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Kinder- und Jugendschutz
& Medienerziehung
Sächsisches Landesjugendamt
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales

IMPRESSUM
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Abteilung 4 – Landesjugendamt
Reichsstraße 3
09112 Chemnitz
Telefon: 0371/ 577-0
Fax: 0371/ 577-282
E-Mail:
Landesjugendamt@slfs.sms.sachsen.de
Web:
www.slfs.sachsen.de/lja
Redaktion:
Verantwortlich:
Ursula Specht, Leiterin des Landesjugendamtes
Ansprechpartnerin:
Esther Anders Tel.: 0371/ 577-316
Red. Bearbeitung:
Simone Weber, Antje Just
Titelmotiv:
CVJM Computerclub e.V., Chemnitz, Andreas Reupert
2. überarbeitete Auflage:
500 Stück
Bezug:
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Abteilung 4 – Landesjugendamt
Tel.: 0371/ 577-273
Chemnitz, April 2007
Diese Broschüre wird kostenlos abgegeben.

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Inhalt
Seite
Zur Broschüre
5
Empfehlung des Sächsischen Landesjugendamtes
zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Vorwort
7
1
Allgemeine Verständigung zum Kinder- und
Jugendschutz in der Bundesrepublik Deutschland
8
2
Kinder- und Jugendschutz in der Jugendhilfe:
Erzieherische Verantwortung und präventive Programmatik
10
2.1
Relevante Gefährdungspotentiale und Arbeitsschwerpunkte
des Kinder- und Jugendschutzes
11
2.2
Zielgruppen des Kinder- und Jugendschutzes
15
2.3
Handlungskonzepte und Aufgaben des erzieherischen
Kinder- und Jugendschutzes
16
3
Eigenständigkeit und Querschnittsaufgabe des Kinder-
und Jugendschutzes und Konsequenzen für die
Jugendhilfeplanung
20
4
Handlungsempfehlungen für die kommunale Ebene -
Qualitätsstandards
22
5
Literaturhinweise
27
6 Anhang:
Übersicht zu Jugendschutzgesetzen und -vorschriften
29
3

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Inhaltsverzeichnis
Orientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und
Jugendschutz
1
Einleitung
33
2
Begriffsbestimmung
35
2.1
Kinder- und Jugendschutz
35
2.2
Medienerziehung
36
2.3
Medienkompetenz
37
3
Medien im Sozialisationsprozess von Kindern und
Jugendlichen
38
3.1
Medien in der Kindheit
39
3.2
Medien im Übergang von Kindheit zum Jugendalter
42
3.3
Jugendalter
43
3.4
Chancen und Risiken der Mediennutzung
45
4
Medienerziehung als Aufgabe des erzieherischen
Kinder- und Jugendschutzes
48
5 Qualitätsanforderungen andie medienerzieherische
Arbeit im Kinder- und Jugendschutz
50
6
Ausgewählte Handlungsfelder des Kinder- und Jugend-
schutzes bei der Förderung von Medienkompetenz
53
6.1
Familie – Arbeit mit Eltern
53
6.2
Kindertageseinrichtungen
58
6.3
Jugendarbeit
61
7
Literaturverzeichnis
66
Anhang
69
4

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Zur Broschüre
Eine zunehmend wichtige Aufgabe insbesondere des erzieherischen
Kinder- und Jugendschutzes ist es, Jugendeinrichtungen und andere
Institutionen der Jugendhilfe anzuregen und darin zu begleiten,
alltagsnahe Konzepte im Umgang mit Kindern und Jugendlichen zu
entwickeln.
Um die Sozialisation zu fördern und auch eventuellen Entwicklungs-
gefährdungen entgegenzuwirken, brauchen junge Menschen professio-
nelle Partner, denen es möglich ist, Situation, Interessen und Fragen von
Kindern und Jugendlichen wahrzunehmen und ihnen Gelegenheiten zur
Reflexion und Überprüfung ihres Verhaltens zu eröffnen.
Mit
Beschluss des Landesjugendhilfeausschusses am 1. September 2004
existiert eine weitere Arbeitsgrundlage für die Ausgestaltung des Kinder-
und Jugendschutzes in Sachsen.
Zusammen mit der Empfehlung des Sächsischen Landesjugendamtes
zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen vom 06.06.2001
wird diese Orientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und
Jugendschutz in vorliegender Broschüre veröffentlicht.
Um mit den Materialien brauchbare Arbeitsmittel für die im Kinder- und
Jugendschutz tätigen Fachkräfte zur Verfügung zu stellen, wurden in der
hier veröffentlichten Kinder- und Jugendschutzempfehlung die relevan-
ten Rechtsgrundlagen der aktuellen Gesetzeslage angepasst.
Gleichzeitig erfolgte in der hier vorliegenden 2. überarbeiteten Auflage
insbesondere eine umfassende Überarbeitung und Ergänzung des
Anhangs der Orientierungshilfe zur Medienerziehung in bezug auf
Ansprechpartner in Fragen zum Jugendmedienschutz.
Specht
Leiterin des Landesjugendamtes
5

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Empfehlung des Sächsischen Landesjugendamtes
zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
- verabschiedet vom Landesjugendhilfeausschuss am 06.06.2001 -
Vorwort
Kinder und Jugendliche werden im Prozess ihrer Entwicklung mit einer
Vielzahl
allgemeiner
wie
spezifischer
Risiken und Gefährdungen konfron-
tiert. Mit diesen muss ein angemessener Umgang erlernt werden.
Gesellschaftliche Wertverschiebungen, die rasante Entwicklung im Bereich
der Informations- und Kommunikationsmedien, die leichte Verfügbarkeit
von Drogen, die Vielfalt kommerzieller und weltanschaulicher Angebote im
Freizeit- und außerfamiliären Bereich, die zunehmende Erkenntnis und
gesellschaftliche Wahrnehmung familiärer Gewalt und des sexuellen
Missbrauchs oder die zu beobachtende erhöhte Gewaltbereitschaft auch
im öffentlichen Raum lassen den Kinder- und Jugendschutz auch in
Sachsen bedeutsam werden.
Unzureichend entwickelte bzw. vorhandene strukturelle wie personelle
Bedingungen und unterschiedliches Interesse im Bereich des Kinder- und
Jugendschutzes auf örtlicher Ebene waren Anlass, diese vorliegende
Empfehlung zu erarbeiten. Die folgenden Ausführungen stellen Handlungs-
orientierungen zur inhaltlichen Ausgestaltung und Umsetzung des
erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes für die örtliche Jugendhilfe in
Sachsen dar. Es werden dabei die für den Kinder- und Jugendschutz
derzeit wesentlichsten Gefährdungslagen und Arbeitsschwerpunkte
berücksichtigt sowie die Leistungsadressaten des § 14 SGB VIII
beschrieben. Insbesondere sollen fachliche Qualitätsanforderungen im
Aufgabenfeld des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes formuliert
werden.
Das Papier soll darüber hinaus die Grundlage bieten für eine Reihe
weiterer Empfehlungen zu einzelnen Gefährdungsbereichen vor allem im
Rahmen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes entsprechend
der Arbeitsaufgaben in Punkt 2.1 der Empfehlung, die in nächster Zeit
erarbeitet und ebenfalls dem Landesjugendhilfeausschuss zur Beschluss-
fassung unterbreitet werden sollen.
7

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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Dieses Papier ist in Zusammenarbeit mit dem landesweit tätigen Fach-
arbeitskreis der Jugendschutzbeauftragten, der obersten Landesjugend-
behörde sowie der Aktion Jugendschutz Sachsen e.V. erarbeitet und mit
dem sächsischen Landesverband des DKSB e.V. diskutiert worden.
Für die Unterstützung sagen wir herzlichen Dank.
K. Nicolaus, MdL F. Badstübner
Vorsitzende des LJHA
Leiter des LJA
1 Allgemeine Verständigung zum Kinder- und Jugendschutz
in der Bundesrepublik Deutschland
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Einflüssen und Einwir-
kungen, die ihre individuelle und soziale Entwicklung beeinträchtigen und
schädigen, zeigt sich in vielfältigen Bemühungen kontrollierender, gestal-
tender, regulierender und erzieherischer Art. An der Verwirklichung des
Jugendschutzes sind verschiedene gesellschaftliche Institutionen, Gruppen
und soziale Kräfte beteiligt.
In der Bundesrepublik Deutschland ist Kinder- und Jugendschutz in
unterschiedlichen Gesetzeswerken verankert (siehe Anlage). Wichtige
Anstöße für die Rechtsordnung in der BRD zum Schutz von Kindern und
Jugendlichen hat die UN-Kinderrechtskonvention gegeben, die seit
05.04.1992 in Deutschland in Kraft getreten ist. Zu den zentralen bundes-
gesetzlichen Regelungen im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes mit
unterschiedlichen Regelungsgehalten gehören
1. das Sozialgesetzbuch – Achtes Buch (Kinder- und Jugendhilfe),
besonders § 14 erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
2. das Jugendschutzgesetz (JuSchG)
3. Rundfunkstaatsvertrag, Staatsvertrag über den Schutz der
Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien
(Jugendmedienschutz-Staatsvertrag der Länder), Informations- und
Kommunikationsdienste-Gesetz
4. das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) und die Verordnung
über den Kinderarbeitsschutz (Kinderarbeitsschutzverordnung)
8

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Kinder- und Jugendschutz wird als regulative Idee und Denkschema in drei
Dimensionen (strukturell, erzieherisch, kontrollierend-eingreifend) unter-
schieden und meint in seiner Gesamtheit alle erzieherischen, rechtlichen
und sozialpolitischen Interventionen und Bemühungen, die generell Kinder
und Jugendliche vor Gefahrenpotentialen wie -situationen schützen sollen:
Struktureller Jugendschutz
meint all jene Maßnahmen, die sich auf die
Verbesserung und Gestaltung von Lebensverhältnissen beziehen, in
denen Menschen sich entwickeln, leben und handeln. Zu diesen
Umwelteinflüssen gehören politische, rechtliche, soziale, räumliche und
physische Faktoren bzw. Rahmenbedingungen in ihrem komplexen
Zusammenwirken. Sozialräumliche und -ökologische Ansätze oder die
sogenannten Kinderfreundlichkeitsprüfungen sind Beispiele hierfür. Der
strukturelle Jugendschutz findet im Rahmen der Jugendhilfe im
allgemeinen Planungsziel im § 1 SGB VIII, u.a. positive Lebensbe-
dingungen sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten
oder zu schaffen, seine gesetzliche Verankerung. Darüber hinaus umfasst
der Anspruch des strukturellen Jugendschutzes auch Bereiche außerhalb
der Kinder- und Jugendhilfe wie den Städtebau, die Verkehrs-
infrastrukturplanung und einiges mehr.
Erzieherischer Jugendschutz
bezeichnet alle pädagogischen und
sozialpädagogischen Maßnahmen, die Kinder und Jugendliche in ihrer
Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung stärken, ihnen Kompe-
tenzen vermitteln, die sie vor Gefahren und auch Gefährdenden schützen,
um sie gegenüber diesen „stark zu machen“. Des weiteren sind auch jene
Maßnahmen gemeint, welche die Erziehungskompetenzen der Er-
wachsenen – Eltern und Multiplikatoren – unterstützen und verbessern. Die
gesetzliche Grundlage bildet der § 14 SGB VIII.
Kontrollierend-eingreifender Jugendschutz
1
meint gesetzliche, ord-
nungsrechtliche und kontrollierende Interventionen, mit denen bestimmte
Gefährdungstatbestände, z.B. der Zugang zu öffentlichen und medialen
Räumen, geregelt werden sollen mit dem Ziel, den Rechtsstatus von
Kindern und Jugendlichen gegenüber erwachsenen Gefährdenden sowie
Organisationen und Institutionen zu verbessern. Hier ist v.a. das spezielle
Jugendschutzgesetz (JuSchG) zu nennen.
1
in der Praxis wird noch häufig der Begriff „gesetzlicher“ Jugendschutz synonym verwendet, was insofern
nicht korrekt ist, weil der erzieherische Kinder- und Jugendschutz ebenfalls einen gesetzlichen Auftrag hat
9

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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Diese verschiedenen Bereiche des Kinder- und Jugendschutzes setzen auf
unterschiedlichen Handlungsebenen an und bedienen sich z.T. verschie-
denster Interventionsformen und -mittel. Die aus historischer Sicht ältesten
Kinder- und Jugendschutzbestimmungen entstammen dabei der ordnungs-
rechtlichen bzw. repressiv-kontrollierenden Traditionslinie der Gefahren-
abwehr. Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz im Sinne der Gestaltung
pädagogischer Erziehungsprozesse und individueller Beziehungsgestal-
tung ist demgegenüber ein relativ neues Betätigungs- und Handlungsfeld
für den Kinder- und Jugendschutz.
Die spezialgesetzlichen Grundlagen des Jugendschutzes (JuSchG,
JArbSchG), die sich unmittelbar an natürliche und juristische Personen als
Verursacher von Jugendschutzgefährdungen richten, besitzen im Ver-
hältnis zum präventiv-erzieherisch ausgerichteten Kinder- und Jugend-
schutz flankierende Funktionen. Das bedeutet, dass sie erzieherische
Maßnahmen - im wesentlichen an Information, Aufklärung, Beratung, Hilfe
und Kompetenzförderung orientierte Angebote - nicht ersetzen können,
jedoch gesellschaftlich erforderlich sind. In diesem umfassenden Ver-
ständnis ist Jugendschutz als Einheit von pädagogischer und rechtlicher
Einflussnahme zu verstehen und auch nur in dieser Verschränkung
sinnvoll.
2 Kinder- und Jugendschutz in der Jugendhilfe:
Erzieherische Verantwortung und präventive
Programmatik
Im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) hat der Gedanke eines auf
Erziehung und Entwicklungsförderung basierenden Jugendschutzes
explizit im
§14 Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz
seine rechtliche
Normierung gefunden.
Im Rahmen des präventiven Kinder- und Jugendschutzes kommt der
Jugendhilfe die Aufgabe zu „Gefährdungen von Kindern und Jugendlichen
vorzubeugen bzw. entgegenzuwirken und durch Information, Beratung und
erzieherische Impulse positive Akzente in der Sozialisation zu setzen“
(BMJFFG, 1989, S. 53). Vom Bundesgesetzgeber wurde mit dem § 14
SGB VIII ein selbständiger Leistungsbereich mit erzieherisch-präventiver
Ausrichtung innerhalb der Jugendhilfe normiert. Mittels präventiver, unter-
stützender, beratender, informativer und fördernder Angebote sollen junge
Menschen
im Umgang mit Gefährdungen und „Lebensrisiken“
befähigt
werden, wobei Kompetenzen wie Kritikfähigkeit, Entscheidungsfähigkeit,
10

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Eigenverantwortlichkeit und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen
vorbeugende „Abwehrfunktionen“ zugeschrieben werden. Die Prävention
soll durch die Vermittlung und das Erlernen von Fähigkeiten und Wissen
erreicht werden. Zudem sollen sich die Angebote an die Erwachsenenwelt,
insbesondere an Eltern und andere Erziehungsberechtigte richten, um sie
(besser) zu befähigen, die jungen Menschen vor Risiko- und Gefährdungs-
situationen zu schützen. Orientiert wird auf die Förderung und Ver-
besserung der Erziehungskompetenzen von Erziehungsverantwortlichen
und deren Sensibilisierung bezüglich gefährdender Einflüsse auf Kinder
und Jugendliche.
2.1 Relevante Gefährdungspotentiale und Arbeitsschwerpunkte
des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes
Allgemein gesprochen bestehen Gefährdungen darin, dass die gegen-
wärtige und künftige Handlungsautonomie der Adressaten eingeschränkt
wird oder ganz verloren geht.
Das Analysieren, Erkennen und Benennen von Gefährdungspotentialen
gehört zum wesentlichen Arbeitsauftrag für Jugendschutzfachkräfte, um
zielgerichtet handeln zu können.
2
Fachkräfte im Kinder- und Jugendschutz
sind dabei regelmäßig mit der Problematik konfrontiert, einen Konsens
darüber zu finden, welche Ereignisse, Verhaltensweisen und Handlungen
als
gefährdend
für Kinder und Jugendliche einzuschätzen sind und mit
welchen präventiven Gegenstrategien dem zu begegnen ist. Fachliche
Qualifikationen, persönliche Wertorientierungen sowie Erfahrungswissen
spielen u.a. bei der Urteilsbildung und Argumentation eine zentrale Rolle.
Der Erkenntnis- und Wissensstand über die für Kinder- und Jugendschutz
wichtigsten Gefährdungspotentiale und Risiken ist jedoch unterschiedlich
ausgeprägt. Neben vergleichsweise gut erforschten und die Sozialisation
von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigend erkannten Phänomenen
gibt es aus Sicht des Jugendschutzes als gefährdend eingeschätzte Ent-
wicklungen, die mangels empirischer Forschungsdaten noch spekulativ
bleiben müssen. Insbesondere die mit dem Begriff des sozialen Wandels
gekennzeichnete gesellschaftliche Entwicklung stellt den Kinder- und
Jugendschutz aktuell und langfristig vor große Herausforderungen und
neue Aufgaben. Für die Planung und Umsetzung präventiver Strategien
und Maßnahmen im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz stellen die
2
Um Missverständnissen vorzubeugen: im Jugendschutz tätige Fachkräfte sollen und können nicht die
Rolle eines Wissenschaftlers übernehmen, aber sie sollten sich der wiss. Erkenntnisse bedienen, um
eigene Handlungsstrategien zu entwerfen und praktisch umzusetzen.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Erkenntnisse u.a. der Sozialisationsforschung, der Präventions- und Ge-
sundheitsforschung, der Psychologie und Erziehungswissenschaft wichtige
Grundlagen dar.
Für den Kinder- und Jugendschutz haben sich derzeit folgende Gefähr-
dungs- bzw. Risikopotentiale und daraus abgeleitete Arbeitsschwerpunkte
in Sachsen herausgebildet:
1. Gefährdungen aufgrund problematischer Verarbeitungs- und
Bewältigungsformen belastender Lebensverhältnisse
- süchtiges Verhalten (stoffgebundenes und nichtstoffgebundenes
Suchtverhalten) sowie problematischer, gesundheitsbeeinträchti-
gender Umgang mit Drogen (sog. Rausch-, Genussmittel, Arznei-
und Giftstoffe)
- suizidales Verhalten und Suizid
- psychosomatische Beschwerden und Krankheiten (z.B.
Essstörungen)
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- zielgruppenspezifische Suchtprävention in verschiedenen
Handlungsfeldern
- Information; Aufklärung und Sensibilisierung über suizidales
Verhalten und Suizid bei jungen Menschen
2. Gefährdungen durch Gewaltanwendung und -akzeptanz
- körperliche und psychische Misshandlung und Vernachlässigung
von bzw. an Kindern und Jugendlichen durch Erwachsene
- sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen
- Erzeugung und Vertrieb von Kinderpornografie
- Gewalt unter Kindern und Jugendlichen
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- Information und Aufklärung über Kindesmisshandlung
und -vernachlässigung
- zielgruppenspezifische Prävention von sexueller Gewalt
gegen Mädchen und Jungen
- Mitwirkung bei der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten
gegen Kinderpornografie in Zusammenarbeit mit anderen Stellen
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
- Information und Aufklärung über Gewaltphänomene
im öffentlichen Raum
- Wertevermittlung in (sozial-)pädagogischen Arbeitsfeldern
3. Gefährdungen durch medientechnische Entwicklungen und medial
vermittelte Inhalte
- veränderte Lern-, Kommunikations-, Wahrnehmungs- und
Verarbeitungsstrukturen durch neue digitale Medien
(computervermittelte Kommunikation)
- unreflektierte, altersunangemessene Nutzung von Computerspielen,
Fernsehen und anderen Medien
- Medien mit jugendgefährdenden Inhalten
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz
(Fähigkeit, mit Medien umzugehen), d.h. Auseinandersetzung
und Umgang mit Produktion, Technik, Inhalten, Nutzung von
Medien bei Kindern und Jugendlichen
- Vermittlung von medienpädagogischen Kompetenzen an Eltern,
Multiplikatoren
- Information und Öffentlichkeitsarbeit zu Jugendmedienschutz-
maßnahmen
4. Gefährdungen im Bereich der Sexualität
- Probleme im Zusammenhang mit Beziehungsgestaltung,
Partnerschaft, Elternschaft
- riskantes Sexualverhalten (ungeschützter Sexualverkehr,
Promiskuität, Prostitution)
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- Entwicklung und Umsetzung von sexualpädagogischen
Konzepten
- Information und Aufklärung über riskantes Sexualverhalten
im Jugendalter
- Sensibilisierung für geschlechtsbewusstes Denken und Handeln
in (sozial-)pädagogischen Arbeitsfeldern
13

