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Sächsisches Landesamt Branchenbezogene Merkblätter
Stand: 12/01
für Umwelt und Geologie
zur Altlastenbehandlung
Bearbeiter: Prof. Burmeier
Ingenieurgesellschaft mbH
Dipl.-Chem. Marco Wenzel
Referat Altlasten
16: Metallbe- und –verarbeitung
Seiten: 16
1
Branchentypisches Schadstoffpotential
1.1 Gesetzliche Grundlagen
Folgende Vorschriften haben in der ehemaligen DDR Arbeits- und Hilfsstoffe der Metallbe- und
-verarbeitung spezifiziert:
TGL 7437/02
Schweißzusatzwerkstoffe - UP- Schweißpulver
TGL 17542
Hydrauliköl
TGL 35286
Schweißzusatzwerkstoffe für Eisen und Stahl
TGL 35308
Epoxydharzklebstoffe ‚Epasol’
TGL 37097
Schmierstoffe für die Erzeugnisschmierung
TGL 37138
Epoxydharzklebkitte
Folgende relevante Gesetze haben in der ehemaligen DDR gegolten:
Wassergesetz (2. Juli 1982)
Abwassereinleitungsbedingungen (9. Juni 1975)
Wasserschadstoffverordnung (15. Dezember 1977)
Giftgesetz (7. April 1977)
Landeskulturgesetz (14. Mai 1970)
Folgende Gesetze sind aktuell zu berücksichtigen:
Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG, 17. März 1998)
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV, 12. Juli 1999)
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (27. September 1994)
Wasserhaushaltsgesetz (WHG, 12. November 1996)
Trinkwasserverordnung (03. Dezember 1998, ab 01. Januar 2003 gültig)
Chemikaliengesetz (25. Juli 1994)
Baugesetzbuch mit Bauordnung
Bundesnaturschutzgesetz (21. September 1998)
DDR: Umweltrahmengesetz (29. Juni 1990)
Sächsisches Wassergesetz (21. Juli 1998)
Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz (31. Mai 1999)
Sächsische Bauordnung (18. März 1999)
Sächsisches Naturschutzgesetz (11. Oktober 1994)
Naturschutz- Ausgleichsverordnung (30. März 1995)
1.2 Einteilung
Die Einteilung des Branchenkatalogs in Anlehnung an das Handbuch zur Altlastenbehandlung [6] ist in Be-
zug auf die metallbe- und -verarbeitende Industrie teilweise technologie- und teilweise produktbezogen ge-
gliedert. Die hier betrachteten Branchen sind in der
Tabelle 6
(S. 13) aufgelistet.
Die Metallbe- und -verarbeitung grenzt sich gegen die Metallgewinnung (Hochofen, Hütten und Schmelz-
werke) und den Branchen der Elektrotechnik (Herstellen von Batterien, Akkumulatoren und Transformato-
ren) ab. Die Gießereibranche wird im Handbuch zur Altlastenbehandlung - Branchenbezogene Merkblätter
[15] unter Nr. 3 Gießereien behandelt.

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Im Zusammenhang mit der Nutzung des vorliegenden Branchenblattes können auch folgende Teile des
Handbuches [15] im Einzelfall hilfreich sein:
Nr. 4
Tankstellen/Tanklager
Nr. 6
Galvanik
Nr. 11
Kfz-Werkstätten/Fuhrparks
Nr. 13
Lackierereien
1.3 Technologie
Die Einteilung der Technologien der metallbe- und –verarbeitenden Industrie in Anlehnung an die DIN
8580 [3] gibt die
Abbildung 1
wieder.
Urformen
Umformen
Fügen
Trennen
Beschichten
Stoffeigen-
schaftsändern
Gießen, Sin-
tern, Pulver-
metallurgie
Schmieden,
Pressen, Wal-
zen, Ziehen
Schweißen,
Löten, Kleben,
Nieten
Metallische
Schutzschichten,
Nichtmetallische
anorganische
Schutzschichten,
Organische
Schutzschichten
Wärmebe-
hand-lung,
Sintern/ Bren-
nen
Zerteilen
Spanen
Abtragen
Schneiden, Spalten, Stanzen
Drehen, Bohren, Fräsen, Räu-
men, Schleifen, Honen, Läppen
Chemisches und elektrochemi-
sches Abtragen, Elektroerosives
Abtragen, Laserstrahlbearbei-
tung, Druckstrahlabtragung
Abbildung 1: Einteilung der metallbe- und –verarbeitenden Technologien in Anlehnung an DIN 8580 [3]
______
Anmerkungen:
Urformen, Umformen und Fügen werden häufig unter dem Begriff ‚Spanlose Formgebung’ zusammengefasst.
Die Verfahren des Abtragens wurden in der DDR sehr selten eingesetzt, so dass auf sie hier nicht explizit einge-
gangen wird.
Der typische Verfahrensablauf in der Metallbe- und -verarbeitung besteht aus
dem Vorbereiten (z. B. Reinigen, Entfetten),
der Bearbeitung (z.B. Bohren, Drehen) und
der Nachbehandlung (z. B. Härten, Lackieren).
In
Abbildung 2
sind typische Prozesse mit ihren Produktionshilfsstoffen und daraus entstehende
Schadstoffe zusammengestellt.
Technologie

