„Sicherung einer nachhaltigen
Phosphaternährung der Pflanzen“
von Wilhelm Römer
Universität Göttingen, Department für Nutzpflanzenwissenschaften
Vortrag auf der Düngungstagung
„Nachhaltige Sicherung der Bodenfruchtbarkeit“
der Sächsischen Landesanstalt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, in
Groitsch/Nossen, 25. 2. 2011

Folgende Fakten bestehen:
- Kein Organismus, sei es Mikrobe, Pflanze oder Tier einschließlich des
Menschen, kann ohne Phosphat existieren, denn wichtige Teile der Zellen, wie
die Erbsubstanz, zahllose Enzyme und Energietransporter wie z. B.
Adenosintriphosphat enthalten Phosphor. Phosphor kann durch kein anderes
Element ersetzt werden.
- In der Rangfolge der Bedeutung der Nährelemente steht Phosphor nach dem
Stickstoff an 2. Stelle.
- Auf vielen Millionen ha Landflächen der Tropen und Subtropen ist eine
Phosphormangelsituation gegeben, d.h. die Pflanzenproduktion ist dort
eingeschränkt.
- Andererseits wächst insbesondere in Asien (China, Indien) die Bevölkerung
stark und die Nahrungsproduktion hält nicht Schritt. Daraus resultiert ein hoher
Bedarf an pflanzlicher Nahrung und an Futtermitteln.
Das ist letztlich die Ursache für den Anstieg der Preise für die P-Dünger
weltweit und ebenso in Deutschland.

Tabelle 1 zeigt beispielhaft die Preisentwicklung für Triple-
superphosphat (TSP) in Deutschland in den letzten Jahren.
Tab.1 Preise für TSP
(Raiffeisen-Angebote)
Jahr
100kg TSP
(46% P
2
O
5
= 20 % P)
1 kg P
€ €
(1995) - 2007
25
1,25
2008 75 3,75
Jan. 2011
44
2,20
(nach Raiffeisen Handelsgesellschaft mbH Rosdorf)

Frage:
Ist die Verknappung an Rohphosphat in der Welt die
wirkliche Ursache für den Preisanstieg?
Davor sind folgende Fragen zu beantworten:
1. Wo in der Welt werden Rohphosphate abgebaut?
2. Wie viel Mill. Tonnen werden jährlich abgebaut?
3. Wie groß sind die noch vorhandenen P-Reserven?

image
Prognose der Rohphosphatproduktion in der Welt:
Abb. 1: Welt-Rohphosphatproduktion
(gezackte Linie: Ist-Werte; durch-
gezogene Linie: Errechneter Kurvenverlauf), nach Dery und Anderson 2008.

Tab. 2: Weltproduktion von Rohphosphat
,
die Weltreserve sowie die Basisreserve in Mio. t
nach U.S. Geological Survey (2007)
WeltproduktionReserve
1
Basisreserve
2
2005 2006
United States
36,3
30,7
1200
3400
Australia 2,0 2,0 77 1200
Brazil 6,1 5,5 260 370
Canada 1,0 1,0 25 200
China
30,4
32,0
6600
13000
Egypt 2,7 2,7 100 760
Israel 2,9 3,0 180 800
Jordan 6,2 6,4 900 1700
Morocco and
Western Sahara
25,2
25,3
5700
21000
Russia
11,0
11,0
200
1000
Senegal 1,5 1,5 50 160
South Africa
2,6
2,6
1500
2500
Syria 3,5 3,6 100 800
Togo 1,2 1,2 30 60
Tunisia 8,0 8,4 100 600
Other countries
6,5
6,7
890
2200
Welt insgesamt
147,0 145,0
18000
50000
1
= Reserve: Es ist der Teil der Basisreserve der ökonomisch abgebaut bzw. produziert werden
kann zu den gegenwärtigen Bedingungen seiner Erfassung.
2
= Basisreserve: Es ist der Teil der identifizierten Ressourcen, die minimalen spezifischen
physikalischen und chemischen Kriterien in Bezug auf die gegenwärtige Bergbau- und die
Produktionspraxis erfüllen und zwar einschließlich jener für die Qualität, Stärke und Tiefe.