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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
5. Konfliktfelder und Gefährdungspotentiale im Bereich Ideologie
- politisch-extremistische Gruppierungen
- religiöse und weltanschauliche Gruppierungen mit Konfliktpotential,
unseriöse Angebote des Psycho- und Lebenshilfemarktes
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- sachliche Information und Aufklärung in Zusammenarbeit mit
anderen Institutionen
- Möglichkeiten der Sinnvermittlung schaffen
- Kritikfähigkeit und Selbstbestimmung herausbilden
- Wertevermittlung durch soziale und politische Bildung fördern
6. Gefährdungen im Bereich Konsum und Werbung
- Einfluss der Werbung auf die Herausbildung von Konsumverhalten
und Konsumwerten
Vorrangige Arbeitsaufgaben des erzieherischen Kinder- und
Jugendschutzes:
- Entwicklung und Umsetzung von Konzepten der Konsumpädagogik
und Werbeerziehung
7. Junge Menschen in krisenanfälligen/problematischen Lebenslagen
- Übergangsphasen von Kindheit - Jugend - Erwachsenenleben
- Jugendarbeitslosigkeit
- Kinder mit psychisch kranken Elternteil(en)
- sogenannte Straßenkinder
Die Fachkräfte des Kinder- und Jugendschutzes nehmen hier vor allem
eine vermittelnde Rolle zwischen den verschiedenen Arbeitsfeldern wie
Jugendsozialarbeit oder Hilfen zur Erziehung wahr. In der Praxis sind
Einrichtungen des Kinder- und Jugendschutzes oftmals erste Anlaufstellen
für hilfesuchende Eltern oder auch Institutionen. Eine ausreichende
Information, Beratung bzw. Weitervermittlung an spezialisierte Einrich-
tungen sollte von diesen deshalb gewährleistet werden.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Vorrangige Arbeitsaufgaben des Kinder- und Jugendschutzes:
- Bereitstellung entwicklungsfördernder, sozialintegrierender,
identitätsbildender Angebote
- Sensibilisierung durch Information und Aufklärung über spezifische
Lebenssituationen
- Weitervermittlung an geeignete Fachstellen
2.2 Zielgruppen des Kinder- und Jugendschutzes
Als Zielgruppen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes werden
junge Menschen (bis 27 Jahre) sowie Eltern und andere Erziehungs-
berechtigte im Gesetz benannt.
Insbesondere
Eltern und andere Erziehungsberechtigte
werden aufgrund
ihrer in der Gesellschaft herausgehobenen erzieherischen Verantwortung
und Verpflichtung als wichtige Leistungsadressaten neben den
jungen
Menschen
bestimmt. Elternbildung und Elternberatung gewinnen dem-
zufolge als praktische Arbeitsbereiche im Kinder- und Jugendschutz
angesichts größerer Erziehungsunsicherheiten und eines höheren
Beratungs- und Informationsinteresses von Eltern und Pädagogen zu
allgemeinen und spezifischen Risiko- und Gefährdungssituationen zu-
nehmende Bedeutung.
Weil durch gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen mit-
bedingte Risiken jeden Einzelnen betreffen können, sind die Zielgruppen
der Kinder- und Jugendschutzarbeit weitestgehend mit der Allgemeinheit
identisch, d.h. dass Angebote und Maßnahmen zur Sensibilisierung und
Kompetenzerweiterung generell an die Öffentlichkeit gerichtet werden
sollen.
Zu den Adressaten zählen vor allem:
- Multiplikatoren
3
, z.B. Angehörige pädagogischer Berufsgruppen wie
Lehrer/-innen, Erzieher/-innen, Mitarbeiter/-innen in der Jugendhilfe,
- Gewerbetreibende und Veranstalter (z.B. Betreiber von Discotheken,
Glücksspielhallen, Internetcafes, Videotheken) als Verursacher und
Verantwortliche von Gefährdungen auf Kinder und Jugendliche,
3
Hier verstehen wir Personenkreise, die aufgrund ihres Wissens, ihrer Qualifikation und ihrer
Erziehungsverantwortung in der Position sind, Erziehungs- und Bildungsprozesse anzuregen, zu begleiten
und zu unterstützen.
15

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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
- politisch Verantwortliche in ihrer Funktion als Entscheidungsträger
bei der Vergabe öffentlicher Mittel,
- Polizei, Gewerbeaufsichtsämter als Partner bei der Erfüllung
ordnungsrechtlicher Aufgaben,
- Öffentliche und private Medien
2.3 Handlungskonzepte und Aufgaben des erzieherischen Kinder- und
Jugendschutzes
Kinder- und Jugendschutzarbeit hat angesichts gesellschaftlicher Ent-
wicklungen und veränderter Sozialisationsbedingungen für Kinder und
Jugendliche seit längerem Abschied genommen vom „bewahrpädago-
gischen“ Ansatz sowie einer vorrangig mit Verboten und Geboten
argumentierenden Handlungsstrategie
.
Demgegenüber gewinnen kompe-
tenzvermittelnde, persönlichkeits- und entwicklungsfördernde pädago-
gische bzw. sozialpädagogische Angebote auch im Kinder- und
Jugendschutz angesichts der Individualisierung gesellschaftlicher Lebens-
und Problemlagen und der Zunahme von Gefährdungs- und Risiko-
potentialen für den Einzelnen wie für die soziale Gemeinschaft zu-
nehmende Bedeutung. Diese kompetenz- bzw. ressourcenorientierten
Konzepte sind entscheidend für die Entwicklung sogenannter protektiver
Faktoren, das meint in der Person oder der Umwelt liegende Bedingungen,
die als „Schutzschild“ gegenüber gefährdenden Einflüssen wirken.
Der im Jugendschutz traditionell praktizierte „bewahrpädagogische“ Ansatz
wurde damit abgelöst durch moderne Präventionskonzepte, die personale
wie Umweltfaktoren gleichermaßen berücksichtigen.
Im Unterschied zur therapeutischen Herangehensweise, in deren Mittel-
punkt die Heilung psychischen Leidens steht, verfolgen die Maßnahmen
und Angebote des § 14 SGB VIII
primärpräventive
Ziele. Das bedeutet,
dass sie im Vorfeld den Eintritt unerwünschter Zustände und Handlungen
(z.B. Abhängigkeiten, problematische „Karrieren“, Krankheiten) vermeiden
wollen. In diesem allgemeinen Verständnis einer ursachenunspezifischen,
generalistischen Prävention und ganz im Sinne des § 1 SGB VIII ist ein so
verstandener präventiver Kinder- und Jugendschutzes dann auch als
Querschnittsaufgabe Bestandteil anderer Leistungsbereiche der Jugend-
hilfe. Gleichwohl sind spezifische Angebote z.B. im Bereich der Sucht- und
Gewaltprävention oder der Medienpädagogik notwendig, die fachliche
Herangehensweisen erfordern. Diesem trägt der erzieherische Kinder- und
Jugendschutz mit eigenständigen Aufgabeninhalten Rechnung.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Prävention und Lebenskompetenzförderung
Die dem SGB VIII innewohnende „Philosophie“ einer auf Prävention statt
Reaktion angelegten Handlungsmaxime der Jugendhilfe,
4
ergibt neue
Aufgaben und Möglichkeiten für den Kinder- und Jugendschutz. Das
Thema Prävention ist spätestens seit dem Achten Jugendbericht auch zur
Leitmaxime in der Jugendhilfe geworden und gewinnt zunehmend in päda-
gogischen und sozialpädagogischen Kontexten Akzeptanz und Relevanz.
Prävention im modernen Sinne ist jedoch keine Erfindung des Jugend-
schutzes, sondern hat sich ursprünglich im Bereich der Medizin zur
Verhütung von Krankheiten durchgesetzt.
Zu Zwecken der Systematisierung und Differenzierung der verschiedenen
Maßnahmen im Bereich von Prävention kann u.a. nach Ansatzpunkt,
Vorgehensweise und Zeitpunkt der Interventionen unterschieden werden.
Häufig findet die zeitbezogene Einteilung in primäre, sekundäre und
tertiäre Prävention in Theorie und Praxis Verwendung. Für den Kinder- und
Jugendschutz hat sich die
Primärprävention im Sinne strategischer
Vorbeugung
zur Verhinderung von Gefährdungs- und Risikolagen als
zentrales Aufgabengebiet entwickelt.
Angesichts einer Vielzahl von Risiken, die den Alltag junger Menschen
bestimmen sowie deren Lebensbedingungen beeinflussen, wird seit
längerem das
Konzept der Lebenskompetenzförderung
als „erzieherische
Notwendigkeit“ und vorrangiges Präventionsziel favorisiert. Im Kern geht es
um die generelle Verbesserung sozialer Kompetenzen und Entwicklung
allgemeiner (Lebens-) Bewältigungsstrategien gegenüber belastenden
Umwelteinflüssen und Erlebnissen.
Dieses Präventionskonzept hat weder Rezeptcharakter noch kann es
unmittelbar Praxisanweisungen für die Jugendschutzfachkräfte geben,
„weil damit ein sehr weites, schwer eingrenzbares Feld pädagogisch-
psychologischen Handelns angesprochen wird (...). Es bedarf vielmehr je
nach Ort, Zielgruppe, Bedürfnis- und Problemlage einer differenzierten
Analyse vor Ort, um entsprechende Interventionen zielgerichtet durch-
führen zu können“.
5
4
vgl. BMFSFJ (Hg.). Zehnter Kinder- und Jugendbericht. S. 178.
5
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (1993). Wo geht’s lang – Jugendschutz in den
neuen Bundesländern.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Für den Kinder- und Jugendschutz ergeben sich folgende Aufgaben
und Ziele:
Die Angebote und Maßnahmen zielen allgemein darauf, Handlungs-
kompetenzen zu vermitteln und zu fördern, denen man Schutzfunktionen
zuschreibt, sowie Verhältnisse zu unterstützen, die jungen Menschen eine
möglichst chancenreiche, risikenminimierende Lebensgestaltung ermög-
lichen.
Für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen bedeutet das:
- selbstbestimmte, identitäts- und sinnstiftende Lebensentwürfe
persönliche und soziale Kompetenzen wie
Selbstvertrauen,
Selbstwertgefühl, positives Selbstbild
Fähigkeiten
zur Bewältigung von Lebenssituationen
(z.B. Problemlöse-, Konfliktbewältigungsstrategien,
Frustrationstoleranz)
Phantasie,
Kreativität, Spiritualität
Verantwortungsbereitschaft,
Eigeninitiative
Beziehungs-
und Kommunikationsfähigkeit
Entscheidungs-
und Kritikfähigkeit
herauszubilden, einzuüben, zu unterstützen und zu festigen.
- die Bewältigung problematischer Lebenssituationen und
Lebenslagen zu unterstützen.
Kinder- und Jugendschutz richtet sich mit seinen Angeboten auch an
alle Erwachsenen, die von den gesetzlichen Bestimmungen ange-
sprochen werden, vorrangig mit dem Ziel:
- gegen strukturelle Rücksichtslosigkeit aufmerksam zu machen,
- auf die Einhaltung und Überwachung der
Jugendschutzbestimmungen zu achten,
- Information und Öffentlichkeitsarbeit zu rechtlichen Grundlagen des
Kinder- und Jugendschutzes zu verbreiten,
- auf die entwicklungssensiblen Phasen von Kindheit und Jugend
aufmerksam zu machen,
- Sensibilisierung für die Belange von Kindern und Jugendlichen.
Kinder- und Jugendschutz sollte sich dabei immer auch der Gefahr einer
kritiklosen Übernahme von gesellschaftlich normierten Vorstellungen und
Werten bewusst sein und im Sinne der Schutzbedürftigkeit von Kindern
und Jugendlichen argumentieren und handeln.
18

