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Grundwasser Altlasten Aktuell
2005
Landesamt für Umwelt und Geologie

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2
Impressum
Grundwasser – Altlasten – Aktuell/ 2005
Titelbild:
Gussglas Pirna
Foto:
Stadtentwicklung Pirna
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Öffentlichkeitsarbeit
Zur Wetterwarte 11, 01109 Dresden
E-Mail:
Abteilung1@lfug.smul.sachsen.de
(kein Zugang
für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte
elektronische Dokumente)
Bearbeiter:
Referat Grundwasser / Altlasten,
Abteilung Wasser; Abfall
Frau Antje Sohr, Herr Michael Scheerbaum,
Frau Sabine Rauch, Frau Rosemarie Lankau,
Herr Jens Fahl, Herr Peter Boerke
Redaktionsschluss:
Juni 2005
Hinweis:
Diese Veröffentlichung wird im Rahmen der
Öffentlichkeitsarbeit des Sächsischen Landesamtes für Umwelt
und Geologie (LfUG) herausgegeben. Sie darf weder von
Parteien noch von Wahlhelfern im Wahlkampf zum Zwecke der
Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitlichen Bezug
zu einer bevorstehenden Wahl darf die Veröffentlichung nicht in
einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme des
Landesamtes zugunsten einzelner Gruppen verstanden werden
kann. Den Parteien ist es gestattet, die Veröffentlichung zur
Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle
Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen und der
fotomechanischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber
vorbehalten.
www.umwelt.sachsen.de/lfug

3
Inhaltsverzeichnis
1.
Überarbeitung und Neufestsetzung von Trinkwasserschutzgebieten
in Sachsen
4
2.
Die neuen Geringfügigkeitsschwellen für Grundwasser
8
3. Sachstand zur Problematik Sickerwasserprognose
15
4.
Musterleistungsbeschreibungen (MLB) für laborative Untersuchungen zur
Sickerwasserprognose
17
5. Erste Erfahrungen mit den MLB
25
6.
Wirkungspfad Boden-Luft-Mensch in der Detailuntersuchung
43
7.
Bodenluftuntersuchungen an drei Altstandorten
50
8.
Möglichkeiten und Grenzen der LHKW-Analytik
52
9.
AOX – ein Kriterium zur Plausibilitätsprüfung?
59
10.
Überarbeitung der Arbeitshilfe - Vergabe von Leistungen-
63
11.
Orient, Atrium, Dasima –Interaktive Recherchemöglichkeiten im
Fachinformationssystem Altlasten
65
12. Modellstandort Freital Saugrund
69
13. Praxisbeispiel Nickelhütte Aue
75
14. GIS-Anbindung SALKA
82
15. Kurzinformationen
88

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4
1. Überarbeitung und Neufestsetzung
von Trinkwasserschutzgebieten in
Sachsen
Die Aktien der Zukunft sind Trinkwasserschutzgebiete – Ein Beitrag zur Wasserschutz-
gebietsbearbeitung in Sachsen
1.1. Vorwort
Nahezu alle Dinge sind ersetzbar, fehlendes Trinkwasser kaum.
Es ist das wichtigste
Lebensmittel, das die Bevölkerung des Freistaates Sachsens fast zu 100% aus der
öffentlichen Wasserversorgung bezieht. Die Sicherung der öffentlichen Wasserversorgung ist
im Freistaat Sachsen eine Pflichtaufgabe der Kommunen (§57 SächsWG).
Angesichts der umstrittenen, Klimaveränderungen, die Sachsen mit seiner häufigeren Lage
im Windschatten der Mittelgebirge „trockener„ werden lassen können, kommt dem Schutz
vorhandener Dargebote für die Trinkwassergewinnung eine noch höhere Bedeutung zu. Sie
müssen hinsichtlich Menge und Güte beobachtet, bewirtschaftet und geschützt werden. Dies
betrifft sowohl genutzte, teilweise genutzte als auch nicht bzw. derzeit nicht mehr genutzte
Dargebote.
Eines der nachhaltigsten Instrumente des Gewässerschutzes stellt die Festsetzung von
Trinkwasserschutzgebieten (TWSG) dar.
1.2. Rechtliche und fachliche Grundlagen
- §19 Abs.1 Nr.1 Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
- §48 SächsWG
Die Festsetzung oder die Überarbeitung von Trinkwasserschutzgebiete (TWSG) steht dabei
im Ermessen der zuständigen Wasserbehörde. Sie erfolgt durch Rechtsverordnung, wenn es
das Wohl der Allgemeinheit erfordert.
Darüber hinaus gelten nach §139 SächsWG WSG für die öffentliche Wasserversorgung, die
auf der Grundlage des Wassergesetzes der DDR beschlossen wurden, bis zum Erlass neuer
Schutzgebietsverordnungen grundsätzlich weiter, sofern das WHG nicht entgegensteht.
- DVGW-Regelwerk, Arbeitsblatt W 101 vom Februar 1995 (Richtlinien für TWSG; I. Teil:
Schutzgebiete für Grundwasser)
- DVGW-Regelwerk, Arbeitsblatt W 102 vom April 2002 (Richtlinien für TWSG; II. Teil:
(Schutzgebiete für Talsperren)
Gegenwärtig erfolgt eine Überarbeitung des Arbeitsblattes W 101.

5
1.3. Verfahrensablauf
Verfahrensweise und Zuständigkeiten der TWSG – Bearbeitung sind geregelt durch Erlasse
wie:
- Erlass des SMU vom 02.04.1996
zur Überprüfung und Festsetzung von WSG für die
öffentliche Wasserversorgung im Freistaat Sachsen – „Wasserschutzgebietsprogramm“
-
Erlass des SMUL vom 30.07.2001
zum wasserrechtlichen Vollzug des §48 Abs. 7
SächsWG – „Überarbeitung/Festsetzung von WSG“
Verfahrensträger ist die untere Wasserbehörde (i.d.R. die Landkreise als untere
Wasserbehörde). Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG) ist auf Antrag
des Verfahrensträgers für die hydrogeologischen/hydrologischen Gutachten (GA) als
Voraussetzung eines einheitlichen Rechtsetzungsverfahrens und die Umweltfachbereiche
der Regierungspräsidien sind für die Erarbeitung der fachtechnischen Entwürfe der
Schutzgebietsverordnungen zuständig.
Zur Umsetzung einer prioritären, effektiven und einheitlichen Gutachtenbearbeitung sowie für
eine zentrale Mittelbewirtschaftung wurde entschieden, die Bildung einer Projektgruppe
„Gutachten für Wasserschutzgebiete“ (PG-W) im LfUG vorzunehmen. Die Gründung erfolgte
mit
- Erlass des SMU vom 30.10.1997
(Gründungserlass)
und die Weiterführung mit
- Fortsetzungserlassen des SMUL. Zuletzt angeordnet am 06.04.2004 bis zum 31.12.2005.
Gleichlaufend mit dem Gründungsprozess wurden vom LfUG methodische Bemessungs-
ansätze und Anforderungen für sächsische Verhältnisse erarbeitet und in zwei Broschüren
veröffentlicht:
- Materialien zur Hydrogeologie, Trinkwasserschutz in Quellgebieten, LfUG 1997
- Materialien zur Wasserwirtschaft, Empfehlungen für Trinkwasserschutzgebiets-
gutachten für Grundwasser, LfUG 1998
Darüber hinaus liegt eine
„Handlungsanleitung Wasserschutzgebiete“
des SMU mit
Datum vom 30.09.1998 vor, die als orientierende und wichtige Arbeitshilfe den Gesamtablauf
des Wasserschutzgebietsverfahrens erläutert und zusammenfasst (Tabelle 1).
Tab.: 1 - Verfahrensablauf
Ablauf Zuständigkeit Bedingung
Antragstellung zur Bestätigung
oder Erstellung eines GA
Untere
Wasserbehörde
Schutzwürdigkeit, Schutz-
bedürftigkeit, Schutzfähigkeit der
Fassungsanlagen oder
Wassergewinnungsanlagen
GA-Bestätigung oder –Erstellung
für die Schutzzonen- und -
gebietsbemessung
LfUG
(Projektgruppe -
WSG)
Dargebotsnachweis
Aktuelles Wasserrecht
Vollständige Bestandunterlagen
der Gewässernutzung
Entwurf einer Schutzgebiets-
verordnung
Umweltfach-
bereiche der RP
Bestätigtes GA
Flurstückskarten
Vollzug des WSG-Verfahrens
Untere
Wasserbehörde
Beteiligung Träger öffentlicher
Belange
Öffentliche Auslegung

6
1.3. Bearbeitungsstand
Insgesamt wurden im LfUG bisher rund 300 Antragsvorgänge registriert. Sie beinhalten
- Fachberatungen zur Vorbereitung eines Trinkwasserschutzgebietsverfahren
- Bestätigung eines vorgelegten Gutachten oder
- Erstellung eines Gutachtens.
Vorwiegend handelt es sich um TWSG für Grund- und Quellwasserfassungen, aber auch um
Talsperren, Roh- bzw. Reinwasserstollen, Grundwassergewinnungsanlagen aus stillgelegten
Bergbaugruben und Heilquellen. Abschließend konnten bisher fast 150 Stellungnahmen mit
Empfehlungen zur Erstellung einer Rechtsverordnung (RVO) zur Festsetzung eines WSG
abgegeben werden. Mehr als 90% wurden davon durch die unteren Wasserbehörden
umgesetzt bzw. befinden sich im Rechtsetzungsverfahren.
Über 50 Gutachtenbearbeitungen erfolgten durch Fremdvergabe an Dritte, die in der Regel
durch beschränkte Ausschreibung vergeben wurden. Hierfür stehen der PG-W jährlich
begrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung. Die zur Verfügung stehende personelle Kapazität
umfasst durchschnittlich etwa 2,5 MJ.
Im Rahmen der Antragsbearbeitungen, der koordinierten Vorbereitung zur Erstellung oder
Bestätigung der GA sowie durch die Gutachtenergebnisse, entstehen oftmals Präzisierungen
und neue Kenntnisse im Sinne der bereits genannten Dargebotsbewirtschaftung hinsichtlich
Menge (wasserrechtlich genehmigte Wassermenge, Schutzwürdigkeit und -bedürftigkeit und
Güte (Schutzfähigkeit). Diese führten mitunter zur Überarbeitung der Dargebotsnachweise,
Entnahmetechnologien, Versorgungskonzeptionen, Wasserrechte u.ä.m., so dass Vorgänge
sogar über längere Zeit storniert oder sogar zurück gezogen wurden.
Dieser fachbegleitende Prozess bei der Schaffung geordneter Grundvoraussetzungen zur
wissenschaftlich begründeten und juristisch standfesten Unterschutzstellung der öffentlichen
Wasserversorgung ist ein wichtiger Bestandteil des Gesamtverfahrens. Nach Abschluss der
gutachterlichen Bemessungsgrundlagen für die einzelnen Schutzzonen und des
Schutzgebietes insgesamt liegen Grundlagen für sachgerechte Ermessensentscheidungen
zur qualitativen Sicherung der Rohwasserbereitstellung für die öffentliche Wasserversorgung
vor, die bereits vor der Umsetzung eines Rechtsetzungsverfahrens zur Anwendung gebracht
werden können.
Wichtige Nebeneffekte entstehen im Rahmen der Gutachtenbearbeitung im Bereich der
Umweltbeobachtung und des Gewässerschutzes, wie z.B. bei der Rekonstruktion von
Grundwassermessnetzen und der Datenerfassung im Umweltinformationssystem des
Freistaates Sachsen. Gleichzeitig erhalten die Behörden und Kommunen als Hoheitsträger
der öffentlichen Wasserversorgung sowie für die Wasserversorgungsunternehmen eine
aktuell abgeschlossene Dokumentationsaufbereitung nach bestem Kenntnisstand als
Voraussetzung für einen nachhaltigen Grundwasserschutz.
Der anschließende Festsetzungs- und Vollzugsprozess ist vor allem bedingt durch die
öffentliche Beteiligung langwierig. Für die hierzu erforderlichen Vorarbeiten (Entwurf der
Schutzverordnung und Flurstückskarten) stehen den Wasserbehörden nur geringe
personelle Kapazitäten zur Verfügung.
Mit Stand vom Oktober 2004 waren im Freistaat Sachsen ca. 660 TWSG festgesetzt. Damit
hat sich der Bestand seit 1990 um mehr als zwei Drittel reduziert. Extremer Rückgang des
Wasserverbrauches und eine Konzentration auf schutzfähige, schutzwürdige und
wirtschaftliche Gewinnungsanlagen führten zur Aufhebung zahlreicher TWSG. In Einzelfällen
hat hierzu auch die fachtechnische Kompetenz des LfUG nach einer Antragsstellung zur
WSG – Überarbeitung beigetragen.
Die derzeit bestehenden TWSG sind im Wesentlichen fortgeltende Schutzgebiete, die bereits
in der ehemaligen DDR beschlossen wurden. Speziell für die land- und forstwirtschaftliche

7
Nutzung von Flächen in TWSG wurden durch das SMUL einheitliche Schutzbestimmungen
(SächsSchAVO) erlassen, die nunmehr bis zum Jahre 2007 auslaufen. Bis dahin bedarf die
überwiegende Mehrzahl der Schutzgebiete einer Überarbeitung, um angemessene und
standortgerechte Schutzbestimmungen, insbesondere für die Land- und Forstwirtschaft, in
Form von Rechtsverordnungen nach rechtsstaatlichen Grundsätzen festlegen zu können.
Dies stellt für die zuständigen Wasserbehörden eine große Herausforderung dar. Eine
gleichzeitige hydrogeologische Überarbeitung der TWSG ist damit allerdings nicht generell
verbunden. Hier ist der fachtechnische Sachverstand der Umweltfachbereiche in den
Regierungspräsidien gefragt, ob eine hydrogeologische Neubewertung zur Ausgrenzung
kurzfristig zwingend ist oder auch ggf. nach Überarbeitung der Schutzbestimmungen und
somit auch nach 2007 vorgenommen werden kann.
1.4. Fazit
Es ist festzustellen, dass die konzentrierte Fachkompetenz unter Koordinierung der PG-W
dazu beiträgt, einen landesweit einheitlichen standortbezogenen, effektiven und
ökonomischen Gewässerschutz für die öffentliche Wasserversorgung sicher zu stellen.
Bestehen bleibt die Tatsache einer angestiegenen Anzahl nicht mehr genutzter und
ungeschützter Dargebote. Maßnahmen des allgemeinen Gewässerschutzes, der EU-
Wasserrrahmenrichtlinie, der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie, Cross Compliance usw.
sollten dazu beitragen die Beschaffenheit der Reccourcen zu erhalten und zu verbessern.
Werden die Dargebote zukünftig nicht ausreichend geschützt, kann Trinkwasser knapp und
damit auch teuer werden.
Wasser wurde von der Natur an uns vererbt. Es ist lebensnotwendig und unersätzlich. Es
muss weltweit als fundamentales Menschenrecht geschützt werden. BARLOW/CLARKE
fordern in diesem Sinne logischerweise das Recht der Grundversorgung mit Wasser in die
nationalen Verfassungen aufzunehmen.
BARLOW, M. & CLARKE, T. (2002): Blaues Gold – Das globale Geschäft mit dem Wasser,
Ungekürzte Lizenzausgabe der RM Buch und Medien Vertrieb GmbH
Verlag A. Kunstmann GmbH, München 2003
IAWR (Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet) u.a.
Grundwasser – Memorandum 2004
Quelle: DVGW energie/wasser-praxis Ausgabe 3/2005

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8
2. Die neuen
Geringfügigkeitsschwellen der LAWA
Mit Schreiben vom 30.11.04 teilte die Geschäftsstelle der Umweltministerkonferenz 2004
(UMK) mit, dass das Umlaufverfahren zum Bericht „Ableitung von Geringfügigkeitsschwel-
lenwerten für das Grundwasser“ der LAWA, Stand 30.09.2004, erfolgreich abgeschlossen
wurde. Im UMK-Umlaufbeschluss Nr. 20/2004 heißt es:
Die Amtschefkonferenz empfiehlt den Ländern, die Geringfügigkeitsschwellenwerte zur
Beurteilung der Grundwasserbeschaffenheit unter Beachtung der Datenblätter zu den
einzelnen Stoffen anzuwenden.
Die Gliederung des Berichtes zu den Geringfügigkeitsschwellen ist anhand des
nachfolgenden Inhaltsverzeichnisses zu sehen.
Inhaltsverzeichnis
1
Auftrag und Problemstellung........................................................................................ 5
2
Ableitung von Geringfügigkeitsschwellenwerten.......................................................... 7
2.1
Grundsätze und Konzept.............................................................................................. 7
2.2
Methodik für Einzelstoffe ............................................................................................. 8
2.2.1 Beurteilung in Anlehnung an die Trinkwasserverordnung ........................................... 8
2.2.2 Beurteilung im Hinblick auf ökotoxische Wirkungen..................................................... 9
2.2.3 Prüfung der abgeleiteten Werte auf Plausibilität ....................................................... 15
2.3
Methodik für Stoffsummen......................................................................................... 16
3
Anwendungsregeln für die Geringfügigkeitsschwellenwerte...................................... 17
4
Erläuterung der Anhänge........................................................................................... 18
5
Literatur ..................................................................................................................... 20
Anhang 1
Ableitungsschema der Geringfügigkeitsschwellenwerte ................................ 24
Anhang 2
Geringfügigkeitsschwellenwerte zur Beurteilung von lokal begrenzten
Grundwasserverunreinigungen:...................................................................... 25
Teil 1 anorganische Parameter…………………………………………………. .25
Teil 2 organische Parameter........................................................................... 26
Teil 3 Pflanzenschutzmittel, biozide Wirkstoffe sowie sprengstofftypische
Verbindungen....................................................................................... 27
Anhang 4
Bestimmungsmethoden mit Angabe der unteren Grenze des
Anwendungsbereichs..................................................................................... 28
Teil 1 Metallionen, Halbmetallionen und sonstige Kationen, Anionen............ 28
Teil 2 Organische Stoffgruppen und organische Einzelstoffe ........................ 31
Der Bericht kann als LAWA-Publikation von der Homepage der LAWA (
www.lawa.de
) als
pdf-File kostenlos herunter geladen werden. Die Datenblätter werden nicht elektronisch ver-
öffentlicht. Sie können als LAWA-Broschüre (ISBN: 3-88961-250-4) bei der Kulturbuch-Ver-
lag GmbH, PF 47 04 49, 12313 Berlin zum Preis von 28,00 € bezogen werden.
Anwendung der Geringfügigkeitsschwellen
Die Anwendung der GFS bedarf generell der Einführung durch die Länder. Eine entspre-
chende Regelung für Sachsen befindet sich in Vorbereitung
.

9
Die GFS gelten nicht für die Beurteilung flächenhafter Stoffeinträge. Sie stellen kein Quali-
tätsziel für das Grundwasser zur Beurteilung des guten/schlechten chemischen Zustandes
des Grundwassers im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie dar, da das ein flächenhaftes „Auf-
füllen“ bis zur GFS ermöglichen (z.B. für Stoffe, die natürlich nicht im Grundwasser vorkom-
men) und zu einer Verschlechterung des chemischen Zustandes führen würde.
Gemäß UMK-Umlaufbeschluss gelten die GFS im Grundwasser und werden mit gemesse-
nen oder prognostizierten Werten verglichen. Davon unberührt bleibt die Gültigkeit der Prüf-
werte für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser zur Beurteilung der Sickerwasserbeschaf-
fenheit am Ort der Beurteilung nach BBodSchV. Das Verhältnis von GFS und Prüfwerten der
BBodSchV wird noch diskutiert. Der Ständige Ausschuss 4 (Altlasten) der LABO erarbeitet
derzeit im Auftrag der LABO ein Positionspapier dazu, dem große Bedeutung beizumessen
sein wird.
Im Bericht zur Ableitung der GFS wird betont, dass für bestimmte Anwendungsfälle noch
„wasserrechtlich präzisierend zu bestimmen sein“ wird, welche Randbedingungen für die
Anwendung der GFS gelten sollen. Durch den Ständigen Ausschuss Grundwasser/Wasser-
versorgung der LAWA werden Anwendungsregeln für zwei Fälle vorbereitet: Direkteinträge
sowie die Häufung einzelner, lokal begrenzter Stoffeinträge in das Grundwasser. Eine An-
wendungsregel für den nachsorgenden Grundwasserschutz bei punktuellen Stoffeinträgen
liegt im Entwurf vor und wird demnächst in den Boden- und Wasserrechts-Ausschüssen von
LABO und LAWA behandelt.
Ableitungsmaßstäbe (s.a. Tabellen in der Anlage)
Die Geringfügigkeitsschwellen (GFS) wurden human- und ökotoxikologisch begründet her-
geleitet, damit das Grundwasser überall für den menschlichen Gebrauch als Trinkwasser
nutzbar bzw. als Lebensraum intakt bleibt. Dabei wurden folgende Prinzipien eingehalten:
- humantoxikologisch abgeleitete GFS: Übernahme der Werte aus der TrinkwV oder analoge
Ableitung nach humantoxikologischen oder ästhetischen Gesichtspunkten
- ökotoxikologisch abgeleitete GFS: Verwendung von Daten aus Tests mit Oberflächenwas-
serorganismen, Berücksichtigung natürlichen Vorkommens für anorganische Spurenele-
mente („added risk approach“), Berücksichtigung einer Untergrenze von 0,01 μg/l
- Verwendung des niedrigeren Wertes, wenn sowohl ein human- als auch ein ökotoxikolo-
gisch abgeleiteter Wert vorlagen.
Vergleich mit bisherigen Werten
Die neuen GFS weichen teilweise erheblich von den alten GFS bzw. entsprechenden
Besorgniswerten (siehe Material „Bewertungshilfen bei der Gefahrenverdachtsermittlung in
der Altlastenbehandlung“, Teil A, Kapitel 4; LfUG/2002) ab. Der in der Tabelle 1 angegebene
Faktor GFS/GFS
neu
weist auf diese Unterschiede hin. In vielen Fällen liegen die neuen GFS
bei 0,1 bis 0,5 der alten GFS bzw. Besorgniswerten. Die größten Änderungen sind bei
Cadmium, Zink und Epichlorhydrin zu verzeichnen. In drei Fällen von LHKW stellen die
neuen GFS höhere Werte dar als bisher.
Die Ursache für die i.d.R. vorliegende Minderung der GFS liegt im Wesentlichen in der
Einbeziehung von Ökotoxizitätswerten. Damit sollen die neuen GFS neben dem Schutz des
Menschen vor allem dem Schutz des Lebensraumes/ Schutzgutes Grundwasser
(Wirkungspfad Boden-Grundwasser) dienen. Die bisherigen GFS und analoge
Orientierungswerte stellten das Schutzgut Mensch (Wirkungspfad Boden-Grundwasser-
Mensch) in den Mittelpunkt. Beide Werte decken also unterschiedliche Geltungsbereiche ab.

