)
Anfälligkeit für mikrobiellen Befall
Sorptionsisotherme von Baumwollcellulose
(Quelle: Banik, Brückle, S. 96)
2. Schadensbilder (Elbehochwasser2002) (Fotos: Barbara Kunze):
Benennen Sie die jeweiligen Schadensmechanismen.
1 - Volumenzunahme / Verformungen
2 - Mechanische Schäden (Destabilisierung)
3 - Verlaufen von Farben
4 - Partieller Verlust der Bildschicht (hier Foto)
5 - Eintrag von Schlamm u. a.
6 - Rost
7 - Tintenfraß
8 - Schimmel (Altschaden)
9 - Verblassen von Lichtpausen
10 - Abklatsch von Elektrokopien
11 - Verhornung

VDA Workshop „Notfall Wasser“ im Archivzentrum Hubertusburg am 25. 04. 2018
Übung 1: Was passiert, wenn Archivgut nass wird?
(hier: Frage- und Informationsbogen)
Sächsisches Staatsarchiv, Archivzentrum Hubertusburg, Barbara Kunze
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3. Welche materialspezifischen Schadensmechanismen sind bei Pergament zu beachten?
erhöhtes Dehn- und Schrumpfverhalten
Verhornung
relativ geringe Haftung von Schrift bzw. Malschichten (Risiko Farbabklatsch)
4. Welche materialspezifischen Schadensmechanismen sind bei fotografischen Materialien zu
beachten?
Verblocken nach Trocknung durch zwischenzeitliches Anquellen der Gelatinebeschichtung
Gefahr der Schichtentrennung (-> Verlust der Bildschicht)
Erhöhte chemische Sensibilität
5. Warum kann es sinnvoll sein, während der Bergung dem einsetzenden Trocknungsprozess
entgegenzuwirken bzw. vor Einleiten der Trocknung eine restauratorische Zwischenbehandlung
durchzuführen?
Fixierung und ggf. Forcierung von Schadensphänomenen während der Trocknung (vgl. auch
Übung 3)
6. Für welche Materialgruppen gilt dies in besonderem Maße?
Fotografische Materialien
gestrichene Papiere (Beispiel: Kunstdruckpapier)
appretierte Gewebe (Karten und Pläne)
stark verformte und verschmutzte Materialien
Achtung!
Bei Wasserschäden kann zwischen denjenigen Schäden, die unmittelbar durch das Schadensereignis
„Wasser“ verursacht sind, und solchen, die auf Folgewirkungen zurückzuführen sind, unterschieden
werden. Auf letztere kann in der Regel durch geeignete Maßnahmen der Schadensbegrenzung und –
bewältigung Einfluss genommen werden. Hier ist insbesondere auf Schimmelschäden hinzuweisen,
die durch das frühzeitige Einfrieren und durch eine effiziente Trocknung in der Regel vermieden
werden können.
Literaturhinweise
G. Banik, I. Brückle, Papier und Wasser, 2016.
Barbara Kunze, Petra Sprenger, Wasser als Schadensfaktor am Beispiel der Flutkatastrophe 2002 in
Sachsen, in: Tagungsdokumentation zum 78. Deutschen Archivtag 2008 in Erfurt, Für die Zukunft
sichern! Bestandserhaltung analoger und digitaler Unterlagen (163-178).
Notfallvorsorge in Archiven, Empfehlungen der Archivreferentenkonferenz ausgearbeitet vom
Bestandserhaltungsausschuss im Jahr 2004, zuletzt überarbeitet 2010 (hier insbesondere 2.2.2
Wasserschäden und Anlage 1, 7-12).