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62. Jahrgang 2020 ·
ISSN 0863-0704
Naturschutzarbeit in Sachsen

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Vom Aussterben bedroht:
Der Berg-Marienkäfer (
Ceratomegilla notata
) ist eine Art der Vorwarnliste und kommt in Sachsen im Erzgebirge und im
Vogtland vor.
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, W. Dietrich

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1
Inhaltsverzeichnis
Thomas Findeis
2
30 Jahre Naturschutzarbeit am sächsischen Grünen Band –
Aktuelles und ein Ausblick
Ewald Jansen
8
Das Naturschutzgebiet Werbeliner See
Christoph Gerber, Jana Zschille, Dirk Weis, Winfried Nachtigall
14
Störungsarmes und effektives Monitoring von Flussseeschwalben
(Sterna hirundo) mit UAV-Unterstützung
Kristin Trentzsch, Ulrich Walz, Lisa Schäfer, Jürgen Phoenix
26
Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) in der Nationalparkregion
Sächsische Schweiz - Populationsschätzung und Gefährdungsursachen
im Struppengrund bei Pirna
Friedemann Klenke
50
Schutzgebiete in Sachsen 2019
Mitteilungen 2020
56

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2
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 61. Jahrgang 2020 Seite 2 – 7
30 Jahre Naturschutzarbeit am sächsischen
Grünen Band – Aktuelles und ein Ausblick
Thomas Findeis
Einleitung
Als Geburtsstunde des Naturschutzprojektes
„Grünes Band“ an der ehemals innerdeutschen
Grenze wird die erste Zusammenkunft von meist
ehrenamtlichen Naturschützern aus Ost und
West am 9. Dezember 1989 in Hof angesehen.
Einstimmig forderten an die 400 Teilnehmer in
einer ersten Resolution: „Der Grenzstreifen zwi-
schen der Bundesrepublik und der Deutschen
Demokratischen Republik ist als grünes Band und
als ökologisches Rückgrat Mitteleuropas vorran-
gig zu sichern, d.h. es muß umgehend eine einst-
weilige Sicherstellung dieser Gebiete in der DDR
und BRD erfolgen.“ Damit war dem wohl längs-
ten Naturschutzprojekt Deutschlands der Name
gegeben, wenngleich damals noch mit kleinem
„g“ geschrieben.
Über den sächsischen Abschnitt des Grünen
Bandes wurde bereits in der „Naturschutzarbeit
in Sachsen“ umfassender berichtet (F
indeis
2009).
Seitdem sind schon wieder über zehn Jahre ver-
strichen. Deshalb sollen in diesem Heft zum
30-jährigen Jubiläum des Naturschutzprojektes
- mit leichter Verspätung - die neuesten Ent-
wicklungen vorgestellt und über besondere Er-
eignisse berichtet werden.
Abb. 1: Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, Ralph Georgi, Landrat Rolf Keil und Projektmanager Thomas
Findeis nach der Enthüllung der nachgebildeten Grenzsäule Nr. 2.735 (von rechts)
Foto: P. Stehr

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3
Jubiläumsjahr 2019 und Öffentlichkeitsarbeit
Triebfeder des inzwischen europaweiten Natur-
schutzprojektes, welches sich über 24 Anlieger-
staaten erstreckt, ist der Bund Naturschutz in
Bayern e. V. mit seinem Geschäftsbereich Grünes
Band in Nürnberg. Dieser organisierte zum Auf-
takt des deutschen Jubiläumsjahres eine mehr-
tägige Pressereise, die am 20. Mai 2019 am vogt-
ländischen Dreiländereck an der Grenzlinie
zwischen Sachsen, Bayern und Böhmen ihren
Auftakt hatte. Nachdem am Vormittag unter an-
derem die Umweltminister*innen aus Bayern,
Sachsen und Thüringen und der Vizeumweltmi-
nister der Tschechischen Republik ihre Grußworte
an Gäste und Presse richteten, wurde am Nach-
mittag die vom aus Zwickau stammenden DDR-
Flüchtling Ralph Georgi nachgebaute letzte
Grenzsäule der DDR mit der Nr. 2.735 im Grünen
Band Sachsens, nahe dem Dreiländereck, enthüllt.
Die Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit am
Grünen Band ist auf keine Alters- oder Gesell-
schaftsgruppe beschränkt: Exkursionen mit
Schulklassen, Studentengruppen oder Trägern der
Erwachsenenbildung werden meist auf Nachfrage
durchgeführt. Bei jährlich angebotenen Früh-
lingsspaziergängen, einer 37 Kilometer langen
Mammutwanderung mit dem Weltenbummler
Mario Goldstein am 26.08.2018 und etlichen Füh-
rungen von an der deutschen Wiedervereinigung
besonders interessierten südkoreanischen Dele-
gationen wurde auch in den vergangenen Jahren
vielen Menschen die Bedeutung des Grünen Ban-
des für den Natur- und Artenschutz, aber auch
als lebendiges Mahnmal der jüngeren deutschen
Geschichte präsentiert.
Ein besonderes Datum im Jubiläumsjahr war der
12. November 2019. Damals jährte sich die Öff-
nung des Grenzzaunes an der ehemaligen Bun-
desstraße B 173 zwischen Plauen und Hof zum
30sten Mal. Der aus dem Grenzdorf Sachsgrün
stammende Vogtländer Albrecht Gemeinhardt
fuhr damals um 9.34 Uhr mit seinem Trabi als
erster Sachse nach Bayern. Nach ihm sollte der
Lindwurm an Zweitaktern gen Westen über Wo-
chen und Monate kein Ende nehmen. Albrecht
Gemeinhardt bereicherte den kleinen Festakt der
sächsisch-bayerischen Nachbarlandkreise durch
sein Erscheinen mit dem original ausgestatteten
Abb. 2: Exkursion mit einer vierten Grundschulklasse
Foto: J. Strobel

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4
Fahrzeug (einschließlich DDR-Nummernschild).
Nach einem symbolischen Handschlag des vogt-
ländischen Landrats Rolf Keil mit seinem Hofer
Kollegen Oliver Bär und diversen Zeitzeugenbe-
richten zur Grenzöffnung enthüllten die Landräte
zusammen mit der Bürgermeisterin der Grenz-
gemeinde Triebel, Ilona Groß, und dem stellver-
tretenden Hofer Landrat Frank Stumpf zwei In-
formationstafeln zum heutigen „Nationalen
Naturerbe Grünes Band“.
Um die vielen Aktivitäten rund um das Grüne
Band für Sachsen und den Vogtlandkreis zusam-
menzufassen, wurde im Jubiläumsjahr darüber
hinaus eine 64-seitige Broschüre veröffentlicht,
die dankenswerter Weise durch den Naturschutz-
fonds der Sächsischen Landesstiftung Natur und
Umwelt mit Mitteln des Zweckertrages der Lotte-
rie GlücksSpirale gefördert wurde. Neben der
Erläuterung des strukturellen Aufbaus der ehe-
maligen innerdeutschen Grenze und wesentlichen
Lebensräumen veranschaulichen vergleichende
Bilder von Anfang der 1990er Jahre bis heute die
Entwicklung des Schutzgebietskomplexes in re-
präsentativen Ausschnitten. Außerdem wurde den
drei Grenzgemeinden Eichigt, Triebel und Wei-
schlitz die Möglichkeit eingeräumt, ihre touristi-
schen Sehenswürdigkeiten in Grenznähe zu prä-
sentieren. Die Broschüre kann auf der Website des
Vogtlandkreises (Naturschutzseite) heruntergela-
den werden (Link: https://naturschutz-vogtland.
de/Natur-entdecken/Gesch%C3%BCtzte-Gebiete).
Neue Arten für das Grüne Band
Die Liste aller im Grünen Band Sachsens festge-
stellten Tiere und Pflanzen umfasst mehr als
2.000 Arten, wobei mehr als jede zehnte auf einer
der Roten Listen steht. Trotz einer Vielzahl natur-
schutzfachlicher Untersuchungen für Biotopkar-
tierung, Schutzwürdigkeitsgutachten, Pflege- und
Entwicklungspläne, die FFH-Managementplanung
und Art- und Lebensraum-Monitoring werden
auch nach drei Jahrzehnten bisher übersehene
oder neu hinzukommende Arten registriert. Über
drei botanische Neuheiten wird in den aktuellen
Sächsischen Floristischen Mitteilungen ausführ-
licher berichtet (F
indeis
et al. 2020). Just im Jubi-
Abb. 3: Eine südkoreanische Delegation informiert sich über die deutsch-deutsche Wiedervereinigung.
Foto: K. Kramer

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5
läumsjahr ist mit dem Verschiedenblättrigen
Ampfer (
Rumex
x
heterophyllus
), der im temporär
Wasser führenden Kfz-Sperrgraben wächst, ein
Erstnachweis für das Vogtland gelungen. Aus ge-
samtsächsischer Sicht ist jedoch der Wiederfund
der als „Verschollen“ eingestuften Draht-Segge
(
Carex diandra
) als kleine Sensation zu bezeich-
nen. Auch die in Sachsen vom Aussterben be-
drohte Berg-Segge (
Carex montana
) wurde nach
mehreren Anläufen erst 2019 zweifelsfrei be-
stimmt. Dabei handelt es sich erst um den zweiten
Nachweis im Vogtland und eines der wenigen
Vorkommen in ganz Sachsen, wodurch seine Be-
deutung nicht hoch genug einzustufen ist.
Artenschutzprojekt Goldener Scheckenfalter
Seit dem Start im Mai 2015 wurden im Grünen
Band, aber auch darüber hinaus im Oberen Vogt-
land Maßnahmen zur Förderung des Goldenen
Scheckenfalters (
Euphydryas aurinia
), nach seiner
Raupenfraßpflanze auch Abbiss-Scheckenfalter
genannt, umgesetzt. Für die FFH-Anhang-II-Art,
deren autochthone Vorkommen bei Projektbeginn
auf das Grüne Band begrenzt waren, wurden Le-
bensräume flächenmäßig erweitert, durch die
Vermehrung des Gewöhnlichen Teufelsabbisses
(
Succisa pratensis
) aufgewertet und teilweise
miteinander verknüpft. Umfassende Informatio-
nen zu diesem landkreis- und länderübergreifen-
den Projekt, welches im Rahmen des „Bundes-
programms Biologische Vielfalt“ umgesetzt und
vom Bundesamt für Naturschutz gefördert
wurde, können der Website
www.scheckenfalter.
de entnommen werden.
Als wichtigste Maßnahmen auf sächsischer Seite
des Projektgebietes können zwei Waldumwand-
lungen in den Naturschutzgebieten „Pfarrwiese“
und „Himmelreich“ mit einer Größe von insge-
samt 1,4 Hektar, teils massiven Entbuschungen
oder Auflichtungen von Gehölzstrukturen sowie
die starke Vermehrung des Teufelsabbisses auf
zuvor geschaffenen Rohbodenstellen aufgeführt
werden. Neben den Verbesserungen der Habitat-
bedingungen innerhalb des Grünen Bandes und
der Schaffung neuer „Patches“ ist die Wiederbe-
siedelung zweier zwischenzeitlich verwaister
Standorte im Oberen Vogtland gelungen. Die
Anstrengungen zum Erhalt und zur Förderung
der Art müssen jedoch nach dem Projektende
fortgesetzt werden, da der Goldene Scheckenfal-
ter noch nicht „über dem Berg“ ist, also nach wie
vor keinen günstigen Erhaltungszustand auf-
weist.
Daueraufgabe Landschaftspflege
Die Pflege- und Nutzungskonzeption für das
Grüne Band Sachsens basiert auf einer extensiven
Grünlandbewirtschaftung nach den jeweiligen
Agrarumweltprogrammen. Flächenmäßig domi-
niert der Vertragsnaturschutz mit einschüriger bis
maximal zweischüriger Mahd, meist zur Heuge-
winnung. Vor allem im Süden des Gebietes wird
die Spätnutzung umgesetzt, um den hier noch
vorkommenden wiesenbrütenden Vogelarten
Braunkehlchen (
Saxicola rubetra
) und Wiesenpie-
per (
Anthus pratensis
) möglichst gute Bruterfolge
zu gewährleisten. Mit circa 140 Hektar sind die im
Zuge der Hüteschafhaltung beweideten Flächen
die nächst größere Nutzungseinheit. Hiermit wird
ein Großteil der nicht maschinengängigen Ge-
Abb. 4: Kopula des Goldenen Scheckenfalters
Foto: T. Findeis

6
bietsausschnitte, insbesondere im Bereich der
ehemaligen Grenzanlagen Kolonnenweg, Spuren-
sicherungs- und Minenstreifen gepflegt und vor
Verbuschung bewahrt. Besonders wertvolle
Feucht- und Nasswiesen, Borstgras- und andere
Magerrasen werden auf circa 20 Hektar mit Klein-
und Spezialtechnik gemäht und beräumt.
Vom Pflegeaufwand her nicht zu unterschätzen ist
die Beseitigung des jährlichen Zuwachses der
Gehölze, die einmal linear, vor allem am Kfz-
Sperrgraben, aber auch flächig im Bereich der
wertvollen Zwergstrauchheiden und Borstgras-
rasen aufwachsen. Diese Daueraufgabe wird bei-
nahe ausschließlich mit landkreiseigenem Personal
(Forstfacharbeiter) bewerkstelligt. Während in den
Anfangsjahren das dabei angefallene Schnittma-
terial meist vor Ort als Benjes-Hecke abgelegt
wurde, ist inzwischen die Beräumung durch die
Erzeugung von Holzhackschnitzeln obligatorisch.
Schon mehrere Tausend Kubikmeter an nachwach-
sendem und CO2-neutralem Rohstoff wurden so
in den vergangenen Jahren erzeugt und dem Ge-
biet auch im Hinblick auf seine Nährstoffbilanz
entzogen.
Ein weiterer andauernder Kampf gilt dem invasiven
Neophyten Vielblättrige Lupine (
Lupinus polyphyl-
lus
). Auch wenn für manche wertvolle Flachland-
mähwiesen der Kampf gegen die Lupine verloren
scheint, ist es bislang gelungen, eine weitere Aus-
dehnung in wertvollste Biotope zu verhindern oder
hier eingedrungene Bestände gar zurückzudrän-
gen. Neben der punktuellen oder kleinflächigen
Mulchmahd zur Vermeidung der Samenreifung
wird kleinflächig auch das Aushacken der Pfahl-
wurzeln betrieben, was als einzige wirklich nach-
haltige und in hochrangigen Schutzgebieten ver-
tretbare Bekämpfungsmethode angesehen wird.
Nationales Naturerbe, Nationales
Natur
monument und UNESCO-Erbe
Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien CDU/
CSU und SPD wurde 2005 vereinbart, dass bis zu
125.000 Hektar an gesamtstaatlich repräsentati-
ven Naturschutzflächen im Eigentum des Bundes
unentgeltlich an die Länder, die Deutsche Bundes-
stiftung Umwelt oder aber an Naturschutzorga-
nisationen kostenfrei übertragen werden. Dabei
handelt es sich oftmals um ehemals militärisch
genutzte Liegenschaften, aber auch um Flächen
des Grünen Bandes. In Sachsen wurden die noch
bundeseigenen Flächen des Grünen Bandes in
einem Festakt am 26. August 2010 dem Vogtland-
kreis als Kommune übertragen, was bundesweit
eine Ausnahme darstellt. Hintergrund dieser Ent-
scheidung war, dass der Landkreis durch den im
Rahmen eines Flurneuordnungsverfahrens erfolg-
ten Ankauf von circa 180 Hektar bereits größter
Flächeneigentümer im Grünen Band war. Außer-
dem ist er für die Kontrolle und das Management
der Schutzgebiete örtlich und sachlich zuständig.
Inzwischen fanden in zweijährigem Abstand vier
bundesweite, so genannte Managementtagungen
unter der Federführung des Bundesamtes für Na-
turschutz und des BUND statt, bei denen die Flä-
chenempfänger über ihre Aktivitäten zum Schutz
und zur Entwicklung des Grünen Bandes zu be-
richten hatten. In diesem Rahmen findet zugleich
ein intensiver Austausch vieler Akteure aus den
Regionen Deutschlands statt, bei dem die unter-
schiedlichen Erfahrungen im Management und bei
der spezifisch ausgerichteten Projektarbeit wei-
tergegeben werden.
Mit der Novellierung des Bundesnaturschutz-
gesetzes im März 2010 wurde in Paragraf 24 auch
eine neue Schutzgebietskategorie für Deutschland
aufgenommen, das Nationale Naturmonument
(NNM). Thüringen, welches mit 763 Kilometern
Grenzlänge und einer Fläche von circa 6.500 Hek-
tar für mehr als die Hälfte des bundesdeutschen
Grünen Bandes verantwortlich ist, hat als erstes
Bundesland seinen Grenzabschnitt als NNM per
Gesetz am 11. Dezember 2018 unter Schutz ge-
stellt. Mit dem „Grünes-Band-Gesetz Sachsen-
Anhalt“ vom 28. Oktober 2019 hat auch dieses

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7
Bundesland seinen 343 Kilometer langen Grenz-
abschnitt als NNM festgesetzt. In Sachsen wurde
die Frage der Unterschutzstellung in die Koaliti-
onsverhandlungen der aktuellen Regierung auf-
genommen. In dem vom Kabinett beschlossenen
„Sofortprogramm Start 2020“ ist die Ausweisung
des Grünen Bandes als NNM unter Nr. 5.4 aufge-
führt. Zuständig für die Ausweisung von NNM ist
in Sachsen die oberste Naturschutzbehörde, also
das Ministerium für Energie, Klimaschutz, Umwelt
und Landwirtschaft.
Auf der 93. Umweltministerkonferenz am 15. No-
vember 2019 wurde unter TOP 20 außerdem das
Europäische Grüne Band als Weltkultur- und Welt-
naturerbe diskutiert. Auch die nationale Weiter-
entwicklung des Grünen Bandes stand auf der
Tagesordnung. Es wurde der Beschluss gefasst, die
Bundesregierung zu bitten, die Möglichkeiten und
die notwendigen fachlichen und politischen
Grundlagen mit dem Ziel eines Nominierungspro-
zesses für das Europäische Grüne Band als ge-
mischtes UNESCO-Weltkultur- und Weltnaturerbe
gemeinsam mit den Ländern zu prüfen. In Bezug
auf die geplanten Ausweisungen als NNM wird die
Bundesregierung darüber hinaus gebeten, die Län-
der finanziell zu unterstützen.
Nachdem der Freistaat Sachsen bei der Umsetzung
des „Schutzgebietssystems Grünes Band“ für die
gesamte Bundesrepublik eine beispielgebende
Vorreiterrolle eingenommen hatte (StUFA Plauen
1997), bleibt die weitere Entwicklung am Grünen
Band spannend.
Literatur
Findeis, T.; WalTer, s.; GrüTTner, a.
&
BreiTFeld, M.
(2020):
Carex montana
L.,
Carex diandra
schrank
und
Rumex
x
heterophyllus
schulz
im Vogtland nachgewiesen – ein
Überblick zur historischen und aktuellen Situation in
Sachsen. Sächsische Floristische Mitteilungen (Heft 22).
Findeis, T.
(2009): 20 Jahre Naturschutzarbeit am „Grünen
Band“. Naturschutzarbeit in Sachsen 51, S. 14 – 23.
stuFa Plauen - sTaaTliches uMWelTFachaMT Plauen
(1997):
Schutzgebietskonzeption „Grünes Band“ in Sachsen um-
gesetzt. Natur und Landschaft, 72 (3), S. 162 - 163.
Autor
Thomas Findeis
Untere Naturschutzbehörde Vogtlandkreis
Bahnhofstraße 42 – 48
08523 Plauen
findeis.thomas@vogtlandkreis.de
Abb. 5: Forstfacharbeiter des Vogtlandkreises im Landschaftspflegeeinsatz
Foto: T. Findeis

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8
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 61. Jahrgang 2020 Seite 8 – 13
Das Naturschutzgebiet Werbeliner See
Ewald Jansen
„Natur aus zweiter Hand ist für den Naturschutz
von sekundärem Interesse“ – dieses Statement
eines leitenden Beamten der Naturschutzverwal-
tung aus den 1990er Jahren war in den Tagebau-
regionen in Sachsen für die Arbeit vor Ort mit
ihren konkreten Problemen nicht wirklich hilf-
reich. Und richtig, offene Tagebaue entsprechen
nicht gerade einem breiten gesellschaftlichen
Konsens über schöne oder schützenswerte Na-
turlandschaften.
Es ist das besondere Verdienst einzelner Perso-
nen, die Chancen für den Naturschutz in den
abrupt beendeten Braunkohletagebauen in der
Region Leipzig zu erkennen. Konkret bedeutete
das im Tagebau Delitzsch-Südwest, einem Teil
des Bitterfelder Reviers, dass bei den ersten
Überlegungen zur Sanierung im gesamten west-
lichen Bereich des Gebietes nur die zwingend
notwendigen Sicherungsarbeiten durchgeführt
und auf eine vollständige Überarbeitung verzich-
tet wurde. Dadurch blieben die Schüttrippen des
Tagebaues in weiten Teilen erhalten. Im Osten,
an der letzten Abbaustrecke, musste die steile
Kante aus Gründen der Standsicherheit abge-
schrägt werden. Im äußersten Nordosten wurden
flachere Uferbereiche als Voraussetzung für eine
denkbare spätere Freizeitnutzung für die Bevöl-
kerung einer vom Tagebau geplagten Region
hergestellt.
Die bestehende Kohlebahntrasse, die östlich des
Gebietes verlief, wäre wenige Jahre später dem
weiteren Abbaufortschritt zum Opfer gefallen.
Deshalb war ein Nord-Süd verlaufender Damm
für eine neue Kohlebahn vorbereitet worden, der
die Grube in einen kleineren westlichen, den spä-
teren Grabschützer See, und einen deutlich grö-
ßeren östlichen Bereich, den heutigen Werbeliner
See teilte.
Der Grabschützer See sollte mit der Zweckbe-
stimmung „Naturschutz“ sich selbst überlassen
bleiben (wobei der Begriff „Prozessschutz“ in
allgemeinen Naturschutz-Diskussionen Mitte der
90er Jahre noch keine größere Rolle spielte).
Der nicht planierte und damit nur schwer zu-
gängliche Bereich entwickelte sich, besonders
nach dem Anstieg des Grundwassers, sehr
schnell zu einem hervorragenden Lebensraum
für störungsempfindliche Vogelarten: Hier zäh-
len nicht menschliche Vorstellungen von Ästhe-
tik, sondern Habitatbedingungen wie beispiels-
weise Vegetationsarmut oder gar -freiheit, Nist-
möglichkeiten, Nahrungsverfügbarkeit.
Mit der geforderten Ausweisung von besonderen
Vogelschutzgebieten (SPA) nach EU-Recht wurde
das Tagebaugebiet 2006 Kern des SPA „Agrar-
raum und Bergbaufolgelandschaft bei Delitzsch“.
Die Liste der im SPA besonders genannten Vo-
gelarten setzt sich aus Vertretern unterschied-
licher trophischer Ebenen von Pflanzenfressern
bis hin zu Spitzenprädatoren zusammen. Die
jeweiligen essentiellen Habitatbedingungen dif-
ferieren erheblich und sind zum Teil konträr:
Wasservogelarten, Offenlandarten sowie he-
cken- und gehölzbewohnende Arten sind ge-
nannt. Die Abgrenzung des SPA wurde aus heu-
tiger naturschutzfachlicher Sicht nicht nachvoll-