10
Orientierungswerte des LfUG 2002
Teil 1
Anorganische Parameter
GFS
neu
(μg/L)
G/B*
(μg/L)
D**
(μg/L)
G/B
GFS
neu
(-)***
Rahmenerlass
(μg/L)
Prüfwerte
BBodSchV
(μg/l)
Kriterium*
Antimon (Sb) 5 TW 10 60 2 10 10
Arsen (As) 10 TW 10 60 1 10 10
Barium (Ba)
340
ARA
300
900
1
-
-
Blei (Pb)
7
ARA
25
125
4
25
25
Bor (B) 740 ARA - - - -
Cadmium (Cd)
0,5
ARA
5
20
10
5
5
Chrom gesamt
-
ARA
50
250
50
50
Chrom III
7
ARA
-
-
Chrom VI
-
8
15
8 (Chromat)
8 (Chromat)
Kobalt (Co)
8
ARA
50
250
6
-
50
Kupfer (Cu)
14
ARA
50
250
3
50
50
Molybdän (Mo)
35
analog TW(h)
50
250
2
50
50
Nickel (Ni)
14
ARA
50
250
3
50
50
Quecksilber (Hg) 0,2 ARA 1 5 5 1 1
Selen (Se) 7 ARA 10 60 1 10 10
Thallium (Tl)
0,8
analog TW(h)
1
5
1
1
-
Uran - 10 100 - -
Vanadium (V)
4
analog TW(h)
20
100
5
20
-
Zink (Zn)
58 ARA
500 3500
10
500
500
Zinn - 40 200 - 40
Chlorid (Cl
-
)
250 mg/L TW - - - -
Cyanid, gesamt
50
Ötox (TW)
50
250
1
50
50
Cyanid, leichtfreisetzbar
(CN
-
)
5
Ötox (TW)
10
50
2
10
10
Fluorid (F
-
)
750 analog TW(h) 750 1500 1 750 750
Sulfat (SO
4
2-
) 240
mg/L TW - - - -

11
Orientierungswerte des LfUG 2002
Teil 2
Organische Parameter
GFS
neu
(μg/L)
G/B*
(μg/L)
D**
(μg/L)
G/B
GFS
neu
(-)***
Rahmenerlass
(μg/L)
Prüfwerte
BBodSchV
(μg/L)
Kriterium
PAK
0,2 TW 0,2 2 1 0,2 0,2
Anthracen, Benzo[a]pyren,
Dibenz(a,h)anthracen
jeweils 0,01
Ötox, TW,
analog TW(h)
0,01
(Benzo[a]pyren)
- 1 0,01
(Benzo[a]pyren)
-
Benzo[b]fluoranthen,
Benzo[k]- fluoranthen,
Benzo[ghi])perylen,
Fluoranthen, Indeno(123-
cd)pyren
jeweils 0,025
alle Ötox
-
-
-
-
-
Naphthalin u.
Methylnaphthaline
1 Ötox 2 10 2 2 2 (Naphthalin)
LHKW
20
TW + Ötox
10
50
0,5
10
10
LHKW, karzinogen
-
3 15 - 3 -
Tri- und Tetrachlorethen
10 TW 3 (Trichlorethen)
0,7
(Tetrachlorethen)
20 ca. 0,3 - -
1,2 Dichlorethan
2
Ötox
0,4
5
0,2
-
-
Chlorethen (Vinylchlorid) 0,5 TW 0,5 - 0,5 -
PCB
0,01
analog TW(h) +
Ötox(UG)
0,05 0,3 5 0,05 0,05 (PCBges.)
PCB, Einzelstoffe
-
0,01
0,06
0,01
-
Kohlenwasserstoffe
100
analog TW(ä)
200
1000
2
200
200
alkylierte Benzole
20 analog TW(ä),
Ötox
20 80 1 20 20
Benzol
1
TW
1
3
1
1
1
MTBE 15 analog TW(ä) - - - -

12
Teil 2
Organische Parameter
GFS
neu
(μg/L)
Orientierungswerte des LfUG 2002
G/B
GFS
neu
(-)***
Rahmenerlass
(μg/L)
Prüfwerte
BBodSchV
(μg/L)
Phenol
8
Ötox
20
100
2,5
20
20
Nonylphenol 0,3 Ötox - - - - -
Chlorphenole
1 Ötox 1 5 1 1 -
Hexachlorbenzol 0,01 Ötox(UG) - - - - -
Chlorbenzole
1
Ötox + analog
TW(ä)
1 5 1 1 -
Epichlorhydrin 0,1 TW 3,5 25
35
- -
Aldrin - - - - - - 0,1
DDT - - - - - - 0,1
*
Geringfügigkeitsschwellen (alt) bzw. Besorgniswerte nach Materialienband „Bewertungshilfen bei der Gefahrenverdachtsermittlung in
der Altlastenbehandlung“
**
Dringlichkeitswerte nach Materialienband „Bewertungshilfen bei der Gefahrenverdachtsermittlung in der Altlastenbehandlung“
***
dimensionslos, Verhältnis von alten Geringfügigkeitsschwellen (oder Besorgniswerten) zu neuen Geringfügigkeitsschwellen
1
Derzeit steht kein genormtes Verfahren zur Verfügung, dessen untere Anwendungsgrenze niedriger oder gleich der GFS ist. Es
muss daher auf nicht genormte Verfahren zurückgegriffen werden, die nach den einschlägigen Regeln für Analyseverfahren zu
validieren sind
TW
Werte aus der Trinkwasserverordnung
Analog TW (h) Werte analog der TrinkwV abgeleitet, unbedenklich für die menschliche Gesundheit
Analog TW (ä) Werte analog der TrinkwV abgeleitet, ästhetisch einwandfreie Qualität
Ötox
Werte ökotoxikologisch begründet
Ötox (UG)
Werte entspricht der Untergrenze von 0,01 μg/l, da ökotoxikologisch begründeter Wert darunter liegt
ARA
„added risk approach“: Wert entspricht der Summe aus Basiswert und ökotoxikologisch abgeleitetem Wert

13
Orientierungswerte des LfUG 2002
Teil 3 Pflanzenschutzmittel
und Biozidprodukte (PSMBP
)
GFS
neu
(μg/L)
G/B*
(μg/L)
D**
(μg/L)
G/B
GFS
neu
(-)***
Rahmen-
erlass
(μg/l)
Prüfwerte
BBodSch
V (μg/L)
PSMBP
0,5 TW 0,5 3 1 0,5 -
PSMBP Einzelstoff
jeweils 0,1
TW
jeweils 0,1 (außer
HCH)
0,6 (außer
HCH)
1 0,1 0,1 (DDT)
Aldrin, Azinphos-methyl,
Dichlorvos, Dieldrin,
Endosulfan, Etrimfos,
Fenitrothion, Fenthion,
Heptachlor; Heptachlor-epoxid,
Parathion-ethyl
jeweils 0,01
alle Ötox bzw.
Ötox (UG)
- - - - 0,1 (Aldrin)
Chlordan 0,003 Ötox - - -
- -
Disulfoton 0,004 Ötox - - -
- -
Diuron 0,05 Ötox - - -
- -
Hexazinon 0,07 Ötox - - - - -
Malathion, Parathion-methyl
jeweils 0,02
Ötox
-
-
-
-
-
Mevinphos 0,0002 Ötox - - -
- -
Pentachlorphenol 0,1 TW - - - - -
Phoxim 0,008 Ötox - - -
- -
Triazophos, Trifluralin,
Heptachlor, Heptachlorepoxid
jeweils 0,03
Ötox, Ötox TW,TW
-
-
-
-
-
Tributylzinn
1)
0,0001
Ötox - - - - -
Trichlorphon 0,002 Ötox - - - - -
Triphenylzinnverbindungen,
Dibutylzinn-Verbindungen
0,01
Ötox (UG), Ötox
-
-
-
-
-

14
Orientierungswerte des LfUG 2002
Teil 4 Sprengstofftypische
Verbindungen
GFS
neu
(μg/L)
G/B*
(μg/L)
D**
(μg/L)
G/B
GFS
neu
(-)***
Rahmen-
erlass
(μg/L)
Prüfwerte
BBodSchV
(μg/L)
Kriterium
Nitropenta (PETN)
10 analog TW(h)
-
-
2-Nitrotoluol
1 analog TW(h) 0,01 0,05 0,01 -
-
3-Nitrotoluol
10 analog TW(ä) 35 350 3,5 -
-
4-Nitrotoluol
3 analog TW(ä) 35 350
12
- -
2-Amino-4,6-Dinitrotoluol
0,2 analog TW(h) 2
15 10 -
-
4-Amino-2,6-Dinitrotoluol
0,2 analog TW(h) 10
80
50
-
-
2,4-Dinitrotoluol
0,05 analog TW(h) 0,2
1 4 - -
2,6-Dinitrotoluol
0,05 analog TW(h) 0,01 0,05 0,2 - -
2,4,6-Trinitrotoluol
0,2 analog TW(h) 1
8 5 -
-
Hexogen
1 analog TW(h) - - - - -
2,4,6-Trinitrophenol
(Pikrinsäure)
0,2 analog TW(h) 0,2 2 1 - -
Nitrobenzol
0,7 analog TW(h) 2 20 2,8 - -
1,3,5-Trinitrobenzol
100 analog TW(h) - - - - -
1,3-Dinitrobenzol
0,3 analog TW(h) 1
10 3 - -
Hexanitrodiphenylamin (Hexyl)
2 analog TW(h) - - - - -
Tetryl
5 analog TW(h) - - - - -
Octogen
175 analog TW(h) - - - - -

image
15
3. Sickerwasserprognose – was gibt’s
an neuen Erkenntnissen?
Der Themenkomplex Sickerwasserprognose stellt derzeit ein teures und zeitaufwändiges
Ringen um einheitliche Maßstäbe zur Gefährdungsabschätzung auf dem Pfad Boden-
Grundwasser dar. Verschiedene Ausführungen dazu waren in „Grundwasser&Altlasten aktuell
2003“ enthalten. Wie ist die Entwicklung nun weitergegangen?
Zu den Bodenuntersuchungen liegen die Musterleistungsbeschreibungen von Sachsen (siehe
nachfolgender Beitrag) vor. Auf Bundesebene wurde das Rahmenmaterial
„Sickerwasserprognose in der orientierenden Untersuchung“ erarbeitet. Es wird derzeit durch
„Sickerwasserprognose in der Detailuntersuchung“ komplettiert (Veröffentlichung
voraussichtlich 2006). Schwerpunkt dieses Materials ist die Untersuchung von Böden im Labor.
Im Gegensatz zur orientierenden Untersuchung, in der eine verbal-argumentative Abschätzung
im Mittelpunkt steht, geht es in der Detailuntersuchung vordergründig um eine quantifizierende
Abschätzung. Folgende Inhalte sind hier zu erwarten:
Veranlassung und Arbeitsauftrag
Zielsetzung und Anwendungsbereich
Rechtliche Grundlagen
Konzeptionelle Grundlagen
Standortbeschreibung
Beschreibung der Schadstoffquelle
Transportprognose
Räumlich-zeitliche Integration der Ergebnisse
Sonderfälle
Konzeptionelle Grundlagen
Dazu ist zum Standort einschließlich der Schadstoffausbreitung eine Modellvorstellung
(Gedankenmodell) zu entwickeln. Die für die Zielstellung noch notwendigen Daten und
Parameter sind zu benennen, die Verfahrensweise(n) zur Sickerwasserprognose festzulegen
und ein Untersuchungsprogramm aufzustellen.
Standortbeschreibung
Hier werden die wesentlichen Standortparameter und Bodenkennwerte genannt, die i.d.R. für
eine Sickerwasserprognose benötigt werden.
Beschreibung der Schadstoffquelle
Maßgeblich sind die Beschreibung des Schadstoffinventars, der Schadstofffreisetzung und der
Quellstärkeermittlung. Dazu sind die Gesamtgehalte, die derzeitigen
Schadstoffkonzentrationen, die zeitliche Entwicklung der Schadstoffkonzentrationen und die
mobilisierbaren Schadstoffmengen (je Zeit und Fläche = Quellstärke) zu ermitteln. Die
Bundesbodenschutzverordnung liefert Ansätze zur Bestimmung der derzeitigen
Schadstoffkonzentration. Für die anderen Kennwerte, insbesondere für die zeitliche
Entwicklung der Schadstoffkonzentrationen und die mobilisierbaren Schadstoffmengen, gibt es
keine festgelegten Konventionsverfahren auf Bundesebene. Deshalb sind hier die
Länderempfehlungen (soweit vorhanden, z.B. Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen)

16
heranzuziehen. Je nach Boden und Schadstoff können hier der DEV S4-Test, der
Bodensättigungsextrakt und Säulenversuche (auch in modifizierter Form) zum Einsatz kommen.
Eine Möglichkeit um Kennwerte für eine zeitliche Entwicklung zu erhalten, sind
Mehrfachelutionen, eine andere Möglichkeit, die Kennwerte als konstant über die Zeit
anzunehmen. Für die zeitliche Entwicklung sind 2 Zustände zu betrachten:
a) keine wesentlichen Änderungen der Milieubedingungen in überschaubarer Zukunft
b) wesentliche Änderungen der Milieubedingungen in überschaubarer Zukunft zu
erwarten.
.
Transportbetrachtung
Die Transportbetrachtung soll eine quantifizierende Abschätzung liefern, wie sich die aus der
Schadstoffquelle austretenden Stoffkonzentrationen und Frachten auf dem Transportweg von
der Quelle bis zur Grundwasseroberfläche verändern.
Es werden zwei Methoden der Abschätzung beschrieben.
a) über die Lösung der allgemeinen Advektions- Dispersions-Transportgleichung
Der Vorteil dieses Verfahrensweges liegt in der Möglichkeit, durch Variation der
Parameter und der Anfangs- und Randbedingungen zu einer schnellen Beurteilung der
Ergebnisbandbreite zu gelangen. Außerdem kann der Aufwand minimiert werden, in
dem an Stelle aufwendiger Laboruntersuchungen auch mit Literaturdaten und schon
vorhandene Standortdaten gearbeitet wird.
b) über die Massenbilanzmethode. Die Transportstrecke wird hierbei als ein- oder auch
mehrschichtiger homogener Reaktor betrachtet, in dem im Sickerwasser gelöste
Schadstoffe durch Sorption und biologischen Abbau zurückgehalten und damit dem
weiteren Transport entzogen werden. Die Massenbilanzierung kann auf der Grundlage
von Laboruntersuchungen (s. Musterleistungsbeschreibung Sachsen) erfolgen. Der
Vorteil dieser Methode liegt in der Berücksichtigung des Schadstoffgemisches und des
Bodens am Standort.
Weitere Methoden sowie eine Kopplung von a) und b) sind möglich.
Soweit zum derzeitigen Stand. Sollten sich aus den weiteren Forschungsvorhaben
praxisrelevante Erkenntnisse ergeben bzw. Konventionen festgelegt werden, erfolgen zur
gegebenen Zeit weitere Informationen.

image
17
4. Musterleistungsbeschreibungen zur
Sickerwasserprognose im Rahmen von
Detailuntersuchungen –
Boden- und Materialuntersuchungen
im Labor
4.1. Einführung
Zur Bewertung von Gefahren für das Grundwasser durch Verdachtsflächen oder
altlastverdächtigen Flächen schreibt die Bundes- Bodenschutz- und Altlastenverordnung
(BBodSchV vom 12. Juli 1999) eine Sickerwasserprognose vor. Diese kann entsprechend
Anhang 1, BBodSchV auf Grundlage verschiedener Verfahren durchgeführt werden. Laborative
Untersuchungen haben dabei einen besonderen Stellenwert, da sie eine Prognose durch
Mehrfachelutionen ermöglichen. Die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich der Herstellung von
Eluaten aus Bodenproben sind derzeit nicht ausreichend untersetzt. Daher ist es erforderlich,
eine einheitliche, praktikable, vergleichbare und ausschreibungsfähige Vorgehensweise
festzuschreiben. Dazu wurden in Sachsen Musterleistungsbeschreibungen für laborative
Untersuchungen zur Sickerwasserprognose durch das Boden- und Grundwasserlabor Dresden
in Zusammenarbeit mit der TU Dresden, Institut für Abfall und Altlasten entwickelt. In drei
Laborebenen werden Vorversuche und Versuche durchgeführt, die eine Einschätzung der
wesentlichen am Standort ablaufenden Prozesse ermöglichen. Zur Anwendung kommen dabei
S4-Test, Bodensättigungsextrakt (BSE) und intermittierende Säulenversuche. Anschließend
sind die Versuche hinsichtlich Schadstoffkonzentrationen und -frachten über die Zeit für den Ort
der Probennahme und für den Ort der Beurteilung auszuwerten.
Der modulare Aufbau gestattet eine Anwendung in Abhängigkeit vom Einzelfall. Für kleinere
Einzelfälle genügt ggf. die Durchführung von Quelltermuntersuchungen, um eine Abschätzung
zur Sickerwasserprognose durchführen zu können. Zur Reflektion des möglichen Spektrums
von Schadstoffen und Böden werden i.d.R. drei Linerkernproben (aus gering, mittel, hoch
kontaminierten Bereich) für die Untersuchungen herangezogen, aus einer gezielten
Probennahme anhand der Ergebnisse der Orientierenden Untersuchung.
Erfahrungen mit den Musterleistungsbeschreibungen liegen für einige Fälle vor. Die Methode
der Quelltermuntersuchungen wurde an Einzelfällen im Staatlichen Umweltfachamt Leipzig
(jetzt RP) getestet. Mit der Einstellung im Internet unter dem Fachinformationssystem Altlasten
werden die Musterleistungsbeschreibungen (MLB) mit Musterleistungsverzeichnissen (MLV)
vom LfUG als fachliches Arbeitsmaterial zur Anwendung empfohlen (downloadbar unter
(
www.umwelt.sachsen.de/lfug
).
Die vorliegende Musterbeschreibung beinhaltet eine detaillierte Methodik, mit der auf der
Basis von Laboruntersuchungen an Bodenproben die Schadstoffkonzentrationen im
Sickerwasser und die Schadstofffrachten für den „Ort der Probennahme“ und für den
„Ort der Beurteilung“ abgeschätzt werden können.
4.2. Musterleistungsbeschreibung Quellterm
Die Proben sind einer Quelltermuntersuchung zu unterziehen. Nach einer Istzustandsanalyse
wird zunächst ein Vorversuch als S4-Test nach DIN 38414 durchgeführt (s. Abb.1; Laborebene

18
A). Durch Normierung der dabei eluierten Schadstoffmenge auf das Porenvolumen der Probe,
können Fälle ausgeschieden werden, bei denen die so ermittelte Schadstoffkonzentration
kleiner als der Sickerwasser-Prüfwert ist. Die Ergebnisse des Vorversuches dienen der
grundsätzlichen Entscheidungsfindung über die Weiterführung der Laboruntersuchungen zur
Sickerwasserprognose. Liegt die normierte Schadstoffkonzentration unter dem Prüfwert, so
werden die Untersuchungen abgebrochen. Im anderen Fall erfolgt die Weiterführung der
Untersuchungen mit der Abschätzung der Grundwasserneubildungsraten (s. Abb.1;
Laborebene B). Dabei wird die kontaminationsbedingte Veränderung der zur Ermittlung der
Grundwasserneubildung erforderlichen pF-Kurve berücksichtigt.
Anschließend ist in Abhängigkeit von der Durchlässigkeit der Proben zu entscheiden, ob die
weiteren Elutionsversuche als Säulenversuche (bei k
f
-Werten ≥ 10
-7
m/s) oder als BSE-Tests
(bei k
f
-Werten < 10
-7
m/s) durchzuführen sind. Die Randbedingungen sind soweit wie möglich
der Realität nachgebildet und sehen eine Elution mit synthetischem Regenwasser bei einer
Temperatur von 10°C vor (s. Abb1; Laborebene C). Bei den gegenüber der BBodSchV
modifizierten BSE-Tests entsprechend der Musterleistungsbeschreibung erfolgt eine Elution
über 24 Stunden mittels Druckgasextraktion. Durch mehrfache Wiederholungen lassen sich
über das Verhältnis von Porenvolumen der Probe zur ansatzbezogenen
Grundwasserneubildung Zeitreihen aufstellen, die entsprechend auszuwerten sind. Sind
Säulenversuche möglich, d.h. verfahrenstechnisch und in sinnvollen Zeiträumen durchführbar,
werden belastete Säulen mit synthetischem Regenwasser über 24 Stunden eingestaut (ein
Porenvolumen), 24 Stunden stehen gelassen und über 24 Stunden wieder ausgetauscht
(intermittierend betriebener Säulenversuch – Verfahren entspricht dem des
Bodensättigungsextraktes). Es erfolgt ein mehrmaliger Wechsel zwischen Austausch- und
Stillstandsphase, so dass sich auch hier über das Verhältnis von Porenvolumen zur
säulenbezogenen Grundwasserneubildungsrate Zeitreihen aufstellen lassen. In Abbildung 1
sind die einzelnen Arbeitsschritte zur Quelltermuntersuchung für Böden < 10
-7
m/s dargestellt.

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
19
Sickerwasserprognose (Abschätzung bzw. modellgestützte Prognose)
ja
nein
Laborebene C
Laborebene B
Laborebene A
Untersuchungen mit belastetem Boden und synthetischem
Regenwasser (
Quellterm
)
Säulenversuche mit intermittierendem Betrieb
1.
2.
24 h
T = 10 °C
3.
Analyse
i-Wiederholungen
nein
c
ELUAT,normiert
<Prüfwert?
Istzustands-
analyse
ohne Phase
mit Phase
©
Kontaminations-
bedingte Korrektur
der Parameter?
nein
ja
Gewinnung von
ja
Linerkern-
proben
Gewinnung von
Linerkern-
proben
Sickerwasserprognose (Abschätzung bzw. modellgestützte Prognose)
ja
nein
Laborebene C
Laborebene B
Laborebene
Laborebene
A
A
Untersuchungen mit belastetem Boden und synthetischem
Regenwasser
(Quellterm)
Säulenversuche mit intermittierendem Betrieb
Absch
GWN
Abschätzung der
Bodenproben-
nahme; geolog./
bodenkundliche
Aufnahme
Bodenproben-
nahme; geolog./
bodenkundliche
Aufnahme
2.
24 h
T = 10 °C
1.
nein
c
ELUAT,normiert
<Prüfwert?
Istzustands-
analyse
(ohne Phase
1
)
BGD: Nitsche / LfUG: Börke und Sohr; 2003
Kontaminations-
bedingte Korrektur
der Kennwerte?
nein
ja
ja
1) bei Schadstoffen in Phase ist der Elutionstest als Säulenversuch durchzuführen
3.
Analyse
i-Wiederholungen
Elutionstest
(Quellterm)
mit synthetischem
Regenwasser
DIN-S4-Test
(Klassischer Batchtest)
Elutionstest
(Quellterm)
mit synthetischem
Regenwasser
DIN-S4-Test
(Klassischer Batchtest)
Bestimmung der Saugspannungs-
Sättigungskurve an belastetem
Boden
nach DIN ISO 11 274
Druck- bzw. Vakuumverfahren
Abb.1: Ablaufplan für Quelltermuntersuchungen bei Böden mit k
f
< 10
-7
m/s
4.3. Musterleistungsbeschreibung Transportterm
Zusätzlich zu Quelltermuntersuchungen sind Transporttermuntersuchungen zu empfehlen.
Noch unbelastete bzw. gering belastete Proben unterhalb der Schadstoffquelle werden
hinsichtlich ihres Rückhaltevermögens bzw. des biologischen Abbaus untersucht.
In der Laborebene B wird ein Sorptionstest durchgeführt, um das Probengesamtvolumen für die
Retardationsuntersuchungen zu ermitteln, das verwendet werden muss, um den
Retardationsversuch in der vorgegebenen Zeit zu beenden. Anschließend ist wieder in
Abhängigkeit von der Durchlässigkeit der Proben das zu verwendende Versuchsverfahren
(analog Quelltermuntersuchungen) festzulegen. Die Verfahrensdurchführung in der Laborebene
C erfolgt analog den Quelltermuntersuchungen, allerdings wird das aus dem Quelltermversuch

20
erhaltene belastete Sickerwasser als Infiltrat für die nicht bzw. gering kontaminierten
Bodenproben verwendet. In Abhängigkeit von der Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen
können Zeitreihen aufgestellt werden. Bei der Abschätzung der mikrobiellen Transformation
geht man davon aus, dass biologische Prozesse, die nach einem halben Jahr Reaktionszeit zu
keiner signifikanten Schadstofftransformation geführt haben, keinen wesentlichen Anteil am
Migrationsverhalten der Schadstoffe haben. Dementsprechend sind die Versuchsansätze für
ein halbes Jahr auszulegen (BSE-Tests bzw. intermittierend betriebene Säulenversuche), unter
Berücksichtigung natürlicher Bedingungen (reale Temperatur, ggf. Milieuwechsel). Abbildung 2
stellt beispielhaft die Übersicht zu den erforderlichen Arbeitschritten für Quell- und
Transporttermuntersuchungen für Böden mit k
f
> 10
-7
m/s dar
4.4. Auswertungen
Die Versuche ermöglichen zunächst eine Auswertung für den „Ort der Probennahme“. Folgende
Kennwerte bezogen auf die entnommenen Proben können ermittelt werden.
4.4.1 Fracht- und zeitbezogene Auswertung der Versuche
Dazu wird die eluierte Schadstoffmenge aus den Quelltermermittlungen nach jedem
Porenvolumenaustausch bestimmt und auf die Austragsfläche des Versuchsreaktors und die
entsprechende Realzeit bezogen. Die Realzeit berechnet sich entsprechend (1).
APV
A
GWN
V
APV
Q
V
t
VR
P
SiWa VR
P
R
=
=
,
(1)
t
R
- Realzeit (a)
V
P
- Porenvolumen des in dem Versuchsreaktor enthaltenen Bodens (ml)
Q
SiWa,VR
- mittlere jährliche Grundwasserneubildungsrate des Versuchsreaktors
bezogen
auf dessen Fläche (ml/a)
APV
- Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen
A
VR
- Fläche des Versuchsreaktors (m²)
GWN
- Grundwasserneubildungsrate (l/(m² a))
Die ausgetragener Fracht (in mg/(m² a) wird in Abhängigkeit von der Realzeit aufgetragen.