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Entsprechend der Zielsetzung, der Zielgruppen, des Vermittlungsinhaltes
sowie des Arbeitskontextes sind konkrete Angebote im Aufgabenfeld des
erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes zu planen und durchzuführen.
Bei der Konzipierung und Durchführung von Veranstaltungen im Kinder-
und Jugendschutz (u.a. Informations- und Diskussionsrunden, Aus-
stellungen, Filmvorführungen und -gespräche) sind folgende Kriterien zu
berücksichtigen:
Die Veranstaltungen sollen:
- an der Erfahrungs- und Erlebniswelt der Zielgruppen ansetzen,
was geschlechts-, alters- und gruppendynamisches Wissen mit
einschließt;
- die Adressaten/Zielgruppen angemessen beteiligen (Subjektstatus);
- methodisch ganzheitlich konzipiert sein, d.h. keine reine Wissens-
vermittlung und es soll mit geeigneten Vermittlungsformen gearbeitet
werden;
- freiwillig sein;
- die Erreichbarkeit der Adressaten gewährleisten, d.h. eher klein-
räumig gestaltet sein und nicht mit unüberschaubaren Großgruppen
arbeiten;
- emotionale Lernerfahrungen ermöglichen.
Die vermittelnden Themen und Inhalte müssen relevant für die Zielgruppe
sein, d.h. deren Alltagserfahrung berücksichtigen. Bei der Vermittlung von
Inhalten und Themen (z.B. Gewalt, Okkultismus, Sexualität) muss
Fachlichkeit in Form von Fach- und Sachkompetenz gewährleistet sowie
Informationen auf weiterführende Hilfe und Beratung sichergestellt werden.
Längerfristig angelegte Projekte (z.B. Präventionsprojekte, Trainingspro-
gramme) sind entsprechend der Möglichkeiten sachangemessen zu
evaluieren bzw. zu dokumentieren.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
3 Eigenständigkeit und Querschnittsaufgabe des Kinder-
und Jugendschutzes und Konsequenzen für die Jugend-
hilfeplanung
Kinder- und Jugendschutz ist sowohl als fachlich eigenständiges
Aufgabenfeld (=Fachaufgabe) wie auch als Querschnittsaufgabe, d.h. mit
seiner die einzelnen Arbeitsfelder der Jugendhilfe übergreifenden
Aufgabenstellung, zu erfassen und auf kommunaler Ebene umzusetzen.
Erst unter dieser Perspektive kann eine zielgerichtete und konzeptionell
abgesicherte Planung und Umsetzung von Aktivitäten des Kinder- und
Jugendschutzes dem Gegenstand angemessen erfolgen.
Kinder- und Jugendschutz als Fachaufgabe meint, diesen in seiner
konzeptionellen Einheit von erzieherischen, strukturellen und kontrollierend
eingreifenden Handlungsformen zu begreifen und personell, organisa-
torisch und mit entsprechenden Ressourcen ausgestattet, institutionell zu
verankern (siehe Punkt 4). Im Rahmen des Kinder- und Jugendhilfe-
gesetzes ergibt sich die Verpflichtung zum Kinder- und Jugendschutz in
aller erster Linie aus dem generellen Auftrag nach § 1 Abs. 3, Ziff. 3 SGB
VIII, für den Schutz von jungen Menschen vor Beeinträchtigungen ihres
Wohls zu sorgen. Somit findet sich Kinder- und Jugendschutz mit seinen
spezifischen primär-, sekundär- und tertiärpräventiven Zielsetzungen als
übergreifendes Prinzip und Querschnittsaufgabe in allen Aufgabenfeldern
der Jugendhilfe wieder. Um die Querschnittsfunktion einlösen zu können,
d.h. den Aspekt von Gefährdungen und Beeinträchtigungen der
Entwicklung von jungen Menschen in den anderen Jugendhilfefeldern mit
den jeweils dort möglichen Mitteln zur Geltung zu bringen, bedarf es der
klaren Festlegung der Fachaufgabe Kinder- und Jugendschutz. Auf der
Grundlage dieser Einordnung des Kinder- und Jugendschutzes als Fach-
und Querschnittsaufgabe leiten sich entsprechende Konsequenzen für die
Jugendhilfeplanung ab, die für das Arbeitsfeld kurz dargelegt werden.
Der als Soll-Vorschrift formulierte Leistungsbereich gemäß § 14 SGB VIII
verpflichtet die öffentlichen Träger der Jugendhilfe, nach Maßgabe des
Gesetzes entsprechende Maßnahmen und Angebote für die kommunale
Ebene vorzuhalten. An dieser Stelle soll deutlich darauf hingewiesen
werden, dass die Gesamt- einschließlich der Planungsverantwortung für
die Erfüllung der Jugendhilfeaufgaben entsprechend § 79 Abs.2 und § 80
SGB VIII auch den Arbeitsbereich des erzieherischen Kinder- und Jugend-
schutzes einschließt, was im Rahmen der örtlichen Jugendhilfeplanung
berücksichtigt werden muss.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Diese Verantwortung hat nach § 79 SGB VIII der öffentliche Träger der
Jugendhilfe wahrzunehmen. Die seitens des Gesetzgebers relativ „offen“
formulierten Zielstellungen des § 14 SGB VIII sind richtungsweisend für die
Ausgestaltung der kommunalen Leistungs- und Angebotsstruktur in der
Kinder- und Jugendschutzarbeit. Durch die relative „Offenheit“ des
Gesetzestextes ergeben sich umfassende fachlich-inhaltliche Gestaltungs-
spielräume für die praktische Anwendung der Leistungsvorschrift. Als stark
wertbestimmtes Arbeitsfeld sind die Arbeitsziele- und Arbeitsformen, die
Handlungsfelder und Anforderungen an die Jugendschutzarbeit vor Ort
weitestgehend jedoch nur durch sensible Beobachtung und Analyse der
Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungen auf die Sozialisation von
Kindern und Jugendlichen zu bestimmen. Mit dem Identifizieren konkreter
Orte, Lebenslagen und Zielgruppen im Rahmen der Jugendhilfeplanung als
wesentlichem Planungs- und Steuerungsinstrument vollzieht sich der
Wandel vom bewahrpädagogischen Denken zum Beeinflussen von
„Sozialisations- und Handlungsbedingungen, unter denen Kinder und
Jugendliche aufwachsen, leiden und leben“ (D. Baum, 1996, S. 243).
Das Aufgabenfeld des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes ist
dabei wie andere Leistungsbereiche der Jugendhilfe vor dem Hintergrund
spezifischer Handlungskontexte (Gefährdungsbereiche) und Planungs-
ansätze fachspezifisch zu planen.
Weil Zielsetzungen in den Angeboten des erzieherischen Kinder- und
Jugendschutzes nach § 14 SGB VIII ebenso in anderen Arbeitsfeldern der
Jugendhilfe zu finden sind - so zum Beispiel in der Jugendberatung, der
außerschulischen Jugendarbeit und Jugendbildung, in der Jugend-
sozialarbeit, in Beratungsangeboten in Fragen der Erziehung und der
Familienbildung – muss die Teilfachplanung alle die genannten Angebots-
strukturen berücksichtigen und planvoll mit diesen Aufgabenfeldern der
Jugendhilfe verbinden. Die Auswahl der Planungsansätze (bereichs-
spezifisch, zielgruppen-, sozialräumlich orientiert) ist abhängig von der
Planungsstrategie des öffentlichen Trägers der Jugendhilfe. Aufgrund der
fachlich-inhaltlichen Besonderheit des Planungsgegenstandes erziehe-
rischer Kinder- und Jugendschutz empfiehlt sich ein integrierter Planungs-
ansatz. Kinder- und Jugendschutz kann so hinsichtlich der verschiedenen
Dimensionen (struktureller, erzieherischer, kontrollierend-eingreifender)
wie in seiner Querschnittsfunktion berücksichtigt werden.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
4 Handlungsempfehlungen für die kommunale Ebene -
Qualitätsstandards
Um die eigenständigen fachlichen Anforderungen, die sich bei der
Wahrnehmung von Aufgaben im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes
durch die Träger der Jugendhilfe ergeben, erfüllen zu können, bedarf es
personeller, finanzieller, sachlich-materieller und organisatorischer Voraus-
setzungen bei den öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe. Kinder-
und Jugendschutz als Aufgabenbereich der Jugendhilfe steht gegenwärtig
großen fachlichen Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Be-
dingungen gegenüber, auf die angemessen reagiert und Einfluss ausgeübt
werden muss.
Zur personellen Ausstattung
Damit der Jugendschutzauftrag als Einheit von erzieherischer und
rechtlicher Intervention wahrgenommen werden kann, bedarf es der
fachlichen Spezialisierung. Diese wird durch qualifizierte
Fachkräfte für
Kinder- und Jugendschutz
im Jugendamt und bei freien Trägern der
Jugendhilfe wahrgenommen. Zu ihren vorrangigen Aufgaben gehören die:
1. Analyse von Gefährdungen in Zusammenarbeit mit anderen
Stellen;
2. fachbezogene Mitwirkung im Rahmen der Jugendhilfeplanung
i.S. von Analyse von Problemlagen (stadtteilbezogen) und
Bedarfsermittlung;
3. Planung, Initiierung bzw. Durchführung geeigneter Veranstal-
tungen, welche die „Abwehrkräfte“ und sozialen Kompetenzen
junger Menschen fördern;
4. Information, Aufklärung und Beratung von Eltern und Multiplika-
toren über aktuelle Gefährdungslagen;
5. Öffentlichkeitsarbeit zu kinder- und jugendschutzrelevanten
Themen, Inhalten, Jugendschutzbestimmungen;
6. Fachberatung freier Träger, Ämter, Behörden, kommunaler
Einrichtungen zu Fragen des Kinder- und Jugendschutzes
7. Kooperation und Vernetzung mit anderen Institutionen, die
Jugendschutzaufgaben wahrnehmen;
8. Wahrnehmung des Antragsrecht auf Indizierung jugendgefähr-
dender Medien nach dem JuSchG und Marktbeobachtung sowie
Mitwirkung bei der Entscheidung über gewerbliche Auftritte von
Kindern und Jugendlichen nach dem JArbSchG (Aufgabe des
öffentlichen Trägers der Jugendhilfe).
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Die Fachkraft ist Bindeglied zwischen öffentlichen und freien Trägern der
Jugendhilfe und anderen Institutionen mit Jugendschutzauftrag. Deshalb
ist eine entsprechende Personalausstattung in den Jugendämtern
notwendig. Die Zusammenarbeit zwischen freier und öffentlicher Jugend-
hilfe wird in §§ 3 und 4 SGB VIII geregelt.
Nicht alle Aufgabenbereiche des erzieherischen Kinder- und Jugend-
schutzes können durch die Fachkraft im Jugendamt allein umgesetzt
werden. Deshalb ergibt sich eine Schwerpunktsetzung von erzieherischen
Aufgaben durch örtliche Gefährdungsentwicklungen und jugendpolitische
Diskussionen. So können z.B. je nach regionalen Gegebenheiten
spezifische Angebote in den Bereichen Gewalt, Sucht oder Medien
unterschiedlich erforderlich sein und vorgehalten werden.
Die Fachkräfte des Jugendschutzes nehmen innerhalb der Organisation
des Jugendamtes aufgrund ihres Arbeitsgegenstandes und der von ihnen
wahrzunehmenden Aufgaben (Querschnitts- und eigenständige Aufgaben)
eine besondere Stellung ein, was bei der Organisationsentwicklung zu
berücksichtigen ist. Als vorteilhaft hat sich die Einrichtung der Stelle als
Beauftragter
mit entsprechenden Kompetenzen erwiesen. Der Jugend-
schutzbeauftragte kann in seiner Funktion beispielsweise andere Fach-
bereiche beratend unterstützen und geeignete Maßnahmen ressort-
übergreifend vorschlagen.
Der öffentliche Träger soll auf der Grundlage der Jugendhilfeplanung
arbeitsteilig mit der freien Jugendhilfe Arbeitsschwerpunkte des erzie-
herischen Kinder- und Jugendschutzes festlegen und in den verschie-
denen Arbeitsfeldern der Jugendhilfe wie der offenen Jugendarbeit, in
Jugendverbänden, Kindertageseinrichtungen, Familienbildungsstätten und
Einrichtungen der Erziehungshilfe umsetzen.
Die Fachkräfte des Kinder- und Jugendschutzes sind Spezialisten und
Generalisten zugleich. Sie benötigen Wissen zu aktuellen gesellschaft-
lichen und politischen Entwicklungen und zur Rechtslage, Fachwissen u.a.
in den Themenfeldern Sucht, Gewalt, Medien, Konsum, und sie benötigen
Handlungskompetenzen für ihre vielfältigen Aufgaben im Bereich
kommunikativer Einflussnahme (Erziehung, Öffentlichkeitsarbeit, Auf-
klärung etc.). Somit werden hohe Anforderungen an die fachliche und
persönliche Qualifikation der Kinder- und Jugendschutzfachkräfte gestellt.
Eine sozialpädagogische Hochschulqualifikation ist für diese komplexe und
anspruchsvolle berufliche Tätigkeit vorauszusetzen.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Zur Gewährleistung kontinuierlicher fachlicher Qualifizierung ist die
Teilnahme der Fachkräfte an Fort- und Weiterbildungen sowie kollegialer
Beratung bzw. Supervision sicherzustellen.
Grundsätzlich ist eine auf das jeweilige Arbeitsfeld bezogene Zusatz-
qualifikation/Spezialisierung der Fachkräfte im Kinder- und Jugendschutz
zu empfehlen. Diese können spezifischer (z.B. für den Bereich der Sucht-
prävention, Medienpädagogik, Gewalt) und/oder generalisierter Art sein
(z.B. beraterische Zusatzqualifikationen).
Der öffentliche Träger der Jugendhilfe sollte mindestens über eine haupt-
amtlich beschäftigte pädagogische Fachkraft verfügen, die federführend
mit der Organisation, Koordinierung und Umsetzung der genannten
Aufgaben betraut ist. In einem Jugendamt mit bis zu 100.000 Einwohnern
im örtlichen Zuständigkeitsbereich sollte der Fachkraft dafür eine
Arbeitszeitkapazität von mindestens 0,75 Vk zur Verfügung stehen. Bei
mehr als 100.000 Einwohnern sollte - in Abhängigkeit vom in der
Jugendhilfeplanung festgestellten Bedarf - proportional mehr Arbeitszeit-
kapazität für die Jugendschutzaufgaben verfügbar sein. Freie Träger der
Jugendhilfe sind entsprechend der örtlichen Gegebenheiten einzu-
beziehen.
Zur sachlich-materiellen Ausstattung
Moderne Kinder- und Jugendschutzarbeit findet nicht losgelöst von gesell-
schaftlichen und strukturellen Bedingungen statt. Sie muss sich mit der
sozialen, medientechnischen und politischen Realität auseinandersetzen.
Das setzt voraus, dass Fachkräfte Möglichkeiten der Partizipation an
gesellschaftlichen Entwicklungen erhalten, um im Sinne der Schutzfunktion
und Entwicklungsförderung für junge Menschen handeln zu können
(Wahrnehmung der Lobbyfunktion). Insbesondere die Aufgaben im Bereich
des Jugendmedienschutzes und der Medienpädagogik erfordern den
Zugang zu sowie Nutzung von modernen Kommunikationstechnologien.
Für die Fachkräfte des Kinder- und Jugendschutzes in den Jugendämtern
muss die Arbeit im und mit dem Internet gewährleistet werden.
Von den Jugendschutzfachkräften bei öffentlichen wie freien Trägern der
Jugendhilfe werden umfassende Informations- und Beratungsleistungen
gefordert. Sie müssen deshalb auf einen umfangreichen und fachlich viel-
fältigen aktuellen Materialpool (Broschüren, Informationsmaterialien,
Publikationen, Fachbücher, Zeitschriften, Videos, Computerspiele etc.) zu-
rückgreifen. Für die Anschaffungskosten müssen ausreichende finanzielle
Mittel vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Darüber hinaus sind Mittel für die eigene Öffentlichkeitsarbeit einzustellen.
In Zusammenarbeit mit anderen Leistungsbereichen kann es zu sinnvollen
und effizienten Synergieeffekten kommen.
Kooperation und Vernetzung mit anderen Trägern
Neben den freien Trägern der Jugendhilfe, die entsprechend des
Subsidiaritätsprinzips Leistungen des § 14 SGB VIII erbringen, müssen die
Kinder- und Jugendschutzfachkräfte der Jugendämter mit einer Vielzahl
anderer Kooperationspartner und Institutionen im Sinne eines um-
fassenden Kinder- und Jugendschutzes zusammenarbeiten. Insbesondere
ergibt sich diese Notwendigkeit vor dem Hintergrund, dass Zuständigkeiten
für die einzelnen Aufgabengebiete im gesamten Bereich des Kinder- und
Jugendschutzes auf mehrere Ebenen verlagert worden sind, u.a. auf die
Gewerbeaufsichtsämter, Polizei, Ordnungsbehörden, Gesundheitsämter,
Jugendämter, Landesmedienanstalten, Regionalschulämter.
Sind verschiedene Institutionen und Professionen bei der Bewältigung von
Aufgaben tätig, treten Fragen nach den gemeinsamen Schnittstellen
zwischen den Beteiligten in den Mittelpunkt. Schwierigkeiten in der Praxis
ergeben sich dann oftmals, weil z.B.
1. institutionelle Strukturen und Arbeitsvollzüge des Anderen
nicht bekannt sind;
2. unterschiedliche fachliche Herangehensweisen und Ansätze
bestehen;
3. persönliche Kontakte aufgebaut werden müssen / Fremdheit
überwunden werden muss;
4. die Mittel zur Zielerreichung häufig nicht identisch sind bzw.
sein können;
5. Vorbehalte gegenüber der Arbeitsweise des Anderen bestehen.
Haben mehrere Institutionen, z.B. Jugendamt, Gesundheitsamt, Polizei,
sozialpsychiatrische Dienste, einen Präventions- oder Interventionsauftrag,
ist die Bildung
aufgabenbezogener interdisziplinärer Teams bzw. Arbeits-
gruppen
zu empfehlen. Insbesondere bei Fällen der Gewaltanwendung
gegenüber Mädchen und Jungen ist ein kooperatives, vernetzendes und
zum Schutze des Kindes oder Jugendlichen sensibles Vorgehen zwischen
den beteiligten Stellen bzw. Professionen wie Jugendamt, Polizei, Staats-
anwaltschaft, Beratungsstellen, Ärzten, Mädchenhäuser notwendig. Die
Bildung interdisziplinärer Arbeitsgruppen kann ein konstruktiver Weg im
Sinne des Schutzes der Opfer von Gewalt sein.
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Die Umsetzung des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes nimmt vor
allem in den Kindergärten und Schulen an Bedeutung zu. Das hat
verschiedene Gründe: zum einen ist der Präventionsgedanke von einer
breiten Fachöffentlichkeit popularisiert und durch wissenschaftliche
Erkenntnisse u.a. der Präventionsforschung vorangetrieben worden. Das
hat zu einer stärkeren Sensibilisierung und Aufmerksamkeit in der
Öffentlichkeit geführt. Zum anderen sind Kindergärten und Schulen die
zentralen Alltags- und Lebensräume für Kinder und Jugendliche außerhalb
der Familie. Die Erreichbarkeit von jungen Menschen und die Unter-
stützung durch die Pädagogen ist in diesen Alltagsräumen am größten.
Schulische Präventionsarbeit zu den Themenfeldern Sucht/Drogen,
Gewalt, Sexualität, Ideologie kann beispielsweise durch externe (außer-
schulische) mobile oder stationäre Teams als Fachspezialisten angeregt,
unterstützt oder begleitet werden. Gleichzeitig müssen schuleigene
Ressourcen erkannt und genutzt werden, weil außerschulische Dienste
und Angebote ergänzend wirken. Schulexterne Lehrerfortbildungen,
Projekte etc. durch Jugendhilfeträger sind bedarfsgerecht anzubieten und
sollen mit den Schulverantwortlichen verbindlich, z.B. in Form von
Kooperationsvereinbarungen, Verträgen, geregelt werden.
Die Angebote der Jugendhilfe können die Arbeit der Lehrer/-innen und
Erzieher/-innen nicht ersetzen, jedoch sinnvoll ergänzen. In der Praxis
haben sich u.a. solche Maßnahmen bewährt, die längerfristig angelegt sind
und kontinuierliche Arbeitsweisen und Kommunikationsformen ermög-
lichen. Diese Vorgehensweise hat für die Beteiligten den Vorteil, dass
außerschulische Träger stärker als Anbieter von Dienstleistungen wahr-
genommen werden und die Arbeitsbeziehung problemangemessener und
verantwortlicher ausgestaltet werden kann. Die Schulen haben ihrerseits
mehr Einflussmöglichkeiten und Verantwortung bei der Umsetzung von
Projekten, Veranstaltungen u.a. Aktivitäten. Die Übernahme von Eigenver-
antwortung für die Ausgestaltung des Schulalltages auch für bisher
„ungewöhnliche“ Themen mit Unterstützung schulfremder Anbieter hat
motivierenden Einfluss.
Innerhalb der Arbeitsfelder der Jugendhilfe nimmt der Bereich des Kinder-
und Jugendschutzes eine vermittelnde, fachlich begleitende und unter-
stützende Funktion wahr. So finden sich beispielsweise Ziele und Adres-
saten des § 14 SGB VIII auch in den Bereichen der Jugendarbeit und
Jugendsozialarbeit wieder. Insbesondere können Anliegen des erziehe-
rischen Kinder- und Jugendschutzes im Rahmen der offenen Jugendarbeit,
u.a. durch die Realisierung von gemeinsamen Projekten und Veranstal-
tungen oder zielgruppenspezifischen Freizeitangeboten verwirklicht
werden.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
5 Literaturhinweise
Bienemann/ Hasebrink/ Nikles (Hg.). Handbuch des Kinder- und
Jugendschutzes. Grundlagen. Kontexte. Arbeitsfelder.1995.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Kinder- und
Jugendschutz in der Jugendhilfe. Beschluss in der 71. Arbeitstagung vom
23.-25.10.1991 in Fellbach/Stuttgart.
Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter. Das Fachkräftegebot
des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. November 1996.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (1993). Wo geht’s
lang – Jugendschutz in den neuen Bundesländern.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (Hrsg.). Kinder- und
Jugendschutz in der Jugendhilfeplanung - Anspruch und Realität. 1996.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (Hrsg.). „Bevor es
zu spät ist...“. Präventiver Kinder- und Jugendschutz in sozialen
Brennpunkten. Fachforum im Rahmen des Aktionsprogramms
„Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten“ am
2. - 3. November 1999 in Königswinter bei Bonn.
Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (Hg.). Kinder- und
Jugendschutz als gesetzlicher Auftrag. Modelle. Dokumente. Analysen.
1988.
Bundesministerium für Frauen und Jugend (Hg.). Übereinkommen über die
Rechte des Kindes. UN-Kinderkonvention im Wortlaut mit Materialien.
Texte in amtlicher Übersetzung.
BMFSFJ (Hg.). Zehnter Kinder- und Jugendbericht. Bericht über die
Lebenssituation von Kindern und die Leistungen der Kinderhilfe in
Deutschland. 1998.
BMFSFJ (1997). Qualitätssicherung durch Zusammenarbeit. Qs 10.
BMFSFJ (1999). Kinder- und Jugendschutz. KABI Nr. 47.
Schell/Stolzenburg/Theunert (Hg.). Medienkompetenz. Grundlagen und
pädagogisches Handeln. 1999.
27