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Arbeitsgang Hilfsstoffe Schadstoffe
Vorbehandlung
Entfetten Entfettungsbäder LHKW, BTEX
Beizen
Beizbäder
Salze, Säuren, Basen
Reinigen
Reinigungsbäder Tenside, MKW
Bearbeitung
Umformen
Kühlschmierstoffe MKW, Schwermetalle
Trennen
Kühlschmierstoffe MKW, Schwermetalle
Abtragen
Kühlschmierstoffe MKW, Schwermetalle
Spannende Fertigung
Kühlschmierstoffe MKW, Schwermetalle
Schweißen/Löten/ Nieten
Schweißstoffe (Legierungen),
Flussmittel
Al, Schwermetalle, Salze
Fügen/Kleben
Kleber BTEX, LHKW
Nachbehandlung
Härten
Öl-, Salzbäder
MKW, Cyanide, Salze
Beschichten mit:
Metallen
Säuren, Basen, Salze, Schwer-
metalle, Schwefel, Graphit
Al, Schwermetalle, Salze
Anorganischen Nichtmetallen
Säuren, Basen, Salze,
Säuren, Basen, Salze
Organika
Lösungsmittel, Polymerisate
MKW, LHKW
Abbildung 2: Schadstoffe im Verfahrensablauf der Metallbe- und -verarbeitung (Schema)
Als Produktionsgrundstoffe wurden die
Metalle
Eisen, Aluminium und in einigen Fällen auch Blei einge-
setzt. Als Produktionshilfsstoffe oder als Legierungsmetalle können fast alle
Schwermetalle
auftreten. Die
wichtigsten sind Cadmium (Cd), Cobalt (Co), Zink (Zn), Chrom (Cr), Quecksilber (Hg), Zinn (Sn), Nickel
(Ni), Mangan (Mn), Molybdän (Mo), Arsen (As), Antimon (Sb), Wismut (Bi).
Beim Beizen wurden vorrangig die
Säuren
Salzsäure (HCl) und Schwefelsäure (H
2
SO
4
) verwendet. Salpe-
tersäure (HNO
3
) und Phosphorsäure (H
3
PO
4
) kamen bei der Vorbehandlung von Werkstücken zum Einsatz.
Als
Base
wurde vorrangig Natronlauge (NaOH) eingesetzt.
Beim Härten wurden folgende
Salze
häufig verwendet: Bariumnitrat (BaNO
3
), Bariumchlorid (BaCl
2
) und
Natriumnitrat (NaNO
3
).
Die am häufigsten als Entfettungsmittel eingesetzten
LHKW
waren Trichlormethan (Chloroform), Tetra-
chlormethan (Tetra), Trichlorethen (Tri), Tetrachlorethen (Per). Da Reinigungsmittel als Gemische bzw. in
der Reinheitsklasse ‚technisch’ verwendet wurden, ist mit dem Auftreten weiterer Vertreter der LHKW wie
Monochlormethan, Dichlormethan, Monochlorethan, Dichlorethan, 1,1,1- Trichlorethan, Monochlorethen,
Dichlorethen zu rechnen.
In der
Tabelle 1
werden weitere Quellen für Schadstoffe aufgeführt, die häufig in Betrieben der metallbe-
und verarbeitenden Industrie anzutreffen sind, aber nicht direkt den Be- und -verarbeitungstechnologien zu-
geordnet werden können.

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Tabelle 1: Technologieunspezifische Schadstoffe der Metallbe- und -verarbeitenden Branche
Quelle
Einsatz-/Hilfsstoffe
Schadstoffe
Maschinen Hydrauliköl MKW, Phosphorsäureester
Maschinen
Schmierstoffe
MKW, PAK, MoS
2
Transformatoren Transformatorenöl MKW, PCB
Feuerungsanlagen
Verbrennen von Abprodukten
PAK, Dioxine, Schwermetalle
Werkstätten Schmierstoffe, Kühlschmier-
stoffe
MKW, LHKW, BTEX
Garagen Schmierstoffe, Kraftstoffe,
Waschmittel
MKW, Tenside, LHKW
1.3 Schadstoffe
Der wichtigste Produktionsgrundstoff ist das
Metall Eisen
. Bei unsachgemäßer Lagerung können anhaften-
de Produktionshilfsstoffe von Produkten und Abfällen in den Boden eingetragen werden. Eisen selbst ist
nicht altlastenrelevant.
Schwermetalle
werden als Produktionsgrund- und -hilfsstoffe eingesetzt. Schwermetalle können als Spu-
renelemente in Werkstücken und Legierungen vorkommen. Durch verschiedene Bearbeitungsschritte
(z. B. Beizen) können Schwermetalle aus den Werkstücken herausgelöst, d.h. mobilisiert werden. Als Lö-
sungsvermittler wirken Komplexbildner (z. B. Cyanid), Basen (z. B. bei Zn, Al) und/ oder Säuren. Elemen-
tare Schwermetalle und Schwermetalloxide sind bei Raumtemperatur fest und daher immobil (Ausnahme:
Späne und Stäube).
Schwermetalle und ihre Verbindungen wirken i.d.R. chronisch toxisch, weil sie im menschlichen Körper
akkumuliert werden. Spezifische Aussagen für die Elemente
Blei, Cadmium
und
Chrom
finden sich in [15,
Nr. 14 Ziegeleien S. 5].
Das Schwermetall
Zink
ist Produktionsgrundstoff beim Verzinken. Als essentielles Spurenelement wird es
im menschlichen Körper benötigt. Zu hohe Konzentrationen können zu Magen-Darm-Störungen und zu Ge-
lenk- und Muskelschmerzen führen. Zinkchromat ist cancerogen. Bei Tieren werden Reizungen der
Schleimhaut und Funktionsstörungen in der Folge durch Komplexbildung mit Enzymen beobachtet. Zink-
verbindungen sind in der Regel wasserlöslich.
Das Schwermetall
Nickel
wird als Legierungsmetall und Beschichtung verwendet. Nickelverbindungen
wirken bei Menschen und Tieren im Atemtrakt krebserzeugend. Nickel ist ein Kontaktallergen. Es sind so-
wohl wasserlösliche Nickelverbindungen (Chlorid, Sulfat) als auch schwererlösliche Nickeloxide und
-sulfide relevant.
Das Schwermetall
Quecksilber
kann als untergeordneter Bestandteil in Legierungen oder metallischen
Hilfsstoffen auftreten. Es ist bei Raumtemperatur in elementarer Form flüssig und flüchtig (hoher Dampf-
druck bei Raumtemperatur). Organische Quecksilberverbindungen sind stark toxisch. Im menschlichen
Körper blockiert Quecksilber Enzyme, indem es sich anlagert. Unter natürlichen Bedingungen sind sowohl
Oxidations- und Reduktionsreaktionen als auch die Bindung an organische Stoffe nachgewiesen worden.
Aluminium
und seine Verbindungen werden sowohl als Produktionsgrund- als auch als -hilfsstoffe ver-
wendet. Durch organische Komplexbildner, starke Säuren (bei pH < 5) und Basen (pH > 8), wird Alumini-
um mobilisiert. Aluminium ist fischtoxisch und greift bei Menschen das Zentralnervensystem an.
Cyanide
als Beiz- und Härtesalze werden in entsprechenden Bädern verwendet. Vor allem durch Komple-
xierung werden Schwermetalle aus dem Werkstück extrahiert. Das Cyanid- Ion komplexiert das Eisen im
Hämoglobin und stört die Zellatmung und ist daher hochtoxisch für Menschen. Es besteht der Verdacht, daß
Cyanide Mißbildungen bewirken. Bei Untersuchungen zur Toxizität ist zwischen freien Cyaniden und
komplex gebundenen Cyaniden zu unterscheiden. Schwermetall- Cyanid- Komplexe sind häufig wasserlös-
lich und mobilisieren Schwermetalle.