Aus Tabelle 2 ergibt sich, dass es etwa 18
Milliarden t Rohphosphat gibt, die zu den
gegenwärtigen Bedingungen abbaubar sind.
Werden jährlich 145 Millionen t abgebaut, so
reichen diese Vorräte noch ca. 124 Jahre.
Die Basisreserven, die mit geringerer Qualität
und nur mit höheren Kosten nutzbar sind, sind
wesentlich größer und werden länger reichen.
Das heißt, eine unmittelbare Verknappung der
Rohphosphate kann so nicht konstatiert werden.
Aber die Tatsache bleibt, dass die Weltvorräte
endlich sind.
Da jedoch der Bedarf an P-Düngern
insbesondere in Asien (China, Indien) deutlich
angestiegen ist und in den USA einige Minen
wegen Erschöpfung geschlossen wurden, trat
eine starke Nachfrage auf und die Preise
erhöhten sich um den Faktor 3.

Was können wir tun, um mit dem
Phosphat effektiver umzugehen?
Frage:
Sind unsere derzeitigen
Düngungsempfehlungen in Ordnung?
D.h. zum Beispiel:
Welche P-Gehalte brauchen wir in den Böden?

Tab. 3: Vorschlag von Richtwerten für die Gehaltsklassen A bis E nach
der CAL-Methode des VDLUFA,
nach VDLUFA-Standpunkt:
„Phosphordüngung nach Bodenuntersuchung und Pflanzenbedarf“ Darmstadt,
nach Kerschberger et al. (1997)
grüne Zahlen gelten in Sachsen seit 2002.
P-Gehaltsklasse
Gehalt
mg P / 100 g Boden
mg P / 100 g Boden
A sehr niedrig
2,0
2,4
B
niedrig
2,1 – 4,4
2,5-4,8
C
anzustreben
4,5 – 9
4,9-7,2
D
hoch
9,1 – 15
7,3-10,4
E sehr hoch
15,1
> 10,5
Die Vorschläge des VDLUFA zur P-Düngung lauten kurz gefasst:
GK „C“: Düngung in Höhe der P- Abfuhr durch die Ernteprodukte
GK „D“: Weniger düngen als die Abfuhr
GK „E“: Nicht düngen
GK „B“: Doppelte Zufuhr als Abfuhr
GK „ A“: 2-3 fache Zufuhr im Vergleich zur Abfuhr

Wie sieht es mit der P-Versorgung des
Ackerlandes in Deutschland aus?
Tab. 4: Relative Anteile der Gehaltsklassen A bis E für Phosphor auf dem
Ackerland (12 Mill. ha) in Deutschland
. (Werner, 2006; nach Angaben von
Brod et al., 2004 sowie Suntheim und Neubert, 2005; Albert, 2011).
Gehaltsklasse Ackerland, Deutschland
Ackerland Sachsen
2006
%
1997-2001 in
%
2007-2009 in
%
E 12
10 7
D 29
24 16
C 38
27 32
B 18
31 37
A 3
8 8

Ergebnis:
In Sachsen wären nach den Vorschlägen des VDLUFA
23 % des Ackerlandes mit P überversorgt
und
45 % des Ackerlandes mit P unterversorgt.
Konsequenzen:
1. Auf Flächen der Gehaltsklasse (GK) „D“ und „E“ kann die
P-Düngung drastisch zurückgefahren werden bzw. ganz
unterbleiben.
2. Die
45% der Flächen
in GK „A“ und „B“ müssten verstärkt
gedüngt werden.

