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EU-ZEIT
Das Magazin zur EU-Förderung in Sachsen
Europa stärkt
dich und deine
Stadt
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:
Beispiele der
Stadtentwicklung
Seite 8
Leipzig Charta:
Leitbild für Europas
Städte
Seite 22
www.strukturfonds.sachsen.de
Das Magazin zur EU-Förderung in Sachsen
EU
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ZEIT
Europa stärkt
dich und deine
Stadt
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Beispiele der
Stadtentwicklung
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Leipzig Charta:
Leitbild für Europas
Städte
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1. Ausgabe 2020
www.strukturfonds.sachsen.de

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EU-ZEIT
1 – 2020
Impressum
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Verwaltungsbehörden EFRE + ESF
Wilhelm-Buck-Str. 2 | 01097 Dresden
Redaktion:
SMWA; SMR, Referat 52,
stadtentwicklung-eu-foerderung@smr.sachsen.de
Bildnachweis:
Titel, S. 15 oben: Stadt Görlitz / Uwe Schwarz; Titel Mitte
u. S. 8 oben: Punkt3 GmbH, Titel unten rechts: adobe
stock; S. 3: SMR/Foto-Atelier-Klemm; S. 4: Stadt Mitt-
weida; S. 5: Stadt Görlitz; S. 6: Stadt Leipzig; S. 8 u. 9:
Stadt Auerbach / Vogtl.; S. 10 Mitte: Peter Roßner / CWE,
unten: Mark Frost / CWE; S. 11 oben: Stadtplanungsamt
Chemnitz / Lars Schuster, unten: Stadtplanungsamt
Chemnitz / Martina Schönherr; S. 12 oben u. S. 27
rechts: Stephan Floss/zebra, unten: riesa efau. Kultur
Forum Dresden e. V., S. 13 oben links: CODE UNIQUE
Architekten GmbH, rechts: SMI / Starruß, unten: pidelta.
de; S. 14: Stadt Görlitz; S. 15 unten: Second Attempt
e. V.; S. 16 u. S. 17 oben: Martin Kisza / Stadtverwal-
tung Heidenau; S. 17 unten: CJD Sachsen e. V.; S. 18:
Stadt Meißen; S. 19: Stiftung Soziale Projekte Meißen;
S. 20: Christoph Brunner / Luthergemeinde Zwickau;
S. 21: KOMPAKT Schule mit Zukunft – gemeinnützige
Schulträgergesellschaft mbH; S. 22 oben: adobe stock,
links: DV-Michael-Kirsten; S. 24 oben: Lichtwerke
Design Fotografie / Andreas Scheunert, unten: Stadtver-
waltung Zittau; S. 25 u. S. 27 links: Agnieszka Winkler;
S. 26: EU/Dati Bendo
Textnachweis:
S. 3 bis 7: SMR, Referat 52; Seite 8 bis 21:
pressto gmbh – agentur für medienkommunikation;
Seite 22 u. 23: Jonas Scholze; Seite 24 u. 25: SSG;
S. 26 u. 27: SMWA
Satz:
Heimrich & Hannot GmbH
Druck:
Druckerei Friedrich Pöge e. K.
Redaktionsschluss:
2. März 2020
ISSN 2363-6017
EU-Zeit erscheint mehrmals jährlich unentgeltlich.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge und Leserzu-
schriften geben nicht unbedingt die Meinung der Redak-
tion wieder. Nachdruck von Beiträgen (mit Quellenan-
gaben) ist ausdrücklich erwünscht. Um die Zusendung
eines Belegexemplars wird gebeten. Für unaufgefordert
eingesandte Manuskripte, Fotos usw. wird keine Gewähr
übernommen.
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen
Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen
Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit her-
ausgegeben. Sie darf weder von politischen Parteien
noch von deren Kandidaten oder Helfern zum Zwecke
der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für alle
Wahlen. Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung
auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der
Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkle-
ben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel.
Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwen-
dung bei der Wahlwerbung.
Gedruckt wird auf chlorfrei gebleichtem Papier. EU-
Zeit wird aus Mitteln der Europäischen Strukturfonds
und des Freistaates Sachsen finanziert.
1. Ausgabe 2020
Inhalt
VORWORT
3
Nachhaltige Stadtentwicklung – eine Partnerschaft von Städten, Freistaat und EU
EFRE-/ ESF-STADTENTWICKLUNG
4
Europa stärkt dich und deine Stadt
EFRE- und ESF-Stadtentwicklung belebt Quartiere, schützt die Umwelt und
fördert den sozialen Zusammenhalt
AUERBACH / VOGTLAND
8
„Wir wollen als Stadt immer in Bewegung bleiben …!“
Neue Sport- und Freizeitangebote locken in Auerbach / Vogtland
CHEMNITZ
10 In Chemnitz steckt viel kreative Energie
DRESDEN
12 Mit Kunst die Stadt verändern
Dresdner EU-Projekte machen die Stadt bunter und sozialer
GÖRLITZ
14 Grünflächen statt Güterwaggons
Der Brautwiesenbogen wird eine neue Lebensader von Görlitz
HEIDENAU
16 Treffpunkt für alle Heidenauer
Der Fritz-Gumpert-Platz in Heidenau erhält einen Spielplatz für Jung und Alt
MEISSEN
18 Tradition und Moderne verbinden
Meißen hat viel Potential als Wohn- und Arbeitsort
ZWICKAU
20 Mit Gemeinsinn für ein starkes Viertel
Wir in der Zwickauer Bahnhofsvorstadt
LEIPZIG CHARTA
22 „Es bedarf einer starken städtischen Dimension in der EU-Strukturpolitik“
Interview mit Jonas Scholze, Geschäftsführer Deutscher Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung e. V., Leiter Büro Brüssel
SÄCHSISCHER STÄDTE- UND GEMEINDETAG
24 „Stadtentwicklung ist wesentlicher Baustein der EU-Förderung”
Interview mit Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Sächsischen Städte- und Gemeindetages
FÖRDERUNG IM FOKUS
26 Wie geht es weiter?
Ausblick auf die Förderperiode 2021 bis 2027
27 Gutes tun und darüber reden
Wo Europa drinsteckt, soll auch Europa draufstehen
INHALT

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/
3
Nachhaltige Stadtentwicklung –
eine Partnerschaft von Städten,
Freistaat und EU
Liebe Leserinnen und Leser,
„Europa stärkt dich und deine Stadt“, so lau-
tet das Motto der beiden aus den EU-Struk-
turfonds gespeisten sächsischen Programme
zur Stadtentwicklung. Wie kaum eine andere
Region Europas verfügt der Freistaat Sach-
sen über ein dichtes Netz von städtischen
Gebieten. Neben den drei großen Städten
Chemnitz, Dresden und Leipzig prägen vor
allem 170 Mittel- und Kleinstädte den Frei-
staat Sachsen und seine unterschiedlichen
Regionen.
Die Menschen fühlen sich in ihren Städten
„zu Hause“, wenn sie sich vor Ort für die
Gestaltung ihrer Stadt engagieren und damit
die Stadtentwicklung zu einem Kernstück
der kommunalen Selbstverwaltung machen
können.
Auch die Europäische Union hat die nachhal-
tige Stadtentwicklung als ein zentrales Thema
für den Zusammenhalt und die Bürgernähe in
Europa erkannt. Dadurch ist es dem Freistaat
Sachsen möglich, über den Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und
über den Europäischen Sozialfonds (ESF) die
Städte bei ihren Vorhaben mit zwei Program-
men zu unterstützen.
Ich freue mich, dass diese beiden Programme
mit den vielfältigen Möglichkeiten, die sie
gerade den Mittel- und Kleinstädten in
Sachsen geben, Teil des neu geschaffenen
Sächsischen Staatsministeriums für Regio-
nalentwicklung (SMR) geworden sind, weil es
dadurch noch besser möglich ist, die Entwick-
lung von städtischen und ländlichen Gebieten
gemeinsam zu gestalten.
Erfahrungsgemäß wissen die Menschen vor
Ort am besten, was für die Entwicklung ihrer
Stadt notwendig ist. Die in Sachsen etablierte
EFRE- und ESF-Förderung zur Stadtentwicklung
ermöglicht es deshalb den Kommunen, Konzepte
zur nachhaltigen Stadtentwicklung zu erstellen
und die darin enthaltenen vielfältigen Vorhaben
tatsächlich umzusetzen. Beispiele dafür, was in
diesem Förderzeitraum bereits erreicht wurde,
zeigt diese Ausgabe der EU-Zeit.
In diesem Förderzeitraum ist es insbesondere
möglich, investive EFRE-Vorhaben durch
soziale Projekte der ESF-Stadtentwicklung
zu ergänzen. Bei der Auswahl der vorgestell-
ten Projekte war es deshalb ein besonderes
Anliegen, das Zusammenwirken von EFRE-
und ESF-Stadtentwicklung in ausgewählten
Gebieten zu demonstrieren.
Ich hoffe und wünsche uns allen, dass das
Staatsministerium für Regionalentwicklung
die erfolgreiche Arbeit im kommenden För-
derzeitraum 2021 – 2027 mit Unterstützung
der Europäischen Union fortsetzen kann.
Thomas Schmidt
Sächsischer Staatsminister für
Regionalentwicklung
Der Europäische Sozialfonds (ESF) fördert
soziale Projekte zur Stadtentwicklung in Sachsen
in 33 Städten.
Europa
stärkt dich und
deine Stadt.
VORWORT

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EU-ZEIT
1 – 2020
Europa stärkt dich und
deine Stadt
EFRE- und ESF-Stadtentwicklung belebt Quartiere, schützt
die Umwelt und fördert den sozialen Zusammenhalt
Warum brauchen wir
EU-Mittel für die
Stadtentwicklung?
Dank umfangreicher privater und öffentlicher
Investitionen zur Verbesserung der Infrastruk-
tur konnte in den vergangenen 30 Jahren viel
erreicht werden. Die Sanierung und der Neu-
bau von Wohnhäusern, Schulen, öffentlichen
Plätzen und Grünflächen haben unsere Städte
und Gemeinden verändert und vielerorts so
schön gemacht wie nie zuvor.
Weil sich Rahmenbedingungen ändern und
auch die Erwartungen der Bewohnerinnen
und Bewohner weiterentwickeln, muss Stadt-
entwicklung als stetiger Prozess verstanden
werden, der immer wieder Anpassungen und
Neuausrichtungen erfordert. Die Stadtent-
wicklung ist deshalb eine wichtige Aufgabe
der Städte im Rahmen der kommunalen
Selbstverwaltung.
Vor allem, um besondere Herausforderungen zu
meistern, können die Städte Unterstützung aus
nationalen und auch europäischen Fördertöp-
fen erhalten. Die beiden aus dem EFRE und ESF
finanzierten Förderprogramme des Freistaates
Sachsen zur nachhaltigen Stadtentwicklung
sind zwei dieser Instrumente. Dabei liegt der
Fokus auf der Förderung von benachteiligten
Stadtgebieten. Die Maßnahmen sollen der
Abwanderung aus den unterstützten Quartieren
entgegenwirken und einen Beitrag dazu leisten,
dass sich die Bewohner in ihrem Stadtquartier
zu Hause fühlen.
Mit EFRE-Mitteln
gestalteter Technikum-
platz in Mittweida
EFRE-Stadtentwicklung:
Europa investiert in Städte und Gemeinden
Mit dem aus EFRE-Mitteln geförderten Pro-
gramm
„Nachhaltige Stadtentwicklung“
unterstützt das Sächsische Staatsministerium
für Regionalentwicklung (SMR) Städte und
Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern bei
der Entwicklung ausgewählter Stadt gebiete
(
Integrierte Stadtentwicklung
) und bei der
Nutzbarmachung brachliegender Flächen
(
Integrierte Brachflächenentwicklung
). Sozi-
ale, wirtschaftliche und öko logische Problem-
lagen sollen überwunden und be nachteiligte
Stadtquartiere aufgewertet werden.
Insgesamt stehen dafür
179,9 Millionen Euro
EFRE-Mittel zur Verfügung. Entsprechend
den EU-Vorgaben beträgt der Fördersatz
80 Prozent
.
Im Freistaat Sachsen werden im aktu-
ellen Förderzeitraum
23 Gebiete in 21
Städten aus dem Programmteil „Integ-
rierte Stadt entwicklung“
gefördert. Im
Programm teil
„Integrier
te
Brachflächenent-
wicklung“ umfasst die Förderung gegenwärtig
33 Brachflächen landesweit.
sowie die Beseitigung von 33 Brachen
werden im aktuellen Förderzeitraum
aus dem EFRE- Programm „Nachhaltige
Stadtentwicklung“ in Sachsen gefördert.
Gebiete in
23
21 Städten
EFRE-/ ESF-STADTENTWICKLUNG

