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Sächsisches Landesamt
Branchenbezogene Merkblätter
Stand: 07/1999
für Umwelt und Geologie
zur Altlastenbehandlung
Bearbeiter:
Frau Dipl.Geol. A. Schuster
Frau Dr. F. Darbinjan
Referat Altlasten
11: KFZ-Werkstätten/Fuhrparks
Seiten: 15
1
Branchentypisches Schadstoffpotential
1.1
Gesetzliche Grundlagen
In der DDR waren folgende Gesetze und TGL (Technische Normen; Gütevorschriften und Lieferbedin-
gungen) gültig:
- TGL 25278/01
Instandhaltungsanlagen für KFZ; Lackierereien; Spritzkabinen
- TGL 39275
Arbeitsgruben für KFZ und SB-Fahrzeuge; Technische Forderungen
- TGL 175-31
Betriebsanlagen für KFZ, Freiabstellflächen, Zapfsäulen ..., Schrott- und Reifenab-
lagerungen
- TGL 175-30/01
Betriebsanlagen für KFZ, Freiabstellflächen (Gestaltungsgrundsätze)
- TGL 33358/01
Luftreinhaltung beim Einsatz von Verbrennungsmotoren in Arbeitsräumen; Grund
lagen
- TGL-D-22213/01 Landeskultur und Umweltschutz; Schutz der Gewässer; Grundlegende Forderun-
gen zum Schutz vor Mineralölen
- TGL-D-22213/02 Lagerung von Mineralölen
- TGL-D-22213/03 Umfüllung von Mineralölen
- TGL-D-22213/04 Transport von Mineralölen
- TGL-D-22213/05 Nutzbarmachung und schadlose Beseitigung mineralölhaltiger Abprodukte
- TGL 31630/01
Ölemulgierte Abwässer; Allgemeine Forderungen der Behandlung
- TGL 31630/02
Nutzung und Schutz der Gewässer; Ölemulgierte Abwässer; Behandlung
- TGL 37568
Nutzung und Schutz des Bodens; Struktur und Inhalt des Standard-Teilkomplexes
- TGL 2999
Flüssige Brennstoffe (Kohlenwasserstoffe, Testbenzin)
- TGL 3667
Flüssige Brennstoffe (Heizöle)
- TGL 4938
Flüssige Brennstoffe (Dieselkraftstoffe)
- Wassergesetz (17. April 1963)
- Abwassereinleiterbedingungen (9. Juni 1975)
- Wasserschadstoffverordnung (15. Dezember 1977)
- Landeskulturgesetz (14. Mai 1970)
- Fünfte Durchführungsverordnung zum Landeskulturgesetz – Reinhaltung der Luft – (17. Januar 1973)
- Bodennutzungsverordnung (17. Dezember 1964)
- Giftgesetz (7. April 1977)
- Richtlinie zum Schutz der Gewässer beim Verkehr mit Kraftstoffen und Ölen entsprechend Wasser-
echt der DDR, 1984
Aktuelle Verordnungen und Gesetze:
- Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (Bundes
-
Bodenschutzgesetz - BBodSchG) vom 17. März 1998 einschließlich der Bundes - Bodenschutz- und
Altlastenverordnung ( BBodSchV), gültig seit 12. Juli 1999
- Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz (SächsABG); 20. Mai 1999
- Wasserhaushaltsgesetz (WHG, 1. März 1960)
- Sächsisches Wassergesetz, SächsWG, 23. Februar 1993
- Chemikaliengesetz (ChemG, 12. März 1987)
- Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG, 12. März 1987)
- Baugesetz mit Bauordnung
1.2
Einteilung
KFZ-Werkstätten können für die private Nutzung und als betriebszugehörige Anlagen unterschieden
werden. Fuhrparks verfügten generell über eigene KFZ-Werkstätten. Bei Produktionsbetrieben mit ei-
genen Fahrzeugparks ist vom Vorhandensein mehr oder weniger komfortabel ausgerüsteter KFZ-
Werkstätten auszugehen.

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KFZ-Werkstätten dienten und dienen generell der Reparatur und Wartung von Kraftfahrzeugen. Neben
universell ausgelegten Werkstätten existiert eine Vielzahl an Spezialwerkstätten:
- Abschmierdienst,
- Autoblechnereien,
- Autoflaschnereien,
- Autoinstandsetzungswerkstätten,
- Autokarosseriereparaturen,
- Automietwerkstätten,
- Autoreparaturwerkstätten,
- Autospenglereien,
- Autoüberwachung,
- Benzinfahrzeugreparaturen,
- Fahrzeugwartung,
- Karosserie-Umbauten,
- Karosserieblechnereien,
- Karosseriereparaturen,
- Karosserieschlossereien.
Die Einteilung und die Beurteilung einer Werkstatt richtet sich in erster Linie nach deren Ausstattung:
Enthielt die Werkstatt eine Reparaturgrube und einen Ölabscheider?
Wurde die Werkstatt zusammen mit einer Tankstelle betrieben?
War eine Autowaschanlage vorhanden?
Wurden in der Werkstatt Lackierarbeiten durchgeführt?
Existierten auf dem Betriebsgelände Schrott- und/oder Autowrackplätze?
