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Biodiversität sächsischer Ackerflächen
Schriftenreihe der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Heft 9 – 10. Jahrgang 2005
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft

Entwicklung der Biodiversität von Ackerflächen bei umweltgerechtem Ackerbau
Abschlussbericht zum Projekt
„Entwicklung der Biodiversität von Ackerflächen bei umweltgerechtem Ackerbau“

Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1
2
Problematik der ökologischen Bewertung intensiv genutzter Ackerhabitate
2
3
Material und Methoden
3.1 Untersuchungsgebiete
3.2 Bewirtschaftungsvarianten
3.3
Untersuchungsobjekte und Erfassungsmethoden
3.3.1 Bodenmikroben
3.3.2
Streuabbauende Bodenorganismen (insbesondere Bodenmesofauna)
3.3.3 Epigäische Raubarthropoden
3.3.3.1
Laufkäfer (Coleoptera, Carabidae)
3.3.3.2 Webspinnen (Araneae)
3.3.4 Segetalvegetation
3.4
Ein Minimalprogramm zur Erfassung von Laufkäfern
3.5 Statistik/Datenaufbereitung
3
3
4
5
7
8
10
12
12
13
17
17
4 Ergebnisse
4.1 Bodenmikroorganismen
4.2 Streuabbauende Bodenorganismen
4.2.1 Ergebnisse 2003
4.2.2 Ergebnisse 2004
4.3 Epigäische Raubarthropoden
4.3.1
Laufkäfer (Coleoptera, Carabidae)
4.3.2 Webspinnen (Araneae)
4.3.3
Ein Minimalprogramm für den Einsatz von Bodenfallen zur Erfassung von
Laufkäfern
18
18
24
24
25
28
28
36
45
4.3.3.1
Zum Einfluss reduzierter Fallenzahl und Fangperiode auf die Artenzahl
4.3.3.2
Zur Verteilung der Arten auf die sechs Bodenfallen
4.3.3.3
Zum Einfluss reduzierter Fallenzahl und Fangperiode auf die Dominanz
4.3.3.4 Schlussfolgerungen
4.4 Segetalvegetation
4.4.1 Pflanzensoziologische Einordnung
4.4.2
Artenzahlen, Deckungswerte und Individuenzahlen, floristische Ausstattung
4.4.3 Struktur
4.4.4 Artengruppen
45
48
49
50
50
50
52
57
58

4.4.5
Arten mit Samenbildung
4.4.6 Ähnlichkeit
4.4.7 Diasporenbank
59
60
62
5 Diskussion
5.1
Bodenmikroben und Fraßleistung streuabbauender Bodentiere
5.1.1 Bodenmikroben
5.1.2 Köderstreifentest
5.2 Epigäische Raubarthropoden
5.3
Zur Festlegung eines Minimalprogramms der Laufkäfererfassung
5.4 Segetalvegetation
5.5
Zur Nutzung der Ergebnisse in integrativen Bewertungsmodellen
5.5.1
Auswahl einzelner Merkmale mit Stellvertreter-Funktion
5.5.2
Integration von Merkmalen in ein gemeinsames Bewertungsschema
65
65
65
66
68
72
73
79
79
80
6 Schlussfolgerungen
85
7 Zusammenfassung
87
8 Literatur
89
9 Datenanhang
97

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
1
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
1 Einleitung
Das Förderprogramm „Umweltgerechte Landwirtschaft“ des Freistaates Sachsen honoriert die
Anwendung bodenschonender Verfahren im Ackerbau sowie den ökologischen Landbau als In-
strumente auf dem Weg zu nachhaltigen und damit umweltgerechten Produktionssystemen. Aus-
wirkungen ökologischer Anbauprinzipien auf Flora, Fauna und Boden sind seit langem Gegenstand
wissenschaftlicher Untersuchungen; zahlreiche positive Effekte sind bekannt (vgl. z. B. H
ÜLSBER-
GEN
& DIEPENBROCK, 2000).
Forschungsprojekte zum pfluglosen Ackerbau galten in erster Linie den Auswirkungen auf boden-
physikalische und hydrologische Parameter. So ist auf den Mulch- und Direktsaatflächen in vielen
Fällen die Wasserinfiltration deutlich erhöht; die Bodenerosion wird generell drastisch reduziert.
Unter den Bodenlebewesen sind besonders Regenwürmer als diejenige Tiergruppe bekannt ge-
worden, die durch dauerhaft konservierende Bodenbearbeitung sowohl qualitativ als auch quantita-
tiv wirksam gefördert werden kann und dadurch entscheidend zu den zuvor genannten Effekten
beiträgt. Inwieweit pfluglose Verfahren die biologische Vielfalt auf den Schlägen insgesamt positiv
beeinflussen können, war bisher von untergeordnetem Interesse, obwohl die Biodiversität zu den
gelisteten Agrarumweltindikatoren zählt, an denen die Nachhaltigkeit der Landbewirtschaftung
gemessen werden soll (OECD, 2001).
Die vorliegende Studie schließt einige Wissenslücken zu dieser Thematik. Effekte des ökologischen
Landbaus und der drei Bodenbearbeitungsvarianten “Pflugeinsatz“, “Mulchsaat“ und “Direktsaat“
auf ausgewählte Lebensgemeinschaften des Acker-Ökosystems werden dokumentiert und vergli-
chen. Grundlage dafür sind qualitative, quantitative und funktionale Kennzahlen zur Gruppe der
Bodenmikroben, zur Fraßleistung streuabbauender Organismen (in erster Linie Elemente der en-
dogäischen Bodenfauna), zu Laufkäfern und Webspinnen sowie zur Segetalvegetation. Primäres
Ziel ist die Charakterisierung der Biodiversität auf den Untersuchungsflächen. Möglichkeiten der
Nutzung der Ergebnisse für eine ökologische Bewertung der verglichenen Areale und Bewirtschaf-
tungsverfahren werden diskutiert.
Ungeachtet der generellen Probleme, die biologische Vielfalt anthropogener Lebensräume über-
haupt bewerten zu können, strebt die europäische Agrarpolitik an, dem ökologischen Zustand einer
ackerbaulich genutzten Fläche auch als Förderkriterium eine größere Bedeutung beizumessen als
bisher. Die entsprechende Beurteilung von komplexen Anbau- und Bearbeitungsverfahren anhand
einer Vielzahl funktionaler, quantitativer und qualitativer Bioindikatoren dürfte dabei ein praktikabler
Weg sein.
Die Integration der vorliegenden Arbeit in die Begleitforschung zum sächsischen UL-Programm
trägt dem Ziel des Freistaates Rechnung, die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu fördern. Das
Forschungsprojekt erfüllt damit ein wesentliches Anliegen der gemeinsamen Agrarpolitik der Euro-
päischen Union.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
2
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
2
Problematik der ökologischen Bewertung intensiv genutzter Ackerhabitate
Begriffe wie Biodiversität, Ökosystem, Natur-, Arten- und Umweltschutz sind heute feste Bestand-
teile des agrarwissenschaftlichen und agrarpolitischen Alltags. Allerdings konzentrieren sich Unter-
suchungen zur Flora, Fauna und Biodiversität von Ackerökosystemen in Mitteleuropa in erster Linie
auf ertragärmere, vor allem diluviale Standorte, während die ausgedehnten und intensiv ackerbau-
lich genutzten Lößgebiete von untergeordnetem Interesse scheinen. Diese Diskrepanz ist Ausdruck
einer zunehmenden Differenzierung der landwirtschaftlichen Nutzfläche in vermeintlich verarmte,
ökologisch gestörte Leistungszonen einerseits und diversere, ökologisch intakte (zumindest aber
förderwürdige) Extensivierungsgebiete andererseits (vgl. S
UCCOW, 2000).
Eine solche Entwicklung ist bedenklich, denn die standort- und bewirtschaftungstypischen Pflanzen
und Tiergesellschaften der ertragreichen Ackerböden auf Löß werden damit als ökologisch zweit-
rangig, bedeutungslos, z. T. sogar als nicht mehr existent abgewertet. In Anbetracht unserer an-
sonsten stetig fortschreitenden Sensibilisierung im Bezug auf Umwelt- und Ernährungsfragen er-
scheint eine derartige Entwicklung paradox.
Die vielerorts landschaftsprägende Ackerflur stellt, ungeachtet ihrer intensiven Nutzung, keinesfalls
eine lebensfeindliche Produktionsfläche, sondern einen potenziell reichhaltigen und funktional viel-
fältigen Lebensraum dar, der bewahrt und hinsichtlich seiner Biodiversität gefördert werden sollte.
Entsprechende Bemühungen von vornherein auf ökonomische Grenzstandorte zu konzentrieren,
mag im Rahmen des traditionellen Natur- und Artenschutzes nachvollziehbar sein; den Bemühun-
gen, flächendeckend ökologisch und ökonomisch tragbare Konzepte zum Schutz der Biosphäre
und ihrer biologischen Vielfalt zu entwickeln, wird dieser Ansatz nicht gerecht. Auch für die intensiv
genutzten Agrarräume sollten Mittel und Wege gefunden werden, den Widerspruch zwischen öko-
nomischen Anforderungen und ökologischen Zielvorstellungen zu überwinden.
Um die Forderung nach einer lebenswerten Umwelt für den Agrarsektor möglichst flächendeckend
erfüllen zu können, wird seit Jahren eine nachhaltige Landbewirtschaftung propagiert und gefördert,
die im Idealfall sowohl ökologisch „intakte“ Agroökosysteme als auch eine qualitativ hochwertige
Nahrungsmittelproduktion gewährleistet.
Auch das sächsische Förderprogramm „Umweltgerechte Landwirtschaft“ soll ein Instrument zur
flächendeckenden Förderung der Biodiversität darstellen, ohne ökonomisch erfolgreiche Produkti-
onssysteme in Frage zu stellen. Das Programm erreicht auch solche Flächen, die weder bedrohte
Leitarten oder schützenswerte Habitate noch eine besonders reichhaltige Natur- und Kulturraum-
ausstattung aufweisen. Diese für den klassischen Naturschutz uninteressanten Flächen stellen den
Großteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche, oft sogar der Landesfläche. Ihre Einbeziehung in Na-
tur- und Umweltschutzprogramme dürfte für den Erhalt der natürlichen Ressourcen und für die
Förderung der Vielfalt unserer Agrarlandschaft ebenso wichtig sein, wie räumlich begrenzte Kon-
zepte (z. B. Biosphärenreservate oder Vertragsnaturschutz). Letztendlich ist gerade das Bodenle-
ben auch für den ökonomischen Erfolg der Landwirtschaft von existenzieller Bedeutung, da es die
Bodenqualität, die Stoffkreisläufe und die Pflanzengesundheit entscheidend beeinflusst.

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
3 Material und Methoden
3.1 Untersuchungsgebiete
Die Untersuchungen zur Biodiversität auf sächsischen Ackerflächen konzentrieren sich auf zwei
Standorte in den Naturräumen
Lößhügelland (Schläge bei Lüttewitz und Pulsitz: LP, LM, LD, PÖ)
Leipziger Tiefland (Schläge bei Zschortau und Krippehna: ZP, ZM, ZD, KÖ1+2).
Diese Naturräume entsprechen den Vergleichsgebieten Nr. 8 (Mittelsächsische Platte) und Nr. 9
(Leipziger Tieflandsbucht) der standardisierten Kartenwerke von LfL und LfUG (Abbildung 3-1).
Abbildung 3-1:
Lage der Standorte
Vergleichsgebiet 8
: Mittelsächsische Platte
• ausgedehntes, hügeliges Lößlehmgebiet;
• Böden: Parabraunerde; Ut3 – Ut4
Vergleichsgebiet 9
: Leipziger Tieflandsbucht
• vom mitteldeutschen Trockenklima beeinflusste Ebenen;
• Böden: Parabraunerde-Pseudogley; Uls – Lu

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
3.2 Bewirtschaftungsvarianten
In jedem der genannten Naturräume werden vier Bewirtschaftungsvarianten gegenübergestellt:
1. Ökologischer Landbau/Pflugeinsatz (jährliche Pflugfurche ca. 25 cm; kein chemischer Pflan-
zenschutz); Flächen bei Pulsitz (PÖ) und Krippehna: (KÖ1+2)
2. Konventioneller Landbau/Pflugeinsatz (jährliche Pflugfurche, ca. 25 cm; i. d. R. kein Totalher-
bizid-Einsatz); Flächen in Lüttewitz (LP) und Zschortau (ZP)
3. Konventioneller Landbau/Mulchsaat (ca. 10 cm Arbeitstiefe; i. d. R. Einsatz eines Totalherbi-
zids); Flächen in Lüttewitz (LM) und Zschortau (ZM)
4. Konventioneller Landbau / Direktsaat (keine Bodenbearbeitung, flache Saatbettbereitung vor
ZR; i. d. R. Einsatz eines Totalherbizids); Flächen in Lüttewitz (LD) und Zschortau (ZD)
Die Lage der Untersuchungsflächen und Angaben zu den verglichenen Bewirtschaftungsdifferen-
zen sind den folgenden Übersichten (Abbildung 3-2 und Abbildung 3-3) zu entnehmen.
Die Fruchtfolgen weisen auf allen Flächen einen relativ hohen Getreideanteil auf. Auf den konventi-
onell bewirtschafteten Schlägen in Lüttewitz und Zschortau ermöglichen langfristig dreifeldrige
Folgen mit ZR und zweimal Getreide (i. d. R. Weizen) sowie einer Winterzwischenfrucht vor den
Rüben eine optimale Vergleichbarkeit der gewonnenen Datensätze zum Einfluss der Bodenbear-
beitung (Tabelle 3-1). Die Ökoflächen zeichnen sich nicht nur durch eine größere Vielfalt der ange-
bauten Kulturarten sondern auch durch die regelmäßige Düngung mit Stalldung und Gülle aus (im
gegebenen Falle jeweils 30 t Stalldung in den Jahren 2002 bzw. 2003).
Abbildung 3-2:
Untersuchte Schläge am Standort „Mittelsächsisches Lößhügelland
a)
Pflugeinsatz
(ca. 7ha)
b) pfluglos,
Mulchsaat
(ca. 7ha)
c) pfluglos,
Direktsaat
(ca. 7ha)
Konventioneller Landbau
; ca. 30ha
• unterschiedliche Bodenbearbeitung
.
Ökologischer Landbau
Pflugeinsatz
• ca. 10ha
Differenzen:
Fruchtfolge,
Düngung, Pflanzenschutz,
Humus- u. Nährstoffgehalte
Döbeln
Ostrau
Pulsitz
Lüttewitz

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Abbildung 3-3:
Untersuchte Schläge am Standort „Nördliches Leipziger Tiefland“
Tabelle 3-1:
Fruchtfolgen auf den untersuchten Ackerflächen
Lößhügelland Leipziger Tiefland
Jahr
L(P-D) PÖ Z(P-D) KÖ
2000 WW Luz WW WR
2001 WW Dink WG WG
2002 ZR Mais/Kohl ZR Erb
2003 WW WW SW WW
2004 WW Dink WW WW
3.3
Untersuchungsobjekte und Erfassungsmethoden
Bei freilandökologischen Arbeiten ist eine Auswahl bestimmter Zönosen unumgänglich. Diese soll-
ten Stellvertreter- oder Schlüsselfunktionen einnehmen. Im vorliegenden Fall wurden folgende
Organismengruppen in das Untersuchungsprogramm einbezogen:
Bodenmikroben (quantitativ/funktional),
Primärzersetzer von Ernte- und Wurzelrückständen (funktional),
Epigäische Raubarthropoden (qualitativ/quantitativ),
Segetalflora (qualitativ/quantitativ).
Differenzen:
Fruchtfolge,
Pflanzenschutz,
Düngung,
Humus- u.
Nährstoffgehalte
.
Ökologischer Landbau
Pflugeinsatz
• ca. 10ha
Konventioneller Landbau
; ca. 30ha
• unterschiedliche Bodenbearbeitung
a)
Pflugeinsatz
(ca. 8ha)
b) pfluglos,
Mulchsaat
(ca. 6ha)
c) pfluglos,
Direktsaat
(ca. 7ha)
Delitzsch
Eilenburg
Krippehna
Zschortau
Differenzen:
Fruchtfolge,
Pflanzenschutz,
Düngung,
Humus- u.
Nährstoffgehalte
.
Ökologischer Landbau
Pflugeinsatz
• ca. 10ha
Konventioneller Landbau
; ca. 30ha
• unterschiedliche Bodenbearbeitung
a)
Pflugeinsatz
(ca. 8ha)
b) pfluglos,
Mulchsaat
(ca. 6ha)
c) pfluglos,
Direktsaat
(ca. 7ha)
Delitzsch
Eilenburg
Krippehna
Zschortau

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Datenerfassung zu qualitativen und quantitativen Parametern der oben genannten Untersu-
chungsobjekte beruht auf einer Reihe unterschiedlicher und miteinander nicht vergleichbarer Erhe-
bungsmethoden, die auf den Schlägen bzw. Schlagstücken nebeneinander gestellt wurden. Das
Schema eines solchen Versuchsaufbaus am Standort Lüttewitz (mit den Varianten LP, LM und LD)
beschreibt stellvertretend die Lage und Anordnung der verschiedenen Beprobungsflächen und der
eingesetzten Bodenfallen (Abbildung 3-4).
Abbildung 3-4:
Versuchsaufbau zur Bestimmung von Biodiversitätsmerkmalen auf der Ackerfläche
bei Lüttewitz (Bearbeitungsvarianten: LP / LM / LD)
Auf der vierten Bearbeitungsvariante am Standort „Mittelsächsisches Lößhügelland“, dem ökolo-
gisch bewirtschafteten Schlag bei Ostrau-Pulsitz (PÖ), war der Versuchsaufbau identisch. Am
Standort „Nördliches Leipziger Tiefland“ wurden keine Köderstreifentests durchgeführt; ansonsten
entsprach die Versuchsanlage dem Schema in Abbildung 3-4. Ferner wurden Laufkäferfänge aus
dem Jahr 2002 in die vergleichende Auswertung der drei Bodenbearbeitungsvarianten (Pflugein-
satz, Mulchsaat, Direktsaat) einbezogen. Diese erfolgten auf den Schlägen in Lüttewitz (LP, LM,
LD) und Zschortau (ZP, ZM, ZD) mit jeweils fünf Barberfallen pro Variante.
Die Größe der Untersuchungsflächen und die Versuchsanlage garantierten relativ große Abstände
zu den Feldrändern von mindestens 50 m, so dass Einflüsse aus und Wechselwirkungen mit an-
grenzenden Habitaten zumindest im Rahmen des durchgeführten Variantenvergleichs zu vernach-
lässigen sind. Die wichtigsten Daten des Felderhebungsprogramms sind in Tabelle 3-2 aufgeführt.
In den folgenden Kapiteln wird auf die Methodik der Erfassung und Analyse der untersuchten Or-
ganismengruppen im Einzelnen eingegangen.
Bonituren und
Bodenproben
(Segetalflora,
Diasporenbank)
Einsatz von
Bodenfallen
(Webspinnen,
Laufkäfer)
Bodenproben
(Mikroben)
Pflugeinsatz
Direktsaat
Mulchsaat
Köderstreifentest
(streuabbauende
Bodenfauna)

 
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 3-2:
Untersuchungstermine und Fangperioden
Bearbeitete Gruppe
Erfassungsmethode/Erhebungszeiten
Bodenmikroben Bodenproben:
07./08.05.03
20. – 22.10.03
13./14.05.04
Streuabbauende Organismen
(v.a. Bodentiere)
Köderstreifen-Exposition:
17.10.03 – 07.11.03
1)
16.04.03 – 30.04.04
1)
Laufkäfer und Webspinnen
Bodenfallen-Fänge:
10.04.02 – 15.05.02
2)
28.03.03 – 01.07.03
29.09.03 – 28.03.04
28.03.04 – 22.07.04
Segetalvegetation
Diasporenbank
Vegetationsaufnahmen, Diagonalbegehungen:
26./27.04.03
21./22.06.03
22.04.2004
11.07.2004
Bodenproben:
14.09.2003
1)
nur im Lößhügelland (LP, LM, LD, PÖ)
2)
nicht auf den Ökoflächen (PÖ und KÖ)
3.3.1 Bodenmikroben
Die Untersuchungen zum mikrobiellen Bodenleben sind quantitativer Natur. Ihr potenzieller Wert
liegt in einer Einschätzung der Effektivität der Bodenmikroben als Bestandteile der Nahrungsketten
im Boden sowie als Sekundärzersetzer und Mineralisierer von Humus in Abhängigkeit von Boden-
bearbeitung und allgemeiner Bewirtschaftungsintensität.
Erhebungen erfolgten im Frühjahr (2003 + 2004) und im Herbst (2003) auf allen Flächen (vgl. Ta-
belle 3-1). Auf jeder Bearbeitungsvariante wurden an vier Beprobungsstellen mindestens 12 Boh-
rungen mit dem Pürckhauer-Erdbohrstock (Ø innen = 3 cm) bis in 30 cm Tiefe vorgenommen. Die
gezogenen Bodenproben wurden in drei Bodenschichten differenziert:
1.
Oberfläche bis 10 cm Tiefe
2.
10 cm bis 20 cm Tiefe
3.
20 cm bis 30 cm Tiefe.

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Für jede dieser Bodenschichten konnten pro Bearbeitungsvariante vier Sammelproben realisiert
werden, die zur weiteren Analyse des mikrobiellen Bodenlebens eingefroren und ins Labor über-
führt wurden. Dort erfolgte die Bestimmung von drei Parametern:
a) mikrobiell gebundener Kohlenstoff, μg C/g TS (Maß für die Biomasse)
b) Basalatmung, (μg CO
2
-C/g TS) / h (Maß für die Aktivität)
c)
metabolischer Quotient, b/a
Der metabolische Quotient kann als Maß für die spezifische Aktivität der Bodenmikroorganismen
gelten. Er kennzeichnet den energetischen bzw. physiologischen Zustand der Zönosen.
3.3.2
Streuabbauende Bodenorganismen (insbesondere Bodenmesofauna)
Bodentiere und Mikroorganismen sind maßgeblich an den im Boden ablaufenden Abbau- und Um-
setzungsprozessen beteiligt. Eine besondere Leistungskomponente ist dabei die Zersetzung von
komplexen organischen Substanzen (Dekomposition), z. B. der Abbau von Pflanzenresten. Dieser
Prozess der Zersetzung wird mit der Methode des Köderstreifen-Tests (von T
ÖRNE, 1989 & 1990)
annähernd simuliert, indem geeignete Köderstoffe zum Fraß bzw. Abbau in den Boden eingebracht
werden. Nach einer definierten Expositionszeit werden die Fraß- bzw. Abbauverluste an dem Kö-
dermaterial bonitiert. Das auch als Bait-Lamina-Test bekannte Verfahren gehört zu den relativ
neuen bodenbiologischen Feldmethoden und erreichte aufgrund einer Reihe vorteilhafter Merkmale
eine weite und ständig zunehmende Verbreitung und Anwendungsbreite. Mit Hilfe von PVC-
Lochstreifen wird ein Ködersubstrat im Boden exponiert. Das Ködersubstrat überzieht als dünne
Folie die Lochmarken und besteht aus einer Mischung von Cellulose, Kleie und Aktivkohle
(70:29:1). Es stellt eine unspezifische, hoch standardisierte und leicht verfügbare Nahrungsquelle
für ein breites Spektrum streuabbauender Bodentiere dar. Vor allem Elemente der Mesofauna
(z. B. Enchytraeen, Collembolen, Gliederfüßler etc.) bewirken durch Fraß an diesen Ködern einen
Massenschwund, der bei Perforation der Lochmarken sichtbar wird und damit als Merkmal in den
Test einfließt. In einer Bonitur werden die durchfressenen Köder ausgezählt (Abbildung 3-5).
Abbildung 3-5:
Köderstreifen ohne und mit perforierten Einzelködern

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Für die Untersuchungen wurden Teststreifen des Herstellers
Terra Protecta
GmbH, Berlin, verwen-
det (PVC-Streifen: 160 mm lang, 6 mm breit, 1 mm dick). Auf den Streifen sind in Bohrungen
(Ø 1,5 mm, Abstände 5 mm) jeweils 16 Köder untergebracht.
Die Exposition im Boden erfolgt senkrecht, so dass die obersten Köder jeweils ca. 0,5 cm unter der
Bodenoberfläche positioniert sind. Somit kann die Fraßaktivität an der Ködermasse differenziert bis
zu einer Tiefe von ca. 8 cm festgestellt werden.
Der Köderstreifentest weist eine Reihe von Vorzügen auf, die ihn für angewandte agrarökologische
Untersuchungen prädestiniert erscheinen lassen:
Es besteht ein vergleichsweise geringer Zeit- und Geldeinsatz.
Die Standardanwendung führt zu einer großen Zahl biometrisch auswertbarer Daten.
Jeder Test ergibt zwei Befunde, einen zu örtlich horizontalen und einen zu vertikalen Vertei-
lungsunterschieden der Ereigniswerte von stochastisch unabhängigen Stichproben.
Für die Durchführung und Auswertung ist kein ausgesprochenes Spezialwissen erforderlich.
Standortbeeinflussungen sind zu vernachlässigen.
Die Befunde können als Grundlage für eingehende systemökologische Untersuchungen (z. B.
zum Stoffumsatz) dienen.
Das Testverfahren weist eine hohe Standardisierbarkeit auf.
Das Verfahren wurde auf den Schlägen in Lüttewitz (Varianten LP, LM, LD) und Pulsitz (PÖ) einge-
setzt. Jede Bewirtschaftungsvariante enthielt drei Testquadrate (vgl. Abbildung 3-4). Der Test bein-
haltet die Ausbringung von 16 Köderstreifen pro Beprobungsquadrat. Die Anordnung der Köder-
streifen erfolgte in 4 × 4 Streifen (Abstände zwischen benachbarten Streifen jeweils 20 cm). Auf
jeder Untersuchungsfläche standen damit 48 Köderstreifen für die Auswertung zur Verfügung.
Zur vergleichenden Bestimmung der relativen Fraßaktivitäten verblieben die Köderstreifen so lange
im Bodensubstrat, bis im Mittel aller Varianten etwa 10 bis 40 % der Köder perforiert (d. h. durch-
fressen) waren. Diese Richtgröße wurde auf den Untersuchungsflächen im Herbst 2003 nach ca.
drei Wochen erreicht, im Frühjahr des Folgejahres nach etwa zwei Wochen.
Da mikrobielle Prozesse und mikrobiogener Metabolismus diese tierische Fraßtätigkeit maßgeblich
beeinflussen, stellt der Test eine geeignete Ergänzung der Arbeiten zur mikrobiellen Biomasse dar.
Beide Teiluntersuchungen bilden damit eine gemeinsame Basis zur Dokumentation, Bewertung
und Förderung der biologischen Aktivität der Böden und ihres Rottepotenzials. Im Gefüge komple-
xer Nahrungsketten beeinflussen diese Parameter darüber hinaus die gesamte Agrozönose.
Sie beschreiben damit Bestandteile der funktionalen Diversität der untersuchten Ackerflächen, die
im Kontext des vorliegenden Forschungsprojektes von größter Wichtigkeit sind.