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4
/
5
Görlitz mit dem ehe-
maligem Güterbahnhof
aus der Luft
Auf diese Art der Förderung setzt auch die
Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen
Stadt von 2007. Darin wurden auf europäischer
Ebene die Notwendigkeit eines integrierten
Ansatzes und die besondere Bedeutung der
Entwicklung von benachteiligten Stadtgebie-
ten betont: „Unter integrierter Stadtentwick-
lungspolitik verstehen wir eine gleichzeitige
und gerechte Berücksichtigung der für die
Entwicklung von Städten relevanten Belange
und Interessen“.
Welche Investitionen
fördert der EFRE?
Der Freistaat Sachsen unterstützt mit Hilfe der
vor allem auf investive Vorhaben ausgerich-
teten EFRE-Förderung bereits in der dritten
Förderperiode benachteiligte Stadtquartiere
bei der Überwindung struktureller Defizite. Die
EFRE-Förderung ist dabei auf die Beseitigung
sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Pro-
blemlagen und die Aufwertung benachteiligter
Stadtquartiere ausgerichtet.
Auf Grundlage des als Gebietsförderung angeleg-
ten Programmteils „Integrierte Stadtentwicklung“
werden mit Hilfe von EFRE-Mitteln beispielsweise
öffentliche Infrastrukturen energetisch saniert,
um den CO
2
-Ausstoß zu reduzieren. Außerdem
können Vorhaben zur Verbesserung des kultur-
touristischen Angebotes initiiert werden. Projekte
zur Barrierefreiheit und Verbesserung der Zugäng-
lichkeit ermöglichen die Teilhabe aller Bürgerinnen
und Bürger an Aktivitäten in ihrem Wohnumfeld.
Und indem Klein- und Kleinstunternehmen im
Quartier unterstützt werden, trägt die Förderung
zur Stärkung der lokalen Wirtschaft bei.
Außerhalb der Gebietsförderung, im Rahmen
des Programmteils „Integrierte Brachflächen-
entwicklung“, kann das Stadtbild durch die
Beseitigung von Brachen aufgewertet werden.
Dabei wird besonderes Augenmerk darauf
gelegt, die betreffenden Flächen wieder einer
Nutzung zuzuführen.
EFRE-/ ESF-STADTENTWICKLUNG
ESF-Stadtentwicklung:
sozial, nachhaltig – und europäisch gefördert
Mit dem aus ESF-Mitteln geförderten Programm
Nachhaltige soziale Stadtentwicklung“
unterstützt das Sächsische Staatsministerium
für Regionalentwicklung (SMR) – erstmalig im
aktuellen Förderzeitraum 2014–2020 – Städte
und Gemeinden mit mehr als 5.000 Einwohnern
bei der sozialen Entwicklung ausgewählter
Stadtgebiete. Das Förderprogramm ist darauf
ausgerichtet, die Lebenssituation von sozial und
am Arbeitsmarkt benachteiligten Menschen
durch niedrigschwellige Vorhaben nachhaltig
zu verbessern.
Für diese Vorhaben stehen insgesamt
32,1
Millionen Euro
aus dem ESF zur Verfügung.
Durch die Bereitstellung von zusätzlichen
6 Millionen Euro
Landesmittel beträgt der
Fördersatz
95 Prozent
.
Im Freistaat Sachsen werden im aktuellen
Förderzeitraum
38 Gebiete in 33 Städten
aus dem ESF- Programm „Nachhaltige
soziale Stadtentwicklung“
gefördert.
38
Gebiete in
33 Städten
werden im aktuellen Förderzeitraum aus
dem ESF- Programm „Nachhaltige soziale
Stadtentwicklung“ gefördert.

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EFRE-/ ESF-STADTENTWICKLUNG
Wie erreicht der ESF
die Menschen in ihrem
Wohnumfeld?
Dass trotz aller erreichten positiven Entwick-
lungen in bestimmten städtischen Gebieten
die Arbeitslosigkeit auf überdurchschnittli-
chem Niveau verharrt, zu viele Jugendliche
die Schule ohne Abschluss verlassen oder ein
Auseinanderdriften in einkommensschwache
und einkommensstarke Stadtquartiere zu
beobachten ist, macht deutlich, dass eine
nachhaltige Stadtentwicklung immer auch den
sozialen Zusammenhalt der Menschen im Blick
haben muss.
In der laufenden Förderperiode ist erstmalig
aus dem ESF eine gezielte Unterstützung der
Gemeinden bei der Durchführung von sozialen
Projekten vorgesehen.
Es gibt zahlreiche ESF-Programme, die die
Themen Beschäftigung und soziale Inklusion
adressieren, etwa durch Weiterbildung und
Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen oder
die Begleitung von Jugendlichen bei den
Übergängen von Schule in Ausbildung und
Beruf. In der Regel sind diese Programme
nicht direkt an die Gemeinde gerichtet und
nach fachlichen Zuständigkeiten strukturiert.
Städte und Gemeinden sind jedoch häufig
die erste Anlaufstelle, wenn im Wohnumfeld
soziale Konflikte auftreten. Mit der ESF-Stadt-
entwicklung existiert nun zum ersten Mal eine
Förderung, die die Städte dabei unterstützt,
über einen Zeitraum von ca. sieben Jahren in
ausgewählten Fördergebieten in enger Part-
nerschaft mit lokalen Vereinen und sozialen
Trägern aufeinander abgestimmte soziale Pro-
jekte umzusetzen.
Durch den niedrigschwelligen und informellen
Charakter der Vorhaben, die die Menschen
unmittelbar in ihrer Nachbarschaft und ihrem
sozialen Umfeld ansprechen, ist es möglich,
auch Personen einzubinden, die durch Maß-
nahmen des Job-Centers oder andere Regelan-
gebote nicht oder nur sehr schwer zu erreichen
sind. Diese Art der Unterstützung hilft ihnen
bei den ersten Schritten auf dem Weg in einen
geregelten Tagesablauf, eine Qualifizierungs-
maßnahme oder ein Beschäftigungsverhältnis.
Häufig ist das ehrenamtliche Engagement der
Bewohner der Fördergebiete, das mit Hilfe der
Vorhaben ebenfalls aktiviert wird, eine der
wichtigsten Ressourcen dieser Projekte. Auch
dadurch werden das Miteinander im Viertel
und die Wahrnehmung des Quartiers insge-
samt positiv beeinflusst.
Feierliche Übergabe
der Bautafel für das
EFRE-Projekt "Philippus"
in Leipzig
www.efre-esf-
stadtentwicklung.sachsen.de
Über diesen Link erreichen Sie die
einschlägigen Seiten des SMR. Und
Sie können sich weiter zu den Pro-
grammstädten und Projekten navigie-
ren und zur konkreten Umsetzung, zu
Ansprechpartnern usw. recherchieren.
EU-ZEIT
1 – 2020