21
Abb. 2: Beispiel für eine Frachtabschätzung über die Jahre für den Quellterm
Anlog ist die ausgetragene Fracht nach den Retardationsuntersuchungen zu bestimmen und
darzustellen (Beispiel: Abbildung 3).
Abb.3 : Beispiel für eine Frachtabschätzung über die Jahre für den Transportterm
Stofffrachten Ablauf Säule 1 a
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
01234 5 6 7 8 9
Jahre
Phenol
[g/m²*a]
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
1,75
2,00
PAK
[mg/m²*a]
Phenol
PAK
Stofffrachten Ablauf Säule 1 b
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
Jahre
Phenol
[g/m²*a]
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
PAK
[mg/m²*a]
Phenol
PAK

22
4.4.2 Abschätzung der Elutions- und Retardationsraten
Die Abschätzung der Elutionsraten erfolgt nach (2).
VR
P
SiWa VR
S
S
m
APV V
SE
Q
FE
=
,
(2)
FEs
- Elutionsrate für den Schadstoff (s)
(mg/(kg a))
SE
S
- eluierte Stoffmenge an Schadstoff (s)
(mg)
Q
SiWa,VR
- mittlere jährliche Grundwasserneubildungsrate des Versuchsreaktors
bezogen auf dessen Fläche
(ml/a)
m
VR
- Trockenmasse des Bodens im Versuchsreaktor
(kg)
APV
- Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen
V
P
- Porenvolumen des in dem Versuchsreaktor enthaltenen Bodens (ml)
Die Dauer der Schadstoffelution ausgehend vom Versuchsreaktor berechnet sich aus (3)
VR
S
SE
E VR
m
FE
S
t
=
,
,
(3)
t
E,VR
- Dauer des Schadstoffaustrages in Bezug aus dem Versuchsreaktor in a
S
S,E
- im Reaktor enthaltene Schadstoffmenge des Schadstoffes (s) vor dem
Versuch in mg
Die Abschätzung der Retardationsrate erfolgt nach (4)
VR
P
S
SiWaS
S
m
APV V
SR
Q
FR
=
,
(4)
FR
S
- Retardationsrate für den Schadstoff (
S
)
(mg/(kg a))
SR
S
- retardierte Stoffmenge an Schadstoff (
S
)
(mg)
Q
SiWa
,
S
- auf die Fläche A des Versuchsreaktors
bezogene jährliche Grundwasserneubildung
(ml/a)
APV
- Anzahl ausgetauschter Porenvolumina
V
P
- Porenvolumen (ml)
m
VR
- Feststofftrockenmasse im Versuchsreaktor
(kg)
Die Dauer des Austrages unter Berücksichtigung des Transportterms bezogen auf den
Versuchsreaktor ergibt sich aus (5)
VR
S
SR
R VR
m
FR
S
t
=
,
,
(5)
t
R,VR
- Dauer der Retardation in Bezug auf den Versuchsreaktor
(a)
S
S,R
- vom Feststoff retardierte Schadstoffmenge des Schadstoffes (s)
(mg)
4.4.3 Abschätzung der mikrobiellen Transformationsraten
Für die eindeutige Zuordnung der Transformation zu biologischen Prozessen sind zwei Ansätze
(biotischer Ansatz, abiotischer Ansatz mit Vergiftung bzw. Inhibierung der mikrobiologischen
Prozesse) parallel notwendig. Die Transformationsrate kann aber auch hilfsweise ohne
Unterscheidung von biologischem Umsatz und abiotischen Prozessen berechnet werden. Eine
Abschätzung der biologischen Transformationsrate kann dann nur unter Hinzuziehen der

23
Ergebnisse aus den Retardations- bzw. Sorptionsuntersuchungen (Laborebene C)
vorgenommen werden.
4.4.4 weitere standortbezogene Auswertungen
Die bisherigen Auswertungen lassen Aussagen für den „Ort der Probennahme“ zu, d.h. sie
beziehen sich auf die entnommenen Bodenproben. In einem weiteren Schritt ist die
Übertragbarkeit dieser Erkenntnisse auf den Standort und auf den „Ort der Beurteilung“ zu
prüfen. Dazu ist für jede Bodenprobe abzuschätzen, für welche (Teil)Fläche sie charakteristisch
ist.
Die Übertragung der Erkenntnisse auf die Fläche (auf den Standort) kann erfolgen über:
a)
Massenbilanzmethode (über Proportionalitätsbeziehungen)
b)
Modellierung (über Kennwerte und Parameter aus den Versuchen)
Die gemäß der MLB durchzuführende Untersuchungen ermöglichen durch die objektspezifische
Ermittlung der Van Genuchten Parameter, von Adsorptions-/Desorptionsisothermen (einschl.
Parameter) und von mikrobiellen Transformationsraten eine modellgestützte
Sickerwasserprognose (für Programme wie HYDRUS, EXPOSI,..). Dadurch wird eine
modellgestützte Übertragung der Ergebnisse aus dem Labor- in den Feldmaßstab ermöglicht.
Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass alle Ergebnisse unter wassergesättigten
Versuchsbedingungen erzielt wurden und somit dem worst case (schlimmsten Fall)
entsprechen.
4.5. Einsatzgrenzen und Wirtschaftlichkeit der laborativen
Untersuchungen
Grundsätzlich ist die dargestellte Methodik zur Durchführung von Laboruntersuchungen deren
Ergebnisse für eine Sickerwasserprognose verwendet werden sollen, für jeden Boden und für
jeden Schadstoff einsetzbar. Bei einer hydraulischen Durchlässigkeit des Bodens von größer
1.10
-7
m/s werden intermittierend betriebene Säulenversuche durchgeführt, im anderen Fall
Bodensättigungsextrakte. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei der Untersuchung von
leichtflüchtigen Stoffen erhöhte Aufwendungen entstehen, die jedoch in den Anlagen zu den
MLB mit MLV beschrieben sind. Für Altablagerungen sind die Laborversuche zur
Quelltermuntersuchung i.d.R. auf Grund der ausgeprägten Heterogenität nicht geeignet. Unter
Verwendung von Deponiesickerwasser können jedoch die Laborversuche zur
Transporttermuntersuchung sinnvoll sein. Die Anzahl der zu untersuchenden Bodenproben
richtet sich nach der Heterogenität des zu untersuchenden Standortes. In den meisten Fällen
sind die Ergebnisse aus drei Proben ausreichend, um eine Gefährdungsabschätzung für den
Ort der Beurteilung durchführen zu können. Den Hauptanteil der Kosten verursachen nicht der
Aufbau und die Betreuung der Untersuchungen sondern die analytische Leistungen. Ob die
Laboruntersuchungen teuer sind, kann nur im Vergleich zu den erzielten Ergebnissen bewertet
werden. So waren im Ergebnis der Anwendung der Methodik zur Sickerwasserprognose in
einigen Fällen Sanierungen nicht mehr erforderlich. Bei bestätigtem Sanierungsbedarf aus den
Untersuchungen können Sanierungsmaßnahmen optimiert werden.
4.6. Bemerkungen zu intermittierenden Säulenversuchen
Im Fall der Durchlässigkeiten der Bodenproben von k
f
< 10
-7
m/s, werden Säulenversuche
empfohlen. Bisherige Erfahrungen mit klassischen Säulenversuchen zeigen, dass kontinuierlich
durchströmte Säulen den Schadstoffaustrag aus ungesättigten Bodenbereichen oberhalb des
Grundwassers z.T. nur unzureichend nachbilden können. Nur wenn sich eine
Gleichgewichtskonzentration in der Säule einstellt, kann die Eluatkonzentration aus der Säule
mit der Konzentration im Bodenwasser gleichgesetzt werden. Im anderen Fall der
Ungleichgewichtsbedingungen muss die Konzentration im Bodenwasser über die

24
Freisetzungsrate abgeschätzt werden. Wesentlicher Grund für das Nichteinstellen von
Gleichgewichtsbedingungen sind langsame Stoffübergänge (z.B. durch Diffusion bzw.
Desorption von Schadstoffen, meist bei Stoffen mit hoher Sorptionsneigung).
Im Gegensatz dazu herrschen in der Natur bei Sickerwasserprozessen in der ungesättigten
Bodenzone lange Kontaktzeiten zwischen Wasser, Schadstoff und Bodenmatrix vor. Die
Schadstoffdiffusion ist insbesondere in den Stillstandsperioden des Sickerwassers nicht
zeitlimitiert. Es kann sich ein Gleichgewicht zwischen sorbiertem Schadstoff an der
Feststoffmatrix und gelöstem Schadstoff in der Wasserphase einstellen.
Aus diesem Grund empfiehlt die Musterleistungsbeschreibung, die Durchführung der
Säulenversuche als intermittierende Versuche mit Einstau über 24 Stunden, 24 Stunden
Stillstand und Austausch über 24 Stunden. Damit sind in der Stillstandsphase eine Aufsättigung
des Sickerwassers mit Schadstoffen und die Einstellung von Gleichgewichtskonzentrationen
möglich und die Laborbedingungen kommen den Naturverhältnissen mit langen
Sickerwasserverweilzeiten einerseits und schnellen Sickerwasserbewegungen (z.B. bei
Starkregenereignissen) andererseits näher.
Verständlich wird dieser Unterschied auch beim Vergleich von typischen
Sickerwasseraustauschraten, die in der Natur anzutreffen sind, mit denen, die gewöhnlich in
Säulenversuchen eingestellt werden. Klassische (also kontinuierlich durchströmte)
Säulenversuche arbeiten häufig mit Austauschraten (= Durchfluss) von 1 Porenvolumen (der
Bodensäule) pro Tag. In der Natur dauert der komplette Austausch des Porenvolumens einer
Bodensäule viel länger.
Nimmt man z.B. eine jährliche Grundwasserneubildung (= Sickerfluss zum Grundwasser) von
200 mm (=0,2 m³ Sickerwasser / m² Boden / Jahr) an, käme man für einen grundwassernahen
Bodenwürfel von 1 m³ und einem angenommenen Porenvolumen von 0,3 m³ zu einer
Sickerwasseraustauschrate von maximal 1 Porenvolumen pro 1,5 Jahre.

image
25
5. Erste Erfahrungen mit der
Musterleistungsbeschreibung (MLB)
zur Sickerwasserprognose
Die Untersuchungen des Quell- und Transportterms innerhalb der Sickerwasserprognose
dienen vor allem der derzeitigen und zukünftigen Frachtbestimmung (und
Konzentrationsentwicklung) um im Rahmen der Verhältnismäßigkeit eine Entscheidung über die
Sanierungsnotwendigkeit treffen zu können. Erste Erfahrungen zum Umgang mit den MLB
liegen für verschiedene Fälle vor allem zu den Quelltermuntersuchungen vor. In den nächsten
Ausgaben von Grundwasser & Altlasten aktuell soll jeweils ein Anwendungsfall aufgegriffen
werden. Für die Ausgabe 2006 ist eine erste Auswertung der Elutionsversuche am Standort
Böhlen vorgesehen, die durch die Firma BGD betreut werden.
In dieser Ausgabe von Grundwasser & Altlasten aktuell soll auszugsweise der erfolgreiche
Sanierungsfall Gussglas Pirna hinsichtlich der Untersuchungen zum Quellterm vorgestellt
werden. Die Ergebnisse der Elutionsversuche dienten insbesondere der Untersetzung der
Entscheidung, welche belasteten Bereiche auszukoffern waren und welche Bereiche keine
Gefährdung für das weitere Grundwasser darstellten.
Bestimmung des Quellterms für die Sickerwasserprognose im Rahmen der
ergänzenden Standortuntersuchung Gussglas Pirna
Die Bearbeitung erfolgte im Auftrag von Beak Consultans GmbH bzw. der Stadtentwicklung
Pirna. Auftragnehmer war:
BGD GmbH
Dr. - Ing. Nitsche
Dipl. - Ing. Chr. Bethge
Dr. rer. nat. V. Neumann
Inhaltsverzeichnis
5.1.
Veranlassung und Zielstellung
5.2.
Entnahme der Linerproben
5.3.
Laborative Untersuchungen
5.3.1
Bodenwassersättigungsextrakte
5.3.1.1 Ergebnisse der Porenwasseranalysen
5.3.1.2 Ermittlung der eluierbaren Stoffmengenanteile
5.3.1.3 Ermittlung der retardierbaren Stoffmengenanteile
5.3.2
Säulenversuche
5.3.2.1 Versuchsaufbau und Versuchsdurchführung
5.3.2.2 Ergebnisse der Säulenversuche
5.4.
Abschätzung des frachtbezogenen Schadstoff-Eintrages ins Grundwasser
5.5.
Abschätzung der Elutions- und Retardationsraten
Anlage 1
Graphische Auswertung der Mess- und Analysenwerte: Säulenversuche
Anlage 2
Graphische Auswertung der Schadstoff-Frachten: Säulenversuche

26
5.1. Veranlassung und Zielstellung
Im Rahmen der ergänzenden Standortuntersuchung im Bereich der Gussglas Pirna waren
Säulenversuche zur Sickerwasserprognose durchzuführen. Die Zielstellung bestand sowohl in
der Bestimmung der Freisetzungsraten der organischen Schadstoffe aus der Schadstoffquelle
als auch in der Abschätzung des Migrationsverhaltens der eluierten Schadstoffe im unter der
Schadstoffquelle befindlichen, nicht kontaminierten Bereich. Im gegebenen Fall ist die
Untersuchung der Eluierbarkeit auch aus dem Grunde wesentlich, da nach den letzten
Grundwasseruntersuchungen aus dem Jahre 1996 keine relevante Grundwasserkontamination
feststellbar war, obwohl sehr starke Bodenkontaminationen (belegt in sehr hohen Feststoff- und
Eluatgehalten) mit standorttypischen Kontaminanten (MKW, PAK und Phenole) eindeutig bis in
den Wasserwechselbereich hinein festgestellt wurden. Für die Sickerwasserprognose waren
zwei Doppelsäulen („diskretisierte Säulenanlage“ nach NITSCHE mit je einem Entnahmeport für
Wasserproben) zu verwenden. Die Berechnung der Freisetzungsraten sowie die Berechnung
der Gehalte im Bodenwasser waren gemäß der DIN 19 736 (Vornorm) bzw. in deren Anlehnung
durchzuführen.
5.2. Entnahme der Linerproben
Es wurden durch die Bohrfirma Kling Bohrtechnik Dresden vier Rammkernbohrungen zur
Entnahme der ungestörten Kernproben abgeteuft. Um eine Kontaminationsverschleppung
auszuschließen, wurden zuerst an zwei unkontaminierten Standorten die Liner 1b und 2b
entnommen. Anschließend erfolgte die Entnahme der kontaminierten Liner 1a und 2a. Als
Linermaterial wurde Edelstahl verwendet, um Materialeinflüsse auf die
Untersuchungsergebnisse auszuschließen. Nach Entnahme der Liner wurden diese an beiden
Stirnseiten mit Deckeln verschlossen und anschließend gekühlt und stehend ins Labor
transportiert.
Die Edelstahlliner wurden in eine mit Edelstahlleitungen und gasdichten Beuteln (zur gasdichten
Entnahme der Perkolatproben) komplettierte Säulenanlage eingebaut und bei 10°C betrieben.
5.3. Laborative Untersuchungen
Nach der Vor-Ort-Ansprache des Bohrgutes wurde vermutet, dass in den Linern 2a und 2b ein
im Vergleich zu den Linern 1a und 1b bindiges Substrat enthalten sein könnte. Unmittelbar nach
Einbau der Liner in die Säulenanlage, wurde die geringe hydraulische Durchlässigkeit des im
Liner 2a befindlichen Substrates festgestellt. Dementsprechend konnten für die Liner 2a und 2b
keine Säulenversuche durchgeführt werden. Um den Zeitplan einzuhalten wurde in Absprache
mit dem Auftraggeber kurzfristig die Herstellung eines Bodensättigungsextraktes festgelegt.
5.3.1 Bodenwassersättigungsextrakte
Für die Gewinnung von Porenwasser musste zunächst ein Bodensättigungsextrakt hergestellt
werden. Der Bodensättigungsextrakt wurde aus dem gesamten Substrat des Liners 2a und
unter Verwendung von 2.8 l künstlichem Regenwasser gewonnen. Die Herstellung der
wassergesättigten Substratpaste erfolgte ohne Wasserüberschuss. Nach einer Standzeit von
24 h (bei 8°C im Kühlschrank) und einer nochmaligen Nachsättigung der Substratpaste mit
synthetischem Regenwasser wurde diese in Drucktöpfe gefüllt. Die Gewinnung des
Bodenwassers erfolgte durch Anlegen eines Gasdruckes von 2 bar. Als Gas wurde Stickstoff
verwendet, um Oxidationsprozesse auszuschließen. Dieser Vorgang wurde dreimal wiederholt.
Das so gewonnene Porenwasser wurde analysiert und mit der verbleibenden Menge ein
Batchversuch mit dem Substrat des Liners 2b unter Einhaltung eines Feststoff:Wasser-
Verhältnisses von 1:2,5 durchgeführt, um eine eventuell auftretende Rückhaltung des
Schadstoffes zu ermitteln. Dieser Vorgang wurde ebenfalls dreimal wiederholt.

27
5.3.1.1
Ergebnisse der Porenwasseranalysen
Die Analysenergebnisse sind Tabelle 3.2.1 zu entnehmen.
Tab.3.2.1:
Analysenergebnisse der Porenwässer
Parameter Liner 2a
P 1
Liner 2a
P 2
Liner 2a
P 3
Liner 2b
P 1
Liner 2b
P 2
Liner 2b
P 3
pH [-]
5,53 5,62 5,94 5,94 5,91 7,01
Leitfähigkeit [μS/cm]
1280 730 370 1250 800 421
MKW [mg/l]
< 0,04
< 0,04
< 0,04
< 0,04
< 0,04
< 0,04
PAK [μg/l]
2,81 2,30 3,00 < BG < BG < BG
Phenol [mg/l]
16 4,8 1,8 13 2,6 0,61
Aus den vorliegenden Analysenergebnissen der Porenwasserproben, die aus der
Schadstoffquelle eluiert wurden, können folgende Schlussfolgerungen getroffen werden:
Quelltermermittlung (kontaminiertes Substrat)
Der Verlauf der elektrischen Leitfähigkeit verdeutlicht ein typisches Auswaschungsverhalten.
Es werden keine MKW eluiert.
Es wird eine nahezu konstante Bodenwasserkonzentration an PAK (EPA) eluiert.
Der Hauptanteil der
Σ
PAK (EPA) wird aus Anthracen gebildet. Weitere Komponenten sind
Benzo(a)anthracen und Fluoren. Bei diesen Ergebnissen ist jedoch zu berücksichtigen,
dass durch die Herstellung der Bodensättigungsextrakte ein Teil der PAK-Komponenten
über die Gasphase dem System entzogen werden kann.
Der Verlauf der Phenolkonzentrationen verdeutlicht ein Auswaschungsverhalten, das mit
steigender Anzahl der Bodensättigungsextrakte zu einer weiteren Verringerung der
Porenwasserkonzentration führt.
Retardationstermermittlung (nicht kontaminiertes Substrat)
Der Verlauf der elektrischen Leitfähigkeit verdeutlicht ein für Substrate typisches Verhalten,
die hinsichtlich der Kationen/ Anionen nur gering sorptiv bzw. desorptiv wirken – die im
Ausgangswasser gemessenen Werte der elektrischen Leitfähigkeit werden auch im
Prozesswasser nach Einstellung des thermodynamischen Gleichgewichtes ermittelt.
Da im Ausgangswasser keine MKW nachgewiesen wurden, können im Prozesswasser nach
Einstellung des thermodynamischen Gleichgewichtes auch keine MKW analysiert werden.
Über die Bodenwassersättigungsansätze wird die gesamte zugeführte Konzentration an
PAK (EPA) auf Werte kleiner der Bestimmungsgrenze verringert. Bei diesen Ergebnissen ist
jedoch zu berücksichtigen, dass durch die Herstellung der Bodensättigungsextrakte ein Teil
der PAK-Komponenten über die Gasphase dem System entzogen werden kann.
Der Verlauf der Phenolkonzentrationen verdeutlicht ein Retardationsverhalten, das eine
Verringerung der Bodenwassersättigungskonzentrationen von ca. 20 % bis ca. 70 % des zur
Herstellung des Bodensättigungsextraktes verwendeten Prozesswassers (Porenwasser aus
der Quelltermermittlung) bewirkt.
5.3.1.2
Ermittlung der eluierbaren Stoffmengenanteile
Um die im Rahmen der Bodensättigungsextrakte eluierten Stoffmengenanteile
(ESA)
in Bezug
auf die in dem Ausgangssubstrat enthaltenen Stoffmengen zur ermitteln, wurde nach Abschluss
der Bodensättigungsextrakte eine Mischprobe aus dem Substrat hergestellt und analysiert. Die

28
analysierten Werte (C) der Probe wurden unter der Bezeichnung S 2a MP im Prüfbericht
0701/14 aufgelistet. In der nachfolgenden Tabelle 3.2.2 wurden die in der Mischprobe nach
Versuchsende ermittelten Gesamtstoffmengen
(S)
zusammengestellt. Das dem Liner
entnommene Substrat hatte eine Trockenmasse von 7,3 kg.
Tab. 3.2.2:
Ermittlung der in der Mischprobe des Liners 2a nach
Versuchsende enthaltenen Gesamtstoffmengen (S)
Probe C-PAK C-Phenol S-PAK S-Phenol
in mg/(kg TS) in mg/(kg TS)
in mg
in mg
S 2a MP
16,2
8,5
118,3
62,1
Um die zu Versuchsbeginn in dem Substrat enthaltene Stoffmenge
(SS-
Σ
)
zu ermitteln, wurde
die während des Versuches eluierte Stoffmenge
(ES-Wasser)
zu der nach Versuchsende am
Substrat analysierten Stoffmenge
(S)
addiert (Tab. 3.2.3). Die Berechnung der eluierten
Stoffmengen ist Tabelle 3.2.4 zu entnehmen.
Tab. 3.2.3:
Ermittlung der eluierbaren Stoffmengenanteile für die
Mischprobe des Liners 2a
Schadstoff S ES-Wasser
SS-
Σ
SAR
in mg
in mg
in mg
in %
PAK 118,3 0,02 118 0,02
Phenol 62,1 51 113 45
Tab. 3.2.4:
Ermittlung der aus der Mischprobe des Liners 2a im Rahmen
der Bodenwassersättigungsextrakte eluierten Stoffmengen
Proben-Nr. C-PAK C-Phenol V-Wasser S-PAK S-Phenol
in mg/l
in mg/l
in l
in mg
in mg
S 2a P1
0,00281
16
2,27
0,0064
36,3
S 2a P2
0,00230
4,8
2,53
0,0058
12,1
S 2a P3
0,00300
1,8
1,33
0,004
2,4
Summe
0,016 50,8
5.3.1.3
Ermittlung der retardierbaren Stoffmengenanteile
Um die während des mit dem Substrat des Liners 2 b (nicht kontaminiert) durchgeführten
Batchversuches (Pkt. 3.2) retardierten Stoffmengenanteile
(RSA)
in Bezug auf die dem System
zugeführten Stoffmengen zu ermitteln, wurde die Differenz
(
S)
zwischen der Stoffmenge, die
dem Batchversuch zugeführt wurde
(S-Input)
und der Stoffmenge, die in der
Gleichgewichtslösung nach Abschluss der jeweiligen Batchversuchsstufe
(S-Output)
ermittelt
wurde, gebildet. In den Tabellen 3.2.5 und 3.2.6 wurden die Berechnungsschritte
zusammenfassend dargestellt. Für die Analysenergebnisse, die unterhalb der
Bestimmungsgrenze lagen, wurde die Bestimmungsgrenze verwendet.
Tab. 3.2.5a:
Ermittlung von S-Input für Phenol
Proben-Nr. V-Input
in l
C-Input
in mg/l
S-Input
in mg
S 2a P1
1,0
16,0
16,0

29
S 2a P2
1,0
4,8
4,8
S 2a P3
1,0
1,8
1,8
Summe 22,6
Tab. 3.2.5b:
Ermittlung von S-Input für PAK
Proben-Nr. V-Input
in l
C-Input
in mg/l
S-Input
in mg
S 2a P1
1,0
0,00281
0,0028
S 2a P2
1,0
0,00230
0,0023
S 2a P3
1,0
0,00300
0,0030
Summe 0,0081
Tab. 3.2.5c:
Ermittlung von S-Output für Phenol
Proben-Nr. V-Output
in l
C-Output
in mg/l
S-Output
in mg
S 2b P1
0,98
13,0
12,7
S 2b P2
0,96
2,6
2,5
S 2b P3
0,95
0,6
0,6
Summe 15,8
Tab. 3.2.5d:
Ermittlung von S-Output für PAK
Proben-Nr. V-Output
in l
C-Output
in mg/l
S-Output
in mg
S 2b P1
0,98
0,0006
0,00059
S 2b P2
0,96
0,0006
0,00058
S 2ba P3
0,95
0,0006
0,00057
Summe 0,0017
Tab. 3.2.6:
Ermittlung des Stoffreduzierungsanteils
Schadstoff S-Input
in mg
S-Output
in mg
S
in mg
SRA
in %
Phenol 22,6 15,8 6,8 30
PAK 0,0081 0,0017 0,0064 80
5.3.2 Säulenversuche
5.3.2.1
Versuchsaufbau und Versuchsdurchführung
Für die Liner 1a und 1b wurde eine diskretisierte Säulenanlage nach NITSCHE aufgebaut und
betrieben. Eine schematisierte Versuchsanlage ist der Abb.3.3.1 zu entnehmen. Die Anlage
besteht aus zwei Einzelsäulen, die hydraulisch getrennt betrieben wurden. Nach der ersten
Säule, in der sich das Substrat aus der Kontaminationsquelle befand, das mit Regenwasser
durchströmt wurde, wurde das Perkolat in einem gasdichten Beutel gesammelt. Aus diesem
Beutel wurde zunächst ein Teilvolumen für die Analytik entnommen. Danach wurde der Beutel
als Infiltrationsgefäß mit dem Infiltrationswasser für die 2. Säule verwendet, in der sich das nicht
kontaminierte Substrat befand. Dadurch wurden für beide Säulen hydraulisch identische
Randbedingungen erzielt. Die Probennahme nach der ersten Teilsäule hatte keine
Auswirkungen auf die hydraulischen Randbedingungen der zweiten Teilsäule. Die
Versuchsanlage wurde mit einer Schlauchpumpe betrieben.