Ebenso gibt es bei den
Fuhrparks
zahlreiche Spezialtransporte bzw. -speditionen, die sich nach der Art
der umgeschlagenen Güter und nach der Struktur des Betriebes verifizieren(aus BKAT):
- Abfuhrgeschäfte,
- Autofernverkehr,
- Autolasttransporte,
- Autotransporte,
- Bahn- und Sammelgutverkehr,
- Bahnspeditionen,
- Eiltransporte,
- Ferntransporte,
- Frachtgeschäft,
- Fuhrunternehmen,
- Geldschranktransporte,
- Güterfernverkehr,
- Güternahverkehr,
- Holzspeditionen,
- Interzonenverkehr,
- Kippertransporte,
- Klaviertransporte,
- Kraftwagen-Kleintransporte,
- Kraftwagen-Sammelgutverkehr,
- Kraftwagenspedition,
- Lastkraftwagentransporte,
- Maschinentransporte,
- Möbelspeditionen,
- Obst- und Gemüsetransporte,
- Omnibusbetriebe,
- Rollfahrbetriebe,
- Rollfuhrunternehmen,
- Schwertransporte,
- Transportgeschäfte,
- Transportunternehmen,
- Viehtransporte,
- Weintransporte.

 
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Auch hier sind Fragen der Ausstattung und der Struktur des Betriebes zu klären:
Welche Güter wurden umgeschlagen?
War ein bedeutender Betriebshof vorhanden?
Gab es betriebseigene Wartungs- und Werkstätteneinrichtungen (z.B. Hebebühne, Reparaturgrube)?
Existierten betriebseigene Tankanlagen und Waschanlagen?
Wurden Lackierarbeiten durchgeführt?
1.3
Technologie
1.3.1
Wartung und Reparatur
Bei Wartungsarbeiten an Kraftfahrzeugen wurde überwiegend mit Schmierfetten, Betriebsflüssigkeiten
(Benzin, Bremsflüssigkeit, Motorenöl, Kühlwasser, etc.) und Batterieflüssigkeiten gehandhabt. Brems-
beläge und Stoßdämpfer wurden ausgewechselt, so dass eine Vielzahl von altlastenrelevanten Abfällen
anfiel. Ein Hauptproblem stellte die fachgerechte Entsorgung der Betriebsflüssigkeiten dar. Es sollte ei-
nen Schlammfang sowie einen Ölabscheider für die flüssigen Abfälle/Abwässer geben. Inwieweit aber
kleinere Werkstätten über diese Einrichtungen verfügten ist fraglich.
Altöl wurde gesammelt und in Fässern gelagert (siehe auch 1.3.5).
Die meisten Werkstätten verfügten über eine Hebebühne und eine Reparaturgrube.
Tab. 1: Altlastenrelevante Bereiche/Tätigkeiten bei der Wartung von Fahrzeugen
Bereich/Tätigkeit Abfallbezeichnung
relevante Stoffe in Abfäl-
len und sonstigen Verun-
reinigungen
Analysenparame-
ter
Schmierung
Schmierfette, feste fett- und
ölverschmutzte Betriebs-
mittel
Öle, Fette, Metall, Verun-
reinigungen
KW, Schwermetalle
Ölwechsel
Motoren- und Getriebeöle
mineralisches Grundöl,
Metallspäne, Additive
KW, PCB
Ölfilterwechsel Ölfilter-Kanister mineralisches Grundöl,
Metallspäne, Additive
KW, PCB
Wechsel der Brems-
flüssigkeit
Glykoläther
Di- und Triglykole, Öle,
Alterungsschutzmittel
Di- und Triglykole,
Glykoläther, PCB
Wechsel der Kühl-
flüssigkeit
Ethylenglykole, Methanol,
andere Alkohole
Glykole, Methanol, Ethanol Ethylenglykol
Wechsel der Brems-
beläge
Bremsbeläge
asbesthaltig
Asbest
Wartung und Wech-
sel der Batterie
Batterie, Bleischlamm,
Akkusäure
Schwefelsäure, Bleiverbin-
dungen
H
2
SO
4
, Pb, Sb, Cd,
Sn, As
Reifenwechsel
Altreifen
Hebebühnen
Hydrauliköle ohne und mit
PCB
Hydrauliköl, Metall
KW, PCB
Schlammfang,
Leichtflüssigkeits-
und Ölabscheider
Öl- und Benzinabscheider-
inhalte
Benzin, Mineralöl, Sand
KW, PCB
1.3.2
Reparatur- und Karosseriearbeiten
Neben reinen Wartungsarbeiten wurde und werden in KFZ-Werkstätten verschiedene Reparaturarbeiten
durchgeführt, welche altlastenrelevanten Charakter haben können (Lackieren, Entrosten, Karosseriear-
beiten).

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Tab. 2: Altlastenrelevante Bereiche/Tätigkeiten bei Reparaturen und Karosseriearbeiten
Bereich/Tätigkeit
Abfallbezeichnung
relevante Stoffe in Ab-
fällen und sonstigen
Verunreinigungen
Analysenparame-
ter
Schweißarbeiten an
Karosserieteilen
Spachteln
Schrott
Spachtelmasse
Schwermetalle
Schwermetalle
Korrosionsschutz
Rostumwandler, Zinkfar-
ben
Phosphorsäure, Oxalsäu-
re, Zinkfarben
Schwermetalle
Lackieren
Lackschlämme, Farbreste
Reinigungs- und Entfet-
tungsmittel, Verdün-
nungsmittel
Härter, Farbpigmente
Bindemittel
Petroleum, Testbenzin,
Kaltreiniger
Diisocyanate,
Schwermetalle,
Styrol
LCKW, EOX, BTX
Stoßdämpferwechsel
Stoßdämpfer und -öle
Mineralöl, Polymerisate
KW
Unterbodenschutz
Bitumenemulsionen
Kunstharze
hochmolekulare aliphati-
sche und zyklische KW
PAK
Schlammfang,
Leichtflüssigkeits- und
Ölabscheider
Öl- und Benzinabschei-
derinhalte
Benzin, Mineralöl, Sand
KW, PCB
1.3.3
Wagenpflege
Die Wagenpflege wurde in mit extra eingerichteten Anlagen durchgeführt. Die Unterbodenwäsche wur-
de in einem abgeschirmten System, das durch Fließbandanlagen bedient wurde, ausgeführt. Die Abwäs-
ser wurden einem Schlammfang und einem Ölabscheider zugeführt und danach in die Kanalisation ent-
lassen.