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Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
3.3.3 Epigäische Raubarthropoden
Laufkäfer (Coleoptera, Carabidae) und Webspinnen können auf Ackerflächen eine große Artenviel-
falt und hohe Biomassen erreichen. Aufgrund ihrer überwiegend polyphag-carnivoren Lebensweise
stellen sie in diesen Lebensräumen wirksame Regulative dar. Darüber hinaus gelten sie generell
als geeignete Indikatorgruppen im Rahmen der ökologischen Bewertung von Ackerflächen und
Agrarlandschaften. Allerdings ist es oft schwierig bzw. unmöglich, die Reaktionen einer oder meh-
rerer Arten oder der gesamten Gruppe auf einen bestimmten Faktor zurückzuführen, da die zahl-
reichen relevanten Umwelteinflüsse in einem sehr komplexen Zusammenspiel auf die Bode-
narthropoden wirken (Abbildung 3-6).
Abbildung 3-6:
Schema der Wirkung von Umweltfaktoren auf Laufkäfer und Spinnen
Die Erfassung der epigäischen Raubarthropoden (Laufkäfer, Kurzflügler, Spinnen) erfolgte mittels
modifizierter Barberfallen. Der Arthropodenfang mit diesem Fallentyp gehört zu den bekanntesten
und meistgenutzten Erfassungsmethoden der angewandten Entomologie, obwohl die Methode
umstritten ist und seit langem kontrovers diskutiert wird. Ausführliche Beschreibungen zur Boden-
falle finden sich z. B. bei T
RETZEL (1955) und SPRICK (1991).
Gemessen wird mit dieser Methode die Aktivitätsdichte, die durch Abundanz und Laufaktivität bo-
denoberflächenaktiver Arten bestimmt wird. Siedlungsdichten können nicht ermittelt und wohl auch
nicht annähernd abgeleitet werden. Quantitative Trends sind aber durchaus formulierbar. So sind
extrem hohe Aktivitätsdichten über längere Zeiträume auch auf relativ große Dichten zurückzufüh-
ren. Gerade für angewandt ökologische Feldstudien stellt die Aktivitätsdichte ein geeignetes Maß
für die Präsenz einer Art oder Artengruppe im Ökosystem dar. So kann die regulative Funktion
eines laufaktiven Nützlings über seine Aktivitätsdichte vermutlich besser charakterisiert werden, als
über absolute Abundanzwerte.
Standorteinflüsse
• Klima
• Relief
• Boden
• angrenzende Habitate
trophische Einflüsse
(Nahrungsgrundlagen)
anthropogene Einflüsse
• Landschaftsstruktur
• Schlaggröße
• Schlaggeschichte
• Bewirtschaftungsregime
• Bewirtschaftungsintensität
• angrenzende Habitate

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Bei einer dringend gebotenen zurückhaltenden und differenzierten Diskussion der Daten aus Bar-
berfallen-Fängen liegen die Vorteile dieser Methode gerade bei ökologischen Untersuchungen
gegebener Größenordnung auf der Hand: Es werden große und für eine ökologische Bewertung
geeignete Datensätze erreicht, die bei vergleichbarem Aufwand mit Absolutmethoden zur Abun-
danzschätzung nicht möglich wären.
Aus den Fallenfängen lassen sich die Parameter Artenzahl, Individuenzahl jeder Art sowie die
entsprechenden Aktivitätsdichten (Individuen pro Tag und Falle) und deren Dynamik direkt ermit-
teln. Eine weitere Charakterisierung der untersuchten Zönosen erfolgte mittels Berechnung folgen-
der ökologischer Indizes (nach M
ÜHLENBERG, 1993):
Diversitätsindex nach Shannon (H)
Evenness (E)
Jaccardsche Zahl (J) (Artenidentität)
Renkonen-Zahl (R) (Dominanzidentität)
Die letztgenannten Kennzahlen dienten darüber hinaus der Berechnung von Informationsverlusten
bei eingeschränktem Erhebungsaufwand (s. Kapitel 4.3.3).
Der Shannon-Index stellt eine absolute Zahl dar, deren Größe allein von der erfassten Artenzahl
und der Verteilung der Individuen auf die einzelnen Arten abhängt. Der Individuenreichtum spielt
keine Rolle. Bei Gleichverteilung aller Individuen auf die angetroffenen Spezies entspricht der Index
dem Logarithmus der Artenzahl. Als Evenness bezeichnet man den Grad der Gleichverteilung der
Individuen auf die einzelnen Spezies. Sie nimmt Werte zwischen 0 und 1 an und wird maximal,
wenn jede Art die gleiche Individuenzahl aufweist. Folglich beschreibt sie auch den Ausprägungs-
grad der Diversität, die bei einer Evenness von 1 ihren höchsten Wert erreicht.
Die Jaccardsche Zahl ist ein Maß für die Artenidentität der Fänge von zwei Flächen. Sie wird bei
wachsender Übereinstimmung größer und erreicht bei völliger Übereinstimmung der Artenspektren
100 %. Mit der Renkonen-Zahl wird die Dominanzidentität der Fänge von zwei Flächen angegeben.
Auch sie nimmt mit wachsender Übereinstimmung der Dominanzspektren zu und erreicht 100 %
bei völliger (qualitativer und quantitativer) Gleichheit der Fänge.
Angaben zur Dominanz orientieren sich an der Klassifizierung nach Engelmann (1978): Zu den
Hauptarten werden eudominante (32 % bis 100 %), dominante (< 32 % bis 10 %) und subdominan-
te Spezies (9,9 % bis 3,2 %) gezählt. Als Nebenarten gelten Spezies mit Dominanzprozenten von
< 3,2 % bis 1 % (rezedent), < 1 % bis 0,3 % (subrezedent) bzw. < 0,3 % (sporadisch). Die Prozent-
angaben beziehen sich jeweils auf die Individuenzahl des betrachteten Gesamtfanges.
Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung kamen auf jedem Schlag bzw. Teilschlag sechs Bo-
denfallen zum Einsatz (Abbildung 3-4). Die Fallen wurden jeweils entlang der gedachten Mittellinie
der Schmalseite jeder Bearbeitungsvariante eingegraben, so dass der Abstand zu benachbarten
Flächen mindestens 50 m betrug. Damit wurden Randeinflüsse minimiert. Der Abstand zwischen
benachbarten Fallen innerhalb der Varianten betrug ca. 25 m.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
12
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Analyse der Laufkäfer- und Spinnenfänge basiert auf Vergleichen der nachgewiesenen Arten-
zahlen, Arten- und Dominanzspektren und Individuenzahlen auf den vier verschiedenen Anbau-
bzw. Bearbeitungsvarianten. Darüber hinaus werden seltene und gefährdete Arten sowie (für die
Spinnen) auch standortcharakteristische Anspruchstypen ausgewiesen. Es wird geprüft, inwieweit
Laufkäfer- und Spinnenzönosen zur Bestimmung der ökologischen Nachhaltigkeit eines Bewirt-
schaftungssystems im Allgemeinen und der vier verglichenen Varianten im Besonderen geeignet
sind.
Alle erfassten Parameter und abgeleiteten Kennzahlen zu den epigäischen Raubarthropoden ba-
sieren auf Schätzungen der Aktivitätsdichten und nicht auf einer Ermittlung von Siedlungsdichten.
3.3.3.1
Laufkäfer (Coleoptera, Carabidae)
Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae) stellen auf ackerbaulich genutzten Flächen einen großen Teil
der epigäischen Arthropodenfauna und erreichen in diesen Lebensräumen oft beachtliche Arten-
und Individuenzahlen (T
ISCHLER, 1958; THIELE, 1977). Sie gelten aufgrund des hohen Wissensstan-
des zu Fragen der Biotopbindung, Phänologie und Ernährung vieler Arten, als hervorragende Indi-
katoren der Stabilität und Belastbarkeit agrarischer Ökosysteme (HEYDEMANN, 1955; PAWLIZKI,
1984; K
NAUER & STACHOW, 1987). Darüber hinaus leben die meisten Spezies räuberisch und po-
lyphag. Sie bilden damit ein ständig aktionsfähiges Potenzial zur Regulierung von Pflanzenschäd-
lingen (S
CHERNEY, 1959; BASEDOW, 1973; SUNDERLAND & VICKERMAN, 1980; EDWARDS & GEORGE,
1981).
Die Determination der Laufkäfer erfolgte nach FREUDE, HARDE & LOHSE (1974) sowie LOHSE &
L
UCHT (1989). Die Nomenklatur entspricht dem Vorgehen von TRAUTNER ET AL. (1997). Angaben
von Rote-Liste-Arten beziehen sich auf die Roten Listen Sachsens (ARNDT & RICHTER, 1995) und
Deutschlands (TRAUTNER ET AL., 1997).
3.3.3.2 Webspinnen (Araneae)
Neben den Laufkäfern gehören auch Webspinnen im Rahmen komplexer agrarökologischer Stu-
dien zu den bedeutendsten Forschungsobjekten. Sie zählen zu den arten- und individuenreichsten
Zönosen der Ackerlebensräume (G
EILER, 1963; AL HUSSEIN, 2000) und gelten in diesen Ökosyste-
men ebenfalls als effektive Regulatoren (NYFFELER, 1982; NENTWIG, 1988).
Die faunistisch-zönologischen Untersuchungen der Webspinnen beschränken sich auf das Ver-
suchsjahr 2003. Das erfasste Material wurde nach den Bestimmungsschlüsseln von R
OBERTS
(1985) sowie HEIMER & NENTWIG (1991) determiniert. Die Nomenklatur der Arten entspricht dem
Vorgehen von PLATNICK (1993). Seltene, rückläufige oder gefährdete Spezies wurden auf Basis der
Roten Listen Deutschlands (P
LATEN ET AL., 1996) bzw. Sachsens (HIEBSCH & TOLKE, 1996) ausge-
wiesen.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
13
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
3.3.4 Segetalvegetation
Die Vegetation der Untersuchungsschläge bzw. Teilschläge wurde mit Hilfe von Vegetationsauf-
nahmen, Individuenzählungen und Diagonalbegehungen jeweils im Frühjahr unmittelbar vor der
Herbizidapplikation in den konventionellen Varianten (EC Stadien 13-19) und im Sommer ca. ein
bis zwei Wochen vor der Ernte (EC-Stadien 75-83) erfasst. Die sechs Vegetationsaufnahmeflächen
pro Variante mit einer Größe von je 25 m² wurden parallel zu den Bodenfallen angeordnet. Die
Aufnahme erfolgte nach der erweiterten Dezimalskala von L
ONDO (1976). Zur stärkeren Gewichtung
der Individuenzahlen gegenüber dem Deckungsgrad werden dabei vor allem in den unteren De-
ckungsgradklassen Zusätze zur Beschreibung des Individuenreichtums angegeben (Tabelle 3-3).
Tabelle 3-3:
Schätzskala Vegetationsaufnahmen nach
LONDO
(1976)
Deckungsgrad Individuenzahlen
Skala % Skala n
.1 <1 r (raro) 1-5
.2
1 – 3
p (paupulum)
5-25
.4
3 – 5
a (amplius)
25-100
1
5 – 15
m (multum)
>100
2
15 – 25
3
25 – 35
4
35 – 45
5
45 – 55
6
55 – 65
7
65 – 75
8
75 – 85
9
85 – 95
10
95 – 100
Stetigkeiten innerhalb der sechs Wiederholungsaufnahmen wurden in den Stetigkeitsklassen I (0 –
20 %), II (21 – 40 %), III (41 – 60 %), IV (61 – 80 %) und V (81 – 100 %) angegeben. Im Jahr 2004
wurden zusätzlich die Individuenzahlen aller Arten auf je 1 m² pro Aufnahmefläche (zehn Wiederho-
lungen á 0,1 m²) mit Hilfe des Göttinger Zählrahmens zu beiden Terminen erfasst. Um eine Ein-
schätzung vornehmen zu können, wie gut die Vegetation des gesamten Schlages in den Probeflä-
chen repräsentiert war und um auch sehr seltene Arten zu integrieren, erfolgte zu jedem Termin
eine Gesamtschlagbegehung über die Diagonalen.
Für eine übersichtsartige Beurteilung der Diasporenbank der Schläge und Teilschläge wurden im
September 2003 je Untersuchungsvariante 3 l Boden aus 0 bis 25 cm Tiefe entnommen (60 Einsti-
che mittels Pürckhauer-Erdbohrstock). Die Proben wurden in die Tiefenstufen 0 bis 5 cm und 5 bis
25 cm aufgeteilt und in Keimschalen auf steriler Pflanzerde im Kaltgewächshaus kultiviert, wobei
eine Frostperiode und eine Austrocknungsperiode eingeschaltet wurde. Die auflaufenden Keim-
pflanzen wurden bestimmt. Vegetative Verbreitungseinheiten blieben unberücksichtigt. Dies ent-
spricht einer modifizierten Form der Auflaufmethode von K
ROPAC (1966).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
14
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Vegetationsaufnahmen nach der erweiterten Londo-Skala umfassen Präsenzwerte sowie An-
gaben für die Kombination aus Deckungsgrad und Individuenreichtum für die Arten des Bestandes
in einem Symbol (Beispiel: 1 M). Diese Angaben sind nicht für eine numerische Auswertung geeig-
net, weshalb eine Umrechnung dieser in berechenbare ordinale bzw. Intervall-Daten erfolgen muss
(Tabelle 3-4). Dazu können die Daten entweder in eine einfache Ordinalskala umgewandelt werden
oder es werden Klassenmittelwerte nach dem Deckungsgrad und/oder der Individuendichte verge-
ben. Im vorliegenden Fall wurden die Individuenzahlangaben als eigene Klassen gewertet.
Tabelle 3-4:
Quantitative Schätzskala, Umrechung in mittlere Deckungswerte und quantitative
Transformationsskala
Londo-Skala
m. DW
Transf. bis 10%
Ordinal. bis 10%
.1 R 0,1 0,1 1
P 0,2 0,5 4
A 0,4 2 7
M 0,8 3,5 10
.2 R 1 0,2 2
P 1,5 1 5
A 2 2,5 8
M 2,5 4 11
.4 R 3 0,4 3
P 3,5 1,5 6
A 4 3 9
M 4,5 4,5 12
1 10 10 13
2 20 20 14
3 30 30 15
4 40 40 16
5 50 50 17
6 60 60 18
7 70 70 19
8 80 80 20
9 90 90 21
10 100 100 22
m. DW
= mittlerer Deckungswert
Transf. = Transformation individuenzentriert
Ordinal.
= Ordinalskala individuenzentriert
Üblicherweise würde man die Deckungsgradmittelwerte auf diese Unterklassen aufteilen, so dass
.2r (Deckung 1 – 3 %, nur einige Individuen) quantitativ höher bewertet würde als .1 m (Deckung
1 %, über 100 Individuen). Diesem Schema wird nicht gefolgt, da im Rahmen einer Diversitätsbe-
wertung von Ackerflächen die quantitativen Verhältnisse vor allem in unteren Deckungsgradklassen
über die Individuenzahl besser ausgedrückt werden als über den Deckungsgrad.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
15
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die unteren Deckungsgradklassen (bis Skalenwert 1) erhielten fiktive Mittelwerte in aufsteigender
Anordnung nach Individuenzahl an erster und Deckungsgrad an zweiter Stelle. 100 Individuen von
Arabidopsis thaliana
mit einem verschwindend geringen Deckungsgrad werden so höher bewertet
als ein sehr mastiges Exemplar von Amaranthus retroflexus oder Convolvulus arvensis. Für Arten
mit höherer Dominanz folgt die Transformationsskala in den Skalenwerten ab 1 wieder den mittle-
ren Deckungswerten. Diese Transformation der Erfassungsskala liegt allen quantitativen Auswer-
tungen zugrunde. Auf eine v.d.MAAREL-Transformation (vgl. D
IERSCHKE, 1994) der Ordinalskala
wurde verzichtet.
Quantitative Vergleichsgrößen:
Als quantitative Basis-Vergleichsgrößen dienen
die Artenzahl pro Schlag,
die summierte Artenzahl aus den sechs Wiederholungsaufnahmen,
die mittlere Artenzahl pro Vegetationsaufnahme,
der mittlere Gesamtdeckungsgrad der Segetalvegetation,
die mittlere Individuenzahl/m².
Strukturelle Parameter:
Aufschluss über die Bestandsstruktur geben Werte für die mittlere Höhe der Segetalvegetation und
die Anzahl der Schichten. Die Bestandsstruktur hat Einfluss auf mikroklimatische Gegebenheiten
und die Nutzungsmöglichkeiten für die Agrarzoozönose. Die Diversität der Bestände hinsichtlich
ihrer Artenanteile lässt sich über die Eveness als erreichtes Maß der Gleichverteilung ausdrücken
(D
IERSCHKE, 1994). Die oben beschriebene Erfassungsskala und Daten-Transformation mit Häu-
fungen von sehr kleinen Werten führt zu sehr hohen Eveness-Werten. Die erhaltenen Werte sind
darum nur für den internen Vergleich und nicht für den Vergleich mit anderen Studien tauglich.
Ähnlichkeitskoeffizienten:
Die Verwendung reiner Präsenzkoeffizienten (Jaccardsche Zahl, Sörensen-Koeffizient) zur Beurtei-
lung der vegetationsbezogenen Ähnlichkeit oder Verwandtschaft von Pflanzenbeständen ist dann
unzureichend, wenn die Artenausstattung relativ ähnlich und wenig aussagekräftig gegenüber
quantitativen Unterschieden der Bestände ist. Nach Transformation der Aufnahmedaten (s.o.) wur-
den quantitative Unterschiede durch Verwendung des Dahl´schen Gemeinschaftskoeffizienten
(B
ISCHOFF, 1996; GOODALL, 1973 in DIERSCHKE, 1994) stärker berücksichtigt. Stetigkeitswerte gehen
in die Berechnung zusätzlich als Faktor ein. Dadurch werden in der Ähnlichkeitsberechnung Stetig-
keit, Deckungswerte und Individuenmengen berücksichtigt.
Die Art und Weise, wie die einzelnen Parameter verknüpft werden (ob als Summen, Produkte,
Exponenten oder sekundäre Rangzahlen) spielt dabei eine Rolle für die Wichtung einzelner Para-
meter und die konkreten Zahlenwerte. Es wurde versucht, ein Verfahren zu wählen, das die Ein-
zelwerte entsprechend ihrer Bedeutung erfasst. Angegeben werden Jaccard-Zahl und Gemein-
schaftskoeffizient nach DAHL.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
16
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Artengruppen:
Einen hohen Aussagewert besitzen quantitative Werte, die sich auf Artengruppen beziehen. Um
dem Anliegen der Vergleichsstudie (Bewertung ackerbaulicher Varianten hinsichtlich diversitätsför-
dernder Effekte auf die Segetalvegetation) gerecht zu werden, wurden die folgenden ökologisch,
naturschutzfachlich oder ackerbaulich begründeten Artengruppen bzw. Artanteile aufgeschlüsselt:
1. Arten, die den jeweiligen Standort über das allgemeine Level nährstoffreicher, lehmiger Äcker
hinaus stärker kennzeichnen (entsprechend den soziologisch-ökologischen Artengruppen der
Ackerunkrautvegetation Mitteldeutschlands; H
ILBIG ET AL., 1962)
Basenzeiger (Arten basenreicher Lehmgebiete)
Säurezeiger
Arten nährstoffärmerer Standorte
Krumenfeuchtezeiger
Feuchtezeiger
2. Arten, die eine Regionalbindung besitzen, welche standörtlich, geographisch oder höhenbe-
dingt sein kann (z. B. Arten, die nur im Lößhügelland vorkommen; Arten, die nicht über 250 m
ü NN vorkommen; Arten, die arealbedingt nur den Westteil Sachsens besiedeln).
In der Pflanzensoziologie lassen sich mit beiden Artengruppen Pflanzengemeinschaften näher
beschreiben. Die dort gelisteten Spezies dienen oft als Charakter- bzw. Differenzialarten der pflan-
zensoziologischen Einheiten. Bezugsfläche für diese Artengruppen ist das Gebiet des Freistaates
Sachsen (regionale Bindung), bzw. das mitteldeutsche Gebiet (soziologisch-ökologische Arten-
gruppen). Es muss darauf hingewiesen werden, dass die ökologische Einstufung, die den soziolo-
gisch, ökologischen Artengruppen von H
ILBIG ET AL. (1962) zugrunde liegt, möglicherweise in eini-
gen Fällen inzwischen überarbeitet bzw. weitergefasst werden muss. Eine umfassende Neubear-
beitung dieser Thematik fehlt aber bisher.
Von naturschutzfachlicher Bedeutung und häufig angewendet ist der Rote-Liste-Status der Arten.
Er wird nach der Roten Liste „Farn und Samenpflanzen“ des Freistaates Sachsen von 1999
(S
CHULZ, 1999) angegeben. Aktuell werden in Sachsen 98 Segetalarten den Gefährdungsklassen 3
bis 0 zugeordnet (BUDER & DÖRING, 2003). Dies unterstreicht die Notwendigkeit diversitätserhöhen-
der Maßnahmen auch aus Artenschutzaspekten. Daneben wurden konkurrenzschwache Arten
(meist niedrigwüchsige Spezies, die lückige Standorte bevorzugen und in der Regel kein Schadpo-
tenzial besitzen) gesondert gezählt. Anteile der Poaceae, denen eine ackerbauliche Bedeutung
zukommt, wurden als prozentuale Werte aus den quantitativen Vegetationsdaten (nach Datentrans-
formation) ermittelt.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
17
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
3.4
Ein Minimalprogramm zur Erfassung von Laufkäfern
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit erfolgte eine methodische Untersuchung zum notwendigen
Aufwand beim Einsatz von Bodenfallen. Die Festlegung eines solchen Minimalprogramms zur
Erfassung der als agrarökologische Indikatoren und Regulative gleichermaßen bedeutsamen Lauf-
käfer (Coleoptera, Carabidae) kann als Voraussetzung der Einbeziehung dieser Käferfamilie in
ökologische Bewertungssysteme gelten. Geklärt werden soll die Frage, welcher Aufwand betrieben
werden muss, um folgende Merkmalein hinreichender Genauigkeit widerspiegeln zu können:
den Artenreichtum,
das Auftreten faunistisch bemerkenswerter Arten oder Artengruppen
die vorgefundene Zönose insgesamt (Struktur, regulative Arten etc.).
„Hinreichend“ bedeutet hier, dass unterschiedliche Zielvorstellungen, z. B. zum Artenschutz, zur
Artenmannigfaltigkeit oder zur funktionalen Diversität (Selbstregulation / Nahrungsketten), in einer
Qualität berücksichtigt werden, die dem sensiblen Spannungsfeld Ökologie - Ökonomie optimal
gerecht wird.
Als Basis-Datensatz dienten umfangreiche systematische Bodenfallen-Fänge auf einem mitteldeut-
schen Trockenlößstandort (K
REUTER, 2000) aus den Jahren 1994 bis 1998. Durchgeführt wurden
Berechnungen zur Verteilung der insgesamt erfassten Arten auf die sechs eingesetzten Bodenfal-
len und zur Klärung der Effekte reduzierter Fallenzahlen und Fangperioden auf diese Verteilung
sowie auf die durchschnittlich zu erwartenden Artenzahlen und Dominanzspektren, jeweils gemes-
sen an den Werten bei voller Fallenzahl (im gegebenen Fall sechs Fallen pro Variante) und bei
maximalem Fangzeitraum. Die Details dieser Untersuchung (Vorgehensweise, verrechnete Daten-
sätze, Ergebnisse) sind einer Diplomarbeit (B
AUMGARTEN, 2003) zu entnehmen.
3.5 Statistik / Datenaufbereitung
In allen Fällen, in denen signifikante Differenzen zwischen zwei verglichenen Datensätzen angege-
ben werden, erfolgte die Signifikanzprüfung mit dem parameterfreien Mann-Whitney-(U-)Test. Der
zuvor notwendige Nachweis von Unterschieden zwischen alle betrachteten Grundgesamtheiten
(i d. R. sind das die vier Varianten Pflugeinsatz, Mulchsaat, Direktsaat und ökologisch) wurde mit
dem Kruskal-Wallis-(H-)Test durchgeführt. Die Irrtumswahrscheinlichkeit wurde mit α < 0,05 (5 %)
festgelegt. Zur Bewertung von Bewirtschaftungssystemen wird eine Aggregierung der Kennzahlen
und Indizes für die einzelnen Untersuchungsobjekte (vgl. Kap. 3.3) in Form von Summenwertzah-
len vorgeschlagen. Gemeinsam mit anderen acker- und pflanzenbaulichen Qualitätskenngrößen
(Fruchtartendiversität, reduzierter PSM-Einsatz, Sortenvielfalt etc.) könnten diese Wertzahlen dazu
dienen, den allgemeinen Einfluss eines bestimmten Bewirtschaftungsverfahrens auf die biologische
Diversität der bearbeiteten Fläche zu charakterisieren. Das Verfahren wird in Kapitel 5.5 vorgestellt.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
18
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4 Ergebnisse
Die Darstellung der Ergebnisse folgt der Gliederung der Untersuchungsobjekte (Kap. 3.3.1 – Kap.
3.3.4). Es schließt sich eine kurze Beschreibung der Untersuchungen zur Festlegung eines Mini-
malprogramms für die Erfassung von Laufkäfern (Carabidae) an. Vorschläge zur Aggregierung der
nachfolgenden Ergebnisse in ein agrarökologisches Bewertungsschema sind Gegenstand eines
sich anschließenden eigenen Kapitels (s. Kap. 5).
4.1 Bodenmikroorganismen
Die Freilanderhebungen zur Bestimmung quantitativer Parameter der Bodenmikroorganismen
(Biomasse, Atmungsaktivität, metabolischer Quotient) erfolgten im Frühjahr und Herbst des Jahres
2003 und im Frühjahr 2004 (s. Tabelle 3-2). Die Ergebnisse der Untersuchungen sind den Abbil-
dungen 4-1 bis 4-4 zu entnehmen.
Im Vergleich der vier Bearbeitungsvarianten wird eine deutliche Differenzierung hinsichtlich der
Verteilung und Aktivität der Mikroorganismen in den obersten 30 cm der Bodenauflage ersichtlich.
Ausgelöst wird diese in erster Linie durch die konservierende Bodenbearbeitung, die zu allen drei
Untersuchungsterminen eine typische Zonierung sowohl der Biomasse als auch der Basalatmung
hervorrief (vgl. Abbildungen 4-1 bis 4-3, obere und mittlere Diagramme). Sowohl unter dem Mulch-
saatverfahren als auch auf den Direktsaatvarianten erreichten die mikrobielle Biomasse und die
Atmungsaktivität in der obersten Bodenschicht (0 – 10 cm) ihre höchsten Werte. In fast allen Fällen
war dieses Merkmal signifikant (U-Test, α = 0,05). In den tieferen Bodenschichten nahmen die
genannten Werte mit zunehmender Bodentiefe i. d. R. weiter ab; allerdings waren die Differenzen
zwischen den Horizonten 10 bis 20 cm und 20 bis 30 cm insgesamt weniger deutlich ausgeprägt.
Die Abnahme der Biomasse mit zunehmender Bodentiefe hatte keinen adäquaten Rückgang der
Basalatmung zur Folge. Die entgegengesetzte Staffelung der metabolischen Quotienten verdeut-
licht, dass die Mikroorganismen in den tieferen Bodenhorizonten eine deutlich höhere spezifische
Aktivität aufwiesen. Aufgrund hoher Atmungsaktivitäten im oberflächennahen Bereich war diese
umgekehrte Zonierung im Herbst nicht mehr generell ausgeprägt und gegebenen Falls deutlich
schwächer als im Frühjahr (Abbildung 4-2).
Der Pflugeinsatz führte besonders im Jahr 2003 (sowohl im Frühjahr als auch im Herbst) zu einer
deutlich gleichmäßigeren Verteilung. Das gilt sowohl für die direkt gemessenen Parameter (Bio-
masse, Basalatmung) als auch für den daraus abgeleiteten energetischen Zustand der Zönosen
(Metabolischer Quotient). Lediglich im Frühjahr 2004 wiesen auch die gepflügten Varianten (kon-
ventionell/ökologisch) mit zunehmender Bodentiefe eine leichte Abnahme von mikrobieller Biomas-
se und Basalatmung auf. Im Gegensatz zu den pfluglos bearbeiteten Varianten nahm die spezifi-
sche Aktivität dabei aber nicht generell zu (vgl. Metabolische Quotienten in Abbildung 4-3).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
19
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Der ökologische Landbau zeitigte im gegebenen Fall keine fördernden Effekte auf die untersuchten
Kenngrößen. Zum Teil wurden sogar die geringsten Biomasse- und Aktivitätswerte festgestellt
(z. B. auf dem Schlag KÖ-2 im Jahr 2004); insgesamt waren die Differenzen zwischen den gepflüg-
ten Varianten aber gering.
Die Diagramme in Abbildung 4-4 enthalten die Mittelwerte aus den zuvor beschriebenen Kenngrö-
ßen für die drei Bodenhorizonte. Sie erlauben einen Vergleich der vier Bearbeitungsvarianten hin-
sichtlich der insgesamt vorhandenen mikrobiellen Biomasse und ihres Stoffwechselpotenzials in
den oberen 30 Bodenzentimetern. Auf den dauerhaft konservierend bewirtschafteten Ackerflächen
wurden auf beiden Standorten zu allen drei Terminen höhere mikrobielle Biomassen festgestellt als
auf den gepflügten Varianten (Abbildung 4-4, oberes Diagramm). Für die Mulchsaat-Parzellen war
dieser Unterschied generell signifikant, für die Direktsaatflächen nur am Standort Leipziger Tief-
land. Die gepflügten Schläge wiesen sehr ähnliche Werte auf; Effekte der ökologischen Bewirt-
schaftung waren nicht zu erkennen.
Aufgrund einer höheren spezifischen Stoffwechselaktivität auf den Flächen mit vergleichsweise
geringer Mikroben-Biomasse (s. Metabolische Quotienten in Abbildung 4-4, unteres Diagramm)
waren die Differenzen hinsichtlich der Basalatmung auf den verglichenen Varianten deutlich gerin-
ger. Im Herbst 2003 korrelierte die abnehmende Intensität der Bodenbearbeitung mit einer leichten
Zunahme der Werte (Abbildung 4-4, mittleres Diagramm). Im Frühjahr wurden dagegen in den
Proben von den Mulchsaatflächen die höchsten Atmungsaktivitäten gemessen. Zwischen Direkt-
saat und Pflugeinsatz traten diesbezüglich im Lößhügelland keine tendenziellen Unterschiede mehr
auf; im Leipziger Tiefland waren sie sehr gering. Auffällig sind die vergleichsweise geringen Basal-
atmungswerte für die Ökoschläge im Leipziger Tiefland.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Mikrobielle Biomasse
0
200
400
600
800
1000
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Basalatmung
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS / h
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Metabolischer Quotient
0
2
4
6
8
10
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Abbildung 4-1:
Biomasse und Aktivität der Boden-Mikroorganismen in den drei Bodenhorizonten
0 – 10 cm, 10 – 20 cm, 20 – 30 cm; Probenahme im Frühjahr 2003

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
21
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Mikrobielle Biomasse
0
200
400
600
800
1000
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Basalatmung
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
3,5
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS / h
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Metabolischer Quotient
0
2
4
6
8
10
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Abbildung 4-2: Biomasse und Aktivität der Boden-Mikroorganismen in den drei Bodenhorizonten
0 – 10 cm, 10 – 20 cm, 20 – 30 cm; Probenahme im Herbst 2003

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Mikrobielle Biomasse
0
200
400
600
800
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Basalatmung
0
0,5
1
1,5
2
2,5
3
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
μg C / g TS / h
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Metabolischer Quotient
0
2
4
6
8
10
LP
LM
LD
ZP
ZM
ZD
0-10cm
10-20cm
20-30cm
Abbildung 4-3: Biomasse und Aktivität der Boden-Mikroorganismen in den drei Bodenhorizonten
0 – 10 cm, 10 – 20 cm, 20 – 30 cm; Probenahme im Frühjahr 2004

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Mikrobielle Biomasse
0
100
200
300
400
500
600
F.2003
H.2003
F.2004
F.2003
H.2003
F.2004
μg C / g TS
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Mittelsächsisches Lößhügelland
Nördliches Leipziger Tiefland
Basalatmung
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
F.2003
H.2003
F.2004
F.2003
H.2003
F.2004
μg C / g TS / h
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Mittelsächsisches Lößhügelland
Nördliches Leipziger Tiefland
Metabolischer Quotient
0
2
4
6
8
10
F.2003
H.2003
F.2004
F.2003
H.2003
F.2004
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Mittelsächsisches Lößhügelland
Nördliches Leipziger Tiefland
Abbildung 4-4: Mittlere Biomasse und Aktivität der Boden-Mikroorganismen auf unterschiedlich
bearbeiteten Ackerflächen (in 0 - 30 cm Tiefe)