30
Vorratsbehälter
(gasdicht)
Pumpe
Säule 1
Auffang-
behälter
Säule 1
(gasdicht)
Pumpe
Auffang-
behälter
Säule 2
(gasdicht)
Auffang-
Säule 2
behälter
Säule 1
(gasdicht)
Entnahme einer
Teilprobe (ca. 1 l)
für die Istzustands-
analyse
Abb. 3.3.1:
Schematisierte Darstellung der Säulenanlage
Eine wesentliche Forderung bei derartigen Untersuchungen besteht in einer Anpassung der
hydraulischen Bedingungen der Säulenversuche an die natürlichen Prozesse.
Dementsprechend werden zur Erzielung von Versuchsbedingungen, die weitestgehend den in
der Bodenwasserzone ablaufenden Prozessen entsprechen (keine kontinuierliche Strömung
des infiltrierten Regenwassers in der Bodenwasserzone und daraus resultierende lange
Kontaktzeiten mit der Bodenmatrix/Kontaminanten, die stets zu Lösungsgleichgewichten
führten) die Säulenversuche zur Sickerwasserprognose wie folgt durchgeführt:
Einstau der Säule von unten nach oben mit einer Geschwindigkeit von ca. einem
Porenvolumen/Tag (volle Wassersättigung),
Stehen lassen der Säule über 24 Stunden,
Austausch eines Porenvolumens der Säule von unten nach oben mit einer
Geschwindigkeit von ca. einem Porenvolumen/Tag (das erste Porenvolumen wird nicht
analysiert, da es die Einlaufphase repräsentiert),
Stehen lassen der Säule über 24 Stunden,
Austausch eines Porenvolumens der Säule von unten nach oben mit einer
Geschwindigkeit von ca. einem Porenvolumen/Tag,
Der Wechsel zwischen Austausch- und Stillstandsphasen wird so oft wiederholt, bis 6
Porenvolumina zur Analyse entnommen wurden.
Das Perkolat der Säule 1a wurde nach Sammlung von zwei Porenvolumina analysiert und die
verbleibende Menge (ca. 1 Porenvolumen; entspricht ca. 1300 ml) als Infiltrat für Säule 1b
verwendet. Die Leitkennwerte Sauerstoff, pH-Wert, elektrische Leitfähigkeit und
Redoxspannung wurden diskontinuierlich gemessen und grafisch ausgewertet (Anlage 1).

image
31
In Tabelle 3.3.1 wurden die wichtigsten Kennwerte der Säulenanlage dargestellt.
Tab. 3.3.1:
Kennwerte der Säulenanlage S1a und S1b
Parameter
Säule 1a
Säule 1b
Länge [cm]
50 50
Durchmesser [cm]
10,2 10,2
Volumen [ml]
4086 4086
Porosität [-]
0,33 0,33
Porenvolumen [ml]
1348 1348
k
F
-Wert [m/s]
5*10
-7
5*10
-6
Durchfluss
[
ml/min
]
0,94 0,94
Probenanzahl
6
6
Durchfluss gesamt [ml]
15681 7923
Ausgetauschte Porenvolumen
11,6 5,8
In der Abbildung 3.3.2 wurde eine Realaufnahme der Säulenversuchsanlage abgebildet.
Abb.: 3.3.2:
Realaufnahme der Versuchsanlage
Ablauf Liner
1a
gasdicht
Ablauf Liner
1b
gasdicht
Zulauf Liner
1a
künstl.
Schlauchpumpe
Zulauf Liner
1b
=Ablauf Liner
1a
gasdicht
Liner
Liner

32
5.3.2.2
Ergebnisse der Säulenversuche
In den Tabellen 3.3.2 und 3.3.3 wurden die Analysendaten der entnommenen Perkolatproben
zusammengestellt. Eine grafische Darstellung ist Anlage 1 zu entnehmen.
Tab. 3.3.2:
Analysenergebnisse Säulenversuch Liner 1a – Schadstoffquelle
Parameter
Liner 1a P 1
Liner 1a P 2
Liner 1a P 3
Liner 1a P 4
MKW [mg/l]
< 0,04
< 0,04
< 0,04
< 0,04
PAK [μg/l]
1,31 4,43 2,28 0,817
Phenol [mg/l]
12 9,5 4,9 3,5
Parameter
Liner 1a P 5
Liner 1a P 6
MKW [mg/l]
< 0,04
< 0,04
PAK [μg/l]
0,774 3,88
Phenol [mg/l]
3,3 3,3
Tab. 3.3.3:
Analysenergebnisse Säulenversuch Liner 1b – nicht kontaminierter Bereich
Parameter
Liner 1b P 1
Liner 1b P 2
Liner 1b P 3
Liner 1b P 4
MKW [mg/l]
< 0,04
< 0,04
< 0,04
< 0,04
PAK [μg/l]
1,34
3,24
< BG
< BG
Phenol [mg/l]
5,5 4,3 3,1 2,5
Parameter
Liner 1b P 5
Liner 1b P 6
MKW [mg/l]
< 0,04
< 0,04
PAK [μg/l]
< BG
< BG
Phenol [mg/l]
2,2 1,5
Aus den vorliegenden Analysenergebnissen der Perkolatproben, die im Ablauf der ersten
Teilsäule (Schadstoffquelle) bzw. der zweiten Teilsäule (nicht kontaminierter Bereich)
entnommen wurden, können folgende Schlussfolgerungen getroffen werden:
Quelltermermittlung (erste Teilsäule)
Der Verlauf der Leitparameter der ersten Teilsäule (Schadstoffquelle) verdeutlicht:
-
hinsichtlich der elektrischen Leitfähigkeit einen Auswaschungseffekt,
-
einen leicht steigenden pH-Wertverlauf,
-
eine zunächst leicht fallende und danach ansteigende Redoxspannung und
-
einen relativ geringen Sauerstoffgehalt.
Aus der die Schadstoffquelle charakterisierenden ersten Teilsäule werden trotz der hohen
MKW-Gehalte am Boden nur MKW im Bereich unterhalb der Bestimmungsgrenze eluiert.
Die im Perkolat der Säule nachgewiesene Konzentration an PAK (EPA) schwankt in einem
Bereich von ca. 0,8
µg/l
bis ca. 4,5
µg/l.
Der Konzentrationsverlauf könnte aus der
Heterogenität des in dem Liner befindlichen Substrates resultieren, die eine unterschiedliche
Durchströmung des Substrates bewirkt.
Der Hauptanteil der
Σ
PAK (EPA) wird aus Anthracen gebildet. Weitere Komponenten sind
Acenaphthen, Flouren, Benzo(a)anthracen und Chrysen. Für alle anderen PAK-
Komponenten wurden Konzentrationswerte unterhalb der Bestimmungsgrenze ermittelt.

33
Der Verlauf der Phenolkonzentrationen verdeutlicht ein Auswaschungsverhalten, das mit
steigender Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen zu einer weiteren Verringerung der
Porenwasserkonzentration führt (von ca. 12 mg/l auf unter 4 mg/l). Auch bei dem
Konzentrationsverlauf für Phenol (geringer Konzentrationsanstieg zwischen dem 5. und 6.
Analysenwert) deutet sich die Wirkung der Heterogenität des in dem Liner befindlichen
Substrates an, die eine unterschiedliche Durchströmung des Substrates bewirkt.
Um die während des Säulenversuches
eluierten Stoffmengenanteile (ESA)
in Bezug auf
die im Liner enthaltenen Stoffmengen zu ermitteln, wurden die Liner nach Versuchsende
geöffnet und in vier
Probenentnahmebereichen (PEB)
die Phenol- und PAK-
Konzentrationen (C)
bestimmt. Aus den Konzentrationswerten wurden die im Liner 1a
nach Versuchsende enthaltenen Gesamtstoffmengen (S)
ermittelt (Tab. 3.3.4).
Tab. 3.3.4:
Ermittlung der nach Versuchsende im Liner 1a enthaltenen Stoffmengen
PEB C-PAK C-Phenol S-PAK S-Phenol
in m
in mg/(kg TS) in mg/(kg TS)
in mg
in mg
0,0 – 0,1
27,4
21,8
39,2
31,2
0,1 – 0,2
61,8
22,9
88,4
32,7
0,2 – 0,3
67,6
29,4
96,7
42,0
0,3 – 0,5
69,3
25,6
198,2
73,2
Summe
422,3 179,1
Um die
zu Versuchsbeginn in der Säule enthaltene Stoffmenge (SS-Summe)
zu
ermitteln, wurde die
während des Versuches eluierte Stoffmenge (ES-Wasser)
zu der
nach Versuchsende am Substrat analysierten Stoffmenge (S)
addiert (Tab. 3.3.5). Die
daraus ermittelten eluierten Stoffmengenanteile wurden in Tab. 3.3.4 zusammengestellt.
Tab. 3.3.5:
Ermittlung der eluierbaren Stoffmengenanteile (ESA)
Schadstoff S ES-Wasser SS-Summe ESA
in mg
in mg
in mg
in %g
PAK 422,3 0,04 422,4 0,01
Phenol 179,1 94,5 273,6 34,5
Auch wenn die Analysenwerte an Teilproben ermittelt wurden, die auf Grund der
Flüchtigkeit nicht mit einem automatisierten Probenteiler (geht nur für trockene Proben),
sondern nach einer Handhomogenisierung entnommen wurden und somit nur teilweise
belastbar sind, werden sich die ermittelten eluierten Stoffmengenanteile (ESA) nur
unwesentlich ändern. Das bedeutet, dass der eluierbare Stoffmengenanteil für PAK deutlich
unter 1 % liegen wird.
Retardationstermermittlung (zweite Teilsäule)
Der Verlauf der Leitparameter der zweiten Teilsäule (nicht kontaminiertes Substrat)
verdeutlicht :
- bei der elektrischen Leitfähigkeit ein für Substrate typisches Verhalten, die
hinsichtlich der Kationen/ Anionen nur gering sorptiv bzw. desorptiv wirken,
- einen leicht steigenden pH-Wertverlauf,
- eine leicht steigende Redoxspannung und

34
- einen stark schwankenden Sauerstoffgehalt mit einer leicht fallenden Tendenz.
Die im Perkolat der Säule nachgewiesene Konzentration an PAK (EPA) zeigt eine deutliche
Verringerung gegenüber dem aus der ersten Teilsäule stammenden Infiltrat.
Der Hauptanteil der
Σ
PAK (EPA) wird neben Benzo(a)anthracen vor allem aus Anthracen
gebildet. Alle weiteren im Perkolat der kontaminierten Säule nachgewiesenen Komponenten
(Acenaphthen, Fluoren und Chrysen) konnten im Ablauf der zweiten Teilsäule (nicht
kontaminiertes Substrat) nicht mehr nachgewiesen werden (< Bestimmungsgrenze).
Der Verlauf der Phenolkonzentrationen zeigt ein zur Inputkonzentration (Perkolat der ersten
Teilsäule) analoges Gesamtbild, jedoch auf geringerem Konzentrationsniveau (von ca. 6
mg/l auf unter 2 mg/l).
Um die während des Säulenversuches retardierten Stoffmengenanteile
(RSA)
in Bezug auf
die Inputkonzentration zu ermitteln, wurde der Liner 1b nach Versuchsende geöffnet und in
drei Probenentnahmebereichen
(PEB)
die Phenol- und PAK-Konzentrationen
(C)
bestimmt.
Aus den Konzentrationswerten wurden die im Liner nach Versuchsende enthaltenen
Gesamtstoffmengen
(S)
ermittelt (Tab. 3.3.6).
Tab. 3.3.6:
Ermittlung der im Liner 1b enthaltenen Stoffmengen (Grundlage bilden die
Analysenwerte)
PEB C-PAK C-Phenol S-PAK S-Phenol
in m
in mg/(kg TS) in mg/(kg TS)
in mg
in mg
0,0 – 0,1
< BG
0,27
< BG
0,39
0,1 – 0,2
< BG
< BG
< BG
< BG
0,2 – 0,5
< BG
< BG
< BG
< BG
Summe
< BG 0,39
Um die in Tab.3.3.5 enthaltenen Ergebnisse zu überprüfen, wurde die während des
Versuches in der Säule 1b verringerte Stoffmenge
(
S)
aus der Differenz zwischen der
Stoffmenge, die der Säule zugeführt wurde
(S-Input)
und der Stoffmenge, die im Perkolat
der Säule ermittelt wurde
(S-Output
), gebildet (Tab.3.3.7).
Tab. 3.3.7:
Ermittlung der retardierten Stoffmengenanteile auf der Grundlage der
Differenzbildung zwischen Stoffinput und Stoffoutput
Schadstoff S-Input S-Output
S
RSA
in mg
in mg
in mg
in %
PAK 0,035 0,005 0,03 86
Phenol 94,5 25,3 69,2 73
Wird
∆S
Phenol mit S-Phenol verglichen, so wird deutlich, dass zwischen beiden
unabhängig voneinander bestimmten Analysenwerten ein erheblicher Differenzbetrag
besteht. Aus der Sicht der Bearbeiter sollte der in Tab. 3.3.6 angegebene Wert nur als eine
Indikation für die Phenolretardation gewertet werden, da die Analysenwerte an Teilproben
ermittelt wurden, die auf Grund der Flüchtigkeit der Schadstoffe nicht mit einem
automatisierten Probenteiler (ist nur für trockene Proben verwendbar), sondern nach einer
Handhomogenisierung entnommen wurden.
Insgesamt kann festgestellt werden, dass Phenol zu etwa 70 % bis ca. 80 % verringert
wird, während die PAK um ca. 80 % bis 90 % reduziert und in ihrer Zusammensetzung
geändert werden. Dadurch werden die mittels Bodensättigungsextrakt/ Batchversuche
erzielten Ergebnisse im Wesentlichen bestätigt.

35
5.4. Abschätzung des frachtbezogenen Schadstoffeintrages in das
Grundwasser
Die Abschätzung des frachtbezogenen Schadstoffeintrages erfolgt für den Transportweg:
Regenwasser
Durchsickerung von kontaminiertem Material mit daraus resultierender
Aufkonzentration des Regenwassers mit Schadstoffen (Sickerwasser)
Migration des
Sickerwassers (schadstoffbeladenen Regenwassers) in der nicht kontaminierten
Bodenwasserzone bis zur Grundwasseroberfläche. Hierfür ist es erforderlich, die
Grundwasserneubildung (GWN) unterhalb der kontaminierten Flächen abzuschätzen. Für die
Abschätzung der Grundwasserneubildung wurde der von BEIMS und GUTT entwickelte und
nachfolgend dargestellte Ansatz verwendet (DGC GmbH: Programmdokumentation EXPOSI;
2000).
GWN
a
(
N
b
)
C
d
=•
mit: N Niederschlag
a, b
Bodenkennwerte
c Vegetationskennwerte
d Versiegelungskennwerte
Folgende Kennwerte sind vorgegeben:
Boden
a b
Sand (S)
0,55
250
lehmiger Schluff (Uls)
0,52
300
sandiger Ton (Ts2)
0,49
350
toniger Lehm (Lt3)
0,45
400
Versiegelungsgrad d
0% 1,00
25% 0,85
50% 0,70
75% 0,50
Für das zu betrachtende Gebiet wurde gewählt: a=0,52; b=300 mm; c=1,03; d=1; N=664 mm
(DWD-Mittelwert). Damit wird eine Grundwasserneubildung (GWN) von 226 mm/a ermittelt.
Um die Realzeit der Säulenversuche zu ermitteln, ist die Grundwasserneubildung für die Säulen
zu berechnen und diese ins Verhältnis mit dem Porenvolumen in den Säulen zu setzen. Die auf
die Fläche A der Säulen bezogene Grundwasserneubildung ergibt ein Wasservolumen von:
V
GWN
für die Säule = A
Säule
GWN = 81,7 cm
2
22,6 cm/a = 1846 ml/a
Für die Abschätzung der Realzeit der Säulenversuche wird das Porenvolumen der Säule durch
die V
GWN
dividiert und mit der Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen (APV) multipliziert (s.
Tab.4.1
Vegetation c
Ödland
1,03
Gras 1,00
landw. Nutzfläche
0,97
Wald 0,94

36
Tab.4.1:
Abschätzung der Realzeit der Säulenversuche
Säule Porenvolumen V
GWN
Säule APV Realzeit
Säule 1a (Quelle)
1348 ml
1846 ml/a
11.6
ca. 8.5 Jahre
Säule 1b
1348 ml
1846 ml/a
5.8
ca. 4.2 Jahre
Auf der Grundlage der in Anlage 1 dargestellten Versuchsergebnisse, der abgeschätzten
Grundwasserneubildung und der Realzeit der Säulenversuche wurde die
säulenspezifische zeitliche Entwicklung der PAK-Frachten abgeschätzt. Die Ergebnisse
wurden in der Anlage 2 grafisch dargestellt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
dargestellten jährlichen Schadstoff-Frachten auf einen Quadratmeter kontaminierte
Fläche bezogen sind.
Auf der Grundlage der vorliegenden Versuchsergebnisse können folgende Aussagen getroffen
werden:
Der Verlauf der Phenolfrachten verdeutlicht für die Schadstoffquelle (erste Teilsäule) über
einen Zeitraum von neun Jahren eine Verringerung des Phenolaustrages von ca.
2,8 g/(m
2
a) auf ca. 0,8 g/(m
2
a). In dem darunter befindlichen nicht kontaminierten
Bereich (zweite Säule) wird die aus der Schadstoffquelle resultierende Phenolfracht im
simulierten Zeitraum von ca. 1,3 g/(m
2
a) auf ca. 0,3 g/(m
2
a) reduziert.
Der Verlauf der PAK-Frachten verdeutlicht für die Schadstoffquelle (erste Teilsäule) über
einen Zeitraum von neun Jahren einen Schadstoffaustrag von ca. 0,2 mg/(m
2
a) bis ca.
1 mg/(m
2
a). In dem darunter befindlichen nicht kontaminierten Bereich (zweite Säule) wird
die aus der Schadstoffquelle resultierende PAK-Fracht in dem simulierten Zeitraum von
zwei Jahren von ca. 0,3 mg/(m
2
a) bis ca. 0,6 mg/(m
2
a) auf einen Wert kleiner der
Bestimmungsgrenze reduziert.
5.5. Abschätzung der Elutions- und Retardationsraten
Auf Grund des Versuchsbetriebes erfolgt die Abschätzung der Elutions- und Retardationsraten
in Bezug auf die ausgetauschten Porenvolumen (PV). Die Elutions- und Retardationsraten
werden wie folgt abgeschätzt:
m
nPV
SX
FX
Säule
S
=
(1)
mit:
FX:
Elutionsrate (X=E) bzw. Retardationsrate (X=R) in mg/(kg PV)
SX:
eluierte bzw. retardierte Stoffmenge
nPV:
Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen
m
Säule
: Bodenmasse der Säule in kg
Entsprechend der für Phenol erzielten Ergebnisse, werden die Elutions- und Retardationsraten
in Abhängigkeit der ausgetauschten Porenvoluminabereiche (APVB) angegeben (Tab.5.1). Auf
Grund des festgestellten Auswaschungseffektes werden die Elutionsraten für Phenol in
Abhängigkeit der ausgetauschten Porenvoluminabereiche angegeben.

37
Tab.5.1:
Abschätzung der Elutionsraten auf der Grundlage der Säulenversuchsergebnisse für S 1a
APVB V-Perkolat C
Phenol
C
PAK
S
Phenol
S
PAK
nPV FE
Phenol
FE
PAK
in m
in L in mg/l
in
µg/l
in mg
in
µg
in mg/(kg PV)
in
µg/(kg
PV)
0 bis 2
2,5
12,0
1,31
30,5
3,3
1,9
2,21
0,24
2 bis 4
2,6
9,5
4,43
24,5
11,4
3,8
0,88
0,41
4 bis 6 2,6 4,9 2,28 12,5 5,8 5,7 0,3 0,14
6 bis 8 2,7 3,5 0,82 9,5 2,2 7,7 0,17 0,04
8 bis 10 2,8 3,3 0,77 9,2 2,2 9,8 0,13 0,03
10 bis 12 2,5 3,3 3,88 8,4 9,8 11,7 0,1 0,12
Die in Tabelle 5.2 abgeschätzten Retardationswerte wurden als gemittelte Werte angegeben, da davon
ausgegangen wurde, dass die erste Phase des Säulenversuches zur Ermittlung der Retardation nicht im
vollen Umfang als repräsentativ betrachtet werden kann (Einlaufeffekte).
Tab.5.2:
Abschätzung der Retardationsraten auf der Grundlage der Säulenversuchsergebnisse für S 1b (Tab.3.3.7)
APVB SR
Phenol
SR
PAK
nPV FR
Phenol
FR
PAK
in m in mg
in
µg
in mg/(kg PV)
in
µg/(kg
PV)
0 bis 6
69,2
29,6
5,9
1,6
0,7

38
Die Abschätzung der Stoffmengen, die an der Unterseite der kontaminierten Schicht
austreten bzw. bis zum Ort der Beurteilung von der nicht kontaminierten Schicht bis zu ihrem
Übergangsbereich zum Grundwasser zurückgehalten werden erfolgt nach Gleichung (2).
SX
=
FX
S
⋅ ρ ⋅ ∆
z
nPV
(2)
mit:
∆SX:
eluierte Stoffmenge (X=E) bzw. retardierte
Stoffmenge
(X=R) in mg/m
2
ρ:
Trockenrohdichte des Substrates in kg/m
3
nPV:
Anzahl der ausgetauschten Porenvolumen
∆z:
Sickerstrecke in m
Bei der Verwendung der abgeschätzten Elutions- bzw. Retardationsraten ist u.a. folgendes
zu berücksichtigen:
die Ergebnisse gelten nur für den Untersuchungsrahmen.
Die räumliche Diskretisierung der Elemente sollte so erfolgen, dass während einer
Grundwasserneubildungsrate mindestens ein Porenvolumen ausgetauscht wird.
Es ist stets eine Bilanzgleichung zu führen, die sowohl den kontaminierten als auch den
nicht kontaminierten Schadstoffspeicher der Substrate berücksichtigt (maximal
eluierbare bzw. maximal retardierbare Stoffmenge).
Es ist stets die Sättigungskonzentrationen der zu betrachtenden Schadstoffe im
Porenwasser zu berücksichtigen, wobei diese von der im Porenwasser enthaltenen
Beschaffenheitsmatrix abhängig ist.

