Leibniz-Institut für Länderkunde
Leipzig 2013
forum
Heft 22
herausgegeben vom Leibniz-Institut für Länderkunde
Erstellt im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums des Innern
Annedore Bergfeld (Hrsg.)
Sächsisch-Tschechische
Grenzraumstudie

Impressum
Verlag:
Selbstverlag Leibniz-Institut für Länderkunde e. V., Leipzig
Schongauerstraße 9, 04328 Leipzig
Tel.: +49 341 600 55-141
Fax: +49 341 600 55-198
e_mueller@ifl-leipzig.de
www.ifl-leipzig.de
Satz:
Sophie Perthus
Druck:
Classic Line GmbH
www.cl-factory.de
© 2013
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen
des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für
Verviel-
fältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Printed in Germany.
ISBN: 978-3-86082-089-6
http://ifl-leipzig.de/de/publikationen/zeitschriften-und-reihen/forum-ifl.html
Die Reihe
forum ifl
des Leibnitz-Instituts für Länderkunde (IfL) dient der zeitnahen Publikation
von Erkenntnissen aus Forschungsprojekten des IfL, der Dokumentation von Veranstaltungen
so-
wie der Veröffentlichung von aktuellen Datenanalysen. Ziel ist es, den Austausch mit der Scientific
Community und den Wissenschaftstransfer in die Praxis zu fördern. Die Beiträge werden in einem
einfachen, internen Verfahren begutachtet und geben die Ansichten der Autoren wieder, die nicht
mit denen des IfL gleichzusetzen sind.

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SÄCHSISCH-TSCHECHISCHE GRENZRAUMSTUDIE
Zusammenfassende Analyse und
Entwicklungsstrategie
AUFTRAGGEBER:
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Abteilung Landesentwicklung, Vermessungswesen, Sport
Wilhelm-Buck-Str. 2, 01097 Dresden
Ministerium für Regionalentwicklung der Tschechischen Republik
Abteilung Raumplanung
Staroměstské náměstí 6, Prag 1
AUFTRAGNEHMER:
Leibniz-Institut für Länderkunde, Schongauerstr. 9, Leipzig
Institut für Raumentwicklung, Jakubské nám. 3, Brno
unter Mitarbeit von
Institut für Wirtschafts-und Regionalentwicklung,
Max-Liebermann-Straße 4a, Leipzig
IREAS – Institut für Strukturpolitik, Mařákova 292/9, Prag
2013

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5
Inhalt
1 EINLEITUNG
7
1.1
Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet
7
1.2
Aufgabenstellung, Akteure und grundlegende Dokumente
7
1.3
Abgrenzung des Betrachtungsgebietes
9
1.4
Planungssysteme im Freistaat Sachsen und in der Tschechischen Republik
10
2 ZUSAMMENFASSENDE ANALYSE
13
2.1
Siedlungen und Siedlungsstruktur
13
2.1.1
Siedlungsstruktur
13
2.1.2
Zentrale Orte, Entwicklungsgebiete und Gebiete mit spezifischen Problemen
14
2.2
Bevölkerung und demografische Entwicklung
17
2.2.1
Bevölkerung, Einwohnerdichte
17
2.2.2
Altersstruktur der Bevölkerung
22
2.2.3
Bevölkerungsprognose
22
2.3
Wirtschaftsentwicklung und Tourismus
25
2.3.1
Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt
25
2.3.2
Tourismus
31
2.4
Verkehrsinfrastruktur
33
2.4.1
Schienenverkehr
33
2.4.2
Straßenverkehr
34
2.4.3
Wasserstraße und Binnenhäfen
36
2.4.4
Luftverkehr
36
2.4.5
Güterverkehrszentren (GVZ)
36
2.4.6
ÖPNV
37
2.5
Technische Infrastruktur
38
2.5.1
Energieversorgung
38
2.5.2
Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Kläranlagen
40
2.6
Umwelt, Natur- und Landschaftsschutz
42
2.6.1
Natur- und Landschaftsschutz
42
2.6.2
Umweltschutz
44
2.7
Geteilte Städte und Gemeinden
47
2.8
SWOT-Analyse
48
3 ENTWICKLUNGSSTRATEGIE
55
3.1
Entwicklungsziele und Handlungsfelder
55
3.1.1
Generelle Entwicklungsziele
55
3.1.2
Spezielle Entwicklungsziele und Handlungsfelder
56
ZIEL 1:
Stärkung der Außenwahrnehmung und der strategischen Position
des sächsisch-tschechischen Grenzraums in Europa
57

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6
ZIEL 2:
Stärkung des inneren Zusammenhalts des sächsisch-tschechischen Grenz-
raums durch Bündelung von Kräften und Vernetzung von Infrastrukturen 60
ZIEL 3:
Sächsisch-tschechischen Grenzraum als leistungsfähigen
Wirtschaftsraum stärken
66
ZIEL 4:
Entwicklung der grenzüberschreitenden Mobilität und Vernetzung
der Infrastruktur im Grenzraum sichert das Zusammenwachsen
von Wirtschafts- und Lebensraum
75
ZIEL 5:
Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen,
Entwicklung grenzüberschreitender Kulturlandschaften sowie
abgestimmte Bewältigung der Folgen des Klimawandels
82
ZIEL 6:
Unterstützung der räumlichen Verflechtung und abgestimmten
Regionalentwicklung des sächsisch-tschechischen Grenzraums
86
ERKLÄRUNG DER BEGRIFFE
95
KARTENANHANG
103

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
7
1 EINLEITUNG
1.1
Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit im sächsisch-
tschechischen Grenzgebiet
Die Raumentwicklung und die Zusammenarbeit im sächsisch-tschechischen Grenzraum werden
durch rechtliche Rahmenbedingungen auf Bundes- und Landesebene in Deutschland und auf
Staatsebene in der Tschechischen Republik beeinflusst.
Dabei wurde die bisherige Entwicklung der Zusammenarbeit auf Staatsebenen der
Bundesre-
publik Deutschland und der Tschechischen Republik durch folgende Aktivitäten geprägt:
Deutsch-Tschechischer Staatsvertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche
Zusam-
menarbeit (1992),
• Seminar zur gemeinsamen deutsch-tschechischen Raumentwicklung (Erfurt 23. März 2006),
• Konstituierende Sitzung der Deutsch-Tschechischen Arbeitsgruppe für die Zusammenarbeit
bei der Raumentwicklung (Berlin 18.-19. April 2006),
• Nachfolgende Sitzungen der Deutsch-Tschechischen Arbeitsgruppe für die Zusammenarbeit
bei der Raumentwicklung (Berlin 30.-31. März 2006 und Praha/Prag 6. November 2007).
Auf der Landesebene Freistaat Sachsen-Tschechische Republik können folgende, die grenzüber-
schreitende Zusammenarbeit bei der Raumentwicklung beeinflussende Aktivitäten benannt werden:
Gemeinsame Regierungserklärung über partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem
Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik (1992),
Gründung der Sächsisch-Böhmischen Arbeitsgruppe für die grenzüberschreitende Zusam-
menarbeit (1993),
• Konstituierende Sitzung der Sächsisch-Böhmischen Arbeitsgruppe für Raumentwicklung
(Dresden 2005),
Sitzungen der Sächsisch-Böhmischen Arbeitsgruppe für Raumentwicklung (Dresden 2006,
Praha/Prag 2006, Chemnitz 2008, Ústí nad Labem 2009, Radebeul 2010, Karlovy Vary 2011,
St. Marienthal 2012),
Gegenseitige Stellungnahmen zu Planungsdokumenten auf Staats- und Regionalebene,
Abstimmung zur Erstellung einer Studie zur Entwicklung des sächsisch-tschechischen
Grenz-
raumes (2008/2009).
In Anknüpfung an die bisherige grenzüberschreitende Zusammenarbeit zur Förderung der Raum-
entwicklung des sächsisch-tschechischen Grenzgebietes wurde im Jahre 2009 für den tschechischen
und ab 2010 für den sächsischen Grenzraum die Erarbeitung der Grenzraumstudie beauftragt.
Im Ergebnis der abgestimmten Erarbeitung der sächsisch-tschechischen Grenzraumstudie
lie-
gen ausführliche Analysen für das sächsische und tschechische Grenzgebiet vor. Die nachfolgende
Darstellung fasst die Ergebnisse der beiden Analyseteile zusammen. Darauf aufbauend wurde die
abgestimmte Entwicklungsstrategie, die Empfehlungen für die weitere Arbeit im Sinne eines
Mas-
terplans enthält, fixiert.
1.2
Aufgabenstellung, Akteure und grundlegende Dokumente
Nach der von den Auftraggebern formulierten
Aufgabenstellung
sollte sich die Studie auf folgen-
de Themen konzentrieren:

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8
Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
• Demografische Entwicklung (Entwicklung der Bevölkerung, Alters- und Sozialstruktur) und
deren Auswirkungen im Grenzraum,
Anforderungen an die Sicherung der Daseinsvorsorge (soziale und technische Infrastruktur)
aufgrund demografischer Veränderungen im Grenzgebiet,
Situation der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen unter besonderer Beachtung der
großflächigen Einzelhandelseinrichtungen im Grenzraum,
• Natur und Umwelt als endogenes Potenzial des Gebietes, Gestaltung und Entwicklung der
Kulturlandschaft,
• Revitalisierung von Brachflächen,
Quantitative und qualitative Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur im Grenzgebiet,
• Nutzung der erneuerbaren Energieressourcen im Kontext zum Klimaschutz,
• Erholung und Touristik als Beitrag für die Stärkung des Grenzraums,
• Entwicklung der so genannten „geteilten Städte“.
Die Grenzraumstudie entstand in enger Zusammenarbeit der Vertreter der tschechischen und säch-
sischen Seite in einem fortschreitenden Abstimmungsprozess. Das schließt auch Abweichungen von
der ursprünglichen Aufgabenstellung ein. Zum Beispiel wurde im Rahmen der Analyse bezüglich des
großflächigen Einzelhandels festgestellt, dass Vorhaben zum Ausbau von großflächigen Einrichtungen
auf tschechischer Seite nicht registriert werden und kein Gegenstand der Regionalen Planung sind.
Deshalb wurde auf eine Darstellung in der zusammengefassten Analyse verzichtet. Zudem besaß die
Problematik der Brachflächen für die sächsische und tschechische Seite unterschiedliche Relevanz, so
dass die Brachflächensituation nur in den einzelnen nationalen Analyseteilen diskutiert wurde.
Die vorliegende Entwicklungsstrategie basiert auf den Analyseteilen insbesondere auf der
SWOT-Analyse und gibt Hinweise zu wichtigen Bereichen der Zusammenarbeit. Die
Entwicklungs-
strategie umfasst neben den generellen Entwicklungszielen weitere sechs spezielle
Entwicklungs-
ziele, die mit detaillierten Handlungsfeldern untersetzt wurden. Die angeführten „Best practice“
stellen eine Ergänzung dar und sollen insbesondere den Akteuren im Grenzraum Anregungen für
konkrete grenzüberschreitende Entwicklungsprojekte geben.
Auftraggeber
der Studie:
Sächsisches Staatsministerium des Innern für den Freistaat Sachsen,
Ministerium für Regionalentwicklung für die Tschechische Republik.
Auftragnehmer
der Studie:
Institut für Raumentwicklung, Brno/Brünn (für die tschechische Seite),
Leibniz-Institut für Länderkunde, Leipzig, unter Beteiligung des Instituts für Wirtschafts- und
Regionalentwicklung, Leipzig, sowie IREAS – Institut für Strukturpolitik, Praha/Prag (für die
sächsische Seite).
Akteure
bei der Erarbeitung der Grundlagen und Diskussion der Ergebnisse:
Die Vorbereitung der Studie sowie die Diskussion der Ergebnisse erfolgten in der
Tschechischen
Republik
unter Beteiligung des Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad, Ústecký kraj/Bezirk Aussig
und Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg und bei der Erarbeitung der Studie wurden die
Anmer-
kungen der Gemeinden mit erweitertem Wirkungsbereich berücksichtigt.
Die Erarbeitung der Grundlagen sowie die Diskussion der Ergebnisse erfolgte im Freistaat
Sachsen unter Beteiligung der:
• Regionalen Planungsverbände: Region Chemnitz, Oberes Elbtal/Osterzgebirge, Oberlausitz-
Niederschlesien,

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
9
• Euroregionen: EUREGIO EGRENSIS, Erzgebirge, Elbe-Labe, Neisse-Nisa-Nysa,
• Grenzkreise: Vogtlandkreis, Erzgebirgskreis, die Landkreise Mittelsachsen, Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge, Bautzen und Görlitz.
Darüber hinaus wurden ausgewählte Aspekte mit einzelnen Fachministerien, mit in der Grenzre-
gion tätigen Verbänden und Vereinen (wie Industrie- und Handelskammern (IHK),
Landestouris-
musverband, Regionalmanagements) sowie Bürgermeistern diskutiert.
GRUNDLAGENDOKUMENTE
Für die Erarbeitung der Studie waren nachfolgende Dokumente von grundsätzlicher Bedeutung:
Europäische Dokumente – insbesondere EUREK (1999), CEMAT-Leitlinien (2000),
Territori-
ale Agenda der EU (2007), Grünbuch zum territorialen Zusammenhalt (2008), EU-Strategie
2020 (2010), Territoriale Agenda 2020 (2011),
Programmdokument und Umsetzungsdokument zur Ziel 3-Förderung der grenzüberschrei-
tenden Zusammenarbeit 2007-2013 zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen
Republik,
Die durch die grenzüberschreitenden Arbeitsgruppen erarbeiteten Unterlagen.
Auf
tschechischer Seite
wurden vor allem gebietsplanerische Dokumente, Fachkonzeptionen
und strategische Dokumente der Bezirke einbezogen:
Raumentwicklungspolitik der Tschechischen Republik 2008,
Grundsätze der Raumentwicklung und gebietsanalytische Unterlagen einzelner Bezirke,
Ressortkonzeptionen auf Staats- und Bezirksebene,
• Entwicklungsprogramme von Gebieten/Gemeinden der drei Grenzbezirke.
Auf
sächsischer Seite
wurden neben formellen vor allem informelle Planungsdokumente und
wissenschaftliche Studien zu Grunde gelegt wie:
Der Landesentwicklungsplan (LEP) 2003 sowie der geänderte Entwurf des
Landesentwick-
lungsplanes 2013
1
(Entwurf des LEP 2013),
Regionalpläne (Regionalplan Südwestsachsen, Regionalplan Chemnitz-Erzgebirge,
Regional-
plan Oberes Elbtal/Osterzgebirge, Regionalplan Oberlausitz-Niederschlesien),
Wissenschaftliche grenzüberschreitende Studien zur sächsisch-tschechischen Raumentwicklung,
• Regionale Entwicklungskonzepte der sächsisch-tschechischen Euroregionen.
1.3
Abgrenzung des Betrachtungsgebietes
Die Grenze zwischen Sachsen und Tschechien ist 453 km lang. Das Betrachtungsgebiet der säch-
sisch-tschechischen Grenzraumstudie ist durch das Ziel 3-Fördergebiet gegeben, das für die För-
derung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit 2007-2013 zwischen dem Freistaat Sachsen
und der Tschechischen Republik abgegrenzt wurde. Das bedeutet auch, dass auf sächsischer Seite
nicht die aktuellen administrativen Einheiten eingebunden sind
2
.
Das Betrachtungsgebiet auf der
tschechischen Seite
der Grenze schließt das Territorium von
drei Bezirken ein:
1
Basis bildet „Geänderter Entwurf für das Beteiligungsverfahren – Stand 25. September 2012“
2
Am 1. August 2008 trat im Freistaat Sachsen eine Verwaltungsreform in Kraft, die u.a. eine Neugliederung
der Landkreise beinhaltete.

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10
Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
• Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad,
• Ústecký kraj/Bezirk Aussig,
• Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg.
Das Betrachtungsgebiet auf der
sächsischen Seite
orientiert sich an den bis zum 30. Juli 2008 ge-
gebenen administrativen Kreisgrenzen (im Weiteren als Altkreise – AK – bezeichnet). Es schließt
gemäß dem aktuellen Gebietsstand zwei Grenzkreise und Teile von vier weiteren sächsischen
Grenzkreisen ein:
Vogtlandkreis (ehemalige kreisfreie Stadt (kfS) Plauen, Altkreis Vogtlandkreis),
• Landkreis Sächsische Schweiz/Osterzgebirge (Altkreise Sächsische Schweiz, Weißeritzkreis),
• Erzgebirgskreis (Altkreise Aue-Schwarzenberg, Annaberg, Mittlerer Erzgebirgskreis),
Landkreis Mittelsachsen (Altkreis Freiberg),
Landkreis Bautzen (Altkreis Bautzen),
Landkreis Görlitz (Altkreis Löbau-Zittau).
1.4
Planungssysteme im Freistaat Sachsen und in der Tschechischen
Republik
Grenzüberschreitender Koordinierungsbedarf zwischen dem Freistaat Sachsen und der
Tsche-
chischen Republik ergibt sich insbesondere aus den unterschiedlichen Verwaltungsstrukturen.
Aufgrund der daraus resultierenden Asymmetrien bestehen bei der grenzüberschreitenden Zu-
sammenarbeit Mehrebenenverflechtungen, die von den beteiligten Akteuren die Bereitschaft zu
ebenenübergreifender Kooperation verlangen. Wichtig ist daher die regelmäßige gegenseitige
Abb. 1: Abgrenzung des Betrachtungsgebietes

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
11
Information über grenzüberschreitende raumrelevante Vorhaben, Entwicklungspläne, Projekte
und aktuelle Gesetzgebungsvorhaben. In dem bis 2013 laufenden sächsisch-tschechischen Ziel 3/
Cíl 3-Projekt CROSS-DATA wurde dafür ein gemeinsames webbasiertes Rauminformationssystem
entwickelt. Die im Erarbeitungsprozess realisierten Abstimmungen und geschaffenen
gemeinsa-
men Grundlagen dienen
der effektiveren grenzüberschreitenden Abstimmung in der Raumplanung,
• einer gemeinsamen raumplanerischen Entwicklung des Grenzraumes.
Bei der grenzüberschreitenden Koordinierung ist die Existenz verschiedener Ansätze zur
Raum-
planung im Freistaat Sachsen (sowie BRD) und in der Tschechischen Republik zu berücksichtigen.
In der
Tschechischen Republik
bestehen zwei selbständige kooperierende und sich ergän-
zende Ebenen:
Strategische Planung, die auf die Verteilung von sozialen und ökonomischen Ressourcen und
Aktivitäten zwischen den Regionen mit dem Ziel der Verringerung von
Entwicklungsdispari-
täten orientiert ist,
• Raumplanung, die die zukünftige Lokalisierung einzelner Tätigkeiten im Gebiet beeinflusst.
Politisch-admi-
nistrative Ebene
Planungsebene
Gesetzliche
Grundlage
Planungs-
instrumente
Hauptinhalt
Staat
Planung auf
Staatsebene
Gesetz über
Förderung
der Regional­
entwicklung
Strategie der Regi­
onalentwicklung
Analyse des aktuellen Standes der
Regionalentwicklung; strategische
Ziele der Regionalentwicklung der
Tsch. Rep.; Abgrenzung der durch
den Staat geförderten Regionen
Staatsprogramm
der Regionalent­
wicklung
Orientierung der Regionalentwick­
lungsförderung auf ein einziges oder
mehrere geförderte Gebiete
Bezirke
Planung auf
Bezirksebene
Gesetz über
Förderung
der Regional­
entwicklung
Bezirksentwick­
lungsprogramm
Analyse der Wirtschafts- und
Sozialentwicklung eines Bezirkes;
Abgrenzung der förderungsbedürf­
tigen Regionen in einem Bezirk;
Ziele, Prioritäten und Aufgaben der
Wirtschafts- und Sozialentwicklung
eines Bezirkes
Strategische Pläne Erstellung ist freiwillig
Gemeinden
Ortsentwicklung
Strategischer
Entwicklungsplan
einer Gemeinde
Inhalt des Planes ist nicht genau de­
finiert, in Anlehnung an die Gliede­
rung der strategischen Dokumente
Tab. 1: Planungssystem der Tschechischen Republik (strategische Planung)
Tab. 2: Planungssystem der Tschechischen Republik (Raumplanung)
Politisch-admi-
nistrative Ebene
Planungsebene
Gesetzliche
Grundlage
Planungs-
instrumente
Hauptinhalt
Staat
(Ministerium
für Regional­
entwicklung)
Planung auf
Staatsebene
Baugesetz
Politik der Raum­
entwicklung
Feststellung der gesamtstaatlichen
Prioritäten der Gebietsplanung; Ab­
grenzung der Entwicklungsgebiete
und Entwicklungsachsen sowie der
spezifischen Gebiete; Abgrenzung
der Flächen und Korridore der Ver­
kehrs­ und technischen Infrastruktur
von internationaler oder gesamt­
staatlicher Bedeutung; Feststellung
der Kriterien und Bedingungen für
Entscheidungen in abgegrenzten
Gebieten, Flächen und Korridoren

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12
Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Einleitung
Im Freistaat
Sachsen
besteht die Raumplanung als ein System, das die Sozial-, Wirtschafts-, Infra-
struktur- und Umweltplanung in die Gebietsplanung integriert.
Politisch-admi-
nistrative Ebene
Planungsebene
Gesetzliche
Grundlage
Planungs-
instrumente
Hauptinhalt
Bund
Raumordnung
Raumord­
nungsgesetz
(ROG)
Raumord­
nungsverord­
nung (RoV)
Baugesetzbuch
(BauGB)
Baunutzungs­
verordnung
(BauNVO)
Raumordnungs­
plan des Bundes
Länderübergrei­
fende Standort­
konzepte
Raumordnungs­
plan für die
ausschließliche
Wirtschaftzone
Ziele und Grundsätze der Raumord­
nung
Leitbilder und Handlungsstrate­
gien für die Raumentwicklung in
Deutschland
Länder
Raumordnung
in den Ländern
(Landesplanung)
ROG und Lan­
desplanungs­
gesetze
Raumordnungs­
plan des Landes (z.
B. Landesentwick­
lungsplan Sachsen)
Raumordnungsplan des Landes (z.
B. Landesentwicklungsplan Sach­
sen)
Regionalplanung
Regionalplan
(1 : 100 000)
Gemeinden
Bauleitplanung
Kommunale
Planungsho­
heit nach Art.
28 GG Bau­
gesetzbuch
(BauGB)
Flächennutzungs­
plan
(i.d.R. 1 : 10 000)
Darstellung der Art der Bodennut­
zung für das gesamte Gemeinde­
gebiet
Bebauungsplan
(i.d.R. 1 : 1 000/
1 : 500)
Festsetzungen für die städtebauli­
che Ordnung und Entwicklung für
Teile des Gemeindegebietes
Tab. 3: Planungssystem im Freistaat Sachsen
Politisch-admi-
nistrative Ebene
Planungsebene
Gesetzliche
Grundlage
Planungs-
instrumente
Hauptinhalt
Bezirke
(Bezirksämter)
Gebietsplanung
auf Bezirksebene
Baugesetz
Grundsätze der
Raumentwicklung
Feststellung der Grundanforderun­
gen an zweckmäßige und haushälte­
rische Gebietsordnung; Abgrenzung
der Flächen und Korridore der Ver­
kehrs­ und technischen Infrastruktur
von überörtlicher Bedeutung; Ab­
grenzung der Entwicklungsgebiete
und Entwicklungsachsen sowie der
spezifischen Gebiete von überörtli­
cher Bedeutung
Raumanalytische
Unterlagen (für
das Gebiet des
Bezirks)
Feststellung und Bewertung der
Raumentwicklung;
Potenziale des Gebietes; Restriktio­
nen und Beschränkungen;
SWOT­Analyse;
Vorhaben der Gebietsentwicklung
einschließlich Konflikte
Verwaltungs­
gebiet der
Gemeinden mit
erweitertem
Wirkungsbereich
(„Raumpla­
nungsamt“)
Gebietsplanung
auf Gemeinde­
ebene
Baugesetz
Raumanalyti­
sche Unterlagen
(für das Verwal­
tungsgebiet der
Gemeinde mit
erweitertem Wir­
kungsbereich)
Gemeinden
(„qualifiziertes
Gemeindeamt“)
Gebietsplanung
und Bauleit­
planung auf Ge­
meindenebene
Baugesetz
Flächennutzungs­
plan
Entwicklungskonzept des Gebietes
und der funktionalen Flächennut­
zung; Abgrenzung des bebaubaren
Gebietes einer Gemeinde
Bebauungsplan
Nutzung einzelner Grundstücke,
Flächen und raumregulierender
Elemente

