Bericht
der
Unabhängigen Kommission der
Sächsischen Staatsregierung
Flutkatastrophe 2002

Die Mitglieder der Kommission
Hans-Peter von Kirchbach
General a.D.
- Vorsitzender –
Dr. Stefan Franke
Staatssekretär
Hartmut Biele
Präsident des Statistischen Landesamtes
Mitarbeiter
Lutz Minnich
Matthias Epple
Franka Schäfer
Fred Unnasch
Margitta Schuster

Inhalt
Seite
Vorwort
A.
Einleitung
13
1.
Ausgangssituation
2.
Kommissionsauftrag
3.
Untersuchungsmethode
B.
Topographie und Meteorologie
17
1.
Topographie Sachsens
2.
Meteorologie
a) Allgemeine Aspekte
b) Wetterentwicklung im August 2002
C.
Hochwasserschutz
23
I.
Gefährdungspotential
23
II.
Hochwasserschutzmaßnahmen
23
1.
Natürlicher Wasserrückhalt
2.
Technische Hochwasserrückhaltung
a) Entwicklung und Organisation
b) Technische Hochwasserrückhalteanlagen
c) Leistungsfähigkeit technischer Hochwasserrückhaltung
d) Hochwasserrückhaltung während der August-Flut
e) Einzelprobleme
3.
Deiche
a) Entwicklung
b) Eingedeichte Flüsse
c) Deichbrüche während der August-Flut
d) Einzelprobleme
4.
Überschwemmungsgebiete
a) Definition und Festsetzung
b) Festgesetzte Überschwemmungsgebiete
III.
Konsequenzen aus der Oder-Flut 1997
57
D.
Hochwassermeldedienst
59
I.
Rechtsgrundlagen und Organisation
59
1.
Flussgebiete und Hochwasserberichte
2.
Zuständigkeit und Meldewege

3.
Alarmstufen
a) Alarmstufe 1 – Meldedienst
b) Alarmstufe 2 – Kontrolldienst
c) Alarmstufe 3 – Wachdienst
d) Alarmstufe 4 - Hochwasserabwehr
II.
Datenspektrum
62
1.
Wetterdaten
2.
Pegeldaten
a) Erzgebirgsflüsse
b) Elbe
3.
Talsperrendaten
III.
Hochwasserberichte während der August-Flut
75
1.
Landesamt für Umwelt und Geologie
2.
Staatliches Umweltfachamt Chemnitz
3.
Staatliches Umweltfachamt Leipzig
4.
Staatliches Umweltfachamt Bautzen
IV.
Bewertung
84
1.
Erweiterung des Datenspektrums
2.
Meldewege
3.
Vernetzung
E.
Rechtsgrundlagen und Organisation des Katastro-
phenschutzes
89
1.
Bundesrecht
a) Grundgesetz
b) Zivilschutzgesetz
c) Bundeswehr u.a.
2.
Landesrecht
a) Sächsische Verfassung
b) Katastrophenschutzgesetz
c) Rechtsverordnung
d) Verwaltungsvorschriften und Richtlinien
3.
Verhältnis zu Brandschutz und Rettungswesen
a) Brandschutz
b) Rettungsdienst
4.
Organisation und Vorbereitung
a) Oberste Katastrophenschutzbehörde
b) Höhere Katastrophenschutzbehörden
c) Untere Katastrophenschutzbehörden

F. Katastrophenbekämpfung – Erzgebirgshochwasser
103
I.
Landkreise und Kreisfreie Städte
103
1.
Aufnahme des Krisenmanagements
a) Erzgebirgskreise
b) Landkreise zwischen Erzgebirge und Vereinigte Mulde
c) Landkreise der Vereinigten Mulde
d) Überblick
2.
Maßnahmen der Katastrophenbekämpfung
a) Erzgebirgskreise
b) Landkreise zwischen Erzgebirge und Vereinigter Mulde
c) Landkreise der Vereinigten Mulde
II.
Regierungspräsidien
133
1.
Aufnahme des Krisenmanagements
2.
Maßnahmen der Katastrophenbekämpfung
III.
Staatsministerium des Innern
143
G.
Katastrophenbekämpfung – Elbehochwasser
147
I.
Landkreise und Landeshauptstadt
147
1.
Sächsische Schweiz
2.
Landeshauptstadt Dresden
a) Maßnahmen
b) Evakuierungen
c) Universitätsklinikum
d) Staatliche Kunstsammlungen
3.
Meißen
4.
Riesa-Großenhain
5.
Torgau-Oschatz
II.
Regierungspräsidien
165
1.
Regierungspräsidium Dresden
2.
Regierungspräsidium Leipzig
III.
Staatsministerium des Innern
169

H.
Information und Kommunikation
173
I.
Bedeutung
173
II.
Meldewesen
173
1.
Lagebild
2.
Staatsministerium des Innern
a) Krisenstab-Katastrophenschutz
b) Landespolizeipräsidium
3.
Regierungspräsidien
a) Regierungspräsidium Chemnitz
b) Regierungspräsidium Dresden
c) Regierungspräsidium Leipzig
d) Bewertung
III.
Kommunikationssysteme
183
1.
Festnetzgestützte Telekommunikation
2.
Mobilfunknetze
3.
BOS-Funk
4.
Informationsfülle
IV.
Bevölkerung und Öffentlichkeit
185
1.
Warnung
2.
Verlautbarung
3.
Öffentlichkeitsarbeit
4.
Medien
I.
Einsatzkräfte
189
I.
Bundesrepublik Deutschland
189
1.
Bundeswehr
a) Rechtsgrundlagen
b) Beteiligte Organisationseinheiten
c) Katastrophenbekämpfung
d) Erkenntnisse
2.
Bundesgrenzschutz
a) Rechtsgrundlagen
b) Beteiligte Einheiten
c) Katastrophenbekämpfung
d) Erkenntnisse
3.
Technisches Hilfswerk (THW)
a) Rechtsgrundlagen
b) Beteiligte Einheiten
c) Katastrophenbekämpfung
d) Erkenntnisse

II.
Freistaat Sachsen
200
1.
Polizei
a) Rechtsgrundlagen
b) Beteiligte Einheiten
c) Katastrophenbekämpfung
d) Erkenntnisse
2.
Feuerwehr
a) Rechtsgrundlagen
b) Beteiligte Einheiten
c) Katastrophenbekämpfung
d) Erkenntnisse
III.
Private Hilfsorganisationen
205
1.
Rechtsgrundlagen
2.
Beteiligte Hilfsorganisationen
a) Deutsches Rotes Kreuz
b) Arbeiter-Samariter-Bund
c) Johanniter-Unfall-Hilfe
d) Malteser Hilfsdienst
e) Deutsche Lebensrettungsgesellschaft
3.
Katastrophenbekämpfung
a) Inanspruchnahme
b) Hilfsmaßnahmen
c) Eingesetzte Kräfte
d) Zusammenarbeit
4.
Erkenntnisse
IV.
Freiwillige und ausländische Helfer
211
1.
Nichtorganisierte Helfer
2.
Helfer aus dem Ausland
J.
Gesamtbewertung
213
I.
Hochwasserschutz
213
1.
Technische Hochwasserrückhaltung
2.
Deiche
3.
Überschwemmungsgebiete
II.
Hochwassermeldedienst
214
1.
Organisation
2.
Datenbasis und Inhalt
3.
Übermittlungswege
4.
Aussagekraft

III.
Grundfragen des Katastrophenmanagements
216
1.
Führungsverständnis
2.
Übernahme der Führung
3.
Landesweiter Katastrophenalarm
IV.
Vorbereitung der Katastrophenbekämpfung
219
1.
Untere Katastrophenschutzbehörden
2.
Höhere Katastrophenschutzbehörden
3.
Oberste Katastrophenschutzbehörde
4.
Städte und Gemeinden
V.
Handeln in der Katastrophe
223
1.
Untere Katastrophenschutzbehörden
a) Erkennen, Handlungsfähigkeit, Katastrophenalarm
b) Katastrophenschutzstäbe und technische Einsatzleitungen
c) Anforderungen und Einsatz von Kräften
d) Warnung der Bevölkerung
e) Rettung und Evakuierung
f) Gemeinden
g) Meldewesen
h) Landeshauptstadt Dresden
2.
Höhere Katastrophenschutzbehörden
3.
Oberste Katastrophenschutzbehörde
VI.
Einsatzkräfte
234
1.
Kräfte des Bundes
a) Bundeswehr
b) Bundesgrenzschutz
c) Technisches Hilfswerk
2.
Kräfte des Landes
a) Feuerwehren
b) Polizei
3.
Hilfsorganisationen
K.
Vorschläge
241
I
Hochwasserschutz
241
II Hochwassermeldedienst
241
III Rechtsgrundlagen des Katastrophenschutzes
242
IV Organisation und Vorbereitung
243
V Katastrophenbekämpfung
245
VI Rettung und Evakuierung
245

VII Information und Kommunikation
246
VIII Einsatzkräfte
247
IX
Länderübergreifende Aspekte
248
X
Fazit
249
Quellen
Rechtsvorschriften
Anlagenband

image
Vorwort
Die Flutkatastrophe vom August 2002 ist in Größenordnung, Intensität und
Schadenshöhe von niemandem vorhergesehen oder erwartet worden. Sie übertraf im
Freistaat Sachsen alles seit Menschengedenken Erlebte. Die Situation spitzte sich in
vielen Teilen des Landes binnen Stunden extrem zu und stellte die Verantwortlichen
vor beispiellose Herausforderungen.
Nach einer solch verheerenden Katastrophe konnte es der Kommission nicht in ers-
ter Linie um die kleinliche Suche nach Fehlern einzelner verantwortlicher Beteiligter
gehen. Wenn in kurzer Zeit und unter schwierigen Umständen oft mit unzu-
reichenden Mitteln der Kommunikation eine Fülle von Entscheidungen getroffen wer-
den müssen, sind Fehler unvermeidlich.
Bei der Untersuchung der Abläufe ging es um etwas völlig anderes. Zum einen war
zu prüfen, inwieweit die gesetzlichen und die tatsächlichen Vorkehrungen des Hoch-
wassermeldewesens geeignet waren und sind, den Katastrophenschutzbehörden
eine bestmögliche Informationsgrundlage und eine größtmögliche Vorbereitungszeit
zu verschaffen.
Zum anderen war zu prüfen, inwieweit die gesetzlichen und die tatsächlichen Vor-
kehrungen des Katastrophenschutzes geeignet waren und sind, Gefahr für Leib und
Leben entgegenzuwirken sowie die Schäden für Infrastruktur und Material möglichst
gering zu halten.
Zum dritten war zu prüfen, ob das Handeln der Katastrophenschutzbehörden und
anderer an der Katastrophenabwehr Beteiligter im Laufe der Katastrophe diesen
Kriterien entsprach; ob insbesondere das Zusammenwirken der Katastro-
phenschutzbehörden untereinander, die Aufgabenerfüllung der hierarchischen E-
benen, das Zusammenwirken und die Koordination mit den Hilfskräften angemessen
funktionierten.
Wenn eine Katastrophe diesen Ausmaßes als Maßstab für Verbesserungsvorschläge
dient, liegt dem die berechtigte Annahme zugrunde, dass gute Vorkehrungen gegen
eine Großkatastrophe auch geeignet sind, gegen kleinere Katastrophen, deren
Eintreten wahrscheinlicher ist, besser als heute gerüstet zu sein.
Irgendwann wird sich die nächste Katastrophe ereignen. Bei den Vorschlägen ging
es der Kommission deshalb darum, Ratschläge zu geben, deren Verwirklichung dem
Freistaat Sachsen helfen kann, jeder Katastrophe noch besser gewappnet
entgegenzutreten. Dass dabei auch Vorschläge unterbreitet werden, die sich nicht
an den Grenzen eines Bundeslandes orientieren, liegt in der Natur der Sache.
Dresden, den 16. Dezember 2002
Der Vorsitzende
Hans-Peter von Kirchbach
General a.D.

 
A. Einleitung
1. Ausgangssituation
Im August 2002 war der Osten und der Südosten Deutschlands von einer
Flutkatastrophe historischen Ausmaßes betroffen. Die Hauptschäden der Flut waren
im Freistaat Sachsen zu verzeichnen. Durch sintflutartige Regenfälle am 11., 12. und
in den frühen Morgenstunden des 13. August 2002 verwandelten sich zahlreiche
Flüsse des Erzgebirges in reißende Gewässer, brachen Dämme, rissen Häuser,
Brücken und Straßen in großer Zahl hinweg. Die Städte Aue, Flöha, Döbeln, Grimma
und Eilenburg wurden durch die Mulde und ihre Zuflüsse dramatisch geschädigt. Die
Flüsse des Osterzgebirges verwüsteten Schmiedeberg, Glashütte, Müglitztal, Dohna,
Tharandt und Freital. Vom 14. bis 18. August 2002 trat zudem die Elbe über die Ufer.
Sie überflutete große Teile der Landeshauptstadt Dresden sowie der Städte Bad
Schandau, Pirna, Heidenau, Meißen, Riesa und Torgau. Viele andere Städte und
Gemeinden waren ähnlich schwer betroffen.
Zur Bekämpfung der Katastrophe waren neben den örtlichen Rettungsdiensten
Bundeswehreinheiten sowie Rettungsdienste und Freiwillige aus ganz Deutschland
im Einsatz. Trotz größter Anstrengung kamen in Sachsen 20 Menschen zu Tode, 110
wurden verletzt. Mehrere zehntausend Menschen mussten evakuiert werden. Die
Schäden an der Infrastruktur, an Gebäuden und anderen Sachwerten belaufen sich
auf mehrere Milliarden Euro.
2. Kommissionsauftrag
Während und nach der August-Flut ist der Vorwurf erhoben worden, die
verantwortlichen Stellen hätten Warn- und Rettungsmaßnahmen nicht rechtzeitig
eingeleitet, notwendige Maßnahmen unterlassen, andererseits aber vermeidbare
Maßnahmen zum Schaden Betroffener durchgeführt. Zur Untersuchung der
Katastrophenschutzmaßnahmen, vor allem aber zur Erarbeitung von Empfehlungen
für die Bewältigung künftiger Naturkatastrophen, hat die Sächsische Staatsregierung
mit Beschluss vom 10. September 2002 eine Unabhängige Kommission eingesetzt.
Ihr Auftrag ist wie folgt formuliert:
Statut zur Einrichtung der „Unabhängigen Kommission
Flutkatastrophe 2002"
I.
Zusammensetzung der Kommission, Status
Mitglieder der Kommission sind General a.D. Hans-Peter von Kirchbach
als ihr Leiter, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium der Justiz
Dr. Stefan Franke sowie Präsident des Statistischen Landesamtes Hartmut
Biele.
Die Kommission arbeitet im Rahmen ihres öffentlichen Auftrages nach
diesem Kabinettsbeschluss frei und unabhängig unter Beachtung der
Rechtsordnung, insbesondere der Bestimmungen des Daten- und
Geheimschutzes.

II. Die Kommission hat folgenden Auftrag:
1.
Analyse der meteorologischen Situation in Sachsen und Tschechien
ab Mitte August 2002;
2.
Prüfung der Erfassung und Bewertung der meteorologischen Daten
durch die zuständigen Behörden;
3.
Prüfung des Inhalts der Hochwasserinformationen und der von den
zuständigen Behörden gezogenen Schlussfolgerungen;
4. Überprüfung des Meldewesens und der Alarmierungswege im
Rahmen des Katastrophenschutzes;
5. Untersuchung der von den Katastrophenschutzbehörden getrof-
fenen Maßnahmen und deren Koordinierung;
6.
Überprüfung der bestehenden Katastrophenschutzplanung und die
Erarbeitung etwaiger Empfehlungen für die Zukunft.
Nicht vom Auftrag der Kommission umfasst ist die Ermittlung und
Bewertung möglichen Fehlverhaltens einzelner Bediensteter im Rahmen
der Flutkatastrophe.
III.
Die Kommission wird bevollmächtigt:
1. Alle im Rahmen ihres Untersuchungsauftrages relevanten Unter-
lagen bei den staatlichen und kommunalen Dienststellen, bei letzte-
ren über das Staatsministerium des Innern als oberste Katastro-
phenschutzbehörde, einzusehen und Duplikate zu fertigen;
2.
Auskünfte aller bei der Bewältigung der Flutkatastrophe eingesetz-
ten und zuständigen Bediensteten der staatlichen und kommunalen
Dienststellen einzuholen, bei letzteren über das Staatsministerium
des Innern als oberste Katastrophenschutzbehörde.
IV.
Unterstützung der Kommission:
1.
Die Kommission erhält die für ihre Tätigkeit erforderliche personelle
und materielle Unterstützung durch die hierfür jeweils von der
Staatskanzlei bestimmten Ressorts.
2.
Alle Ressorts sowie ihre jeweils nachgeordneten Behörden sind ver-
pflichtet, der Kommission die für ihren Auftrag erforderlichen Unter-
lagen zur Verfügung zu stellen sowie auf Fragen alle hierfür erfor-
derlichen Auskünfte zu geben. Entsprechendes gilt über das
Staatsministerium des Innern als oberste Katastrophenschutzbe-
hörde für alle kommunalen Behörden und Einrichtungen.
V.
Bericht:
1.
Die Kommission dokumentiert ihre Ergebnisse in einem schriftlichen
Bericht an die Staatsregierung. Sie kann ferner Zwischenberichte zu
bereits abgearbeiteten Einzelthemen abgeben.
2. Die Staatsregierung kann bei besonderer Dringlichkeit Zwischen-
berichte der Kommission zu Einzelfragen ihres Auftrages anfordern.
3. Vor Abgabe ihres Abschlussberichtes gibt die Kommission dem
Landesbeirat für den Katastrophenschutz Gelegenheit zur Stellung-
nahme.

 
3. Untersuchungsmethode
Nach dem Untersuchungsauftrag sind alle staatlichen Dienststellen verpflichtet, die
Arbeit der Kommission zu unterstützen, Fragen zu beantworten und Unterlagen zur
Verfügung zu stellen. Die Arbeit der Kommission stützt sich deshalb auf drei
Komponenten: die Anhörung der für den Hochwasser- und Katastrophenschutz
maßgeblichen Verantwortungsträger (Interview), die Beiziehung und Auswertung
schriftlicher Unterlagen (Einsatztagebücher, Katastrophenschutzpläne,
Dienstvorschriften, statistische Erhebungen u.a.) sowie die Bewertung der
festgestellten Sachverhalte.
Bei der Anhörung der Verantwortungsträger ist die Kommission der behördlichen
Hierarchie folgend von "oben nach unten" vorgegangen. Sie hat ihre Recherchen
zunächst in den hauptsächlich zuständigen Ministerien – dem Staatsministerium des
Innern und dem Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft – durchgeführt,
dann bei den drei Regierungspräsidien und schließlich bei 16 hauptbetroffenen
Landkreisen sowie der Landeshauptstadt Dresden, der Kreisfreien Stadt Chemnitz
und der Kreisfreien Stadt Zwickau. Ferner wurde mit den Verantwortlichen einiger
hauptbetroffener Gemeinden gesprochen.
Die Erhebungen wurden bei einer Reihe anderer staatlicher und nichtstaatlicher
Stellen – Deutscher Wetterdienst, Landesamt für Umweltschutz und Geologie,
Landestalsperrenverwaltung, Universitätsklinikum Dresden, Klinikum Dresden-
Friedrichstadt u.a. – komplettiert. Ferner wurden die bei Bewältigung der
Flutkatastrophe eingesetzten Organisationen des Bundes (Bundeswehr,
Bundesgrenzschutz und Technisches Hilfswerk), des Landes (Feuerwehr und
Polizei) sowie die großen Hilfsorganisationen Deutsches Rotes Kreuz, Arbeiter-
Samariter-Bund, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst und Deutsche
Lebensrettungsgesellschaft angehört; schließlich das Bundesverwaltungsamt –
Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz. Insgesamt wurden
Erhebungen bei über 70 Dienststellen und Einrichtungen durchgeführt.
Die Arbeit der Kommission beschränkte sich auf den Zeitraum zwischen Entstehen
und Kulmination der Flut, also auf die Zeit vom 12. August 2002 bis 18. August 2002.
Zur Beurteilung von Warn- und Prognosefragen wurde allerdings auch auf Daten ab
dem 1. August 2002 zurückgegriffen. Nicht Gegenstand der Untersuchung sind die
Maßnahmen zur Beseitigung der Katastrophenschäden nach Abklingen der akuten
Hochwasserlage.
Der Kommission lagen eine Fülle von Daten vor, die im Einzelfalle nicht immer
widerspruchsfrei waren. Soweit Widersprüche nicht aufgeklärt werden konnten,
wurden dem Bericht – nach sorgfältiger Prüfung – die Daten zugrunde gelegt, für die
die größte Plausibilität sprach.

 
B. Topographie und Meteorologie
1. Topographie Sachsens
Die Topographie Sachsens ist geprägt durch das Erzgebirge, das Lausitzer Bergland
und das Zittauer Gebirge einerseits und den Übergang in die norddeutsche
Tiefebene andererseits.
Das Erzgebirge gehört dem östlichen Teil der mitteleuropäischen Mittelgebirgszone
an. Ihren Kern bildet die Böhmische Masse, die von mehreren markanten Gebirgen
flankiert wird; im Nordwesten ist es das in Richtung Südwest-Nordost verlaufende
Erzgebirge. Die Pultscholle des Erzgebirges erhebt sich in einem leichten Anstieg
nach Süden hin aus dem Sächsischen Hügelland. Vom Kamm des Erzgebirges folgt
ein schroffer Abbruch nach Südosten in die Nordböhmische Senke. Der Steilabfall
bildet zugleich die Südgrenze des Erzgebirges. Im Osten wird es durch das
Elbsandsteingebirge und das Dresdener Elbtalgebiet begrenzt, im Norden schließen
sich das Erzgebirgische Becken sowie das Mittelsächsische Lößlehm- und Lößgebiet
an. Im Westen folgen die tiefer liegenden und mit Tälern angereicherten Hochflächen
des Vogtlandes.
Der östliche Teil des Erzgebirges wurde während der gebirgsbildenden Vorgänge im
Tertiär nicht so weit herausgehoben wie der westliche Teil. Nur einzelne Erhebungen
erreichen mehr als 800 m Höhe; etwa der Geisingberg in der Nähe von Altenberg
(824 m) oder der Kahleberg (905 m) als höchster Berg auf der sächsischen Seite des
Osterzgebirges. Die leicht nach Norden abflachenden Hochflächen sind von wenigen
großen Wasserläufen zerschnitten. Die von ihnen ausgehende Zerschneidung der
Hochflächen durch kleinere Gewässer beschränkt sich auf einen schmalen Saum
beiderseits der Täler. Dadurch treten breite Hochflächen mit flachen Dellen und
Mulden auf, steile Hänge finden sich lediglich an den Flanken der größeren Täler.
Überragt wird dieser Teil des Erzgebirges von einzelnen Basaltbergen und einem
Zug aus Quarz- und Granitporphyr, der sich zwischen Müglitz und Roter Weißeritz
erstreckt und südwestlich des Geisingberges auf dem Kahleberg eine Maximalhöhe
von 905 m erreicht.
Im Westerzgebirge treten im Unterschied dazu prägnantere Erhebungen auf. Sowohl
der Fichtelberg (1214 m) als auch der ihm vorgelagerte Auersberg (1018 m) weisen
Höhen von mehr als 1000 m auf. Von den bis zu 300 m tiefen Tälern der Zwickauer
Mulde, der Freiberger Mulde, der Zschopau und deren Zuflüssen zieht sich die
Talstruktur tief in die zwischen diesen größeren Gewässern gelegenen Hochflächen
ein.
Bis auf Elbe und Neiße entspringen alle sächsischen Flüsse dem Mittelgebirgsraum
im Süden Sachsens. Ihre Quellen befinden sich nördlich der Hauptwasserscheiden
des Vogtlandes, des Elstergebirges, des Erzgebirges, des Oberlausitzer Berglandes
und des Zittauer Gebirges. Fließrichtung und Anordnung der Flüsse und größeren
Bäche werden durch die allgemeine Abdachung der Landoberfläche vorgeschrieben.
Sie streben dem nördlichen Tiefland zu und sind mehr oder weniger parallel
angeordnet. Die Elbe entspringt im böhmischen Teil des Riesengebirges, tritt nach
einer Länge von 184 km bei Schmilka in sächsisches Gebiet ein und durchquert
Sachsen – davon 3,43 km gemeinsame Grenze - zunächst im Dresdener Elbgraben
von Südwest nach Nordost auf einer Strecke von 166 km. Die Absenkung der

Grabensohle vergrößert den Höhenunterschied der Elbsohle zu den benachbarten
Landschaftseinheiten des Unteren Osterzgebirges sowie des Westlausitzer Hügel-
und Berglandes.
Das gesamte Erzgebirge gehört dem Stromgebiet der Elbe an. Die Nordabdachung
wird durch die Zwickauer Mulde, die Freiberger Mulde, die Zschopau, die Flöha, die
Rote und die Wilde Weißeritz, die Müglitz und die Gottleuba sowie die ihnen
zufließenden Bäche entwässert. Länge und Einzugsbereich dieser Flüsse stellen sich
wie folgt dar:
Fluss
Länge (km)
Einzugsbereich (km
2
)
Zwickauer Mulde
166,0
2352
Freiberger Mulde
124,0
2981
Zschopau
128,0
___
Flöha
78,0
799
Rote Weißeritz
35,0
152
Wilde Weißeritz
48,6
162
Vereinigte Weißeritz
5,5
45
Müglitz
48,9
214
Gottleuba
33,9
252
Die vom westlichen und mittleren Teil des südlichen Steilabfalles des Erzgebirges
herabkommenden Gewässer münden auf tschechischer Seite in die Ohre, die vom
östlichen Teil kommenden in die Bilína. All diese Gewässer werden wiederum
unmittelbar oder mittelbar von der Elbe aufgenommen. Die Nebenflüsse Weiße
Elster, Mulde, Spree und Schwarze Elster münden erst außerhalb Sachsens in die
Elbe. Lediglich der äußerste Südosten der Oberlausitz wird nicht zur Elbe hin
entwässert; diese Gewässer gehören zum Einzugsgebiet der Oder.
Die Elbe entwässert mit ihren Zuflüssen in Tschechien auch das gesamte Böhmische
Becken einschließlich der Südseite des Erzgebirges. Ihr Einzugsbereich bis zur
tschechisch-sächsischen Grenze beträgt 51.336 km² und reicht insbesondere durch
den Zufluss der Moldau im Süden bis nach Österreich, bis zum Arber im Westen und
Czeb (Eger) im Nordwesten.
Maßgebliche Flussgebiete, die Wasser aus dem Erzgebirge aufnehmen, sind Elbe,
Weiße Elster, Mulde, Weißeritz, Lockwitzbach, Müglitz, Gottleuba und Röder. Im
Gegensatz zu den in der nordöstlichen Ebene fließenden Wasserläufen, die eine
verhältnismäßig geringe Fließgeschwindigkeit aufweisen, erreichen die aus dem
Erzgebirge zufließenden Wasserläufe durch ihr starkes Gefälle eine wesentlich
höhere Fließgeschwindigkeit.
Die großen Städte am Fuße des Erzgebirges weisen Höhenlagen von nur 111 m in
Dresden, von 310 m in Chemnitz und von exakt 300 m in Zwickau auf. Der zum
Kamm des Erzgebirges bestehende Höhenunterschied wird auf Entfernungen von
meist weniger als 50 km zurückgelegt, was zu einer hohen Fließgeschwindigkeit der
Gewässer führt, die sich in Hochwassersituationen noch erheblich verstärkt. Das

 
hydrographische Bild Ostsachsens wird neben dem Elbstrom von Neiße, Spree,
Schöps, Pulsnitz und Röder geprägt.
Die Förderung von Bodenschätzen, Industrie und Gewerbe waren ursprünglich auf
die Wasserkraft angewiesen; sie war im Erzgebirge reichlich vorhanden. Dies hat zu
einer starken Besiedelung und Bebauung der Erzgebirgstäler geführt.
Sachsen weist eine sehr unterschiedliche Bodenstruktur auf. Während in den
Erzgebirgslagen und im Vogtland Lehmboden und lehmiger Gebirgsschutt
vorherrscht, dominiert im Mittelsächsischen Hügelland und im Lausitzer Bergland
Löß und in der nördlichen Oberlausitz Sandboden. Die Elbniederung ist in ihrem
südlichen Teil von lehmigen Sandboden geprägt, der in Richtung Nordwesten
entlang der Elbe zu sandigem Lehm und Sand übergeht.
2. Meteorologie
a) Allgemeine Aspekte
Meteorologisch liegt Sachsen am Rand atlantisch bestimmter Wetterlagen im
Übergang zu kontinentalem Wettereinfluss. Die langjährige
Jahresniederschlagsmenge – Mittelwert für den Zeitraum von 1961 bis 1990 - liegt
zwischen 520 und 1230 mm/m² (bei 520 mm/m² in Schildau, bei 520 bis 650 mm/m²
in der Leipziger Tieflandsbucht, bei 650 bis 750 mm/m² im Erzgebirgsvorland und
Elbtal, bei 700 bis 850 mm/m² in den mittleren Höhenlagen des Erzgebirges und
Vogtlandes, bei 850 bis 1230 mm/m² in den oberen Lagen des Erzgebirges und
Vogtlandes, bei 977 mm/m² in Zinnwald, bei 600 bis 650 mm/m² in der Niederlausitz
sowie bei 650 bis 700 mm/m² in der Oberlausitz).
Für den Monat August liegen die langjährigen Mittelwerte im Zeitraum von 1961 bis
1990 zwischen 51 mm/m² im Raum Leipzig und 149 mm/m² in Klingenthal (bei 50 bis
65 mm/m² in der Leipziger Tieflandsbucht, bei 65 bis 75 mm/m² im Erzgebirgsvorland
und Elbtal, bei 75 bis 95 mm/m² in den mittleren Höhenlagen des Erzgebirges und
Vogtlandes, bei 95 bis 149 mm/m² in den oberen Lagen des Erzgebirges und
Vogtlandes, bei 103 mm/m² in Zinnwald, bei 75 bis 85 mm/m² in der Oberlausitz
sowie bei 70 bis 75 mm/m² in der Niederlausitz).
Das Erzgebirge erhöht die Niederschlagsneigung tendenziell, weil sich die
Luftmassen daran häufig stauen und vertikal gerichtete Aufwärtsbewegungen der
Luft entstehen. Wird eine Luftmasse gehoben, kommt sie unter niedrigeren Druck
und kühlt ab. Bei ausreichendem Feuchtigkeitsgehalt kondensiert der vorhandene
Wasserdampf zu Wolken und Niederschlagsteilchen, bis schließlich Niederschlag
ausfällt.
Die Wetterlage im Sommer 2002 war dadurch gekennzeichnet, dass vermehrt
Luftmassen aus dem nördlichen Atlantik nach Europa strömten. Über dem
Mittelmeerraum nahmen sie häufig feuchte Luft auf und transportierten sie nach
Mitteleuropa, was zu zahlreichen Unwettern führte.
Im Nordatlantik ist seit etwa zwei Jahrzehnten eine gewisse Erwärmung des Wassers
zu verzeichnen. Dadurch entsteht feuchtere Luft, die von Tiefdruckgebieten vermehrt
aufgenommen wird. Die Zahl der Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes

nahm in den vergangenen Jahren deutlich zu. Allein im August 2002 gab der
Deutsche Wetterdienst Leipzig 39 Unwetterwarnungen heraus. Früher lag die Zahl
während eines Sommers selten über 5 Unwetterwarnungen.
b) Wetterentwicklung im August 2002
Zu Beginn des Monats August herrschte in Sachsen Hochdruckwetter. Die
Tagesdurchschnittstemperaturen lagen am 1. August bei 21,1 °C in Dresden, 23,1 °C
in Leipzig, 20,4 °C in Chemnitz, 18,1 °C in Zinnwald und am 2. August bei 19,9 °C in
Dresden, 21,1 °C in Leipzig, 18,9 °C in Chemnitz sowie bei 15,5 °C in Zinnwald.
Niederschlag war wie in den letzten Julitagen kaum zu verzeichnen. In der Zeit vom
3. bis 8. August traten häufig kräftige Schauer und Gewitter über Sachsen auf, die zu
einer Wassersättigung des Bodens und zu einem Anstieg der Flusspegel geführt
hatten.
Am 9. August wurde vom Deutschen Wetterdienst über den britischen Inseln ein
massives Tiefdruckgebiet beobachtet, das aus Norden in südöstliche Richtung zog.
Da die Wettersituation der vor dem Oderhochwasser glich, gab der Deutsche
Wetterdienst am 9. August 2002 um 10.28 Uhr folgende Meldung heraus:
„Information zur erwarteten Wetterentwicklung ausgegeben am 09.08.02, 10.28 Uhr
für den Bereich
- Sachsen-Anhalt – ..................
- Thüringen - .......................
- Sachsen -
(betroffene Teilgebiete: Dübener-Dahlener Heide, Leipziger Tieflandsbucht,
mittelsächsisches Hügelland, Erzgebirge, Lausitz, Oberlausitz, Lausitzer Bergland,
Vogtland, Elbtal/-niederung)
Information zu ergiebigem Niederschlag
Zur Information der Einsatzkräfte:
Am Wochenende besteht die Gefahr von lokalen starken Regenfällen, meist in
Verbindung mit Gewittern. Dabei können in kurzer Zeit Regenmengen von 25 bis 50
Liter je Quadratmeter fallen.
Die Entwicklung erscheint aber noch nicht so sicher, so dass auf die Ausgabe einer
Unwetter-Vorwarnung verzichtet wird.
Deutscher Wetterdienst Leipzig/ La“
Das vorhergesagte Tiefdruckgebiet zog ins Mittelmeer, änderte über dem Golf von
Genua seine Richtung und bewegte sich weiter nordöstlich.
Tiefdruckgebiete dieser Art ziehen in der Regel von der Adria nordwärts über
Österreich und Ungarn nach Tschechien, weiter über die Danziger Bucht in die
Ostsee und regnen auf dem Weg dorthin ab. Tiefdruckgebiete mit typischer
Zugrichtung sind in der Meteorologie katalogisiert worden. Das in Rede stehende Tief
wird mit „Vb“ bezeichnet. Es ist oft mit markanten Wettererscheinungen verbunden,
insbesondere mit kräftigem Dauerregen im Sommer beziehungsweise Schneefall im
Winter.
Ursache für die überdurchschnittlichen Niederschläge im Bereich von Vb-Tiefs ist die
Tatsache, dass sie südlich der Alpen meist feuchte Warmluft aus der
Mittelmeerregion in ihre Zirkulation einbeziehen und im weiteren Verlauf nach Norden
transportieren, wo der Wasserdampf aufgrund von Hebungsvorgängen kondensiert

und als Niederschlag ausfällt. Vb-Tiefs treten am häufigsten im Frühjahr und Herbst
auf. Im Sommer haben sie gravierendere Folgen, weil die Wassertemperaturen des
Mittelmeeres zu dieser Zeit über 24 °C liegen und damit im Vergleich zu den
kühleren Jahreszeiten ein Vielfaches an Wasserdampf in die Zirkulation des Tiefs
einbezogen wird.
In der Vergangenheit wurden häufig Vb-Tiefs beobachtet. Dennoch waren nur
wenige mit vergleichbar katastrophalen Auswirkungen verbunden, wie die Tiefs, die
das Oderhochwasser im Jahre 1997 sowie das der Elbe und Donau im Jahr 2002
verursachten.
Das beschriebene Tiefdruckgebiet, das den Namen „Ilse“ erhielt, führte am
11. August 2002 bereits an der Alpensüdseite und dann seiner Zugbahn folgend in
der Schweiz, Bayern, Österreich und Tschechien zu extremen Niederschlägen. In der
Nacht zum 12. August zog es über Tschechien hinweg nach Sachsen und verstärkte
sich dort nochmals erheblich.
Für die beobachteten extremen Niederschlagsmengen im Bereich von Tief „Ilse“ in
Sachsen gab es mehrere Ursachen: Die Mittelgebirge im Osten Deutschlands,
Bayern und Tschechien gerieten auf die Westflanke des Tiefs. Dort kam eine kräftige
Nordströmung auf, die die um das Tief herumgeführte feuchte Luft gegen die
Nordhänge der Gebirge drückte. Die feuchten Luftmassen wurden so gezwungen,
das Erzgebirge von Norden her zu überqueren. Da Niederschläge immer mit
Hebungsprozessen verbunden sind, wurde die Niederschlagsbildung durch die
erzwungene Hebung der Luftmassen im Nordstau der sächsischen Mittelgebirge
deutlich verstärkt. Hinzu kam eine labile Schichtung der Luftmassen, so dass
gewaltige niederschlagsverursachende Konvektionsprozesse stattfanden. Weiterhin
kam es zu dem für Vb-Tiefs typischen Aufgleiten der feuchten warmen Mittelmeerluft,
die in höheren Schichten nach Norden gegen die dort einströmende Kaltluft geführt
wurde. Das Bodentief sog die kalte Luft auf und zog diese wie ein Keil unter die
warmen Luftmassen. Außerdem hatte sich über Skandinavien ein Hochdruckgebiet
gebildet, das seinerseits den Abzug des Vb-Tiefdruckgebietes erschwerte.
Meteorologisch trafen mithin über dem Erzgebirge alle denkbaren hohe
Niederschläge auslösenden Umstände zusammen.
In der Zeit vom 12. bis 14. August 2002 wurden in mindestens sieben
Wetterstationen Sachsens Niederschläge von über 250 mm/m² gemessen, in
mindestens 13 Stationen von über 200 mm/m
2
. In weiteren 22 Wetterstationen lagen
die Niederschläge bei über 150 mm/m
2
. In Zinnwald betrug die Niederschlagsmenge
406 mm/m². Sämtliche Werte liegen weit über dem langjährigen Monatsmittel für den
August; sie erreichen zum Teil ein Drittel der langjährigen
Jahresniederschlagsmenge.