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Säuren und Basen
werden in Reinigungs-, Härte- und Rostschutzbädern (Phosphorsäure) eingesetzt. Ihre
Umweltwirkung besteht in der Veränderung der Lebensbedingungen in den Kompartimenten Boden,
Grund- und Oberflächenwasser und darausfolgenden Veränderungen in Biotopen. Geringe Einträge können
durch die natürliche Pufferfunktion der Kompartimente kompensiert werden.
Eine andere wichtige Umweltwirkung ist die Mobilisierung von Schwermetallen und die entsprechenden
Aus- und Einträge in die betreffenden Kompartimente. Bei niedrigen pH-Werten (< 5) gehen viele Schwer-
metalle in Lösung, einige (z. B. Al) auch bei hohen pH-Werten (> 8). Bei Menschen können bei Kontakt mit
Säuren und Basen auf der Haut Verätzungen entstehen.
Branchentypisch ist der Einsatz von
Kohlenwasserstoffen
als Kühlschmiermittel, Schmiermittel und Hyd-
rauliköl (für Maschinen). Relevante Stoffgruppen sind MKW, teilweise mit Zusätzen von Chlorkohlenwas-
serstoffen, Formaldehyd, Pyridine und PAK. Zum Umweltverhalten von MKW finden sich in [15, Nr. 4
Tankstellen/ Tanklager auf S. 11] Angaben. Für das Reinigen von Werkstoffen wurden Lösungsmittel wie
LHKW und BTEX verwendet. Aussagen zu den wichtigsten Vertretern der Lösungsmittel finden sich in
[15, Nr. 8 Chemische Reinigungen S. 5]. An gleicher Stelle finden sich Ausführungen zu Tensiden.
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe
(PAK) können als Zusatzstoffe in Schmierstoffen auftre-
ten oder bei der Erwärmung von MKW entstehen (z. B. beim Heißlaufen von Wälzlagern). PAK sind gering
wasserlöslich. MKW/ LHKW und BTEX treten als Lösungsvermittler auf. 21 Vertreter der PAK wirken
carcinogen bzw. mutagen. PAK mit bis zu 4 Ringen können biochemisch abgebaut werden.
2
Hinweise zur Altlastenbehandlung
2.1 Altlastenrelevanz
Ein Betriebsgelände, auf dem Metalle be- und -verarbeitet wurden, ist grundsätzlich als potentielle Altlast-
verdachtsfläche (Altstandort) zu betrachten, da in der Produktion ein breites Spektrum an potentiellen
Schadstoffen verwendet wurde. Hinweise zu konkreten Kontaminationsquellen finden sich in den
Tabellen
3
und
4
.
Eine mögliche Schädigung der in
Tabelle 2
genannten Schutzgüter kann folgende Ursachen haben:
Mangelndes Wissen und Bewußtsein in Bezug auf Arbeits- und Umweltschutz (→ Leckagen, Handha-
bungsverluste)
Ungenügende Möglichkeiten, Gefährdungen von Mensch und Natur abzuwenden (überalterte Anlagen
Havarien)
Ungeordnete Ablagerung von Produktionsabfällen, von Bauschutt etc.
Kriegsschäden (Bombentreffer, durch Bombardements hervorgerufene Havarien etc.) können weitere Grün-
de für die Entstehung von Schadherden auf solchen Standorten sein.
Generell ist festzustellen, dass die Schadstoffgruppen Schwermetalle, MKW, LHKW und Cyanide häufig in
Betrieben der Metallbe- und -verarbeitung auftreten. Potentielle Kontaminationsherde können generell die
Gebäudesubstanz (Fußböden/ -platten, Wände) und nicht- oder schlechtversiegelte Böden sein. MKW und
LHKW können dabei das Grundwasser gefährden. Schwermetalle können nur in lösungsvermittelter Form
(durch Cyanide, Säuren/Basen) grundwassergefährdend sein.