Generell stellen sich aber die Fragen:
Sind diese Empfehlungen durch Experimente in der Praxis gedeckt?
Ab welchem Boden-P-Gehalt treten bei einer verringerten P-Zufuhr und
sinkenden Boden-P-Gehalten deutliche Mindererträge auf?
Werden die hohen P-Gehalte der Gehaltsklasse „C“ des VDLUFA von
4,5 bis 9 mg P / 100 g Boden oder in Sachsen von 4,9 bis 7,2 mg /
100 g Boden wirklich für hohe Erträge gebraucht?
Antworten zu diesen Fragen kommen von längerfristigen
Feldversuchen:
1. Aus Niedersachsen (Raum Göttingen und Raum Walsrode)
2. Aus Bayern (Mittel aus 8 Standorten).

Tab. 5: Bodenkenndaten des Oberbodens (0-30
cm), Reinshof bei Göttingen
zu Versuchsbeginn
1983
(Versuch angelegt von A. Jungk),
Niederschlag: 650 mm / Jahr; (Römer et al., 2004)
Ton Schluff Sand Humus CAL-
P
CAL-K pH
%
%
%
%
mg/100 g Boden CaCl
2
16 61 23 2,0 5-7 9-12 7-7,2
GK „C“
4,5-9 mg P / 100 g Boden
Tab. 6: P-Düngungsvarianten auf dem Reinshof
bei Göttingen, Niedersachsen
P-Stufe
1983 - 1994
1995 - 2006
kg P/ha/a
kg P/ha/a
P 0
0
0
P 1
25 =
57 kg P
2
O
5
25
P 3
75 =
172 kg P
2
O
5
0
P 9
225 =
515 kg P
2
O
5
0
Fruchtfolge :
ZR – WW – WG
Parzellen:
12 m x 12 m, 4 Wiederholungen
kg P multipliziert mit dem Faktor 2,29 = kg P
2
O
5

Bevor wir zu den Pflanzenreaktionen kommen,
sehen wir uns an, wie sich die Bodengehalte
änderten:

D
C
B
A
E
1983
1985
1987
1989
1991
1993
1995
1997
1999
2001
2003
2005
2007
2009
mg P
/100g B o d en
0
5
10
15
20
25
30
WW WG ZR WW WG ZR WW WG ZR WW WG ZR WW WG ZR WW AB ZR WW WG ZR WW WWWRaWW WG WRa
Gehalts-
klasse
P 0 (1983-2009)
P 9 (ab 1995 = P 0)
P 1 (1983-2009)
P 3 (ab 1995 = P 0)
Abb. 2: CAL-P-Gehalte im Boden in Abhängigkeit von der P-Gabe,
jährlich 0 - 9-facher Ersatz der P-Abfuhr; (P-GK nach VDLUFA-Standpunkt,
Sept. 1997); Römer et al., 2004, vervollständigt.

Man erkennt:
1. Wird mehr gedüngt als abgefahren, steigt der P-Gehalt
deutlich an. Werden die hohen Gaben nicht mehr ausge-
bracht (seit 1994 = P0), sinken die P-Gehalte wieder ab.
2. Wird das gedüngt, was abgefahren wird (Ersatz der Abfuhr)
bleibt der P-Gehalt nahezu gleich hoch.
(Variante P1 = 25 kg P/ha)
3. Wird nicht gedüngt, so sinkt der P-Gehalt innerhalb von ca.
10 Jahren bis zur Grenze der Gehaltsklasse B/A ab, um
dann aber nur noch ganz minimal abzunehmen.
Wir sagen, der Boden hat dann ein hohes P-Pufferungsver-
mögen. Er kann lange beträchtliche P-Mengen nachliefern.

Die zentrale Frage lautet aber:
Wie hoch müssen die
P-Gehalte für hohe Erträge
sein?

Reaktion der Zuckerrübe:
C A L -P -G e h a lt (m g P /1 0 0 g )
0
5
10
15
20
BZE dt/ha
0
10 0
11 0
12 0
13 0
ABC
D E
y = 120*(1-e
(-1,12x)
)
r
2
= 0,50
r = 0,71**
Abb. 3: Abhängigkeit des BZE im Jahre 2000 vom CAL-P-Gehalt des
Bodens im Herbst 1999.
Reinshof bei Göttingen, Auenlehm
.
(P-Gehaltsklassen nach VDLUFA-Standpunkt, Sept. 1997); nach Römer et al., 2004.