39
A
NLAGE 1: Graphische Auswertung der Mess- und Analysenwerte: Säulenversuche
Abb.1-1:
Verlauf der Leitkennwerte im Perkolat der Säule 1a – erste Teilsäule –
Schadstoffquelle
Abb.1-2:
Verlauf der Leitkennwerte im Perkolat der Säule 1b – zweite Teilsäule – nicht
kontaminiert
Leitparameter Säule 1a
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
ausgetauschte Porenvolumina
Lf [μS/cm]
Eh [mV]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
O2 [mg/l]
pH
LF
Redox
O2
pH
Leitparameter Säule 1b
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
ausgetauschte Porenvolumina
Lf [μS/cm]
Eh [mV]
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
O2 [mg/l]
pH
LF
Redox
O2
pH

40
Abb.1-3:
Verlauf der Schadstoffkonzentrationen im Perkolat der Säule 1a – erste Teilsäule
– Schadstoffquelle
Abb.1-4:
Verlauf der Schadstoffkonzentrationen im Perkolat der Säule 1b – zweite
Teilsäule – nicht kontaminiert
Analysenergebnisse Ablauf Säule 1a
MKW < 0.04 mg/l
0
2
4
6
8
10
12
14
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
ausgetauschte Porenvolumina
Phenol,
MKW
[mg/l]
0
1
2
3
4
5
6
7
PAK (EPA)
[μg/l]
Phenol
MKW
PAK
Analysenergebnisse Ablauf Säule 1b
MKW < 0.04 mg/l
0
2
4
6
8
10
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
ausgetauschte Porenvolumina
Phenol,
MKW
[mg/l]
0
1
2
3
4
5
PAK (EPA)
[μg/l]
Phenol
MKW
PAK

41
Abb.1-5:
Verlauf der Einzelstoffkonzentrationen PAK im Perkolat der Säule 1a – erste
Teilsäule – Schadstoffquelle
Abb.1-6:
Verlauf der Einzelstoffkonzentrationen PAK im Perkolat der Säule 1b – zweite
Teilsäule – nicht kontaminiert
Analysenergebnisse Ablauf Säule 1b:
Hauptkomponenten PAK
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
0 1 2 3 45 67 8
ausgetauschte Porenvolumina
PAK
[μg/l]
Fluoren
Anthracen
Benzo(a)anthracen
Chrysen
Analysenergebnisse Ablauf Säule 1a:
Hauptkomponenten PAK
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
2,2
2,4
0 2 4 6 8 10 12 14
ausgetauschte Porenvolumina
PAK
[μg/l]
Fluoren
Anthracen
Benzo(a)anthracen
Chrysen
Acenaphthen

42
A
NLAGE 2: Graphische Auswertung der Schadstoff-Frachten: Säulenversuche
Abb.2-1:
Verlauf der Schadstoff-Frachten aus der Säule 1a – erste Teilsäule –
Schadstoffquelle
Abb.2-2:
Verlauf der Schadstoff-Frachten aus der Säule 1b – zweite Teilsäule – nicht
kontaminiert
Stofffrachten Ablauf Säule 1 a
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
012345 67 89
Jahre
Phenol
[g/m²*a]
0,00
0,25
0,50
0,75
1,00
1,25
1,50
1,75
2,00
PAK
[mg/m²*a]
Phenol
PAK
Stofffrachten Ablauf Säule 1 b
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
Jahre
Phenol
[g/m²*a]
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
2,0
PAK
[mg/m²*a]
Phenol
PAK

image
43
6. Wirkungspfad Boden - Luft -
Mensch
In „Grundwasser & Altlasten aktuell“ soll in den folgenden Ausgaben jeweils ein
Wirkungspfad aus dem Handbuch zur Altlastenbehandlung, Teil 7, Detailuntersuchung [1]
behandelt werden. Diesmal wird der Wirkungspfad Boden-Luft-Mensch thematisiert. Die
Expositionsabschätzungen als Teil der Wirkungspfadbetrachtung sind auch Gegenstand der
Sachverständigenprüfung im Altlastenbereich in Sachsen. Auf folgende Punkte soll im
Weiteren näher eingegangen werden.
1. Spezifische Hinweise im Handbuch Teil 7 zum Wirkungspfad Boden-Luft-Mensch
2. Vorgehensweise in der Orientierenden (OU) und in der Detailuntersuchung (DU)
3. Expositionsabschätzungen und Bewertung in der DU
4. Beispiel
6.1. Spezifische Hinweise
Spezifische Hinweise im Handbuch gibt es
- zur Erkundungsstrategie (insbesondere Kapitel 5.6.6 Beprobungsplan für Bodenluft und
Deponiegas),
- zur Technischen Erkundung (insbesondere Kapitel 6.3.4 Probennahme von Bodenluft und
Deponiegas),
- zur Prognose von Konzentrationen von Innenraumluft und Außenluft (Kapitel 7.2.5 und
7.2.6) und
- zur Bewertung von Wohngebäuden und gewerblich genutzten Gebäuden (Kapitel 8.3.3.2
und 8.3.3.9) hinsichtlich der Schadstoffbelastung aus dem Untergrund.
- ein Beispiel komplettiert diesen Wirkungspfad.
6.2. Vorgehensweise
Wenn der Wirkungspfad Boden-Luft-Mensch betroffen ist, sind folgende Fragen zu
spezifizieren:
Erkundungsstrategie
Welche Schutzobjekte bzw. Nutzungsszenarien gibt es auf diesem Wirkungspfad?
In der Regel ist das das einzelne Wohngebäude bzw. gewerblich genutzte Gebäude. Die
Außenluft ist nur im Ausnahmefall maßgebend, da sich die Luft schon wenige Dezimeter
über dem Boden stark verdünnt. Sie kann Schutzgut sein, wenn sich eine sensible
Nutzung in einer Senke befindet oder wenn eine hohe Staubbelastung vorhanden ist.
Welche Kontaktmedien (zum Menschen) gibt es?
In Frage kommen dabei Innenraumluft oder Außenluft.
Welche Aufnahmepfade spielen eine Rolle?
Tabelle 1 ist ein Ausschnitt aus dem Handbuch Teil 7 und zeigt die möglichen
Aufnahmepfade in Abhängigkeit von der Nutzung.
Welche Parameter werden für die Prognose (nur in DU) und die Bewertung noch
benötigt?
Zu unterscheiden sind Standort- und Bodenparameter und Schadstoffparameter. Ein

44
wichtiger Kennwert, der beim Schutzobjekt Gebäude abzuschätzen oder zu bestimmen
ist, ist der Transferfaktor Bodenluft/Innenraumluft. Dieser hängt von den
Randbedingungen der Schadstoffausbreitung (wie Gebäudesubstanz, Konvektion,
Diffusion, Boden) ab
Kinderspiel-
platz
Boden/Staub - oral
Staub - inhalativ
(Boden - dermal)
Park- und
Grünanlage
Boden/Staub - oral
Staub - inhalativ
(Boden - dermal)
Wohn-
gebäude
Boden/Staub - oral
Staub - inhalativ
Gas/Luft - inhalativ
Bolz- und
Sportgelände
Boden/Staub - oral
Staub - inhalativ
Tab. 1: mögliche Aufnahmepfade in Abhängigkeit von der Nutzung (Ausschnitt)
Technische Erkundung
Ausgehend von den für die Bewertung erforderlichen Parametern muss der Beprobungsplan
aufgestellt werden (Wo muss man was und wie messen?). Die Technische Erkundung selbst
ist ein iterativer Prozess. Aktuelle Erkundungsergebnisse können dazu führen, dass der
Beprobungsplan angepasst werden muss.
Prognose (in DU)
Es sind 2 Zustände zu betrachten:
a) die Milieubedingungen ändern sich nicht wesentlich
b) die Milieubedingungen ändern sich wesentlich.
In der Regel reicht die Betrachtung des Falles a) aus. Unter den gegebenen Bedingungen ist
also die zeitliche Entwicklung und räumliche Entwicklung der Bodenluft bzw. der
Innenraumluft (oder der Außenluft) abzuschätzen.
Bewertungsmaßstäbe in der Orientierenden Untersuchung
Eine Bewertung kann anhand von Erfahrungs- und Vergleichsdaten, anhand von
Bodenluftwerten (Transfermedium) bzw. anhand von Innenraumluftwerten erfolgen. Es
können flüchtige Schadstoffe (inhalative Aufnahme), aber auch staubförmige Schadstoffe
(inhalative Aufnahme) eine Rolle spielen. In der Regel sind vor allem die flüchtigen
Schadstoffe ein Problem. In der OU wird in der Regel die Bodenluft beprobt. Folgende
Maßstäbe stehen zur Verfügung:
Für flüchtige Stoffe – inhalative Aufnahme
Orientierende Hinweise auf Prüfwerte – für Bodenluft
Besorgniswerte – für Innenraumluft, für Außenluft
Dringlichkeitswerte – für Innenraumluft
Für feste Stoffe – inhalative Aufnahme als Staub
Prüfwerte – für Boden/Staub (bei Innenraumluft, Außenluft)
Vorläufige Prüfwerte - für Boden/Staub (bei Innenraumluft, Außenluft)
Besorgnis- und Dringlichkeitswerte – für Boden/Staub (bei Innenraumluft, Außenluft)
Bei der Einhaltung der Prüfwerte (vorläufigen Prüfwerte und Besorgnis- und
Dringlichkeitswerte) für den Boden ist auch die Staubinhalation entsprechend der
angenommenen Expositionsszenarien (z.B. 1mg/m³ beim Kinderspielplatz, 0,3 mg/m³ auf
einer Gewerbefläche) unkritisch. Insbesondere die Stoffe Chrom, Thallium und Beryllium

45
sind inhalativ relevant (Prüfwert für Boden/Staub bzw. analoger Wert wird maßgeblich durch
die Staubinhalation bestimmt).
Bewertungsmaßstäbe in der Detailuntersuchung
Bei Überschreitung von Prüfwerten bzw. Orientierungswerten können einzelfallspezifische
Expositionsabschätzungen die Berücksichtigung von Einzelfallbedingungen ermöglichen, wie
es auch für eine Detailuntersuchung erforderlich ist. In der Regel wird hier das
Kontaktmedium zum Menschen (Innenraumluft, Außenluft) beprobt bzw.
Expositionsabschätzungen durchgeführt, siehe Punkt 3. Für Expositionsabschätzungen
müssen folgende Daten vorhanden sein:
-toxikologische Basisdaten für die relevanten Schadstoffe
-Nutzungsszenario.
Die Abbildung 1 zeigt einen Überblick zum Vorgehen beim Schutzobjekt Wohngebäude (OU
und DU).
Schutzgut Mensch
zutreffende Prüf- oder Orientierungswerte für (Boden) Bodenluft überschritten?
keine vorhanden ja nein
Vergleich mit Hintergrundwerten (Boden) Bodenluft
wenn > Hintergrundwert, Messung in Innenraumluft
mit hoher
Wahrscheinlichkeit
keine Gefahr
Vergleich mit Hintergrundwerten Innenraumluft
Vergleich mit Orientierungswerten Innenraumluft
Bei Überschreitung: Prüfung des Tatbestandes
der Gefährdung über Expositionsabschätzung
(wo möglich) bzw. über Prüfung der Randbe-
dingungen bei der Werteableitung in Zusammen-
arbeit mit Gesundheitsbehörde
Abb. 1: Ablaufschema zur Bewertung eines Wohngebäudes
Die Werteableitungen sind in [4,5] nachvollziehbar dargestellt.
OU
DU

46
6.3. Expositionsabschätzung und Bewertung in der DU
Expositionsabschätzungen einschließlich Bewertung werden wie folgt durchgeführt:
6.3.1. Ermittlung der täglichen Aufnahmeraten eines Kontaktmediums (DIR)
6.3.2. Ermittlung der täglichen Schadstoffaufnahmedosis (PDI)
6.3.3. Risikobewertung (RV)
6.3.1. Ermittlung der täglichen Aufnahmeraten eines Kontaktmediums (DIR)
Die DIR-Werte können über Gleichung (1) ermittelt oder aus Tabelle 2 abgelesen werden.
Ggf. sind die Werte anzupassen.
(1)
IR
- tägliche Aufnahmemenge
EFR - Expositionshäufigkeit
BW - Körpergewicht
AT - Bezugszeitraum
Wohngebäude
S
Säugling
K1
Kind 1
K2
Kind 2
J
Jugendliche
E
Erwachsene
L
Lebenslange
Aufnahme
Gas/Luft
inhalativ
DIR
[m³/(kg d)]
0,42 0,53 0,45 0,26 0,24 0,24
Staub inhalativ
[mg/kg • d]
0,0063 0,0079 0,0068 0,0039 0,0036 0,0036
Staub oral
[mg/kg • d]
- 10,3 3,1 - - 1,03
Tab.2: tägliche Aufnahmeraten (DIR
standard
) je Nutzergruppe für die Nutzung Wohngebäude
Analog der Tabelle 2 gibt es diese Werte auch für die Nutzung gewerblicher Gebäude im
Handbuch Teil 7. Für den Einzelfall ist zu prüfen, ob Randbedingungen eine Minderung des
DIR-Wertes ermöglichen. Dazu gibt es Expositionsanpassungsfaktoren EAF.
(2)
Bei Wohn- bzw. gewerblich genutzten Gebäuden kann die Gebäudenutzung über den EAF
G
berücksichtigt werden.
EAF
G
= 1
Gebäudenutzung ohne Einschränkung
EAF
G
= 0,9
Gebäudenutzung mit leichter Einschränkung
EAF
G
= 0,8
Gebäudenutzung mit starker Einschränkung
EAF
G
= 0,2
Gebäudenutzung mit sehr starker Einschränkung
EAF
G
= 0,1…0,03 keine Wohnraumnutzung
BW AT
IR EFR
DIR
dardfall
S
tan
=
DIR
DIR
dard
EAF
Einzelfall
=
S
tan

47
6.3.2. Ermittlung der täglichen Schadstoffaufnahmedosis (PDI)
Die PDI-Werte sind über die folgenden Formeln, ausgehend vom ermittelten DIR-Wert, zu
berechnen. Sie stellen die potentielle Schadstoffdosis dar, die bei der gemessenen oder
abschätzten Konzentration CCM täglich aufgenommen werden kann.
(3)
(4)
(5)
CCM
Schadstoffkonzentration im Kontaktmedium zum Menschen
C
Bodenluft
Schadstoffkonzentration in der Bodenluft
TF Transferfaktor Bodenluft-Innenraumluft
R stoffspezifische Resorptionsrate
Av matrixspezifische Resorptionsverfügbarkeit, i.d.R. = 1
6.3.3. Risikobewertung
Zuerst wird hierbei der Risikoindex RI ermittelt. Im zweiten Schritt wird RI in einen Risikowert
RV transformiert und damit ein Gefahrenbezug hergestellt.
(6)
(7)
TRD
tolerable tägliche Körperdosis
UR
10-5
Körperdosis mit einem zusätzlichen Krebsrisiko von
10
-5
bei kanzerogenen Stoffen
(8)
RI - Risikoindex
GF - Gefahrenfaktor
RV ≥ 10
- gefahrbegründendes Risiko
1 < RV < 10
- Bereich zunehmender Besorgnis
RV ≤ 1
- vernachlässigbares Risiko
Im Ergebnis der Bewertung sind der Handlungsbedarf und ggf. die vorläufigen
Sanierungszielwerte (Wert, Matrix und Geltungsort) festzulegen.
PDI
DIR
C
TF R Av
PDI
DIR
CCM R Av
inhalativ Gas
Einzelfall inhaltiv Gas
Bodenluft
inhalativ Gas
Einzelfall inhalativ Gas
=
⋅⋅
=
⋅⋅
,
,
,
(
)
,
,
,
PDI
=
DIR
Einzelfall
CCM
R
Av
kanzerogene Stoffe
UR
PDI
RI
nichtkanzerogene Stoffe
TRD
PDI
RI
inhalativ
_
_
10
−5
=
=
1
1
9(
1)
+
=
GF
RI
RV

48
6.4. Beispiel
Ein Grundstück ist mit BTEX belastet. In der Orientierenden Untersuchung wurden 70 mg/m³
BTEX in der Bodenluft gemessen. Genutzt wird die Fläche als Wohnbebauung.
Fall A: konventionelle Wohnraumnutzung EAF = 1
Fall B: Räume werden sehr stark eingeschränkt genutzt (Gästezimmer) EAF = 0,2.
In der Detailuntersuchung wurden in der unmittelbaren Umgebung des Wohngebäudes
(Schrägbohrungen) Werte bis 20 mg/m³ Benzol in der Bodenluft ermittelt. (Die
Bodenluftmessungen erfolgten entsprechend der VDI-Richtlinie 3865, Blatt 2 und dem
Material [3]). Es wird von einer Matrixverfügbarkeit von 100% (Av = 1) ausgegangen. Benzol
ist kanzerogen. Als maßgeblich wird der Aufnahmepfad Gas/Luft inhalativ angesehen.
Die orientierenden Hinweise auf Prüfwerte für die Bodenluft wurden deutlich überschritten.
Wenn möglich, sollte eine Innenraumluftmessung durchgeführt werden (ansonsten
Abschätzung aus Bodenluftkonzentration und Transferfaktor).
Expositionsabschätzungen
Da Benzol kanzerogen ist, muss die Nutzergruppe L, d.h. Lebenszeitszenario, herangezogen
werden.
Fall A
-----------------------------------------------------------------
--------------------------------------------------------------------
→ gefahrenbegründetes Risiko
Im Fall A sind weitere Maßnahmen notwendig.
Fall B
→ besorgnisbegründetes Risiko
Die Entscheidung im Fall B, ob weitere Maßnahmen notwendig sind, hängt dann von
weiteren Randbedingungen ab. (Streuung der Bodenluftwerte, Gebäudezustand,
Realmessungen im Gebäude vorhanden? etc.)
kg d
m
kg d
m
DIR
DIR
DIR
EAF
Einzelfall inhalativ Gas
Einzelfall inhalativ Gas
S
dard
G
⋅=
=
=
3
3
,
,
,
,
tan
0,24
1 0,24
kg d
mg
m
mg
kg d
m
PDI
m
mg
kg d
m
PDI
PDI
DIR
CCM R Av
DIR
C
TF
R Av
inhalativ Gas
inhaltiv Gas
inhalativ Gas
Einzelfall inhalativ Gas
Einzelfall inhalativ Gas
Bodenluft
=
=
⋅⋅
=
=
⋅⋅
=
⋅⋅
0,0048
³
0,02
³
0,24
11
³ 1000
³
20
0,24
(
)
,
,
,
,
,
,
,
15,2
0,314
4,8
,
10
5
=
=
=
d
g kg
g kg d
UR
PDI
RI
inhalativ
inhalativ
inhalativ Gas
µ
µ
32
24,9
(5 1)
9 (15,2 1)
(
1)
9(
1)
,
=
=
=
=⋅
=
gesamt
inhalativ
inhalativ
inhalativGas
RV
RV
GF
RI
RV
=
inhalativ
=
4,6
RV
gesamt
RV

49
Literaturquellen
[1]
LfUG (2003): Handbuch zur Altlastenbehandlung Teil 7, Detailuntersuchung, unter
www.umwelt.sachsen.de/lfug
im Fachinformationssystem Altlasten (FIS Altlasten)
[2]
LfUG (2003): Bewertungshilfen bei der Gefahrenverdachtsermittlung in der
Altlastenbehandlung, Materialien zur Altlastenbehandlung, im FIS Altlasten
[3]
Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg (1993): Validierung der
Analysenergebnisse von Bodenluftproben, Heft 8/93
[4]
UBA (1999): Berechnung von Prüfwerten zur Bewertung von Altlasten, Erich
Schmidt Verlag
[5]
UBA (1999): Gefährdungsabschätzung von Umweltschadstoffen, Erich Schmidt
Verlag

image
50
7. Quantifizierung der Ursachen der
Phänomenstreuungen bei
Bodenluftuntersuchungen
Messwerte aus Bodenluftuntersuchungen sind sehr anfällig gegenüber den verschiedensten
Randbedingungen. Deshalb ist für eine Bewertung dieser Messwerte die Qualitätssicherung
von besonderer Bedeutung. Maßgebend sind dabei die VDI-Richtlinien 3865 Blatt 1 und 2
sowie die „Handlungsempfehlung zur Entnahme von Bodenluftproben“ von Baden
Württemberg. Darin werden Festlegungen getroffen um reproduzierbare Ergebnisse zu
erhalten. Verfahrensbedingte Unsicherheiten wurden anhand der 2 häufigsten
Entnahmeverfahren untersucht. Nicht untersucht wurden bisher matrixbedingte
Unsicherheiten, so genannte Phänomenstreuungen. Deshalb ist ein entsprechendes
Vorhaben im Oktober 2004 im LfUG mit einer Laufzeit von einem Jahr begonnen worden.
Den Zuschlag erhielt die Firma G.M.U. Dresden.
Ziel:
Anhand von Wiederholungsmessungen über 1 Jahr sollen die Phänomenstreuungen
quantifiziert und durch Korrelation mit meteorologischen Daten bewertet werden. Neben den
verfahrensbedingten Unsicherheiten können dann auch nicht verfahrensbedingte
Unsicherheiten bei der Bewertung von Bodenluftmesswerten besser eingeschätzt und damit
minimiert werden. Der Charakter der Bodenluftmessungen als eine preisgünstige und
schnelle Methode innerhalb der Gefährdungsabschätzung, soll gewahrt bleiben.
Vorgehensweise:
An drei verschiedenen Standorten werden die Untersuchungen mit dem
gleichen Entnahmeverfahren durchgeführt. Als geeignet wurde dabei die „Überführung in
Aktivkohle-Sorptionsröhrchen“ angesehen. Auf allen drei Standorten liegt eine
Lösemittelkontamination (Druckmaschinenherstellung, chemische Reinigungen) vor. Es
wurden jeweils 6 Rammkernsondierungen je Standort mit 2 m Tiefe niedergebracht. Nach
120 min erfolgt eine Probennahme und anschließend eine Untersuchung der Bodenluft
mittels Gaschromatographie auf LHKW. Auf dieser Grundlage konnten insgesamt 5
Dauermessstellen ausgewählt werden, die einen niedrigen, mittleren und hohen
Konzentrationsbereich (1,25 mg/m³ - 2666 mg/m³) repräsentieren. Die Dauermessstellen
werden derzeit 14-tägig beprobt.
Auswertung:
Anhand der zur Verfügung stehenden Messdaten wird mittels statistischer
Verfahren die Ergebnisunsicherheit und die Phänomenstreuung ermittelt. Pro Messstelle
stehen Ende des Jahres mindestens 20 Messwerte zur Verfügung. Die Ergebnisstreuung U
i
je Messstelle i kann wie folgt ermittelt werden:
i
n
i
n
t
U
σ
α
=
U
i
- Ergebnisstreuung je Messstelle i
t
- Studentfaktor für die geforderte statistische Sicherheit α und die
Anzahl der Mehrfachmessungen n
n
- Anzahl der Mehrfachmessungen (= 20)
σ - Standardabweichung
Die Ergebnisstreuung setzt sich aus der Phänomenstreuung und der verbleibenden
Messverfahrensstreuung des eingesetzten Messverfahrens zusammen. Eine Abschätzung

51
der verbleibenden Messverfahrensstreuung kann über Doppelbestimmungen (siehe
Handlungsempfehlungen Baden-Württemberg) erfolgen. Nach Abzug der
Messverfahrensstreuung bleibt die reine Phänomenstreuung übrig. Eine Auswertung zu den
Ursachen der Phänomenstreuungen ist anhand von Wetterdaten vorzunehmen. Dazu stehen
die Wetterdaten vom Deutschen Wetterdienst in Klotzsche (für den Standort in Dresden) und
Geierswalde (für den Standort in Lauta) und begrenzt eigene Standortmessungen der Firma
G.M.U. zur Verfügung. Die Einflüsse von Jahreszeit, Wetter, Bodenfeuchte und
atmosphärische Parameter sind dabei zu untersuchen.

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image
52
8. Möglichkeiten und Grenzen der
LHKW-Analytik
8.1. Was ist unter einem Analysenfehler zu verstehen?
Die wahren Gehalte der Inhaltsstoffe des Grundwassers sind nicht bekannt. Trotzdem kann
man bei einer Analyse von richtigen und falschen Werten sprechen. Die
Richtigkeit
eines
Analysenergebnisses ist ein Maß für seine Annäherung an den „wahren“ Analysengehalt der
Probe. Die Abweichung vom wahren Wert gibt den systematischen Fehler der Untersuchung
wieder. Ein weiteres Qualitätskriterium für die Laboruntersuchung ist die Präzision der
ermittelten Werte. Die
Präzision
gibt an, wie gut die Ergebnisse von Wiederholungsanalysen
übereinstimmen. Sie wird vom zufälligen Analysenfehler beeinflusst.
Abb.1:
Möglichkeiten der Bewertung von Analysenergebnissen hinsichtlich Richtigkeit und
Präzision
Das Ziel jeder Analyse müssen eine hohe Präzision und hohe Richtigkeit der Ergebnisse
sein.
Richtigkeit hoch
Präzision hoch
Richtigkeit gering
Präzision hoch
Richtigkeit hoch
Präzision gering
Richtigkeit gering
Präzision hoch

image
53
Um einen Analysenfehler ermitteln zu können, ist die Durchführung von verschiedenen
Vergleichsuntersuchungen erforderlich. Die statistische Auswertung von Ringversuchen
bietet die Möglichkeit, eine tolerierbare Ergebnisdifferenz zwischen unterschiedlichen
Laboren zu ermitteln.
8.2. Wie genau kann Analytik sein? - Auswertung von
Ringversuchen
Die LHKW-Analytik ist technisch relativ einfach, gehört aber trotzdem zu den
anspruchvollsten Aufgaben des Analytikers. Für bekannte Standardgemische wird
üblicherweise ein Analysenfehler von 15 - 55% angegeben (DIN ISO 10301). Die in
Ringversuchen statistisch ermittelten Standardabweichungen liegen oft über 30%. Im
Extremfall können also die Ergebnisse zweier Labore aus einem solchen Versuch um mehr
als 60% voneinander abweichen.
Bei der Auswertung von Ringversuchen werden iterativ die Kenngrößen Gesamtmittelwert,
Wiederholstandardabweichung und Vergleichsstandardabweichung berechnet. Fragwürdige
Analysenergebnisse werden bei diesem Verfahren nicht eliminiert, sondern lediglich geringer
gewichtet als Ergebnisse, die näher am Gesamtmittelwert liegen.
Für besonders anspruchsvolle Untersuchungen werden in Ringversuchen
Schwankungsbreiten zwischen 100 und 300% zugelassen. Abbildung 2 zeigt
Ringversuchsergebnisse der Untersuchung einer Wasserprobe auf Trichlorethylen, an der 37
Labore teilgenommen haben. Als Mittelwert der Analysenergebnisse wurden 629 μg/l
ermittelt. Der statistisch abgesicherte Toleranzbereich lag bei 423 - 876 μg/l.
Abb. 2: Ringversuchsergebnisse am Beispiel der Untersuchung einer Wasserprobe auf
Trichlorethylen /2/
Zur Bewertung der Analysenergebnisse wird aus dem jeweiligen Labormittelwert, dem
Gesamtmittelwert und der Vergleichsstandardabweichung ein Prüfwert (“z-Score”)
berechnet. Weisen mindestens 80 % der bewerteten Analysenergebnisse einen Prüfwert von
kleiner oder gleich 2,00 auf, dann erhält das betreffende Labor ein Zertifikat über die
erfolgreiche Teilnahme am Ringversuch.

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54
Tabelle 1 zeigt übliche Toleranzbereiche für die Untersuchung von Tetrachlorethen bei
unterschiedlichen Konzentrationsniveaus
Tab. 1: übliche Toleranzbereiche bei Ringversuchen zur LHKW-Analytik am Beispiel von
Tetrachlorethen /2/
8.3. Was macht die LHKW-Analytik so problematisch?
8.3.1 Wiederfindungsrate
Ein Problem bei der LHKW-Analytik ist die Ermittlung von Minderbefunden. Die Tendenz zu
starken Minderbefunden kann durch Ringversuche eindeutig belegt werden. Die
Wiederfindungsraten in Ringversuchen bezogen auf den von den Laboren zu ermittelnden
Wert liegen in der Regel zwischen 60 und 80%. Tabelle 2 zeigt den Vergleich zwischen der
analytischen Vorgabe und dem Gesamtmittelwert der Labore aus einem Ringversuch für
ausgewählte LHKW.
Die Möglichkeiten bei der Analytik
Minderbefunde
zu produzieren, sind sehr vielfältig.
Neben Blindwertproblemen, Kalibrier- und Verdünnungsfehlern oder infolge der
Inhomogenität der Probe auftretenden Fehlern spielen vor allem die Verluste beim
Probenhandling, bei der Verdünnung und der Extraktion durch die leichte Flüchtigkeit der
Stoffe eine Rolle. Die Möglichkeiten
Mehrbefunde
zu produzieren, sind äußerst begrenzt.
Mehrbefunde von LHKW sind insbesondere durch Blindwertprobleme, Kalibrier- und
Verdünnungsfehlerfehler oder bei Inhomogenität der Probe möglich.