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
13
Landkreis/kreisfreie Stadt
Zahl der
Gemeinden
gesamt
Davon Gemeinden mit Einwohnerzahl
bis zu
2 000
2 000-
4 999
5 000-
9 999
10 000-
49 999
50 000
und
Kreisfreie Stadt Plauen
1
­
­
­
­
1
Altkreis Vogtlandkreis
41
15
15
8
3
­
Altkreis Annaberg
17
1
12
3
1
­
Altkreis Aue­Schwarzenberg
16
­
6
7
3
­
Altkreis Mittlerer Erzgebirgskreis
20
4
12
2
2
­
Altkreis Freiberg
25
4
14
5
2
­
Altkreis Weißeritzkreis
15
3
5
3
4
­
Altkreis Sächsische Schweiz
25
7
11
4
3
­
Altkreis Bautzen
28
4
17
5
2
­
Altkreis Löbau-Zittau
29
11
12
3
3
­
Sächsischer Teil gesamt
217
49
104
40
23
1
100%
22,6%
47,9%
18,4%
10,6%
0,5%
Cheb/Eger
40
31
5
1
3
­
Karlovy Vary/Karlsbad
54
46
5
1
1
1
Sokolov/Falkenau
38
28
5
3
2
­
Děčín/Tetschen
52
40
6
3
2
1
Chomutov/Komotau
44
39
1
­
3
1
Litoměřice/Leitmeritz
105
96
5
2
2
­
Louny/Laun
70
64
2
2
2
­
Most/Brüx
26
20
4
­
1
1
Teplice/Teplitz
34
24
5
2
2
1
Ústí nad Labem/Aussig
23
17
5
­
­
1
Česká Lípa/Leipa
57
48
5
2
2
­
Jablonec nad Nisou
34
27
4
2
1
­
Liberec/Reichenberg
59
48
7
3
­
1
Semily/Semil
65
60
1
3
1
­
Tschechischer Teil gesamt
701
588
60
24
22
7
100%
83,9%
8,6%
3,4%
3,1%
1,0%
GRENZRAUM GESAMT
918
588
164
64
45
8
100%
69,4%
17,8%
7,0%
4,9%
0,9%
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen 2011, Berechnung IfL, Kleines Lexikon der Gemeinden. Praha/Prag
2011, Tschechisches Statistisches Amt 2011, Berechnung ÚÚR
2
ZUSAMMENFASSENDE ANALYSE
2.1
Siedlungen und Siedlungsstruktur
2.1.1 Siedlungsstruktur
Das Betrachtungsgebiet umschließt 918 Gemeinden mit insgesamt 2.775.799 Einwohnern (Stand zum
31. Dezember 2010). Davon befinden sich auf sächsischer Seite 217 Gemeinden mit insgesamt 1.192.368
Einwohnern und auf tschechischer Seite 701 Gemeinden mit insgesamt 1.583.431 Einwohnern.
Es gibt erhebliche Unterschiede in der Größenstruktur der Gemeinden auf sächsischer und
tschechischer Seite. Der sächsische Teil des Betrachtungsgebietes wird von der Gemeindegrößen-
gruppe 2.000 bis 4.999 Einwohner (104 Gemeinden, 47,9% der Gemeinden) geprägt. Im
tschechi-
schen Teil des Betrachtungsgebietes sind vor allem die kleinen Gemeinden bis zu 2.000
Einwoh-
ner (588 Gemeinden, 83,9% der Gemeinden) dominierend.
Tab. 4: Größenstruktur der Gemeinden nach Kreisen zum 31. Dezember 2010
3
3
Die statistischen Angaben werden soweit möglich auf die bisherigen Altkreise (Gebietsstand 1. Januar 2008) bezogen. In
wenigen Fällen waren keine Angaben zur Altkreisstruktur zu ermitteln. In diesen Fällen wurden Daten für die aktuelle
Kreisstruktur dargestellt, die über das Betrachtungsgebiet hinausgeht.

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14
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
2.1.2 Zentrale Orte, Entwicklungsgebiete und Gebiete mit spezifischen Problemen
Tschechischer
Auf tschechischer
Teil
Seite des Betrachtungsgebietes sind die Entwicklungsgebiete und -achsen von
gesamtstaatlicher und internationaler Bedeutung in der „Raumentwicklungspolitik der
Tschechi-
schen Republik 2008“ abgegrenzt.
Entwicklungsgebiete schließen Gemeinden, die durch die Entwicklungsdynamik des
Haupt-
zentrums (einer Bezirksstadt) unter etwaiger Mitwirkung der Nebenzentren beeinflusst werden,
ein. Im Betrachtungsgebiet finden sich nachfolgende Entwicklungsgebiete:
• OB6 Entwicklungsgebiet Ústí nad Labem/Aussig – ist durch die Gebiete der Gemeinden mit
erweitertem Wirkungsbereich (GEW) Ústí nad Labem/Aussig und Teplice/Teplitz (ohne
Ge-
meinden im südöstlichen Teil) abgegrenzt,
• OB7 Entwicklungsgebiet Liberec/Reichenberg – ist durch GEW Jablonec nad Nisou/Gablonz,
GEW Liberec/Reichenberg (ohne Gemeinden im westlichen Teil), GEW Tanvald/Tannwald
(ohne Gemeinden im nördlichen Teil) und GEW Železný Brod/Eisenbrod (nur Gemeinden im
nördlichen Teil) abgegrenzt,
• OB12 Entwicklungsgebiet Karlovy Vary/Karlsbad – ist durch GEW Karlovy Vary/Karlsbad
(ohne Gemeinden im südlichen Teil und ohne Militärschutzgebiet Hradiště), GEW Ostrov/
Schlackenwerth (ohne Gemeinden im nördlichen Teil) und GEW Sokolov/Falkenau (nur
Ge-
meinden im östlichen Teil) abgegrenzt.
Abb. 2: Karte der Raumstruktur gemäß „Raumentwicklungspolitik der Tschechischen
Republik 2008“
Quelle:
Raumentwicklungspolitik der Tschechischen Republik 2008, Institut für Raumentwicklung, Brno/Brünn 2009

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
15
Entwicklungsachsen
umfassen Gemeinden, in denen erhöhte Anforderungen an Raumverän-
derungen bestehen oder diese zu erwarten sind. Sie werden durch bestehende oder geplante
Verkehrsverbindungen sowie durch die Entwicklungsdynamik von entsprechenden Zentren
be-
stimmt. Nicht eingebunden sind Gemeinden, die bereits Bestandteil der Entwicklungsgebiete
sind. Im Betrachtungsgebiet befinden sich folgende Entwicklungsachsen:
• OS2 Entwicklungsachse Praha/Prag-Ústí nad Labem/Aussig-CZ-Grenze,
• OS3 Entwicklungsachse Praha/Prag-Liberec/Reichenberg-CZ-Grenze (Deutschland, Polen),
OS7 Entwicklungsachse Ústí nad Labem/Aussig-Chomutov/Komotau-Karlovy
Vary/Karls-
bad-Cheb/Eger-CZ-Grenze.
Die Bezirke präzisieren nach Bedarf in den „Grundsätzen der Raumentwicklung“ die Abgrenzung
der Entwicklungsgebiete und -achsen unter Beachtung der Gebiete einzelner Gemeinden, unter
besonderer Berücksichtigung der Orientierung für die Abgrenzung einzelner
Entwicklungsgebie-
te und -achsen.
Die „Raumentwicklungspolitik der Tschechischen Republik 2008“ grenzt auch
Sondergebiete
ab. Sondergebiete sind Gebiete, in denen im Vergleich mit anderen Gebieten der Tschechischen
Republik langfristig Probleme bezüglich der nachhaltigen Raumentwicklung, d.h. Probleme mit
der Sicherung günstiger Umwelt-und Wirtschaftsbedingungen sowie sozialer Kohäsion, bestehen.
In Bezug auf das sächsisch-tschechische Grenzgebiet sind das die Gebiete
• SOB5 Mostecko/Gebiet Brüx,
• SOB6 Krušné hory/Erzgebirge.
Gründe für die Abgrenzung des spezifischen Gebietes Mostecko/Brüx
a. Handlungsbedarf zur Beseitigung historisch bedingter struktureller Wirtschaftsprobleme
sowie sozialer Probleme.
b.
Handlungsbedarf zur Einschränkung bzw. Beseitigung großer sozialer und wirtschaftlicher
Probleme sowie Umweltprobleme, die vorwiegend aus Kohlebergbau, Energieerzeugung und
Schwerindustrie resultieren.
c. Handlungsbedarf bei der Rekultivierung und Umsetzung geeigneter Formen der Revitalisie-
rung der durch Immissionen aus den Energieerzeugungs- und Industrieanlagen
beeinträch-
tigten Gebiete, einschließlich der notwendigen Pflege und Erneuerung der stark beschädigten
Waldbestände im Erzgebirge.
d.
Handlungsbedarf zur nachhaltigen Nutzung der sich im Gebiet befindenden bedeutsamen
energetischen Rohstoffe, unter besonderer Berücksichtigung der Belastungsgrenzen des Ge-
bietes (Berücksichtigung des Gleichgewichts der drei Säulen der Nachhaltigkeit).
Gründe für die Abgrenzung des spezifischen Gebietes Krušné hory/Erzgebirge
a.
Handlungsbedarf bei der nachhaltigen Entwicklung und Nutzung des hohen
Erholungspo-
tenzials des einzigartigen Berggebietes, das Erholungsfunktion sowohl für die Tschechische
Republik als auch für den Freistaat Sachsen besitzt (in dem kein großflächiger Natur- und
Landschaftsschutz besteht). Das Gebiet ist zudem bedeutsam als Naturraum, insbesondere
aufgrund seiner Vogelschutzgebiete wie des Torfmoores Novodomsky-Kovářská, des
Östli-
chen Erzgebirges sowie weiterer Naturschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Gebiete.
b. Handlungsbedarf zur Verringerung der sich ständig erhöhenden Umweltverschmutzung
(Boden, Wasser, Atmosphäre) infolge der Auswirkungen der Industrie und Energieerzeugung.
Handlungsbedarf zur Beseitigung der Folgen der Umweltbelastung in der zweiten Hälfte des
20. Jahrhundert für die Waldbestände, insbesondere Vollendung der Waldbestandserneue-

image
image
16
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
rung, einschließlich der notwendigen Revitalisierung eines großen Teils der aus den 70er und
80er Jahren des 20. Jahrhundert stammenden provisorischen Waldanpflanzungen.
c. Handlungsbedarf zur Verringerung bzw. Beseitigung der sozialen und wirtschaftlichen Folgen
struktureller Wirtschaftsbenachteiligung durch eine langfristig ungünstige Entwicklung in
dünn besiedelten und entvölkerten Gebieten. Diese zeigt sich besonders in fehlenden Ar-
beitsplätzen, hoher Arbeitslosigkeit sowie Überalterung und Fluktuation der Bevölkerung.
Aufgrund des Gebietscharakters ist es notwendig, vor allem die Entwicklung von Anlagen und
Dienstleistungen in den Bereichen Erholungs- und Tourismuswirtschaft, Forst- und
Landwirt-
schaft zu fördern.
d. Handlungsbedarf bei der Verbesserung ungenügender Verkehrserreichbarkeit sowohl von
außen (insbesondere durch grenzüberschreitende Verkehrsverbindungen) als auch innerhalb
des Gebietes.
e. Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Verfügbarkeit der technischen Infrastruktur und
bei der Regelung des drohenden unkoordinierten Ausbaus von Windkraftanlagen.
Sächsischer
Im Landesentwicklungsplan
Teil des Betrachtungsgebietes
2003 (LEP) wurde ein dreistufiges Modell der Zentralen Orte
ein-
geführt und durch den Entwurf des LEP 2013
4
bestätigt. Neben den im Landesentwicklungsplan
ausgewiesenen Ober- und Mittelzentren werden durch die Regionalpläne Grundzentren fixiert.
Im Grenzraum befinden sich nachfolgende
Ober- und Mittelzentren
:
Oberzentrum Plauen und Bautzen als Teil des oberzentralen Städteverbundes
Bautzen-Gör-
litz-Hoyerswerda
Mittelzentren:
− Oelsnitz,
Reichenberg im Vogtland,
− Mittelzentraler Verbund Göltzschtal (Auerbach-Ellefeld-Falkenstein-Rodewisch),
Mittelzentraler Verbund Silberberg (Aue-Lauter-Bernsbach-Lößnitz-Schlema-Schnee-
berg-Schwarzenberg),
Annaberg-Buchholz,
Marienberg,
Freiberg,
Dippoldiswalde,
Freital,
Pirna,
Löbau,
Zittau.
Das Grundgerüst für die angestrebte räumliche Entwicklung Sachsens bilden die überregionalen
Verbindungsachsen, welche die Zentralen Orte verbinden. Für das Grenzgebiet sind nachfolgende
überregionale Verbindungs- und Entwicklungsachsen, die durch den Entwurf des LEP 2013
abge-
grenzt wurden, von Bedeutung:
• OZ Plauen-Oelsnitz- Pilsen/Plzeň,
• OZ Zwickau-MZV „Silberberg“-Karlovy Vary/Karlsbad-Plzeň/Pilsen,
4
Auf eine weitere Differenzierung zwischen Mittelzentren und mittelzentrale Ergänzungsstandorte wurde im Entwurf des
LEP 2013 verzichtet.

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
17
• OZ Chemnitz-GZV Ehrenfriedersdorf-Thum-Geyer-MZ Annaberg-Buchholz-Oberwiesenthal-
Karlovy Vary/Karlsbad-Plzeň/Pilsen,
• OZ Chemnitz-GZ Zschopau-MZ Marienberg-Chomutov/Komotau-Praha/Prag,
OZ Dresden-Praha/Prag (Autobahn A 17, Bundesstraße B 170, Eisenbahnverbindung
/Hoch-
geschwindigkeitsstrecke Berlin-Dresden-Praha/Prag-Budapest),
• Bautzen (Teil des OZV)-MZ Löbau-Zittau-Liberec/Reichenberg-Praha/Prag,
Görlitz-Zittau-Liberec.
Das Netz der überregionalen Achsen wurde in den Regionalplänen durch Regionale Verbindungs-
und Entwicklungsachsen ergänzt.
Im Entwurf des LEP 2013 wurden darüber hinaus Räume mit besonderem Handlungsbedarf
festgelegt. Dies sind Räume mit besonderen Sanierungs-, Entwicklungs- und Förderaufgaben, die
auf Grund ihrer Lage im Raum oder ihrer umwelt- und bergbaubedingten Belastungen einer be-
sonderen Unterstützung bedürfen. Das betrifft im Betrachtungsgebiet:
die grenznahen Gebiete an der Staatsgrenze zur Republik Polen und zur Tschechischen Republik,
die Bergbaufolgelandschaften des Braunkohlen- und Altbergbaus.
2.2
Bevölkerung und demografische Entwicklung
2.2.1 Bevölkerung, Einwohnerdichte
Im sächsisch-tschechischen Betrachtungsgebiet leben ca. 2,78 Mio. Einwohner. Der Anteil der
Männer und der Frauen ist ausgeglichen – jeweils ca. 50%. Die Einwohnerdichte liegt im
Durch-
schnitt des gesamten sächsisch-tschechischen Grenzgebietes bei 146 EW/km² und damit über
dem EU-Durchschnitt (EU-25 – 117 EW/km²). Im tschechischen Teil (134 EW/km²) des
Betrach-
tungsgebietes ist die Einwohnerdichte niedriger als im sächsischen Teil (166 EW/km²).
Kreis
Einwohnerdichte
2010
Einwohnerzahl
Entwicklung
2006 bis
12/31/2006
12/31/2010
2010 (in %)
Kreisfreie Stadt Plauen
647
68 430
66 098
­3,4
Altkreis Vogtlandkreis
136
188 568
178 304
­5,4
Altkreis Annaberg
179
82 383
78 577
­4,6
Altkreis Aue­Schwarzenberg
232
129 246
122 391
­5,3
AK Mittlerer Erzgebirgskreis
140
88 030
83 133
­5,6
Altkreis Freiberg
150
143 343
137 272
­4,2
Altkreis Weißeritzkreis
155
121 239
119 034
­1,8
Altkreis Sächsische Schweiz
150
138 486
133 274
­3,8
Altkreis Bautzen
148
147 994
141 804
­4,2
Altkreis Löbau-Zittau
190
140 982
132 481
­6,0
Sächsischer Teil gesamt
166
1 248 701
1 192 368
-4,5
Tab. 5: Einwohnerdichte und Einwohnerentwicklung im Zeitraum 2006 bis 2010

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18
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Kreis
Einwohnerdichte
2010
Einwohnerzahl
Entwicklung
2006 bis
12/31/2006
12/31/2010
2010 (in %)
Cheb/Eger
91
90 692
95 321
5,1
Karlovy Vary/Karlsbad
79
120 797
119 289
­1,2
Sokolov/Falkenau
123
93 113
92 834
­0,3
Děčín/Tetschen
149
134 576
135 238
0,5
Chomutov/Komotau
136
125 040
127 218
1,7
Litoměřice/Leitmeritz
114
113 443
117 941
4,0
Louny/Laun
78
86 134
87 220
1,3
Most/Brüx
250
116 832
116 797
0
Teplice/Teplitz
277
127 980
129 932
1,5
Ústí nad Labem/Aussig
301
119 260
121 699
2,0
Česká Lípa/Leipa
97
106 256
104 278
­1,9
Jablonec nad Nisou/Gablonz
225
88 783
90 569
2,0
Liberec/Reichenberg
172
161 161
170 410
5,7
Semily/Semil
107
74 574
74 685
0,1
Tschechischer Teil gesamt
134
1 558 641
1 583 431
1,6
GRENZGEBIET GESAMT
146
2 807 342
2 775 799
-1,1
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen, Berechnung IfL (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008),
Tschechisches Statistisches Amt, öffentliche Datenbank
Abb. 3: Einwohnerdichte im Jahr 2010

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
19
Im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes ist die Situation bezüglich der Bevölkerungs-
entwicklung günstiger. Hier wurde ein leichter Anstieg der Einwohnerzahl in den Jahren 2006
bis 2010 verzeichnet und zwar um 1,6%. In fünf Kreisen ist im Jahr 2010 eine positive
Bevölke-
rungsentwicklung gegeben. Im Vergleich zum Jahr 2006 hat sich jedoch der Einwohnerzuwachs
in den meisten tschechischen Kreisen verringert.
Das sächsische Grenzgebiet ist dagegen durch einen anhaltenden Rückgang der Bevölke-
rung gekennzeichnet, der sowohl durch Wanderungsverluste, aber zunehmend auch durch
die natürliche Bevölkerungsentwicklung geprägt ist – im selben Zeitraum verminderte sich
die Einwohnerzahl im sächsischen Grenzgebiet um 4,5%. In allen Kreisen ist ein
anhalten-
der Bevölkerungsverlust festzustellen, auch wenn sich die Situation in den meisten Kreisen
gegenüber dem Jahre 2006, insbesondere infolge einer geringeren Abwanderung, leicht ver-
bessert hat.
Kreis
2006
2010
Natürliche
EW-Entw.
Räumliche
EW-Entw.
EW-Entw.
gesamt
Natürliche
EW-Entw.
Räumliche
EW-Entw.
EW-Entw.
gesamt
kfS Plauen
­5,0
­1,2
­6,2
­6,6
1,8
­4,8
AK Vogtlandkreis
­6,9
­5,8
­12,7
­7,3
­6,6
­13,9
AK Annaberg
­4,4
­6,3
­10,7
­4,3
­6,1
­10,4
AK Aue­Schwarzenberg
­5,4
­8,4
­13,8
­6,8
­4,6
­11,4
AK Mittlerer Erzgebirgs­
kreis
­3,9
­11,9
­15,8
­4,8
­8,2
­13,0
AK Freiberg
­3,6
­7,7
­11,3
­4,9
­6,4
­11,3
AK Weißeritzkreis
­2,7
­3,9
­6,6
­3,0
0,3
­2,6
AK Sächsische Schweiz
­4,6
­6,7
­11,3
­5,5
­3,2
­8,7
AK Bautzen
­3,2
­10,3
­13,5
­4,6
­4,5
­9,1
AK Löbau-Zittau
­6,3
­10,6
­16,9
­7,9
­8,4
­16,3
Cheb/Eger
1,3
5,4
6,7
0,9
­0,7
0,2
Karlovy Vary/Karlsbad
­0,1
­0,1
­0,2
­0,1
­1,1
­1,2
Sokolov/Falkenau
1,3
­4,1
­2,9
1,6
­2,3
­0,7
Děčín/Tetschen
­0,2
3,8
3,6
0,4
­4,1
­3,7
Chomutov/Komotau
0,9
­2,5
­1,5
1,3
4,8
6,2
Litoměřice/Leitmeritz
­0,4
­11,9
­12,3
0,3
­1,2
­0,8
Louny/Laun
0,2
2,1
2,3
0,2
­0,7
­0,5
Most/Brüx
­0,2
0,1
0
­0,4
­3,6
­4,1
Teplice/Teplitz
­0,3
3,3
3,0
0,1
­0,5
­0,4
Ústí nad Labem/Aussig
1,8
3,4
5,3
1,0
1,0
2,0
Česká Lípa/Leipa
1,4
­2,7
­1,3
2,1
­0,8
1,3
Jablonec nad Nisou/Gab­
lonz
0,2
4,3
4,5
1,8
0,1
2,0
Liberec/Reichenberg
1,1
8,1
9,1
2,9
0,8
3,6
Semily/Semil
­0,2
­0,1
­0,3
0
­0,2
­0,2
Tab. 6: Demografische Entwicklung im Vergleich 2006 zu 2010
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen, Berechnung IfL (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008),
Tschechisches Statistisches Amt, öffentliche Datenbank

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20
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Abb. 4: Bevölkerungsentwicklung im Zeitraum 2006 bis 2010
Abb. 5: Natürliche Bevölkerungsentwicklung im Jahre 2010

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
21
Migration im Grenzraum
Mit dem EU-Beitritt 2004, dem Beitritt zum Schengenraum 2008 sowie der
Arbeitnehmerfreizü-
gigkeit 2011 sind im sächsisch-tschechischen Grenzraum die Rahmenbedingungen für ein noch
engeres Zusammenwachsen gegeben, das schließt sowohl Potenziale zur zunehmenden Arbeits-
pendlerverflechtung als auch zur entsprechenden Wohnstandortwahl ein. Dem
sächsisch-tsche-
chischen Grenzraum wird zudem aufgrund der gegebenen verkehrlichen Erschließung eine gute
Erreichbarkeit im Vergleich zu anderen Grenzräumen
5
attestiert.
Die Analyse der grenzübergreifenden Zu- und Wegzüge im sächsisch-tschechischen Grenz-
raum ergab eine leicht steigende Tendenz. Die Zuzüge nach Sachsen sind leicht gestiegen und die
Wegzüge nach Tschechien fast gleich bleibend.
Die Wanderungen aus und nach Tschechien sind stark durch Studenten oder auch zeitlich be-
fristete, in Sachsen lebende Tschechen, geprägt. Dementsprechend sind die Hauptziele der Wan-
derungen vor allem die Hochschulstandorte wie Freiberg und Zittau (TU Bergakademie Freiberg,
Hochschule Zittau/Görlitz, Internationales Hochschulinstitut Zittau), oder stehen wie im Weiße-
ritzkreis im Zusammenhang mit dem deutsch-tschechischen Gymnasium in Pirna. Darüber hinaus
können wenige Urlauberorte Gewinne nachweisen. Von tschechischer Seite werden ebenfalls nur
sehr geringe Wanderungen (zum Teil auch Rückwanderungen) aus Sachsen beobachtet.
Trotz eines breiten Angebotes an Wohnraum im sächsischen Grenzraum ist kein verstärkter Zu-
zug aus Tschechien nachweisbar, vergleichbar den Trends in Teilräumen an der polnischen Grenze.
5
vgl. MKW GmbH (2004): Mobilitätspotenzial im Grenzraum Sachsen-Bayern-Tschechien-Österreich
(http://www.eures-
interalp.com/interalp/de/publikationen.html).
Abb. 6: Wanderungssaldo im Jahre 2010