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Welchen Sinn haben integ-
rierte Handlungskonzepte?
Im Vergleich zu anderen Förderprogrammen
zeichnet sich die Förderung der Stadtentwick-
lung dadurch aus, dass alle Einzelvorhaben Teil
eines integrierten Handlungskonzeptes für das
aufgrund seiner Problemlagen ausgewählte
Stadtgebiet sind.
Die Konzepte werden in den Städten gemein-
sam mit den Bewohnern und den lokalen
Partnern erarbeitet und beziehen sich auf den
gesamten Förderzeitraum. Dieses Herangehen
ermöglicht den Kommunen eine strategische
Ausrichtung der Förderung und die Umsetzung
von zeitlich und inhaltlich aufeinander abge-
stimmten Vorhaben.
Und mit dieser Struktur sind die Programme
auch besonders geeignet, die Städte bei den
aktuell anstehenden komplexen Herausforde-
rungen zu unterstützen, die sich unter ande-
rem aus den demografischen und strukturellen
Änderungsprozessen, der Digitalisierung sowie
Klimawandel und Energiewende ergeben.
Im Ergebnis der gemeinsamen Erarbeitung und
Durchführung der Handlungskonzepte besteht
der Mehrwert für die geförderten Gebiete nicht
zuletzt in der Vernetzung der unterschiedlichs-
ten Akteure aus Verwaltung und Zivilgesell-
schaft. Um den Austausch zu fördern und gute
Beispiele bekannt zu machen, werden durch das
Ministerium für Regionalentwicklung (SMR)
regelmäßig Workshops für die in das Programm
eingebundenen Städte organisiert.
Wie ist der aktuelle
Umsetzungsstand?
Die insgesamt 61 vom Ministerium bestätigten
Handlungskonzepte untersetzen das gesamte
verfügbare Mittelvolumen und enthalten für
den Gesamtzeitraum Planungen für ca. 800
Einzelvorhaben. Mehr als 550 Vorhaben wur-
den bereits von der Sächsischen Aufbaubank –
Förderbank – (SAB) bewilligt und befinden sich
jetzt in der Durchführung oder sind bereits
abgeschlossen. Hinzu kommen aktuell 33
bewilligte Projekte, um brachgefallene Areale
einer neuen Nutzung zuzuführen.
Besonders erfreulich ist, dass neben den drei
großen Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz
viele sächsische Mittel- und Kleinstädte an
den beiden Programmen teilnehmen.
Wie soll es nach dem Jahr
2020 weitergehen?
Die aktuelle Förderperiode läuft nominell von
2014 bis 2020. Die Vorhaben können aber
aufgrund einer Nachlaufzeit noch länger
durchgeführt werden. Die Gemeinden werden
deshalb auch in diesem und im nächsten Jahr
intensiv daran arbeiten, die geplanten Projekte
umzusetzen. Seitens des SMR und der SAB
als Bewilligungsstelle wird es ein enges Con-
trolling zur Ausschöpfung der europäischen
Fördermittel geben.
Auch im neuen Förderzeitraum 2021-2027 soll
die Stadtentwicklung aus den Strukturfonds
unterstützt werden. Die konkrete inhaltliche
Ausgestaltung und die wesentlichen finanzi-
ellen Rahmenbedingungen stehen jedoch noch
nicht fest. Die Gemeinden sind aber schon
jetzt aufgerufen, im Rahmen ihrer Stadt-
entwicklungskonzepte zu prüfen, wo in den
nächsten Jahren besonderer Handlungsbedarf
besteht und mit den Bürgerinnen und Bür-
gern in einen Dialog zu treten, um geeignete
Strategien für diesen Zeitraum zu entwickeln.
Das SMR arbeitet darauf hin, dass sowohl
die EFRE-Stadtentwicklung als auch die ESF-
Stadtentwicklung im kommenden Förderzeit-
raum mit den bestehenden und bewährten
Inhalten fortgeführt und dabei noch stärker
aufeinander abgestimmt werden.
Europa
stärkt dich und
deine Stadt.
EFRE-/ ESF-STADTENTWICKLUNG
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AUERBACH / VOGTLAND
Konzeptzeichnung für das neue Freizeitzentrum
in der Beegerstraße 2
„Wir wollen als Stadt immer
in Bewegung bleiben …!“
Neue Sport- und Freizeitangebote locken in Auerbach / Vogtland
Das vogtländische Auerbach hat sein Potenzial
als Kleinstadt mit vielen Grünflächen und
Freizeitmöglichkeiten entdeckt. Der Hofaupark
zum Beispiel hat sich zu einem der beliebtes-
ten Treffpunkte entwickelt, weil er vielfältige
Bewegungsangebote für Jung und Alt bietet.
Auch werden ein altes Fabrikgebäude in der
Beegerstraße modernisiert und ein Sportplatz
im Bendelstein-Gebiet erneuert. All diese
Projekte im Fördergebiet „Westliche Altstadt“
unterstützt die EU durch Fördermittel zur
städtischen Entwicklung. „Damit alle etwas
davon haben, werden die Bürger aktiv in die
Stadtentwicklung einbezogen“, erklärt Patrick
Zschiesche, Fachbereichsleiter Bauwesen/Lie-
genschaften. Dieser Ansatz kann auch genutzt
werden, um gerade sozial und am Arbeitsmarkt
benachteiligte Menschen stärker in die Gesell-
schaft zu inte grieren und ihnen Perspektiven
in ihrer Heimat aufzuzeigen.
Hier ist Auerbach aktiv
Das Naherholungsgebiet Hofaupark am Stand-
ort des ehemaligen Wismut-Stadions entstand
2012 mit EFRE-Mitteln. Am Uferweg des
Flüsschens Göltzsch kann man spazieren und
radfahren. Im Park gibt es Spiel- und Sport-
inseln, einen Wasserspielplatz für Kleinkinder
und ein Café. Die Jugendlichen zeigen auf
der modernen Skateanlage, welche Tricks sie
draufhaben. Ältere Menschen finden im Park
Bewegungsgeräte, um sich fit zu halten. „Der
Hofaupark ist ein richtiger Aktivpark gewor-
den“, sagt Patrick Zschiesche.
INFORMATION
Auerbach/Vogtland erhält in der aktuellen
Förder periode 2014 bis 2020 rund vier
Millionen Euro aus dem Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und
etwa 900.000 Euro aus dem Europäischen
Sozialfonds (ESF) und Landesmitteln für das
Fördergebiet „Westliche Altstadt“.
Weitere Informationen zur EFRE- und ESF-
Stadtentwicklung:
www.efre-esf-stadtentwicklung.sachsen.de
Die Skateanlage im Hofaupark wird gerne von den
Jugendlichen genutzt
EU-ZEIT
1 – 2020

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In heißen Sommermonaten genießen die Auerbacher im Hofaupark jede verfügbare Abkühlung
Der sanierte „Fun-Court“ am Bendelstein-Gebiet
erstrahlt in neuem Glanz
In der Beegerstraße 2, nah am Hofaupark,
steht eine alte Textilfabrik. Die Industriebrache
soll Ende 2020, Anfang 2021 mit EFRE-Mitteln
zu einem Kultur- und Freizeitzentrum ausge-
baut werden. „Wir haben im Frühjahr 2017 eine
Zukunftswerkstatt gestartet, um mit Bürgern,
Schulen und Vereinen gemeinsam Ideen zu
sammeln, wie die Räume genutzt werden
könnten“, erzählt Christin Weidensdörfer, Pro-
jektkoordinatorin für die Nachhaltige soziale
Stadtentwicklung. Auf den vier Etagen wird
nächstes Jahr viel los sein: „Geplant sind etwa
ein Indoorspielplatz, ein Eventraum, Vereins-
räume und eine Billardetage“, sagt sie. Auch
ein ESF-gefördertes Projekt für Langzeitar-
beitslose mit dem Namen „T(r)agwerk“ soll in
die Beegerstraße einziehen.
Junge Menschen gestalten
ihre Stadt
Auerbach/Vogtl. tut viel dafür, Kinder und
Jugendliche zu fördern. Dazu gehören auch
allgemein zugängliche, qualifizierte Freizeit-
angebote. Dieses Jahr wurde der „Fun-Court“
saniert, ein alter Bolzplatz am Bendelstein-
Gebiet. „Die Holzelemente waren schon stark
angegriffen. Die neue Umzäunung und die
Prallwände sind jetzt aus Metall“, erklärt
Patrick Zschiesche. Auerbach will die Jugend
aktiv in die Stadtentwicklung einbinden. So
auch im Projekt „Zugang für Alle“. „Viele
Jugendliche wünschen sich offene WLAN-
Hotspots in ihrer Stadt. Im Projekt zeigen
sie uns daher ihre Lieblingsplätze, damit die
Stadt genau dort Hotspots einrichtet, wo die
Jugendlichen sich gern aufhalten“, erläutert
Christin Weidensdörfer. „Wir wollen auch als
Stadt immer in Bewegung bleiben“, betont
Patrick Zschiesche.
„Wir haben aufgrund des demo-
grafischen Wandels in Auerbach/
Vogtl. in den letzten Jahren mit
Abwanderung und Überalterung
der Gesellschaft zu kämpfen
gehabt. Die Pro gramme zur Nach-
haltigen Stadt entwicklung und
der Nachhaltigen sozialen Stadt-
entwicklung bieten Auerbach die
Chance, ein attraktives Angebot
für alle Generationen zu schaffen.
Für eine Stadt, in der man gerne
lebt.“
Manfred Deckert,
Oberbürgermeister der Stadt Auerbach
Gute Ideen sammeln und dann von unten nach oben
wachsen lassen
Jung und Alt bei einem
Kinderfest im Hofaupark
8
/
9
AUERBACH / VOGTLAND

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CHEMNITZ
In Chemnitz steckt viel
kreative Energie
Wer sehen will, wie sich Chemnitz verändert,
sollte mit der Straßenbahn durch die Stadt
fahren. Die Haltestellen Campusplatz und
Stadlerplatz wurden umfassend modernisiert
und die großen Stadtplätze barrierefrei gestal-
tet. Aber in Chemnitz ist noch viel mehr in
Bewegung. In den Fördergebieten „Chemnitz
Innenstadt" und „Chemnitz Süd" wird, unter-
stützt durch die Europäische Union, viel gegen
soziale Missstände, Abwanderung und den
hohen Gebäudeleerstand getan.
Neuer Raum für Ideen
Auf dem südlichen Sonnenberg hat die Stadt
eine alte Industriebrache für die junge Kul-
tur- und Kreativszene saniert. Der ehemalige
Betriebshof der Chemnitzer Stadtreinigung
wurde mit Hilfe von EFRE-Mitteln zum Kre-
ativhof „Die Stadtwirtschaft“ hergerichtet.
Gemeinsam mit dem Verein Kreatives Chemnitz
rief man 2018 das Programm „KRACH – Krea-
tivraum Chemnitz“ ins Leben. KRACH startete
einen Wettbewerb, um passende Mieter für
den Kreativhof zu gewinnen. Die Sieger dürfen
für drei Jahre mietfrei im Kreativhof arbeiten.
Im Frühjahr 2019 sind die ersten Kreativen
eingezogen, darunter ein Puppentheater und
ein Zentrum für Darstellende Kunst. „Der Son-
nenberg bietet jungen, kreativen Köpfen gute
Rahmenbedingungen, um sich mit anderen
Kreativen zu vernetzen“, sagt Stadtteilmana-
ger Rocco Zühlke.
Zu den KRACH-Preisträgern gehören auch
die Sozialpädagogin Jule Winkler und die
Illustratorin Nora Friedrich. Sie betreuen
das Projekt „Schreib- und Druckwerkstatt“.
Es wurde vom Förderverein des Chemnitzer
Kindergartens „PampelMuse“ gegründet und
wird von ESF, Land und Stadt finanziert. Die
beiden Frauen besuchen regelmäßig Kitas
und Schulen, um mit den Kindern kreative
Geschichten und Gedichte zu schreiben,
sie zu illustrieren und in selbst gedruckten
Postkarten und Heften zu verewigen.
Der ehemalige Betriebshof der Chemnitzer Stadt reinigung
wurde mit Hilfe von EFRE-Mitteln zum Kreativhof
„Die Stadtwirtschaft“.
Chemnitz setzt sich schon seit Langem für eine integ-
rierte Stadtentwicklung in Gebieten ein, die von höherer
Arbeitslosigkeit sowie einem erhöhtem Gebäudeleerstand
und Industriebrachen betroffen sind. Wir setzen auf
Synergien durch das Bündeln verschiedener Instrumente,
vieler Akteure und geförderter Projekte. Die Europäischen
Strukturfonds leisten einen elementaren Beitrag, um
die Herausforderungen in den betroffenen Stadtteilen
anzugehen und ihr Image nachhaltig aufzuwerten.“
Grit Stillger, Stadtplanungsamt Chemnitz
Durch die Räume
des alten Betriebs-
hofs der Chemnitzer
Stadtreinigung weht
ein kreativer Geist.
EU-ZEIT
1 – 2020