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55
Tab. 2: Vergleich zwischen „Sollwert“ und Gesamtmittelwert, Auswertung eines
Ringversuchs für ausgewählte LHKW /2/
Parameter
Anzahl
Labore
Gesamt-
mittelwert
[μg/l]
„Sollwert“
[μg/l]
„Sollwert“
[%]
Tetrachlorethen 49 28,1 36,5 77
1,1,1-Trichlorethan 49 17,6 20,8 85
Trichlorethen 49 82,4 109,0 76
Tetrachlormethan 49 9,66 12,5 77
Dichlormethan 49 35,9 36,5 98
Trichlormethan 49 130,1 156,0 83
Cis 1,2-Dichlorethen
31
243,4
266,0
92
1,2-Dichlorethan 31 51,2 57,3 89
Trans 1,2-Dichlorethen
31
66,8
78,1
86
Vinylchlorid 30 22,5 36,5 62
8.3.2 Phasenbildung im Untergrund
LHKW besitzen eine höhere Dichte als Wasser und eine geringe absolute Löslichkeit. Sie
bilden daher
eigenständige Phasenkörper
oberhalb der Grundwasserstauer. Aufgrund
ihrer Oberflächenspannung neigen die LHKW-Phasen im Grundwasser zur Bildung von
tropfenförmigen Aggregaten
Abb. 3. Verteilung von Trichloethen im Untergrund
Abbildung 3
zeigt skizzenhaft eine Verteilung von Trichlorethen im Grundwasser und ver
deutlicht die Problematik und die Notwendigkeit der Gewinnung von homoge
nen Grundwasserproben.
Sowohl die Desorption als auch die Lösung organischer Inhaltsstoffe im Grundwasser
werden in starkem Maße durch die Diffusion gesteuert. Diffusionsprozesse laufen unter
Ungleichgewichtsbedingungen und sehr langsam ab. Die Konzentrationen der Organika
liegen in der Wasserphase folglich weit unterhalb der Gehalte, die sich unter
Gleichgewichtsbedingungen einstellen würden. Das erfordert eine besondere Sorgfalt bei der
Probennahme und Analytik.
Kontaminationsherd
(z.B. TCE in Phase)
Tonlinse
Kontaminationsherd
(z.B. TCE in Phase)
Tonlinse
Grundwasserleiter

image
56
8.4. Welche äußeren Einflussfaktoren beeinflussen das
Untersuchungsergebnis? – Darstellung von ausgewählten
Beispielen
8.4.1 Homogenität der Probe
Wie sich eine inhomogene Probe auf das Analysenergebnis auswirkt zeigt Abbildung 4.
In der Grafik werden die folgenden drei Beispiele ausgewertet:
1. TIC ZN1001W.D
=> Messung aus geschüttelter (nicht homogenisierter) Probe
2.
TIC ZN1000W.D
=> Messung aus der Wasserphase drei Tage nach der
Probennahme
3.
TIC
ZN
1000W.D
=> Messung nach Probeneingang (Wasserphase)
Abb. 4: Einfluss der Homogenität auf das Analysenergebnis am Beispiel von Trichlorethylen
/2/
Die Probe ist eindeutig nicht homogen. Beim Probeneingang war Trichlorethylen als
Schlieren auf dem Boden der Probenflasche zu erkennen. Die Grafik zeigt deutlich die
Abhängigkeit des Analysenergebnisses vom Probenhandling. Das Schütteln der
Wasserprobe hat zu einer Erhöhung des Analysenwertes um ca. 50% geführt. Durch
einfaches stehen lassen stieg der Gehalt an Trichlorethylen um knapp 30%. Diese
Ergebnisse machen offenkundig, wie wichtig eine detaillierte Dokumentation des
Probenhandlings ist. Um die Vergleichbarkeit von Untersuchungsergebnissen zu
gewährleisten ist es zwingend erforderlich, ein einmal gewähltes Probenhandling konsequent
beizubehalten. Notwendige Abweichungen sollten begründet und dokumentiert werden.
Konzentration [μg/l]
1. TIC
ZN1001W.D
2. TIC
ZN1000W.D
3.
TIC
ZN
1000W.D
Zeit

image
57
8.4.2 Untersuchungsmethoden
Die DIN EN legt zwei Verfahren zur Bestimmung von LHKW durch Gaschromatographie fest,
die Flüssig/Flüssig-Extraktion (Ext.) und das Headspace-Verfahren (Headsp.). Übliche
Detektionsverfahren sind die Elektronenchromatographie (ECD) sowie die
Massenspektrometrie (MS). Abbildung 5 zeigt einen Vergleich zwischen diesen Verfahren
aus einer Ringversuchsauswertung. Als Detektionsverfahren kam bei der Headspace-
Methode sowohl die Elektronenchromatographie als auch die Massenspektrometrie zur
Anwendung.
Abb. 5: Vergleich verschiedener Untersuchungsmethoden /2/
Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse zeigt, dass die Wahl der
Untersuchungsmethode einen Einfluss auf das Analysenergebnis besitzt. Dabei werden
allgemein eher Minder- als Mehrbefunde ermittelt (s. a. Tabelle 2). Das Extraktionsverfahren
zeigt dabei eine deutlich verstärkte Tendenz zu Minderbefunden. Die besten Ergebnisse
wurden mit dem Headspace-Verfahren und anschließender Massenspektrometrie gefunden.
8.4.3 Abpumpvolumen
Ebenso wichtig wie der vergleichbare Umgang mit der Wasserprobe im Labor ist die
Einhaltung festgelegter Probennahmebedingungen.
Insbesondere im Randbereich der Abstromfahnen aus kontaminierten Gebieten müssen die
Abpumpvolumina genau festgelegt und exakt eingehalten werden. Die Vorgabe von
Mindestabpumpzeiten und Abpumpraten reicht nicht aus. Um eine Vergleichbarkeit von
verschiedenen, im Rahmen der Messnetzbearbeitung entnommenen Proben zu
gewährleisten, ist die Einhaltung von einmal vorgegebenen Abpumpvolumina wesentlich. Bei
der Festlegung der Abpumpvolumina sind die Vorgaben aus dem „Handbuch
Grundwasserbeobachtung“ des LfUG /1/ einzuhalten
www.umwelt.sachsen.de/lfug
. Primär
ist dabei auf die Einhaltung des hydraulischen Kriteriums zu achten. LHKW liegen im
Grundwasser nicht im Gleichgewichtszustand und nicht homogen verteilt vor. Das
Abpumpen bis zur Konstanz der Leitkennwerte ist kein geeignetes Kriterium zur Festlegung
des optimalen Probennahmezeitpunktes für organische Wasserinhaltsstoffe.
Abbildung 6 zeigt, welchen Einfluss die Veränderung des Abpumpvolumens auf den Gehalt
von LHKW haben kann.

image
58
Abb. 6: Einfluss des Abpumpvolumens auf die LHKW-Gehalte einer Wasserprobe am Bei
spiel von Trichlorethylen /2/
Während einer Probennahme ist jeweils nach 1500 l und nach 6500 l eine
Grundwasserprobe entnommen worden. Die Gehalte an Trichlorethylen unterscheiden sich
drastisch in beiden Proben, die in demselben Labor bei einheitlichem Probenhandling
analysiert wurden.
Schlussfolgerungen:
Es sind messstellenbezogen fachlich begründete Probennahmeregime
festzulegen, die grundsätzlich einzuhalten sind.
Für jede aktive Messstelle ist ein Messstellenpass /1/ anzulegen und zu pflegen, in
dem die Bedingungen zur Probennahme dokumentiert sind.
Die Probennahme ist nachvollziehbar im Probennahmeprotokoll /1/ zu
dokumentieren.
Vergleichsproben sind vor Ort zu homogenisieren.
Es sind nur für die zu untersuchenden Parameter akkreditierte Labore einzusetzen,
die während der gesamten Messkampagne beibehalten werden sollten.
Das Probenhandling ist detailliert festzulegen und für alle Proben während des
gesamten Untersuchungszeitraumes einzuhalten.
Besonderheiten, Auffälligkeiten, die zu einer Beeinflussung des Analysen-
ergebnisses führen könnten, sollten in einem Bemerkungsfeld in die Datenbank
aufgenommen werden.
Vorgaben zur Planung, Durchführung und Dokumentation der Probennahme sowie
zur Führung eines Messstellenpasses gibt das „Handbuch Grundwasser-
beobachtung“ des LfUG.
Literaturhinweise:
/1/ LfUG/LHW (2003):
Handbuch Grundwasserbeobachtung, Merkblatt
Grundwasserprobennahme, Mai 2003
/2/ Wanke, Dr. A. (2004): „LHKW-Analytik - Möglichkeiten und Grenzen oder vom Traum zur
Wirklichkeit“; UBG (Powerpoint-Präsentation, unveröff.)

image
59
9. AOX – ein Kriterium zur
Plausibilitätsprüfung?
Begriffserläuterung
Der Parameter „Adsorbierbare organisch gebundene
Halogene
“ (AOX) ist ein
Summenparameter, der eine Vielzahl von Stoffen zusammenfasst, die an Aktivkohle
adsorbierbar sind und Halogene enthalten. (Das X wird in der Chemie allgemein als
Abkürzung für ein beliebiges Halogen verwendet und steht beim AOX für Chlor, Brom und
Jod.) Organische Fluorverbindungen werden durch die Analysenmethode nicht erfasst.
Entsprechend ihrer Herkunft lassen sich halogenhaltige Naturstoffe, die von Bakterien,
Pflanzen und Tieren gebildet werden (z.B. Thyroxin, Methylchlorid, Chloromycitin,
Chloramphenicol) und anthropogene Halogenverbindungen (z.B. halogenhaltige Pestizide
oder Lösungsmittel) unterscheiden.
Analytik
Der AOX-Gehalt wird bis zu einer Konzentration von anorganischem Chlorid > 1 g/l nach DIN
EN ISO 9562 analysiert. Für Proben mit höheren Konzentrationen wird das SPE-AOX-
Verfahren nach DIN 38409-H22 eingesetzt.
Bei der analytischen Bestimmung des AOX werden die betreffenden Verbindungen durch
Ausschütteln in Gegenwart von Aktivkohle (Schüttelverfahren) oder mittels Durchspülen der
Probe durch ein mit Aktivkohle gefülltes Glasrohr (Säulenverfahren) an die Aktivkohle
gebunden (adsorbiert) Die Kohle wird dann verbrannt und die entstandenen Halogensäuren
durch mikrocoulometrische Fällung mit Silberionen und dem dadurch verursachten
Stromverbrauch gemessen.
Der AOX erfasst damit den Großteil aller chlor-, brom- und jodorganischen Substanzen, die
in einer Probe enthalten sind. Da bei den organisch gebundenen Halogenen die
chlorhaltigen Verbindungen in der Regel deutlich überwiegen, wurde als Einheit für AOX
mg/l
Cl verwendet.
AOX - eine analytische Konvention.
Gem. DIN EN 1485 ist der Parameter AOX eine analytische Konvention. Ein kritikloses
Gleichsetzen der LHKW-Ergebnisse mit dem AOX-Gehalt ist nicht statthaft. Weniger als 10%
der mit der AOX-Methode erfassbaren Halogenkonzentrationen können Verbindungen
zugeordnet werden, die gegenwärtig über Einzelstoffanalytik identifizierbar sind. /1/
In der Regel spielen nur ausgewählte Halogenverbindungen als Wasserschadstoffe
quantitativ eine Rolle, so dass sich aus ihren Einzelstoffkonzentrationen ein theoretischer
AOX-Wert nach folgender Formel berechnen lässt:

60
AOX_theoretisch
= [(Abs([Vinylchlorid]) * 0.573) + (Abs([1,1-Dichlorethen]) * 0.74) +
(Abs([1,1,2-Trichlortrifluorethan]) * 0.763) + (Abs([Dichlormethan]) * 0.845) + (Abs([trans]) *
0.74) + (Abs([1,1-Dichlorethan]) * 0.72) + (Abs([1,2-Dichlorethan]) * 0.74) + (Abs([1,2-cis-
Dichlorethylen]) * 0.74) + (Abs([Chloroform]) * 0.903) + (Abs([Tetra]) * 0.934) +
(Abs([Trichlorethylen]) * 0.819) + (Abs([Perchlorethylen]) * 0.866) + (Abs([1,1,2-
Trichlorethan]) * 0.807) + (Abs([Chlorbenzen]) * 0.317) + (Abs([1,2-Dichlorbenzen]) * 0.486)
+ (Abs([1,3-Dichlorbenzen]) * 0.486) + (Abs([1,4-Dichlorbenzen]) * 0.486)] + AOX (non
LHKW)
Bei niedrigen LHKW-Konzentrationen ist der gemessene AOX-Gehalt größer als der
theoretisch berechnete Wert (Summe LHKW), da noch andere Substanzen als die in der
Formel berücksichtigten LHKW zum AOX-Wert beitragen.
Bei sehr hohen LHKW-Werten (> 100 μg/l) ist dagegen die LHKW-Konzentration für den
AOX-Gehalt bestimmend. Sind die Einzelstoffe einer solchen Wasserprobe bekannt, so kann
AOX als Leitparameter für die LHKW-Belastung dienen. Die Praxis hat gezeigt, dass bei
diesen Proben der gemessene AOX-Wert annähernd mit der Summe der LHKW-Einzelstoffe
übereinstimmt.
Einen Vergleich zwischen theoretischem und gemessenem AOX bei unterschiedlichen
LHKW-Konzentrationen zeigt Tabelle 1.
Tab. 1: Vergleich zwischen theoretischem und gemessenem AOX bei unterschiedlichen
LHKW-Konzentrationen /2/
Messstellen
AOX berechnet
(
LHKW) [μg/l]
AOX gemessen [μg/l]
Verhältnis
LHKW/AOX [%]
WAG P2
8
24
32
KE 02/00 11 31 37
KE 22/00 29 34 86
KE 09/00 21 41 52
KE 05/00 18 47 38
KE 21/00 12 62 19
P4 FI/G4
35
170
21
BR 7 260 250 104
KE 06/00 309 320 97
KE 12/00 394 320 123
01/94 3715 3700 100
P 1/98 13637 15000 91
P 3/95 67622 61000 111
GR 4/94 585 640 91
Eine genaue Übereinstimmung der Ergebnisse aus der AOX-Analytik und der LHKW-
Einzelstoffbestimmung kann in der Regel nicht erreicht werden. Die Analysenverfahren
unterscheiden sich deutlich in ihren experimentellen Randbedingungen, wie die Auswahl der
Randbedingungen in Tabelle 2 zeigt. Der Trend der Untersuchungsergebnisse sollte jedoch
übereinstimmen.

image
61
Tab.: 2: Vergleich ausgewählter analytischer Randbedingungen für AOX und LHKW-
Einzelstoffanalytik /2/
Analytische
Randbedingungen
AOX LHKW
Probenmatrix (gem.
DIN)
aus der homogenisierten
Gesamtprobe
aus der gelösten Phase
Verdünnung (gem. DIN)
Verdünnungsfaktor: max. 10
vorgeschrieben
Erforderliche Verdünnungen bis
zu 1:1000 in einem Schritt
möglich (Vermeidung von
Verlusten)
Probentemperatur
Vor Aufarbeitung auf
Raumtemperatur bringen
Sofortige Aufarbeitung aus der
gekühlten Probe
Berücksichtigung von
Wiederfindungsraten
Keine Einbeziehung von
Wiederfindungsraten
Einbeziehung von
Wiederfindungsraten (bzw. int.
Standardkalibrierung)
Kalibrierung Kalibrierung gegen
schwerflüchtige Substanzen
Kalibrierung gegen Target-
Substanzen
Die in Abbildung 1 dargestellte Grafik macht deutlich, wie sich der Vorgang der
Probenverdünnung auf das AOX-Ergebnis auswirken kann. Untersucht wurden kontaminierte
Wasserproben, deren LHKW-Gehalt über 100 μg/l lag. In der ersten Untersuchung wurden
die Wasserproben in Abhängigkeit von der Höhe der Kontamination in max. 10 Schritten
verdünnt. Bei der Wiederholungsuntersuchung erfolgte die Verdünnung in Anlehnung an die
LHKW-Analytik in einem Schritt.
Abb.1:
Einfluss des Verdünnungsvorganges auf das Verhältnis zwischen berechnetem und
gemessenem AOX /2/

62
Um die Analysenergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren, sollten Auffälligkeiten der
Probe (z.B. Schlieren am Flaschenboden) und Besonderheiten bei der Durchführung der
Untersuchungen (z.B. Schwierigkeiten bei der Homogenisierung, Verdünnung in einem
Schritt) in einem Bemerkungsfeld in der Datenbank erfasst werden. In der Datenbank des
LfUG werden für derartige Zusatzinformationen für jede Probennahme parameterbezogene
Bemerkungsfelder geführt.
Schlussfolgerung
AOX als Konvention kann für eine Plausibilitätsprüfung der LHKW-Untersuchungen
prinzipiell herangezogen werden.
Der Trend der AOX-Gehalte stimmt mit dem Trend aus der Summe der LHKW-
Einzelbestimmungen überein.
Bei niedrigen LHKW-Konzentrationen ist der gemessene AOX-Wert größer als der
theoretische. Bei sehr hohen LHKW-Werten (> 100 μg/l) stimmt der gemessene AOX-
Gehalt annähernd mit der Summe der LHKW-Einzelstoffe überein.
Als Leitparameter für gefährliche halogenorganische Verbindungen kann AOX nur in den
Fällen dienen, wo die entsprechenden halogenorganischen Verbindungen wenigstens
teilweise bekannt sind.
Auffälligkeiten der Probe und Besonderheiten bei der Durchführung der Untersuchungen
sollten in einem Bemerkungsfeld in der Datenbank erfasst werden.
Literatur
/1/ Autorenkoll. (2002): „Adsorbierbare organisch gebundene Halogene (AOX) in der
Indirekteinleiterüberwachung“, KA-Wasserwirtschaft, Abwasser,
Abfall
2002 (49) Nr. 9
/2/ Wanke, Dr. A. (2004): „LHKW-Analytik - Möglichkeiten und Grenzen oder vom Traum
zur Wirklichkeit“; UBG (Powerpoint-Präsentation, unveröff.)

image
63
10. Überarbeitung der Arbeitshilfe -
Vergabe von Leistungen-
was hat sich geändert?
Im August 2004 wurde eine neue „Arbeitshilfe Vergabe von Leistungen“ in der Reihe
„Materialien zur Altlastenbehandlung“ veröffentlicht. Damit ist die alte Arbeitshilfe Vergabe
vom Februar 1998 komplett ersetzt worden und wird nicht mehr als Veröffentlichung zum
download im Internet angeboten. Die Neuauflage erscheint ausschließlich im Internet. Im
Folgenden wird erläutert, welche rechtlichen Änderungen für die Neuauflage
ausschlaggebend waren und was die wesentlichen Änderungen sind.
10.1. Inkrafttreten neuer Rechtsnormen
Das deutsche Vergaberecht hat seit 1998 in der Umsetzung gültiger EU-Richtlinien
wesentliche Änderungen erfahren. Die erste Stufe der Änderungen beinhaltete die
Verabschiedung des
Vergaberechtsänderungsgesetzes
, das zum 01.01.1999 in Kraft trat.
Es führte zu einer Zweiteilung des deutschen Vergaberechts, je nachdem, ob die EU-
Schwellenwerte über- oder unterschritten werden. Bei Überschreitung der Schwellenwerte
gilt nunmehr das Wettbewerbsrecht, bei Unterschreitung der bisherige Ansatz des
Haushaltsrechts. Die zweite Stufe der Änderungen im Vergaberecht erfolgte durch
Inkraftreten der neuen Vergabeverordnung im Januar 2001 (Im Jahre 2003 wurde eine
Neufassung bekannt gegeben) sowie durch die
Überarbeitung der
Verdingungsverordnungen VOB, VOL und VOF
.
Die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) hat zwischenzeitlich zwei Änderungen
erfahren (2000, 2002) Der Deutsche Vergabe- und Vertragsausschuss für Bauleistungen hat
zuletzt im Oktober 2002 die Teile A und B der VOB als neue
Vergabe- und
Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB)
herausgegeben.
Außerdem ist am 01.01.2003 das Gesetz über die Vergabe öffentlicher Aufträge im Freistaat
Sachsen (
Sächsisches Vergabegesetz
) sowie die
Sächsische
Vergabedurchführungsverordnung
in Kraft getreten.
10.2. Welche Neuerungen enthält die Arbeitshilfe Vergabe 2004?
Durch den grundsätzlichen Wandel der Gesetzesgrundlage des Vergaberechtes machten
sich umfangreichen Änderungen in den Abschnitten 2-5 erforderlich. Folgenden Änderungen
wurden vorgenommen:
Ersatz des Abschnittes 2 „Randbedingungen der Vergabe“ durch den neuen und
gekürzten Abschnitt 2 „Grundlagen der Vergabe“; wesentliche gesetzliche
Änderungen, Auswirkungen des Vergaberechtsänderungsgesetzes, Zuordnung der
EU-weiten Vergabe zum Wettbewerbsrecht, darunter dem Haushaltsrecht.
überarbeiteter Abschnitt 3 „Anwendung der Verdingungsordnungen und Arten der
Vergabe“ (Herausnahme der Wortlautwiedergaben der Verdingungsordnungen, keine
Honorierungsfragen)

64
Folgende weitere Änderungen und Ergänzungen wurden vorgenommen:
überarbeiteter und aktualisierter Abschnitt 4 „Arbeitshilfen für Vergabeunterlagen für
die einzelnen Stufen der SALM“ zum neuen Abschnitt 4 „Vergabeunterlagen“,
die Musterleistungsbeschreibungen und Standardformulierungen wurden analog zum
Projekthandbuch Altlastenfreistellung aufgebaut.
überarbeitete Anlage 4 Musterleistungsbeschreibungen für Ingenieur- und
Gutachterleistungen für die Historische Erkundung, Orientierende Untersuchung und
Detailuntersuchung,
überarbeitete Anlage 7 Standardformulierungen für eine Leistungsbeschreibung einer
Sanierungsuntersuchung,
neue Anlage 6a „Musterleistungsbeschreibung für Leistungen zur
Grundwasserströmungs- und Schadstofftransportmodellierung“,
neue Anlagen 1.8.7: Muster-Leistungsbeschreibung Sickerwasserprognose bei
Detailuntersuchungen – „Quellterm“ und 1.8.8: Muster-Leistungsbeschreibung
Sickerwasserprognose bei Detailuntersuchungen – „Quell- und Transportterm“,
Einheitliche Verdingungsmuster (EVM) analog den Mustern des Bundes.

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65
11. ORIENT, ATRIUM und DASIMA –
Interaktive Recherchemöglichkeiten
im Fachinformationssystem Altlasten
Seit Mai 2005 ist über die Internet-Seiten des LFUG der DV-Modul DASIMA (Neuversion der
Datenbank) zu erreichen, demnächst werden auch die Module ORIENT und ATRIUM online
verfügbar sein. Diese Module ermöglichen eine Recherche in 3 verschiedenen
Themenbereichen der Altlastenproblematik:
ORIENT:
Orientierungs-, Prüf- und Maßnahmewerte für die
Gefahrenverdachtsermittlung in der Altlastenbehandlung
DASIMA:
Softwarerecherche zur Modellierung von Schadstoff-
Transportprozessen im Grund- und Sickerwasser
ATRIUM:
Auswahl und Bewertung von Altlasten-Sanierungsverfahren.
Sie stellen eine fachliche Arbeitshilfe für Gutachter und Behörden innerhalb der Altlasten-
Bearbeitungsphasen „Orientierende Untersuchung“, „Detailuntersuchung“,
„Sanierungsuntersuchung“ und „Sanierung“ dar. Die methodische Vereinheitlichung
derartiger fachbezogener Recherchen wirkt unterstützend auf die Qualitätssicherung und
Qualitätsverbesserung bei der Einzelfallbearbeitung von Altlasten.
DV-technische Basis der Recherchemodule ATRIUM, DASIMA und ORIENT ist eine MS
SQL Server 2000 – Datenbank. Der Zugriff auf die Datenbank und die Darstellung der
Inhalte erfolgt über Standard-Internetbrowser wie Netscape, Microsoft Internet Explorer,
Mozilla unter Nutzung der JAVA (1.4.2) und J2EE (1.3) – Technologie. Zur Programmierung
diente der HTML 4.0-Standard, auf dessen Grundlage alle gängigen Internetbrowser genutzt
werden können.
ORIENT
Die Daten für das Modul ORIENT lagen ursprünglich in Text und Tabellenform als MS Word-
und Adobe pdf- Dokumente vor (Materialienband des LfUG: „Bewertungshilfen -
Orientierungswerte und gesetzlich festgelegte Werte- bei der Gefahrenverdachtsermittlung in
der Altlastenbehandlung“). Dieser Materialienband mit seinen vielen Tabellen wurde in ein
Recherchemodul überführt, um schneller und gezielter einen entsprechenden gesetzlich
festgelegten oder orientierenden Wert zu finden. Durch die Definition des Wirkungspfades
(Schadherd-Transportmedium-Kontaktmedium-Schutzgut) in Verbindung mit den
Nutzungskriterien wird der Anwendungsbereich klar strukturiert. Die Recherche unterstützt
Experten und Gutachter bei der Beurteilung altlastverdächtiger Flächen vorrangig im
Rahmen der orientierenden Untersuchung.