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22
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
2.2.2 Altersstruktur der Bevölkerung
Die Altersstruktur im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes ist noch günstiger als in Sachsen,
verschlechtert sich jedoch allmählich. Der Anteil der Bevölkerung im produktiven Alter lag zum 31.
Dezember 2010 bei 70,6%. Relativ günstige Werte sind auch beim Altersindex
6
zu verzeichnen,
je-
doch mit einer markanten Verschlechterungstendenz, von 85,6 im Jahre 2006 auf 94,1 im Jahre 2010.
Im sächsischen Teil des Betrachtungsgebietes führt die anhaltende negative Bevölkerungsent-
wicklung zu Verwerfungen in der Altersstruktur. Der Anteil der Bevölkerung im produktiven Alter
lag hier zum 31. Dezember 2010 bei 62,8% und damit unter dem sächsischen Landesdurchschnitt
(64,1%). Der Altersindex ist sehr hoch, auch wenn sich dieser im Vergleich zum Jahr 2006 leicht
von 228,5 im Jahre 2006 auf 223,3 im Jahre 2010 verbessert hat.
2.2.3 Bevölkerungsprognose
Für das Betrachtungsgebiet wird bis zum Jahre 2025 ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert.
Vor allem im sächsischen Teil hält der starke Bevölkerungsrückgang an. Die Prognose der
Einwoh-
nerzahl in den Bezirken im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes ist günstiger, sie berück-
sichtigt jedoch keine Migrationseinflüsse.
In Zusammenhang mit dem prognostizierten anhaltenden Bevölkerungsrückgang sind z.B. eine
Verschlechterung der Altersstruktur und ein deutlicher Anstieg des Anteiles der Einwohner älter
als 65 Jahre, mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen, zu erwarten.
6
Altersindex – Anteil der Bevölkerung älter als 65 Jahre an der Bevölkerung im Alter 0-14 Jahre.
Abb. 7: Anteil der Bevölkerung im produktiven Alter 2010

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
23
Altkreis/ Kreis
0-14 Jahre
15-64 Jahre
über 65 Jahre
Altersindex
2006
2010
2006
2010
2006
2010
2006
2010
kfS Plauen
6 885
7 206
44 841
41 334
16 704
17 558
242,6
243,7
Vogtland
18 472
18 867
122 984
111 527
47 112
47 910
255
253,9
Annaberg
8 969
9 471
54 790
50 238
18 624
18 868
207,6
199,2
Aue­Schwar­
zenberg
13 175
13 644
85 119
77 746
30 952
31 001
234,9
227,2
Mittleres Erzge­
birge
9 472
9 791
58 149
52 854
20 409
20 488
215,5
209,3
Freiberg
15 112
15 914
94 492
86 683
33 739
34 675
223,3
217,9
Weißeritz
13 505
14 947
81 528
75 901
26 206
28 186
194,0
188,6
Sächsische
Schweiz
14 418
15 514
90 151
82 168
33 917
35 592
235,2
229,4
Bautzen
16 115
17 113
98 057
90 041
33 822
34 650
209,9
202,5
Löbau-Zittau
14 300
14 565
90 160
80 804
36 522
37 112
255,4
254,8
Sächsischer Teil
gesamt
130 423
137 032
820 271
749 296
298 007
306 040
228,5
223,3
10,40%
11,50%
65,70%
62,80%
23,90%
25,70%
Cheb/Eger
13 464
14 366
65 739
67 815
11 489
13 140
85,3
91,5
Karlovy Vary/
Karlsbad
17 092
16 574
86 295
84 094
17 410
18 621
101,9
112,4
Sokolov/Falke­
nau
14 758
14 176
67 189
66 158
11 166
12 500
75,7
88,2
Děčín/Tetschen
21 005
21 011
96 452
95 162
17 119
19 065
81,5
90,7
Chomutov/
Komotau
19 407
19 363
91 243
91 809
14 390
16 046
74,1
82,9
Litoměřice/
Leitmeritz
17 185
17 799
80 026
82 166
16 232
17 976
94,5
101,0
Louny/Laun
13 291
13 441
61 488
61 594
11 355
12 185
85,4
90,7
Most/Brüx
17 946
17 482
84 247
83 135
14 639
16 180
81,6
92,6
Teplice/Teplitz
19 904
19 988
91 441
91 494
16 635
18 450
83,6
92,3
Ústí nad La­
bem/Aussig
18 666
19 128
85 272
85 483
15 322
17 088
82,1
89,3
Česká Lípa/
Leipa
16 894
16 491
77 384
74 803
11 978
12 984
70,9
78,7
Jablonec nad
Nisou/Gablonz
12 900
13 289
63 754
63 448
12 129
13 832
94,0
104,1
Liberec/
Reichenberg
23 887
25 805
115 479
119 708
21 795
24 897
91,2
96,5
Semily/Semil
10 926
10 762
52 055
51 244
11 593
12 679
106,1
117,8
Tschechischer
Teil gesamt
237 325
239 675
1 118 64 1 118 113
203 252
225 643
85,6
94,1
15,20%
15,10%
71,70%
70,60%
13,00%
14,30%
GRENZGEBIET
GESAMT
367 748
376 707 1 938 335 1 867 409
501 259
531 683
136,3
141,1
13,10%
13,60%
69,00%
67,30%
17,90%
19,20%
Tab. 7: Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung 2006 bis 2010
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen, Berechnung IfL (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008),
Tschechisches Statistisches Amt, öffentliche Datenbank, Berechnung ÚÚR

image
image
image
24
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Tab. 8: Bevölkerungsprognose bis zum Jahre 2025
7
7
Die Prognose der Einwohnerzahl im Jahre 2025 in den tschechischen Bezirken wurde ohne Berücksichtigung der Migration
erstellt.
Abb. 8: Altersindex im Jahr 2010
Bezirk/Kreis
Einwohner-
zahl 2010
Einwohnerprognose für
2025
Veränderung 2025/2010
in %
Variante 1
Variante 2
Variante 1
Variante 2
kfS Plauen
66 098
57 100
55 500
­13,6
­16,0
Vogtlandkreis
178 304
147 900
144 900
­17,1
­18,7
Altkreis Annaberg
78 577
66 200
64 500
­15,8
­17,9
Altkreis Aue­Schwarzenberg
122 391
101 800
99 400
­16,8
­18,8
AK Mittlerer Erzgebirgskreis
83 133
69 500
68 000
­16,4
­18,2
Altkreis Freiberg
137 272
115 700
112 200
­15,7
­18,3
Altkreis Weißeritzkreis
119 034
113 300
109 400
­4,8
­8,1
Altkreis Sächsische Schweiz
133 274
118 800
115 100
­10,9
­13,6
Altkreis Bautzen
141 804
122 500
119 700
­13,6
­15,6
Altkreis Löbau-Zittau
132 481
109 200
106 700
­17,6
­19,5
Sächsischer Teil gesamt
1 192 368
1 022 000
995 400
-14,3
-16,5
Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad
307 444
308 010
0,2
Ústecký kraj/Bezirk Aussig
836 045
834 243
­0,2
Liberecký kraj/Bezirk Reichen­
berg
439 942
440 124
0
Tschechischer Teil gesamt
1 583 431
1 582 377
-0,1
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen: Regionalisierte Bevölkerungsprognose (Basis: Kreisstruktur 1. Januar
2008), Tschechisches Statistisches Amt, Bevölkerungsprognose der Bezirke und Kreise der Tschechischen
Republik bis 2065, Berechnung ÚÚR

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
25
2.3
Wirtschaftsentwicklung und Tourismus
2.3.1 Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt
Zahl der Erwerbstätigen nach Sektoren, Bruttoinlandsprodukt
Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren in der Tschechischen Republik
Die Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren widerspiegelt die geographische Charakteristik der
Bezirke. Typisch ist ein sehr niedriger Anteil des Primären Sektors (Landwirtschaft, Forstwirt-
schaft, Fischerei und Fischzucht).
Wesentlich höher ist der Anteil des Sekundären Sektors (Rohstoffabbau, Verarbeitungsindust-
rie, Elektroenergie-, Erdgas- und Wasserversorgung, Baugewerbe) im Betrachtungsgebiet,
insbe-
sondere im Bezirk Ústí, wo gegenüber der Situation in den Jahren 2000 und 2005 ein Anstieg der
Erwerbstätigenzahl verzeichnet wurde.
Den höchsten Beschäftigtenanteil gibt es im Tertiären Sektor.
Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren im Freistaat Sachsen
Auffallend ist der relativ hohe Anteil des Sekundären Sektors in der Mehrzahl der Altkreise. Da-
hinter verbirgt sich zum einen ein hoher Anteil Beschäftigter im Baugewerbe, aber auch ein noch
gut aufgestellter mittelständischer Unternehmensbereich, der an die bisherigen Wirtschaftstra-
ditionen anknüpfen konnte, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Mit Ausnahme der Stadt Plauen
ist in den Kreisen der Dienstleistungssektor noch nicht so stark ausgeprägt wie im
Landesdurch-
schnitt. Zudem besitzt nur im Altkreis Aue-Schwarzenberg (Erzgebirge) die Land-und
Forstwirt-
schaft einen geringeren Beschäftigtenanteil als im Landesdurchschnitt.
Primärer Sektor
(CZ-NACE:A)
Sekundärer Sektor
(CZ-NACE:B-F)
Tertiärer Sektor
(CZ-NACE:G-S)
Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad
4,0
58,0
82,3
Ústecký kraj/Bezirk Aussig
7,5
158,6
194,9
Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg
4,1
96,1
100,7
Tab. 9: Struktur der Wirtschaftssektoren nach Zahl der Erwerbstätigen (am Wohnsitz) je
Tausend Einwohner – Jahr 2010
Tab. 10: Anteile der Wirtschaftssektoren nach Zahl der Erwerbstätigen (am Wohnsitz) in % –
Jahr 2010
Primärer Sektor
(CZ-NACE:A)
Sekundärer Sektor
(CZ-NACE:B-F)
Tertiärer Sektor
(CZ-NACE:G-S)
Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad
2,8
40,2
57,1
Ústecký kraj/Bezirk Aussig
2,1
43,9
54,0
Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg
2,0
47,9
50,1

image
image
26
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Bruttoinlandsprodukt
Ein grundlegender Indikator zur Bewertung der Konkurrenzfähigkeit und des ökonomischen
Ni-
veaus einer Region ist das regionale Bruttoinlandsprodukt (BIP).
Dieser Indikator wird in der
Tschechischen Republik
bis zur Bezirksebene (NUTS 3)
statis-
tisch erfasst. Aus dem Vergleich des regionalen BIP mit dem nationalen BIP in den Jahren 2005 bis
2009 geht hervor, dass das BIP je Einwohner aller betrachteten Bezirke unter dem
Landesdurch-
schnitt liegt. Im Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad und insbesondere im Liberecký kraj/Bezirk
Reichenberg kam es in diesem Zeitraum im Vergleich mit dem Landesdurchschnitt zur beträcht-
lichen Senkung des BIP je Einwohner. Die günstigste Situation ist im Ústecký kraj/Bezirk Aussig,
wo sich während des betrachteten Zeitraums nur ein geringer Rückgang des BIP je Einwohner
gegenüber dem Landesdurchschnitt zeigte.
Im Freistaat
Sachsen
, mit Ausnahme der Stadt Plauen und des Landkreises Freiberg, liegt das BIP
je EW aller Grenzkreise unter dem sächsischen Durchschnitt. Mit 71,2% hebt sich auch der
Land-
kreis Bautzen leicht von den restlichen Grenzkreisen ab. Im Vergleich zum bundesdeutschen BIP
liegt das Niveau zwischen 51,1% (Mittlerer Erzgebirgskreis) und 83,4% (Freiberg). Der Landkreis
Annaberg mit einer rückläufigen Entwicklung und der Mittlere Erzgebirgskreis mit fast gleich
bleibendem Niveau des regionalen BIP weisen dabei die größten Probleme auf.
Primärer Sektor
Sekundärer Sektor
Tertiärer Sektor
Kreisfreie Stadt Plauen
0,9
24,7
74,4
Altkreis Vogtlandkreis
3,5
38,0
58,5
Altkreis Annaberg
2,3
37,6
60,1
Altkreis Aue­Schwarzenberg
1,5
35,8
62,7
AK Mittlerer Erzgebirgskreis
3,6
40,2
56,2
Altkreis Freiberg
3,8
33,8
62,4
Altkreis Weißeritzkreis
4,0
33,1
62,9
Altkreis Sächsische Schweiz
4,6
28,4
67,0
Altkreis Bautzen
3,0
29,7
67,3
Altkreis Löbau-Zittau
3,2
28,7
68,1
Sachsen
2,1
26,6
71,3
Tab. 11: Anteile der Wirtschaftssektoren nach Zahl der Erwerbstätigen (am Arbeitsort) in % –
Sachsen 2010
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008)
Bezirk
2006
2007
2008
2009
Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad
71,8
71,2
68,9
67,6
Ústecký kraj/Bezirk Aussig
81,3
79,2
80,3
79,8
Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg
81,3
77,1
72,8
69,5
Quelle:
Tschechisches Statistisches Amt (2011): Hauptindikatoren der regionalen Rechnungen.
http://apl.czso.cz/p
ll/rocenka/rocenka.indexnu_reg [zit. 2011-07-11].
Tab. 12: Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (Tschechische Republik = 100%)

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
27
Arbeitsmarkt
Registrierte Arbeitslose
Die Arbeitslosenquote im
tschechischen Teil
des grenznahen Gebietes wuchs von 2000 bis zum
Jahr 2004 und in einigen Kreisen bis zum Jahr 2005. Ab dem Jahr 2005 kam es in den meisten
Kreisen zum allmählichen Rückgang der Arbeitslosenquote bis zum Jahr 2008, danach begann in
einigen Kreisen die Arbeitslosenquote wieder anzuwachsen.
Im Jahre 2009 wurde die höchste Arbeitslosenquote von 13,6% im Ústecký kraj/Bezirk Aussig
registriert. Im Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg erreichte die Arbeitslosenquote 11,2% und im
Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad 11,1%. Unter den Kreisen weist der Kreis Most/Brüx die
höchs-
te Arbeitslosenquote von 16,4% auf.
Im Jahre 2010 war in den meisten Kreisen des Betrachtungsgebietes noch ein Anstieg der
Ar-
beitslosenquote zu beobachten, jedoch wurde in einigen Fällen, insbesondere im ganzen
Libe-
recký kraj/Bezirk Reichenberg und weiterhin im Kreis Cheb/Eger-Karlovarský kraj/Bezirk
Aus-
sig bereits ein leichter Rückgang registriert. Ähnlich wie in den vorhergehenden Jahren wies der
Ústecký kraj/Bezirk Aussig die höchste Arbeitslosenquote mit 13,9% auf, während die niedrigste
Quote (10,5%) der Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg verzeichnete.
Unter den Kreisen wurde die höchste Arbeitslosenquote von 16,5% wieder im Kreis Most/
Brüx registriert, was gegenüber dem Landesdurchschnitt von 9,6% fast das Doppelte
dar-
stellt.
Der Arbeitsmarkt hat sich in
Sachsen
insgesamt, aber vor allem auch in den Grenzkreisen, in
den letzten Jahren stabilisiert. Nach dem Krisenjahr 2009 erlebte die sächsische Wirtschaft 2010
eine starke konjunkturelle Erholung, die sich auch im Rückgang der Arbeitslosenzahlen 2010 in
den Grenzkreisen niederschlug. Insbesondere die Regionen, die eine breit aufgestellte und inno-
vative Wirtschaft besitzen wie Freiberg, aber auch Kreise im Umfeld der großen Städte wie der
Weißeritzkreis, haben sich stabiler entwickelt.
Tab. 13: Bruttoinlandsprodukt je Einwohner (Tschechische Republik = 100%)
2006
2009
BIP BRD 2009 = 100%
Kreisfreie Stadt Plauen
23 245
23 634
80,7
Altkreis Vogtlandkreis
16 599
18 071
61,7
Altkreis Annaberg
17 766
17 741
60,6
Altkreis Aue­Schwarzenberg
16 212
17 553
60,0
AK Mittlerer Erzgebirgskreis
14 783
14 956
51,1
Altkreis Freiberg
21 866
24 407
83,4
Altkreis Weißeritzkreis
15 905
17 542
59,9
Altkreis Sächsische Schweiz
15 153
16 533
56,5
Altkreis Bautzen
19 030
20 856
71,2
Altkreis Löbau-Zittau
15 268
17 092
58,4
Sachsen
21 040
22 212
75,9
Quelle:
Statistisches Landesamt Sachsen (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008)

image
image
image
image
28
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Abb. 9: Anteile der Wirtschaftssektoren nach Zahl der Erwerbstätigen im Jahre 2010
Abb. 10: Arbeitslosenquote im Jahre 2010

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
29
Tab. 15: Entwicklung der Arbeitslosen im Zeitraum 2006 bis 2010 – Sachsen
8
8
Bezugsbasis der Arbeitslosenquote sind alle zivilen Erwerbspersonen, für 2010 eigene Berechnung
Tab. 14: Arbeitslosenquote in % – Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbspersonen in Tschechien
Quelle:
Ministerium für Arbeit und soziale Angelegenheiten der Tschechischen Republik
Bezirk/Kreis
2005
2006
2007
2008
2009
2010
Karlovarský
kraj/Bezirk
Karlsbad
10,28
9,2
7,32
7,62
11,07
11,4
Cheb/Eger
8,38
7,46
5,93
6,89
9,89
9,7
Karlovy Vary/Karlsbad
9,91
8,87
7,45
7,38
10,48
10,9
Sokolov/Falkenau
12,73
11,46
8,67
8,71
13,26
14,1
Ústecký kraj/
Bezirk
Aussig
15,41
13,77
10,96
10,26
13,61
13,9
Děčín/Tetschen
15,07
12,88
11,0
10,78
14,96
15,7
Chomutov/Komotau
15,47
12,26
9,68
9,86
13,22
13,3
Litoměřice/Leitmeritz
12,15
10,56
8,5
8,32
11,34
11,5
Louny/Laun
13,17
12,11
8,93
8,84
11,7
12,4
Most/Brüx
21,25
19,47
15,46
13,06
16,41
16,5
Teplice/Teplitz
16,79
15,69
11,72
10,57
13,83
14,0
Ústí nad Labem/Aussig
13,42
13,32
11,28
10,01
13,39
13,7
Liberecký
kraj/Bezirk
Reichenberg
7,73
7,04
6,05
6,95
11,24
10,54
Česká Lípa/Leipa
8,02
7,39
7,06
7,68
13,2
12,38
Jablonec nad Nisou
6,56
5,93
5,31
6,6
12,01
10,02
Liberec/Reichenberg
8,23
7,45
5,98
6,68
10,21
10,12
Semily/Semil
7,41
6,87
5,73
7,0
10,08
9,65
Tschechische Republik
8,88
7,67
5,98
5,96
9,24
9,6
Quelle:
Statistik der Bundesagentur für Arbeit Nürnberg (Basis: Kreisstruktur 1. Januar 2008), Statisches Landes
amt Sachsen, eigene Berechnung
Arbeitslose absolut
Arbeitslosenquote in %
Entwick-
lung
2006 bis
2010
in %
2006
2008
2010
2006
2008
2010
Kreisfreie Stadt Plauen
5 825
4 503
4 002
15,7
13,4
10,9
­30,6
Altkreis Vogtlandkreis
14 300
9 933
8 404
11,9
10,3
10,5
­11,8
Altkreis Annaberg
7 540
5 322
4 098
15,8
12,3
10,4
­34,2
Altkreis Aue­Schwarzenberg
12 798
9 030
7 562
16,8
13,3
13,7
­18,5
AK Mittlerer Erzgebirgskreis
8 595
5 771
4 257
16,2
12,2
11,5
­29,0
Altkreis Freiberg
11 509
7 034
5 618
13,1
9,3
8,5
­35,1
Altkreis Sächsische Schweiz
12 434
8 157
7 997
16,4
13,4
13,2
­19,5
Altkreis Weißeritzkreis
9 006
6 409
5 552
12,2
11,8
10,5
­13,9
Altkreis Bautzen
15 165
10 112
9 718
17,7
13,2
12,8
­27,7
Altkreis Löbau-Zittau
13 146
10 422
8 132
18,3
15,7
13,4
­26,8
Sachsen
371 909
279 560
253 518
15,4
12,4
11,1
-27,9

image
image
30
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Arbeitspendler
Eine wichtige Voraussetzung für berufliche Mobilität (Pendeln) ist ein Verkehrsnetz, das es
Pend-
lern erlaubt, von ihren Wohnungen aus ihre Arbeitsplätze in einer vertretbaren Zeit zu erreichen.
Reliefbedingt verlaufen zwar viele Straßen parallel zur Grenze, trotzdem ist im Vergleich zu
Bay-
ern und Österreich das grenzüberschreitende Straßennetz im Raum Sachsen-Tschechien (trotz
Gebirge) gut ausgebaut (u.a. grenzüberschreitende Autobahn: Dresden-Praha/Prag).
Aufgrund des hohen Einkommensgefälles gibt es zurzeit kaum Pendler aus Deutschland nach
Tschechien. Gleichfalls pendeln nur sehr wenige Arbeitnehmer aus Tschechien nach Sachsen. Gründe
für die geringe Zahl sind neben der noch hohen Arbeitslosigkeit im sächsisch-tschechischen Grenz-
raum (vgl. Tab. 14/15) die Sprachbarriere, Unterschiede in der Ausbildung und fehlende Anerken-
nung von Ausbildungsabschlüssen. Veränderungen sind im Kontext zum Fachkräftemangel möglich.
Gewerbeflächen
In der
Tschechischen Republik
müssen die das Gebiet einer Gemeinde betreffenden Gewerbe-
entwicklungsflächen in den „Grundsätzen der Gebietsentwicklung von Bezirken“ abgegrenzt
wer-
den. In den aktuellen „Grundsätzen der Gebietsentwicklung des Karlovarský kraj/Bezirk
Karls-
bad“ wurden für den Karlovarský kraj/Bezirk Karlovy Vary insgesamt zehn Wirtschaftsparks,
Industriezonen und Industrieparks abgegrenzt. Die übrigen zwei Bezirke haben in ihren
„Grund-
sätzen der Gebietsentwicklung“ keine derartigen neuen Flächen ausgewiesen.
Im Betrachtungsgebiet wurde, wie im Freistaat
Sachsen
insgesamt, eine Vielzahl neuer Gewer-
begebiete geplant bzw. entwickelt. Angesichts der bestehenden Überhänge an bebaubaren Flächen
in Sachsen sind Neuausweisungen von Baugebieten vor allem im Kontext mit Zentralen Orten
zuläs-
sig. Es gilt prinzipiell, dass neue Flächen nur unter Beachtung ungenutzter genehmigter Bauflächen,
brach gefallener Baugebiete und von Flächenreserven im unbeplanten Innenbereich entwickelt wer-
den können. D.h., dass ein besonderer Fokus auf der Nutzung von Brachen sowie der Verdichtung/
Auslastung bereits vorhandener bzw. baurechtlich genehmigter Industrie- und Gewerbegebiete liegt.
Regionale Vorsorgestandorte
für Industrie und produzierendes Gewerbe sind in den Regional-
plänen im Einvernehmen mit den betroffenen Gemeinden ausgewiesen. Sie dienen auf lange Sicht
dem Freihalten raumstrukturell geeigneter Flächen für künftig mögliche Ansiedlungen großer,
landesweit bzw. regional bedeutsamer Einzelvorhaben der gewerblichen Wirtschaft. Nur die
Pla-
nungsregion Oberlausitz-Niederschlesien hat aktuell für das Betrachtungsgebiet keine
Vorsorge-
standorte ausgewiesen.
Brachen
Das für die Lösung der Problematik der Revitalisierung von Brachflächen verantwortliche Ressort
ist in der
Tschechischen Republik
das Ministerium für Industrie und Handel in Zusammenarbeit
mit dem Umwelt- und dem Finanzministerium. Die Regierung der Tschechischen Republik bestä-
tigte durch ihren Beschluss Nr. 857 vom 9. Juli 2008 die „Nationale Strategie der Revitalisierung
von Brachen“. Ziel dieser Strategie ist es, die Attraktivität und den Wert von Brachen durch
Kon-
versionsmaßnahmen zu erhöhen.
In der Tschechischen Republik gibt es die Nationale Datenbank der Brachflächen, die durch die
Agentur für Wirtschafts- und Investitionsförderung Czechinvest verwaltet wird. Czechinvest ist eine
dem Ministerium für Industrie und Handel nachgeordnete Einrichtung. Die Nationale Datenbank
der Brachflächen bietet über das Webseitenportal
http://www.brownfieldy.cz/
(tschechisch,
eng-