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Zum Chemnitzer Firmenlauf im letzten
Sommer fiel das EFRE-Team der Stadt
Chemnitz mit seinen europablauen
Emil-T-Shirts auf
Mehr soziales Miteinander
im Saatgutgarten
Nur ein paar Straßen weiter liegt der Saat-
gutgarten: Ein grüner Fleck in der Innen-
stadt. 2010 legte der Chemnitzer Verein
Nachhall e. V., unterstützt mit EFRE-Mitteln,
den Saatgutgarten an. „Mittlerweile hat sich
der Saatgutgarten zum sozialen Treffpunkt
auf dem Sonnenberg entwickelt“, berichtet
Mathias Höppner, Gründungsmitglied des
Vereins. Einmal wöchentlich gibt es prak-
tische Umweltbildung im Saatgutgarten,
erzählt Höppner: „Dann bringen wir Kindern
und Jugendlichen die Natur näher, indem sie
die Beete pflegen, Nisthilfen für Vögel bauen
und Insekten beobachten.“ Ein zweites Projekt
heißt „Nachbarschaft im Sonnenberg“ und
richtet sich an Menschen, deren Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben besonders stark
eingeschränkt ist, etwa durch Langzeitarbeits-
losigkeit. Im Saatgutgarten erhalten sie wieder
eine Tagesstruktur, kommen mit anderen Men-
schen aus dem Viertel in Kontakt, gehen einer
sinnvollen Beschäftigung nach und stärken
so ihr Selbstbewusstsein. Auch diese Projekte
werden von ESF, Land und Stadt finanziert.
Die Tage der „Bazillenröhre“
sind gezählt
Dass der Stadtteil Sonnenberg seit einiger
Zeit wieder mehr Zuzüge verzeichnet, sieht
Grit Stillger vom Stadtplanungsamt als gutes
Zeichen: „Wir arbeiten mit ganzer Kraft daran,
dass dieser Stadtteil wieder ein positives Image
erhält.“ Dazu gehört auch die Modernisierung
von älteren Schulgebäuden, wie aktuell an der
Georg-Weerth-Mittelschule mit EFRE-Mitteln.
Ab 2020 wird auch die vom Volksmund als
„Bazillenröhre“ bezeichnete Unterführung am
Hauptbahnhof, die den Sonnenberg mit der
Innenstadt verbindet, neugestaltet und barri-
erefrei. Im Ergebnis eines Wettbewerbs wird
das Konzept der Chemnitzer Künstlerin Anke
Neumann umgesetzt. Mit LED-Leuchten soll
der Tunnel abwechselnd in warmes und kaltes
Licht getaucht werden. An den Wänden wird in
großen, leuchtenden Buchstaben ein Text der
Chemnitzer Band Kraftklub zu lesen sein: „Ich
wär´ gern weniger wie ich, ein bisschen mehr
wie du.“
INFORMATION
Die Stadt Chemnitz erhält in der aktuellen
Förderperiode rund 13,29 Millionen Euro
aus dem EFRE und ca. 2,32 Millionen Euro
aus dem ESF und Landesmitteln für das
Fördergebiet „Chemnitz Innenstadt“. Im
Stadtteil „Chemnitz Süd“ werden aus ESF-
und Landesmitteln soziale Projekte mit rund
1,03 Millionen Euro gefördert.
Weitere Informationen zur EFRE- und ESF-
Stadtentwicklung:
www.efre-esf-stadtentwicklung.sachsen.de
Die Tage der „Bazillen-
röhre“ sind gezählt. Hell
und freun dlich soll die
Unterführung am Chem-
nitzer Hauptbahnhof
werden, wie das von der
Künstlerin Anke Neumann
gestaltete Modell zeigt.
CHEMNITZ
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DRESDEN
Mit Kunst die Stadt verändern
Dresdner EU-Projekte machen die Stadt bunter und sozialer
Etwa 7.000 Einwohner sind im Dresdner
Stadtteil Friedrichstadt zuhause. Heute befin-
det sich das Viertel in einem Übergang. Die
gründerzeitliche Bebauung wurde überwie-
gend instandgesetzt. Weil die Mieten in den
Straßenzügen mit Plattenbauten aber günstig
sind, leben in der Friedrichstadt auch viele
Menschen, die ein geringes Einkommen haben
oder sozial benachteiligt sind. Gleiches gilt
für die Fördergebiete Dresden-Nordwest und
Dresden-Johannstadt, die außerdem mit brach
liegenden Flächen viel Potenzial zur Gestaltung
bieten. Die Landeshauptstadt nutzt Fördermit-
tel von der EU, um diese Gebiete mit dem Bau
neuer Parks und Grünflächen attraktiver zu
machen. Mit moderner Infrastruktur wird der
klimaschädliche CO
2
-Ausstoß reduziert, und
örtliche Vereine erhalten für ihre soziokultu-
relle Arbeit Unterstützung. Kunst und Kultur
spielen dabei eine wichtige Rolle.
Kreativ und kommunikativ
Das Mehrgenerationenhaus des Vereins „riesa
efau" in der Friedrichstadt ist ein be liebter
Anlaufpunkt, wenn es um Kunst und Gemein-
schaft im Viertel geht. „Unser Angebot fördert
das Miteinander der Generationen und Kul-
turen, bietet den Kindern und Jugendlichen die
Möglichkeit, sich künstlerisch auszuprobieren
und Familien Unterstützung bei Fragen in allen
Lebenslagen“, sagt Beate Neuber, Projektlei-
terin des Mehrgenerationenhauses.
Für die Familien und Kinder aus der Friedrich-
stadt gibt es zahlreiche kostenfreie Angebote:
Ein Familientreff, Themencafés für die Eltern,
sowie Kunst- und Trickfilmwerkstätten.
„Jeden Freitag findet bei uns auch ein offener,
interkultureller Frauentreff statt, wo Frauen
aus dem Viertel in gemütlicher Runde Infor-
mationen austauschen und Kontakte knüpfen
können“, erzählt Beate Neuber. Die Angebote
sind Teil des Projekts „Kinder stärken, Eltern
stärken, Zukunft stärken“, das vom ESF sowie
aus Landesmitteln finanziert wird.
Die ESF-Verantwortlichen der Stadt Dresden,
Michaela Stock (Mitte) und Doris Böhm (links),
im Gespräch mit Projektträgern im Stadtteil
Friedrichstadt
Spannende Exkursion mit Friedrichstädter
Kindern durch das Viertel
EU-ZEIT
1 – 2020

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Neues Jugendzentrum
Die Ruine der Trinitatiskirche in der Johann-
stadt wird derzeit umgestaltet. Sie wird zu
einem modernen Jugendzentrum der Ev.-
Luth. Landeskirche ausgebaut und soll allen
Jugendlichen offen stehen. Die rund 4,9 Mil-
lionen Euro Fördermittel für die Sanierung
kommen aus dem Programm „Nach haltige
Stadtentwicklung EFRE 2014 bis 2020“.
Vom Lokschuppen zum
Kulturraum
Im Jahr 2007 war eine kleine Gruppe aus
Künstlerinnen und Künstlern, Kreativen und
Architekten im Stadtteil Dresden-Nordwest
auf der Suche nach Ateliers. An der Gehe-
straße 8 wurden sie fündig und zogen dort
mit ihrem Verein in eine ehemalige Wagen-
reparaturwerkstatt der Deutschen Bahn.
Heute organisiert der GEH8 Ausstellungen,
künstlerische Workshops, Podiumsdiskussio-
nen, Kon zerte, Flohmärkte und Sommerfeste
und bietet neben eigenen Projekten auch
Raum für vielerlei kulturelle Aktivitäten in dem
Stadtteil.
Der Weg dahin war nicht gerade leicht. Ihre
neue Bleibe war zunächst im Besitz der Bahn,
und die war auf der Suche nach einem Käufer.
Zum Glück kaufte die Stadt Dresden 2014
das Gelände. Der Verein nahm Kontakt zum
Stadtplanungsamt auf und so kam der Stein
ins Rollen: Die Stadt sanierte das Gebäude mit
EU-Fördermitteln.
Noch viele gute Ideen
Jetzt will der GEH8 sich noch mehr für die
Anwohner im Dresdner Nordwesten öffnen.
Der neue Park an der Gehestraße, ebenfalls
ein EFRE-Vorhaben, kommt da der Arbeit
des Vereins entgegen. „Der Grünzug mit
Spazierwegen und Sportplätzen wird eine
große Strahlkraft auf das Viertel haben und
auch wir freuen uns, wenn künftig noch mehr
Leute in unsere Ate liers hineinschauen“, sagt
Paul Elsner, Vorsitzender des Vereins GEH8.
„Die alte Wagenhalle der Bahn
an der Gehestraße war für uns
Künstlerinnen und Künstler ein ech-
ter Glücksfall, denn aufgrund der
steigenden Mieten wären wir mit
unseren Ateliers sonst wohl längst
aus dem zentrumnahen Stadtgebiet
herausgedrängt worden.“
Paul Elsner, Vorsitzender des
Vereins GEH8
Die Ruine der Trinitatiskirche (rechts)
in der Johannstadt wird zu einem
modernen Jugendzentrum umgestaltet
(Modell oben links)
Die Gehestraße hat sich zum beliebten Anlaufpunkt
für Kunstbegeisterte entwickelt
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GÖRLITZ
Grünflächen statt Güterwaggons
Der Brautwiesenbogen wird eine neue Lebensader von Görlitz
Der Westen von Görlitz entstand vor rund
120 Jahren zur Zeit der Industrialisierung als
typische Arbeitervorstadt. Bis heute erscheint
das Viertel im Vergleich zur Innenstadt wie
ein ungeliebtes Kind. Deshalb wird jetzt ein
4,3 Hektar großes Gelände eines ehemaligen
Güterbahnhofes neu entwickelt: der Braut-
wiesenbogen. Wo früher graue Lagerflächen,
Güterschuppen und Kohlebunker waren, ent-
stehen im Görlitzer Südwesten Spielplätze und
Grünflächen zur Erholung. Aktuell wird an der
Entstehung des Brautwiesenparks gearbeitet,
damit dort bald Kinder spielen, sich Rentner
treffen, Erwachsene diskutieren oder die ganze
Nachbarschaft ein Stadtteilfest feiern kann.
Auch eine Schule wird auf dem Areal des
ehemaligen Güterbahnhofs ihr neues Zuhause
finden.
Eine Schule zieht um
Die freie Waldorfschule „Jacob Böhme“
wächst seit 2010 jedes Schuljahr um eine
Klassenstufe an. „Wir waren dringend auf
der Suche nach einem größeren Standort“,
erzählt Lutz Ackermann, der Geschäftsführer
der Schule. Auf dem Gelände des ehemaligen
Güterbahnhofes zwischen Bahnhofsgebäude
und Brautwiesenplatz hat der Trägerverein
von der Deutschen Bahn rund 18.000 m²
Fläche erworben. Die energetische und bau-
liche Sanierung des alten Güterbahnhofs als
künftiges Schulgebäude wird aus Mitteln der
EFRE-Stadtentwicklung unterstützt. Damit
wird auch ein Beitrag zur energetischen
Stadtsanierung geleistet. Bereits zum neuen
Schuljahr 2020 will die Schule ins moderne,
energetisch sanierte Gebäude einziehen. „Die
Kinder können es kaum erwarten, ihr neues
und dazu noch denkmalgeschütztes Schul-
gebäude zu erkunden“, sagt Lutz Ackermann.
In die Gebäude des alten Güterbahnhofs wird die Waldorfschule einziehen, Anwohner
und Interessierte wurden früh informiert, z. B. auf geführten Spaziergängen.
EU-ZEIT
1 – 2020