Für Fuhrparks muss zusätzlich die Reinigung der Lagerbehälter hervorgehoben werden, welche je nach
transportierten Gütern einen mehr oder weniger altlastenrelevanten Charakter besitzen.
Tab. 3: Altlastenrelevante Bereiche/Tätigkeiten bei der Wagenpflege
Bereich/Tätigkeit
Abfallbezeichnung
relevante Stoffe in Ab-
fällen und sonstigen
Verunreinigungen
Analysenparame-
ter
Hebebühnen, Fließbän-
der
Hydrauliköle ohne und
mit PCB
Hydrauliköl, Metall
KW, PCB
Wagenpflege
Waschmittel
Reinigungs- und Entfet-
tungsmittel, Verdün-
nungsmittel
Putzlappen, Putzwolle mit
Öl
Petroleum, Testbenzin,
Kaltreiniger
KW, BTX
Unterbodenschutz
Bitumenemulsionen
Kunstharze
hochmolekulare aliphati-
sche und zyklische KW
PAK
Schlammfang,
Leichtflüssigkeits- und
Ölabscheider
Öl- und Benzinabschei-
derinhalte
Benzin, Mineralöl, Sand
KW, PCB
1.3.4
Abfallentsorgung/Schrottplätze
Das Ab- und Zwischenlagern von Fahrzeugteilen, Altreifen, Autowracks und sonstigen Abfällen er-
folgte in den meisten Fällen auf dem betriebseigenen Gelände.

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1.3.5
Lagerung und Umschlag von Transportgütern
(relevant bei Fuhrparks),
Altöl und Lackreste
Auf dem Gelände von Fuhrparks wurden Güter jeglicher Art umgeschlagen und/oder zwischengelagert.
LKW-Fuhrparks existieren erst seit den 20er Jahren dieses Jahrhunderts.
Die zu lagernden Stoffe und deren Altlastenrelevanz sind abhängig von der Art und von der Verpa-
ckung der Güter (z.B. Tankfahrzeuge, Möbeltransport), so dass eine Charakterisierung sehr standortspe-
zifisch ist (siehe Abs. 1.2).
Alle KFZ-Werkstätten und Betriebshöfe sammelten Altöl in Fässern bis ca. 1000 l Größe. Diese Altöl-
fässer wurden im Werkstattbereich, in Lagerräumen oder in unterirdischen Tanks gelagert.
1.3.6
Betriebseigene Tankstellen/Öllager
Größere Fuhrparks haben in der Regel über eigene Tankstellen verfügt. Auf dem Gelände militärischer
Betriebshöfe ist mit größeren Tankanlagen und Öllagern zu rechnen. Einzelheiten hierzu sind dem
Branchenblatt „Tankstellen/Tanklager“ zu entnehmen.
1.4
Schadstoffe
Das Schadstoffspektrum richtet sich nach der Zusammensetzung der eingesetzten Materialien, der ver-
wendeten Hilfsstoffe sowie der entsprechenden Abfallstoffe.
Die vermutlich am häufigsten zu erwartenden Schadstoffe auf diesen Altstandorten sind Mineralöle,
Kohlenwasserstoffverbindungen sowie Schwermetalle und PCB. Unter Abschnitt 1.3 ist bereits eine
Aufzählung der anfallenden altlastenrelevanten Stoffe und Abfälle erfolgt.

 
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2
Hinweise zur Altlastenbehandlung
2.1
Altlastenrelevanz
Die jahrzehntelange Nutzung einer KFZ-Werkstätte oder eines Fuhrparks führte fast zwangsläufig zu
Verunreinigungen, die eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Die Ursachen dafür können sein:
- Unterbewertung und Unkenntnis des Gefährdungspotentials der anfallenden Stoffe
- Sorgloser und leichtfertiger Umgang mit den festen und flüssigen Einsatz- und Abfallstoffen bei Rei-
nigungs- und Reparaturarbeiten sowie bei der Lagerung
- Falsche Lagerung und Entsorgung von Lösungen (Lacken, Lösungsmittel...)
- Leckagen an Betriebsstofflagerbehältnissen, sonstige Havarien
- Handhabungsverluste bei Reparaturvorgängen
- Ablagerung von Schrott
- unbefestigte bzw. undichte Fußböden in den Betriebsräumen (z.B. aufgrund von Umbauarbeiten)
- Handhabungsverluste bei Transport- und Umfüllvorgängen
- ggf. Freiwerden von Kfz-Betriebsflüssigkeiten
- unsachgemäße Entsorgung von Ölabscheiderinhalten
- Arbeiten auf z.T. ungenügend befestigten Betriebsgeländen
speziell bei Waschanlagen:
- Leckagen an Behältnissen (Kaltreiniger, Betriebsstoffe u.a.m.)
- Abtropf- und Handhabungsverluste
- Undichtigkeiten im Abwassersystem
2.2
Gefährdete Schutzgüter und relevante Pfade
- Boden
- Grundwasser
- Oberflächenwasser
Bedingt durch die Nutzung dieser Schutzgüter sind Menschen, Tiere und Pflanzen direkt oder indirekt
betroffen.
2.3
Gefährdungsabschätzung nach der Sächsischen Altlastenmethodik (SALM)
Wegen des möglichen Gefährdungspotentials aufgrund der vorkommenden Schadstoffe, ist in jedem
Fall eine Gefährdungsabschätzung nach der Sächsischen Altlastenmethodik (Stufenprogramm) erfor-
derlich.
Existierten auf dem Werkstatt- oder Fuhrparkgelände betriebseigene Tankstellen, sollte das Branchen-
blatt „Tankstellen/Tanklager“ zusätzlich verwendet werden.