 
C. Hochwasserschutz
I. Gefährdungspotential
Die Gefährdung durch extreme Hochwasserlagen begleitet das Land Sachsen seit
Jahrhunderten. Dabei sind in Ursache und Auswirkung zwei Konstellationen zu
unterscheiden.
Das Hochwasser der Elbe tritt angesichts ihres großen Einzugsbereiches in
Tschechien und der dadurch relevanten vielschichtigen Witterungsverhältnisse in
relativ kurzen zeitlichen Abständen auf. Es ist in Verlauf und Auswirkungen in der
Regel moderat. Die Sperrung einiger Straßen und die Überschwemmung von
Flutrinnen hat Routine. Extreme Pegelstände von über 7,50 m am Pegel Dresden-
Albertbrücke wurden im 20. Jahrhundert allerdings nur dreimal, nämlich 1900 (7,73
m), 1920 (7,72 m) und 1940 (7,78 m) gemessen. Aus früheren Jahrhunderten sind
Pegelstände von 8,77 m (1845), 8,57 m (1784 und 1501) 8,38 m (1655) sowie 8,24
m (1862 und 1799) überliefert. Während der August-Flut lag der Höchst-Pegelstand
am 17. August 2002, um 7.00 Uhr, bei 9,40 m.
Noch verheerender als das Elbehochwasser sind die Erzgebirgshochwasser, die je
nach Niederschlagsgebiet regional begrenzt sind oder sich auf große Teile des
Erzgebirges erstrecken. Verwüstungen, die denen des Augusts 2002 ähneln, wurden
durch Hochwasser der Zwickauer Mulde 1858, der Vereinigten Mulde 1871, der
Flüsse im Osterzgebirge 1897 und 1927, regional begrenzt 1931 und 1948 sowie
1954 und 1957 verursacht.
II. Hochwasserschutzmaßnahmen
Mit der Industrialisierung Sachsens im 19. Jahrhundert und der damit verbundenen
Zunahme der Bevölkerung erlangte der Hochwasserschutz wachsende Bedeutung.
Der vorbeugende Hochwasserschutz hat im Wesentlichen vier Komponenten:
Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes im Einzugsgebiet der
Gewässer
Technische Hochwasserrückhaltung (Talsperren)
Minderung des Hochwasserpotentials durch Deiche und örtliche
Hochwasserschutzmaßnahmen
Ausweisung von Hochwasserüberschwemmungsgebieten.
1. Natürlicher Wasserrückhalt
Die Verbesserung des natürlichen Wasserrückhaltes in den Flusseinzugsgebieten ist
vor allem eine Frage der Bodenbeschaffenheit, der Bodenversiegelung und -ver-
dichtung, ferner der Bewirtschaftung und des Bewuchses. Auf die Situation dieser für
den Hochwasserschutz maßgeblichen Faktoren und auf die Möglichkeiten der Ver-
besserung kann in diesem Bericht nicht eingegangen werden. Freilich muss darauf
hingewiesen werden, dass Maßnahmen zur Verbesserung des natürlichen Wasser-
rückhalts ihre Wirkung nur entfalten können, wenn sie breit und nachhaltig angelegt
werden. Teilmaßnahmen (Bepflanzung, Ackerbau, Wegebau u.a.) haben für sich nur
geringe Wirkung, sind in ihrer flächendeckenden Praktizierung aber nicht
unerheblich.

 
2. Technische Hochwasserrückhaltung
a) Entwicklung und Organisation
Die Schaffung von Wasserstauanlagen hat in Sachsen eine lange Tradition. Schon
früh hatte man die wirtschaftlichen Vorteile der Wasserkraftnutzung erkannt. So
wurde bereits um 1400 zur Bereitstellung des für den Erzbergbau benötigten Was-
sers der Greifenbachstauweiler bei Ehrenfriedersdorf angelegt. Die historisch be-
deutsamste, noch heute zu wasserwirtschaftlichen Zwecken genutzte Wasserstau-
anlage in Sachsen ist die Revierwasserlaufanstalt Freiberg, die aus insgesamt
10 Kunstteichen besteht und über einen Gesamtstauraum von 5,245 Mio. m³ verfügt.
Mit dem Bau der Anlage wurde wohl im Jahr 1524 begonnen; der letzte Kunstteich
wurde 1825 fertiggestellt. Das Wasser der Revierwasserlaufanstalt wurde über Grä-
ben und Stollen aus dem Gebirge zu den Erzgruben des Freiberger Erzbaureviers
geleitet, um Wasserräder anzutreiben und Erzwäschen betreiben zu können.
Während die frühen Wasserstauanlagen ausschließlich wirtschaftlichen Zwecken
dienten, begann Ende des 19. Jahrhunderts als Folge der Hochwasserkatastrophe
des Jahres 1897 ein Nachdenken darüber, im Entstehungsgebiet der Hochwässer
Wasserstauanlagen zur Wasserrückhaltung zu errichten. Zeitzeugen beurteilten das
Hochwasser von 1897 als das größte Hochwasser des 19. Jahrhunderts im
Erzgebirge. Noch vor dem ersten Weltkrieg wurden die Talsperren Malter und
Klingenberg fertiggestellt.
Das geltende Sächsische Wassergesetz verwendet für Wasserstauanlagen die
Begriffe Talsperren, Rückhaltebecken und Wasserspeicher. Charakteristisch für
Talsperren und Rückhaltebecken sind Absperrbauwerke, mit denen ein Tal
eingestaut wird. Dabei sind Talsperren auf ständige Einstauung angelegt.
Rückhaltebecken bleiben dagegen oberhalb des Absperrbauwerkes frei, wobei
einige Anlagen auf Teileinstauung angelegt sind. Wasserspeicher nutzen natürliche
oder künstliche Bodenvertiefungen wie Braunkohletagebaulöcher.
Talsperren, Wasserspeicher und – soweit sie auf Teileinstauung angelegt sind –
auch Rückhaltebecken werden meist multifunktional genutzt. Schon das
Nutzungskonzept für die Talsperre Malter sah neben dem Hochwasserschutz die
Regulierung – Niedrigwasseraufhöhung – der Weißeritz vor. Die Abflussregulierung
ermöglichte durch den gleichmäßigen Wasserfluss eine von der natürlichen
Wasserführung der Weißeritz unabhängige Nutzung der Wasserkraft und stellte
zugleich sicher, dass in den Fluss eingeleitetes Abwasser in die Elbe weiterfließen
konnte. Ein solches Nutzungskonzept verlangte einerseits den Vorhalt aufgestauten
Wassers zur Abflussregulierung und andererseits die Freihaltung von Stauraum zur
Aufnahme von Hochwasser.
Die Gegenläufigkeit dieser Zielsetzungen verschärfte sich, als infolge Bevölkerungs-
wachstums und zunehmender Verstädterung die Bereitstellung von Brauchwasser
und Rohwasser zur Trinkwassergewinnung im Elbetal durch Talsperren an Bedeu-
tung gewann. So besteht heute die Hauptnutzung für die Talsperre Malter in der
Brauchwasserbereitstellung und für die Talsperren Lehnmühle und Klingenberg in
der Trinkwasserbereitstellung.
Wasserstauanlagen, die ausschließlich oder doch überwiegend dem Hochwasser-
schutz dienen, sind Rückhaltebecken. Einzelne Wasserstauanlagen dienen der

Elektroenergieerzeugung (so etwa das Pumpspeicherwerk Niederwartha und die
Talsperre Kriebstein). Zunehmend, aber in unterschiedlichem Maße bedeutsam,
wurde in den letzten Jahrzehnten die Nebennutzung von Wasserstauanlagen für
Naherholung und Tourismus.
Für Wasserstauanlagen sind Betriebspläne erstellt. Soweit eine Wasserstauanlage
nicht vollständig dem Hochwasserschutz oder der Elektroenergieerzeugung dient,
wird darin der Stauraum für die verschiedenen Nutzungen aufgeteilt, indem ein Be-
wirtschaftungsraum (Bereitstellung von Wasser zur Trink- und Brauchwasserversor-
gung, zur Elektroenergieerzeugung oder zur Abflussregulierung), ein Hochwasser-
rückhalteraum sowie ein Reserveraum festgelegt wird. So ist etwa für die Talsperren
Malter, Lehnmühle und Klingenberg bei einem Stauraum von insgesamt
47,08 Mio. m³ (ohne Vorsperren) ein Hochwasserrückhalteraum in den Monaten Juli
bis Februar von insgesamt 6,36 Mio. m³ (13,51 Prozent) vorgeschrieben. Ist eine
Wasserstauanlage vollständig gefüllt, also ihr Speicherraum ausgeschöpft, fließt zu-
sätzliches Wasser über die Hochwasserentlastungsanlage ab, um ein Überschwem-
men des Absperrbauwerkes zu verhindern. Durch die Verzögerungswirkung des Ab-
flusses entsteht ein weiterer „außergewöhnlicher Hochwasserrückhalteraum“, der
maximal dem Raum zwischen der Höhe der Hochwasserentlastungsanlage und der
Krone des Absperrbauwerkes entspricht. Bei den Talsperren Malter, Lehnmühle und
Klingenberg beträgt dieser „außergewöhnliche Hochwasserrückhalteraum“ insgesamt
4,2 Mio. m³ (8,92 Prozent). Mithin stehen äußerstenfalls ca. 22 Prozent des Stau-
raumes für den Hochwasserschutz zur Verfügung.
Planung, Bau, Betrieb und Unterhaltung der Talsperren, Wasserspeicher und Rück-
haltebecken sind im Sächsischen Wassergesetz (§§ 84 ff. SächsWG) geregelt. Tal-
sperren, Wasserspeicher und Rückhaltebecken im Sinne des Sächsischen Wasser-
gesetzes sind nur solche Anlagen, bei denen die Höhe des Absperrbauwerkes mehr
als 5 m beträgt oder der höchstzulässige Nutzraum 100.000 m³ übersteigt. Planung,
Bau, Betrieb und Unterhaltung obliegen dem Freistaat Sachsen, soweit die Objekte
dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung oder der Abflussregulierung
dienen und überörtliche Bedeutung haben (§ 85 Abs. 1 Satz2 SächsWG). Ergän-
zend bestimmt § 100 Abs. 2 Satz 1 SächsWG, dass Planung, Bau, Betrieb und Un-
terhaltung von Rückhaltebecken und sonstigen Anlagen, die dem Schutz der Allge-
meinheit vor Hochwasser zu dienen bestimmt sind, an Gewässern 1. Ordnung Auf-
gaben des Freistaates Sachsen sind. Die staatlichen Aufgaben werden durch die
Landestalsperrenverwaltung (§ 85 Abs. 1 SächsWG), einen staatlichen Eigenbetrieb
mit Sitz in Pirna, wahrgenommen.
Derzeit werden insgesamt 64 Talsperren, Rückhaltebecken und Wasserspeicher im
Sinne des Sächsischen Wassergesetzes durch die Landestalsperrenverwaltung
betrieben. In diese Zahl eingerechnet sind Vorsperren und Vorbecken von Talsper-
ren, soweit diese eine besondere Größe aufweisen. Ein weiteres Wasserrückhalte-
becken (Müglitztalbecken) ist derzeit im Bau. Die von der Landestalsperrenverwal-
tung geführten Wasserstauanlagen verfügen insgesamt über ein Stauvolumen von
ca. 576 Mio. m³, von dem ca. 121 Mio. m³ als "gewöhnlicher" Hochwasserrückhalte-
raum frei bleiben.
Hinzu kommen eine Vielzahl von zumeist kleineren und kleinsten Wasserstauan-
lagen ohne überörtliche Bedeutung oder solche Anlagen, die nicht überwiegend dem
Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung oder der Abflussregulierung dienen,

 
sondern hauptsächlich zur Erzeugung von Energie, zur Brauchwasserbereitstellung
oder zu sonstigen Zwecken betrieben werden. Planung, Bau und Unterhaltung dieser
Anlagen sind Aufgabe des Eigentümers oder Betreibers, etwa der Kommunen oder
der Energieversorger. Ein Beispiel hierfür ist das während der August-Flut gebro-
chene Rückhaltebecken oberhalb von Glashütte, für das die Stadt Glashütte zustän-
dig ist.
Im vorliegenden Bericht wird nur auf die Hochwasserrückhalteanlagen eingegangen,
die der Landestalsperrenverwaltung unterstehen. Anlagen, die nicht überwiegend
dem Hochwasserschutz, der Trinkwasserversorgung oder der Abflussregulierung
dienen oder keine überörtliche Bedeutung besitzen, werden nur erwähnt, soweit sie
Bedeutung bei der August-Flut hatten. Eine Übersicht über alle größeren Wasser-
stauanlagen ist im Anlagenband abgedruckt. Flüsse werden nur erwähnt, soweit sie
für Wasserstauanlagen bedeutsam oder für das Verständnis notwendig sind.
b) Technische Hochwasserrückhalteanlagen
aa) Einzugsgebiet der Elbe
(1) Weißeritz
Die Weißeritz, die durch Freital und Dresden in die Elbe führt, vereinigt vor Freital die
Wilde und die Rote Weißeritz. Daneben wird die Vereinigte Weißeritz in Freital durch
die Wiederitz und den Poisenbach gespeist. Die genannten Flüsse erfahren von
ihren Quellgebieten bis hin zur Mündung der Vereinigten Weißeritz in die Elbe wei-
tere Zuflüsse.
Als Folge des Extremhochwassers von 1897 wurde in der Roten Weißeritz die Tal-
sperre Malter mit Vorsperre (Fertigstellung 1913) und in der Wilden Weißeritz die
Talsperre Klingenberg mit Vorsperre (Fertigstellung 1914) errichtet. Die Talsperre
Malter dient der Brauchwasserbereitstellung, dem Hochwasserschutz, der Erholung
sowie der Elektroenergieerzeugung. Die oberhalb der Talsperre Klingenberg lie-
gende Talsperre Lehnmühle wurde 1931 fertig gestellt und ergänzt die Funktion der
Talsperre Klingenberg mit den Zielen Trinkwasserbereitstellung, Hochwasserschutz
und Elektroenergieerzeugung. Im Quellgebiet der Roten Weißeritz wurde 1992 die
Talsperre Altenberg fertig gestellt, die im Verbund mit dem Wasserspeicher Großer
Galgenteich (Vorsperre) betrieben wird und deren Zweck in der Trinkwasserbereit-
stellung besteht.
Zur Hochwasserentlastung der Vereinigten Weißeritz wurden 1982 darüber hinaus
zwei Rückhaltebecken bei Zauckerode zur Aufnahme von Starkniederschlägen im
Einzugsgebiet in Betrieb genommen. Diese Rückhaltebecken, die über einen Spei-
cherraum von 0,12 und 0,90 Mio. m³ (vollständig als gewöhnlicher Hochwasserrück-
halteraum vorgesehen) verfügen, unterstehen nicht der Landestalsperrenverwaltung.

Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Klingenberg
16,38
1,96
12,0
07.00
2,233
Talsperre Lehnmühle
21,92
2,12
9,7
07.00
3,882
Talsperre Malter
8,78
2,28
26,0
07.00
2,434
Wasserspeicher Altenberg
0,95
0,00
0,0
07.00
0,082
Gesamt
48,03
6,36
13,2
8,631
(2) Müglitz
Die Müglitz hat ihr Quellgebiet im Oberen Osterzgebirge und erfährt auf tsche-
chischer Seite sowie in den Landkreisen Weißeritzkreis und Sächsische Schweiz
zahlreiche kleinere Zuläufe in das überwiegend enge Tal; sie mündet in Heidenau in
die Elbe. An der Müglitz liegen die von dem Erzgebirgshochwasser besonders heim-
gesuchten Gemeinden Glashütte (darunter der Ortsteil Schlottwitz), Müglitztal mit
den Ortsteilen Mühlbach und Weesenstein sowie die Gemeinde Dohna.
Als einzige Hochwasserrückhaltungsanlage im Einzugsgebiet der Müglitz besteht
derzeit ein Rückhaltebecken bei Glashütte mit einem Stauraum von 0,07 Mio. m³, der
vollständig als Hochwasserrückhalteraum vorgesehen ist (Fertigstellung 1953). Es
staut bei Glashütte das Wasser der Prießnitz, eines Nebenflusses der Müglitz, auf.
Der Damm dieses Rückhaltebeckens brach während des Erzgebirgshochwassers
nach Überspülung am 12. August 2002.
Der Grundstein für ein weiteres Rückhaltebecken, das die Müglitz selbst bei Geising
kurz hinter dem Zufluss des Löwenbachs aufstauen soll, wurde am 5. August 2002 –
eine Woche vor Beginn des Hochwassers – gelegt. Mit dem Bauwerk soll – so die
bisherige Planung - bei einer Dammhöhe von 32,5 m und einer Kronenlänge von 220
m ein Hochwasserrückhalteraum von 2,47 Mio. m³ geschaffen werden, um die im
Einzugsgebiet von 38,1 km
2
fallenden Starkniederschläge auffangen zu können. Die-
ses Rückhaltebecken hätte während der August-Flut durch das Auffangen der Stark-
niederschläge oberhalb des Rückhaltebeckens eine Entlastung der Müglitz zur Folge
gehabt. Derzeit wird auf der Grundlage der August-Flut das Fassungsvermögen für
das Rückhaltebecken überprüft.
(3) Gottleuba
Die in Pirna in die Elbe fließende Gottleuba wird im Wesentlichen durch die in Pirna
einmündende Seidewitz und die südöstlich von Langenhennersdorf zufließende
Bahra gespeist. Die Seidewitz erfährt ihrerseits durch die Bahre südlich von Pirna
Zulauf. Der Mordgrundbach mündet südlich von Markersbach in die Bahra.
Die extremen Hochwasser von 1927 und 1957 führten zum Aufbau eines Hochwas-
serrückhaltesystems im Einzugsgebiet der Gottleuba. Begonnen wurde mit den
Quellflüssen der Bahra mit den Rückhaltebecken Buschbach (Fertigstellung 1963)
und Mordgrundbach (Fertigstellung 1966). Es folgten das Rückhaltebecken Liebstadt
an der Seidewitz (Fertigstellung 1967) und das an der Bahre gelegene Rückhalte-

becken Friedrichswalde-Ottendorf (Fertigstellung 1970). 1974 wurde das Hochwas-
serrückhaltesystem mit dem Bau der Talsperre Gottleuba (mit Vorsperre) abge-
schlossen, wobei die Talsperre der Trinkwasserbereitstellung, dem Hochwasser-
schutz und der Elektroenergieerzeugung dient.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Rückhaltebecken Liebstadt
1,08
1,01
93,5
6.45
1,013
Rückhaltebecken
Friedrichswalde-Ottendorf
1,52
1,45
95,4
6.45
1,450
Talsperre Gottleuba
12,97
2,00
15,4
7.00
2,632
Rückhaltebecken
Mordgrundbach
1,27
1,15
90,6
6.45
1,150
Rückhaltebecken Buschbach
2,40
2,40
100
6.45
2,400
Gesamt
19,24
8,01
41,6
8,645
(4) Geberbach und Lockwitzbach
Südlich vor Dresden entstand für den aus dem unteren Osterzgebirge entsprin-
genden Lockwitzbach 1969 das Rückhaltebecken Reinhardtsgrimma mit einem Spei-
cherraum von 0,38 Mio. m³, der vollständig als Hochwasserrückhalteraum vorge-
sehen ist.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Rückhaltebecken
Reinhardtsgrimma
0,38
0,38
100
7.00
0,384
1985 wurde die Talsperre Kauscha eingeweiht, deren Hauptzweck in der Brauch-
wasserbereitstellung besteht. Die Talsperre staut den durch Dresden größtenteils
unterirdisch fließenden Geberbach vor Dresden auf und verfügt über einen Stauraum
von 0,25 Mio. m³. Davon sind 0,14 Mio. m³ als Hochwasserrückhalteraum vorge-
sehen.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
12.08.02
Wasserstauanlage
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio.
Talsperre Kauscha
0,25
0,14
56,0
07.00
0,244

 
(5) Jahna
Die Jahna mündet bei Riesa in die Elbe. Im Einzugsbereich der Jahna findet sich
eine weit verzweigte Flusslandschaft. Bereits in den fünfziger Jahren wurden
mehrere Rückhaltebecken gebaut. Zu erwähnen sind das Rückhaltebecken
Zschochau (Fertigstellung 1949), das Rückhaltebecken Noschkowitz, (Fertigstellung
1951), der Wasserspeicher Striegnitz (Fertigstellung 1977), der Wasserspeicher
Zschaitz (Fertigstellung 1987) sowie der Wasserspeicher Staucha (Fertigstellung
1990). Alle Anlagen unterstehen kommunaler Verantwortung.
(6) Gablenzbach
Von den weiteren Zuflüssen der Elbe wird nur noch der Gablenzbach, der bei Dom-
mitzsch in die Elbe mündet, von der Talsperre Trossin (Fertigstellung 1978) aufge-
staut. In die Talsperre münden der Dommitzscher Grenzbach, der Brandteichbach
und der Trossiner Bach. Die Talsperre dient der Brauchwasserbereitstellung.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Trossin
0,28
0,0
0,0
Keine Angabe
bb) Einzugsgebiet der Mulde
Die Zwickauer Mulde vereinigt sich nördlich von Colditz mit der Freiberger Mulde zur
Vereinigten Mulde oder Mulde. Die Mulde fließt über Grimma weiter nördlich, bildet
für einige Kilometer die Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt und wird dort im Stausee
Muldenberg aufgestaut.
(1) Freiberger Mulde
Die Freiberger Mulde hat ihr Quellgebiet im westlichen Erzgebirge und wird dort von
einer Vielzahl kleinerer Flüsse, u.a. der Bobritsch, der Gimmlitz, der Striegis sowie
der Zschopau gespeist. Die Striegis fließt östlich von Döbeln und die Zschopau west-
lich von Döbeln in die Freiberger Mulde. Weiter flussabwärts fließt die Gimmlitz in die
Freiberger Mulde.
Im Quellgebiet der Freiberger Mulde finden sich eine Vielzahl von Wasserstauan-
lagen, die der Revierwasserlaufanstalt Freiberg zugehören:
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. M³
Oberer Großhartmanndorfer
Teich
0,94
0,06
6,4
Keine
Angabe
0,028
Mittlerer Großhartmanndorfer
Teich
0,28
0,00
0,0
0,004
Unterer Großhartmanndorfer
Teich
1,58
0,00
0,0
0,112
Erzengler Teich
0,14
0,03
21,4
0,024
Hüttenteich
0,33
0,04
12,1
0,014

Konstantin Teich
0,02
0,00
0,0
0,000
Gesamt
3,29
0,13
3,9
0,182
Die Teiche haben zum Teil auch eine Hochwasserschutzfunktion. Die anderen
Teiche der Revierwasserlaufanstalt Freiberg (Dittmannsdorfer Teich, Dornthaler
Teich und Obersaidaer Teich) sind durch eine Wasserscheide vom Einzugsbereich
der Freiberger Mulde abgegrenzt. Sie stauen Wasserläufe im Einzugsbereich der
Flöha.
Die Gimmlitz, die bei Lichtenberg/Erzgeb. in die Freiberger Mulde fließt, wird durch
die Talsperre Lichtenberg mit Vorsperre Dittersbach (Fertigstellung 1975) gestaut.
Die Talsperre dient der Trinkwasserversorgung, dem Hochwasserschutz, der
Abflussregulierung sowie der Elektroenergieerzeugung.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Lichtenberg
14,45
0,8
5,5
7.00
1,195
(a) Zschopau
Bei Flöha trifft die gleichnamige Flöha auf die Zschopau. Zuflüsse der Zschopau sind
u.a. die Preßnitz, die Sehma, die Wilisch und der Pöhlbach, wobei die Sehma durch
den Lampertsbach Zulauf erfährt.
Das Einzugsgebiet der Zschopau verfügt nur über zwei Wasserstauanlagen, die Tal-
sperre Cranzahl (Fertigstellung 1952), die u.a. den Lampertsbach in der Nähe von
Annaberg-Buchholz staut sowie die südlich von Waldheim gelegene Talsperre
Kriebstein (Fertigstellung 1930). Die Talsperre Cranzahl dient der Trinkwasserver-
sorgung. Die Talsperre Kriebstein dient der Elektroenergieerzeugung.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Cranzahl
3,10
0,0
0,0
07.00
0,402
Talsperre Kriebstein (nicht LTV)
11,66
0,0
0,0
Keine Angabe
Gesamt
14,76
0,0
0,0
0,402

(b) Flöha
Die Flöha erfährt u.a. durch die Große Lößnitz, den Lautenbach, den Saidenbach
und die Schwarze Pockau Zulauf. In ihrem Einzugsgebiet finden sich mehrere Ein-
richtungen zur technischen Hochwasserrückhaltung.
Bereits im Quellgebiet verfügt die Flöha über drei der Revierwasserlaufanstalt Frei-
berg zuzuordnenden Wasserstauanlagen, die auch eine Hochwasserschutzfunktion
haben.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Dittmannsdorfer Teich
0,42
0,01
2,4
Keine
Angabe
0,044
Dörnthaler Teich
1,19
0,09
7,6
0,171
Obersaidaer Teich
0,12
0,01
8,4
0,024
Gesamt
1,73
0,11
6,4
0,239
Im Verlauf der Flöha stauen die Talsperren Neunzehnhain I (Fertigstellung 1908) und
II (Fertigstellung 1914) den Lautenbach. Die Talsperre Saidenbach (Fertigstellung
1933) mit Vorsperren und Vorbecken staut den Saidenbach und den Haselbach. Die
Talsperre Rauschenbach (Fertigstellung 1968) staut demgegenüber die Flöha selbst
in Höhe von Olbernhau (Neuhausen). Die Talsperren Neunzehnhain I und II dienen
der Trinkwasserversorgung. Die Talsperre Saidenbach dient ebenfalls der Trinkwas-
serbereitstellung sowie der Elektroenergieerzeugung. Die Talsperre Rauschenbach
hat neben der Trinkwasserbereitstellung auch die Funktionen Hochwasserschutz und
Elektroenergieerzeugung. Wegen Bauarbeiten war die Talsperre Rauschenbach zu
Beginn der August-Flut überwiegend frei.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Neunzehnhain I
0,54
0,00
0,0
7.00
0,080
Talsperre Neunzehnhain II
2,90
0,00
0,0
7.00
0,589
Talsperre Saidenbach
22,38
0,00
0,0
7.00
3,250
Talsperre Rauschenbach
15,20
0,09
0,6
7.00
12,180
Gesamt
41,02
0,09
0,2
16,099
(2) Zwickauer Mulde
Die Zwickauer Mulde hat ihr Einzugsgebiet südlich von Muldenberg im Vogtland. In
der Talsperre Muldenberg werden Weiße und Rote Mulde gestaut. Bis zu ihrer Ver-
einigung mit der Freiberger Mulde fließt die Zwickauer Mulde über die Städte Aue,
Wilkau-Haßlau, Zwickau, Penig, Rochlitz und Colditz.