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66
Recherchemaske von ORIENT:
Bei der Suche nach Prüf-, Maßnahmen- und Orientierungswerten kann man zwischen zwei
grundsätzlichen Recherchemethoden wählen:
Recherche nach Werten über Schadstoff/Summenparameter
Hier erfolgt bei zunächst eine Auswahl eines Schadstoffes und des Untersuchungsmediums,
danach eine Auswahl des Schutzgutes und des Kontaktmediums (zum Schutzgut). Die
Ergebnisse werden nutzungsbezogen mit Angabe der Art der Werte ausgegeben.
Recherche nach Werten über Wirkungspfade.
Bei dieser Recherchemethode erfolgt zunächst die Auswahl eines Wirkungspfades mit der
Option alle Werte oder nur die rechtsverbindlichen Werte auszugeben. Danach sind das
Untersuchungsmedium und die Nutzung anzugeben. Das Ergebnis ist die Anzeige aller
existierenden Schadstoffwerte für die gewählte Kombination.
DASIMA
Das Modul DASIMA existierte als Microsoft Access-Datenbank mit Internetanbindung und
wurde im Rahmen dieses Projektes in die MS SQL Server 2000 Form überführt und um
einige wichtige Felder und Recherche-Funktionen erweitert.
DASIMA ermöglicht eine systematische Recherche von Computerprogrammen zur
Strömungsmodellierung und zum Schadstofftransport im Boden- und Grundwasser, die für
die Altlastenbehandlung geeignet sind. Für eine komfortable Suche nach den für die
jeweilige Problemstellung adäquaten Programmen steht eine Suchmaske mit vorgegebenen
Auswahlkriterien zur Verfügung. Beispiele für Auswahlkriterien sind der Typ des
Grundwasserleiters, die Art des mathematischen Lösungsverfahrens oder der Preisbereich
der Software. Bei den meisten Suchkriterien sind Mehrfachauswahlen (UND-Verknüpfung)
möglich.

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67
Recherchemaske DASIMA:
Zu jedem Programm ist eine Kurzbeschreibung integriert. Die Suche kann auch direkt über
den Programmnamen (oder Teile dessen) erfolgen.
ATRIUM
Das Modul ermöglicht eine übersichtliche und effektive Anzeige aller Informationen
(hierarchische Einordnung, Detaileigenschaften) über Sanierungsverfahren der
Altlastenbehandlung. Soweit verfügbar, sind schematische Abbildungen zu einzelnen
Sanierungsverfahren in den Ausgabeformularen abrufbar. Der Nutzer kann verschiedene
Recherchemethoden wählen:
Boden und Schadstoffart (Kombinationsabfrage)
Es wird nach Sanierungsverfahren gesucht, die für den gewählten Boden gut/bedingt
geeignet sind und für den gewählten Schadstoff gut/bedingt geeignet sind. Einzelabfragen
sind durch Freilassen eines Feldes Schadstoff / Bodenart auch möglich. Eine optionale
Eingabe der Bedingung "Anwendungsstand in der Praxis" ist möglich.
Alphabetische Anzeige aller Verfahren
Es werden alle Verfahren in einer alphabetisch sortierten Liste angezeigt.

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68
Hierarchische Suche Sanierungsverfahren
Auswahl nach übergeordneter Kategorie: Strategie → Szenariengruppe → Szenario →
Sanierungsverfahren.
Volltextsuche
Es wird in verschiedenen Datenbankfeldern nach dem eingegebenen Begriff gesucht.
Recherchemaske von ATRIUM:
Beim Klicken auf die Suchtreffer (gefundene Sanierungsverfahren) gelangt man zur Ansicht
aller Eigenschaften dieses Sanierungsverfahrens (Detailansicht). Am Ende der Detailansicht-
Seite werden Verfahrensbeispiele einzelner Anbieter aufgelistet. Da diese Nennung nie
vollständig sein kann, wird hier Firmen die Eintragung ihres Verfahrens angeboten. Zu
diesem Zweck wird ein pdf-Formular bereitgehalten, welches herunterladbar ist, und
ausgefüllt wieder per E-Mail an das LfUG gesendet werden kann.

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69
12. Modellstandort Freital-Saugrund –
Wasserhaushaltsberechnungen im
Festgesteinsgebiet
Bei dem Modellstandort Freital-Saugrund handelt es sich um einen Standort mit Zeugnis
einer jahrhunderte langen Nutzung durch den Menschen, insbesondere geprägt durch den
Steinkohle- und Uranerzbergbau und die Stahlindustrie. Die 21 betrachteten Teilflächen
werden in Altstandorte und Altablagerungen unterteilt und zeichnen sich durch einen
vielfältigen Schadstoffmix aus konventionellen und radioaktiven Schadstoffen aus.
Außerdem ist das Gebiet durch relativ komplizierte hydrogeologische Verhältnisse
gekennzeichnet.
Jetzt ist dieser Modellstandort um einen weiteren Baustein der Altlastenbearbeitung reicher
geworden, um die Wasserhaushaltsmodellierung des Gesamtgebietes. Es bestand immer
wieder die Forderung seitens der Behörde bei Einzelmaßnahmen auf dem Standort eine
Wasserhaushaltsbetrachtung des Gesamtgebietes vorzulegen, um Beeinflussungen
quantifizieren zu können. Hauptdiskussionspunkte waren dabei u.a. die Ableitung von
Oberflächenwässern bei Sicherungen von Teilflächen, die Höhe der einzelnen Wasserzu-
und abflüsse zur Bewertung von verschiedenen diskutierten Maßnahmen und die mengen-
und stoffmäßige Belastung/Belastbarkeit des Hüttengrundbaches als Vorfluter.
Für die Wasserhaushaltsberechnungen sind der oberirdische Abfluss und der unterirdische
Abfluss maßgebend. Der oberirdische Abfluss erfolgt über den Hüttengrundbach. Er
entwässert nahezu den gesamten Untersuchungsraum. Hinsichtlich des unterirdischen
Abflusses sind 4 Grundwasserleiterkomplexe zu unterscheiden. Der hypodermische
Zwischenabfluss am Standort ist zu berücksichtigen und spielt durch die vorhandenen
starken Hangneigungen eine Rolle.
Grundlage der Abschätzungen sollten vor allem Daten aus dem Grundwassermonitoring
(über 4 Jahre, Altlastenfreistellung), 14-tägige Pegelmessungen von Grundwasser,
Sickerwasser und Oberflächenwasser, Unterlagen zu den wasserwirtschaftlichen
Verhältnissen des Edelstahlwerkes und standortbezogene Klimadaten sein.
Der Auftrag zur Wasserhaushaltsbilanzierung ging an die Firma G.E.O.S. Freiberg und
konnte 2004 erfolgreich abgeschlossen werden. Folgende
Ergebnisse
liegen vor:
Aussagen zum Wasserhaushalt am Modellstandort Freital-Saugrund (Definition von
Teileinzugsgebieten, Bilanzierung hinsichtlich der Abflussanteile der einzelnen
Hydrotope mit Hilfe des Programms BOWAHALD, Wasserbilanz für Istzustand und
Planzustand der Teilflächen, Vorschlag zur Trassenführung und Dimensionierung des
Hüttengrundbaches als betroffenes Oberflächengewässer)
Aussagen zu den wasserwirtschaftlichen Verhältnissen des Edelstahlwerkes Freital
als Bestandteil des MOST Gebietes
Aussagen zur Gefährdungsabschätzung für das Schutzgut Grundwasser und das
Schutzgut Oberflächenwasser (Aussagen zu Stofffrachten, insbesondere zu Sulfat
und Arsen)
Verallgemeinerungen der Wasserhaushaltsberechnungen und
Gefährdungsabschätzungen für vergleichbare Festgesteinsgebiete (Ableitung von
Untersuchungs- und Sanierungsstrategien in Festgesteinsgrundwasserleitern)

70
Einige ausgewählte Ergebnisse sollen im Folgenden vorgestellt werden:
BOWAHALD
Das Bearbeitungsgebiet wurde in Hydrotope untergliedert (auf Grundlage der Petrographie,
der Morphologie, des Bewuchses und der Hangneigung einschließlich Exposition), für die
dann separate Abflussberechnungen mit Hilfe des Programms BOWAHALD erfolgten.
Abbildung 1 zeigt die Hydrotope und BOWAHALD-Abflüsse mit Angabe des Planzustandes.
Allerdings ließen sich die einzelnen Hydrotope nicht miteinander verknüpfen, so dass der
Zwischenabfluss des einen Hydrotops dem Nachbarhydrotop zufließt (Grenzen des
BOWAHALD). Im Ergebnis der BOWAHALD-Berechnungen und weiterer Bilanzierungen
entstand die Übersicht in Abbildung 2, in der alle wesentlichen Wasserströme aufgezeigt
sind. Ein wichtiger Teil in der Berechnung der Wasserströme ist der Wasserkreislauf des
Edelstahlwerke, in dem Grundwasser entnommen und Überschusswasser in den
Hüttengrundbach entlassen wird. Das entnommene Grundwasser dient einmal
Produktionszwecken, aber vor allem der Absenkung des Grundwasserspiegels zum Schutz
der Gebäude (stark sulfathaltiges, aggressives Grundwasser).
Dimensionierung des Hüttengrundbaches
Die Dimensionierung des Hüttengrundbaches erfolgte auf Grundlage der Berechnung der
Regenwasserabflüsse nach ATV Arbeitsblatt 118 für die einzelnen Hydrotope des
Untersuchungsgebietes. Es wurde das Zeitbeiwertsverfahren angewendet. Beim Vergleich
der Regenwasserabflüsse von Istzustand und Planzustand ist festzustellen, dass die
insgesamt geplanten Oberflächenabdeckungen nur geringe Änderungen des
Regenwasserabflusses zur Folge haben. Nach den Berechnungen reicht die derzeitige
Dimensionierung des Hüttengrundbaches für einen 20 –jährigen Wiederholungszeitraum aus
(maximale Niederschlagsmengen innerhalb der letzten 20-Jahre können aufgenommen
werden) unter der Voraussetzung, dass der Schlammteich 4 als Regenrückhaltebecken zur
Verfügung steht. Empfehlungen zur Fassung von Oberflächenwässern an den
verschiedenen Schlammteichen werden gegeben.

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71
Abb.1: Hydrotope und BOWAHALD-Abflüsse in l/s mit Angabe des Planzustandes

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72
Abb.2: Flussbild zum Wasserhaushalt des Modellstandortes

73
Ableitung von Untersuchungs- und Sanierungsstrategien für Altablagerungen auf Festgestein
Es wurde eine Strategie zur Ermittlung hydraulischer Parameter entwickelt, wenn
anthropogen verursachte morphologische Veränderungen einen entscheidenden Einfluss auf
die hydrodynamischen Verhältnisse haben (siehe Grundwasser & Altlasten aktuell 2003).
Auf Grundlage dieser ermittelten Parameter lassen sich für die sanierungsbedürftigen
Teilflächen Sanierungszeitpläne ableiten. Nach Abschätzung von notwendigen
Sofortmaßnahmen (in Abhängigkeit von den Schutzobjekten und Wirkungspfaden) wurde die
weitere Reihenfolge der Sanierung für den Wirkungspfad Boden-Grundwasser anhand der
Fließzeit der Schadstoffe im Grundwasser festgelegt. Grundlage dafür waren die mit dem
Programm BOWAHALD berechneten unterirdischen Abflüsse RU. Es ergaben sich für die 5
sanierungsbedürftigen Teilflächen, die als Sanierungszonen definiert wurden, folgende
Aussagen:
Sanierungs-
zone 2
Sanierungs-
zone 3
Sanierungs-
zone 4
Sanierungs-
zone 5
Sanierungs-
zone 1
n
e
0,0064 0,0064 0,0064 0,0064 0,0064
RU in mm/a
342
171
0
331
166
x in m
1800
1200
900
500
200
Fließzeit in a
15
22
-
5
4
Planung 2003 2004 2004 2009 2009
Sanierung 2009 2005 2005 2012 2011
Wirksamkeit 2024 2027 2006 2017 2015
n
e
- entwässerbares Porenvolumen
RU
- unterirdischer Abfluss nach BOWAHALD
x
- Entfernung des RU-input bis zur Entlastung bzw. Einwirkstelle des Schutzobjektes
Die Sanierungszone 4 ist ein wasserbedeckter Schlammteich, der eine wirksame
Sohlabdichtung besitzt. Deshalb wurde kein unterirdischer Abfluss angesetzt.
Die Zeitdauer bis zum Wirksamwerden geeigneter Sanierungsmaßnahmen wird vor allem
durch die Altablagerung mit der längsten Fließzeit (bis zur Druckentlastungszone) bestimmt.
Damit ist die Sanierungszone 3 als dringendste Sanierungsmaßnahme anzusetzen.
Spätestens nach 22 Jahren ist eine entsprechende Wirksamkeit (auch gleich
Gesamtwirksamkeit aller Maßnahmen) nachzuweisen. Entsprechend der vorgeschlagenen
Sanierungsreihenfolge sind die vorhergehenden Untersuchungen (soweit noch nicht
vorhanden) vorzusehen.

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74
MOST-Informationssystem
Zur Ergänzung der SALKA- Daten wurde in einem Projekt 2002 eine ACCESS-Datenbank
erstellt, welche alle relevanten Informationen zum Untersuchungsgebiet verwaltet und eine
GIS-Darstellung ermöglicht. Auch die Ergebnisse der Untersuchungen zur
Wasserhaushaltsmodellierung wurden hier abgelegt. Die Startseite des Systems ist in
Abbildung 3 zu sehen. Die Struktur hat sich sehr gut bewährt und könnte auch durch andere
Projekte genutzt werden.

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75
13. Praxisbeispiel Nickelhütte Aue –
Sanierung eines Standortes
Sanierung eines 370-jährigen Industriestandortes bei laufender Produktion
Problemstellung
Fast 370 Jahre Industriegeschichte – das ist auch die Geschichte von Entstehung und
Ausbreitung sowie Erkundung und Sanierung von Altlasten. Die heutige Generation steht vor
der Aufgabe, das Betriebsgelände und die Umgebung für die Kinder und Enkel wieder in
einen gefahrlos nutzbaren Teil der urbanen Landschaft zu überführen.
Die Nickelhütte Aue GmbH (Fläche ca. 13,7 ha) ist dabei nicht nur ein „normaler“
Industriebetrieb. Die Komplexität der Problemstellung „Altlasten der Nickelhütte Aue“ zeigt
sich eben darin, dass die Nickelhütte Aue in vielerlei Hinsicht ein „besonderer“ Betrieb ist:
Für den Problemkreis der Altlasten sind die vielfältige Nutzung des Betriebsgeländes und die
1635
Gründung des Blaufarbenwerkes
1849
Beginn der Produktion von Würfelnickel
vor 1945
Beginn der Produktion von kupfer- und
ab1947
Beginn Uranaufbereitung SAG Wismut
bis 1957 als „Objekt 100“
nach 1957
Produktion von Cu-, Ni- u. Co-Produkten
seit 1970
Aufbereitung von Sekundärrohstoffen
1991 Privatisierung durch Treuhandanstalt
1991 Formale Erstbewertung
seit 1991
kontinuierliche Untersuchungen
1993/1995 Freistellungsbescheid
1999
vorläufiger Sanierungsabschluss im Werkbereich I
2000
Teilsanierung im Werkbereich II
2001-2003 Sanierungsuntersuchung Werkbereich II
2002
Erstellung Datenbank zum Grund- und
Oberflächenwassermonitoring
2002 August-Hochwasser
2003
Beginn der komplexen Sanierungsunter-suchung
Werkbereiche I bis V
2004
Pilotversuch zur passiven Grundwasser-reinigung
2005
Erstellung eines numerischen
Grundwasserströmungsmodells
Plan: Baubeginn präventive
Hochwasserschutzmaßnahmen und Sanierung
Werk-bereich II
Abb. 2: Extrem kontaminierte Bodenbereiche aus
Werkbereich II
Foto: Hamperl, Beak Consultants GmbH
Abb. 1: Lage des Untersuchungsgebiets

76
komplizierte morphologische Lage die besonderen Herausforderungen. Von Wohngebäuden,
Freizeitflächen, teilweise naturnaher Bachlauf, Wald- und Grünflächen, Fließgewässer mit
Hochwassergefahr, Verkehrsflächen bis hin zu den intensiv genutzten Industrieflächen der
eigentlichen Hütte sind so ziemlich alle Flächennutzungen und damit auch Konfliktpotenziale
vorhanden. Bei allen Umgestaltungen soll diese historisch gewachsene Mischung der
Flächennutzungen erhalten bleiben.
Der Boden der Nickelhütte Aue ist flächendeckend mit Arsen und sowie großflächig mit
Schwermetallen (Nickel, Cadmium, Kupfer, Cobalt) und lokal mit organischen Schadstoffen
(PAK) kontaminiert und damit das am stärksten betroffene Schutzgut. Resultierend aus
Hüttenprozess und Uranaufbereitung lagern in einigen Werkbereichen zusätzlich noch
radioaktive Abprodukte.
Nach überschlägigen Berechnungen sind allein in einem
von fünf Werkbereichen folgende
Schadstoffmengen im Boden akkumuliert:
Arsen 177 t
Kupfer 106 t
Nickel 53 t
Bisher wurden bei laufendem Betrieb 421 Bodenaufschlüsse im Betriebsgelände der
Nickelhütte Aue GmbH und in der unmittelbaren Umgebung getätigt. Daraus wurden ca.
1500 Bodenproben untersucht. Zusätzlich stehen 57 Grundwassermessstellen und zwei
Brunnen für das laufende Grundwassermonitoringprogramm zur Verfügung.
Lage / Geologie / Hydrogeologie
Die Nickelhütte Aue befindet sich am südöstlichen Rand der Stadt Aue im Bereich der
Einmündung des
Kuttenbach
tales in die ca. 300 m breite Talaue des
Schwarzwassers
knapp
1 km oberhalb der Einmündung in die Zwickauer Mulde (Abb. 1). Die geologischen und
hydrogeologischen Verhältnisse am Standort sind relativ kompliziert.
Das Untersuchungsgebiet ist durch den Kontaktbereich zwischen dem im Untergrund
anstehenden Biotit-Monzogranit-Komplex („Auer Granit“) und den durch die
Kontaktmetamorphose in Andalusithornfels umgewandelten Phylliten gekennzeichnet. Im
Bereich von Störungszonen sind die Gesteine teilweise tiefgründig zerrüttet (Vergrusungen
des Granits). Die Festgesteine werden entlang der Hangbereiche von 2 m bis 4 m mächtigen
Hangschutt- und Gehängelehmdecken überlagert. Im Bereich der Täler des Kuttenbaches
und Schwarzwassers lagern auf dem größtenteils grusig, teilweise auch kaolinisch
verwitterten Granit holozäne Auensedimente (2 m bis 5 m mächtige sandige Flussschotter
sowie lokal verbreitete Auenlehme). Durch die jahrhundertelange industrielle Nutzung kam
es zu umfangreichen anthropogenen Ablagerungen. Die Mächtigkeit dieser künstlichen
Aufschüttungen liegt zwischen 0,5 m und 8,7 m. Die stoffliche Zusammensetzung der
Aufschüttmassen ist sehr wechselhaft (Abb. 2) [1].
Die sandig-kiesigen Auensedimente des Schwarzwassertales bzw. des Kuttenbachtales
stellen den Hauptgrundwasserleiter im Betrachtungsgebiet dar. Die mittlere wassererfüllte
Mächtigkeit des Talgrundwasserleiters beträgt ca. 2,5 m. Der Grundwasserspiegel liegt im
Bereich der Talaue zwischen 2,0 m und 4,5 m unter Geländeoberkante. Er steht in
Wechselbeziehung zur Wasserführung des Schwarzwassers (überwiegend ungespannte
Strömungsverhältnisse). Die generelle Grundwasserfließrichtung entspricht im Wesentlichen
der Reliefneigung. Sie ist im Schwarzwassertal von E nach W, im Kuttenbachtal von NNE
nach SSW gerichtet. Flächendeckende Informationen über die Grundwasserverhältnisse im
Festgestein liegen derzeit nicht vor. Durch die Lage des Untersuchungsgebietes in einer
Druckentlastungszone ist jedoch generell davon auszugehen, dass über Klüfte und
Störungszonen punktuelle oder lineare Grundwasseraufbrüche aus dem Granit in den
(Tal-)Grundwasserleiter auftreten [1].

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77
Gefährdete Schutzgüter / Kontaminationssituation
Ausgehend von den z.T. extremen Bodenkontaminationen sind neben dem Boden selbst
Grund- und Oberflächenwasser die gefährdeten bzw. bereits geschädigten Schutzgüter.
Unversiegelte, stark kontaminierte Bodenbereiche führen zu einer Gefährdung für
Beschäftigte und Anwohner (Abb. 3 und 4). Vor allem während der Hochwasserereignisse
wurde beobachtet, dass kontaminierte und/oder strahlende Bodensubstrate abgetragen und
auch nach außen verfrachtet werden können. In solchen Fällen sind Beeinträchtigungen der
Oberflächenwasserbeschaffenheit bzw. der Flusssedimente und Gefährdungen von
Menschen durch den Direktkontakt möglich.
Einige Extremwerte zur Verdeutlichung der Schadstoffsituation (bisher gemessene Maxima):
Arsen
Nickel
Kupfer
Cadmium
Cobalt
Boden [
g
/kg] 42 51 130 0,38 2,7
Grundwasser [
mg
/l] 94 120 40 3,7 1,7
Das Grundwasser im Bereich der Nickelhütte Aue GmbH ist dauerhaft durch fast
flächendeckend hohe Kontaminationen mit Schwermetallen und Arsen gekennzeichnet. Die
flächenmäßig größten Kontaminationsaureolen im Grundwasser bilden Arsen und Nickel.
Von Relevanz ist ebenfalls die Cadmiumbelastung des Grundwassers in mehreren
Werkbereichen. Als besonders kritisch ist die Cadmium- und Nickelkontamination im
weiteren Abstrom in Richtung Stadtzentrum Aue zu betrachten.
Die nachfolgende Abbildung 5 zeigt die Arsengehalte im Grundwasser im November 2003
(aus [1]). Im Zentralteil ist zu erkennen, wie die Schadstofffahne von Ost nach West das
Schwarzwasser unterströmt. Eine weitere Unterströmung findet an der nordwestlichen
Grundstücksgrenze statt.
Abb. 3 und 4: An der Oberfläche sichtbare Kontaminationen: links Bodendetail im Bereich einer Halde; rechts Mauerwerk
Fotos: Sehrig, StUFA Plauen

image
78
Das Grundwasser entlastet jedoch auch an mehreren Stellen direkt in das Schwarzwasser
und trägt somit zu einer signifikanten Erhöhung der Schadstoffbelastung des
Oberflächenwassers bei.
Für Nickel zeigt sich ein ähnliches Bild. Durch ergänzende Standortuntersuchungen im
Rahmen der komplexen Sanierungsuntersuchung konnte im Jahr 2004 die Nickelfahne im
Grundwasser des Mündungsgebiets Schwarzwasser / Zwickauer Mulde innerhalb des
Stadtgebietes Aue abgegrenzt werden.
Das Hochwasser vom August 2002 (Abb. 6) und insbesondere die sich daran anschließende
Periode mit übernormal hohen Wasserständen hat zu einer verstärkten Auslaugung von
Schadstoffen im Untergrund der Nickelhütte Aue geführt. Davon waren auch besonders die
Bodenbereiche betroffen, welche z.B. unter Versiegelungen für den Schadstofftransport via
Sickerwasser bisher nicht zugänglich waren. Dies zeigte sich nicht in einem
Verdünnungseffekt sondern im Anstieg der Schadstoffgehalte in vielen Messstellen. Das
Wiederabsinken auf Normalniveau, welches einen erhöhten vertikalen Schadstoffeintrag in
das „normale“ Grundwasser bewirkt, war vor allem in Zonen mit schlechten
Durchlässigkeitsbedingungen bis zum Ende des Jahres 2003 noch nicht abgeschlossen
gewesen. Durch die Niedrigwassersituation im Jahr 2003 fehlte ein erhebliches
Verdünnungspotenzial, sodass sich die Schadstoffkonzentrationen in einigen Messstellen
nochmals extrem erhöhten. [1].
Werkbereich IV
Werkbereich III
Werkbereich V
Werkbereich I
Werkbereich II
Metallhandel
Schwarzwasser
Betriebsgraben
Schwarzwasser
11/03
P1
GWM23
GWM22
GWM21
GWM40
GWM41
GWM20
GWM28
GWM32
GWM39
GWM1
GWM5
GWM6
GWM7
P3
GWM8
GWM9
GWM3
P2A
GWM2
P5
P4
GWM25
GWM26
P7
GWM4
GWM34
GWM10
GWM11
P9
BrunnenS
GWM12
GWM35A
P8
GWM27
GWM33
GWM13
GWM36
GWM37
GWM38
GWM24
270
11
19
410
48
41
1000
22000
2700
66
690
580
220
500
390
2900
3000
6900
12000
1500
1.8
9.1
490
2.1
4.3
15
49
3300
1400
2200
120
13
2.1
6.5
9.2
3.9
39
6.7
2.1
0.81
Abb. 5: Arsengehalte im Grundwasser (aus
[1])