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Kinder machen den
Stadtteil bunt!
Eine wichtige Rolle spielt die junge Gene-
ration auch im Projekt „Kinder machen den
Stadtteil bunt!“ vom Verein Tierra – Eine
Welt e. V. Das Projekt, das aus Mitteln der
ESF-Stadtentwicklung gefördert wird, will
junge Menschen im Stadtgebiet dazu moti-
vieren, sich in städtische Planungsprozesse
einzumischen. „Wir zeigen den jungen Leuten,
die hier im Viertel leben, dass die Stadt Gör-
litz ihnen zuhört“, sagt Projektleiterin Marit
Schroda. Dafür sind sie und ihr Team im Vier-
tel unterwegs, um mit den jungen Menschen
ins Gespräch zu kommen. „Wir möchten die
Kinder und Jugendlichen aus dem Stadtteil
für aktive Teilhabe begeistern“, erklärt Marit
Schroda.
Indem das Projekt die Jugend in die Stadt-
planung einbezieht, eröffnet es vor allem
jungen Menschen über Mitmach-Angebote
die Möglichkeit, ihr Viertel zu gestalten und
ein Interesse für gesellschaftliche Entschei-
dungsprozesse zu entwickeln. Die Europäi-
sche Kommission hat wiederholt bemängelt,
dass in Deutschland die Bildungsergebnisse
zu stark vom sozioökonomischen Hintergrund
der Eltern abhängen. Um den daraus folgen-
den Benachteiligungen entgegenzuwirken,
werden mit Angeboten wie diesem Projekt
Kinder aus einkommensschwachen Familien
außerhalb der Schule gefördert.
Bekanntes Gesicht
im Quartier
Toralf Arndt ist seit Februar 2018 für das
Quartiersmanagement im Stadtteil Innen-
stadt West zuständig. Sein Hauptquartier ist
der Nachbarschaftsladen „Wilder Westen“
auf der Leipziger Straße 23. „Bei uns trifft
sich die Nachbarschaft auf einen Kaffee, Tee
oder eine Limo, man tauscht sich über Neu-
igkeiten aus und hilft sich gegenseitig, wenn
es Probleme gibt.“ An schönen Sommertagen
organisiert er gemeinsam mit den Anwohnern
kleine Straßenfeste. Im Winter kann man sich
mit einem Kakao im Laden aufwärmen und
ein Buch lesen. Außerdem findet jeden ersten
Donnerstag im Monat ein Bürgerstamm-
tisch statt und es gibt einmal in der Woche
eine kostenlose Englisch-Nachhilfe. Sein
Quartiersmanagement steht darüber hinaus
auch im engen Kontakt mit allen anderen
ESF-Projekten aus dem Stadtgebiet, um ein
Netzwerk aufzubauen: „Wir suchen ständig
nach aktiven Menschen, die sich an sozialen
Projekten im Stadtgebiet beteiligen möch-
ten“, sagt Toralf Arndt. Wer eine Idee hat und
dafür noch einen Raum braucht, kann sich
jederzeit ans Quartiersmanagement wenden.
INFORMATION
Die Stadt Görlitz erhält in der aktuellen
Förderperiode 2014 bis 2020 rund 6,4 Mil-
lionen Euro aus dem Europäischen Fonds
für regionale Entwicklung (EFRE) für den
Brautwiesenbogen und zusätzlich rund
2,07 Millionen Euro aus dem Europäischen
Sozialfonds (ESF) und dem sächsischen
Landeshaushalt für soziale Projekte im
Fördergebiet „Innenstadt West/Brautwiese“.
Weitere Informationen zur EFRE- und ESF-
Stadtentwicklung:
www.efre-esf-stadtentwicklung.sachsen.de
Quartiersmanager Toralf Arndt
oben: Auf 4,3 Hektar schafft Görlitz einen großen
Grünstreifen mit Parks und Spielplätzen
GÖRLITZ
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HEIDENAU
Der Spielplatz auf dem Fritz-Gumpert-Platz wird
umgestaltet zum Mehrgenerationenspielplatz "Gumpis
Inselparadies"
Treffpunkt für alle Heidenauer
Der Fritz-Gumpert-Platz in Heidenau erhält einen Spielplatz
für Jung und Alt
Heidenau gestaltet unter dem Motto „Aben-
teuerland Heidenau“ nach und nach seine
öffentlichen Spielplätze um. Aktuell ist der
Fritz-Gumpert-Platz im Stadtteil Heidenau-
Südwest an der Reihe, von den Heidenauern
auch liebevoll „Gumpi“ genannt. Zum 25. Jubi-
läum des Gumpis wird ein Mehrgenerationen-
spielplatz gebaut, unterstützt durch EFRE-
Mittel aus der Nachhaltigen Stadtentwicklung.
Zum Kindertag am 1. Juni 2020 plant die Stadt,
den Spielplatz feierlich wiederzueröffnen.
Darauf freuen sich vor allem die Besucher und
Aktiven des vom Europäischen Sozialfonds
(ESF) geförderten Bürgerzentrums „Gemein-
same Wege gehen“, das den Gumpertplatz im
Sommer für bunte Veranstaltungen im Freien
nutzt. Der Spielplatz wird dafür einige neue
Möglichkeiten bieten.
EU-ZEIT
1 – 2020
Mehr als nur ein Spielplatz
Der neue Spielplatz wird den Namen „Gum-
pis Inselparadies“ tragen. „Das war der
Wunschname vieler Kinder, die ihre Ideen
und Vorstellungen für den Spielplatz in
zahlreichen Workshops mitteilen durften“,
sagt Jürgen Opitz, Heidenaus Bürgermeister.
Der Spielplatz wird aus mehreren Inseln
bestehen: Dazu gehören eine Juniorinsel
mit Sandspielbereich, eine Abenteuerinsel
mit Seilgarten, Schaukeln und einer großen
Rutsche, eine Planschinsel mit kleinem
Wasserlauf sowie eine Fitnessinsel, die mit
Outdoor-Sport geräten zum Zirkeltraining
einlädt.

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„Wir investieren mit Unterstützung aus EU-Mitteln in die
städtische Entwicklung, damit sich die Lebensqualität im
Stadtgebiet verbessert. Soziale Treffpunkte wie der Fritz-
Gumpert-Platz sowie das Bürgerzentrum „Gemeinsame
Wege gehen“ stärken die Gemeinschaft im Viertel, und das
schließt alle Generationen mit ein. So schaffen wir attrak-
tive Angebote für ältere Menschen und sozial schwache
Familien und letztlich für einen lebendigen Stadtteil von
Heidenau.“
Jürgen Opitz, Bürgermeister der Stadt Heidenau
Das Team vom Heidenauer Bürger zentrum „Gemeinsame Wege gehen“
Die Gemeinschaft soll
zusammenwachsen
Ein Segen ist der neue Spielplatz besonders
für das Bürgerzentrum des Christlichen
Jugenddorfwerks. Das Zentrum nutzt den
Spielplatz für zahlreiche Angebote, etwa
Yoga im Park oder einen Tanzkurs. „Im Bür-
gerzentrum können sich die Kinder auch
Spielsachen, Hängematten und Bücher aus-
leihen und damit auf den Spielplatz gehen“,
erzählt Uwe Göhler, Sprecher der Stadt Hei-
denau. Sogar eine kleine Showbühne wird es
auf dem „Gumpi“ geben. Und weil die Bühne
einen eigenen Stromanschluss haben wird,
können die Anwohner dort Straßenfeste
mit Live-Musik organisieren. „Wir wollen
den Bewohnern im Viertel schließlich etwas
bieten, damit die Gemeinschaft zusammen-
wächst und mehr junge Menschen herziehen“,
ergänzt Bürgermeister Jürgen Opitz.
Bürgerzentrum
„Gemeinsame Wege gehen“
Das aus dem ESF geförderte Bürgerzen-
trum bietet eine Begegnungsmöglichkeit
im Stadtteil Heidenau Südwest. Familien-
nachmittage, Themen- und Aktionstage
und Workshops stehen auf dem Programm.
Dadurch werden die Besucher beim Erwerb
von Schlüsselkompetenzen und bei Prob-
lemen unterstützt. Teilweise geht es auch
ganz praktisch darum, soziale Notlagen zu
verhindern, etwa durch Hilfe beim Kontakt
mit Ämtern.
INFORMATION
Die Stadt Heidenau erhält in der aktuellen
Förderperiode 2014 bis 2020 rund 5,5 Mil-
lionen Euro aus dem Europäischen Fonds
für regionale Entwicklung (EFRE) und etwa
4 Millionen Euro aus dem Europäischen
Sozialfonds (ESF) einschließlich Landes-
mitteln, davon 2,1 Millionen für das Förder-
gebiet „Heidenau-Südwest“ und 1,8 Mio.
für das Förder gebiet „Heidenau-Nordost“.
Weitere Informationen zur EFRE- und ESF-
Stadtentwicklung:
www.efre-esf- stadtentwicklung.sachsen.de
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HEIDENAU

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MEISSEN
Tradition und Moderne verbinden
Meißen hat viel Potential als Wohn- und Arbeitsort
Die Menschen in Meißen sind stolz auf ihre
Stadt. Die Altstadt mit der Frauenkirche und
dem spätgotischen Rathaus zu Füßen der
Burg und des Doms sind Anziehungspunkt
für Besucher aus Sachsen, Deutschland und
Europa. Gut, dass es in der Stadt Bürgerin-
nen und Bürger gibt, die sich engagieren, um
dieses kulturhistorische Erbe zu erhalten, und
die zugleich das Anliegen haben, den sozialen
Zusammenhalt in der Stadt zu stärken und
Beschäftigungsmöglichkeiten für die Men-
schen in Meißen zu schaffen. Dabei hilft es,
dass es dafür auch Fördermittel der Europäi-
schen Union und des Freistaates gibt.
Ältestes Haus in Meißen
Das spätgotische Prälatenhaus, errichtet
im Jahr 1510, ist das älteste Gebäude in der
Altstadt. Zu DDR-Zeiten verfiel das Haus
zusehends und es konnte nur durch das
Engagement von Meißner Bürgerinnen und
Bürgern vor dem Abriss gerettet werden. Mit
EFRE-Mitteln lässt die Stadt Meißen das Haus
nun gründlich sanieren, um es wieder der
Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Das
Prälatenhaus soll ein zusätzlicher Anreiz sein,
in die Meißner Altstadt zu kommen. Es wird
ganzjährig begehbar sein und bietet eine ideale
Möglichkeit, Einwohner und Gäste, Moderne
und Tradition aufeinandertreffen zu lassen und
aus einem der ursprünglichsten Orte Meißens
heraus gemeinsam Impulse für die Neuzeit und
Zukunft zu generieren“, sagt Inga Skambraks,
Leiterin des Bauverwaltungsamts.
Die Altstadt lebt!
Wenn es um Stadtentwicklung durch die
Nutzung von Synergien aus Netzwerken geht,
führt in Meißen kein Weg an Marcel Noack
vorbei. Als Quartiersmanager ist er zentraler
Ansprechpartner für Fragen, Informationen,
Anliegen und Ideen zur Unterstützung von
Händlern, Dienstleistern, Handwerkern und
„Die Aufgabe des Quartiersmanagers habe ich
angenommen, weil ich das Potential von Meißen für
Handel, Dienstleistungen und Handwerk sehe und vor
allem die Altstadt noch stärker als Einkaufs-, Arbeits-
und Erlebnisraum profilieren möchte.“
Marcel Noack,
Quartiersmanager
INFORMATION
Meißen erhält rund 5,8 Millionen Euro
aus dem Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE) für das Fördergebiet
Meißen – West / Altstadt.
Außerdem stehen Meißen ca. 831.000 Euro
aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF)
und dem Sächsischen Haushalt für soziale
Projekte zur Verfügung.
Weitere Informationen zur EFRE- und ESF-
Stadtentwicklung:
www.efre-esf-stadtentwicklung.sachsen.de
Das Prälatenhaus ist das älteste Gebäude in der Altstadt
von Meißen. Es wird nun auch innen saniert.
EU-ZEIT
1 – 2020