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
24
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.2
Streuabbauende Bodenorganismen (Köderstreifentest)
Die ermittelten Fraßaktivitäten wurden auf eine einheitliche Expositionszeit von einer Woche nor-
miert. Alle in den Abbildungen 4-6 und 4-7 aufgeführten Fraßraten stellen gemittelte Werte dreier
benachbarter Tiefenstufen dar. Jeder Punkt zeigt somit die gemittelte Aktivität einer 1,5 cm mächti-
gen Bodenschicht an.
Abbildung 4-5 zeigt die insgesamt ermittelten Fraßaktivitäten der Bodenfauna im Horizont von ca.
0,5 cm bis in 8,0 cm Bodentiefe im Vergleich der Untersuchungsperioden (Herbst 2003/Frühjahr
2004). Deutlich erkennbar sind die höheren Werte im Frühjahr 2004 in allen Varianten. Hieraus
lassen sich insgesamt günstigere ökologische Bedingungen für die Bodenfauna zum Frühjahrster-
min ableiten. Im Vergleich der vier untersuchten Bewirtschaftungsvarianten wurden in beiden Ver-
suchsreihen auf den konservierend bearbeiteten Parzellen (LM, LD) höhere Fraßraten festgestellt
als auf der benachbarten Pflugvariante (LP). Auf dem ökologisch bewirtschafteten Feld (PÖ) er-
reichte der Köderabbau im Herbst 2003 ein vergleichsweise hohes Niveau; dagegen war die Ge-
samtfraßaktivität im darauf folgenden Frühjahr 2004 dort relativ gering.
0
5
10
15
20
25
30
35
Herbst 2003
Frühjahr 2004
Fraßaktivität der Bodenfauna (in % / 7d)
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Abbildung 4-5:
Gesamtfraßraten in 0 – 8 cm Bodentiefe (Köderstreifentest)
4.2.1 Ergebnisse 2003
Die bodenzoologische Fraßaktivität auf den konventionell bewirtschafteten Flächen korrelierte mit
der abnehmenden Intensität der Bodenbearbeitung (Abbildung 4-6, oberes Diagramm). Die nied-
rigste Aktivität verzeichnete die gepflügte Fläche (LP), mit insgesamt nur 2,6 % durchfressener
Köder pro Woche. Eine mittlere Position nahm die gemulchte Fläche (LM) ein, mit 10,5 % Fraßakti-
vität. Die Fläche ohne Bodenbearbeitung (LD) wies die höchste Fraßrate aller untersuchten Bear-
beitungsvarianten auf. Hier wurden pro Woche 19,0 % der ausgebrachten Köder durchfressen.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
25
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die statistischen Tests weisen aus, dass die Fraßraten der Direktsaatfläche gegenüber denen der
Pflugvariante in allen Tiefen signifikant höher waren (U-Test, α = 0,05). Die Mulchsaatparzelle
zeigte auch gegenüber der Pflugvariante eine statistisch signifikant höhere Aktivität in fast allen
Tiefen. Dagegen wies LD gegenüber LM nur im unteren Teil der verglichenen Bodenschicht, zwi-
schen 4,5 cm und 8,0 cm Tiefe, eine statistisch gesicherte höhere Fraßrate auf; die Unterschiede
im darüber liegenden Bereich waren statistisch nicht abzusichern.
Im Vergleich der gepflügten Varianten (Abbildung 4-6, oberes Diagramm) zeigte die ökologisch
bewirtschaftete Fläche PÖ eine höhere Fraßaktivität als die konventionell bewirtschaftete Fläche
LP (14,2 % gefressene Köder in PÖ vs. 2,6 % in LP). Die Unterschiede sind größtenteils statistisch
signifikant. Eine Ausnahme bildet die Tiefenstufe zwischen 4,0 cm und 5,5 cm; hier wies die ökolo-
gisch bewirtschaftete Fläche ihre niedrigsten Fraßraten auf. Ab ca. 5 cm Tiefe stieg die Fraßaktivi-
tät auf der Ökofläche (PÖ) wieder an und erreichte – ähnlich der Variante ohne Bodenbearbeitung
(LD) – in 8 cm Tiefe Fraßraten von > 20 %.
4.2.2 Ergebnisse 2004
Im Vergleich zur Herbstbeprobung im Vorjahr waren die gemessenen Fraßaktivitäten im Frühjahr
2004 in allen Varianten deutlich erhöht (Abbildung 4-6, unteres Diagramm). Offensichtlich herrsch-
ten insgesamt günstigere ökologische Bedingungen für die Bodenfauna. Im Vergleich der drei Bo-
denbearbeitungsvarianten wurde die niedrigste Aktivität mit insgesamt 22,2 % durchfressener Kö-
der pro Woche wiederum für die gepflügte Fläche (LP) festgestellt. Eine mittlere Position nahm mit
29,8 % Fraßaktivität die Variante ohne Bodenbearbeitung (LD) ein, während die gemulchte Fläche
(LM) die höchste Fraßrate aller untersuchten Flächen aufwies. Hier wurden durchschnittlich 34,7 %
der ausgebrachten Köder pro Woche durchfressen.
Die Tiefenverteilung dieser Gesamtaktivitäten wies sowohl innerhalb der Frühjahrsuntersuchungen
auch im Vergleich zu den Aktivitätsprofilen vom Herbst des Vorjahres deutliche Unterschiede auf.
So wurden im Frühjahr auf dem gepflügten Teilschlag und auf der Mulchvariante die niedrigsten
Werte an der Bodenoberfläche ermittelt. Gemessen an einer oft als typisch beschriebenen Tiefen-
verteilung mit höchsten Fraßraten in Oberflächennähe und einer mehr oder weniger kontinuierli-
chen Abnahme mit zunehmender Bodentiefe, wiesen beide Flächen damit praktisch inverse Fraß-
aktivitätsprofile auf. Lediglich auf der Direktsaatfläche wurde in den obersten drei Bodenzentime-
tern höhere Werte festgestellt als in größeren Tiefen; allerdings waren auch hier die Fraßaktivitäten
direkt an der Bodenoberfläche geringer als im oberflächennahen Bereich (2 bis 3 cm Tiefe).
Vermutlich sind die genannten Erscheinungen auf die relative Trockenheit oder auf ein ungünstiges
Wechselspiel von Temperatur und Niederschlägen vor bzw. während der Köderstreifenexposition
zurückzuführen. Nach D
UNGER (1983) sind zahlreiche Gruppen der Mesofauna aufgrund des Po-
rensystems des Bodens in bestimmten Grenzen in der Lage, ungünstigen Bedingungen an der
Oberfläche durch Tiefenwanderungen zu entkommen. Diese Biomasseverlagerung zieht meist eine
entsprechende Verlagerung der Aktivitätsmaxima nach sich.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
26
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Abbildung 4-6: Fraßraten in unterschiedlichen Bodentiefen (Köderstreifentest) im Vergleich ver-
schiedener Anbau- und Bearbeitungssysteme
Lösshügelland, 17.10. - 07.11.2003
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Fraßaktivität der Bodenfauna (% / 7d)
Bodentiefe (cm)
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Lösshügelland, 16.04. - 30.04.2004
0
1
2
3
4
5
6
7
8
9
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
Fraßaktivität der Bodenfauna (% / 7d)
Bodentiefe (cm)
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
27
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Im statistischen Test waren die Fraßaktivitäten auf der gemulchten Fläche im Vergleich zur Pflug-
variante generell und gegenüber der Direktsaat in den tieferen Schichten (unterhalb 4 cm) signifi-
kant höher. Für die oberflächennahen Bereiche (0 bis 2 cm) wurden auf der Direktsaatfläche die
signifikant höchsten Werte ermittelt.
Die Gesamtfraßaktivitäten auf den konventionell bzw. ökologisch bewirtschafteten Pflugvarianten
(LP vs. PÖ) erreichten im Frühjahr 2004 nahezu identische Werte (22,2 % gefressene Köder in LP
vs. 22,1 % in PÖ). Die Verteilung dieser Aktivität im Tiefenprofil wies jedoch sehr große Differenzen
auf. Wie beschrieben, wurden auf dem konventionell bewirtschafteten Schlag (LP) an der Boden-
oberfläche minimale Fraßaktivitäten festgestellt. Die Ökofläche (PÖ) war dagegen durch hohe
Fraßraten im Bereich der Oberfläche und eine langsame Abnahme der Werte mit zunehmender
Tiefe charakterisiert. Mögliche Ursachen für diese Differenzen können neben dem komplexen Ein-
fluss der unterschiedlichen Bewirtschaftungssysteme (z. B. Fruchtartenvielfalt und Fruchtfolge,
Bestandesdichten und Ertragsniveau, Düngungs- und Pflanzenschutzintensitäten, organische Dün-
gung, Schlaggeschichte etc.) auch in den kleinräumigen Standortdifferenzen liegen, die ungeachtet
der vergleichbaren Bodenparameter bestehen. Der statistische Test belegte die Signifikanz der
höheren Aktivitätswerte im oberflächennahen Bereich (0 bis 3 cm) des Ökofeldes und in den unte-
ren Tiefenstufen (5 bis 8 cm) des konventionellen Schlages.
Im Vergleich aller vier Bearbeitungsvarianten fällt die überraschend große Übereinstimmung des
Kurvenverlaufs zwischen den Aktivitätsprofilen der ökologisch bearbeiten Fläche (PÖ) und der
Direktsaatvariante (LD) deutlich ins Auge. Dies gilt insbesondere für die obere Bodenschicht (0-
5cm). Offensichtlich sind diese sehr unterschiedlichen Anbausysteme gleichermaßen in der Lage,
ungünstige natürliche Faktoren im oberflächennahen Bereich relativ gut abzupuffern. Da die dort
anzutreffenden Strukturen auf beiden Flächen extrem unterschiedlich ausgeprägt waren, dürften
auch diese Puffereffekte unterschiedlicher Natur sein. Die langjährige Direktsaat führte schon we-
nige Millimeter unter der Oberfläche zu ungestörten Gefügen mit hohen Lagerungsdichten und
damit zu vergleichsweise stabilen mikroklimatischen Bedingungen. Dagegen könnte die Pufferwir-
kung in der obersten Bodenschicht der Ökofläche eher auf einem guten Regenerationsvermögen in
Folge einer relativ hohen biologischen Aktivität beruhen. Eventuell hat eine schnelle Zuwanderung
aus den tieferen Bodenschichten stattgefunden, die dann dort nicht adäquat kompensiert werden
konnte; die ökologisch bewirtschaftete Fläche wies im Jahr 2004 in den tiefer als 5 cm unter der
Oberfläche gelegenen Schichten die geringsten Fraßaktivitäten aller Varianten auf.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
28
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.3 Epigäische Raubarthropoden
Das Kapitel enthält die Ergebnisse zur qualitativen und quantitativen Zusammensetzung der erfass-
ten Laufkäfer- und Spinnenzönosen unter dem Einfluss der untersuchten Bewirtschaftungs- und
Bodenbearbeitungsverfahren. Eine zusammenfassende Darstellung der Untersuchungen zur Fest-
legung eines Minimalprogramms für Laufkäferfänge wird im Anschluss an den Ergebnisteil in Kapi-
tel 5 dargestellt.
4.3.1
Laufkäfer (Coleoptera, Carabidae)
Insgesamt wurden 16 006 Laufkäfer determiniert, die 81 Arten angehörten. Der Vergleich der vier
Anbausysteme Pflugeinsatz, Mulchsaat, Direktsaat (jeweils konventionell) und Ökolandbau (mit
Pflugeinsatz) basiert auf Datensätzen aus zweijährigen Versuchen. Fangzeiträume und Fallenzah-
len waren dabei innerhalb der vier genannten Varianten identisch. Für den Vergleich der drei Bo-
denbearbeitungsverfahren bei ansonsten konventioneller Bewirtschaftung standen darüber hinaus
Laufkäferfänge aus dem Jahr 2002 zur Verfügung. Dadurch wurden an beiden Standorten dreijäh-
rige Vergleiche der Varianten Pflugeinsatz, Mulchsaat und Direktsaat für den Frühjahrsaspekt
(April/Mai) möglich. Die folgenden Seiten enthalten eine komplette Aufstellung der 2003 und 2004
nachgewiesenen Arten und der dazugehörigen Individuenzahlen im Vergleich der vier Anbauver-
fahren (Tabelle 4-1).
Die Gesamtartenzahlen und die ermittelten Aktivitätsdichten bzw. Individuenzahlen je Variante sind
im Vergleich mit anderen europäischen Erhebungen relativ hoch. Sie entsprechen aber den Ergeb-
nissen aus ähnlichen Erhebungen im östlichen Mitteldeutschland. Offensichtlich sind die Klima- und
Bodenverhältnisse insgesamt optimal für die Ausprägung arten- und individuenreicher Zönosen.
Darüber hinaus trugen aber auch die dominierenden Bewirtschaftungsverhältnisse zu diesem rela-
tiv hohen Diversitätsniveau bei.
Ungeachtet dessen weisen die Fangsummen (Tabelle 4-1,
Zeilen 4 und 5) darauf hin, dass durch
eine generelle Extensivierung – im gegebenen Fall durch ökologische Bewirtschaftung – auf beiden
Standorten eine weitere Zunahme sowohl der Artenvielfalt als auch der Aktivitätsdichten erreicht
wurde. Der signifikant größere Artenreichtum der ökologisch bewirtschafteten Schläge ist vor allem
auf die stärkere Präsenz fakultativ phytophager Spezies aus den Unterfamilien der Harpalinae (mit
den Gattungen
Harpalus
,
Ophonus
und
Pseudoophonus
) und Zabrinae (v. a. Arten der Gattung
Amara
) zurückzuführen (Abbildung 4-7). Diese Effekte dürften ihre Ursachen in den signifikant
reicheren Segetalgesellschaften und Diasporenbanken der Ökoschläge haben (vgl. Kapitel 4–4).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
29
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-1:
Laufkäferzönosen (Arten und Individuenzahlen) auf Schlägen mit unterschiedlichen
Anbau- bzw. Bearbeitungssystemen, Sachsen 2003 – 2004
Nachgewiesene Arten und Individuenzahlen pro Art auf Basis von Bodenfallenfängen
Standort
Sächsisches Lößhügelland
Leipziger Tieflandsbucht
Bearbeitungsvariante
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
Individuen insgesamt
974 1346 1579 2380 1507 1546 1688 3069
Arten insgesamt
37 37 33 41 41 34 35 59
Acupalpus meridianus
Agonum gracilipes
Agonum muelleri
Agonum obscurum
Amara aenea
Amara apricaria
Amara aulica
Amara bifrons
Amara communis
Amara consularis
Amara convexior
Amara familiaris
Amara ingenua
Amara majuscula
Amara ovata
Amara plebeja
Amara similata
Amara tibialis
Anchomenus dorsalis
Anisodactylus binotatus
Asaphidion flavipes
Bembidion lampros
Bembidion obtusum
Bembidion properans
Bembidion pygmaeum
Bemb. quadrimaculatum
Bembidion tetracolum
Brachinus crepitans
Brachinus explodens
Calosoma auropunctatum
Carabus auratus
Carabus cancellatus
Carabus convexus
Carabus granulatus
Carabus nemoralis
Calathus ambiguus
Calathus fuscipes
Calathus melanocephalus
Chlaenius nigricornis
Cicindela campestris
Clivina fossor
Demetrias atricapillus
Dyschirius globosus
2
0
19
0
3
0
1
0
0
0
0
4
0
0
3
4
13
1
155
0
47
45
70
8
0
32
0
0
0
0
143
12
0
1
1
0
1
0
0
0
4
0
0
0
1
2
1
1
0
0
0
0
0
0
3
1
0
0
13
5
0
67
0
9
63
270
10
0
7
0
0
0
0
535
9
0
4
0
0
2
0
0
0
8
0
0
0
0
0
0
2
0
0
0
0
3
2
1
0
0
4
5
11
0
90
1
7
29
117
2
1
9
0
0
0
0
807
24
2
0
0
0
8
0
0
0
0
0
0
0
0
0
0
21
0
0
0
0
3
1
33
0
1
5
8
58
1
37
0
24
46
4
26
0
25
0
3
5
0
290
784
0
0
9
7
22
10
0
0
30
3
0
1
0
1
0
2
0
0
2
0
0
0
5
0
0
2
4
22
1
14
0
6
78
14
20
0
38
0
0
0
0
159
0
0
0
9
3
8
0
1
49
4
2
0
0
0
1
0
2
0
0
4
0
0
0
2
0
0
0
1
2
0
8
0
0
82
9
25
0
47
0
0
0
0
494
0
0
0
10
1
9
2
0
28
2
0
0
0
0
0
0
0
0
0
11
0
0
0
1
0
0
0
0
4
0
4
0
0
51
24
17
0
35
0
0
0
0
421
0
0
0
11
3
14
4
0
24
6
0
0
1
0
1
0
38
3
2
13
1
3
3
22
3
3
0
2
156
2
47
0
1
92
3
51
0
45
1
0
0
6
119
1
0
9
4
10
63
63
0
9
5
2
1

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
30
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-1 (Fortsetzung)
Standort
Sächsisches Lößhügelland
Leipziger Tieflandsbucht
Bearbeitungsvariante
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
Harpalus affinis
Harpalus anxius
Harpalus distinguendus
Harpalus frölichi
Harpalus luteicornis
Harpalus rubripes
Harpalus serripes
Harpalus signaticornis
Harpalus tardus
Harpalus tenebrosus
Harpalus zabroides
Leistus ferrugineus
Loricera pilicornis
Microlestes maurus
Microlestes minutulus
Nebria brevicollis
Notiophilus aestuans
Notiophilus biguttatus
Notiophilus germinyi
Ophonus azureus
Ophonus puctatulus
Ophonus rufibarbis
Panagaeus bipustulatus
Platynus assimilis
Poecilus cupreus
Poecilus punctulatus
Poecilus versicolor
Pseudoophonus calceatus
Pseudoophonus rufipes
Pterostichus melanarius
Pterostichus niger
Pterostichus nigrita
Pterostichus strenuus
Pterostichus vernalis
Stomis pumicatus
Synuchus vivalis
Trechus quadristriatus
Zabrus tenebrioides
111
0
8
0
0
2
0
1
0
0
0
0
40
2
3
17
0
2
0
0
0
0
0
3
78
0
1
0
8
106
0
0
0
0
0
2
21
0
61
0
3
0
0
0
0
4
1
0
0
0
20
0
2
38
0
20
0
0
0
0
0
2
26
1
1
0
14
69
2
0
0
0
1
0
64
6
81
0
6
0
1
0
0
0
1
0
0
0
20
0
0
187
0
30
1
0
0
0
0
0
14
0
3
0
12
64
0
0
0
0
0
0
4
30
91
0
21
5
0
3
0
3
0
0
0
0
38
0
1
0
0
0
0
0
0
1
0
0
172
14
8
0
55
359
0
0
0
0
26
0
120
7
33
0
22
0
0
0
0
5
1
0
0
2
116
0
1
0
2
4
1
0
0
0
0
0
100
0
0
0
81
592
0
0
0
1
24
1
73
3
35
0
12
1
0
0
0
0
7
0
0
1
63
0
7
0
1
17
0
0
0
0
0
0
106
0
4
0
54
466
0
0
0
0
1
2
40
0
57
0
87
0
0
6
3
5
6
0
1
0
21
0
1
8
3
18
0
0
0
0
0
0
90
1
7
0
95
583
0
0
0
0
1
0
62
3
289
2
93
3
0
4
0
21
10
1
0
0
44
0
0
1
0
0
0
1
2
5
1
0
164
190
7
2
85
1236
0
0
0
1
18
1
101
2
Individuen insgesamt
974 1346 1579 2380 1507 1546 1688 3069
Arten insgesamt
37 37 33 41 41 34 35 59

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
31
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
fakultativ phytophage Laufkäfer
0
2
4
6
8
10
12
14
16
Harpalinae
Zabrinae
Harpalinae
Zabrinae
Artenzahl
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Harpalinae
Zabrinae
Harpalinae
Zabrinae
Individuenzahl
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
Ökologisch
Lößhügelland
Leipziger Tiefland
Abbildung 4-7:
Arten- und Individuenzahlen ausgewählter Laufkäfer-Gruppen
Neben den genannten Artengruppen präferierten weitere Laufkäfer die ökologisch bewirtschafteten
Varianten (PÖ und KÖ). Die typische Feldart
Pterostichus melanarius
wurde an beiden Standorten
mit Abstand am häufigsten gefangen. Auf den Ökoschlägen erreichte sie signifikant höhere Aktivi-
tätsdichten als auf den konventionellen Bodenbearbeitungsvarianten.
Darüber hinaus wiesen beide ökologisch bewirtschafteten Flächen jeweils eine Spezies der „Roten
Liste Laufkäfer“ des Freistaates Sachsen auf, die dort als Hauptart (nach E
NGELMANN; 1978) klassi-
fiziert werden konnte, auf den drei konventionellen Flächen dagegen nicht oder nur in wenigen
Exemplaren nachzuweisen war. Auf dem Feld in Pulsitz (PÖ) erreichte
Carabus cancellatus
als
dominante Art mit 784 Individuen (eudominant) 32,9 % des Gesamtfanges. Diese große, regulativ
bedeutsame und in Sachsen gefährdete Art, war damit auf dem Pulsitzer Feld der mit Abstand am
häufigsten erfasste Laufkäfer. Auf den Ökofeldern bei Krippehna erreichte die in Sachsen ebenfalls
als gefährdet eingestufte Spezies
Poecilus punctulatus
mit 190 Individuen durchschnittlich 6,2 %
des Gesamtfanges. Im Jahr 2004 war dieser xerophile Vertreter der pannonischen Faunenregion
die am zweithäufigsten erfasste Art (86 Individuen, 18,8 % des Jahresfangs). Auch alle drei nach-
zuweisenden
Calathus
-Arten und einige weitere Spezies erreichten auf den Ökoflächen signifikant
höhere Fangzahlen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
32
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Aufgrund höherer Artenzahlen und einer ausgeglicheneren Dominanzstruktur (s. Evenness-Werte)
wiesen die gepflügten Flächen, unabhängig von ihrer Bewirtschaftungsintensität, einen höheren
Diversitätsindex als die konservierend bearbeiteten Varianten (Tabelle 4-3). Ungeachtet dessen
ging der größere Artenreichtum überwiegend auf Einzelnachweise zurück. Lediglich auf dem Öko-
schlag in Pulsitz (PÖ) wurden viele nur dort anzutreffende Arten auch in höheren Individuenzahlen
und in der Mehrzahl der eingesetzten Bodenfallen gefangen (vgl. Tabelle 4-1
und Tabelle 4-3).
Innerhalb der konventionell bewirtschafteten Schläge erreichten die gepflügten Varianten i. d. R.
höhere Artenzahlen als die Mulch- und Direktsaatflächen (Abbildung 4-8). Bezüglich der Arten- und
Dominanzstrukturen führten die drei Bodenbearbeitungsvarianten zu einer relativ starken Differen-
zierung der Zönosen. Eines der auffälligsten Merkmale war dabei die signifikante Förderung der in
Sachsen als rückläufig klassifizierten Spezies
Carabus auratus
(Abbildung 4-9). Diese große und
regulativ wirksame Art erreichte auf den konservierend bearbeiteten Parzellen bis zu fünfmal höhe-
re Aktivitätsdichten als auf den Pflugvarianten. Daneben wurden
Notiophilus biguttatus
und
Nebria
brevicollis
(letztere nur im Lößhügelland) durch schonende Bodenbearbeitung signifikant gefördert.
Zu den Arten, die eindeutig die gepflügten Flächen präferierten, gehören
Agonum mülleri
und
A-
saphidion flavipes
(v. a. in Lüttewitz),
Cicindela campestris
und
Stomis pumicatus
(v. a. in Zschor-
tau) sowie
Anchomenis dorsalis
und
Loricera pilicornis
(auf beiden Schlägen, vgl. Individuenzahlen
in Tabelle 4-1).
Laufkäfer (Coleoptera: Carabidae)
0
5
10
15
20
25
30
Frühjahr
2002
Frühjahr
2003
Frühjahr
2004
Frühjahr
2002
Frühjahr
2003
Frühjahr
2004
erfasste Arten
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
am Standort Zschortau
am Standort Lüttewitz
Abbildung 4-8:
Effekte der Bodenbearbeitung auf die nachgewiesenen Artenzahlen im Frühjahrsas-
pekt der Jahre 2002 - 2004

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
33
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Goldlaufkäfer (
Carabus auratus
L.)
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
500
Frühjahr
2002
Frühjahr
2003
Frühjahr
2004
Frühjahr
2002
Frühjahr
2003
Frühjahr
2004
erfasste Individuen
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
am Standort Zschortau
am Standort Lüttewitz
a
a
a
a
a
a
b
b
b
b
b
b
b
c
c
b
b
c
Abbildung 4-9:
Effekte der Bodenbearbeitung auf die Aktivitätsdichte des Goldlaufkäfers (
Carabus
auratus)
im Frühjahrsaspekt der Jahre 2002 bis 2004
Andere Arten wurden an einem Standort auf Pflug- oder Direktsaatflächen signifikant häufiger er-
fasst, an dem anderen ließen sich keine oder entgegengesetzte Differenzen feststellen (darunter
Hauptarten, z. B.
Poecilus cupreus Harpalus affinis
oder einige häufige Vertreter der Gattung
Bembidion
). Entsprechend zurückhaltend sollten die nachzuweisenden Unterschiede interpretiert
werden.
Insgesamt wurden 21 Laufkäferarten der Roten Listen Sachsens (16 Spezies) bzw. Deutschlands
(14 Arten) auf den Versuchsflächen festgestellt (Tabelle 4-2). Die ökologisch bewirtschafteten
Schläge wiesen die meisten gefährdeten bzw. seltenen Spezies auf. Auf diesen Flächen (KÖ und
PÖ) war auch eine größere Anzahl solcher Rote-Liste-Arten zu finden, die in mehreren Exemplaren
erfasst werden konnten. Im Rahmen der konventionellen Bewirtschaftung ließen sich bei Anwen-
dung der Direktsaat generell mehr Rote-Liste-Arten nachweisen als bei Pflugeinsatz. Auf die her-
ausragenden Unterschiede hinsichtlich der häufig erfassten Formen
Carabus auratus
,
Carabus
cancellatus
und
Poecilus punctulatus
sowie auf die Förderung von Arten der Gattungen
Amara
und
Harpalus
durch den ökologischen Landbau wurde bereits eingegangen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
34
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Ähnlichkeitsindizes (Jaccardsche Zahl und Renkonenzahl, Tabelle 4-3) weisen auf stark diffe-
renzierende Effekte als Folge der Bewirtschaftungsunterschiede hin. So bestand zwischen den
Pflug- und Direktsaatflächen innerhalb eines Schlages oft eine geringere Arten- und Dominanziden-
tität als zwischen gleichartigen Verfahren auf den weit voneinander entfernten Standorten. Die
größten Übereinstimmungen hinsichtlich Artenzusammensetzung und Dominanzstruktur wiesen
i. d. R. jeweils die beiden nicht gepflügten Parzellen eines Standortes auf. Eine Gegenüberstellung
jeweils gleicher Bearbeitungs- und Anbauverfahren erbrachte für die Direktsaatflächen deutlich
geringere strukturelle Übereinstimmungen als für die anderen Varianten. Offensichtlich etablieren
sich auf diesen relativ ungestörten Flächen kleinräumig standorttypische Gesellschaften, die beim
Pflügen oder Grubbern durch die Effekte der mechanischen Bodenbearbeitung negiert werden.
Das Ähnlichkeitsniveau insgesamt war – in Anbetracht ähnlicher Bodenverhältnisse und überein-
stimmender Kulturarten (auf den konventionellen Schlägen auch mit identischen Fruchtfolgen) –
vergleichsweise gering. Auch dieser Fakt verdeutlicht den Trend zu einer Differenzierung der Lauf-
käferzönosen, wobei der Rahmen typischer Ackerarten und ihrer dominanten Vertreter natürlich
nicht gesprengt wird.
Tabelle 4-2:
Rote-Liste-Arten 2003 / 2004
Arten der Roten Liste Sachsens (Sn) und Deutschlands (D)
Rote Liste
Sn D
Agonum gracilipes
Amara ingenua
Amara ovata
Amara tibialis
Bembidion pygmaeum
Brachinus crepitans
Brachinus explodens
Calosoma auropunctatum
Carabus auratus
Carabus cancellatus
r
Carabus convexus
Chlaenius nigricornis
Harpalus frölichi
Harpalus luteicornis
Harpalus serripes
Harpalus tenebrosus
Harpalus zabroides
Notiophilus aestuans
Notiophilus germinyi
Poecilus punctulatus
Pseudoophonus calceatus
3*
R
R
4
R
R
R
3
R
3
R
2
2
3
3
3
D
V
V*
3
V
3
V*
V
V*
D
2
3
2
3
2
… stark gefährdet
3 … gefährdet
3* … (Daten defizitär; wahrscheinlich „3“)
4
… potenziell gefährdet (selten bzw. lokal)
R
… im Rückgang
V
… Arten der Vorwarnliste
V* … (mit starken regionalen Differenzen)
D
… Daten defizitär (generell seltene Arten)

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
35
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-3:
Ökologische Kennzahlen der Laufkäferzönosen auf Schlägen mit unterschiedlichen
Anbau- bzw. Bearbeitungssystemen, Sachsen 2003-2004
Ökologische Kennzahlen der Laufkäferfänge aus den Jahren 2003 / 2004
Standort
Sächsisches Lößhügelland
Leipziger Tieflandsbucht
Bearbeitungsvariante
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
Arten
37 37 33 41 41 34 35 59
Individuen
974 1346 1579 2380 1507 1546 1688 3069
Diversitätsindex nach Shannon
2,70 2,17 1,93 2,45 2,35 2,11 2,22 2,46
Evenness
0,75 0,60 0,55 0,66 0,63 0,60 0,62 0,60
Rote-Liste-Arten (Sn + D)
4 5 6 8 6 3 5 9
(davon mit >1 Indiv. / Art)
(2) (2) (4) (7) (3) (1) (3) (7)
Artenidentität (Jaccardsche Zahl))
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
LM
64%
-
LD
52% 56% -
56% 53% 51% -
ZP
59% 53% 48% 55% -
ZM
54% 54% 46% 53% 70% -
ZD
50% 57% 45% 55% 58% 68% -
50% 48% 39% 59% 52% 48% 47% -
Dominanzidentität (Renkonenzahl))
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
LM
55%
-
LD
48% 74% -
51% 39% 32% -
ZP
52% 38% 28% 55% -
ZM
54% 56% 48% 51% 75% -
ZD
49% 51% 43% 52% 76% 83% -
45% 30% 23% 50% 71% 59% 67% -
Verteilung auf die sechs Fallen
LP LM LD PÖ ZP ZM ZD KÖ
03-07/2003: in 1 Bodenfalle
in 2 Bodenfallen
in 3 Bodenfallen
in 4 Bodenfallen
in 5 Bodenfallen
in 6 Bodenfallen
9
7
2
2
3
8
3
6
4
1
3
6
4
2
2
1
4
7
5
5
2
3
3
11
7
7
2
1
5
6
9
1
1
2
3
10
2
4
2
1
4
8
14
6
6
3
1
18
Winter 03/04: in 1 Bodenfalle
in 2 Bodenfallen
in 3 Bodenfallen
in 4 Bodenfallen
in 5 Bodenfallen
in 6 Bodenfallen
2
2
0
1
0
2
3
1
2
0
1
3
1
2
2
1
0
2
2
4
1
3
1
1
3
2
3
0
1
2
4
2
2
2
0
2
6
3
2
0
1
4
3
3
1
1
0
6
03-07/2003: in 1 Bodenfalle
in 2 Bodenfallen
in 3 Bodenfallen
in 4 Bodenfallen
in 5 Bodenfallen
in 6 Bodenfallen
6
7
4
3
2
7
7
7
6
4
4
5
5
6
4
2
3
8
4
2
5
7
5
12
10
7
4
2
4
7
8
5
5
2
1
6
4
3
4
5
4
7
11
7
4
3
8
4