2.3.1
Verdachtsfallerfassung und Formale Erstbewertung
Die Verdachtsfallerfassung und formale Erstbewertung erfolgt nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM
FÜR
UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1997) im Sächsischen Altlastenkataster (SALKA).
Folgende Kriterien sind bei der Erfassung der KFZ-Werkstätten und Fuhrparks besonders zu beachten:
(6)
Art der Verdachtsfläche:
KFZ-Werkstätten und Fuhrparks gehören der Kategorie Altstandort
an.
(12S) Betriebsdauer:
Angabe der Jahreszahlen für Betriebsbeginn und –ende des betreffenden Alt-
standortes.
Einwirkdauer:
Die vermutliche Dauer des Stoffeintrages muss nicht mit der Betriebsdauer i-
dentisch sein (z.B. bei Havarien).

 
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Kontaminationsstatus:
Das aktuelle Kontaminationsgeschehen ist näher zu bezeichnen.
(18) Sohllage zum Grundwasser:
Die Tiefe der Werkstatt, der Reparatur-/Waschanlage etc. (ein-
schließlich Keller und Tanks) ist anzugeben und deren Lage zum Grundwasser entsprechend den
Vorgaben einzustufen.
(20A) Abgelagerte Schadstoffe:
Als umweltrelevante Abfälle von KFZ-Werkstätten und Fuhrparks
kommen die in Tab. 2 aufgeführten Abfallarten in Frage (Umstellungskatalog - KFZ-Branche)
Tab. 4: Umweltrelevante Abfälle von KFZ-Werkstätten, Fuhrparks
(aus: Umstellungskatalog – KFZ-Branche; Landesumweltamt Brandenburg)
ASN
(nach
LAGA)
Abfallbezeichnung nach
LAGA
Abfallbezeichnung nach
EAK
ASN
(nach EAK)
Gefähr-
dungs-
klasse
187 10
Papierfilter mit schädlichen
Verunreinigungen,
vorwiegend organisch
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
44
187 12
Zellstofftücher mit schädli-
chen Verunreinigungen,
vorwiegend organisch
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
55
187 18
Altpapier
Papier und Pappe
20 01 01
11
314 08
Glasabfälle, Altglas
Glas
17 02 02
22
314 23
Ölverunreinigter Boden
Bodenaushub,
Baggergut
sowie Abfälle aus Boden-
behandlungsanlagen mit
schädlichen Verunreinigun-
gen
17 05 99D1
44
314 28
Verbrauchte Ölbinder
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
44
351 03
Eisenschrott
Eisen und Stahl
17 04 05
35
351 06
Eisenmetallbehältnisse mit
schädlichen Verunreinigun-
gen (Heizöltanks)
Verpackungen mit
schädlichen Verunreinigun-
gen
15 01 99D1
44
351 07
Ölfilter
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
44
353 02
Bleihaltige Abfälle
Blei
17 04 03
44
353 22
Bleiakkumulatoren
Bleibatterien
16 06 01
44
353 23
Nickel-Cadmium-
Akkumulatoren
Ni-Cd-Batterien
16 06 03
44
353 24
Quecksilberbatterien
Quecksilbertrockenzellen
16 06 03
44
353 25
Trockenbatterien (-zellen)
Alkalibatterien
16 06 04
44
353 26
Quecksilber, -haltige Rück-
stände
Leuchtstoffröhren und an-
dere quecksilberhaltige
Abfälle
20 01 21
44
353 27
NE-Metallemballagen, -be-
hältnisse mit Reststoffen
Verpackungen mit
schädlichen Verunreinigun-
gen
15 01 99D1
44
521 01 Akku-Säuren
Elektrolyte von Batterien
und Akkumulatoren
16 06 06
55

 
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Fortsetzung Tab. 4: Umweltrelevante Abfälle von KFZ-Werkstätten, Fuhrparks
(aus: Umstellungskatalog – KFZ-Branche; Landesumweltamt Brandenburg)
ASN
(nach
LAGA)
Abfallbezeichnung nach
LAGA
Abfallbezeichnung nach
EAK
ASN
(nach EAK)
Gefähr-
dungs-
klasse
541 04
Verunreinigte
Kraftstoffe
aus dem Tanklager
Ölmischungen
13 06 01
44
541 08
Verunreinigte
Heizöle
(auch Dieselöle)
Ölmischungen
13 06 01
44
541 12
Verbrennungsmotoren- und
Getriebeöle
Nichtchlorierte Maschinen-,
Getriebe- und Schmieröle
13 02 02
45
541 12
Verbrennungsmotoren- und
Getriebeöle
andere Maschinen-, Getrie-
be- und Schmieröle
13 02 03
542 02
Fettabfälle
verbrauchte Wachse und
Fette
12 01 12
44
542 09 Feste fett- und ölver-
schmutzte Betriebsmittel
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
44
544 05
Kompressorenkondensate
andere Emulsionen
13 05 05
55
544 08
Sonstige Öl– und Wasser-
gemische
Abfälle aus der Reinigung
von Lagertanks, ölhaltig
16 07 06
44
547 01
Sandfangrückstände
Schlämme
aus
Einlauf-
schächten
13 05 03
44
547 02
Öl- und Benzinabscheider-
inhalte