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2.2
Gefährdete Schutzgüter und relevante Pfade
In der
Tabelle 2
sind mögliche Beeinträchtigungen der Schutzgüter aufgeführt. Die am häufigsten auftre-
tenden Fälle sind dabei fett dargestellt worden.
Tabelle 2: Gefährdete Schützgüter und relevante Wirkungspfade
Schutzgut
Wirkungspfad
Boden Boden- Mensch
(Direktkontakt)
Grundwasser Boden- Grundwasser
Luft
Bodenluft- Luft- Mensch
Das Schutzgut Mensch kann durch den direkten Kontakt mit dem Boden sowie durch die Nutzung des
Grundwassers einer Gefährdung unterliegen. Der Wirkungspfad Bodenluft-Luft-Mensch kann relevant sein,
wenn LHKW oder BTEX schadstoffbelastete Bereiche vorliegen. Weitere Schutzgüter wie Oberflächen-
wasser oder Nutzpflanzen können im Einzelfall ebenfalls betroffen sein.
2.3
Altlastenbehandlung nach Bundesbodenschutzrecht
Das vorliegende Merkblatt berücksichtigt die bundesgesetzlichen Vorgaben vollumfänglich. Dabei werden
die Handbücher des S
ÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT und die Mate-
rialienbände des S
ÄCHSISCHEN LANDESAMTES FÜR UMWELT UND GEOLOGIE (s. Literatur) unter Beachtung
des BBodSchG bzw. der BBodSchV sachbezogen eingebunden.
Anzumerken ist, dass das branchenbezogene Schadstoffpotential bei Standorten der metallbe- und
-verarbeitenden Industrie aufgrund der expliziten Nutzungsform fast vollständig das gesamte bekannte
Schadstoffpotential, das typischerweise auf Altstandorten anzutreffen ist, umfasst. Daraus resultieren, sofern
eine entsprechende Gefahrenlage vermutet bzw. bestätigt wird, alle möglichen Fallkonstellation für Maß-
nahmen zur Detail- und Sanierungsuntersuchung bzw. zur Sanierungsplanung und -durchführung. Im vor-
liegenden Branchenblatt wird daher bei den Unterpunkten Detailuntersuchung, Sanierungsuntersuchung und
Sanierung nur auf die Hauptschadstoffgruppen MKW, Schwermetalle, LHKW und Cyanide eingegangen.

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Erhebung und Historische Untersuchung/ -Erkundung mit Bewertung
Die
Erfassung
der altlastverdächtigen Flächen (AVF) wird im §11 BBodSchG in die Kompetenz der Bun-
desländer überantwortet.
In Sachsen erfolgt die Erfassung durch die Erhebung (einschließlich Formale Erstbewertung [FEB]) und
Historische Erkundung der AVF.
Die
Erhebung
wird nach dem hierzu vom LfUG herausgegebenen Handbuch zur Altlastenbehandlung
[5]
und dem Programm SALKA (s. 2.4.) durchgeführt.
Gegenstand der
Historischen Erkundung
sind das Sammeln von Anhaltspunkten über das Vorhandensein
von Altlasten gemäß §3 (1) und (2) BBodSchV sowie das Sammeln von Daten zu einer ersten Gefährdungs-
abschätzung gemäß §9 (1) BBodSchG (Bewertung). Ziel ist die Entscheidung darüber, ob weitere Untersu-
chungen nötig sind, oder ob der Gefahrenverdacht generell oder bei der derzeitigen Nutzung/ Bebauung
ausgeräumt ist. Im [19] sind Leitlinien für die Durchführung und die Bewertung der Ergebnisse der Histori-
sche Erkundung veröffentlicht. Für die Bearbeitung empfiehlt es sich, den Standort in Teilflächen, die den
in
Abbildung 2
aufgezeigten technologischen und andere Verdachtsbereiche entsprechen, aufzugliedern
(
Tabellen 3
und
4
). Es sind alle in Punkt 2.1. benannten Ursachen für die Entstehung von altlastenverdäch-
tigen Flächen oder Altlasten zu beachten.
Die Bewertung der Historischen Erkundung erfolgt zum einen verbal durch Beschreibung des Altlastver-
dachtes bzw. der Gefahrenlage. Zum anderen erfolgt eine formalisierte Bewertung mittels des Programms
GEFA [17] (s. 2.4.). Sind Anhaltspunkte über das Vorhandensein von Altlasten (§ 3 Absatz 3 BBodSchV)
vorhanden, d.h. bestätigt die Bewertung der Historischen Erkundung den Gefahrenverdacht, ist dem Auf-
traggeber die Durchführung der Orientierenden Untersuchung zu empfehlen.
Orientierende Untersuchung und Bewertung
Ziel der
Orientierenden Untersuchung
(§2 Nr. 3 BBodSchV) ist eine weiterführende Gefährdungsab-
schätzung (§ 4 (1) BBodSchV). Es ist abzuklären, ob ein hinreichender Verdacht auf das Vorliegen einer
Altlast (hinreichender Gefahrenverdacht) besteht oder ob er widerlegt werden kann.
Die Handbücher zur Altlastenbehandlung [4] - [11] geben weitere Hinweise.
Es ist sicherzustellen, dass alle potentiellen Kontaminationsquellen laut den Ergebnissen der Historischen
Erkundung mit ihren Schadstoffen (
Tabellen 3
und
4
) bei der Aufstellung des Untersuchungsspektrums re-
cherchiert werden.