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9
ziehbar entschieden: Zwar wurden sämtliche
Wasserflächen einbezogen, die ehemaligen Ta-
gesanlagen im Norden, die sich heute weder
habitatstrukturell noch in ihrer avifaunistischen
Ausstattung vom Rest des Gebietes trennen las-
sen, wurden möglicherweise wegen noch anste-
hender Abrissarbeiten nicht berücksichtigt.
Konkrete Planungen von Kommunen und Ver-
bänden zur Errichtung einer Infrastruktur für
Nutzungsabsichten kamen vor 2006 nicht zu-
stande. Nun erforderte jede planerische Absicht,
die Auswirkungen auf die Populationen der im
Gebiet besonders schützenswerten Arten haben
könnte, eine gesetzlich festgelegte strenge Prü-
fung (F
roelich
&
sPorBeck 2012).
Nach Aufgabe der Kontrolle des Gebietes durch
den Bergbautreibenden nahmen individuelle Frei-
zeitaktivitäten deutlich zu. Aufforstungen und
fortschreitende Sukzession verkleinerten und
unterteilten die ehemals weit offenen Flächen.
Schon bald zeigte sich, dass die Populationen
vieler Zielarten des SPA erhebliche Einbußen er-
litten. Der rein deklaratorische Charakter der
Grundschutzverordnung des SPA bietet weder
eine Handhabe, individuellen Aktivitäten wirk-
sam entgegenzutreten, noch durch Pflegemaß-
nahmen existenzsichernde Bedingungen für die
Arten des Gebietes zu bewahren.
Daher sah sich die untere Naturschutzbehörde
(UNB) des Landkreises gezwungen, im Sinne der
staatlicherseits eingegangenen Verpflichtung
zum Schutz der Avifauna die Defizite der Ab-
grenzung und der Regelungen der Grundschutz-
verordnung anzugehen und den sich zunehmend
etablierenden Nutzungsansprüchen Dritter ent-
gegenzutreten. Zuerst wurde 2010 versucht, mit
einer Allgemeinverfügung, die allerdings nie
Rechtskraft erreichte, die individuellen Aktivitä-
ten zu regeln.
Schließlich wurde 2013 ein Fachbüro beauftragt,
die Auswirkungen von Störungen auf den Brut-
erfolg der Arten zu analysieren. Das Ergebnis war
erschreckend: In den stark betroffenen Bereichen
kam es – trotz sonst geeigneter Lebensraumbe-
dingungen – nicht zu Bruterfolgen (M
ilan
2013).
Daher wurde ein Besucherlenkungskonzept ent-
wickelt und eingeführt. Drei Jahre nach der ers-
ten Störungsanalyse wurde die Wirksamkeit der
Abb. 1: Drohnen-Luftbild (etwa 2015), Blick vom „Mottenhügel“ (51,491, 12,296) nach Süden; im Vordergrund die
Weide zwischen Hügel und nördlicher großer freier Wasserfläche, Mitte und rechter Bildrand gehölzbewachsene
Schüttrippen im Zentrum des Grabschützer Sees. Oben ab linkem Bildrand der deutlich größere Werbeliner See; die
größere Wasserfläche im oberen rechten Bilddrittel ist die südöstliche große freie Wasserfläche des Grabschützer
Sees. © Arne Weiß und Jan Bäss / 360bit.com

10
ergriffenen Maßnahmen in einer erneuten Un-
tersuchung geprüft. Trotz aller Bemühungen
hatten sich die festgestellten Störungen jeder
Art je verdoppelt (M
ilan
2016). Dies war der An-
lass, große Teile des Gebietes im Sommer 2016
einstweilig als Naturschutzgebiet zu sichern.
Mit hohem Personaleinsatz der UNB wurden in
den Sommermonaten 2017/18 die Besucher vor
Ort über die Bestimmungen im einstweilig gesi-
cherten NSG und allgemein über die natur-
schutzfachliche Bedeutung des Gebietes aufge-
klärt. Entgegen der in der Presse geschürten
Stimmung gegen die vorgesehene Sicherung des
Gebietes lehnten nur wenige (der mehrere Hun-
dert angesprochenen) Besucher dies im persön-
lichen Gespräch ab, im Gegenteil zeigten sich
mehr als 95 Prozent offen für diese Idee und
akzeptierten die Argumente der Mitarbeiter der
UNB. Diese Akzeptanz wurde durch eine von
dritter Seite in Auftrag gegebene neutrale Um-
frage voll und ganz bestätigt.
Am 15. Mai 2019 wurde die Rechtsverordnung
zum Gebiet erlassen, sie erreichte am 18. Juni 2019
Rechtskraft (l
andraTsaMT nordsachsen
2019a).
Das Gebiet ist circa 1.506 Hektar groß. Der etwa
450 Hektar große namengebende eigentliche
Werbeliner See, dessen Wasserspiegel über einen
neugeschaffenen Ablauf zum Lober auf eine de-
finierte Höhe festgelegt ist, liegt im Osten des
Gebietes. Deutlich kleiner ist mit fast 130 Hektar
der Grabschützer See im Westen, der aber durch
den großen Inselkomplex aus Schüttrippen keine
einheitlich überschaubare Wasserfläche erkennen
lässt. Mit etwa zwölf Hektar ist der Zwochauer
See im Südwesten noch einmal deutlich kleiner.
Daneben existieren weitere kleine Seen und viele
kleine temporäre Gewässer.
Der Werbeliner See und seine nächste Umgebung
inklusive einer fast 60 Hektar großen Sanddorn-
fläche im Südwesten, insgesamt etwa 573 Hek-
tar, sowie der Grabschützer See mit Umgebung
(circa 232 Hektar) bilden als Totalreservat die
beiden Teile der Kernzone des NSG, die lediglich
durch den oben genannten Damm für die ehe-
mals geplante Kohlebahntrasse über etwa 1,2
Kilometer auf 50 bis 100 Meter getrennt sind.
Nördlich und östlich schließt sich an das west-
liche Teilgebiet des Totalreservates ein etwa 50
Hektar großer Weidekomplex an. Etwa 170 Hek-
tar des NSG wurden auf der Basis des nie hin-
sichtlich seiner Natura-2000-Verträglichkeit
geprüften Sanierungsrahmenplanes (r
eGionaler
PlanunGsverBand WesTsachsen
1999) aufgeforstet;
der weit überwiegende Teil als größere Forstkom-
plexe zentral im NSG, aber auch kleinere Gehölz-
inseln oder lineare Strukturen zur Landschafts-
gestaltung im Bereich der Ostgrenze.
Im Süden liegt, von drei Seiten vom Totalreservat
umgeben, eine über 110 Hektar große, weiterhin
betriebene Verkippungsfläche für unbedenkliche
Erdstoffe, auf der, vertraglich geregelt, in einem
regelmäßigen Turnus die Arbeiten dafür sorgen,
dass Offenlandbereiche für die dort brütenden
Vogelarten erhalten beziehungweise immer wie-
der neu entstehen werden.
Im Nordwesten des Gebietes liegen einige grö-
ßere Ackerflächen, die bei entsprechender Be-
wirtschaftung Lebensraum zum Beispiel für die
Feldlerche bieten. Einige Flächen am West- und
am Ostrand des Gebietes werden als Grünland
genutzt oder gepflegt, alle weiteren Flächen sind
durch Sukzession geprägt. Etwa 80 bis 90 Hektar
dieser Sukzessionsflächen in mehr als 15 einzel-
nen Flächen zwischen 0,2 und mehr als 10 Hek-
tar sind zur Zeit noch nahezu gehölzfrei. Hier
besteht die Möglichkeit, mit begrenztem Auf-
wand mosaikartig zerstreut im gesamten Gebiet
auch langfristig initiale Sukzessionsstadien
immer wieder zu reaktivieren.
Von vier Parkplätzen unmittelbar an den Grenzen
des Gebietes im Nordosten, Osten, Süden und
Westen aus ist das Gebiet für Radfahrer und
Fußgänger sehr gut erschlossen. Ein Wegesys-
tem von zusammen etwa 40 Kilometer steht

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11
langfristig zur Verfügung. Rund um den Grab-
schützer See und teilweise mitten durch die
Weideflächen verläuft ein acht Kilometer langer
Naturlehrpfad. Der Werbeliner See kann auf
einem 15 Kilometer langen Radweg umrundet
werden, der Rundweg um den Zwochauer See ist
etwa drei Kilometer lang. Mehrere Aussichts-
punkte und überdachte Raststellen laden zum
Verweilen ein; Standorte für künftige Aussichts-
türme sind vorgesehen.
Das Gebiet ist ein Eldorado für Vögel (s
chulz
2006, sTrauBe 2007, naBu sachsen-PressesTelle
2016).
Die große offene Wasserfläche in der öst-
lichen Hälfte des Werbeliner Sees bietet Sicher-
heit für rastende Wintergäste. Die vielen lang-
gestreckten Inseln im Westen und im Grabschüt-
zer See bieten geschützte Nistplätze. Der See-
adler ist seit mehreren Jahren regelmäßig im
Gebiet, seit wenigen Jahren erreichen die Ge-
hölze eine Höhe und Stärke, die seinen Nistplatz-
ansprüchen genügt. Besonders bemerkenswert
ist die wohl sachsenweit größte Ansammlung an
Rothalstaucherbrutpaaren; auch die Rohrdom-
mel ist hier seit Jahren zu hören. Haubentaucher,
Blässhühner, Kormorane, verschiedene Möwen-
und Entenarten sind am Wasser zu beobachten.
Riesige Schwärme von Wacholderdrosseln nut-
zen im Winter die Sanddornfrüchte. Regelmäßig
um die hundert Brutpaare des Neuntöters finden
sich in den Hecken am Rand und den Gebüschen
im Gebiet; mit zwei bis drei Brutpaaren ist der
Raubwürger deutlich seltener. Für die Grauammer
zählt das Gebiet zu den wichtigsten Brutgebieten
in Sachsen. Der Steinschmätzer wurde in den
Im NSG Werbeliner See gibt es die wohl sachsenweit
größte Ansammlung an Rothalstaucherbrutpaaren.
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, G. Fünfstück
Riesige Schwärme von Wacholderdrosseln nutzen im
Winter die Sanddornfrüchte.
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, I. Schandl
Die Rohrdommel ist im NSG Werbeliner See seit Jahren
zu hören.
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, G. Fünfstück

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letzten Jahren immer seltener; aktuell sind meh-
rere Brutpaare im Bereich der Verkippungsfläche
im Süden zu erwarten. Der Brachpieper, der in
den Anfangsstadien der Sukzession außerordent-
lich häufig gebrütet hat, ist jetzt nur noch als
Durchzügler zu beobachten. Insgesamt wurden
bisher Bruten von 88 Vogelarten registriert.
2016 musste festgestellt werden, dass auf einer
Insel im Süden des Werbeliner Sees mehrere
Brutbäume des Kormorans gefällt wurden; der
oder die Straftäter konnten leider nicht ermittelt
werden.
Die ersten Beobachtungen von Biberaktivitäten
gelangen etwa 2014/15 auf einer Insel im Wer-
beliner See. Inzwischen wurden mehrere Biber-
burgen festgestellt. Vom Fischotter liegen Auf-
nahmen einer Wildkamera vor. Diese wurde in-
stalliert, nachdem Hinweise auf die Präsenz eines
Wolfes bekannt wurden. Sehr bald gelangen
Nachweise, auch der Reproduktion im Gebiet.
Die gesammelten Kotproben legen nahe, dass die
Wölfe im Gebiet zu einem erheblichen Anteil von
Wildschweinen leben.
Nahrungsgrundlage für die Ringelnatter bilden
vor allem die Amphibien des Gebietes, wobei
Kreuz- und Wechselkröte seit dem Verschwinden
offener Kiestümpel kaum mehr Laichplätze fin-
den dürften.
Nahrungsgrundlage für die Zauneidechse, die im
Gebiet gut vertreten ist, sind Käfer und sonstige
bodenbewohnende Gliedertiere. Systematische
Untersuchungen für diese Tiergruppen liegen
nicht vor, wohl aber gut dokumentierte Einzel-
beobachtungen. So wurden immerhin 30 Libel-
len-, 17 Kurzfühler- und neun Langfühlerschre-
ckenarten gefunden. Bemerkenswert ist die
Gottesanbeterin, deren Reproduktion seit 2015
in jedem Jahr durch Imagines, Ootheken oder
Jungtiere gut belegt ist. Nachweise von fast 90
Schmetterlings-, knapp 70 Laufkäfer- und mehr
als 70 Wespenarten wurden erbracht.
Die Flora des Gebietes, immerhin fast 270 Taxa,
ist durch Ansaaten und Pflanzungen im Rahmen
der Sanierung und anschließende Sukzessions-
prozesse auf den heterogenen Kippenböden
geprägt. Nur wenige Arten, wie das Tausendgül-
denkraut oder die Sandstrohblume sind beson-
ders erwähnenswert; 20 Prozent der Arten sind
Kultivare, 14 Prozent Neophyten, die in weiten
Teilen das Bild der Vegetation beherrschen.
In einem schmalen Streifen am Ostrand des Ge-
bietes, auf gewachsenem Boden, sind wüchsige
Grünlandstandorte, die bisher gemulcht werden
und teilweise brach fallen. Im Süden des Gebie-
tes werden Grünlandstandorte bereits seit meh-
reren Jahren im Rahmen von Ersatzmaßnahmen
für ein Infrastrukturprojekt angemessen ge-
pflegt.
Die Weideflächen nördlich des Grabschützer
Sees werden bei schwierigen Standortverhält-
nissen (und problematischer Wasserversorgung)
allein durch eine robuste Rinderrasse nicht op-
timal gepflegt.
Zum langfristigen Erhalt der Offenlandarten –
nicht nur der Avifauna – wird es notwendig sein,
mit massivem technischen Einsatz in ausrei-
chend großen Bereichen (etwa 80 bis 100 Hektar
an zehn bis zwölf Stellen im Gebiet verteilt bieten
Die Reproduktion der Gottesanbeterin ist seit 2015 im
NSG Werbeliner See belegt.
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, M. Keller

|
13
sich hier an) wieder primäre Sukzessionsstadien
zu schaffen. Zu denken ist dabei beispielsweise
an Abschieben des Oberbodens oder Abflämmen
überständiger und verfilzter Vegetation. Erste
Überlegungen dazu sind bereits erfolgt, in einem
Pflege- und Entwicklungsplan sollten diese Maß-
nahmen zeitnah präzisiert und so bald wie mög-
lich umgesetzt werden.
Eine ausführliche Darstellung des Gebietes zum
Zeitpunkt der Ausweisung liegt in der Fachlichen
Würdigung vor (l
andraTsaMT nordsachsen 2019b).
Von Anfang an wurde die Arbeit der unteren
Naturschutzbehörde durch den Naturschutz-
bund Deutschland unterstützt. Viele Artfeststel-
lungen und Beobachtungsdaten stammen von
engagierten Naturschützern aus dem Verband.
Die flankierende Presse- und Lobbyarbeit für
Naturschutz schaffte ein Gegengewicht zu an-
derweitigen Vorstellungen und nicht zuletzt ist
die Betreuung der Weideflächen durch den NABU
Sachsen unverzichtbar. Auch bei der Weiterent-
wicklung der Maßnahmen im Gebiet ist die kon-
struktive Unterstützung sicher willkommen.
Ich danke Thomas Dorn für die kritische Durch-
sicht und wertvolle Anregungen zum Manu-
skript.
Literatur
Froelich
&
sPorBeck
(2012): Naturschutzfachliche
Bewertung zur Durchführbarkeit des B-Planes der Stadt
Delitzsch ‚Themen und Landschaftspark am Werbeliner
See‘. Unveröffentlichtes Manuskript im Auftrag der
Stadt Delitzsch. Berlin.
landraTsaMT nordsachsen (2019a):
Verordnung des
Landratsamtes Nordsachsen zur Festsetzung des
Naturschutzgebietes „Werbeliner See“ vom 15. Mai
2019. Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt 2019,
Nr. 8, S. 343-348.
landraTsaMT nordsachsen (2019b):
Fachliche Würdigung
für das Naturschutzgebiet „Werbeliner See“ vom
15. Mai 2019. Manuskript, 95 S., Eilenburg.
Milan
(2013): Erarbeitung der fachtechnischen
Voraussetzungen für die geplante Ausweisung eines
Naturschutzgebietes Werbeliner See (Brutvogelkartie-
rung, Störungsanalyse). Manuskript im Auftrag des
Umweltamtes SG Umweltfachbereich / Naturschutz des
Landkreises Nordsachsen. Halle.
Milan
(2016): Brutvogel- und Besuchermonitoring im
Rahmen der geplanten Ausweisung eines Natur-
schutzgebietes Werbeliner See (Brutvogelkartierung,
Störungsanalyse, Vergleich 2013 und 2016). Manuskript
im Auftrag des Umweltamtes Untere Naturschutzbe-
hörde des Landkreises Nordsachsen. Halle.
NABU
sachsen
-P
ressesTelle
(2016): Bodenseeverhältnisse
am Werbeliner See, Ornithologe zählt 1.800
Kolbenenten. Naturschutz aktuell, NABU Sachsen
Pressemitteilung vom 30.08.2016.
reGionaler PlanunGsverBand WesTsachsen
(1999):
Braunkohlenplan als Sanierungsrahmenplan, Tagebau
Delitzsch-Südwest / Breitenfeld. Beschlossen durch
Satzung des Regionalen Planungsverbandes vom
26.06.1998, genehmigt durch das Sächsische
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft am
19.05.1999. Manuskript, Leipzig.
schulz, M.
(2006): Die Vogelwelt des Werbeliner Sees im
Zeitraum 2001 bis 2005. Unveröffentlichter Bericht im
Auftrag der Sächsischen Vogelschutzwarte Neschwitz.
sTrauBe, s.
(2007): Brutvögel nicht sanierter
Altbergbaugebiete (Braunkohle) nördlich von Leipzig.
Mitteilungen des Ornithologischen Vereins Leipzig, 14,
S. 123-134.
Hinweis
Der Autor war bis Ende 2019 Mitarbeiter der un-
teren Naturschutzbehörde im Landkreis Nord-
sachsen und mit der fachlichen Vorbereitung
und Begleitung des Ausweisungsverfahrens des
NSG befasst. Die vorliegende Textfassung vom
Dezember 2019 ist eine persönlich gefärbte Zu-
sammenfassung der Fachlichen Würdigung.
Autor
Ewald Jansen
ewald.jansen1@web.de

image
14
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 61. Jahrgang 2020 Seite 14 – 25
Störungsarmes und effektives Monitoring
von Flussseeschwalben (Sterna hirundo)
mit UAV-Unterstützung
Christoph Gerber, Jana Zschille, Dirk Weis, Winfried Nachtigall
Zusammenfassung
Der Einsatz von UAV (Unmanned Aircraft Ve-
hicle) beziehungsweise Kleindrohnen zur Erfas-
sung und Dokumentation von Zuständen in der
Natur hat in den letzten Jahren rasant zugenom-
men. Gleichzeitig mangelt es jedoch an Kennt-
nissen zur Erfassungsqualität und zu den mit
dem Einsatz verbundenen Störungen in der Tier-
welt. Erste diesbezügliche Untersuchungen bei
Meeresvögeln zeigen, dass sich koloniebrütende
Möwen für die UAV-Erfassung eignen. Da die
Bedingungen an einem künstlichen Brutplatz von
Flussseeschwalben (
Sterna hirundo
) auf dem
Brösaer Teich im Biosphärenreservat „Oberlau-
sitzer Heide- und Teichlandschaft“ gut kontrol-
lier- und steuerbar waren, fand dort 2018 eine
vergleichende Untersuchung von terrestrischen
Erfassungsmethoden und der UAV-Luftbilder-
fassung statt.
Durch den UAV-Einsatz wurde gezeigt, dass eine
genaue Individuenerfassung per Luftbild mög-
lich ist, ohne eine sichtbare Beunruhigung der
Kolonie zu verursachen. Dagegen ist die Zählung
der Individuen vom Teichrand aufgrund der
Sichteinschränkung mit einer großen Ungenau-
igkeit verbunden. Weiterhin konnten Nester und
Gelege per Luftbildaufnahme erfasst werden.
Gegenüber dem Referenzwert der Nestanzahl,
welcher durch die Begehung der Kolonie ermit-
telt wurde, ist jedoch eine gewisse Abweichung
vorhanden, was auf die geringe Erfahrung bei
der Luftbildinterpretation für diese Zwecke zu-
rückzuführen ist. Ein entscheidender Vorteil
gegenüber der Begehung ist die geringe Dauer,
welche für die Luftbildaufnahme benötigt wird.
Somit lässt sich der Störungsumfang, der von
einer Koloniebegehung ausgeht, maßgeblich re-
duzieren. Vorteilhaft bei dieser Verfahrensweise
ist die Möglichkeit, die gewonnenen Daten in GIS
(Geografisches Informationssystem) weiterver-
arbeiten und reproduzieren zu können. Um die
Abläufe von UAV-Einsätzen zu verbessern und
UAV auch bei anderen Vogelarten anwenden zu
können, werden weitere Untersuchungen not-
wendig sein.
1 Einleitung
Die Erfassung von Brutvogelkolonien ist mit be-
sonderen Anforderungen an den Bearbeiter ver-
bunden, da neben der reinen Individuenzählung
die Beurteilung der Brutpaaranzahl und der An-
teil nichtbrütender Individuen, im oft schwer
überschaubaren Gelände, notwendig sind (B
iBBy
et al. 1995,
südBeck
et al. 2005). Mit der Verfüg-
barkeit entsprechender Technik wurden bisher
überwiegend Brutvogelkolonien von Wasservö-
geln mithilfe von UAV-Bilddaten analysiert. Die
Ergebnisse sind bezüglich der Erfassbarkeit bei
gleichzeitig geringer Störungsintensität im Ver-
gleich zur Kolonieerfassung durch herkömmliche
Begehung sehr vielversprechend (s
ardà-PaloMera
et al. 2012,
GrenzdörFFer
2014,
chaBoT
et al. 2015,

image
|
15
Brisson-curadeau
et al. 2016,
díaz-delGado
et al.
2017). Außerdem ist die Reproduzierbarkeit der
Luftbilddaten sowie die Option weiterer Auswer-
tungen (beispielsweise zu Fragen der Raumnut-
zung) vorteilhaft (c
haBoT
&
Bird
2015,
díaz-
delGado
et al. 2017,
sardà-PaloMera
et al. 2017,
hodGson
et al. 2018). Im Gegensatz zu den Küsten
finden Möwen und Seeschwalben im Binnenland
nur selten geeignete natürliche Bruthabitate vor
(zum Beispiel Kiesinseln in Flüssen). Die Einrich-
tung künstlicher Bruthabitate stellt ein bewähr-
tes Verfahren zum Schutz und zur Wiederansied-
lung koloniebrütender Vogelarten dar. Die Be-
treuung solcher Bruthabitate schließt die unmit-
telbare Pflege aber auch ein begleitendes
Monitoring im Sinne einer Erfolgskontrolle ein.
Um zu klären, ob eine solche Erfolgskontrolle
auch oder sogar besser mit UAV-Unterstützung
durchgeführt werden kann, wurde dies anhand
der Flussseeschwalbeninsel in der Teichgruppe
Guttau im Biosphärenreservat „Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft“ (BR OHT) getestet.
Dazu fanden Befliegungen im Rahmen der Mas-
terarbeit von Christoph Gerber im Jahr 2018 am
Brösaer Teich (Teichgruppe Guttau) statt. Fragen
zur Störintensität, der sicheren Artansprache
sowie der Vergleichbarkeit mit den Ergebnissen
der terrestrischen Zählung unmittelbar auf der
Brutinsel standen dabei im Vordergrund.
2
Material und Methoden
Das Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide-
und Teichlandschaft“ (BR OHT) ist mit etwas über
30.000 Hektar das größte sächsische EU-Vogel-
schutzgebiet. Vor allem durch die naturnahen
Teiche mit teils ausgedehnten Röhrichten er-
reicht der Gewässeranteil im Schutzgebiet zehn
Prozent. Auch wenn die Teichlausitz früher we-
Abb. 1: Flussseeschwalbe mit Jungvogel
Foto: W. Nachtigall