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
31
lisch) Flächen an, die für inländische und internationale Investoren zur Verfügung stehen. Die Da-
tenbank unterstützt die Revitalisierung brachgefallener Gebiete und erleichtert den Investoren
die Auswahl eines passenden Standortes für ihre Unternehmenstätigkeit in der Tschechischen
Republik. Ein ausreichendes Angebot rekultivierter Areale sowie die Sicherung der Finanzierung
von Kostenlücken durch die öffentliche Hand tragen zur Senkung von Investitionen auf der
„Grü-
nen Wiese“ bei. Zudem gibt es auch Bezirksdatenbanken, die eine große Zahl von Brachflächen
erfassen
9
.
Um das Potenzial vorhandener Brachen noch besser erschließen zu können, werden im Frei-
staat
Sachsen
vielfältige Aktivitäten zum Aufbau von Brachflächenkatastern unternommen. Am
weitesten fortgeschritten sind dazu die Bemühungen im Bereich der Landesdirektion Chemnitz
(entspricht dem Gebiet des RPV Region Chemnitz). Ziel ist die vollständige Erfassung und
Bewer-
tung der Brachen. Die Erarbeitung erfolgt in enger Zusammenarbeit der Kreise und Gemeinden
mit der Landesdirektion.
Die Flächenvermarktung wird durch Kataloge
10
zu entwicklungsfähigen Flächen für Investoren
(Gewerbegebiete, Brachen) zentral durch die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Sachsen – aber
auch über regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaften [wie die Wirtschaftsförderung
Erzge-
birge (WFE), Standortverwaltungs- und -entwicklungsgesellschaft Freiberg (SAXONIA) sowie die
Landratsämter] unterstützt.
2.3.2 Tourismus
Die Tourismuswirtschaft ist auf beiden Seiten der sächsisch-tschechischen Grenze ein wichtiger
Bestandteil der Wirtschaftsstruktur, da sich hier bekannte touristische Destinationen befinden.
Der Grenzraum verfügt über ein bedeutsames Tourismuspotenzial sowohl aus Sicht der Land-
schaft, der Naturbesonderheiten als auch vorhandener historischer Siedlungen, von Kultur- und
technischen Denkmalen, weiterer Sehenswürdigkeiten sowie etablierter Kurorte.
Als bedeutende Landschafts-/Tourismusgebiete im tschechischen Teil sind insbesondere das
Erzgebirge, die Böhmische Schweiz und das Lausitzer Gebirge zu benennen. Die weiteren
Land-
schaftsräume im tschechischen Betrachtungsgebiet grenzen nicht an Sachsen und sind daher für
die Zusammenarbeit im Tourismusbereich nachrangig. Im sächsischen Teil besitzen die Ferienre-
gionen Vogtland, Erzgebirge, Sächsische Schweiz und Oberlausitz (im Grenzraum mit dem
Ober-
lausitzer Bergland und Zittauer Gebirge) Bedeutung. Gemeinsam grenzübergreifend agierende
Gebiete wie die Sächsisch-Böhmische Schweiz und das Erzgebirge (gemeinsame
UNESCO-Welt-
kulturerbe-Bewerbung als grenzüberschreitende Montane Kulturlandschaft) besitzen
überdurch-
schnittliches Entwicklungspotenzial.
Für die Tourismuswirtschaft sind auch Kurorte signifikant, in Tschechien vor allem die
bedeutsa-
men Heilbäder Karlovy Vary/Karlsbad, Františkovy Lázně/Franzensbad, Mariánské
Lázně/Mari-
9
http://karlovyvary-region.eu/databaze.php
http://karlovyvary-region.eu/interaktivni-mapa/
http://invest-uk.cz/nabidky/
http://regionalni-rozvoj.kraj-lbc.cz/page3531
10
Standortportal – Zentral:
http://www.invest-in-saxony.net/de/Service/Gewerbeflaechen-Suche/19575.html
http://www.wirtschaftsatlas-sachsen.de/
Regional:
http://www
.wirtschaft-im-erzgebirge.de/de/Wirtschaft/Gewerbegebiete_Immobilien_1064.html
http://www.suedwestSachsen.de/wirtschaft/frm_gewerbestandorte.htm
http://www.lausitz.de/de/wirtschaftsregion/gewerbestandorte.html?PHPSESSID=817cpgidjr
8prssive844tl566

image
image
32
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
enbad und Teplice/Teplitz, während in Sachsen z.B. Bad Schandau, Bad Elster, Bad Brambach und
Rathen als Kur- und Erholungsorte hervorzuheben sind.
Die Region verfügt zudem über vielfältige historische Siedlungen sowie Kultur- und technische
Denkmale. In Tschechien sind hervorhebenswert z.B. die historischen Stadtkerne von Cheb/Eger,
Kadaň/Kaaden, Litoměřice/Leitmeritz, Úštěk/Auscha und Žatec/Saaz und das Freilichtmuseum
der Volksarchitektur in Zubrnice/Saubernitz. In Sachsen zählen zu den Zentren des Städtetouris-
mus im Betrachtungsgebiet z.B. Plauen, Annaberg-Buchholz, Freiberg und Zittau.
Durch den Grenzraum führen zudem verschiedene Radfernwege. Auf der tschechischen Seite
verlaufen die Radfernwege entlang der Labe/Elbe, Odra/Oder und Ploučnice/Polzen.
Hervorhe-
benswert auf sächsischer Seite sind der Elsterradweg, der Zschopautalradweg, der Mulderadweg,
der Spreeradweg, der Oder-Neiße-Radweg, der Radfernweg Sächsische Mittelgebirge, die
Mittel-
land-Route, die Sächsische Städteroute und der Froschradweg. Beide Staaten werden insbesonde-
re durch den Elberadweg sowie den Weg „Greenway Eiserner Vorhang“ verbunden.
Im
tschechischen Betrachtungsgebiet
konzentrieren sich die Bettenkapazitäten in den
Krei-
sen mit entwickelten Kurorten (Karlovy Vary/Karlsbad, Cheb/Eger) sowie in Kreisen mit hohem
Naturpotenzial für Erholung und Tourismus (Semily/Semil, Česká Lípa/Leipa, Jablonec nad
Ni-
sou/Gablonz, Liberec/Reichenberg). Die Kreise mit Kureinrichtungen (einschließlich Teplice/
Teplitz mit einer nur durchschnittlichen Gästebettenzahl) weisen die höchste Auslastung der Bet-
tenkapazität sowie Durschnittsaufenthaltsdauer auf. Diese ist im Vergleich mit anderen Kreisen
ungefähr zweimal so hoch.
Bestehende Infrastruktur
Tab. 16: Zahl und Auslastung der Betten in Beherbergungseinrichtungen, Stand zum 31. Dezem-
ber 2010 – Tschechien
Bezirk
Kreis
Gästebetten
Gäste-
ankünfte
pro Jahr
Über-
nachtun-
gen pro
Jahr
Betten-
auslas-
tung pro
Jahr (%)
Durch-
schn.
Aufent-
haltsdau-
er (Tage)
Plätze für Zelte
und Caravans
absolut je TEW
absolut je TEW
KV
Cheb/Eger
12 151
127,5
325 802
2 086 211
47,04
6,40
650
6,82
Karlovy Vary/Karlsbad
14 824
124,12
318 265
2 070 110
38,26
6,50
270
2,26
Sokolov/Falkenau
1 120
12,06
26 390
62 680
15,33
2,38
250
2,69
UL
Děčín/Tetschen
4 684
34,51
58 457
143 529
8,40
2,46
565
4,16
Chomutov/Komotau
3 254
25,74
49 927
133 297
11,22
2,67
516
4,08
Litoměřice/Leitmeritz
3 266
27,67
52 196
151 453
12,7
2,90
308
2,61
Louny/Laun
920
10,54
9 852
28 126
8,38
2,85
20
0,23
Most/Brüx
1 056
9,00
28 300
61 562
15,97
2,18
Teplice/Teplitz
2 754
21,19
54 994
295 139
29,36
5,37
55
0,42
Ústí nad Labem/
Aussig
1 206
9,93
35 802
63 701
14,47
1,78
392
3,23
LI
Česká Lípa/Leipa
9 160
87,96
114 814
361 057
10,80
3,14
1 201
11,53
Jablonec nad Nisou/
Gablonz
8 354
92,42
110 621
401 821
13,18
3,63
50
0,55
Liberec/Reichenberg
6 524
38,42
150 105
480 890
20,19
3,20
1 006
5,92
Semily/Semil
13 758
184,18
257 028
962 711
19,17
3,75
780
10,44
Betrachtungsgebiet
83 031
52,46 1 592 553 7 302 287
24,09
4,59
6 063
3,83

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
33
Entsprechend dem unterschiedlichen touristischen Potenzial differiert die Bettenausstattung
zwischen den Kreisen. Insbesondere in den Altkreisen Annaberg, Sächsische Schweiz,
Weißeritz-
kreis und Vogtlandkreis konzentrieren sich die Bettenkapazitäten. Dabei besitzen vor allem der
Vogtlandkreis und der Altkreis Sächsische Schweiz aufgrund des Bettenanteils in Vorsorge- und
Rehabilitationskliniken auch traditionell Potenziale im Gesundheitstourismus.
2.4 Verkehrsinfrastruktur
Eine leistungsfähige Verkehrsinfrastruktur ist eine der grundlegenden Voraussetzungen zur
Ent-
wicklung der Grenzregionen und damit ein wesentlicher Entwicklungsfaktor für die Wirtschaft
und Lebensqualität.
Im Betrachtungsgebiet ist die Autobahn A17/D8 die wichtigste Verkehrsverbindung auf inter-
nationaler Ebene. Sie ist ein Bestandteil des multimodalen paneuropäischen Korridors IV (PEK)
(Straßenkorridor: Berlin-Dresden-Praha/Prag-Brno/Brünn-Bratislava-Györ-Budapest-Arad-Cra-
iova-Sofia-Plovdiv-Istanbul mit den ergänzende Linien: A Nürnberg (Deutschland)-Praha/Prag; B
Arad-Bukarest (Rumänien)-Constanța (Rumänien); C Sofia-Thessaloniki (Griechenland)) ist. Mit
Vollendung der A17 auf deutscher Seite sowie zukünftig der D8 auf tschechischer Seite wird sich
die Situation im Bereich der überregionalen Verbindungsachse Dresden-Praha/Prag wesentlich
verbessern.
Für den Schienenkorridor des PEK IV (Berlin-Nürnberg/Dresden-Praha/Prag-Wien-Budapest-
Arad) besitzt die Strecke 6240/098 große Bedeutung, in die sich die geplante Hochgeschwindig-
keitsstrecke Dresden-Praha/Prag einordnet.
Wichtig für den Grenzraum ist zudem die Lage zum Internationalen Verkehrsflughafen
Dres-
den, dessen Einzugsgebiet nach Südbrandenburg, Nordböhmen (z.B. Entfernung in die Region
Ústí/Aussig nur 50 km) und Niederschlesien in Polen reicht.
2.4.1 Schienenverkehr
Eine Übersicht der wichtigen regionalen und überregionalen grenzübergreifenden
Schienenver-
kehrsstrecken im Betrachtungsgebiet ist in nachfolgender Tabelle enthalten:
Gästebetten
(Betten je TEW)
Reha- Einr.
(Betten je TEW)
Gesamtbetten
(Betten je TEW)
Auslas-
tung
(%)
Aufent-
haltsdauer
in Tagen
2006
2010
2006
2010
2006
2010
2010
2010
Vogtlandkreis
26,9
28,6
7,8
8,2
34,7
36,8
43,5
4,6
Erzgebirgskreis
34,2
35,3
1,5
1,6
35,7
36,9
35,8
3,1
Landkreis Mittelsachsen
14,5
15,4
0
0
14,5
15,4
30,3
2,6
Landkreis Sächsische
Schweiz ­Osterzgebirge
51,3
56,9
11,2
12,3
62,5
69,2
42,5
3,9
Landkreis Bautzen
12,0
12,7
0
0
12,0
12,7
30,9
2,9
Landkreis Görlitz
29,9
35,5
0,9
1,6
30,8
37,1
28,8
2,8
Tab. 17: Vorhandene Gästebetten je 1 000 EW gemäß neuer Kreisstruktur (2006, 2010) –
Sachsen

image
image
34
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Für das Betrachtungsgebiet ist weiterhin die Strecke Löbau-Ebersbach (Sachsen)-Varnsdorf/
Warnsdorf (in Tschechien als eine Gesamtstaats- und in Sachsen als eine Regionalstrecke) mit
dem Grenzübergang Varnsdorf/Seifhennersdorf von Bedeutung. Darüber hinaus gibt es im
Be-
trachtungsgebiet Anforderungen an Erhaltung, Umbau oder Wiederaufnahme von
Regionalei-
senbahnstrecken. Als Beispiel für die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs kann die Regional-
strecke Bad Schandau-Sebnitz-Dolní Poustevna/Niedereinsiedel-Mikulášovice/Nixdorf-Šluknov/
Schlukenau-Rumburk/Rumburg angeführt werden.
2.4.2 Straßenverkehr
Dem mit der EU-Erweiterung zunehmenden überregionalen Verkehrsaufkommen ist mit dem
Ausbau des Straßennetzes, insbesondere der Autobahnen und der Bundesstraßen (CZ: Klasse I)
Rechnung zu tragen. Für die Sicherung der vielfältigen grenzübergreifenden Beziehungen in den
Bereichen Wirtschaft, Tourismus, Versorgung und soziale Vernetzung der Grenzorte im Betrach-
tungsgebiet sind zudem die Staats-, Kreis- und Gemeindestraßen zu entwickeln. Die
Ausgangs-
situation ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Der Kategorie der deutschen Straßen sind
die jeweiligen Anbindungen auf tschechischem Gebiet sowie die möglichen Nutzungen
zugeord-
net.
Mit 32 grenzüberschreitenden Straßenverbindungen ist die quantitative Voraussetzung für
eine gute Erschließung des Betrachtungsgebietes gegeben. In einzelnen Fällen besteht Bedarf am
Ausbau von neuen Straßen, Ortsumgehungen sowie Umbau bestehender Straßen und – nicht
zu-
letzt – an organisatorischer Zusammenarbeit bei der Sicherung der Kompatibilität des
Straßen-
ausbaus und der Straßenkategorisierung auf tschechischem und deutschem Gebiet.
Tab. 18: Bedeutsame Strecken im Betrachtungsgebiet
Strecke
DB/ČD
Relation/Korridor (einschl. bedeutsa­
mer anschließender Strecken)
Grenzübergang
Nutzung
6270/147
Plauen (Vogtl.)-Františkovy Lázně
(Strecke 148 Hranice v Čechách-Aš-
Františkovy Lázně-Cheb/Tršnice)
Bad Brambach/Vojtanov a Plesná
gemischt (Pers.­
und Güterverkehr)
6651/145
Zwickau­Sokolov
Klingenthal/Kraslice
Personenverkehr
6264/142
Zwickau­Nejdek­Karlovy Vary
Johanngeorgenstadt/Potůčky
gemischt (Pers.­
und Güterverkehr)
6623/137
Chemnitz­Chomutov
Bärenstein/Vejprty
Personenverkehr
6240/098
Berlin­Dresden­Praha
Bad Schandau/Děčín
gemischt (Pers.­
und Güterverkehr)
6586/088
Dresden/Görlitz-Jiříkov-Rumburk
(081-Rybniště-Jedlová-Benešov nad
Ploučnicí-Děčín-východ/Česká Lípa)
Ebersbach/Rumburk
gemischt (Pers.­
und Güterverkehr)
6588/089
Zittau-Großschönau-Varnsdorf-
Rybniště (081-Jedlová-Benešov nad
Ploučnicí-Děčín-východ/Česká Lípa)
Großschönau/Varnsdorf
Personenverkehr
6214/089
Dresden-Görlitz-Zittau-Hrádek nad
Nisou­ Liberec
Zittau/Hrádek nad Nisou
gemischt (Pers.­
und Güterverkehr)

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
35
Straßenverbindung
Kategorie, Bezeichnung
Nutzung
D (Sachsen)
CZ (Tschechien)
Straße – D
Straße – CZ
Ústecký kraj
/Bezirk Aussig
Region Chemnitz
Neurehefeld
Moldava
S 184
II/382
Kfz bis 3,5t/Busse
Deutschgeorgenthal
Český Jiřetín
G
III/2545
Kfz bis 3,5t
Deutscheinsiedel
Mníšek
S 207
II/271
Kfz bis 3,5t/Busse
Deutschneudorf
Nová Ves v Horách
G
III/2541
Kfz bis 3,5t
Deutschkatharinenberg
Hora Sv. Kateřiny (Brandov)
G
III/25220
Kfz bis 3,5t
Rübenau
Kalek
G
III/25217
Kfz bis 2,8t
Reitzenhain
Hora Sv. Šebestiána
B 174
I/7
Kfz ohne Einschränkungen (außer
Gefahrguttransporte)
Bärenstein
Vejprty
S 262 (B 95)
II/219
Kfz ohne Einschränkungen (Sper­
rung auf CZ­Seite für Kfz >7,5 t)
Planungsregion Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Sebnitz
Dolní Poustevna
S 154a
II/267
Kfz bis 3,5t
Schmilka
Hřensko
B 172
I/62
Kfz bis 3,5t/Busse
Bahratal
Petrovice
S 173
II/248
Kfz bis 3,5t/Busse
Breitenau
Krásný Les
A17 (E 55)
D 8 (E 55)
Ohne Einschränkung
Zinnwald
Cínovec
K 9033
III/00824
früher I/8
Kfz bis 3,5 t/Linienbusse
Altenberg
Cínovec
B 170
I/8H
Kfz bis 12,0t/Busse
Planungsregion
Oberlausitz
­Niederschlesien
Großschönau
Varnsdorf
S 137
II/264
Kfz bis 7,5t/Busse
Seifhennersdorf
Varnsdorf
S 141
II/265
Kfz bis 7,5t/Busse
Seifhennersdorf
Rumburk
S 139
III/26330
Kfz bis 7,5t/Busse
Neugersdorf
Rumburk
S 148
I/9
Ohne Einschränkung
Neugersdorf
Jiříkov (Rumburk)
K 8668
III/26328
Kfz bis 3,5t/Busse
Ebersbach
Jiříkov
G
II/263
Kfz bis 3,5t/Busse
Sohland
Rožany
S 116
III/2666
Kfz bis 3,5t
Karlovarský kraj
/Bezirk Karlsbad
Region Chemnitz
Oberwiesenthal
Boží Dar
B 95
I/25
Kfz ohne Einschränkungen (Sper­
rung auf CZ­Seite für Kfz > 10 t)
Johanngeorgenstadt
Potůčky
S 272a
II/221
Kfz bis 3,5t
Klingenthal/Aschberg
Bublava
G
III/2187
Kfz bis 3,5t
Klingenthal
Kraslice
S 304a
II/210
Kfz bis 3,5t
Wernitzgrün
Luby
K 7841
II/212
Kfz bis 3,5t
Schönberg
Vojtanov
B 92 (E 49)
I/21 (E 49)
Ohne Einschränkung
Bad Elster
Doubrava
K 7843
II/216
Kfz bis 3,5t
Bad Elster/Bärenloh
Hranice
S 306
III/2172
Kfz bis 3,5t
Ebmath
Hranice
S 308
II/217
Kfz bis 3,5t
Liberecký kraj
/Bezirk Reichenberg
Planungsregion
Oberlausitz­
Niederschlesien
Lückendorf
Petrovice
S 132
II/270
Kfz bis 3,5t/Busse
Zittau (Friedensstraße-
Porajow (PL)
Hradek nad Nisou
Liberec
S 132a
1026(PL)
R 35
Kfz bis 12 t/Busse
Tab. 19: Bedeutsame Verbindungsstraßen im Betrachtungsgebiet

image
image
36
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
2.4.3 Wasserstraße und Binnenhäfen
Die Wasserstraße im Betrachtungsgebiet wird durch den natürlichen Wasserlauf der Elbe
gebil-
det. Die Elbe ist als transeuropäische Wasserstraße im internationalen AGN-Vertrag
11
verankert.
Sie durchfließt im Betrachtungsgebiet den sächsischen Landkreis Sächsische
Schweiz-Osterzge-
birge und den tschechischen Ústecký kraj/Bezirk Aussig. Erforderliche Maßnahmen zur
Erhal-
tung der Schiffbarkeit erfolgen auf beiden Seiten des Betrachtungsgebietes.
Die Bedeutung der Wasserstraße Elbe nimmt im Bereich der Personenschifffahrt, speziell im
Bereich des Tourismus zu und gleichzeitig sinkt die Bedeutung der Frachtschifffahrt weiter.
Öffentliche Häfen an der Elbe auf tschechischer Seite des Grenzraumes sind die Häfen
Lovo-
sice/Lobositz, Lovosice/Lobositz-Prosmyky/Prosmik, Ústí nad Labem/Aussig (Umschlagstelle
Vaňov/Wanow und der Hafen Ústí nad Labem/Aussig-Krásné Březno/Priesen), Děčín/Tetschen
(Děčín/Tetschen-Rozbělesy a Děčín-Loubí) und Píšťany/Pistian.
Sachsen verfügt an der Elbe über drei Binnenhäfen (Dresden-Friedrichstadt, Riesa, Torgau).
Der dem Betrachtungsgebiet am nächsten gelegene ist Dresden. Von regionaler/lokaler Bedeu-
tung sind im Gebiet nachfolgende Anlagen der Binnenschifffahrt:
zwei Werkshäfen/Umschlagstellen (Pirna, Prossen),
drei bundeseigene Häfen (Pirna, Prossen, Birkwitz).
2.4.4 Luftverkehr
Im Betrachtungsgebiet sind keine Flughäfen mit internationaler Bedeutung vorhanden. Die
nächstgelegenen Flughäfen des TEN-V-Kernnetzes sind Halle-Leipzig und Praha/Prag.
Für die Region zudem bedeutsam ist die Lage zum Internationalen Verkehrsflughafen Dresden.
Von Bedeutung ist auch der Flughafen Karlovy Vary/Karlsbad, der der einzige Flughafen mit
inter-
nationalem Betrieb im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes ist und eine gute
Erreichbar-
keit besitzt. Die Notwendigkeit der Stabilisierung der Vogtlandbahn nach Karlovy Vary/Karlsbad
wird auch mit Hinweis auf die Flugplatzanbindung untersetzt.
2.4.5 Güterverkehrszentren (GVZ)
Güterverkehrszentren (GVZ) bündeln logistische Dienstleistungs- und Distributionsfunktionen und
leisten einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Straßengüterverkehrs. Ein GVZ schließt ein Terminal
des kombinierten Ladungsverkehrs ein. Im sächsischen Grenzraum befindet sich kein GVZ, allerdings
ist mit dem GVZ in Dresden-Neustadt sowie dem GVZ Südwestsachsen die Realisierung des
kombi-
nierten Transportes auch für die Betrachtungsregion gegeben. Der zurzeit wichtigste Knotenpunkt des
kombinierten Verkehrs ist auf tschechischer Seite die Umschlagsstelle in Lovosice/Lobositz. Obwohl
die geförderte „Rollende Landstraße“ zwischen Lovosice/Lobositz und Dresden im Jahre 2002
been-
det wurde, ist diese Umschlagstelle für die Anbindung an das Straßennetz (Autobahn D8), das Schie-
nennetz (I. Eisenbahntransitkorridor) und an die Wasserstraße Elbe funktions- und entwicklungsfähig.
Gleichzeitig ist es der am besten ausgestattete Verkehrsknotenpunkt in der Tschechischen Republik.
In Vorbereitung befindet sich der Aufbau eines weiteren GVZ im Bereich Ústí n. Labem-Lovosice.
11
Europäisches Übereinkommen über die großen Wasserstraßen von internationaler Bedeutung (AGN) – abgeschlossen in
Genf am 19. Januar 1996

image
image
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
37
2.4.6 ÖPNV
Der Öffentliche Personenverkehr (ÖPV) ist eine Alternative zum motorisierten Individualverkehr
und umfasst den Nah- und Fernverkehr. Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) schließt
so-
wohl den Straßen- als auch den Schienenpersonennahverkehr ein. Neben der
Sicherung/Herstel-
lung infrastruktureller Voraussetzungen ist es in erster Linie notwendig, die unterschiedlichsten
Verkehrsträger und Verbindungen untereinander abzustimmen, die Angebote auf beiden Seiten
(Fahrpläne) zu publizieren und abgestimmte Tarifangebote zu entwickeln. Dabei sollen die Ange-
bote sowohl den Alltagsverkehr als auch den touristischen Verkehr einschließen.
Im grenz- und ländergrenzenübergreifenden Bereich in den Regionen Vogtland, Oberes Elbtal,
Erzgebirge, Oberlausitz haben die Verkehrsverbünde diese Problematik aufgenommen und über
grenzübergreifende Projekte Lösungen entwickelt.
Ein Teil der Untersuchungsregion ist in das länderverbindende Nahverkehrssystem EgroNet
eingebunden:
• Bezirk Karlovy Vary/Karlsbad,
• Stadt Cheb/Eger,
• Zweckverband ÖPNV Vogtland (Vogtlandkreis und Stadt Plauen),
Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (Landkreis Zwickau und Stadt Zwickau;
Erz-
gebirgskreis).
Zudem sind neun weitere Landkreise und zwei Städte aus Bayern und Thüringen integriert.
Dieses grenzüberschreitende Nahverkehrssystem bietet die Möglichkeit, Busse, Züge und
Stra-
ßenbahnen im Vierländereck Böhmen, Bayern, Thüringen und Sachsen zu nutzen. Das EgroNet
umfasst insgesamt eine Fläche von ca. 15.000 Quadratkilometern zwischen Karlsbad/Karlovy
Vary, Marienbad/Marianske Lazne, Eger/Cheb, Weiden, Hof, Zeulenroda, Gera, Plauen,
Reichen-
bach, Zwickau, Aue und Johanngeorgenstadt. Alle Nahverkehrsmittel können mit dem EgroNet-
Ticket genutzt werden. Die Fahrpläne und Informationen sind zweisprachig.
Im Bereich des Zweckverbandes Verkehrsverbund Oberelbe (ZVOE) verkehren
grenzüber-
greifend der Elbe-Labe Sprinter zwischen Bad Schandau und Děčín/Tetschen, saisonal der R 20
(Wanderexpress Bohemica) zwischen Dresden und Děčin/Tetschen und es wurde eine
Bus-Re-
gionallinie zwischen Dresden und Teplice/Teplitz eingeführt. Im ZVOE gibt es ein gemeinsames
Tarifkonzept für den Sächsisch-Tschechischen Grenzraum. In diesem Nahverkehrsraum sind die
Elbfähren ein Bestandteil der regionalen ÖPNV-Erschließung und nehmen u.a. wichtige
Funktio-
nen für den regionalen und überregionalen Erholungsverkehr wahr. Im grenzübergreifenden
Ver-
kehr ist es die Verbindung Hřensko/Herrnskretschen-Schöna (Anbindung an Bahnhof Schöna).
Im Wirkungsbereich des Zweckverbandes Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON) wurde
2009/2010 eine Verkehrskonzeption (Ziel 3/Cíl 3-Projekt LUISE) im Grenzraum Freistaat
Sach-
sen, Tschechische Republik und Republik Polen erarbeitet, dessen Kernstück die
Modernisie-
rung der Eisenbahnstrecke Liberec/Reichenberg-Hrádek nad Nisou/Grottau-Zittau-Varnsdorf/
Warnsdorf-Seifhennersdorf-Rybništé/Teichstatt
12
ist. Einbezogen in die Untersuchungen wurden
der Busverkehr, die Einrichtung mehrsprachiger Informationssysteme und ein einheitliches Tarif-
12
Die Teilstrecke Zittau-Hrádek n.N./Grottau-Liberec/Reichenberg ist in den vergangenen Jahren auf tschechischer Seite
bereits umfassend als hochwertige Regionalverkehrsstrecke saniert worden. Im Fokus der deutsch-tschechischen Aus-
baubemühungen steht nunmehr der Abschnitt Zittau-Hrádek n.N., der auch zu 2,7 km über polnisches Territorium
ver-
läuft. Diese weiteren Ausbaubemühungen ordnen sich auch in das grenzüberschreitende Ziel 3/Cíl 3-Projekt LUISE zur
Attraktivierung der Gesamtstrecke Liberec-Zittau-Varnsdorf-Rybniště/Seifhennersdorf ein.