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
36
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.3.2 Webspinnen (Araneae)
Die dargestellten Ergebnisse basieren auf Fangdaten aus dem Jahr 2003. Am Standort „Mittel-
sächsisches Lößhügelland“ konnten alle vier verglichenen Bearbeitungsvarianten (LP, LM, LD und
PÖ) einbezogen werden; am Standort „Nördliches Leipziger Tiefland“ die Varianten „konventionell –
Pflugeinsatz“ (ZP) und ,“konventionell – Direktsaat“ (ZD) sowie der ökologisch bewirtschaftete
Schlag (KÖ1). Insgesamt wurden 17 178 Webspinnen determiniert, die 74 Arten aus 15 Familien
angehörten. Die größte Artendiversität wurde an beiden Standorten für die Direktsaatflächen fest-
gestellt. Die Übersicht in Tabelle 4-4
ermöglicht einen detaillierten Vergleich aller Artennachweise
und der Individuenzahlen pro Art im Vergleich der Bodenbearbeitungs- und Bewirtschaftungsvari-
anten für beide Standorte. Die Zusammensetzung der Spinnenzönose entspricht Angaben zur
Faunenausstattung in Agrarbiotopen (A
L HUSSEIN, 2000; VOLKMAR U.A., 2000). Die Linyphiidae stell-
ten mit 36 Spezies und 82 % aller Individuen den qualitativ und besonders quantitativ größten Teil
des Gesamtfangs. Als eudominanter Vertreter dieser Familie trat
Oedothorax apicatus
auf allen
Flächen auf. Dominante Spezies waren
Erigone atra
und
Erigone dentipalpis
.
Zwischen ökologischer und konventioneller Bewirtschaftung konnten diesbezüglich im Leipziger
Tiefland keine Unterschiede registriert werden (jeweils 38 Arten). Dagegen ließen sich im Mittel-
sächsischen Lößhügelland deutliche Differenzen feststellen. Diese waren vor allem auf das Auftre-
ten von Arten aus den Familien der Araneidae, Hahniidae und Theridiidae auf dem Ökoschlag in
Pulsitz (PÖ) zurückzuführen, die auf der gepflügten Fläche in Lüttewitz (LP) gänzlich fehlten. Auch
Vertreter der Thomisidae zeigten auf dem ökologisch geführten Feld eine höhere Artendiversität.
Die determinierten Spezies (z. B.
Mangora acalypha
,
Hahnia nava
,
Neottiura bimaculata
,
Xysticus
kochi
) gehören zu Vertretern der offenen Landschaft die nach Angaben von T
OLKE & HIEBSCH
(1995) in vermutlich allen Naturräumen Sachsen auftreten.
Hinsichtlich der Individuenzahlen konnten in beiden Naturräumen den ökologisch bewirtschafteten
Feldern signifikant höhere Aktivitätsdichtewerte zugeordnet werden. Diese quantitativen Unter-
schiede sind im Leipziger Tiefland vor allem auf eine hohe Aktivität der häufigen Ackerspinnen
Oedothorax apicatus
und
Erigone atra
zurückzuführen. In der Dominanzstrukturanalyse nach E
N-
GELMANN
(1978) erreichte
O. apicatus
auf dem Feld in Krippehna (KÖ1) einen Anteil von 54,1 % an
der Gesamtpopulation. Neben dieser eudominanten Art traten
Erigone atra
und
E. dentipalpis
do-
minant auf. Mit einem Anteil von 7,6 % an der Spinnenzönose erreichte die Wolfspinne
Pardosa
agrestis
den Status „subdominant“, während ihr Anteil in Zschortau (ZP) nur 1,4 % (rezedent) aus-
machte. Weitere Lycosidenarten (
Pardosa palustris, P. prativaga
) waren in Krippehna ebenfalls
häufiger bzw. aktiver als auf dem konventionell bearbeiteten Feld in Zschortau (Abbildung 4-10).
Eine Detailanalyse zeigt aber auch, dass die Wolfsspinne
Trochosa ruricola
in beiden Naturräumen
die Äcker als Lebensraum nutzte (ZP: 33 Individuen, KÖ1: 29 Individuen).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
37
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-4:
Webspinnen-Zönosen (Arten / Gefährdungsstatus; Individuenzahlen) auf Schlägen
mit unterschiedlichen Anbau- bzw. Bearbeitungssystemen, Sachsen 2003-2004
Webspinnen (Araneae) und ihre Einstufung in die Roten Listen Sachsens (Sn) bzw. Deutschland (D)
Standort:
Lößhügelland Leipziger Tiefland
Bearbeitungsvariante:
LP LM LD PÖ ZP ZD KÖ1
Art / Gefährdungsstatus (Rote Listen)
Cicurina cicur
1
Araneidae - nicht determiniert
1
1
1
Mangora acalypha
2
1
Clubiona reclusa
1
3
Argenna subnigra
/ Sn 4
1
2
Gnaphosidae - nicht determiniert
1
2
Drassyllus lutetianus
1 11 5 45 3 1 10
Drassyllus praeficus
/ Sn 3
1
Drassyllus pusillus
2
4
2
1
Micaria pulicaria
1
3
Haplodrassus dalmatensis
/ Sn 3, D 3
1
1
1
Haplodrassus signifer
1
Zelotes petrensis
1
Zelotes
spec
.
3
1 1
2
Zelotes subterraneus
1
1
Hahnia nava
/ Sn 4
2
Linyphiidae - nicht determiniert
75 134 81 75 89 22 123
Araeoncus humilis
14 35 6 26 25 9 65
Bathyphantes gracilis
13
8
1
3
1
4
Centromerita bicolor
1
Centromerus persimilis
/ Sn 4
1
Ceratinella brevis
1
1
Dicymbium nigrum
2
3
2
Diplocephalus cristatus
11
51
70
1
Diplostyla concolor
2
4
1
2
1
4 2
Erigone atra
388 699 292 657 271 146 460
Erigone dentipalpis
270 458 144 355 313 118 297
Erigonella hiemalis
1
Gongylidiellum vivum
2
Lepthyphantes pallidus-
Gruppe
1
1
Lepthyphantes tenuis-
Gruppe
26 18 19
5
13
5
2
Lepthorhoptrum robustum
4
1
Meioneta rurestris
89 107 56 52 109 68 59
Micrargus herbigradus
1
2
2
Micrargus subaequalis
2
1
4
5
Microlinyphia pusilla
1
1
1
Mioxena blanda
9
1
1
3
Oedothorax apicatus
1079 1026 727 1234 344 495 2051
Oedothorax fuscus
1
1
Oedothorax retusus
30
68
36
2
Ostearius melanopygius
1
2
Pelecopsis parallela
5
Pocadicnemis juncea
1
1
Porrhomma errans
1
Porrhomma microphthalmum
37 35 26 31 66 20 21
Silometopus reussi
4
1
Stemonyphantes lineatus
1
Tapinocyba praecox
1
Tiso vagans
1
15 13
2
1
Troxochrus scabriculus
8
32
73
Walckenaeria atrotibialis
/ Sn 4
1
2
Walckenaeria dysderoides
2
1
4
Walckenaeria vigilax
5
31
25
10
6

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
38
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-4 (Fortsetzung)
Standort Lößhügelland Leipziger Tiefland
Bearbeitungsvarianten
LP LM LD PÖ ZP ZD KÖ1
Liocranidae - nicht determiniert
Phrurolithus festivus
1
1
2
Lycosidae - nicht determiniert
9 132 97 102 146 44 165
Alopecosa cuneata
4 2 3 1
Alopecosa pulverulenta
2
2
3
1
Aulonia albimana
3
1
Pardosa agrestis
12 9 14 264 23 100 289
Pardosa amentata
3
1
2
6
1
1
Pardosa palustris
22 47 37 45 5 10 63
Pardosa prativaga
4 1 15 34 51 51
Pardosa pullata
21
63
59
36
4
Pirata latitans
2
1
Trochosa ruricola
35 62 73 26 33 167 29
Trochosa
spec.
5
9
8
2
2
7
Trochosa terricola
1
Xerolycosa miniata
/ Sn 4
5 11 4
Thanatus striatus
3
Pisaura mirabilis
1
2
Bianor aurocinctus
1
Talavera aequipes
4
Talavera aperta
1
Talavera frontalis
1
Tetragnathidae - nicht determiniert
1
1
Pachygnatha clercki
1
1
Pachygnatha degeeri
55 74 87 72 22 19 46
Tetragnatha pinicola
1
Theridiidae - nicht determiniert
2
1
1
Achaearanea riparia
1
Enoplognatha thoracia
1
Neottiura bimaculata
3
Robertus arundineti
18 2 2
Theridion impressum
1
1
Thomisidae - nicht determiniert
1
Ozyptila simplex
/ Sn 3
1
Ozyptila trux
1
Xysticus cristatus
1
2
2
Xysticus kochi
1 1
4 8 11 7
Xysticus ulmi
1
1
Zora spinimana
1
Individuen insgesamt
2228 3162 1977 3105 1561 1356 3789
nachgewiesene Arten
32 35 40 37 38 40 38
Fangtage
111 111 111 95 111 80 95
Individuen pro Tag und Falle
3,35 4,75 2,97 5,45 2,34 2,83 6,65
Rote-Liste-Arten (Sn + D)
3
2
1
1
3
3
1

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
39
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Im Mittelsächsischen Lößhügelland gehörte das signifikant stärkere Auftreten von Wolfsspinnen auf
dem Ökoschlag (PÖ) zu den herausragenden Ergebnissen (Abbildung 4-10). Viele der meist recht
großen Lycosidenarten bevorzugen aufgrund ihrer Verletzungsempfindlichkeit störungsarme Le-
bensräume (Ruderalflächen, Wiesen). Ungeachtet des Pflugeinsatzes hatte der ökologische Land-
bau unter den gegebenen Standortbedingungen offensichtlich positive Effekte auf diese Arten, so
dass die Störungen durch mechanische Eingriffe weitgehend kompensiert werden konnten. Auf
dem Ökofeld bei Pulsitz gehörten die Lycosidae mit über 16 % des Gesamtfanges zu den dominan-
ten Vertretern der Webspinnen; auf der konventionellen Pflugvariante in Lüttewitz (LP) betrug ihr
Anteil nur 4,9 %. Besonders
Pardosa agrestis
erreichte unter den Bedingungen des ökologischen
Landbaus signifikant höhere Aktivitätsdichten (auf PÖ: 8,5 % = subdominant; auf LP 0,5 % =
subrezedent).
Eine Übersicht über weitere relevante ökologische Daten aus dem Vergleich der ökologisch und
der konventionell bewirtschafteten Fläche im Lößhügelland (beide mit Pflugeinsatz) ist Tabelle 4-5
zu entnehmen. Der Diversitätsindex nach Shannon liegt bei ökologischem Anbau über dem Wert
für die konventionelle Produktion. Die Evenness, als Maß der Gleichmäßigkeit der Individuenvertei-
lung auf die Arten, ist für beide Varianten mit 50 % relativ gering.
Die Ähnlichkeitsanalyse weist 22 gemeinsame Arten aus, darunter alle dominanten und subdomi-
nanten Arten. Ausschließlich im ökologisch bewirtschafteten Feld fanden sich 12 Spezies (u. a.
Drassyllus pusillus
,
Hahnia nava
,
Alopecosa cuneata
,
Ozyptila trux
). Auf der konventionell bewirt-
schafteten Fläche waren neun Arten nachzuweisen, die in den Fängen vom Ökoschlag fehlten,
darunter
Centromerus persimilis
(Rote Liste Sachsen: 4 – potenziell gefährdet),
Oedothorax fuscus
,
Troxochrus scabriculus
und
Ozyptila simplex
(Roter Liste Sachsen: 3 – gefährdet). Bei diesen
Nachweisen handelt es sich in der Mehrzahl um Einzelfunde. Die gute Übereinstimmung beider
Felder in der Ausstattung mit dominanten Vertretern der epigäischen Spinnenfauna kommt in ei-
nem relativ hohen Renkonen-Index von 83 % zum Ausdruck (Tabelle 4-5).
Tabelle 4-5:
Ökologische Kennzahlen der Webspinnenfänge auf gepflügten Flächen im Mittel-
sächsischen Lößhügelland (2003)
Varianten mit Pflugeinsatz
LP (konv.l)
PÖ (ökol.)
Artenzahl
Individuenzahl
32
2228
37
3105
Shannon-Index
Evenness
1,72
0,50
1,83
0,50
Jaccard-Index 49 %
Renkonen-Index 83 %

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
40
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Mittelsächsisches Lößhügelland
0
20
40
60
80
100
Pardosa agrestis
P. palustris
P. pullata
Trochosa ruricola
erfasste Individuen
ökologisch
Pflugeinsatz
Mulchsaat
Direktsaat
a
b
a
b
ab
b
c
b
b
a
a
a
c
a
b
b
264
Nördliches Leipziger Tiefland
0
25
50
75
100
125
Pardosa agrestis
P. palustris
P. prativaga
Trochosa ruricola
erfasste Individuen
ökologisch
Pflugeinsatz
Direktsaat
a
b
a
b
c
b
a
a
a
c
a
b
284
Abbildung 4-10:
Aktivitätsdichten von Wolfsspinnen (Lycosidae) unter dem Einfluss unterschiedlicher
Anbau- und Bearbeitungsstrategien

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
41
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-6:
Ökologische Kennzahlen der Webspinnenfänge auf gepflügten Flächen im nördlichen
Leipziger Tiefland (2003)
Varianten mit Pflugeinsatz
ZP (konv.l)
KÖ1 (ökol.)
Artenzahl
Individuenzahl
38
1561
38
3789
Shannon-Index
Evenness
2,12
0,58
1,54
0,42
Jaccard-Index 50 %
Renkonen-Index 59 %
Tabelle 4-6 enthält die Kennzahlen für den Vergleich der ökologisch und konventionell bewirtschaf-
teten Pflugvarianten im Leipziger Tiefland (Zschortau: „ZP“ und Krippehna: „KÖ1“). Bei gleicher
Artenzahl weisen die Flächen unterschiedliche Diversitätsindizes auf. Der niedrige Wert für den
Ökoschlag resultiert aus dem eudominanten Auftreten der Spezies
O. apicatus
(2051 Tiere). Die
unterschiedlichen Dominanzverhältnisse spiegeln sich deutlich in den entsprechenden Evenness-
Werten wider (ZP: 0,58; KÖ1: 0,42). Die Artenidentität (0,50) liegt im Bereich des analogen Feld-
vergleiches im Lößhügelland. Der relativ hohe Anteil gemeinsamer Arten mit sehr unterschiedlichen
Aktivitätsdichte-Werten und Anteilen am Gesamtfang erklärt auch den geringen Wert für den Ren-
konen-Index (59 %), der als Maß der Dominanzidentität zwischen den Prüfvarianten fungiert.
Die Gegenüberstellung unterschiedlicher Bodenbearbeitungssysteme bei ansonsten konventionel-
ler Bewirtschaftung lässt deutliche Effekte der konservierenden Verfahren auf zahlreiche Vertreter
der Webspinnen erkennen. Insbesondere Wolfspinnen waren auf den konsequent pfluglos bearbei-
teten Fläche häufiger nachzuweisen (Abbildung 4-10). In Lüttewitz (Lößhügelland; Varianten LP,
LM und LD) wurden die höchsten Aktivitätsdichten auf der gemulchten Fläche (LM) erreicht, die
geringsten Werte traten in der Direktsaatparzelle auf. In Zschortau (ZP, ZM und ZD) waren auf der
Direktsaatfläche (2,83 Individuen pro Tag und Falle) höhere Fangzahlen je Zeiteinheit zu verzeich-
nen als auf dem gepflügten Teilschlag (2,34 Individuen pro Tag und Falle). Die quantitativen Unter-
schiede sind vor allem auf höhere Aktivitätsdichten der häufigen Offenlandarten
Oedothorax apica-
tus, Erigone atr
a und
E. dentipalpis
, insbesondere im gemulchten Feldbereich zurückzuführen.
Die größte Arten- und Familienvielfalt wiesen die Spinnen generell bei ausbleibender Bodenbear-
beitung (Direktsaatverfahren) auf. Besonders Vertreter aus den Familien der Lycosidae (z. B.
Par-
dosa pullata
und
Trochosa ruricola
) und Tetragnathidae (
Pachygnatha degeeri
) erfuhren in Folge
der Mulchsaat und insbesondere der Direktsaat eine offensichtliche Verbesserung ihrer Lebens-
raumsituation (Abbildung 4-10).
Trochosa ruricola
gilt als typischer Vertreter ausdauernder Rude-
ralflächen, während
Pardosa pullata
als Lebensraum Feuchtwiesen und Flachmoore bevorzugt. Als
Feldbewohner präferieren beide Spezies folglich störungsarme Ackerflächen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
42
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Auch Vertreter der Linyphiidae, (
Troxochrus scabriculus, Diplocephalus cristatus
) die gut an feuchte
Bedingungen auf Wiesen und Weiden angepasst sind, profitierten von der Variante Direktsaat,
während sich die Fangzahlen der typischen Feldspinnen
O. apicatus
und
E. atra
verringerten. Die
Ergebnisse entsprechen vergleichbaren Untersuchungsbefunden aus dem Freistaat Thüringen
(V
OLKMAR ET AL., 2003).
Die genannten Präferenzen spiegeln sich auch in den Dominanzverhältnissen wider.
Oedothorax
apicatus
trat in allen Prüfvarianten eudominant in Erscheinung (LP: 48,4 %, LM: 32,4 %, LD:
36,8 %). Die Arten
P. degeeri
(4,4 %),
T. scabriculus
(3,7 %),
T. ruricola
(3,7 %) und
D. cristatus
(3,5 %) waren nur auf der Direktsaatvariante subdominant in den Fallen vertreten; dagegen nahm
der Anteil typischer Ackerarten ab (
E. dentipalpis
: auf LD: 7,3 %, auf LP 12,1 %, auf LM: 14,5 %,).
Der Trend einer Aktivitätszunahme der Familie der Wolfspinnen (Lycosidae) bei abnehmender
mechanischer Störungsintensität führte zu einem dominanten Auftreten dieser faunistisch interes-
santen Familie auf den Direktsaat-Flächen (Bsp.: auf LP 4,9 %; auf LM 10,3 %; auf LD 14,8 %).
Die Datenanalyse mittels ökologischer Kennzahlen für die Varianten mit unterschiedlichen Boden-
bearbeitungsvarianten (Pflugeinsatz, Mulchsaat, Direktsaat) auf dem Schlag in Lüttewitz wird in
Tabelle 4-7 vorgenommen.
Die Direktsaat-Fläche erreichte mit 2,17 das höchste Diversitätsmaß, gefolgt von der Variante
Mulchsaat mit 2,02 und dem Pflugeinsatz (1,72). Auch bei der Beurteilung der Spinnenzönose mit
der Kennzahl Evenness erreichte die Direktsaat (0,59) eine bessere Einstufung als die Vergleichs-
parzellen (Mulch: 0,57; Pflug: 0,50). Die Ähnlichkeitsanalyse weist aus, dass 21 Arten in allen Prüf-
bereichen aktiv waren, dazu zählten alle Hauptarten (eudominant, dominant, subdominant). Nur im
Feldareal der Direktsaat fingen sich elf Spezies die sieben Familien angehörten. Bei diesen Nach-
weisen handelt es sich in der Mehrzahl um Einzelfunde.
Bei Analyse der Lebensraumansprüche ist erkennbar, dass es sich dabei sowohl um Vertreter der
offenen Landschaft (
Micaria pulicaria, Alopecosa pulverulenta
) als auch um Krautschichtbewohner
(
Theridion impressum
) handelt. Auch Irrgäste z. B.
Micrargus herbigradus
als Vertreter der Waldar-
ten mit dem Lebensraum Laubstreu und Moos finden sich darunter. Es ist auch erkennbar, dass
Arten die Ackerbrachen und Ruderalflächen besiedeln (z. B.
Microlinyphia pusilla
) beim Direktsaat-
verfahren von einer geringeren Störungsfrequenz profitieren können. Seltene und gefährdete Arten
fanden sich nicht unter den Einzelfunden. Hohe Renkonen-Werte von 80,9 % (Vergleich Pflug vs.
Direktsaat) bzw. 81,2 % (Vergleich Mulch vs. Direktsaat) belegen eine große Übereinstimmung der
Dominanzidentitäten.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
43
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-7:
Ökologische Kennzahlen der Webspinnenfänge bei unterschiedlicher Bodenbearbei-
tung (Lößhügelland, 2003)
BB-Varianten (konventionell)
LP (Pflug)
LM (Mulch)
Artenzahl
Individuenzahl
32
2228
35
3164
Shannon-Index
Evenness
1,71
0,50
2,02
0,57
Jaccard-Index 57 %
Renkonen-Index 82 %
BB-Varianten (konventionell)
LP (Pflug)
LD (Direkt)
Artenzahl
Individuenzahl
32
2228
40
1789
Shannon-Index
Evenness
1,71
0,50
2,17
0,59
Jaccard-Index 53 %
Renkonen-Index 81 %
BB-Varianten (konventionell)
LM (Mulch)
LD (Direkt)
Artenzahl
Individuenzahl
35
3164
40
1789
Shannon-Index
Evenness
2,02
0,57
2,17
0,59
Jaccard-Index 50 %
Renkonen-Index 81 %
Im Leipziger Tiefland wurde bislang lediglich die Direktsaatfläche (ZD) der Pflugvariante (ZP) ge-
genübergestellt. Aus der Familie der Lycosidae profitierten wiederum die Arten
Pardosa agrestis
(ZP: 23 Tiere, ZD: 100 Tiere) und
Trochosa ruricola
(ZP: 33 Tiere, ZD: 167 Tiere) in starkem Maße
vom weitgehenden Verzicht auf die Bodenbearbeitung.
Zum Auftreten der häufigen Ackerspinnen aus der Familie der Linyphiidae ist anzumerken, dass
Oedothorax apicatus
(ZP: 338 Tiere, ZD: 495 Tiere) eine höhere Aktivität im Bereich der Direktsaat
zeigte, während die Art
Erigone dentipalpis
(ZP: 310 Tiere, ZD: 118 Tiere) deutlich häufiger im
Bereich der Pflugvariante in den Fallen auftrat. Eine stärkere Präferenz der gepflügten Variante
konnte auch für die Spezies
Erigone atra, Meioneta rurestris
und
Porrhomma microphthalmum
erkannt werden (vgl.
Tabelle 4-4).
Nachfolgend werden die faunistisch bemerkenswerten Arten eingehender betrachtet. Dazu zählen
seltene, oder gefährdete Spezies, die in den Roten Listen Deutschlands (D) bzw. Sachsens (Sn)
aufgeführt sind (H
IEBSCH & TOLKE, 1996; PLATEN ET AL., 1996). Weiterhin wird auf Arten eingegan-
gen, deren Nachweis z. B. aufgrund von Hinweisen auf besondere Lebensraumqualitäten von Inte-
resse ist.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
44
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Anzahl nachgewiesener gefährdeter Spinnenarten der Roten Liste Deutschlands bzw. Sach-
sens lag bei einer bzw. sieben Arten auf den untersuchten Feldern. Die Funde sind der Übersicht
über die Gesamtfänge (Tabelle 4-4) zu entnehmen, in der die Rote-Liste-Arten durch Angabe der
anzeigenden Liste (Sachsen = Sn; Deutschland = D) und der dort angegebenen Gefährdungskate-
gorie gekennzeichnet sind.
Alle gefährdeten bzw. seltenen Spezies traten nur sporadisch auf den Agrarflächen in Erscheinung.
Es konnten Nachweise sowohl im nördlichen Leipziger Tiefland (vier Arten) als auch im Sächsi-
schen Lößhügelland (fünf Arten) geführt werden. Die gefährdeten Spezies fingen sich in gepflügten
(sechs Arten) und in gemulchten Varianten (zwei Arten). Hinsichtlich der Wirtschaftsweise (konven-
tioneller bzw. ökologischer Landbau) ist festzustellen, dass gefährdete Spinnenarten auf Feldern
beider Produktionsformen auftraten. Die überwiegende Mehrzahl der determinierten Rote-Liste-
Arten sind hinsichtlich ihrer Lebensraumansprüche als Vertreter der offenen Landschaft, mit einer
Bevorzugung von Trockenhabitaten zu charakterisieren (
Drassylus praeficus, Ozyptila simplex,
Xerolycosa miniata, Argenna subnigra und Haplodrassus dalmatensis
). Die
Dictynidae A. subnigra
besitzt nach T
OLKE & HIEBSCH (1995) eine Einstufung hinsichtlich ihrer Frequenz als lokal, ein gesi-
cherter aktueller Nachweis liegt für Westsachsen “Leipzig” und für das Erzgebirgsbecken (Z
ÖPHEL
& K
REUTER, 2001) vor.
Auf der im Direktsaatverfahren kultivierten Fläche im nördlichen Leipziger Tiefland (Teilschlag ZD in
Zschortau) konnten acht faunistisch interessante Arten aus fünf Familien nachgewiesen werden,
die im Rahmen der vorliegenden Untersuchungen ausschließlich auf dieser Fläche zu finden wa-
ren. In Tabelle 4-8 werden sie anhand ökologischer Parameter kurz vorgestellt. Die Nachweise
belegen, dass vor allem wärmeliebende Arten der Offenlandschaften, und darunter insbesondere
Vertreter aus der Familie der Springspinnen (Salticidae) die Direktsaatfläche auf Grund ihrer be-
sonderen Habitatstruktur als erweiterten Lebensraum annehmen.
Tabelle 4-8:
Gefährdungsgrad und ökologischer Parameter ausgewählter Webspinnen auf der
Direktsaatfläche bei Zschortau
Familie/Art RL HäufigkeitÖkologischer TypMikrohabitatPflanzenformation
Linyphiidae
Porhomma errans
ss troglobiont Spalten Halbtrockenrasen
Tapinocyba praecox
4 Sn
sh
thermophil
Grasstreu
Halbtrockenrasen
Philodromidae
Thanatus striatus
mh
überwiegend
hygrophil
Grasstreu Halbtrockenrasen
Salticidae
Talavera aequipes
h xerobient Grasstreu Halbtrockenrasen
Talavera aperta
s euryök ?
?
Euophrys frontalis
sh xerobiont
Laub, Gras-
streu
Laub- u. Nadel-
wälder
Theridiidae
Enoplognatha
thoracica
h xerobiont (W)
Nadelstreu,
Grasstreu
?
Gnaphodsidae
Haplodrassus
signifer
xerobiont (W)
Nadelstreu,
Grasstreu
trockene Wälder,
Freiflächen
ss = sehr selten; s = selten; mh = mäßig häufig; h = häufig; sh = sehr häufig; W = in Wäldern

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
45
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.3.3
Minimalprogramm für den Einsatz von Bodenfallen zur Erfassung von Laufkäfern
Im Rahmen der Untersuchungen der Laufkäferzönosen (s. Kap. 4.3.1) erfolgten methodische Be-
trachtungen zur Aufwandsminimierung beim Fang mit Barberfallen. Diese Arbeiten stützten sich
neben den Fangdaten aus der vorliegenden Studie auf umfangreiche Datensätze aus dem Raum
Halle (K
REUTER, 2002). Die komplette Studie ist einer dazu erstellten Diplomarbeit (BAUMGARTEN,
2003) zu entnehmen. Bei der Nutzung epigäischer Raubarthropoden als Bioindikatoren im Agrar-
sektor kommt den Laufkäfern eine besondere Stellung zu, denn aufgrund
ihrer relativ leichten Determination,
des hohen Kenntnisstandes zur Biologie der meisten Spezies,
ihres potenziellen Arten- und Individuenreichtums auf Ackerflächen,
der nachweislich guten indikativen Reaktion vieler Arten auf Umwelteinflüsse und
der ökologischen Bedeutung der Zönosen im Feldökosystem (als Regulative und bedeutende
Glieder diverser Nahrungsketten)
erscheinen sie als besonders geeignet, in entsprechenden ökologischen Überwachungs- oder
Bewertungsprogrammen genutzt zu werden. Dies gilt z. B. auch für die Bewertung der Biodiversität
auf Ackerflächen.
4.3.3.1
Zum Einfluss reduzierter Fallenzahl und Fangperiode auf die Artenzahl
Die Berechnungen verdeutlichen, dass die Fallenzahl auf die Anzahl der nachgewiesenen Arten
einen wesentlich geringeren Einfluss hat, als die Länge der Fangperiode (Abbildung 4-11
und
Ab-
bildung 4-12). Bereits mit zwei bis drei Fallen wurden im Gesamtzeitraum generell mehr Arten
erzielt als mit allen sechs Fallen in verkürzten Fangperioden. Dies traf selbst für solche reduzierten
Zeiträume zu, die auf die Phänologie der Laufkäfer optimal zugeschnitten waren. Innerhalb einer
Fangperiode waren meist drei oder vier Fallen nötig, um ca. 90 % der Arten des Fanges mit sechs
Fallen erfassen zu können. Selbst beim Fang mit nur einer Bodenfalle waren noch mehr als 50 %
der Arten vertreten. Im vorliegenden Fall wäre die Verminderung um drei Fallen unter Beibehaltung
des vollen Fangzeitraums für eine Charakterisierung der Feldcarabidenfauna sicher ausreichend
gewesen.
Unter den eingeschränkten Fangzeiträumen erwiesen sich die zentrale und die Frühjahrsperiode
noch als am besten geeignet, um eine maximale Artenausbeute zu erreichen. Die Verlegung der
Fänge auf Sommer oder Herbst führen zu einem immer stärker werdenden Rückgang der Arten-
zahlen in den Fängen. Einzelne Termine sollten auch bei Verwendung aller sechs Fallen nicht zur
Erfassung der Carabidenfauna genutzt werden. Die Gesamtartenzahl des Sechs-Fallen-Fanges
eines Einzeltermins erreichte selbst im günstigsten Fall kaum mehr als 60 % des Jahresgesamt-
fanges, lag zum Teil aber auch unter 20 %. Diese Werte sanken nochmals um die Hälfte, wenn die
Fallenzahl von sechs auf ein Fanggefäß reduziert wurde.