image
16
niger bedeutsam für die Flussseeschwalbe
(Abb. 1) war (B
aer
1898), fand die Art in der
angrenzenden Tagebaufolgelandschaft zumin-
dest zeitweise geeignete Sekundärhabitate und
breitete sich ab 1972 dort aus (k
rüGer
&
schulze
1973). Durch die Rekultivierung der Tagebaue
und Füllung der Tagebaurestseen blieben zum
Nisten geeignete, vegetationsarme Inseln immer
nur temporärer Natur. Als in den wenigen Kolo-
nien nach 1990 der Prädatorendruck durch
Waschbär (
Procyon lotor
) und Mink (
Neovison
vison
) zunahm, wurde 1999 auf dem Tauerwie-
senteich eine Ponton-Insel und 2014 im Brösaer
Teich eine Pfahlkonstruktion (Abb. 2) errichtet.
Der Brösaer Teich und die gesamte Teichgruppe
Guttau sind Teil der Schutzzone II des BR OHT
und als Naturschutzgebiet, FFH-Gebiet (61 E)
sowie Vogelschutzgebiet (SPA 46) ausgewiesen
(SMUL 2009).
Im Schutzgebiet brüten seit 1999 zwischen 60
und 155 Paare der Flussseeschwalbe. Das ent-
spricht 25 bis 40 Prozent des sächsischen Be-
standes dieser in Sachsen und Deutschland stark
gefährdeten Art des Anhang I der europäischen
Vogelschutzrichtlinie.
Die Teiche in der Teichgruppe Guttau sind divers
strukturiert, besitzen teilweise Inseln, Flachwas-
serzonen und ausgedehnte Röhrichtbestände
(B
öhnerT
et al. 1996). Für die Flussseeschwalben
galt diese Teichgruppe seit längerem als ein be-
deutendes Nahrungsgebiet, weshalb dort im Jahr
2014 die circa 120 m² große Brutvogel
insel im
Auftrag des Fördervereins Sächsische Vogel-
schutzwarte e. V. errichtet wurde, der ebenfalls
seitdem den Brutbestand erfasst (n
achTiGall
2015). Die untersuchte Brutinsel befindet sich
circa 140 m vom Ständer des Brösaer Teichs
entfernt. Aufgrund einer circa 15 cm hohen Be-
plankung, welche die Sicht auf die Brutfläche
randlich einschränkt, ist eine Begehung zur ter-
restrischen Zählung notwendig Für diese Unter-
suchung wurden unterschiedliche Erfassungs-
methoden von Koloniebrütern gegenübergestellt.
Das Erfassen der Individuen vom Teichrand aus
fand am 13.05. sowie am 10.06.2018 statt. Die
Luftaufnahmen zur Ermittlung der Koloniegröße
erfolgten am 29.05. und 11.06.2018 mit jeweils
einem UAV-Einsatz. Die Begehung der Kolonie
für die Brutsaison 2018 fand am 11.06.2018
statt. Während der Begehung wurde eine weitere
Abb. 2: Brutinsel im Brösaer Teich (Teichgruppe Guttau) im Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft“
Foto: C. Gerber

image
image
|
17
Luftbildaufnahme erzeugt. Dieses Luftbild ist zur
Erfassung der Nester und Gelegegröße geeignet,
da infolge der Begehung der Plattform alle Brut-
vögel abflogen. Das Erfassungsergebnis der Be-
gehung liefert für die vorliegende Arbeit die
Referenz, welche für die Methodengegenüber-
stellung verwendet wird.
Für die Luftbildaufnahmen kam ein handelsüb-
liches, akkubetriebenes UAV (DJI
TM
PHAN-
TOM
TM
4 Pro) zur Anwendung (Abb. 3). In Vorbe-
reitung dieser Untersuchung wurde gemäß
luFTverkehrs-ordnunG (luFTvo)
die behördliche
Genehmigung bei der Landesdirektion Sachsen
eingeholt. Um Störungen der Kolonie möglichst
zu vermeiden, steuerten wir die Drohne vorran-
gig auf geradlinigen Flugbahnen und mit gerin-
ger Geschwindigkeit (h
odGson
&
koh
2016)
(Abb. 4). Nach dem Start des UAV wurde direkt
die Ausgangsflughöhe (50 m) angesteuert
(M
cevoy
et al. 2016). Über die gesamte Einsatz-
dauer des UAV wurde das Verhalten der Indivi-
duen auf der Insel gemäß der vorgeschlagenen
Kategorisierung nach
vas
et al. (2015) dokumen-
tiert, die um die Kategorien „Angriff-
&
Abwehr-
verhalten“ sowie „keine Einschätzung möglich“
erweitert wurden. Die Luftbilder wurden senk-
recht über der Brutinsel aufgenommen. Um zu-
sätzliche Informationen bezüglich der Störungs-
intensität bei Kolonievögeln ermitteln zu können,
wurde die Flughöhe von 50 m über der Brutinsel
verringert. Die gesamte Brutinsel konnte, bei
allen getesteten Flughöhen, jeweils vollständig
mit einem UAV-Luftbild erfasst werden.
Die Luftbildaufnahmen wurden mit Hilfe von GIS
zunächst georeferenziert, anschließend digitali-
siert und analysiert. Die Artansprache basierte
auf
svennson
et al. (2015) und Nester oder Nest-
Abb. 3: Für diese Untersuchung verwendetes UAV
(Typ: DJI
TM
PHANTOM
TM
4 Pro)
Foto: C. Gerber
Abb. 4: Befliegungsmuster zur UAV-Luftbilderfassung der Brutvogelinsel im Brösaer Teich

18
hinweise wurden mit
harrison
&
casTell
(2004)
bestimmt. Um eine Vergleichbarkeit der Daten
aus der Individuenzählung und der Nesterfas-
sung zu erzeugen, wurde aus den jeweiligen
Individuenzahlen die Brutpaaranzahl nach
süd-
Beck
et al. (2005) berechnet. Für diese Untersu-
chung wird angenommen, dass jedes errechnete
Brutpaar ein Nest besetzt. Eine weitere Methode
zur Ermittlung von Brutpaaren in einer Kolonie
wurde auf der Basis zweier UAV-Luftbildaufnah-
men mit einem zeitlichen Abstand angewendet.
Dazu werden die Individuenpositionen zu den
unterschiedlichen Aufnahmezeitpunkten in den
Luftbildern verglichen und bei einer Überlage-
rung somit potenzielle Neststandorte erkennbar
(s
ardà-PaloMera
et al. 2012). In der vorliegenden
Untersuchung wurde für die beiden Luftbildauf-
nahmen (29.05. und 11.06.2018) ein Bewegungs-
radius von circa 14 cm angenommen, der für ein
Individuum möglich sein sollte, ohne ein poten-
tielles Nest verlassen zu müssen.
3 Ergebnisse
Im Untersuchungszeitraum war der Standort
ausschließlich von Flussseeschwalben besiedelt.
Die Erfassung vom Teichrand aus ergab am
13.05.2018 27 Flussseeschwalben und am
10.06.2018 eine Anzahl von 72 Flussseeschwal-
ben. Für die Vergleichbarkeit der Methoden wird
ausschließlich der Wert der Zählung vom
10.06.2018 zur Ermittlung der Brutpaare heran-
gezogen. Die Auswertung der UAV-Luftbilder
nahm jeweils 19 Minuten in Anspruch. Diese
ergab für den 29.05.2018 113 Flussseeschwalben
und für den 11.06.2018 eine Individuenzahl von
157 Flussseeschwalben. Die Auszählung der Luft-
bildaufnahme zum Zeitpunkt der Begehung der
Kolonie dauerte neun Minuten. Es wurden 93
vermutete Nester markiert. Das Ergebnis der Er-
fassung der Nester und Brutpaare sowohl durch
Begehung der Kolonie beziehungsweise Beobach-
tung vom Teichrand als auch das Ergebnis der
Luftbildauswertung sind in Tab. 1 aufgeführt. Die
durch die Koloniebegehung festgestellte Nest-
anzahl von 112, stellt gleichzeitig den Referenz-
wert dar, welcher für die Beurteilung der Genau-
igkeit der Luftbildauswertemethoden und Erfas-
sung aus der Distanz (Teichrand) angesetzt wird.
Die größte Abweichung zu diesem Wert weist die
Berechnungsmethode der Brutpaare aus den In-
dividuenzählungen vom Teichrand auf. Diese
Herangehensweise unterschätzt die tatsächliche
Brutpaarzahl um mehr als 55 Prozent. Es schließt
sich die Ermittlung der potentiellen Neststand-
orte aus zwei UAV-Luftbildaufnahmen an, wobei
die Anzahl der Brutpaare um circa 20 Prozent
unterschätzt wird. Die festgestellte Nestanzahl
anhand des Luftbildes zum Zeitpunkt der Bege-
hung hat eine Abweichung von 17 Prozent ver-
glichen mit dem Ergebnis der Begehung. Im Ver-
gleich liefert die Berechnung der Brutpaarzahlen
aus der Individuenerfassung per UAV-Luftbild
(vom 11.06.2018) die geringste Abweichung zum
Referenzwert. Ähnliche Abweichungen ergeben
sich bei der Betrachtung der Brutdichteermitt-
lungen anhand der jeweiligen Methode (Tab. 1).
Durch Interpretieren der gezeigten Verhaltens-
weisen der Flussseeschwalben auf der Brutinsel
während der Erfassung mit unterschiedlichen
Methoden konnten Rückschlüsse auf die Störin-
tensität gezogen werden. Die Beobachtungen
vom Teichrand zur Erfassung am 13.05. und
10.06.2018 verursachten keine erkennbaren Stör-
reaktionen auf der Brutinsel. Beide Zählungen
wurden innerhalb von fünf Minuten durchge-
führt. Am 29.05.2018 wurde das UAV nach einer
geradlinigen Annäherung in 50 Meter Flughöhe
über die Insel gesteuert. Anschließend wurde die
Flughöhe reduziert. Die ersten vom Ufer des Tei-
ches beobachteten Störungsanzeichen waren bei
30 Meter Flughöhe festzustellen. Gemäß einer
fachlichen Einschätzung vor Ort wurde die Flug-
höhe nicht weiter verringert und der Rückflug
veranlasst. Durch den stark beschleunigten

|
19
Tab. 1: Ermittelte Nestanzahlen und Brutpaardichten von Flussseeschwalben (Sterna
hirundo)
am Brösaer Teich
(Teichgruppe Guttau) am 10./11.06.2018; BP = Brutpaar
Steigflug (überdurchschnittliche Propellergeräu-
sche) von 30 auf 50 Meter kam es zum Aufflie-
gen aller auf der Brutinsel anwesenden Vögel,
also zu einer intensiven Reaktion für etwa 45
Sekunden. Das verwendete UAV wurde dabei von
den Flussseeschwalben jedoch nicht angegriffen
oder aktiv angeflogen. Am zweiten Aufnahmetag
(11.06.2018) wurde eine Anflughöhe von 30
Meter gewählt, was keine erkennbare Störung
verursachte, ebenso die Absenkung auf 10 Meter
Höhe. Das seitliche Abfliegen des UAV blieb die-
ses Mal bei geringer Beschleunigung ohne er-
kennbare Störung. Das UAV war zur Luftbilder-
fassung an beiden Flugtagen circa sieben Minu-
ten in der Luft. Die herkömmliche Erfassung
durch Begehung am 11.06.2018 verursachte
bereits durch die Annäherung der Bearbeiter mit
dem Boot eine intensive Störung der Seeschwal-
ben. Alle Individuen verließen die Brutinsel für
die circa 30-minütige Erfassung (Abb. 5).
Methode
Nest-
anzahl
Abweichung von
Nestanzahl durch
Begehung [%]
Brutdichte
[BP/m²]
Abweichung von
Brutdichte durch
Begehung [%]
Nestanzahl durch Begehung
der Kolonie (11.06.)
112
-
0,94
-
BP aus Individuenzählung
vom Teichrand (10.06.)
50
- 55,4
0,42
- 55,3
BP aus Individuenzählung
im Luftbild (Flughöhe: 10 m)
(11.06.)
109
- 2,7
0,91
- 3,2
Potentielle Nester aus Analyse
zweier Luftbildaufnahmen
(29.05. und 11.06.)
86
- 23,2
0,72
- 23,4
Nestanzahl aus
Luftbildzählung während
Begehung
(Flughöhe: 10 m (11.06.)
93
- 17,0
0,78
- 17,0
4 Diskussion
Die Untersuchung zeigt, dass im Vergleich zu
Zählungen von einer Position außerhalb der Ko-
lonie, die Luftbildzählung eine hohe Genauigkeit
bietet und alle Individuen auf dem Bruthabitat
erfasst werden können, was die Ergebnisse von
hodGson
et al. (2018) bestätigt. Selbst geringe
Sichteinschränkungen wie die relativ niedrige
Beplankung der Brutinsel können zu einer Fehl-
einschätzung der Koloniegröße führen, da wie in
Abbildung 2 erkennbar wird, nicht die gesamte
Brutfläche eingesehen werden kann. Ein Teil der
Abweichung gegenüber der Luftbildauszählung
kann mit den unterschiedlichen Tageszeiten an
den aufeinanderfolgenden Erfassungstagen er-
klärt werden. Eine noch bessere Vergleichbarkeit
kann erreicht werden, wenn bei künftigen Un-
tersuchungen zu den selben Tageszeiten erfasst
wird. Damit können zusätzliche Fehleinschätzun-
gen der Koloniegröße vermieden werden, da sich

image
20
im Tagesverlauf unterschiedlich viele Individuen
innerhalb der Kolonie aufhalten.
Der zeitliche Aufwand der UAV-Nutzung ist ein-
schließlich der Bildanalyse höher als die her-
kömmliche Zählmethode aus der Distanz. Dabei
ist die reine Flugzeit über der Kolonie, um die
Lufbildaufnahmen zu erhalten, vergleichbar kurz.
Die UAV-Einsatzzeit ist jedoch deutlich niedriger
Abb. 5: Vergleich der Störungsreaktion der Flussseeschwalben anhand der Luftbildauswertung
a) vor und b) während der Begehung der Brutvogelinsel im Brösaer Teich am 11.06.2018
Fotos: P. Ulbrich

|
21
als eine Begehung der Kolonie zur Nesterfas-
sung. Die Kombination aus der UAV-Luftbildzäh-
lung und der daraus abgeleiteten Brutpaarbe-
rechnung, erreichte für die vorliegende Arbeit
eine unerwartet hohe Genauigkeit. Die Herange-
hensweise, Brutpaare aus den Individuenzahlen
zu berechnen, wird von
südBeck
et al. (2005) für
künstliche Bruthabitate nicht empfohlen, da der
Anteil von Nichtbrütern aufgrund von Platzman-
gel viel geringer ist im Vergleich zu natürlichen
Bruthabitaten. Ob sich das UAV-gestützte Ver-
fahren zur Berechnung der Brutpaare auch auf
andere künstlichen Bruthabitaten übertragen
lässt, muss durch weitere Untersuchungen fest-
gestellt werden.
Die Nester mit darin erkennbaren einzelnen Eiern
konnten im UAV-Luftbild, das während der Be-
gehung aufgenommen wurde, mit einer Abwei-
chung von 17 Prozent ermittelt werden. Dafür
ist eine sehr hohe Bodenauflösung (GSD -
Ground Sampling Distance von 0,27 cm/Pixel)
und freie Sicht auf die Nester nötig. Dies wurde
in der vorliegenden Arbeit durch das Auffliegen
aller Vögel für die Dauer der Begehung möglich.
Jungvögel konnten mit den Luftbildaufnahmen
nicht nachgewiesen werden. Dies kann auf die
guten Tarneigenschaften des Dunenkleides von
Jungvögeln und deren Fähigkeit, bereits zwei
Tage nach dem Schlupf Verstecke aufzusuchen,
zurückgeführt werden (h
arrison
&
casTell
2004).
Die ausgelegten Firststeine bieten solche Ver-
stecke auf der Brutinsel. Dass UAV-Aufnahmen
für entsprechende Nachweise geeignet sein kön-
nen, belegten
díaz-delGado
et al. (2017) für eine
natürliche Kolonie von Dünnschnabelmöwen
(
Chroicocephalus genei
), bei der Neststrukturen,
Eier und Küken erkannt werden konnten (GSD
0,5 cm/Pixel).
Die Verfahrensweise nach
sardà-PaloMera
et al.
(2012), zwei UAV-Luftaufnahmen von unter-
schiedlichen Zeitpunkten zur Ermittlung von
potentiellen Neststandorten zu nutzen, ergab in
der vorliegenden Untersuchung eine Abweichung
von 23 Prozent vom Referenzwert. Es wird ver-
mutet, dass der Zeitraum zwischen den beiden
Vergleichsaufnahmen zu groß war. Wiederho-
lungsaufnahmen an einem einzelnen Einsatztag
liefern ebenfalls Aussagen über Brüter und
Nichtbrüter einer Kolonie (s
ardà-PaloMera
et al.
2012). Die Wahl des Erfassungstermins muss bei
dieser Methode vermutlich genauer betrachtet
werden, da zum einen der nicht synchrone Brut-
beginn und zum anderen mögliche Ersatzbruten
bei Nestverlust im Brutzeitraum zu berücksich-
tigen sind (s
üdBeck
et al.
2005).
Die Auswirkun-
gen des zeitlichen Abstands der ersten und zwei-
ten UAV-Luftbildaufnahme sind noch nicht
hinreichend untersucht.
Die Abweichungen der Ergebnisse der UAV-ge-
stützten Verfahren sind zurzeit noch auf die
geringe Erfahrung in der Luftbildinterpretation
zurückzuführen. Bei ausreichender Erfahrung
können auch große Bestände in relativ kurzer
Zeit sicher am Luftbild ausgewertet werden
(h
odGson
et al. 2018). Dabei ist die Bodenauflö-
sung (Anpassung der Flughöhe oder Variation
des optischen Sensors) entscheidend. Eine Re-
duzierung der Flughöhe verbesserte die Boden-
auflösung bei der genutzten Drohne von 1,37 cm/
Pixel bei 50 Meter Flughöhe auf 0,27 cm/Pixel
bei zehn Meter Flughöhe. Auch bei niedrigeren
Auflösungen können alle Individuen gezählt wer-
den, jedoch werden die artspezifischen Merkmale
erst bei einer GSD von 0,82 cm/Pixel (30 Meter
Flughöhe) eindeutig sichtbar. Damit werden die
Angaben einer zur eindeutigen Artzuordnung
notwendigen Bodenauflösung von 0,7 bis 0,5 cm/
Pixel von
dulava
et al. (2015) und
Mcevoy
et al.
(2016) bestätigt. Neben der Bodenauflösung
beeinflussen die Lichtverhältnisse die Bildanalyse
und Arterkennbarkeit nachweislich und können
durch die richtige Wahl der Tageszeit verringert
werden (Abb. 6) (c
haBoT
&
Bird
2015).
Bei der Interpretation der Ergebnisse dieser Ar-

image
22
beit ist zu beachten, dass es sich beim Untersu-
chungsobjekt um ein künstliches Bruthabitat
geringer Größe handelt. Dadurch ist es möglich,
ein Vollzensus des Brutpaarbestands zu einem
festgelegten Zeitpunkt durchzuführen. Daher
sind die Ergebnisse dieser Untersuchung nicht
unbedingt geeignet, um sie auf natürliche Kolo-
niestandorte zu übertragen. Ergebnisse aus Un-
tersuchungen in solchen Habitaten weisen eine
bessere Erfassbarkeit des Koloniebestandes
durch UAV-Unterstützung auf (s
ardà-PaloMera
et al. 2012,
GrenzdörFFer
2014,
díaz-delGado
et al.
2017). Daher sind weitere Untersuchungen zu
empfehlen, die natürliche Koloniestandorte mit
einschließen.
Die vorliegende Untersuchung zeigt, dass im
Vergleich mit einer Betretung der Kolonie eine
geringere Störung der Flussseeschwalben durch
das UAV festzustellen ist. Die Störungsreaktio-
nen basieren dabei auf optischen und akusti-
schen Einflüssen (M
cevoy
et al. 2016,
Mulero-
PázMány
et al. 2017). Ein Multikopter-UAV, wie es
bei dieser Untersuchung verwendet wurde, be-
sitzt keine Ähnlichkeit mit einem natürlichen
Prädator, weshalb von einer geringen optischen
Störung ausgegangen werden kann (M
cevoy
et
al. 2016). Beobachtungen an der bereits länger
untersuchten Kolonie zeigten, dass herannah-
ende Prädatoren (Greifvögel) unverzüglich durch
die Vögel der Kolonie abgewehrt werden, selbst
wenn ein UAV in der Nähe der Kolonie eingesetzt
wird (G
erBer
2016). Elektrisch angetriebene UAV-
Systeme verursachen im Grunde eine geringe
Lautstärke, die gegenüber der Lautstärke inner-
halb der Vogelkolonie verschwindend gering ist
(G
oeBel
et al. 2015). Jedoch führte die höhere
Geräuschentwicklung durch das veranlasste
Steigmanöver der Drohne am 29.05.2018 zur
Beunruhigung der Kolonie. Solche Flugmanöver
über Nistplätzen oder Kolonien sollten bei zu-
künftigen Untersuchungen unterbleiben. Dass
es im Verlauf der Brutsaison zu einer stärkeren
Nestbindung von Brutvögeln kommt und diese
dann auf ein UAV weniger intensiv reagieren
(r
üMMler
et al. 2016,
Mulero-PázMány
et al. 2017),
wird durch die Ergebnisse dieser Arbeit ebenfalls
bestätigt. Zu beachten ist, dass eine von außen
nicht erkennbare Reaktion keinesfalls als völlig
stressfrei für ein Individuum bewertet werden
darf (W
eiMerskirch
et al. 2018). Weiter ist die
Dauer einer Störung bei einer Erfassung zu be-
werten. In der vorliegenden Untersuchung waren
Abb. 6: Bildausschnitt einer Luftbildaufnahme mittels UAV von der Brutvogelinsel im Brösaer Teich
(Teichgruppe Guttau) im Biosphärenreservat „Oberlausitzer Heide- u. Teichlandschaft“;
a) 29.05.2018, 30 m Flughöhe (GSD: 0,82 cm/Pixel); b) 11.06.2018 10 m Flughöhe (GSD: 0,27 cm/Pixel)
Fotos: P. Ulbrich

|
23
zwei Personen 30 Minuten lang auf dem künst-
lichen Bruthabitat im Einsatz. Während einer
solchen Erfassung sind die Nester unbesetzt und
die Gelege beziehungsweise bereits geschlüpfte
Jungvögel der jeweiligen Witterung ausgesetzt.
Daher wird grundsätzlich empfohlen, eine solche
Erfassung nur bei geeigneter Witterung durch-
zuführen (s
üdBeck
et al. 2005). Zusätzlich sind
ungeschützte Gelege und Jung
vögel durch Prä
-
dation gefährdet (r
üMMler
et al. 2016). Daher
muss die Bearbeitungszeit innerhalb der Kolonie
kurz gehalten werden. Dies kann durch Kombi-
nation von UAV und herkömmlichen Methoden
erreicht werden, da die Dauer der Störung einer
Kolonie um ein Vielfaches verringert werden
könnte.
Dank ihrer Eigenschaften, langsam zu manö-
vrieren und die Position in der Luft zu halten,
sind Multikopter-UAV für solche Untersuchun-
gen sehr gut geeignet (c
haBoT
&
Bird
2015). Zu-
sätzlich konnte auf einsetzende Störungen der
Vögel unverzüglich reagiert werden. Wobei die
Reaktionen der Flussseeschwalben auf das ein-
gesetzte UAV nicht pauschal auf andere Arten
übertragen werden sollten. Vielmehr belegen
Untersuchungen artspezifische und im Jahres-
verlauf zeitlich variierende Verhaltensweisen von
Vögeln gegenüber eingesetzten Kleindrohnen
(M
ulero-PázMány
et al. 2017). Hier besteht wei-
terer Untersuchungsbedarf, um die Einsatzmög-
lichkeiten der Technik zu erörtern. Die Witte-
rungsempfindlichkeit von UAV-Systemen ist für
einen Einsatz über Vogelkolonien nachrangig, da
ein solches Brutvogelmonitoring zu deren Schutz
grundsätzlich bei geeigneter Witterung stattfin-
den sollte (s
üdBeck
et al. 2005).
Fazit
Die Luftbildanalyse ermöglichte es, die Sichtein-
schränkung der terrestrischen Erfassung zu um-
gehen und eine präzise Individuenzählung durch-
zuführen. Das verwendete UAV war für dieses
Monitoring sehr gut geeignet, da eine langsame
Annäherung möglich war, die bei Kolonien ratsam
ist, um keine ungewollte Störung zu verursachen.
Die Dauer der Kolonieerfassung mit einem UAV
ist kürzer und störungsärmer, als die herkömm-
liche terrestrische Erfassung innerhalb der Kolo-
nie. Da die Daten mit Hilfe von GIS digitalisiert
wurden, sind diese für anschließende Analysen
oder Fragestellungen geeignet. Es besteht weite-
rer Untersuchungsbedarf zur Methodik und zur
Ermittlung von Korrekturfaktoren abhängig von
Bewuchs und Deckung an den Brutplätzen. Wei-
ter ist es sinnvoll, dass UAV-Einsätze über Brut-
kolonien immer von zwei Personen durchgeführt
werden. Damit können Reaktionen der Vögel
frühzeitig erkannt und entsprechend reagiert
werden. Da die Reaktionen art- und situations-
abhängig sind, können detailliert dokumentierte
UAV-Einsätze genutzt werden, um den Schutz-
erfordernissen bei künftigen UAV-Untersuchun-
gen möglichst gerecht zu werden.
Die Nutzung von UAV oder Kleindrohnen im Na-
turschutz ist eine relativ neue Methode, Angaben
berührungsfrei, aus gegebenenfalls schwer zu
erreichenden oder einzusehenden Gebieten zu
erhalten. Wie UAV-gestützte Verfahren auf ein-
zelne Fragestellungen des Naturschutzes ange-
wendet werden können, gilt es in vielen Fällen
noch zu klären. Dabei können Erkenntnisse aus
unterschiedlichen Anwendungsbeispielen für
künftige Untersuchungen als eine Grundlage
dienen.
Dank
Unser Dank gilt Peter Ulbrich (Ranger im Bio-
sphärenreservat „Oberlausitzer Heide- und
Teichlandschaft“) für die Bedienung des UAV
während der Untersuchung und Dr. Detlef Tolke
(Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und
Landwirtschaft, Fachbereich „Messnetz Natur-
schutz“) für Hinweise und Anregungen bei der
Erstellung des Manuskriptes.