Reaktion von Raps
A BC D
E r tr ag d t/h a b e i 91% T M
0
42
44
46
48
50
52
54
56
58
n = 5
n = 31
n = 15
n = 5
48,0
48,6
47,2
49,4
Abb. 4: Einfluss der P-Gehaltsklassen im Boden auf den Korn-Ertrag von
Winterraps, Reinshof 2009,
(Korn-Ertrag zur Ernte 2009, CAL-Bodenanalyse 2008
vor der Winterrapsaussaat,
Buchstaben A - D kennzeichnen die Gehaltsklasse für P im Boden nach VDLUFA, senkrechte Linien =
Standardabweichung, n = Anzahl Werte, nach Schneekloth-Plöger, 2010).

y = 97,3 + 0,59x
r = 0,096
Hodenhagen
y = 92,60 + 1,40x
r = 0,176
Düshorn
y = 97,97 + 0,41x
r = 0,069
Eickeloh
y = 101,77 - 0,09x
r = 0,017
mg P/100g Bd.
0 2 4 6 8 10 12 14 16 18
R elativertrag (% )
0
60
80
100
120
140
160
Dü P 0
Dü P 25
Dü P 50
Dü P 100
Ei P 0
Ei P 25
Ei P 50
Ei P 100
Ho P 0
Ho P 25
Ho P 50
Ho P 100
A B C D E**
Abb. 5: Relativerträge* in Abhängigkeit vom (DL-)P-Gehalt von drei Sandböden
(Düshorn, Eickeloh, Hodenhagen) bei jeweils vier Düngungsstufen, 1989 – 2007;
(* Werte der P 0-Variante = 100 % ,**P-Gehaltsklassen nach VDLUFA-Standpunkt,
Sept. 1997; nach Römer, Claassen und Hilmer, bisher unveröffentlicht).

image
Abb. 6: Erträge in Abhängigkeit von der Boden-P-Versorgung
,
Mittelwert aller 8 Orte und Jahre; 2. Phase nach Abzug der Spezialkosten;
1 mg P
2
O
5
-Anhebung = 150 kg P
2
O
5
, 1 kg P
2
O
5
= 0,55 Euro, Zinsabschreibung
6%, 1 GE= 15 €; (nach Hege et al. 2007 und 2008).

Antwort auf Frage I.
Sind unsere derzeitigen Düngungsempfehlungen in Ordnung?
„Als Ergebnis ist festzuhalten:
Eine höhere P-Versorgung als Gehaltsklasse „B“, d.h. 5-9 mg
P
2
O
5
/100 g Boden bzw.
2-4 mg P/100 g Boden
hat bei
Abfuhrdüngung
nur in Ausnahmefällen
zu signifikanten
Mehrerträgen geführt.“
(Hege et al. 2007 und 2008)

Gilt dieser Schluss auch für alle Standorte in
Sachsen?
Diese Frage ist nur mit längerfristigen Feld-
versuchen zu beantworten, denn:
1. Die Phosphatdynamik in den Böden hängt
vom örtlichen Chemismus der Böden ab und
2. sich ändernde Klimabedingungen, z. B.
längere Trockenperioden, verändern auch
die P-Verfügbarkeit, z. B. in Gestalt der
erschwerten P-Diffusion zu den Wurzeln.

II. Frage:
Wie viele phosphorhaltige Abfälle fallen pro
Jahr in Deutschland an und in welchem Umfang
sind sie nutzbar?

Tab. 7: P-haltige Abfälle pro Jahr in Deutschland
(nach DWA, 2005;
www.fleischindustrie.de,
Anonymus, 2005)
Klärschlamm
2,4 Mill. t TM x
2 % P =
48.000 t P
Tiermehle
400.000 t TM x ca. 3 % P =
12.000 t P
Fleischknochenmehl 160.000 t TM x ca. 6 % P =
9.600 t P
Summe
ca. 70.000 t P
Aufwand an Mineraldünger-P 2003/2004
108.000 t P
Also ca. 2/3 des Mineraldüngereinsatzes sind zumindest theoretisch
durch P-Recycling ersetzbar.