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46
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Auch die Kürzung auf „typische“ Fangperioden erscheint nach den Richtlinien von DUELLI ET AL.
(1990) nicht angebracht, da auch in der günstigsten Fangperiode nicht gewährleistet war, dass
zumindest 90 % der Arten des Gesamtfangs erfasst werden. Ist eine zeitliche Begrenzung unum-
gänglich, sollte die Periode so gewählt werden, dass die Aktivitätszeiträume von Frühjahrs- und
Herbstarten gleichermaßen überdeckt werden.
Abbildung 4-11
Auswirkungen reduzierter Fallenzahl und Fangdauer auf die Artenzahl der Laufkäfer-
fänge auf zwei unterschiedlich bewirtschafteten Weizenschlägen im Mittelsächsi-
schen Lößhügelland
Lüttewitz (Sachsen), 2003
Winterweizen, konventionell / gepflügt
0%
20%
40%
60%
80%
100%
654 321
eingesetzte Fallenzahl
nachgewiesene Artenzahl (%)
Summe
zentrale FP
Frühjahr
Sommer
Herbst
Pulsitz (Sachsen), 2003
Winterweizen, ökologisch / gepflügt
0%
20%
40%
60%
80%
100%
6 5 4 321
eingesetzte Fallenzahl
nachgewiesene Artenzahl (%)
Summe
zentrale FP
Frühjahr
Sommer
Herbst

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
47
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Eine Verlagerung der Fänge ausschließlich auf das zeitige Frühjahr oder den Spätsommer/Herbst
sind wenig geeignet, um einen Überblick über die Artenstruktur erlangen zu können (vgl. LARSSON,
1939). Generell sollte eine Reduzierung des Erhebungsaufwandes nicht beide Parameter (Fallen-
zahl und Fangperiode) umfassen, da die nachgewiesene Artenzahl dadurch sehr schnell zurückge-
hen würde. Am günstigsten wäre die Beibehaltung eines möglichst langen Erfassungszeitraums bei
einer geringeren Fallenzahl.
Abbildung 4-12
Auswirkungen reduzierter Fallenzahl und Fangdauer auf die Artenzahl der Laufkäfer-
fänge auf zwei unterschiedlich bewirtschafteten Weizenschlägen in der nördlichen
Leipziger Tieflandsbucht
Krippehna (Sachsen), 2003
Winterweizen, ökologisch / gepflügt
0%
20%
40%
60%
80%
100%
6 5 4 321
eingesetzte Fallenzahl
nachgewiesene Artenzahl (%)
Summe
zentrale FP
Frühjahr
Sommer
Herbst
Zschortau (Sachsen), 2003
Winterweizen, konventionell / gepflügt
0%
20%
40%
60%
80%
100%
6 5 4 321
eingesetzte Fallenzahl
nachgewiesene Artenzahl (%)
Summe
zentrale FP
Frühjahr
Sommer
Herbst

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
48
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.3.3.2
Zur Verteilung der Arten auf die sechs Bodenfallen
Alle längeren Fangperioden (mit mehr als ca. 60 bis 80 Fangtagen) führen zu einem charakteristi-
schen Verteilungsbild der mittels Bodenfallen gefangenen Laufkäferarten (Abbildung 4-13). Mehr
als ein Drittel aller Spezies ließen sich generell bereits mit einer einzigen oder zwei Fallen erfassen,
der zweitgrößte Artenanteil war nur beim Einsatz von fünf oder sechs Fanggefäßen mit Sicherheit
nachzuweisen. Deutlich geringer ist die Anzahl der Arten, die in vier oder drei der sechs Fallen
gefangen wurden. Diese Verteilungstendenzen waren, unabhängig von den verglichenen Boden-
bearbeitungs- und Intensitätsdifferenzen, auf allen Standorten zu erkennen.
Mittelsächsisches Lößhügelland
17%
13%
10%
13%
10%
37%
in einer von 6 Fallen
in 2 von 6 Fallen
in 3 von 6 Fallen
in 4 von 6 Fallen
in 5 von 6 Fallen
in 6 von 6 Fallen
11
4
5
3
4
3
Art wurde nachgewiesen ...
24%
24%
3%
7%
3%
39%
11
7
7
1
2
1
PÖ …Pulsitz
(ökologisch / Pflugeinsatz)
LP … Lüttewitz
(konventionell / Pflugeinsatz)
Nördliche Leipziger Tieflandsbucht
21%
19%
7%
2%
7%
44%
in einer von 6 Fallen
in 2 von 6 Fallen
in 3 von 6 Fallen
in 4 von 6 Fallen
in 5 von 6 Fallen
in 6 von 6 Fallen
19
8
9
3
3
Art wurde nachgewiesen ...
1
23%
17%
17%
3%
17%
23%
7
5
7
1
5
5
KÖ …Krippehna
(ökologisch / Pflugeinsatz)
ZP … Zschortau
(konventionell / Pflugeinsatz)
Abbildung 4-13 Zur Verteilung der erfassten Arten auf die sechs eingesetzten Barberfallen – Ver-
gleich ökologisch und konventionell bewirtschafteter Weizenschläge auf zwei säch-
sischen Lößstandorten

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
49
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Welche Fallenzahl im Rahmen eines Minimalprogramms letztendlich gewählt werden sollte, hängt
von der Zielstellung der Untersuchungen ab. Um lediglich eine Liste der dominierenden Feldarten
erstellen zu können, hätte im vorliegenden Fall bereits eine einzige Bodenfalle ausgereicht.
Aus faunistischer oder naturschutzfachlicher Sicht erweist sich dagegen gerade ein höherer Auf-
wand als sinnvoll, da nur dann ein größerer Anteil der tatsächlich vorhandenen Arten (und damit
das Gros der seltenen bzw. gefährdeten Spezies) mit relativ hoher Sicherheit erfasst werden kann.
4.3.3.3
Zum Einfluss reduzierter Fallenzahl und Fangperiode auf die Dominanz
Für eine optimale Widerspiegelung der Dominanzverhältnisse scheint die Länge der Fangperiode
von ähnlich großer Bedeutung zu sein, wie für die Erfassung des Artenbestandes (Abbildung 4-14).
Selbst die günstigste Teilperiode ergab bei vollem Falleneinsatz nur noch 80 bis 90 % Ähnlichkeit
mit dem nachgewiesenen Dominanzspektrum im gesamten Zeitraum. Nahezu die gleiche Überein-
stimmung wurde innerhalb der gesamten Fangperiode bereits mit einer einzigen Falle erreicht.
Um das für die Bewertung der ökologischen Funktionen einer Laufkäferzönose wichtige Dominanz-
spektrum und damit die funktionale Diversität der Zönose darstellen und bewerten zu können, be-
darf es folglich eines relativ geringen Aufwandes. Dieser Fakt resultiert aus der Tatsache, dass alle
häufigeren Arten auch relativ gleichmäßig über die Fallen verteilt sind. Alle anderen Arten fallen so
wenig ins Gewicht, dass sie das Ergebnis nur unwesentlich beeinflussen.
Bei kürzer werdenden Fangperioden nahm der ursprünglich geringe Einfluss der Fallenzahl auf die
Abbildung der Dominanzstruktur deutlich zu. Ist die Wahl eines kurzen Fangzeitraumes unvermeid-
lich, sollte folglich die Fallenzahl maximiert werden.
Pulsitz (Sachsen), 2003
Winterweizen, ökologisch / gepflügt
50%
55%
60%
65%
70%
75%
80%
85%
90%
95%
100%
654321
eingesetzte Fallenzahl
Übereinstimmung
der Dominanzspektren (%)
gesamte Fangperiode
zentrale Fangperiode
Lüttewitz (Sachsen), 2003
Winterweizen, konventionell / gepflügt
50%
55%
60%
65%
70%
75%
80%
85%
90%
95%
100%
654321
eingesetzte Fallenzahl
Übereinstimmung
der Dominanzspektren (%)
gesamte Fangperiode
zentrale Fangperiode
Abbildung 4-14:
Effekte von Fallenzahl und Fangperiode auf die Dominanzstruktur der Laufkäferfänge

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
50
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.3.3.4 Schlussfolgerungen
Im Rahmen einer Aufwandsminimierung beim Fang epigäischer Raubarthropoden führt die Verkür-
zung des Fangzeitraums zu wesentlich größeren Datenverlusten als die Verminderung der einge-
setzten Fallenzahl. Dies gilt für die Arten- und Dominanzstruktur der Fänge gleichermaßen. Die
Fangperiode sollte sowohl den Frühjahrs- als auch den Sommeraspekt zumindest teilweise abde-
cken und damit die Aktivitätsperioden der unterschiedlichen phänologischen Typen beinhalten. Die
Verringerung der Fallenzahl bis auf drei Fanggefäße hat unter diesen Prämissen relativ geringe
Effekte.
Aus naturschutzfachlicher Sicht ergibt sich folgendes Problem: Auch unter Beibehaltung maximaler
Fangzeiträume und Fallenzahlen wird nur ein (kaum schätzbarer) Teil der seltenen bzw. bedrohten
Arten erfasst. Ein Nachweis aller tatsächlich vorhandenen Arten ist praktisch nicht durchführbar
(vgl. L
ÜBKE-AL HUSSEIN, 1997). Daher ist zu überlegen, ob generell eine Konzentration auf diejeni-
gen Rote-Liste-Arten sinnvoll wäre, die in höheren Individuenzahlen bzw. in der Mehrzahl der Fal-
len erfasst worden sind. Zumindest sollte derartigen Befunden ein höherer Stellenwert beigemes-
sen werden als der bloßen Anzahl gefährdeter Spezies.
4.4 Segetalvegetation
4.4.1 Pflanzensoziologische Einordnung
Durch die Bindung der Ackerunkräuter und ihrer Gesellschaften an bestimmte Standortbedingun-
gen sind Aussagen über den Standort anhand der Segetalvegetation sowie Rückschlüsse auf die
potenziellen Ackerwildkrautgesellschaften anhand des Standortes möglich. Entsprechend charakte-
ristischer Standortsbedingungen wie Basenreichtum, Bodenart, Nährstoffreichtum, Feuchtstufe,
klimatischer Zuordnung sowie der Bewirtschaftungsweise (Halmfrucht/Hackfrucht) kann man für
Sachsen mindestens elf Ackerwildpflanzengesellschaften im Rang einer Assoziation unterscheiden.
Die Gliederung der Ackerwildkrautgesellschaften in Tabelle 4-9 folgt B
ÖHNERT ET AL. (2001): Dieser
Publikation sind auch die genauen Gesellschaftsbezeichnungen mit Autorennamen zu entnehmen.
Von jeder Gesellschaft bestehen Subassoziationen entsprechend der Zustandsstufen einzelner
Standortseigenschaften, geografische Rassen, Varianten entsprechend der Feuchtestufe, Subvari-
anten entsprechend der Krumenfeuchte und Ausprägungen entsprechend der Kultur (Sommer-,
Wintergetreide).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
51
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-9:
Gliederung der Ackerwildkrautgesellschaften für Sachsen
Basiphytische Ackerwildkrautgesellschaften (O Secalietalia)
Basiphytische Hackruchtgesellschaften (V Veronico-Euphorbion)
Bingelkraut-Gesellschaft (Ass Mercularietum annuae)
Hellerkraut-Erdrauch-Gesellschaft (Ass Thlaspio-Fumarietum officinalis)
Amaranth-Gänsefuß-Ges. (RE Amarantho-Chenopodietum albi)
Kalk- und Tonackerwildkrautgesellschaften (V Caucalidion platycarpi)
Haftdolden-Gesellschaft (Ass Caucalido-Scandicetum pecten veneris)
Vogelmieren-Klatschmohn-Ges. (RE Stellario-Papaveretum rhoeadis)
Ackerlichtnelken-Gesellschaft (Ass Euphorbio-Melandrietum noctiflori)
Acidophytische Ackerwildkrautgesellschaften (O Aperetalia spicae-venti)
Ackerfrauenmantel-Windhalm-Gesellschaften (V Aphanion arvensis)
Lämmersalat-Gesellschaft (Ass Sclerantho-Arnoseridetum minimae)
Sandmohn-Gesellschaft (Ass Papaveretum argemones)
Ackerfrauenmantel-Kamillen-Gesellschaft (Ass Aphano-Matricarietum)
Honiggras-Stechhohlzahn-Gesellschaft (Ass Holco-Galeopsietum)
Vogelmieren-Windhalm-Ges. (RE Stellario-Aperetum spicae-venti)
Hirsen-Ackerwildkrautgesellschaften (V Panico-Setarion)
Borstenhirse-Knopfkraut-Gesellschaft (Ass Setario-Galinsogetum)
Fadenhirse-Gesellschaft (Ass Digitarietum ischaemi)
Knöterich-Gänsefuß-Ackerwildkrautges. (V Polygono-Chenopodion)
Gänsefuß-Sauerklee-Gesellschaft (Ass. Chenopodio-Oxalidetum fontanae)
Die floristischen Unterschiede sind im intensiven, konventionellen Ackerbau jedoch meist stark
verwischt oder aufgehoben, so dass in der Regel artenarme Fragmentbestände (als ranglose Ein-
heiten RE Ordnungen und Verbänden zugeordnet) angetroffen werden. Floristisch gesättigte Be-
stände sind sehr selten, weshalb eine Ansprache der potenziellen, standortstypischen Ackerwild-
krautgesellschaft oft sehr schwierig ist. Eine pflanzensoziologische Zuordnung der untersuchten
Schläge wird in Tabelle 4-10 vorgenommen.
Insgesamt sind die ökologischen Schläge floristisch reicher und weisen mehr Charakterarten pflan-
zensoziologischer Einheiten auf als die konventionell bewirtschafteten. Im Vergleich der konventio-
nell bewirtschafteten Schläge (Lüttewitz/Zschortau) sind die Unterschiede zwischen den beiden
Standorten Lößhügelland und Leipziger Tiefland deutlicher als zwischen den Bodenbearbeitungs-
varianten eines Schlages. Auf die pflanzensoziologische Zuordnung hat die Bodenbearbeitung nur
einen sehr untergeordneten Einfluss. Eine Förderung charakteristischer Arten etwa durch konser-
vierende Bearbeitung konnte nicht festgestellt werden.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
52
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-10:
Pflanzensoziologische Zuordnung der Untersuchungsschläge
Schlag
aktuelle Gesellschaft
standortstypische
Gesellschaft
charakteristische Arten
– Besonderheiten
Krippehna
2003
(KÖ1)
Aphano-Matricarietum
Rasse
Matricaria chamo-
milla
typische geographi-
sche AF / typische Subas-
soziationsgruppe
typische Subassoziation
Aphano-Matricarietum
Rasse
Matricaria chamomilla
typische geographische AF /
typische Subassoziations-
gruppe
typische Subassoziation
Matricaria recutita
Arabidopsis thaliana
Erophila verna
Krippehna
2004
(KÖ2)
Übergang a) / b)
a) Aphano-Matricarietum
Rasse
M. chamomilla
;
typische Subassoziations-
gruppe; Subassoziation
von
Melandrium noctiflo-
rum
b) Euphorbio-Melandrietum
Übergang a) / b)
a) Aphano-Matricarietum
Rasse
M. chamomilla
;
typische Subassoziations-
gruppe; Subassoziation
von
Melandrium noctiflorum
b) Euphorbio-Melandrietum
Euphorbia exigua
Papaver rhoeas
Aethusa cynapium
Descurainia sophia
Matricaria recutita
Apera spica-venti
Zschortau
(ZP, ZM,
ZD)
verarmte Ausbildung des
Aphano-Matricarietum
Rasse
M. chamomilla
bzw.
Stellario-Aperetum spicae-
venti
Aphano-Matricarietum
Rasse von
M. chamomilla
;
typische Subassoziations-
gruppe;
Subassoziation von
Melandrium noctiflorum
Aethusa cynapium
Descurainia sophia
Papaver rhoeas
Matricaria recutita
Apera spica-venti
Pulsitz
(PÖ)
Aphano-Matricarietum
Rasse M. chamomilla;
geogr. AF von
Erigeron
canadensis
; typische Su-
bassoziationsgruppe;
Subassoziation von
Melandrium noctiflorum
Aphano-Matricarietum
Rasse
M. chamomilla
;
geogr. AF von
Erigeron cana-
densis
; typische Subassoziati-
onsgruppe;
Subassoziation von
Melandrium noctiflorum
Consolida regalis
Papaver rhoeas
Euphorbia helioscopia
Matricaria recutita
Raphanus raphani-
strum
Lüttewitz
(LP, LM,
LD)
Stellario-Aperetum
spicae-venti
Aphano-Matricarietum
Rasse
M. chamomilla
;
geogr. AF von
Erigeron cana-
densis
; typische Subassozia-
tionsgruppe;
Subassoziation von
Melandrium noctiflorum
Apera spica-venti
Chenopodium album
Galium aparine
sehr artenarm
4.4.2
Artenzahlen, Deckungswerte und Individuenzahlen, floristische Ausstattung
Da die Untersuchungsteilflächen in der Schlagmitte platziert wurden, können eventuelle geringe
Randeffekte hinsichtlich Artenvorkommen und quantitativer Merkmale bei der Analyse der Ergeb-
nisse vernachlässigt werden. Die Schwankungsbreiten der einzelnen Parameter resultieren aus der
geklumpten Verteilung einiger Arten infolge ihrer Samengröße oder ihrer vegetativen Verbrei-
tungsmuster.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
53
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
A)
Vergleich von Äckern mit und ohne Herbizidanwendung (konventionell / ökologisch)
Sowohl die Gesamtartenzahlen in der Summe aller Vegetationsaufnahmen einer Saison als auch
die mittleren Artenzahlen pro Vegetationsaufnahme und Termin lagen an beiden Standorten und in
beiden Jahren im ökologischen Anbau signifikant über denen der konventionellen Schläge (Abbil-
dung 4-15). Im Lößhügelland (Pulsitz und Lüttewitz) waren diese Unterschiede deutlicher als im
Leipziger Tiefland (Krippehna und Zschortau).
Während die Anbauvarianten eines Standortes eine ganze Reihe weit verbreiteter Ackerarten
(etwa
Viola arvensis, Fallopia convolvulus, Chenopodium album, Stellaria media, Polygonum avicu-
lare
) gemeinsam aufwiesen, waren auf den ökologischen Schlägen von den verbreiteten mittleren
Arten vor allem niedrigwüchsige oder konkurrenzschwächere Arten (etwa
Anagallis arvensis, Ara-
bidopsis thaliana, Veronica arvensis, Veronica persica
) als auch mehr standorts- und regionaltypi-
sche Arten (z. B.
Euphorbia exigua, Gnaphalium uliginosum, Myosurus minimus
) sowie eine Reihe
von Grünlandarten (
Trifolium repens, Rumes obtusifolius
) stärker vertreten. Dies entspricht den
Befunden, wie sie allgemein aus den Vergleichen von ökologischem und konventionellem Anbau
bekannt sind und u. a. bei
VAN ELSEN (1996) zusammengefasst wurden. Nur auf den konventionel-
len Flächen traten im Leipziger Tiefland die Spezies
Bromus sterilis, Echinochloa crus-galli, Ama-
ranthus retroflexus, Atriplex patula
auf. Das Fehlen typischer Arten des Hackfruchtanbaus im öko-
logischen Anbau entspricht den Fruchtfolgen auf den untersuchten Schlägen. Für Pulsitz/Lüttewitz
gab es keine Segetalarten, die nur im konventionellen Anbau aufgetreten wären.
Zwischen Frühjahrs- und Sommeraufnahmen besteht entsprechend der Keimungsbedingungen
und des saisonalen Optimums der Arten eine Artenverschiebung. Sowohl im Sommer- als auch im
Wintergetreide wurden im ökologischen Anbau im Frühjahr (Frühjahrskeimer, überwinternde An-
nuelle) und im Sommer (Frühjahrskeimer, Frühsommerkeimer) ähnliche Artenzahlen gefunden.
Im konventionellen Anbau wurden die Herbizidverluste durch Wärmekeimer und Nachkeimer weit-
gehend ersetzt, so dass es bis auf die Zschortauer Flächen (ZP, ZM, ZD) im Jahr 2004 nicht zu
signifikanten Unterschieden in der Artenzahl kam. Allerdings besteht hier natürlich eine zeitliche
Lücke nach der Herbizidanwendung, in der die Artenzahl drastisch reduziert ist. In den Sommer-
aufnahmen sind die nachgekeimten Arten zumeist erst als Keimlinge oder Jungpflanzen vertreten.
Deutlicher noch als die reinen Präsenzwerte, in denen auch Arten mit nur einer Pflanze pro Auf-
nahmefläche erfasst sind, unterscheiden sich die quantitativen Werte.
Die Gesamtdeckungsgrade liegen im ökologischen Anbau regelmäßig signifikant über denen im
konventionellen (Abbildung 4-16), wobei aber die ökologischen Schläge in dieser Studie mit mittle-
ren Deckungswerten von 2 bis 15 insgesamt einen teilweise noch moderaten Grad der Verunkrau-
tung zeigten. Oft sind – vor allem in den ersten Jahren nach der Umstellung auf ökologischen An-
bau – wesentlich höhere Werte zu verzeichnen. Die Zunahme bzw. starke Schwankungsbreite der
mittleren Deckungswerte im ökologischen Anbau in den Sommeraufnahmen entsprach dem fle-
ckenhaften Aufkommen von
Cirsium arvense
und
Trifolium repens
(letzteres nur Pulsitz).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
54
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die vergleichsweise moderaten Deckungswerte im ökologischen Anbau gingen mit sehr hohen
Individuendichten einher (Ergebnisse von 2004; 2003 nur semiquantitative Erfassung; vgl. Abbil-
dung 4-17). Im Frühjahr 2004 lag die mittlere Individuenzahl in Krippehna (KÖ2) bei 252 gegenüber
18 bis 40 im konventionellen Bereich (ZP, ZM und ZD), in Pulsitz (PÖ) bei 166 gegenüber 3 bis 12
auf dem konventionellen Schlag (LP, LM und LD). Zum Sommer hin verringerte sich die Individuen-
zahl im ökologischen Anbau nur sehr wenig. Da die Individuenzahl jedoch auf alle auftretenden
Arten recht gleichmäßig aufgeteilt war (siehe Eveness) und etwa ein Viertel der Arten als nicht sehr
konkurrenzstark eingeschätzt werden müssen, dürfte sich die ertragsmindernde Wirkung auf bei-
den ökologischen Schlägen und in beiden Jahren in Grenzen gehalten haben. Eine Ausnahme
stellen hier die Bestände von
Cirsium arvense
dar.
B) Vergleich konventionell bewirtschafteter Äcker mit unterschiedlicher Bodenbearbeitung
(Pflugeinsatz/Mulchsaat/Direktsaat)
Die Unterschiede zwischen den Varianten hinsichtlich der Artenzahl waren am Standort Zschortau
nicht signifikant. Allerdings bestehen einige floristische und Quanitätsdifferenzen. Nur auf der ge-
pflügten Variante wurde
Lamium amplexicaule
gefunden. Ferner war dort ein verstärktes Auftreten
von
Viola arvensis
zu verzeichnen.
Die pfluglosen Varianten unterschieden sich durch höhere Quantitäten bei den Arten:
Galium apa-
rine, Chenopodium album, Apera spica-venti
(vor allem Mulch-Variante),
Sonchus oleraceus
und
Fallopia convolvulus
.
Nur in der Direktsaat-Variante trat mit hoher Stetigkeit
Bromus sterilis
auf; in
der Mulch-Variante trifft dies für
Poa annua
zu (in geringer Quantität). Die Individuenzahlen waren
2004 im Frühjahr in der Direktsaatvariante signifikant höher als in der Mulchvariante, wobei der
Unterschied durch höhere Keimlingszahlen von
Chenopodium album
und
Fallopia convolvulus
zustande kam. Gegenüber der Pflugvariante bestand kein signifikanter Unterschied.
Am Standort Lüttewitz zeigt sich der Trend etwas erhöhter Arten- und Individuenzahlen in den
Varianten Mulch und Direktsaat.
Galium aparine
trat überhaupt nur in den Direktsaat- und Mulchflä-
chen auf,
Apera spica-venti
und
Cirsium arvense
erreichten dort deutlich höheren Quantitäten.
Veronica hederifolia
blieb auf die Direktsaatvariante beschränkt,
Polygonum aviculare
auf die
Mulchvariante. Für
Bromus sterilis
, die auf dem Schlag ebenfalls vorhanden war, bestätigte sich die
Bindung an die Direktsaatvariante nicht.
Thlaspi arvense
fehlte auffällig an beiden Standorten in der
Direktsaatvariante.
Die Gesamt-Deckungsgrade waren lediglich am Standort Zschortau in den Varianten Pflug und
Direktsaat im Frühjahr etwas erhöht. Insgesamt lagen sie auf einem sehr niedrigen Niveau (Abbil-
dung 4-16).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
55
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Artenzahlen 2003
0
5
10
15
20
25
30
35
40
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Summe Arten / 6 Flächen (FJ+S)
Frühjahr mittlere Artenzahl
Sommer mittlere Artenzahl
Artenzahlen 2004
0
5
10
15
20
25
30
35
40
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Summe Arten / 6 Flächen (FJ+S)
Frühjahr mittlere Artenzahl
Sommer mittlere Artenzahl
Abbildung 4-15:
Artenzahlen der Segetalvegetation auf Ackerböden mit unterschiedlicher Bodenbear-
beitung und Anbauintensität

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
56
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Deckungsgrad 2003
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Frühjahr mittlerer Deckungsgrad
Sommer mittlerer Deckungsgrad
Prozent
Deckungsgrad 2004
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Frühjahr mittlerer Deckungsgrad
Sommer mittlerer Deckungsgrad
Prozent
Abbildung 4-16: Mittlere Deckungsgrade der Segetalvegetation auf Ackerböden mit unterschiedlicher
Bodenbearbeitung und Anbauintensität

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
57
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Individuenzahlen 2004
0
50
100
150
200
250
300
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Frühjahr mittl. Individuenzahl / m²
Sommer mittlere Individuenzahl / m²
Abbildung 4-17: Individuenzahlen der Segetalvegetation auf Ackerböden mit unterschiedlicher Bo-
denbearbeitung und Anbauintensität im Jahr 2004
4.4.3 Struktur
Die Dominanzverhältnisse werden hier über die Eveness (das Maß prozentualer Gleichverteilung)
ausgedrückt. Sehr hohe Werte stehen für ausgewogene Aufteilung der Quantitäten auf die einzel-
nen Arten, höchste Ausgewogenheit ist bei 100 % erreicht.
Die ökologischen Flächen zeichneten sich durch große Homogenität der Bestände aus, das heißt,
es gibt wenige Arten, die gegenüber dem Durchschnitt erhöhte Quantitäten aufweisen und auch
wenig Arten, die nur in Einzelexemplaren vorkommen. Generell ist die Homogenität im Sommer
geringer als im Frühjahr. Die geringsten Homogenitäten ergaben sich auf dem Lüttewitzer Schlag,
wobei hier zu beachten ist, dass Einzelarten bei insgesamt geringer Artenzahl stärker gewichtet
werden.
Verallgemeinerbare Unterschiede zwischen den Bodenbearbeitungsvarianten der konventionellen
Schläge bestanden nicht.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
58
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Bestandeshöhe ist sehr stark von den Artenvorkommen abhängig. Die Varianten des Standor-
tes Leipziger Tiefland unterschieden sich hinsichtlich des reinen Vertikalaufbaus nur wenig, die
Deckungen in den entsprechenden Schichten lagen auf dem Schlag Zschortau generell unter de-
nen der Schläge in Krippehna. Am Standort Lößhügelland (Pulsitz/Lüttewitz konnten im Frühjahr
auf dem Ökoschlag (PÖ) in beiden Jahren bereits zweischichtige Zönosen angetroffen werden, auf
dem Schlag Lüttewitz dagegen in allen Varianten (LP, LM, LD) nur einschichtige Bestände mit sehr
geringen Deckungswerten.
4.4.4 Artengruppen
Artengruppen verschiedener Bezugssysteme, zumeist ökologische Artengruppen, werden in der
Vegetationskunde verwendet, um Zustände von Vegetationseinheiten zu beschreiben und diese
gegeneinander abzugrenzen. Dahinter steht die Lehrmeinung, dass bestimmte Arten mit ähnlichen
Ansprüchen sich in gewissem Maß gegenseitig ersetzen können, ohne dass die Gemeinschaft
dadurch einen grundsätzlich anderen Charakter erhält. Für Ackerökosysteme mit einem hohen
zeitlichen und räumlichen Störungsfaktor gilt dies umso mehr.
Zumindest für den West- und mittelsächsischen Raum können die ökologisch-soziologischen Ar-
tengruppen der Ackerunkrautvegetation Mitteldeutschlands von H
ILBIG ET AL. (1962) Anwendung
finden, deren Grundzüge trotz einiger in den letzten Jahrzehnten in Ausbreitung befindlicher Arten
(vor allem vom Bergland Richtung Tiefland) und einiger neu hinzugekommener oder neu zu beach-
tender Arten (z. B. Raukenarten,
Abutilon theophrasti
) weiterhin bestehen. Fokussiert man auf
Artengruppen, die differenziertere Standortansprüche gegenüber dem im Untersuchungsgebiet
allgemeinen Level stickstoffreicher, lehmiger, frischer Äcker mit guter Bodengare bei mäßiger
Acidität hinausgehen, also etwa Arten mit
verstärktem Feuchteanspruch (Kennzeichnung von Standortinhomogenitäten eines Schlages),
Konzentration auf krumenfeuchte Bereiche (Verdichtungszeiger),
Vorkommen auf sehr basenreichen oder sauren Böden,
so findet man im standortinternen Vergleich vor allem Unterschiede bezüglich ökologischer und
konventioneller Arbeitsweise.
Arten aus den genannten Gruppen treten in größerer Anzahl auf den ökologischen Schlägen auf,
wobei die Unterschiede am Standort Leipziger Tiefland (Krippehna/Zschortau) geringer sind. Dies
kann seine Ursachen entweder in einer generell standortnivellierenden Wirkung sehr intensiver
Anbausysteme oder einer herbizid- und kultursortenbedingten Verdrängung der oft konkurrenz-
schwächeren Arten haben. Eine Gegenüberstellung von Arten mit stärkerer regionaler Bindung, die
häufig aber nicht immer standortbedingt sein kann, führt zu denselben Ergebnissen. Wertet man
auch Arten mit deutlich schwacher Konkurrenzkraft im Ackerökosystem (etwa
Arenaria serpyllifolia,
Aphanes arvensis
oder
Veronica arvensis
) als eigene Artengruppe, so kommt auch und besonders
hier die fördernde Wirkung des ökologischen Anbaus zum Ausdruck, während Unterschiede zwi-
schen den Bodenbearbeitungsvarianten des konventionellen Systems zurücktreten.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
59
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Letztendlich kann man hier als Artengruppe auch die Rote-Liste-Arten anfügen, da sich deren Ge-
fährdungspotenzial im Ackerökosystem nicht zuletzt aus geringer Konkurrenzkraft, spezialisierten
Standortsansprüchen und regionaler Begrenztheit (abgesehen von weiteren bearbeitungstechni-
schen Faktoren) ergibt. Arten der Gefährdungskategorie 2 der Roten Liste des Freistaates Sachsen
(SCHULZ, 1999) fanden sich mit
Euphorbia exigua
nur auf dem ökologischen Schlag KÖ2 bei Krip-
pehna im Jahr 2004 in sehr hoher Individuenzahl. Diese niedrigwüchsige Wolfsmilchart submediter-
raner Hauptverbreitung siedelt bei uns bevorzugt auf sommerwarmen, mäßig trockenen, basen-
bzw. kalkreichen Ton- und Lehmböden und verlor in den letzten 50 Jahren bis 50 % ihrer Vorkom-
men. Gefördert wird sie auch durch hohe Humusgehalte im Oberboden infolge organischer Dün-
gung (A
RLT ET AL., 1991). In der Gefährdungskategorie 3 wurden
Consolida regalis
, eine Art basen-
reicher Lehmböden, nur auf dem ökologischen Schlag Pö bei Pulsitz und
Myosurus minimus
, eine
Ranunculaceae krumenfeuchter Standorte, auf den ökologischen Schlägen um Krippehna (KÖ1+2)
sowie in hohen Individuenzahlen auf allen Bodenbearbeitungsvarianten des Schlages Zschortau
(ZP, ZM, ZD) gefunden. H
ARDTKE & IHL (2000) räumen ein, dass
Myosurus minimus
wohl weniger
gefährdet ist als aus der Roten Liste hervor geht.
Aphanes arvensis
, Charakterart der im Sächsi-
schen Hügelland am weitesten verbreiteten Ackergesellschaft, ist in die Vorwarnliste zur Roten
Liste gestellt und konnte nur auf dem Ökoschlag KÖ2 (2004) gefunden werden.
4.4.5
Arten mit Samenbildung
Sowohl von ackerbaulichem Interesse als auch von Interesse für eine nachhaltige Diversitätssteige-
rung ist das Vermehrungspotenzial der Arten bei gegebenen Bewirtschaftungsweisen. Es kann
limitiert werden durch Herbizidanwendung vor der Fruchtbildung, durch Ernte vor der Fruchtbildung
sowie durch konkurrenzbedingte Einschränkung der Fruchtbildung.
A)
Vergleich ökologisch und konventionell bewirtschafteter Flächen (mit Pflugeinsatz)
Auf den ökologischen Schlägen bei Krippehna (KÖ1+2) wurden Samen an rund 80 % der 22 bzw.
32 aufgenommenen Arten produziert. In Pulsitz (PÖ) lag die Samenbildungsrate in beiden Jahren
nur zwischen 55 und 61 %, da dort ein größerer Anteil Arten mit später Keimung und entsprechend
bis nach der Ernte verzögertem Entwicklungszyklus auftrat. Während einige Arten enorme Mengen
an Samen bildeten (
Matricaria perforata, Matricaria recutita
– im Mittel 1500 pro Individuum,
Apera
spica-venti
– 6000 bis 8000 pro Individuum, in Pulsitz
Stellaria media
: ca. 1000 pro Individuum)
blieben einzelne Arten konkurrenz- bzw. witterungsbedingt stark unterentwickelt und bildeten nur
sehr geringe Mengen im Vergleich zu ihrem Potenzial (
Capsella bursa-pastoris, Thlaspi arvense
).
Von den Arten mit höherem Schadpotenzial konnten sich
Chenopodium album, Fallopia convolvu-
lus, Galinsoga parviflora
und
Galinsoga ciliata
nicht oder nur in untergeordnetem Maße generativ
vermehren.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
60
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Auf den konventionellen Schlägen mit Herbizidanwendung ist das zeitliche Entwicklungsfenster
wesentlich kürzer. Zur Frucht gelangen einige Arten durch frühe oder kurze Entwicklungsszeiten
(etwa
Veronica hederifolia, Stellaria media, Viola arvensis
) und solche, die vom Herbizid nicht er-
fasst werden (etwa
Apera spica-venti, Bromus sterilis, Poa annua
, z. T.
Galium aparine
). Der Artan-
teil generativer Reproduktion lag mit durchschnittlich 29 % (min 14 %, max. 53 %) entsprechend
niedriger.
B) Vergleich konventionell bewirtschafteter Flächen mit differenter Bodenbearbeitung (Pflugein-
satz, Mulchsaat, Direktsaat):
Da das zeitliche Regime zwischen Saatbettbereitung und Ernte in allen drei Varianten gleich ist und
auch die Deckung und Höhe der Kulturart im Vergleich zum ökologischen Anbau zwischen den drei
Varianten nur geringfügig unterschiedlich war (was Auswirkungen auf das konkurrenzbedingt vor-
zeitige Absterben von Arten haben könnte), lassen sich in der Artenrate generativer Reproduktion
keine Unterschiede zwischen den Varianten nachweisen. Die Streubreite entspricht der unter-
schiedlichen Artenzusammensetzung. Es sei hier noch darauf hingewiesen, dass eine erfolgreiche
Reproduktion über Samenbildung nur bewertet wurde, wenn mindestens 25 % der vorhandenen
Individuen fruchteten, um die phänologische Varianz auszugleichen und einzelne fruchtende Indivi-
duen nicht überzubewerten. Dadurch ergeben sich zum Teil geringe Artenzahlen.
4.4.6 Ähnlichkeit
Die Bestimmung der Ähnlichkeit der Ackervegetation zwischen den Bearbeitungsvarianten eines
Standortes auf der Basis der Artpräsenzwerte und der akkumulierten quantitativen Erfassungswerte
zeigt, dass relativ geringe Übereinstimmungswerte zwischen den ökologischen und konventionellen
Varianten bestehen und relativ hohe Übereinstimmungswerte zwischen den beiden konservieren-
den Bodenbearbeitungsverfahren (Tabelle 4-11 und Tabelle 4-12). Während sich in den Früh-
jahrsaufnahmen das Potenzial der Fläche durch den Gesamtauflauf widerspiegelt, ist in den Som-
meraufnahmen die selektierende Wirkung des Herbizids bestimmend. So kann es, ausgehend von
ähnlichen Dominanzstrukturen bei den auf allen Flächen verbreiteten Arten, unabhängig vom Auf-
treten seltener Arten auch zu starken Abweichungen von dieser Tendenz kommen (vgl. ZM/ZP im
Frühjahr 2004 oder ZP/ZD im Sommer 2003).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
61
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 4-11:
Ähnlichkeitsindizes auf den Schlägen im Lößhügelland
Jaccardsche Zahl 2003 gesamt
LP LD LM
PÖ 33,3 30,3 35,5
LP 43,8 20,0
LD
47,0
Dahl 2003 Frühjahr
Dahl 2003 Sommer
LP LD LM LP LD LM
PÖ 12,1 14,9 8,9 PÖ 12,5 6,0 6,7
LP 11,4 8,9 LP 1,5 4,3
LD 22,9 LD 13,8
Jaccardsche Zahl 2004 gesamt
LP LD LM
PÖ 28,6 29,7 23,7
LP 47,1 26,3
LD
42,1
Dahl 2003 Frühjahr
Dahl 2003 Sommer
LP LD LM LP LD LM
PÖ 20,3 28,8 19,5 PÖ 6,9 6,0 4,1
LP 49,3 51,1 LP 24,3 24,4
LD 57,8 LD 13,8
Tabelle 4-12:
Ähnlichkeitsindizes auf den Schlägen im Leipziger Tiefland
Jaccardsche Zahl 2003 gesamt
ZP ZD ZM
KÖ1 33,0 20,6 22,6
ZP 39,1 70,6
ZD
54,5
Dahl 2003 Frühjahr
Dahl 2003 Sommer
ZP ZD ZM ZP ZD ZM
KÖ1 6,3 15,2 18,1 KÖ1 3,9 21,07 5,7
ZP 8,8 11,7 ZP 51,2 22,6
ZD 56,6 ZD 28,3
Jaccardsche Zahl 2004 gesamt
ZP ZD ZM
KÖ2 26,8 39,0 34,2
ZP 50,0 44,4
ZD
46,7
Dahl 2003 Frühjahr
Dahl 2003 Sommer
ZP ZD ZM ZP ZD ZM
KÖ2 22,7 40,48 17,88 KÖ2 6,2 2,7 4,0
ZP 15,2 58,5 ZP 4,7 16,7
ZD 45,1 ZD 21,3