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38
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
und Ticketsystem sowie das Marketing. In der Fortschreibung des Nahverkehrsplanes des
Zweck-
verbandes Oberlausitz Niederschlesien
13
wird die Umsetzung des Konzeptes (Fortsetzung des Ziel
3/Cíl 3-Projektes LUISE als erstes Entwicklungsprojekt verankert. Ein einheitliches Tarifsystem,
ein mehrsprachiges Informationssystem (Internet, Infotelefon) und ein Beschwerdemanagement
sind eingerichtet, neue Zugangsstellen werden geprüft.
2.5
Technische Infrastruktur
2.5.1 Energieversorgung
Die Stromerzeugung basiert in der Tschechischen Republik ebenso wie im Freistaat Sachsen zum
überwiegenden Teil auf dem Energieträger Kohle.
Kohle
Im tschechischen Teil des Grenzraums befindet sich um Most/Eger und Sokolov/Falkenau das
nordböhmische Braunkohlenbecken. Der abgebaute Rohstoff wird in den nahe gelegenen Wärme-
kraftwerken genutzt. Die Leistung dieser großen Stromerzeugungsanlagen ist für die
Energiever-
sorgung der Tschechischen Republik ausschlaggebend. Zurzeit erfolgt der Umbau und Ersatz alter
Kraftwerke durch moderne und effektivere Kraftwerksblöcke mit besseren Umweltparametern.
Kraftwerke, insbesondere die im Ústecký kraj/Bezirk Aussig, arbeiten in Kraft-Wärme-Kopplung,
d.h. sie nutzen die gewonnene Wärme (höhere Energienutzung des Primärbrennstoffes) für die
Einspeisung in das großflächige System der zentralen Wärmeversorgung.
13
Fortschreibung des Nahverkehrsplanes ZVON, Schlussfassung v. 13. Dezember 2010
Abb. 11: Bruttostromerzeugung in Tschechien 2010 nach Energieträgern
Quelle:
Jahresbericht der Regulierungsbehörde über den Betrieb der tschechischen Stromnetzwerke 2010

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
39
Im Jahr 2010 wurden in Sachsen 78,8% des gesamten Stromes aus Braunkohle in den
Kraftwer-
ken Lippendorf (Westsachsen) und Boxberg (Lausitz) produziert. Im Grenzraum befinden sich
keine Tagebaue und Kraftwerke für Grundlaststrom.
Stromnetz
Die Kraftwerke sind an ein System von Energieverteilungs- und Übertragungsanlagen 400 und 220 kV
(Výškov/Wischau, Hradec/Hradek) und an Verbindungsleitungen zwischen Verteilungsanlagen
ange-
schlossen. Das Übertragungssystem 400 kV ist an das Netz in Deutschland gekoppelt. In Vorbereitung
ist die zweite Verbindung in westlicher Richtung über die Verteilungsanlage Vítkov/Wigstadtl.
Erneuerbare
Auf tschechischer
Energien
Seite des Betrachtungsgebietes wird die Windenergie als eine der erneuerbaren
Energien genutzt. Günstige Bedingungen gibt es besonders auf dem Kamm des Erzgebirges. Diese
Standorte sind jedoch problematisch, da Windenergieanlagen das Landschaftsgepräge und damit
auch die Bedingungen für Erholung und Tourismus beeinträchtigen.
Für Standorte der Solarkraftwerke sind im tschechischen Grenzraum die Bedingungen weni-
ger günstig, jedoch auch hier werden diese Energieerzeugungsanlagen betrieben. Beide
Energie-
ressourcen ermöglichen keine gleichbleibende Energieerzeugung und können deshalb zu einer
Instabilität der Energie-übertragungssysteme führen.
Demgegenüber besitzen Wasserkraftwerke einen günstigen Einfluss auf die Stabilität des
Übertragungs- und Verteilnetzes. Ein Großteil der für die Nutzung von Wasserenergie geeigneten
Standorte, z.B. an Staudämmen und Stauwehren, wird bereits genutzt.
Im tschechischen Betrachtungsgebiet werden alle Arten erneuerbarer Energieressourcen
ge-
nutzt, auch wenn der Anteil am Gesamtvolumen der Elektroenergieerzeugung bislang gering ist.
Abb. 12: Bruttostromerzeugung in Sachsen 2010 nach Energieträgern
Quelle:
Energiedaten des Freistaates Sachsen SMWA 2010

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40
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Die Windenergie leistet momentan in Sachsen den bedeutendsten Beitrag zur Stromerzeugung
aus erneuerbaren Energien. So wurden im Jahr 2010 nach den amtlichen Energiedaten in Sachsen
1.336 GWh aus Windenergie erzeugt. Dies entspricht rund 6,3% des Strombedarfs in Sachsen.
Mittel- und langfristig können durch den Bau neuer Windenergieanlagen und durch das
Repowering schätzungsweise 12% des Strombedarfes aus Windenergie gedeckt werden.
Wachsende Bedeutung kommt auch der Nutzung der Sonnenenergie (Photovoltaik- und
Solar-
anlagen) zu.
Im Jahr 2010 wurden durch die in Sachsen betriebenen Wasserkraftanlagen 1,45% des
sächsi-
schen Strombedarfs gedeckt. Ein weiterer wirtschaftlicher Ausbau der Wasserkraftanlagen ist in
Sachsen nur begrenzt möglich.
Eine weitere Möglichkeit der Energiegewinnung ist die Nutzung landwirtschaftlicher Rohstoffe
z.B. in Biogasanlagen in Kraft-Wärme-Kopplung oder in Anlagen zur Biomasseheizung.
Nachwach-
sende Rohstoffe bilden in zunehmendem Maße ein neues, wirtschaftlich interessantes Standbein
der Landwirtschaft. Dem energetischen Konzept nach soll die Nutzung der Biomasse zur
Elektro-
energieerzeugung in Sachsen zukünftig einen bedeutsamen Beitrag leisten.
Gas
Von besonderer Bedeutung für die Gasversorgung in Deutschland und in der Tschechischen Re-
publik ist die Ostseepipeline Nord Stream, durch die das russische Erdgas auf dem Meeresboden
der Ostsee nach Europa, bzw. direkt nach Deutschland transportiert wird. In Lubmin bei
Greifs-
wald übernimmt die bereits fertig gestellte Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung (OPAL) das
Erd-
gas und transportiert es bis nach Olbernhau an der tschechischen Grenze, wo sich in der Nähe
der Gemeinde Brandov/Brandau eine Verdichterstation befindet. An diese Ferngasleitung knüpft
die gleichzeitig gebaute Versorgungs-Pipeline GAZELLE an, die durch Tschechien zur grenznahen
Verdichterstation Waidhaus in Bayern führt.
Von der Halbinsel Jamal, über Russland, Weißrussland und Polen weiter nach Deutschland,
führt die Versorgungs-Pipeline JAMAL, die über die im Betrachtungsgebiet befindlichen Verdich-
terstationen Olbernhau (D) und Brandov/Brandau (CZ) weiter in die Versorgungs-Pipeline nach
Praha/Prag Gas transportiert. Eine weitere überregionale Versorgungspipeline der ONTRAS-VNG
Gastransport GmbH führt über die Verdichterstation Sayda in die Tschechische Republik.
2.5.2 Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Kläranlagen
Öffentliche
Auf tschechischer
Trinkwasserversorgung
Seite des Betrachtungsgebietes ist die Kapazität der bestehenden
Trinkwasser-
ressourcen ausreichend, und die stagnierenden oder eher sinkenden Wasserentnahmen erfordern
keine Suche neuer Grundwasser- bzw. keine Erschließung weiterer Oberflächenwasserressourcen.
Bestehende Wasserressourcen werden in der Regel nicht bis zum Grenzwert ihrer Kapazität
ge-
nutzt, so dass die gegenwärtige Lage als stabil betrachtet werden kann. Der Anteil der Haushalte,
die an die öffentliche Wasserleitung angeschlossen ist, beträgt im Karlovarský kraj/Bezirk
Karls-
bad 99,7%, im Ústecký kraj/Bezirk Aussig 96,3% und Liberecký kraj/Bezirk Reichenberg 88,9%.
Die öffentliche Trinkwasserversorgung der Gemeinden in Sachsen erfolgt zu ca. 57% aus
Grundwasser und zu ca. 43% aus Oberflächenwasser (Gewinnung vorwiegend aus
Trinkwasser-
talsperren). Der Anschlussgrad der Gemeinden liegt zwischen 80 und 100%.

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
41
Abwasser
Städte oder
und
größere
Abwasserbehandlung
Gemeinden auf der tschechischen Seite verfügen in größerem oder auch
kleinerem Umfang über Abwasserentsorgungssysteme. Es handelt sich vorwiegend um
Misch-
kanalsysteme, die außer Abwasser auch Regenwasser ableiten. Das gesammelte Abwasser wird
meistens durch Abwasserkläranlagen gereinigt. Der Anteil der Haushalte, die an die öffentliche
Kanalisation und an Abwasserbehandlungsanlagen angeschlossen ist, liegt im Karlovarský kraj/
Bezirk Karlsbad bei 92,5%, im Ústecký kraj/Bezirk Aussig bei 78,9% und im Liberecký
kraj/Be-
zirk Reichenberg bei 67,3%.
Gemäß des erstellten „Planes der Entwicklung von Trinkwasserversorgungs- und Abwasser-
entsorgungsnetzen auf dem Gebiet der Tschechischen Republik“ werden Planungen für den
Umbau von Abwasserleitungen und für die Fertigstellung von Abwasserentsorgungsnetzen vor-
bereitet. Außerdem werden Rekonstruktions- und Modernisierungsprojekte für Kläranlagen
erar-
beitet. Diese Planungen verfolgen das Ziel, einen möglichst hohen Anteil der Bevölkerung an diese
Systeme anzuschließen.
Im Freistaat Sachsen sind insgesamt 90,6% der Bevölkerung an öffentliche Kanalisationen und
Abwasserbehandlungsanlagen angeschlossen.
Im Bereich der Abwasserentsorgung und -behandlung existieren bereits vielfältige Beispiele
der grenzübergreifenden Zusammenarbeit:
• die Zuführung der Abwässer aus Lückendorf in die Kläranlage Jablonné v Podještědí/Gabel,
• Bärenstein/Erzgebirge nutzt die Kläranlage der Gemeinde Vejprty/Weipert (CZ),
Abb. 13: Anschlussgrade Öffentliche Trinkwasserversorgung der Gemeinden in Sachsen
Quelle:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/download/ag_2005_A3_Gem_Internet.pdf
(2005)

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42
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
• Potúcky/Breitenbach (CZ) nutzt die Kläranlage von Johanngeorgenstadt,
• durch den Zweckverband Abwasserbeseitigung Obere Mandau und tschechische Partner
wird ein gemeinsames grenzüberschreitendes Abwassersystem im Gebiet Seifhennersdorf-
Rumburk/Rumburg (CZ)-Varnsdorf/Warnsdorf (CZ) betrieben, ein weiterer Ausbau ist
geplant.
2.6
Umwelt, Natur- und Landschaftsschutz
2.6.1 Natur- und Landschaftsschutz
Das sächsisch-tschechische Grenzgebiet hat sehr vielfältige Naturbedingungen und einen
ab-
wechslungsreichen Landschaftscharakter. Im Grenzraum befinden sich mehrere großflächige und
zahlreiche kleinere Schutzgebiete sowie Natura 2000-Gebiete.
Im
tschechischen Teil
des Betrachtungsgebietes liegt der
Nationalpark Böhmische
Schweiz.
Er wurde im Jahre 2000 bestätigt und hat ein Flächenausmaß von 79 km². Er umfasst den
wert-
vollsten Teil des Landschaftsschtzgebietes (LSG) Labské pískovce (Elbsandsteingebirge). Unter
Schutz gestellt sind hier insbesondere die einzigartigen Sandsteinfelsen und die an sie gebunde-
nen Ökosysteme. Zu den grundlegenden Formen dieses Gebietes gehören Klamm- und
Schluchttä-
ler, umgeben von Sandsteintürmen und -massiven, die örtlich Felsenstädte bilden. Die Region ist
besonders durch diese Sandsteintürme, -tore und -brücken (wie Pravčická brána – Großes Tor)
bekannt.
Das
LSG Elbsandsteingebirge
wurde im Jahre 1972 bestätigt. Auf einem Teil seiner Fläche ent-
stand im Jahre 2000 der Nationalpark Böhmische Schweiz. Heute bedeckt dieses LSG eine Fläche
von 245 km². Die Flora ist durch den wenig nährstoffhaltigen Sandsteinuntergrund, die extremen
Temperaturschwankungen und den Feuchtigkeitsmangel bedingt. Die Vielfältigkeit des Gebietes
ermöglicht die Existenz zahlreicher Lebewesen auf einem relativ kleinen Raum.
Im tschechischen Grenzraum befindet sich auch der Nationalpark Riesengebirge. Er grenzt an
den kleineren Teil des Nationalparks Riesengebirges (Karkonoski park narodowy) in Polen.
Darüber hinaus befinden sich hier weitere großflächige Schutzgebiete. In der Nähe der
tsche-
chisch-sächsischen Grenze liegen:
• LSG Böhmisches Mittelgebirge (CHKO České středohoří),
• LSG Elbsandsteingebirge (CHKO Labské pískovce),
• LSG Lausitzer Gebirge (CHKO Lužické hory).
Das LSG Böhmisches Mittelgebirge wurde im Jahre 1976 bestätigt. Aufgrund seiner Ausdehnung
stellt es das zweitgrößte Schutzgebiet in der Tschechischen Republik dar. Die Bestätigung erfolgte
aufgrund des in Mitteleuropa einzigartigen Landschaftsreliefs des jungtertiären Vulkangebirges, der
Mannigfaltigkeit des geologischen Aufbaus, der artenreichen Flora und charakteristischen Fauna.
Dank der günstigen Naturbedingungen wurde das Böhmische Mittelgebirge sehr bald besiedelt
und durch die menschliche Tätigkeit kultiviert. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich hier
eine einzigartige, harmonisch gestaltete Kulturlandschaft mit typischem Relief. Die Landschaft ist
geprägt durch Obstgärten, eine Vielzahl kleiner Siedlungen mit traditioneller Bebauung und
im-
posante historische Denkmäler.
Das LSG Lausitzer Gebirge
wurde im Jahre 1976 bestätigt. Es hat zurzeit eine Fläche von
276 km². Seine charakteristischen Merkmale sind eine harmonische und ästhetisch gestaltete

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
43
Landschaft, ein morphologisch markantes Relief und ein hoher Bewaldungsgrad. Zu den natur-
räumlich wertvollsten Bestandteilen des LSG Lausitzer Gebirge gehören Bestände natürlicher
Wälder in den Gipfelpartien, nasse Berg- und Vorgebirgswiesen mit wertvollen Pflanzenarten,
Bachfluren und geomorphologischen Gebilden.
Im
sächsischen Teil
des Betrachtungsgebietes liegt der
Nationalpark Sächsische
Schweiz,
der im Jahre 1990 gegründet wurde und eine Fläche von 93,5 km² aufweist. Er stellt eine
ein-
zigartige formenreiche Wald-Felslandschaft dar. Der Nationalpark ist eingebettet in das
Land-
schaftsschutzgebiet Sächsische Schweiz. Beide bilden in ihrer Einheit die „Nationalparkregion
Sächsische Schweiz“. Etwa 40% des Nationalparkgebietes stehen unter Naturschutz. Im Südosten
grenzt er an den tschechischen Nationalpark „Böhmische Schweiz“. Beide Nationalparks sind
ge-
prägt durch das Elbsandsteingebirge, ausgedehnte Waldbestände und eine sehr niedrige
Besied-
lungsdichte.
Zurzeit wird in Zusammenarbeit des Nationalparks „Sächsische Schweiz“ und des
National-
parks „Böhmische Schweiz“ eine gemeinsame Bewerbung um Aufnahme als
UNESCO-Weltnatur-
erbe vorbereitet. Zu diesem Zweck wurde eine Arbeitsgruppe für die Erarbeitung der
Antragstel-
lung gegründet.
Weitere bedeutsame großflächige Gebiete nahe der sächsisch-tschechischen Grenze sind:
• der Naturpark Erzgebirge/Vogtland,
• der Naturpark Zittauer Gebirge.
Der
Naturpark Erzgebirge/Vogtland ist der größte sächsische Naturpark mit einem
Gesamtaus-
maß von 1 495 km². Im Jahre 1996 wurden die oberen Lagen des Erzgebirges und des
Vogtlan-
des zum Naturpark erklärt. Der Naturpark ist durch eine reich gegliederte Landschaft mit einer
Vielzahl von wertvollen Ökosystemen gekennzeichnet. Das Parkgebiet ist ein Standort für stark
bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Bestandteil des Parks sind 181 Naturdenkmäler, 14
Land-
schaftsschutzgebiete, 45 Naturschutzgebiete, Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) und 3
Vogel-
schutzgebiete (SPA).
Die Träger des Naturparks Erzgebirge/Vogtland fördern seine naturverträgliche
Erholungs-
nutzung, wirken auf die schutzzweckgerechte Pflege und Entwicklung des Gebietes hin und
un-
terstützen die Maßnahmen des Naturschutzes. Von besonderer Bedeutung sind in diesem Kontext
auch die grenzübergreifende Entwicklung des Tourismus sowie die Erarbeitung und Umsetzung
einer Konzeption zur ökologisch nachhaltigen Entwicklung des Naturparks Erzgebirge/Vogtland.
Der
Naturpark Zittauer Gebirge hat ein Flächenausmaß von 130 km² und wurde im Jahre 2007
als Naturpark bestätigt. Charakteristisch für den Naturpark ist die Harmonie von Zittauer Gebirge,
Olbersdorfer See, historischem Zentrum der Stadt Zittau und idyllischen Dörfern mit der
Volksar-
chitektur der Umgebindehäuser.
Der Hauptzweck des Naturparks ist die Förderung der landschaftsbezogenen Erholung und
ei-
ner nachhaltigen Tourismuswirtschaft bei umweltverträglicher Nutzung der natürlichen
Ressour-
cen. Im Rahmen der Pflege- und Entwicklungskonzeption wurden die für die Erholung und den
Tourismus bzw. für den Naturschutz bedeutenden Bereiche identifiziert und durch eine Zonierung
gesichert. Mit dem Naturpark Zittauer Gebirge, welcher das LSG „Zittauer Gebirge“ mit umfasst, ist
auch eine grenzüberschreitende Kooperation mit den anliegenden Gemeinden auf tschechischer
Seite der Grenze in den Bereichen des Landschaftsschutzes und der touristischen Entwicklung
verbunden. Eine grenzüberschreitende Erweiterung des Naturparks im tschechischen Teil von
Lužické Hory (Lausitzer Gebirge) wird angestrebt.