Was ist bei der Nutzung von
Klärschlamm als P-haltigen Dünger
zu beachten?

Abb. 7: Relative P-Aufnahme und das Fe:P-Verhältnis von 13 Klär-
schlämmen bezogen auf die P-Aufnahme aus Triplesuperphosphat (TSP),
(nach Römer, W. et al., 2002 und 2003).
100
13
57
69
63
73
89
71
77
82
84
93
100
97
18
0
20
40
60
80
100
120
TSP
Fe:P
(x:1)
7,4
5,4
4,5
2,8
2,3
2,2
2,0
1,8
1,4
1,4
1,3
0,7
0,2
GD 5%
Rel. P-Entzug

Schlußfolgerung:
Ist im Klärschlamm doppelt so viel Eisen wie
Phosphor,
dann sinkt die P-Ausnutzung im Vergleich zu P aus
dem TSP signifikant um ca.30% ab!
(z. Zt. wird die Klärschlammverordnung überarbeitet)

Welche neuen P-Dünger sind durch
das Recycling von
P-haltigen Abfällen möglich und wie
ist ihre Düngewirkung?

Neue P-Dünger auf Basis des P-Recycling
I. : Gewinnung durch chemische Prozesse
- P-haltige Abwässer laufen über Ca-Silikat-Hydrat
(z.B. Tobermorit) und das Phosphat wird an Ca-Ionen als
wenig definierte
Ca-Phosphate
kristallin gebunden.
-
In Klärwerken anfallender Faulschlamm wird z.B. mit
Schwefelsäure gelöst und Phosphat wird durch Zugabe
von basischen Substanzen und Mg-Salzen zu
Struvit:
- Magnesium-Ammonium-Phosphat = MAP
- Mg NH
4
PO
4
*6 H
2
O

- esium-Ammonium-PhosphatMaH
4
PO
4
6 H
2
O
-
.
II.: Gewinnung durch thermische Prozesse
-
Tiermehlaschen
( Erhitzung > 1000° C).
-
Klärschlammaschen
(Erhitzung > 1000°C, Schwermetalle
werden mittels Chlorid bei >1000°C abgereichert).
-
Kupolofenschlacke,
Klärschlammbriketts werden ähnlich
dem Prozess in der Thomasbirne (Stahlerzeugung)
geschmolzen (P wird in der Schlacke angereichert).
-
Sinterphosphat
, ähnlich dem Alkalisinterphosphat werden
Tiermehle etc. mit Soda und Quarzsand bei > 1.000 °C im
Drehrohrofen gesintert.

Tab. 8: P-Aufnahmen von Mais im Gefäßversuch
mit P-Düngern aus dem P-Recycling;
(Auszugsweise nach Cabeza, 2010; Diss. Universität Göttingen)
Boden 1: Sandboden, CAL-P: 2,4 mg P/kg, pH: 4,7
Boden 2: Lehmboden, CAL-P: 2,1 mg P/kg, pH: 6,6
P-Gabe: 360 mg P / Gefäß (= 6 kg Boden)
Varianten Sandboden Lehmboden
mg P/kg
Boden relativ
mg P/kg
Boden relativ
Ohne P
13 a
100
10 ab
100
Triplesuperphosphat
24 b
185
23 e
230
Rohphosphat 16 a 123 9 a 90
Ca-Phosphat 22b
170
12 ab 120
Struvit
23 b
176
23 e
230
Tiermehl-Asche 15 a 115 15 bc 150
Klärschlamm-Asche 15 a 115 17 cd 170
Kupolofen-Schlacke 15 a 115 23 e
230
Sinterphosphat
22 b
170
18 de
180
Verschiedene Buchstaben stehen für statistisch signifikante Unterschiede bei
einer Irrtumswahrscheinlichkeit von p = 5%.