Schlämme aus Öl-/ Wasser-
abscheidern
13 05 02
44
547 03
Schlamm aus Öltrennanla-
gen
Schlämme aus Öl-/ Wasser-
abscheidern
13 05 02
44
552 05
Kältemittel
(FKW-
Kältemittel und derglei-
chen)
Fluorchlorkohlenwasser-
stoffe
14 04 01
55
552 20
Lösemittelgemische, halo-
genhaltig
andere halogenierte Löse-
mittel und Lösemittelgemi-
sche
14 01 02
56
553 03
Äthylenglykol
andere Lösemittel und Lö-
semittelgemische
14 01 03
55
553 26
Waschbenzin,
Petroläther,
Ligroin, Testbenzin
andere Lösemittel und Lö-
semittelgemische
14 01 03
55
553 56
Glykoläther
Bremsflüssigkeit
13 01 08
55
553 57
Kaltreiniger, halogenfrei
andere Lösemittel und Lö-
semittelgemische
14 01 03
55
553 59
Farb- und Lackverdünner
(Nitroverdünnungen)
andere organische Löse-
mittel, Waschflüssigkeiten
und Mutterlaugen
07 03 04
45
553 60
Petroleum
andere Lösemittel und Lö-
semittelgemische
14 01 03
45
553 70
Lösemittelgemische, halo-
genfrei
andere Lösemittel und Lö-
semittelgemische
14 01 03
46
555 01
Lackierereiabfälle
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
ausgehärtete Farben und
Lacke
Abfälle aus der Farb- und
Lackentfernung
15 02 99D1
08 01 05
08 01 09
46

 
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Fortsetzung Tab. 2: Umweltrelevante Abfälle von KFZ-Werkstätten, Fuhrparks
(aus: Umstellungskatalog – KFZ-Branche; Landesumweltamt Brandenburg)
ASN
(nach
LAGA)
Abfallbezeichnung nach
LAGA
Abfallbezeichnung nach
EAK
ASN
(nach EAK)
Gefähr-
dungs-
klasse
555 02
Altlacke, Altfarben
alte Farben und Lacke, die
halogenierte Lösemittel
enthalten
alte Farben und Lacke, die
keine halogenierten Löse-
mittel enthalten
Abfälle von Farben und
Lacken auf Wasserbasis
08 01 01
08 01 02
08 01 03
45
555 03
Lack- und Farbschlamm
Schlämme aus der Farb-
und Lackentfernung, die
keine halogenierten Löse-
mittel enthalten
08 01 07
56
555 07
Farbmittel, ausgehärtet
ausgehärtete
Farben
und
Lacke
08 01 05
44
559 02
Kitt- und Spachtelabfälle
ausgehärtete Klebstoffe und
Dichtungsmassen
08 04 04
55
571 08
Polysterolabfälle
Kunststoff
15 01 02
33
571 16
PVC-Abfälle
Kunststoff
15 01 02
33
571 18
Kunststoffemballagen
Kunststoff
15 01 02
33
571 19
Verunreinigte
Kunststoff-
folien
Kunststoff
15 01 02
33
571 27
Kunststoffemballagen und
-behältnisse mit Reststoffen
Verpackungen mit
schädlichen Verunreinigun-
gen
15 01 99D1
44
571 28
Polyolefinabfälle
Kunststoff
15 01 02
44
575 01
Gummiabfälle
Abfälle a.n.g.
07 02 99
33
575 02
Altreifen und -schnitzel
Altreifen
16 01 03
33
581 10
Putztücher
Aufsaug- und Filtermateri-
alien, Wischtücher und
Schutzkleidung mit schädli-
chen Verunreinigungen
15 02 99D1
45
911 01
Hausmüll
gemischte Siedlungsabfälle
20 03 01
24
912 01
Verpackungsmaterial
und
Kartonagen
Papier und Pappe
15 01 01
23
(20S) Einordnung nach Branchenschlüssel und Gefährdungsklasse:
Tab. 5: Einordnung der KFZ-Werkstätten und Fuhrparks nach Branchenschlüssel
Branchenschlüssel
Branche
Gefährdungsklasse
2010
Fuhrpark/Autohandel/Motorradhandel
24
2070
Handel und Lagerung von Mineralölpro-
dukten und Altöl
55
2090
Schrottplätze, Autoverwertung
35
2150
Autoreparaturwerkstätten
24
2160
Autolackierereien
45
2.3.2
Historische Erkundung und Bewertung (Beweisniveau 1)
Die Historische Erkundung ist nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDESENTWICKLUNG (1998) durchzuführen.

Seite 10
Die Bewertung für den Boden hat nach S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND
LANDESENTWICKLUNG (1995 b) zu erfolgen. Das Grundwasser wird nach SÄCHSISCHES STAATS-
MINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 a) bewertet und für das Oberflächenwas-
ser gilt künftig S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (in Vorbe-
reitung).
Stoffgefährlichkeit (r
o
)
Für die Branchen KFZ-Werkstätten und Fuhrparks liegt der r
o
-Wertebereich zwischen 3 und 5 (nach
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung (1995 b).
In Abhängigkeit von den technologischen Bedingungen eines Betriebes ergeben sich z.B. bei Vorhan-
densein einer Lackiererei oder bei der Lagerung von Altöl entsprechend Tab. 4 höhere r
o
-
Wertebereiche.