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Tabelle 3:
Anlagenbereiche der metallbe- und verarbeitenden Industrie mit Kontaminationspotential
(Checkliste für Begehung)
Anlagenbereiche
Indizien
Schadstoffe
Analysenparameter
1. Maschinenstandorte
(z. B. Sägen, Drehbänke,
Fräsen, Stanzen)
Verfärbte(r) Boden/
Wände, Späne und
Stäube
MKW (Additive:
Formaldehyd,
PCB, BTEX, CKW,
schwefelhaltige
KW),
Schwermetalle
MKW, PCB,
BTEX, LHKW,
Schwermetalle
1.1 Ziehmaschinen
Verfärbte(r) Boden/
Wände, organolep-
tisch auffällig
MKW MKW
1.2 Pressen, Kompressoren Verfärbte(r) Boden/
Wände
PCB, PAK, MKW,
Phosphorsäureester
PCB, PAK, MKW
1.3 Schweißmaschinen
Schwermetalle Schwermetalle
1.4 Lötmaschinen
Schwermetalle Schwermetalle
1.5 Klebmaschinen
Verfärbte(r) Boden/
Wände
KW, LHKW, BTEX KW, BTEX, LHKW
2. (Schweiß-) Transformato-
ren, Gleichrichter
Verfärbte(r) Boden/
Wände, Geruch/
organoleptisch auf-
fällig
PCB, MKW, BTEX PCB, MKW, BTEX
3. Bäder (allgemein) Verfärbte(r) Boden,
Geruch/ organolep-
tisch auffällig
Inhalte der Bäder
3.1
Bäder der Al-Verarbei-
tung
Oxalsäure pH-Wert
3.2 Beizbäder
Verfärbte(r) Boden/
Wände, organolep-
tisch auffällig
Cyanide, NH3,
Salze, (N,S)-KW
Cyanide, Leitfähig-
keit
3.3 Entfettungsbäder
Organoleptisch auffäl-
lig
LHKW, Tenside
LHKW
3.4 Härtebäder
Verfärbte(r) Boden/
Wände
Säuren, Basen, Cya-
nide, Salze, MKW,
(N,S)-KW
pH, Leitfähigkeit,
Cyanide, MKW
3.5 Reinigungsbäder
Phosphorhaltige
Sulfonate
3.6 Rostschutzbäder
Phosphate, Säuren pH
3.7 Vergütungsbäder
PAK, MKW
PAK, MKW
3.8 Zinkbäder
Verfärbte(r) Boden/
Wände
Zn, andere
Schwermetalle
Schwermetalle

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Tabelle 4:
Ablagerungsbereiche auf Betriebsgeländen der metallbe- und verarbeitenden Industrie
(Checkliste für Begehung)
Standort
Indizien
Schadstoffe
Analysenparameter
Lagerflächen
(Spänelager u.a.)
Verfärbte(r) Boden,
Geruch/ organoleptisch
auffällig
MKW , Schwermetalle,
Säuren, Basen, Cyani-
de, Salze
pH-Wert, Leitfähigkeit,
Cyanid, MKW
Filtereinrichtungen
Filtermaterialien, -
schlämme
Schwermetalle (Hg, As
), LHKW, MKW,
Stäube
Schwermetalle,
LHKW, MKW
Altsäuresammelbecken Rissiger Boden
Säure, Schwermetalle
pH-Wert, Schwerme-
talle
Batterieladestation Rissiger Boden Schwefelsäure,
Schwermetalle
pH-Wert, Schwerme-
talle
Kraftstofflager Geruch/ organoleptisch
auffällig
MKW MKW
Auffüllungen Eventuell Geruch/
organoleptisch auffäl-
lig
Entsprechend Füll-
material, i.d.R.
Abprodukte
Brunnen (aufgelasse-
ne, verfüll-
te/verstopfte)
Eventuell Geruch/
organoleptisch auffäl-
lig
MKW, entsprechend
Füllmaterial
MKW
Abwasserkanal/ Ent-
wässerung/ Gebäude-
drainagen
Eventuell gestörte
Vegetation, eventuell
Geruch/ organolep-
tisch auffällig
MKW, Säuren, Ba-
sen, Cyanide, Salze,
pH, Leitfähigkeit,
Schwermetalle, Cya-
nide, MKW
Heizhaus/ Schornstein Hinweise auf Ver-
brennung von Abpro-
dukten
Dioxine, PAK,
Schwermetalle, (N,S)-
Verbindungen
Dioxine, PAK,
Schwermetalle
Durch Probenahme und chemische Untersuchungen (Untersuchungsspektrum) erfolgt im Einzelfall die erste
qualitative und quantitative Erfassung der Schadstoffbelastung. Das Untersuchungsspektrum ist anhand der
Ergebnisse der Historischen Erkundung abzuleiten. Die Orientierende Untersuchung ist gegebenenfalls ab-
gestuft durchzuführen. Es sollten zuerst Methoden mit wenig technischem Aufwand (z. B. Ermittlung von
Summenparametern) gewählt werden. Hinweise zur Vor- Ort- Analytik enthält [22].
Bei BTEX bzw. MKW ist zu beachten, dass sie aufgrund ihrer geringeren Dichte gegenüber Wasser auf der
Grundwasseroberfläche aufschwimmen. Sie können im Grundwasserstrom in Phase mitgeschleppt werden.
Durch die Verhältnisse im Grundwasser können Schwermetalle in schwerwasserlösliche Formen überführt
werden und sich auf der Sohle des Grundwasserleiters sammeln. Darauf ist beim Ausbau neuer Grundwas-
sermessstellen bzw. bei der Beprobung unbedingt zu achten.
Die nachfolgenden Analysenpläne in Tabelle 5 geben einen Überblick über die Prüfwerte für die branchen-
spezifischen Schadstoffe bzw. über aktuell vorgeschlagene Orientierungswerte. Im Anhang 1 der
BBodSchV finden sich Hinweise zur Probennahme, Analytik und zur Qualitätssicherung.
Die Menge an eingetragenen Säuren und Salzen kann durch die Analyse der Kat- und Anionen näher be-
stimmt werden. Die Analytik der Alkali- und Erdalkaliionen kann Aufschluss über das Bindungspotential
des Bodenkörpers für Schadstoffe geben.
Es ist immer zu prüfen, ob sich Legierungs- und Begleitmetalle (z. B. Blei bei Zinkbädern) in den Kontami-
nationsherden angereichert haben können.