Tab. 9: Relative Erhöhung des isotopisch
austauschbaren P im Boden zwei Jahre nach der P-
Applikation in den Boden
(Variante ohne P = Null,
TSP-Variante = 100 %) Nach Cabeza, 2010
Düngervariante Saurer Sandboden Neutraler Lehmboden
TSP
100
100
Rohphosphat
44
9
Ca-Phosphate
75 13
3 MAP-Produkte
70-98
80-105
Tiermehlasche
23 18
Klärschlammasche
16
21
Kupolofenschlacke
36
80
Sinterphosphat
73
70

Wie viel kg Phosphor / ha
brauchen wir, um den P-Gehalt
im Boden um 1 mg P / 100 g
anzuheben?

Tab. 10: Düngermengen (kg P/ha) zusätzlich zum
Pflanzenentzug zur Erhöhung des P-Gehaltes an
DL-löslichem Phosphat im Boden um 1 mg/100 g
Boden
(nach Kerschberger und Richter, 1978 nach
Auswertung von 42 statischen P-
Steigerungsversuchen in der DDR)
Boden bei DL-P-Gehaltenbei DL-P-Gehalten
kleiner 3,5 mg P /
100 g Boden
3,5 - 7 mg P /
100 g Boden
Sandböden
100 82
Sl / lS
120 92
SL / sL
100 96
L /LT / T
136 106
Löss-
Schwarzerde
1)
80 100
Im Mittel
100 kg P / ha
3 Sandböden im
Raum Walsrode,
Niedersachsen
2)
125 kg P / ha
1)
nach Kerschberger und Richter, 1988
2)
nach Römer und Claassen, unveröffentlicht

Fazit
in Bezug auf den P-Gehalt im Boden
Für wichtige Kulturpflanzen sind in vielen
Regionen
ca. 4 mg P / 100 g
Boden (= ca. 9 mg
P
2
O
5
/100 g Boden) völlig ausreichend.
Die P-Düngung in Höhe der P-Abfuhr reicht bei
diesem P-Niveau zur Aufrechterhaltung des CAL-
P-Gehaltes aus.
Die P-Düngung sollte zu den Kulturen erfolgen,
die am ehesten auf eine P-Düngung reagieren
(Raps, Mais, Zuckerrüben).
In Gehaltsklasse A ist mit signifikanten
Mindererträgen zu rechnen. Deshalb bringt auf
solchen Flächen die P-Düngung sichere
Mehrerträge (Gefäßversuche, nicht gezeigt).
Zur Anhebung des CAL-P-Gehaltes um 1mg/100g
Boden sind ca. 100 kg P/ha über der Abfuhr nötig.
Bei einem Preis von ca. 2,2 € je kg P (Triplesuper-
phosphat, DAP) sind das bei 100 kg P (Entzug
von 3-4 Ernten) ca. 220 € / ha.

Zusatzinformationen
Spielt der Zeitpunkt der
P-Düngerausbringung für den
Ertrag eine Rolle, wenn der
Boden-P-Gehalt in GK “C“ liegt?
Dazu 2 Feldversuche vom
Reinshof bei Göttingen

1. Vergleich jährliche P-Düngung mit Fruchtfolge-P-Düngung
alle 3 Jahre
Tab. 11: Mittelwerte aus 6 Erntejahren (1988 - 2003) auf dem Reinshof,
Römer et al., 2004
- der Rübenerträge (RE)
- der bereinigten Zuckergehalte (BZG)
- der bereinigten Zuckererträge (BZE)
A bei jährlicher P-Düngung mit 25 kg P / ha
B bei Fruchtfolgedüngung alle 3 Jahre mit 75 kg P / ha vor den Zuckerrüben
Rübenerträge BZG BZE
dt rel. % rel. dt rel.
A 657 100 16,1 100 106 100
B 654 99,5 16,1 100,3 106 99,7
(90-106) (98-102) (92-108)
Ergebnis: Bei CAL-P-Gehalten von 4,5 bis 6 mg P / 100 g Boden
bringt eine jährliche P-Düngung im Vergleich zu einer Fruchtfolge-
düngung alle 3 Jahre keinen Zuckermehrertrag.