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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
BMJFFG (Hrsg.). Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kinder- und
Jugendhilferechts. 1989, S. 53 (= Deutscher Bundestag, Drucksache
11/5948).
Gernert (Hg.). Jugendschutz. Rechtsgrundlagen in der Bundesrepublik
Deutschland. 1993.
Herriger (1986). Präventives Handeln und soziale Praxis. Konzepte zur
Verhütung abweichenden Verhaltens bei Kindern und Jugendlichen.
Hurrelmann / Ulich (Hg.). Neues Handbuch der
Sozialisationsforschung.1991.
Koring. Das pädagogische Konzept der Lebenskompetenzförderung. In:
AJS-info 1/97.
Künzel-Böhmer u.a. (1993). Expertise zur Primärprävention des
Substanzmissbrauchs.
Jan Lieven, Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz – Landesstelle
NRW e.V. Der Kinder- und Jugendschutz nach § 14 KJHG. In: Mitteilungen
des Landesjugendamtes Westfalen-Lippe 137/89, S. 55-59.
May (1997). Nein ist nicht genug. Prävention und Prophylaxe. Inhalte,
Methoden und Materialien zum Fachgebiet Sexueller Missbrauch.
Münder u.a. (Hg.). Frankfurter Lehr- und Praxiskommentar zum
KJHG/SGB VIII. Stand: 1.1.99. 1998.
Schefold (1992). Jugendschutz in veränderten Alltagsräumen. In:
Böhnisch/Münchmeier (Hg.). Wozu Jugendarbeit?, S. 172-186.
Schubarth /Ackermann. Aggression und Gewalt. 45 Fragen und Projekte
zur Gewaltprävention. Sächsische Landeszentrale für politische Bildung.
1998.
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hg.).
Jugendarbeitsschutz. Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer an
berufsbildenden Schulen. 1999.
Stimmer (Hg.). Lexikon der Sozialpädagogik und der Sozialarbeit. 1994.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Anhang
Übersicht zu Jugendschutzgesetzen und -verordnungen
Teil 1
Internationale Gesetze, Konventionen, Richtlinien
Gesetz zu dem Übereinkommen über die Rechte des Kindes
(UN-Kinderkonvention) vom 20.11.89, in Kraft getreten 05.04.1992
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(Europäische Menschenrechtskonvention) vom 03.09.1953
Gemeinschaftscharta der sozialen Grundrechte (EG-Kommission)
vom 12.10.1989
EG-Fernsehrichtlinie vom 03.10.1989, zuletzt geä. 19.6.87
Europäisches Übereinkommen über grenzüberschreitendes Fernsehen
vom 05.05.1989
Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der vereinten Nationen
vom 10.12.1948
Europäische Sozialcharta vom 18.10.1961
Übereinkommen über die Zuständigkeit der Behörden und das
anzuwendende Recht auf dem Gebiet des Schutzes von Minderjährigen
(Haager Minderjährigenschutz-Abkommen - MSA) vom 05.10.1961
Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte
vom 19.12.1966
Richtlinie des Rates über den Jugendarbeitsschutz, 22.6.1994
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Teil 2
Bundesrecht
Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG/SGB VIII) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 26.6.1990, zuletzt geä. 27.12.2004
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) vom 18.08.1896, zuletzt geändert
am 15.12.2004
Informations- und Kommunikationsdienste - Gesetz (IuKDG)
vom 13.6.1997
Staatsvertrag der Länder über den Schutz der Menschenwürde und
den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien v. 10./27.9.2002 (JMStV)
Rundfunkstaatsvertrag (RfStV) vom 31.08.1991, in der Fassung des
fünften Rundfunkänderungsstaatsvertrags (RfÄndStV)
Jugendschutzgesetz (JuSchG) vom 23.7.2002, zuletzt geä. 13.10.2004
Strafgesetzbuch (StGB) in der Fassung der Bekanntmachung vom
13.11.1998, zuletzt geä. 15.12.2004
Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend (Jugendarbeitsschutzgesetz
JArbSchG) vom 12.04.1976, zuletzt geändert am 24.12. 2003 in Verbin-
dung mit der Verordnung über den Kinderarbeitsschutz (KindArbSchutzV)
vom 23.06.1998
Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln (Betäubungsmittelgesetz
BtMG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 01.03.94, zuletzt
geändert am 22.12.2004
Gaststättengesetz (GastG) vom 05.05.1970, zuletzt geändert 25.11.2003
Gewerbeordnung (GewO) in der Fassung der Bekanntmachung
vom 22.2.1999, zuletzt geändert 30.7.2004
Verordnung über Spielgeräte und andere Spiele mit Gewinnmöglichkeit
(Spielverordnung - SpielV) in der Fassung der Bekanntmachung vom
11.12.1985, zuletzt geä. 24.4.2003
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Verhaltensregeln des Deutschen Werberats über die kommerzielle
Kommunikation für alkoholhaltige Getränke (gültig ab 1.1.2005)
Verhaltensregeln des Deutschen Werberats für die Werbung mit
und vor Kindern in Hörfunk und Fernsehen von 1998
Gesetz über den Verkehr mit Lebensmitteln, Tabakerzeugnissen, kosme-
tischen Mitteln und sonstigen Bedarfsgegenständen (Lebensmittel- und
Bedarfsgegenständegesetz – LMBG) in der Fassung der Bekanntmachung
vom 09.09.1997, zuletzt geändert 13.5.2004
Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) vom 16.11.1970, zuletzt geändert
22.1.2004
Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in der Fassung der
Bekanntmachung vom 28.09.1988, zuletzt geä. 12.12.2004
Waffengesetz (WaffG) in der Fassung der Bekanntmachung
vom 08.03.1976, zuletzt geändert 19.12.2002, mit Berichtigung
vom 19.9.2003
Teil 3
Landesrecht
Sächs. Landesjugendhilfegesetz vom 29.09.98 und Sächsisches
Ausführungsgesetz zum SGB VIII (SächsAGSGBVIII) v. 4.3.1992,
zuletzt geä. 3.7.2002
Sächsisches Gesetz über die Hilfen und die Unterbringung bei
psychischen Krankheiten (SächsPsychKG) vom 16.06.1994
Sächsisches Gesetz zum Staatsvertrag über Mediendienste und zur
Änderung rundfunkrechtlicher Vorschriften im Freistaat Sachsen
vom 10.07.1997, zuletzt geä. 1.4.2003
Verwaltungsvorschrift des SMK zur Suchtprävention in Schulen
des Freistaates Sachsen vom 28.10.1993
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Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
Verwaltungsvorschrift des SMK über die Auswahl, Beauftragung,
Berufung und die Tätigkeit der Beratungslehrer an öffentlichen Schulen
im Freistaat Sachsen vom 4.8.2004
Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat Sachsen
(SächsGDG) vom 11.12.1991, zuletzt geä. 3.5.2003
Sächsisches Polizeigesetz (SächsPolG) in der Fassung der Bekannt-
machung vom 13.08.1999, zuletzt geä. zum 1.1.2005, in Verbindung mit
dem Erlass des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zum Konzept
Polizeiliche Drogenprävention Im Freistaat Sachsen vom 21.11.2002
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Landesjugendamt
Orientierungshilfe zur Medienerziehung
im Kinder- und Jugendschutz
(auf der Grundlage der Empfehlung des SLJA zum Kinder- und Jugendschutz
im Freistaat Sachsen vom 06.06.2001)
- verabschiedet vom Landesjugendhilfeausschuss am: 01.09.2004 -
1 Einleitung
Die Verwaltung des Landesjugendamtes erhielt im Rahmen der Planungs-
vorhaben zur überörtlichen Planung des SLJA den Auftrag eine
Orientierungshilfe zur Medienerziehung zu erarbeiten.
Dieser stand im unmittelbaren Zusammenhang mit der Verabschiedung
einer Empfehlung zum Kinder- und Jugendschutz, die für diesen Themen-
schwerpunkt damit eine Konkretisierung erfahren sollte.
Nach Auffassung des Landesjugendhilfeausschusses sollte der in der
Öffentlichkeit stattfindende Diskurs zu Medienkompetenz aufgegriffen
werden und insbesondere vor dem Hintergrund der immer wieder disku-
tierten Gefährdungen durch medientechnische Entwicklungen für Fach-
kräfte der Jugendhilfe aufbereitet werden.
Anliegen des Papiers ist es, medienerzieherische Handlungsansätze im
Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes sowie Qualitätsanforderungen
an eine medienerzieherische Arbeit in diesem Leistungsbereich zu
beschreiben und diese im weiteren für ausgewählte Handlungsfelder des
Kinder- und Jugendschutzes bei der Förderung von Medienkompetenz zu
konkretisieren.
Um Fachkräfte der Jugendhilfe anzuregen, sich mit der Bedeutung von
Medien im Sozialisationsprozess von Kindern und Jugendlichen sowie
dementsprechend mit dem Stellenwert von Medienerziehung auseinander
zu setzen, medienerzieherische Handlungsansätze zu entwickeln und
dabei insbesondere auch Fragen des Kinder- und Jugendschutzes zu
berücksichtigen, wurden theoretische Grundlagen der Förderung von
Medienkompetenz, insbesondere deren Dimensionen sowie alters- und
entwicklungsspezifische Ausformungen vorangestellt.
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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Kommentierte Internetadressen und ein ausführliches Literaturverzeichnis
sind als weitere Hilfestellungen bei der Entwicklung und Ausgestaltung von
Angeboten der Medienerziehung in den Handlungsfeldern des Jugend-
schutzes enthalten.
Das vorliegende Papier soll für die Jugendschutzbeauftragten der kreis-
freien Städte und Landkreise Sachsens ebenso wie für die Fachkräfte von
medienpädagogischen Initiativen einen Orientierungsrahmen zur Um-
setzung der Intentionen und Ziele des Kinder- und Jugendschutzes bieten.
Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern von Vereinen, Einrichtungen
und Behörden des Freistaates Sachsen hat sich unter Federführung des
Landesjugendamtes seit Januar 2003 zur Erarbeitung dieser Orien-
tierungshilfe zusammengefunden.
Für die Mitwirkung geht der Dank an Frau Antje Leichsenring von der
Aktion Jugendschutz Sachsen e.V., Frau Sylvia Zimmermann vom
Sächsischen Kinder- und Jugendfilmdienst e.V., Herrn Andreas Reupert
vom CVJM Computerclub e.V., Herrn Karsten Fritz von der TU Dresden,
Herrn Dr. Herbert Grunau von der Lintec AG, Herrn Roland Huth –
Jugendschutzbeauftragter der Stadt Hoyerswerda, Herrn Andreas Jähne –
Mitarbeiter des Jugendamtes der Stadt Dresden, Herrn Wolfgang Kill vom
Sächsischen Staatsministerium für Soziales sowie an Herrn Martin
Gransow – Jugendschutzbeauftragter der Stadt Leipzig.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
2 Begriffsbestimmung
2.1 Kinder- und Jugendschutz
Kinder- und Jugendschutz (KJS) hat zum Ziel, Kinder und Jugendliche vor
Risiken und Gefährdungen zu schützen und sie zu befähigen, mit diesen
Risiken verantwortungsbewusst umzugehen. Die Rechte von Kindern und
Jugendlichen auf Erziehung zur eigenverantwortlichen Persönlichkeit und
auf eine positive gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung sollen
gesichert werden.
Kinder- und Jugendschutz vollzieht sich im Rahmen eines Drei-Säulen-
Modells. Die drei Bereiche können als ein Denkschema von drei
gleichberechtigten Dimensionen verstanden werden:
Kinder- und Jugendschutz
kontrollierend
-eingreifend
erzieherisch
strukturell
Kinder und Jugendschutz ist danach die Gesamtheit aller rechtlichen,
erzieherischen und sozialpolitischen Interventionen und Bemühungen, die
generell Kinder und Jugendliche vor Gefahrenpotentialen und –situationen
schützen wollen.
1
Im Gegensatz zum erzieherischen Kinder- und Jugendschutz operiert der
Jugendmedienschutz
als Teil des kontrollierend-eingreifenden Jugend-
schutzes mit dem Instrument des Ordnungsrechtes. Maßnahmen des
Jugendmedienschutzes richten sich vor allem gegen die möglichen
Verursacher von Jugendgefährdungen im Bereich der Medien. Dazu
können Kinobetreiber genauso gehören wie andere Gewerbetreibende
oder Anbieter im Internet.
Seit dem 1. April 2004 ist der Jugendmedienschutz vor allem im Jugend-
schutzgesetz (JuSchG) bzw. dem Jugendmedienschutzstaatsvertrag
(JMStV) geregelt. Daneben gibt es weitere Normen wie etwa die Staats-
verträge über die Rundfunkanstalten.
2
Die Ausführung der Bestimmungen
des Jugendmedienschutzes obliegt den örtlich zuständigen
1 vgl. Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales 2 1, S.2
2 z.B.: Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk vom 3 . Mai 1991
35

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Polizeibehörden (Orts- und Kreispolizeibehörden) und dem
Polizeivollzugsdienst (§ 37 Landesjugendhilfegesetz), der Bundesprüfstelle
für jugendgefährdende Medien sowie im Sinne des
Jugendmedienschutzstaatsvertrages den öffentlich- rechtlichen
Rundfunkanstalten, der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk
und neue Medien und der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) als
der im Jugendschutzgesetz genannten zentralen Aufsichtsstelle der
Länder. Die örtlich zuständigen Behörden werden dabei vom örtlichen
Jugendamt beraten und unterstützt (§ 36 Landesjugendhilfegesetz).
Weitere wichtige Aufgaben und Befugnisse für öffentliche und freie Träger
der Jugendhilfe:
Öffentliche Träger der Jugendhilfe sind antragsberechtigt nach § 21
JuSchG (Indizierung von Medien); freie Träger können ein Tätigwerden der
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien im Einzelfall bei dieser
anregen.
Träger der Jugendhilfe haben das Recht, im Bereich der Telemedien
(Internet u.a.) die Entscheidungen von anerkannten Organisationen der
freiwilligen Selbstkontrolle durch diese noch einmal überprüfen zu lassen
(§ 19 JMStV).
2.2 Medienerziehung
Medienerziehung wird je nach Autor und Kontext unterschiedlich definiert.
So versteht man hierunter z.B. ebenso die Wissensvermittlung wie auch
die Verwendung von Medien zu erzieherischen Zwecken.
Im Rahmen dieser Orientierungshilfe bezeichnet Medienerziehung das
pädagogische Handeln, das zur kritisch-reflexiven Nutzung der Medien
anleiten soll.
Im pädagogischen Diskurs sind drei historisch gewachsene Formen der
Auseinandersetzung und des Umgangs mit Medien entstanden.
3
Die
normativ ausgerichtete Medienpädagogik
versteht sich als „inter-
venierende Variable“ zwischen Medium und Rezipient. Es sind sowohl
gesetzliche als auch erzieherisch- präventive Maßnahmen, die die
Rezipienten vor belastenden Medieninhalten schützen wollen. In der
Vergangenheit wurden bewahrpädagogische Traditionen der Film- und
späteren Fernseherziehung aufgegriffen, im Rahmen derer eine
Hinführung zum erzieherisch `wertvollen` Film im Mittelpunkt stand.
3
vgl. Schorb 1995
36

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Ende der 60er Jahre entstand die Auffassung, dass durch den Einsatz von
Technik wirtschaftliche und bildungspolitische Ziele rasch verwirklicht
werden können. Mit dieser Richtung einer
bildungstechnologischen
Medienpädagogik
, erhoffte man sich, die Krise im Bildungswesen zu
überwinden. Im Kern geht es um die „Optimierung und Forcierung von
Lehr- und Lernvorgängen“
4
durch Medien- und Technikeinsatz.
Die Neuformulierung der Frage nach dem Zweck medienpädagogischer
Arbeit zeigt gleichzeitig den Beginn der
handlungsorientierten Phase
. Nicht
"Was machen die Medien mit den Menschen?", sondern "Was machen die
Menschen mit den Medien?" steht im Mittelpunkt der theoretischen
Diskussion und praktischen Angebote. Die handlungsorientierte Medien-
pädagogik versteht den Menschen als gesellschaftliches Subjekt, das in
gesellschaftlichen Kontexten agiert, zu denen auch die Medien gehören.
Kinder und Jugendliche rezipieren die medialen Botschaften und
„verarbeiten sie in Abhängigkeit von ihren individuellen (Biographien) und
der sozialen Umgebung, in der sie leben“.
5
Sie sind jedoch nicht nur
Rezipienten von Medienbotschaften, sondern auch in der Lage, die Medien
zu gestalten und selbstbestimmt zur Verwirklichung ihrer Interessen zu
nutzen. „Die Medien sind somit einerseits Mittler gesellschaftlicher
Botschaften, die von Kindern und Jugendlichen aufgenommen und
verarbeitet werden und anderseits Mittel zur Artikulation von Vorstellungen,
Meinungen und Forderungen an die Gesellschaft“.
6
Der handlungs-
orientierte Ansatz sollte auch für den Kinder- und Jugendschutz eine
medienpädagogische Orientierung sein.
2.3 Medienkompetenz
Mit dem Begriff der Medienkompetenz geht es allgemein um die
Beschreibung von Fähigkeiten im Umgang mit Medien. Die hier
vorgenommene Begriffsbestimmung orientiert sich an BAACKE
7
sowie
SCHORB.
8
Der Erwerb von Medienkompetenz beinhaltet danach vier sich
einander bedingende und durchdringende Dimensionen:
4
a.a. ., S.51
5
a.a. ., S.52
a.a. ., S.52
7
vgl. Baacke 1997
8
vgl. Schorb 1998
37

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Medienkunde
bezieht sich auf die Aneignung von Orientierungs- und
Strukturwissen über Medien und Mediensysteme. Dies beinhaltet z.B.
einerseits Kenntnisse über Programmstrukturen und -genres,
journalistische Arbeitsweisen, Gestaltungstechniken sowie andererseits
auch technische Fähigkeiten zur Handhabung und Gestaltung von Medien.
Medienkritik
meint die Fähigkeit zur kritischen Reflexion, um Medien-
angebote zu analysieren und diese Analyse auf das eigene Handeln
übertragen zu können. Die Inhalte, Botschaften und Gestaltungsmittel der
Medienangebote werden dabei auch im Hinblick auf den ethischen Aspekt
ihrer sozialen Verantwortlichkeit bewertet.
Mediennutzung
ist in erster Linie die Fähigkeit zu aktivem Medienhandeln
im Sinne von selbstbestimmter Nutzung und technischer Beherrschung.
Dies können sowohl rezeptive als auch interaktive Nutzungen von Medien
und Programmen sein. Angebote sollen entsprechend der eigenen
Bedürfnisse ausgewählt werden können.
Mediengestaltung
umfasst die Fähigkeit zur kreativen Interaktion mit
Medien. Die Symbolwelten der Medien werden hierbei gebraucht, um sich
über Bilder und Töne selbstbewusst ausdrücken zu können. Damit einher
geht eine mögliche Veränderung und Weiterentwicklung der eigenen
Sozialisation sowie der Mediensysteme.
3 Medien im Sozialisationsprozess von Kindern und
Jugendlichen
Je nach Alter und individuellem Entwicklungsstand, medialen und realen
Erfahrungen sowie individuellen Mediennutzungsmustern werden Medien-
inhalte von Kindern und Jugendlichen unterschiedlich aufgenommen und
verarbeitet. „Je nachdem, ob die Inhalte, auf die die Kinder zugehen,
sinnvolle Selbst- und Sozialkonzepte und brauchbare Wissensbestände
ein schließen,“ können die Medien „die Entwicklung... unterstützen oder
auch behindern“.
9
Diese alters- und entwicklungsbedingten Besonder-
heiten eröffnen somit Möglichkeiten und auch Grenzen in der Förderung
von Medienkompetenz. Im Folgenden werden deshalb bei der Be-
schreibung der einzelnen Entwicklungsphasen den jeweiligen Medien-
nutzungsmustern Aussagen zur kognitiv-sozialen Entwicklung sowie zu
den jeweiligen Sozialisationsprozessen vorangestellt.
9 vgl. heunert Lennsen Schorb 1995, S. 2
38

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
3.1 Medien in der Kindheit
Um die Entwicklung medienbezogener Fähigkeiten in der Kindheit zu
beschreiben, unterscheidet die Medienforschung überwiegend zwischen
jüngeren Kindern
vom 3. bis 6. Lebensjahr (Vorschulalter) und
älteren
Kindern
vom 6. bis 10. Lebensjahr (Grundschulalter) bzw. vom 10. bis 13.
Lebensjahr.
10
Das zunächst anschauliche Denken führt im jüngeren Kindesalter dazu,
dass das Kind vorwiegend einzelne Szenen oder Personen mit deren
äußeren Merkmalen wahrnimmt sowie allenfalls einen einzigen Erzähl-
strang einer Geschichte verfolgen kann. Es wird überfordert, wenn z.B. die
Zeitebene wechselt, Handlungsstränge kombiniert werden oder wichtige
Zwischenschritte ausgespart sind.
11
Aufgrund der zunächst egozentrisch geprägten Wahrnehmung sind
vorwiegend Personen oder Ausschnitte bedeutsam, die einen Bezug zum
eigenen Ich herstellen. Unterschiedliche Handlungsperspektiven und
Absichten werden in der Regel in dieser Entwicklungsphase nicht wahr-
genommen.
Kinder im Vorschulalter unterscheiden Genres und Sendungen nach eher
formalen Merkmalen. Wirklichkeit und Abbild, Fiktion und Realität können
Kinder in diesem Alter nicht sicher trennen.
Mit zunehmenden Alter nehmen die visuellen und akustischen Aufmerk-
samkeitsleistungen zu. Kinder verfügen im Stadium der konkreten
Operationen (Piaget) über eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten, auch im
Umgang mit Medien. In Überwindung der ichbezogenen Sicht können
verschiedene Sichtweisen mehrerer Personen gleichzeitig betrachtet und
aufeinander bezogen werden.
Neben äußeren Merkmalen von Personen und deren Handlungen werden
so auch Gefühle und Absichten wahrgenommen, die sich von den eigenen
unterscheiden. Weiterhin können konkret-logische Zusammenhänge der
Verknüpfung von Handlungen und Szenen hergestellt werden. Es entsteht
ein Verständnis für dramaturgische Gestaltungsmittel, wie z.B. Rück-
blenden.
12
Ältere Kinder können zunehmend Handlungen planen, zum
Abschluss bringen und Verantwortung dafür übernehmen. Sie wissen, dass
unterschiedliche Wege zum Ziel führen können.
1
vgl. a.a. .
11
Aufenanger Six 2
1, S. 19
12
vgl. heunert Lennsen Schorb 1995
39