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
62
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
4.4.7 Diasporenbank
Die in der Diasporenbank der Schläge 2003 nachgewiesene Artenzahl lag im Durchschnitt ähnlich
hoch oder etwas höher als die Artenzahl der beiden Jahre 2003 und 2004 zusammengenommen
(Abbildung 4-18). Im Falle der Ökoschläge bei Krippehna konnte nur mit der Vegetation 2003 ver-
glichen werden.
Höhere Artenzahlen beruhen fast ausschließlich auf dem Vorkommen verbreiteter Hackfruchtarten,
die in den beiden Jahren im Sommer- bzw. Wintergetreide nicht erfasst wurden. Seltene Arten der
aktuellen Vegetation wurden in der Regel nicht oder in sehr geringem Umfang nachgewiesen.
Weitgehend spiegelt die Diasporenbank so die Verhältnisse der bonitierten Vegetation wider. Arten
mit sehr hohen individuellen Samenproduktionsmengen (
Apera spica venti, Chenopodium album,
Stellaria media
– bis 104 Samen pro Individuum nach A
RLT ET AL., 1991) sind aber nicht zwangsläu-
fig auch in der Diasporenbank dominant und blieben, wie auch andere Arten, teilweise unter den
erwarteten Diasporenmengen.
Gründe hierfür könnten eine konkurrenzbedingte Minderentwicklung (z. B.
Chenopodium album,
Viola arvensis, Fallopia convolvulus
), das Auftreten vieler tauber Samen (evtl.
Apera spica-venti
)
oder ein rascher Abbau des Hauptteils der Diasporenmenge durch schnelles Auskeimen und Ver-
nichtung mit der Stoppelbearbeitung (Arten ohne Stratifizierungsbedarf, vor allem Poaceen) sein.
Im Vergleich der Tiefenstufen fällt zunächst der akkumulierende Effekt der konservierenden Bo-
denbearbeitungsvarianten in der obersten Schicht auf (Abbildung 4-18 und Abbildung 4-19). An
beiden Standorten sind 50 bis 80 % aller Arten und 81 bis 91 % aller vorgefundenen Diasporen in
der obersten Bodenschicht (0 - 5 cm) vertreten.
In den Pflugvarianten ist der Arten- und Individuenanteil ausgeglichener, wobei beachtet werden
muss, dass zum Teil nach, zum Teil vor der wendenden Bodenbearbeitung beprobt wurde und die
untere Beprobungsschicht das fünffache Volumen der oberen umfasst. Ein Unterschied zwischen
Direktsaat und Mulchsaat konnte nicht herausgearbeitet werden.
Der Artenwechsel in den beiden Beprobungstiefen zwischen überwiegend Wintergetreidearten und
überwiegend Hackfruchtarten lässt sich in den Pflugvarianten zumindest teilweise nachvollziehen,
es scheint jedoch durch häufigere Bodenbearbeitung zu einer stärkeren Durchmischung der Tie-
fenstufen zu kommen.
Die relativ hohen Artenzahlen in den konventionell (integrierten) Varianten beinhalten eine große
Anzahl Arten mit nur einzelnen nachgewiesenen Diasporen. Die Übersicht in Tabelle 4-13
doku-
mentiert für alle untersuchten Schläge jeweils die Arten, die den überwiegenden Mengenanteil an
der nachgewiesenen Diasporenbank stellten. Dabei ist zu beachten, dass vor dem Winter beprobt
wurde, so dass naturgemäß die Arten der vorangegangenen Kultur dominieren.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
63
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Artenzahl in der Diasporenbank
0
5
10
15
20
25
30
35
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Artenzahl n
Arten nur in der
Diasporenbank
Arten in Diasporenbank
+ Vegetation 2003/04
0
5
10
15
20
25
30
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Artenzahl n
0-5 cm
5-25 cm
Abbildung 4-18: Artendiversität und vertikale Verteilung der Diasporenbank in Ackerböden mit unter-
schiedlicher Bodenbearbeitung und Anbauintensität

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
64
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Individuenzahl in der Diasporenbank
Individuen á 60 Einstiche (ca. 120 cm²)
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
ZP
ZD
ZM
LP
LD
LM
Individuenzahl n
0-5 cm
5-25 cm
Abbildung 4-19: Individuenzahlen der Diasporenbank und ihre vertikale Verteilung in Ackerböden mit
unterschiedlicher Bodenbearbeitung und Anbauintensität
Tabelle 4-13:
Dominante Arten der Diasporenbank unterschiedlich bearbeiteter Ackerflä-
chen auf zwei sächsischen Lößstandorten
Variante
diasporenreichste Arten *
KÖ (Krippehna, ökologisch)
Matricaria recutita, Matricaria perforata, Apera-spica venti,
Chenopodium album, Stellaria media, Veronica hederifolia,
Polygonum aviculare, Viola arvensis
ZP (Zschortau, Pflugeinsatz)
Apera spica-venti, Stellaria media, Viola arvensis
ZD (Zschortau, Direktsaat)
Bromus sterilis, Apera spica-venti, Fallopia convolvulus,
Viola arvensis
ZM (Zschortau, Mulchsaat)
Apera spica-venti
PÖ (Pulsitz, ökologisch)
Poa annua, Matricaria recutita, Apera spica-venti, Capsella
bursa-pastoris, Chenopodium album, Stellaria media, Thlaspi
arvense, Trifolium repens/ hybridum
LP (Lüttewitz, Pflugeinsatz)
Poa annua, Apera spica-venti
LD (Lüttewitz, Direktsaat)
Poa annua, Apera spica-venti
LM (Lüttewitz, Mulchsaat)
Poa annua, Apera spica-venti
*
(auf den ökologischen Schlägen > 10 Diasporen/60 Einstiche,
auf den konventionell-integrierten Schlägen < 5 Diasporen/60 Einstiche)

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
65
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
5 Diskussion
Die Beeinflussung der Bodenfauna durch verschiedene abiotische und biotische Umweltfaktoren
war in der jüngeren Vergangenheit bereits Gegenstand zahlreicher wissenschaftlicher Studien.
Dabei standen in erster Linie allgemeine Auswirkungen des Bewuchses bzw. der Oberflächenstruk-
tur auf die Bodenorganismen und dabei vor allem auf die Bodenfauna (P
FIFFNER ET AL., 1993;
S
CHREITER, 2001; JOSSI ET AL., 2004) sowie Effekte des ökologischen Landbaus (PAPAJA & HÜLS-
BERGEN
, 2000; TISCHER, 2000) im Mittelpunkt des Interesses. Mit der Einführung pflugloser Acker-
bauverfahren erfolgten vergleichende Untersuchungen auch zu diesem Thema, wobei vorerst Aus-
wirkungen bestimmter Organismen auf die Qualität des Bodens als Produktionsmittel von Interesse
waren (z. B. K
RÜCK ET AL., 2001; HOFMANN ET AL., 2003).
Derzeit erlangt die Vielfalt des Bodenlebens als Teil der biologischen Diversität der Kulturlandschaft
im Rahmen der Umgestaltung der Agrarpolitik eine wachsende Bedeutung (OECD, 2001). Aus den
vorgestellten Ergebnissen geht hervor, dass die untersuchten Lebensgemeinschaften im und auf
dem Ackerboden sowohl durch den ökologischen Landbau als auch durch die Wahl des Verfahrens
der Bodenbearbeitung entscheidend beeinflusst werden.
Für die Segetalflora stellt sich, ungeachtet ihrer großen ökologischen Bedeutung für die faunisti-
sche Diversität und den Naturschutz in der Agrarlandschaft, das Problem eines starken Konfliktpo-
tenzials zwischen ökologischen Zielvorstellungen und ökonomischen Anforderungen. Auf diese
Thematik wird in den Kapiteln 5.4 und 6 detailliert eingegangen.
5.1
Bodenmikroben und Fraßleistung streuabbauender Bodentiere
Die Ergebnisse zum mikrobiellen Bodenleben und zur Fraßaktivität der Bodenorganismen entspre-
chen weitgehend den Aussagen älterer Studien zu diesen Themenkomplexen (K
RÜCK ET AL., 2001;
HEISLER & BRUNOTTE, 1998). Allerdings weisen die Resultate des Köderstreifentests darauf hin,
dass die Aktivität sehr starken Einflüssen durch die Witterung und weitere Umweltfaktoren ausge-
setzt ist. Diese Faktoren können sich auf die Höhe und die Stratifizierung der Fraßaktivitäten unter
Umständen stärker auswirken als die differenzierte Bodenbearbeitung.
5.1.1 Bodenmikroben
Hinsichtlich der Biomasse und Aktivität der Bodenmikroben wurden zwischen den ökologisch und
konventionell bewirtschafteten und gepflügten Flächen insgesamt keine tendenziellen oder signifi-
kanten Unterschiede hinsichtlich der Biomasse und Atmungsaktivität von Bodenmikroben und der
Abbauaktivität streuzersetzender Organismen festgestellt. Damit konnten Aussagen (beispielswei-
se aus dem Schweizer DOK-Versuch), wonach Ökoschläge eine deutlich höhere Mikrobenaktivität
und Masse aufweisen, nicht bestätigt werden (vgl. auch D
EUTSCHMANN ET AL., 1996; CHRISTIANSEN,
2000).