Tab. 6: r
o
- Wertebereich der Branchen
Branchenschlüssel
Branche
r
o
-Wertebereich
2010
Fuhrpark/Autohandel/Motorradhandel
3 - 5
2070
Handel und Lagerung von Mineralölpro-
dukten und Altöl
4 - 6
2090
Schrottplätze, Autoverwertung
4 - 6
2150
Autoreparaturwerkstätten
3 - 5
2160
Autolackierereien
5 - 6
Örtliche Bedingungen (m-Werte)
Bewertung des Grundwassers:
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDES-
ENTWICKLUNG (1995 a)
- Ermittlung des
m
I
- Wertes - Bewertung der Möglichkeiten des Schadstoffaustrages aus der Altlast
(Schadstoffaustrag):
-
Lage zum Grundwasser
-
Sohlabdichtung
-
Oberflächenabdeckung, -abdichtung, -wasserableitung,
-
Niederschlag, andere Wasserzutritte
-
Kontaminationsfläche
-
Löslichkeit und Aggregatzustand der Schadstoffe
- Ermittlung des
m
II
- Wertes - Bewertung der Wahrscheinlichkeit, mit der Schadstoffe das Grundwas-
ser erreichen (Schadstoffeintrag):
-
Art des Grundwasserleiters, Grundwassergeschütztheitsklasse
-
k
f
-Wert der hangenden Gesteinshülle
-
Flurabstand des Grundwassers
-
Ton- und Humusgehalt, Acidität des Bodens
-
Sorbierbarkeit, Abbaubarkeit des Schadstoffes, Lösungsvermittler
- Ermittlung des
m
III
- Wertes - Bewertung von Transport bzw. Migration und Wirkung im Grundwasser
(Transport/Wirkung):
-
Grundwasserfließrichtung, Abstandsgeschwindigkeit
-
Sorption und Abbaubarkeit im Grundwasserleiter
- Ermittlung des
m
IV
- Wertes - Einschätzung der Bedeutung des Grundwassers als Wasserressource:
-
Grundwasserqualität, - dargebot
-
Grundwassernutzungskriterien
-
Aufbereitungsmöglichkeiten
-
Fließzeit bis zur Entnahmestelle

 
Seite 11
KFZ-Werkstätten und Fuhrparks sind Altstandorte. Bei Altstandorten ist der hydrogeologische Stand-
orttyp festzulegen.
Bewertung des Bodens
: S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG
(1995 b)
Ermittlung des
m
I
- Wertes (Schadstoffaustrag):
- Fallbestimmung; m
I
– Grundwert festlegen
abhängig von: Kontaminationsfläche, Barrieren, Schadstoffeigenschaften, Standortverhältnisse,
Acidität des Bodens, Sorption
Ermittlung des
m
II
- Wertes (Schadstoffeintrag):
- wird durch die Entfernung Altstandort/Altlastverdachtsfläche zum Schutzobjekt bestimmt
- dementsprechend standortabhängig
- Hindernisse auf Ausbreitungsweg, Abdeckungen
Ermittlung des
m
III
- Wertes (Schadstoffverhalten im Boden):
- Abbau der Schadstoffe in Abhängigkeit der Schadstoffeigenschaften und der
Standortbedingungen
- toxische Abbauprodukte
- Verweilzeit im Boden
- Sorption/Bindungsstärke je nach Nutzung
Ermittlung des
m
IV
– Wertes: Nutzung des Altstandortes
2.3.3
Technische Erkundung (Beweisniveau 2 und 3)
Die Orientierende Untersuchung ist unter Beachtung von S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND
GEOLOGIE (1998) durchzuführen. Prüf- und Maßnahmen- sowie Orientierungswerte sind SÄCHSISCHES
LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorbereitung) zu entnehmen.
Tab. 7: Branchenspezifische Analysenparameter in Abhängigkeit vom Probenahmemedium
(in Anlehnung an: Altlasten-Analytik, Parameterliste)
Wasser
a)
Boden
Analysenparameter
12341234
Luft
b)
r
0
Prioritätsstufe 1
Phosphat (gesamt)
×
×
Chlorid
×
(
×
)
2,0
Sulfat
×
×
×
1,5
Sulfit
×
Sulfid
×
×
3,0
Fe, Mn
×
×
(
×
)
×
×
(
×
)
Pb
×
×
(
×
)(
×
)
×
×
(
×
)(
×
)
4,0
Cd
×
(
×
)
×
×
(
×
)
×
5,0
Cr und Cr
IV
×
(
×
)
×
(
×
)
4,5
Zn
×
×
(
×
)
×
×
×
(
×
)
×
1,5
Sn, Co, Sb, Ti, Be,
Ge, Se, Zr, Sr, Al
×
(
×
)(
×
)(
×
) (
×
)
4,0

 
Seite 12
Fortsetzung Tab. 7: branchenspezifische Analysenparameter in Abhängigkeit vom Probenahmemedium
(in Anlehnung an: Altlasten-Analytik, Parameterliste)
Wasser
a)
Boden
Analysenparameter
12341234
Luft
b)
r
0
KW
× × × × ×
××
×
5,0
lfl. KW
×
×
×
(
×
)
×
×
×
(
×
)
×
1,2,3,4
5,0
BTX
×
×
×
(
×
)
×
×
×
(
×
)
×
1,2,3,4
3-6
AOX/EOX
×
×
×
(
×
)
×
×
×
(
×
)
lfl. HKW
× ×
××
× ×
×
1,2,3 6,0
PCB/PCT
(
×
)
×
(
×
)(
×
)
×
(
×
)
5,5-6,0
PAK (ab 3 Kernen)
×
×
Phthalsäureester
(
×
)
×
(
×
)
×
Aromatische Amine
×
×
Ester und Ketone
×
×
×
1
ein- und mehrwerti-
ge Alkohole
×
×
×
×
Sonderparameter
(
×
)
×
(
×
)
×
Methan
×
2,3
CO
2
×
2,3
H
2
S
×
4
Stickstoff
×
2,3
Prioritätsstufe 2
Bor
×
×
Cu
×
×
Ni
×
×
Phenolindex
×
×
Nitroaromate
×
×
organische Säuren
×
×
×
×
a)
für Grundwasser, Sickerwasser, Oberflächenwasser und Bodeneluat
b)
Bodenluft
1)
Lackierereien
2)
Werkstätten, Fuhrparks, Betriebshöfe
3)
Altmetall- und Schrotthandel
4)
Altreifenlagerung und –behandlung
r
o
- Stoffgefährlichkeit einiger ausgewählter Beispiele
(×) Parameter der Prioritätsstufe 2
2.4
Sanierung
Die Sanierungsmaßnahmen werden im Bereich der ehemaligen Betriebsgelände von Werkstätten und
Fuhrparks vor allem die Schutzgüter Boden und Grundwasser betreffen. Die gewählten Methoden müs-
sen zur Sanierung von überwiegend Mineralöl-, PAK-, PCB-, BTX- und schwermetallhaltiger Konta-
minationen geeignet sein. Die sinnvolle Kombination mehrerer Dekontaminationsverfahren führt in den
meisten Fällen zu einem erfolgreichen effektiven Abbau der Schadstoffe. Neben rein mikrobiologischen
in situ-, on-site- oder off-site- Verfahren bieten sich bei einem Schadstoffinventar von Mineralöl, PAK,
BTX, PCB Kombinationen aus hydraulischen- , pneumatischen- und Sicherungsverfahren an. Dabei ist
die Bodenart ein wichtiges Entscheidungskriterium.