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Das Sprachzentrum bildet sich weiter aus. Im Laufe der Schulzeit erfährt
auch die Sprache durch das Erlernen von Lesen und Schreiben eine
gewisse Vergegenständlichung und Formalisierung. Der Förderung der
alten Kulturtechniken (Lesen und Schreiben) kommt in diesem
Altersbereich eine besondere Bedeutung zu, da sie für die Bewältigung von
Entwicklungsaufgaben und Umweltanforderungen (auch für den späteren
Umgang mit neueren Technologien) wichtige Voraussetzungen darstellen.
Mit dem Übergang zum formal- abstrakten Denken mit etwa 11 Jahren wird
wechselseitige Perspektivenübernahme möglich. Aus einer Beobachter-
perspektive heraus können nun verschiedene Beweggründe und Be-
ziehungen reflektiert werden.
Zudem sind die Kinder in der Lage, auch komplexere Inhalte wahrzu-
nehmen und zu verstehen. Um Medienangebote für eigene Bedürfnisse
gezielt auswählen und nutzen zu können, ist es ebenso von Bedeutung,
dass jetzt auch kompliziertere Unterscheidungen zwischen fiktiven und
realen Darstellungen möglich sind.
13
Die Entwicklung von Kindern im Lebensabschnitt der Kindheit wird
zunächst geprägt von Eltern, Geschwistern sowie anderen familiären
Bezugspersonen als Vorbild- und Vermittlungsinstanz. Später folgen
weitere Sozialisationsinstanzen wie Kindergarten, Schule und Hort mit den
sich hieran knüpfenden Anforderungen auch im Umgang mit Gleichaltrigen
sowie andere, wie z.B. kulturelle Institutionen.
Gegen Ende der Kindheit gewinnt die Peer Group an Bedeutung, der
Ablöseprozess von den Eltern beginnt. Medien, das dort beobachtete
Verhalten und die Reaktion anderer Menschen hierauf sind ebenso
Bestandteil dieses Sozialisationsprozesses und somit beteiligt an den
jeweiligen Herausbildungen von Wertvorstellungen.
Die Mediennutzung in der Kindheit ist insbesondere vom Fernsehen als
Leitmedium geprägt, wobei im Vorschulalter Hörspielkassetten eine große
Rolle spielen und im Schulalter der Computer zunehmend an Bedeutung
gewinnt.
14
Bei den
jüngeren Kindern
beziehen sich die Medieninteressen
vor allem auf das Fernsehen, die Hörmedien und die Printmedien, wobei
sich die Fernsehnutzung mit zunehmenden Alter erhöht.
15
13
vgl. a.a. .
14
vgl. Schell Stolzenburg
heunert 1999
15
Statistische aten zur Fernsehnutzung von Kindern vgl. Feierabend Klingler
„Eine Analyse der Fernsehnutzung rei- bis 13-Jähriger 2 2“
40

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Dabei stehen meist fiktionale Angebote, insbesondere Zeichentrickserien,
-filme und Märchen im Vordergrund. Themen sind in diesem Altersbereich
vor allem das Aufwachsen und die eigene Position in der Familie, für die
die Medien nach Modellen befragt werden. Zudem suchen nach und nach
auch jüngere Kinder schon nach Vorbildern, die ihre Geschlechterrollen
betreffen.
Hörspielproduktionen, die eher von jüngeren Kindern genutzt werden,
reichen von Bibi Blocksberg über Märchen bis hin zu kleinen Kriminal-
geschichten. Der sich „wiederholende Konsum“ gleicher Inhalte kommt
dem kindlichen Bedürfnis nach Vertrautem entgegen.
Darüber hinaus fungieren Medien auch bei Kindern als Geräuschkulisse,
und machen das Alleinsein erträglicher. Sie liefern zudem Gesprächsstoff
und Anregungen für gemeinsames Spielen. Computer liegen in dieser
Altersgruppe noch auf einer untergeordneten Position in der Medien-
nutzung. Allerdings nehmen Ausstattung und tägliche Nutzungsdauer von
Computerspielen hier mittlerweile deutlich zu.
Die beliebteste Medienbeschäftigung von
älteren Kindern
ist nach wie vor
das Fernsehen, gefolgt vom Spielen am Computer, Musikhören sowie
Lesen.
16
Neben dem Animationsgenre wie z.B. Zeichentrickfilmen
gewinnen in diesem Altersbereich auch Unterhaltungssendungen und -
serien sowie komödiantische Sendungen wie Sitcoms zunehmend an
Bedeutung.
Die Motive der Mediennutzung können dabei sehr vielfältig sein: Spannung
und Unterhaltung, Vermeiden von Langeweile und belastenden
Situationen, Information und Erweitern von Wissen über die Welt, aber
auch die Suche nach Orientierungen und Vorbildern für ihren Alltag.
Medien ermöglichen dabei den Blick durch das Schlüsselloch und werden
als „Schablonen“ für das eigene Leben gebraucht.
17
Computer und Internet gewinnen in diesem Altersbereich an Bedeutung.
18
Neben dem Spielen wird der Computer von einem Großteil der Kinder für
schulische Informationen oder auch zum Austausch von Nachrichten und
zur Kommunikation gebraucht.
Zum Musikhören nutzen ältere Kinder vorwiegend CDs und das Radio.
Darüber hinaus werden von älteren Kindern mindestens einmal in der
Woche Printmedien wie Bücher oder Zeitschriften genutzt. Dabei wird von
den Mädchen häufiger gelesen.
19
1
vgl. auch Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2 2 sowie 2 3
17
vgl. heunert Lennsen Schorb 1995
18
vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2
3
19
vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest 2
2
41

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
3.2 Medien im Übergang von Kindheit zum Jugendalter
Medienbezogene Kompetenzen und Nutzungsweisen von Kindern und
Jugendlichen in diesem Altersbereich bauen insbesondere auf den bis
dahin erworbenen kognitiv-sozialen Fähigkeiten auf und sind im weiteren
besonders von den hier stattfindenden Sozialisationsprozessen der be-
ginnenden Ablösung von den Eltern geprägt.
Mit etwa 11 Jahren werden Kinder fähig, abstrakt zu denken. Dies heißt,
dass sie in die Lage sind, logische Zusammenhänge gedanklich zu
konstruieren. „Damit nähert sich die kindliche Intelligenz der von Erwach-
senen“.
20
Neben den bereits unter Punkt 3.1 dargestellten Entwicklungen sind Kinder
in diesem Alter aufgrund ihrer schon sehr umfangreichen Medien-
erfahrungen zunehmend fähig, Gestaltungsmittel zu durchschauen und
beginnen, auch differenziertere kritische Haltungen gegenüber Angeboten
einzunehmen. Zur Bewertung werden jetzt insbesondere ästhetische und
moralische Kriterien herangezogen. Dabei handelt es sich jedoch oftmals
noch um übernommene Einstellungen, die noch wenig auf das eigene
Verhalten und Handeln bezogen werden.
21
Das Übergangsalter ist insbe-
sondere geprägt durch die beginnende Ablösung von den Eltern, wobei die
Bedeutung der Peer Group für die Ausformung von Wertorientierungen und
Verhalten wächst. Dies spiegelt sich auch im Umgang mit Medien wieder,
der zunehmend eine gemeinschaftliche Ausrichtung erfährt. Gemeinsames
audio-visuelles Erleben, Musikhören, Kinobesuche, Filmabende, vernetztes
Spielen an Computer und Gameboy sind hierfür kennzeichnend.
Weiterhin beginnen sich die Interessen zu differenzieren. Die Aufmerksam-
keit ist stärker als bisher auf die Geschehnisse in der Welt und deren
Bewertung mittels eigener Positionen gerichtet. Die Prozesse im Über-
gangsalter beeinflussen dementsprechend auch die individuelle Nutzung
von Medien, die zur Bearbeitung entwicklungsbedingter Themen gebraucht
werden. Kennzeichnend dafür ist, dass es sich nicht mehr nur um einzelne
Vorlieben handelt, sondern dass ein Ensemble verschiedenster Medien oft
auch zeitgleich zum Einsatz kommt.
Einen besonderen Stellenwert im Umgang mit den oft widersprüchlichen
Gefühlen und Unsicherheiten erhalten hierbei das Musikhören sowie
kommunikative Nutzungsweisen (Computer, Handy), die bisherige Funk-
tionen des Mediengebrauchs wie Unterhaltung, Spaß, Action, Information
ergänzen.
2
vgl. heunert Lennsen Schorb 1995, S.59
21
vgl. Schell Stolzenburg
heunert 1999
42

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Auch das Fernsehen vermag in diesem Alter ein breites Spektrum von
Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen aufzugreifen. Fragen zur
Gestaltung von Freundschaftsbeziehungen, die Suche nach Vorbildern
oder auch die Erweiterung von Wissen sind Beweggründe, die die Auswahl
von Angeboten des Fernsehens bestimmen und mittels der die zugrunde-
liegenden Themen wiederum bearbeitet und für den Entwicklungsprozess
nutzbar gemacht werden können.
In dieser Phase wird die Ausformung der geschlechtlichen Identität zu
einem bestimmenden Thema. So zeigt dann auch der Medienumgang von
Mädchen und Jungen in diesem Altersbereich beträchtliche Unterschiede.
Mädchen wenden sich besonders beziehungsbetonten Angeboten wie den
täglichen Daily Soaps zu. Jungen dagegen lieben weiterhin Spannungs-
und Actionreiches. Sie verbringen doppelt soviel Zeit am Computer wie
Mädchen, die wiederum mehr Lesen.
Während Jungen eher ein experimentelles und spielerisches Herangehen
an die Computernutzung erkennen lassen, nutzen Mädchen den Computer
eher unter pragmatischen Gesichtspunkten.
22
3.3 Jugendalter
Für die Phase des Jugendalters werden in der Fachliteratur unterschied-
liche Altersspannen herangezogen. Wenn im Folgenden von „Jugendalter“
gesprochen wird, so bezieht sich der Beginn dieser Altersspanne hier auf
das 14. Lebensjahr.
In dieser Phase der Entwicklung sind Jugendliche in der Regel bereits in
der Lage zu logisch-schlussfolgerndem Denken. Sie können Perspektiven
und Argumentationen anderer übernehmen, aber auch die eigene Person
kritisch reflektieren. Damit sind sie in diesem Entwicklungsstadium auch
fähig, sich mit ihrer Rolle als Medienrezipienten auseinander zu setzen,
das eigene Medienverhalten wahrzunehmen und kritisch zu hinterfragen.
Eine zunehmende Distanzierung zu Inhalten und Botschaften von Medien-
angeboten wird gleichzeitig möglich.
23
Das bestimmende Thema im Jugendalter ist die Suche nach der eigenen
Identität. Hierum ranken sich Fragen der Gestaltung von Freundschaften,
der Entwicklung von Vorstellungen über Partnerschaft, die weitere
schulische und berufliche Bildung oder des Findens eigener
Wertmaßstäbe. Die Ablösung vom Elternhaus wird vollzogen. Wichtiger
Bezugspunkt in der Bewältigung der in dieser Phase anstehenden Themen
22
vgl. a.a. ., S. 11-15 bzw. auch Sächsisches Staatsministerium für Soziales 2
3
23
vgl. Schell Stolzenburg
heunert 1999
43

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
wird die Peer Group und die hier ablaufenden Kommunikationsprozesse.
Medien unterstützen diesen Entwicklungsverlauf auf verschiedene Weise.
Jugendliche nutzen ein vielfältiges Medienangebot für ihre Bedürfnisse,
wobei sich die jeweiligen Vorlieben stetig ändern. Medien sind selbstver-
ständlicher Bestandteil ihres Alltages. Ein hohes und differenziertes
Wissen über die Spezifik von Angeboten und Genres geht hiermit einher.
Typisches Jugendmedium ist in dieser Entwicklungsphase die Musik,
sowohl in identitätsstiftender als auch abgrenzender Funktion gegenüber
den Eltern oder auch anderen Gruppen Gleichaltriger. Aber auch der
Computer behält seinen hohen Stellenwert, wird jedoch im Laufe der
Altersphase immer mehr als ein Arbeitsmittel genutzt.
24
Einen wichtigen Part nimmt ebenfalls das Fernsehen ein, wobei sich
dessen Bedeutung im weiteren Altersverlauf zu relativieren scheint und
sich hier wie auch bezogen auf andere Medien geschlechtsspezifische
Nutzungsmuster und Umgangsweisen herausdifferenzieren.
Wichtig sind für Jugendliche zudem das Telefonieren und der Austausch
von Informationen über das Internet, was den betont kommunikativen
Charakter der Mediennutzung unterstreicht. BARTHELMES und SANDER
beobachteten in ihrer an Mädchen und Jungen durchgeführten Längs-
schnittuntersuchung, dass Medien trotz ihrer Bedeutung im Alltag von
Jugendlichen für sie dennoch insgesamt eher zweitrangig sind. Stabile
Freundschaftsbeziehungen sind ihnen wichtiger als die Medien.
25
Wie bereits angedeutet liegen der Mediennutzung im Jugendalter ver-
schiedenste Bedürfnisse zugrunde. Vorrangig werden Medien von Jugend-
lichen genutzt, um soziale Kontakte aufzubauen und zu realisieren. Medien
werden zum Thema für Gespräche mit Freunden oder Familienmitgliedern,
auch um im Gespräch nach eigenen Orientierungen zu suchen und
aktuelle Problemlagen zu bearbeiten. Medienerlebnisse markieren oft
wichtige Punkte der eigenen Biografie und dienen damit der
Vergewisserung der eigenen Person. In den Medien bzw. im
Medienkonsum suchen Jugendliche aber auch nach Möglichkeiten der
Unterhaltung, Spannung und Entspannung, um die hohen und vielfältigen
Anforderungen der verschiedenen Sozialisationsbereiche zu bewältigen.
Die hier deutlich werdende „Korrespondenz zwischen Realwelten und
Medienwelten“
26
zeigt die entwicklungsfördernden Potentiale einer ange-
messenen Mediennutzung auf.
24
vgl. auch Sächsisches Staatsministerium für Soziales 2
4
25
vgl. Barthelmes Sander 2
1
2
a.a. ., S.288
44

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
3.4 Chancen und Risiken der Mediennutzung
Die modernen Informations- und Kommunikationsmedien sind ein wichtiger
Teil des gesellschaftlichen Zusammenlebens einschließlich der Berufs- und
Arbeitswelt geworden. Kinder und Jugendliche wachsen heute in eine
Wissensgesellschaft hinein, in der ein kompetenter und selbstbestimmter
Umgang mit den Medien als Kulturtechnik aufgefasst wird.
Darüber hinaus sind Medien als Aspekt ihrer Lebenswelt Bestandteil des
Sozialisationsprozesses von Kindern und Jugendlichen. Wie bereits in den
vorangegangenen Kapiteln dargestellt, können sie bei der Bewältigung von
Entwicklungsaufgaben vielfältige Funktionen wie u.a. des Findens eigener
Orientierungen erfüllen oder auch Hilfen zur Bearbeitung eigener aktueller
Fragen und Themen bieten. Dabei ist davon auszugehen, dass
Mediennutzungen aktive Prozesse zielgerichteter Auswahl von Themen
und deren Bearbeitung sind. So stellen BARTHELMES und SANDER fest,
dass sich Jugendliche über Prozesse para-sozialer Interaktion zu den
Medieninhalten und -figuren aktiv in Beziehung setzen, Rollen übernehmen
und diese in ihrer Relevanz für ihr eigenes Leben bewerten.
27
Demgegenüber werden jedoch auch Risiken der Mediennutzung für Kinder
und Jugendliche diskutiert. Dabei konzentriert sich die Auseinandersetzung
unter anderem auf die Frage der
Wirkung medialer Gewaltdarstellungen
sowie auf den
Einfluss der Werbung
auf Einstellungen und Verhalten von
Kindern und Jugendlichen.
Nicht in allen Bereichen, in denen Risiken für die Entwicklung von Kindern
und Jugendlichen angenommen werden, hat die Medienwirkungsforschung
beigetragen, Einflüsse und Bedingungen zu erhellen.
28
So wurde von den
Autoren des Dritten Zwischenberichtes der Enquete- Kommission „Zukunft
der Medien in Wirtschaft und Gesellschaft...“ das Wissen über die Einflüsse
sog. neuer Medien als weitestgehend unbekannt eingeschätzt, während
der Bereich „Gewaltdarstellungen im Fernsehen“ als am ausgiebigsten
untersucht bewertet wurde. Diese Forschungssituation sollte bei der
Diskussion um „Risiken“ bedacht werden.
Bezüglich von
Gewaltdarstellungen
dominiert in der gegenwärtigen
Medienforschung mittlerweile die Auffassung, dass Medienkonsum einge-
bettet ist in ein komplexes Bedingungsgefüge der Lebenswelt, die als Basis
für das Wirksamwerden medialer Einflüsse angesehen werden kann.
27
a.a. ., S.59
28
vgl. ritter Zwischenbericht der En uete-Kommission „Zukunft der Medien “
zum hema Kinder- und Jugendschutz im Multimediazeitalter 1998
45

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Eventuelle Zusammenhänge zwischen dem Konsum medial inszenierter
Gewalt und einer Neigung zu aggressiven Handlungen beim Zuschauer
sind nicht
kausal
erklärbar.
29
Es besteht weiterhin die Auffassung, dass Medieninhalte bzw. Gewalt-
darstellungen innerhalb dieses Bedingungsgefüges verstärkend wirken,
bereits vorhandene Einstellungen und Potentiale oder Ängste unterstützen
können.
30
Um den Einfluss von medialen Gewaltdarstellungen erfassen zu können,
sind Aspekte zu berücksichtigen, die sich zum einen auf die Qualität der
Inhalte und der Dramaturgie und die jeweiligen Bedeutungszuweisungen
des Rezipienten, andererseits jedoch wesentlich auf die Faktoren der
Lebenswelt, individuelle Erfahrungen, Entwicklungsbesonderheiten sowie
das soziale Netzwerk beziehen.
31
So ist es u.a. entscheidend, wie nah das Gezeigte die Lebenswelt des
Kindes bzw. Jugendlichen berührt und vorhandene Ängste aktualisiert.
Forschungen kamen zu dem Ergebnis, dass die in Zeichentrickfilmen
gezeigte Gewalt, von Kindern anders wahrgenommen und bewertet wird
als von Erwachsenen, wobei auch hier emotionale Reaktionen möglich
sind.
In Bezug auf die Frage nach der Wirkung von problematischen
Computer-
spielen
existieren unterschiedliche bzw. widersprüchliche Forschungs-
ergebnisse. Nach aktuellen Erkenntnissen verbieten sich auch in diesem
Bereich der Wirkungsforschung monokausale Erklärungen zum Zusam-
menhang zwischen virtuell dargestellter und realer Gewalt.
32
Die Frage
nach der Wirkung dieser Spiele kann demnach nur beantwortet werden,
wenn die individuellen Spiel- und Verarbeitungsprozesse, die Bedeutung
dieser Spielinhalte für die Spieler bzw. die Austauschprozesse zwischen
Spieler und Medium in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses rücken.
So stellen sich Wirkungen in jedem Fall individuell dar.
Aus pädagogischer Sicht erscheint es deshalb sinnvoller danach zu fragen,
weshalb das jeweilige Spiel fasziniert, und welche Bedürfnisse und
Themen hier aufgegriffen werden.
Im Umgang mit der Rezeption von Gewaltdarstellungen in Medien sollte
neben einer begleitenden Aufarbeitung des Gesehenen vor allem die
Frage gestellt werden, welche Bedürfnisse und Wünsche von Kindern und
29
vgl. Rogge 1999
3
vgl. Rogge, in: Becker- extor
extor
31
vgl. Rogge 1999
32
vgl. Fritz 2
2
46