Die Zwickauer Mulde wird unter anderem durch die Wilzsch, die Große Bockau, das
Schwarzwasser, den Klingerbach, den Amselbach, den Rödelbach, den Lungwitz-
bach und die Chemnitz gespeist. Dabei erfährt der Rödelbach durch das Crinitzer
Wasser, das Schwarzwasser durch die Große Mittweida und die Große Bockau
durch die Kleine Bockau weiteren Zulauf. Die Flüsse Würschnitz und Zwönitz fließen
bei Chemnitz in die Chemnitz zusammen. Die Würschnitz erfährt durch den
Beuthenbach sowie den Gablenzbach Zulauf, wobei der Gablenzbach seinerseits
durch den Unteren Querenbach gespeist wird. Der Stadtguttalbach mündet in die
Zwönitz.
Die Zwickauer Mulde selbst wird durch die Talsperre Muldenberg (Fertigstellung
1925) mit den Funktionen Trinkwasserbereitstellung und Hochwasserschutz gestaut.
Dieser Talsperre ist die 1982 fertig gestellte Talsperre Eibenstock mit der Vorsperre
Schönheiderhammer und Vorbecken (u.a. Vorbecken Rähmerbach) nachgeschaltet.
Diese Talsperre dient neben der Trinkwasserbereitstellung und dem Hochwasser-
schutz auch der Abflussregulierung.
Von den zulaufenden Flüssen werden die Wilzsch durch die Talsperre Carlsfeld
(Fertigstellung 1930 – Trinkwasserversorgung und Hochwasserschutz), die Kleine
Bockau durch die Talsperre Sosa (Fertigstellung 1952 - Trinkwasserversorgung), die
Große Mittweida durch das Pumpspeicherwerk Markersbach (Fertigstellung 1979 -
Elektroenergieerzeugung), der Amselbach und der Klingerbach durch die gleichna-
migen Talsperren (Fertigstellung 1942 - Trinkwasserversorgung), das Crinitzer Was-
ser durch die Talsperre Wolfersgrün (Fertigstellung 1954 - Brauchwasserbereit-
stellung und Hochwasserschutz), der Untere Querenbach durch die Talsperre Stoll-
berg (Fertigstellung 1954 - Trinkwasserversorgung) und der Stadtguttalbach durch
die Talsperre Einsiedel (Fertigstellung 1894 – Trinkwasserversorgung) gestaut. Das
Pumpspeicherwerk Markersbach untersteht nicht der Landestalsperrenverwaltung.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Muldenberg
5,83
0,24
4,1
7.00
0,360
Talsperre Eibenstock
74,65
5,78
7,7
7.00
3,360
Talsperre Carlsfeld
3,03
0,23
7,6
7.00
0,345
Talsperre Sosa
5,94
0,00
0,0
7.30
0,762
Talsperre Amselbach
0,04
0,00
0,0
Keine
Angabe
0,000
Talsperre Klingerbach
0,01
0,00
0,0
0,002
Talsperre Wolfersgrün
0,42
0,03
7,1
0,000
Talsperre Einsiedel
0,31
0,00
0,0
0,025
Talsperre Stollberg
1,13
0,00
0,0
0,038
Gesamt
91,36
6,87
7,5
4,892

 
cc) Einzugsgebiet der Weißen Elster
Die Weiße Elster fließt vor Bad Elster aus der Tschechischen Republik kommend in
den Freistaat Sachsen durch den Vogtlandkreis und Plauen. Bei Elsterberg tritt sie
zunächst nach Thüringen über, später nach Sachsen-Anhalt. Bei Profen kehrt die
Weiße Elster wieder in des Gebiet des Freistaates Sachsen zurück und verlässt ihn
erneut bei Schkeuditz. In Leipzig mündet die Pleiße in die Weiße Elster. Daneben
erfährt die Weiße Elster in Leipzig durch die Parthe Zulauf. Nördlich von Groitzsch
fließt die Schnauder in die Weiße Elster.
(1) Weiße Elster (ohne Pleiße)
Im Vogtland erfährt die Weiße Elster durch die Flüsse Rauner Bach, Feilebach,
Göltzsch, Trieb, Triebelbach, Görnitzbach und Geigenbach Zulauf. Kleinere Zuläufe
sind nicht berücksichtigt.
In den Hochflächen des Vogtlandes finden sich die Talsperren Falkenstein (Fertig-
stellung 1974) – gestautes Gewässer: Göltzsch -, die Talsperre Werda mit Vorsperre
(Fertigstellung 1909) – gestautes Gewässer: Geigenbach -, die Talsperre Dröda mit
Vorsperre (Fertigstellung 1972) – gestautes Gewässer: Feilebach -, die Talsperre
Pöhl mit Vorsperren (Fertigstellung 1964) – gestaute Gewässer: Trieb und Zuflüsse –
sowie die Talsperre Pirk mit Vorsperre (Fertigstellung 1938), die die Weiße Elster
selbst staut. Dabei dient die Talsperre Pirk der Brauchwasserbereitstellung, dem
Hochwasserschutz, der Elektroenergieerzeugung, der Abflussregulierung sowie der
Fischerei und der Erholung. Die Talsperre Dröda erfüllt die Aufgaben Trinkwasserbe-
reitstellung und Hochwasserschutz und wird zur Elektrizitätserzeugung genutzt. Die
Talsperre Werda dient der Trinkwasserversorgung. Die Talsperre Pöhl dient der
Brauchwasserbereitstellung, dem Hochwasserschutz, der Abflussregulierung, der
Elektroenergieerzeugung sowie der Naherholung und der Fischerei. Die Talsperre
Falkenstein dient der Brauchwasserbereitstellung und wird zur Energieversorgung
genutzt. Wasser des in die Göltzsch mündenden Stoppbaches kann durch den Stau-
see Netzschkau gestaut werden (Fertigstellung 1950). Der Stausee dient ausschließ-
lich der Brauchwasserbereitstellung.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Pirk
9,50
0,76
8,0
7.00
1,371
Talsperre Dröda
17,32
0,49
2,8
Keine
Angabe
3,568
Talsperre Werda
3,63
0,00
0,0
0,314
Talsperre Pöhl
61,98
9,16
14,8
7.00
8,734
Talsperren Falkenstein
1,20
0,00
0,0
7.00
0,000
Gesamt
93,63
10,41
11,1
13,987

(2) Einzugsgebiet der Pleiße
Die Pleiße hat ihr Quellgebiet südlich von Werdau und läuft in nördlicher Richtung
rechts an Altenburg vorbei auf die Weiße Elster zu. Zuflüsse der Pleiße sind u.a. der
Erdbach, der Koberbach, die Sprotte, die Wyhra, die in die Wyhra mündende Eula
sowie die Gösel.
Von den Nebenflüssen der Pleiße staut die Talsperre Koberbach (Fertigstellung 1930
– Brauchwasserbereitstellung, Hochwasserschutz und Erholung) nördlich von Werda
den Erdbach und den Koberbach. Die Wyhra wird von der Talsperre Schömbach
(Fertigstellung 1971 – Hochwasserschutz, Brauchwasserbereitstellung und Abfluss-
regulierung) gestaut. Das Wasser der Pleiße selbst kann durch folgende in dichter
Reihe errichtete Hochwasserrückhaltungsanlagen gestaut werden: Talsperre Win-
dischleuba (Fertigstellung 1953 – Brauchwasserbereitstellung und Hochwasser-
schutz), Rückhaltebecken Regis-Serbitz (Fertigstellung 1963 – Hochwasserschutz –
Nebenschluss der Pleiße), Wasserspeicher Borna (Fertigstellung 1979 – Hochwas-
serschutz, Brauchwasserbereitstellung, Naherholung und Fischerei – Nebenschluss
der Pleiße). Nach dem Zulauf der Wyhra finden sich an der Pleiße (ebenfalls als Ne-
benschlüsse) der Stausee Rötha (Fertigstellung 1939 - Brauchwasserbereitstellung,
Hochwasserschutz) sowie das Rückhaltebecken Stöhna (Fertigstellung 1977). Der
Wasserspeicher Lobstädt (Fertigstellung 1953) fasst Wasser der Pleiße und der
Wyhra und dient der Brauchwasserbereitstellung. Nebenschluss bedeutet, dass die
Wasserstauanlage keinen natürlichen Wasserzulauf erfährt, der Zulauf mithin durch
Umleitungen etc. gesteuert werden kann. Der Wasserspeicher Witznitz (Fertig-
stellung 1954) staut Eula und Wyhra und dient der Brauchwasserbereitstellung, dem
Hochwasserschutz, der Naherholung und der Fischerei.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Talsperre Koberbach
2,70
0,23
8,5
7.00
0,210
Talsperre Windischleuba
2,03
0,26
12,8
7.00
1,846
Rückhaltebecken Regis-Serbitz
5,87
5,87
100,0
7.00
5,870
Wasserspeicher Borna
99,10
46,10
46,5
7.00
45,230
Talsperre Schömbach
7,71
6,21
80,5
7.30
5,476
Wasserspeicher Lobstädt
1,11
0,00
0,0
7.00
0,046
Wasserspeicher Witznitz
26,00
3,20
12,3
7.00
7,891
Stausee Rötha
1,33
0,11
8,3
Keine
Angabe
0,333
Rückhaltebecken Stöhna
11,35
11,35
100,0
11,350
Gesamt
157,20
73,33
46,7
78,252

 
dd) Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Das Einzugsgebiet der Schwarzen Elster blieb während der August-Flut von den in
anderen Landesteilen aufgetretenen Verheerungen weitgehend verschont. Deshalb
wird auf eine Beschreibung des Flussgebiets verzichtet und die Darstellung auf die
dort bestehenden Wasserstauanlagen beschränkt.
(1) Hoyerswerdaer Schwarzwasser
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Wasserspeicher Knappenrode
6,38
1,41
22,1
Keine
Angabe
3,03
Rückhaltebecken Goeda
0,42
0,29
69,1
0,29
Rückhaltebecken Karlsdorf
0,33
0,23
69,7
0,23
Rückhaltebecken Schmölln
0,14
0,14
100
0,14
Gesamt
7,27
2,07
28,5
3,69
(2) Große Röder
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Wasserspeicher Radeburg I
0,69
0,00
0,1
Keine
Angabe
0,326
Wasserspeicher Radeburg II
8,90
2,50
28,1
7.00
3,715
Talsperre Nauleis
1,27
0,29
22,8
Keine
Angabe
0,323
Talsperre Wallroda
0,84
0,24
28,6
7.00
0,340
Gesamt
11,70
3,03
25,9
4,704

 
ee) Einzugsgebiet der Spree
Auch das Einzugsgebiet der Spree blieb von den Auswirkungen der August-Flut
weitgehend verschont. Deshalb wird auch hier auf eine Beschreibung des Fluss-
gebiets verzichtet und die Darstellung auf die Wasserstauanlagen beschränkt.
Speicher-
raum
Gewöhnlicher Hoch-
wasserrückhalteraum
freier Raum am
Wasserstauanlage
12.08.02
Mio. m³
Mio. m³
%
Zeit
Mio. m³
Wasserspeicher Sohland
0,10
0,00
0,0
entleert wegen
Umbau
Talsperre Bautzen
44,63
5,43
12,2
7.00
7,472
Talsperre Quitzdorf
22,02
2,30
10,5
Keine
Angabe
5,440
Wasserspeicher Lohsa I
5,80
2,00
34,5
7.00
2,090
Gesamt
72,55
9,73
13,4
Keine
Angabe
15,002
c) Leistungsfähigkeit technischer Hochwasserrückhaltung
Die Leistungsfähigkeit technischer Hochwasserrückhaltungsanlagen ist bei groß-
flächigen Starkniederschlägen wie während der August-Flut eingeschränkt. Sie kön-
nen lediglich einen gewissen Zeitvorsprung für die zu treffenden Hochwasserschutz-
maßnahmen schaffen. Zum einen steht oft nur ein verhältnismäßig geringer Anteil
des Gesamtstauraumes als Hochwasserrückhalteraum zur Verfügung. Zum anderen
liegt dies daran, dass technische Hochwasserrückhaltungsanlagen naturgemäß nur
die oberhalb anfallenden Niederschläge stauen, die Flüsse jedoch bei Extremnieder-
schlägen auch unterhalb der Wasserstauanlagen große Mengen Wasser aufnehmen
müssen. Dadurch relativiert sich ihre Wirkung flussabwärts mit zunehmender Entfer-
nung.

Die folgende Skizze verdeutlicht die Situation beispielhaft:
TS:
Talsperre
HRB: Hochwasserrückhaltebecken
Pirna war durch die Seidewitz und die Gottleuba infolge der unterhalb der Stauan-
lagen fallenden Starkniederschläge bereits zu einem Zeitpunkt überflutet, als die zu-
geordneten Wasserstauanlagen noch aufnahmefähig waren.
Nach den Aufzeichnungen der Bereichsstaumeisterei Gottleuba waren am Montag,
dem 12. August 2002 gegen 6.45 Uhr die gewöhnlichen Hochwasserrückhalteräume
der Talsperre Gottleuba sowie der Rückhaltebecken Buschbach, Mordgrundbach,
Liebstadt und Friedrichswalde-Ottendorf (insgesamt 8,378 Mio. m³) frei.
Aufgrund der gegen 6:30 Uhr einsetzenden Starkniederschläge wurde die Feuerwehr
in Pirna bereits gegen 08.00 Uhr zu ersten Einsätzen gerufen. Die Pegel der Seide-
witz und der Gottleuba stiegen über den Tag stark an. Gegen 16.00 Uhr wurde mit
ersten Evakuierungen begonnen.
Ein Überlaufen der Talsperre Gottleuba sowie der Rückhaltebecken erfolgte wesent-
lich später, was zu einem erheblichen Zeitgewinn führte:
Elbe
Gottleuba
Seidewitz
Pirna
HRB
Fried/Ottendorf
HRB Liebstadt
TS Gottleuba
HRB
Mordgrundbach
HRB Buschbach

Überlauf
Wasserstauanlage
Datum
Zeit
Talsperre
Gottleuba
13.08.02
5.00
Rückhaltebecken
Buschbach
13.08.02
15.00
Rückhaltebecken
Mordgrundbach
13.08.02
kein Überlauf
Rückhaltebecken
Friedrichswalde/Ottendorf
13.08.02
1.00
Rückhaltebecken
Liebstadt
13.08.02
5.00
Neben der Möglichkeit, mit technischer Hochwasserückhaltung einen Zeitgewinn zu
erzielen, kann auch eine Kappung oder Verringerung von Hochwasserscheiteln
erreicht werden. Dies macht das Beispiel der Weißeritztalsperren deutlich:
Mit der Vereinigung von Wilder und Roter Weißeritz vor Freital zur Vereinigten
Weißeritz sind die Anlieger zwei Hochwasserscheiteldurchflüssen ausgesetzt, deren
zeitliches Zusammentreffen für die Städte Freital und Dresden eine Flut noch weit
größeren Ausmaßes bedeutet hätte. Durch eine zeitliche Verschiebung des
Maximalabflusses aus den Talsperren von ca. 7 – 8 Stunden konnte während der
August-Flut ein gemeinsamer Scheiteldurchlauf von Roter und Wilder Weißeritz
verhindert werden.
TS:
Talsperre
Elbe
Wilde Weißeritz
Rote Weißeritz
Vereinigte Weißeritz
Dresden
Freital
TS Klingenberg
TS Lehnmühle
TS Malter

 
Maximal-
zufluss
Beginn des
Abflusses über die
Hochwasserent-
lastungsanlage
Maximal-
abfluss über
Hochwasser-
entlastungs-
anlage
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Tal-
sperre
[m³/s]
Datum
Zeit
[m³/s]
Datum
Zeit
Malter
200
12.08.02
20.15
200
13.08.02
1.00 – 2.00
Lehn-
mühle
130
12.08.02
23.00
120
13.08.02
6.00
Klingen-
berg
160
12.08.02
00.30
145
12.08.02
9.00
Ob und gegebenenfalls inwieweit seit dem Bau der Hochwasserrückhalteanlagen
eine Verringerung der Hochwasserrückhalteanteile zugunsten einer erhöhten Was-
serversorgungs- oder Naherholungsfunktion Platz gegriffen hat, konnte im Rahmen
dieser Untersuchung nicht geklärt werden. Es würde einen Rückgriff auf Jahrzehnte
zurückliegende und nicht ohne Weiteres zugängliche Daten erfordern.
d) Hochwasserrückhaltung während der August-Flut
Wie sich aus der jeweils rechten Spalte der tabellarischen Übersichten unter Num-
mer 2 Buchstabe b) ergibt, standen in sämtlichen Hochwasserrückhaltungsanlagen
die zum Hochwasserschutz vorgesehenen Hochwasserfreiräume zur Verfügung. Ins-
gesamt konnten die Hochwasserrückhaltungsanlagen so einen nicht unerheblichen
Teil des zugeflossenen Wassers aufnehmen. Freilich fielen in einigen Anlagen die
Messpegel aus; deshalb sind in der nachfolgenden Tabelle bei einigen Anlagen
keine Angaben vermerkt.
aa) Einzugsgebiet der Elbe
Zufluss
Maximaler
Zufluss
Maximale
Abgabe
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Wasserstau-
anlage
Mio. m³
[m³/s]
Datum
Zeit
Talsperre
Malter
25
230
220
12.08.02
20.15
Talsperre
Lehnmühle
14
155
114
12.08.02
23.00
Talsperre
Klingenberg
17
170
168
13.08.02
00.30
Wasserspeicher
Altenberg
0,4
12
11
12.08.02
13.30

 
Rückhaltebecken
Liebstadt
2,1
36
20,3
13.08.02
05.00
Rückhaltebecken
Fr.-Ottendorf
3,5
70
26,5
13.08.02
01.00
Talsperre
Gottleuba
7
68
35
13.08.02
05.00
Rückhaltebecken
Mordgrundbach
1,8
25
4,7
Kein Überlauf
Rückhaltebecken
Buschbach
4,8
47
27
13.08.02
15.00
Rückhaltebecken
Reinhardsgrimma
1,5
23
17
13.08.02
04.00
Talsperre Kauscha
Keine
Angaben
˜2...3 1,8
Kein Überlauf
Talsperre Trossin
Keine Angaben
bb) Einzugsgebiet der Mulde
Zufluss
Maximaler
Zufluss
Maximale
Abgabe
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Wasserstau-
anlage
Mio. m³
[m³/s]
Datum
Zeit
Oberer Großhart-
manndorfer Teich
Mittlerer Großhart-
manndorfer Teich
Unterer Großhart-
manndorfer Teich
Erzengler Teich
Bei Kleinstanlagen keine messtech-
nische Erfassung der Bewirtschaftungs-
daten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die Landestal-
sperrenverwaltung bislang nicht erfolgt
Überläufe in der Nacht 12./
13.08.2002 bzw. in den Mor-
genstunden 13.08.02

Hüttenteich
Konstantin Teich
Lichtenberg
7
60
48
12.08.02
21.00
Cranzahl
0,5
3
0,5
Kein Überlauf
Dittmannsdorfer
Teich
Dörnthaler Teich
Obersaidaer Teich
Bei Kleinstanlagen keine messtech-
nische Erfassung der Bewirtschaftungs-
daten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die Landestal-
sperrenverwaltung bislang nicht erfolgt
Überläufe 12. /13.08.2002
nachts
Talsperre
Neunzehnhain I
Keine
Angabe
7,6
7,4
12.08.02
21.30
Talsperre
Neunzehnhain II
Keine
Angabe
12
6
13.08.02
07.30
Talsperre
Saidenbach
8
73
36
13.08.02
03.45
Talsperrre
Rauschenbach
11
61
0,100
Kein Überlauf
Talsperre
Muldenberg
1,5
15
4,4
Kein Überlauf
Talsperre
Eibenstock
25
180
55
13.08.02
02.00
Talsperre
Carlsfeld
0,5
12
8
12.08.02
21.20
Talsperre
Sosa
Keine
Angabe
10
1
13.08.02
22.15

 
Talsperre Amsel-
bach
12.08.02
Keine Angabe
Talsperre
Klingerbach
12.08.02
vormittags
Talsperre
Wolfersgrün
Bei Kleinstanlagen keine messtech-
nische Erfassung der Bewirtschaftungs-
daten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die Landestal-
sperrenverwaltung bislang nicht erfolgt
12.08.02
Keine Angabe
Talsperre
Einsiedel
Keine Angaben
13.08.02
02.00
Talsperre
Stollberg
0,8
9
8,2
12.08.02
13.20
cc) Einzugsgebiet der Weißen Elster
Zufluss
Maximaler
Zufluss
Maximale
Abgabe
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Wasserstau-
anlage
Mio. m³
[m³/s]
Datum
Zeit
Talsperre Pirk
9
68
34
13.08.02
5,40
Talsperre Dröda
0,1
0,4
0,75
Kein Überlauf
Talsperre
Werda
1
13
4,2
Kein Überlauf
Talsperre Pöhl
3,3
20
0,25
Kein Überlauf
Talsperren
Falkenstein
0,9
7
7
12.08.02
06.00
Stausee
Netzschkau
Bei Kleinstanlagen keine
messtechnische Erfassung der
Bewirtschaftungsdaten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die
Landestalsperrenverwaltung bislang
nicht erfolgt
Kein Überlauf

Talsperre
Koberbach
Keine
Angabe
7,1
4
12.08.02
18.30
Talsperre
Windischleuba
Keine
Angabe
165
165
Kein Überlauf
Rückhalte-becken
Regis-Serbitz
Stauan-
lage im
Neben-
schluss,
d.h. kein
„natürli-
cher“
Zufluss
Verbund mit
Speicher Borna
Kein Überlauf
Wasserspeicher
Borna
Stauan-
lage im
Neben-
schluss,
d.h. kein
„natür-
licher“
Zufluss
16
180
0
Kein Überlauf
Talsperre
Schömbach
3,7
ca. 35
0,2
Kein Überlauf
Wasserspeicher
Lobstädt
Bei Kleinstanlagen keine
messtechnische Erfassung der
Bewirtschaftungsdaten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die
Landestalsperrenverwaltung bislang
nicht erfolgt Stauanlage im
Nebenschluss: kein natürlicher Zufluss
für Hochwassersteuerung nicht relevant
Kein Überlauf
Wasserspeicher
Witznitz
4,3
33
0
Kein Überlauf
Stausee Rötha
Bei Kleinstanlagen keine
messtechnische Erfassung der
Bewirtschaftungsdaten;
Aufwendige Rekonstruktion der Hoch-
wasserganglinie durch die
Landestalsperrenverwaltung bislang
nicht erfolgt Stauanlage im
Nebenschluss: kein natürlicher Zufluss
Kein Überlauf
Rückhaltebecken
Stöhna
Stauan-
lage im
Neben-
schluss:
kein
natürlicher
Zufluss 1,5
Keine Angabe
0
Kein Überlauf

 
dd) Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Wasserstau-
anlage
Zufluss
Maximaler
Zufluss
Maximale
Abgabe
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Mio. m³
[m³/s]
Datum
Zeit
Wasserspeicher
Knappenrode
Rückhaltebecken
Goeda
Rückhaltebecken
Karlsdorf
Rückhaltebecken
Schmölln
vom Hochwasser nicht betroffen
Kein Überlauf
Wasserspeicher
Radeburg I
12
61
43
13.08.02
08.00
Wasserspeicher
Radeburg II
2,5
17
0,050
Kein Überlauf
Talsperre
Nauleis
Keine Angaben
Kein Überlauf
Talsperre Wallroda
Keine
Angaben
Keine
Angaben
Keine
Angaben
Kein Überlauf

 
ee) Einzugsgebiet der Spree
Zufluss
Maximaler
Zufluss
Maximale
Abgabe
Zeitpunkt des
Maximalabflusses über
die Hochwasserent-
lastungsanlage
Wasserstau-
anlagen
Mio. m³
[m³/s]
Datum
Zeit
Wasserspeicher
Sohland
Talsperre
Bautzen
Talsperre
Quitzdorf
vom Hochwasser nicht betroffen
Kein Überlauf
Wasserspeicher
Lohsa I
Stauan-
lage im
Neben-
schluss:
kein natür-
licher“ Zu-
fluss
vom Hochwasser nicht
betroffen
Kein Überlauf
e) Einzelprobleme
aa) Kurzfristige Erhöhung der Hochwasserrückhalteräume
Entgegen einer verbreiteten Ansicht konnten die Hochwasserschutzräume nicht
kurzfristig – etwa nach den ersten Unwettervorwarnungen vom 9. und 11. August
2002 – wesentlich erhöht werden. So würde etwa das geordnete Entleeren der
Weißeritztalsperren über den Grundablass, ohne dass in den folgenden Flussläufen
ein künstliches Hochwasser hervorgerufen würde, etwa 14 Tage dauern, voraus-
gesetzt, dass in dieser Zeit kein Zufluss in die Talsperren e rfolgt.
Beispielsweise staut die Talsperre Klingenberg ohne gewöhnlichen Hochwasser-
schutzraum 14,75 Mio. m³ Wasser. Der Grundablass ermöglicht eine maximale Was-
serabgabemenge von 12 m³ Wasser in der Sekunde. Durch die Kraftwerksleitung
können zusätzlich maximal 5,2 m³ in der Sekunde abgelassen werden. Wenn beide
Wasserabgabemöglichkeiten vollständig genutzt werden, dauert die vollständige
Entleerung über 9 Tage, sofern kein Wasser in die Talsperre nachfließt. Bei dieser
maximalen Wasserabgabemenge besteht für die Unterlieger aber bereits Hochwas-
sergefahr.

 
bb) Rückhaltebecken Glashütte
Das 1953 erbaute Rückhaltebecken Glashütte brach während der Flut am 12. August
2002. Zunächst unter kommunaler Verantwortung wurde es 1971 in die Verantwor-
tung der Wasserwirtschaftsdirektion (ab 1992: Landestalsperrenverwaltung) über-
nommen. 1997 wurde das Rückhaltebecken wieder in kommunale Verantwortung
übergeben; zu diesem Zeitpunkt lag nach Angaben der Gemeinde lediglich ein 1987
erstelltes Standsicherheitsgutachten vor. Das Rückhaltebecken fasst 0,07 Mio. m³,
verfügt über ein Einzugsgebiet von 11 km² und kann die Prießnitz, einen Zufluss der
Müglitz, aufstauen. Bis zur August-Flut wurde das Fassungsvermögen des Rückhal-
tebeckens nach Angabe der Gemeinde nie vollständig in Anspruch genommen.
Ein aktuelles Standsicherheitsgutachten für das Rückhaltebecken Glashütte wurde
Anfang Mai 2002 übergeben. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass die
Standfestigkeit des Dammes auch bei Vollstau gewährleistet ist, er aber nicht über-
flutungssicher sei. Die fehlende Überflutungssicherheit des Dammes resultiert nach
dem Gutachten aus dem nicht hinreichend dimensionierten Hochwasserüberlauf. Ein
zu gering dimensionierter Hochwasserüberlauf kann dazu führen, dass das Absperr-
bauwerk unkontrolliert überläuft und der Damm erodiert. Als Sofortmaßnahme hatte
die Gemeinde Glashütte die Betriebsvorschrift für das Rückhaltebecken ergänzt, in
der für den Fall eines drohenden Überlaufs eine Erhöhung des Damms durch Sand-
säcke vorgesehen wurde.
Die Gefahr eines unkontrollierten Überlaufs der Dammkrone hat sich während des
Augusthochwassers realisiert; der Damm brach am 12. August 2002 um 16.29 Uhr.
Infolge einer Überspülung der Krone wurde der Damm in kurzer Zeit teilweise von
oben her abgetragen, was eine plötzliche Erhöhung des Wasserlaufs der Prießnitz
zur Folge hatte und Glashütte entlang des Flusslaufs erheblich schädigte. Allerdings
dürfte die Hochwasserentlastungswirkung des Glashütter Rückhaltebeckens für das
Müglitztal sowie die Auswirkung des Dammbruches auf den Wasserstand der Müglitz
angesichts der zahlreichen weiteren Zuflüsse aus den Höhenlagen sowie der Größe
ihres Einzugsgebietes erheblich überschätzt worden sein, und zwar aus folgenden
Gründen: Das geplante Müglitztalbecken (Einzugsgebiet 38,1 km²) soll zum Hoch-
wasserschutz im Müglitztal über einen Hochwasserrückhalteraum von 2,47 Mio. m³
verfügen. Wäre dieses Becken bei den Niederschlagsmengen während der August-
Flut vollständig gefüllt worden, mithin allein aus dem Einzugsgebiet der Müglitz ober-
halb von Geising 2,47 Mio. m³ Wasser weniger in die Müglitz abflossen, relativiert
sich die Wirkung des Zuflusses aus dem Rückhaltebecken Glashütte mit einem Stau-
raum von 0,07 Mio. m³ deutlich.
cc) Sonstige Schäden an Wasserstauanlagen
Starke Zuflüsse führten, wie aus den unter Nummer 2 Buchstabe d) dargestellten
Tabellen folgt, insbesondere im Erzgebirge zu rasanten Anstiegen der Pegel in den
Stauanlagen mit der Folge außergewöhnlicher Beanspruchung der Statik. Gleichwohl
hielten bis auf den Damm Glashütte alle Wasserstauanlagen dieser Belastung stand.
Bei keiner anderen Wasserstauanlage ist Wasser über die Krone des Absperrbau-
werkes geflossen. Nachdem der Stauraum ausgeschöpft war, floss das Wasser über
die dafür vorgesehenen Hochwasserentlastungsanlagen. Allerdings sind infolge des
gewaltigen Zuflusses Beschädigungen an den Hochwasserentlastungsrinnen und in
den Ablaufbereichen der Wasserstauanlagen entstanden; die Standsicherheit der
Wasserstauanlagen wurde nicht beeinträchtigt. Dies belegt einen insgesamt guten
technischen Zustand der Hochwasserrückhaltungsanlagen im Freistaat Sachsen.

 
Die Talsperre Malter besitzt beispielsweise ein Einzugsgebiet von 104,60 km². Der
mittlere Gesamtzufluss liegt bei 1,48 m³ in der Sekunde. Die maximale Stauhöhe ist
mit 34,90 m über Gründung definiert. Nach den Aufzeichnungen der Talsperren-
meisterei Gottleuba/Weißeritz erfolgte der Überlauf der Talsperre am 12. August
2002 gegen 20.45 Uhr. Am 12. August 2002 wurde gegen 16.00 Uhr ein Zufluss von
ca. 171 m³ in der Sekunde (!), das mehr als Hundertfache des mittleren Zuflusses,
gemessen. Durch den extremen Überlauf kam es zu erheblichen Schäden am
Tosbecken sowie am Hochwasserüberlauf.
dd) Talsperre Kriebstein
Teilweise weisen Wasserstauanlagen überhaupt keinen gewöhnlichen Hochwasser-
rückhalteraum auf. In die Kritik geraten ist insoweit insbesondere die Talsperre
Kriebstein, die – seit ihrer Errichtung – ausschließlich der Elektrizitätserzeugung
dient. Die Talsperre Kriebstein verfügt über einen Stauraum von 11,66 Mio. m
3
und
ein außergewöhnlich großes Einzugsgebiet (1738,30 km
2
). Die Talsperre Lehnmühle
verfügt demgegenüber bei annähernd doppelt so großem Stauraum von 21,2 Mio. m
3
beispielsweise nur über ein Einzugsgebiet von 60,4 km². Selbst wenn der Stauraum
der Talsperre Kriebstein vollständig als Hochwasserrückhalteraum zur Verfügung ge-
standen hätte, müsste der denkbare Hochwasserschutz durch diese Talsperre als
eher schwach angesehen werden.
Ebenso wurde häufig behauptet, dass die eine oder andere Talsperre zu geringe
Hochwasserrückhalteräume aufweise. Dabei wird bei der teilweise sehr pauschalen
Kritik oft übersehen, dass Talsperren neben dem Hochwasserschutz auch andere
wichtige Funktionen erfüllen. Die Wasserversorgung Dresdens sowie des Umlandes
wäre nach dem flutbedingten Ausfall der Elbewasserwerke Tolkewitz und Hosterwitz
ohne einen entsprechenden Vorhalt zur Trinkwasserbereitung geeigneten Roh-
wassers in den Weißeritztalsperren gefährdet gewesen.
ee) Übertragung von Wasserstauanlagen an die Kommunen
Neben den Wasserstauanlagen der Landestalsperrenverwaltung befinden sich eine
Vielzahl weiterer Wasserstauanlagen nicht in der Obhut der Landestalsperrenver-
waltung. Dabei handelt es sich um Anlagen, die hauptsächlich der Naherholung, der
Fischerei, dem Naturschutz, der Brauchwasserbereitstellung oder der Elektroener-
gieerzeugung dienen und die, soweit sie auch eine Hochwasserschutzfunktion auf-
weisen, keine überörtliche Bedeutung haben.
In den letzten Jahren ist eine Reihe von Wasserstauanlagen in kommunale Verant-
wortung übertragen worden. Derartige Übertragungen sind rechtlich möglich, wenn
eine Wasserstauanlage keine überörtliche Bedeutung hat (vgl. §§ 85 Abs. 1 Satz 2,
86 Abs. 1 SächsWG). So wurde etwa 1997 das Rückhaltebecken Glashütte in kom-
munale Verantwortung übergeben. Gleiches gilt etwa für die Rückhaltebecken
Zauckerrode I und II für die die Stadt Freital zuständig ist. Ebenso befinden sich die
Wasserstauanlagen im Einzugsgebiet der Jahna nicht unter der Verantwortung der
Landestalsperrenverwaltung. So ist für den Betrieb des Rückhaltebeckens Zscho-
chau die Gemeinde Ostrau, für das Rückhaltebecken Noschkowitz die Gemeinde
Noschkowitz, für den Wasserspeicher Striegnitz die Vermögensgemeinschaft
Striegnitz e.G., für den Wasserspeicher Zschaitz die Bodenverwaltungs- und Ver-
wertungsgesellschaft mbH und für den Wasserspeicher Staucha die Gemeinde Stau-
chitz zuständig.