24
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Autoren
Christoph Gerber
Eisenacher Str. 40
01277 Dresden
christoph.gerber2@gmx.de
Dr. Jana Zschille
Technische Universität Dresden
Professur für Forstzoologie
Pienner Str. 7
01737 Tharandt
jana.zschille@tu-dresden.de
Dirk Weis
Staatsbetrieb Sachsenforst
Biosphärenreservat Oberlausitzer
Heide- und Teichlandschaft
Warthaer Dorfstr. 29
02694 Malschwitz OT Wartha
dirk.weis@smul.sachsen.de
Dr. Winfried Nachtigall
Förderverein Sächsische
Vogelschutzwarte e.V.
Park 4
02699 Neschwitz
winfried.nachtigall@
vogelschutzwarte-neschwitz.de

26
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 61. Jahrgang 2020 Seite 26 – 49
Der Feuersalamander (Salamandra
salamandra) in der Nationalparkregion
Sächsische Schweiz - Populationsschätzung und
Gefährdungsursachen im Struppengrund bei Pirna
Kristin Trentzsch, Ulrich Walz, Lisa Schäfer, Jürgen Phoenix
Abb. 1: Adulter Feuersalamander im Struppenbach
Foto: K. Trentzsch
Zusammenfassung
Amphibien wie der Feuersalamander (
Salaman-
dra salamandra
) haben durch den Wechsel zwi-
schen verschiedenen Teil-Lebensräumen im
Jahreslauf eine ganz eigene Populationsdynamik.
Um diese erfassen zu können, sind Untersuchun-
gen sowohl der aquatischen als auch der Land-
lebensräume notwendig. Im Struppengrund,
welcher Teil des Landschaftsschutzgebietes
(LSG) Sächsische Schweiz ist, existiert die größte
in der Sächsischen Schweiz bekannte Feuersala-
manderpopulation. Bisherige Untersuchungen in
diesem Gebiet ermöglichten nur Teileinblicke in
diese Population. Daher war es Ziel zweier Ba-
chelorarbeiten (T
renTzsch
2019 und
schäFer
2019),
weitere Kenntnisse über die Population und das
Habitat im Struppengrund zu gewinnen. Hierbei
stand die Populationsschätzung und -entwick-
lung im Fokus der Arbeiten. Bei nächtlichen Be-
gehungen wurden im Rahmen einer quantitati-
ven Erfassung im Zeitraum von April bis Juli 2018
die Feuersalamanderlarven im Struppenbach
gezählt. Auf Basis der höchsten erhobenen Lar-
venzahl erfolgte die Populationsschätzung für
die geschlechtsreife Population im Untersu-
chungsgebiet.
Die in dieser Arbeit vorgestellten Ergebnisse be-
legen die grundlegende Eignung des Struppen-
grundes als Habitat für den Feuersalamander
und des Struppenbachs als Laichgewässer. An-
hand der langjährig am Amphibienzaun entlang
der Ortsverbindungsstraße zwischen Struppen
und Obervogelgesang erfassten Daten konnten
auch die Populationsentwicklung untersucht und
der Feuersalamander im Landlebensraum nach-
gewiesen sowie für die Wanderung genutzte
Bereiche aufgezeigt werden.
Die Populationsschätzung ergab eine Populati-
onsgröße von 117 bis 934 geschlechtsreifen
Individuen im Struppengrund. Im Bestandstrend
sind Schwankungen der Populationsentwicklung
zu erkennen. Diese beruhen auf natürlichen Ver-
änderungen in der Population, aber auch auf
exogenen Faktoren, welche die Population mit-
unter stark beeinflussen. Hierzu gehört insbe-
sondere der starke und plötzliche Hochwasser-
abfluss aus den oberhalb liegenden landwirt-
schaftlich genutzten Gebieten insbesondere
nach Starkregen- und Hochwasserereignissen.
So wird vor allem der Reproduktionserfolg stark
beeinflusst, wie der im Jahr 2018 erfasste Verlust
von 92 Prozent der Larven dokumentiert. Doch
auch im Landlebensraum sind die Feuersalaman-
der Gefährdungen ausgesetzt. Dies zeigt sich
unter anderem in den Verlusten durch den Stra-
ßentod. Die im Rahmen der Untersuchungen
dargestellten Gefährdungen für die Feuersala-
mander erfordern die Umsetzung von geeigneten
Schutzmaßnahmen, wie beispielsweise einer

image
|
27
dauerhaften Amphibienschutzanlage, um den
Fortbestand der Population im Struppengrund
langfristig zu sichern.
1 Einleitung
Deutschland trägt für den weltweiten Erhalt des
Feuersalamanders eine besondere Verantwor-
tung. In Sachsen steht der Feuersalamander auf
Stufe 2 der Roten Liste (stark gefährdet) und
unterliegt hier, neben Hessen, dem höchsten
Gefährdungsgrad (h
auPT
et al. 2009). Das Vor-
kommen des Feuersalamanders konzentriert sich
hier auf das Einzugsgebiet der oberen Elbe (z
ö-
Phel
&
sTeFFens
2002). Zu diesem Gebiet, in dem
der Feuersalamander weitestgehend zusammen-
hängend verbreitet ist, gehören insbesondere die
Sächsische Schweiz und die Dresdner Elbtalwei-
tung sowie die direkt angrenzenden Bereiche des
Mulde-Lösshügellandes und des Osterzgebirges
(T
hiesMeier
2004). In der Sächsischen Schweiz ist
der Feuersalamander zwar eine selten zu beob-
achtende, aber charakteristische Art (a
uGsT
&
rieBe
2003).
Der Feuersalamander hatte in Sachsen früher
eine größere Verbreitung (z
öPhel
&
sTeFFens
2002).
In der Sächsischen Schweiz war er früher weiter
verbreitet und ist in den letzten Jahrzehnten
auch in der Häufigkeit stark zurückgegangen
(a
uGsT
&
rieBe
2003). Zu finden ist der Feuersa-
lamander unter anderem in den Nebentälern des
Kirnitzschtales, des Polenztales und des Sebnitz-
tales (M
ehnerT
2001). Eines der besten Vorkom-
men des Feuersalamanders in der Region befin-
det sich im Struppengrund (a
uGsT
&
rieBe
2003,
uhleMann
2018). Nach gegenwärtigem Kenntnis-
stand ist hier mit über einhundert Tieren die
individuenstärkste Feuersalamanderpopulation
der gesamten Sächsischen Schweiz zu finden.
Nach
BernoTaT
&
dierschke
(2016) gehört der Feu-
ersalamander unter den heimischen Amphibien
zu den Arten mit der höchsten populationsbio-
logischen Sensitivität. Dabei wird das Larvensta-

28
dium als sensibelstes Entwicklungsstadium ein-
gestuft, welches die Individuenzahl adulter Tiere
in der Population bestimmt (T
hiesMeier
2004).
Daher ist es notwendig, auch bestehende Popu-
lationen regelmäßig in ihrem Bestand zu über-
prüfen, um Aufschluss über die Stabilität der
Population und die aktuellen Verhältnisse in
ihrem Lebensraum zu bekommen. Langjährige
Zählungen am Amphibienzaun im Struppen-
grund geben Einblicke in die Population, wurden
aber bisher nicht für umfangreichere Auswer-
tungen herangezogen.
Ziel der hier vorgestellten Arbeiten war es, mit
neuen Untersuchungen im Struppengrund den
bisherigen Kenntnisstand über die dortige Feu-
ersalamanderpopulation durch aktuelle Erkennt-
nisse zu ergänzen und zu erweitern. Fragestel-
lungen waren:
Wie ist der Bestand eines der wichtigsten
Vorkommen des Feuersalamanders in der
Nationalparkregion Sächsische Schweiz in
seiner Entwicklung einzuschätzen?
Welche Gefährdungen für die Population
sind im Untersuchungsgebiet ersichtlich?
Welche Maßnahmen sollten zum Erhalt der
Population getroffen werden?
Dazu wurde zum einen eine Abschätzung der
Populationsgröße und -entwicklung im Strup-
pengrund vorgenommen (T
renTzsch
2019). Zum
anderen wurde das gesamte Einzugsgebiet (EZG)
hinsichtlich der aktuell vorhandenen Biotope
und Landschaftsveränderungen untersucht und
eine Gefährdungsanalyse durchgeführt (s
chäFer
2019).
2
Struppenbach und Struppengrund
als Lebensraum des Feuersalamanders
In Mittel- und Osteuropa hat der Feuersalaman-
der sein Vorkommen in feuchten Laubmischwäl-
dern (G
landT
2015), bevorzugt in Buchen- und
Buchenmischwäldern (T
hiesMeier
2004). Während
sich im Tiefland meist nur isolierte Vorkommen
finden, kommt er im Mittelgebirge häufig vor
(G
landT
2015).
Der Feuersalamander bevorzugt ein kühl-feuch-
tes, schattiges und windstilles Mikroklima (k
le-
Wen
1991). Als Tagesverstecke werden Strukturen
wie Felsspalten, Steinplatten, Bauten von Klein-
säugern, Baumstümpfe, Totholz und Falllaub
genutzt (k
leWen
1991,
ThiesMeier
1994).
Die Larven des Feuersalamanders werden vor
allem in schattige Quellbäche mit Ruhigwasser-
zonen abgesetzt (G
landT
2015,
ThiesMeier
2004).
Zudem werden Tümpel, Pfützen, Wegerinnen und
ähnliche Kleingewässer genutzt (G
landT
2015,
kleWen
1991). Die Laichgewässer zeichnen sich
durch klares, nährstoffarmes, acht bis neun Grad
Celsius kaltes Wasser aus (k
leWen
1991). Gemäß
ThiesMeier
(1992) ist das Vorkommen der Feuer-
salamanderlarven charakteristisch für fischfreie
Bachabschnitte.
Der Struppenbach ist ein Gewässer 2. Ordnung,
welches in die Elbe mündet. Er entspringt ober-
halb von Struppen auf einer Höhe von etwa
252 m ü. NN und mündet nach rund vier Kilo-
metern auf einer Höhe von etwa 116 m ü. NN in
die Elbe. Der längste Bachabschnitt mit 2.400 m
verläuft durch die Ortslage Struppen. Anschlie-
ßend durchläuft er mit einer Länge von 1.150 m
den Struppengrund. Die letzten 450 m bis zur
Mündung in die Elbe führen durch die Ortschaft
Obervogelgesang. Das mittlere Sohlgefälle be-
trägt 3,4 Prozent, wobei das Gefälle im Unterlauf
mit 4,5 Prozent etwas steiler ist (IWB 2013). Das
Einzugsgebiet mit einer Größe von 8,6 km
2
ge-
hört zu weiten Teilen zum Landschaftsschutz-
gebiet Sächsische Schweiz als Teil der gleich-
namigen Nationalparkregion. Gegenstand der
Populationsuntersuchung (T
renTzsch
2019) war
ein Abschnitt des Struppengrundes zwischen den
Ortschaften Struppen und Obervogelgesang
(Abb. 2).
Der Struppengrund verfügt über eine vielfältige
Naturausstattung, wobei er insbesondere durch

image
image
|
29
steilen Fels und durch Wald charakterisiert ist
(Abb. 3). Werden die Waldgrenzen als Begren-
zung für den Struppengrund zugrunde gelegt,
umfasst das Gebiet etwa 36 Hektar.
Der Struppenbach weist in seinem Verlauf im
Struppengrund abschnittsweise einen leicht mä-
Abb. 2: Lage des Untersuchungsgebietes mit Einzugsgebiet des Struppenbaches (rot-weiße Linie) und genauer
untersuchtem Abschnitt des Struppenbachs im Struppengrund (blauer Rahmen).
(Bearbeitung: U. Walz, L. Schäfer; Quelle Luftbild: GeoSN 2015 DOP (
©
) Staatsbetrieb Geobasisinformation und
Vermessung, Genehmigungsnr. 7456/2017)
Abb. 3: Blick in den Struppengrund mit den bewaldeten Steilhängen. Die Aufnahme erfolgte im Juni 2018
bei niedrigem Wasserstand des Struppenbaches.
Foto: K. Trentzsch

image
image
30
andrierenden Verlauf auf. Das Bachbett ist so-
wohl sandig als auch kiesig bis steinig. In hoher
Zahl befinden sich innerhalb und angrenzend
zum Bach größere und kleinere Steine (siehe
Abb. 4). Dadurch entstehen Bereiche mit unter-
schiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten.
Neben strömungsberuhigten Wasserbereichen
(siehe Abb. 11) gibt es Abschnitte mit erhöhten
Strömungsgeschwindigkeiten und kleinere Was-
serfälle (siehe Abb. 12). Ein größerer Wasserfall
an der unteren Waldgrenze bei Obervogelgesang
stellt eine natürliche Grenze für die Verbreitung
von Fischen dar (siehe Abb. 4), sodass der Strup-
penbach oberhalb dieses Wasserfalls über eine
fischfreie Zone verfügt.
3
Material und Methoden
3.1 Populationsschätzung des
Feuer salamanders (T
renTzsch
2019)
Als Basis für die Populationsschätzung diente
die Erfassung der Feuersalamanderlarven im
Struppengrund im Zeitraum April bis Juli 2018.
Hierfür wurden regelmäßige Begehungen ent-
lang eines etwa 370 m langen Abschnittes des
Struppenbachs durchgeführt. Dieser Bachab-
schnitt verläuft parallel zu einem oberhalb des
Hanges jährlich in den Monaten März bis Okto-
ber beidseitig entlang der Ortsverbindungsstraße
zwischen Struppen und Obervogelgesang auf-
gebauten Amphibienzauns (vgl. Abb. 5).
Abb. 4: Struppenbach im Struppengrund. Sowohl am Uferrand als auch im Bachbett befinden sich zahlreiche Steine
(links). Wasserfall im Struppengrund, der auf Grund seiner Höhe eine Grenze für die Verbreitung von Fischen
darstellt (rechts).
Fotos: K. Trentzsch

image
image
|
31
Sowohl die Hin- als auch Rückwanderung der
Amphibien werden aktuell durch die Zaunbetreu-
erin dokumentiert. Für diese Untersuchung stan-
den Zählformulare aus den Jahren 1999 bis 2018
zur Verfügung, sodass auch Aussagen zur Popu-
lationsentwicklung abgeleitet werden konnten.
Für die vorliegende Untersuchung wurden sechs
Begehungen zur quantitativen Erfassung der Feu-
ersalamanderpopulation durchgeführt. Sämtliche
Begehungen wurden in der Nacht vorgenommen,
da sich in der Dunkelheit sowohl die Larven
am Bodengrund bei der Jagd nach Beutetieren,
als auch die adulten Feuersalamander beobach-
ten lassen (T
hiesMeier
2004). Hierfür wurde die
Bachsohle mit einer lichtstarken Taschenlampe
(MAG-LITE LED) systematisch ausgeleuchtet. Die
Populationsschätzung basiert auf einer Berech-
nung mittels dieser erhobenen Abundanzen
1
der
Feuersalamanderlarven im Struppenbach, da
über die Anzahl der Larven Rückschluss auf die
1
Wird im Folgenden von der Abundanz der Larven ge-
sprochen, bezieht sich diese auf die Anzahl der Larven
im untersuchten Bachabschnitt des Struppenbachs.
Anzahl der geschlechtsreifen Weibchen gezogen
werden kann.
Die pro Weibchen abgesetzte Larvenanzahl ist
abhängig vom Alter der Weibchen sowie von
ihrem physiologischen Zustand und somit gro-
ßen Schwankungen unterworfen (T
hiesMeier
&
GünTher
2009). Im Vergleich der Literaturangaben
zeigte sich daher, dass die Angaben über die Lar-
venzahl zum Teil sehr stark differieren, beispiels-
weise bei
BlaB
&
voGel
(2002) 20 bis 40, selten
über 70;
GlandT
(2015) 20 bis 30;
kleWen
(1991)
4 bis 75;
ThiesMeier
(1990) 16 bis 41. Aus diesem
Grund wurde für die Berechnung der Anzahl der
geschlechtsreifen Feuersalamanderweibchen mit
einer minimalen (4) sowie einer maximalen (75)
Anzahl an abgesetzten Larven pro Weibchen
gerechnet. Weiterhin wurde für die Berechnung
der Durchschnittswert aus den verschiedenen
Literaturangaben gebildet, der bei 32 abgesetz-
ten Larven pro Weibchen liegt. Als Abundanz der
erfassten Feuersalamanderlarven im Struppen-
bach wurde die höchste erhobene Anzahl für die
Berechnung verwendet.
Abb. 5: Amphibienzaun beidseitig der Ortsverbindungsstraße zwischen Struppen und Obervogelgesang (links) und
eingegrabener Fangeimer (rechts).
Fotos: K. Trentzsch

32
Die Anzahl der geschlechtsreifen Feuersalaman-
derweibchen im Untersuchungsgebiet wurde wie
folgt berechnet:
terquartiere für die Feuersalamander dienen
können. Die restliche Fläche, die weiter entfernt
vom Struppengrund liegt, wurde teilweise weni-
ger detailliert (das heißt, lediglich bis zur Bio-
topgruppe eingeteilt) aufgenommen.
4
Ergebnisse und Diskussion
4.1 Populationsschätzung des
Feuersalamanders im Struppengrund
Die Anzahl der erfassten Larven differierte zwi-
schen den einzelnen Begehungen. So wurden bei
der ersten Begehung im April 131 Feuersalaman-
derlarven gezählt. Bereits zwei Wochen später
war ein Anstieg auf 1.164 Larven zu verzeichnen.
Eine erneute Zunahme der Abundanz zeigte sich
Anfang Mai mit 1.668 Larven, was die maximal
erfasste Zahl darstellt.
Wird mit der gemäß Literaturquellen minimalen
Anzahl abgesetzter Larven pro Weibchen ge-
rechnet (siehe Tab. 1), liegt im Untersuchungs-
gebiet die tatsächliche Anzahl an geschlechts-
reifen Weibchen zwischen 52 und 417.
Um zudem eine Schätzung für die Anzahl der
geschlechtsreifen Männchen durchführen zu
können, wurde gemäß
seiFerT
(1991) von einem
Geschlechterverhältnis der Weibchen zu den
Männchen mit 1 : 1,24 in der Feuersalamander-
population ausgegangen. Demnach liegt die
Schätzung für die geschlechtsreife Feuersala-
manderpopulation im Struppengrund zwischen
117 und 934 Individuen. Mit Hilfe der Ergebnisse
Tab. 1: Berechnung der Anzahl an geschlechtsreifen Feuersalamanderweibchen im Struppengrund anhand der
höchsten Anzahl der erfassten Feuersalamanderlarven sowie der minimalen, maximalen und durchschnittlichen
Anzahl abgesetzter Larven pro Weibchen gemäß den Literaturquellen.
Anzahl abgesetzter Larven
pro
gemäß Literaturquellen
höchste Anzahl erfasster
Feuersalamanderlarven
berechnete Anzahl
geschlechtsreifer
♀♀
Minimum
4
1.668
22
Maximum
75
417
Durchschnitt
32
52
Daraus ergaben sich drei Werte für die berech-
nete Anzahl der geschlechtsreifen Weibchen im
Struppengrund: die durchschnittliche, die mini-
male und die maximale Anzahl an geschlechts-
reifen Feuersalamanderweibchen.
3.2 Biotopkartierung des Einzugsgebietes
und Gefährdungsursachen
(s
chäfer
2019)
Die Biotope wurden nach der Biotoptypenliste
für Sachsen von
Buder
&
uhleMann
(2004) kar-
tiert. Diese wurde um die folgenden Biotope
eigenständig erweitert: „Aufforstung (Erstauf-
forstung)“, „Gewässerbegleitende Gehölze“,
„Sonstige Felsblöcke“, „Felswand, Bruchkante“,
„Unverfugte Treppe“, „Sonstige anthropogene,
unverfugte Mauer (Gabione,…)“ und „Strom-
trasse“. Im Struppengrund wurde besonderes
Augenmerk auf Trockenmauern, unverfugte Trep-
pen und große Felsen gelegt, da diese als Win-
Anzahl
geschlechts-
reifer
♀♀
=
höchste Anzahl
erfasster Larven
min./max./durchschnittl.
Anzahl abgesetzter
Larven pro

|
33
aus den Untersuchungen von
uhleMann
(2018)
im Breiten Grund bei Tharandt kann zudem spe-
kulativ auf die Anzahl der nicht geschlechtsrei-
fen Tiere geschlossen werden. Hier wurde ein
Anteil von 23,5 Prozent für die sich nicht repro-
duzierenden Tiere ermittelt. Wird mit diesem
Prozentwert gerechnet, ergibt sich eine Schät-
zung der Gesamtpopulation von 144 bis 1.153
Feuersalamandern im Struppengrund, was einer
Abundanz von 4 bis 32 Tieren/Hektar entspricht.
Bei dem Vergleich der Populationsgröße im
Struppengrund mit anderen untersuchten Popu-
lationen in Deutschland (vergleiche Tab. 2) zeigt
sich, dass es sich im Struppengrund um eine eher
kleine Population handelt.
Durch den Vergleich der geschätzten Zahlen mit
den am Amphibienzaun erfassten Daten zeigt
sich, dass sowohl die geringste (133 Tiere im Jahr
2010) als auch die höchste (330 Tiere im Jahr
2004) Gesamtzahl der am Amphibienzaun er-
fassten Feuersalamander im Bereich der Popu-
lationsschätzung liegen. Dabei ist jedoch zu
beachten, dass die Schätzung die Individuenzahl
angibt. Die erfasste Anzahl der Feuersalamander
am Amphibienzaun ist jedoch nicht mit der In-
dividuenzahl gleichzusetzen, da ein Wiederfang
einzelner Tiere am Zaun nicht ausgeschlossen
werden kann. Zugleich kann nicht davon ausge-
gangen werden, dass mittels Amphibienzaun alle
Individuen einer Population erfasst werden, da
Wanderungen auch außerhalb des Wirkbereiches
des Zaunes stattfinden können. Unter Berück-
sichtigung dieser Aspekte kann dennoch davon
ausgegangen werden, dass die Schätzung eine
realistische Populationsgröße für die geschlechts-
reifen Feuersalamandermännchen und -weib-
chen im Untersuchungsgebiet abbildet. Dabei
wird die Orientierung am unteren Bereich der
Schätzung als sinnvoll erachtet.
Die Schätzung der geschlechtsreifen Feuersala-
manderweibchen kann zudem mit der Anzahl der
Feuersalamander verglichen werden, welche am
Amphibienzaun bei der Wanderung in Richtung
des Baches erfasst wurden. Hierzu wurden die
Zahlen der Anwanderung aus den Monaten März
bis Mai herangezogen, da es sich in diesem Zeit-
raum mit hoher Wahrscheinlichkeit um Weibchen
handelt, die zum Struppenbach wandern, um
dort ihre Larven abzusetzen. Je nach Erfassungs-
jahr liegt die Anzahl der Richtung Laichplatz
wandernden Tiere unter- oder innerhalb der
Schätzung. In zwei Jahren wurden am Amphibi-
Tab. 2: Ergebnisse der Untersuchungen zur Abundanz beziehungsweise zur Populationsgröße
einzelner Feuersalamanderpopulationen in Deutschland.
(*die bisher größte dokumentierte Feuersalamanderpopulation in Sachsen)
Untersuchungsgebiet
Abundanz /
Populationsgröße
Quelle
Empertal (Kreis Paderborn)
80 Tiere/Hektar
Klewen (1985)
Felderbachtal
(Niederbergisches Land)
49 Tiere/Hektar
Thiesmeier (1988)
Waldecker Schlossgrund (Ostthüringen)
196 Tiere/Hektar
seiferT (1991)
Bienhorntal
(Koblenzer Stadtgebiet)
4.212 Tiere/Hektar
Börder
et al. (2011)
Breiter Grund (Tharandter Wald)*
4.145 ± 357 Tiere
Uhlemann
(2018)