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Jugendlichen im Konsum gewalthaltiger Szenen und Spiele zugrunde
liegen. Damit bietet sich für Eltern und pädagogische Fachkräfte die
Chance, „Zeichen“ der Kinder und Jugendlichen wahrzunehmen und
Möglichkeiten anzubieten, aktuelle Bedürfnisse nach Eigenständigkeit und
Autonomie, nach körperlichen Erfahrungen oder des Umgangs mit
Gefühlen im pädagogischen Prozess aufzugreifen.
Fragen von Eltern und pädagogischen Fachkräften bezüglich des Medien-
angebotes und seiner Wirkung sind oft auch auf die sogenannten
Daily
Soaps
im Fernsehen gerichtet. Diese können durchaus auch sozialisa-
torisch wirken und insbesondere bei Jugendlichen zur Auseinandersetzung
mit Alltagsthemen beitragen. Die hier thematisierten Einstellungen und
Haltungen werden von den Jugendlichen nicht nur einfach übernommen,
sondern sie können Anlass sein zur Auseinandersetzung mit den
vermittelten Normen, Werten, Rollen, Wünschen und Phantasien im
Rahmen von Gesprächen mit der Familie und Freunden.
33
Das Beispiel der Daily Soaps und die Tatsache, dass diese über ver-
schiedene Medien wiederum beworben werden, leitet zu einem weiteren
Themenkreis über, mit dem sich Eltern und Pädagogen auseinander-
setzen: der Einfluss der Werbung auf Kinder und Jugendliche.
Für Kinder ist
Werbung
heute in nahezu allen Lebensbereichen präsent.
Kinder sind eine ausgewiesene Zielgruppe der Werbewirtschaft, die mit
Figuren, Aufklebern, Sammelbildern, Sweatshirts u.v.m. um Kinder und
deren Eltern wirbt. Werbung kommt mit Motiven der Dazugehörigkeit, des
Lebensstils und des Erfolgsgefühles den Bedürfnissen von Kindern und
Jugendlichen entgegen. Die Zusammenhänge zwischen dem Appell eines
Werbespots und der Kaufhandlung sind jedoch komplex und nicht linear
darstellbar. Die emotionalen Einflüsse der Fernsehwerbung beispielsweise
müssen u.a. auch im Kontext des Konsumklimas betrachtet werden, in
dem Kinder heute aufwachsen. Eine kritische Distanz bei Kindern und
Jugendlichen zur Werbung bedeutet nicht, unbeeinflussbar zu sein. Hier ist
besonders die sich erst mit zunehmenden Alter entwickelnde Fähigkeit von
Kindern34 zu benennen, Werbe- und redaktionelle Sendungen zu
unterscheiden sowie auch die Absicht von Werbung zu durchschauen und
auf das eigene Verhalten anzuwenden.
35
33
vgl. Mikos 1997
34
vgl. Kapitel 2.1 und 2.2 der rientierungshilfe
35
vgl. Rogge 1999
47

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
4 Medienerziehung als Aufgabe des erzieherischen
Kinder- und Jugendschutzes
Medienerziehung als Aufgabe des erzieherischen Kinder- und
Jugendschutzes im Kontext anderer medienerzieherischer
Handlungsfelder der Jugendhilfe
Das Kinder- und Jugendhilfegesetz misst den erzieherischen Angeboten
des Kinder- und Jugendschutzes eine herausgehobene Bedeutung für die
Tätigkeit im Bereich der Jugendhilfe bei. Aus der Erkenntnis heraus, dass
Gefährdungen der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch eine
Verstärkung vorhandener Problemlagen und Dispositionen der Persön-
lichkeit und ihrer Sozialisation entstehen können, soll der erzieherische
Kinder- und Jugendschutz nach § 14 SGB VIII persönlichkeitsstärkende
und kompetenzfördernde Angebote für junge Menschen bereithalten.
Um Entwicklungsgefährdungen im Umfeld medialer Produktionen vorzu-
beugen, werden innerhalb solcher Angebote Kompetenzen der Kritik-
fähigkeit, Entscheidungsfähigkeit, der Eigenverantwortlichkeit und der Ver-
antwortung gegenüber anderen Menschen betont. Junge Menschen sollen
beispielsweise lernen, sich mit medialen Inhalten und Botschaften kritisch
auseinander zu setzen oder Handlungsentscheidungen im Umgang mit
Medien zu treffen.
Ein weiterer Akzent des Kinder- und Jugendschutzes bei der Förderung
von Medienkompetenz im Rahmen von Medienerziehung stellt im
Vergleich zu den Handlungsfeldern der Jugend- und Jugendsozialarbeit
die Tatsache dar, dass insbesondere Eltern und weitere an der Erziehung
beteiligte Personen befähigt werden sollen, diese Medien- (bzw. Lebens-
)kompetenzen bei jungen Menschen zu unterstützen.
Arbeitsschwerpunkte und Aufgaben der Medienerziehung im Rahmen
des Kinder- und Jugendschutzes
Medienerzieherische Anknüpfungspunkte und Aufgaben des Kinder- und
Jugendschutzes sind Bestandteil unterschiedlicher Leistungsbereiche der
Jugendhilfe. Diese können sich demzufolge nicht nur auf die Tätigkeit von
Fachkräften für Kinder- und Jugendschutz beschränken, sondern müssen
sich auch in anderen Leistungsfeldern der Jugendhilfe wiederfinden.
Medienerzieherische Arbeitsschwerpunkte im Sinne des Kinder- und
Jugendschutzes ergeben sich aus den in der Empfehlung des Sächsischen
Landesjugendamtes zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen
48

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
genannten Aufgaben für Kinder- und Jugendschutzfachkräfte.
36
Darüber
hinaus sollte die Wahrnehmung medienbezogenen Verhaltens von Kindern
und Jugendlichen, die sowohl die Bedürfnisse, Kompetenzen und
Nutzungsweisen
37
als auch mögliche Entwicklungsgefährdungen berück-
sichtigt, Ausgangspunkt für medienerzieherische Informations-, Beratungs-
und Bildungsangebote an junge Menschen sowie Eltern und weitere an der
Erziehung beteiligte Personen sein.
In Abhängigkeit von den jeweiligen Bedarfen können bei der
Durchführung
von medienerzieherischen Angeboten für Kinder und Jugendliche
im Rah-
men des Kinder- und Jugendschutzes folgende Anliegen
38
beispielhaft
im
Mittelpunkt stehen:
x
Vermittlung von Orientierungswissen hinsichtlich medialer Angebote
(z.B. Programmstrukturen und –genres);
x
Vermittlung von Wissen über medientypische Gestaltungsmöglichkeiten
und deren Wirkung, auch über die Produktion eigener Beiträge ;
x
Vermittlung von Grundlagen des Jugendmedienschutzes (u.a. Gesetze,
Strukturen)
x
das Erkennen eigener Nutzungsgewohnheiten und Bedürfnisse in Bezug
auf Medien;
x
Förderung von Fähigkeiten, mediale Angebote selbstbestimmt (im Sinne
eigener Bedürfnisse) zu nutzen (Gegenüberstellung von bedürfnis-
bezogenen Erwartungen an Medienangebote und deren Erfüllung);
x
Unterstützung, eigene Medienerfahrungen zu thematisieren und zu
verarbeiten;
x
Förderung der Fähigkeit, sich vor belastenden Medieneinflüssen zu
schützen;
x
das Erkennen von Medienwirkungen auf Seiten der eigenen Person
(kognitiv, emotional, handlungsbezogen) sowie bei anderen Menschen;
Neben diesen medienspezifischen Anliegen
39
sind weiterhin auch eher
unspezifische Herangehensweisen einer allgemeinen Förderung von
Lebenskompetenz
40
für medienerzieherische Ziele bedeutsam. So sollten
Kinder und Jugendliche im Umgang mit Medien entsprechend ihrer
Bedürfnisse verschiedene Handlungsalternativen in und außerhalb des
Medienangebotes kennen und Handlungskompetenzen zur Umsetzung
dieser Alternativen erwerben.
3
vgl. Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales 2 1
37
vgl. Kapitel 2.1 bis 2.3 der rientierungshilfe
38
vgl. auch Kapitel 1.3 der rientierungshilfe
39
gl. Aufenanger Six 2
1
4
gl. Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales 2 1
49

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Aufgabe von Medienerziehung im erzieherischen Kinder- und
Jugendschutz ist es auch,
medienpädagogische Kompetenzen von Eltern,
Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen
zu stärken. Sie sollen befähigt werden,
mit dem Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen angemessen
umzugehen, medienerzieherische Konzepte und Strategien in den
pädagogischen Alltag einzubeziehen und medienerzieherische Angebote
zu entwickeln.
Dabei erscheint es wichtig, dass die jeweiligen Bedürfnisse und Fragen
von Erziehungspersonen auch Anlässe darstellen sollten, entsprechende
Angebote der Information, Beratung und Fortbildung durchzuführen.
Ausgangspunkt können dabei u.a. die Medienkompetenzen der Beteiligten
selbst sein. Darüber hinaus sollten diese darin unterstützt werden,
medienbezogenes Verhalten sowie auch eventuelle Gefährdungen im
Bezug auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wahrzunehmen
und zu bewerten.
Sie sollten in die Lage versetzt werden, die Themen und Konflikte im
Gespräch aufzugreifen, ein Verständnis hierfür zu entwickeln und zur
Verarbeitung von Medienerlebnissen zu ermuntern. Als Basis können dafür
Kenntnisse über entwicklungspsychologische Grundlagen des Medien-
verhaltens im allgemeinen, altersspezifische Kompetenzen der Aneignung
von Medien sowie mögliche zugrundeliegende Bedürfnisse und Motive des
Mediengebrauchs angesehen werden.
5 Qualitätsanforderungen an die medienerzieherische Arbeit
im Kinder- und Jugendschutz
Vor dem Hintergrund der im erzieherischen Kinder- und Jugendschutz
insgesamt zu beobachtenden Qualitätsunterschiede hat das Thema der
Qualitätsentwicklung und der Qualitätsanforderungen auch in diesem
speziellen Arbeitsfeld einen besonderen Stellenwert. So sind es im Kinder-
und Jugendschutz vielfältige gesellschaftspolitische Erwartungen, die
fachliche Diskussionen im Umgang mit dem Medienverhalten von Kindern
und Jugendlichen dominieren und auf diese Weise fachliche Aushand-
lungsprozesse hinsichtlich der Bedarfe und Zielbestimmungen von medien-
erzieherischen Angeboten entsprechend beeinflussen.
Sehr knappe personelle Ressourcen, die ihrerseits im Missverhältnis zu
dem in diesem Arbeitsfeld notwendigen Grad fachlicher Spezialisierung
stehen, begrenzen zusätzlich fachliche Herangehensweisen an das
Thema.
50

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Kinder- und Jugendschutzaufgaben werden in diesem Zusammenhang oft
an benachbarte Arbeitsfelder delegiert, deren Ziele - was die Medien-
pädagogik anbelangt - eher einem allgemeinen Bildungsanliegen entstam-
men als dem des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.
41
Das Instrument der Qualitätsentwicklung - ein Erfordernis in allen Hand-
lungsfeldern der Jugendhilfe - will dazu beitragen, Angebote und Leis-
tungen zu verstetigen, indem es eine zielorientierte, auf entsprechenden
Bedarfslagen begründete Arbeit fördert, das Ausmaß der Zielerreichung
versucht festzustellen und somit eine fachlichen Qualifizierung sowie
Verbesserung der Rahmenbedingungen und Bereitstellung notwendiger
Ressourcen begründet. Qualitätsentwicklungsprozesse sollen helfen, die
Erwartungen der verschiedenen Beteiligten wahrzunehmen, diese
aufeinander abzustimmen und sich somit auch mit rein quantitativ
ausgerichteten Qualitätskriterien auseinander zu setzen.
Um die Qualität von medienerzieherischen Angeboten im Kinder- und
Jugendschutz weiterzuentwickeln, werden im folgenden Rahmenbe-
dingungen und Anforderungen der Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität
benannt, die innerhalb solcher Projekte als besonders bedeutsam er-
scheinen. Diese sollen helfen, jeweils projektbezogen konkrete und nach-
prüfbare Standards und Indikatoren auf der Struktur-, Prozess- und
Ergebnisebene aufzustellen. Konzeptentwicklung und Evaluation werden
dabei als spezielles Qualitätserfordernis verstanden.
Personelle Anforderungen
In Ergänzung zu den in der Empfehlung des Sächsischen Landesjugend-
amtes zum Kinder- und Jugendschutz im Freistaat Sachsen genannten
Ausbildungsanforderungen sollten die in diesem Arbeitsfeld tätigen Fach-
kräfte insbesondere über folgende Kompetenzen verfügen:
x
spezielle medienpädagogische Kompetenzen
42
x
beraterische Kompetenzen
x
methodische Kompetenzen der Kinder-, Jugend- und Erwachsenen-
bildung
x
Kenntnisse des Jugendschutzrechts
Die regelmäßige Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen ist unabdingbar,
wobei hierfür der Träger entsprechende Ressourcen absichern sollte.
Ebenso sollte der Träger den Fachkräften Supervision ermöglichen.
41
gl. Faulde 2
2
42
vgl. Kapitel 3 der rientierungshilfe
51

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Sachlich-technische Ausstattung
Für die Realisierung medienerzieherischer Angebote im Kinder- und
Jugendschutz muss der Träger entsprechend seines Angebotes über die
notwendige technische Ausstattung verfügen, wobei die Möglichkeiten der
Kooperation auf örtlicher Ebene zur Nutzung von Technik geprüft werden
sollten.
Nur so ist es möglich, die hier empfohlenen ganzheitlichen Herangehens-
weisen bei der Förderung von Kompetenzen in Bezug auf Medien in die
Praxis umzusetzen.
Konzeptentwicklung und Evaluation
Um die Qualität medienerzieherischer Angebote im Jugendschutz über-
prüfen und weiterentwickeln zu können, sollen Prozesse der Konzept-
entwicklung und Evaluation stattfinden. Hierzu sollten folgende Aspekte
gehören:
x
eine Analyse des Bedarfes
x
die Ableitung von Zieldefinitionen auf unterschiedlichen Ebenen
(Rahmenziele, Handlungsziele)
x
eine Feststellung von Indikatoren auf der Struktur-, Prozess- und
Ergebnisebene zur Überprüfung ausgewählter Angebote
x
die sich an den Zielen orientierende Festlegung für Inhalte, Angebote
und Methoden
x
Reflexions- und Auswertungsprozesse zur Weiterentwicklung und
gegebenenfalls zur Modifizierung des Konzeptes und der Angebote
Zielgruppenspezifik und Partizipation
Medienerzieherische Angebote und deren Ziele sollen sich an den
Interessen und Bedürfnissen der Adressaten orientieren (Geschlecht,
Altersspezifik, Erfahrungen, Fragen, Probleme, Kompetenzen, mögliche
Gefährdungspotentiale in der Mediennutzung usw.) und dabei auch die
unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen, geschlechts-
typische Ausprägungen des Medienverhaltens berücksichtigen. Um tat-
sächliche Veränderungs- und Entwicklungsprozesse anzuregen, ist es be-
deutsam, die Adressaten des jeweiligen Angebotes schon in der Planungs-
phase zu beteiligen.
Ganzheitlichkeit von Angeboten
Entsprechend eines umfassenden und differenzierten Verständnisses von
Medienerziehung und Medienkompetenz sollen die Angebote in ihren
Zielen, Inhalten und Methoden ganzheitlich konzipiert sein, d.h. eine
Förderung kognitiver, emotionaler und sozialer Kompetenzen ein-
schließen.
52

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Langfristigkeit und Kontinuität
Medienerzieherische Angebote im Kinder- und Jugendschutz sollen lang-
fristig angelegt sein und aus diesem Grund auch auf eine Förderung und
Herausbildung von medienpädagogischen Kompetenzen insbesondere von
Eltern abzielen. Pädagogische Fachkräfte sollen zu kontinuierlicher
medienpädagogischer Arbeit in den Einrichtungen angeregt werden.
Wirksamkeit von medienerzieherischen Angeboten des Kinder- und
Jugendschutzes
Für die Bewertung der Wirksamkeit von Projekten als ein wichtiges Quali-
tätskriterium ist es notwendig, dass die beabsichtigten Wirkungen des
pädagogischen Prozesses projektbezogen beschrieben und operationali-
siert werden. Dabei geht es um die Frage, welche Erwartungen in Bezug
auf die Auswirkungen der medienerzieherischen Arbeit über das jeweilige
Angebot hinaus existieren.
Diese können sich u.a. beziehen auf:
x
Einstellungsänderungen gegenüber medienpädagogischen
Angeboten bei Eltern und anderen, an der Erziehung Beteiligten
x
die Akzeptanz und Nutzung des Angebotes durch die Zielgruppen
x
Vorhandensein medienerzieherischer Konzepte, Strategien und Angebote
in betreuten Einrichtungen.
6 Ausgewählte Handlungsfelder des Kinder- und Jugend-
schutzes bei der Förderung von Medienkompetenz
6.1 Familie – Arbeit mit Eltern
„Eine zentrale Rolle bei der Vermittlung von Medienkompetenz spielt das
Elternhaus. Schon im frühen Alter werden grundlegende Fähigkeiten und
Fertigkeiten für den Umgang mit Medien gelegt. Wie zahlreiche Unter-
suchungen jedoch zeigen, sind nur wenige Eltern auf ihre Rolle vorbereitet,
diesen Lernprozess zu gestalten“.
43
Wesentliche Bereiche der Medien-
sozialisation von Kindern finden in der familiären Umgebung statt. Das
familiäre Umfeld prägt dabei nachhaltig den Medienumgang in der Familie
und entscheidet darüber, inwieweit Interesse oder auch Desinteresse an
der Mediensozialisation der Kinder das Erziehungsklima prägen. So fühlen
sich einerseits viele Eltern aufgrund der technischen Entwicklung über-
fordert, die Mediennutzung ihrer Kinder fachkundig begleiten zu können.
43
vgl. ritter Zwischenbericht der En uete-Kommission „Zukunft der Medien...“ 1998
53