 
3. Deiche
a) Entwicklung
Anfang des 19. Jahrhunderts bestand in Sachsen noch eine weitgehend natürliche
Flusslandschaft mit vielen Verzweigungen, Neben- und Altarmen und ausgedehnten
Auewäldern; die Gewässerläufe waren ständigen Veränderungen unterworfen. Bei
Überschwemmungen konnte das Wasser die gesamte Talaue einnehmen. Im Zuge
der Industrialisierung siedelten die Menschen zunehmend in den Flusstälern, weil
Wasser und Wasserkraft für die Manufaktur- und Industriebetriebe unabdingbar wa-
ren. Im Zuge dieser Entwicklung wurden Talauen trocken gelegt und die Gewässer
ausgebaut. Zahlreiche Flüsse wurden begradigt und eingedeicht. Viele Deiche sind
in mühevoller Kleinarbeit der Deichanlieger über viele Jahrzehnte gewachsen. Die
Struktur ist teilweise inhomogen; von den sächsischen Hochwasserdeichen an der
Elbe mit einer Gesamtlänge von ca. 127 Kilometern sind 93 Kilometer vor dem Jahr
1900 und 32 Kilometer zwischen 1900 und 1945 erbaut.
Die Unterhaltung und der Ausbau von Deichen ist an Gewässern 1. Ordnung sowie
an Grenzgewässern Aufgabe des Freistaates Sachsen (§ 89 Abs. 1 Satz 1 i.V.m. §
70 Satz 1 Nr. 1 und 3 SächsWG). Die Unterhaltungs- und Ausbaulast der Deiche an
der Bundeswasserstraße Elbe obliegt ebenfalls dem Freistaat Sachsen (§ 89 Abs. 1
Satz 2 SachsWG). Für die Unterhaltung und den Ausbau von Deichen an Gewässern
2. Ordnung sind die Gemeinden zuständig, soweit die Aufgabe nicht zu den sat-
zungsmäßigen Aufgaben eines Wasser- und Bodenverbandes gehören (§ 89 Abs. 1
Satz 1 i.V.m. § 70 Satz 1 Nr. 2 SächsWG).
§ 87 a SächsWG bestimmt, dass an Deichen und ihren Schutzstreifen unter anderem
folgende Handlungen untersagt sind, wobei die untere Wasserbehörde Ausnahmen
zulassen kann: das Pflanzen von Bäumen und Sträuchern, Schädigen und Entfernen
der Grasnarbe, Errichtung von baulichen Anlagen und Einfriedungen, Setzen von
Masten und sonstigen Merkzeichen, Ausgrabungen und Eintiefungen. Die Breite des
Schutzstreifens beträgt beidseitig 5 m gemessen vom Deichfuß.
Nachfolgend sind die Deichanlagen an den Flüssen 1. Ordnung sowie der Elbe dar-
gestellt.
b) Eingedeichte Flüsse
aa) Einzugsgebiet der Elbe
Gesamtlänge der
Mittlere Deichhöhe
Deiche am
Fließgewässer
Gewässer
von
bis
[km]
[m]
Elbe
127,1
1,6
4,7
Biela
0,3
0,9
1,1
Dahle
6,6
1,5
Weinske
22,0
1,0
3,0

 
bb) Einzugsgebiet der Mulde
Gesamtlänge der
Mittlere Deichhöhe
Deiche am
Gewässer
Fließgewässer
von
bis
[km]
[m]
Vereinigte Mulde
70,5
1,1
2,6
Lober-Leine Kanal
4,5
1,6
Mühlgraben Eilenburg
3,9
0,8
1,6
Freiberger Mulde
11,2
0,7
3,0
Zschopau
8,2
0,9
2,7
Flöha
15,2
1,1
2,3
Zwickauer Mulde
52,2
1,2
2,2
Chemnitz
4,0
1,2
2,1
Schwarzwasser
11,2
0,6
1,7
cc) Einzugsgebiet der Weißen Elster
Mittlere Deichhöhe
Gesamtlänge der
Deiche am
Fließgewässer
Gewässer
von
Bis
[km]
[m]
Weiße Elster
43,2
0,5
3,0
Elsterflutbett
3,1
1,4
2,0
Elsterhochflutbett
9,2
2,6
Elsterbecken
1,5
1,8
Kleine Luppe
3,4
1,4
1,6
Neue Luppe
25,8
2,8
3,0

 
Nahle
1,2
0,8
1,7
Nahle-Luppe-Polder
3,6
3,0
Eula
0,4
2,5
Schnauder
4,0
0,9
2,9
Pleiße
21,1
0,8
2,6
Pleißeflutbett
1,1
1,1
1,3
Pleißehochflutbett
1,3
0,7
0,9
Wyhra
5,7
1,5
2,3
dd) Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Mittlere Deichhöhe
Gesamtlänge der
Deiche am
Fließgewässer
Gewässer
von
bis
[km]
[m]
Schwarze Elster
30,3
1,2
2,3
Große Röder
16,8
2,0
Röderneugraben
15,3
2,0
Hopfenbach
0,6
2,0
Geißlitz
23,2
2,0
Wudraflutmulde
11,5
1,6
1,7
Flutmulde Laske
1,1
0,8

 
ee) Einzugsgebiet der Spree
Gesamtlänge der
Mittlere Deichhöhe
Deiche am
Gewässer
Fließgewässer
von
bis
[km]
[m]
Spree
13,9
0,7
2,2
Löbauer Wasser
3,3
0,7
1,7
Schwarzer Schöps
6,5
1,1
3,2
Weißer Schöps
12,4
0,8
2,8
Neugraben
6,7
1,0
1,7
Steinbachgraben
0,4
2,0
ff) Lausitzer Neiße
Gesamtlänge der
Mittlere Deichhöhe
Deiche am
Gewässer
Fließgewässer
von
bis
[km]
[m]
Lausitzer Neiße
18,1
0,9
2,4
Mandau
2,4
0,9
2,3
Pließnitz
0,6
2,4
c) Deichbrüche während der August-Flut
Während der August-Flut kam es zu 131 Deichbrüchen und/oder Überflutungen von
Deichen. Davon entfielen 16 auf das Einzugsgebiet der Elbe und 115 auf das
Einzugsgebiet der Mulde. Die Hauptschadensgebiete lagen damit im Einzugsgebiet
der Mulde, wobei die meisten Deichbrüche an der Vereinigten Mulde zu verzeichnen
waren.

 
aa) Einzugsgebiet der Elbe
Fluss
Zahl der Deichbrüche
Betroffene Landkreise
Elbe
14
Sächsische Schweiz,
Dresden, Meißen, Riesa-
Großen-hain, Torgau-
Oschatz
Dahle
2
Torgau-Oschatz
Gesamt
16
bb) Einzugsgebiet der Mulde
Fluss
Zahl der Deichbrüche
Betroffene Landkreise
Vereinigte Mulde
82
Delitzsch, Muldentalkreis
Freiberger Mulde
21
Muldentalkreis, Döbeln,
Freiberg
Zschopau
4
Mittweida, Freiberg
Flöha
7
Freiberg, Mittlerer
Erzgebirgskreis
Striegis
1
Freiberg/Mittweida (Grenze)
Gesamt
115
d) Einzelprobleme
aa) Schwachstellen an Deichen
Bereits im Jahre 1996 wurde eine Zustandsbewertung und Gefahreinschätzung für
Hochwasserschutzanlagen an Fließgewässern 1. Ordnung erstellt. Diese Zustands-
bewertung wurde zuletzt im Juli 2001 aktualisiert.
Nach der ersten Zustandsbewertung wurde der Zustand von 85 Deichen oder Deich-
abschnitten mit einer Gesamtlänge von 202 km (was einem Drittel der Deiche an
Gewässern 1. Ordnung entspricht) als „sehr schlecht“ oder „unzureichend eingestuft“.
Dabei wurden die Deiche in die vier Kategorien „sehr schlecht“, „unzureichend“, „aus-
reichend“ und „gut“ eingestuft. Da Sanierungen diesen Umfanges nur sukzessive er-
folgen können, wurde unter Zugrundelegung des Zustands eines Deichabschnitts
sowie seines Gefährdungspotentials eine Prioritätenliste erarbeitet. Zur Feststellung
des Gefährdungspotentials wurden Art der Bedrohung (an erster Stelle stehen Men-
schenleben und Wohnanlagen) und Schadenswahrscheinlichkeit berücksichtigt.
Für die Unterhaltung und Instandsetzungsmaßnahmen an Gewässern 1. Ordnung,
Grenzgewässern sowie für Hochwasserschutzdeiche wurden von 1996 bis 2001 ca.
200 Mio. DM aus dem Landeshaushalt aufgewendet. Eine grundlegende Verbesse-
rung der Deichanlagen konnte mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht erreicht

 
werden. So sind Deiche zum großen Teil an bekannten Schwachstellen gebrochen.
Im Muldegebiet kam hinzu, dass die dort vorhandenen Deiche schon wegen ihrer
Höhe eine Überflutung lediglich verzögern konnten; auf Pegelstände der eingetrete-
nen Höhe waren die Deiche nicht angelegt.
bb) Sonstiges
In der Öffentlichkeit ist verschiedentlich die Vermutung geäußert worden, Deiche
seien zielgerichtet gesprengt worden, um hierdurch zum Schutz unterhalb des
Flusslaufes liegender Ortschaften Retentionsräume zu schaffen. Bei der Untersu-
chung haben sich keine Anhaltspunkte gefunden, die diese Vermutung bestätigen.
Allerdings waren den unteren Katastrophenschutzbehörden Schwachstellen der Dei-
che nicht in vollem Umfang bekannt. Weiterhin musste festgestellt werden, dass vor
Ort die notwendige Sensibilität für den Deichschutz teilweise nicht gegeben ist:
Baumbewuchs auf oder in unmittelbarer Nähe von Deichen ist für die Standsicherheit
von Deichen eine erhebliche Gefahr.
4. Überschwemmungsgebiete
a) Definition und Festsetzung
Überschwemmungsgebiete sind Gebiete zwischen oberirdischen Gewässern und
Deichen oder Hochufern sowie sonstige Gebiete, die bei Hochwasser über-
schwemmt, durchflossen oder die für Hochwasserentlastung oder Rückhaltung be-
ansprucht werden (§ 32 Abs. 1 Satz 1 WHG). Mit der Festsetzung eines Gebietes als
Überschwemmungsgebiet kann seine Nutzung reglementiert werden Die Fest-
setzung von Überschwemmungsgebieten hat für den Hochwasserschutz zweierlei
Bedeutung: Zum einen kann die Entstehung weiterer Schadenspotentiale verhindert
werden, indem etwa keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden. Zum anderen
können festgesetzte Überschwemmungsgebiete einen Beitrag zum Schutz anderer
hochwassergefährdeter Gebiete leisten, indem Wasser zurückgehalten wird.
Vorschriften über die Festsetzung von Überschwemmungsgebieten finden sich im
Wasserhaushaltsgesetz (§ 32 WHG) und im Sächsischen Wassergesetz (§ 100
SächsWG). Die untere Wasserbehörde kann Überschwemmungsgebiete durch
Rechtsverordnung festsetzen (§ 100 Abs. 1 Satz 1 SächsWG). In einem festgesetz-
ten Überschwemmungsgebiet sind etwa folgende Maßnahmen untersagt (§ 100
Abs. 2 SächsWG): Ausweisung neuer Baugebiete (begrenzte Ausnahmen sind aller-
dings möglich), Aufhöhungen oder Abgrabungen mit einer Grundfläche von mehr als
100 m², Errichtung oder wesentliche Änderung baulicher Anlagen mit einer Grund-
fläche von mehr als 100 m², Errichtung von Mauern, Wällen oder ähnlichen Anlagen
quer zur Fließrichtung des Gewässers.
Zum Zeitpunkt der August-Flut waren in Sachsen 18.205,4 ha Überschwemmungs-
gebiete an der Elbe sowie an Gewässern 1. Ordnung festgesetzt. Nach 1990 wurden
1557 ha Überschwemmungsgebiete festgesetzt. Bereits vor der August-Flut wurde
die Festsetzung weiterer Überschwemmungsgebiete mit einer Gesamtfläche von ca.
25.000 ha geprüft.

 
b) Festgesetzte Überschwemmungsgebiete
Die folgende Darstellung beschränkt sich auf festgesetzte Überschwemmungs-
gebiete an diesen Gewässern.
aa) Einzugsgebiet der Elbe
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Dresden
1557,0
(davon entfallen 70 ha auf die
Flutrinne Ostragehege und 45 ha auf
die Flutrinne Kaditz)
Elbe
1010,0
Jahna
460,0
Döllnitz
Riesa-Großenhain
145,0
Wesenitz
Bautzen
201,0
Gesamt
3373,0
bb) Einzugsgebiet der Mulde
(1) Zwickauer Mulde
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Muldentalkreis
100,0
Zwickauer Mulde
435,0
Mittweida
28,0
Chemnitz
212,8
Stadt Chemnitz
20,0
Zwönitz
43,0
Stollberg
55,0
Würschnitz
Stadt Chemnitz
10,0
Gesamt
903,8

(2) Freiberger Mulde
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Freiberg
105,4
Freiberger Mulde
Döbeln
520,0
Muldentalkreis
50,0
Große Striegis
Freiberg
9,9
Freiberg
36,8
Annaberg
3,4
Mittlerer Erzgebirgskreis
37,9
Zschopau
Döbeln
80,0
Sehma
1,2
Pöhlbach
Annaberg
4,0
3,9
Wilisch
1,1
Mittlerer Erzgebirgskreis
21,6
Flöha
30,9
Große Lößnitz
Freiberg
15,5
Gesamt
921,6
(3) Vereinigte Mulde
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Muldentalkreis
2800,0
Vereinigte Mulde
Delitzsch
2260,0
Gesamt
5060,0

 
cc) Einzugsgebiet der Weißen Elster
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Weiße Elster
2420,0
Schnauder
150,0
Pleiße
380,0
Wyhra
Leipziger Land
100,0
Eula
Leipziger Land/Muldentalkreis
200,0
Parthe
Muldentalkreis
420,0
Gesamt
3670,0
dd) Einzugsgebiet der Schwarzen Elster
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Stadt Hoyerswerda
11,0
Schwarze Elster
418,0
Klosterwasser
297,0
Hoyerswerdaer
Schwarzwasser
133,0
Große Röder
Kamenz
164,0
Gesamt
1023,0

 
ee) Einzugsgebiet der Spree
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Kamenz
152,0
Spree
199,0
Schwarzer Schöps
770,0
Weiße Schöps
Niederschlesischer
Oberlausitzkreis
1385,0
Gesamt
2506,0
f) Einzugsgebiet der Lausitzer Neiße
Größe
Fluss
Lage des festgesetzten
Überschwemmungsgebietes
(Landkreis)
ha
Stadt Görlitz
215,0
Lausitzer Neiße
Niederschlesischer
Oberlausitzkreis
533,0
Gesamt
748,0
III. Konsequenzen aus der Oder-Flut 1997
Wie im Kapitel B Nummer 2 dargelegt, glich die zur August-Flut führende Groß-
wetterlage derjenigen, die 1997 zum Oder-Hochwasser führte. Die Sächsische
Staatsregierung befasste sich bereits am 2. Dezember 1997 mit den Konsequenzen,
die aus den Erfahrungen des Oder-Hochwassers zu ziehen sind.
Es wurde insbesondere beschlossen:
(1)
Beschaffung einer Landesreserve von Hochwasserbekämpfungsmitteln
(2) Beauftragung des Umweltministeriums zur Durchführung eines Planfeststel-
lungsverfahrens für den Bau des Rückhaltebeckens Müglitztal sowie Beauf-
tragung des Finanzministeriums zum Erwerb der hierfür notwendigen Flächen
(3) Beauftragung des Umweltministeriums, den zusätzlichen Finanzbedarf der
Landestalsperrenverwaltung für die laufende Unterhaltung und zur Beseiti-
gung von Defiziten bei der Sanierung und Instandsetzung an Gewässern 1.
Ordnung maßnahmebezogen festzustellen und die Deckung des dringlichsten
Sanierungsbedarfs im Haushaltsvollzug 1997 sicherzustellen.

In der Umsetzung des Beschlusses wurde zur Verbesserung der Hochwasserabwehr
eine Landesreserve an Hochwasserbekämpfungsmitteln (Notstromaggregate,
Pumpen, Schläuche sowie Sandsäcke) im Wert von 2 Mio. DM angeschafft, die an
vier Standorten in Radeburg, Chemnitz, Lohsa sowie Nauendorf vorgehalten werden
und der Landestalsperrenverwaltung unterstehen. Die Deiche im Bereich des Frei-
staates Sachsen wurden auf ihre Standsicherheit überprüft. Für die Folgejahre wurde
u.a. die Sanierung von Deichen an Elbe, Lausitzer Neiße, Schwarze Elster und
Mulde vorgesehen. Das Planfeststellungsverfahren für das Müglitztalbecken wurde
durchgeführt. Der Spatenstich für den Bau des Müglitztalbeckens erfolgte am 5. Au-
gust 2002.

 
D. Hochwassermeldedienst
I. Rechtsgrundlagen und Organisation
Nach § 104 Absatz 2 Sächsisches Wassergesetz ist die oberste Wasserbehörde
ermächtigt, durch Rechtsverordnung zum Schutz vor Hochwasser die Organisation
des Hochwassernachrichtendienstes zu regeln.
1. Flussgebiete und Hochwasserberichte
Von dieser Ermächtigung hat das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft
mit seiner Verordnung über den Hochwassernachrichtendienst vom 14. Oktober
1993 (HWNDV) Gebrauch gemacht. Die Verordnung regelt Inhalt und Organisation
des Hochwassernachrichtendienstes für die durch Hochwasser gefährdeten Ge-
wässer im Gebiet des Freistaates Sachsen. Danach wird der Hochwassernachrich-
tendienst für folgende Gewässer durchgeführt (§ 1 Abs. 2 HWNDV):
1. Elbe und ihre Nebenflüsse Sebnitz, Gottleuba, Müglitz, Wesenitz, Weißeritz,
Triebisch, Jahna,
2. Schwarze Elster und ihre Nebenflüsse Hoyerswerdaer Schwarzwasser, Große
Röder,
3.
Mulde und ihre Nebenflüsse Zschopau, Schwarzwasser, Chemnitz,
4.
Weiße Elster und ihre Nebenflüsse Göltzsch, Pleiße
5.
Spree und ihre Nebenflüsse Löbauer Wasser, Schöpse,
6.
Lausitzer Neiße und ihre Nebenflüsse Mandau, Pließnitz
Gegenstand des Hochwassernachrichtendienstes sind gemäß § 2 Absatz 2 der
Verordnung über den Hochwassernachrichtendienst:
1.
Hydrometeorologische Daten und Informationen
2. Hochwasserstandsmeldungen bestimmter Pegel sowie Meldungen über Inhalt,
Zufluss und Abgabe von Talsperren und Rückhaltebecken
3.
Hochwasserberichte (Hochwasserwarnungen und Hochwasserinformationen)
Nach § 2 Absatz 3 HWNDV sind im Rahmen des Hochwassernachrichtendienstes
Hochwasserberichte herauszugeben, und zwar:
1. Hochwasserwarnungen, sobald die Möglichkeit einer Hochwasserentwicklung
aufgrund von Wetter- und Unwetterwarnungen sowie erhöhter Wasserstände
erkennbar ist,
2.
Hochwasserinformationen
a)
nach Hochwasserwarnungen mindestens täglich einmal über den Stand
und die voraussichtliche Entwicklung der meteorologisch-hydrologischen
Lage und die Talsperrenbewirtschaftung während des Hochwassers,
b)
während des Hochwassers bei plötzlicher Änderung des Wetters und
der Wasserführung zur Ergänzung vorausgegangener Informationen,
c)
mit Hochwasservorhersagen nach Vorlage von Erkenntnissen zur
Beurteilung der weiteren Entwicklung der Wasserstände und des zeitlichen
Verlaufs des Hochwassers.

 
2. Zuständigkeit und Meldewege
Das Landesamt für Umwelt und Geologie ist Landeshochwasserzentrale (§ 4 Abs. 4
HWNDV). Es leitet und koordiniert den Hochwassernachrichtendienst im Freistaat
Sachsen und erstellt Landeshochwasserberichte für das Staatsministerium für Um-
welt und Landwirtschaft. Daneben erarbeitet es die Hochwasserberichte für den
Regierungsbezirk Dresden. Allerdings wurde mit Verfügung des Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft vom 10. Dezember 1998 die Zuständigkeit für die
Flussgebiete Schwarze Elster bis einschließlich Pegel Neuwiese, Spree bis ein-
schließlich Pegel Spremberg und Lausitzer Neiße bis Pegel Görlitz mit Wirkung vom
1. Februar 1999 auf das Staatliche Umweltfachamt Bautzen übertragen. Für die
Regierungsbezirke Chemnitz und Leipzig obliegt die Herausgabe der Hochwasserbe-
richte den ej weiligen Staatlichen Umweltfachämtern. Damit gibt es vier regionale
Hochwasserzentralen im Freistaat Sachsen.
Einzelheiten der Hochwasserberichte, insbesondere Benachrichtigungswege und
Zustellungspläne, Übermittlungsformate sowie Hochwassermelde- und Alarmstufen
werden in der weiterführenden Hochwassermeldeordnung (HWMO) geregelt, einer
Verwaltungsvorschrift, die aufgrund von § 3 Absatz 1 HWNDV durch das Sächsische
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft erlassen wurde.
Die Hochwassermeldeordnung besteht aus 6 Anlagen. In Anlage 1 wird die Zustän-
digkeit des Landesamtes für Umwelt und Geologie sowie der staatlichen Umwelt-
fachämter nach Flussgebieten geregelt. In Anlage 2 sind die Empfänger der von den
Hochwasserzentralen erstellten Hochwasserberichte nach Flussgebieten bestimmt.
Unter den 10 bis 14 weitgehend identischen Empfängern befinden sich auch die
Regierungspräsidien als höhere Katastrophenschutzbehörde. Anlage 3 enthält eine
nach 8 Flussgebieten gegliederte Auflistung von insgesamt 108 Meldestellen (Hoch-
wassermeldepegel) mit jeweils zugeordneten Empfängern. Zu den Empfängern zäh-
len neben den Regierungspräsidien u.a. auch die Landkreise und Gemeinden, die
über die für sie relevanten Pegeldaten informiert werden; allerdings werden die
Hochwasserstandsmeldungen ohne Wertung weitergegeben. Anlage 4 enthält Mus-
ter für die Übermittlung der Hochwasserstandsmeldungen per Telegramm/Telefax
oder Multivoice. Anlage 5 enthält nach Flussgebieten geordnete einzelne Regeln zur
Zuordnung von vier Hochwasseralarmstufen. Die Alarmstufen sind an festgelegte
Pegelstände gebunden. Anlage 6 erläutert Abkürzungen. Die Hochwassermeldeord-
nung ist auszugsweise im Anlagenband abgedruckt.
Nach dieser normativen Konstruktion erhalten die unteren Katastrophenschutzbe-
hörden – Landkreise und Kreisfreie Städte – somit auf zwei Wegen Informationen:
Zum einen werden sie unmittelbar mit den für sie relevanten Hochwasserstandsmel-
dungen (Pegeldaten) versorgt, zum anderen erhalten sie mittelbar über das zustän-
dige Regierungspräsidium nach dort festgelegten Verteilerplänen Hochwasserbe-
richte mit wertenden Elementen (§ 5 Abs. 2 HWNDV). Das System des Hochwasser-
nachrichtendienstes ist in einem beim Landesamt für Umwelt und Geologie erstellten
und im Anlagenband abgedruckten Schaubild dargestellt.

 
3. Alarmstufen
Abhängig vom Flussgebiet sind den Pegelständen Hochwasseralarmstufen zugeord-
net, an deren Erreichen bestimmte Handlungsanweisungen geknüpft sind:
a) Alarmstufe 1 - Meldedienst
Die Alarmstufe 1 wird durch die untere Wasserbehörde –Landkreis, Kreisfreie Stadt -
ausgelöst, wenn der Wasserstand am Hochwassermeldepegel den festgelegten
Richtwert erreicht und ein weiterer Anstieg zu erwarten ist; bei eingedeichten
Wasserläufen in der Regel mit Beginn der Ausuferung. Folgende Maßnahmen und
Handlungen sind durchzuführen:
Hochwassernachrichtendienst gemäß Hochwassernachrichten-
dienstverordnung (HWNDV), ständige Analyse der meteorologisch-
hydrologischen Lage und Beurteilung deren Entwicklung sowie
Überprüfung der Alarm- und Meldepläne, der Hochwasserabwehr-
pläne und der Einsatzfähigkeit der erforderlichen Ausrüstung, Tech-
nik und des notwendigen Materials
b) Alarmstufe 2 - Kontrolldienst
Die Alarmstufe 2 wird durch die untere Wasserbehörde ausgelöst, wenn der Wasser-
stand am Hochwassermeldepegel den festgelegten Richtwert erreicht und ein weiterer
Anstieg zu erwarten ist oder - unabhängig vom Wasserstand - Abflussbehinderungen
durch Eis eintreten bzw. die Betriebsfähigkeit wasserwirtschaftlicher Anlagen
beeinträchtigt wird; bei eingedeichten Wasserläufen in der Regel mit Ausuferung bis
an den Deichfuß. Zusätzlich zu Alarmstufe 1 sind folgende Maßnahmen und Hand-
lungen durchzuführen:
Tägliche periodische Kontrolle der Wasserläufe, Deiche, wasserwirt-
schaftlichen Anlagen, der gefährdeten Bauwerke und Ausuferungs-
gebiete, Herstellung der Arbeitsbereitschaft in den zuständigen Was-
serbehörden und Fachämtern, Einsatz von Kontrollkräften entspre-
chend den Festlegungen der Hochwasserabwehrpläne, Überprüfung
der Einsatzbereitschaft der Einsatzkräfte und der Hochwasser-
schutzmaterialien sowie Alarmierung des Wasserwehrdienstes.
c) Alarmstufe 3 - Wachdienst
Die Alarmstufe 3 wird durch die untere Wasserbehörde ausgelöst, wenn der Wasser-
stand am Hochwassermeldepegel den festgelegten Richtwert erreicht und ein weiterer
Anstieg zu erwarten ist, abflussbehindernde Zusammenschiebungen von Eis und
Treibzeug plötzliches Ansteigen der Wasserstände hervorrufen oder Wasserstände
und Ausuferungen Gefährdungen und Schäden für Bevölkerung, Wirtschaft und
Kulturgut hervorrufen können; an eingedeichten Wasserläufen in der Regel bei
Wasserständen ab etwa halber Deichhöhe. Zusätzlich zu Alarmstufe 2 sind folgende
Maßnahmen und Handlungen durchzuführen:
Ständiger Wachdienst auf den Deichen, vorbeugende Sicherungs-
maßnahmen an Gefahrenstellen und Beseitigung örtlicher Gefähr-
dungen und Schäden, Einrichtung von Einsatzstäben an Schwer-
punkten und Schaffung spezieller Nachrichtenverbindungen, Ausla-

 
gerung von Hochwasserschutzmaterialien an bekannten Gefahren-
stellen sowie Anforderung, Vorbereitung und Bereitstellung weiterer
Kräfte und Mittel zur aktiven Hochwasserabwehr.
d) Alarmstufe 4 - Hochwasserabwehr
Die Alarmstufe wird durch die untere Wasserbehörde ausgelöst, wenn der Wasser-
stand am Hochwassermeldepegel den festgelegten Richtwert erreicht und ein weiterer
Anstieg zu erwarten ist, bei Eintritt eines Wasserstandes, infolgedessen Deichbrüche,
schwere Beschädigungen wasserwirtschaftlicher Anlagen und anderer Objekte sowie
unkontrollierte Ausuferungen eintreten, die größere Auswirkungen auf die Gesundheit
und die Versorgung der Bevölkerung, auf die Wirtschaft und auf die Bewahrung von
Kulturgut hervorrufen können. Zusätzlich zu Alarmstufe 3 sind folgende Handlungen
und Maßnahmen durchzuführen:
Festlegung vorbereitender Maßnahmen bzw. Durchführung der Eva-
kuierung von Gefahrengebieten, vorbeugende Maßnahmen zur Be-
seitigung bzw. Minderung von Gefährdungen und aktive Bekämpfung
unmittelbarer Gefahren und Schäden, Heranziehen geeigneter Kräfte
und Mittel für die Gefahrenbekämpfung, Verteidigung der Deiche und
Anlagen, Errichtung einer zweiten Verteidigungslinie zur Eingrenzung
des Schadens sowie Auslagerung von Maschinen, Ausrüstungen und
Materialien.
Einen rechtlich verbindlichen Zusammenhang zwischen dem Erreichen der pegelbe-
dingten Alarmstufen und der Auslösung von Katastrophenvoralarm oder Katastro-
phenalarm gibt es nicht. Mithin hängt es ausschließlich von der Einschätzung der
Katastrophenschutzbehörden ab, ob aufgrund der wertenden Hochwasserberichte
und aufgrund der mitgeteilten Pegelstände Katastrophenvoralarm oder Katastro-
phenalarm auszulösen ist.
II. Datenspektrum
Der Hochwassernachrichtendienst stützt sich auf drei Kategorien von Daten, und
zwar auf Wetter-, Pegel- und Talsperrendaten.
1. Wetterdaten
Da der Freistaat Sachsen über keinen eigenen Wetterdienst verfügt, werden die
Wetterdaten für den Hochwassernachrichtendienst aufgrund einer vertraglichen Ver-
einbarung mit dem Freistaat Sachsen vom Deutschen Wetterdienst, Außenstelle
Leipzig, bezogen. Sie gehen grundsätzlich unmittelbar an die Umweltbetriebsgesell-
schaft in Radebeul, einen staatlichen Eigenbetrieb. Der Meldeturnus richtet sich nach
der Wetterlage. In der Regel erfolgt die Wettermeldung um 8.00 Uhr und enthält u.a.
Informationen über die Niederschlagswahrscheinlichkeiten sowie über zu erwartende
und gelegentlich auch über gemessene Niederschlagsmengen. Die Meldungen stüt-
zen sich u.a. auf die Erkenntnisse aus 3763 Niederschlagsmessstationen des Deut-
schen Wetterdienstes im Bundesgebiet: Nach Angaben des Deutschen Wetter-
dienstes melden 152 hauptamtlich geführte Niederschlagsmessstationen des Deut-
schen Wetterdienstes stündlich (13 im Freistaat Sachsen). Weitere 38 automatische
Niederschlagsmessstationen (5 im Freistaat Sachsen) melden ereignisabhängig bei
Niederschlag, mindestens jedoch einmal täglich. Hinzu kommen 3573 (236 im Frei-

staat Sachsen) ehrenamtlich betreute Niederschlagsmessstationen, die zum Teil täg-
lich und ereignisabhängig oder monatlich melden. Die Zahl der ehrenamtlichen Wet-
terbeobachter, die lediglich monatliche Meldungen absetzen, war für das Bundes-
gebiet nicht bekannt. Für den Freistaat Sachsen wird die Zahl der ehrenamtlichen
Wetterbeobachter mit monatlichem Meldeturnus mit 172 angegeben.
Die Wettermeldungen des Deutschen Wetterdienstes werden von der Umweltbe-
triebsgesellschaft ohne wertende Ergänzung nach einem festen Verteiler automati-
siert weitergeleitet, und zwar u.a. an das Landesamt für Umwelt und Geologie sowie
die Staatlichen Umweltfachämter Leipzig, Chemnitz und Bautzen als regionale
Hochwasserzentralen.
Die nachfolgend auszugsweise wiedergegebenen und im Anlagenband abgedruck-
ten Wettermeldungen für Sachsen enthielten bereits Anfang August eine Reihe von
Niederschlagsdaten. Am 11., 12. und 13. August 2002 nahmen die Niederschlags-
prognosen und die gemessenen Niederschläge dramatisch zu. Im Einzelnen:
Datum
Uhrzeit
Inhalt
01.08. 02
08.00
Mit Gewittern ergiebige Regenmengen. Voraussichtliche
Niederschlagshöhe (mm): 10 bis 30, meist nur örtlich begrenzt
auch 40 bis 80 mm in 2 bis 3 Stunden möglich.
04.08. 02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 5 bis 15
05.08. 02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 2 bis 4
06.08.02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 0 bis 1
07.08.02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 1 bis 20
08. 08.02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 10 bis
30, örtlich bis 50
09.08.02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 10 bis
30
Tendenz bis Dienstag: Tiefdruckeinfluss mit sehr feuchter Luft
sorgt verbreitet für intensive Regenfälle, auch Starkregen ist
häufiger möglich
10.08.02
07.31
Wetterwarnung
Im Tagesverlauf teils kräftige Gewitter. Zudem kann es örtlich zu
ergiebigem Niederschlag innerhalb kurzer Zeit kommen.
10.08.02
08.00
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 3 bis 10
Tendenz bis Mittwoch: Am Montag vor allem in der Lausitz und
im Erzgebirge noch mäßiger Regen. Ab Dienstag
Wetterbesserung, kaum noch Regen.

11.08.02
08.00
Voraussichtliche Niederschlagshöhe (mm): 35 bis 50
Morgen regnet es bei bedecktem Himmel längere Zeit.
12.08.02
08.00
Ein Tief über Südböhmen bringt Dauerregen.
Heute regnet es von bedecktem Himmel meist extrem ergiebig.
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 70 bis
120.
Morgen noch anhaltender Regen.
Tendenz bis Freitag: Am Mittwoch in Ostsachsen noch Regen,
am Donnerstag kaum noch Niederschlag.
13.08.02
08.00
Das Regentief Ilse verliert nur langsam seinen Einfluss auf
Sachsen.
Heute lässt der Regen in der Leipziger Tieflandbucht vormittags
nach. Zwischen Mulde und Neiße wird es aber noch längere Zeit
regnen.
Voraussichtliche 24-stündige Niederschlagshöhe (mm): 1 bis 2.
13.08.02
10.25
Zusatzinformation
Gefallene Regenmengen von Sonntag (11. August) bis Dienstag
(13. August)
Brocken: 133 - 99 % des langjährigen Monatsmittels
Leipzig:
75 - 114 % des langjährigen Monatsmittels
Gera:
87 - 130 % des langjährigen Monatsmittels
Aue:
157 - 189 % des langjährigen Monatsmittels
Oschatz: 119 - 195 % des langjährigen Monatsmittels
Chemnitz: 109 - 140 % des langjährigen Monatsmittels
Fichtel-
berg:
255 - 373 % des langjährigen Monatsmittels
Zinnwald: 380 - 373 % des langjährigen Monatsmittels
Dresden-
Klotzsche: 169 - 222 % des langjährigen Monatsmittels
Vom 1. August bis zum 10. August 2002 waren wiederholt Niederschläge zu ver-
zeichnen, so dass eine erhebliche Feuchtigkeitssättigung des Bodens bestand. Die
Zusatzinformation des Deutschen Wetterdienstes vom 13. August 2002 zeigt, dass
die Niederschlagsmengen in wenig mehr als 24 Stunden zu verzeichnen waren, weil
die Starkniederschläge überwiegend erst am 11. August 2002 gegen Mitternacht ein-
setzten und die Meldung auf Frühmessungen des 13. August 2002 beruht. Ab dem
14. August 2002 besserte sich die Wetterlage deutlich. Die Niederschläge kamen
zum Erliegen, es herrschte weitgehend Sommerwetter.

 
2. Pegeldaten
An den Flüssen des Freistaates werden zahlreiche Pegelmessstellen unterhalten;
davon sind 108 in den Hochwassernachrichtendienst integriert. Die ins Meldesystem
integrierten Pegel (Hochwassermeldepegel) sind technisch unterschiedlich ausge-
rüstet. 97 Pegel sind vollautomatisch, d.h. die Datenübertragung erfolgt elektronisch
an die Umweltbetriebsgesellschaft. Daneben haben die Umweltfachbehörden bei den
Landratsämtern und Gemeinden die Möglichkeit, für sie relevante Daten selbst ab-
zufragen. Daneben gibt es visuell-manuelle Pegel, die von einem Pegelwart abgele-
sen und fernmündlich an die Umweltbetriebsgesellschaft übermittelt werden. Sämt-
liche Daten werden nach dem in der Hochwassermeldeordnung vorgesehenen Sys-
tem von der Umweltbetriebsgesellschaft ohne wertende Ergänzung an die vorge-
sehenen Stellen weitergeleitet. Insgesamt wurden in der Zeit vom 1. bis 18. August
2002 für die 108 Hochwassermeldepegel bei der Umweltbetriebsgesellschaft über 42
000 Pegeldaten erhoben. Allerdings sind wegen des außergewöhnlichen Anstieges
der Pegelstände eine Reihe von Hochwassermeldepegeln frühzeitig ausgefallen, so
dass für einzelne Hochwassermeldepegel entweder keine Angaben möglich sind
oder die Messgeräte offensichtlich unzutreffende Werte ermittelten. Teilweise wurde
bei solchen Hochwassermeldepegeln von Hand nachgemessen. Die in den nachfol-
genden Tabellen verwendeten Pegeldaten sind solche der Umweltbetriebsgesell-
schaft. Soweit wegen der vorgenannten Probleme bei der Umweltbetriebsgesell-
schaft keine verwertbaren Daten vorhanden waren, wurden auf Daten des Lan-
desamtes für Umwelt und Geologie zurückgegriffen. Die Daten des Landesamtes für
Umwelt und Geologie sind in den Tabellen grau unterlegt. Anhand einer exempla-
rischen Auswahl von Daten lässt sich der Verlauf der Pegelstände wie folgt nach-
zeichnen:
a) Erzgebirgsflüsse
Einzugsgebiet der Gottleuba
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Pegel
Fluss
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
11.08.02
23.15
12.08.02
11.55
12.08.02
13.55
12.08.02
15.45
12.08.02
19.45
12.08.02
Markers-
21.30
bach
Bahra
17
56
70
86
96
88
12.08.02 -
16.45
15.08.2002
07.00
15.08.02
18.55
16.08.02
17.15
17.08.02
Neun-
18.50
dorf
Gott-
leuba
-
200
154
147
155
145
11.08.02
03.00
12.08.02
12.20
12.08.2002
Lieb-
12.48
stadt 1
Seide-
witz
46
50
82
-
Für das Einzugsgebiet der Gottleuba lässt sich der Flutverlauf anhand des Pegels
Neundorf insgesamt gut nachvollziehen: Bereits am 12. August 2002 wurden außer-
gewöhnlich hohe Pegelstände gemessen, die erst in den nächsten Tagen allmählich
nachließen. Ursache hierfür waren Starkniederschläge, die bereits in der Nacht vom
11. auf den 12. August 2002 zu deutlichen Pegelerhöhungen der Zuflüsse der Gott-
leuba führten. Der Pegel Liebstadt 1 fiel im Laufe des 12. August 2002 aus.