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Unternehmen in der Meißner Altstadt und im
Stadtgebiet Triebischtal. „Ich kümmere mich
darum, den Einzelhandel in Meißen zu stärken,
neue Mieter für leerstehende Ladenlokale in
der Altstadt zu finden und jungen Geschäfts-
leuten passende Weiterbildungen zu ermögli-
chen“, berichtet Marcel Noack. Und das funk-
tioniert: Er hat bereits für viel frischen Wind
in der Innenstadt gesorgt. Mit seiner Hilfe
haben zum Beispiel eine Heilpraktikerin und
zwei Goldschmiede neue Geschäfte eröffnet.
Demnächst will der Betreiber eines Fahrradla-
dens in der Meißner Altstadt aktiv werden. Das
Projekt wird vom Europäischen Sozialfonds
(ESF) und mit Landesmitteln gefördert.
„Sicher lebt Meißen stark vom Tourismus, aber die Stadt
will auch für ihre Bürger attraktiv bleiben. Dabei helfen
uns die EU-Mittel, um Kulturgüter wie das Prälatenhaus zu
erhalten und für jedermann zu öffnen. Soziale Angebote
sind dazu eine unerlässliche Ergänzung. Ein Beispiel ist das
laufende ESF-Projekt „Meißen bewegt sich“. Dafür wird die
Jahnhalle nahe der Altstadt saniert und zum Bewegungs-
und Begegnungsraum umgestaltet. Sport bringt alle
Generationen zusammen!“
Inga Skambraks,
Leiterin des Bauverwaltungsamts der Stadt Meißen
Ein „Haltepunkt“ für alle
Sorgen und Nöte
Auch Juliane Krause bewegt etwas in Meißen.
Seit Juli 2018 arbeitet sie im Kontaktladen
„Haltepunkt“ im Gebiet Triebischtal. „Ich
organisiere Elternstammtische, einen Kreativ-
Workshop, aber auch ein offenes Gespräch-
sangebot für die Menschen im Viertel“, sagt
die Kunsttherapeutin. Das ESF-Projekt der
Produktionsschule Moritzburg bietet den
Anwohnern eine Plattform, um ins Gespräch
zu kommen, sich Hilfe zu suchen und Hilfe zu
finden. Manchmal sind es ganz akute Probleme.
So kam einmal eine junge Frau zu ihr, weil ihr
Freund sie aus der Wohnung geworfen hatte
und sie nicht mehr weiter wusste. Doch Juliane
Krause muss nicht alles allein schultern: „Oft
helfen sich die Anwohner auch gegenseitig,
zum Beispiel beim Frühstückstreff, der jeden
Freitag stattfindet.“ Bei größeren Problemen,
etwa mit Drogen und Gewalt, vermittelt Juliane
Krause die Betroffenen an passende Stellen
weiter. Nachhaltige soziale Stadtentwicklung
lebt von solchen Projekten, die die Menschen
untereinander verbinden und mitnehmen.
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MEISSEN

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ZWICKAU
Das Projektteam vom „lebens.raum“
Mit Gemeinsinn für ein
starkes Viertel
Wir in der Zwickauer Bahnhofsvorstadt
Im Gebiet der „Erweiterten Bahnhofsvorstadt"
leben viele ältere und sozial schwache Men-
schen. „Die Stadt möchte diese unterstützen,
aber auch die Jungen im Stadtteil halten. Daher
haben wir im Dialog mit der Zwickauer Luther-
kirchgemeinde und anderen Trägern nach
Wegen gesucht, um attraktive Anlaufpunkte
für alle Bewohner in der Bahnhofsvorstadt
zu schaffen“, erzählt Virginia Gründel vom
Stadtplanungsamt Zwickau. Der Plan ging auf:
„Das Gemeindezentrum Lutherheim ist für die
Anwohner ein Ort der Begegnung geworden,
der von allen Generationen aufgesucht wird“,
sagt sie.
Vier „Räume" –
vier passende Angebote
Das Lutherheim wurde im letzten Jahr
zunächst mit EFRE-Mitteln komplett saniert.
„Die energetische Sanierung umfasste den
Austausch von Fenstern, die Dämmung der
Außenwände und barrierefreie Zugänge“,
erläutert Virginia Gründel. „So kommen
jetzt auch Menschen mit Gehbehinderung
oder Eltern mit Kinderwagen leichter ins
Gebäude.“ Seit 2017 sorgt das Projekt
„lebens.raum“ für Begegnungen im Gemein-
dezentrum. Dieses Projekt wird vom ESF
gefördert und besteht aus vier Angeboten:
Morgens lädt der „Frühstücksraum" zum
gesunden Frühstücken ein. Am Nachmit-
tag ist der
Kaffeeraum" geöffnet. Immer
montags und mittwochs treffen sich die
„Flummis“ im „Krabbelraum". „Das ist ein
Musik-, Tanz- und Bewegungsangebot für
Kleinkinder mit ihren Mamas“, erklärt Grün-
dels Kollegin Anne-Caroline Schönfelder. Im
„Krabbelraum" haben die Eltern auch die
Möglichkeit, bei einem Sozialpädagogen
Rat zu suchen oder über ihre Sorgen zu
sprechen. Die älteren Kids treffen sich nach
Schulschluss im „Lernraum", wo sie ihre
Hausaufgaben machen können. Kurzum:
Im Lutherheim gibt es für jeden Anwohner
aus der Bahnhofsvorstadt das passende
Angebot.
„Ich freue mich, dass die Stadt
Zwickau und die Kirchgemeinde
bei der Stadtentwicklung
aufeinander zugegangen sind. Das
Gemeindezentrum Lutherheim mit
seinem Projekt „lebens.raum“ ist der
sichtbare Beweis dafür, dass wir mit
europäischen Fördermitteln Räume
und Angebote schaffen können, die
den gesellschaftlichen Zusammen-
halt im Stadtteil stärken.“
Dorothe Ehlig, Referentin für
Fördermittel und Fundraising,
Ev.-Luth. Landeskirchenamt
Im Gemeindezentrum Lutherheim trifft sich Jung
und Alt zum Beispiel im "Kaffeeraum"
EU-ZEIT
1 – 2020

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Vorfreude auf neuen Schulhof
Nur zehn Gehminuten vom Lutherzentrum
entfernt liegt das Schulgebäude der Grund-
und Oberschule in der Fröbelstraße 17. Die
Schülerinnen und Schüler können sich doppelt
freuen: Ihre Schule erhielt zwei Zuschüsse aus
dem EFRE, einen für die energetische Sanie-
rung des Gebäudes. Damit wird ein Beitrag
zur Reduzierung des CO
2
-Ausstoßes geleistet.
Ebenso interessant dürfte für die Schülerinnen
und Schüler aber die Neugestaltung ihres
Schulhofes sein, die ebenfalls bezuschusst
wird. Auf dem Gelände entstehen ein großer
Spielplatz mit Klettergerüst sowie ein moder-
ner Sportplatz, der auch als Fußballfeld oder
zum Basketballspielen genutzt werden kann.
Im Vorderbereich wird es einen Kräutergarten
geben, in dem auch ein kleines Insektenhotel
auf winzige, summende Gäste wartet.
Ein Garten für Alle
Die Bauarbeiten an den Außenanlagen der
Fröbelschule sind noch in vollem Gange.
Dabei wird sich im Innenhof später ein
weiteres soziales Projekt im Stadtteil ansie-
deln – der Nachbarschafts- und Sportgarten.
„Bei der Gestaltung des Gartens können die
Anwohner von Anfang an mitwirken“, sagt
Anne-Caroline Schönfelder. Jeder kann sich
aktiv einbringen, Obst und Gemüse anbauen,
Hochbeete anlegen, aber auch Ruhe und Ent-
spannung im Garten finden. „Genau wie beim
Projekt „lebens.raum“ erhoffen wir uns auch
vom Nachbarschafts- und Sportgarten, dass
er die Menschen im Viertel zusammenbringt
und niemand sich ausgeschlossen fühlt“, sagt
sie.
INFORMATION
Im Fördergebiet gibt es neben der
erhaltenswerten Bausubstanz viele
soziale und städtebauliche Brenn-
punkte. Mit rund 6,8 Millionen Euro
für
den
Förderzeitraum
2014 – 2020
aus dem Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung (EFRE) und
ca. 2 Millionen Euro aus dem Euro-
päischen Sozialfonds (ESF) und dem
sächsischen Landes haushalt sorgt die
Stadt Zwickau deshalb im Rahmen der
Programme „Nachhaltige Stadtent-
wicklung“ und „Nachhaltige soziale
Stadtentwicklung“ dafür, dass sich im
Fördergebiet „Erweiterte Bahnhofs-
vorstadt“ ein „Wir“-Gefühl entwickelt.
Weitere Informationen zur EFRE-
und ESF- Stadtentwicklung:
www.efre-esf-
stadtentwicklung.sachsen.de
Auf dem modernen Spielplatz
tummeln sich in den Pausen
bald die Schülerinnen und
Schüler der Kompaktschule
Das imposante Gebäude der
Kompaktschule in der Fröbel-
straße beherbergt nicht nur
eine Grund- und Oberschule,
sondern öffnet sich mit seinen
neuen Außenanlagen auch
den Anwohnern im Quartier.
ZWICKAU
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LEIPZIG CHARTA
„Es bedarf einer starken städtischen
Dimension in der EU-Strukturpolitik“
„Es bedarf einer starken städtischen
Dimension in der EU-Strukturpolitik“
Interview mit Jonas Scholze, Geschäftsführer Deutscher Verband für
Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung e. V., Leiter Büro Brüssel
Sie kommen aus Dresden und sind heute so
etwas wie der Mr. Europa der deutschen und
österreichischen Städte in Brüssel. Wie kam
es dazu?
Nach meiner ersten Auslandserfahrung bei der
OECD in Italien war ich im Büro des ehema-
ligen Europaabgeordneten Elmar Brok tätig.
Es hat mir sehr gefallen, im internationalen
Umfeld zu arbeiten. Der Blick in die europä-
ischen Nachbarländer oder darüber hinaus
hilft, die eigene Sichtweise zu hinterfragen.
Der Deutsche Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung, für den ich seit
über zehn Jahre in Brüssel tätig bin, hat einen
großen Schwerpunkt im Europageschäft. Als
Geograph und Politologe ist es für mich eine
interessante Kombination, einerseits projekt-
bezogen zu arbeiten und andererseits Ergeb-
nisse in politische Entscheidungsprozesse der
EU-Institutionen einzuspeisen.
Die Aufgabe, städtische Themen in Brüssel zu
vertreten, bewerkstellige ich natürlich nicht
allein. Es gibt hier eine ganze Reihe von Büros
der Kommunen und regionale Vertretungen.
Die meisten sind aber sehr klein. Es ist daher
wichtig, sich gegenseitig auf dem Laufenden
zu halten und sich in informellen Arbeits-
gruppen auszutauschen.
Welchen Stellenwert haben die Städte und
die Stadtentwicklung bei der EU?
Die EU hat in der Stadtentwicklung keine
legislativen Kompetenzen, diese obliegen den
Mitgliedstaaten. Dennoch gibt es eine ganze
Reihe fachlicher Themen wie Lärmschutz,
Gebäudeenergieeffizienz oder Luftreinhaltung,
die indirekt auf die Entwicklung unserer Städte
einwirken. Gleiches gilt für die EU-Förderpoli-
tiken, die durch ihre Vorgaben auch lokal rich-
tungsweisende Impulse setzen können.
Ein Meilenstein der letzten Jahre, bei dem das
Thema „Stadt“ wesentlich stärker in den Fokus
gerückt wurde, war die Verabschiedung der
Urbanen Agenda der EU 2016. Diese verfolgt
das Ziel, EU-Politiken „stadtverträglich“ zu
gestalten und einen fach- und ebenenübergrei-
fenden Dialog zu ermöglichen. EU-Kommission,
Mitgliedstaaten, Städte und Regionen erarbei-
ten dabei gemeinsam Empfehlungen. Auch ohne
rechtlich bindende Wirkung setzte dieser Pro-
zess in den vergangenen Jahren eine wichtige
Dynamik frei.
Dennoch ist das Thema Stadt in der EU kein
Selbstläufer, weil es ein Querschnittsthema ist
und schnell vom sektoralen Blick überlagert
wird. Die Anforderungen einer integrierten und
nachhaltigen Stadtentwicklung sind außerhalb
des Fachpublikums auch nicht immer einfach zu
kommunizieren.
Jonas Scholze lebt und arbeitet seit über zehn Jahren in
Brüssel. Für den Deutschen Verband für Wohnungswesen,
Städtebau und Raumordnung koordiniert er das Deutsch-
Österreichische URBAN-Netzwerk und setzt sich für die
Belange der Stadtentwicklung in Brüssel ein.
EU-ZEIT
1 – 2020