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
66
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Inwieweit der Ökolandbau methanzehrende Bakterien oder andere ökologisch positiv einzuschät-
zende Merkmale des mikrobiellen Bodenlebens fördern kann, lässt sich im Rahmen der vorliegen-
den Studie nicht beantworten, da qualitative Parameter nicht untersucht wurden.
Nichtwendende Bodenbearbeitungsverfahren hatten auf die mikrobielle Biomasse und ihrer Aktivi-
tät den vielfach beschriebenen Effekt der Konzentration in der obersten Bodenschicht und einer
signifikanten Abnahme mit zunehmender Bodentiefe (z. B. bei K
ANDELER ET AL., 1993; MACHULLA ET
AL
., 2001). Im Hinblick auf die Gesamtheit der drei Beprobungszonen (0 – 30 cm Bodentiefe) führ-
ten die konservierenden Verfahren darüber hinaus zu einer deutlichen Erhöhung der mikrobiellen
Biomasse im Vergleich mit den gepflügten Varianten. Für die Zersetzung organischer Rückstände
auf den Äckern kann dieser Fakt von Bedeutung sein; allerdings weisen die geringeren Unterschie-
de hinsichtlich der Basalatmung darauf hin, dass eine höhere Mikrobenmasse nicht gleichzeitig
auch zu erhöhten mikrobiellen Aktivitäten im Boden führen muss.
Offensichtlich ermöglicht die Lockerung und Durchmischung der Bodenschichten eine optimale
Atmungs- und damit Stoffumsatzaktivität. Im Rahmen der Förderung bodenschonender Bearbei-
tungssysteme sollte folglich nach alternativen Möglichkeiten einer Aktivitätssteigerung der vorhan-
denen Bodenmikroben gesucht werden. Von Interesse sind dabei z. B. die Effekte verschiedener
Lockerungsmaßnahmen sowie der Fruchtfolgegestaltung. Letzterer Faktor beinhaltet mit dem Zwi-
schenfruchtanbau einen Komplex, der im Rahmen des UL-Programms ausdrücklich Erwähnung
findet und zukünftig auch in der Praxis verstärkt beachtet werden sollte.
5.1.2 Köderstreifentest
Die Aktivität der Bodenfauna hängt stark von einer Reihe abiotischer und biotischer Umweltfaktoren
ab. Zu den abiotischen Umweltfaktoren zählen vor allem der Boden selbst, das in ihm gespeicherte
Wasser (die meisten Bodentiergruppen sind Feuchtlufttiere) und die klimatischen und Witterungs-
verhältnisse, die die erstgenannte Größe entscheidend beeinflussen. B
ODE und BLUME (1997) wie-
sen darauf hin, dass Fraßraten des Köderstreifentests in engem Zusammenhang mit den jeweils
herrschenden Klimafaktoren während des Untersuchungszeitraumes betrachtet werden müssen.
Generell ist bei biologischen Untersuchungen eine Abhängigkeit der ermittelten Werte von den
jeweils herrschenden klimatischen bzw. Witterungsbedingungen während des Untersuchungszeit-
raumes gegeben (D
UNGER & FIEDLER, 1989). Bei den vorliegenden Untersuchungen waren diese im
Spätherbst 2003 durch zeitweilige Trockenheit sowie einsetzende Bodenfröste gekennzeichnet und
lagen daher weitgehend außerhalb des Optimums für Bodenorganismen. Im April 2004 herrschten
vergleichsweise optimale Umweltbedingungen; lediglich im Bereich an der Bodenoberfläche wirkten
sich die maßgeblichen Faktoren (in erster Linie sicherlich Niederschlag und Temperatur) eher un-
günstig auf die Fraßaktivitäten aus.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
67
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Unter den biotischen Faktoren beeinflusst insbesondere die Vegetation als Lieferant von Bestan-
desabfall und Wurzelexudaten und in Folge ihrer Wirkung auf das Mikroklima über der Bodenober-
fläche die Qualität, Quantität und Aktivität der Bodenfauna. Im engen Zusammenhang mit der Ve-
getation stehen die Zönosen der im Boden lebenden Mikrophyten und Mikrozoen (Pilze, Bakterien,
Kleinsttiere), die als Nahrungsquellen, Konkurrenten oder Parasiten ebenfalls von großer Bedeu-
tung sind.
Generell führt die Vegetationsentwicklung im Frühjahr auch zu einer Abundanzzunahme der Bo-
denorganismen (D
UNGER, 1983). Die vorliegenden Untersuchungen bestätigen diesen Fakt. Die
Expositionsphase der Köderstreifen fiel im Herbst 2003 in die Periode der beginnenden Vegetati-
onsruhe; im Frühjahr 2004 dagegen in den Zeitraum einer starken Vegetationsentwicklung. Ent-
sprechend deutlich sind die Unterschiede im Niveau der Fraßaktivitäten. Die Herbstwerte bewegten
sich mit 2,6 % bis 19 % eher im unteren Level des Bereiches; der für Ackerböden mit intensiver
Nutzung als typisch gelten kann (4 % - 40 %; vgl. R
ÖMBKE ET AL., 2002). Im Frühjahr 2004 lagen die
ermittelten Werte mit 22 % bis 34 % im oberen Teil dieser Spanne. Wahrscheinlich führte die all-
gemeine Förderung der boden-biologischen Aktivität im Zuge der Vegetationsentwicklung auch
dazu, dass die Unterschiede zwischen den Fraßraten in Abhängigkeit vom Verfahren der Boden-
bearbeitung im Frühjahr 2004 insgesamt geringer waren als im Herbst 2003.
Besonders niedrige Fraßaktivitäten wurden im Herbst 2003 auf der konventionell bewirtschafteten,
gepflügten Fläche festgestellt (ca. 2,6 % pro Woche). B
AYER & SCHRADER (1997) wiesen in einer
Parabraunerde aus Löß (vergleichbar mit den Böden der vorliegenden Untersuchungsflächen)
durchschnittliche Fraßaktivitäten von 10 % in 10 Tagen nach. Bei starker Bodenverdichtung durch
Bearbeitungsmaßnahmen beschreiben die genannten Autoren eine Abnahme der Aktivität auf
Minimalwerte von ca. 6 % (bei hoher Radlast und häufiger Befahrung). In vorliegender Studie rela-
tivierten die im Frühjahr des Folgejahres gewonnenen, wesentlich höheren Werte den konstatierten
Befund weitgehend.
Für die Aktivität der Bodenfauna in Ackerböden, die aufgrund ständig wiederkehrender Bearbei-
tungsmaßnahmen im Allgemeinen geringer durch Bodentiere besiedelt werden als vergleichbare
Grünland- oder Waldböden, sind Art und Intensität der acker- und pflanzenbaulichen Eingriffe von
entscheidender Bedeutung. Im Hinblick auf die Fraßaktivität der Bodenfauna könnte geschlussfol-
gert werden, dass besonders schonende Bearbeitungsverfahren zu höheren Aktivitätswerten füh-
ren. Im Herbst 2003 konnte tatsächlich eine derartige Abstufung festgestellt werden, da sich die
Fraßraten mit abnehmender Intensität der Bodenbearbeitung (ausgehend von der Pflugvariante
über die Mulchvariante bis zur Direktsaat ohne Bodenbearbeitung) signifikant erhöhten. Im Folge-
jahr wurden die höchsten Fraßaktivitäten nicht für das Direktsaatverfahren, sondern auf der Mulch-
saatfläche festgestellt. In der Gesamtschau weisen die Untersuchungen darauf hin, dass signifikant
positive Effekte einer verminderten bzw. minimalen Bodenbearbeitung auf die Aktivität der am
Rotteprozess beteiligten Fauna i. d. R. zu erwarten oder zumindest wahrscheinlich sind.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Keine tendenziellen Aussagen lassen sich bislang zum Einfluss des Ökologischen Landbaus auf
die Aktivität streuabbauender Organismen machen. Im Herbst 2003 konnten die Nachteile des
Pflugeinsatzes gegenüber konservierenden Verfahren durch die ökologische Bewirtschaftung teil-
weise kompensiert werden. Im Frühjahr des Folgejahres galt dies lediglich für die oberflächenna-
hen Bereiche. Ungeachtet der genannten positiven Effekte wird aus den Ergebnissen deutlich, dass
Maßnahmen wie die konservierende Bodenbearbeitung oder der ökologische Landbau in ihrer
Wirkung auf die Bodenzönosen nicht isoliert, sondern im Komplex aller natürlichen und anthropo-
genen Faktoren wirken und folglich auch komplex betrachtet und diskutiert werden müssen.
Unter geeigneten Rahmenbedingungen ist mit den höheren Fraßaktivitäten auf Mulch- und Direkt-
saatflächen auch ein verstärkter Abbau von Pflanzenrückständen zu erwarten. Dies gilt besonders
für die obersten Bodenschichten. F
RIEBE & HENKE (1991) wiesen für verschiedene pfluglose Bear-
beitungssysteme im Vergleich zur gepflügten Fläche eine mindestens doppelt so hohe Strohabbau-
rate nach. Auch HEIBER & EISENBEIS (1999) stellten einen verstärkten Streuabbau bei nicht wen-
dender Bodenbearbeitung fest. Die höhere Aktivität der Primärzersetzer kann aus Sicht der ökolo-
gischen Selbstregulation eine entscheidende Rolle spielen, z. B. im Maisanbau, der im Rahmen
pflugloser Anbauverfahren als besonders problematisch gilt. So ist nach F
RIEBE & HENKE (1991) die
Mesofauna am Abbau von Maisstroh wesentlich stärker beteiligt, als an der Umsetzung von ge-
mulchten Weizenstoppeln. Inwieweit solche Effekte im Rahmen der Eindämmung problematischer
Krankheitserreger (Fusarium spp., DTR/HTR, Virosen, Maiswurzelbohrer) quantifiziert werden
können, muss in weiterführenden Forschungsarbeiten geklärt werden. Diese Thematik ist gerade
im Kontext der Förderung pflugloser Bearbeitungsstrategien von großem wirtschaftlichen Interesse.
Über die untersuchten Elemente der Bodenfauna hinaus finden sich in der Fachliteratur weitere
Hinweise auf die positiven Auswirkungen pflugloser Bearbeitungsverfahren. Seit längerem bekannt
ist z. B. der fördernde Einfluss konservierender Bodenbearbeitungssysteme auf die Siedlungsdichte
und teilweise auch auf die Artendiversität von Regenwürmern (Lumbricidae). Entsprechende Effek-
te wurden bereits von F
RIEBE & HENKE (1991) beschrieben. Besonders günstig wirkt sich der Pflug-
verzicht offensichtlich auf die tiefgrabende Art Lumbricus terrestris aus, deren Aktivitäten sowohl für
die Verbesserung der Bodenstruktur als auch für die Erosionsminderung von besonderer Bedeu-
tung sind (K
RÜCK ET AL., 2001).
5.2 Epigäische Raubarthropoden
Der Vergleich gepflügter Ackerflächen, die unterschiedlich intensiv bewirtschaftet werden (ökolo-
gisch/konventionell) hat verdeutlicht, dass der ökologische Landbau unter den vorliegenden Stand-
ort- und Produktionsfaktoren deutlich fördernd auf die Diversität der Laufkäfer und Spinnen wirkt.
Solche positiven Effekte ökologischer Anbauverfahren, die ihren Ausdruck überwiegend in höheren
Artenzahlen, seltener auch in einer deutlich verschobenen Dominanzstruktur finden, wurden viel-
fach beschrieben (H
OSSFELD, 1963; GÄRTNER, 1980; HEYDEMANN & MEYER, 1983; TIETZE, 1985;
B
ASEDOW, 1987; CROY, 1987; KLEINERT, 1987).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
69
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Publikationen aus den Ackerbaugebieten Mitteldeutschlands dokumentieren allerdings, dass hier in
den letzten Jahrzehnten generell keine faunistische Verarmung dieser Zönosen stattgefunden hat
(VOLKMAR ET AL., 1994; VOLKMAR ET AL., 2000; WETZEL, 2004). Zahlreiche mitteleuropäische Feld-
laufkäfer finden unter den Klima- und Bodenbedingungen der Mitteldeutschen Tief- und Hügellän-
der offensichtlich ihr ökologisches Optimum und reagieren hier unter Umständen geringer als an-
derswo auf Intensivierungsfaktoren (K
REUTER, 2002). Ein ausschlaggebender Faktor könnte dabei
die Bodenfeuchte sein. Feldversuche im Erzgebirge wiesen, bei optimaler Vergleichbarkeit der
ökologischen und konventionellen Flächen, durchaus auf signifikant geringere Artenzahlen in Folge
höherer Bewirtschaftungsintensität hin (V
OLKMAR & KREUTER, 2000; ZÖPHEL & KREUTER, 2001).
Der signifikant größere Artenreichtum insbesondere am Standort Krippehna geht offensichtlich auf
die ebenfalls signifikant stärkere Verunkrautung zurück, die zu einer hohen Artendiversität fakultativ
phytophager Laufkäfer geführt haben dürfte. Diese Zusammenhänge sind im Rahmen der Untersu-
chung nicht quantifizierbar, werden aber durch zahlreiche Veröffentlichungen zu dieser Thematik
unterlegt (z. B. K
OKTA, 1989). Von besonderem Interesse ist gerade im ökologischen Landbau auch
die Rückwirkung der phytophagen Carabiden auf den Bodensamenvorrat dominierender Unkräuter.
Offensichtlich bestehen bedeutende regulative Effekte (HEMPEL ET AL., 2000; ZÖPHEL & KREUTER,
2001; K
REUTER, 2002). Eine gezielte wissenschaftliche Untersuchung dieser Zusammenhänge
steht aber noch aus.
Die Tatsache, dass auf den Ökoflächen in beiden Naturräumen signifikant höhere Aktivitätsdichten
der Laufkäfer gemessen wurden, lässt sich nicht allein auf die reichere Ausprägung der Segetalve-
getation zurückführen. Auch die wahrscheinliche (aus dem Köderstreifentest abzuleitende) Akku-
mulation der Mesofauna im oberflächennahen Bodenhorizont dürfte zu guten trophischen Bedin-
gungen auf den Ökoflächen geführt haben. Gerade dieses Element des Edaphon ist als potenziel-
les Nahrungsreservoir fast aller Carabidenarten von größter Bedeutung. Die hochsignifikant größe-
ren Aktivitätsdichten der Rote-Liste-Arten
Carabus cancellatus
und
Poecilus punctulatus
auf den
ökologisch bewirtschafteten Schlägen gehören, ungeachtet der räumlichen Distanz der jeweiligen
konventionellen Vergleichsflächen, zu den interessantesten faunistischen Ergebnissen des Unter-
suchungsjahres 2003. Für die große und eher hygrophile Spezies
C. cancellatus
existieren ver-
gleichbare Befunde aus dem Erzgebirgsvorland und der Slowakei (K
LEINERT, 1987; VOLKMAR &
K
REUTER, 1998 und 2000, ZÖPHEL & KREUTER 2001). Auch hinsichtlich der zweiten Art
P. punctula-
tus
stellten VOLKMAR & KREUTER (1998 und 2000) auf einem ökologisch bewirtschafteten Kamille-
schlag sehr hohe Aktivitätsdichten fest, während auf einem benachbarten konventionellen Roggen-
feld nur wenige Individuen erfasst wurden.
Im Vergleich der Bodenbearbeitungsverfahren Pflugeinsatz, Mulchsaat und Direktsaat wurde auf
beiden Standorten eine leichte Abnahme der Artenzahlen bei abnehmender Bodenbearbeitungsin-
tensität festgestellt. Dieser Fakt verdeutlicht, dass allein die Intensität einer anthropogenen Beein-
flussung noch kein Gradmesser für die Biodiversität der betroffenen Fläche sein muss.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
70
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die meisten Laufkäferarten entstammen Litorea-Biotopen oder trockenen Offenlandhabitaten der
pannonischen Faunenregion (TISCHLER, 1958; KIRCHNER, 1960; KEGEL, 1990). Sie können folglich
die periodische Instabilität ihres Lebensraumes oder zumindest extreme Umweltfaktoren weitge-
hend tolerieren und sind damit gerade an die Besonderheiten konventionell bearbeiteter Äcker
hervorragend angepasst. Dennoch dürften Carabiden nicht die einzige Tiergruppe sein, die auf
einem gepflügten Acker eine größere Vielfalt hervor bringen können als auf einer Direktsaatfläche.
Ungeachtet dessen weisen jüngste Untersuchungen bereits darauf hin, dass bestimmte Arten
durch konservierende Bodenbearbeitung auch signifikant gefördert werden können (V
OLKMAR ET
AL., 2003). Eine dieser Arten, der Goldlaufkäfer (
Carabus auratus
), stand bereits in früheren agrar-
ökologischen Publikationen im Mittelpunkt des Interesses (H
EYDEMANN, 1955; HEYDEMANN & MEYER,
1983; B
ASEDOW, 1987). Mehrfach wurde dargelegt, dass diese Spezies, aber auch andere große
Laufkäferformen, durch die Intensivierung der Landwirtschaft deutliche Bestandesrückgänge erfuh-
ren. Die vorliegenden Resultate deuten dagegen eher darauf hin, dass für das Auftreten von
C.
auratus
speziell die Bodenbearbeitung eine wesentlich größere Rolle spielt als die allgemeine Be-
wirtschaftungsintensität.
Derart starke positive Effekte konservierender Verfahren, wie sie in der vorliegenden Arbeit doku-
mentiert sind, waren bislang nicht bekannt. Offensichtlich hat bereits der Verzicht auf die Boden-
wendung sowohl direkte (kaum Verschüttung, weniger mechanische Verletzungen größerer Bo-
denorganismen) als auch indirekte (Humusakkumulation im obersten Bodenhorizont und damit
auch Förderung zahlreicher potenzieller Beutetiere) Auswirkungen. Für andere Arten spielt dage-
gen die vom konventionellen Acker abweichende Habitatstruktur eine entscheidende Rolle. So
besiedelt z. B.
Nebria brevicollis
(in Lüttewitz signifikant häufiger auf der Direktsaatfläche erfasst) in
den mitteldeutschen Agrarräumen vornehmlich naturnahe, oft schattige oder feuchte Randhabitate.
Unter den Bedingungen einer minimalen Bodenbearbeitung erschließt sich offensichtlich auch die
Ackerfläche selbst als bevorzugter Lebensraum.
Das gehäufte Vorkommen des Sandlaufkäfers
Cicindela campestris
auf dem Zschortauer Groß-
schlag stellt ein weiteres bemerkenswertes faunistisches Phänomen dar, da diese Art bislang auf
vergleichbaren Standorten kaum oder nur in Einzelexemplaren nachgewiesen werden konnte. Eine
Einwanderung dieser flugaktiven Spezies aus den Ruderal- und Sukzsessionshabitaten der nahen
Kippen- und Tagebauflächen scheint wahrscheinlich. Mit zunehmender Intensität der Bodenbear-
beitung stiegen die Fangzahlen deutlich an; die gepflügte Fläche wies offensichtlich die mit Abstand
größte Attraktanz auf.
Im Hinblick auf die Ordnung der Webspinnen (Araneae) führte besonders die konservierende Bo-
denbearbeitung zu einer Zunahme störungsempfindlicher Arten und Artengruppen (z. B. von Wolfs-
spinnen). Das Direktsaatverfahren verursachte darüber hinaus eine teilweise deutliche Erhöhung
der Artendiversität.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
71
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Eine signifikante Förderung von Webspinnen durch konservierende Bodenbearbeitungsverfahren
wurde in den letzten Jahren von ZAHIROVIC ET AL. (2001) und VOLKMAR ET AL. (2003) beschrieben.
Eine ökologische Bewirtschaftung muss dagegen nicht zwangsläufig eine reichhaltigere oder fau-
nistisch „wertvollere“ Ausprägung der Spinnenzönosen nach sich ziehen (vgl. V
OLKMAR ET AL., 2000;
ZÖPHEL & KREUTER, 2001). Die in der vorliegenden Studie beschriebenen positiven Effekte des
Ökolandbaus deuten darauf hin, dass die Fruchtfolgen und weitere Parameter der jeweiligen Be-
wirtschaftungsstrategien sich insgesamt günstig auf die faunistische Qualität der Spinnenzönosen
auswirkten. Eine Erhöhung der Artendiversität in Folge der ökologischen Anbauprinzipien war da-
gegen nicht nachzuweisen.
Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass eine vernünftige Wichtung und Integration der wesentlichen
Zielvorstellungen zur Biodiversität vor die Beurteilung eines anthropogenen Lebensraumes gestellt
werden muss. Dabei sollten neben allgemeinen Parametern, wie Arten- und Individuenzahlen, auch
konkretere Umweltqualitätsziele (z. B. die Förderung seltener, faunistisch bemerkenswerter Arten
oder die Stärkung selbstregulativer Prozesse im Ökosystem) berücksichtigt werden.
In diesem Sinne gehört das signifikant stärkere Auftreten von Laufkäfern der Gattung
Carabus
und
von Wolfspinnen (Lycosidae) in Folge der pfluglosen Bodenbearbeitung zu den herausragenden
Resultaten der vorliegenden Forschungsarbeit, da sich damit für die konservierend bearbeiteten
Flächen sowohl ein beachtlicher faunistischer Wert als auch ein höheres regulatives Potenzial
andeutet. Zur bevorzugten Beute der
Carabus
-Arten gehören z. B. viele Schädlinge, die durch
pfluglose Bodenbearbeitung gefördert werden (darunter Ackerschnecken und verschiedene im bzw.
am Boden lebende Insektenlarven). Das tatsächliche Regulationspotenzial räuberischer Spinnen
und Feldlaufkäfer könnte auf konservierend bearbeiteten Feldern sogar noch größer sein, als allein
aus den höheren Fangzahlen zu schließen ist. Einige typische Beutetiere, z. B. Diplopoden (Dop-
pelfüßer), Dipluren (Doppelschwänze) oder Fliegenlarven, erreichen dort nämlich deutlich geringere
Individuenzahlen als auf gepflügten Äckern (F
RIEBE & HENKE, 1991). Folglich dürften all jene Bo-
dentiere, die durch pfluglose Bodenbearbeitung gefördert werden (z. B. Schnecken), entsprechend
größere Anteile am Nahrungsspektrum der Raubarthropoden einnehmen.
Darüber hinaus weisen die Ergebnisse auf eine deutliche qualitative und quantitative Differenzie-
rung der Laufkäfer- und Spinnengesellschaften in Folge der konsequent pfluglosen Bodenbearbei-
tung hin. Zum einen fördern die konservierenden Verfahren langfristig zahlreiche störungsempfind-
liche und große Spezies. Andererseits verdeutlichen die jeweils höchsten Artenzahlen der Laufkä-
fer in der Pflugvariante, dass auch die traditionelle wendende Bodenbearbeitung zu verhältnismä-
ßig artenreichen Lebensgemeinschaften führen kann.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
72
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
5.3
Zur Festlegung eines Minimalprogramms der Laufkäfererfassung
Die Laufkäferfänge weisen insgesamt eine ähnliche Struktur auf, wie sie auch durch andere, teil-
weise sehr umfangreiche Erhebungen im Mitteldeutschen Raum dokumentiert wurden (u. a.
Z
ÖPHEL & KREUTER, 2001; KREUTER, 2002; VOLKMAR ET AL., 2000 und 2003). Daraus kann für die
dargestellten Resultate zur Aufwandsminimierung eine relativ hohe Allgemeingültigkeit zumindest
auf regionaler Ebene abgeleitet werden.
Die Ergebnisse zum Einfluss von Fangzeitraum und Fallenzahl präzisieren vergleichbare Befunde
aus der Fachliteratur. O
BRTEL (1971) konnte mit fünf von insgesamt 25 Bodenfallen 50 % der Cole-
opteren-Arten eines Waldgebietes nachweisen. Mit 20 Fallen erfasste er ca. 90 % der Arten. STEIN
(1965) wies auf einer Wiese mit drei von insgesamt 20 Fallen ca. 40 % der Laufkäferarten nach.
B
OMBOSCH (1962) führte diesbezüglich Untersuchungen in einem Zuckerrübenfeld durch. Allerdings
betrug die Untersuchungsdauer nur sieben Tage. Er stellte fest, dass sich mit zehn von insgesamt
70 Fallen 53 % der Coleoptera-Arten ermitteln ließen. L
ÖVEI und SAMU (1987) untersuchten die
Fallenzahl-Artenzahl-Beziehungen für Laufkäfer in einer Feuchtwiese. Sie stellten heraus, dass bei
einer Expositionszeit von sieben Tagen auch 80 Bodenfallen nicht ausreichend sind, um den tat-
sächlichen Artenbestand annähernd wiederzugeben. D
UELLI ET AL. (1990) gehen davon aus, dass
die Fallenzahl soweit reduziert werden kann, bis eine weitere Falle weniger zu einem Verlust von
mehr als 10 % der Arten führt. Auch M
ÜHLENBERG (1983) stellte fest, dass in einem einheitlich struk-
turierten Habitat insgesamt drei Barberfallen genügen, um noch 60 % der Arten nachweisen zu
können.
Die Tatsache, dass deutlich mehr als ein Drittel aller Carabidenarten bereits bei Ausbringen einer
Falle garantiert nachzuweisen gewesen wäre, entspricht den Untersuchungen von L
ÜBKE-AL HUS-
SEIN
(1997). Der eher geringe Anteil an Arten, welche sich erst bei Verwendung von zwei, drei, vier
bzw. fünf Fallen garantiert erfassen ließen, lässt die Aussage zu, dass eine derartige Erhöhung der
Fallenzahl in Acker-Habitaten wenig sinnvoll ist, da der Zugewinn an Arten in keinem Verhältnis
zum Mehraufwand steht. Feldstudien von D
UELLI ET AL. (1990) in vergleichbaren Lebensräumen
ergaben, dass die Verwendung von drei statt zwei Fallen nicht einmal 10 % neue Arten erbrachte.
Die vorliegenden Untersuchungen bestätigen und ergänzen diesen Fakt. Der überraschend große
Effekt der sechsten Falle hinsichtlich des sicheren Nachweises von im Gesamtfang vorhandenen
Arten ist in diesem Kontext umso bemerkenswerter. Ein solcher Qualitätssprung geht aus der ein-
schlägigen Fachliteratur nicht hervor (vgl. L
ÜBKE-AL HUSSEIN, 1997). Auch die Aussage, dass min-
destens fünf Fallen erforderlich sind (DUELLI ET AL., 1990), ist kritisch zu bewerten. Erst bei einem
Aufwand von sechs und mehr Bodenfallen kann das Gros der seltenen bzw. gefährdeten Laufkäfer-
Spezies mit relativ hoher Sicherheit erfasst werden. Gerade bei faunistischen und naturschutzfach-
lichen Feldstudien sollte dieser Fakt Berücksichtigung finden.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
73
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Ergebnisse zu Arten der aktuellen Roten Listen Deutschlands und Sachsens weisen auf die
Notwendigkeit einer differenzierten Bewertung solcher Nachweise hin. Denn der Wert eines sol-
chen Lebensraumes für den Erhalt einer Rote-Liste-Art ist vor allem dann besonders hoch einzu-
schätzen, wenn diese dort eine nennenswerte Population aufweist. Folglich sollte der Nachweis
weniger Arten in hohen Individuenzahlen in seiner ökologischen Bedeutung den Fang vieler be-
drohter Spezies in Einzelexemplaren bei weitem aufwiegen. Unterstützt wird diese These durch die
Untersuchungen von L
ÜBKE-AL HUSSEIN (1997). Die Autorin wies nach, dass die Zahl seltener und
damit unter Umständen auch gefährdeter Arten auch mit einem extrem hohen Aufwand keine abso-
lute Obergrenze erreichen muss.
Die hier erkennbare Problematik der Interpretation von Einzelnachweisen lässt eine Schwerpunkt-
setzung auf häufiger gefangene Arten sinnvoll erscheinen. Eine zukünftige Zweiteilung von fau-
nistisch bemerkenswerten Artenfunden in regelmäßig oder häufig auftretende Arten einerseits und
einmalig oder sehr selten erfasste Arten andererseits, könnte ferner eine differenzierte Bewertung
entsprechender Befunde ermöglichen und einen konstruktiven Beitrag zur kontrovers geführten
Diskussion über die Bedeutung von Rote-Liste-Arten auf Ackerflächen leisten (vgl. P
OEHLING ET AL.,
1994; W
ETZEL ET AL., 1997).
Die Ergebnisse zu Effekten reduzierter Fallenzahlen auf die Dominanzstruktur entsprechen den
Untersuchungen von L
ÜBKE-AL HUSSEIN (1997). RIECKEN (2000) stellte in seinen Untersuchungen zu
den Begrenzungsmöglichkeiten des Untersuchungsaufwandes anhand epigäischer Spinnen fest,
dass das Dominanzspektrum in einer Falle bei bestimmten Habitaten, z. B. Äckern, nur geringe
Abweichungen zum Gesamtergebnis aufzeigt. Die wesentlich größeren Abweichungen der Domi-
nanzspektren infolge verkürzter Fangzeiträume sind in der typischen, stark jahreszeitlich beein-
flussten Phänologie der Laufkäfer (nach L
ARSSON, 1939) begründet. Auch der zunehmende Ein-
fluss der Fallenzahl bei kürzer werdenden Fangperioden entspricht Ergebnissen von RIECKEN
(2000).
5.4 Segetalvegetation
Die Auswirkungen einer artenreichen Beikrautvegetation auf die zoologisch-faunistische Diversität
von Ackerflächen sind hinlänglich bekannt. Auch in Sachsen konnten in neueren Untersuchungen
entsprechende Effekte aufgezeigt werden (H
EMPEL ET AL., 2000; VOLKMAR ET AL., 2000; ZÖPHEL &
KREUTER, 2001). Jede Pflanzenart bildet die Nahrungsgrundlage zahlreicher phytophager Spezialis-
ten und Generalisten, die wiederum das Auftreten von Räubern und Parasiten nach sich ziehen.
Dennoch ist die Einbeziehung des Beikrautbesatzes in Modelle zur Bewertung der Biodiversität
problematisch. Im Gegensatz zu allen anderen Diversitätskriterien steht eine reichhaltige Segetal-
vegetation meist im direkten Widerspruch zu den ökonomischen Interessen der Landnutzung.
Beispielsweise gehört die Ackerkratzdistel zwar zu den besonders diversitätsfördernden Segetalar-
ten, da sie Nahrungspflanze besonders vieler Insektenarten ist; gleichzeitig gilt sie aber als gefürch-
tetes Unkraut, dessen Eliminierung aus den Anbauflächen generell angestrebt wird.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
74
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Erwartungsgemäß war der Einfluss der allgemeinen Bewirtschaftungsintensität (ökologisch oder
konventionell-integriert) auf die Segetalvegetation signifikant größer ist als die Effekte wendender
bzw. konservierender Bodenbearbeitung unter konventionellen Produktionsbedingungen.
Die Vegetationserhebungen an den zwei Vergleichsstandorten bestätigen weitgehend bekannte
Effekte der Ausprägung von Segetalgemeinschaften in den geprüften Anbausystemen „ökologisch“
und „konventionell-integriert“. Die Schläge des ökologischen Landbaus heben sich von den konven-
tionell bewirtschafteten durch höhere Arten- und Individuenzahlen, größere Deckungswerte, höhere
Absolutwerte an konkurrenzschwächeren Segetalarten sowie an Arten mit Standort- und Regional-
spezialisierung ab (vgl.
VAN ELSEN, 1996). Ackerbaulich problematisch waren die Massenentwick-
lungen der Kamillearten (2003 und 2004) sowie der Ackerkratzdistel (2004) in Krippehna. Die Ge-
samtdeckungswerte der Segetalzönose blieben jedoch vergleichsweise moderat.
Dass im Artenspektrum eine Reihe von seltenen bzw. gefährdeten Arten zu finden waren, kann auf
eine schon seit längerem gut funktionierende und in die stabile Phase übergegangene ökologische
Bewirtschaftung hinweisen, die die Einwanderung und Ausbreitung entsprechender Arten aus rand-
lichen Refugien duldet. Es kann ebenso gut an einer historisch günstigeren floristischen Ausstat-
tung der Äcker an sich liegen. So wiesen beide Flächen neben der üblichen Erhöhung der Arten-
zahlen und -dichten im Bereich mittlerer, weit verbreiteter Arten (z. B. H
AMPL, 1985) auch floristisch
besser gesättigte und standorttypisch ausgeprägte Gemeinschaften auf.
Nichtwendende Bodenbearbeitungsverfahren zeigten im Vergleich zu den Pflugvarianten mehr
oder weniger ausgeprägt die seit langem beschriebenen Effekte einer tendenziellen Zunahme von
Poaceen und den qualitativen und quantitativen Wechsel zu verstärktem Aufkommen einiger Arten
wie
Chenopodium album
oder
Galium aparine
, deren Diasporen vor der Unkrautbehandlung unzu-
reichend zum auskeimen gebracht werden (vgl. S
CHMIDT ET AL., 1998; FLADE ET AL., 2003a). BRÄU-
TIGAM
(1990) fand jedoch den Verunkrautungsgrad und die Anteile von Monocotylen in Direktsaat-
verfahren gegenüber der Pflugvariante nicht erhöht und die Variation infolge der Bodenbearbei-
tungsverfahren geringer als in Abhängigkeit von der Fruchtfolge. Auch P
ALLUTT & GRÜBNER (2004a)
messen der Fruchtfolge eine hervorragende Bedeutung bei der Zurückdrängung von
Problemunkräutern im konservierenden Ackerbau bei. Darüber hinaus verweisen letztgenannte
Autoren auf die Risiken reduzierter Herbizidaufwandmengen im Rahmen pflugloser An-
bauverfahren. Im vorliegenden Falle stellte die beschriebene Förderung von Gräsern und anderen
Arten, ungeachtet der relativ einseitigen und getreidebetonten Fruchtfolgen, bislang kein relevantes
Problem für die Landwirtschaftsbetriebe dar.
Insgesamt untermauern die floristisch-botanischen Befunde die jüngst getroffenen Aussagen von
P
ALLUTT & GRÜBNER (2004a & b) zu Auswirkungen der untersuchten Bewirtschaftungsarten auf die
Segetalvegetation.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
75
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Quote diasporenbildender Arten wirkt sich direkt auf den Bodensamenvorrat und die Zusam-
mensetzung der Vegetation in den Folgejahren aus. Das Aussamen wenig störender Arten zu er-
möglichen ohne eine „Überschwemmung“ mit Diasporen potenzieller Schadarten (
Apera spica-
venti, Chenopodium album
etc.) zu provozieren, ist aus Gründen der Phänologie und Herbizidspe-
zifik kaum möglich. Beispiel für eine erfolgreiche phänologische Einnischung mit einem kurzen
Entwicklungszyklus zwischen März und Mai ist die an Wintergetreide gebundene Art
Myosurus
minimus
. Anzumerken ist, dass höhere Stickstoffgaben bei ausreichender Belichtung (z. B. in Fahr-
gassen) meist zu einer erhöhten Blüten- und Samenzahl pro Pflanze führen (S
TROTDREES, 1992;
B
LUMRICH & MAHN, 1986; FRANZ ET AL., 1990). Damit werden Effekte der Individuendichte teilweise
ausgeglichen.
Die Artenzahlen für die Diasporenbank lagen durch die Einbeziehung der Vegetation zweier Anbau-
jahre über den in der Literatur angegebenen Quoten von ca. 50 bis 60 % des Gesamtartenbestan-
des (G
RUB ET AL., 1996). Eine Hochrechnung der Individuenzahlen auf n/m² ist immer mit Fehlern
behaftet, da Zufallsfunde überrepräsentiert und geklumpt verteilte Arten fehlinterpretiert werden
können. Im Durchschnitt lagen die Werte mit ca. 24 000 bzw. 20 000 Diasporen/m² für die Öko-
schläge in dem Bereich, den A
LBRECHT (1989) für bayrische Bestände des Aphano-Matricarietum
angibt. Auf den konventionell bearbeiteten Flächen lagen die Werte unabhängig von der Bodenbe-
arbeitungsvariante darunter. Von den hinsichtlich einer Anreicherung gefürchteten Poaceen besit-
zen
Poa annua
und
Apera spica-venti
eine langfristige Diasporenbank, wobei die Verluste auch bei
langfristig erhaltungsfähigen Arten bereits im ersten Jahr bei günstigen Bodenbedingungen be-
trächtlich sein können.
Generell weist die Diasporenbank nicht auf längerfristige Änderungen der Artenzahlen durch kon-
servierende Bodenbearbeitung hin. Verzicht auf Herbizidanwendung erhöht in der Regel auch den
Arten- und Individuenreichtum der Diasporenbank (
VAN ELSEN, 1991). GRUB ET AL. (1996) fanden
jedoch auch in herbizidfrei bewirtschafteten Ackerschonstreifen keine Zunahme der Diasporenbank
hinsichtlich Arten- und Individuenzahl. Die fördernde Wirkung konservierender Bodenbearbeitung
hält sich somit in Grenzen. Artenzunahmen bleiben meist auf Problemunkräuter beschränkt, die
u. U. erhöhte Bekämpfungsaufwendungen erfordern. Eine im pfluglosen Anbau meist nötige Total-
herbizidgabe anstelle einer Pflugfurche ist in ihrer unspezifischen Wirkung auf alle Ackerpflanzen
der Pflugbearbeitung gleichzusetzen. Die zumindest in Umstellungsphasen z. T. vermehrten Herbi-
zidgaben sind aus vielen Gründen diskussionswürdig und werden bereits weitgehend vermieden
(S
CHMIDT & STAHL, 1996).
Eine diversitätserhöhende Wirkung könnte von einem Verzicht auf den Stoppelumbruch bei gleich-
zeitig langen Anbaupausen bis zur Saatbettbereitung für die Folgefrucht (etwa Winterweizen nach
einer früh geernteten Vorfrucht) ausgehen. Praxisrelevant ist dies im Direktsaatverfahren. Es böte
nach Abräumen hochwüchsiger Problemarten mit der Ernte vor allem kleinwüchsigen, konkurrenz-
schwachen Arten Zeit für einen vollständigen Entwicklungszyklus.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
76
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Dazu gehören vor allem Spezies, die sich nach dem Frühjahrsherbizid in den sich durch zuneh-
mende Reife auflockernden Beständen oder erst in der Stoppel entwickeln, (etwa
Aphanes arven-
sis, Consolida regalis, Sherardia arvensis, Euphorbia exigua, Veronica arvensis
– Stoppelunkräu-
ter). Sofern es sich um kältekeimende Wintergetreideunkräuter handelt, ist die Vernichtung durch
das Nachauflaufherbizid für diese Arten allerdings der hauptlimitierende Faktor.
Bei weitgehend mechanischer Unkrautbekämpfung wirken sich nach G
EROWITT & KIRCHNER (2000)
nichtwendende Bodenbearbeitungsverfahren und vielfältige Fruchtfolgen langfristig fördernd auf die
Artenvielfalt aus. Für eine deutliche Steigerung der Diversität in der Ackerflora ist aus botanischer
Sicht der Verzicht auf Herbizidgaben der ausschlaggebende Faktor. Auch integrierte Verfahren wie
bedarfsgerechte Düngung und Unkrautbekämpfung nach dem Schadschwellenprinzip können nach
O
ESAU (1998) und ALBRECHT & MATTHEIS (1996) nur einen sehr geringen Beitrag zur Erhöhung der
Artenvielfalt der Segetalflora leisten. BERTKE ET AL. (2003) geben die Einführung nichtwendender
Anbauverfahren als diversitätssteigernden Faktor an, Wirksamkeit wird jedoch nur bei weitgehend
mechanischer Unkrautbekämpfung erreicht.
Neben der Herbizideinschränkung sind besonders die folgenden Maßnahmen einer Erhöhung der
Pflanzenartenvielfalt dienlich (nach B
ERTKE ET AL., 2003):
Reduzierung der Grunddüngung
Reduzierung der Aussaatmenge
doppelte Reihenabstände
Reduzierung der ersten Stickstoffgabe
Verzögerung der Stoppelbearbeitung.
Eine nachhaltige Bereicherung der floristisch-botanischen Diversität innerhalb einer an den Produk-
tionserfordernissen orientierten Agrarlandschaft kann derzeit vor allem durch die Förderung gut
geführter Betriebe des ökologischen Landbaus erreicht werden. Der ökologische Schlag in Pulsitz
(PÖ) steht beispielhaft dafür, wie mit sinnvoller Fruchtfolge und zwischengeschaltetem Futterbau
der Unkrautbesatz bei gleichzeitig hoher Artenzahl auf vertretbarem Niveau gehalten werden kann.
Für konventionelle Betriebe wäre die Teilnahme am Ackerrandstreifenprogramm (im Programm
NAK, Teil von UL) eine aktuelle Möglichkeit zur Förderung der botanischen Vielfalt.
Ackerrandstreifen können an allen Anbaustandorten die Artenzahl signifikant erhöhen (
VAN ELSEN,
1989; GRUB ET AL., 1996; RASKIN ET AL., 1992; BLACHNIK-GÖLLER ET AL., 1991; HERING, 2002) und
nützlingsfördernde Effekte ausbilden, die in die Fläche hineinwirken (R
UPPERT, 1993). Es besteht
jedoch eine gewisse Skepsis diesem Instrument gegenüber, basierend auf der Angst vor massiven
Verunkrautungsproblemen, die in einigen Fällen und vor allem mit anemochoren Arten auftreten
können. Die Anlage von Ackerzwischenstreifen wird aus diesem Grund noch weniger toleriert.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
77
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
VAN ELSEN (1991) zeigte, dass auch nach langjähriger Anlage von Ackerrandstreifen ein sehr deut-
liches Gefälle in der Diasporendichte im Boden zwischen Rand und herbizidbehandeltem Feldinne-
rem besteht. Da nur ein geringer Teil der Ackerwildkräuter anemochor ist, können gleichbleibende
Bearbeitungsrichtung parallel zum Ackerrandstreifen und die Verwendung höherwüchsiger Getrei-
desorten ein unerwünschtes Vordringen problematischer Arten in die Feldinnenbereiche vermeiden
helfen. Auch andere Autoren (G
RUB ET AL., 1996; WILSON & AEBISCHER, 1995) konnten keine signifi-
kanten Zunahmen potenzieller Problemarten außerhalb der Ackerrandstreifen nachweisen.
Treten Massenentwicklungen von Arten wie
Cirsium arvense, Galium aparine, Agropyron repens
in
den Ackerrandstreifen auf, so sollte eine herdweise, gezielte Herbizidbehandlung gestattet sein
(vgl. O
ESAU, 1998). Bei einer Konzentration des Programms auf ertragsschwächere Regionen mit
hohem Artenpotenzial sind Probleme nur in sehr einseitigen Fruchtfolgen und bei überdurchschnitt-
lichen Düngergaben zu erwarten (B
UDER & DÖRING, 2003).
Die Anlage von herbizidfreien Ackerrandstreifen ist in erster Linie dort sinnvoll, wo das Potenzial
für die Ausbildung einer reichen Ackervegetation noch vorhanden ist (B
UDER & DÖRING, 2003). In
den Hauptertragsgebieten des Sächsischen Lößhügellandes und des Leipziger Tieflandes wird
diese Maßnahme nur dort die erwartete Wirkung (z. B. auf die Artendiversität oder auf die Bestände
seltener oder gefährdeter Arten) zeigen, wo diese Voraussetzung gegeben ist.
Vorzugsgebiete für die Anwendung des Ackerrandstreifenprogramms in Sachsen wurden im Rah-
men einer Studie im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (B
ÜRO FÜR
LANDSCHAFTSÖKOLOGIE, 2002) ausgewiesen. In den vergangenen Jahren wurde dieses Instrument
bisher nicht in dem angepeilten Maßstabsrahmen genutzt (Ackerrandstreifen 2002: 11 Teilnehmer
mit insgesamt 109 ha Fläche, Ackerzwischenstreifen 2002: 28 Teilnehmer mit insgesamt 73 ha
Fläche; S
CHWARZBACH ET AL., 2003).
Eine Indikation der Biodiversität unterschiedlicher ackerbaulicher Intensitätsstufen und Verfahrens-
techniken anhand der Segetalvegetation ist prinzipiell möglich. Besondere Vorteile liegen in der
relativ einfachen Erfassbarkeit und in der indikatorischen Funktion für weitere Diversitätsparameter,
z. B für Blütenbesucher und Phytophage oder für den Bodenzustand (G
EROWITT & MARGGRAF,
2001).
Zu bedenken ist dabei aber, dass die Vegetation über längere Zeiträume hinweg historische Zu-
stände dokumentiert und nur verzögert auf Bewirtschaftungsumstellungen reagiert. Schläge mit
einer historisch hohen Diversität können so auch unter ungünstigen Umständen noch längere Zeit
als günstig eingeschätzt werden. Andererseits können bei hoher Konzentration an Schadarten und
fehlendem Potenzial an erwünschten Arten in der Umgebung auch bei günstiger Standortentwick-
lung positive Effekte lange ausbleiben. Die Bewertung ist also stets nur nach einer langjährigen
Umstellungsphase möglich.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
78
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Für eine Indikation der biologischen Vielfalt anhand der Segetalvegetation kommen (analog zu
vielen anderen zönotischen Gruppen) prinzipiell folgende Merkmale in Frage:
Parameter der Vegetationsstruktur (Summenparameter: Artenzahl, Gesamtdeckung, Domi-
nanzverhältnisse, mittlere Zeigerwerte nach Ellenberg),
Artengruppen mit kennzeichnendem Verhalten,
einzelne Indikatorarten bzw. Summen von Indikatorarten.
Die Bewertung kann anhand von Absolutwerten (etwa Artenzahl innerhalb einer bestimmten Indika-
torgruppe, z. B. Extensivierungszeiger, vgl. Vorgehen in MEKA II ) oder Boniturwerten (vgl. Verfah-
ren KUL in Thüringen) vorgenommen werden. Übergreifende Gruppen, deren Quantitäten indikato-
rischen Wert besitzen, wären unter anderem:
Arten, die typisch für Äcker sind und/oder nur auf ihnen vorkommen (vgl. W
EHKE & ZOLDAN,
2002; BUDER & DÖRING, 2003)
Arten, die sich generell im Rückgang befinden (vgl. W
EHKE & ZOLDAN, 2002; BUDER & DÖRING,
2003)
Arten, die nach den Roten Listen als gefährdet eingestuft werden (vgl. WEHKE & ZOLDAN, 2002;
B
UDER & DÖRING, 2003)
Arten, mit niedrigen Stickstoffzeigerwerten (nach E
LLENBERG ET AL., 1992)
Arten mit höherer Standortbindung (allgemein verbreitete, stärker den Standort charakterisie-
rende Arten)
Mittlere Strukturparameter wie mittlere Gesamtdeckung, Spektren von Blühfarben oder die Mittel-
werte für die Stickstoff- und Lichtzahl nach Ellenberg geben Auskunft über den Zustand einer
Pflanzengemeinschaft und sind im Fall geringer Stickstoff- und hoher Lichtwerte in der Regel mit
einer Bereicherung der Gesellschaften verknüpft, erlauben aber keine direkten Rückschlüsse auf
Artpräsenzwerte.
Zur Ausweisung von Indikatorgruppen für spezielle Bodenbearbeitungsvarianten, Stickstoffsalden
oder Herbizidmengen sind umfangreichere vergleichende Studien mit jeweiligem regionalen Bezug
notwendig. Dass es prinzipiell möglich ist, vegetationskundlich basierte Indikatorgruppen zu finden,
zeigen u. a. Q
UIRIN ET AL. (2002) bzw. WEHKE & ZOLDAN (2002) für ökologisch, integriert und kon-
ventionell bewirtschaftete Schläge des Raumes Trier. Sie konnten nach umfänglichen vegetati-
onskundlichen Studien jedoch auch nur im ökologischen Landbau im Vergleich mit konventionellen
und integrierten Verfahren einen deutlich positiven Effekt für die Ackerbegleitflora feststellen.
Bei Wegfall des Hauptfaktors Herbizideinsatz ist generell mit einem sprunghaften Ansteigen der
Artenzahlen (wenn auch oft erst über längere Zeiträume) zu rechnen. Selbst integrierte Verfahren
mit nur einer Herbizidanwendung zeigen keine entsprechende quantitative Wirkung (O
ESAU, 1998).
So ist im Ackerbau die Artenzahl sehr stark an den Faktor Herbizid und sekundär an weitere Fakto-
ren extensiver Bewirtschaftung (verminderte Aussaatstärken, verminderte Düngung etc.) gekoppelt.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
79
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Die Indikatorfindung für die Abgrenzung konservierender Anbauverfahren, die in anderer Hinsicht
deutliche ökologische Gunstwirkungen zeigen (etwa für den Erosionsschutz oder auf die Boden-
fauna) dürfte sich somit schwierig gestalten. Eine Indikatorfindung für eine ergebnisorientierte För-
derung verschiedener Extensivierungsstufen wird derzeit bundesweit angestrebt (O
PPERMANN &
GÜTHLER, 2003; BERTKE ET AL., 2003). Selbst der Schutz seltener Ackerwildkräuter ist unter der
Maßgabe hoher und hochwertiger Erträge schwierig, da ihre Förderung gerade auf leistungsfähigen
Standorten auch immer die Ausbreitung problematischer Arten nach sich zieht.
Einen Ausweg aus dieser Problematik weisen solche Produktionssysteme, die ein diversitätsför-
derndes und ökonomisch tolerierbares Maß an Verunkrautung ermöglichen. Dabei bestehen auch
für die konventionelle Landwirtschaft Entwicklungsmöglichkeiten, z. B. durch die Festlegung und
Erweiterung gesetzlich verbindlicher Behandlungsschwellen. Selbst die kontrovers diskutierte grüne
Gentechnik eröffnet Potenziale einer deutlichen Förderung der Beikrautvegetation und Flora, indem
sie über die Herbizidresistenz der Kulturpflanze den Verzicht auf prophylaktische Unkrautbekämp-
fungsmaßnahmen ermöglicht und damit die Chance auf eine Selbstregulation des Ökosystems
offen lässt.
5.5
Zur Nutzung der Ergebnisse in integrativen Bewertungsmodellen
Prinzipiell eröffnen sich zwei Wege der Nutzung der erstellten Datensätze für eine Bewertung der
Biodiversität der untersuchten Ackerflächen.
1.
die Auswahl einzelner Merkmale mit Stellvertreter-Funktion
2.
die Integration aller relevanten Merkmale in ein gemeinsames Bewertungsschema.
Am Beispiel der Segetalvegetation soll die Möglichkeit demonstriert werden, einzelne Parameter
aus der Vielzahl zönologischer und floristisch-botanischer Befunde auszuwählen und mit diesen die
Auswirkungen der Landwirtschaft auf den gesamten Komplex der Segetalzönosen stellvertretend
zu charakterisieren. Die Integration sowohl qualitativer als auch quantitativer Merkmale einer kom-
plexen Organismengruppe in ein einfaches Bewertungsschema soll am Beispiel der epigäischen
Raubarthropoden demonstriert werden.
5.5.1
Auswahl einzelner Merkmale mit Stellvertreter-Funktion
Die Anwendung des Indikators „Segetalvegetation“ auf das gesamte ackerbauliche Spektrum, inkl.
ökologischem Landbau, lassen sich „Extensivierungszeiger“ für den Ackerbau vor allem aus der
Gruppe der konkurrenzschwächeren, im Rückgang befindlichen Arten mit standort-indikatorischer
Funktion für die entsprechenden Ackerbaugebiete Sachsens ableiten. Im Rahmen der vorliegenden
Studie würde hierfür z. B. die Arten
Aphanes arvensis, Arabidopsis thaliana, Papaver rhoeas
oder
Raphanus raphanistrum
in Frage kommen. Unter Einbeziehung einer im Blick auf die Nachhaltig-
keit zu fordernden Mindestindividuenzahl ließen sich weitere Arten hinzuzählen.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
80
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Ein entsprechendes Vorgehen unter Verwendung von Kennarten für artenreiches Ackerland schla-
gen BRABAND ET AL. (2003) vor. Das Verfahren entspricht dem des Programms MEKA II für artenrei-
ches Grünland, indem Ende Juni/Anfang Juli in drei schematisch angeordneten Transekten im
Feldinneren je mindestens vier der ausgewiesenen 20 Kennarten für artenreiches Ackerland ent-
halten sein müssen. Die Artenauswahl umfasst dabei leicht kenntliche Sippen mit standortscharak-
terisierender Funktion bzw. Charakterarten der wichtigsten Segetalgesellschaften mit einge-
schränkten Vorkommen im intensiv-konventionellen Bereich.
Die Anwendung dieses Modells auf die Schläge der Studie würde die ökologischen Schläge Krip-
pehna 2004 und Pulsitz 2003 und 2004 als artenreiches Ackerland ausweisen. Eine Differenzierung
zwischen den Bodenbearbeitungsvarianten ergibt sich nicht. Wie auch B
RABAND ET AL. (2003) beto-
nen, sind aber auch nicht alle ökologischen Schläge zwangsläufig artenreich im Sinne der Diversi-
tätsförderung (siehe Schlag Krippehna 2003)
Einen anderen Ansatz wählt ein Forschungsprojekt der Georg-August-Universität Göttingen (G
E-
ROWITT
& MARGGRAF, 2001), das sich ebenfalls mit der Entwicklung eines regionalisierten und er-
gebnisorientierten Honorierungssystems für über das Level der guten fachlichen Praxis hinausge-
hende ökologische Leistungen der Landwirtschaft beschäftigt. Hier wird für die Ackervegetation als
Bewertungskriterium die Restverunkrautung nach Abschluss aller Pflanzenschutzmaßnahmen
vorgeschlagen. Als Basisgut der abgestuften Kategorien dient die aus Literaturwerten abgeleitete
Artenzahl/100 m² abgestuft zwischen 12 (niedrigste Kategorie = „I“) und 24 (höchste Kategorie =
„IV“). Eine Differenzierung unterhalb der Artenzahl von 12 wird nicht vorgenommen (Bei Artenzah-
len unter 12 wird keine Basisgutstufe erreicht. Ein zusätzliches Auftreten von Rote-Liste-Arten
(mindestens 1) gilt als zusätzlich zu honorierendes Qualitätsgut. Eine Einstufung der in dieser Stu-
die untersuchten Schläge nach diesem Bewertungsschema erfolgt in Tabelle 5-1. Diese Bewertung
führt zu einer deutlichen Abstufung der verglichenen Systeme. In erster Linie zeigt sich der bereits
mehrfach erwähnte diversitätsfördernde Effekt des Ökolandbaus ohne Herbizidapplikationen ge-
genüber allen konventionellen Anwendungen. Ferner deuten sich die verfahrenstechnisch beding-
ten Vorteile der Direktsaat an. Eine tragfähige Differenzierung zwischen der wendenden und den
nicht wendenden Bodenbearbeitungsvarianten ergibt sich aber auch aus diesem Verfahren nicht.
Die Kriterien sind dabei vor dem Hintergrund regionaler Besonderheiten möglicherweise zu prüfen
und zu konkretisieren.
5.5.2
Integration von Merkmalen in ein gemeinsames Bewertungsschema
Viele als Bioindikatoren in der Agrarlandschaft bekannte Organismengruppen reagieren sehr diffe-
renziert auf anthropogene Einflüsse. Artenspezifische Unterschiede und interspezifische Konkur-
renz führen oft zu konträren Reaktionen. Seltene Arten besetzen u. U. Nischen, die gerade durch
extreme Störungen hervorgerufen worden sind. Um dieser Komplexität gerecht zu werden, müssen
all jene Parameter Berücksichtigung finden, die maßgeblich zur Beschreibung der Biodiversität
bzw. des ökologischen Wertes der betreffenden Zönose beitragen können.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
81
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 5-2 sind die Merkmale der epigäische Raubarthropoden aufgeführt, die im Rahmen der
vorliegenden Arbeit für die Bewertung der verglichenen Ackerflächen bzw. Bearbeitungsvarianten
genutzt werden. Auf die Verwendung berechneter ökologischer Kennzahlen (Diversitäts- und Ver-
teilungsindizes) wird verzichtet, da die Interpretation dieser Parameter problematisch und Gegens-
tand kontroverser Diskussionen ist. Die konkreten Zahlen zu den aufgelisteten und benoteten
Merkmalen sind Kapitel 4.3 (Epigäische Raubarthropoden) zu entnehmen.
Die Bewertung der einzelnen Merkmale erfolgt anhand subjektiv festgelegter Noten, die Werte von
„1“ (schlechteste Note; geringer ökologischer wert) bis „5“ (beste Note; sehr hoher ökologischer
Wert) einnehmen können. Sie orientiert sich an der oben beschriebenen Skala der Basisgutstufen
für die Segetalarten, die einschließlich des Merkmals 0 (= keine Basisgutstufe erreicht) ebenfalls
fünf Einstufungen erlaubt (vgl. Tabelle 5-1). Die hier vorgenommene Einordnung der entsprechen-
den Untersuchungsergebnisse anhand dieser Skala soll (wie auch die Benotungsskala selbst)
lediglich als Vorschlag für eine einfache Bewertung komplexer acker- und pflanzenbaulicher Ein-
flüsse auf eine (ebenso komplex strukturierte) Zönose dienen.
Im Ergebnis führte auch diese Form der ökologischen Einschätzung zu einer klaren Strukturierung
der Bewertungsergebnisse in Abhängigkeit vom geprüften Bearbeitungssystem (Tabelle 5-2): Der
ökologische Landbau in der hier geprüften Ausprägung gewährleistete die reichhaltigste Ausprä-
gung der Laufkäfer- und Spinnenzönosen. Innerhalb der Bodenbearbeitungsvarianten hatte die
Direktsaat die günstigsten Effekte. Die gepflügten Flächen wiesen im gegebenen Fall die geringste
zönologische und faunistischen Wertigkeit auf. Damit bestätigt sich die bereits für die Segetalvege-
tation angedeutete Differenzierung.
Bei der ökologischen Bewertung von Anbau- oder Bewirtschaftungssystemen ist zu beachten, dass
Kriterien wie „ökologisch“, „konventionell“ oder ,,konservierend bearbeitet“ nicht genügen, um die
Systeme ausreichend zu charakterisieren. So können z. B. zwischen viehlosen Ökobetrieben und
klassischen Ökohöfen mit Viehhaltung, Ackerfutterbau, Sonderkulturen und diversen Fruchtfolgen
andererseits sehr große Unterschiede hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit und Biodiversität
bestehen. Gleiches gilt für konventionelle Betriebe unterschiedlichster Ausprägung. Folglich kann
die Bewertung verschiedener Intensitätsniveaus ebenfalls zu differenten Ergebnissen führen.
Darüber hinaus sind auch etablierte Anbau- und Bearbeitungssysteme dynamischen Veränderun-
gen unterworfen. So erreichte die durchschnittliche betriebsbezogene Fruchtartendiversität in den
konventionellen Betrieben des Freistaates Sachsen unter dem Einfluss des UL-Förderprogramms
in den letzten Jahren höhere Werte als in den ökologisch wirtschaftenden Betrieben (M
ENGE, 2004).