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79
Im Monitoringzeitraum 2004 ist ein erneutes, z.T. extremes Ansteigen der
Schadstoffkonzentrationen in zahlreichen Messstellen zu verzeichnen. Der Standort ist also
nicht durch ein „stabiles Schadens-niveau“ gekennzeichnet. Die Ursachen für dieses
Verhalten werden noch diskutiert, da für diesen Betrachtungszeitraum weder
meteorologische Extrema noch Bautätigkeit als Erklärung herangezogen werden können.
Nach erster Bewertung des numerischen Grundwasserströmungsmodells deutet sich an,
dass unterschiedliche lange Verweilzeiten von Grundwässern in Kontakt mit der
kontaminierten Bodenmatrix hier die entscheidende Rolle spielen könnten.
Datenhaltung
Zur Bewältigung der enormen Datenmenge aus Monitoring und sonstigen Untersuchungen
wurde von der Firma Beak Consultants GmbH im Auftrag der Nickelhütte Aue GmbH – und
aus Mitteln der Altlastenfreistellung – ein speziell zugeschnittenes Programm (Abb. 7 und 8)
entwickelt.
Abb. 6: Diese Brücke über das Schwarzwasser bestand seit 1821
...
Abb. 7 u. 8: Datenmasken aus dem Programm „Wassermonitoring“ allgemeine Angaben zur Messstelle (links) und zur
Probenahme
(rechts)
Abb. 7 u. 8: Datenmasken aus dem Programm „Wassermonitoring“ allgemeine Angaben zur Messstelle (links) und zur
Probenahme
(rechts)
Abb. 7 u. 8: Datenmasken aus dem Programm „Wassermonitoring“ allgemeine Angaben zur Messstelle (links) und zur
Probenahme
(rechts)

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80
Bisher realisierte
Gefahrenabwehrmaßnahmen
Bodenaustausch und Versiegelung in
den technologisch zugänglichen
Bereichen vom Werkbereich I
Sanierung von zwei sensibel genutzten
Flächen (Spielplatz und Wäscheplatz)
im Werkbereich II (Abb. 9)
Laufende Aktivitäten
Für die derzeit laufende Stufe der komplexen – d.h. eine alle Werkbereiche übergreifende –
Sanierungsuntersuchung sind durch die am Projekt Beteiligten allgemeine Sanierungsziele
formuliert worden:
Sanierungsziele
Verhinderung des direkten Kontaktes zwischen Mensch und kontaminiertem Material
Unterbindung des Abtrags des Materials von der Geländeoberfläche durch Wind- und
Wassererosion
Unterbindung bzw. weitgehende Minderung des Eintrags von Nickel und Cadmium
über der Sickerwasserpfad in das Grundwasser
Mittel- bis langfristige Verringerung der Schadstofffracht im Grundwasser unter ein
gefahrenrelevantes Maß
Stabilisierung der gegenwärtigen Grundwasserbelastungsverhältnisse in der
Sanierungszone Nord des Werkbereiches II
In Bezug auf den Parameter Arsen wird momentan kein Sanierungserfordernis angeführt, da
durch eine natürliche hydrochemische Barriere im Bereich des Werkbereichs V eine
erhebliche Minderung des Arsen-Austrags in Richtung Innenstadt erfolgt. Nach einer als sehr
wahrscheinlich betrachteten These bewirkt aufsteigendes eisenhaltiges Kluftgrundwasser
aus dem Festgesteinsbereich, welches in den Talgrundwasser entlastet, eine Retardation
(Mitfällung/Adsorption) des Arsens. Somit verbleibt die Arsen-Kontamination des
Grundwassers gegenwärtig weitestgehend innerhalb des Betriebsgeländes (Definierung
einer „Innenzone“). Da das Langzeitverhalten der Arsenkontamination des Grundwassers
und die dauerhafte Wirkung der hydrochemischen Barriere nur schwer zu prognostizieren
sind, verbleibt die Grundwasserbeschaffenheit unter ständiger Überwachung.
Im Rahmen der Sanierungsuntersuchung wurde 2004 ein Pilotversuch zur passiven
Grundwasserreinigung gefahren. Die Ergebnisse zur Abreinigung von Nickel und
untergeordnet Arsen sind nicht eindeutig, doch stimmen sie zumindest so optimistisch, dass
der Versuch mit erweitertem und modifiziertem Programm fortgeführt wird. Ziel ist das
Erlangen einer hinreichend gesicherten Datengrundlage zur Entscheidung, ob das
Sanierungsverfahren „passive Grundwasserreinigung“ speziell für den Standort Nickelhütte
Aue geeignet ist und damit (auch in Kombination mit anderen Sanierungstechnologien)
weiter entwickelt werden kann.
Als außerordentlich dringlich wird die Umsetzung der geplanten präventiven
Hochwasserschutzmaßnahmen im Werkbereich II angesehen. Der vergleichsweise kleine
Abb. 9: Die Fläche des sog. Spielplatzes nach der
Sanierung
Abb. 9: Die Fläche des sog. Spielplatzes nach der
Sanierung
Abb. 9: Die Fläche des sog. Spielplatzes nach der
Sanierung
Abb. 9: Die Fläche des sog. Spielplatzes nach der
Sanierung

81
Kuttenbach, der den Werkbereich II von Nord nach Süd durchfließt, hat im Hochwasserfall
durch sein großes Einzugsgebiet und sein starkes Gefälle ein erhebliches zerstörerisches
Potenzial. Im Zuge der von Freistaat Sachsen, Bund, Stadt Aue, Nickelhütte Aue GmbH und
Wismut gemeinsam finanzierten und unter Federführung der Landestalsperrenverwaltung
realisierten Baumaßnahmen zu den technischen Einrichtungen zum Hochwasserschutz
(Umflutungskanal mit Geröllfangbecken) könnte ein erheblicher Anteil des im Boden
vorhandenen Schadstoffpotenzials beseitigt werden. Damit wird dann auch
Planungssicherheit für die notwendigen Maßnahmen zur Unterbrechung des
Wirkungspfades Boden – Mensch im Bereich der unversiegelten Freiflächen geschaffen. Der
Baubeginn für die präventiven Hochwasserschutzmaßnahmen ist im zweiten Halbjahr 2005
vorgesehen.
Ausblick
Die verbalen Sanierungsziele sollen prinzipiell mit zahlenkonkreten Zielen bezogen auf
einzelne Schutzgüter untersetzt werden. So könnte. z.B. zukünftig ein Sanierungszielwert für
den Nickelgehalt im Grundwasser für den Übertrittsbereich Gelände Nickelhütte zu Gelände
Stadt definiert werden.
Ob letztendlich eine derartige Entscheidung mit ihren weit reichenden Folgen getroffen wird,
hängt vom Ergebnis der noch laufenden komplexen Untersuchungen ab.
Noch ist es zu früh, um das Sanierungsprojekt „Nickelhütte“ als „gelungen“ zu bezeichnen.
Der bisherige Weg stimmt jedoch optimistisch. Vielleicht kann es unter den verschiedensten
Zwangspunkten (ein produzierender Betrieb, finanzielle Grenzen, sowie die Faktoren Zeit,
Geologie, Topographie etc.) auch keine Sanierung im klassischen Sinne geben sondern
vielmehr eine Kombination aus Teilsanierung + Sicherung + Überwachung + „X“. Die Klärung
dieser Fragestellungen obliegt der laufenden Sanierungsuntersuchung.
Fest steht jedoch, dass ohne das ausgesprochen konstruktive Engagement aller am Projekt
Beteiligten dieser hervorragende Untersuchungsstand nicht zu erreichen gewesen wäre.
Quellen:
[1]
Beak Consultants GmbH: Nickelhütte Aue GmbH – Werkbereich II.
Sanierungsuntersuchung, 2. Zwischenbericht. Freiberg, 02.08.2002
[2]
Beak Consultants GmbH: Nickelhütte Aue GmbH – Werkbereiche III, IV und V
– Detailuntersuchung, 2. Stufe. Abschlussbericht. Freiberg, 25.10.2002
[3]
Beak Consultants GmbH: Nickelhütte Aue GmbH – Werkbereiche I bis V –
Sanierungsuntersuchung, 2. Zwischenbericht, Grundlagenermittlung. Freiberg,
15.10.2003
[4]
Beak Consultants GmbH: Nickelhütte Aue GmbH – Monitoring zum Grund-
und Oberflächenwasser im Jahr 2003 im Bereich der Nickelhütte Aue GmbH –
Abschlussbericht. Freiberg, 28.04.2004
Projektbeteiligte
Nickelhütte Aue GmbH
Freigestellte
Landratsamt Aue-Schwarzenberg Vollzugsbehörde
Regierungspräsidium Chemnitz
Umweltfachbereich, Außenstelle Plauen
Fachbehörde
ARGE AFC Sachsen
Projektcontroller
G.E.O.S. Freiberg Ingenieurgesellschaft mbH
Projektsteuerer
Beak Consultants GmbH
Gutachter
Kanzlei Prof. Müller & Koll.
Berater

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82
14. GIS-Anbindung SALKA
14.1. ArcMap Applikation „SalkaGis
Bedingt durch die im LfUG angestrebte Umstellung von ArcView 3 nach ArcGis 8 war die
Erstellung eines neuen Projektes analog SalkaView notwendig. Um auch weiterhin die
Möglichkeit zu haben, Daten aus SALKA mit den Methoden eines Geo-Informations-Systems
(GIS) auszuwerten wurde das Projekt „SalkaGis“ geschaffen. Es handelt sich um eine
ArcMap (8.3) – Applikation, die im Rahmen einer Praktikumsarbeit entstand und derzeit im
LfUG und im Landkreis Riesa-Großenhain eingesetzt wird.
Beim Ausgeben von GIS-Daten über das Menü „Datenaustausch“ kann ab der SALKA-
Version 5.42 wahlweise der Export nach ArcView oder ArcMap erfolgen. Wird der Export
nach ArcView durchgeführt entsteht die Textdatei „SalkaView.txt“, die für das Projekt
SalkaView.apr verwendet wird. Beim Export nach ArcMap wird eine Datei „SalkaGis.txt“
generiert, die vom Projekt SalkaGis.mxd benötigt wird.
Nach dem Export der Textdatei kann man unter Verwendung des Schalters mit der kleinen
Brille das GIS-Projekt starten. Je nach vorab ausgelesener Datei und dem auf dem Rechner

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installierten GIS-Programm öffnet sich SalkaView oder SalkaGis und stellt die in SALKA
ausgewählten Daten in einem Kartenprojekt dar:
Gemeinsam mit den aus SALKA exportierten Daten werden die Grenzen der Landkreise und
Gemeinden dargestellt. Die Darstellung der Daten erfolgt im 4. Meridianstreifen. Die
ebenfalls in das Projekt eingebundenen topographischen Karten werden bei der
Vergrößerung des Kartenausschnittes aktiv.

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Zur Auswertung bzw. Darstellung der Daten können im SalkaGis-Projekt verschiedene
Möglichkeiten genutzt werden. Diese sind über Menüs abrufbar:
SALKA-Daten
In diesem Menü hat man die Möglichkeit, die Text-Datei aus SALKA neu einzulesen und
damit alle Daten zu aktualisieren. Über das Untermenü „Hintergrundinfos“ kann man die
Grenzen der Regierungsbezirke bzw. der Zuständigkeitsbereiche der Umweltfachbereiche
der Regierungspräsidien anzeigen lassen.
SALKA-Zoom
In diesem Menü hat man die Auswahl, entweder auf einen gewünschten Landkreis zu
zoomen oder sich die Karten in einem bestimmten Maßstab anzeigen zu lassen. Zusätzlich
wird noch die Option „auf volle Ausdehnung zoomen“ angeboten.
SALKA-Koordinatentransformation
Diese Funktion ändert die Projektion (nicht die Daten!) der Karte. Es kann zwischen der
Darstellung im 4.Meridianstreifen („Germany_Zone4“) und im 5.Meridianstreifen
(„Germany_Zone5“) gewechselt werden. Dabei bleiben die ursprünglichen Hoch- und
Rechtswerte in den jeweiligen Tabellen unverändert. Beim Wechsel zwischen den
Meridianstreifen wird eine Info-Box angezeigt, in der die aktuelle Projektion angezeigt wird.
SALKA-Beschriftung
In diesem Menü können die Kreise bzw. Gemeinden mit ihrem Namen beschriftet werden,
bzw. kann die Beschriftung auch wieder entfernt werden.
Zusätzlich können die ToolTips angezeigt werden, d.h. die Kreis- und Gemeindenamen
werden beim Überfahren mit der Maus über den jeweiligen Kreis/die jeweilige Gemeinde
sichtbar.

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SALKA-Darstellung
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die SALKA- Daten darzustellen. So können die Daten
entweder nach Flächenart, nach Flächenart/Größe, nach Flächenart/Kategorie oder nach
dem Bearbeitungsstand dargestellt werden.
SALKA-Werkzeuge
In diesem Menü kann man eine Koordinatenprüfung, den Export ausgewählter Daten in eine
*.txt- Datei und einen Wechsel in die Layout- Ansicht durchführen.
Bei Auswahl des Menüeintrages „Koordinatenprüfung“ wird geprüft, ob die angezeigten
Koordinaten innerhalb der Grenze der angegebenen Gemeinde liegen. Wird der Menüeintrag
„Export in *.txt Datei“ verwendet, kann man auf der Karte
ausgewählte Daten als Text-File in
das Verzeichnis „…\SalkaGIS\Export“ exportieren. Soll ein anderer Pfad zum Exportieren
gewählt werden, dann ist das über das Standard- Kontextmenü der Attributtabelle möglich.
Mit dem Menüeintrag „Layout/Map Ansicht“ ist ein Wechsel in die Layout-Ansicht möglich. Es
kann der aktuelle Kartenausschnitt mit Legende und Maßstabsangabe gedruckt werden.
Einzelne Elemente des Kartenlayouts können angepasst werden.
Nach dem Export in eine Textdatei können die dort enthaltenen Daten im SALKA als Filter
verwendet werden. Über das Menü Filter und den Eintrag „zu GIS-Daten“ kann die
entsprechende Datei ausgewählt werden.

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Nach der Bestätigung erfolgt die Anzeige aller, dem Filter entsprechenden AKZ.
Das SalkaGis- Projekt (aber auch das SalkaView-Projekt) kann auf Anfrage den Nutzern in
den Landkreisen zur Verfügung gestellt werden. Voraussetzung ist das Vorhandensein des
Programms ArcMap 8.3 (bzw. ArcView3.2) und die Verfügbarkeit der topographischen
Karten (Hintergrundinformationen).
14.2. SALKA-Anbindung an andere GIS-Programme
Die Verarbeitung bzw. Darstellung von Salka-Daten kann auch aus anderen Programmen
heraus erfolgen. Hierfür wurde in SALKA die Möglichkeit eines direkten Zugriffs auf
bestimmte Tabelle der Salka-Datenbank über eine ODBC-Verbindung geschaffen (ODBC –
Open Database Connectivity).
Nach Einrichtung der ODBC-Verbindung zum Server auf dem die Salka-Datenbank liegt,
kann im GIS-Programm die Einbindung der dafür vorgesehenen Tabellen und eine Abfrage
(SQL) erfolgen. In SALKA stehen für den lesenden Zugriff die folgenden Tabellen/Felder
bereit:

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Tabelle GISDaten:
Feldbezeichnung Bedeutung
Format
AkzTfID *
Eind. Identifizierung
Text
AKZ Altlastenkennziffer Zahl
TEILFLNR Teilflächennummer Zahl
ALTLASTBEZ Altlastbezeichnung Text
TEILFLBEZ Teilflächenbezeichnung Text
GEMEINDENAME Gemeindename
Text
GEMEINDENR Gemeindenummer Zahl
KREISNAME Kreisname Text
ORTSTEIL *
Ortsteil
Text
STRNR *
Straße und Nr.
Text
ARTVERDFL
Art der Verdachtsfläche
Text
KATEGORIE Kategorie Text
BEARBST Bearbeitungsstand Text
HANDLGSBED Handlungsbedarf Text
VOLUMEN Volumen Zahl
FLÄCHE Fläche Zahl
HOCHWERT Hochwert Zahl
RECHTSWERT Rechtswert Zahl
BETRKAT Betriebskat Text
FREISTANTRAG Freistellantrag Text
FREISTELLNR Freistellnummer Zahl
TFBEMERKUNG
Bemerkungen zur Teilfläche Text
VERZEICHNIS Verzeichnis Text
* erst mit SP 6a
Tabelle GISDatenFlurstueck:
Feldbezeichnung Bedeutung Format
AKZ Altlastenkennziffer Zahl
GEMARKBEZ Gemarkung Text
GEMARKNAME Gemarkungsname Text
FSZÄHLER Flurstückszähler Text
FSNENNER Flurstücksnenner Text
VERZEICHNISWAHL Verzeichnis Text
Die Ergebnisse der Abfrage können im GIS-Projekt als Tabellen eingebunden und zur
Darstellung verwendet werden.
Die Einrichtung der ODBC-Verbindung sowie die Anbindung im GIS sind abhängig vom
verwendeten Betriebssystem und dem GIS-Programm. Deshalb wird an dieser Stelle auf
eine konkrete Beispieldarstellung verzichtet.

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15. Kurzinformationen
Internetauftritt Altlasten
SALFAWEB – Der Begriff Sächsisches Altlastenfachinformationssystem SALFAWEB als
Eigenname existiert nicht mehr und wurde komplett durch das
Fachinformationssystem
Altlasten
ersetzt. Hintergrund ist eine Systemumstellung (von der Xfa-web Systemfamilie zu
red dot) für einen einheitlichen Internetauftritt des LfUG. Die Inhalte sind zunächst äquivalent
umgestellt.
Aufgrund der Struktur des Internetauftritts lautet die URL zum FIS Altlasten:
http://www.umwelt.sachsen.de/lfug/lfug-internet/abfall-altlasten_8428.html
Informationsblatt der LABO „Bewertungsgrundlagen für Schadstoffe“
Das neue Informationsblatt für den Vollzug ist im Internet unter dem Fachinformationssystem
Altlasten eingestellt. Es enthält stoffbezogene Berechnungen für 47 altlastrelevante Stoffe für
den Direktpfad Boden-Mensch bzw. den Pfad Boden-Luft-Mensch. Das Material
„Bewertungshilfen zur Gefahrenverdachtsermittlung in der Altlastenbehandlung“ wird
entsprechend angepasst (siehe Datum), einschließlich der neuen Geringfügigkeitsschwellen.

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Termin Altlastenkolloquium
Das XVI. Sächsische Altlastenkolloquium findet vom 3.-4.11.2005 im ICC (Internationalen
Congresscenter) in Dresden statt. Das zentrale Thema lautet „Altlastenbehandlung im
Wandel – Neue Randbedingungen und Perspektiven“ (siehe auch
www.dgfz.de
).
Neue Version SALKA
Die neue Version SALKA (Version 5.42) ist seit dem 25.02.05 verfügbar. Sie kann unter
http://salka.cc-dresden.de/
abgerufen werden.
Die Neuerungen betreffen insbesondere die Bezeichnungen der Betriebskategorien von
Deponien entsprechend Stilllegungserlass des SMUL vom Februar 2004, Veränderungen an
Filterfunktionen, Anbindung an ArcMap (Projekt SalkaGis.mxd) und Änderung beim Aufbau
des Verzeichnisbaumes.
Altlastenstatistik 2004
Im Dezember 2004 wurde die Altlastenstatistik 2004 auf der Internetseite des Landesamtes
für Umwelt und Geologie eingestellt. Sie ist als pdf-Dokument im Bereich Abfall/Altlasten
unter der Rubrik Veröffentlichung/ Altlasten aktuell verfügbar.
Termin und Unterlagen zur Weiterbildung ,Repräsentative Grundwasserprobennahme’
Vom 28. bis 30.Oktober 2004 fand in Leipzig im Tagungszentrum KUBUS die dritte
Weiterbildungsveranstaltung „Repräsentative Grundwasserprobennahme“ der Länder
Sachsen und Sachsen-Anhalt statt. Eingeladen hatten das Sächsische Landesamt für
Umwelt und Geologie, das Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, das Landesamt für
Geologie und Bergwesen LSA, die Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft Sachsen, der
Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt, das UFZ-
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle GmbH und die Akademie der Sächsischen
Landesstiftung Natur und Umwelt.
Die Veranstaltung bestand aus einem Vortragsteil und einem Praktikum. Sie wurde durch
eine Fachexkursion abgerundet. In den fünfzehn Vorträgen wurden folgende Schwerpunkte
bearbeitet:
Durchführung von Ausschreibungsverfahren am Beispiel der
Grundwasserprobennahme
Qualitätssicherung bei der Probennahme
Die Repräsentativität beeinflussende Faktoren bei der Grundwasserprobennahme
Analytik und Bewertung von Grundwasserproben
Identifikation der hydraulischen und hydrochemischen Merkmale eines
Grundwasserkörpers durch Grundwassermessstellen
Geophysikalische Funktionsprüfung von Grundwassermessstellen
Quellen als repräsentative Grundwassermessstellen
Anforderungen an die Dokumentation von Grundwassermessstellen
Methodik zum Rückbau von Grundwassermessstellen
Abschätzung zur Gesundheitsgefährdung bei der Beprobung kontaminierter
Grundwässer
Probennahme von Grundwasser bei aufschwimmender Ölphase
Neuentwicklungen in der Probennahmetechnik
Die Weiterbildungsunterlagen werden in den Materialien für Wasserwirtschaft des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie publiziert und können unter
www.umwelt.sachsen.de/lfug
Wasser/Veröffentlichungen/Wasserwirtschaft

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im Internet abgerufen werden.
Die nächste Weiterbildung „Repräsentative Grundwasserprobennahme“ ist vom 02. bis
04.November 2006 in Magdeburg geplant.
Die Umstrukturierungen der (alten) Staatlichen Umweltfachämter
Mit dem neuen Jahr 2005 ist die Integration der Staatlichen Umweltfachämter (StUFÄ) als
Umweltfachbereich in die Struktur der Regierungspräsidien (RP) vollzogen worden. Die
inhaltlichen Aufgaben wurden zunächst beibehalten. Die Umweltfachbereiche der RP`n sind
jetzt unter folgenden Adressen erreichbar:
Regierungspräsidium Dresden
Umweltfachbereich, Dienststelle Radebeul
Wasastraße 50
01445 Radebeul
(0351) 835-0
(0351) 835 - 240
Regierungspräsidium Dresden
Umweltfachbereich, Dienststelle Bautzen
Käthe-Kollwitz-Str. 17/Haus 3
PF 1343, 02603 Bautzen
(03591) 273-100
(03591) 273-109
Regierungspräsidium Chemnitz
Umweltfachbereich, Außenstelle Plauen
Bahnhofstraße 46-48
08523 Plauen
(03741) 206-0
(03741) 206-111
Regierungspräsidium Chemnitz
Umweltfachbereich, Standort Chemnitz
Stephanplatz 3
09112 Chemnitz
(0371) 358-0
(0371) 358-285
Regierungspräsidium Leipzig
Unterabteilung 6.2
PF: 10 13 64, 04013 Leipzig
(0341) 977-0
(0341) 977-1199
Außerdem wurden im Zuge dieser Umstrukturierung die Gebietsgeologen aus den StUFÄ in
das Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG), Standort Freiberg, übernommen. Bis auf
leichte Personalveränderungen sind auch hier die bisherigen inhaltlichen
Zuständigkeitsgebiete beibehalten worden.

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Kontaktadressen der Autoren
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (LfUG), Referat Grundwasser /
Altlasten, 01109 Dresden, Zur Wetterwarte 11,
0351 - 8928 -
Frau Antje Sohr (411), Herr Michael Scheerbaum (254), Frau Sabine Rauch, Frau
Rosemarie Lankau (248), Herr Jens Fahl (407), Herr Peter Boerke (409)
[
Vorname].[Nachname]@lfug.smul.sachsen.de
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL), Referat
Grundwasser / Altlasten, 01075 Dresden, Wilhelm-Buck-Str. 2, Frau Susanna
Börner
0351 - 564-2330
Susanna.Boerner@smul.sachsen.de
Staatliche Umweltbetriebsgesellschaft (UBG), Referat FB12, 01640 Neusörnewitz,
Prasseweg 9, Herr Dr. Andreas Wanke
03523 – 80921
Andreas.Wanke@ubg.smul.sachsen.de
Regierungspräsidium Chemnitz, Referat 6.2.2, 08523 Plauen, Bahnhofstr. 46/48,
Herr Matthias Sehrig
03741 – 206125
Matthias.Sehrig@rpc.sachsen.de