Einzugsgebiet der Müglitz
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Pegel
Fluss
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
11.08.02
20.00
12.08.02
07.30
12.08.02
12.00
12.08.02
23.00
13.08.02
08.00
14.08.02
Geising
03.00
1
Rotes
Wasser
29
64
141
162
111
50
Lauen-
stein 1
Weiße
Müglitz
-
12.08.02
13.30
12.08.02
14.00
12.08.02
Mühl-
15.00
bach
Müglitz
-
170
190
200
Ab 16.00 Uhr:
Pegelbereich überspült
Die Messwerte des Hochwassermeldepegels Geising 1 zeigen, dass das Rote Was-
ser, ein Zufluss der Müglitz, bereits in der Nacht vom 11. auf den 12. August 2002 zu
steigen begann und sich der Pegel im Verlauf des Tages weiter deutlich erhöhte. Erst
ab dem 13. August 2002 ist eine fallende Tendenz erkennbar. Der Pegel Lauenstein 1
an der Weißen Müglitz war frühzeitig ausgefallen. Im Laufe des 12. August 2002 fiel
auch der an der Müglitz selbst gelegene Pegel Mühlbach aus, was angesichts der
Katastrophensituation in den Ortsteilen Mühlbach und Weesenstein (Gemeinde
Müglitztal) kaum verwundert.
Einzugsgebiet der Weißeritz
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Pegel
Fluss
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
11.08.02
23.00
12.08.02
08.00
12.08.02
12.00
12.08.02
16.30
12.08.02
22.15
13.08.02
Rehe-
17.30
feld 1
Wilde
Weiße-
ritz
20
108
137
149
144
100
11.08.02
22.00
12.08.02
09.15
12.08.02
12.30
12.08.02
15.30
12.08.02
23.15
Tharandt
Wilde
Weiße-
ritz
4
40
102
164
158
Spannungs-
ausfall
11.08.02
23.00
12.08.02
Schmie-
10.55
deberg
Rote
Weiße-
ritz
2
121
Pegelbereich überspült
11.08.02
20.00
11.08.02
Hains-
23.15
berg 1
Rote
Weiße-
ritz
7
21
Pegel vollständig zerstört
11.08.02
18.00
12.08.02
16.00
12.08.02
19.00
12.08.02
20.20
12.08.02
22.05
13.08.02
Hains-
23.25
berg 4
Verei-
nigte
Weiße-
ritz
13
196
202
210
235
260

11.08.02
20.30
12.08.02
06.30
12.08.02
10.00
12.08.02
13.30
13.08.02
18.00
16.08.02
08.15
Cotta
Verei-
nigte
Weiße-
ritz
50
104
200
300
430
200
Die an der Weißen Weißeritz gelegenen Pegel zeigen, dass die Flut in der Nacht
vom 11. auf den 12. August 2002 mit großer Schnelligkeit aufwuchs, im Tagesverlauf
kulminierte und in den Abendstunden bereits wieder leicht abzuflachen begann. Die
an der Roten Weißeritz gelegenen Pegel fielen bereits am 12. August 2002 infolge
Überspülung der Pegelmarken aus, was die Dramatik des Flutgeschehens belegt.
Die Vereinigte Weißeritz erreichte ihre Höchstpegelstände naturgemäß später: Der
Scheitelpunkt wird am 13. August 2002 erreicht; danach flacht der Pegelstand ab.
Bei dem Pegel Cotta handelt es sich nicht um einen in den Hochwassernachrichten-
dienst integrierten Pegel.
Einzuggebiet der Triebisch
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Pegel
Fluss
Messwert
(in cm
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
11.08.02
23.00
12.08.02
12.21
12.08.02
14.45
12.08.02
23.00
13.08.02
14.30
14.08.02
Herzogs-
19.11
walde 1
Trie-
bisch
9
140
160
195
160
95
11.08.02
21.00
12.08.02
10.15
12.08.02
13.00
12.08.02
16.00
13.08.02
00.00
14.08.02
12.15
Munzig
Trie-
bisch
29
48
102
307
396
200
Die an der Triebisch gemessenen Pegelwerte zeigen ähnlich den anderen
Erzgebirgsflüssen einen deutlichen Anstieg der Pegelstände bereits in der Nacht vom
11. auf den 12. August 2002. Im Tagesverlauf stiegen die Pegel weiter stark an, um
erst in den folgenden Tagen allmählich zurückzugehen.
Einzugsbereich Mulde
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Datum/
Uhrzeit
Pegel
Fluss
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
Messwert
(in cm)
12.08.02
05.50
12.08.02
07.00
12.08.02
16.00
12.08.02
20.50
12.08.02
23.00
13.08.02
Rauten-
07.00
kranz
Zwickau
er Mulde
-
125
140
200
225
250
190
11.08.02
11.00
12.08.02
07.15
12.08.02
10.15
12.08.02
15.25
12.08.02
17.15
13.08.02
07.00
14.08.02
Wolken-
12.00
burg
Zwickau
er Mulde
293
357
404
432
519
601
415
Zwickau-
Pölbitz
Zwickau
er Mulde
11.08.02
18.00
12.08.02
10.45
12.08.02
11.15
12.08.02
14.45
-
13.08.02
07.30
14.08.02
07.00

120
255
362
414
337
281
11.08.02
10.00
12.08.02
07.45
12.08.02
08.45
12.08.02
10.30
12.08.02
15.35
13.08.02
19.00
15.08.02
03.00
Aue 3
Zwickau
er Mulde
74
142
165
244
320
250
172
12.08.02
12.45
12.08.02
14.15
12.08.02
15.45
12.08.02
19.00
Mulda
Frei-
berger
Mulde
-
125
165
205
230
-
11.08.02
05.00
12.08.02
14.30
Ber-
thelsdorf
2
Frei-
berger
Mulde
27
180
-
12.08.02
15.15
14.08.02
10.15
16.08.02
Nossen
10.00
1
Frei-
berger
Mulde
-
263
-
248
160
11.08.02
18.00
12.08.02
15.45
12.08.02
18.30
12.08.02
21.30
Erlin
Frei-
berger
Mulde
131
326
400
460
-
11.08.02
11.00
12.08.02
15.30
12.08.02
21.00
13.08.02
07.00
14.08.02
17.00
15.08.02
Golzern
13.00
1
Verei-
nigte
Mulde
174
335
463
704
606
-
496
11.08.02
20.00
12.08.02
04.00
14.08.02
17.00
14.08.02
18.00
15.08.02
Bad
11.00
Düben
Verei-
nigte
Mulde
252
255
-
822
815
718
Während es bei den zuvor dargestellten Flüssen bereits in den frühen Morgen-
stunden des 12. August 2002 zu dramatischen Pegelerhöhungen kam, lässt sich für
das Gebiet der Mulde ein zeitlich leicht verzögertes Aufwachsen der Flut feststellen.
Insgesamt kam es hier in den Nachmittagsstunden des 12. August 2002 zu stark
steigenden Pegeln an der Freiberger und der Zwickauer Mulde, die in den folgenden
Tagen abflachten. An der Vereinigten Mulde kulminierte das Flutgeschehen am 13.
und am 14. August 2002.

b) Elbe
Elbe
Messwert
(in cm)
Datum
Uhrzeit
Usti
Schöna
Dresden
Torgau
14.15
200
134
126
128
01.08.02
Tageshöchststand
200
134
126
128
12.00
keine Angabe
169
128
131
05.08.02
Tageshöchststand keine Angabe
170
128
131
10.00
294
206
166
139
08.08.02
18.00
347
287
182
157
Tageshöchststand
347
287
182
157
10.00
452
381
289
181
09.08.02
18.00
533
464
344
233
Tageshöchststand
533
464
344
233
10.00
603
560
471
362
10.08.02
18.00
642
598
510
436
Tageshöchststand
642
598
510
436
10.00
607
608
561
538
11.08.02
18.00
577
587
553
571
Tageshöchststand
615
622
561
571
10.00
561
549
527
600
12.08.02
18.30
603
578
593
606
Tageshöchststand
620
602
629
613
10.00
675
660
688
660
13.08.02
18.00
711
691
717
704
Tageshöchststand
738
711
717
730
10.00
800
756
690
770
14.08.02
18.00
900
824
698
781
Tageshöchststand
980
906
719
782
10.00
1060
1016
790
773
15.08.02
18.00
1102
1084
835
780
Tageshöchststand
1132
1120
865
793
10.00
1179
1175
603
829
16.08.02
18.00
1183
1195
925
848
Tageshöchststand
1185
1202
934
864
10.00
1109
keine Angabe
939
914
17.08.02
18.00
1061
1120
931
936
Tageshöchststand
1162
1202
940
943
10.00
940
1000
876
943
18.08.02
18.00
882
930
826
928
Tageshöchststand
1004
1075
914
945
10.00
759
keine Angabe
742
886
19.08.02
18.00
704
740
704
867
Tageshöchststand
828
865
785
912

 
Die Daten zeigen, dass die Elbe zwischen dem 8. und dem 10. August 2002 auf
hohe Werte anstieg, der Pegelstand am 11. und 12. August 2002 bei leicht fallen-
dem Niveau stagnierte und vom 13. bis 16. August 2002 wieder dramatisch anstieg.
Grafisch stellt sich der Verlauf wie folgt dar:
Verlauf Wasserstand Elbe August 2002
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
01.08.2002
03.08.2002
05.08.2002
07.08.2002
09.08.2002
11.08.2002
13.08.2002
15.08.2002
17.08.2002
19.08.2002
Wasserstand in cm
Usti
Schöna
Dresden
Torgau
3. Talsperrendaten
Von den Talsperren, Wasserspeichern und Rückhaltebecken, die der Landestal-
sperrenverwaltung unterstehen, haben 40 eine vollständige oder teilweise Hochwas-
serrückhaltefunktion. Aus § 2 Absatz 2 HWNDV folgt, dass Inhalt, Zufluss und Ab-
gabe von Talsperren in den Hochwassernachrichtendienst eingebunden sind. Die für
die Hochwasserrückhaltung vorgesehenen Segmente werden im Hinblick auf ihre
variierende Ausnutzung überwacht, gemessen und an die jeweils übergeordnete Tal-
sperrenmeisterei weitergeleitet. Die fünf Talsperrenmeistereien (Zwickauer
Mulde/Weiße Elster, Freiberger Mulde/Zschopau, Untere Pleiße, Gottleuba/Weißeritz
und Spree) bündeln die Daten der Talsperren ihres Bezirks und geben sie an die
Landestalsperrenverwaltung in Pirna weiter. Die Landestalsperrenverwaltung sam-
melt die Daten und meldet den Hochwasserzentralen bei Eingehen von Hochwas-
serwarnungen bis 10.00 Uhr täglich Daten über Inhalte der Talsperren, dort gemes-
sene Niederschläge sowie 24 h-Mittelwerte der Zuflüsse mit Ausweisung der zur
Verfügung stehenden Hochwasserrückhalteräume. Zur Einschätzung des Zuflusses
und der Abgabe werden zusätzlich als Vergleichsdaten langjährige Mittelwerte ange-
geben.

Ab Erreichen der Hochwasseralarmstufe 3 an den Flussläufen einer Talsperren-
meisterei meldet die Landestalsperrenverwaltung den für die Erstellung der Hoch-
wasserberichte zuständigen Hochwasserzentralen die Talsperreninhalte, die Zu-
flüsse sowie die Abgaben der vom Hochwasser betroffenen Talsperren. Die Meldun-
gen erfolgen in einem zeitlichen Rhythmus 10.00, 15.00 und 21.00 Uhr. Nächtliche
Meldungen werden am nächsten Morgen bis 10.00 Uhr weitergegeben. Die Daten
werden grundsätzlich ohne wertende Ergänzung weitergeleitet.
An die Umweltbetriebsgesellschaft werden abgesehen von der Talsperre Schömbach
derzeit keine Zu- und Abflüsse aus den Talsperren gemeldet.
Neben den Meldungen an die Hochwasserzentralen sehen die Dienstvorschriften der
Landestalsperrenverwaltung zusätzlich Direktmeldungen an Rettungsleitstellen, Poli-
zei/Feuerwehr vor, wenn ein Ereignis eingetreten ist, bei dem durch extreme Verän-
derungen der abfließenden Wassermengen eine erhebliche Beeinträchtigung der
öffentlichen Sicherheit zu erwarten ist. Daneben sind nach den innerbetrieblichen
Dienstvorschriften auch die Unterlieger über relevante Wasserabgabeänderungen zu
informieren.
Im August 2002 wurde von der Landestalsperrenverwaltung an die Hochwasser-
zentralen wie folgt berichtet:
Datum
Uhrzeit
Empfänger und Inhalt der Information – Informationsweg
12.08.02
07.44
Aufnahme der Berichterstattung an die Hochwasserzentralen
durch Kontakt mit dem StUFA Chemnitz –TELEFON –
12.08.02
09.46
bis
09.50
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV mit Ausnahme der
Talsperren im Regierungsbezirk Leipzig – FAX – an:
LfUG
StUFA Chemnitz
StUFA Leipzig
StUFA Bautzen
12.08.02
11.30
bis
11.47
Kontakt mit LfUG Chemnitz: Beginnender Einstau der
gewöhnlichen Hochwasserrückhalteräume im
Regierungsbezirk Chemnitz – TELEFON –
12.08.02
12.03
bis
12.04
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der im Regierungsbezirk
Leipzig – FAX – an:
LfUG
StUFA Leipzig

12.08.02
16.19
bis
18.21
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV verdichtete
Meldungen, Stand 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr, teilweise mehrere
Sendeversuche und Meldungen – FAX – an:
LfUG
StUFA Chemnitz
StUFA Leipzig
12.08.02
16.46
Mitteilung an LfUG, dass Zentrale der LTV wegen
Hochwassers auch in der Nacht besetzt bleibt – TELEFON –
12.08.02
19.30
Stromausfall in der LTV, damit verbunden Telefaxausfall
12.08.02
20.55
bis
21.00
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldungen, Stand 20.00 Uhr – TELEFON – an:
LfUG (einschließlich Hochwasserrückhaltebecken und
Überlaufeinschätzung)
StUFA Chemnitz
12.08.02
23.15
Komplettausfall des Festnetzes der LTV, Weiterinformation
mittels eines Diensthandys und 2 Privathandys, wobei Akkus
mittels Autobatterie aufgeladen wurden
12.08.02
23.30
und
23.30
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldungen, Stand 23.00 Uhr – TELEFON – an:
LfUG (einschließlich Hochwasserrückhaltebecken) und
Überlaufeinschätzung
StUFA Chemnitz
13.08.02
nach
00.00
Absprache mit der Talsperrenmeisterei Untere Pleiße –
TELEFON - : Wegen der Technischen Probleme in der LTV
informiert die Talsperrenmeisterei das LfUG Leipzig direkt.
13.08.02
02.14
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV im
Regierungsbezirk Chemnitz, verdichtete Meldungen, Stand
01.30 Uhr – TELEFON – an:
StUFA Chemnitz
13.08.02
04.28
Information zum Überlauf der Talsperren Malter (Überlauf 150
m³/s) sowie Klingenberg (Überlauf 50 m³/s), zum demnächst

drohenden Überlauf der Talsperre Gottleuba und des
Rückhaltebeckens Liebstadt sowie zum Überlauf des
Rückhaltebeckens Friedrichswalde Ottendorf (20³/s) –
TELEFON – an:
LfUG
13.08.02
05.00
Besprechung der Situation im Bereich Bautzen – TELEFON –
Mit dem LfUG Bautzen
13.08.02
gegen
07.00
Umzug des Stabes der LTV vom Dienstort Pirna zum neuen
Einsatzort in Dresden – Staatsministerium für Umwelt und
Landwirtschaft –
13.08.02
07.30
Erster Lagebericht zu Stauanlagen der LTV – FAX – an:
LfUG
13.08.02
12.44
bis
12.45
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldung mit Stand 7.00 Uhr und 10.00 Uhr – FAX – u.a. an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen
13.08.02
16.58
bis
17.10
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldung mit Stand 14.00 Uhr – FAX – u.a. an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen
13.08.02
20.04
bis
20.19
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldung mit Stand 17.00 Uhr – FAX – u.a. an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen

13.8.02
23.09
bis
23.22
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldung mit Stand 20.00 Uhr – Fax – u.a. an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen
14.08.02
01.36
bis
01.38
Zustandsberichte über Füllstände, freie
Hochwasserrückhalteräume, Einstau, Zuflüsse,
Abgaben/Überläufe der Talsperren der LTV, verdichtete
Meldung mit Stand 23.00 Uhr – Fax – u.a. an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen
14.08.02
bis
16.08.02
-
Weitere Meldungen an vorgenannten Empfängerkreis
16.08.02
14.00
Schlussmeldung zur Talsperrenbewirtschaftung – FAX – u.a.
an:
LfUG
StUFA Leipzig
StUFA Chemnitz
StUFA Bautzen
Aus dem Ablauf (13. August 2002, 7.00 Uhr, Umzug des Stabes der Landestal-
sperrenverwaltung) ergibt sich , dass das Gebäude der Landestalsperrenverwaltung
in Pirna selbst Opfer des Erzgebirgshochwassers geworden ist. In der Nacht vom 12.
auf den 13. August fiel der Strom aus; ein Umzug nach Dresden wurde organisiert.
Trotz dieser Erschwernisse konnte die Berichterstattung auch in dieser Nacht impro-
visiert gegenüber den Hochwasserzentralen aufrechterhalten werden.
Neben der Berichterstattung gegenüber den Hochwasserzentralen liegen auch Be-
lege für die Einhaltung der innerdienstlich vorgeschriebenen unmittelbaren Informa-
tion der Talsperrenunterlieger vor. So war aufgrund entsprechender Informationen
die Stadt Pirna frühzeitig über den drohenden Überlauf der für sie relevanten Tal-
sperren und Rückhaltebecken gewarnt. Ob die vorgesehene unmittelbare Information
der Unterlieger flächendeckend erfolgte, konnte aufgrund der sich in der Nacht vom
12. auf den 13. August 2002 dramatisch zuspitzenden Situation sowie des Um-
standes, dass entsprechende Informationen telefonisch durchgegeben wurden, nicht
im einzelnen nachvollzogen werden.

 
III. Hochwasserberichte während der August-Flut
1. Landesamt für Umwelt und Geologie
Das für den Regierungsbezirk Dresden – ohne Ostsachsen – zuständige Landesamt
für Umwelt und Geologie gab vor und während der August-Flut die nachfolgend aus-
zugsweise zusammengestellten und im Anlageband zum Teil abgedruckten Hoch-
wassernachrichten heraus. Die Hochwassernachrichten wurden immer an denselben
Adressatenkreis gerichtet, insbesondere an das Staatsministerium für Umwelt und
Landwirtschaft, das Staatsministerium des Innern, die Regierungspräsidien Dresden
und Leipzig, die Landestalsperrenverwaltung, die Staatlichen Umweltfachämter Ra-
debeul und Leipzig u.a.:
Datum
Uhrzeit
Inhalt/Warnstufe
08.08.02
13.00
Elbestrom
Starke Niederschläge in Tschechien.
Rasche Erhöhung der Wasserführung; voraussichtl. kein
Überschreiten der Hochwassermeldegrenzen
09.08.02
10.00
Elbestrom
Ergiebige Niederschläge in Tschechien
Richtwert der Alarmstufe 2 in der Nacht und in den frühen
Morgenstunden zu erwarten
10.08.02
10.00
Elbestrom
Überschreiten des Richtwertes der Alarmstufe 3 in Schöna zu
erwarten, Überschreiten der
Alarmstufe 2 in Dresden
11.00
Elbestrom
Langsamfallende bis gleichbleibende Tendenz im Bereich der
Alarmstufe 3 am Pegel Schöna
11.08.02
18.00
Nebenflüsse der oberen Elbe – Warnung –
Sehr ergiebiger Niederschlag in der Nacht zum Montag beginnend
bis Dienstagnacht. Niederschlagsmengen von 40 bis 60 mm,
stellenweise bis 80 mm. Schneller Anstieg der Wasserführung in
kleinen Einzugsgebieten; die Richtwerte der Alarmstufen können
überschritten werden.
09.30
Nebenflüsse der oberen Elbe - Warnung –
Rasche Wasserstandsanstiege. In Zinnwald 68 mm in den letzten
24 Stunden, bis morgen früh zwischen 70 und 120 mm
Niederschlag. Flächendeckendes Überschreiten der
Hochwassermeldegrenzen; Erreichen der Richtwerte der
Alarmstufen 3 und 4 nicht auszuschließen.
Anlage: Entwicklung der Pegelstände von 6.00 Uhr bis 9.00 Uhr.
12.08.02
11.00
Elbestrom
Wasseranstieg an den Elbpegeln; am Pegel Schöna Alarmstufe 3
in den Nachtstunden, in Dresden morgen nicht ausgeschlossen.

15.00
Nebenflüsse der oberen Elbe - Warnung –
In den Vormittagsstunden Niederschlagsmengen zwischen 20 und
100 mm; Abschwächung nicht absehbar. Im oberen Einzugsgebiet
der Müglitz und Weißeritz Wasserstände der Alarmstufen 3 und 4.
Anlage: Pegelstände um 14.00 Uhr.
12.08.02
20.00
Nebenflüsse der oberen Elbe
Weitere ergiebige Niederschläge von 10 bis 15 mm pro Stunde.
Talsperre Malter vollständig angestaut.
Hochwasserrückhaltebecken der Gottleuba werden in ca. 4
Stunden überlaufen.
Anlage: Aktuelle Pegelstände.
02.00
Nebenflüsse der oberen Elbe
Weitere ergiebige Niederschläge bis in die Morgenstunden:
zwischen 20 und 30 mm, im Gebirgsstau bis 50 mm. Teilweiser
Ausfall der Pegelübertragungstechnik.
Anlage: Aktuelle Pegelstände.
04.00
Elbestrom
An den Elbepegeln Dresden und Torgau stieg die Wasserführung
schneller als erwartet. Richtwerte der Alarmstufe 3.
09.30
Nebenflüsse der oberen Elbe
In den letzten 48 Stunden Niederschläge zwischen 70 und 380
mm; heute weiter ergiebige Regenmengen.
Anlage: Aktuelle Pegelstände
11.00
Elbestrom
Extrem hoher Anstieg der Wasserführung der Moldau und Elbe in
Tschechien. Vorhersage der Alarmstufe 4 in Schöna und Dresden
für den 14. August 2002.
Einsatz des Vorhersagemodells nur begrenzt möglich.
15.00
Nebenflüsse der oberen Elbe
Weitere 15 bis 25 l/m
2
, örtlich 30 l/m
2
Regenmengen
Anlage: Aktuelle Pegelstände
13.08.02
16.00
Elbestrom
Steigende Wasserführung. Vorhersage Pegel Dresden für 14.
August 2002: 750 bis 775 cm.
Die vom Landesamt für Umwelt und Geologie mitgeteilten Pegelstände der Neben-
flüsse der oberen Elbe zeigen einen explosionsartigen Anstieg. Beispielsweise war
der Pegel Liebstadt/Seidewitz zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr um 400 % gestiegen.
Um 14.00 Uhr wies der Pegel gegenüber der Zeit von 6.00 Uhr einen Anstieg um ca.
1000 % aus. Die am 13. August 2002 um 2.00 Uhr mitgeteilten Pegel waren gegen-

über den Pegeln vom 12. August 2002, 9.30 Uhr, im Einzelfall um mehr als das
40fache erhöht.
Am 14. August fielen die Wasserstände in den Flüssen der oberen Elbe. Die Hoch-
wassernachrichten konzentrierten sich in der Folgezeit auf die Entwicklung des Was-
serstandes der Elbe. Die Prognosen ergeben folgendes Bild:
Datum
Uhrzeit
Prognose
Zeitraum
11.00
800 – 850 cm
für den 15. August 2002
7.00 Uhr
15.00
800 – 850 cm
für den 15. August 2002
770 – 790 cm
für den 15. August 2002
7.00 Uhr
14.08.02
23.00
800 cm
für den 15. August 2002
10.00 Uhr
07.00
770 – 790 cm
für den 15. August 2002
10.00 Uhr
11.00
810 – 830 cm
für den 15. August 2002
15.00 Uhr
820 – 830 cm
für den 15. August 2002
19.00 Uhr
840 – 850 cm
für den 16. August 2002
1.00 Uhr
14.30
860 – 870 cm
für den 16. August 2002
7.00 Uhr
840 – 850 cm
für den 15. August 2002
19.00 Uhr
850 – 860 cm
für den 16. August 2002
1.00 Uhr
18.30
860 – 870 cm
für den 16. August 2002
7.00 Uhr
860 – 870 cm
für den 16. August 2002
7.00 Uhr
15.08.02
23.00
ca. 885 cm
Höchstwasserstand für die zweite
Tageshälfte des 17. August 2002
870 – 880 cm
für den 16. August 2002
4.00 Uhr
01.30
975 – 890 cm
für den 16. August 2002
7.00 Uhr
895 – 905 cm
für den Vormittag des 16. August 2002
07.30
ca. 910–950 cm
Höchstwasserstand für den Morgen des
17. August 2002
11.00
930 – 910 cm
für den 17. August 2002
7.00 Uhr
16.08.02
23.00
930 – 910 cm
für den 17. August 2002
7.00 Uhr

 
07.00
940 – 945 cm
in der ersten Tageshälfte
900 – 880 cm
für den 17. August 2002
19.00 Uhr
11.00
870 – 855 cm
für den 18. August 2002
7.00 Uhr
930 – 910 cm
für den 17. August 2002
19.00 Uhr
17.08.02
17.00
895 – 875 cm
für den 18. August 2002
7.00 Uhr
845 – 835 cm
für den 18. August 2002
19.00 Uhr
18.08.02
11.00
795 – 785 cm
für den 19. August 2002
7.00 Uhr
Vergleicht man diese Prognosen mit den tatsächlich gemessenen Pegelständen,
sind zum Teil deutliche Abweichungen zu erkennen. Dieser Umstand wurde von
einer Vielzahl der Elbanliegergemeinden ausdrücklich beklagt.
2. Staatliches Umweltfachamt Chemnitz
Das Staatliche Umweltfachamt Chemnitz gab während der August-Flut für die Fluss-
gebiete der Mulden und der Oberen Weißen Elster u.a. an das Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft, das Staatsministerium des Innern, das Regierungspräsi-
dium Chemnitz, das Regierungspräsidium Leipzig und die Landestalsperrenverwal-
tung folgende Hochwassermeldungen heraus:
Datum
Uhrzeit
Inhalt/ Warnstufe
08.08.02
16.20
- Warnung -
Lokal gewittrige und ergiebige Niederschläge; mit kurzfristigem
Anstieg der Wasserstände ist zu rechnen; die
Hochwassermeldegrenzen können erreicht oder überschritten werden
12.08.02
07.15
- Warnung -
Flächendeckend ergiebige Niederschläge; zu den gestern gefallenen
mit Höhen bis zu 40 mm werden bis heute Mittag nochmals 20 bis 40
mm hinzukommen, die sich in den nächsten 24 Stunden auf 70 bis
120 mm summieren; mit starkem Ansteigen aller Fließgewässer ist zu
rechnen; Hochwassermeldegrenzen wurden an den Pegeln
Rautenkranz/ Zwickauer Mulde, Jahnsdorf/ Würschnitz, und Myglau/
Göltzsch erreicht; am Pegel Neukirchen/ Pleiße wurde Alarmstufe 3
überschritten; mit Erreichen der Alarmstufe 4 in allen Gebieten ist zu
rechnen, wobei die Wahrscheinlichkeit im Gebiet der Freiberger Mulde
oberhalb der Zschopaumündung am geringsten ist
Hochwasserrückhalteräume stehen vollständig zur Verfügung

12.00
Bisheriger Anstieg der Wasserstände wird sich fortsetzen; an Pegeln,
an denen bereits Alarmstufe 4 erreicht wurde, ist ein weiterer
Wasseranstieg um 1 – 2 m möglich; für Mittellauf der Zwickauer Mulde
ist Alarmstufe 4 in den Nachmittagsstunden zu erwarten; auch an der
oberen Weißen Elster, der Zschopau und der unteren Freiberger
Mulde muss mit Alarmstufe 4 gerechnet werden; für die Freiberger
Mulde ist mit Alarmstufe 3 zu rechnen; eine Scheitelausbildung im
Zusammenfluss Zwickauer und Freiberger Mulde ist frühestens am
Vormittag des 13.08. mit Alarmstufe 3 zu rechnen;
In den TS Eibenstock, Pöhl und Koberbach sind die
Hochwasserrückhalteräume bis 37 % eingestaut.
15.30
Bisheriger Anstieg der Wasserstände wird sich verlangsamen; an
Würschnitz, Zwönitz und obere Pleiße fallende Tendenz;
Schwarzwasser und Zwickauer Mulde weiter steigend; an Pegel
Wolkenburg und Wechselburg 1 ist in den Abendstunden mit
mindestens 0,5 m über Alarmstufe 4 zu rechnen; an Zschopau und
Flöha wird am Abend Alarmstufe 4 eintreten; für die Zschopau
unterhalb der Flöha ist mit 0,5 bis 1 m über Wasserstand der
Alarmstufe 4 zu rechnen; in Freiberger Mulde oberhalb der Zschopau
ist am Abend mit Alarmstufe 3 zu rechnen; am Pegel Golzern ist am
Morgen des 13.08. mit Wasserständen von 0,5 bis 1 m über
Alarmstufe 4 zu rechnen; für die obere Weiße Elster ist Alarmstufe 3
nicht auszuschließen;
Hochwasserrückhalteräume sind in TS Eibenstock mit 14 %, TS
Carlsfeld mit 28 %, TS Pöhl mit 6,5 % und TS Koberbach mit 65 %
eingestaut; in den übrigen Talsperren stehen sie vollständig zur
Verfügung
20.30
Anstieg der Wasserstände hat sich verlangsamt und verlangsamt sich
weiter; Würschnitz, Zwönitz und obere Pleiße, Schwarzwasser und
Zwickauer Mulde bis Pegel Zwickau-Pölbitz gleichbleibend, am Pegel
in Kürze Scheitel zu erwarten; Scheitel am Pegel Golzern gegen 10.00
Uhr mit 660 bis 680 cm zu erwarten; gegen 24 Uhr in Kriebstein
Scheitel mit 390 bis 410 cm und gegen 2.00 Uhr am Pegel Erlln mit
510 bis 530 cm zu erwarten
12.08.02
23.10
Aufgrund des Ausfalls mehrerer Pegel sind Vorhersagen nur noch mit
sehr großen Unsicherheiten möglich; Niederschlagsintensität wieder
verstärkt, weiterer Anstieg der Wasserführungen
13.08.02
01.00
Anstieg der Wasserführungen setzt sich langsam fort; bis 8.00 Uhr mit
bis zu 50 mm Niederschlag zu rechnen; erwartete Wasserstände für
Zwickauer Mulde: 2 bis 2,5 m über Alarmstufe 4, Chemnitz 1,5 bis 2m
über Alarmstufe 4, Freiberger Mulde oberhalb der Zschopau: 0,5 bis 1
m über Alarmstufe 4, Zschopau oberhalb der Flöha: 1,5 bis 2 m über
Alarmstufe 4, Flöha: 1,5 bis 2,5 m über Alarmstufe 4, Zschopau
unterhalb der Flöha: 2 bis 2,5 m über Alarmstufe 4, Freiberger Mulde:
2 bis 2,5 m über Alarmstufe 4, Obere Weiße Elster: Alarmstufe 4,
Obere Pleiße: 1 m über Alarmstufe 4
Anlage: Hochwasserrückhalteräume der Talsperren

06.45
Niederschlag ließ nach; Hochwasserscheitel haben sich
herausgebildet bzw. werden in Kürze erreicht sein; erwartete
Höchstwasserstände für Zwickauer Mulde: 5 m, Chemnitz: 1 m über
Alarmstufe 4, Freiberger Mulde oberhalb der Zschopau: keine
Angaben, Zschopau oberhalb der Flöha: 1,5 bis 2 m über Alarmstufe
4, Flöha: bis zu 1,5 m über Alarmstufe 4, Zschopau unterhalb der
Flöha: 2 bis 3 m über Alarmstufe 4, Freiberger Mulde: rund 2 m über
Alarmstufe 4, Obere Weiße Elster und Obere Pleiße: fallende
Tendenz, Hochwassermeldegrenzen können im Tagesverlauf
unterschritten werden
Anlage: Hochwasserrückhalteraum der Talsperren
12.00
Von 8.00 bis 15.00 Uhr im Stau der Mittelgebirge mit 15 bis 25 mm
Niederschlag zu rechnen; aufgrund der wenigen Informationen nur
ungenaue Angaben zu weiterem Hochwasserablauf möglich;
Zwickauer Mulde: am Pegel Zwickau-Pölbitz seit 6.30 Uhr
Hochwasserscheitel bei 4,75 m, ca. 11.30 Uhr am Pegel Wolkenburg
Scheitel von 6,30 m zu erwarten, Chemnitz: Höchstwasserstand war
7.00 Uhr mit 4 m erreicht, Freiberger Mulde oberhalb der Zschopau:
langsam fallend, Zschopau oberhalb der Flöha: Höchstwasserstand
war 7.00 mit 3 m erreicht, Flöha: am Pegel Borstendorf war
Hochwasserscheitel zwischen 7.00 und 8.30 Uhr mit 3,53 m erreicht,
Zschopau unterhalb Flöha: Scheitel am Pegel Lichtenwalde zwischen
8.00 und 10.00 Uhr bei 6,28 m erreicht, Freiberger Mulde unterhalb
Zschopau und Vereinigte Mulden: Höchstwasserstände mit 2 bis 2,50
m über Alarmstufe 4 zu erwarten, am Pegel Golzern 8,50 m zu
erwarten
17.00
Zwischen 15.00 und 24.00 Uhr im Stau der Mittelgebirge mit 15 bis 25
mm Niederschlag zu rechnen; Stagnation bzw. leichtes Absinken der
Wasserstände
Anlage: Hochwasserrückhalteräume der Talsperren
13.08.02
24.00
Fallende Tendenzen, jedoch langsamer Rückgang; mit Unterschreiten
der Alarmstufe 4 an den Unterläufen der Zwickauer Mulde, Zschopau,
Freiberger Mulde und Vereinigten Mulde nicht vor Abend des 14.08.
zu rechnen
Anlage: Hochwasserrückhalteräume der Talsperren
07.00
Niederschlag weitgehend aufgehört; fallende Tendenz der
Wasserstände setzt sich fort; langsamer Rückgang
14.08.02
Anlage: Hochwasserrückhalteräume der Talsperren
13.40
Fallende Tendenz setzt sich fort