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44
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
2.6.2 Umweltschutz
Gewässer-
Der Gewässerschutz
und Hochwasserschutz
in der
Tschechischen Republik
verfolgt das Ziel, Oberflächen- und
Grund-
wasser zu schützen und Bedingungen für die sparsame Ausnutzung von Wasserressourcen sowie
für die Bewahrung und Verbesserung der Qualität von Oberflächen- und Grundwasser zu
errei-
chen. Bei den ausgewiesenen Wasserschutzzonen wird zwischen Zonen zum Schutz von Wasser-
ressourcen, von natürlichen Heilquellen sowie Schutzgebiete für die natürliche Akkumulation von
Gewässern unterschieden.
Hochwasserschutz in der Tschechischen Republik basiert auf dem Wassergesetz und der Stra-
tegie zum Hochwasserschutz in der Tschechischen Republik. Die Strategie bildet den Rahmen für
die Festlegung konkreter Verfahren und vorbeugender Maßnahmen, die den Hochwasserschutz
verbessern sollen. Mit den Hochwasserschutzmaßnahmen werden nachfolgende Ziele verfolgt:
• Beeinflussung des Hochwasserverlaufs und -ausmaßes (Maßnahmen in der Landschaft zur
Ausnutzung des Retentionsvermögens der Landschaft sowie technische Maßnahmen),
Verringerung der potenziellen Schäden (Festlegung der Überschwemmungsgebiete und Re-
gulierung ihrer Ausnutzung),
Besitzschutz.
Der Gewässerschutz im
Freistaat Sachsen
wird über die gesetzlich festgesetzten Schutzgebiete/
-zonen gesichert.
Die sächsische Hochwasserwasserschutzstrategie beinhaltet neben den Vorhaben des techni-
schen Hochwasserschutzes (Bau von Deichen, Rückhaltebecken, Talsperren u.a.) und den planeri-
schen Maßnahmen (Ausweisung von Überschwemmungsgebieten, Erstellung und Umsetzung von
Hochwasserschutzkonzepten) auch Vorhaben der Flächenvorsorge. In den Hochwasserschutz-
konzepten sind als Maßnahmen der Flächenvorsorge Vorhaben zur Verringerung der Hochwas-
serentstehung durch Verminderung des Wasserabflusses und Vorhaben zur Verbesserung des
Wasserrückhalts in der Fläche, wie z.B. der Rückbau von Deichen und Ufermauern außerhalb von
Ortslagen, sowie Waldumbau enthalten.
Bodenschutz
Der Bodenschutz in der
Tschechischen Republik
ist auf den Schutz vor ungeordneter Bebauung,
vor ungeeigneter Bodenbewirtschaftung und auf den Erosionsschutz gerichtet. Die
„Raument-
wicklungspolitik der Tschechischen Republik 2008“ formuliert in den gesamtstaatlichen
Prioritä-
ten u.a. folgende Forderungen: Voraussetzungen für multifunktionale Nutzung der Brachflächen
schaffen, bebaute Gebiete besser nutzen und unbebaute Gebiete schützen. Zu diesem Ziel trägt
die Nationale Datenbank der Altstandorte bei, die die vorbereiteten Areale inländischen und
aus-
ländischen Investoren anbietet. Diese Datenbank beinhaltet zurzeit 140 Gebäude und Flächen im
Betrachtungsgebiet.
Ein weiteres Ziel des Bodenschutzes ist der Schutz vor Kontamination mit gefährlichen Stoffen
sowie die Sanierung von Altlastenverdachtsflächen. Die Datenbank der Altlastenverdachtsflächen
(„Register kontaminierter Flächen“) führt das Umweltministerium. Es handelt sich um eine
öffent-
liche Datenbank, die Informationen über konkrete kontaminierte Flächen beinhaltet.
Im Rahmen des Bodenschutzes im
Freistaat Sachsen
werden Maßnahmen zur nachhaltigen
Landbewirtschaftung sowie Maßnahmen zur Begrenzung des Flächenverbrauchs durch Versiege-

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
45
lung (Wiedernutzung Brachen, flächensparende Bau- und Siedlungsformen) aber auch die
Erfas-
sung und Sanierung von Altlastenverdachtsflächen realisiert.
In
Sachsen
wurde 1991 mit der Erfassung der altlastenverdächtigen Flächen begonnen. Auf
dieser Grundlage wird der Sanierungsbedarf festgestellt. Konzentrationspunkte sind die
Altin-
dustriestandorte, die Gebiete des Uranbergbaus aber auch Altstandorte der Landwirtschaft. Her-
vorhebenswert sind im Grenzraum nachfolgende Räume, die eine größere Zahl von Altlasten oder
Altlastenverdachtsflächen aufweisen:
• Stadt Plauen, Oelsnitz, Gemeinde Göltzschtal,
• Raum Klingenthal,
Raum Westerzgebirge (Schneeberg-Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt) aufgrund des Berg-
baus und des Hüttenwesens,
• Ehrenfriedersdorf, ehem. Zinnerzaufbereitung – Spülhalden 1 und 2,
• Freiberg, Altlastenprojekt „Saxonia“,
Hohndorf, ehem. Steinkohlenmahlwerk und Aschedeponie,
Wismut Leupoldishain, ehem. Wismut-Bergbau,
Pirna/Heidenau,
Freital-Saugrund,
Braunkohlekraftwerk Hirschfelde.
Der Freistaat Sachsen unterstützt die Sanierung von Altstandorten mit verschiedenen Förderpro-
grammen.
Luftreinhaltung
In der
Tschechischen Republik
wurden viele Maßnahmen zur Minderung der
Schadstoff-Emis-
sionen (vor allem aus den großen Kraftwerken) realisiert, so dass sich die Luftqualität deutlich
verbessert hat. Industrieentwicklung und Verkehrsanstieg seit 2000 haben jedoch zu einer
er-
neuten Verschlechterung der Luftqualität beigetragen. Die Situation ist vor allem im Ústecký kraj/
Bezirk Aussig ungünstig. Zu den Hauptverursachern zählen Wärmekraftwerke, der Autoverkehr
und chemische Betriebe.
Die Grundlage für Maßnahmen zur Luftreinhaltung bildet das Dokument „Nationales
Pro-
gramm zur Minderung der Emissionen in der Tschechischen Republik“ (2007). Es beinhaltet
Schlüsselmaßnahmen, die zur Verbesserung des gegenwärtigen Zustandes, zum Umweltschutz
und zum Schutz der Gesundheit von Menschen beitragen sollen.
Die Schadstoff-Emissionen aus technischen Anlagen haben sich im
Freistaat Sachsen
stetig
verringert. Die höchsten Konzentrationen treten noch in den grenznahen Gebieten des östlichen
und mittleren Erzgebirges auf. Dort werden bei südlichen Luftströmungen („Böhmischer Wind“)
vor allem im Winter erhöhte Werte gemessen. Verantwortlich dafür sind die zahlreichen Großfeu-
erungsanlagen
und die ungünstigen
in Nordböhmen
Ausbreitungsbedingungen
mit einem insgesamt
im Mittelgebirge.
immer noch beträchtlichen Ausstoß von SO
2
Klimaschutz
Die
Tschechische Republik
hat das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über
Kli-
maänderungen und das Kyoto-Protokoll ratifiziert und sich verpflichtet, Treibhausgasemissionen
um 8% gegenüber 1990 zu reduzieren. Das „Nationale Programm zur Folgenminderung der
Kli-
maänderung in der Tschechischen Republik“ (2004) fixiert die Strategie der Tschechischen
Re-

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46
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
publik zur Bewältigung der Klimaänderung. Der Entwurf der „Politik des Klimaschutzes in der
Tschechischen Republik“ (2012) formuliert als aktuelles Ziel, die Treibhaugasemissionen im
Zeit-
raum 2005 bis 2020 um 20% zu reduzieren.
Im Jahre 2010 haben Treibhausgasemissionen in Tschechien 139,2 Mio. Tonnen betragen, das
ist eine Reduktion um 29% gegenüber 1990, aber gleichzeitig eine Erhöhung um 3,3% (d.h. um
fast 4,5 Mio. Tonnen) gegenüber 2009.
Die meisten Wirtschaftbranchen in der Tschechischen Republik haben die Treibhausgasemis-
sionen deutlich vermindert. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Energieproduktion hat
sich gleichfalls erhöht, wobei der größte Anteil erneuerbarer Energien auf die Nutzung der
Bio-
masse entfällt. Andererseits hat die Tschechische Republik immer noch relativ ungünstige
Kenn-
zahlen der Energieintensität und Produktion der Treibhausgasemissionen je Einwohner (35%
über dem EU-Durchschnitt). Reduktionsstrategien und Reduktionsmaßnahmen sind deshalb auf
die Industriebereiche, die die meisten Treibhausgasemissionen produzieren, sowie den Verkehr,
dessen Emissionen ständig steigen, gerichtet.
Der
Freistaat Sachsen
setzt sich für die Klimaschutzziele der Bundesregierung im Rahmen
der EU-Beschlüsse und des Kyoto-Protokolls ein. Durch die Umstrukturierung und
Modernisie-
rung der sächsischen Wirtschaft, vor allem der Energie- und Braunkohlewirtschaft, hat Sachsen
bereits einen entscheidenden Anteil zur Erfüllung der Klimaschutzziele Deutschlands erbracht.
2001 wurden mit dem ersten landesweiten Klimaschutzprogramm konkrete
Klimaschutzzie-
le gesetzt, die die Staatsregierung mit dem „Energie- und Klimaprogramm Sachsen 2012“ vom
12. März 2013 präzisiert hat:
Reduktion der jährlichen energiebedingten CO
2
-Emissionen des
Nicht-Emissionshandelssek-
tors bis zum Jahr 2020 gegenüber 2009 um mindestens 3,8 Mio. Tonnen,
• Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch in Sachsen bis
2020 auf 28%,
Erhöhung des Anteils des Stromes aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen am
Bruttostromver-
brauch auf 30%,
• Potenziale für die Entwicklung der einzelnen erneuerbaren Energieträger in Sachsen:
Für die Grenzkreise ergeben sich insbesondere aus dem „Energie- und Klimaprogramm Sachsen
2012“, aber auch aus dem aktuellen LEP-Entwurf 2013 Ansätze für klimabewusstes nachhaltiges
Handeln.
Unterstützt wird dieser Prozess durch Modellprojekte sowie die Erarbeitung regionaler
Pla-
nungen/regionaler Energiekonzepte. Insbesondere sind nachfolgende Aktivitäten im Grenzraum
in diesem Kontext zu sehen:
Regionales Energiekonzept der Planungsregion Oberlausitz/Niederschlesien (2012),
Geplant oder in Erarbeitung – Teilpläne „Erneuerbare Energien“ durch die RPV,
Stromerzeugung 2012 (GWh/a)
Potenzial in 10 Jahren (GWh/a)
Windenergie
1 700
2 200
Solarenergie
900
1 800
Bioenergie
1 385
1 800
Wasserkraft
275
320

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
47
RPV Oberes Elbtal/ Osterzgebirge – Modellregion für individuelle Klimastrategien des
Bundes-
ministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (2009-2011),
Energieautarke Region Vogtlandkreis (Beteiligung am eea-Prozess
14
),
Bioenergieregion Sächsische Schweiz-Osterzgebirge,
Energiepolitisches Arbeitsprogramm des Landkreises Görlitz/Energie Agentur Neiße,
Erzgebirgisches Netzwerk für Erneuerbare Energien,
Energieregion Annaberger Land (seit 2009 Konzeption und Umsetzung).
2.7
Geteilte Städte und Gemeinden
Im Grenzraum kommt den Grenzgemeinden, so genannten „geteilten Städten und Gemeinden“
(dicht aneinander grenzende Ortslagen im engeren Grenzraum, die entweder direkt durch die
sächsisch-tschechische Grenze geteilt werden, oder die zwar räumlich getrennt sind, bei denen
jedoch ein schrittweises Zusammenwachsen über die Grenze hinweg erwartet wird) eine
beson-
dere Funktion zu. Im Betrachtungsgebiet befinden sich insgesamt 18 sogenannte „geteilte Städte
und Gemeinden“. Dazu zählen:
• Plesná/Fleißen-Bad Brambach,
• Kraslice/Kraslitz-Klingenthal,
• Bublava/Schwaderbach-Klingenthal-Sachsenberg,
• Potůčky/Breitenbach-Johanngeorgenstadt,
• Boží Dar/Gottesgab, Loučná pod Klínovcem/Böhmisch Wiesenthal, Ceské Hamry/Böhmisch
Hammer-Oberwiesenthal,
• Vejprty/Weipert-Bärenstein,
• Brandov/Brandau-Olbernhau,
• Hora Svate Kateriny/Sankt Katharinaberg-Deutschneudorf,
• Nová Ves v Horách/Gebirgsneudorf-Deutschneudorf,
• Český Jiřetín/Georgendorf-Neuhausen, OT Deutschgeorgenthal,
• Dubí/Eichwald, Cínovec/Zinnwald, Krupka/Graupen-OT Fojtovice/Voitsdorf-Altenberg, OT
Zinnwald-Georgenfeld, OT Fürstenau,
• Dolní Poustevna/Niedereinsiedel-Sebnitz,
• Šluknov/Schluckenau-Sohland an der Spree,
• Jiríkov/Georgswalde-Ebersbach, Neugersdorf,
• Rumburk/Rumburg-Seifhennersdorf,
• Varnsdorf/Warnsdorf-Seifhennersdorf und Großschönau,
• Krompach/Krombach-Kurort Oybin, Kurort Jonsdorf,
• Hrádek nad Nisou/Grottau-Zittau.
Formen und Inhalt der Zusammenarbeit
Nach 1989 entwickelte sich die Zusammenarbeit dieser Städte und Gemeinden vor allem über die
Verwirklichung gemeinsamer Entwicklungsprojekte und Vorhaben.
Die bisherige Zusammenarbeit der geteilten Städte und Gemeinden weist verschiedene For-
men auf wie: Vertragsvereinbarungen über Projektpartnerschaft; Zusammenarbeit zwischen
14
eea – eurpean energy award

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48
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Selbstverwaltungsbehörden, Schulen und Feuerwehren; Zusammenarbeit bei der Erneuerung
oder Errichtung von grenzüberschreitenden Verbindungen (Straßen-, Eisenbahn-,
Fußverbin-
dung); gemeinsame Lösungen im Bereich der Abwasserreinigung; Zusammenarbeit im Bereich
des Tourismus sowie gemeinsame kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen.
Grenzen und Hindernisse der gemeinsamen Entwicklung
Die Befragung der Bürgermeister der so genannten geteilten Orte ergaben als wesentliche
Hemm-
nisse für die gemeinsame Entwicklung neben den unterschiedlichen Rechtsvorschriften im
Frei-
staat Sachsen und in der Tschechischen Republik die Sprachbarriere sowie die unzureichende
Verkehrsanbindung (wie Ausbau des Straßen- und Schienennetzes, Verbindungen im Personen-
nahverkehr).
2.8 SWOT-Analyse
BEVÖLKERUNG UND DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG
Siedlungen und Siedlungsstruktur
Stärken
Schwächen
Historisch gewachsene Strukturen mit ho­
hem Landschafts-, Erholungs- und Wohn­
wert.
Existenz von Zentren/Entwicklungsgebieten
und Planungs­/Entwicklungsachsen von
überregionaler Bedeutung im Betrach­
tungsgebiet.
Anstieg der dauerhaft ansässigen Bevölke­
rung in bestimmten attraktiven ländlichen
oder gut erreichbaren Orten in den letz­
ten Jahren, und nicht nur im Umland der
Städte.
Große regionale Unterschiede in der Ein­
wohnerdichte, unterdurchschnittliche und
weiter sinkende Einwohner­ und Siedlungs­
dichte in einigen ländlichen Gebieten.
Negative Wirkung von ausgedehnten Alt­
bergbauflächen oder aktivem Bergbau zur
Gewinnung von Rohstoffen auf die Besie­
delung.
Offensichtliche Folgen der Entvölkerung,
des Verfalls und der Funktionswandlung
vieler Gemeinden auf die Siedlungsstruktur
auf tschechischer Seite. Gleichfalls führen
auf sächsischer Seite zunehmende Leer­
stände zu Attraktivitätsverlust.
Chancen
Risiken
Entwicklung der Zusammenarbeit von Ge­
meinden einschließlich der grenzübergrei­
fenden Zusammenarbeit.
Förderung „benachteiligter/schrumpfen­
der“ Siedlungen mittels verschiedener
Fonds und Zuschüsse in Tschechien.
Stärkung der Rolle der Zentralen Orte auf
sächsischer Seite als Versorgungszentren
und vergleichbarer Zentren auf tschechi­
scher Seite.
Rückgang der Attraktivität des Gebietes
aufgrund eines sinkenden Angebots der
sozialen Infrastruktur. Wachsende Kosten
zur Bereitstellung und Nutzung von Infra­
strukturen.
Weitere Abwanderung aus der Grenzregion
in die attraktiveren umliegenden Regionen,
Entvölkerung abgelegener und unattrakti­
ver Orte.
Erweiterung des Braunkohlenbergbaus auf
tschechischer Seite der Grenze, Risiko der
Devastierung weiterer Siedlungen und der
Belastung der Umwelt und angrenzender
Wohnstandorte.

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
49
BEVÖLKERUNG UND DEMOGRAFISCHE ENTWICKLUNG
Demografische Entwicklung
Stärken
Schwächen
Verhältnismäßig günstige Altersstruktur
der Einwohner im tschechischen Teil des
Betrachtungsgebietes.
Positive natürliche Bevölkerungsentwick­
lung in allen Bezirken und in der Mehrzahl
von Kreisen auf tschechischer Seite des
Betrachtungsgebietes.
Hohe regionale Identität der Einwohner,
gutes ehrenamtliches Engagement und
breit gefächerte Vereinsarbeit vor allem im
sächsischen Teil des Betrachtungsgebietes.
Negativer Migrationssaldo bei den meisten
Kreisen im Betrachtungsgebiet.
Negative Bevölkerungsentwicklung in allen
Kreisen des sächsischen Teiles des Betrach­
tungsgebietes und bei mehr als der Hälfte
von Kreisen im tschechischen Teil des
Betrachtungsgebietes.
Ungünstige Alters- und Sozialstruktur der
Einwohner im sächsischen Teil des Betrach­
tungsgebietes als Konsequenz der Abwan­
derung engagierter Menschen mit guter
Ausbildung.
Niedriges Bildungs- und Qualifizierungs­
niveau der Bevölkerung, hoher Anteil der
Einwohner mit Grundbildung oder ohne
Bildung, unterdurchschnittlicher Anteil der
Einwohner mit Hochschulbildung im tsche­
chischen Teil des Betrachtungsgebietes.
Chancen
Risiken
Zuwanderung von gut gebildeten und quali­
fizierten Einwohnern aus anderen Regionen
und aus dem Ausland.
Maßnahmen zur Erhöhung regionaler
Identität.
Sicherung des Anteils der gebildeten und
qualifizierten Bevölkerung.
Angebotserweiterung der Erwachsenenbil­
dung und des Hochschulstudiums.
Verstärkung der sozialen Segregation zwi­
schen einzelnen Teilen des Betrachtungsge­
bietes.
Rückgang der Beschäftigung.
Zunehmende soziale Spannungen durch
Anstieg des Anteils der sozial schwächeren
Bevölkerungsgruppen und soziale Segrega­
tion in einigen Gemeinden.
Auch auf tschechischer Seite negative
Bevölkerungsentwicklung und allmähliche
Verschlechterung der Altersstruktur.
Fachkräftemangel, Abwanderung junger so­
wie gebildeter und talentierter Einwohner
in die Nachbarregionen und ins Ausland.
Verlust lokaler Traditionen und Kulturwerte.
Fehlen der familiären Unterstützung für Se­
nioren aufgrund anhaltender Abwanderung
vor allem Junger Menschen.

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50
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Tourismus
Stärken
Schwächen
Gute naturräumliche und kulturhistorische
Potenziale zur Entwicklung touristischer
Destinationen auch mit überregionaler
(europäischer) Bedeutung.
Hohe Qualität und langjährige Tradition der
Kurorte.
Entwicklung der grenzübergreifenden Zusam­
menarbeit, Erweiterung der gemeinsamen
Produktskala in der Tourismuswirtschaft.
Kurze Durchschnittsaufenthaltsdauer der
Gäste.
Ungenügende Erlebnis­ und Schlechtwet­
terangebote.
Mangel an herausragenden touristischen
Produkten der Region.
WIRTSCHAFTSENTWICKLUNG UND TOURISMUS
Wirtschaftsstruktur und Arbeitsmarkt
Stärken
Schwächen
Tradition der Industrieproduktion.
Existenz regionaler und lokaler Cluster und
Bildung neuer Clusterinitiativen.
Vorhandene Entwicklungsflächen, teilweise
mit guter Verkehrsanbindung.
Bestehendes Forschungs-, Wissenschafts-
und Ausbildungspotenzial.
Wachsender Arbeitnehmeranteil im Tertiä­
ren Sektor.
Bildungsangebote auch grenzübergreifend.
Grenzübergreifende Information zur Be­
rufs- und Studienorientierung.
Geringer Anteil hochqualifizierter Arbeit,
geringe Finanzkraft und Innovationspo­
tenzial der Mehrzahl der Klein- und mittel­
ständischen Unternehmen (KMU) auf der
sächsischen Seite
führen langfristig zu einer
Region mit geringer Wettbewerbsfähigkeit.
Auf der tschechischen Seite markanter
Anteil von Gebieten, die eine konzentrierte
Staatsförderung beanspruchen.
Hohe Arbeitslosenquote und hoher Anteil
Langzeitarbeitsloser.
Probleme für Absolventen auf dem Arbeits­
markt vor allem auf tschechischer Seite.
Abwanderung junger, gut qualifizierter Ar­
beitskräfte aufgrund mangelnder Perspektive.
Chancen
Risiken
Entwicklung der grenzübergreifenden Wirt­
schafts- und Wissenschaftskooperation und
eines gemeinsamen Fachkräftemarktes.
Zeitweise Tätigkeit im Ausland ermöglicht
Kompetenztransfer nach der Rückkehr.
Förderung von KMU.
Weitere Entwicklung von neuen und aus­
sichtsreichen Branchen.
Zusammenarbeit der auf dem Arbeitsmarkt
tätigen Institutionen.
Neue Formen des lebenslangen Lernens
für Erwachsene.
Erfolgreiche regionale und überregionale
Fachkräfteanwerbung mit interessanten
Arbeitsplatzangeboten und vorhandenen
Standortbedingungen.
Kleinteiligkeit der vorhandenen KMU im
Gewerbe und der regionalen Erzeuger in
Handwerk und Land wirtschaft und damit
verbundene geringe Leistungs­ und Innova­
tionskraft.
Rückgang der Stellenangebote, Energieerzeu­
gung, Rohstoffförderung und traditionellen
Industrieproduktion auf tschechischer Seite.
Schwierige Finanzierungsbedingungen für
KMU.
Zunehmende Konkurrenz und Abwerbung
von Fach- und Führungskräfte.
Verstärkung von Disparitäten im Wirt­
schaftsniveau und bei Beschäftigungsmög­
lichkeiten zwischen den einzelnen Teilen
des Betrachtungsgebiets, beträchtlich
unterschiedliche Arbeitslosenquoten.
Rückgang der Konkurrenzfähigkeit infolge
Mangels an Finanzmitteln für die Forschung
und Entwicklung auf tschechischer Seite.

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
51
Tourismus
Chancen
Risiken
Abgestimmte grenzübergreifende Vermark­
tung und Entwicklung der Tourismusdesti­
nationen.
Gemeinsame Vermarktung der Montan­
Region Erzgebirge (gemeinsamer Antrag
Weltkulturerbe).
Vermarktung der Sächsisch­Böhmischen
Schweiz (langfristig Weltnaturerbetitel
angestrebt).
Nutzung der Förderprogramme für die Er­
holung und den Tourismus auf der tschechi­
schen Seite.
Unterschätzen der Anforderungen an den
Naturschutz und der Aufgaben zum Erhalt
des Landschaftgepräges als Voraussetzun­
gen für die Attraktivität des Gebietes für
den Tourismus.
Einschränkung der Förderung zur Erhöhung
der Qualität von touristischer Infrastruktur
auf tschechischer Seite.
Einschränkung der kofinanzierten komplexen
Kurortbehandlung auf tschechischer Seite.
Zunehmende Konkurrenz zwischen Kur­ und
Tourismus segment bei sinkender Nachfrage
(geringere Zahl und altern de Bevölkerung).
VERKEHRSINFRASTRUKTUR
Schienenverkehr
Stärken
Schwächen
Führung des paneuropäischen Korridors IV
durch das Betrachtungsgebiet.
Angestrebt wird eine Priorisierung des
Abschnittes Praha/Prag-Dresden (Berlin) im
Rahmen der TEN­V­Revision.
Gute grenzübergreifende Verkehrserschlie­
ßung.
Hohe Reise­ und Transportzeiten.
Ungenügende Geschwindigkeitsparameter
bei den meisten Strecken auf tschechischer
Seite.
Chancen
Risiken
Aufbau der Hochgeschwindigkeitsstrecke.
Koordinierung der Schieneninfrastruktur,
insbesondere der regionalen Verkehrsach­
sen.
Schlechte Koordinierung der Anbindung von
Tschechien/Deutschland­doppelgleisig­ an
bestehende konventionelle Strecken auf
tschechischer Seite und fehlender Umsteige­
knotenpunkt zur Hochgeschwindigkeitsbahn.
Straßenverkehr
Stärken
Schwächen
Führung des paneuropäischen Korridors IV
durch das Betrachtungsgebiet.
Gute grenzübergreifende Verkehrserschlie­
ßung.
Langsam fortschreitender Ausbau von feh­
lenden Straßen.
Z. T. hohe Verkehrsbelastung im Grenzraum
auch aufgrund fehlender Ortsumgehungen.
Ungünstige Anbindung eines Teiles des Be­
trachtungsgebietes an die Bundesautobahn
auf sächsischer Seite.
Chancen
Risiken
Grenzübergreifende Koordinierung des
Straßenverkehrs, insbesondere der regiona­
len Verkehrsachsen.
Abstimmung der Tonnagebegrenzung und
Beschränkungen im Straßenverkehr.
Verkehrskonzepte unter Beachtung demo­
grafischer Entwicklungen mit entsprechen­
der Prioritätensetzung.
Mangel an Finanzmitteln für die Fertigstel­
lung/Instandsetzung einiger Straßenab­
schnitte.