image
image
image
34
enzaun lediglich 39 beziehungsweise 49 anwan-
dernde Tiere erfasst. Die Anzahl der Anwande-
rungen, welche innerhalb der Schätzung liegen,
bewegen sich mit 56, 74 und 78 Tieren an der
unteren Grenze der Schätzung. Dies entspricht
dem Ergebnis des Vergleiches der Schätzung der
gesamten geschlechtsreifen Feuersalamander-
population mit den Gesamtfangzahlen am Am-
phibienzaun.
4.2 Entwicklung der Feuersalamander-
population im Struppengrund
Dem Feuersalamander wird eine hohe Ortstreue
zugeschrieben (F
eldMann
1987). Dies setzt jedoch
voraus, dass die notwendigen Bedingungen für
das Vorkommen und den Erhalt der Population
gegeben sein müssen. Durch die Datenerfassung
am Amphibienzaun ist das Vorkommen der Art
über mehrere Jahre im Struppengrund zweifels-
frei dokumentiert. Es zeigt sich aber auch, dass
die Entwicklung der Population im Laufe der
Jahre Schwankungen unterlag. Schwankungen
in der Populationsentwicklung können auf na-
türlichen Veränderungen der Populationsdyna-
mik, dem Tod von Alttieren sowie dem Eintritt in
die Geschlechtsreife der adulten weiblichen
Feuersalamander beruhen (s
eiFerT
1991). Auch
exogene Faktoren wie Veränderungen im Lebens-
raum, Nahrungsangebot, Prädatorenhäufigkeit
und klimatische Verhältnisse beeinflussen die
Entwicklung einer Population (h
achTel
et al.
2006). Der Blick auf die am Amphibienzaun im
Struppengrund gezählten Feuersalamander zeigt
starke Veränderungen, das heißt Abnahmen in
den Jahren 2003, 2005, 2009, 2010, 2012 und
2013.
Zu solchen Schwankungen gehören unterschied-
liche Fangergebnisse in den jeweiligen Erfassungs-
jahren infolge von verschiedenem Wettergesche-
hen (s
eiFerT
1991). Um die Entwicklung der Popu-
lation insgesamt besser erkennen zu können,
wurde der Bestandstrend über die Bildung des
gleitenden Mittelwertes dargestellt (Abb. 7). Dabei
wird eine Verringerung der Anzahl der Feuersala-
mander ersichtlich. Nachdem, ausgehend von den
gleitenden Mittelwerten, im Jahr 2011 der Tiefst-
wert erreicht wurde, ist ab 2012 wieder ein steter
Anstieg der Bestandszahlen zu erkennen.
Der Bestandstrend verdeutlicht, dass über viele
Jahre eine Abnahme der Feuersalamanderpopu-
lation zu verzeichnen war. Dennoch scheint
die Population in der Lage zu sein, sich zu rege-
nerieren.
Solche Bestandsschwankungen zeigen sich auch
Abb. 6: Junge Kiemenlarve des Feuersalamanders (links), Metamorphling (Mitte) und juveniler Feuersalamander
(rechts, Größe des Tiers etwa 7 cm)
Fotos: K. Trentzsch

image
|
35
in anderen, zum Teil langjährigen Untersuchun-
gen.
seiFerT
(1991) untersuchte über neun Jahre
hinweg eine Population im ostthüringischen
Raum. Dabei ergab sich eine rückläufige Be-
standsentwicklung, die er auf die hohe Mortali-
tät der juvenilen Salamander zurückführt. Da-
durch erreichen zu wenige Jungtiere die Alters-
gruppe der Adulten, um den jährlichen Verlust
von sterbenden Alttieren ausgleichen zu können.
Zugleich erreichen selbst ohne den Einfluss von
Starkregen und Hochwasser weniger als die
Hälfte aller abgesetzten Feuersalamanderlarven
die Metamorphose. All dies birgt seiner Meinung
nach die Gefahr einer permanenten Bestandsre-
duzierung (s
eiFerT
1991). Auch im Struppengrund
können die verstärkten Auswirkungen von Hoch-
wasser- und Starkregenereignissen (IWB 2013)
zum Bestandsrückgang beigetragen haben. Die-
ser negative Einfluss konnte bei den Erfassungen
im Jahr 2018 dokumentiert werden. Denn durch
ein Starkregenereignis im Mai 2018 kam es zu
einem Verlust an Feuersalamanderlarven von 92
Prozent in Folge von Verdriftung.
Die Entwicklung einer Population zeigt sich nicht
nur im Vergleich der Daten verschiedener Jahre,
sondern kann auch innerhalb eines Jahres als phä-
nologische Entwicklung dargestellt werden. Es
handelt sich hierbei um jahreszeitlich fixierte Ver-
haltensweisen (s
eiFerT
1991). Die Daten vom Am-
phibienzaun ermöglichten ab dem Jahr 2014 die
Darstellung der phänologischen Entwicklung der
juvenilen und adulten Feuersalamander. Bei den
adulten Feuersalamandern ergeben sich daraus
zwei Hauptaktivitätszeiten. Die erste findet im
Frühjahr, vor allem in den Monaten April und Mai,
statt. Diese Aktivitätsphase fällt mit der Laichzeit
zusammen. Die zweite Hauptaktivitätszeit der
Feuersalamander ist im Herbst. Dies wird auch
durch
seiFerT
(1991) bestätigt, welcher die Monate
September und Oktober als zweite Hauptaktivi-
tätsphase nennt. Die erhöhte Aktivität ist wohl auf
das Aufsuchen der Winterquartiere zurückzufüh-
ren (T
hiesMeier
2004,
Brunken
2004).
Bei den juvenilen Tieren zeigt sich im Vergleich
mit den adulten Tieren eine etwas andere phä-
nologische Entwicklung. Ein ausgeprägtes Akti-
vitätsmaximum ist im Frühjahr nicht zu erken-
nen. Die Hauptaktivität scheint hier eher im
Herbst zu liegen. Nach der Vollendung der Me-
tamorphose erfolgt der Landgang der juvenilen
Feuersalamander. Das Maximum kann somit auf
die Abwanderung der Jungtiere vom Gewässer
zurückgeführt werden.
Abb. 7: Bestands-
trend für den
Feuersalamander im
Struppengrund auf
Basis der Ergebnisse
der Zählformulare
des Amphibienzauns
aus den Jahren 1999
bis 2018. Darstellung
der Rohdaten sowie
als gleitender Mit-
telwert 6. Ordnung.
(Bearbeitung:
K. Trentzsch)

image
36

image
image
|
37
4.3 Eignung des Struppengrundes als
Lebensraum für den Feuersalamander
Im Ergebnis der Biotopkartierung wurden im
gesamten Einzugsgebiet 52 verschiedene Bio-
toptypen erfasst. Dabei werden rund 55 Prozent
(4,73 km²) als Acker und 18,4 Prozent (1,59 km²)
als Grünland genutzt. Gehölze wie Wälder und
Hecken nehmen 11,7 Prozent (knapp 1 km²) und
die Siedlungsgebiete 15 Prozent (1,3 km²) ein.
Im genauer betrachteten Bachabschnitt im
Struppengrund und dessen Umgebung konnten
auf beiden Seiten des Baches mögliche Verstecke
für Feuersalamander erfasst werden. Insgesamt
wurden 16 Trockenmauern (siehe Abb. 9) mit
einer Gesamtlänge von 516 m, fünf unverfugte
Treppen mit einer Länge von insgesamt 192 m
und drei Gabionen („Sonstige anthropogene,
unverfugte Mauer“) mit einer Länge von insge-
samt 123 m digitalisiert. Zudem wurde eine Flä-
che von zusammen rund 11.700 m² als „Sonstige
Felsblöcke“ eingeteilt. Im gesamten Struppen-
grund gibt es weitere Felsblöcke, vor allem ent-
lang der Felswände auf beiden Seiten des Ba-
ches. Weitere Versteckmöglichkeiten für Feuer-
salamander, wie Erdlöcher unter Altbäumen und
Totholz, konnten ebenfalls im Struppengrund
nachgewiesen werden. Des Weiteren hebt sich
eine mit Fichten bepflanzte Fläche linksseitig
bachabwärts zum Siedlungsgebiet hin von der
restlichen Vegetation ab.
Der Hainbuchen-Eichenwald mit anstehendem
Fels bietet einen hervorragenden Landlebens-
raum für die juvenilen und adulten Tiere des
Feuersalamanders. Der nahegelegene Struppen-
bach dient als Laichplatz und als aquatischer
Lebensraum für die Larven bis zum Abschluss
ihrer Metamorphose. Auf Grund der teils gerin-
gen Strömungsgeschwindigkeit, der ausreichen-
den Wassertiefe sowie der zahlreichen Versteck-
möglichkeiten der Larven im Bach durch Steine
und Felsen sowie Laub ist der Struppenbach ein
ideales Habitat für Feuersalamanderlarven (ver-
gleiche
ThiesMeier
1992). Zudem gibt es durch den
größeren Wasserfall eine gute räumliche Tren-
nung zwischen der Salamander- und Forellen-
zone, wodurch die Larven oberhalb der Forellen-
zone vor Prädation durch Fische geschützt sind.
Dennoch besteht die Gefahr der Verdriftung in
diese Forellenzone.
Bei den nächtlichen Begehungen wurde neben
den Feuersalamanderlarven auch die Begleit-
Abb. 8: Biotopkartierung des Einzugsgebietes
des Struppenbaches. (Bearbeitung: L. Schäfer)
DOP (c) Staatsbetrieb Geobasisinformation und
Vermessung, Genehmigungsnr. 7456/2017
Abb. 9: Natursteintreppe und Trockenmauer als mögliche Verstecke für Feuersalamander (rechts) und Blick auf den
südwestexponierten Hang vom Struppengrund mit Felswand und Felsblöcken (links), die als mögliche Quartiere
für den Feuersalamander dienen können.
Fotos: L. Schäfer

image
image
38
fauna im Struppenbach erfasst. Hierbei wurden
unter anderem in großer Zahl Flohkrebse
(Amphipoda) sowie Larven von Eintagsfliegen
(Ephemeroptera) beobachtet, die laut
GlandT
(2015) und
ThiesMeier
(2004) den Feuersalaman-
derlarven als Nahrungsquelle dienen. Generell
haben die Anzahl der Beutetiere sowie eine per-
manente Wasserführung und die Bachtiefe einen
positiven signifikanten Effekt auf das Vorkom-
men von Feuersalamanderlarven in einem Ge-
wässer (h
annaPPel
&
schieFenhövel
2013). All diese
Faktoren sind unter normalen Umständen im
Struppenbach gegeben.
4.4 Landschaftsveränderungen im
Einzugsgebiet
Das gesamte Einzugsgebiet unterlag in den letz-
ten Jahrzehnten starken landschaftsstrukturellen
Veränderungen. Insbesondere im Offenlandbe-
reich wurde die ehemals kleinstrukturierte Ag-
rarlandschaft in großflächige Schläge umgewan-
delt. In der Zeit um 1940 zeigt der Landschafts-
ausschnitt noch kleinflächig gegliederte Agrar-
landschaft, die durch eine Vielzahl an Flurwegen
mit entsprechenden Säumen, kleine Stillgewäs-
ser und Grünland in Geländemulden geprägt ist.
Heute sind dort große Ackerschläge zu finden,
die keine Rücksicht auf solche Kleinstrukturen
und die Topographie nehmen. Durch das Fehlen
dieser Strukturen und der damit verbundenen
Rückhaltung von Niederschlägen kommt es folg-
lich zu massiven Oberflächenabflüssen, teils
auch schon nach kurzen Gewitterereignissen,
wobei das Wasser direkt in den Struppengrund
abgeführt wird (siehe Abb. 16-22 im Anhang).
4.5 Gefährdungen und Maßnahmen
4.5.1 Gefährdung
Die Untersuchungen im Struppengrund haben
gezeigt, dass Gefährdungen der Feuersalaman-
derpopulation im Untersuchungsgebiet sowohl
den Landlebensraum der adulten und juvenilen
Tiere als auch den aquatischen Lebensraum der
Larven betreffen.
Während der Freilandarbeit im Jahr 2018 erwie-
sen sich vor allem die Starkregenereignisse mit
Abb. 10: Landschaftsveränderungen in der Agrarfläche oberhalb des Struppengrundes.
Links vor 1945, rechts aktuell. (Bearbeitung: L. Schäfer)
DOP (c) Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung, Genehmigungsnr. 7456/2017

|
39
anschließendem starken, schnell ansteigendem
Hochwasser als große Gefahrenquelle für den
Fortbestand der Population. Für den Struppen-
bach sind auch in den Jahren 2010 und 2012
Starkregenereignisse bekannt, die für erhebliche
Zerstörungen im Gewässerbett gesorgt haben
(IWB 2013). Die große Gefahr, die von solchen
Ereignissen ausgeht, wird auch in zahlreichen
anderen Studien beschrieben (h
annaPPel
&
schie-
Fenhövel
2013,
seiFerT
1991,
conrady
&
rees
2007,
Börder
et al. 2011).
seiFerT
(1991) berichtet, dass
aus normalerweise nicht sehr wasserreichen Bä-
chen durch Starkregen innerhalb von kurzer Zeit
reißende Wildbäche werden können, wodurch
sich das Bachbett oft stark verändert. Bei einer
Begehung am Struppenbach kurz nach einem
solchen Starkregenereignis, bei dem der
schwallartig erhöhte Wasserpegel zu einer deut-
lichen Veränderung des Bachbetts sowie der
Uferbereiche führte, wurden die zum Teil verhee-
renden Folgen ersichtlich. Die großen Wasser-
mengen sowie die erhöhte Strömungsgeschwin-
digkeit sorgten im Bachbett des Struppenbachs
unter anderem für eine Ausspülung der Sedi-
mente wie Sand, Kies und Laub. Selbst größere
Steine wurden durch die Wassermassen trans-
portiert. Der Uferbereich wurde teilweise stark
ausgespült und es kam zu Erdrutschungen. Zu-
sätzlich wurde mit dem Wasser zahlreiches Tot-
holz aber auch Müll in das Gewässer eingetragen.
Die Folge war eine deutlich sichtbare Verände-
rung der Gewässerstruktur.
Gemäß
schMidT
(2009) beeinflussen die Eigen-
schaften der umgebenden Landschaft sowie die
Landnutzung selbst in ein bis zwei Kilometern
Entfernung vom Gewässer das dortige Vorkom-
men von Arten. Die Begehungen der zum Strup-
penbach und -grund angrenzenden Umgebung
verdeutlichte, warum die Auswirkungen der
Starkregenereignisse so drastisch sind. Westlich
und östlich grenzen an den Struppengrund groß-
flächige Ackerflächen an (siehe Abb. 18). Durch
die intensive Bewirtschaftung der Flächen und
der daraus resultierenden starken Bodenverdich-
tung ist die Versickerung des Wassers reduziert,
wodurch auf diesen Flächen ein erhöhter Ober-
flächenabfluss auftritt (z
ahn
&
enGlMaier
2005).
Insbesondere Maisäcker (siehe Abb. 19) fungie-
ren als versickerungshemmende Böden (W
aGner
et al. 2017). Die Hanglage und die angrenzenden
Steilwände des Struppengrundes sorgen für eine
Ableitung des gesammelten Oberflächenwassers
direkt hinab in den Struppenbach (siehe Abb. 22).
Zum Teil wird die Ableitung des Oberflächenwas-
sers von den Ackerflächen auch durch Abfluss-
rohre (siehe Abb. 20) oder durch in den Boden
eingegrabene Abflussrinnen (siehe Abb. 16 und
21) begünstigt. Zusätzlich wird der Oberflächen-
abfluss durch versiegelte Flächen in den Sied-
lungsbereichen und durch die Straßen erhöht
(W
aGner
et al. 2017). Tritt nun ein Starkregener-
eignis nach einer langen Trockenperiode auf, so
wie es im Mai und Juni 2018 der Fall war, führt
dies im Struppenbach zu einer Ansammlung von
enormen Wassermassen, welche in Form einer
Flutwelle durch den Struppengrund strömt. Auch
ThiesMeier
(1992) erklärt, dass in der heutigen Zeit
auf Grund solcher Vorkommnisse das Abfluss-
regime von vielen Fließgewässern gestört ist.
Zudem führt ein hoher Oberflächenabfluss zu einer
geringen Wasserretention im Einzugsgebiet. Da-
durch wird die Pufferfunktion der Böden und ggf.
auch von grundwasserführenden Schichten in
Trockenperioden gemindert. (T
hiesMeier
&
GünTher
2009). Solch eine Trockenheit machte sich im Jahr
2018 auch beim Wasserstand des Struppenbachs
bemerkbar. Im Sommer war der Wasserpegel sehr
niedrig und einzelne zuvor bereits sehr flache
Bachbereiche fielen daraufhin trocken. Da die Lar-
ven des Feuersalamanders an die aquatische Le-
bensweise gebunden sind, kann dies zu einem
starken Verlust führen (G
ünTher
&
olias
2014).
Die Folgen der zuvor beschriebenen Starkregen-
ereignisse sind nicht nur für die Bachstrukturen

40
verheerend, sondern auch für die Feuersalaman-
derlarven im Gewässer. Die Larven sind zwar an
ein Leben im Fließgewässer angepasst, werden
jedoch beim Überschreiten einer kritischen Strö-
mungsgeschwindigkeit abgeschwemmt (a
rnold
1983). Obwohl die Feuersalamanderlarven typi-
sche Bewohner von Fließgewässern sind, besitzen
sie kaum auffallende Anpassungen an die Strö-
mung. Sie verfügen weder über Saugnäpfe noch
über Krallen, um sich an der Bachsohle festhalten
zu können. Auch sind sie nicht in der Lage, wie
Forellen in der Strömung zu schwimmen (T
hies-
Meier
1992). Die Folge ist, dass insbesondere die
jungen Larven bei erhöhter Strömung schnell der
Verdriftung unterliegen. Erfolgt die Verdriftung
über weite Strecken, können die Larven, wie im
Struppenbach möglich, bis in die Forellenregion
gelangen, wo sie meist der Prädation durch Fische
zum Opfer fallen. Die Verdriftung führt letztend-
lich zu einem großen quantitativen Verlust an
Larven, wie es auch bei den hier durchgeführten
Untersuchungen der Fall war. Daher werden
Hochwasser- und Starkregenereignisse im Strup-
pengrund als größte Gefahrenquelle einge-
schätzt. Sollten solche Starkregenereignisse mit
ihren weitreichenden Folgen regelmäßig auftre-
ten, ist es möglich, dass der Reproduktionserfolg
der Feuersalamanderpopulation stark einge-
schränkt wird. Bei den Untersuchungen von
sei-
FerT
(1991) erreichten im Durchschnitt lediglich
19,6 Prozent der abgesetzten Larven die Meta-
morphose. Dies kann im Laufe der Jahre zu einer
kontinuierlichen Abnahme bis hin zum Ver-
schwinden einer Population führen.
PasTors
(1994) bestätigt, dass die Einleitung von Regen-
wasser in kleinere Bachläufe, die als Laich-
gewässer genutzt werden, zu einer Vernichtung
des gesamten Larvenbestandes führen kann.
Weniger dramatische Auswirkungen entstehen
bei längeren Bachläufen, welche über eine gute
Strukturausstattung und ein geringeres Gesamt-
gefälle verfügen (P
asTors
1994). Dies trifft auf
den Struppenbach zu. Somit ist hier trotz eines
verringerten Reproduktionserfolges eine Exis-
tenzgrundlage für die Feuersalamanderpopula-
tion gegeben (vergleiche
PasTors
1994).
Wie bereits erwähnt wurden durch die einge-
spülten Wassermassen auch Totholz und Müll in
das Gewässer eingetragen. Das Totholz hatte sich
meist in größeren Haufen im Gewässerbett an-
gesammelt (siehe Abb. 14). Dadurch wurden
mitunter kleinere Bacharme abgeschnitten.
Gleichzeitig kann Totholz durch eine Erhöhung
der Strukturvielfalt und durch die Ausbildung
von Stillwasserbereichen die Verdriftungsdistanz
der Larven verringern (c
onrady
&
rees
2007). Der
Müll wurde vor allem in Form von Plastikmüll in
den Struppenbach eingetragen. Dabei handelte
es sich um Verpackungsmaterialien, Spielzeug
und sogar Warnbaken von Straßenabsperrungen
(siehe Abb. 15). Neben dem Müll und dem Tot-
holz besteht beim Struppenbach allerdings auch
die Gefahr der Eintragung von Schadstoffen. Da
ein großer Teil des eingespeisten Wassers von
den oberhalb gelegenen Ackerflächen kommt,
besteht die Möglichkeit, dass von dort Schad-
stoffe wie zum Beispiel Herbizide und Insektizide
(vergleiche
WaGner
&
hendler
2015) eingetragen
werden. Diese können sich schädlich auf die Ent-
wicklung der Feuersalamanderlarven auswirken
sowie negative Folgen für die Begleitfauna
haben (W
aGner
&
hendler
2015).
Eine weitere Gefahr für die Feuersalamanderlar-
ven geht von Fressfeinden aus. Laut
ThiesMeier
(2004) gehören hier unter anderem Molche dazu.
Da während der nächtlichen Begehungen Berg-
molche im Struppenbach beobachtet wurden,
besteht die Gefahr, dass einige der Feuersala-
manderlarven solchen Fressfeinden zum Opfer
gefallen sind.
Der Verlust der Tiere durch den Straßentod stellt
ebenso eine Gefährdung dar, welche für die ju-
venilen und adulten Tiere in ihrem Landlebens-
raum von Bedeutung ist. Dabei werden die Feu-

|
41
ersalamander nicht nur von Autos, sondern
mitunter auch durch den zunehmenden Fahrrad-
verkehr getötet (T
hiesMeier
&
GünTher
2009). Im
Struppengrund geht diese Gefahr hauptsächlich
von der Ortsverbindungsstraße zwischen Ober-
vogelgesang und Struppen aus. Diese Straße
sorgt für eine Zerschneidung des Lebensraumes
des Feuersalamanders, da die Tiere auf der Hang-
seite zum Erreichen des Baches die Straße über-
queren müssen. Das Gleiche gilt folglich auch
für den Rückweg. Obwohl während der Zeit der
Wanderung der Tiere ein beidseitiger Amphibi-
enzaun aufgestellt wird, werden dennoch zahl-
reiche Feuersalamander beim Überqueren der
Straße überfahren. Untersuchungen von
kleWen
(1985) ergaben für eine Population im Kreis Pa-
derborn einen jährlichen durchschnittlichen
Verlust von 185 Feuersalamandern, was bei einer
Populationsgröße von 4.500 Tieren circa vier
Prozent der Gesamtpopulation entspricht. Der
für den Struppengrund ermittelte jährliche Ver-
lust liegt für den Zeitraum von 1999 bis 2018 bei
durchschnittlich 24 Tieren. In den 1990er Jahren
wurden auf dieser Straße jährlich wenigstens 40
bis 60 überfahrene Feuersalamander entdeckt
(M
ehnerT
2001). Je nach tatsächlicher Populati-
onsgröße kann der prozentuale Anteil des Ver-
lustes von der Gesamtpopulation im Struppen-
grund geringer oder sogar deutlich höher als bei
der Population im Kreis Paderborn sein. Wie die
Daten von der Amphibienzaunerfassung zeigen,
scheint allerdings der Verlust der Feuersalaman-
der durch den Straßentod in den letzten Jahren
zurückgegangen zu sein. Jedoch fehlen die An-
gaben zu den Totfunden aus drei Jahren (2015
bis 2017), sodass keine vollständige Kontinuität
der Daten vorliegt. Die Folgen für die Populati-
onsdynamik können schwer eingeschätzt wer-
den, da die Verluste adulter Tiere eine größere
Auswirkung haben als gleichgroße Verluste von
juvenilen Tieren (s
chMidT
et al. 2005). Das Über-
leben reproduzierender Alttiere beeinflusst das
Fortbestehen einer lokalen Population, da deren
Lebensspanne bestimmt, über welchen Zeitraum
eine Population eigenen Nachwuchs erzeugen
kann (B
örder
et al. 2011).
Eine neue und zugleich enorme Gefährdung der
Feuersalamander geht von dem Hautpilz
Batra-
chochytrium salamandrivorans
aus, welcher
größere Löcher in die Haut der Tiere frisst, wo-
durch diese recht schnell sterben. Dazu konnten
im Struppengrund bisher keine Hinweise gefun-
den werden.
4.5.2 Maßnahmen zum Erhalt
der Feuersalamanderpopulation
im Struppengrund
Die aufgeführten Gefährdungen machen deut-
lich, dass es zum Erhalt der Feuersalamanderpo-
pulation im Struppengrund der Umsetzung von
Schutzmaßnahmen bedarf. Die Ergebnisse aus
den Erhebungen im Jahr 2018 zeigen dabei, dass
im Struppengrund vor allem zur Sicherung des
aquatischen Lebensraumes Maßnahmen ergrif-
fen werden müssen. Hierzu sollte vorrangig der
bei Starkregenereignissen enorme Oberflächen-
abfluss im Einzugsgebiet des Struppenbaches
verringert werden, da er letztendlich in das Fließ-
gewässer geleitet wird und für große Larvenver-
luste sorgt. Dazu können beitragen:
Unterteilung der großen Ackerflächen durch
Strukturen wie Hecken und Raine
Begrünung von Abflussbahnen mit extensi-
vem Grünland
konservierende (pfluglose) Bodenbearbeitung
mit Mulchsaat (Bodenbedeckung mit Pflan-
zenresten)
Untersaaten und der Anbau von Zwischen-
früchten
Extensive Bewirtschaftung und reduzierter
Einsatz von schweren Maschinen kann für
eine Auflockerung des Bodens und damit für
eine bessere Versickerung auf den Flächen
sorgen (B
asTian
&
schreiBer
1999).