 
3. Staatliches Umweltfachamt Leipzig
Das Staatliche Umweltfachamt Leipzig gab während der August-Flut für die
Vereinigte Mulde unterhalb Pegel Golzern bis zur Mündung in die Elbe und die
Weiße Elster unterhalb Gera-Langenberg bis zur Mündung in die Saale u.a. an das
Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, das Staatsministerium des Innern,
das Regierungspräsidium Leipzig sowie die Landestalsperrenverwaltung folgende
Hochwassermeldungen heraus:
Datum
Uhrzeit
Inhalt/Warnstufe
10.00
- Warnung –
Niederschläge bis in Höhe von 40 mm gefallen; aufgrund weiterer zu
erwartenden Niederschläge ist mit Überschreiten des Richtwertes der
Alarmstufe 1 zu rechnen
15.30
Bis 13. August 2002 7.00 Uhr sind 120 mm Niederschlag zu erwarten;
für die Unterläufe der Zwickauer und Freiberger Mulde ist in den
Abendstunden mit Erreichen der Alarmstufe 2 und einem weiteren
Ansteigen zu rechnen; mit dem Erreichen der Alarmstufe 1 für den
Pegel Kleindalzig/Weiße Elster ist in der Nacht bzw. frühen
Morgenstunden des 13.08. zu rechnen; am Pegel Böhlen-Pleiße 1 ist
in den
Abendstunden mit Erreichen der Alarmstufe 2 zu rechnen
Anlage: Wasserstände vom 12. August 2002,14.30 Uhr
19.00
Bis zum Abend 20 bis 40 l/m
2
prognostiziert; weiter steigende Ten-
denz der Wasserstände in den Oberläufen; am Pegel Gol-
zern/Vereinigte Mulde ist gegen 21.00 Uhr mit Alarmstufe 3 zu rech-
nen; am Pegel Kleindalzig/Weiße Elster Situation unverändert; am
Pegel Böhlen/Pleiße Alarmstufe 2 erreicht, mit Alarmstufe 3 kann in
den Nachtstunden gerechnet werden
Anlage: Wasserstände vom 12. August 2002,
18.30 Uhr
12.08.02
22.00
Mit Erreichen des Richtwertes der
Alarmstufe 4 ist gegen 2.00 Uhr am 13.08. am Pegel Golzern zu rech-
nen, gegen 10.00 Uhr am 13.08. am Pegel Bad Düben/Vereinigte
Mulde; Vorhersagen für Weiße Elster und Pleiße bleiben unverändert
Anlage: Wasserstände vom 12. August 2002,
21.30 Uhr
13.08.02
01.30
Im Vorhersagegebiet des StUFA Chemnitz weiterer Wasseranstieg
aufgrund wiedereinsetzender Niederschläge; an den Oberläufen des
gesamten Vorhersagegebietes ist die Datenfernübertragung ausge-
fallen; daher Vorhersage z.Z. nur eingeschränkt möglich
Anlage: Wasserstände vom 13. August 2002, 1.00 Uhr

06.30
Keine Änderungen zu bisherigen Vorhersagen; Richtwasserstand der
Alarmstufe 1 für den Pegel Kleindalzig/Weiße Elster wird für
9.00 Uhr erwartet
Anlage: Wasserstände vom 13. August 2002,
6.00 Uhr
11.30
Im Oberlauf der Weißen Elster und Pleiße Rückgang der Wasser-
stände bzw. -läufe; für Pegel Kleindalzig/Weiße Elster werden die
Höchstwasserstände in den Morgenstunden des 14.08. erwartet
Anlage: Wasserstände vom 13. August 2002,
11.00 Uhr
16.30
Für den Pegel Kleindalzig/Weiße Elster werden in den Nachtstunden
die Höchstwasserstände erwartet; der Scheitelwasserstand für den
Pegel Bad Düben/Vereinigte Mulde mit 760 cm – 780 cm für den frü-
hen Morgen des 14.08.2002 prognostiziert
Anlage: Wasserstände vom 13. August 2002,
16.00 Uhr
13.08.02
21.00
Für den Pegel Kleindalzig/Weiße Elster werden in den Nachtstunden
die Höchstwasserstände erwartet; am Pegel Golzern/Vereinigte Mulde
musste die Wasserstandsmessung ab 19.00 Uhr eingestellt werden;
Scheitelwasserstand am Pegel Bad Düben/Vereinigte Mulde wird für
die frühen Morgenstunden des 14.08.2002 mit ca. 850 cm prognosti-
ziert
Anlage: Wasserstände vom 13. August 2002,
20.00 Uhr
08.00
Niederschläge haben weitgehend aufgehört; nur am Pegel Klein-
dalzig/Weiße Elster noch langsames Ansteigen; die zuletzt prognosti-
zierten Höchstwasserstände werden um etwa 15 cm überschritten;
Höchstwasserstand am Pegel Golzern wurde in den Abendstunden er-
reicht und lag schätzungsweise 40 cm höher
Anlage: Wasserstände vom 14. August 2002,
8.00 Uhr
13.00
Höchstwasserstand für den Pegel Bad Düben wurde mit 852 cm ge-
gen 10.00 Uhr abgelesen; seitdem Rückgang zu verzeichnen; am Pe-
gel Kleindalzig gleichbleibende Wasserstände, sonst fallend
Anlage: Wasserstände vom 14. August 2002,
12.00 Uhr
14.08.02
31.00
Fallende Tendenz der Wasserstände setzt sich fort; der Wasseran-
stieg am Pegel Streitwald 1 beruht auf kontrollierter Abgabe aus der
Talsperre Schömbach
Anlage: Wasserstände vom 14. August 2002,
21.00 Uhr

 
4. Staatliches Umweltfachamt Bautzen
Das Staatliche Umweltfachamt Bautzen gab während der August-Flut folgende u.a.
an das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, das Staatsministerium des
Innern, das Regierungspräsidium Dresden und die Landestalsperrenverwaltung fol-
gende Hochwassermeldungen heraus:
Datum
Uhrzeit
Inhalt/Warnstufe
09.00
Flussgebiete Lausitzer Neiße, Spree und Schwarze Elster:
- Warnung –
Ergiebige Niederschläge zwischen 70 und 120 mm in den kommen-
den 24 Stunden; mit 50%iger Wahrscheinlichkeit mit 110 mm zu rech-
nen; flächendeckende Hochwassersituation wird erwartet; besonders
in kleinen Flussgebieten schneller Wasseranstieg; Erreichen und
Übersteigen auch der höheren Richtwerte der
Alarmstufen nicht auszuschließen
16.45
Flussgebiete Schwarze Elster - Große Röder:
Pegel Radeberg Alarmstufe 1, Tendenz steigend, Alarmstufe 2 in den
Abendstunden nicht auszuschließen; Pegel Großdittmannsdorf
Alarmstufe 2, Tendenz steigend, Alarmstufe 3 in den Abendstunden
nicht auszuschließen
12.08.02
21.15
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Niederschläge halten östlich der Elbe an; Wasser in allen ostsäch-
sischen Fließgewässern angestiegen; im Flussgebiet Schwarze Elster
wurden die Alarmstufen überschritten;
08.00
Flussgebiete Große Röder und Schwarze Elster:
Flussgebiet Schwarze Elster Wasserstände über den Richtwerten der
Alarmstufen;
13.08.02
10.30
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Im Tagesverlauf weiterhin ergiebige Niederschläge; Erhöhung der
Wasserstände in allen Fließgewässern; Hochwasserschutzräume der
Talsperren und Speicher stehen vollständig zur Verfügung;
14.00
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Weitere ergiebige Niederschläge von 10 bis 15 l/m², örtlich 20 l bis in
die Nachtstunden;
18.30
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Weiterhin ergiebige Niederschläge von 15 bis 25 l/m², örtlich bis zu 30
l; aufgrund hoher Bodensättigung werden Niederschläge sofort ab-
flusswirksam; daher steigende Wasserstände bis Alarmstufe 2, an
einzelnen Pegeln bis Stufe 3;

 
10.15
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Aktuelle Wasserstände
Vom 14.08.2002 9.45 Uhr; Aktuelle Abgaben aus den Speichern des
ostsächsischen Gebietes
14.08.02
14.15
Flussgebiete Schwarze Elster, Lausitzer Neiße und Spree:
Regentief wandert langsam ab;
IV. Bewertung
Die Datenbasis des Hochwassernachrichtendienstes ist schmal und schöpft die
bestehenden Möglichkeiten nicht aus. Die Meldewege sind verzweigt, so dass Zeit-
verzögerungen eintreten. Die Aussagekraft der Hochwasserberichte ist bei krisen-
hafter Zuspitzung der Hochwasserlage infolge fehlender Gesamtschau eher
schwach.
1. Erweiterung des Datenspektrums
Ursache für Hochwasserlagen sind stets außergewöhnliche Niederschläge. Die Nie-
derschlagsprognosen des Deutschen Wetterdienstes fließen in die Hochwasserbe-
richte ein, sie sind aber wegen der allgemeinen Prognoserisiken naturgemäß un-
sicher. Ob die Prognosesicherheit durch Heranziehung privater meteorologischer
Dienste erhöht werden könnte – einiges spricht dafür – ist nicht ausdrücklich Ge-
genstand dieser Untersuchung.
Selbst wenn man auch bei Ausschöpfung aller meteorologischen Möglichkeiten wei-
ter ein hohes Prognoserisiko unterstellt, so konkretisiert sich das Risiko zweifelsfrei in
den tatsächlich verzeichneten Niederschlägen. Sie sind ein Hochwasser-Frühindika-
tor. Die tatsächlichen Niederschläge können an einer ausreichenden Zahl geeigneter
Standorte gemessen und elektronisch dem Hochwassernachrichtendienst zur Verfü-
gung gestellt werden. Im Laufe relativ kurzer Zeit dürften sich zuverlässige Korrela-
tionen zwischen Niederschlagsmengen, Bodensättigung und Hochwasserentwick-
lung feststellen lassen. Diese Möglichkeit wird derzeit nicht ausreichend genutzt. Die
Dichte vorhandener Niederschlagsmesser mit stündlichem oder doch wenigstens er-
eignisabhängigem Meldeturnus im Freistaat Sachsen ist zu gering.
Ähnlich verhält es sich mit den Zuflüssen zu den Talsperren; auch sie haben bei
großflächigen Wetterlagen frühindikatorische Aussagekraft für die Entwicklung der
Hochwasserlage auch unterhalb der Talsperren. Ihre elektronische Übertragung ist
möglich. Die Daten werden derzeit aber für den Hochwassermeldedienst nicht effek-
tiv genutzt; in den Talsperren gemessene Zuflüsse werden überhaupt erst bei Errei-
chen einer Hochwasseralarmstufe gemeldet.
Gegenüber den Niederschlags- und Talsperrenzuflussdaten ist die Aussagekraft der
Flusspegel für die tatsächliche Hochwasserentwicklung von nur relativ kurzem zeit-
lichen Vorlauf. Hinzu kommt, dass das derzeitige Übermittlungssystem der Pegelda-
ten über die Umweltbetriebsgesellschaft nach deren eigener Einschätzung einer
Datenflut, wie sie während der August-Flut zu verzeichnen war, nicht gewachsen ist.
Da eine Vielzahl von Hochwassermeldepegeln ausfielen, weil sie der August-Flut

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nicht stand hielten, war auch die Direktabfragemöglichkeit von den mit Datenfern-
übertragungstechnik ausgestatteten Pegeln von nur eingeschränktem Wert.
2. Meldewege
Angesichts der Aufspaltung der Zuständigkeit im Hochwassernachrichtendienst auf
vier bewertende Dienststellen – Landesamt für Umwelt und Geologie in Dresden so-
wie die Staatlichen Umweltfachämter Bautzen, Chemnitz und Leipzig – sowie die
Beteiligung weiterer drei Stellen – Umweltbetriebsgesellschaft in Radebeul, Landes-
talsperrenverwaltung und Regierungspräsidien – entstehen verzweigte und zeitrau-
bende Meldewege, ehe eine Meldung bei der unteren Katastrophenschutzbehörde
schließlich eintrifft. Die Zuständigkeit stellt sich vereinfacht grafisch wie folgt dar:
LfUG
LK
Gem
Messwerte
LTV
RPDD
...
Gem
StUFA
Bautzen
KS
...
StUFA
Chemnitz
RPCH
...
Pegelstände/
...
Berichte
DWD
UBG
StUFA
Leipzig
RPL
...
UBG:
Umweltbetriebsgesellschaft in Radebeul
LTV:
Landestalsperrenverwaltung
LfUG:
Landesamt für Umwelt und Geologie
StUFA:
Staatliches Umweltfachamt
RP:
Regierungspräsidium (DD=Dresden, CH=Chemnitz,
L=Leipzig)
LK:
Landkreis
KS:
Kreisfreie Stadt
Gem:
Gemeinde bzw. Kreisangehörige Stadt
gestrichelte Linie: Direktinformation über Pegelstände
Die geringe Effizienz des Hochwassernachrichtendienstes lässt sich an einigen Mel-
dungen der August-Flut nachweisen. Die Beispiele machen die eingeschränkte Aus-
sagekraft der Warnungen deutlich und belegen entstandene Zeitverluste infolge der
verzweigten Übertragungswege:
a) Die Warnung des Landesamtes für Umwelt und Geologie für die Obere Elbe und
ihre Nebenflüsse vom 12. August 2002, 9.30 Uhr, - einem Zeitpunkt, zu dem die Erz-
gebirgsflut sich akut zuzuspitzen begann – gibt zum einen die Niederschlagsprog-
nose des Deutschen Wetterdienstes von 8.00 Uhr desselben Tages wieder, zum an-
deren die zwischen 6.00 Uhr und 9.00 Uhr um das Mehrfache gestiegenen Pegel-
daten. Die Aussage, dass das Erreichen der Richtwerte der Alarmstufen 3 und 4

nicht auszuschließen sei, erscheint angesichts dieser Situation als viel zu vage. Die
Meldung ging um 9.55 Uhr an das Regierungspräsidium Dresden und um 9.56 Uhr
an das Regierungspräsidium Leipzig. An die Landratsämter Meißen, Riesa-Großen-
hain, Sächsische Schweiz und Weißeritzkreis wurden sie zwischen 10.11 Uhr und
10.15 Uhr expediert. Der Zeitpunkt des Eingangs bei den betroffenen Gemeinden ist
für die Kommission nicht mehr nachzuvollziehen.
b) Die Warnung des Landesamtes für Umwelt und Geologie vom 12. August 2002,
15.00 Uhr, meldet im Einzugsgebiet der Müglitz und der Weißeritz Richtwerte der
Alarmstufen 3 und 4. Die um 14.00 Uhr bis zu 1000 % gestiegenen Pegelwerte
(Liebstadt-Seidewitz) werden ohne sachliche Wertung mitgeteilt. Die Warnung wird
an das Regierungspräsidium Dresden um 15.52 Uhr und an das Regierungspräsi-
dium Leipzig um 15.53 Uhr hinausgegeben. Im Weißeritzkreis war aber bereits um
13.45 Uhr Katastrophenalarm ausgelöst worden.
c) Um 15.30 Uhr des 12. August 2002 prognostizierte das Staatliche Umweltfachamt
Chemnitz für den Morgen des 13. August einen Wasserstand um bis zu einem Meter
über dem Richtwert der Alarmstufe 4 für den Pegel Golzern. Dieser Pegel liegt unter-
halb von Grimma an der Vereinigten Mulde. Das Staatliche Umweltfachamt Leipzig
gab hingegen am 12. August 2002 um 15.30 Uhr eine Meldung hinaus, in der für die
Abendstunden an den Unterläufen der Zwickauer und Freiberger Mulde die Alarm-
stufe 2 prognostiziert wurde. Diese Warnung wurde um 16.39 Uhr an das Regie-
rungspräsidium Leipzig hinausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Mittlere Erz-
gebirgskreis und der Landkreis Freiberg bereits Katastrophenalarm ausgelöst. Im
Weißeritzkreis und im Landkreis Sächsische Schweiz war die Situation nicht minder
dramatisch. Eine Gesamtschau der Situation im Einzugsgebiet der Mulde scheint
angesichts der zwischen mehreren Umweltfachämtern aufgeteilten Zuständigkeit
nicht stattgefunden zu haben.
d) Das Staatliche Umweltfachamt Chemnitz gab am 12. August 2002 bereits um 7.15
Uhr eine Warnung heraus, in der das Überschreiten von Richtwerten der Alarmstufe
3 mitgeteilt wurde und mit dem Erreichen der Richtwerte der Alarmstufe 4 zu rechnen
sei. Der Eingang der Warnung ist beim Regierungspräsidium Chemnitz um 7.17 Uhr
und beim Regierungspräsidium Leipzig um 7.19 Uhr registriert.
Vom Regierungspräsidium Chemnitz wurde die Warnung beginnend ab 7.28 Uhr an
folgende Empfänger weitergeleitet:
7.28 Uhr Stadtverwaltung Chemnitz
7.30 Uhr Rettungsleitstelle Annaberg
7.44 Uhr Rettungsleistelle Freiberg
7.47 Uhr Rettungsleitstelle Marienberg
7.49 Uhr Rettungsleitstelle Mittweida
7.54 Uhr Rettungsleitstelle Zwickau
7.50 Uhr Rettungszweckverband Vogtland
Deutlich später wurden die Landkreise Chemnitzer Land, Aue- Schwarzenberg und
Zwickauer Land informiert:
9.48 Uhr Chemnitzer Land
10.00 Uhr Landkreis Aue-Schwarzenberg
10.05 Uhr Landkreis Zwickauer Land

 
Hierzu kam es, weil die intern für die Weiterleitung der Information an diese Land-
kreise zuständige Rettungsleitstelle Zwickau aufgrund nicht mehr aufklärbarer Um-
stände die Warnung nicht weiterleitete und das Regierungspräsidium Chemnitz sich
schließlich gezwungen sah, die Landkreise unmittelbar zu informieren. Zu diesem
Zeitpunkt war die Warnung allerdings fast zwei Stunden alt.
Vom Regierungspräsidium Leipzig wurde die Warnung um 7.49 Uhr an die Ret-
tungsleitstelle Delitzsch und um 7.52 Uhr an die Rettungsleitstelle Grimma gefaxt.
Die Rettungsleitstelle Grimma hat die Meldung um 8.05 Uhr an die Landkreise
Delitzsch und Torgau-Oschatz zeitnah weitergeleitet. Von der Rettungsleitstelle
Delitzsch wurde die Warnung allerdings erst um 10.30 Uhr an den Muldentalkreis,
um 10.33 Uhr an den Landkreis Leipziger Land und um 10.39 Uhr an den Landkreis
Döbeln weitergeleitet. Zu diesem Zeitpunkt war die Warnung älter als zwei Stunden.
Für den Landkreis Döbeln ist belegt, dass die Meldung an die betroffenen Städte und
Gemeinden erst um 11.59 Uhr, mithin als die Warnung bereits über vier Stunden (!)
alt war, weitergeleitet wurde.
3. Vernetzung
Die in Anlage 2 der Hochwassermeldeordnung enthaltenen Benachrichtigungspläne
für Hochwasserberichte sehen eine wechselseitige Benachrichtigung der
Hochwasserzentralen über ihre Hochwasserberichte vor. Alle Staatlichen
Umweltfachämter übermitteln dem Landesamt für Umwelt und Geologie als
Landeshochwasserzentrale ihre Hochwasserberichte. Umgekehrt übermittelt etwa
das Landesamt für Umwelt und Geologie von ihm erstellte Hochwasserberichte an
die durch den Flusslauf nachbetroffenen regionalen Hochwasserzentralen. In
gleicher Weise informieren sich die regionalen Hochwasserzentralen untereinander.
Eine Gesamtbetrachtung der für die Entstehung und den weiteren Verlauf von
Hochwasserlagen maßgeblichen Faktoren aus einer Hand wird jedoch derzeit im
Freistaat Sachsen von keiner Stelle vorgenommen. Die wechselseitige
Benachrichtigung allein reicht nicht aus, wie ein Beispiel belegt, bei dem für die
Freiberger und die Zwickauer Mulde Hochwasser der Alarmstufe 2 prognostiziert
wurde, während zum gleichen Zeitpunkt für die Vereinigte Mulde vor deutlichem
Überschreiten der Pegelstände der Alarmstufe 4 gewarnt wurde. Die vorhandenen
Zuständigkeiten für die Erstellung von Hochwasserberichten sind weder
flusseinzugsbezogen, folgerichtig noch konsequent an den politischen Einheiten der
drei Regierungspräsidien orientiert.
Das weitgehend automatisierte Verfahren der Datenübertragung an verschiedene
Stellen verleitet dazu, dass die Weiterleitung zur bloßen Routine wird und
notwendige Schlussfolgerungen und Handlungen unterbleiben.

 
E. Rechtsgrundlagen und Organisation des Katastrophenschutzes
1. Bundesrecht
a) Grundgesetz
Als Teil des föderalen Aufbaus der Bundesrepublik sieht Artikel 35 Abs. 2 Satz 2
Grundgesetz vor, dass ein Land zur Hilfe bei einer Naturkatastrophe oder bei einem
besonders schweren Unglücksfall Polizeikräfte anderer Länder, Kräfte und Einrich-
tungen anderer Verwaltungen sowie des Bundesgrenzschutzes und der Streitkräfte
anfordern kann. Gefährdet die Naturkatastrophe oder der Unglücksfall das Gebiet
mehr als eines Landes, kann die Bundesregierung, soweit es zur wirksamen Be-
kämpfung erforderlich ist, Landesregierungen die Weisung erteilen, anderen Ländern
Polizeikräfte zur Verfügung zu stellen, sowie Einheiten des Bundesgrenzschutzes
und der Streitkräfte zur Unterstützung der Polizeikräfte einsetzen (Artikel 35 Abs. 3
Satz 1 GG).
b) Zivilschutzgesetz
Auf Bundesebene sind Fragen des Katastrophenschutzes im Zivilschutzgesetz vom
25. März 1997 geregelt. Aufgabe des Zivilschutzes ist es, die Bevölkerung, deren
lebenswichtige Einrichtungen und Kulturgüter durch nichtmilitärische Maßnahmen vor
Kriegseinwirkungen zu schützen. Zu diesem Zweck bezieht das Zivilschutzgesetz in
§ 11 Abs. 1 die nach Landesrecht am Katastrophenschutz mitwirkenden Einheiten
und Einrichtungen in den Zivilschutz ein (§ 1 Abs. 2 Nr. 5 ZSG).
c) Bundeswehr u.a.
Die Rechtsgrundlagen für den Einsatz der Bundeswehr, des Bundesgrenzschutzes
und des Technischen Hilfswerkes bei Katastrophen sind im Kapitel I. – Einsatzkräfte
– dargestellt. Hierauf wird Bezug genommen.
2. Landesrecht
a) Sächsische Verfassung
Die Verfassung des Freistaates Sachsen trifft in Artikel 113 Abs. 1 u.a. Regelungen
für den Fall, dass sich infolge einer Naturkatastrophe der Landtag nicht alsbald ver-
sammeln kann. Die Feststellung, dass ein Notstand im Sinne dieser Verfassungsbe-
stimmung besteht und die Rechte des Landtags vom Notparlament wahrzunehmen
sind, trifft der Präsident des Landtages. Ein Fall des verfassungsrechtlichen Notstan-
des war während der August-Flut zweifelsfrei nicht begründet, weil kein Grund dafür
bestand, dass der Landtag während der Flut von seinem Recht zur Gesetzgebung
oder seinem Budgetrecht hätte Gebrauch machen müssen.
b) Katastrophenschutzgesetz
Gesetzliche Kernmaterie des Katastrophenschutzes ist das Sächsische Katastro-
phenschutzgesetz vom 22. Januar 1993. Mit der Regelung hat der Freistaat von
einer originären Landeskompetenz zur Gesetzgebung Gebrauch gemacht.

 
aa) Aufgaben
Das Gesetz unterscheidet drei Aufgaben der Katastrophenschutzbehörden, und zwar
(1) Vorbereitung der Katastrophenbekämpfung
Die dafür erforderlichen Maßnahmen sind in § 2 SächsKatSG im Einzelnen
normiert. Es handelt sich insbesondere um die Untersuchung örtlicher Katastro-
phengefahren, die Bereitstellung und Erfassung ausgebildeter Kräfte und ge-
eigneter Mittel, die Erstellung von Katastrophenschutzplänen, die Sicherstellung
der Alarmierung und Leitung des Katastrophenschutzes in personeller und
sachlicher Hinsicht sowie die Durchführung von Katastrophenschutzübungen.
Organisatorisch sind eine administrative (Katastrophenschutzstab) und eine
technische Führungseinrichtung (technische Einsatzleitung) zu bilden; der tech-
nischen Einsatzleitung obliegt die Katastrophenbewältigung vor Ort. Der Frei-
staat beschafft für die Verpflichteten des Katastrophenschutzes nach Maßgabe
eines jährlich fortzuschreibenden Ausstattungsprogramms Fahrzeuge, Geräte
und Spezialausrüstung.
(2) Katastrophenbekämpfung
Die Aufgaben des Katastrophenschutzes sind in § 3 SächsKatSG auf den
Schutz gefährdeter Rechtsgüter, die Leitung der Einsatzkräfte, die Hilfskräfte-
anforderung, die Vermisstensuche und die Schadenserhebung konkretisiert.
(3) Beseitigung von Katastrophenschäden
Die in § 1 Abs. 1 SächsKatSG als Aufgabe genannte dringliche vorläufige Be-
seitigung von Katastrophenschäden ist im Gesetz allgemein und ohne nähere
Präzisierung angesprochen.
bb) Zuständigkeit
Nach § 4 SächsKatSG sind untere Katastrophenschutzbehörden die Landkreise und
Kreisfreien Städte, höhere Katastrophenschutzbehörden die Regierungspräsidien
und oberste Katastrophenschutzbehörde das Staatsministerium des Innern. Das
Verhältnis der Zuständigkeiten ist in § 5 Abs. 4 SächsKatSG als subsidiär definiert,
d.h. es steht in der Kompetenz der höheren und obersten Katastrophenschutzbe-
hörde, die Katastrophenbekämpfung selbst zu übernehmen. Als Kriterium nennt das
Gesetz – vom Spezialfall des Katastrophenschutzes in der Umgebung kerntech-
nischer Anlagen abgesehen (§ 5 Abs. 2 Nr. 1 SächsKatSG) – die Erstreckung von
Katastrophenschutzaufgaben über den Zuständigkeitsbereich der jeweils unteren
Katastrophenschutzbehörden hinaus. Nach dem Gesetz kommt es also nicht darauf
an, ob die Katastrophe zuständigkeitsüberschreitenden Charakter hat, sondern dar-
auf, ob die konkrete Katastrophenschutzaufgabe zentrales Handeln verlangt. Aus der
Formulierung des Gesetzes folgt, dass es keinen Automatismus zwischen gebiets-
überschreitender Katastrophensituation und zentraler Zuständigkeit gibt. Die in § 5
Abs. 4 SächsKatSG vorbehaltene Übernahme der Leitung der Katastrophe durch die
höhere oder die oberste Katastrophenschutzbehörde steht mithin ausdrücklich unter
einem allgemeinen Ermessensvorbehalt, für dessen Ausübung das Gesetz keine
Maßgaben gibt.

 
Die Übernahme der Leitung der Katastrophenbekämpfung durch die höhere und
oberste Katastrophenschutzbehörde entbindet die untere Katastrophenschutzbe-
hörde und die sonstigen Mitwirkungsverpflichteten nicht von ihren katastrophen-
schutzrechtlichen Pflichten. Die Übernahme der Leitung bedeutet allein, dass
wesentliche Maßnahmen und Entscheidungen zentral getroffen werden, die Verant-
wortung der nachgeordneten Katastrophenschutzbehörden im Übrigen aber unbe-
rührt bleibt.
cc) Mitwirkung und Helfer
Da im Katastrophenfall die personellen und sachlichen Mittel der Katastrophen-
schutzbehörden häufig nicht ausreichen, normieren §§ 9 bis 14 SächsKatSG die
Mitwirkungspflicht aller übrigen staatlichen Dienststellen, der Gemeinden, der – nicht
betroffenen - Landkreise, der sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen
des öffentlichen Rechts; ferner der privaten Hilfsorganisationen, der Krankenhäuser,
des Technischen Hilfswerks sowie der Angehörigen der Berufe des Gesundheitswe-
sens sowie der Helfer, die sich freiwillig zum ehrenamtlichen Dienst im Katastro-
phenschutz verpflichtet haben. §§ 22 bis 24 regeln die Heranziehung natürlicher und
juristischer Personen sowie die Inanspruchnahme von Sachen.
dd) Katastrophenalarm und Leitung
Rechtfertigen tatsächliche Umstände die Annahme, dass eine Katastrophe eintritt,
kann die Katastrophenschutzbehörde zur Vorbereitung der im Katastrophenfall not-
wendigen Maßnahmen Katastrophenvoralarm auslösen.
Liegt eine Katastrophe (§ 1 Abs. 2 SächsKatSG) vor, d.h. ist das Leben, die Ge-
sundheit, die Versorgung zahlreicher Menschen mit lebensnotwendigen Gütern und
Leistungen oder die Umwelt oder erhebliche Sachwerte in so außergewöhnlichem
Maße gefährdet oder geschädigt, dass Hilfe und Schutz wirksam nur geleistet wer-
den können, wenn die zuständigen Behörden und Dienststellen, Organisationen und
eingesetzten Kräfte unter der einheitlichen Leitung der Katastrophenschutzbehörde
zusammenwirken, bestimmt die Katastrophenschutzbehörde das Katastrophen-
schutzgebiet und löst Katastrophenalarm aus. Die Auslösung des Katastrophen-
voralarms oder des Katastrophenalarms eröffnet für die Katastrophenschutzbehörde
das Weisungsrecht gegenüber verpflichteten und privaten Hilfsorganisationen. Die
Aufgaben der Polizei bleiben unberührt, sie kann jedoch Weisungen der Katastro-
phenschutzbehörde erhalten.
ee) Kostentragung
Nach § 27 Abs. 2 SächsKatSG tragen die Landkreise und die Kreisfreien Städte die
in ihrem Gebiet durch die Katastrophenbekämpfung anfallenden Kosten grundsätz-
lich selbst, insbesondere die Leistungen zur Entschädigung Dritter, für die vertrag-
liche Heranziehung Dritter, für den überörtlichen Einsatz von Feuerwehren, den Ein-
satz angeforderter privater Hilfsorganisationen sowie für die Unterstützung durch an-
dere Länder und den Bund. Allerdings gewährt der Freistaat den Landkreisen und
Kreisfreien Städten Zuweisungen. Eine Regelung, dass Kosten erst im Falle der
Übernahme der Katastrophenbekämpfung durch die höhere oder oberste Katastro-
phenschutzbehörde von dieser zu tragen sind, besteht nicht.
c) Rechtsverordnung
Durch Rechtsverordnung sind Materien des Katastrophenschutzes nicht geregelt.
Einen mittelbaren Zusammenhang mit dem Katastrophenschutz hat allerdings die