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52
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
Luftverkehr
Stärken
Schwächen
Flughafen mit internationalem Betrieb Kar­
lovy Vary/Karlsbad.
Gute Erreichbarkeit des Internationalen
Verkehrsflughafens Dresden.
Verhältnismäßig große Entfernung zu den
Flughäfen mit internationalem Betrieb, mit
Ausnahme des Bezirkes Karlovy Vary/Karlsbad.
Chancen
Risiken
Verbesserung der Verkehrserschließung
von Flughafen Karlovy Vary/Karlsbad durch
andere Verkehrsarten in Anknüpfung an
Umbau und Modernisierung des Straßen­
und Schienennetzes.
Fehlende Konzeption zur Entwicklung des
Luftverkehrs auf tschechischer Seite.
Güterverkehrszentren
Stärken
Schwächen
Güterterminal Lovosice/Lobositz erfüllt
fast alle Parameter eines GVZ, einschließ­
lich Anbindung an die Wasserstraße.
Aufbau von anderem GVZ wird angestrebt.
Mangel an Finanzmitteln für schnellere Ent­
wicklung des kombinierten Verkehrs.
Chancen
Risiken
Koordinierung beim Aufbau der GVZ zwi-
schen Tschechischen Republik und BRD.
Interesse der Verkehrsunternehmen an
kombiniertem Verkehr sinkt, was sich in
fortschreitender übermäßiger Erhöhung
des Straßenverkehrs auswirkt.
ÖPNV
Stärken
Schwächen
Flächendeckendes ÖPNV­Netz.
Grenzüberschreitende ÖPNV/SPNV­Ange­
bote.
Gemeinsame Projekte und gute Entwick­
lung der grenzübergreifenden Zusammen­
arbeit.
Einseitige Orientierung des Busverkehrs
in Teilräumen auf den Schülerverkehr und
dementsprechend Probleme in der Zeit der
Schulferien und kaum Angebote für andere
Nutzergruppen.
Mangelhafte Verkehrsanbindung einiger
ländlicher Räume an Zentrale Orte und
schlechte Verkehrserreichbarkeit abgelege­
ner ländlicher Räume durch den ÖPNV.
Chancen
Risiken
Anreize zur ÖPNV­Nutzung durch bessere
Anbindung, kürzere Fahr­ und Taktzeiten,
komfortable Umsteigemöglichkeiten, Ent­
wicklung flexibler Bedienformen, Einstel­
lung auf ältere Fahrgäste.
Integrierte Mobilitätskonzepte mit neuen
und grenzübergreifenden Lösungen.
Weitere Schwächung des ÖPNV im ländli­
chen Raum und Zunahme des motorisier­
ten Individualverkehrs.

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Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
53
TECHNISCHE INFRASTRUKTUR
Elektroenergie, Gas, Wasser, Abwasser
Stärken
Schwächen
Die Ver­ und Entsorgung der Kernstädte
und eines großen Teils des ländlichen Rau­
mes ist im Wesentlichen mit allen Medien
ausreichend und in guter Qualität gesichert.
Zurzeit noch keine den gesetzlichen Anfor­
derungen entsprechende Abwasserentsor­
gung in kleineren Ortslagen (Nachrüstun­
gen des Standes der Technik insbesondere
bei dezentralen Lösungen erforderlich).
Kein vollständiger Anschluss der für die
zentrale Wasserversorgung vorgesehenen
Ortschaften oder Ortsteile.
Fehlende Versorgung mit schnellen Inter­
netzugängen für einen Teil des ländlichen
Raumes.
Chancen
Risiken
Individuelle, auch autarke Lösungen der
Ver­ und Entsorgung in ländlichen Gemein­
den.
Gemeinsame Ver­ und Entsorgungslösun­
gen im engeren Grenzraum zur Sicherung
nachhaltiger Ansätze.
Kostensteigerung aufgrund sinkender
Nutzerzahlen für die vorhandenen Ver­ und
Entsorgungslösungen.
Erneuerbare Energien
Stärken
Schwächen
Gute naturräumliche Potenziale zur Ent­
wicklung erneuerbarer Energien (Sonne,
Wind, Biomasse, Geothermie).
Vielzahl von Lösungen zur alternativen
Energieerzeugung
Unternehmen im Energiecluster (insbeson­
dere in der Region Freiberg in Sachsen).
Vielzahl von Einzellösungen.
Fehlende grenzübergreifende Abstimmung
von entsprechenden gesetzlichen Regelun­
gen.
Chancen
Risiken
Ausbau des Energieclusters.
Entwicklung „Standortfaktor Energie“ –
durch nachhaltige Lösungen zur Nutzung
erneuerbarer Energieressourcen einschließ­
lich Kraft-Wärme-Kopplung.
Schaffung energieautarker Lösungen für
periphere ländliche Räume.
Grenzübergreifende Kooperation zur Ent­
wicklung energieautarker Lösungen und
regionaler Wertschöpfungsketten.
Kein nachhaltiger Betrieb einzelner Anla­
gen.
Beeinträchtigung des Naturraums/der Tou­
rismusentwicklung durch unabgestimmte
Lösungen.

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54
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Zusammenfassende
Analyse
UMWELT, NATUR- UND LANDSCHAFTSSCHUTZ
Stärken
Schwächen
Sehr abwechslungsreiche Kulturlandschaft.
Verschiedenartige und örtlich gut erhaltene
Landschaft mit wertvollen einzigartigen
Biotopen und außerordentlichen Naturres­
sourcen und Kulturpotenzial, die in einer
Reihe von groß- und kleinflächigen Natur­
schutzgebieten und in den Natura 2000­Ge­
bieten geschützt werden.
Markante Verbesserung des Landschafts­
zustandes und Verringerung der Emissi­
onen in vielen Teilgebieten infolge der
Einschränkung von Bergbau­ und Industri­
etätigkeit.
Vielzahl von Maßnahmen zur Verbesserung
der Qualität von Luft, Boden, Oberflächen-
und Grundgewässer.
Hoher Anteil von Konversionsflächen, Alts­
tandorten und Altbergbaustandorten.
Umfangreiche Rohstoffabbauflächen.
Beeinträchtigung von Fließgewässern.
Anhaltende Zunahme der Bodenversiege­
lung.
Signifikante Zerschneidung und Verringe­
rung des Zugangs zu Landschaftsräumen
infolge umfangreicher Bebauung und Um­
zäunung großer Areale.
Ungünstige Altersstruktur und Artenzusam-
mensetzung der Wälder.
Stärken
Schwächen
Schrittweise Revitalisierung von Konversi­
onsflächen und Altlaststandorten.
Die sich entwickelnde grenzübergreifen­
de Zusammenarbeit bei der Planung und
Umsetzung von Raumentwicklungsmaß­
nahmen.
Fehlende grenzübergreifende Koordinati­
on von Flora­Fauna­Habitat­Gebieten des
Schutzgebietssystems Natura 2000 und
deren Diskontinuität über die Grenze.
Fehlendes grenzübergreifendes Manage­
ment von Krisensituationen und Sonder-
ereignissen im Bereich des Umweltschut­
zes.
Chancen
Risiken
Vorhandene Auen und Fließgewässer als
natürliche Korridore zur Biotopvernetzung.
Verringerung der Erosionsgefährdung in
den Mittelgebirgslagen und Aufwertung der
Landschaft durch Waldmehrung, Waldum­
bau, Heckenpflanzung und Veränderungen
der landwirtschaftlichen Nutzung.
Revitalisierung von Konversionsflächen und
Altstandorten des Bergbaus, ihre Wieder­
eingliederung in die Kulturlandschaft und
Nutzung ihres Erholungspotenzials.
Möglichkeit für Ausweisung neuer Natur­
parke und Landschaftsschutzgebiete sowie
damit verbundene Möglichkeit der Stär­
kung des Schutzes von wertvollen Bioto­
pen.
Entwicklung der grenzübergreifenden
Zusammenarbeit im Bereich des Natur­
schutzes.
Grenzübergreifende Zusammenarbeit bei
der Planung und Umsetzung von Maß­
nahmen zum vorbeugenden Hochwasser­
schutz.
Fortschreitende Versiegelung von freien
Flächen und Landschaftszerschneidung
durch Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen;
unzulänglich koordinierte Suburbanisie­
rung.
Umwidmung landwirtschaftlicher Flächen
und Störung des Landschaftsgepräges in­
folge der Versiegelung von großen Flächen
durch Photovoltaik- und Windkraftanla­
gen, des großflächigen Anbaus von schnell
wachsenden Gehölzen zur energetischen
Nutzung.
Risiko der Entstehung von Altstandorten
infolge der Wirtschaftsrezession.
Senkung der Biodiversität sowie der
Landschaftsattraktivität für Erholung und
Tourismus infolge des Brachfallens land­
wirtschaftlicher Flächen besonders in
Gebirgsregionen und dessen nachfolgende
Überwucherung und Bewaldung.
Unerwünschte Verschlechterung des Um­
weltzustandes sowie der Landschaft durch
Ausweitung des Braunkohlenabbaus und
des Abbaus anderer Rohstoffe.

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
55
3 ENTWICKLUNGSSTRATEGIE
3.1
Entwicklungsziele und Handlungsfelder
3.1.1 Generelle Entwicklungsziele
Die generellen Ziele und Handlungserfordernisse für den sächsisch-tschechischen Grenzraum ba-
sieren auf den Grundsätzen der europäischen Kohäsionspolitik und den nationalen
Entwicklungs-
planungen in Sachsen und Tschechien.
Mit der im Mai 2011 verabschiedeten neuen Territorialen Agenda der Europäischen Union 2020
(TA 2020) wurden die Beachtung der territorialen Dimension in der Kohäsionspolitik und die
Errei-
chung der Ziele der Strategie „Europa 2020“ hervorgehoben. Damit wurden die Ansätze der
Struk-
turfondsperiode von 2007 bis 2013, die das Ziel Europäische Territoriale Zusammenarbeit (Ziel 3)
formulierte, und der im Vertrag von Lissabon verankerte Territoriale Zusammenhalt (Art. 3 EUV)
fortgeschrieben.
Die Verbesserung des Territorialen Zusammenhaltes erfordert eine wirksame Koordinierung
verschiedener Politikbereiche, Akteure, Planungsmechanismen sowie die Erzeugung und
gemein-
same Nutzung von gebietsspezifischem Wissen und insbesondere die vertikale und horizontale
Ko-
ordinierung zwischen Entscheidungsgremien auf verschiedenen Ebenen, aber auch sektorbezogene
Maßnahmen.
In diesem Kontext ist das Bewusstsein für die traditionelle Wirtschafts- und Kulturregion
Sach-
sen-Böhmen-Niederschlesien als Bindeglied in Mitteleuropa zu schärfen sowie ihr Potenzial für die
Entwicklung in Mitteleuropa weiter auszugestalten. Der deutsch-tschechische Grenzraum als Teil
der traditionellen Wirtschafts- und Kulturregion Sachsen-Böhmen-Niederschlesien befindet sich an
der Nahtstelle zwischen West- und Mittelosteuropa. Während München noch dem westeuropäischen
Kernraum („Blaue Banane“/Pentagon) angehört, liegen Praha/Prag, Berlin und Wroclaw/Breslau
bereits im mitteleuropäischen Pentagon („Orange Banane“), d.h. einer möglichen neuen
europäi-
schen Integrationszone. In diesem Spannungsfeld muss sich der sächsisch-tschechische Grenzraum
entwickeln und positionieren, auch unter Berücksichtigung der unterschiedlichen
Entwicklungspo-
tenziale der Teilregionen in einem zusammenwachsenden Wirtschaftskernraum. Gleiches trifft auf
seine Einbindung in die transeuropäischen Korridore sowie die Entwicklung der
Verbindungsquali-
tät des Ostsee-Adria-Entwicklungskorridors und des Via Regia Korridors zu.
Der Rahmen für die weitere Entwicklung und Ausgestaltung des sächsisch-tschechischen
Grenz-
raums wird auf tschechischer Seite durch die „Politik der Raumentwicklung der Tschechischen
Re-
publik 2008“ und auf sächsischer Seite mit der Fortschreibung des Landesentwicklungsplanes
Sach-
sen 2013
15
gesetzt. In diesem Kontext kommt der weiteren Ausgestaltung der grenzübergreifenden
Zusammenarbeit insbesondere in den Bereichen der Landes-/Regionalplanung zur Unterstützung
und Fokussierung auf eine abgestimmte Raumentwicklung eine besondere Bedeutung zu.
Nachfolgende generelle Ziele bilden aus Sicht einer nachhaltigen territorialen Entwicklung des
sächsisch-tschechischen Grenzraums die Basis für die Fixierung spezifischer Handlungsfelder.
GENERELLE
• Entwicklung
ZIELE
der Position des sächsisch-tschechischen Grenzraums in Europa durch stärkere
Vernetzung mit Entwicklungsräumen und Einbindung in transeuropäische Korridore.
15
Quelle: Landesentwicklungsplan 2013-Geänderter Entwurf für das Beteiligungsverfahren–Stand 25. September 2012
(Entwurf LEP 2013)

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56
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
• Beförderung der nachhaltigen Entwicklung des Grenzraums im nationalen und europäischen
Kontext.
Abstimmung und Umsetzung von grenzüberschreitenden Planungen und Maßnahmen nach
den Grundsätzen der Gegenseitigkeit und Gleichwertigkeit.
Unterstützung der Identifikation der Bewohner mit dem gemeinsamen traditionellen
säch-
sisch- böhmischen Lebens- und Wirtschaftsraum.
Beachtung der Erfordernisse des demografischen Wandels bei der Entwicklung der
Infra-
strukturen, insbesondere Erschließung von Synergien aus der grenzübergreifenden
abge-
stimmten Entwicklung respektive Abbau von Doppelstrukturen.
• Schaffung der Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung des Grenzraums wie
Verbesserung der grenzübergreifenden Mobilität,
optimale Ausnutzung der vorhandenen Potenziale bei grenzüberschreitender Wasser
versorgung und Abwasserentsorgung sowie der Energieversorgung,
− Unterstützung der nachhaltigen Entwicklung durch abgestimmten Natur-, Umwelt- und
Klimaschutz.
Unterstützung einer nachhaltigen umweltverträglichen Form der gemeinsamen wirtschaftli-
chen Entwicklung des Grenzraums.
Dementsprechend sind die strategischen Handlungsfelder der grenzübergreifenden Zusammen-
arbeit auszugestalten, um einen effektiven Rahmen bzw. eine Basis für die territoriale Zusammen-
arbeit zu erreichen. Insbesondere geht es um:
Entwicklung gemeinsamer Sichtweisen und Leitbilder in der grenzüberschreitenden
Raum-
entwicklung,
Grenzüberschreitenden Informationsaustausch und
• Verbesserung des Konfliktmanagements auch durch frühzeitige planerische Zusammenarbeit
und Abstimmung.
3.1.2 Spezielle Entwicklungsziele und Handlungsfelder
Übersicht der Ziele
Ziel 1 Stärkung der Außenwahrnehmung und der strategischen Position des sächsisch-
tschechischen Grenzraums in Europa
Handlungsfeld 1.1
Profilierung als Entwicklungsraum
Handlungsfeld 1.2
Großräumige europäische Einbindung und Ausweisung
abge-
stimmter Entwicklungsachsen
Ziel 2 Stärkung des inneren Zusammenhalts des sächsisch-tschechischen Grenzraums
durch Bündelung von Kräften und Vernetzung von Infrastrukturen
Handlungsfeld 2
Bewältigung des demografischen Wandels und Sicherung der
sozi-
alen Infrastruktur (Daseinsvorsorge)
Ziel 3 Sächsisch-tschechischen Grenzraum als leistungsfähigen Wirtschaftsraum stärken
Handlungsfeld 3.1
Unterstützung der Profilierung des Wirtschaftsraums
Handlungsfeld 3.2 Verbesserung von Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche
Entwicklung
Handlungsfeld 3.3
Entwicklung und Vermarktung des gemeinsamen
Tourismuss-
tandortes

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
57
Ziel 4 Entwicklung der grenzüberschreitenden Mobilität und Vernetzung der
Infrastruk-
tur im Grenzraum sichert das Zusammenwachsen von Wirtschafts- und Lebensraum
Handlungsfeld 4.1
Sicherung der Erreichbarkeit
Handlungsfeld 4.2
Entwicklung der grenzübergreifenden technischen Ver- und Entsorgung
Ziel 5 Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Ressourcen, Entwicklung
grenz-
überschreitender Kulturlandschaften sowie abgestimmte Bewältigung der Folgen
des Klimawandels
Handlungsfeld 5.1
Grenzübergreifende Entwicklung von Natur- und Umweltschutz
Handlungsfeld 5.2
Bewältigung der Folgen des Klimawandels
Ziel 6 Unterstützung der räumlichen Verflechtung und abgestimmten
Regionalentwick-
lung des sächsisch-tschechischen Grenzraums
Handlungsfeld 6.1
Unterstützung der Entwicklung regionsspezifischer Potenziale im
Grenzraum
Handlungsfeld 6.2
Schaffung der Rahmenbedingungen für eine tragfähige, den
Ent-
wicklungserfordernissen entsprechende grenzübergreifende Zu-
sammenarbeit
HANDLUNGSFELD 1.1
PROFILIERUNG ALS ENTWICKLUNGSRAUM
• Einbindung des sächsisch-tschechischen Grenzraums in strategische Kooperationsräume
Die nationalstaatlichen Grenzen und unterschiedlichen nationalen Kulturen bedingen die
Be-
sonderheiten der grenzüberschreitenden Verflechtungsräume im jeweils nationalen Kontext. Sie
begründen sowohl die spezifischen Entwicklungschancen der Grenzregionen als
außerordent-
lich vielfältige und europäisch orientierte gemeinsame Lebens-, Wirtschafts- und Kulturräume
als auch spezifische Hemmnisse in der Wettbewerbs- und Handlungsfähigkeit. Hierzu zählen
das Auseinanderfallen funktionaler und territorial-administrativer Strukturen, Sprachbarrieren,
Unterschiede in den nationalen Planungs- und Verwaltungskulturen sowie Doppelstrukturen
in den nationalen Teilräumen, die einer Bündelung der Kräfte in der Region entgegenstehen.
Grenzregionen fungieren damit zum einen als Laboratorien für die europäische Integration.
Gleichzeitig bewegen sich die Grenzräume im Spannungsfeld sich neu profilierender
großräumi-
ger Entwicklungen wie der zunehmenden Vernetzung von metropolitanen Wirtschaftsräumen.
So gibt es in Mitteleuropa verstärkte wirtschaftliche Aktivitäten zwischen den Metropolen
Berlin, Warszawa/Warschau, Budapest, Wien und Praha/Prag. Dieser Raum umfasst darüber
hinaus die Agglomerationen Szczecin/Stettin, Krakau/Kattowitz, Poznan/Posen, Wroclaw/
Breslau, Bratislava, die „Metropolregion Mitteldeutschland“ (u.a. mit den Städten
Leipzig-Hal-
le, Dresden und Chemnitz-Zwickau) sowie die „Metropolregion Nürnberg“. Ebenfalls
einge-
bunden sind die tschechischen Großstädte Brno/Brünn und Ostrava/Ostrau. Bei einer
groß-
räumigen Betrachtung liegt der deutsch-tschechische Grenzraum als Teil der Wirtschafts- und
Kulturregion Sachsen-Böhmen-Niederschlesien also zwischen dem mitteleuropäischen und
dem westeuropäischen Pentagon mit der Metropolregion München.
Der sächsisch-tschechische Grenzraum muss sich somit im Zusammenspiel mit
Nieder-
schlesien in Polen aber auch mit dem bayerischen und thüringischen Grenzraum neu aufstel-
ZIEL 1: Stärkung der Außenwahrnehmung und der strategischen Position des
säch-
sisch-tschechischen Grenzraums in Europa

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58
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
len und im Wettbewerb der Regionen profilieren. Dabei sollen die vorhandenen
unterschiedli-
chen Potenziale verstärkt in den Fokus gerückt werden wie
− Profilierung als Technologie- und Industrieregion,
− Nutzung der Kooperationsansätze der Forschungs- und Bildungslandschaft,
ökologische Potenziale, die kulturhistorischen Besonderheiten sowie die zahlreichen
Erholungs- und Kurorte der Region.
Durch geeignete politische Prioritätensetzungen für die räumliche Entwicklung und ein
ent-
sprechendes Regionalmanagement und -marketing sollten die Wettbewerbsfähigkeit und die
stärkere Einbindung des Grenzraums unterstützt werden.
• Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Oberzentren im Grenzraum
(Karlovy Vary/
Karlsbad, Usti nad Labem/Aussig, Liberec/Reichenberg sowie Plauen und Bautzen als Teil des
oberzentralen Städteverbunds) einerseits
und Ausbau der Kooperation zu den Metropolen
Praha/ Prag und Wroclaw/Breslau sowie den angrenzenden Oberzentren Dresden und
Chemnitz als Teile der Metropolregion Mitteldeutschland
als auch zur „Metropolregion
Nürnberg“.
Die Entwicklung des Grenzraums wird insbesondere durch eine großräumige
Zusammen-
arbeit der Leistungsträger im Grenzraum untereinander, aber auch mit den angrenzenden Me-
tropolen und Zentren geprägt. Über Kooperation im Rahmen von Projekten sowie von
Zweck-
bündnissen zur Lösung von Entwicklungsproblemen wird das Zusammenwachsen in Europa
vorangetrieben und die Leistungskraft des Grenzraumes befördert.
In Bezug auf den Transfer von Technologie und Forschung sollten auch weitere Zentren im
Grenzraum wie Freiberg, Brüx/Most und Zittau in Kooperationsprozesse eingebunden werden.
HANDLUNGSFELD 1.2
GROßRÄUMIGE EUROPÄISCHE EINBINDUNG UND
AUSWEISUNG ABGESTIMMTER ENTWICKLUNGSACHSEN
• Stärkung und Entwicklung der für den Grenzraum bedeutenden großräumigen
europä-
ischen Verkehrskorridore und transeuropäischen Netze
– insbesondere des
TEN-V-Kern-
netzkorridors im Abschnitt Berlin-Dresden-Praha/Prag
Die Entwicklung des Nord-Süd-Korridors Berlin-Dresden-Praha/Prag dient der Stärkung des
EU-Binnenmarktes, einer engeren verkehrlichen Verknüpfung zu den EU-Nachbarstaaten
so-
wie der Umsetzung europäischer Zielsetzungen, wie z. B. Senkung der CO
2
-Emmisionen durch
Verkürzung der Wege, nachhaltige Güterverkehrslösungen, verstärkter Einsatz intelligenter
und ökologischer Verkehrssysteme und einheitliche Standards für den Ausbau der Infrastruk-
tur. Damit sollen insbesondere auch neue wirtschaftliche Impulse generiert werden.
• Abgestimmte Ausweisung der überregionalen Verbindungs- und Entwicklungsachsen
sowie Abstimmung zu den regionalen Verbindungs- und Entwicklungsachsen in den
Landes- und Regionalplanungsdokumenten in Sachsen und Tschechien
Durch die Raumplanung in Sachsen und Tschechien wird das Instrument „Verbindungs- und
Entwicklungsachsen“ unterschiedlich gehandhabt. Der Fokus wird bei der Ausweisung von
Entwicklungsachsen in Tschechien auf die Räume zwischen Entwicklungsgebieten und den
daraus resultierenden Entwicklungserfordernissen gelegt. In Sachsen wird in der
Achsenbe-
trachtung zum einen die Verbindungsfunktion zwischen Zentren (Verdichtungsräume,
Ober-
zentren, Mittelzentren innerhalb und außerhalb Sachsens), aber auch die Entwicklung der
Bündelung von Infrastruktureinrichtungen einbezogen. Zudem sollen sie den von ihnen be-

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
59
rührten Gebieten Lagevorteile vermitteln sowie strukturelle Entwicklungsimpulse geben.
Ne-
ben überregionalen Achsen werden in Sachsen durch die Regionalpläne ergänzend regionale
Verbindungs- und Entwicklungsachsen ausgewiesen.
Der sächsisch-tschechische Grenzraum wird durch folgende, überregionale Achsen (mit ge-
samtstaatlicher und internationaler Bedeutung) durchquert:
Dresden-Ústí nad Labem/Aussig-Praha/Prag (in Tschechien 0S2),
Görlitz/Zgorzelec-Zittau-Liberec/Reichenberg-Praha/Prag (in Tschechien OS3),
Chemnitz-Marienberg (in Sachsen überregionale Verbindungs- und
Entwicklungsachse)-Cho-
mutov/Komotau-Praha/Prag (in Tschechien inländisch überregional bedeutsam), die auch
aus tschechischer Sicht Entwicklungspotenzial als international bedeutsame Achse aufweist.
Eine weitere überregionale Achse im sächsisch-tschechischen Grenzraum ist die Achse Ústí
nad Labem/Aussig-Karlovy Vary/Karlsbad-Cheb/Eger (OS7), die sich bis nach Bayern
fort-
setzt. An diese binden zahlreiche Verbindungsstrecken mit Sachsen, vor allem im Raum Cheb/
Eger-Bad Brambach-Plauen an.
In Sachsen sind darüber hinaus weitere überregionale Verbindungs- und
Entwicklungsach-
sen durch den LEP sowie ergänzend regionale Verbindungs- und Entwicklungsachsen durch
die Regionalpläne ausgewiesen, die das Grundgerüst für die angestrebte räumliche
Entwick-
lung Sachsens bilden.
In diesem Kontext ist auch das TEN-Kernnetz in seiner internationalen
Verbindungsfunkti-
on zu beachten (Dresden-Praha/Prag (Autobahn A 17, Bundesstraße B 170,
Eisenbahnverbin-
dung/Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-Dresden-Praha/Prag-Budapest)).
• Sicherung der Erreichbarkeit der internationalen Flughäfen
Leipzig-Halle und Dresden sind neben dem nahe gelegenen Flughafen Praha/Prag die wichtigs-
ten internationalen Flughäfen (Leipzig-Halle mit Entwicklung zum Güterverkehrsdrehkreuz),
für die eine entsprechend gute Erreichbarkeit aus dem Grenzraum zu sichern ist. In diesen
Kontext ist auch der im Betrachtungsgebiet befindliche Flugplatz Karlovy Vary/Karlsbad zu
sehen. Dem Flugplatz Karlovy Vary/Karlsbad wird in den EU-Abkommen über das TEN-T Netz
keine internationale Bedeutung beigemessen. Er wurde auch nicht als Regionalflugplatz
an-
erkannt. Für das tschechische
16
Betrachtungsgebiet (Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad,
Tei-
le der Plzeňský kraj/Bezirk Pilsen und Ústecký kraj/Bezirk Aussig) und für das sächsische
Gebiet (Region Chemnitz-Oberes Erzgebirge und Vogtland) besitzt er Bedeutung als einziger
Flughafen mit internationalem Betrieb im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes und
guter Erreichbarkeit. Die Notwendigkeit der Stabilisierung der Vogtlandbahn nach Karlovy
Vary/Karlsbad wird auch mit Hinweis auf die Flugplatzanbindung untersetzt. Allerdings ist
die direkte Flugplatzanbindung an die Eisenbahn aufgrund der großen Höhenunterschiede
nicht zu sichern, so dass die Verbindung zwischen dem Bahnhof und dem Flughafen durch den
Stadtverkehr Karlovy Vary/Karlsbad erfolgt.
• Sicherung der Potenziale der europäischen Wasserstraße Elbe
Die Elbe als transeuropäische Wasserstraße ist als Verkehrsweg zwischen dem Freistaat Sachsen
und der Tschechischen Republik von Bedeutung. Sie ist als durchgehende Wasserstraße für den
Güter- und touristischen Verkehr geeignet, zudem besteht direkt an der Grenze Fährbetrieb zwi-
16
Der Flugplatz Karlovy Vary/Karlsbad ist gemäß internationalen Regegelungen sowie der Hierarchie in der Tschechischen
Republik der viertwichtigste inländische Flugplatz, der die Funktion eines öffentlichen internationalen Flugplatzes mit
regelmäßigen Linienflugverbindungen und internationale Charterflüge in Tschechien besitzt.