42
Naturnah gestaltete Regenrückhaltebecken
an den Einleitungsstellen, um den Regen-
wasserabfluss in den Bach zu begrenzen.
Dadurch können Verbesserungen hinsicht-
lich der Larvenentwicklung erzielt werden
(P
asTors
1994). Ferner kann darüber die
Einleitung von Schadstoffen wie Auftau-
salze und Öle aus der Straßenentwässerung
sowie in Form von agrarwirtschaftlichen
Schadstoffen reduziert werden (M
ehnerT
2001).
Auch innerhalb des Fließgewässers können Maß-
nahmen ergriffen werden. Gezieltes Einbringen
von Totholz führt zu einer Erhöhung der Struk-
turvielfalt, kann darüber die Verdriftungsdistan-
zen der Larven deutlich verringern und den
Zeitraum verlängern, in dem das Gewässer Was-
ser führt (c
onrady
&
rees
2007). Beide Aspekte
können gemäß
conrady
&
rees (2007)
zu einem
deutlichen Anstieg des Reproduktionserfolges
der Feuersalamander führen.
Neben den Gefährdungen für die Larven gibt es
auch Gefahren für die Jung- und Alttiere. Im
Struppengrund zeigte sich hier der Schwerpunkt
in den Verlusten durch den Straßentod. Aus die-
sem Grund sollte auf jeden Fall der Amphibien-
zaun weiterhin aufgestellt werden, um den Tieren
wenigstens zu der Hauptwanderungszeit einen
Schutz zu bieten. Allerdings werden laut
schlüP-
Mann
(2008) Feuersalamander fast ganzjährig
überfahren. Daher sollten Maßnahmen ergriffen
werden, die das ganze Jahr über einen erhöhten
Schutz vor dem Überfahren bieten. Eine dauer-
hafte Amphibienschutzanlage mit Durchlässen in
der Straße ist deshalb unbedingt notwendig, um
eine bessere Konnektivität zwischen der Hang-
und der Bachseite herzustellen. Gründe für eine
stationäre Anlage sind insbesondere auch der
hohe Aufwand für Aufstellung und Betreuung
einer mobilen Anlage, der langfristig nicht abge-
sichert werden kann, sowie das Gefährdungsrisiko
der Zaunbetreuer durch den Kraftverkehr.
Doch auch der Landlebensraum sollte Ziel von
Schutzmaßnahmen sein. Hierbei sollte die Erhal-
tung des Waldes im Struppengrund mit seinen
vielfältigen Strukturen im Fokus stehen. Laut
Waldbiotopkartierung des
sTaaTsBeTrieBs sachsen-
ForsT
(2015b) sind die wertbestimmenden Ge-
sichtspunkte des Waldes im Struppengrund seine
Bedeutung für den Biotopverbund, die sehr gute
Ausprägung der Biotoptypen und Pflanzenge-
sellschaften sowie der Strukturreichtum. Erhal-
tung und Optimierung dieser Aspekte tragen
auch zu einer Erhaltung und Verbesserung des
Landlebensraumes des Feuersalamanders bei.
Forstliche Arbeiten sollten daher in Lebensräu-
men von Feuersalamandern nur nach natur-
schutzfachlicher Abstimmung durchgeführt
werden (G
ünTher
&
olias
2014). Neben den na-
türlichen Waldstrukturen werden auch anthro-
pogene Strukturen wie höhlenreiche Trocken-
mauern, die auch im Struppengrund zu finden
sind, ganzjährig als Lebensraum genutzt (G
ünTher
&
olias
2014) und sollten daher erhalten werden.
Letztendlich gilt es ergänzend zu erwähnen, dass
wald- und gewässerbauliche Maßnahmen, wel-
che die Bestandsentwicklung des Feuersalaman-
ders unterstützen, auch die Lebensbedingungen
der gesamten Lebensgemeinschaft fördern (c
on-
rady
&
rees
2007).
5 Schlussfolgerung
Die Ergebnisse zeigen, dass es trotz des langjäh-
rigen Vorkommens der Feuersalamanderpopula-
tion im Struppengrund Risiken für das Fortbe-
stehen gibt oder die zu einem Rückgang des
Bestandes führen können.
Feuersalamander können in kleinen Bachtälern
wie dem Struppengrund gut als Indikatororga-
nismen für die empfindlichen Gewässer-Umland-
Beziehungen (T
hiesMeier
1992) dienen. Dass die
Nutzung des Umlandes einen großen Einfluss auf
das Gewässer ausübt, zeigt sich auch klar im
Struppengrund. Wie in vielen Regionen sind auch

|
43
hier, bedingt durch die Art der Landnutzung im
Einzugsgebiet, insbesondere die großen unstruk-
turierten Ackerflächen und das natürliche Ab-
flussregime der Fließgewässer nachhaltig ge-
stört, was sich in wiederholten Hochwasserer-
eignissen und Erosionserscheinungen selbst an
kleinen Bächen zeigt (T
hiesMeier
&
GünTher
2009).
Dies trägt entscheidend zu einer Gefährdung der
Feuersalamander bei. Laut den Untersuchungen
von
MehnerT
(2001) ist der Feuersalamander in
der gesamten Region des Oberen Elbtals mittel-
bis langfristig vom Aussterben bedroht, wenn
keine Maßnahmen erfolgen, die den Lebensraum
verbessern. Dabei liegt allgemein das größte Ge-
fährdungsrisiko bei den Wald-Bach-Biotopen der
Salamanderzone durch naturferne oder unpas-
sende Nutzungen, Gewässerausbauten, (Ab-)
Wassereinleitungen und Straßenverkehr (M
ehnerT
2001). Auch im Struppengrund werden die Stark-
regenereignisse und ihre Folgen für das Gewäs-
ser und die Larven als große Gefahrenquelle für
den Fortbestand der Population eingeschätzt.
Ein gesamtheitlicher Schutz der Landlebens-
räume, der Laichgewässer und der Wanderkor-
ridore ist daher notwendig (W
aGner
&
hendler
2015). Hierfür müssen für das jeweilige Vorkom-
mensgebiet einer Feuersalamanderpopulation
geeignete Schutzkonzepte entwickelt und um-
gesetzt werden. Dazu gehört unbedingt auch die
Einrichtung einer dauerhaften Amphibienschutz-
anlage, um den Verlust von Tieren zu minimieren
und den Betreuungsaufwand zu senken.
Weitere Forschungen, insbesondere möglichst
mehrjährige Untersuchungen, um genauere Aus-
sagen über die tatsächliche Populationsgröße
und zum Reproduktionserfolg treffen zu können,
wären wünschenswert.
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Autoren
Kristin Trentzsch
Rembrandtstr. 1
01219 Dresden
kristin-trentzsch@web.de
Ulrich Walz
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden
Pillnitzer Platz 2
01326 Dresden
ulrich.walz@htw-dresden.de
Lisa Schäfer
Am Weißiger Berg 2
01920 Lieske
Li.1993@web.de
Jürgen Phoenix
Staatsbetrieb Sachsenforst
Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz
An der Elbe 4
01814 Bad Schandau
juergen.phoenix@smul.sachsen.de

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46
Anhang: Fotodokumentation vom Untersuchungsgebiet
Abb. 11: Strömungsberuhigte Zone im Struppenbach in Form eines „Stillwasserpools“
Fotos (alle): K. Trentzsch
Abb. 12: Kleinere Wasserfälle im Struppenbach sorgen
für erhöhte Fließgeschwindigkeiten.
Abb. 13: Trockenmauer entlang der Ortsverbindungs-
straße zwischen Struppen und Obervogelgesang. Ober-
halb der Mauer befindet sich die Hangseite, die von den
Feuersalamandern als Landlebensraum genutzt wird.
Abb. 14: Durch das Starkregenereignis angespültes
Holz und angespülter Müll, der sich im Struppenbach
angesammelt hat

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|
47
Abb. 15: Durch das Starkregenereignis angespülte
Warnbake von der Hauptstraße zwischen Ebenheit
und Struppen
Abb. 16: Abflussrinne zur Ableitung des Regenwassers
von der Ortsverbindungsstraße zwischen Struppen und
Obervogelgesang in den Struppenbach
Abb. 17: Aufgestellte Warnbaken am Straßenrand der
Hauptstraße zwischen Ebenheit und Struppen, nachdem
die Straße in Folge des Starkregens unterspült wurde
Abb. 18: Ausgetrockneter und stark verdichteter Boden
des Maisfeldes

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48
Abb. 19: Großflächiges Maisfeld entlang der Hauptstraße zwischen Ebenheit und Struppen, welches linksseitig
oberhalb des Struppenbachs gelegen ist
Abb. 20: Rohr zur Ableitung des Oberflächenwassers vom Maisfeld. Die Einleitung des Wassers erfolgt in den hang-
abwärts gelegenen Struppenbach.

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|
49
Abb. 21: Abflussrinne zur Ableitung des Oberflächen-
wassers von der angrenzenden Ackerfläche, welche
rechtsseitig oberhalb des Struppengrundes gelegen ist
Abb. 22: Steilwände des Elbsandsteingebirges, wo das
gesammelte Oberflächenwasser der angrenzenden
Ackerfläche hangabwärts zum Struppengrund geleitet
wird

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50
„Naturschutzarbeit in Sachsen“, 61. Jahrgang 2020 Seite 50 – 55
Schutzgebiete in Sachsen 2019
Friedemann Klenke
Im Jahr 2019 wurden zwei neue Naturschutzge-
biete ausgewiesen. Es handelt sich um die NSG
D 113 Elligastwiesen und L 61 Werbeliner See.
Letzteres wird aufgrund seiner Größe und Be-
deutung in einem gesonderten Artikel von Ewald
Jansen in diesem Heft vorgestellt. Außerdem
erhielten zwei bestehende NSG neue Rechtsver-
ordnungen, die NSG C 01 Um die Rochsburg und
D 18 Loose. Die angeführten Daten entstammen
den naturschutzfachlichen Würdigungen der
NSG (B
üro lukas 2011, Plan T 2014, Pns 2016)
und eigenen Beobachtungen.
Bei den Landschaftsschutzgebieten beschränken
sich die Veränderungen auf die kreisübergrei-
fende Zusammenführung der Teilflächen des LSG
d 19 Triebischtäler und Ausgliederungen einzel-
ner Grundstücke beziehungsweise Grundstücks-
teile. Die Schutzgebietskarten und -verzeichnisse
stehen im Internet unter
https://www.natur.sach-
sen.de/schutzgebiete-in-sachsen-7050.html.
NSG C 01 Um die Rochsburg
(Landkreis Mittelsachsen) ca. 259,6 ha
Das NSG Um die Rochsburg von 1961 wurde im
Handbuch der Naturschutzgebiete beschrieben
(SMUL 2009). Es stellt einen engen, stark reliefier-
ten Kerbtalabschnitt der Zwickauer Mulde unter-
halb von Penig unter Schutz. Die neue Schutzver-
ordnung erweitert das Gebiet vor allem flussauf-
wärts. Rechts der Mulde beginnt das NSG bereits
am Drachenfelsen Chursdorf und bezieht die
Seitentäler Höllbachtal und Sautal mit ein. Links
der Mulde stehen nun auch die Laubwaldhänge
und Felsen zwischen dem Peniger Stadtteil Ame-
rika und dem Lunzenauer Stadtteil Rochsburg
unter Schutz. Einbezogen wurden auch die bishe-
rigen Flächennaturdenkmale „Quellgebiet Sturz-
bach“, „Friedemanns Klippen“ und „Drachenfels in
Chursdorf“. Damit erreicht das NSG eine Ausdeh-
nung von etwa sieben Kilometern Tallänge. Die
folgende Beschreibung bezieht sich auf die Erwei-
terungsflächen.
Der Flusslauf und seine überwiegend naturnahen
Ufer stehen ab der Wasserkraftanlage Amerika
unter Schutz. Durch den Rückstau des Wehres
Biebermühle (Wasserkraftwerk Arnsdorf) ist je-
doch erst ab Biebermühle der Fließgewässercha-
rakter gegeben. Die schmale Talsohle bietet nur
wenig Raum für Erlen-Eschen-Auwald, zum
Beispiel gegenüber von Amerika.
Die linke Talseite ist überwiegend steil und son-
nenexponiert. Hier dominieren Eichenwälder,
Eichen-Mischwälder und Laubholzforste. Klein-
flächig eingestreut sind bodensaure Eichen-
Buchenwälder, ein Traubeneichen-Hainbuchen-
wald und mehrere offene Felsfluren. Auf halber
Talhöhe durchzieht die stillgelegte Bahnstrecke
der Muldentalbahn den Hang; sie wird nur gele-
gentlich für touristische Sonderfahrten genutzt
(„Schienentrabi“).
Die rechte Talseite ist überwiegend schattig und
feucht, oft von kleinen Bächen und Quellaustrit-
ten geprägt. Bodensaure Buchenwälder und
Laub-Nadel-Mischforste wechseln mit Fichten-
forsten ab, wobei die Fichten im NSG gegenwär-
tig flächendeckend absterben oder abgestorben
sind, darunter auch die große Altfichte im Höll-
Abb. 1: Blick zur Rochsburg im NSG C 01
Um die Rochsburg
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, F. Klenke

image
|
51

image
52
bachtal. Am Drachenfels wurden auch ein me-
sophiler Buchenmischwald und ein feuchter
Stieleichen-Hainbuchenwald kartiert.
Bedeutsam ist die Fledermausfauna des NSG:
Zehn Arten wurden nachgewiesen, darunter die
anspruchsvolle und vom Aussterben bedrohte
Mopsfledermaus. 66 Vogelarten wurden im NSG
beobachtet. Der Biber hat den Flussabschnitt
besiedelt. Die Insektenfauna ist noch ungenü-
gend bekannt. Die Spanische Flagge kommt im
Gebiet vor. Botanisch sind Winter-Schachtelhalm
und Fichtenspargel hervorzuheben.
Die Grundzüge des Managements sind auf die
Erhaltung und Entwicklung von Totholz und Ha-
bitatbäumen sowie die Pflege und pflegliche
Nutzung des Offenlandes gerichtet. Auf die
fachlich sinnvolle Ausweisung eines Totalreser-
vates wurde verzichtet (Großprivatwald).
NSG D 18 Loose
(Landkreis Görlitz) ca. 18,04 ha
Das NSG Loose von 1961 ist eine kleine Laub-
waldinsel in der Agrarlandschaft. Es ist ebenfalls
im Handbuch der Naturschutzgebiete beschrie-
ben (SMUL 2009). Die Abgrenzung wurde bei der
Neuausweisung nur unwesentlich im Nordwesten
verändert. Somit trifft die Beschreibung in SMUL
2009 überwiegend noch zu. Allerdings sind einige
lichtliebende Pflanzenarten verschwunden oder
kommen nur noch außerhalb des NSG vor.
Zu den Zielen für die künftige Waldbewirtschaftung
gehören eine naturnahe, plenter- bis femelartige
Hochwald- oder auch Mittelwaldnutzung, die
Erhöhung des Alt- und Totholzanteils, die Förde-
rung der vertikalen Waldstruktur und der Wald-
säume sowie die Erhaltung kleiner, natürlich ent-
standener Blößen und Fehlstellen.
Abb. 2: NSG Um die Rochsburg (Landkreis Mittelsachsen), Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie, Geobasisdaten:
©
2020, Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung in Sachsen
(GeoSN)

image
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53
Der Klimawandel fördert das Absterben stand-
ortfremder Nadelhölzer, führt aber auch zu einer
weiteren Austrocknung des Waldbodens. Der
Stollengraben im Norden des NSG führt deshalb
nur noch zeitweise Wasser.
NSG D 113 Elligastwiesen
(Landkreis Meißen) 78,92 ha
Mit der Ausweisung der Niederung am Unterlauf
des Elligastbaches zwischen Großenhain und
Gröditz als Naturschutzgebiet wurde eine Lücke
im System der NSG geschlossen. Die Elligast
entspringt bei Schönborn und fließt zwischen
Stroga und ihrer Mündung im Röderauwald bei
Zabeltitz etwa zwei Kilometer von Ost nach West
in einer flachen, niederungsartigen Gelände-
mulde. Hier liegen mächtige Kiese und Sande der
Elster- und Saalekaltzeit. Darüber lagern teil-
weise mehrere Meter mächtige Flachmoortorfe,
die an einigen Stellen früher abgebaut wurden.
Die ehemaligen Torfstiche sind noch heute als
kleine Stillgewässer zu erkennen.
Das NSG wird von der Fernbahntrasse Dresden
– Berlin und von der Nebenstraße Nasseböhla
– Zabeltitz gequert. Die Bahntrasse ist aus dem
NSG ausgegliedert. Der Name „Elligast“ kommt
wohl von „Eller“ (niederdeutsch für Erle). Durch
das geringe Gefälle des Baches und Rückstau-
effekte aus dem Röderauwald mäanderte die
Elligast ursprünglich nur wenig. Ihre Aue war
parkartig mit Einzelgehölzen und Galeriewald
bestanden. Durch Begradigungen (ab 1885), Ge-
hölzbeseitigung und Melioration (ab 1913, aber
vor allem in den 1960er bis 1980er Jahren) ent-
stand die heutige Tallandschaft mit begradigtem
Bach, teilweise drainierter, stellenweise aber
Abb. 3: NSG Loose (Landkreis Görlitz), Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geolo-
gie, Geobasisdaten:
©
2020, Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung in Sachsen (GeoSN)

image
image
54
Abb. 4: Blick über eine Feuchtwiese im NSG D 113 Elligastwiesen
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, F. Klenke
Abb. 5: NSG Elligastwiesen (Landkreis Meißen), Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie, Geobasisdaten:
©
2020, Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung in Sachsen (GeoSN)
staunasser Aue. Von den Gehölzen verblieben
nur zwei Erlenbrüche und einige Grauweidenge-
büsche. Flächen, die nicht zu nass sind, werden
großflächig als Grünland gemäht, dagegen blei-
ben grundwassernahe Bereiche in Bachnähe und
quellige Abschnitte am Talhang brach.
Die Vegetation des begradigten, aber unverbau-
ten Bachlaufes weist viele Wasserpflanzen, Ufer-
staudenfluren und naturnahe Elemente auf. Si-
ckerquellen sind mit Binsen- und Waldsimsen-
sümpfen, Röhrichten oder Hochstaudenfluren
bewachsen. Die kleinen Moorgewässer werden

|
55
Tab. 1: Schutzgebiete in Sachsen. Stand: 31.12.2019
Hinweis: Die Flächen überlagern sich teilweise und können deshalb nicht addiert werden.
Zu Naturdenkmalen (ND einschließlich FND) und Geschützten Landschaftsbestandteilen (GLB) werden in Sachsen keine
landesweiten Verzeichnisse geführt.
von Großseggenrieden, Röhrichten und Grau-
weidengebüsch gesäumt. Den Großteil des Ge-
bietes nehmen Nass- und Feuchtwiesen ein. Von
überregionaler Bedeutung sind Vorkommen von
Zweizeiliger Segge und Kleinblättriger Brunnen-
kresse, früher kam auch die Faden-Segge vor.
Außerdem sind Flügel-Hartheu, Strauß-Gilbwei-
derich, Rasen-Vergissmeinnicht, Berg-Haar-
strang und Alpen-Laichkraut zu erwähnen. Ins-
gesamt wurden 280 Pflanzenarten festgestellt.
Kennzeichnende Säugetiere sind Biber und Fisch-
otter. Hohe Siedlungsdichten erreichen Rohram-
mer, Schilf- und Sumpfrohrsänger. Insgesamt
brüten 67 Vogelarten, darunter Braunkehlchen,
Wiesenpieper, Bekassine und Kiebitz. Das NSG
ist Jagdgebiet der Rohrweihe, Nahrungshabitat
für Wald- und Bruchwasserläufer und Rastplatz
für die Zwergschnepfe. Unter den Lurchen und
Kriechtieren sind Kammmolch, Wechselkröte,
Zauneidechse und individuenreiche Bestände der
Ringelnatter hervorzuheben. 17 Fischarten be-
siedeln die Gewässer, darunter die Karausche.
Unter den 27 Libellenarten fallen Kleiner Blau-
pfeil, Blauflügel-Prachtlibelle, Kleines Granat-
auge, Große Moosjungfer und Fledermaus-Azur-
jungfer auf. Es wurden zwölf Heuschreckenarten
nachgewiesen, beispielsweise Sumpfschrecke,
Sumpf-Grashüpfer und Große Goldschrecke.
Erwähnenswert unter 63 Großschmetterlingen
sind Schwalbenschwanz, Schachbrettfalter und
Gemeines Wiesenvögelchen. Als Besonderheit
wurde die Schmale Windelschnecke erfasst.
Das Gebiet soll als wertvolle offene Niederungs-
landschaft erhalten bleiben, wobei eine pflegliche
Nutzung durch gezielte Biotoppflege ergänzt wird.
Für den Elligastbach und Nasseböhlaer Bach soll
eine eigendynamische Entwicklung initiiert wer-
den, die die Herausbildung eines lückigen bach-
begleitenden Erlen-Galeriewaldes ermöglicht.
Literatur
Büro lukas
(2011): Naturschutzfachliche Würdigung für
das Naturschutzgebiet „Um die Rochsburg“. Unveröff.
Gutachten im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde
Landkreis Mittelsachsen. 81 S. und Anlagen.
Plan T
(2014): Naturschutzgebiet „Loose“.
Naturschutzfachliche Würdigung. Unveröff. Gutachten
im Auftrag des Umweltamtes Görlitz. 90 S.
Pns
(2016): Würdigung für das Naturschutzgebiet
„Elligastwiesen“. Unveröff. Gutachten im Auftrag des
Landratsamtes Meißen. PNS Planungen und Natur
und Siedlung Dr. Hanspach. 47 S.
SMUL -
sächsisches sTaaTsMinisTeriuM Für uMWelT und
landWirTschaFT
(Hrsg.) (2009): Naturschutzgebiete
in Sachsen. Dresden. 720 S.
Autor
Friedemann Klenke
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie
Postfach 54 01 37, 01311 Dresden
friedemann.klenke@smul.sachsen.de
Schutzkategorie
Anzahl
Fläche (ha)
Flächenanteil (%)
Nationalpark (NLP)
1
9.350
0,51
Biosphärenreservat (BR)
1
30.000
1,63
Naturpark (NP)
3
198.837
10,80
Naturschutzgebiet (NSG) festgesetzt
224
55.751
3,08
Landschaftsschutzgebiet (LSG) festg.
177
564.818
30,6