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Tabelle 5: Medienbezogene Analysenpläne
Medium Boden
(Wirkungspfad Boden-Mensch)
Die Werte sind alle in der Einheit mg/kg Trockenmasse Feinboden angegeben.
Industrie und Gewerbeflächen
Wohngebiete
Analysenparameter
Orientierungswerte
Orientierungswerte
P
VP
D
P
VP
D
Blei 2000 400
Cadmium 60 20*
Chrom 1000 400
Nickel 900 140
Quecksilber 80 20
Benzol 0,4 0,2
Toluol 120 10
Ethylbenzol 30 3
Xylole 100 10
Chlormethan 5000 2000
Dichlormethan 2
0,1
Trichlormethan 0,5
0,1
Tetrachlormethan
100
20
1,1- Dichlorethan
150
60
1,1- Dichlorethan
300
30
1,1,1- Trichlorethan
180
15
1,1,2- Trichlorethan
10
2
1,1,2,2- Tetrachlore-
than
0,3 0,03
Hexachlorethan 1000
200
1,1- Dichlorethen
200
40
1,2- Dichlorethen
400
80
Trichlorethen 5 0,3
Tetrachlorethen 25
1,5
1,2 Dichlorpropan
5
1
Monochlorethen
1
P
...Prüfwerte nach BBodSchV Anhang 1
VP ...vorläufige Prüfwerte (im Auftrag des Umweltbundesamtes abgeleitete Prüfwerte in der Entwurfsfassung) [16]
D
...Dringlichkeitswerte (im Auftrag des LfUG abgeleitete Werte)[16]
*
... In Haus- und Kleingärten, die sowohl als Aufenthaltsbereiche für Kinder als auch für den Anbau von
Nahrungspflanzen genutzt werden, ist für Cadmium der Wert von 2,0 mg/kg anzuwenden.
- Ist planungsrechtlich eine andere Nutzung möglich, sind die entsprechenden Werte aus [16] zu verwenden.

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Fortsetzung Tabelle 5: Medienbezogene Analysenpläne
Medium Sickerwasser
(Wirkungspfad Boden- Grundwasser)
Die Werte sind alle in der Einheit μg / l Sickerwasser angegeben.
Analysenparameter
Prüfwerte nach BBodSchV
Blei 25
Cadmium 5
Chrom 50
Chrom (VI)
8
Molybdän 50
Nickel 50
Quecksilber 1
Zink 500
Cyanid, gesamt
50
Cyanid, leicht freisetzbar
10
MKW 200
BTEX 20
Benzol 1
LHKW 10
PAK 0,2
PCB 0,05
Medium Luft
(Wirkungspfad Bodenluft- Innenraumluft)
Die Werte sind alle in der Einheit mg / m
3
Luft angegeben.
Bodenluft
Innenraumluft
Analysenparameter
OH
D
BTEX 5...50
Benzol 0,4...4 0,004
Toluol 250...2500 2,6
Xylol 250...2500 4
Ethylbenzol 20...200 0,2
LHKW 5...50
Cancerogene LHKW *
1...10
Dichlormethan 10...100 0,1
Trichlormethan 1,5…15 0,014
1,1,1- Trichlorethan
250...2500
22
Monochlorethen 0,4...4 0,04
1,1,2-Trichlorethen 2...20 0,02
Tetrachlorethen 7...70 0,06
1,2 Dichlorpropan
14...140
0,14
OH...Orientierende Hinweise [16]
D ...Dringlichkeitswerte (im Auftrag des LfUG abgeleitete Werte) [16]
* Tetrachlormethan, Monochlorethen, 1,2- Dichlorethan
Besteht nach der Bewertung der Ergebnisse der Orientierenden Untersuchung ein hinreichender Altlastverdacht
(Gefahrenverdacht) wird eine Detailuntersuchung durchgeführt.