2. Vergleich Herbst- zu Frühjahrsdüngung
Tab. 12: Mittelwerte aus 6 Erntejahren (1988 – 2003) auf dem Reinshof,
Römer et al., 2004
- der Rübenerträge (RE)
- der bereinigten Zuckergehalte (BZG)
- der bereinigten Zuckererträge (BZE)
A bei jährlicher P-Düngung im Herbst (37,5 kg P /ha)
B bei jährlicher P-Düngung im Frühjahr (37,5 kg P /ha)
Rübenerträge BZG BZE
dt rel. % rel. dt rel.
A 650 100 16,1 100 105 100
B 100,5 99,7 100,3
(98-104) (97-101) (97-103)
Ergebnis: Bei CAL-P-Gehalten von 4,5 bis 8 mg P /100 g Boden
erbrachte die Frühjahrsdüngung gegenüber der Herbstdüngung
keinen Zuckermehrertrag.

Welche Möglichkeiten zur bedarfsgerechten
P-Versorgung der Kulturpflanzen gibt es bei
niedrigen Boden-P-Gehalten?
In welchen Stadien braucht die Getreide-
pflanze viel Phosphat und in welchen
weniger?
Dazu zwei Gefäßversuche

Tab. 13: Einfluss der zeitlichen Applikation von
Phosphat auf den Ertrag und die P-Aufnahme von
Sommerweizen
(Sorte Hatri); nach Römer, 1985, unveröff.
Boden:
Sandboden, C
t
: 0,6 %; CaCO
3
: 9,3 %; pH: 6,9;
DL-P: 1 mg / 100 g Boden, also P-arm GK „A“
Düngung: 0,8 g N; 1,2 g K; 0,3 g Mg
P: 300 mg P / Gefäß = 50 mg P /kg Boden als
Ca(H
2
PO
4
)
2
H
2
O in Wasser gelöst.
Variante Kornertrag /
Gefäß
Körner / Ähre P in Korn + Stroh
g mg/ Gefäß
Ohne P
3
11
17
3 Wochen vor
d. Saat
7 18 35
Direkt zur Saat
7
20
41
3 Wochen nach
d. Saat
11 26 52
5 Wochen nach
d. Saat
5 17 42
GD5% Tukey
2
3
9
--------------- Relativwerte ---------------
3 Wochen vor
d. Saat
100 100 100
Direkt zur Saat
103
111
118
3 Wochen nach
d. Saat
154 141 149
5 Wochen nach
d. Saat
75 90 121
GD5% Tukey
28
18
24

Tab. 14: Abhängigkeit der Anzahl der generativen
Organe (Weizen
1)
) von der P-Ernährung.
Prüfstadium: Dezimalcode: EC 39 (Blatthäutchen des
Fahnenblattes sichtbar) und EC 91 (Reife).
Nach M. Schmidt, 1990.
EC 39
P-Gabe (mg / Gefäß)
----- 300 -----
100
50
Anzahl rel. rel. rel.
Triebe/Pflanze 3,4 100 126 82
Ährchen/Haupttrieb 9,9 100 104 88
Ährchen /1. Bestockungstrieb
9,8 100 92 59
Ährchen /2. Bestockungstrieb
3,3 100 116 22
Rel. Anteil der abgestorbe-
nen Triebe / Gefäß
2)
36 100 122 155
P-Gabe (mg / Gefäß)
----- 300 -----
100
50
Anzahl rel. rel. rel.
TM Körner / Gefäß (g) 43 100 86 38
Körner / Haupttrieb 54 100 88 83
Körner / 1. Bestockungstrieb 40 100 82 26
Körner / 2. Bestockungstrieb
29
100
100
0
1)
Sorte Alcedo
2)
angelegte Triebe = 100 %