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Geht es der EU nur um die großen Städte,
oder haben auch Mittel- und Kleinstädte
eine Chance, Gehör zu finden?
Angesichts des Megatrends einer immer wei-
ter zunehmenden Urbanisierung überwiegt
oftmals der Blick auf großstädtische Themen
und Problemlagen. Hinzu kommt, dass große
Städte und Metropolregionen wie Rotterdam,
Göteborg, London, Paris, Frankfurt oder Stutt-
gart ihre eigenen Büros in Brüssel haben. Die
Kollegen können ihre Themen natürlich wir-
kungsvoll platzieren. Das ist auch legitim – nur
fällt dies umgekehrt den Kleinstädten entspre-
chend schwerer. Etwa 70 % der Bevölkerung
der EU leben in Städten, davon die Hälfte in
Klein- und Mittelstädten. Diese haben schon
aufgrund ihrer Größe ganz andere Voraus-
setzungen. Car-Sharing Modelle zum Beispiel
können in Großstädten rentabel sein, funkti-
onieren aber in Kleinstädten eher mäßig. Ich
würde mir daher wünschen, dass die Rolle
von Klein- und Mittelstädten als Ankerpunkte
für den ländlichen Raum weiterhin gestärkt
wird. Dies ist eines der Kernanliegen unseres
Verbandes.
Wie kam es zu der Leipzig-Charta zur
nachhaltigen europäischen Stadt?
2007 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten
auf ein gemeinsames Leitbild der nachhal-
tigen Stadtentwicklung. Kernbotschaft war
damals die Stärkung von Grundprinzipien der
Stadtentwicklung wie der integrierte, fach-
und ebenenübergreifende Ansatz. Räumlich
wurde damals der Fokus auf benachteiligte
Quartiere gelegt, wobei die Erfahrungen der
„sozialen Stadt“ aus Deutschland in die euro-
päischen Mitgliedstaaten getragen werden
sollten.
Warum brauchen wir eine Leipzig
Charta 2.0? Was sind heute die großen The-
men für die europäische Stadtentwicklung?
Seit 2007 haben sich die Rahmenbedingun-
gen weiter verändert. Globale Trends wie der
Klimawandel, das Mobilitätsverhalten, der
demographische und digitale Wandel sowie
Migrationsbewegungen spitzen sich weiter zu
und sind für uns in den vergangenen Jahren
präsenter geworden. Das Pariser Abkommen
zur Reduzierung der Erderwärmung, die glo-
balen Nachhaltigkeitsziele sowie die Absicht,
Europa in den kommenden 30 Jahren zum
weltweit ersten klimaneutralen Kontinent zu
transformieren, formulieren zwar ehrgeizige
Ziele, führen aber oft noch nicht zu konkreten
Maßnahmen. Genau an dieser Stelle kann die
Leipzig Charta 2.0 ansetzen, um nicht nur das
„WAS“ zu adressieren, sondern auch das „WIE“
und „WOMIT“. Der Schlüssel liegt darin, den
Prozess der Stadtentwicklung so zu gestalten,
dass dieser einen wesentlichen Beitrag leistet,
die europäischen und globalen Leitziele auch
zu erreichen.
Wie wird es auf dem Weg zur Leipzig Charta
2.0 weitergehen?
Dem Bundesministerium des Inneren für Bau
und Heimat ist es wichtig, auf dem informel-
len Ministertreffen am 30. November 2020
in Leipzig ein Dokument vorzulegen, das
sowohl innerhalb Deutschlands als auch bei
den Mitgliedstaaten auf möglichst großen
Konsens trifft. Die neue Leipzig-Charta wurde
daher nicht im stillen Kämmerlein geschrieben,
sondern durch einen breit angelegten Diskus-
sionsprozess begleitet.
Es gibt allerdings einen gewaltigen Unter-
schied zum Prozess von 2007. Es sind nicht
nur die singulären Interessen der einzelnen
Mitgliedstaaten vielfältiger geworden, die
Leipzig-Charta wird zukünftig in einen ganzen
Kanon bestehender Abkommen und Rahmen-
dokumente – Pariser Klimaschutzabkommen,
Globale Nachhaltigkeitsziele, Pakt von Ams-
terdam – eingebettet werden müssen. Es ist
daher notwendig, die Leipzig-Charta mit den
anderen Dokumenten zu verknüpfen.
Aus diesem Grund müssen wir gleichzeitig
Instrumente nutzen, die uns helfen, die Anfor-
derungen der Leipzig-Charta umzusetzen
und zu verstetigen. Dazu bedarf es nicht nur
des strategischen Leitbilds und der Hand-
lungsprinzipien der Leipzig-Charta, sondern
auch eines unterstützenden europäischen
Rahmens mit der Urbanen Agenda für die EU,
der kontinuierlichen Weiterentwicklung der
nationalen Stadtentwicklungspolitiken sowie
einer starken städtischen Dimension in der
EU-Strukturpolitik.
Die für Stadtentwicklung zuständi-
gen Minister der EU-Mitgliedstaaten
entscheiden am 30. November 2020
auf einem Treffen in Leipzig über
eine neue Leipzig Charta
LEIPZIG CHARTA
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SÄCHSISCHER STÄDTE- UND GEMEINDETAG
„Stadtentwicklung ist wesentlicher
Baustein der EU-Förderung”
Interview mit Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des
Sächsischen Städte- und Gemeindetages
Herr Woitscheck, welche Rolle spielt
die EU-Förderung für die sächsischen
Kommunen?
In den vergangenen Förderperioden hat Sach-
sen in erheblichem Maß von der EU-Förderung
profitiert. Seit 1991 wurden in Sachsen
ca. 11 Milliarden Euro aus dem Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und
ca. 3,6 Milliarden Euro aus dem Europäischen
Sozialfonds (ESF) eingesetzt. Aus kommunaler
Sicht sind vor allem die damit ermöglichten
Investitionen in die kommunale Infrastruktur
von Bedeutung. Ohne die Unterstützung der
EU wären viele Maßnahmen an Straßen, Schu-
len oder Kultureinrichtungen kaum möglich
gewesen. Auch beim Hochwasserschutz oder
im Öffentlichen Personennahverkehr wurden
Mittel der Europäischen Union eingesetzt,
um die Situation für die Menschen vor Ort zu
verbessern. Wir setzen uns sehr dafür ein, dass
es auch in der kommenden Förderperiode 2021
bis 2027 gelingt, möglichst viele EU-Mittel
nach Sachsen zu holen und diese effektiv
einzusetzen.
Auf welche Weise bringt sich der Verband
in die Vorbereitungen der nächsten Förder-
periode ein?
Zunächst ist entscheidend, die Regelungen
bereits auf europäischer Ebene so zu gestalten,
dass die EU-Mittel den Bürgerinnen und Bür-
gern in den sächsischen Kommunen möglichst
nachhaltig helfen. Wir haben daher bereits im
Jahr 2018 die wesentlichen Positionen zur Euro-
päischen Kohäsionspolitik ab dem Jahr 2021
in einem Papier zusammengefasst und an die
sächsischen Abgeordneten im Europäischen
Parlament übermittelt. Unser Europabüro der
Sächsischen Kommunen, das unser Verband
gemeinsam mit dem Sächsischen Landkreistag
in Brüssel unterhält, kann zudem im direk-
ten Gespräch mit Entscheidungsträgern der
Mischa Woitscheck, Geschäftsführer des Sächsischen
Städte- und Gemeindetages
Pop-Art statt Plattengrau,
Kunst am Bau – mithilfe
des EFRE in Zittau
EU-ZEIT
1 – 2020