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Detailuntersuchung
Durch eine Detailuntersuchung ist einzelfallbezogen zu prüfen, ob sich aus räumlich begrenzten Schadstoff-
anreicherungen (Schadherde) Gefahren ergeben und ob bzw. wie die altlastverdächtige Fläche von unbelas-
teten Flächen abzugrenzen ist. Ziel ist eine abschließende Gefährdungsabschätzung gemäß § 2 Nr. 4
BBodSchV und die Feststellung des sich daraus ergebenden Handlungsbedarfs.
Der Schwerpunkt dieser Untersuchung umfaßt weitere technische Maßnahmen zur lateralen und vertikalen
Eingrenzung der Kontaminationen und zur Untersuchung des speziellen Schadstoffinventars. Für die rele-
vanten Wirkungspfade und Schutzgüter sind Expositionsabschätzungen vorzunehmen.
Die nachgewiesenen Stoffeigenschaften sind entsprechend zu aktualisieren und zu spezifizieren. Bei Stoff-
gemischen sind gegenseitige Wechselwirkungen zu beachten, z. B.:
Lösungsvermittler: Säuren/ Basen/Cyanide für Schwermetalle
Sorption/Ionenaustausch: MKW bzw. PAK an Bodenbestandeilen, Schwermetalle an Tonmineralen
Für jeden Schadherd ist in der Ergebnisdarstellung aufzuführen:
Abgrenzung des/der Schadherde/s
Schadstoffspektrum
Kontaminationsausbreitung
Expositionsabschätzung
Vorschlag zur weiteren Behandlung
Bei Sanierungsnotwendigkeit: Vorschlag vorläufiges Sanierungsziel.
Sanierungsuntersuchung
Die Sanierungsuntersuchung bereitet den Entscheid über den Umfang und die Art der Durchführung der Sa-
nierung vor. Die Ergebnisse können Grundlage für eine Sanierungsanordnung nach § 10 Absatz 1
BBodSchG oder eine Sanierungsplan nach § 13 Absatz 1 BBodSchG bilden. Die §§ 13, 14 und 16 des
BBodSchG und die §§ 5 und 6 der BBodSchV geben den rechtlichen Rahmen vor.
Die bei der Sanierung von Gewässern zu erfüllenden Anforderungen bestimmen sich aus dem Wasserrecht
(§ 4 Absatz 4 BBodSchG).
Hinweise zur Sanierungsuntersuchung finden sich im Handbuch zur Altlastenbehandlung [13].
Einen Überblick über Sanierungsverfahren gibt das Technologieregister Sanierung von Altlasten (TERESA)
des Umweltbundesamtes. Ein Anbieterverzeichnis von Leistungen zur Altlastenbehandlung im Freistaat
Sachsen ist über die IHK in Chemnitz, Dresden und Leipzig verfügbar.
Sanierung
Die Pflicht von Altlasten ausgehende Schäden sowie Beeinträchtigungen und Nachteile für den Einzelnen
und die Allgemeinheit zu vermeiden, ist in § 4 Absatz 3 BBodSchG verankert. Anforderungen an Sanie-
rungsmaßnahmen und Beschränkungs- und Schutzmaßnahmen sind im §5 der BBodSchV definiert. Ziel der
Sanierung ist die Abwehr der nachgewiesenen Gefahren.

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2.4
Hilfsmittel für die Bearbeitung
Software (Bezugsnachweis beim LfUG)
SALKA
Sächsisches Altlastenkataster und Formale Erstbewertung
GEFA - Computergestützte Gefährdungsabschätzung
SALFA-web
Sächsische Altlastenfachweb (als CD oder im Internet unter
www.umwelt.sachsen.de/lfug/
). Zugriff auf Handbücher und Branchenblät-
ter, sonst. Materialien
DASIMA
Datenbank zur Auswahl von Simulationsprogrammen bei der
Altlastenbehandlung
XUMA-AMOR
Analysenplanerstellung für die Orientierende Untersuchung und die Detail-
untersuchung
STARS
Stoffdatenbank
TERESA
Technologieregister Sanierung von Altlasten (Bezugsnachweis beim Um-
weltbundesamt)
Arbeitshinweise
Das
Programm SALKA
dient in allen Stufen der Altlastenbehandlung als Hilfsmittel zur Datenverwaltung.
Bei der Erhebung sind folgende Kriterien in Bezug auf die metallbe- und -verarbeitende Industrie besonders
zu beachten (Numerierung (...) nach Erfassungsbeleg in Anlage 1b in [5]):
(7)
Art der Verdachtsflächen:
Metallbe- und -verarbeitende Betriebe sind grundsätzlich als Altstandorte zu bewerten.
(20)
Einordnung in Branchenschlüssel und Belastungsstufen:
Die Metallbe- und -verarbeitende Industrie zählt zur Hauptgruppe 1: Produzierendes und
-verarbeitendes Gewerbe. Eine detaillierte Aufstellung der Branchen mit dem zughörigen Schlüssel-
nummern und Gefährdungsklassen findet sich in der
Tabelle 6
.
Tabelle 6: Einordnung der Branchen der Metallbe- und -verarbeitung nach Branchenschlüssel und Ge-
fährdungsklassen, nach Handbuch zur Altlastenbehandlung [6].
Branche
Schlüsselnr.
Gefährdungsklasse
Schmiede-, Preß- und Hammerwerke
0550
24
Zieherei, Kaltwalzwerk
0610
24
Stahlverfomung/ Metallbau/ Stahlbau/ Metall-
verarbeitung
0620 24
Oberflächenveredlung, Härtung
0630
35
Maschinenbau/Apparatebau 0640 23
Hersteller von Büromaschinen/DV-Geräten
0650
23
Hersteller von Kraftwagen und deren Teilen
0660
24
Schiffbau, Luft- und Raumfahrzeugbau
0670
23
Stahlbauerzeugnisse 0680 23
Feinmechanik, Optik
0710
24
Hersteller von Eisen-, Blech- und Metallwaren/
Draht
0720 24
Hersteller von Musikinstrumenten, Spielwaren,
Sportgeräten, Schmuck u.a.
0730 24
Die Ergebnisse der Historischen Erkundung und Orientierenden Untersuchung werden mittels der Erfas-
sungsbögen des
Programms GEFA
[17] erhoben und in das SALKA exportiert.