Fazit der Experimente
Die junge Getreidepflanze - auch der Mais -
benötigt ein hohes P-Angebot, denn schon in
der Bestockungsphase werden angelegt:
o
Die Zahl der Bestockungstriebe.
o
Die Ährchen bzw. Blüten pro Ähre und
somit die Halmzahl und die Kornzahl pro
Fläche.
Ausreichende P-Versorgung der jungen
Getreidepflanze senkt die Triebreduktion und
das Absterben von Blüten und hält damit die
Kornzahl pro Fläche hoch.
Eine späte gute P-Versorgung nach der Blüte
erhöht zwar die Tausendkornmasse, aber
diese kann die geringere Kornzahl bei
ungenügender P-Versorgung in der Jugend
nicht ausgleichen.

Konsequenzen für die P-Düngung bei geringem
P-Angebot aus dem Boden
Die Düngung in der Fruchtfolge trifft nicht den
zeitlich hohen Bedarf einzelner Kulturen, d.h. das
Phosphat ist wie der Stickstoff dem Bedarf der
Kultur anzupassen.
Kulturpflanzen, deren Ertrag aus generativen
Organen besteht (Getreide, Körnermais, Corn-
Cob-Mix-Mais, Raps etc.) haben Phasen hohen
P-Bedarfs, in denen die generativen Organe
angelegt werden. Diese sind zu berücksichtigen.
Im Gegensatz dazu: Futterpflanzen oder Pflanzen
mit langer Vegetationsdauer (z.B. Zuckerrüben,
Energiemais u.ä.) haben keine so ausgeprägten
Bedarfsspitzen.
Der zu düngende Phosphor sollte gut löslich sein
und in Wurzelnähe abgelegt werden.
Die Unterfußdüngung mit Diammoniumphosphat
zu Mais ist das Paradebeispiel für eine gezielte
Ernährung von Pflanzen. Bei Getreide kann man
ein Düngerband zwischen zwei Reihen ablegen.
Prof. Sommer, Uni. Bonn empfiehlt
„Depotdüngung“.
Unterfußdüngung zur Zuckerrübe ist (war)
problematisch wegen des gestörten Saatbettes.

image
Die P-Vorräte vieler Ackerböden in Deutschland sind durch
dashoheP-Düngungsniveau von den 60er bis 90er Jahren
(P-Bilanzüberschüsse 20-29 kg P ha
-1
) stark angestiegen.
Es gab
Anreicherungen von bis zu 1.000 kg P ha
-1
. Diese
Vorräte sind zu reaktivieren!!! Das gilt auch für
Sachsen!! (vergl. Abb.8)
Langzeitveränderung der Flächenbilanz-Überschüsse
bei Phosphor in der Landwirtschaft (nach Werner, 2006)
1950
1960
1970
1980
1990
2000
P-Überschuss (kg P ha
-1
)
-5
0
5
10
15
20
25
30
35
Abb. 8
: Langzeitveränderung der Flächenbilanz-Überschüsse bei Phosphor
Abb. 9 P-
Bilanz für Sachsen nach E. Albert 2010

Literatur
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Kerschberger, M., Richter, D., 1988: Ergebnisse eines 12jährigen P-Steigerungsversuches auf einer
Löß-Schwarzerde im Bezirk Halle. Arch. Acker- u. Pflanzenbau u. Bodenkd., Berlin 32 (6), S. 369-
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Kerschberger, M., Hege, U., Jungk, A., 1997: VDLUFA-Standpunkt „Phosphordüngung nach
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Raiffeisen Handelsgesellschaft mbH Rosdorf, Am Flüthedamm 12, 37124 Rosdorf, mündliche
Mitteilung
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– 20-jähriger Feldversuch. Zuckerrübe 54, 30-33.
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www.fleischindustrie.de
Kontakt: W. Römer, email:
awroemer@web.de