 
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landesentwicklung
über den Hochwassernachrichtendienst im Freistaat Sachsen (HWNDV) vom
14. Oktober 1993 (vgl. Kapitel D I).
d) Verwaltungsvorschriften und Richtlinien
Detailfragen des Katastrophenschutzes sind in Verwaltungsvorschriften und Richt-
linien des Sächsischen Staatsministeriums des Innern geregelt. Von Bedeutung sind:
aa) Katastrophenschutzplanung
Die Verwaltungsvorschrift über Katastrophenschutzplanungen im Freistaat Sachsen
vom 30. April 1997 hat ihre Rechtsgrundlage in § 29 Satz 1 SächsKatSG und regelt
die Aufstellung von Katastrophenschutzplänen sowie von besonderen Alarm- und
Einsatzplänen durch die Landkreise und Kreisfreien Städte als untere Katastrophen-
schutzbehörden. Die Planung muss eine rasche Alarmierung und zweckmäßigen
Kräfteeinsatz im Bedarfsfall gewährleisten.
Der allgemeine Katastrophenschutzplan enthält alle wichtigen Informationen für die
Aufgabenerfüllung der unteren Katastrophenschutzbehörden. Besondere Alarm- und
Einsatzpläne können sich auf bestimmte Anlagen oder Katastrophenarten – so aus-
drücklich auch Hochwasserkatastrophen – beziehen. Sie ergänzen den allgemeinen
Katastrophenschutzplan und orientieren sich dabei an den Gegebenheiten der spe-
ziellen Katastrophenfälle. Die in den allgemeinen und besonderen Plänen enthalte-
nen Angaben müssen regelmäßig aktualisiert und zum 1. Oktober eines jeden Jahres
überprüft werden.
bb) Katastrophenschutzausbildung
Die Verwaltungsvorschrift über die Ausbildung in den landeseinheitlichen Katastro-
phenschutzeinheiten vom 1. November 1999 regelt die Ausbildungsorganisation von
Helfern, Truppführern, Gruppenführern und Zugführern. Die Verwaltungsvorschrift
unterscheidet zwischen organisationseigener, ergänzender zivilschutzbezogener und
landesrechtlicher Ausbildung. Eine besondere Ausbildung ist für die Mitwirkung von
Helfern, Trupp- und Gruppenführern sowie Zugführern im Katastrophenschutz vorge-
schrieben (§ 9 Abs. 2 Nr. 5 SächKatSG). In der Verwaltungsvorschrift sind die der
jeweiligen Funktion entsprechenden Ausbildungen nach Dauer und Umfang geregelt.
Die unteren Katastrophenschutzbehörden haben darauf hinzuwirken, dass sie von
den in den Katastrophenschutzeinheiten eingesetzten Personen absolviert werden.
cc) Katastrophenschutzeinheiten
Die Verwaltungsvorschriften über die Katastrophenschutz-Einheiten-Brandschutz, die
Katastrophenschutz-Gefahrgutzüge sowie über die Katastrophenschutz-Sanitäts-
züge, die Katastrophenschutz-Betreuungszüge und die Katastrophenschutz-Wasser-
rettungsgruppen im Freistaat Sachsen regeln die Aufstellung und Aufgaben der
Katastrophenschutzeinheiten. Eine ausdrückliche Aufgabe der Katastrophenschutz-
Wasserrettungsgruppe ist das Mitwirken beim Bekämpfen von Hochwasser.
In den jeweiligen Anlagen 1 wird die Verteilung der Einheiten auf die einzelnen Land-
kreise und Kreisfreien Städte, in den weiteren Anlagen deren Ausstattung festgelegt.
Die Alarmierung erfolgt nach der Alarmierungsrichtlinie vom 14. Juli 1994. Im Einsatz
unterstehen die Katastrophenschutzeinheiten grundsätzlich der Technischen
Einsatzleitung, wobei der Leiter der Katastrophenschutzbehörde auch ein anderes
Unterstellungsverhältnis bestimmen kann. Die Führer der Katastrophenschutzein-
heiten sind gegenüber allen Angehörigen ihrer Einheit weisungsbefugt. Die Siche-

 
rung der ständigen Einsatzbereitschaft obliegt dem jeweiligen Träger der Einheiten.
Für die Katastrophenschutzeinheiten-Brandschutz und die Katastrophenschutz-Ge-
fahrgutzüge sind dies die Landkreise und Kreisfreien Städte. Träger der übrigen Ein-
heiten – Sanitätszüge, Betreuungszüge und Wasserrettungsgruppen – sind die im
Katastrophenschutz mitwirkenden privaten Hilfsorganisationen (§ 10 SächsKatSG).
dd) Alarmierung
Nach der Richtlinie für die Alarmierung der Katastrophenschutzbehörden, der Feuer-
wehren, des Technisches Hilfswerkes, des Rettungsdienstes und der privaten Hilfs-
organisationen vom 14. Juli 1994 haben die Katastrophenschutzbehörden ihre Alar-
mierung durch einen allgemeinen Katastrophenschutzplan organisatorisch sicherzu-
stellen. Außerhalb der Dienstzeit muss eine entscheidungsbefugte Führungskraft
immer erreichbar sein.
Wird Alarm ausgelöst, benachrichtigt die Polizeidienststelle die Leitstelle, die Ortspo-
lizeibehörde und die untere Katastrophenschutzbehörde. Die zuerst benachrichtigten
Führungskräfte veranlassen nach Bedarf die weitere Alarmierung ihrer Behörde.
Erfährt die Leitstelle als erste von einem Schadensereignis, benachrichtigt sie die
Polizei und die untere Katastrophenschutzbehörde.
Da die Feuerwehren auch bei der Bekämpfung von Katastrophen und der Beseiti-
gung von Umweltgefahren technische Hilfe leisten (§ 7 Abs. 1 SächsBrandSchG),
sind sie bei derartigen Ereignissen unverzüglich zu alarmieren. Für die Alarmierung
der Feuerwehr ist die Leitstelle zuständig. Auch das Technische Hilfswerk hat die
Aufgabe, technische Hilfe bei der Bekämpfung von Katastrophen zu leisten (§ 1 Abs.
2 Satz 2 Nr. 3 THW-HelfRG). Es ist grundsätzlich neben den Feuerwehren zur tech-
nischen Hilfe zu alarmieren. Die für den Stationierungsort zuständige Leitstelle ist für
die Alarmierung zuständig. Die Leitstelle ist auch zuständig für die Alarmierung des
Rettungsdienstes. Im Rahmen des Luftrettungsdienstes veranlasst und lenkt die Leit-
stelle, die für den Standort des Luftfahrzeugs zuständig ist, die Einsätze. Für die drei
im Luftrettungsdienst eingesetzten Rettungshubschrauber nehmen die Leitstellen
Dresden, Leipzig und Zwickau diese Aufgabe wahr.
Die vom Freistaat Sachsen anerkannten privaten Hilfsorganisationen stehen mit
ihren von der unteren Katastrophenschutzbehörde als einsatzbereit anerkannten
Einheiten bei Katastrophen zur Verfügung. Sie sind bei Situationen, die das Auslösen
von Katastrophen(vor-)alarm erfordern, zu alarmieren. Die Leitstelle alarmiert die
diensthabenden Führungskräfte; für die weitere Alarmierung der Einheiten sind die
jeweiligen Organisationen selbst verantwortlich.
ee) Führung im Katastrophenschutz
Die Richtlinie über die Führung im Katastrophenschutz vom 27. Dezember 1999 re-
gelt Aufgaben, Organisation und Einsatzgrundsätze bei der Führung durch die Ka-
tastrophenschutzbehörden im Katastrophenfall.
(1) Organisation der Katastrophenschutzbehörde
Die Bekämpfung einer Katastrophe wird von den Katastrophenschutzbehörden ge-
leitet. Die unteren Katastrophenschutzbehörden – Landkreise und Kreisfreien Städte
(§ 4 Abs. 1 SächsKatSG) - bilden eine untere, mittlere und obere Führungsebene.
Obere Führungsebene ist der Katastrophenschutzstab, mittlere Führungsebene ist
die Technische Einsatzleitung und untere Führungsebene sind die Führer der Ein-

richtungen und der taktischen Einheiten. Im Unterschied hierzu bilden die höheren
und die oberste Katastrophenschutzbehörde grundsätzlich nur eine (obere)
Führungsebene – den Katastrophenschutzstab. Etwas anderes kann gelten, wenn
die höheren Katastrophenschutzbehörden ausnahmsweise sachlich zuständig sind
(§ 5 Abs. 2 SächsKatSG) oder die höheren oder die oberste Katastrophenschutzbe-
hörde die Leitung der Katastrophenbekämpfung selbst übernehmen (§ 5 Abs. 4
SächsKatSG).
Bei Auslösung von Katastrophen(vor-)alarm gilt der durch Katastrophenschutzpläne
ergänzte Geschäftsverteilungsplan und die Dienstordnung. Die Organisationsein-
heiten der Katastrophenschutzbehörde und der zur Mitwirkung Verpflichteten behal-
ten dabei ihre Aufgaben und Zuständigkeiten grundsätzlich bei. Die zur Mitwirkung
Verpflichteten handeln im Umfang ihrer Mitwirkung nach den Anordnungen der Ka-
tastrophenschutzbehörde.
Der Behördenleiter trägt die Gesamtverantwortung, trifft die zur Bekämpfung der
Katastrophe erforderlichen Entscheidungen, kontrolliert deren Durchführung und ist
zuständig für die Auslösung und Aufhebung des Katastrophen(vor-)alarms, die Be-
stimmung des Katastrophengebietes, die Bestellung des Technischen Einsatzleiters,
die Unterrichtung der nächst höheren und benachbarten Katastrophenschutzbe-
hörden, die Information der Öffentlichkeit und die Warnung der Bevölkerung. Weiter-
hin koordiniert er das Zusammenwirken aller Beteiligten und fordert Unterstützung
an.
Der Katastrophenschutzstab besteht aus einem Leiter, den Sachgebieten S 1 bis S 6
S1
Personal/allgemeiner Dienst
S2
Lage/Information
S3
Einsatz
S4
Logistik
S5
Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
S6
Information und Kommunikation
sowie Fachberatern und Verbindungsorganen. Bei Bedarf ist das Sachgebiet S 7
(Seelsorge/Notfallpsychologischer Dienst) einzurichten. Der Katastrophenschutzstab
ist zusammenhängend unterzubringen und so auszustatten, dass er unabhängig von
anderen Organisationseinheiten arbeiten kann. Der Leiter des Katastrophenschutz-
stabes erteilt Weisungen an die Sachgebiete, die ihm beratend zur Seite stehen,
koordiniert die Organisationseinheiten der Behörde, bereitet die Entscheidungen des
Behördenleiters vor und führt sie aus. Er ist dem Leiter der Katastrophenschutz-
behörde unterstellt.
Soweit erforderlich, ist in der Behörde eine Koordinierungsstelle für Hilfsangebote
aus der Bevölkerung und deren Verteilung einzurichten.
(2) Aufgaben der Sachgebiete
Sachgebiet 1 stellt den Personalbedarf der Katastrophenschutzbehörde sicher, ver-
anlasst die Alarmierung, stellt den allgemeinen Geschäftsbetrieb sicher und errichtet
bei Bedarf eine Auskunftsstelle. Sachgebiet 2 stellt die Entwicklung der Lage (Scha-
denslage, Reserven etc.) fest, sorgt für Lagekarten, stellt den Informationsfluss

innerhalb des Katastrophenschutzstabes und der Behörde sicher, führt das Einsatz-
tagebuch, sammelt alle Informationsträger, leitet Schadensmeldungen weiter, bear-
beitet das Meldewesen und stellt die Unterrichtung nachgeordneter und benachbar-
ter Behörden sicher. Sachgebiet 3 plant, veranlasst und kontrolliert die Katastro-
phenschutzmaßnahmen, bestimmt die Grenzen des Einsatzgebietes der Techni-
schen Einsatzleitung, ordnet Platzverweise, Sperrungen und Räumungen außerhalb
dieses Gebietes sowie Evakuierungen und die Bergung von Sachwerten an. Sach-
gebiet 4 übernimmt die Darstellung und Beurteilung der logistischen Lage sowie die
Versorgung der Beteiligten und Betroffenen mit Arbeitsmitteln und Verpflegung.
Wenn es erforderlich wird, die Beschaffung bestimmter Materialien (zum Beispiel
Sandsäcke) über die höhere Katastrophenschutzbehörde durchführen zu lassen,
richtet es Anforderungen an sie. Sachgebiet 5 unterstützt den Behördenleiter bei Auf-
rufen, Pressekonferenzen und Interviews überregionaler Medien, leitet die Presse-
stelle der Behörde, informiert Medien und Öffentlichkeit nach Weisung des Behör-
denleiters, koordiniert die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit aller beteiligten Behörden
und richtet bei Bedarf ein Bürgertelefon ein. Zu seinen Aufgaben gehören auch
Rundfunk- und Lautsprecherdurchsagen sowie Aufrufe zur Hilfeleistung an die
Bevölkerung. Sachgebiet 6 stellt das Informations- und Kommunikationssystem
innerhalb der Katastrophenschutzbehörde, vor Ort und mit allen anderen betroffenen
oder beteiligten Behörden, Dienststellen und Kräften sicher. Es richtet eine Nach-
richtensammelstelle ein, die zentral eingehende Informationen sammelt, registriert
und weiterleitet.
(3) Fachberater und Verbindungsorgane
Die im Katastrophenschutzstab mitwirkenden Fachberater beraten den Katastro-
phenschutzstab und die Technische Einsatzleitung nach ihrem jeweiligen Fachge-
biet, die Verbindungsorgane sorgen für den Informationsaustausch und die Abstim-
mung untereinander. Die Technische Einsatzleitung führt die eingesetzten Kräfte vor
Ort. Deren Leiter untersteht der Katastrophenschutzbehörde und wird von ihr geführt.
Wirkt das Technische Hilfswerk am Einsatz mit, ist es der Technischen Einsatzleitung
unterstellt.
(4) Führungsgrundsätze
Der Führungsvorgang im Katastrophenschutz umfasst die Lagefeststellung, die
Beurteilung der Lage, den Entschluss, die Erarbeitung des Einsatzplanes, die Anord-
nung und die Kontrolle. Ist eine Einsatzdauer der Führungskräfte von mehr als 24
Stunden zu erwarten, soll ein zwölfstündiger Schichtdienst eingerichtet werden.
(5) Katastrophenhilfe durch die Bundeswehr
Bei Naturkatastrophen kann die zuständige Katastrophenschutzbehörde Truppenteile
und Dienststellen der Bundeswehr anfordern. Über Art und Umfang des Einsatzes
entscheidet das jeweils regional zuständige Verteidigungsbezirkskommando oder
das Wehrbereichskommando, an die die Unterstützungsanforderungen zu richten
sind. In dringenden Fällen kann jeder Führer eines Truppenteils oder Leiter einer
militärischen Dienststelle die sofort erforderlichen Hilfsmaßnahmen anordnen. Bei
Naturkatastrophen und besonders schweren Unglücksfällen stehen der Bundeswehr
hoheitliche Befugnisse auch polizeilicher Art zu, soweit sie zur Durchführung der Hil-
feleistung erforderlich sind. Angehörige der Bundeswehr unterliegen nur solchen

 
Anordnungen der Katastrophenschutzbehörde, die der unmittelbaren Katastrophen-
bekämpfung dienen und für das Zusammenwirken unter einheitlicher Leitung uner-
lässlich sind. Im Übrigen bleiben sie ihrem militärischen Vorgesetzten auch beim
Katastropheneinsatz unterstellt. Ist eine Unterstützung durch die Bundeswehr
absehbar, fordert die Katastrophenschutzbehörde Verbindungsorgane der jeweiligen
Ebene an. Für die oberste Katastrophenschutzbehörde ist das Wehrbereichs-
kommando, für höhere und untere Katastrophenschutzbehörden das Verteidigungs-
bezirkskommando zuständig.
(6) Katastrophenhilfe durch den Bundesgrenzschutz
Auf Anforderung der Katastrophenschutzbehörde leistet auch der Bundesgrenz-
schutz Hilfe (Allgemeine Verwaltungsvorschrift des Bundesministeriums des Innern
über die Verwendung des Bundesgrenzschutzes bei einer Naturkatastrophe oder bei
einem besonders schweren Unglücksfall sowie zur Hilfe im Notfall vom 2. Mai 1974).
Es wird zwischen technischer und polizeilicher Katastrophenhilfe unterschieden. Die
technische umfasst die Bereitstellung von Personal, Fahrzeugen, Hubschraubern,
Notunterkünften, Einsatzküchen, Bekleidung, Verpflegung sowie von anderen
Gegenständen aus den Beständen des Bundesgrenzschutzes.
Im Rahmen der polizeilichen Katastrophenhilfe gewährt der Bundesgrenzschutz dem
Polizeivollzugsdienst des Freistaates Sachsen Unterstützung. Anforderungsberech-
tigt ist das Staatsministerium des Innern.
ff) Einsatz des Polizeivollzugsdienstes
Die Verwaltungsvorschrift für den Einsatz des Polizeivollzugsdienstes bei größeren
Schadensereignissen vom 1. Dezember 1999 trägt der besonderen Bedeutung von
Einsätzen der Polizei bei größeren Schadensereignissen Rechnung. Sie regelt den
Einsatz und die Zuständigkeit der Polizeibehörden, wenn die Voraussetzungen für
das Auslösen von Katastrophenalarm oder Katastrophenvoralarm vorliegen. Darüber
hinaus kommt sie auch bei Schadensfällen zur Anwendung, die unterhalb der
Schwelle einer Katastrophe liegen.
Der Polizeivollzugsdienst gehört zu den Mitwirkungsverpflichteten nach § 9 Abs. 1
Nr. 1 SächsKatSG, gehört den Einheiten und Einrichtungen des Katastrophen-
schutzes aber nicht an. Während der Dauer des Katastrophenalarms oder –vor-
alarms kann die Katastrophenschutzbehörde den Polizeidienststellen jedoch Wei-
sungen erteilen.
Die Verwaltungsvorschrift unterscheidet zwischen den Aufgaben des Polizeivollzugs-
dienstes bei größeren Schadensereignissen und bei solchen, die sich als Katastro-
phe im Sinne des Katastrophenschutzgesetzes darstellen. In letzterem Falle ist die
Katastrophenschutzbehörde unverzüglich zu unterrichten; auf sie geht sodann die
Verantwortung für weitere Entscheidungen und Maßnahmen über. Die Verpflichtung
des Polizeivollzugsdienstes, Fachdienste zur Bekämpfung der Katastrophe oder zur
Beseitigung von Katastrophenfolgen zu alarmieren sowie weitere vorläufige Maß-
nahmen zu treffen, bleibt hiervon unberührt. Der Polizeivollzugsdienst entsendet
Verbindungsbeamte in die Katastropheneinsatzleitung, um sie über die polizeiliche
Lage zu informieren, zu beraten und den Einsatz der Polizei mit dem der Katastro-
phenschutzkräfte zu koordinieren. Er kann Weisungen von der Katastrophenschutz-

 
behörde, dem Technischen Einsatzleiter und der Staatsanwaltschaft erhalten. Orga-
nisation, Gliederung und Führungsverhältnisse des Polizeivollzugsdienstes bleiben
jedoch auch anlässlich eines größeren Schadensereignisses unberührt.
gg) Mitwirkung privater Hilfsorganisationen
Die Verwaltungsvorschrift über die Mitwirkung privater Hilfsorganisationen im Ka-
tastrophenschutz vom 26. Juni 1995 regelt die Mitwirkung nach § 10 SächsKatSG.
Durch sie werden die Voraussetzungen von Eignung und Bedarf privater Hilfsorgani-
sationen bestimmt. Notwendig ist eine Bereitschaftserklärung, ein Anerkennungs-
verfahren sowie eine Entscheidung des Innenministeriums und der unteren Katastro-
phenschutzbehörden. Die privaten Hilfsorganisationen sind u.a. zur Ausbildung und
Kontrolle ihrer Angehörigen sowie zur Beteiligung an Katastrophenschutzübungen
verpflichtet. Die unteren Katastrophenschutzbehörden haben im Gegenzug hierfür
die beschaffte Ausstattung zu übergeben und deren Verwendung zu gestatten.
hh) Katastrophenschutzmeldewesen
Die ebenfalls aufgrund § 29 SächsKatSG erlassene Verwaltungsvorschrift über das
Meldewesen bei Katastrophen im Freistaat Sachsen vom 21. März 1995 regelt das
Verfahren der Abgabe, Übermittlung und Entgegennahme von Meldungen bei
Katastrophen. Sie gilt für die unteren und höheren Katastrophenschutzbehörden
nach Auslösen des Katastrophenalarms oder Katastrophenvoralarms. Meldepflichtig
sind danach die alarmauslösenden Katastrophenschutzbehörden sowie deren über-
geordnete Katastrophenschutzbehörde. Meldungsempfänger ist die jeweils überge-
ordnete Katastrophenschutzbehörde. Unabhängig davon sind alle Meldungen dem
Staatsministerium des Innern zuzuleiten. Daneben sind – soweit erforderlich - die
Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, andere Behörden und die Öffentlichkeit
zu informieren.
Die Verwaltungsvorschrift unterscheidet zwischen Sofortmeldungen, Lagemeldungen
und Abschlussmeldungen. Sofortmeldungen sind ereignisorientierte Einzelmel-
dungen. Sie enthalten Informationen über einzelne bedeutungsvolle Ereignisse, Ent-
schlüsse, Maßnahmen, Erkenntnisse oder Entwicklungen. Das vorgesehene Muster
ist im Anlagenband abgedruckt.
Lagemeldungen fassen die Ereignisse und Erkenntnisse eines Zeitraumes zu einer
bestimmten Stichzeit zusammen und sind zu einer bestimmten Meldezeit vorzulegen.
Das vorgesehene Muster ist im Anlagenband abgedruckt.
Abschlussmeldungen fassen das Gesamtgeschehen bewältigter Katastrophen zu-
sammen und werten die gewonnenen Erfahrungen aus. Sofortmeldungen sind tele-
fonisch unmittelbar nach Alarmauslösung zu erstatten. Lagemeldungen sind per
Telefax innerhalb festgelegter Fristen und Abschlussmeldungen spätestens einen
Monat nach Aufhebung des Alarms auf dem Dienstweg zu übersenden.
ii) Information und Kommunikation
Die Richtlinie über das Informations- und Kommunikationssystem für die Führung
des Katastrophenschutzes vom 12. April 1996 dient den Katastrophenschutzbehör-
den und ihren Führungseinrichtungen zur einheitlichen Leitung des Katastrophen-
schutzes.

 
Die Leitstellen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes sind keine Führungsein-
richtungen des Katastrophenschutzes, sie dienen nur der Alarmierung. Sie arbeiten
und kommunizieren jedoch mit dem Katastrophenschutzstab und der Technischen
Einsatzleitung. Der Katastrophenschutzstab kommuniziert mit allen Bereichen der
eigenen Behörde, mit übergeordneten, benachbarten und nachgeordneten Stellen,
mit dem Führungs- und Lagezentrum der zuständigen Polizeidienststelle, der Leit-
stelle, mit der Technischen Einsatzleitung, mit Betroffenen, mit unterstützenden
Organisationen und Unternehmen, den Medien und der Öffentlichkeit. Die Tech-
nische Einsatzleitung kommuniziert mit dem Katastrophenschutzstab, mit der Leit-
stelle, mit den Leitern der Einsatzabschnitte und mit den Führern der unterstellten
oder unterstützenden Kräfte. Diese wiederum kommunizieren mit ihren Teileinheiten
und der Technischen Einsatzleitung.
Die Richtlinie beschreibt ferner die Kommunikationsmittel für die einzelnen Füh-
rungsebenen - Fernsprechen, Telefax, Fernschreiben, Datenfernübertragung, Funk.
Innerhalb der Katastrophenschutzbehörde ist sicherzustellen, dass eine ausrei-
chende Anzahl eigener Anschlüsse an das Telefonnetz vorhanden ist, die Nutzung
von Funktelefonen und Funktelefaxgeräten ist organisatorisch vorzubereiten. Die
Katastrophenschutzbehörden haben Reserven an Funkgeräten zu bilden, um Aus-
fälle zu ersetzen.
jj) Gewährung von Zuschüssen und Bedarfszuweisungen
Die Verwaltungsvorschrift über das Verfahren für die Gewährung von Zuschüssen an
Landkreise und Kreisfreie Städte zu den Kosten für die Bekämpfung von Katastro-
phen vom 20. Dezember 2001 legt die bezuschussungsfähigen Kosten und die Ver-
teilung der Zuschüsse fest. Daneben regelt die Verwaltungsvorschrift des Säch-
sischen Staatsministeriums der Finanzen über das Antrags- und Bewilligungsverfah-
ren sowie die Verteilung und Verwendung der Mittel für Bedarfszuweisungen vom
27. Mai 1998 die Mittelzuweisungen zum Ausgleich außergewöhnlicher Belastungen,
zu denen auch Katastrophenfälle zählen.
kk) Katastrophenschutzzuwendungen
Die Verwaltungsvorschrift über die Gewährung von Zuwendungen für die Mitwirkung
im Katastrophenschutz vom 27. Mai 1998 regelt die Zuwendungen des Freistaates
Sachsen für die Unterbringung und Unterhaltung der für den Katastrophenschutz
beschafften Ausstattung und die Zuwendungen für die privaten Hilfsorganisationen
nach §§ 2 Abs. 3 und § 28 Abs. 2 Satz 1 SächsKatSG.
3. Verhältnis zu Brandschutz und Rettungswesen
Die gesetzlichen Vorschriften über den Katastrophenschutz werden durch Vorschrif-
ten des Brandschutzes und des Rettungsdienstes ergänzt.
a) Brandschutz
Zu den Aufgaben der Feuerwehren gehört neben der wirksamen Bekämpfung von
Bränden gemäß § 7 Abs. 1 SächsBrandSchG auch die Hilfeleistung bei Unglücks-
fällen und Notständen. Im übrigen leisten die Feuerwehren bei der Bekämpfung von
Katastrophen, im Rahmen des Rettungsdienstes und bei der Beseitigung von
Umweltgefahren technische Hilfe. Öffentliche Feuerwehren können in Form einer
Berufsfeuerwehr, Freiwilligen Feuerwehr und Pflichtfeuerwehr als Einrichtungen der
Gemeinden ohne eigene Rechtspersönlichkeit ausgestaltet sein (§ 8 Abs. 1

 
SächsBrand-SchG). Gemeinden mit mehr als 80 000 Einwohnern haben eine
Berufsfeuerwehr einzurichten (§ 9 Abs. 1 SächsBrandSchG).
Bei Brandgefahr oder unmittelbarer Gefahr für Menschenleben innerhalb der Ge-
meinde ist die Feuerwehr ohne besondere Aufforderung zur Hilfeleistung verpflichtet.
Bei sonstigen öffentlichen Notständen hat sie nach Aufforderung durch den Bürger-
meister oder die Rechtsaufsichtsbehörde Hilfe zu leisten (§ 13 Abs. 1
SächsBrandSchG). Ist ein überörtlicher Einsatz der Feuerwehren erforderlich, ist die
Hilfe durch den Bürgermeister der hilfebedürftigen Gemeinde beim Bürgermeister der
helfenden Gemeinde anzufordern.
b) Rettungsdienst
Das Sächsische Rettungsdienstgesetz vom 7. Januar 1993 regelt u.a. die Notfall-
rettung als öffentliche Aufgabe. Es gilt nicht für Notfallrettungen im Rahmen des Ka-
tastrophenschutzes (§ 1 Abs. 2 Nr. 1 SächsRettDG). Aufgabe des Rettungsdienstes
ist die Sicherstellung einer Versorgung der Bevölkerung mit Leistungen der Notfall-
rettung und des Krankentransports.
Die Träger des Rettungsdienstes – gemäß § 3 Abs. 1 SächsRettDG die Landkreise,
Kreisfreien Städte oder Rettungszweckverbände - errichten und unterhalten eine
Rettungsleitstelle, die mit der Leitstelle der Feuerwehr örtlich zusammenzufassen ist
(§ 9 Abs. 1 SächsRettDG). Sie muss ständig einsatzbereit und erreichbar sein. Be-
nachbarte Rettungsleitstellen sind zur gegenseitigen Unterstützung verpflichtet (§ 9
Abs. 4 SächsRettDG).
4. Organisation und Vorbereitung
a) Oberste Katastrophenschutzbehörde
Oberste Katastrophenschutzbehörde ist gemäß § 4 Abs. 1 Nr. 3 SächsKatSG das
Staatsministerium des Innern. Nach der Geschäftsverteilung des Staatsministeriums
des Innern (Stand: Juli 2002) ist die Zuständigkeit für den Katastrophenschutz in der
Abteilung für Ausländerwesen und besondere Verwaltungsangelegenheiten (Abtei-
lung 4) lokalisiert und dort im Referat Katastrophenschutz, Zivilverteidigung,
Wehrangelegenheiten, Feuerwehren (Referat 41) angesiedelt. Das Referat hat im
Bereich des Katastrophenschutzes eine ausgewiesene Personalstärke von 9 Mitar-
beitern. Bei den Mitarbeitern handelt es sich um Verwaltungsfachleute, die keine
spezielle Ausbildung im Katastrophenmanagement haben.
Eine Regelung über die Wahrnehmung von Bereitschaftsdienst ist seit Oktober 2001
vorhanden. Sie enthält eine namentliche Auflistung der Mitarbeiter der Referate 41
und 43 (Rettungsdienstwesen) mit Telefonnummern für die dienstliche und private
Erreichbarkeit. Die Alarmierung erfolgt über das Lagezentrum der Polizei.
In einer Handakte für den Bereitschaftsdienst "Katastrophenschutz" sind Handlungs-
anleitungen für den Katastrophenfall zusammengefasst. Neben einigen einschlä-
gigen Vorschriften (Meldeordnung, Katastrophenschutzgesetz u.a.) sind drei Sach-
verhalte konkret geregelt: Zum ersten die Kontaktaufnahme mit dem Deutschen
Wetterdienst bei Unwetterwarnungen, zum zweiten die Herstellung der Verbindung
zu den betroffenen Katastrophenschutzbehörden und dem Lagezentrum im Landes-
polizeipräsidium und zum dritten die Alarmierung und der Aufbau des Katastrophen-
schutzstabes im Staatsministerium des Innern.

Die Bildung eines Katastrophenschutzstabes im Staatsministerium des Innern ist
durch den Entwurf einer "Vorläufigen Dienstordnung für den Katastrophenschutzstab
des Staatsministeriums des Innern (Stabsdienstordnung)" vom 22. Oktober 2001
vorbereitet. Personell stützt sich die vorläufige Dienstordnung wiederum auf Mitar-
beiter der Referate 41 und 43. Fachberater und Verbindungsbeamte aus anderen
Bereichen sind nicht benannt.
Feste vorbereitete Räumlichkeiten für die Arbeit eines Katastrophenschutzstabes
sind im Staatsministerium des Innern nicht vorgesehen. Spezielles Kartenmaterial ist
nicht vorbereitet. Allerdings verfügt das Ministerium über Verzeichnisse der für den
Fall des Katastrophenschutzes zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel.
Übungen im Katastrophenschutzstab des Innenministeriums in Form von Stabs- oder
Vollübungen sind in der Vergangenheit nicht durchgeführt worden. Bei den obersten
Katastrophenschutzbehörden der Bundesrepublik herrscht ganz überwiegend die
Auffassung vor, dass die Katastrophenbekämpfung nicht auf die oberste Ebene
gezogen werden sollte, weil dort zu wenig Kenntnisse von der örtlichen Lage vor-
handen sind und die unteren Katastrophenschutzbehörden die Sachdienlichkeit not-
wendiger Maßnahmen besser zu beurteilen in der Lage sind.
Auf Anweisung des Staatsministeriums des Innern wurden in den vergangenen Jah-
ren folgende Katastrophenschutzübungen durchgeführt:
Jahr
Ort
Beteiligte
1998
Regierungspräsidium Dresden
"Wasser 98"
Pirna, Dippoldiswalde, Dresden
1999
Regierungspräsidium Leipzig
"Herbst 99"
Delitzsch, Leipziger Land, Leipzig,
Sachsen-Anhalt
2000
Regierungspräsidium Chemnitz
"Westsachsen 2000"
Aue-Schwarzenberg, Vogtland, Plauen,
Tschechien
2001
Regierungspräsidium Dresden
"Dreiländereck 2001"
Löbau-Zittau, Niederschlesischer
Oberlausitzkreis, Görlitz, Tschechien, Polen
2002
Regierungspräsidium Leipzig
Delitzsch, Döbeln, Muldental-
kreis (ausgefallen wegen Hochwasser)
Die Übungen wurden durch das zuständige Regierungspräsidium vorbereitet, betreut
und ausgewertet. Eigene Aufgaben des Katastrophenschutzes nahmen die höheren
und die oberste Katastrophenschutzbehörde in diesen Übungen nicht wahr.
Neben den Übungen der Landkreise führte das Staatsministerium des Innern in den
vergangenen Jahren regelmäßige Dienstbesprechungen mit den Regierungsprä-
sidien und den Landratsämtern durch, die seit Herbst 2001 protokolliert werden. Für
das Jahr 2002 sind 9 solcher Besprechungen dokumentiert.
Der Umstand, dass im Staatsministerium des Innern kein sachlich, personell und
organisatorisch ausgestattetes Lagezentrum für den Katastrophenfall vorgehalten
wurde, ist ein Mangel der Vorbereitung.

 
b) Höhere Katastrophenschutzbehörden
In den Regierungspräsidien Chemnitz, Dresden und Leipzig ist die Zuständigkeit für
den Katastrophenschutz mit der Zuständigkeit für den Zivilschutz, das Feuerwehr-
wesen, den Rettungsdienst und Wehrangelegenheiten jeweils in den Referaten 25
der Abteilungen Inneres, Soziales und Gesundheit angesiedelt. Die Personalstärke
der Referate liegt für den Katastrophenschutz neben dem Referatsleiter bei etwa
zwei Sachbearbeitern. Die Referatsleiter aller drei Regierungspräsidien haben Lehr-
gänge an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz
(AKNZ) des Bundes in Ahrweiler besucht. In der Regel haben auch weitere Mitar-
beiter solche Lehrgänge absolviert. Katastrophenstabs- oder –vollübungen der
Regierungspräsidien wurden in der Vergangenheit nicht durchgeführt.
Alle Regierungspräsidien verfügen über Dienstanweisungen für den Bereitschafts-
dienst und Dienstordnungen für Stäbe für besondere Aufgaben und Katastrophen-
schutzstäbe. Die Bereitschaftsdienstanweisung gewährleistet die ständige Erreich-
barkeit einer Führungskraft. Die Dienstordnung für Stäbe bietet die Grundlage für die
Bildung des Katastrophenschutzstabes.
Alle Regierungspräsidien unterhalten Stabsräume mit den gängigen Kommunika-
tionsmitteln (Telefon, Fax, e-mail). Ferner besteht die Möglichkeit des Einsatzes
eines Funksystems zur Kommunikation mit den Katastrophenschutzbehörden. In
Dresden ist der Stabsraum mit einem Notstromaggregat ausgerüstet.
Diese Vorbereitungen erscheinen durchweg sachgerecht und zweckdienlich. Die
Bereitschaftsdienstordnungen wurden in der August-Flut, wie auch sonst, freilich kei-
ner Bewährungsprobe ausgesetzt, weil die Katastrophe am 12. August 2002 wäh-
rend der regelmäßigen Dienstzeit aufwuchs. Allerdings lehrt die Erfahrung der
August-Flut, dass für den Fall großflächiger Katastrophen vorsorglich auch Stabs-
übungen auf der Ebene der höheren Katastrophenschutzbehörde durchgeführt wer-
den sollten. Nur so kann Meldewesen, schnelles Handeln, Anforderung und Koordi-
nierung von Kräften hinreichend geübt werden.
c) Untere Katastrophenschutzbehörden
Die Landkreise und Kreisfreien Städte sind gemäß § 4 Abs. 1 Nr. 1 SächsKatSG
untere Katastrophenschutzbehörden.
Die unteren Katastrophenschutzbehörden haben ihre rechtliche Verpflichtung zur
Aufstellung von Katastrophenschutzplänen durchweg erfüllt, auch hinsichtlich des
Aspektes Hochwasser. Sie haben den Katastrophenschutz als Sachgebiet im Ord-
nungsamt angesiedelt oder als eigenständiges Amt ausgestaltet. Die Personalaus-
stattung wird für eine effiziente Aufgabenwahrnehmung überwiegend als knapp
empfunden; sie war im Übrigen Gegenstand eines Rechnungshofsberichtes, in dem
die Personalausstattung als reduzierbar eingestuft wurde.
In den Landkreisen hat ein großer Teil der Mitarbeiter Lehrgänge der Akademie für
Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) des Bundes in Ahrweiler
oder der Landesfeuerwehrschule absolviert. Vereinzelt wird allerdings berichtet, dass
aus finanziellen Gründen sowie wegen Kapazitätsengpässen der Akademie für Kri-
senmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) der wegen Personalwechsel
erforderliche Lehrgangsturnus nicht eingehalten werden kann.