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Die folgenden Handbücher enthalten Hinweise zu den Erfassungsbögen in SALKA für die jeweiligen Bear-
beitungsstufen:
Detailuntersuchung
[12]
Sanierungsuntersuchung [13]
Sanierung
[14].
Das
Programm GEFA
[17] setzt das sogenannten R-Wert-Verfahren um. Die ermittelte Bewertungszahl ist
für die Abschätzung der Dringlichkeit der weiteren Bearbeitung maßgebend. Als Eingangsgröße werden
stoff- und pfadspezifische r
0
- Werte benötigt. Sie sind in den Materialien zur Altlastenbehandlung [16] ent-
halten. Desweiteren sind r
0
- und m- Werte zu berücksichtigen, die in den Handbüchern zur Altlastenbehand-
lung [4]-[11] tabelliert sind.
Beispiel für die Auswahl von r
0
- Werten:
Es wird der Fall einer Verzinkerei angenommen. Als Kontaminationen sind festgestellt worden:
-
LHKW im unversiegelten Boden unter einem Lager;
-
Zinkchlorid im Boden unter der Beizerei (Boden liegt in Folge des Abbriß des Gebäudes frei).
Folgende Werte finden sich in [16]:
- Schutzgut Mensch
r
0(hum)
-(oral): Zink r
0
= 0,3
LHKW r
0
= 5,9
r
0(hum)
-(inhalativ) (Zink
r
0
= 2,4) staubförmig
LHKW r
0
= 5,0 flüchtig
- Schutzgut Oberflächenwasser
r
0(Öko)
Zink r
0
= 5,9
LHKW k.A.
Es wird für jeden Pfad der Stoff mit dem höchsten Gefährdungspotential (entspricht höchsten r
0
- Wert) be-
trachtet. Im GEFA wird für jeden Pfad eine formale Bewertung vorgenommen.
Für das Beispiel bedeutet dies:
-
Der Direktpfad Boden-Mensch wird auf der Grundlage r
0
= 5,9 bewertet. Staubemmissionen sind nicht
maßgebend, deshalb erfolgt keine Berücksichtigung von r
0
= 2,4.
-
Der Pfad Boden-Luft-Mensch ist nicht relevant, da keine Gebäude auf dem Gelände geplant sind, de-
ren Innenraumluft zu schützen wäre.
-
Der Pfad Oberflächenwasser-Mensch ist im Beispiel nicht relevant, daher entfällt eine formale Bewer-
tung mit r
0(öko)
.
-
Der Pfad Boden-Grundwasser basiert auf der Bewertung des r
0
= 5,9.

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-
3 Literaturangaben
[1] A
MT FÜR STANDARDISIERUNG DER DDR: Technische Güte- und Lieferbedingungen.
[2] B
AUMANN W., HERBERG-LIEDTKE B. (1995): Chemikalien in der Metallverarbeitung, Springer-Verlag Ber-
lin Heidelberg New York.
[3] D
IN-KATALOG FÜR TECHNISCHE REGELN: Beuth-Verlag Berlin, Wien Zürich.
[4] SMUL UND LFUG: Grundsätze der Altlastenbehandlung.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 1, in
Vorbereitung, Dresden.
[5] S
MUL UND LFUG: Erfassung von Verdachtsfällen und Formale Erstbewertung.- Handbuch zur Altlas-
tenbehandlung, Teil 2, 1997, Dresden.
[6] S
MUL: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser.- Handbuch zur Altlastenbehand-
lung, Teil 3, 1995, Dresden.
[7] S
MUL: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Grundwasser. Anlage 7: Schadstoffpfad Grund-
wasser; Merkmale, Tabellen und Regeln für die Gefährdungsabschätzung mit dem Programm GEFA. -
Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 3, Anlage 7, 1996, Dresden.
[8] S
MUL: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Boden.- Handbuch zur Altlastenbehandlung,
Teil 4, 1995, Dresden.
[9] S
MUL UND LFUG: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Boden. Anlage 7: Schadstoffpfad Bo-
den; Merkmale, Tabellen und Regeln für die Gefährdungsabschätzung mit dem Programm GEFA. -
Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 4, Anlage 7, 1996,
Dresden.
[10] S
MUL UND LFUG: Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut Oberflächenwasser.- Handbuch zur
Altlastenbehandlung, Teil 5, 2001, Dresden.
[11] S
MUL UND LFUG: Gefährdungsabschätzung, Pfad Luft.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 6,
2001, Dresden.
[12] S
MUL UND LFUG: Detailuntersuchung.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 7, in Vorbereitung,
Dresden.
[13] S
MUL UND LFUG: Sanierungsuntersuchung.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 8, 1999, Dresden.
[14] S
MUL UND LFUG: Sanierung.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 9, 2000, Dresden.
[15] S
MUL UND LFUG: Branchenbezogene Merkblätter.- Handbuch zur Altlastenbehandlung, Dresden.
[16] L
FUG: Handhabung von Orientierungswerten sowie Prüf- und Maßnahmenwerten zur Gefahrenver-
dachtsermittlung für die Altlastenbehandlung. - Materialien zur Altlastenbehandlung, in Vorbereitung,
Dresden.
[17] S
MUL UND LFUG: Computergestütze Gefährdungsabschätzung von Altlasten mit dem Programm
GEFA.- Materialien zur Altlastenbehandlung 2/1996, 1996, Dresden.
[18] L
FUG: Probenahme bei der Technischen Erkundung von Altlasten - Materialien zur Altlastenbehand-
lung, 3/98, 1998, Dresden.
[19] S
MUL UND LFUG: Historische Erkundung von Altlastverdachtsfällen.- Materialien zur Altlastenbehand-
lung 4/1998, 1998, Dresden.
[20] L
FUG: Leitfaden zum Arbeitsschutz bei der Altlastenbehandlung.- Materialien zur Altlastenbehand-
lung, 4/1998, 1998, Dresden.

Seite 16
[21] L
FUG: Laborative Vorversuche im Rahmen der Sanierungsuntersuchung und Sanierung.- Materialien
zur Altlastenbehandlung, 1998, Dresden.
[22] L
FUG: Vor-Ort- Analytik.- Materialien zur Altlastenbehandlung, 1999, Dresden.
[23] S
MUL: Merkblätter zur Grundwasserbeobachtung – Grundwasserprobenahme.- Materialien zur Was-
serwirtschaft, 1997, Dresden.
[24] S
MUL: „Vorläufiger Rahmenerlaß Altlasten Grundwasser“, s. TerraTech 01/2001, S. 27-34