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Dazu kommt eine oft unter Eltern verbreitete Meinung, dass ein restriktiver
und allgegenwärtiger Jugendmedienschutz eine ausreichende Basis für die
Begegnung von Kindern mit den Medien sei. Medienpädagogische
Elternarbeit findet damit oft im Spannungsfeld zwischen beschützend und
kontrollierend-eingreifend orientierten Intentionen von Eltern und einem
subjektorientierten Ansatz von medienpädagogischen Fachkräften statt.
Ziele/
Anliegen
Eltern sollten zunächst motiviert werden, sich mit dem
Anliegen von Medienerziehung auseinander zu setzen.
Hierzu gehört in erster Linie auch verstehen zu lernen,
dass der kindliche Blick auf Medienangebote und damit
die Nutzung von Medien sich vom Blick des Erwachsenen
unterscheidet. Kinder suchen hier in viel stärkerem Maß
als Erwachsene Orientierung und Antworten auf Fragen
der eigenen Entwicklung, ohne dass dies Eltern oft
ausreichend berücksichtigen.
Daneben stehen aber auch immer Fragen multimedialer
Technologien, in die Kinder wie selbstverständlich hinein-
wachsen, die Erwachsenen jedoch oft fremd sind.
Eltern benötigen oft grundlegendes Orientierungs- und
Strukturwissen, um mediale Erfahrungen ihrer Kinder
einschätzen und so auch pädagogisch angemessen
reagieren zu können.
44
Gleichzeitig erfordert jedoch ein
verantwortungsvoller Umgang mit Medien die Kenntnis
der gesetzlichen Rahmenbedingungen, Regelungen und
Einflussmöglichkeiten, die dem Anliegen des Jugend-
medienschutzes Rechnung tragen.
45
mögliche
Angebote
Informations- und Beratungsangebote
Einzelfallorientierte Informations- und Beratungsangebote
im Rahmen des Kinder- und Jugendschutzes sind
Möglichkeiten, um Eltern zu befähigen, mit dem Medien-
verhalten von Kindern und Jugendlichen angemessen
umzugehen. In speziellen Fragen und Problemen können
Eltern hier eine vertrauliche Gesprächssituation erfahren,
um individuelle Lösungen und Umgangsweisen zu
entwickeln oder gewünschte Informationen zu erhalten.
Hieran gekoppelt werden können ebenso Zugangs-
44
vgl. Kapitel 1.3 der rientierungshilfe
45
vgl. Kapitel 1.1 und 3 der rientierungshilfe
54

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
angebote zu aktuellen onlinegestützten Informationen
über geeignete Medienangebote oder andere Fragen der
Mediennutzung, zu denen Eltern oftmals noch keinen
ausreichenden Zugang haben.
Eine spezielle Form ist darüber hinaus die Online-
beratung als anonymes Angebot ohne zeitliche und
räumliche Zugangsbeschränkungen. Hier bieten sich vor
allem Themen wie Erziehungs- oder Jugendschutzfragen
an, auch Empfehlungen zu geeigneten Medien für Kinder
und Jugendliche können über diesen Weg effektiv
vermittelt werden.
Informationsveranstaltungen
Sie bieten einerseits die Möglichkeit, medienbezogene
Themen umfassend und ausführlich zu behandeln, wer-
den andererseits jedoch meist nur von besonders interes-
sierten Eltern besucht. Hier können die Anbieter durch
geschickte Werbung und durch Verbindung des Themas
mit der speziellen Situation in der Einrichtung oder
Besonderheiten in der kindlichen Entwicklung durchaus
einen größeren Interessentenkreis ansprechen. So bieten
sich beispielsweise in Vorbereitung des Weihnachts-
geschäfts Informationen zu geeigneten Computerspielen
für einzelne Altersgruppen an. Dabei kann dann natürlich
auch auf kindliches Spielverhalten, Probleme exzessiven
Spielens oder auf ungeeignete Medieninhalte für Kinder
eingegangen werden.
Als weitere Themen bieten sich insbesondere für Eltern
jüngerer Kinder Fragen von Fernsehkonsum oder
Werbung an. Für Eltern älterer Kinder bzw. Jugendliche
könnten in derartigen Veranstaltungen Fragen von
Handynutzung und -verträgen, Internetnutzung, LAN-
Parties etc. im Mittelpunkt stehen.
Bildungsveranstaltungen
Diese Veranstaltungen können einerseits das elterliche
Verständnis für kindliche und jugendliche Medienaneig-
nung befördern, andererseits aber auch Handlungs-
kompetenzen für den Umgang mit Medieninhalten in der
Familie entwickeln helfen.
Diese Veranstaltungen sollten die Eltern bei ihren eige-
4
vgl. Kapitel 1.3 und 3 der rientierungshilfe
55

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
nen Erfahrungen abholen, um zu einer gemeinsamen Ge-
sprächsbasis zu gelangen, die dann idealer Weise zu
einem Erkenntnisgewinn führt.
Der Erfolg solcher Veranstaltungen hängt meist davon
ab, ob Eltern in ihren medialen Erfahrungen und
Bedürfnissen ernst genommen werden und gleichzeitig
aber auch bereit sind, eigenständige mediale Erfah-
rungen von Kindern zu akzeptieren.
Elternabende
Elternabende sind eine klassische Form der Elternarbeit,
die eine Möglichkeit bietet, mit niederschwelligem
Angebot gerade auch Eltern zu erreichen, die dem
Anliegen der Medienkompetenzförderung eher skeptisch
gegenüberstehen. Hier bieten sich in kurzgefasster Form
Informationen über Jugendmedienschutz sowie aktuelle
Entwicklungen auf dem Gebiet der Medien an. Ziel sollte
sein, Eltern für die Medienwelten ihrer Kinder zu sensi-
bilisieren sowie die Bedeutung eines bewussten
Umgangs mit Medien und Möglichkeiten der Medien-
erziehung in der Familie zu verdeutlichen und zu disku-
tieren. Dies schließt die Förderung eines Problem-
bewusstseins für Gefährdungen im Umfeld von Medien
bei Eltern ein. Wichtig ist eine entsprechende Vor-
bereitung und Einstimmung der Eltern durch die Ein-
richtung (Kindertagesstätten, Schulen, Jugendeinrich-
tungen etc.).
Familientage
Hier bietet das gemeinsame Erleben oder Gestalten von
Medien die Möglichkeit, nicht nur miteinander sondern
auch voneinander zu lernen und dabei die unter-
schiedlichen Erfahrungen und Wirkungen beim Umgang
mit Medien zu erleben.
46
Durch eigene Erfahrungen und
deren Austausch können Fähigkeiten im Umgang mit
Medien erworben und ausprobiert werden.
Darüber hinaus bieten sich Verbindungen von Medien-
techniken mit anderen Formen spielerischen Gestaltens
an. So kann z.B. eine Veranstaltung zum Thema Com-
puterspiele in einen Familientag zum Thema Spiel
eingebunden werden.
Rahmen-
Ergänzend zu den in Kapitel 6 beschriebenen Qualitäts-
56

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
bedingungen/
Anforderungen
anforderungen sind folgende Aspekte insbesondere für
Elternarbeit bedeutsam:
Partizipation in diesem Handlungsfeld heißt auch, die
Erfahrungen der Eltern anzuerkennen und für die
inhaltliche Diskussion zu nutzen.
Eltern wollen nicht belehrt werden, sie haben eigene
Erfahrungen und glauben auch meist zu wissen, „was für
ihr Kind gut ist“. Allerdings suchen sie durchaus
Hilfestellung bei der Orientierung am Markt der medialen
Angebote
.
Hilfreich sind hier konkrete Kriterien zur
Beurteilung von Medieninhalten oder Medienempfeh-
lungen für bestimmte Altersgruppen. Eltern sollten auch
deshalb im Entwickeln eigener Lösungen unterstützt
werden, um sich mit der eigenen Verantwortung und dem
eigenen Handeln auseinander zu setzen zu können.
Um auf die beschriebene Weise mit Eltern ins Gespräch
zu kommen, müssen Eltern eine Atmosphäre vorfinden,
die es Ihnen ermöglicht,
eigene Erfahrungen im Umgang
mit kindlichem Medienverhalten offen darzustellen und zu
thematisieren.
Bildungsprozesse auch im Rahmen von
Elternarbeit sollten weiterhin ganzheitlich gestaltet sein.
47
So können mediale Erfahrungen und Einsichten am
besten durch eigenes Erleben und Ausprobieren im
„geschützten Raum“ gewonnen werden und dazu
beitragen, Zugänge zur Perspektive der Kinder zu
ermöglichen.
Kontinuität als weiteres Kriterium der Qualität von
medien- bzw. jugendschutzbezogenen Angeboten der
Elternarbeit meint vor allem, diese dort zu unterstützen
und zu verorten, wo sich Eltern bzw. deren Kinder
aufhalten: in Kindertageseinrichtungen, Schulen, Jugend-
einrichtungen, Einrichtungen der Familienbildung. Hierzu
ist der Aufbau von regionalen Kooperationsstrukturen
erforderlich, die eine Zusammenarbeit zwischen diesen
Einrichtungen, den örtlichen Kinder- und Jugendschutz-
fachkräften sowie medienpädagogisch tätigen Trägern
unterstützen.
47
vgl. Kapitel 4. der rientierungshilfe
57

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
6.2 Kindertageseinrichtungen
Medien sind Teil des kindlichen Lebens und damit auch für jüngere Kinder
Bestandteil des Alltages. Medienthemen liefern Gesprächsanlässe und
bilden damit eine Basis für das Verstehen der kindlichen Lebenswelt.
Insofern sollte Medienerziehung früh beginnen und neben der Familie auch
in Kindertageseinrichtungen verortet werden.
Ziele /
Anliegen
Medienerzieherische Anliegen in der Kindertageseinrich-
tung müssen insbesondere Alter und Entwicklungsstand
der Kinder, deren physische und psychische Belast-
barkeit, aber auch deren Medienerfahrungen und -
kompetenzen
48
berücksichtigen. Zu wissen, wann und wie
das Kind in der Lage ist, mediale Informationen teilweise
oder in ihrer Gesamtheit zu erfassen, ist grundlegend, um
Anknüpfungspunkte für den Umgang mit Medien im
Kindesalter zu entwickeln.
Die Themen der Kinder im Umgang mit den Medien
und deren medienbezogene Äußerungen sind somit
Ausgangspunkt für kinder- und jugendschutzbezogene
Anliegen
von Medienerziehung
49
, d.h. Kinder zu be-
fähigen:
x
Medieninhalte und Medienerfahrungen zu be- und
verarbeiten
x
Medienwirkungen auf Seiten der eigenen Person zu
erkennen
x
eigene Bedürfnisse in bezug auf die Mediennutzung
wahrzunehmen
x
Medien entsprechend eigener Bedürfnisse zu
nutzen
x
Handlungsalternativen in bezug auf eigene
Bedürfnisse kennen zu lernen
x
Nutzungsgewohnheiten und -regeln im Umgang mit
Medien zu entwickeln
x
unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten zu
erfahren
48
vgl. Kapitel 2.1 der rientierungshilfe
49
vgl. Kapitel 3 der rientierungshilfe
58

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
59
Inhalte/
Aufgaben
Auf der Basis konzeptioneller Überlegungen zur Medien-
erziehung in der Kindertageseinrichtung kann die inhalt-
liche Auseinandersetzung:
x
situativ im Alltag erfolgen und somit eher auf das
gesamte pädagogische Angebot bezogen sein
(Antworten auf medienbezogene Fragen und
Themen der Kinder bzw. aktives Erfragen von
Medienerfahrungen).
x
Angebotscharakter haben.
x
als Projekt initiiert werden.
Dabei ist weniger das einzelne Projekt von Bedeutung,
als vielmehr ein medienerzieherisches Konzept, welches
kontinuierlich in den pädagogischen Alltag einfließt und
Raum für
individuelle und gruppenbezogene Gespräche
bereithält.
Medienthemen und -erlebnisse sollten nicht als Stör-
faktoren, sondern als Anlässe und Anknüpfungspunkte
für gemeinsame Gespräche zwischen Kindern und
Erziehern begriffen werden. Hier geht es unter anderem
darum, Kinder zu ermuntern, über ihre Medien-
erfahrungen zu sprechen, und sie bei der Verarbeitung
von Medieninhalten zu unterstützen, indem Ansichten
und Meinungen dargestellt werden können. Zudem
besteht hier aber auch für die Erzieher die Chance, die
individuelle Bedeutung der Medienfiguren und -themen
und deren Nachahmungen näher kennen zu lernen,
eventuelle Gefährdungen vor dem Hintergrund indivi-
dueller Verarbeitungsweisen einschätzen zu können
sowie auch Alternativen anzubieten.
Gespräche in der Gruppe können mit unterschiedlichen
methodischen Angeboten verbunden werden. Diese
unterstützen Kinder darin, ihre Eindrücke zu dokumen-
tieren, zu kommentieren und zu differenzieren und so die
Qualität des Medienangebotes aus ihrer Sicht einzu-
schätzen.
x
Vorlesen
x
gemeinsames Anschauen oder Anhören von
Filmen, Hörkassetten usw.
x
kreatives Gestalten
x
Rollenspiele
x
Bewegungsspiele u.a.m.

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Darüber hinaus können Kindern
Räume zum Auspro-
bieren und Experimentieren
zur Verfügung gestellt
werden, in denen sie unterschiedliche Nutzungsmöglich-
keiten von Medien, z.B. des Computers, erfahren und
darin unterstützt werden, diese bedürfnisgerecht zu
nutzen: um Informationen zu sammeln, zur Unterhaltung
und Entspannung, zur Darstellung der eigenen Person,
zur Auseinandersetzung mit individuellen Fragen und
Themen. Das Erarbeiten von Nutzungsregeln trägt dazu
bei, angemessene Nutzungsgewohnheiten zu befördern.
Voraussetzung für diese Möglichkeiten des Experimen-
tierens ist insbesondere eine pädagogische Begleitung,
die bei auftretenden Fragen unterstützt, aber auch Ange-
bote der Reflexion unterbreitet.
Weitere inhaltliche Anknüpfungspunkte bestehen im
Gestalten von Medien
. Diese Aktivitäten können insbe-
sondere auch die Fähigkeit unterstützen, Medieninhalte
als gestaltbare Produkte menschlichen Handelns zu ver-
stehen und somit auch kritische Haltungen zu entwickeln.
Rahmen-
bedingungen/
Anforderungen
Entsprechend der in Kapitel 6 der Orientierungshilfe ge-
nannten Anforderungen stellen personelle Vorausset-
zungen und vorhandene medienpädagogische Kompe-
tenzen entscheidende Bedingungen einer Mediener-
ziehung in diesem Handlungsfeld dar. Medienpädago-
gische Kompetenz schließt dabei die Kompetenz des
Erwachsenen im Umgang mit Medien ein.
Fachkräfte müssen bereit sein, eigene Einstellungen und
gegebenenfalls auch Vorurteile gegenüber dem Medien-
gebrauch aufzuspüren sowie eigene Nutzungsgewohn-
heiten kritisch zu prüfen. Sie müssen des weiteren die
Medienerfahrungen der Kinder, die jeweiligen Sen-
dungen, Filme, Spiele usw. kennen und sich selbst mit
den Inhalten auseinander setzen. Außerdem ist die Be-
reitschaft,
grundlegende
technische Kenntnisse und
Fähigkeiten der Handhabung von Medien anzueignen,
von Bedeutung.
Medienerziehung in der Kindertageseinrichtung stellt
insbesondere einen Prozess des Miteinanderagierens
dar. Um medienerzieherische Anliegen wirksam um-
zusetzen, sind deshalb insbesondere partizipative
Formen des gemeinsamen Umgangs zu gestalten.
60

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
So sollte sich die inhaltliche Auseinandersetzung und die
Auswahl der Themen an den Interessen und am
Verständnis der Kinder orientieren. Kinder brauchen die
Verbindung zwischen Bekanntem und Neuem, um neue
Erkenntnisse und Fähigkeiten zu erlangen bzw. ihre
Umwelt bewusst wahrzunehmen.
Angebote und Projekte auch der Medienerziehung
basieren grundsätzlich auf Freiwilligkeit.
Um Medienerziehung wirksam zu gestalten, ist mit Blick
auf die Rahmenbedingungen die Zusammenarbeit mit
den Eltern von Bedeutung. Hierbei muss es darum
gehen, Eltern zu beteiligen, ihnen die jeweiligen Anliegen
transparent zu machen, diese in einen Austausch zu
bringen und schließlich auch die Eltern zu motivieren,
eigene Strategien im Umgang mit Medien zu entwickeln
und zu reflektieren.
Besonders im Bereich der Kindertageseinrichtungen
sollte Technik eingesetzt werden, die dem Anliegen der
Arbeit mit jüngeren Kindern entspricht.
6.3 Jugendarbeit
Junge Menschen nutzen Medien im allgemeinen souverän und vielseitig –
als Mittel zur Kommunikation, als soziokulturelle und emotionale
Ausdrucksform oder einfach nur als Freizeitspaß.
50
Sie zeigen einerseits vielseitige technische Kompetenzen, andererseits
eine hohe Virtuosität in der Auswahl der Medienangebote. Gleichzeitig
begleiten die altersspezifischen Medienthemen (z.B. Musiksender etc.) den
Alltag junger Menschen, prägen Wünsche und Einstellungen und tragen
damit elementar zur Entwicklung des eigenen Werte- und
Normverständnisses bei.
Medienerzieherische Arbeit in Jugendeinrichtungen bietet somit auch eine
große Chance, über die Medienthemen Einblicke in die Lebenswelt von
Kindern und Jugendlichen zu erhalten, die anderenfalls möglicherweise
verborgen blieben. In diesem Sinne sollte das Medienverhalten junger
Menschen selbstverständlich im Blick pädagogischer Fachkräfte in den
Einrichtungen der Jugendarbeit sein.
Ziele/
Anliegen
Jugendarbeit orientiert sich an den Interessen und
Bedürfnissen Jugendlicher. Daher sollten sich die
5
vgl. Kapitel 2.3 der rientierungshilfe
61