Die Landkreise halten in der Regel geeignete Räume vor, aus denen sie im Ka-
tastrophenfalle die notwendigen Einsätze führen können. Hervorzuheben ist die vor-
bildliche räumliche Ausstattung beispielsweise in den Landkreisen Döbeln und Mitt-
lerer Erzgebirgskreis.
Für die Kommunikation auf Kreisebene steht in der Regel das Funknetz der Feuer-
wehr zur Verfügung.
In Kreisen, in denen zwischenzeitlich Rettungszweckverbände gegründet worden
sind, wird die Technik der früheren eigenen Rettungsleitstellen weiter vorgehalten.
Ihre Nutzungsmöglichkeit hat sich während der August-Flut als außerordentlich vor-
teilhaft erwiesen.

 
F. Katastrophenbekämpfung – Erzgebirgshochwasser
Bei der Hochwassergefährdung Sachsens ist zwischen den Hochwasserlagen des
Erzgebirges und denen der Elbe zu unterscheiden. Beide Gefährdungssituationen
differieren in Entstehung und Verlauf erheblich. Einige Kreise – insbesondere die
Landkreise Sächsische Schweiz und Meißen sowie die Landeshauptstadt Dresden -
können von beiden Hochwassern betroffen sein; während der August-Flut kamen
flächendeckende Starkniederschläge auch in den tieferen Lagen des Landes hinzu.
Nachfolgend werden die Maßnahmen der Katastrophenbekämpfung beim
Erzgebirgshochwasser dargestellt. Es handelt sich im Wesentlichen um die Zeit vom
12. bis zum 14. August 2002; am 14. August 2002 verließ der Scheitel der Mulde
Sachsen zwischen Eilenburg und Bitterfeld. Die Darstellung gliedert nach den
wesentlichen Maßnahmen der Katastrophenbekämpfung: Aufnahme des
Katastrophenmanagements (Bildung der Katastrophenschutzstäbe) und Auslösung
von Katastrophenalarm sowie Anforderung und Einsatz überregionaler Unterstüt-
zungskräfte und besondere Krisenbekämpfungsmaßnahmen wie Evakuierungen,
Rettungen u.a. Innerhalb dieser Darstellung wird unterschieden zwischen den un-
teren, den höheren und der obersten Katastrophenschutzbehörde.
I. Landkreise und Kreisfreie Städte
Von dem Erzgebirgshochwasser waren in unterschiedlicher Intensität insbesondere
betroffen die Landkreise Aue-Schwarzenberg, Annaberg, Mittlerer Erzgebirgskreis,
Freiberg, Weißeritzkreis, Sächsische Schweiz, Zwickauer Land, Stollberg, Mittweida,
Döbeln, Meißen, Muldentalkreis und Delitzsch sowie die Kreisfreien Städte Zwickau
und Chemnitz sowie die Landeshauptstadt Dresden.
1. Aufnahme des Krisenmanagements
Die Hochwassersituation am 12. August 2002 entwickelte sich im Erzgebirge und im
Einzugsbereich der Mulde explosionsartig schnell. Während der 11. August 2002
noch weitgehend niederschlagsfrei war, hatten die während der Nacht vom Vogtland
bis zum Osterzgebirge sowie im Tiefland verzeichneten Extremniederschläge bereits
in den Vormittagsstunden in vielen Kreisen eine bedrohliche Situation heraufbe-
schworen.
a) Erzgebirgskreise
Die Landkreise mit Kammlagen im Erzgebirge reagierten durch folgende (auszugs-
weise wiedergegebenen) Maßnahmen auf die eingetretene Lage:
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
Aue-
Schwarzenberg
08.15
Lageübersicht "Wetter und Einsätze" für Landrat
10.00
Lageberatung bei Landrat
11.00
1. Lagebesprechung mit Polizei, Verkehrs- und Umweltamt
12.36
Krisensitzung im Pumpspeicherwerk
14.00 Uhr

13.07
Einsatzbereitschaft TEL herstellen
14.28
Leitstelle Zwickau: Dammbruch in Tschechien, 2 m hohe
Flutwelle Schwarzwasser zu erwarten
15.30
Lagebericht an Regierungspräsidium
15.45
Evakuierung des Asylantenheims Antonthal
15.45
Katastrophenvoralarm ausgelöst – Wasserstand
Alarmstufe 4
16.36
Evakuierung der Rettungswache SZB abgeschlossen
17.30
30.000 Sandsäcke eingetroffen
17.45
1. Bootseinsatz beendet
18.00
SV Schneeberg nicht mehr besetzt – alles über Feuerwache
18.40
550 Personen im Einsatz
18.55
Pegelwarnung nicht mehr gewährleistet
20.47
B 169 aus Richtung Lößnitz gesperrt
21.55
Überlauf TS Eibenstock ca. 4.00 Uhr
22.15
Einsatzalarm Wasserwacht
21.19
Evakuierung, SZB Grünhainer Str. 21
23.00
Katastrophenalarm für Aue, Bereich Zwickauer Mulde
Die Anhörung im Landkreis ergab, dass der Katastrophenschutzstab am 12. August
2002 um 11.00 Uhr einsatzbereit war. Nach der Erstellung eines Lagebildes wurden
zwischen 12.00 Uhr und 13.00 Uhr Kontakte zur Bundeswehr und zur Landestal-
sperrenverwaltung hergestellt. Die Alarmierung der Einsatzkräfte funktionierte trotz
der räumlichen Trennung von Rettungsleitstelle und Katastrophenschutzstab. Zwi-
schen Katastrophenschutzstab und Technischer Einsatzleitung bestand ständiger
Kontakt. Das Computerprogramm DISMA spielte bei der Katastrophenbekämpfung
keine Rolle. Die relativ späte und auf Teile von Aue beschränkte Auslösung von Ka-
tastrophenalarm beruht auf der unterschiedlichen Hochwassersituation im Landkreis,
die wiederum topographische Ursachen hat.
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahme
12.20
Auslösung Katastropheschutzvoralarm
12.24
Alarmierung Betreuungszug und Sanitätszug von
Rettungsleitstelle
13.10
Abholungsbefugnisse zum Abholen von Sandsäcken
13.20
Agrargenossenschaften werden durch
Rettungsleitstelle informiert (Evakuierung Tiere)
13.25
Betreuungszug und Sanitätszuge in Bärenstein, THW
in Ehrenfriedersdorf einsatzbereit
13.30
Tiere, die in Gefahr sind, sofort entfernen
13.38
Anfrage Kat-Stab bei Rettungsleitstelle, ob
Evakuierungsmaßnahmen notwendig sind (70
Häuser Crottendorf, 40 Häuser Walthersdorf)
13.38
Vermerk: Evakuierungen nicht erforderlich, Personen
nicht in Gefahr
13.50
Kat-Stab gibt Mitteilung an RP Chemnitz, dass im
LK
Annaberg Voralarm
ausgelöst wurde
Annaberg
13.50
Wiesa: alle Anwohner werden darauf hingewiesen,
Keller zu räumen

13.57
Sofortmeldung per Fax an RP Chemnitz abgesetzt
14.12
THW kommt zum Einsatz: Rettung von 5 Schafen in
Geyer
14.22
Information an LK MEK, dass Voralarm ausgelöst
wurde
14.25
Information an LK Aue-Schwarzenberg, dass
Voralarm ausgelöst wurde
16.30
Betreuungszug und Sanitätszug der Johanniter in
halber Stärke einsatzbereit
16.40
Vermerk: Betreuungszug Johanniter wartet seit 4,5
Stunden auf Einsatzbefehl
17.00
Mitarbeiter der Flussmeisterei bei Landrat
17.10
Katastrophenalarm ausgelöst
Katastrophenvoralarm wurde ausgelöst, als man im Landkreis bemerkte, dass die
Flüsse überdimensional steigen. Eine Vorwarnung habe es bis zum Ausrufen des
Katastrophenalarms um 17.10 Uhr nicht gegeben. Das Landratsamt entschied sich,
die Rettungsleitstelle, die eigentlich aus einem Mitarbeiter der Feuerwehr und einem
Mitarbeiter des Rettungsdienstes besteht, um einen Mitarbeiter des Katastrophen-
dienstes aufzustocken.
Neben den eingehenden Hochwasserwarnungen wurde durch drei Gespräche mit
der Landestalsperrenverwaltung die Bobachtung großer Flüsse sichergestellt. Da
man zu diesem Zeitpunkt nicht wissen konnte, wie hoch die Pegel steigen würden,
habe man sich regelmäßig – aufgrund des unzureichendenden Inhaltes der Hoch-
wassermeldungen – ein eigenes Lagebild verschafft. Nachbarlandkreise wurden in-
formiert, bilaterale Abstimmungen gab es insbesondere mit dem Mittleren Erzge-
birgskreis.
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
08.12
Besetzung des Kernstabes
08.35
Auftrag zur Bildung einer TEL in Olbernhau
10.20
Auftrag an DRK zur Beräumung Olbernhau
10.28
Abholung Verbindungsoffizier der Bundeswehr
10.30
Alarmierung Stab
11.08
Katastrophenvoralarm
12.00
Lageinformation:
40 Freiwillige Feuerwehren im Einsatz, Schwerpunkt
Kreiskrankenhaus Olbernhau, kein Hubschrauber
vorhanden
12.05
Katastrophenalarm
ausgelöst für 6 Orte (Flöhatal)
12.05
Evakuierung Kreiskrankenhaus Olbernhau
Sperrung zahlreicher Straßen (u.a. B 171 in
Olbernhau)
Mittlerer
Erzgebirgskreis
18.10
Erste Lagemeldung an RP

20.27
Pegel in Potershau und Pockau steigend (stärker als
zuvor)
22.00
Lagebesprechung
Lage spitzt sich zu, kräftemäßig fast erschöpft, 6
Personen vermisst
22.00
unbeschränkter Katastrophenalarm für den
Landkreis
Die Entwicklung der Lage wird dahingehend geschildert, dass nach heftigen Über-
schwemmungen insbesondere in den Ortslagen von Seiffen und Olbernhau am
Nachmittag eine gewisse Entspannung der Situation zu verzeichnen war, ehe die
Hochwasserlage am Abend wieder stark anschwoll. Als außerordentlich vorteilhaft
habe sich die Nähe der Bundeswehr in Marienberg erwiesen. Mit ihrem schweren
Gerät konnten schon in der Anfangsphase notwendige Evakuierungen und Rettun-
gen durchgeführt werden. Dasselbe gelte für den Kontakt zum Verteidigungsbezirks-
kommando Chemnitz.
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
08.22
Erster Feuerwehreinsatz aufgrund von
Wasserschäden, fortlaufend weitere Feuerwehren
09.38
Rücksprache mit THW-Ortsverband Freiberg:
Vorbereitungen zur Unterstützung der
Ortsfeuerwehren treffen
10.23
THW-Ortsverband Freiberg wird alarmiert
11.21
Absprache mit PD Freiberg: Verkehrsfunkdurchsage
mit Aufforderung, nicht notwendige Fahrten im
Landkreis zu unterlassen
12.05
Rücksprache mit der Bundeswehr:
Unterstützungseinsatz im LK Freiberg könnte
bevorstehen
12.06
Einberufung Stab für Außergewöhnliche Ereignisse
14.00
Lagebesprechung Stab mit Landrat, Entscheidung
über sofortige Einberufung des
Katastrophenschutzstabes, Stabsarbeit wird
aufgenommen
ab
14.00
Rundruf an die Gemeinden: Selbstständige
Sperrungen betroffener Straßen veranlassen
Freiberg
15.35
Katastrophenalarm
Am 12. August 2002 ging kurz nach 7.00 Uhr die Meldung ein, dass die Hochwasser-
Alarmstufe 1 erreicht ist. Diese Meldung leitete das Landratsamt an die Gemeinden
weiter. Schon am Vormittag nahm das Landratsamt Verbindung mit der Bundeswehr
und dem Technischen Hilfswerk auf. Ein Verbindungsoffizier der Bundeswehr war
bereits bei der Stabsbesprechung um 14.00 Uhr zugegen. Weiterhin wurde die Lage
in allen Gemeinden des Landkreises telefonisch abgefragt und schließlich um 15.35
Uhr Katastrophenalarm ausgelöst.
Als Komplikation bezeichnete das Landratsamt die Situation in Flöha. Am 12. August
sei aus Flöha keine Hilfe angefordert worden, wobei eine flächendeckende Gefähr-
dung zunächst auch nicht bestanden hätte. Als jedoch am 13. August 2002 die Be-

helfsbrücke kippte und das Wasser dramatisch anstieg, erhielt das Landratsamt um
11.15 Uhr die Anforderung, Teile der Stadt innerhalb kürzester Zeit mit Hubschrau-
bern zu evakuieren. Nach Auffassung des Landratsamts Freiberg hätte sich die Si-
tuation in Flöha ohne das Kippen der Behelfsbrücke nicht so extrem zugespitzt.
Die Stadt Flöha hatte bereits am 12. August 2002 um 12.30 Uhr beobachtet, dass die
Brücke zu flattern begann; auf Anweisung des Oberbürgermeisters wurde die Brücke
um 13.30 Uhr gesperrt. Da ein Teil der Stadt nur über die Brücke zu erreichen ist,
musste ein Teil der Einsatz-Technik auf die andere Seite der Flöha gebracht werden.
Am Nachmittag des 12. August 2002 habe die Stadtverwaltung Kräfte über den
Landkreis angefordert. Das Technische Hilfswerk sei kurz vor Ort gewesen, jedoch
aus ungeklärten Gründen wieder abgefahren. Nicht verfügbar gewesen seien am 12.
August 2002 auch angeforderte Kräfte der Feuerwehr.
Ein Teil der Stadt Flöha war nach Sperrung der Brücke nur noch über die Autobahn
zu erreichen, was ca. 35 km Fahrtweg bedeutete. Die Bundeswehr wurde von der
Stadtverwaltung direkt aus Frankenberg angefordert. Dort verwies man sie nach
Chemnitz, weil in Frankenberg keine Kräfte mehr zur Verfügung standen. Gleichzeitig
lief eine Anforderung über den Landkreis. Die Stadt benötigte außerdem Fahrzeuge
mit hoher Wattiefe, die sie ebenfalls beim Landkreis anforderte.
Die Stadt räumt ein, man habe dem Landratsamt Freiberg zunächst zu verstehen
gegeben, die Situation im Griff zu haben. Die Situation änderte sich jedoch, als sich
die Behelfsbrücke am 13. August 2002 um 10.30 Uhr vor die alte Brücke legte und
die Fluten rechts und links in die Stadt schossen. Die Brückenauffahrten wurden
weggespült, sodass sich Flutrinnen bildeten. Die Stadt stand daraufhin 2,70 m unter
Wasser. Ein Befahren mit Booten war nicht möglich, da die Strömung zu stark war.
Daher waren Luftrettungen unter Einsatz von sieben Hubschraubern notwendig. Ca.
30 Feuerwehrleute mussten aus den Fluten gerettet werden. Nach Einschätzung der
Stadt Flöha hätte die Wasserhöhe auch ohne den Bruch der Behelfsbrücke 2,70 m
betragen, jedoch wäre die Strömung nicht so stark gewesen.
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
11.48
Einberufung des Kernstabes
12.45
Verlegung des Stabes mit allen Materialien in das
DRK-Gebäude
13.30
Glashütte meldet Instabilität des Dammes am
Trockenspeicher der Brießnitz, droht zu brechen
13.40
Wehrleiter Schlottwitz: Gefahr, dass durch die Müglitz
Brücken weggespült werden
Weißeritzkreis
13.45
Katastrophenalarm
Der Weißeritzkreis wurde seiner Lage entsprechend nur vom Erzgebirgshochwasser
betroffen, wobei sich die Wilde Weißeritz, die Rote Weißeritz, die vereinigte Weiße-
ritz, die Müglitz und die Brießnitz zu reisenden Strömen entwickelten. Ca 80 % der
Gemeinden waren vom Hochwasser geschädigt.
Bereits am 12. August 2002 um 12.45 Uhr musste der Stab in Dippoldiswalde mit
allen Materialien in ein hochwassersicheres Gebäude umziehen, was zu gewissen

Verzögerungen bei der Aufnahme des Krisenmanagements führte, weil zunächst die
Ausstattung des Stabsraumes hergestellt werden musste. In der Anfangsphase ver-
fügte der Stab daher weder über Computer noch über Faxgeräte. Auch Telefone wa-
ren nicht in ausreichender Zahl vorhanden.
Grund für die Einberufung des Stabes war nicht die Unwette rwarnung des Deutschen
Wetterdienstes vom 11. August 2002, sondern der unmittelbare Eindruck vor Ort. Be-
reits am 12. August 2002 gegen 11.41 Uhr waren die Weißeritzbrücken teilweise
nicht mehr passierbar. Zum Zeitpunkt des Auslösens von Katastrophenalarm waren
bereits sämtliche Hilfskräfte des Landkreises im Einsatz.
In der Stadtverwaltung Freital gingen am 12. August 2002 um 8.00 Uhr für die Wilde
Weißeritz und um 9.00 Uhr für die Rote Weißeritz Hochwasserstandsmeldungen je-
weils der Alarmstufe 1 ein. Eine telefonische Kontaktaufnahme des Ordnungsamtes
mit dem Landratsamt scheiterte. Aufgrund eigener Wahrnehmungen traf die Amts-
leiterin und ihr Stellvertreter die Entscheidung, den Hochwasserschutzstab einzuset-
zen. Als kennzeichnend für die gesamte Situation bezeichnete die Stadtverwaltung
den Zusammenbruch des Funknetzes, den dramatischen Zufluss zur Maltertalsperre
und den Umzug des Katastrophenschutzstabes des Weißeritzkreises aufgrund un-
mittelbarer Hochwasserbedrohung. Die Informationslage sei völlig unzureichend
gewesen.
In der Gemeinde Glashütte sind zwei durch das Erzgebirgshochwasser entstandene
Situationen zu unterscheiden, nämlich die Überschwemmung des Gemeindeteiles
Glashütte durch die infolge des Dammbruchs ausgelöste Flutwelle der Brießnitz und
die Überschwemmung durch die Müglitz. Die durch den Dammbruch ausgelöste
Flutwelle bahnte sich ihren Weg durch Glashütte und zog die Stadt stark in Mitlei-
denschaft. Die Überflutung der Müglitz betraf sowohl Glashütte als auch den Ge-
meindeteil Schlottwitz. Um 8.13 Uhr des 12. August 2002 war die erste Alarmierung
der Ortsfeuerwehr Schlottwitz aufgrund Wassereinbruchs in ein Einfamilienhaus
erfolgt. Im weiteren Verlauf stieg der Wasserstand der Müglitz schnell an, ebenso der
Pegelstand des Rückhaltebeckens Glashütte. Bis 11.00 Uhr nahm die Gemeinde
Sicherungsmaßnahmen an einem Wehr der Müglitz vor und legte Sandsäcke. Im
Laufe des Tages wurde im Rückhaltebecken Glashütte ein Sickerloch festgestellt.
Deshalb beschaffte man Sandsäcke, um das Sickerloch abzudichten und den Damm
des Rückhaltebeckens ggf. zu erhöhen.
Bereits um 11.00 Uhr ordnete der Bürgermeister an, die Schulen der Gemeinde zu
schließen und die Kinder nach Hause zu schicken. Grund hierfür war nach seinen
Angaben mehr "ein Gefühl" als die objektiv schon feststellbare Bedrohlichkeit der
Situation. Um 13.00 Uhr wurde auf Anweisung des Bürgermeisters die Bevölkerung
alarmiert, weil er einen Bruch des Dammes befürchtete. Zu diesem Zweck wurde
insgesamt drei Mal die Sirene aktiviert (13.00 Uhr über die Leitstelle, 14.30 Uhr Dau-
eralarm über Handauslösung, 16.15 Uhr nochmals Versuch, Daueralarm auszulö-
sen). Neben der Sirenenwarnung hat man ein Fahrzeug mit Blaulicht eingesetzt und
ist von Haus zu Haus gegangen. Weiterhin wurden Bürger und Schaulustige von der
Straße und den Brücken verwiesen. Ein Lautsprecherwagen war nicht verfügbar. Ab
dem Zeitpunkt der Alarmierung fuhren Feuerwehr regelmäßig die Gefahrenstellen
der Gemeinde ab.

Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
13.57
Pegelstand Seidewitz bei Liebstadt 50 cm,
Hochwasseralarmstufe 1
14.18
Anforderung von Sandsäcken durch Feuerwehr
Mühlbach
14.18
Alarmierung der Feuerwehren Maxen
14.19
Anforderung von Sandsäcken an der Müglitzbrücke
14.30
Aufforderung zur Sicherstellung der Erreichbarkeit
der Städte und Gemeinden
14.34
Informationsaustausch mit BGS, dass Weißeritzkreis
Katastrophenalarm ausgelöst hat; Abstimmung von
Unterstützungsmaßnahmen zwischen BGS und
Polizeidirektion
14.37
Feuerwehr Mühlbach informiert, dass Müglitzstraße
gesperrt werden muss
14.50
Landrat informiert sich über Lage
14.55
Lageberatung mit Landrat; Festlegungen:
Katastrophenalarm für Müglitztal und Alarmierung
zusätzlicher Feuerwehren
16.00
Feuerwehr Großröhrsdorf informiert, dass Situation
nicht mehr unter Kontrolle (Wasser und Verkehr);
Straßeneinbrüche in Seidewitz und Wasser so breit
wie Tal
16.34
Information der Feuerwehr Neustadt: Weesenstein
und Falkenhain alles unter Wasser
17.00
Erarbeitung der Anordnung und Auslösung
Katastrophenalarm für Pirna und Seidewitz
17.16
FW Neustadt zum Einsatz Richtung Weesenstein.
Information Landrat – Müglitztal sieht verheerend
aus, Zuschendorf geht alles über die Ufer; FW
Neustadt: Anfahrt nach Weesenstein nicht mehr
möglich
17.30
Katastrophen-Lagemeldung Nr. 1 an RP
17.40
Evakuierung mehrerer Personen durch FF Pirna in
Pirna Zuschendorf
17.41
Anforderung FW Pirna brauch Rettungshubschrauber
17.46
Mühlbach steht komplett unter Wasser
18.12
Vollsperrung der B 172 durch BGS
18.16
Hubschrauber derzeit nicht verfügbar
Schlottwitz: 10 Personen treiben im Wasser
19.00
Ministerpräsident versucht persönlich Hubschrauber
anzufordern
19.37
Dohna komplett unter Wasser
20.23
Verbindungsoffizier BGS fordert
Rettungshubschrauber an
20.29
TS Liebstadt läuft voraussichtlich in 4 Stunden über
20.32
wegen Sicht- und Witterungsverhältnissen kein
Einsatz von Rettungshubschraubern möglich
22.00
Erarbeitung der Anordnung Katastrophenalarm
Sächsische
Schweiz
23.00
Auslösung von Katastrophenalarm

Die Hochwasserlage spitzte sich im Landkreis Sächsische Schweiz am Flusslauf der
Müglitz und der Gottleuba dramatisch schnell und schwerwiegender als in vielen an-
deren Landkreisen zu. Die Hochwasserwarnungen schnellten von 13.55 Uhr (Alarm-
stufe 1) bis 14.45 Uhr auf Alarmstufe 3. Seit dem Vormittag waren alle 26 Feuerweh-
ren des Landkreises im Einsatz. Das Hochwassermeldesystem war nach Auffassung
des Landkreises nicht hilfreich. Die Informationslage sei diffus gewesen, was durch
Ausfall von Telefon und Fax noch verstärkt wurde. Die Anforderung und Sammlung
der Katastrophenschutzkräfte sei schwierig gewesen. Der Bundesgrenzschutz war
ab 17.00 Uhr mit einem Verbindungsmann im Krisenstab. Die Bundeswehr spielte
zunächst keine Rolle. Ab 16.30 Uhr bestand keine Möglichkeit mehr, ins Müglitztal zu
gelangen.
Extrem stark waren im Landkreis Sächsische Schweiz von der Erzgebirgsflut die Orte
Pirna, Müglitztal und Dohna betroffen.
In Pirna rückte die Feuerwehr bereits um 8.00 Uhr des 12. August 2002 zu ersten
Einsätzen aus. Um 14.32 Uhr wurde im Ortsteil Zuschendorf mit dem Verbau von
Sandsäcken begonnen. Um 16.00 Uhr mussten in Zuschendorf die ersten Bewohner
evakuiert werden; zwei Personen konnten durch Hubschraubereinsatz gerettet wer-
den. Wegen des drohenden Überlaufs der Talsperren und der hohen Fließgeschwin-
digkeit der Gottleuba wurden umfassende Evakuierungen vorbereitet.
In der Gemeinde Müglitztal hatte am Abend des 11. August 2002 extrem starker Re-
gen eingesetzt. Am nächsten Morgen musste die Feuerwehr im Ortsteil Mühlbach
bereits Keller auspumpen. Ab 8.30 Uhr stieg die Müglitz an und führte Schwemmgut
mit sich. Die Situation war aber noch nicht bedrohlich, so dass die Ortsfeuerwehr von
Mühlbach in Dohna Hilfe leisten konnte. Am Nachmittag musste im Ortsteil Mühlbach
begonnen werden, Personen zu evakuieren. Zur gleichen Zeit trafen Hilfsersuchen
aus dem Ortsteil Weesenstein ein. Das Wasser stieg so rasant an, dass die Straße
zwischen Mühlbach und Weesenstein gegen 16.00 Uhr unpassierbar war. Ebenfalls
gegen 16.00 Uhr fielen das Mobilfunknetz und der Strom aus. Die Kommunikation
zwischen den vier Ortsteilen riss vollständig ab.
In Dohna wurde am 12. August 2002 Hochwasserstufe 2 ausgerufen, was nicht be-
sonders außergewöhnlich ist. Bis 13.30 Uhr stieg die Müglitz dann infolge anhaltend
starken Regens schnell an. Um 14.30 Uhr wurde Warnstufe 3 mitgeteilt. Die Orts-
feuerwehr war zu diesem Zeitpunkt zu Hilfseinsätzen in Heidenau unterwegs. Gegen
15.00 Uhr begann die Überflutung der Straßen. Kurz darauf fiel das Telefonnetz aus.
Evakuierungen waren infolge des hohen Wasserstandes nicht mehr möglich. Meh-
rere Personen retteten sich auf Hausdächer. Die angeforderten Hubschrauber
konnten am 12. August 2002 nicht mehr zum Einsatz kommen. Die vom Technischen
Hilfswerk bereitgestellten Schlauchboote waren wegen der Strömungsverhältnisse
nicht einsetzbar.
Lagebild in den Erzgebirgskreisen
Die zeitliche Übersicht über die getroffenen Maßnahmen in den Landkreisen mit Erz-
gebirgskammlage zeigt, dass sich die Krisensituation zeitlich vom Westen her auf-
baute und an Schwere im Mittleren Erzgebirgskreis, im Landkreis Freiberg, im Wei-
ßeritzkreis und im Landkreis Sächsische Schweiz kulminierte. Die Katastrophen-
schutzarbeit wurde in sämtlichen stark betroffenen Kreisen nicht durch Hochwasser-
warnungen, sondern aufgrund der eingetretenen Situation u.a. durch Bildung der

 
Stäbe unverzüglich aufgenommen. Im Landkreis Annaberg und im Landkreis Sächsi-
sche Schweiz ist dem Einsatztagebuch eine frühzeitige Bildung des Krisenstabes
nicht zu entnehmen, dürfte der Sache nach aber mit der Auslösung von Ka-
tastrophenvoralarm (Annaberg, 12.20 Uhr) und der um 14.55 Uhr registrierten
"Lageberatung mit Landrat" (Sächsische Schweiz) gegeben sein.
Im Ergebnis war gegen 17.00 Uhr ein außergewöhnliches Hochwasserereignis in
wenigstens vier, eigentlich sechs Landkreisen des Erzgebirges mit Kammlage zu
konstatieren, das – abgesehen von der direkt in die Elbe entwässernden Weißeritz,
der Müglitz und der Gottleuba - sämtlich den Flusslauf der Mulde betreffen wird.
b) Landkreise zwischen Erzgebirge und Vereinigter Mulde
In den Landkreisen und Kreisfreien Städten, die im topographischen Übergang zwi-
schen Erzgebirge und Tiefland und oberhalb der Vereinigten Mulde liegen, stellt sich
die Aufnahme des Krisenmanagements auszugsweise wie folgt dar:
Landkreis
Uhrzeit
Maßnahmen
02.30
Starkregen im südlichen Kreisgebiet; erste
Feuerwehren im Einsatz
ab
05.00
Bereich Rödelbach beginnt Ausuferung; Besetzung
des FTZ durch Leitungsdienst, Benachrichtigung
weiterer Mitarbeiter des Fachdienstes
06.30
Einsatzleitung nimmt Arbeit auf
07.10
bis 09.30
Informationsfahrt KBM und FDL im Kreisgebiet
07.40
Lagemeldung an Polizei
08.05
Hilfe für VW-Werk Mosel über LST
09.00
BM Hartmannsdorf verlangt Auslösung des
Katastrophenalarms
09.50
Beratung zur Verkehrslage
09.53
Hochwassermeldung der UBG und
Hochwasserwarnung des StUFA Chemnitz (keine
Pegel)
10.10
Beratung zur Lage im Krisenstab (
Kriterien zum
Ausrufen von Katastrophenalarm nicht erfüllt
)
11.15
Lagezentrum im Gerätehaus der Freiwilligen
Feuerwehr in Wilkau-Haßlau
11.25
Anweisung Landrat: Wildenfels droht Dammbruch
und Evakuierung notwendig
13.15
Pressebericht Polizeidirektion Zwickau:
Straßensperrungen und allgemeine Lage
13.30
Beratung Krisenstab mit FF Wilkau-Haßlau zur Lage
14.05
bis 15.55
Informationsfahrt im südlichen Kreisgebiet
15.30
Verbindungsstraße Stein-Hartenstein überflutet
Vollsperrung veranlasst
Zwickauer Land
21.59
Alarmierung FF Friedrichsgrün
Noch vor 6.00 Uhr war im Landkreis Zwickauer Land die Einsatzleitung der
Feuerwehr vollständig gebildet. Gegen 7.00 Uhr fand sich der Landrat im
Lagezentrum ein. Bereits zu diesem Zeitpunkt gab es Überlegungen,
Katastrophenalarm auszulösen. Man entschied sich jedoch dagegen. Unabhängig

davon befand sich die Einsatzleitung vor Ort – in Wilkau-Haßlau – und knüpfte
Kontakte zu Polizei und Bundeswehr. Im weiteren Verlauf des Vormittages stiegen
Mulde und Pleiße an. Vom zuständigen Staatlichen Umweltfachamt erhielt der
Landkreis zunächst keine Hochwasserwarnung, sondern nur Wetterberichte des
Deutschen Wetterdienstes. Die erste Warnung der Umweltbetriebsgesellschaft in
Radebeul traf am 12. August 2002 um 9.53 Uhr in der Leitstelle ein. Ebenfalls um
diese Uhrzeit erhielt der Landkreis eine Warnung des Staatlichen Umweltfachamtes
Chemnitz, in der mitgeteilt wurde, dass das Erreichen der Warnstufe 4 für möglich
gehalten werde. Zwischen 7.45 und 10.00 Uhr befragte die Einsatzleitung die
Einsatzkräfte vor Ort. Alle Straßen waren zu diesem Zeitpunkt noch befahrbar. Bis
auf den Bereich der Mulde war die Situation bis zum Mittag entspannt.
Am Nachmittag des 12. August 2002 wurde für die Erhaltung der Bundesstraße 93
und für die Errichtung von Sandsackbarrieren an der Mulde die Polizei
hinzugezogen. Gegen 15.30 Uhr musste die Bundesstraße 93 aufgegeben werden,
weil sie bereits überschwemmt war. Der Landkreis hatte am 12. August 2002 gegen
9.00 Uhr das erste mal Verbindung mit dem Regierungspräsidium. Das Gespräch
drehte sich um das Auslösen von Katastrophenalarm, was auch während des
gesamten Tagesverlaufs Thema im Landkreis war. Ausgelöst wurde er aufgrund der
vergleichsweise geringen Betroffenheit des Landkreises jedoch nicht.
Kreisfreie
Stadt
Datum
Uhrzeit
Maßnahmen
08.00
OB informiert
08.15
Arbeitsgruppe Hochwasser gebildet
08.50
Technische Einsatzleitung nach Schneppendorf ge-
schickt
09.08
erste Sandsäcke abgeladen
09.10
Umstellung KatS-Kanal; Organisation Deichwache
09.31
Info Presse, Radio PSR
09.50
Einweisung Deichwache
10.12
Deichläufer sind unterwegs
11.43
THW alarmiert
12.55
mündliche Lage an Regierungspräsidium
14.52
Stabsberatung: Muldendämme durch Sandsäcke sichern
15.33
Verbindung zu Führungsoffizier der Bundeswehr
16.00
Beratung mit Oberbürgermeister
17.35
Beratung: kein Katastrophenalarm, der Stab einschließ-
lich Fachberater wird alarmiert; Bürgertelefon wird einge-
richtet
19.00
Haus Muldenstraße 12 wird evakuiert