Asthma bronchiale und Sportunterricht
© Dr. M. Steinhardt
Arbeitsstand Mai 08
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Sehr geehrte Sportlehrerinnen und Sportlehrer,
die folgenden Informationen und Empfehlungen sollen Sie in Ihrer pädagogischen
Tätigkeit unterstützen.
Informationen zum Krankheitsbild
Asthma bronchiale bezeichnet ein anfallartiges Auftreten von Atemnot infolge einer
variablen und reversiblen Bronchialverengung durch Überreaktion und/oder Entzündung
der Atemwege (hauptsächlich der Bronchien). Zusätzlich erschwerend ist eine
Verlegung der Atemwege mit zähem Schleim möglich.
Mit ca. 8% – 10% betroffener Kinder und Jugendlicher gehört Asthma bronchiale mit zu
den häufigsten chronischen Erkrankungen dieser Altersklassen – Tendenz steigend. Als
Ursache sehen Mediziner nicht vordergründig die Luftverschmutzung, sondern den
Komplex von Veränderungen hin zur sog. „westlichen Lebensweise“.
Man unterscheidet im wesentlichen
drei Asthmaformen
, das
allergische Asthma
mit
über 80% Häufigkeit, das
infektbedingte Asthma
und das
Anstrengungsasthma.
Der Krankheitsverlauf, wie auch das zeitliche Auftreten und der Schweregrad von
asthmatischen Beschwerden unterliegt der
Wechselhaftigkeit
und einer hohen
Individualität
.
Symptome
für ein asthmatisches Geschehen sind die erschwerte und verlängerte
Ausatmung bis hin zu schwerster Atemnot (asthmatisches „Pfeifen“, sog. Giemen,
Asthma-Anfall), glasig-zähes Sputum (ausgehustete flüssige Absonderung),
Reizhusten, Herzrasen und Blutdruckschwankungen sowie eine unbewusste
Veränderung der Haltung, wie z. B. das Hochziehen der Schultern zum erleichternden
Einsatz der Atemhilfsmuskulatur.
Zum
Auslöserkomplex
von Asthma bronchiale zählen Kälte (auch Verdunstungskälte),
Rauch, Staub, Luftschadstoffe, besondere Wetterlagen, hyperallergene Nahrungsmittel,
bakterielle Allergene oder Tierhaare, Pollen, Pilzsporen, Dämpfe von Farben und
Lacken, Parfüme, körperliche Belastung und Distress.
Das
Anstrengungsasthma
stellt eine gewisse Besonderheit dar, denn es tritt nur
während oder nach körperlichen, respektive sportlichen Belastungen auf. Hauptsächlich
wird es durch den respiratorischen Wärmeverlust der Bronchialschleimhaut ausgelöst.
Mitbestimmend sind vor allem subjektives und objektives Wohlbefinden und die aktuelle
körperliche Leistungsfähigkeit.
Das Maximum der Einschränkung der Atmung wird 4 – 10 Minuten nach Beginn der
asthmatischen Beschwerden erreicht. Die Symptome klingen nach 15 bis 30 Minuten
spontan ab. Häufig tritt ein Anstrengungsasthma erst 2 bis 4 Minuten nach Beendigung
der Belastung auf. Spätreaktionen mit bis zu eineinhalb Stunden Verzögerung sind
möglich.
Eine wesentliche Eigenheit stellt beim Anstrengungsasthma das sog.
„Durchlauf-
Phänomen“
(running-trough) dar. Die sog.
Refraktärphase
lässt nach dem Abklingen
der asthmatischen Beschwerden bei Wiederaufnahme der sportlichen Belastung bis zu
2 Stunden keine neue Einschränkung der Atemfunktion auftreten.

Asthma bronchiale und Sportunterricht
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Empfehlungen für Ihre Tätigkeit als Sportlehrer/in
1. Informieren Sie sich
in geeigneter Form über das eventuelle Auftreten von ärztlich
diagnostiziertem Asthma bronchiale bei Ihren Schülern. Lassen Sie sich von den
Eltern und dem Schüler
über Art des Asthmas, bekannte Auslöser, kritische
Zeiträume und die eingesetzten Medikamente
Auskunft geben.
2.
Die betreffenden Kinder und Jugendlichen nehmen im Regelfall ganz normal am
Sportunterricht teil. Eine generelle Voll- oder Teilfreistellung vom Schulsport ist nicht
notwendig! Kurzzeitige Teilfreistellungen werden nur bei aktuellen und akuten
Beschwerden erforderlich.
Erkundigen Sie sich deshalb vor dem Sport über das
Befinden und die erfolgte Einnahme von Medikamenten.
3.
Achten Sie auf das Mitführen des Notfallmedikaments (meist Aerosol).
4.
Beobachten Sie den oder die betreffenden Schüler während des Sportunterrichts.
5.
Sichern Sie stets eine mindestens 10-minütige Erwärmung mit Intervallcharakter.
Ein „Kaltstart“ ist unbedingt zu vermeiden!
6.
Vermeiden Sie unnötige Kontakte mit Asthmaauslösern (staubige Sportgeräte, Sport
im Freien bei extremer Pollenbelastung, …).
7.
Weisen Sie auf ein gründliches Abwaschen von Allergenen nach dem Sporttreiben
hin (Körperhygiene).
8.
Falls dennoch eine akute Atemnot auftreten sollte, orientieren Sie sich bitte an dem
folgenden
Notplan
.
langsam oder plötzlich einsetzende Atemnot
(asthmatisches Pfeifen, Giemen, festsitzender Husten)
1. Stufe
Kutschersitz oder Torwartstellung
Lippenbremse
2 Hübe Notfallspray
Nach 10 Minuten keine Besserung
2. Stufe
nochmals 2 Hübe Notfallspray
Kutschersitz oder Torwartstellung
mit Lippenbremse
ggf. Notfalltablette einnehmen (Cortison)
Nach weiteren 10 Minuten keine Besserung
3. Stufe
Notarzt und Eltern informieren
weiter Kutschersitz /Torwartstellung
mit Lippenbremse
Bewahren Sie in jedem Fall Ruhe!
Sehr geehrte Sportlehrerinnen und Sportlehrer, Unterrichtssituationen sind oft
vielschichtig und kompliziert. Richtige Entscheidungen zu treffen, ist oft schwieriger als
erwartet. Insofern verstehen Sie bitte die o. g. Empfehlungen als Anregung, Hilfe oder
auch Bestätigung für Ihr tägliches sportpädagogisches Handeln.