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
82
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Tabelle 5-1:
Ökologische Bewertung der untersuchten Bearbeitungsvarianten und Schläge an-
hand der Artendiversität der Segetalflora
Keine
Basisgutstufe
erreicht
Basisgutstufe AI
Artenzahl
>= 12/100m²
Basisgutstufe AII
Artenzahl
>= 16/100m²
Basisgutstufe AIII
Artenzahl
>= 20/100m²
Basisgutstufe AIV
Artenzahl
>= 24/100m²
ZP 2003+04
ZD 2003
(+ 1 RL-Art)
KÖ1 2003
(+1 RL-Art)
KÖ2 2004
(+3 RL-Arten)
ZM 2003+04
ZD 2004
(+1 RL-Art)
PÖ 2003
(+2 RL-Arten)
LP 2003+04
PÖ 2004
LM 2003+04
LD 2003+04
Tabelle 5-2:
Ökologische Bewertung der untersuchten Bearbeitungsvarianten und Schläge an-
hand der Laufkäfer- und Webspinnenzönosen
Bearbeitungsvariante:
ökolo-
gisch
Pflugein-
satz
Mulchsaat Direktsaat
Schlag / Teilschlag:
ZP
LP
ZM
LM
ZD
LD
Artenzahl Laufkäfer
5 4 3 3 3 3 3 3
Artenzahl Webspinnen 4 4 4 2 - 3 5 5
Individuenzahl Laufkäfer 5 5 2 2 3 3 3 3
Individuenzahl Webspinnen 5 5 3 3 - 3 3 3
Rote-Liste-Arten Laufkäfer 5 5 3 3 3 3 3 3
Rote-Liste-Arten Webspinnen 2 2 3 3 - 2 2 2
Faunistische Merkmale Laufkäfer 5 5 3 3 4 4 4 4
Faunistische Merkmale Webspinnen 4 4 2 2 - 3 5 5
Summe
35 34 23 21 - 24 28 28
Bewertungsnote insgesamt 4,4 4,2 2,9 2,6 3,2 3,0 3,5 3,5
Gegenstand der ökologischen Einschätzung dürfen deshalb immer nur fest umrissene und dabei
möglichst auch standardisierte Produktionssysteme sein. Die Praktikabilität einer Systembewertung
und der darauf basierenden Förderung ökologisch „wertvoller“ Verfahren wird durch diese Ein-
schränkung insofern nicht beeinträchtigt, da die Förderung i. d. R. ohnehin an die Einhaltung be-
stimmter Standards gebunden ist. Im Falle des UL-Programms betraf dies bislang z. B. definierte
Anforderungen an die Fruchtfolge, an den Zwischenfruchtanbau, an Düngung, Pflanzenschutz und
Bodenbearbeitung.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
83
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Unter Beachtung der genannten Restriktionen ist es durchaus möglich, typischen Anbau- und Be-
arbeitungsverfahren einen bestimmten Ausprägungsgrad der agrarischen Biodiversität zuzuordnen.
Damit rückt das Bewirtschaftungsverfahren selbst an die Stelle eines Agrarumweltindikators. Für
den Ökolandbau wird ein solches Vorgehen im Prinzip bereits als legitim angesehen. Die Förde-
rung von landwirtschaftlichen Standards, die sich positiv auf die biologische Vielfalt auswirken,
dürfte aber auch über diesen Einzelfall hinaus praktikabler und weniger problematisch sein als die
Honorierung von Mindeststandards für einzeln aufgeführte Bioindikatoren.
Zum Schutz oder zur Förderung bestimmter Spezies (z. B. im Rahmen von Sonderförderungen
oder Vertragsnaturschutz) wird die Nutzung einzelner Indikatoren auch in Zukunft eine große Be-
deutung behalten; flächendeckende Konzepte zur Erhöhung der biologischen Vielfalt dürften dage-
gen eher über die Förderung geeigneter Anbauprinzipien möglich sein. Die dafür notwendige öko-
logische Einstufung praxisüblicher oder neu zu entwickelnder Verfahren (mit definierten acker- und
pflanzenbaulichen Standards) darf allerdings nicht nur über ein oder zwei Indikatorgruppen erfol-
gen. Vielmehr sollte jeder geeignete Bioindikator einbezogen werden. Dazu gehören neben den
räuberischen Bodenarthropoden und der Segetalflora auch Bodenmikroben, Regenwürmer und
Bodenmesofauna, ferner Vertreter der Avifauna sowie die schlagspezifische Fruchtarten- und Sor-
tendiversität als einfach zu dokumentierender Anzeiger der biologischen Vielfalt eines Ackers.
Zu vielen der genannten Bioindikatoren liegen zahlreiche Veröffentlichungen über Effekte acker-
und pflanzenbaulicher Maßnahmen vor. Auch die Bedeutung der Fruchtartendiversität für die zoo-
logische und botanische Vielfalt der Ackerzönosen ist bekannt. Sinnvoll wäre eine Integration die-
ser Parameter in ein einfaches Schema zur Bewertung von Produktionsstandards oder bestimmten
Bearbeitungsverfahren.
Die Netzdiagramme in Abbildung 5-1 verdeutlichen, wie die Einstufung der vier verglichenen Bear-
beitungsvarianten Ökolandbau sowie Pflugeinsatz, Mulch- und Direktsaat im konventionellen An-
bau anhand der genannten Indikatoren denkbar wäre. Der Ökologische Landbau erwies sich da-
nach (unter den vorgefundenen Produktionsbedingungen) als das Anbauverfahren mit dem höchs-
ten agrarökologischen Wert, gefolgt von der Direktsaat und dem Mulchverfahren..
Wie bereits im Hinblick auf die Reaktion einzelner Indikatoren beschrieben, ist diese Einschätzung
an die konkreten Anbau- und Bearbeitungsstandards der geprüften Varianten gebunden. Bei einer
rückschließenden ökologischen Bewertung anhand von Produktionsstandards muss darüber hinaus
berücksichtigt werden, dass jedes Bearbeitungsverfahren (auch das vermeintlich ökologisch min-
derwertigste) zu Besonderheiten in der Ausprägung der Biodiversität führt. Dieser Aspekt der biolo-
gischen Vielfalt einer Agrarlandschaft wird durch die vorgestellten Bewertungsverfahren nicht wi-
dergespiegelt, sollte aber im Rahmen der Agrarförderung nicht unberücksichtigt bleiben. Anmer-
kungen dazu finden sich auch im abschließenden Kapitel 6.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
84
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
ökologischer Landbau, Pflugeinsatz
0
1
2
3
4
5
Avifauna
LK+Spinnen
Mikroben
Kulturarten
Mesofauna
Segetalveg.
Sonstiges
konventioneller Landbau, Pflugeinsatz
0
1
2
3
4
5
Avifauna
LK+Spinnen
Mikroben
Kulturarten
Mesofauna
Segetalveg.
Sonstiges
Summenwertzahl: 27
Summenwertzahl: 17
konventioneller Landbau, Mulchsaat
0
1
2
3
4
5
Avifauna
LK+Spinnen
Mikroben
Kulturarten
Mesofauna
Segetalveg.
Sonstiges
konventioneller Landbau, Direktsaat
0
1
2
3
4
5
Avifauna
LK+Spinnen
Mikroben
Kulturarten
Mesofauna
Segetalveg.
Sonstiges
Summenwertzahl: 21
Summenwertzahl: 23
Abbildung 5-1:
Vorschlag zur Bewertung von Anbau- und Bearbeitungsverfahren hinsichtlich ihrer
Effekte auf die biologische Vielfalt

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
85
Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
6 Schlussfolgerungen
Insgesamt zeigte sich, dass besonders vom ökologischen Landbau (unter den konstatierten Bedin-
gungen), aber auch von der konservierenden Bodenbearbeitung eindeutig positive Impulse auf die
Biodiversität der Agrarflächen ausgehen. Hervorzuheben ist die Tatsache, dass die Direkt- und
Mulchsaatverfahren große Potenziale zur Eindämmung solcher Schaderreger enthalten, deren
verstärktes Auftreten erst durch die Umstellung auf pfluglose Bearbeitung induziert worden ist. Die
optimale Ausschöpfung dieser Potenziale dürfte eine wichtige Voraussetzung für die dauerhafte
Etablierung konservierender Verfahren darstellen.
Die vorliegende Arbeit verdeutlicht auch, dass einzelne Förderprogramme prinzipiell nicht allen
Zielen und Vorstellungen zum Schutz gefährdeter Arten und bedrohter Vielfalt genügen können. Als
Beispiel sei hier die Segetalvegetation als potenziell artenreiche Lebensgemeinschaft und Grundla-
ge vielfältiger Nahrungsketten im Ackerökosystem genannt. Dieser große Komplex der agrarischen
Biodiversität wird derzeit auch im integrierten Landbau durch die gängige Pflanzenschutzpraxis so
stark eingeengt, dass die zu erwartenden positiven Effekte einer konservierenden Bodenbearbei-
tung in der Regel ausbleiben. Eine optimale Förderung der Segetalflora kann zurzeit nur unter den
Bedingungen des ökologischen Landbaus gewährleistet werden.
Abgesehen von dieser Einschränkung stellt auch die konsequente Anwendung pflugloser Verfahren
eine effektive Maßnahme dar, um die biologische Vielfalt der Ackerflächen umfassend zu fördern.
Dabei können die vergleichsweise weit verbreiteten Mulchsaatverfahren offensichtlich ähnlich posi-
tive oder sogar stärkere Auswirkungen auf die Artenvielfalt und das regulative Potenzial der betref-
fenden Ackerflächen haben als die zurzeit nur eingeschränkt anwendbare Direktsaat.
Im Sinne einer mannigfaltigen Agrarlandschaft sollte das Nebeneinander verschiedener acker- und
pflanzenbaulicher Methoden einem radikalen Austausch herkömmlicher durch neuartige Praktiken
vorgezogen werden. Selbst landwirtschaftliche Extreme (z. B. tiefes Pflügen, Monokulturen oder
konsequente Direktsaat) können der biologischen Vielfalt einer Ackerflur prinzipiell förderlich sein.
Ein ökologisches Grundprinzip besagt, dass die Biodiversität einer Landschaft nicht allein durch
Wertzahlen für einen konkreten Lebensraum (α-Diversität) bestimmt wird, sondern auch durch die
Vielfalt und Spannweite der Ausprägungsvarianten dieses Lebensraumes entlang bestimmter Um-
weltgradienten sowie durch die Vielfalt verschiedener Lebensräume in der Landschaft (β- bzw. γ-
Diversität). Dieser Fakt muss bei der Entwicklung ökologischer Bewertungskonzeptionen beachtet
werden, da er sich nicht in der Einschätzung einzelner Bearbeitungs- und Anbauverfahren wider-
spiegeln kann. Eine einfache Möglichkeit besteht in der Honorierung der „zönologischen Andersar-
tigkeit“ eines Systems in Bezug auf die regional vorherrschenden Wirtschaftsformen. Das hieße,
dass nicht nur faunistisch bzw. floristisch wertvolle oder ökologisch nachhaltige Bewirtschaftungs-
strategien zu fördern wären, sondern auch wenig verbreitete („seltene“) Merkmale, z. B. besondere
Bearbeitungsvarianten, selten angebaute Fruchtarten, außergewöhnlich reiche oder abweichende
Fruchtfolgen.

Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Im Falle der Förderung des ökologischen Landbaus und der Mulchsaat durch das UL-Programm
treffen beide Kriterien i. d. R. gleichermaßen zu. Untersuchungen zur ökologischen Wirkung des
Anbaus von Sonderkulturen in Sachsen zeigten aber, dass dies nicht generell so sein muss
(Z
ÖPHEL & KREUTER, 2001).
Bei der Bewertung und Förderung der biologischen Vielfalt auf Ackerflächen müssen folgende
Besonderheiten dieser Ökosysteme berücksichtigt werden:
Ackerflächen sind Lebensräume ohne stabiles biologisches Gleichgewicht.
Sie besitzen demzufolge auch keinen „Urzustand“, in den sie mittels Agrarumweltprogrammen
überführt werden könnten.
Ihr „Idealzustand“ (das ökonomisch-ökologische Optimum) ist eine subjektive und damit wan-
del- und streitbare Größe.
Soll diese Größe verbindlich festgelegt werden, bedarf es der vorherigen Wichtung aller maß-
geblichen Zielvorstellungen.
Allein das Merkmal Biodiversität beinhaltet bereits verschiedene Zielvorstellungen. Der Schutz
einzelner Arten (A), die Förderung der Artendiversität (B) oder die Erlangung größtmöglicher
Selbstregulation (C) sind scheinbar ähnliche ökologische Ziele, deren Bewertung aber auf unter-
schiedlichen Indikationsmerkmalen beruht: Diese Merkmale, nämlich der Bestand an seltenen oder
gefährdeten Arten (zu A), der Artenreichtum einer Zönose (zu B) und das Auftreten von Leistungs-
trägern der Selbstregulation (zu C) korrelieren nicht zwangsläufig miteinander. Für eine umfassen-
de Charakterisierung der Biodiversität müssen sie folglich gleichermaßen betrachtet und entspre-
chend ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz gewichtet werden.
Entsprechend komplexer sind die Probleme, die sich aufgrund der Multifunktionalität des Ackerlan-
des stellen. Zwischen einer optimalen Förderung der Biodiversität und den ökonomischen Anforde-
rungen an die Landwirtschaftsbetriebe (Ertrags- und Qualitätssicherung, effektiver Mitteleinsatz,
Reaktion auf Marktzwänge etc.) bestehen bekannter Maßen zahlreiche Widersprüche. Auch hier
wird letztlich ein gesellschaftlich getragener Konsens die Grundlage für den Kompromiss zwischen
Ökonomie und Ökologie darstellen. Generell sollte akzeptiert werden, dass (besonders unter den
aktuellen gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen) konkurrierende Nutzungsansprüche auch
weiterhin bestehen werden.
Die Etablierung von Acker- und Pflanzenbauverfahren, die sowohl ökonomisch erfolgreich als auch
ökologisch nachhaltig und wertvoll sind, kann auch in Zukunft nur durch das konsequente und
konstruktive Zusammenwirken aller Nutzer und Interessenvertreter erreicht werden. Dabei wird die
Gewährleistung einer vielseitigen, ökonomisch erfolgreichen Landwirtschaft nach wie vor das Pri-
mat haben. Der Agrarpolitik obliegt es, die Produktionsprozesse im Sinne einer optimalen Förde-
rung der ökologischen Nachhaltigkeit und der biologischen Vielfalt zu gestalten.

 
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Sowohl der ökologische Landbau als auch die konservierende Bodenbearbeitung tragen diesem
Ziel Rechnung. Sie werden darüber hinaus auch anderen Anforderungen an die Landwirtschaft
(z. B. Nahrungsmittelvielfalt und -qualität oder Erosions- und Hochwasserschutz) gerecht. Anderer-
seits stellen beide Bearbeitungsverfahren erhöhte Anforderungen an den Landwirt z. B. im Bereich
Pflanzenschutzmanagement oder bei der Absicherung einer quantitativen und qualitativen Ertrags-
sicherheit.
Eine vordringliche Aufgabe besteht in den folgenden Jahren darin, durch die Entwicklung acker-
und pflanzenbaulicher Optimierungsstrategien Landwirte in die Lage zu versetzen, den erhöhten
Managementanforderungen gerecht zu werden. Daneben sollten weitere Anbau- und Bewirtschaf-
tungsparameter (z. B. Fruchtfolgegestaltung, Fruchtartendiversität oder reduzierter Pflanzen-
schutzeinsatz) hinsichtlich ihrer ökologischen Wirkung, ihres Konfliktpotenzials und ihrer agrarpoliti-
schen Förderwürdigkeit geprüft werden.
7 Zusammenfassung
In den Jahren 2003 und 2004 wurden vier landwirtschaftlich-ackerbauliche Anbaustrategien hin-
sichtlich ihrer Effekte auf ausgewählte Parameter der biologischen Vielfalt untersucht. An zwei
typischen Lößstandorten in Sachsen (im nördlichen Leipziger Tiefland und im Mittelsächsischen
Lößhügelland) wurden jeweils eine Variante des ökologischen Landbaus und drei Varianten des
konventionellen Landbaus mit den Bodenbearbeitungsverfahren Pflugeinsatz, Mulchsaat und Di-
rektsaat verglichen. Die Vergleiche umfassten Biomasse und Aktivität der Bodenmikroben, die
Fraßaktivität der Bodenmesofauna, Aktivitätsdichte und Qualität der Laufkäfer- und Spinnengesell-
schaften sowie die Quantität und Qualität der Segetalvegetation und ihrer Diasporenbank.
Die wesentlichen Ergebnisse und Schlussfolgerungen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Artenzahlen, Abundanzen und Deckungsgrade der Segetalvegetation erreichten bei ökologi-
schem Anbau signifikant höhere Werte. Auch Artendiversität und Aktivitätsdichten der Spin-
nen- und Laufkäferzönosen wurden signifikant gefördert.
Biomasse bzw. Aktivität der Mikroorganismen und der Mesofauna im Boden wurden durch die
ökologische Bewirtschaftung dagegen nicht tendenziell beeinflusst.
Nahezu alle Effekte des Ökologischen Landbaus auf Bodenorganismen hängen von der spezi-
fischen Ausprägung der maßgeblichen Anbauparameter (z. B. von der Qualität und Quantität
der organischen Düngung, von der Fruchtfolge- und Fruchtartendiversität oder von der Pflege-
intensität) ab.
Durch die konservierende Bodenbearbeitung wurden Biomasse und Aktivität der Mikroorga-
nismen und die Fraßaktivität der Bodenfauna vor allem in der obersten Bodenschicht (0 –
10 cm) signifikant gefördert.

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Schriftenreihe 10. Jahrgang, Heft 9
Auch faunistisch und ökologisch bemerkenswerte Laufkäferarten erreichten bei Pflugverzicht
signifikant höhere Aktivitätsdichten. Die Spinnenvielfalt wurde speziell durch die Direktsaat
nachhaltig erhöht.
Bestimmte Arten präferierten aber gerade die gepflügten Flächen. Dort konnten z. B. in fast
allen Fangperioden mehr Laufkäferarten festgestellt werden als auf den Mulch- und Direktsaat-
flächen.
Auf den dauerhaft pfluglos bearbeiteten Untersuchungsflächen bestand ein höheres Potenzial
der Regulation solcher Schaderreger, die gerade im Rahmen der konservierenden Bodenbe-
arbeitung als problematisch gelten (z. B. Schnecken, bodenbürtige Pilze und Viren).
Es wurden sowohl signifikant höhere Aktivitätsdichten räuberischer Bodenarthropoden (
Cara-
bus auratus
, Lycosiden) als auch eine erhöhte Fraßaktivität von streuabbauenden Organismen
in den obersten Bodenschichten registriert.
Die genannten positiven Effekte der konservierenden Bodenbearbeitung beruhen in erster
Linie auf dem konsequenten Pflugverzicht, der wiederum eine prinzipielle Umstellung des ge-
samten Anbausystems auf die entsprechenden Verfahren erforderlich macht.
In diesem Kontext stellt sich die Weiterentwicklung pflugloser Anbausysteme im Hinblick auf
eine optimale Ausschöpfung des genannten Regulationspotenzials als eine vordringliche Auf-
gabe dar.
Die Biodiversität der Agrarlandschaft insgesamt ist bei einem Nebeneinander unterschiedlicher
Anbau- und Bearbeitungsstrategien am größten. Jede Form der Bewirtschaftung führt zu einer
spezifischen Differenzierung der Lebensgemeinschaften.
Folglich sollten die herkömmlichen Verfahren (wendende Bodenbearbeitung/konventioneller
Landbau) eher ergänzt als ersetzt werden.
Die Förderung bestimmter Anbaustrategien kann gezielte Programme zum Arten- und Biotop-
schutz in der Regel nicht ersetzen.
Die Wahrung und Förderung der erreichten Nachhaltigkeits- bzw. Diversitätsstandards für die
intensiv genutzte Agrarlandschaft stellen unter den sich ändernden agrarpolitischen Rahmen-
bedingungen eine große Herausforderung dar.
Zwei Ansätze einer ökologischen Bewertung der untersuchten Bearbeitungsvarianten führten
zu vergleichbaren Rangfolgen und Einschätzungen.
Es ist daher zu prüfen, ob konkrete Anbau- und Bewirtschaftungsverfahren (mit definierten
Mindeststandards) generell einen bestimmten Ausprägungsgrad der agrarischen Biodiversität
gewährleisten.
Gegebenenfalls könnten die Verfahren selbst als praktikable Bioindikatoren genutzt werden.
Notwendig erscheint diesbezüglich die Einbeziehung weiterer Produktions- und Bearbeitungs-
systeme in agrarökologische Bewertungs- und Fördermodelle.

 
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Sächs. Landesamt f. Umwelt u. Geologie (Hrsg.); Sonderh., 64 S.
9 Datenanhang
Die vollständigen Datentabellen stehen im Internetangebot der Sächsischen Landesanstalt für
Landwirtschaft als Word- bzw. Exceldateien unter folgender Adresse bereit:
www.landwirtschaft.sachsen.de/lfl/boden
dort im Verzeichnis „Projekte“
„Biodiversität Sächsischer Ackerflächen“
Unser Dank gilt
der Südzucker AG, GB Landwirtschaft
den Landwirtschaftsbetrieben
o
Gut Lüttewitz, Lüttewitz
o
Agrar & Umwelt AG Loberaue, Zschortau
o
Prautzsch (Krippehna)
o
Reichhardt/Matthes (Ostrau-Pulsitz)
für die Bereitstellung der Versuchsflächen sowie für die Unterstützung bei den Feldversuchen.
An der fachlichen Bearbeitung wirkten mit:
Frau Prof. Dr. habil. Ch. Volkmar (Webspinnen)
Frau Dr. S. Tischer (Bodenmikroorganismen)
Frau Dipl.-Biol. B. Zöphel (Segetalvegetation)
Herr Dr. O. Rosche (Köderstreifentest).
Auch dafür vielen Dank.

Für alle angegebenen E-Mail-Adressen gilt:
Kein Zugang für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte elektronische Dokumente
Verteilerhinweis
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen
Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren
Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung ver-
wendet werden. Dies gilt für alle Wahlen. Erlaubt ist jedoch den Parteien, diese Informationsschrift zur Unter-
richtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Impressum
Herausgeber:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
August-Böckstiegel-Straße 1, 01326 Dresden
Internet:
www.landwirtschaft.sachsen.de/lfl
Autoren:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Fachbereich Pflanzliche Erzeugung
Referat Bodenkultur
Dr. Thomas Kreuter, Dr. Olaf Nitzsche
Gustav-Kühn-Str. 8
04159 Leipzig
Telefon: 0341/9174-130
Telefax: 0341/9174-111
E-mail: olaf.nitzsche@leipzig.lfl.smul.sachsen.de
Redaktion:
siehe Autoren
Endredaktion:
Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft
Birgit Seeber, Ramona Scheinert
Telefon: 0351/2612-345
Telefax: 0351/2612-151
E-mail: birgit.seeber@pillnitz.lfl.smul.sachsen.de
ISSN:
1861-5988
Redaktionsschluss:
April 2005