2.4.1
Mikrobiologische Dekontaminationsverfahren
Diese Verfahren nutzen die Fähigkeit von Mikroorganismen, organische Verbindungen (Substrate) un-
ter geeigneten Bedingungen zu CO
2
, H
2
O und Biomasse umzusetzen. Vor allem im Bereich von Mine-
ralölverunreinigungen findet dieses Verfahren vielfach Anwendung. Standortspezifische Schadstoffe
wie BTX, Phenol, PAK, CKW und PCB werden erfolgreich biologisch neutralisiert/abgebaut.

 
Seite 13
Die Faktoren, die den biologischen Abbau beeinflussen sind:
Schadstoffkonzentration, Schadstoffart,
Hemmstoffe, Nährstoffe, Sauerstoff, Wasser, Bodenstruktur, Temperatur.
2.4.2
Bodenluftreinigung
Liegen in der wasserungesättigten Bodenzone leichtflüchtige Schadstoffe vor, so bietet sich die Reini-
gung dieses Teils des Untergrundes durch Absaugen der Bodenluft an. Die Bodenluftabsaugung ist ei-
nes der kostengünstigsten und effektivsten Verfahren zur Beseitigung von leichtflüchtigen Schadstof-
fen.
Durch Absaugung können folgende leichtflüchtige Schadstoffe entfernt werden:
-
LHKW
-
Benzol, Toluol, Xylole (BTX) u.ä.
-
Naphthalin
-
verschiedene Äther und Ketone
Dieses Verfahren ist jedoch beschränkt effektiv für gut durchlässige Böden. Mit zunehmender Verfeine-
rung des Korns sinkt die Reichweite dieser Sanierungsmöglichkeit. Tabelle 8 verdeutlicht diesen Zu-
sammenhang:
Tab. 8: Erfahrungswerte-Reichweite in unterschiedlichen Bodenarten (DIN 18 130
Bodenart
Durchlässigkeit (k
f
-Wert
für Wasser)
Reichweite (grober An-
haltswert)
stark durchlässiger sandiger Kies
> 10
-4
m/s
50 m
durchlässige Sand-Schluff-Gemische
10
-4
– 10
-6
m/s
20 m
gering durchlässiger toniger Schluff
10
-6
– 10
-8
m/s
10 m
2.4.3
Grundwasserhydraulische Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen
Die Grundwasserförderung des mit Schadstoffen belasteten Grundwassers und die Reinigung über Ad-
sorberstoffe bzw. die Reinigung in einer Kläranlage sind aktive hydraulische Verfahren, die in Kombi-
nation mit anderen Sicherungsmaßnahmen vielfach bei Altstandorten zur Anwendung kommen.
Spezifisch leichte Stoffe können mit besonderen Vorrichtungen (Absaugpumpen, Skimmern, Spezial-
filtern) von der Grundwasseroberfläche abgeschöpft und separat entsorgt werden. Dafür ist ein Absenk-
brunnen erforderlich.
Leichtflüchtige Stoffe (LHKW, BTX) können in einer Stripanlage in die Gasphase überführt und an-
schließend in einem Adsorptionsfilter von dieser getrennt werden.
Grundwasserzirkulationsbrunnensysteme (GZB) sind geeignet für die Entfernung von LCKW, BTX.
Es gibt unterschiedliche Verfahren der GZB, die alle zum gleichen Ziel führen:
- Unterdruck-Verdampfer-Brunnen (UVB),
- Hydro-Airlift-Brunnen (HAB), zusätzlich bei Mineralölen und Phenolen mit Bioreaktor
- Brunnen mit Luft- oder Pumpenantrieb zur Erzeugung der Zirkulationsströmung im Untergrund mit
unterschiedlichen in-situ Reaktoren bzw. on-site zur Aufbereitung kontaminierter Wässer
2.4.4
Wasch- und Extraktionsverfahren
In Abhängigkeit der standortspezifischen Bodenverhältnisse (in vorwiegend kiesigen bis sandigen Bö-
den) bietet sich das Waschverfahren an. Durch den hohen technischen Aufwand bei der Reinigung des
ausgehobenen Bodens entstehen jedoch hohe Kosten. Vorteilhaft ist die Entfernung von organischen
und anorganische Kontaminationen aus dem Boden. Diese Verfahren sind gut geeignet bei der Beseiti-
gung von PCB, BTX, KW, Mineralöl und LCKW. Lediglich bei PAK ab 5 Ringen (geringe Löslich-
keit) und bei Schwermetallen (geringe Löslichkeit) sowie bei Lehm- und Tonböden ist dieses Verfahren
begrenzt wirksam bzw. nicht geeignet.

 
Seite 14
2.4.5
Thermische Bodenbehandlung
Thermische Verfahren kommen vor allem bei der Beseitigung von organischen Substanzen in Frage.