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Themen des Kinder- und Jugendschutzes in diese
Angebote einordnen und mit ihnen verknüpft werden.
Um medienerzieherische Ziele entwickeln zu können,
müssen unter anderem zunächst Fragestellungen beant-
wortet werden, die die Interessen, Fragen und
Bedürfnisse jeweiliger Adressaten, deren Entwicklungs-
stand und Kompetenzen, jeweilige Medienvorlieben und –
nutzungen, mögliche Gefährdungen u.a. einbeziehen.
Des weiteren gilt es zu u.a. auch zu klären, wie andere
Angebote der Einrichtung genutzt werden, welche
Beziehungen zu deren Mitarbeitern und Nutzern
bestehen. Neben vorhandenen fachlichen Kompetenzen
und Fähigkeiten der Mitarbeiter sind außerdem räumliche
und technische Ausstattungen zu berücksichtigen.
Medienerzieherische Zielstellungen in der Jugendarbeit
beziehen unterschiedliche Dimensionen ein. Sie bean-
spruchen weit mehr als die Bereitstellung eines Freizeit-
angebotes: Ausgehend von ihren speziellen Bedarfen
geht es um die Schaffung von Zugängen, die Entwicklung
eigener Kompetenzen beim Umgang mit neuen Medien
sowie deren Risiken. Kompetenz meint dabei nicht
vorrangig die bei Jugendlichen bereits sehr differenziert
vorhandenen technischen Fertigkeiten, sondern die
Auseinandersetzung mit Inhalt und Botschaft der Medien
sowie der entsprechenden Nutzungsgewohnheiten mit
dem Ziel eines reflektierten Umganges
.
51
Jugendarbeit kann hierfür an den für das Jugendalter
typischen Interessen und Entwicklungsbesonderheiten
52
wie beispielsweise der kritischen Auseinandersetzung mit
Geschehnissen in der Welt und deren Bewertung
anknüpfen sowie im Hinblick auf einen Rückbezug auf
das eigene Handeln begleitend wirken.
Eltern können dem angesprochenen technischen Kom-
petenzvorsprung manchmal nur schwer begegnen.
Damit kann die Förderung medienpädagogischer Kompe-
tenzen von Eltern als kinder- und jugendschutzbezogene
Zielstellung entsprechend § 14 SGB VIII Anliegen von
Jugendarbeit und deren Angeboten werden.
51
vgl. Kapitel 1.3 und 3 der rientierungshilfe
52
vgl. auch Kapitel 2.2 und 2.3 der rientierungshilfe
62

image
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
mögliche
Angebote
Die Angebotsstruktur kann vom zielorientierten Bera-
tungsgespräch über offene Angebotsformen bis hin zur
festen Arbeitsgemeinschaft reichen. Folgende Formen
sollen hier als Auswahl des Angebotsspektrums beispiel-
haft dargestellt werden.
Beratungs- und Gesprächsangebote
Medienerzieherische Arbeit bedeutet in diesem Rahmen
vor allem auch, für das Gespräch mit Kindern und
Jugendlichen sowie deren Eltern zur Verfügung zu
stehen. Hierbei können Fragen der Mediennutzung, der
Auseinandersetzung mit medialen Vorbildern und
Szenen, damit der Zugehörigkeit zu kulturellen Stilen
aufgegriffen werden, um eine Verarbeitung von Medien-
erfahrungen anzuregen und auf das eigene Verhalten zu
beziehen.
Gesprächssituationen können Anlass sein, sog. Orien-
tierungs- und Strukturwissen zu erarbeiten.
Offene Angebote
Offene Angebote der Medienerziehung in der Kinder- und
Jugendarbeit zeichnen sich durch ihre Flexibilität und
Dynamik aus. Sie sollten schnell und unkompliziert auf
Medienthemen von Kindern, Jugendlichen und deren
Eltern bzw. weitere an der Erziehung Beteiligte eingehen
und durch eine gewisse Niederschwelligkeit einen breiten
Adressatenkreis erreichen. Medienerzieherisch bestehen
vielfältige Möglichkeiten gemeinsamer Rezeption oder
des Zur-Verfügung-Stellens offener Räume zum Experi-
mentieren und Ausprobieren, in denen eigene Ideen
entwickelt und umgesetzt werden können.
Auch können dies Informationsveranstaltungen sein, die
Kinder, Jugendliche oder deren Eltern in die Nutzung des
Internet u.a. einführen und somit Kompetenzen der
Medienkunde und Nutzung beispielsweise über das
Erarbeiten von Nutzungsregeln befördern.
Eine besondere Herausforderung stellen offene parallele
Angebote für Jugendliche und deren Eltern dar, in denen
beispielsweise gemeinsam bzw. in getrennten Gruppen
gearbeitet, an verschiedenen Stellen ein Austausch
organisiert wird und somit vor allem auch Eltern in die
Lage versetzt werden, Techniken zu erlernen, Vor-
63

image
rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
stellungen, Sichten und Erlebnisse von jungen Menschen
zu verstehen, zu akzeptieren und ein gemeinsames
Nachdenken über Medien und deren Inhalte eröffnen.
Projekte
Projektarbeit eignet sich, um unter einer thematischen
Zielstellung in einem abgegrenzten Zeitraum (Ferien,
Schuljahr, Woche) ein spezifisch zielgruppenorientiertes
Angebot zu gestalten. Neben Projekten in den Jugend-
freizeiteinrichtungen selbst bieten sich hier insbesondere
Vernetzungen zu weiteren Trägern an (Schulprojekt-
wochen, Radioworkshop, SAEK etc.). Die Themen für
Projektarbeiten sollten der Lebenswelt der Kinder und
Jugendlichen entstammen und medienerzieherische
Fragestellungen des Kinder- und Jugendschutzes einbe-
ziehen. Ausgangspunkt für Projektthemen kann z.B. das
Interesse am aktuellen Medien- bzw. Weltgeschehen
sein, zu denen sich junge Menschen in Beziehung
setzen, um eigene Vorstellungen und Werte auszu-
formen. Medienkompetenzen können hier u.a. über eine
vergleichende Auseinandersetzung mit Inhalten, Bot-
schaften, Darstellungsweisen, Programmstrukturen u.a.
unterstützt werden. Eine Einbeziehung von Eltern und
anderen Erziehungsberechtigten kann auch bei dieser
Form der Angebote unterstützend wirken.
Arbeitsgemeinschaften
Im Gegensatz zu Projektarbeit kennzeichnet Arbeits-
gemeinschaften ein fester Teilnehmerkreis und ein regel-
mäßiger Treffpunkt. Ziel kann es u.a. sein, sich medien-
oder themenspezifisch über einen längeren Zeitraum
auseinander zu setzen (AG „Webseitengestaltung“,
Radio- oder Video-AG) und dabei unterschiedliche
Facetten eines Themas zu bearbeiten.
So kann das Interesse an Computerspielen in eine AG
münden, in deren Rahmen Kinder und Jugendliche Spiele
aus ihrer Sicht bewerten, sich mit Inhalten, Gestaltung
und Wirkungen beschäftigen, andererseits aber auch
pädagogischen Fachkräften Einblicke in die Wahr-
nehmung von Medieninhalten, deren Einschätzung und
die Ableitung pädagogischer Anliegen ermöglichen. Mit
64

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Bezug auf entsprechende Fragestellungen kann hierbei
eine Information über Grundlagen des Jugendmedien-
schutzes und die speziellen Altersfreigaben u.a. erfolgen.
Rahmen-
bedingungen/
Anforderungen
Gerade die Jugendarbeit ist ein Ort, an dem Lebens-
situationen begleitet und eine Entwicklung von Lebens-
vorstellungen unterstützt werden kann.
Medien sind eingebettet in diesen Zusammenhang und
bilden einen für Kinder und Jugendliche nicht wegzu-
denkenden Themenkreis in der eigenen Identitätsfindung.
Die Qualität der Angebote der Medienerziehung ist daher
eng verbunden mit einem gelingenden Aufgreifen und
Verarbeiten von Themen, die junge Menschen in diesem
Lebensabschnitt beschäftigen, bewegen und bestimmen.
Sie ist unverzichtbarer Bestandteil von Bildung und
Erziehung im Handlungsfeld der Jugendarbeit.
Fachkräfte sollten sich im Sinne der Entwicklung von
Partizipation und Eigenverantwortlichkeit bei der Be-
gleitung von Angeboten vorwiegend auf anregende,
impulsgebende, reflektierende sowie ggf. intervenierende
Interaktionen beschränken. Dies schließt das Setzen
bzw. Erarbeiten von Regeln und Grenzen im Sinne des
Jugendmedienschutzes ein.
Neben diesen und weiteren in Kapitel 6 genannten
Anforderungen erscheint es für eine Professionalisierung
in diesem Handlungsfeld als besonders bedeutsam,
insbesondere Ressourcen für Prozesse der Konzeptent-
wicklung und Evaluation sowie die medienpädagogische
Qualifizierung pädagogischer Fachkräfte der Jugend-
arbeit vorzuhalten.
65

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
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Medienerziehung früh beginnen.
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Medienerfahrungen von Jugendlichen, Bd.2 .München 2001
BMFSFJ (Hrsg.): Jugendschutzgesetz und Jugendmedienschutz-
staatsvertrag der Länder. Bonn 2003
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Fachdiskussion
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Medien in der Kita. Bielefeld 2004
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Landesjugendamt
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Forschung, Praxis. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1997
Fritz, J.: Wie virtuelle Welten wirken
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erschienen: 2002 (14.11.03)
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Konzeptentwicklung, Evaluation und Fachcontrolling. Eine Orientierungs-
hilfe für die Praxis der offenen Kinder- und Jugendarbeit.
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Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (Hrsg.): KIM-Studie
2003. Kinder und Medien
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06.06.2001, in: Mitteilungsblatt des Sächsischen Landesjugendamtes
Nr. 2/2001
Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk vom 30.Mai 1991,
www.mdr.de/presse/unternehmen/114587.html
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Vollbrecht, R.: Einführung in die Medienpädagogik
Weinheim und Basel 2001
Vollbrecht, R.: Jugendmedien. Tübingen 2002
68

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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Anhang
A Wohin kann man sich bei Fragen und Anliegen zum
Jugendmedienschutz wenden?
„ Filme
...
Wohin wenden, wenn
... Ihr Anliegen die Alterseinstufung von Kinofilmen, Filmen auf DVD
und Videokassetten betrifft?
Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
Kreuzberger Ring 56, 65205 Wiesbaden
(
fsk@spio-fsk.de
,
www.fsk.de
)
oder
Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden
(
staendigervertreter@spio-fsk.de
).
... Ihr Anliegen das (Fehl-)Verhalten von Kino-, Videothekenpersonal/
-betreibende betrifft?
Örtliches Jugend-/ Ordnungsamt.
… Sie einen
nicht
altersgekennzeichneten Film als jugendgefährdend
einschätzen und Sie einen Indizierungsantrag oder eine Indizierungs-
anregung vorschlagen möchten?
Eine Behörde oder ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
(nähere Informationen hierzu:
www.bundespruefstelle.de
).
… Sie wissen wollen, ob ein Film indiziert ist?
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
Postfach 140165, 53056 Bonn
(
liste@bundespruefstelle.de
).
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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Computer- und Konsolenspiele, Spielautomaten ohne
Gewinnmöglichkeit
...
Wohin wenden, wenn
… Ihr Anliegen die Alterseinstufung von Computer- und Konsolen-
spielen betrifft?
Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK)
Gubener Str. 47, 10243 Berlin
(
kontakt@usk.de
,
www.usk.de
)
oder
Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden
(
st.vertreter.oljb@usk.de
).
Unter
www.usk.de
haben Sie auch Zugriff auf eine Datenbank,
mit deren Hilfe Sie ermitteln können, für welches Alter ein
bestimmtes Computerspiel freigegeben ist.
… Ihr Anliegen die Alterseinstufung von Spielen betrifft, die in
Bildschirmspielgeräten angeboten werden?
Automaten-Selbstkontrolle (ASK),
Dircksenstraße 49, 10178 Berlin
(
ask@vdai.de,
www.automaten-selbstkontrolle.de
)
oder
Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden
(
st.vertreter.oljb@usk.de
).
... Ihr Anliegen das (Fehl-)Verhalten von Personal/ Betreibenden von
Internetcafés, Gaststätten oder anderen Gewerbetreibenden betrifft?
Örtliches Jugend-/ Ordnungsamt.
… Sie ein
nicht
altersgekennzeichnetes Computer- oder Konsolen-
spiel als jugendgefährdend einschätzen und Sie einen Indizierungs-
antrag oder eine Indizierungsanregung vorschlagen möchten?
Eine Behörde oder ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
(nähere Informationen hierzu:
www.bundespruefstelle.de)
.
… Sie wissen wollen, ob ein elektronisches Spiel schon indiziert ist?
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
Postfach 140165, 53056 Bonn
(
liste@bundespruefstelle.de
).
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Bücher, Zeitungen, Magazine und Tonträger
...
Wohin wenden, wenn
… Sie Tonaufnahmen, Hörspiele, Zeitungen, Magazine oder Bücher
als jugendgefährdend einschätzen und Sie einen Indizierungsantrag
oder eine Indizierungsanregung vorschlagen möchten?
Eine Behörde oder ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
(nähere Informationen hierzu:
www.bundespruefstelle.de)
.
… Sie wissen wollen, ob ein Medium schon indiziert ist?
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
Postfach 140165, 53056 Bonn
(
liste@bundespruefstelle.de
).
… Sie sich über die Inhalte von Zeitungen, Magazine oder die
redaktionellen Inhalte von Online-Diensten beschweren wollen?
Deutscher Presserat
Postfach 7160, 53071 Bonn
(Infos und Beschwerdeformular:
www.presserat.de
).
… Sie sich über den Inhalt einer Werbung beschweren wollen?
Deutscher Werberat
Am Weidendamm 1A, 10117 Berlin
(
werberat@werberat.de
,
www.werberat.de
).
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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
Rundfunk und Fernsehen
...
Wohin wenden, wenn
… Sie ein Anliegen haben, das die Uhrzeit der Ausstrahlung der
Sendung eines privaten Fernsehsenders betrifft oder
… Sie Fragen oder Anmerkungen zur Zulässigkeit der Ausstrahlung
einer Sendung eines privaten Fernsehsenders haben?
Die oder der Jugendschutzbeauftragte des jeweiligen Senders
oder – als Aufsichtsorgan – die Kommission für
Jugendmedienschutz
(KJM-Stabsstelle, c/o Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Heinrich-Lübke-Str. 27, 81737 München
stabsstelle@kjm-online.de
,
www.kjm-online.de
) bzw.
die jeweils zuständige Landesmedienanstalt oder
die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen e.V.
Schöneberger Ufer 1-3, 10785 Berlin
(
hotline@fsf.de
,
www.fsf.de
).
... Sie ein Anliegen haben, das die Uhrzeit der Ausstrahlung der
Sendung eines öffentlich-rechtlichen Senders betrifft oder
… Sie Fragen oder Anmerkungen zur Zulässigkeit einer Sendung
eines öffentlich-rechtlichen Senders haben?
Die oder der Jugendschutzbeauftragte des jeweiligen Senders
oder als Aufsichtsorgan der Selbstverwaltung der Rundfunkrat
des jeweiligen Senders.
Alle hier nicht genannten Anschriften finden sie in der Datenbank
„TV-Veranstalter“ auf der Homepage der Arbeitsgemeinschaft
der Landesmedienanstalten (
www.alm.de
)
.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
Internet
...
Wohin wenden, wenn
... Ihr Anliegen jugendgefährdende oder jugendbeeinträchtigende
Internetinhalte betrifft?
Kommission für Jugendmedienschutz
(KJM-Stabsstelle, c/o Bayerische Landeszentrale für neue Medien
Heinrich-Lübke-Str. 27, 81737 München
stabsstelle@kjm-online.de
,
www.kjm-online.de
),
Jugendschutz.net
Wallstraße 11, 55122 Mainz
(
hotline@jugendschutz.net
,
www.jugendschutz.net
),
Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter
Geschäftsstelle Spreeufer 5, 10178 Berlin
(
hotline@fsm.de
,
www.fsm.de
).
… Sie ein Internetangebot als jugendgefährdend einschätzen
und Sie einen Indizierungsantrag oder eine Indizierungsanregung
vorschlagen möchten?
Eine Behörde oder ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe
(nähere Informationen hierzu:
www.bundespruefstelle.de)
.
… Sie wissen wollen, ob eine Internetseite schon indiziert ist?
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien
Postfach 140165, 53056 Bonn
(
liste@bundespruefstelle.de
). “
(Auszug aus:
„Wegweiser Jugendmedienschutz – Ein Überblick über Aufgaben und
Zuständigkeiten der Jugendmedienschutzinstitutionen in Deutschland“
(Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, 2005);
weitere Informationen dazu unter:
www.bundespruefstelle.de
)
73

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rientierungshilfe zur Medienerziehung im Kinder- und Jugendschutz
B Internetadressen für medienpädagogisch tätige bzw.
interessierte Fachkräfte
www.usk.de
Die USK-Seiten informieren u.a. über aktuelle Einstufungen von Computer-
spielen, Alterskennzeichnungen sowie Ergebnisse der Wirkungsforschung.
www.jugendschutz-sachsen.de
Die Website der Aktion Jugendschutz Sachsen e.V. enthält u.a. Infor-
mationen zu medienpädagogischen Veranstaltungs- und Fortbildungs-
angeboten, Publikationen und Ansprechpartner sowie die Ausgaben von
ajs-info und ajs-Forum zum Downloaden.
www.jugendschutz.de
Die Website umfasst Links zu den Fach- und Landesstellen Kinder- und
Jugendschutz sowie zur Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugend-
schutz e.V. mit deren Angeboten an Fortbildung, Materialien und Infor-
mation auch im Bereich der Medienpädagogik.
www.internet-abc.de
Der Verein Internet-ABC e.V. hat mit dem Internet-ABC einen Ratgeber für
Kinder, Eltern und Pädagogen zu Fragen der Internetnutzung entwickelt. Er
enthält u.a. auch eine Datenbank mit Hinweisen zu mehr als 200
Computerspielen sowie eine kommentierte Linksammlung in bezug auf
Anregungen zur Durchführung medienpädagogischer Elternabende.
www.medienpaedagogik-online.de
Die Seiten der Koordinierungsstelle Medienpädagogik bei der Bundes-
zentrale für politische Bildung führen zu Verzeichnis und Bestellmöglichkeit
medienpädagogischer Materialien sowie zu Einzelpublikationen im Volltext.
www.mekonet.de
Das Medienkompetenz-Netzwerk in NRW bietet u.a. mit seinem Grund-
baukasten Medienkompetenz eine kommentierte und systematisierte
Materialsammlung zur medienpädagogischen Arbeit mit unterschiedlichen
Zielgruppen. Diese enthält umfangreiche Literaturhinweise, Projekt-
informationen, Publikationen und Arbeitshilfen auch zum Downloaden
sowie Links zu wichtigen medienpädagogischen Institutionen und
Einrichtungen auch im Bundesgebiet.
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Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales
Landesjugendamt
www.bag-jugendschutz.de
Die Seiten enthalten u.a. einen Überblick über die bei der Bundes-
arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz zu bestellenden Publi-
kationen, wie z.B. „Sicher ins Netz - Empfehlungen für Internet-Cafes in der
Offenen Jugendarbeit“ bzw. „Medien kompetent/z vermitteln - Projekte und
Publikationen zur Förderung der Medienkompetenz“.
www.bmfsfj.de/Politikbereiche/Familie/erziehungskompetenz.html
Die Seiten verweisen auf Publikationen zum Downloaden für Eltern zum
Thema Internet und Fernsehen.
www.bmfsfj.de/
Unter der Rubrik „Politikbereiche/Kinder und Jugend/Kinder und Jugend-
liche schützen“ ist ein Ratgeber zum Thema „Computerspiel - Spielspaß
ohne Risiko“ mit Empfehlungen für Eltern und Pädagogen abrufbar.
www.gmk.medienpaed.de
Die Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK)
ist der größte medienpädagogische Dach- und Fachverband und will
Diskussion, Kooperation und Initiativen auf dem Gebiet der Medien-
pädagogik fördern. Die Seiten verweisen u.a. auf Fortbildungsangebote,
Literatur und Internetadressen.
www.dji.de/www-kinderseiten/default.htm
Im Rahmen des DJI-Projektes werden neben Fachaufsätzen und Literatur-
empfehlungen zum Thema Kinder im Internet u.a. Websites für Kinder in
einer Datenbank gesammelt und bewertet.
www.bpb.de/snp
Die Seiten umfassen eine Datenbank für Computerspiele. Neben An-
regungen für die pädagogische Praxis werden pädagogische Meinungen
und persönliche Beurteilungen vorgestellt.
www.slm-online.de
Die Seiten der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue
Medien-SLM informieren u.a. über medienpädagogische Einrichtungen in
Sachsen. Weiterhin werden Literaturempfehlungen sowie die Ausgaben
der SLM-Fachzeitschrift „themen und frequenzen“ zum Downloaden vorge-
halten.
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