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56
Mitteilungen 2020
Zum Gedenken
Helmut Ballmann
geboren am 8. Oktober 1955
gestorben am 19. Januar 2020
Helmut Ballmann suchte sein Leben lang Neu-
es, um von der Natur Geschaffenes zu erhalten.
Baden-Württemberg war 1990 als Partnerland
Aufbauhelfer für die Verwaltung in Sachsen.
Und so ergriff Helmut Ballmann 1991 die Chan-
ce und verlegte seinen Lebensmittelpunkt von
Markgröningen nach Dresden. Als Referatsleiter
Landschaftspflege, ökologische Landnutzung im
damaligen Ministerium für Umwelt und Landes-
entwicklung waren ihm vom ersten Tag an Natur
und Mensch vor Ort wichtig.
Konkrete Naturschutzprojektarbeit vor Ort war
sein Lebensinhalt. Helmut Ballmann war nicht nur
maßgeblicher Initiator aller drei Naturschutzgroß-
projekte in Sachsen, sondern er gestaltete sie vor
Ort mit.
Ich erinnere mich noch gut an einen Vororttermin,
als viele Jahre später das Naturschutzgroßprojekt
Presseler Heidewald- und Moorgebiet in der Dü-
bener Heide ins Stocken geriet. Die Wiederver-
nässung und der Kauf von Grünland durch den
Projektträger riefen die Landwirte auf den Plan.
Landrat, Bürgermeister und Landwirte protestier-
ten gegen das Projekt beim Ministerium. Helmut
Ballmann stand in Gummistiefeln auf dem nassen
Grünland und erläuterte den erregten Bauern mit
eindrucksvoller Stimme nicht nur die Vorteile des
Projektes für die Region, sondern auch, wie Teil-
flächen in Zukunft naturschutzgerecht weiterhin
bewirtschaftet werden können.
Die sächsische Teichlandschaft mit ihrer einmali-
gen Naturraumausstattung lag ihm besonders am
Herzen. Eng mit seinem Namen ist die Förderung
der naturschutzgerechten Teichbewirtschaftung
in Sachsen verbunden.
Ihm war immer bewusst, Naturschutz findet auf
der Fläche statt. Als Eigentümer hat man die bes-
ten Voraussetzungen für Erhalt und Pflege. So
setzte er sich von Anfang an für den Kauf von
wertvollen Flächen durch den Freistaat ein.
Die Entwicklung und Umsetzung von Förderpro-
grammen und –projekten waren für seine Zeit als
Referatsleiter im Ministerium prägend. Unverges-
sen sind in diesem Zusammenhang die jährlichen
Beratungen der Landschaftspflegereferenten.
Er hat dem Landesamt bei der konfliktbeladenen
Ausweisung der FFH- und Vogelschutzgebiete ge-
gen so manchen Widerstand den Rücken gestärkt.
Er stand immer vor seiner Mannschaft, gerade
auch wenn es stürmisch wurde.
2005 übernahm Helmut Ballmann die verantwor-
tungsvolle Aufgabe als Abteilungsleiter für Natur-
schutz und Geologie im damaligen Landesamt für
Umwelt und Geologie.
Auch hier war ihm als langjähriges NABU Mitglied
der enge Kontakt zu den ehrenamtlichen Natur-
schutzhelfern und den anerkannten Verbänden
Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit.
Mit Sorge sah er die landwirtschaftliche Praxis
und brachte sich mit immer neuen Projekten und
Veranstaltungen ein. Das Bodenbrüter- und Be-
weidungsprojekt wären ohne ihn nicht denkbar.
Ich weiß noch genau, wie er mir an meinem Tisch
seine Fotos von mit wertvollem Mutterboden
überschwemmten Straßen nach einem Starkregen
zeigte. Mit deutlichen Worten sagte er lautstark,
es sei doch wirklich nicht schwer, die Interessen
von Landwirtschaft, Natur-, Boden- und Hoch-

|
57
wasserschutz in Einklang zu bringen, wenn alle
nur ein wenig über den Tellerrand denken und
handeln würden. Das Projekt Tiefenlinien im Lan-
desamt entstand. Es ist zugleich Verpflichtung für
uns in der Umsetzung.
Er kannte die Landschaft, die Naturschätze in
Sachsen besser als viele von uns, die hier gebo-
ren sind. Helmut Ballmann war alles andere als
ein Schreibtischmensch in der Verwaltung. Zeiti-
ges Aufstehen, in der Natur sein, für die Natur da
sein, das war sein Leben.
Der Erhalt der einmaligen Erzgebirgswiesen lag
ihm besonders am Herzen. Das Naturschutz-
großprojekt Bergwiesen im Osterzgebirge war
wie ein eigenes Kind für ihn. Inzwischen ist es für
die Kolleginnen und Kollegen in seiner Abteilung
Tradition, einmal im Jahr mit Sense und Rechen
selbst Hand anzulegen.
Der Mensch braucht die Natur zum Überleben, die
Natur braucht uns Menschen nicht.
Helmut Ballmann, sein Leben steht für den Er-
halt der Natur, für den Erhalt unserer Kulturland-
schaft. In seinem Sinne nehmen wir Mut, Opti-
mismus und Begeisterung für ein Projekt mit in
die Zukunft.
Dr. Hartmut Schwarze
Abteilungsleiter Naturschutz
Sächsisches Staatministerium für Energie,
Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft
Joachim Georgi
geboren am 5. Januar 1949
gestorben am 23. Oktober 2020
Geboren und aufgewachsen auf dem elterlichen
Bauernhof in Crottendorf verlebte Joachim eine
von frühen Pflichten aber auch vielen Freiheiten
gekennzeichnete Kindheit und Jugend. Durch die
Mithilfe auf dem Hof, auf dem Feld oder im eige-
nen Wald lernte er schon von Kind auf natürliche
Abläufe und Zusammenhänge in der Tier-und
Pflanzenwelt kennen. Sobald sich eine Möglich-
keit ergab, durchstreifte Joachim mit seinen Brü-
dern das für sie damals unendlich erscheinende
Waldgebiet, welches sich von Crottendorf aus
bis an die tschechische Grenze erstreckte. Dabei
eignete er sich erste Kenntnisse beim Beobachten
und Bestimmen der heimischen Vogelwelt an. Zur
Singvogelzucht kam er eher zufällig. Es hatte sich
im Dorf schon herumgesprochen, dass Joachim
ein Vogelfreund sei. So brachte man ihm eines
Tages einen Zebrafinken zur Pflege. Schon bald
kamen noch andere exotische Vögel dazu. Nach
und nach verlegte er sich aber auf die Haltung
und Zucht einheimischer Singvögel, vor allem
um die Lebensweise und die Lautäußerungen
der unterschiedlichen Arten noch besser kennen-
zulernen. In den 80er Jahren begann eine enge
Zusammenarbeit mit den damals weit bekannten
Ornithologen Johannes und Siegfried Schlegel aus
Annaberg-Buchholz, die bis zu deren Tod anhielt.
Dadurch wuchs und festigte sich das ornitholo-
gische Wissen von Joachim enorm. Gleichzeitig
begann er sich auch um die außerschulische Ar-
beit mit Kindern und Jugendlichen zu kümmern.
Über viele Jahre leitete er die Arbeitsgemeinschaft
Junger Naturfreunde in Crottendorf. Durch beruf-
liche Kontakte bekam er 1989 Verbindung zum
Verband der Waldvogelpfleger und Vogelschützer
Deutschlands (VDW). Im Frühjahr 1990 wurde er
mit einigen Weggefährten zur Hauptversammlung
des VDW nach Walsrode eingeladen und als Mit-
glied aufgenommen. Im November 1991 erfolgte
dann die Gründung des VDW Sachsens. Joachim
Georgi wurde der erste Vorsitzende. Das Amt hat-
te er bis 2015 inne. In dieser Zeit organisierte er
in Sachsen vier Hauptversammlungen des VDW.
2020 sollte wieder eine Hauptversammlung hier
stattfinden. Joachim war seit Anfang 2019 mit
den Vorbereitungen beschäftigt. Durch Corona
wurde die Versammlung abgesagt. An seinen viel
zu frühen Tod hatte da noch keiner gedacht. Im

58
Altkreis Annaberg-Buchholz war Joachim seit
1982 aktiv als bestätigter Naturschutzhelfer tätig.
So erfasste er seit dieser Zeit Beobachtungsdaten
von Höhlenbrütern wie Sperlings- und Raufuß-
kauz, Schwarzspecht und Hohltaube. Von 1990
bis 2001 organisierte er gemeinsam mit dem
Forstamt Neudorf eine flächendeckende Erfas-
sung der Höhlenbrüter in Altbuchenbeständen
im gesamten Forstamtsbereich von Bärenstein
bis Tellerhäuser und von Crottendorf bis Oberwie-
senthal. Dabei wurden auch über 100 künstliche
Nisthilfen durch Zapfenpflücker des Forstamtes
ausgebracht und zweimal jährlich kontrolliert. Ab
1980 organisierte er auch die Wiesenpflege auf
einer im eigenen Besitz befindlichen 1,2 Hektar
großen Nasswiese. Anfangs geschah das noch in
mühevoller Sensenmahd mithilfe weiterer Natur-
freunde. In Trockenjahren gelang es auch manch-
mal, leichte Mähtechnik (RS 09) zu bekommen.
Später übernahm der Landschaftspflegeverband
die Aufgaben. Das klappte aber manchmal nicht
richtig. Seit einigen Jahren, nachdem der Wach-
telkönig auf der Fläche beobachtet wurde, haben
die Kinder von Joachim mit Freunden die Aufgabe
in Eigenregie übernommen. Somit ist hoffentlich
auch für die Zukunft gesorgt. Ein weiteres Pro-
jekt, welches Joachim sehr am Herzen lag, war
ein Museum zum Vogelfang und Vogelschutz im
Erzgebirge. Gemeinsam mit dem damaligen Be-
sitzer des Panoramahotels Oberwiesenthal Harry
Meinel und dem Breitenbrunner Ornithologen
Klaus Franke trugen sie viele alte Vogelfanggeräte
und Zeitzeugnisse der geduldeten Vogelfangepo-
che zusammen. Gleichzeitig wurde aber auch auf
die Notwendigkeit des modernen Vogelschutzes
verwiesen. Eine große Freivoliere mit heimischen
Singvögeln rundete das sehr öffentlichkeitswirk-
same Projekt ab. Leider wurde das Museum mit
dem Besitzerwechsel des Hotels in Oberwiesenthal
nicht weitergeführt. Es befindet sich heute in klei-
nerer Form im Ambroßgut in Wolkenstein/Schön-
brunn. Für die umfassende Publikation „Brutvögel
in Sachsen“ hat Joachim federführend von 2004
bis 2007 folgende Messtischblatt-Quadranten kar-
tiert 5443/4 sowie 5543/1 bis 4. Die gleichen Ge-
biete hatte er bereits in den Jahren 1993 bis 1996
bearbeitet. Seit 2016 unterstützte er mit seinen
Beobachtungen das Wiesenbrüterprojekt in Crot-
tendorf und später gemeinsam mit den Crotten-
dorfer Ornithologen in Scheibenberg, Neudorf und
Oberwiesenthal. Mit seinem Engagement konnten
in Crottendorf zahlreiche Biotopgestaltungsmaß-
nahmen, wie Nahrungstümpel für die Bekassine
und Heckenpflanzungen, umgesetzt werden. Im
Jahre 2019 übernahm er die Betreuung des SPA
„Fichtelberg“. Im Laufe der vielen Jahre intensiver
Naturschutzarbeit auf unterschiedlichen Gebie-
ten hatte sich Joachim Georgi zu einem gefragten
Experten auf diesem Gebiet entwickelt. Besonders
zu ornithologischen Problemen wurde er von vie-
len Bürgern um Rat gefragt oder um aktive Hilfe
gebeten. In den vergangenen Jahrzehnten hatte
er unzählige verletzte Vögel, vom Sperling bis zum
Bussard, unter Mithilfe seiner Familie gepflegt und
ausgewildert. Ihm schwebte auch immer noch die
Gründung einer Auffangstation für verletzte Vögel
vor. Dazu ist es aber leider nicht mehr gekommen.
Beruflich war Joachim sein gesamtes Arbeitsleben
lang in der Crottendorfer Metallwarenfabrik tätig.
In den letzten Jahren als Verkaufsleiter. Durch sei-
nen Tod hinterlässt Joachim Georgi bei den Crot-
tendorfer Naturfreunden und den Ornithologen
im Erzgebirge eine Lücke, die schwer zu schließen
sein wird.
Dietrich Siewert
Naturschutzhelfer
(Landkreis Erzgebirgskreis)

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59
Dietmar Spittler
geboren am 22. Juni 1938
gestorben am 21. Mai 2020
Uns Naturschutzhelfern aus dem Altkreis Zittau
ging die Nachricht sehr nahe, als wir erfuhren,
dass einer unserer treuesten Gefährten, der allseits
geschätzte Ornithologe Dietmar Spittler, von uns
gegangen ist. Und es ist uns ein Bedürfnis, an die-
ser Stelle einiges aus dem Naturschutzleben dieses
liebenswerten Menschen zu erzählen.
Jeder hat ja gewisse Lieblingswörter, die er oft und
gern gebraucht. Für Dietmar Spittler war es eindeu-
tig das Attribut „interessant“. Der Olbersdorfer fand
so ziemlich alles interessant, was mit Naturschutz
zu tun hat. Das fing schon auf der Oberschule an,
als ihn ein Schulkamerad auf vieles Wissenswerte
rund um die Natur aufmerksam machte. Später
beim Armeedienst lernte er wieder einen Gleich-
gesinnten kennen, der auch aus dem Zittauer Land
stammte und dasselbe Faible für die Vogelkunde
hatte. Sie fassten kurzerhand den Entschluss:
„Wenn wir wieder heim sind, dann schließen wir
uns den Ornithologen an.“ Das war 1964. Inzwi-
schen sind über fünfzig Jahre vergangen und die
Leidenschaft für die gefiederten Gesellen ist kein
bisschen verflogen.
Mit dem Beitritt zur Fachgruppe Ornithologie Zit-
tau begann für ihn die systematische Erfassung des
Vogelbestandes. Auf Dietmar Spittler konnte man
sich verlassen. Egal ob bei Wasservogelzählungen,
bei speziellen Kartierungen oder der Mitwirkung
beim Vogelatlas Deutschlands: Immer war er zur
Stelle, wenn versierte Vogelkenner gesucht waren.
Als 1973 nach über 24 Jahren Abwesenheit wieder
der erste Weißstorch in Zittau landete, nahm sich
der Ornithologe dieses imposanten Schreitvogels
an. Die Störche wurden im Lauf der Zeit zahlrei-
cher und mit ihnen der Betreuungsaufwand. Doch
für Dietmar Spittler gab es nichts Schöneres, als in
seinen vielen Erfassungslisten einen Bruterfolg zu
verzeichnen. Deswegen „klapperte“ er bis zuletzt
alle Horste ab, um zu sehen, wie es seinen Schütz-
lingen geht.
Es dauerte nicht lange, bis auch der damalige
Kreisnaturschutz-Beauftragte Dr. Schulz auf Diet-
mar Spittler aufmerksam wurde. Er gewann ihn
für die ehrenvolle Aufgabe des Naturschutzhelfers.
Später hat ihn die Naturschutzbehörde sogar zum
„Artenschutz-Beauftragten für den Weißstorch“
berufen. Doch eigentlich wäre die Bezeichnung
„Storchenvater“ zutreffender; sie drückt weniger
die Pflicht, dafür umso mehr die liebende Fürsorge
aus, die ihn antrieb. Die offizielle Berufung hatte
den großen Vorteil, dass der Hobbyornithologe
auch im Auftrag des staatlichen Naturschutzes
auftreten durfte. Das war mitunter hilfreich, wenn
er mit Bauern, Jägern oder Forstleuten verhandelte.
Mehr noch schätzte er aber das Miteinander der
Naturschutzhelfer. In einem Interview sagte er
einmal: „Wenn einer zum Arbeitseinsatz blies, da
kamen wir alle zusammen – manchmal auch mit
Kind und Kegel“. Damals wurden zum Beispiel die
Silberdistel-Wiesen noch mit der Sense gehauen;
heute haben Vereine oder das Naturschutzzentrum
spezielle Technik, um die Flächen zu pflegen.
Spannend empfand er vor allem die Zeit nach der
Wende, als die Naturschutzbehörde viele Projekte
startete und dabei auch die Naturschutzhelfer ein-
band. Egal ob bei Heckenpflanzungen oder Bachre-
naturierungen: Immer war der bescheidene Mann
zur Stelle.
Doch als ob diese Aufgaben nicht schon genug für
Hobby und Ehrenamt wären, hatte sich Dietmar
Spittler noch ein weiteres Betätigungsfeld gesucht.
Er ging öfters einmal in das „Zwergenhäusl“, den
Kindergarten in Olbersdorf. Die Kinder warteten
schon auf ihn, wenn er beispielsweise neue Na-

60
delstreu für die Waldameisen brachte. So kann der
Haufen im Kindergartengelände überleben, obwohl
die letzten Nadelbäume längst gefällt wurden.
Immer wieder rückte er auch mit Schmetterlings-
raupen, Gewöllen oder Vogelringen an, um die
Kinder für die faszinierende Natur zu gewinnen.
Als Dietmar Spittler in Rente ging, setzte er sich
nicht zur Ruhe, sondern investierte noch mehr Zeit
in den Naturschutz. Wo er gebraucht wurde, war
er zu Stelle. Deswegen gefiel ihm auch der Spruch,
den er einmal von einem Pfarrer aufschnappte:
„i. R.“ heißt nicht „im Ruhestand“, sondern „in
Reichweite“.
Nun ist unser Naturschutzfreund leider nicht mehr
in Reichweite, doch er wird uns als Vorbild immer
nah bleiben.
Jeannette Gosteli
Kreisnaturschutzbeauftragte
(Landkreis Görlitz)
Veranstaltungen
Die Corona-Pandemie führte 2020 und führt auch
weiterhin zur Verschiebung oder zur Absage vieler
Veranstaltungen. Aktuelle Informationen finden
Sie auf den jeweiligen Internet-Seiten, beispiels-
weise den Fachseiten der unteren Naturschutzbe-
hörden, Verbände und Vereine.
Informationen zu aktuellen Veranstaltungen des
Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie sind unter
www.lfulg.sachsen.de/veranstaltungen.html
abrufbar.
Termine und nähere Informationen zu Veranstal-
tungen der Akademie der Sächsischen Landesstif-
tung Umwelt und Natur sind unter
www.lanu.de.
Informationen zu Veranstaltungen des NABU
Sachsen unter
www.nabu.de
verfügbar.
Auszeichnungen
Vogtlandgala zur Ehrung ehrenamtlich
tätiger Bürgerinnen und Bürger
Siegfried Gonschorek aus Bad Brambach wur-
de für die 31-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als
Kreisnaturschutzbeauftragter des Vogtlandkreises
ausgezeichnet.
Siegfried Gonschorek gehört – auch wenn sein be-
sonderes Interesse der Ornithologie gilt – zu den
vielseitigsten Naturschützern im Vogtlandkreis
und zweifelsohne auch zu den fachkundigsten.
Als Umsiedler nach dem Krieg in frühester Jugend
fand er im Vogtland eine neue Heimat. Seine Be-
geisterung für die Natur bestimmte auch seinen
beruflichen Werdegang.
Als Lehrer beschränkte Siegfried Gonschorek sich
nicht nur auf die Wissensvermittlung im Biolo-
gie– und Geographieunterricht, sondern er nutzte
auch die früher noch üblichen außerschulischen
Arbeitsgemeinschaften, um Kindern und Jugend-
lichen Interesse an und Liebe zur Natur nahezu-
bringen. Viele seiner ehemaligen Schüler können
sich noch heute gut daran erinnern.
Bereits in der DDR–Zeit wurde er zum Natur-
schutzbeauftragten für den Kreis Oelsnitz/V. beru-
fen und setzte sich mit ganzer Kraft für den Erhalt
der heimischen Natur und Landschaft ein, von der
Flussperlmuschel bis zum Vollzug der damaligen,
landesweiten Baumschutzverordnung (insbeson-
dere in seinem Heimatort Bad Brambach und in
Bad Elster), wobei er, wenn erforderlich, auch keine
Auseinandersetzung scheute.
Aber in erster Linie ist und war er kooperativ be-
müht, den Naturschutzgedanken in der Bevölke-
rung zu verbreiten, Verständnis dafür zu wecken
und mit allen den Konsens zu suchen, die von
und mit der Natur leben: Land- und Forstwirten,
Jägern, Anglern und vielen anderen.
In seiner Arbeit mit den ehrenamtlichen Natur-
schutzhelfern des Altkreises Oelsnitz gehörte

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61
Siegfried Gonschorek zu den aktivsten KNB im
Vogtlandkreis. In diesem Rahmen organisierte er
regelmäßig Naturschutzhelferschulungen, küm-
merte sich um die Betreuung von Amphibien-
schutzzäunen an Straßen, Exkursionen, öffentliche
Führungen, Betreuung von Schutzgebieten und
Durchführung spezieller Artenschutzmaßnah-
men oder führt diese selbst durch. Dabei stand er
„seinen“ Naturschutzhelfern bei ihrer Arbeit stets
beratend und unterstützend zur Seite, wobei ihm
seine hervorragende Orts- und Objektkenntnis zu
Gute kommt.
Für sein überdurchschnittliches langjähriges eh-
renamtliches Engagement wurde Siegfried Gon-
schorek mehrfach von verschiedenen Institutionen
ausgezeichnet.
So im Jahr 2006, in dem Siegfried Gonschorek vom
damaligen Staatsminister für Umwelt und Land-
wirtschaft Stanislaw Tillich beim Jahrestreffen der
Naturschützer für seine langjährige verdienstvolle
ehrenamtliche Arbeit die Ehrenurkunde erhielt.
Am 22. November 2014 war er einer von 58 säch-
sischen Bürgern, die in Dresden zu einer Festver-
anstaltung für herausragendes ehrenamtliches
Engagement von der sächsischen Sozialministerin
Barbara Klepsch eingeladen wurden.
Auf seiner „Spezialstrecke“, der Ornithologie be-
schränkte er sich nie auf Beobachtung und Sta-
tistik, sondern betreibt hier auch heute noch prak-
tischen, aktiven Artenschutz. Dazu gehören unter
anderem der Bau, die Anbringung und Betreuung
von über 100 Nistkästen für den Raufußkauz und
ein wesentlicher Beitrag zur Wiederansiedlung der
Wasseramsel im Vogtland, wofür ihm der Natur-
schutzpreis der Feldschlösschenbrauerei verliehen
wurde.
Als Vorstandsmitglied im Naturschutzbund
Deutschland e. V., Regionalverband Elstertal, hat
Siegfried Gonschorek die Arbeit dieses Vereins
wesentlich beeinflusst. Auch diese Tätigkeit wur-
de bereits mit einer Auszeichnung, der Ehrennadel
des NABU in Silber, gewürdigt. Er ist außerdem
Mitglied im Verein Sächsischer Ornithologen und
unter anderem als Beringer der Vogelwarte Hid-
densee mit der Beringung von Raufußkäuzen und
Wasseramseln in deren wissenschaftliche Pro-
gramme integriert.
Im Rahmen seines vorbildlichen und überdurch-
schnittlichen Engagements im Laufe seiner
31-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Kreis-
naturschutzbeauftragter des Vogtlandkreises für
das Gebiet des ehemaligen Kreises Oelsnitz hat
Siegfried Gonschorek die Belange des Naturschut-
zes in den Vordergrund gerückt und konnte auch
aufgrund seines Verhandlungsgeschickes immer
wieder Kompromisse für die Berücksichtigung na-
turschutzfachlicher Aspekte erwirken. Insbesonde-
re im Zuge seiner Arbeit zur Wiederansiedlung der
Wasseramsel im Vogtland gelang es ihm immer
wieder zum Beispiel bei Brücken- und Wasser-
bauvorhaben unkomplizierte Lösungen zur Be-
rücksichtigung von Maßnahmen zum Schutz der
Lebensstätten der Wasseramsel herbeizuführen.
Des Weiteren leistete er durch die Koordinierung,
Anleitung und Unterweisung der ihm zugeordne-
ten Naturschutzhelfer unter anderem zu Pflege-
maßnahmen in Naturschutzgebieten oder der Be-
treuung von Amphibienschutzzäunen entlang von
Straßen einen wertvollen Beitrag zur Bewahrung
der im Vogtland heimischen Flora und Fauna. Be-
sonders hervorzuheben sind Artenschutzprojekte
im Bereich Ornithologie wie die Wiederansiedlung
der Wasseramsel im Vogtland, die Betreuung von
über 100 Nistkästen für den Raufußkauz und die
Mitarbeit beim Uhu-Monitoring im Oberen Vogt-
land. Siegfried Gonschorek ist mit nunmehr 85
Jahren immer noch ehrenamtlich aktiver Natur-
schutzhelfer des Vogtlandkreises.
Andrea Wolf
Untere Naturschutzbehörde
(Landratsamt Vogtlandkreis)