Für die Branche KFZ-Werkstätten/Fuhrparks sind dies folgende Substanzen/Schadstoffe: Mineralöl-
kohlenwasserstoffe, BTX, PAK. Für die Beseitigung von Schwermetallen sollten Hochtemperaturen
angewendet werden (geringe Flüchtigkeit). In den Prozessschritten Verdampfung – Nachverbrennung –
Rauchgasreinigung werden die Schadstoffe in die gasförmige Phase überführt und dem kontaminierten
Feststoff entzogen.
Tab. 9: Erforderliche Temperaturen zur Verdampfung und Zerstörung von Schadstoffen
Verunreinigungen
erforderliche Temperatur in [°C]
Verdampfung
Zerstörung
Mineralölkohlenwasserstoffe
200 - 300
750
BTX
200 - 300
800
PAK
300 - 400
850
2.4.6
Anbieter von Leistungen zur Altlastenbehandlung
Firmen und Einrichtungen, die sich mit der Behandlung von Altlasten beschäftigen, sind dem Anbieter-
verzeichnis von Leistungen zur Altlastenbehandlung im Freistaat Sachsen zu entnehmen. Informationen
aus diesem Verzeichnis sind über die IHK- Niederlassungen Sachsens bzw. deren Internet-Adressen er-
hältlich:
-
http://www.chemnitz.ihk.de,
-
http://www.leipzig.ihk.de
und
-
http://www.dresden.ihk.de.
Weiterhin sind in Fachzeitschriften (z.B. Grundwasser - Zeitschrift der Fachsektion Hydrogeologie,
Wasser & Boden, Korrespondenz Abwasser, Umwelt News, Altlastenspektrum, Altlasten-Aktuell),
Publikationen über innovative Altlastenbehandlungen und Anbieter von Leistungen zur Altlasten-
behandlung recherchierbar.
In Arbeit ist eine Publikation mit Referenzobjekten zu den branchenbezogenen Altlasten, die im Rah-
men des Sächsischen Altlastenfachinformationssystems "SALFA-WEB" im Internet
(http://www.lfug.de)
und auf CD-ROM veröffentlicht werden.
Bundesweite Angaben enthält das „Technologieregister zur Sanierung von Altlasten“ (EDV-Programm
TERESA). Aktuelle Informationen sind auch über den Ingenieurtechnischen Verband Altlasten (ITVA)
erhältlich.
Abfalltechnische Behandlungsanlagen (thermische, biologische und chemisch-physikalische Bodenbe-
handlungszentren) sind im „Abfalltechnischen Anlagenkataster (ANKA)“ des LfUG sowie in regelmä-
ßigen Publikationen wie der Zeitschrift TERRATECH recherchierbar.

 
Seite 15
3.
Literaturhinweise
GIHR, R.; DANIEL, B.; GRAMATTE, A.; RIPPEN, G.; WIESERT, P.: Altlasten-Analytik, Parameterliste zur
branchenspezifischen Auswahl von Analysenparametern für Altstandorte
G
OSSOW, V.: Altlastensanierung – Genehmigungsrechtliche, bautechnische und haftungsrechtliche As-
pekte. Udo Pfriemer Buchverlag in der Bauverlag GmbH, Wiesbaden und Berlin, 1992
LAGA-I
NFORMATIONSSCHRIFT Altablagerungen und Altlasten. Erich Schmidt Verlag, 1993
L
ANDESUMWELTAMT BRANDENBURG (1998): Einführung des Europäischen Abfallkataloges im Land
Brandenburg.- Umstellungskatalog – KFZ-Branche
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (1998): Probenahme bei der Technischen Er-
kundung von Altlasten. Materialien zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Radebeul.
S
ÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (in Vorbereitung): Empfehlungen zur Handha-
bung von Orientierungs-, Prüf- und Maßnahmenwerten, Materialien zur Altlastenbehandlung in Sach-
sen, Dresden (erscheint 2000)
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 a): Gefährdungsab-
schätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser, Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 3, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1995 b): Gefährdungsab-
schätzung, Pfad und Schutzgut Boden, Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 4, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1997): Verdachtsfaller-
fassung und formale Erstbewertung, Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 2, Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (1998): Historische Er-
kundung von altlastenverdächtigen Flächen, Materialien zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Band 4,
Dresden.
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (1999): Sanierungsuntersu-
chung, Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 8, Dresden
S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDESENTWICKLUNG (in Vorbereitung): Ge-
fährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Oberflächenwasser, Handbuch zur Altlastenbehandlung,
Teil 5, Dresden.
S
CHMEKEN, W.: TA Abfall, TA Siedlungsabfall, Deutscher Gemeindeverlag und Verlag W. Kohl-
hammer, 1993
U
MWELTFORSCHUNGSPLAN DES BUNDESMINISTERS DES INNERN – BODENSCHUTZ, FORSCHUNGSBERICHT
107 03001, Kinner, U.; Kötter, L.; Niclauß, M.: Branchentypische Inventarisierung von Boden-
kontamination – ein erster Schritt zur Gefährdungsabschätzung für ehemalige Betriebsgelände; 1986
V
ERORDNUNG ZUR EINFÜHRUNG DES EUROPÄISCHEN ABFALLKATALOGS (EAK-Verordnung-EAKV) –
13.09.1996
V
ERORDNUNG ZUR BESTIMMUNG VON BESONDERS ÜBERWACHUNGSBEDÜRFTIGEN ABFÄLLEN (Bestim-
mungsverordnung besonders überwachungsbedürftige Abfälle - BestbüAbfV)
V
ERORDNUNG ZUR BESTIMMUNG VON ÜBERWACHUNGSBEDÜRFTIGEN ABFÄLLEN ZUR VERWERTUNG
(Bestimmungsverordnung überwachungsbedürftige Abfälle zur Verwertung - BestüVAbfV)
W
ÖRTERBUCH ARBEITSSICHERHEIT & GESUNDHEITSSCHUTZ: Universum Verlagsanstalt, 1993