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europäischen Institutionen verdeutlichen, wie
die Regelungen gestaltet sein müssen, damit
die EU-Förderung vor Ort erfolgreich ist.
Auf sächsischer Ebene wirken die kommunalen
Landesverbände in den Begleitausschüssen
mit, um sowohl die Vorbereitung als auch die
Umsetzung der Operationellen Programme
in Sachsen intensiv zu begleiten. Wichtig
sind darüber hinaus auch hier regelmäßige
Gespräche mit den zuständigen Stellen für die
Umsetzung der EU-Förderung in Sachsen.
Welche Rolle spielt dabei die Stadt-
entwicklung – das Thema dieser EU-Zeit ?
Aus Sicht der Städte und Gemeinden ist die
nachhaltige Stadtentwicklung natürlich ein
ganz wesentlicher Baustein der EU-Förderung
in Sachsen. Mit gezielten Investitionen zur
Aufwertung einzelner Quartiere wird deren
Attraktivität gesteigert. Gerade hier wird die
Unterstützung durch die EU für die Bürgerin-
nen und Bürger am deutlichsten sichtbar.
Doch für die Lebensqualität eines Quartiers
ist nicht allein dessen baulicher Zustand
entscheidend. Erst das Ineinandergreifen von
Infrastrukturprojekten und Maßnahmen zur
sozialen Stadtentwicklung hebt das gesamte
Potenzial eines Stadtteils. Ein großer Vorteil ist
es daher, dass in Sachsen investive mit sozialen
Maßnahmen der Stadtentwicklung kombiniert
werden können. Durch die enge Verzahnung
der Förderung aus dem EFRE und dem ESF ist
der Mehrwert vor Ort wesentlich höher als die
Summe der einzelnen Maßnahmen.
Wir hoffen sehr, diesen erfolgreichen Weg
auch in der nächsten Förderperiode weiter
beschreiten zu können. Nicht zuletzt hat
auch die Europäische Kommission in ihrem
Länderbericht auf die Herausforderungen
hingewiesen, vor denen urbane Zentren der-
zeit stehen. Der demographische Wandel, die
immer schneller voranschreitende Digitalisie-
rung oder auch die wachsende Sensibilität für
klimatische Veränderungen sind nur einige der
Veränderungen, an die urbane Räume ange-
passt werden müssen.
Auf europäischer Ebene hat die Kommission
dem Rechnung getragen und die nachhaltige
integrierte Stadtentwicklung im Politischen
Ziel 5 als eigenständigen Förderschwerpunkt
aufgenommen. Wir haben uns sehr dafür
eingesetzt, dass diese Option auch in Sachsen
genutzt wird. Dass nun der Koalitionsvertrag
für die Ausrichtung der sächsischen Struktur-
fondsförderung auch das politische Ziel 5 – „ein
bürgernäheres Europa" – erwähnt, ist daher
zu begrüßen. Diese politischen Vorgaben auf
europäischer und sächsischer Ebene müssen
nun auch in den Operationellen Programmen
verankert werden.
In welchen Bereichen ist darüber hinaus
eine EU-Förderung auch in den kommenden
Jahren wichtig?
Gleichwertige Lebensverhältnisse in allen Lan-
desteilen sind nicht nur ein beliebtes Thema
für Sonntagsreden, sondern es braucht auch
konkrete Maßnahmen dafür. Die LEADER-
Förderung hat in der laufenden Förderperiode
viele dieser Maßnahmen unterstützt. In den
einzelnen Regionen wurde sehr gute Arbeit
geleistet und vor Ort viele Projekte gefördert,
mit denen die Attraktivität des ländlichen
Raums gesteigert werden konnte. Auch hier
wird die Unterstützung der EU für die Bür-
gerinnen und Bürger besonders sichtbar. Für
unseren Verband ist es daher wichtig, dass die
erfolgreiche LEADER-Förderung in der nächs-
ten Förderperiode ebenfalls weiter fortgeführt
wird.
Was muss sich in Bezug auf die
EU
-
F
örderung
verb
es
s
ern?
In den letzten Jahren ist die Beantragung und
Abrechnung von Fördermitteln immer komple-
xer geworden. Dies bindet wertvolle Ressour-
cen in den Verwaltungen und sorgt zunehmend
für Unverständnis – auch bei Bürgerinnen und
Bürgern. Wir müssen erreichen, dass die Ver-
fahren wieder vereinfacht werden. Mehrfache
Kontrollen von Fördermittelempfängern durch
unterschiedliche Instanzen müssen der Ver-
gangenheit angehören.
Von Seiten der EU wurden hier einige positive
Ansätze vorgeschlagen. Diese gilt es nun, in
den Verfahren in Sachsen umzusetzen. Eine
Verschärfung von EU-Vorschriften auf nati-
onaler oder regionaler Ebene darf es künftig
nicht mehr geben, wenn die Fördermittel
effektiv und effizient eingesetzt werden sollen.
Kinder und Jugendliche in Kamenz beim ESF-Projekt "Freizeit macht stark!"
SÄCHSISCHER STÄDTE- UND GEMEINDETAG
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FÖRDERUNG IM FOKUS
Wie geht
es weiter?
Ausblick auf die
Förderperiode 2021
bis 2027
Auch in der nächsten EU-Förderperiode ab
2021 werden alle Regionen in Deutschland und
Europa von der Förderung des Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und
des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+)
profitieren. Das Hauptziel der Strukturfonds-
förderung bleibt ebenfalls bestehen: Es geht um
die Angleichung der Lebensverhältnisse in der
EU. Darum erhalten wirtschaftlich schwächere
Regionen auch in Zukunft anteilig mehr Förder-
mittel als reichere Regionen.
Ab 2021 sollen laut Vorschlag der EU-Kom-
mission insgesamt 226 Mrd. Euro in den EFRE
und 101 Mrd. Euro in den ESF Plus fließen.
Deutschland muss damit rechnen, bis zu 20
Prozent weniger Förderung als in der laufen-
den Förderperiode zu erhalten. Gründe sind u.
a. die positive wirtschaftliche Entwicklung in
Deutschland im Vergleich zu anderen Mitglied-
staaten und die Einsparungen, die durch den
fehlenden finanziellen Beitrag Großbritanniens
nach dem Brexit notwendig sind.
Die tatsächliche Kürzung des deutschen Anteils
an den Budgets steht noch nicht fest. Erfah-
rungsgemäß gibt es im Laufe des Verhand-
lungsprozesses über das Gesamtbudget einer
EU-Förderperiode Anpassungen. Die Bundes-
regierung strebt eine geringere Reduktion der
Mittel an. Recht sicher erscheint aktuell außer-
dem, dass die EFRE-Mittel für die „nachhaltige
Stadtentwicklung“ insgesamt steigen werden.
Wenn Sie sich für die zukünftige Strukturfonds-
förderung in Ihrer Region interessieren, sollten
Sie den Planungsprozess in Ihrem Bundesland
aufmerksam verfolgen. Die Bundesländer legen
in Abstimmung mit dem Bund und der EU die
konkreten Förderprioritäten in Ihrer Region fest
und gestalten die Förderprogramme, von denen
Sie ab 2021 profitieren können.
Diese Förderprogramme richten sich nach den
Politischen Zielen der EU. Ab 2021 sind das nach
aktuellem Stand die folgenden fünf Themen:
1. Ein intelligenteres Europa durch Inno-
vation, Digitalisierung, wirtschaftlichen
Wandel sowie die Förderung kleiner und
mittlerer Unternehmen.
2. Ein grüneres, CO2-freies Europa, das
das Übereinkommen von Paris umsetzt
und in die Energiewende, in erneuerbare
Energien und in den Kampf gegen den
Klimawandel investiert.
3. Ein stärker vernetztes Europa mit strate-
gischen Verkehrs- und Digitalnetzen.
4. Ein sozialeres Europa, das die Europäi-
sche Säule sozialer Rechte umsetzt und
hochwertige Arbeitsplätze, Bildung,
Kompetenzen, soziale Inklusion und
Gleichheit beim Zugang zu medizinischer
Versorgung fördert.
5. Ein bürgernäheres Europa durch Unter-
stützung lokaler Entwicklungsstrategien
und nachhaltiger Stadtentwicklung in
der gesamten EU.
Das Bundesgebiet wird auch in der kommen-
den Förderperiode in zwei Förderregionen auf-
geteilt werden. Die sogenannten „Übergangs-
regionen“, die hauptsächlich im östlichen
Landesteil liegen, erhalten mehr Förderung als
die „stärker entwickelten Regionen“, die in der
Mehrzahl im Westen zu finden sind. Mit der
Region Leipzig befindet sich jedoch auch eine
stärker entwickelte Region in Sachsen.
INFORMATION:
Nähere Informationen zu den Verhand-
lungen des Mehrjährigen Finanzrahmens
2021 – 2027 (Haushalt der Europäischen
Union) können Sie der Internetseite der
EU-Kommission entnehmen:
www.consilium.europa.eu/de
Die konkreten Verordnungsvorschläge
der EU-Kommission sind ebenfalls
online abrufbar:
www.ec.europa.eu/regional_policy/
de/2021_2027
EU-ZEIT
1 – 2020

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Gutes tun und
darüber reden
Wo Europa drinsteckt, soll
auch Europa draufstehen
Haben Sie gewusst, dass Sachsen seit vielen
Jahren – um genau zu sein seit 1991 – von der
Europäischen Union finanziell stark unterstützt
wird? Allein im derzeitigen Förderzeitraum
2014 bis 2020 sind es fast 2,8 Milliarden Euro
aus dem Europäischen Fonds für regionale
Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen
Sozialfonds (ESF). Diese Gelder kommen durch
zahlreiche Förderprogramme des Freistaates
den Menschen in Sachsen zugute.
Die Bürgerinnen und Bürger in den Regionen,
die von europäischen Förderinstrumenten
profitieren, sollen davon auch erfahren – diese
Verpflichtung gehen alle ein, die EU-Förder-
mittel nutzen. Darum müssen zum Beispiel bei
Bauvorhaben Schilder aufgestellt werden, die
auf die EU-Beteiligung hinweisen.
Europa stärkt dich und deine
Stadt
Um die zahlreichen Projekte, die von enga-
gierten Akteuren vor Ort in den geförderten
Stadtgebieten auf die Beine gestellt worden
sind, sichtbar zu machen, entstand die Idee, für
die ESF-Stadtentwicklung eine eigene Kampa-
gne zu starten. Gemeinsam mit einer Agentur
wurde zunächst ein spezifisches Logo zur ESF-
Stadtentwicklung entwickelt, welches durch die
Städte und Projektträger genutzt werden kann.
Dieses Logo mit dem Slogan „Europa stärkt dich
und deine Stadt“ ist bei allen Beteiligten so gut
angekommen, dass es inzwischen auch für die
EFRE-Förderung genutzt wird.
Taschen und Basecaps
In einem zweiten Schritt wurden Werbemit-
tel ausgewählt und gestaltet, die vor allem
an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von
ESF-Projekten gerichtet sind. Dabei wurden
ganz bewusst Werbemittel ausgewählt, die im
Quartier Aufmerksamkeit erzeugen. Vielleicht
ergibt sich auf diesem Wege das eine oder
andere Gespräch zu den Angeboten und EU-
geförderten Projekten vor Ort. Die ESF-Taschen
sowie Rucksackbeutel, Basecaps und Frisbees
für Kinder und Jugendliche wurden an die
ESF-Programmkommunen ausgeliefert. Diese
können nun über den Einsatz in ihren Förderge-
bieten selbst entscheiden.
Unterstützung für geförderte
Projekte
Geförderte Projekte erhalten Unterstützung
dabei, die Kommunikationspflichten einzuhal-
ten. So können unter
www.strukturfonds.sach-
sen.de Leitfäden und Vorlagen heruntergeladen
werden. Auch Geschichten von vielen erfolgrei-
chen Projekten aus ganz Sachsen finden sich
auf dem Portal. Die Hauptbotschaft für all diese
Kommunikationsmaßnahmen lautet: Europa
fördert Sachsen!
WEITERE INFORMATIONEN
UND PROJEKTE:
www.efre-esf-stadtentwicklung.sachsen.de
www.strukturfonds.sachsen.de
www.eu-projekte.sachsen.de
www.facebook.com/EUfoerdertSachsen
Europa
stärkt dich und
deine Stadt.
Die Projektmitarbeiter aus der Dresdner
Friedrichstadt freuen sich über die neuen
Werbemittel zur ESF-Stadtentwicklung
FÖRDERUNG IM FOKUS
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