62
Naturschutzbeauftragte
Als Ansprechpartner des sächsischen Naturschutz-
dienstes für Behörden und interessierte Öffent-
lichkeit werden die Naturschutzbeauftragten der
Landkreise und kreisfreien Städte sowie Landesna-
turschutzbeauftragte benannt.
Vor dem Hintergrund der Datenschutzgrundver-
ordnung kann eine vollständige Liste der Natur-
schutzbeauftragten mit Kontaktdaten nicht mehr
veröffentlicht werden. Stattdessen stellen wir die
Internetseiten und E-Mail-Adressen der Landkreise
und kreisfreien Städte zusammen, über die Kon-
takt zu den Naturschutzbeauftragten aufgenom-
men werden kann.
Landesnaturschutzbeauftragte
(Bereich Dresden und Chemnitz)
Internet:
www.lds.sachsen.de
E-Mail: post@lds.sachsen.de
Bereich Chemnitz
Erzgebirgskreis
Internet:
www.erzgebirgskreis.de
E-Mail: info@kreis-erz.de
Landkreis Mittelsachsen
Internet:
www.landkreis-mittelsachsen.de
Landkreis Zwickau
Internet:
www.landkreis-zwickau.de
E-Mail: landforstnatur@landkreis-zwickau.de
Vogtlandkreis
Internet:
www.vogtlandkreis.de
E-Mail: landratsamt@vogtlandkreis.de
Stadt Chemnitz
Internet:
www.chemnitz.de
E-Mail: umweltamt.naturschutz@stadt-chemnitz.de
Bereich Dresden
Landkreis Bautzen
Internet:
www.landkreis-bautzen.de
E-Mail: umwelt-forst@lra-bautzen.de
Landkreis Görlitz
Internet:
www.kreis-goerlitz.de
www.naturschutz-gr.de
E-Mail: info@kreis-gr.de
Landkreis Meißen
Internet:
www.kreis-meissen.org
E-Mail: post@kreis-meissen.de
2020 wurden im Mai die Naturschutzhelfer des
Landkreises berufen. 75 Helfer werden fortan von
drei KNB angeleitet.
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Internet:
www.landratsamt-pirna.de
E-Mail: umwelt@landratsamt-pirna.de
Stadt Dresden
Internet:
www.dresden.de
E-Mail: umweltamt@dresden.de
Bereich Leipzig
Landkreis Leipzig
Internet:
www.landkreisleipzig.de
E-Mail: info@lk-l.de
Landkreis Nordsachsen
Internet:
www.landkreis-nordsachsen.de
E-Mail: info@lra-nordsachsen.de
Stadt Leipzig
Internet:
www.leipzig.de
E-Mail: umweltschutz@leipzig.de

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63
Zwei neue Fledermausarten
in Sachsen nachgewiesen
In zwei aktuellen Publikationen wird über den
erstmaligen Nachweis von zwei Fledermausarten
in Sachsen berichtet. Die Anzahl der in Sachsen
nachgewiesenen Fledermausarten steigt somit
von 20 auf 22.
Dabei handelt es sich um die Weißrandfleder-
maus (
Pipistrellus kuhlii
), die im August 2018 in
Dresden durch den Fang eines Männchens nach-
gewiesen wurde (s
chuBerT
et al. 2019). Eine Sicht-
beobachtung und akustische Dokumentation
gelang auch in Leipzig-Wachau.
Die Weißrandfledermaus ist im Süden Europas
verbreitet und dringt seit drei Jahrzehnten in den
Süden Mitteleuropas vor. Sie besiedelt städtische
Lebensräume. Erste Fortpflanzungsnachweise
erfolgten in Deutschland ab 2001 in Bayern in
München und Augsburg. Sie hat sich im Süden
Bayerns und Baden-Württembergs etabliert. Die
Art kann leicht mit der Rauhautfledermaus ver-
wechselt werden.
Weiterhin gelang in Sachsen nach einer Pause
von fast 70 Jahren in Leipzig nun wieder ein
neuer Reproduktionsnachweis der Alpenfleder-
maus (
Hypsugo savii
) in Deutschland (W
oiTon
et
al. 2019). Die letzte Kolonie dieser Art wurde
1951 in Oberbayern gefunden, seither galt die
Art in Deutschland als ausgestorben.
Die Alpenfledermäuse bewohnen in Leipzig-
Paunsdorf ein Plattenbaugebiet. Es handelt sich
um eine kleine Kolonie von vier Weibchen. Sie
jagen Insekten in den Straßen und Höfen des
Plattenbaugebietes und in einer angrenzenden
Parkanlage, zu der ein künstliches Standgewäs-
ser gehört. Als Quartier nutzen sie horizontale
Spalten an unsanierten Plattenbauten.
Akustische Nachweise in Dresden, Torgau und
an der Mulde bei Grimma deuten auf weitere
Vorkommen der Alpenfledermaus in Sachsen hin.
Da die Art offenbar nur einzeln oder in kleinen
Gemeinschaften vorkommt, sind die entspre-
chend kleinen Quartiere schwer zu finden.
Die Alpenfledermaus kommt vor allem in Südeu-
ropa und im Alpenraum vor. Sie bewohnt felsen-
reiche Lebensräume vom Hochgebirge bis zu
Küstenregionen und nutzt überwiegend Fels-
spalten oder Spalten an Gebäuden als Quartiere.
Sie kann leicht mit Nord- oder Zwergfledermäu-
sen verwechselt werden. Innerhalb der letzten
zwei Jahrzehnte gab es Hinweise auf eine Aus-
breitungstendenz nach Zentraleuropa und Nach-
weise von Einzeltieren. Das könnte zum einen
damit zusammenhängen, dass sich die Alpenfle-
dermaus stärker an ein Leben in Siedlungen an-
passen konnte. Zum anderen könnte der Klima-
wandel eine förderliche Wirkung haben, da die
Art gut mit Hitze und Trockenheit zurechtkommt.
Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Einzel-
tiere mit Warentransporten verfrachtet werden.
Die Weißrand- und Alpenfledermaus sind, wie
alle spaltenbewohnenden Fledermausarten, stark
durch die Sanierung von Gebäuden gefährdet.
Bis auf die Nymphenfledermaus nutzen alle in
Sachsen nachgewiesenen Fledermausarten
Quartiere in beziehungsweise an Gebäuden als
Wohnstätte. Ihre Verstecke befinden sich zum
Beispiel auf Dachböden, hinter Fassaden- und
Schornsteinverkleidungen sowie hinter Fenster-
läden oder in Mauerspalten.
Alle einheimischen Fledermausarten sind streng
geschützt. Von den einheimischen Fledermaus-
arten geht im Vergleich zu anderen Wildtieren
kein besonderes Risiko für die menschliche Ge-
sundheit aus. Das Sächsische Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, die un-
teren Naturschutzbehörden und der Natur-
schutzbund Deutschland, Landesverband Sach-
sen e. V. bieten sachkundige Beratung zu Fragen
des Fledermausschutzes.

64
Literatur:
WoiTon, a.; kühn, n.; helBiG-BoniTz, M.; held, M.;
henrichMann, c.; kerTh, c.; kunTh, J.; ludWiG, M.
&
ohlendorF, B.
(2019): Erstnachweis der Alpenfledermaus
(
Hypsugo savii
BonaParTe
, 1837) mit Reproduktions-
status in Leipzig. Nyctalus (N. F.), Band 19, H. 3,
S. 230-245.
schuBerT, B.; rossner, M.
&
BöhMe, J.
(2019): Erstnachweis
der Weißrandfledermaus (
Pipistrellus kuhlii
kuhl
, 1817)
und Hinweise zum Vorkommen der Alpenfledermaus
(Hypsugo savii
BonaParTe
, 1837) in Sachsen. Nyctalus
(N. F.), Band 19, H. 3, S. 216-229.
Dr. Ulrich Zöphel
LfULG
(Über-)Leben am Limit
Mitmachaktion Wechselkröte
Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie (LfULG) startet im
Frühjahr 2021 eine Kampagne zum Schutz der
Wechselkröte und bittet um die Meldung von
Beobachtungen.
Die Wechselkröte ist in Sachsen stark gefährdet.
Sie gehört als Art des Anhangs IV der FFH-Richt-
linie zu den streng geschützten Arten. Allein mit
ihrem rechtlichen Schutz ist der Art jedoch nicht
geholfen. Für einen wirksamen Schutz muss ein
weiterer Verlust geeigneter Laichgewässer und
Landlebensräume verhindert werden.
Die Wechselkröte ist eine Offenland- und Pio-
nierart, die in sonnenreichen, trockenwarmen
Lebensräumen mit grabfähigem Boden und lü-
ckiger Vegetation vorkommt. Sie lebt gerne im
besiedelten Raum, beispielsweise in Gärten, in
Flussauen und in Sand-, Kies- und Tongruben.
Sie fühlt sich besonders in kleinen Teichen und
Tümpeln wohl, die nicht oder nur spärlich mit
Pflanzen bewachsen sind. In ländlichen Siedlun-
gen sollte sie in Dorf- und Gartenteichen oder
in deren Nähe zu beobachten sein. Für einen
wirksamen Schutz muss ein weiterer Verlust
geeigneter Laichgewässer und Landlebensräume
verhindert werden. Kleingewässer sind zu erhal-
ten oder sollten neu angelegt werden.
Kenntnisse über aktuelle Vorkommensgebiete
sind für wirksame Schutzmaßnahmen unver-
zichtbar. Bitte melden Sie daher Beobachtun-
gen an das Sächsische Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie! Teilen Sie uns
Ihre Beobachtung, wenn möglich mit Foto, per
E-Mail an artenerfassung.lfulg@smul.sachsen.
de mit. Weitere Informationen finden Sie unter
www.natur.sachsen.de/wechselkroete.html
und
im Flyer „Aktion Wechselkröte – Mitmachen und
finden!“ unter
www.publikationen.sachsen.de.
Quellen:
sy T.
&
Meyer F.
(2020): Kreuzkröte und Wechselkröte
– Überlebenskünstler in der Kiesgrube. Sächsisches
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie,
Sammelreihe Natur und Landschaft, Heft 6, 21 S.
LfULG –
sächsisches landesaMT Für uMWelT, landWirTschaFT
und GeoloGie
(Hrsg.) (2020): Aktion Wechselkröte –
Finden und mitmachen! Flyer, 6 S.
GriMMBerGer, e.
(2017):
Die Säugetiere Mitteleuropas.
Beobachten und Bestimmen.
Quelle
&
Meyer Verlag, Wiebelsheim, 695 S.
In diesem kompakten Werk werden alle in
Mitteleuropa zwischen der Nordseeküste und
dem Donaudelta, zwischen Ostpolen und der
Südschweiz und bis an die Adriaküste Kroati-
ens vorkommenden 141 Säugetierarten sowie
47 Arten von Irrgästen, „Exoten“ und in der
Landschaftspflege genutzten Haustierformen
vorgestellt. Das Vorgängerwerk „Die Säugetiere
Deutschlands“ hatte ein etwas kleineres For-
mat und behandelte naturgemäß eine engere

|
65
Artenauswahl. Der größere räumliche Umgriff
kommt dem vornehmlich an der Säugetierfauna
Deutschlands interessierten Leser zugute, da in
Ausbreitung befindliche Arten dadurch sicher
abgehandelt werden. Das größere Format in der
vorliegenden Auflage verbessert die Wiederga-
be der zahlreichen und aussagekräftigen Fotos
sehr. Die einzelnen Arten, ihr typischer Habitus,
oft auch spezielle Bestimmungsmerkmale und
nicht selten Lebensspuren werden brilliant ins
Bild gesetzt.
Der Text des Buches ist sehr informativ und
gut lesbar. Ihm ist anzumerken, dass der Au-
tor sich über viele Jahrzehnte und mit Passion
dieser Artengruppe verschrieben hat und die
Arten aus guter Literaturkenntnis und mit viel
eigener Anschauung und Erfahrung abhandeln
kann. Dadurch gelingt auch die Ausrichtung auf
die zur Feldbestimmung wesentlichen Inhalte.
Die gegenüber dem Vorgängerwerk im vorde-
ren Teil neu eingefügte Bestimmungshilfe nach
äußeren Merkmalen schafft für den Anfänger
einen guten Überblick über die überraschende
Vielfalt heimischer Säugetiere. Aber auch der
fortgeschrittene Naturbeobachter findet inte-
ressante Details wie Zusammenstellungen zu
schwimmenden Säugetieren oder den „Hinter-
vierteln“ von Paarhufern. Das gilt gleichermaßen
für die Beschreibung der einzelnen Säugetier-
arten Mitteleuropas von der Etruskerspitzmaus
bis zum Wisent. Auch die Fledermäuse werden
sehr gut und ausführlich abgehandelt. Hier gibt
es noch ein spezielles Kapitel zur Artbestim-
mung im Winterquartier. Auch die Bildunter-
schriften bieten oft wertvolle Zusatzinforma-
tionen wie zu jahreszeitlichen Kleidern oder
der Unterscheidung von Alt- und Jungtieren.
Der Naturfreund findet viele Abbildungen zu
Fraß- und Trittspuren, Bauen und Nestern, Kot
und anderen Lebensspuren. Fotos von Schädeln
und Zähnen sowie Hinterfüßen von Nagetieren
und Insektenfressern sind am Ende des Buches
zusammengefasst und bieten dadurch gute Ver-
gleichsmöglichkeiten.
Die Texte der Artkapitel besitzen einen glei-
chen Aufbau und behandeln Merkmale,
ähnliche Arten, Verbreitung – zusätzlich mit
einer aktuellen und nicht zu kleinen Übersichts-
karte -, Lebensraum und Lebensweise sowie
Schutz. Mitunter sind noch interessante „Be-
merkungen“ angefügt, auch zu den sich immer
weiter entwickelnden taxonomischen Auffas-
sungen. Die Irrgäste und „Landschaftspfleger“
werden knapper abgehandelt und auch nicht
vollständig abgebildet. Diese Entscheidung war
sinnvoll, um den Umfang des Buches nicht zu
sprengen.
Gegenwärtig werden viele Arten stärker aufge-
splittet und der Leser mag über die eine oder
andere, ihm nicht geläufige Säugetierart Mittel-
europas überrascht sein. Hier gibt der Autor gute
Hinweise zum Forschungsstand. Wenn es dabei
inzwischen auch einzelne gegenläufige Entwick-
lungen gibt und beispielsweise die Terrestrische
Schermaus und die Wasserschermaus neuer-
dings wieder zur Schermaus zusammengefasst
werden, so ist das nicht dem Autor anzulasten.
Wünschenswert wäre die Angabe gewesen, wel-
cher taxonomischen Referenz (im Wesentlichen)
gefolgt wird.
Das Buch kann jedem Naturfreund zur Nutzung
nur wärmstens empfohlen werden. Der Rezen-
sent zieht es gern und oft bei den unterschied-
lichsten Fragen zu Rate und wurde bisher nie
enttäuscht! Es ist zu hoffen, dass die Begeiste-
rung des Autors für Säugetiere auf viele uner-
fahrene Leser überspringt. Deshalb sei das Buch
auch ausdrücklich als Geschenk empfohlen. Dem
Autor kann zu diesem Werk nur gratuliert wer-
den. Es ist auf dem heimischen Büchermarkt
ohne Konkurrenz.
Dr. Ulrich Zöphel
Radebeul

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66
klausniTzer B. (2020):
Rote Liste und Artenliste
Sachsens – Marienkäfer.
Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie, 48 S.
Aktuelle Publikationen des LfULG und des SMEKUL
LfULG –
sächsisches landesaMT
Für uMWelT, landWirTschaFT
und GeoloGie
(Hrsg.) (2020):
Aktion Wechselkröte –
Finden und mitmachen!
Flyer, 6 S.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36750
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36729
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36727
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36728
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36730
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/37026
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36065
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/37452
Vier Faltblätter,
jeweils 6 S.
LfULG –
sächsisches landesaMT
Für uMWelT, landWirTschaFT und GeoloGie
(Hrsg.) (2020):
Der Wachtelkönig,
Die Bekassine,
Das Braunkehlchen,
Der Wiesenpieper –
Erkennen und helfen!
Informationen für Landnutzer.
voiGT, h.; küTTner, r.
&
Plesky B.
(2019):
Rote Liste und Artenliste
Sachsens – Köcherfliegen.
Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie, 47 S.
LfULG
– sächsisches landesaMT
Für uMWelT, landWirTschaFT
und GeoloGie
(Hrsg.) (2020):
Pflanzen im Siedlungsbereich –
Bestimmungshilfe. 114 S.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/35562
sy, T.
&
Meyer F.
(2020):
Kreuzkröte und Wechselkröte –
Überlebenskünstler in der
Kiesgrube. Sammelreihe Natur
und Landschaft, Heft 6,
Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie, 20 S.

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67
LfULG –
sächsisches landesaMT
Für uMWelT, landWirTschaFT
und GeoloGie
(Hrsg.) (2020):
Fachstelle Wolf –
Wolfsmanagement in Sachsen.
Flyer, 6 S.
Die Publikationen des LfULG können beim Zentralen Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
bestellt werden und stehen dort zum Download zur Verfügung:
www.publikationen.sachsen.de
Wieder bestellbar:
Blischke, h.
&
TraPP, h.
(2020):
Rauch- und Mehlschwalben –
Mitbewohner unserer Gebäude.
Sächsisches Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und
Geologie, Sammelreihe Natur
und Landschaft,
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/37086
Heft 1, 5. Auflage, 13 S.
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/11789
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/36810
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/22958
sMekul – sächsisches sTaaTsMi-
nisTeriuM Für enerGie, kliMaschuTz,
uMWelT und landWirTschaFT
(Hrsg.)
(2020):
Naturwunder – Natura 2000 in
Sachsen. Pocketplaner, Faltblatt,
30 S.
schMidT
, C. (2020):
Fledermausquartiere an
Gebäuden. Mit Bauzeichnungen
auf CD. Sächsisches Landesamt
für Umwelt, Landwirtschaft
und Geologie, 4. unveränderte
Auflage, 69 S.

68
Hinweise
Die „Naturschutzarbeit in Sachsen“ (vormals
Naturschutzarbeit und naturkundliche Heimatfor-
schung in Sachsen) erscheint als Anleitungs- und
Informationsmaterial für ehrenamtliche Natur-
schutzbeauftragte und –helfer, Naturschutz-
verbände, Naturschutzbehörden und –fachbehör-
den sowie angrenzende Bereiche jährlich mit
einem Heft.
Als inhaltliche Schwerpunkte sollen Ergebnisse
praktischer und theoretischer Arbeit auf den
Gebieten des Naturschutzes und der Landschafts-
pflege (beispielsweise Betreuung und Pflege sowie
Dokumentation geschützter Objekte – Öffentlich-
keitsarbeit) und Erfahrungsberichte zur Darstel-
lung gelangen.
Interessierte Autoren können Beiträge einreichen.
Es wird gebeten, die Manuskripte (nach Möglich-
keit die Textdatei in Word für Windows per E-Mail)
mit reproduktionsfähigen Abbildungen bei der
Redaktion einzureichen. Die Manuskripte sollen
einen Gesamtumfang von zehn Textseiten nicht
überschreiten. Ausführliche Hinweise für die
Autoren sind im Landesamt für Umwelt, Landwirt-
schaft und Geologie bei Frau Dr. Jahn (E-Mail:
anette.jahn@smul.sachsen.de, Tel. +49 3731 294-
2306) anzufordern und stehen im Internet zur
Verfügung.
Über die Annahme zum Druck entscheidet die
Redaktion. Die Beiträge können nicht honoriert
werden. Für jeden Beitrag werden kostenlos
zwanzig Hefte zugesandt. Gedruckte Fotos werden
honoriert.
Die Autoren und Bildautoren sind für die Wahrung
der Rechte bei den Fotos (beispielsweise Persön-
lichkeitsrechte, Urheberrecht und Datenschutz)
verantwortlich.
Die Redaktion behält sich eine Überarbeitung der
eingereichten Manuskripte vor. Diese wird mit den
Autoren abgestimmt.
Informationen zur „Naturschutzarbeit in Sachsen“
sind auch im Internet verfügbar:
www.natur.sachsen.de/jahreszeitschrift-
naturschutzarbeit-in-sachsen-7396.html
Helmut Ballmann setzte sich unter anderem besonders
für die naturnahe Entwicklung der Mulde ein.
Abb. 1 (oben):
Helmut Ballmann an der Mulde bei Bad Düben
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, M. Ludwig
Abb. 2 (Mitte):
Kiesgrube an der Mulde bei Bad Düben
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, H. Ballmann
Abb. 3 (unten):
Schwanenblume (
Butomus umbellatus
)
in der Muldenaue
Foto: Archiv Naturschutz LfULG, H. Ballmann
Artikel-Nr.: LV - 3/28

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Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt,
Landwirtschaft und Geologie (LfULG)
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
Telefon: +49 351 2612-0
Telefax: +49 351 2612-1099
E-Mail: lfulg@smul.sachsen.de
www.lfulg.sachsen.de
Das LfULG ist eine nachgeordnete Behörde des Sächsischen Staatsministeriums
für Energie, Klimaschutz, Umwelt und Landwirtschaft (SMEKUL).
Diese Veröffentlichung wird finanziert mit Steuermitteln auf Grundlage
des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.
Redaktion:
Wolfgang Dietrich, Dr. Bernard Hachmöller, Dr. Anette Jahn, Udo Kolbe,
Hellmut Naderer, Dr. Hartmut Schwarze, Dr. habil. Rolf Steffens,
Dr. Stefan Straube, Dr. Rolf Tenholtern, Edgar Weber
Telefon: +49 3731 294-2300
Telefax: +49 3731 294-2099
E-Mail: abt6.lfulg@smul.sachsen.de
Hinweis:
Für den Inhalt der Beiträge sind die Autoren verantwortlich. Es wird darauf
hingewiesen, dass die Aussagen der Autoren nicht unmittelbar die Meinung
der Naturschutzverwaltungen bzw. der Redaktion widerspiegeln.
Fotos:
Titel: Bergmähwiese, Archiv Naturschutz LfULG, H. Ballmann
Rücktitel: Arnika (
Arnica montana
), Archiv Naturschutz LfULG, H. Ballmann
Gestaltung und Satz:
FRIEBEL Werbeagentur und Verlag GmbH,
www.friebelwv.de
Druck:
Druckerei Schütz,
www.druckerei-schuetz.de
Redaktionsschluss:
31.12.2020
Auflage:
4.000 Exemplare
Papier:
Gedruckt auf zertifiziertem Umweltpapier
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
Zentraler Broschürenversand
der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Telefon: +49 351 2103-672
Telefax: +49 351 2103-681
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