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60
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
schen Schmilka und Hřensko. Hinsichtlich des Ausbaus der Elbe als Transportweg werden auf der
tschechischen und sächsischen Seite unterschiedliche Ziele formuliert und Schwerpunkte gesetzt.
Aus
tschechischer Sicht
ist für die Sicherung der besseren Schiffbarkeit der Bau eines
Stauwehres Děčín/Tetschen auf der Elbe erforderlich. Das Ziel „Sicherung der Schiffbarkeit
der Elbe im Abschnitt zwischen Pardubice/Pardubitz und CZ/D-Grenze“ wird in der
„Raum-
entwicklungspolitik 2008“ deklariert und ist in den „Grundsätzen der Raumentwicklung des
Ústecky kraj/Bezirk Aussig“(2011) verankert. Die Fragen zur Schiffbarkeit und zum
Hochwas-
serschutz wurden zudem im Rahmen des Interreg IVB-Projektes LABEL untersucht. Im
Ergeb-
nis wird davon ausgegangen, dass der Bau der Staustufe Děčín/Tetschen keine negativen
Aus-
wirkungen erwarten lässt, insbesondere kleine Hochwasserereignisse werden abgemildert.
Die Staustufe wird zudem als wichtige Voraussetzung zur Verbesserung der Schiffbarkeit der
Elbe im tschechischen Grenzraum gewertet. Die Regierung der Tschechischen Republik hat
durch den „Beschluss Nr. 155 vom März 2012“ angeordnet, dass die technische Vorbereitung
der Staustufe Děčín/Tetschen fortzusetzen ist.
Auf
sächsischer Seite
wird davon ausgegangen, dass der Anteil der Binnenschifffahrt am
Gesamtgüterverkehr in Deutschland stetig gesunken ist (11,8% – 2007). Die transportierten
Mengen stagnieren seit 30 Jahren bei 220 bis 240 Mio. t/a. Zudem ist die Bedeutung der Elbe
als Wasserstraße durch ihre geografische Lage, ihre natürlichen Gegebenheiten und das
man-
gelnde Transportaufkommen im Vergleich zu anderen Bundeswasserstraßen wie dem Rhein
als gering einzustufen. Das prognostizierte Verkehrsaufkommen kann auch ohne Erhöhung
der Leistungsfähigkeit der Elbe und ohne Bau der Staustufe Děčín/Tetschen als Wasserstraße
gesichert werden. Laut Entwurf LEP 2013 ist hinsichtlich der Fahrrinnentiefe wasserbaulich
das Entwicklungsziel erreicht und wird durch Reparatur- und Unterhaltungsmaßnahmen
ge-
sichert. Erforderliche Maßnahmen zur Erhaltung der Schiffbarkeit erfolgen unter Beachtung
der ökologischen und wasserwirtschaftlichen Funktionen.
Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt somit in der Koordinierung der Entwicklung des
Was-
serverkehrs auf der Elbe, insbesondere die koordinierte transnationale Weiterentwicklung
des Modal Split an den infrastrukturellen Knotenpunkten der Häfen zwischen Torgau und
Praha/Prag, der abgestimmten Gefahrenabwehr und dem Hochwasserschutz (Nutzung der
Ergebnisse des Interreg IVB-Projektes LABEL).
HANDLUNGSFELD 2
BEWÄLTIGUNG DES DEMOGRAFISCHEN WANDELS UND
SICHERUNG DER SOZIALEN INFRASTRUKTUR
(DASEINSVORSORGE)
Im Bereich der sozialen Infrastruktur besteht das Ziel, den Menschen im Interesse gleichwertiger
Lebensbedingungen in allen Teilräumen den Zugang zu den Einrichtungen und Leistungen der
so-
zialen Infrastruktur auch unter den sich verändernden demografischen Bedingungen, und damit
auch reduzierten finanziellen Ressourcen, zu gewährleisten. Wesentliche Herausforderungen sind
die Gefährdung der Tragfähigkeit von sozialen Einrichtungen als auch die veränderten Bedarfe
infolge der veränderten Altersstrukturen, insbesondere des erhöhten Anteils älterer Menschen.
Unter Berücksichtigung der räumlichen Differenzierung des demografischen Wandels sowie auch
ZIEL 2: Stärkung des inneren Zusammenhalts des sächsisch-tschechischen Grenzraums
durch Bündelung von Kräften und Vernetzung von Infrastrukturen

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
61
der unterschiedlichen Potenziale müssen regionale Spielräume geschaffen werden, indem
flexi-
ble, nachfragegerechte und auf den jeweiligen Teilraum zugeschnittene Lösungen zur Sicherung
der Daseinvorsorge ermöglicht werden. Bündelung, Vernetzung, Kooperation, Nutzung neuer
Me-
dien, EGovernment, die flexible Handhabung von Standards, die Bereitstellung von Leistungen
anstelle von Einrichtungen und die zeitgemäße Anpassung von Inhalten und Organisationsformen
seien hier als wesentliche Lösungsansätze genannt.
Darauf aufbauend stehen vor allem Bildung und Gesundheit sowie die Sicherung der
Erreich-
barkeit im Mittelpunkt der Gewährleistung der öffentlichen Daseinsvorsorge in den Grenzräumen.
• Zentrale Orte als Kerne der Sicherung der Versorgung im Grenzraum
Von besonderer Bedeutung für den Grenzraum ist das System der Zentralen Orte. Die
Erschlie-
ßung der Vorteile zentralörtlicher Bündelung und Konzentration von Funktionen der
Daseins-
vorsorge insbesondere im ländlichen Raum ist eine Aufgabe der Regionen und kommunalen
Gebietskörperschaften. Ihnen obliegt die Verantwortung, erforderliche Angebote unter den
Bedingungen zurückgehender öffentlicher Mittel künftig gezielt und bedarfsgerecht zu ge-
währleisten. Dabei sollten Ländergrenzen eher nachrangig werden.
In Sachsen sind drei Zentrenebenen gegeben: Ober-, Mittel- und Grundzentren mit
diffe-
renzierten Versorgungs- und Entwicklungsfunktionen. In Tschechien sind die „Zentralen Orte“
kein praktiziertes Instrument der Raumordnung. Deshalb werden im Weiteren für das tsche-
chische Betrachtungsgebiet die Gemeinden dargestellt, die entsprechend dem sächsischen He-
rangehen vergleichbare Funktionen wahrnehmen können.
Die Zentren im Grenzraum weisen derzeit unterschiedliche Potenziale zur Versorgung so-
wie zur Entwicklung über die Grenzen hinweg auf. Bereits heute sind
Versorgungsverflechtun-
gen vor allem der Mittel- und Oberzentren nachweisbar. Für den Bereich der Daseinsvorsorge
wird zudem immer deutlicher, dass der Spagat zwischen der wirtschaftlichen und technischen
Auslastung der Versorgungseinrichtungen einerseits und der Daseinsvorsorge für jeden
Bür-
ger andererseits immer schwieriger zu bewältigen ist. Gerade vor diesem Hintergrund, in
Kombination mit sinkender und alternder Bevölkerung, erscheinen Konzepte zur
Erschlie-
ßung von Versorgungspotenzialen in Grenzregionen vordringlich, um die Mindestversorgung
in entsprechender Erreichbarkeit zu sichern.
Für die nachfolgenden Zentren ist die Wahrnehmung von Versorgungsfunktionen im säch-
sisch-tschechischen Grenzraum gegeben bzw. sind diese zu prüfen:
Oberzentren
mit grenzübergreifender Versorgungsfunktion
Karlovy Vary/Karlsbad aufgrund der Lage mit geringerer grenzübergreifender
Be-
deutung (Konkurrenz Plauen, Chemnitz),
− Ústí nad Labem/Aussig auf der Hauptentwicklungsachse nach Dresden (Konkurrenz
Dresden),
− Liberec/Reichenberg als Oberzentrum für den Zittauer Raum (nachweisbar),
− Plauen und Bautzen als Oberzentren mit noch verhältnismäßig geringer Bedeutung
für den tschechischen Grenzraum,
Dresden und Chemnitz (außerhalb des Betrachtungsgebietes) mit Bedeutung für den
tschechischen Grenzraum;
Mittelzentren
mit grenzübergreifender Versorgungsfunktion
− Cheb/Eger, Chomutov/Komotau, Teplice/Teplitz, Děčín/Tetschen (gute Verkehrser-
reichbarkeit aus Richtung Sachsen), ergänzungsweise Sokolov/Falkenau, Ostrov/

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62
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
Schlackenwerth, Klášterec nad Ohří/Klösterle an der Eger, Most/Brüx, Litvínov/
Oberleutersdorf, Jablonec nad Nisou/Gablonz,
Zittau, Annaberg-Buchholz, Marienberg, Schwarzenberg (mittelzentraler grenzüber-
greifender Verflechtungsraum nachweisbar), ergänzend Pirna, Oelsnitz;
Grundzentren
mit Potenzial zur grenzübergreifenden Versorgung
− Aš/Asch, Františkovy Lázně/Franzensbad, Kraslice/Graslitz, Nejdek/Neudek, Jáchy-
mov/Sankt Joachimsthal, Bílina/Bilin, Krásná Lípa/Schönlinde,
Varnsdorf/Warns-
dorf, Rumburk/Rumburg, Šluknov/Schlukenau, Nový Bor/Haida, Hrádek nad Nisou/
Grottau, Frýdlant/Friedland, Tanvald/Tannwald,
− Adorf, Markneukirchen, Klingenthal, Johanngeorgenstadt/Breitenbrunn, Scheiben-
berg-Schlettau, Olbernhau, Altenberg, Bad Gottleuba-Berggießhübel, Bad Schandau,
Königstein, Sebnitz, Neustadt in Sachsen, Städte- und Gemeindeverbund „Oberland“
(Schirgiswalde-Kirschau, Neukirch/Lausitz, Sohland a.d. Spree, Wilthen), Ebersbach-
Neugersdorf, Großschönau.
Für die Festlegung von Zentren mit grenzübergreifender Versorgungsfunktion sind weitere
Untersuchungen erforderlich. Die Bestimmung der entsprechenden Grundzentren ist in Sach-
sen als Aufgabe der Regionalplanung zu sehen.
Dabei ist zu beachten, dass die grenzübergreifende Wahrnehmung von Versorgungsfunkti-
onen z.B. im medizinischen Bereich, in der Bildung oder bei sozialen Dienstleistungen derzeit
an Grenzen stoßen und entsprechende Rahmenbedingungen erfordern, die zum Teil durch
zwischenstaatliche Verträge zu regeln sind.
• Ausbau der Kooperation im Bereich der Bildung einschließlich Sprachinitiativen
Die vielfältigen Projekte der Bildungskooperation im Grenzraum laufen auf den Ebenen
Schul-
kooperationen sowie als Bildungsprojekte zur gemeinsamen Sprachausbildung bzw. des
grenzübergreifenden Lernens. Gemeinsame Sprachbildungsprojekte gibt es sowohl in
Kinder-
einrichtungen (in fünf Einrichtungen, eine weitere geplant) als auch in Schulen (neun
Einrich-
tungen, drei weitere geplant). Diese Ansätze sind weiter auszubauen und zu verstetigen.
Im Besonderen muss es darum gehen, die Entwicklung der Zweisprachigkeit stärker im
Be-
wusstsein der Menschen als identitätsstiftendes Merkmal zu verankern. Nur wenn es gelingt,
Zweisprachigkeit als Chance der Entwicklung des Grenzraumes zu verdeutlichen, wird das
In-
teresse am Lernen der Sprache des Nachbarn wieder wachsen. Zu bestehenden Hindernissen
zählen:
− geringes und sinkendes Interesse an der jeweiligen Nachbarsprache,
notwendige Ausnahmegenehmigungen für Tschechisch als Zweitsprache an deutschen
Schulen im Rahmen des regulären Unterrichts (einfacher als fakultatives Ganztagsange-
bot),
Best practice
Zittau als grenzübergreifendes Mittelzentrum: grenzübergreifendes Versorgungszentrum
und Hochschulstandort
Abgestimmte Entwicklung: Schwimmbad in Klingenthal; Unterstützung beim Bau der
Eislaufhalle in Kraslice
Annaberg-Buchholz: Ausbau Sportpark “Grenzenlos“ für gemeinsame Veranstaltungen/
Nutzung durch sächsische und tschechische Sportvereine

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
63
Schüleraustausch erfordert unterschiedliche Zugangsbedingungen (u.a. erfordert die
tschechische Schulpflicht zusätzliche jährliche Prüfung in Fächern zur Anerkennung des
deutschen Abschlusses, Anerkennung des Abiturs in Tschechien – zusätzliche Prüfung,
Mehraufwand für die Eltern),
Kindergartenbesuch – Finanzierung des kommunalen Anteils, Finanzierung von
zwei-
sprachigen Fachkräften/ Muttersprachlern.
Dementsprechend sind die weitere Vereinfachung und Verstetigung des Zugangs zu Sprach-
bildungsmöglichkeiten, der Ausbau grenzübergreifender Bildungsangebote einschließlich von
Lösungen zur abgestimmten Finanzierung sowie der Ausbau der Kooperation von
Bildungs-
einrichtungen im Grenzraum zu unterstützen. Insbesondere ist es wesentlich, entsprechende
Voraussetzungen zum Erlernen der Sprache der unmittelbaren Nachbarländer zu schaffen.
Unterstützend ist die Fortsetzung der Sprachbildungsinitiative der Euroregionen im
Vorschul-
bereich zu sehen. Für die Entwicklung des gemeinsamen Arbeitsmarktes sind zudem
Möglich-
keiten zur Sprachbildung im Rahmen der beruflichen Aus- und Weiterbildung weiter
auszu-
bauen.
• Gemeinsame Lösungen zur Sicherung der Versorgung der grenznahen Gebiete im
Be-
reich des Gesundheitswesen
Aufgrund des demografischen Wandels sind vor allem im engeren Grenzraum zur Sicherung
der medizinischen Versorgung die Potenziale zur Kooperation im Bereich ambulanter und
sta-
tionärer Versorgung sowie zur Seniorenbetreuung zu erschließen, insbesondere unter Beach-
tung der wesentlich geringeren Ausstattung mit Ärzten je TEW im tschechischen Grenzraum
und der Überalterung der Ärzte auf sächsischer Seite.
Mit der 2011 verabschiedeten EU-Richtlinie über das Recht der Patienten auf
grenzüber-
schreitende medizinische Versorgung sollen die Hürden beseitigt werden, die bisher Patienten
an Behandlungen in einem anderen Mitgliedstaat hinderten. Das schließt die Verpflichtung
zur Offenlegung der Regeln und der Verfahren der Kostenerstattung ein. Trotzdem hängen
der Ausbau der Kooperation respektive eine abgestimmte Versorgung (Inanspruchnahme
von Behandlungskapazitäten) von der Klärung der Kostenübernahme durch den jeweiligen
Versicherungsträger ab. Das im April 2013 abgeschlossene deutsch-tschechische Rettungs-
dienstabkommen ist ein wichtiger Schritt, um die medizinische Versorgung der Menschen in
der Grenzregion zu verbessern. Das Rahmenabkommen bildet die Grundlage für
Kooperati-
onsvereinbarungen in den Grenzregionen, insbesondere zur Organisation des
Rettungsdiens-
tes, Vorgaben zur Durchführung eines Einsatzes, Festlegung von Qualitäts- und
Sicherheitskri-
terien, Einzelheiten zur Haftpflichtversicherung oder Kommunikationsmethoden.
Best practice
• Schulverbund Schkola
mit zehn Schulen: vier aus Deutschland, vier aus Tschechien,
zwei aus Polen und zwei Kindertagestätten als Kooperations¬partner; mehr als tausend
SchülerInnen treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Unterricht und lernen die
je-
weilige Nachbarsprachen. 1998 wurde die Partnerschaft in der damaligen „Grenzenlosen
Schule Hartau/ Hrádek“ begonnen.
Bärenstein-Vejprty/Weipert:
Öffnung der Musikschule von Vejprty für deutsche
Schü-
ler (Klasse für Kinder des Annaberger Landes)
• Gemeinsame Schulbildung im Gymnasium in Pirna:
Jährlich wird am Gymnasium
„Friedrich Schiller“ in Pirna eine deutsch-tschechische Unterrichtsklasse eröffnet.

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64
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
Probleme treten im sächsisch-tschechischen Grenzraum noch in zweierlei Hinsicht auf:
die höheren Kosten der medizinischen Versorgung in Sachsen behindern eine
abgestimm-
te Versorgung aus tschechischer Sicht,
das unterschiedliche Lohnniveau kann zur Abwanderung von tschechischen Ärzten und
Pflegepersonal auf die sächsische Seite führen und damit die Versorgung im
tschechi-
schen Grenzraum weiter verschlechtern.
Zudem ist zu beachten, dass sich die Krankenhausplanung, die Planung zur Sicherung der
me-
dizinischen sowie der Pflegeversorgung über unterschiedliche Akteure in differenzierten
Ver-
fahrensweisen vollzieht. Der Ausbau der Kooperation von medizinischen Einrichtungen und
die Abstimmungen mit Versicherungsträgern sind als notwendige kleine Schritte zu sehen.
• Erfahrungsaustausch zur Sicherung der Versorgung in ländlichen Räumen und
abge-
stimmte Entwicklung des großflächigen Einzelhandels
Der demografische Wandel, d.h. die Überalterung der Bevölkerung einerseits und der Verlust
gewachsener kleinteiliger Versorgungsstrukturen bei Handel und Dienstleistungen anderer-
seits, erfordern die Suche nach neuen innovativen Lösungen. Über den verstärkten
Erfahrungs-
austausch sind best practice-Lösungen für die kleinen Dörfer und Siedlungen im Grenzraum
zu erschließen und Möglichkeiten für abgestimmte Lösungen auszuloten und zu unterstützen.
Das betrifft sowohl die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen, die Angebote für Kinder,
Familien und Senioren im Kultur-, Sport- und Freizeitbereich wie die Kooperation der
Biblio-
theken, der Museen bis hin zu gemeinsam geplanten und realisierten Einrichtungen.
Bei der Sicherung der Versorgung mit Waren kommt der Abstimmung bei der Etablierung
von großflächigen Einzelhandelseinrichtungen
17
im engeren Grenzraum
18
, die die Versorgung
des angrenzenden Raumes beeinflussen, besondere Bedeutung zu. Bisherige
Einflussmöglich-
keiten sind beschränkt auf die Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung bzw. Strategi-
schen Umweltprüfung für derartige Vorhaben. Die
sächsische Seite
empfiehlt aufgrund von
17
Auf sächsischer Seite ist die Zulässigkeit der Ansiedlung großflächiger Einzelhandelseinrichtungen abhängig von der
Einstufung als Zentraler Ort.
18
Die Ministerkonferenz für Raumordnung hat in ihrem Beschluss zur „Bedeutung des Einzelhandels für die Innenstädte“
am 30. Juni 2006 eine Initiative der Wirtschaftsministerkonferenz begrüßt, die u.a. die Verbesserung der Praxis interkom-
munaler sowie grenzüberschreitender Abstimmung bei Handelseinrichtungen beinhaltet.
Best practice
EU-MED-East (2004-2006): Grenzüberschreitende Netzwerkbildung (Landesdirektion
Dresden, Bezirk Ústecky kraj/Bezirk Aussig und Liberecky kraj/Bezirk Reichenberg,
Woi-
wodschaft Niederschlesien; Städte: Cottbus, Dresden, Zielona Góra/Grünberg, Wrocław/
Breslau, Liberec/Reichenberg, Ústí nad Labem/Aussig)
Entwicklung eines gemeinsamen Sozial- und Gesundheitsraums der Bereiche Vorsorge und
Versorgung (Kompetenzzentrum, Netzwerk von Schlaganfallzentren, Gesundheitsatlas,
Not-
fallfibel, Telemedizin/elektronischer Datenaustausch, Elektronische Gesundheitskarte);
Qua-
lifizierung und Mobilität der Fachkräfte; Grenzüberschreitende Alten- und Behindertenarbeit
Darauf aufbauend wurden zu Teilfragen Folgeprojekte initiiert wie zur Telemedizin/zum
elektronischem Datenaustausch.
Kommunale Projekte (Ziel 3/Cíl 3)
Bad Schandau „Gesundheitskompetenzregion Sachsen-Böhmen“
Kraslice/Klingenthal-Überlegungen zur Kooperation im medizinischen Bereich
Geplant sind zudem Rettungszentren für Notfallmedizin in Hrádek nad Nisou und in den
Lausitzer Bergen

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
65
Erfahrungen anderer Grenzräume
19
, grenzüberschreitende regionale Einzelhandelskonzepte
zu erstellen, insbesondere in den Räumen, in denen eine enge Versorgungsverflechtung
gege-
ben ist, um sowohl die räumliche Verteilung großflächiger Versorgungseinrichtungen als auch
alternative Versorgungsansätze auszuloten. Die Bezirke auf
tschechischer Seite
verfügen bis-
lang über keine Einzelhandelskonzepte. Damit fehlen geeignete Instrumente zur
Beeinflus-
sung der räumlichen Lage für großflächige Einzelhandelseinrichtungen
20
.
Die tschechische Seite unterstützt die Zusammenarbeit im Bereich der Versorgung vor al-
lem den Erfahrungsaustausch bei der Lösung der Versorgungsprobleme kleiner Gemeinden
und bei der Überprüfung der Möglichkeit von Erstellung gemeinsamer Projekte für
Gemein-
den im engeren Grenzraum. Im Bereich der Versorgung ist eine Abstimmung der
Entwick-
lungsziele auf tschechischer und sächsischer Seite anzustreben.
• Ausbau des Integrierten Rettungssystems
Schwerpunkt der Weiterarbeit ist der Aufbau eines gemeinsamen Brand- und
Katastrophen-
schutzes sowie Rettungswesens. Das schließt die Kooperation bei der Ausbildung und die
Durchführung gemeinsamer Übungen ein. Laufende Projekte wie zur Koordinierung des
Katas-
trophenschutzes
zeigen die Komplexität der notwendigen Abstimmungsprozesse, die weit über
den engeren Grenzraum hinaus reichen und häufig nur auf Landesebene durch Staatsverträge
gelöst werden können. Ziel ist es, das Krisenmanagement bei Großschadensereignissen und
Ka-
tastrophen zu verbessern. Probleme werden beispielsweise für Feuerwehreinsätze im engeren
Grenzraum gesehen. Der bestehende Staatsvertrag regelt die Hilfe bei Katastrophen und
schwe-
ren Unglücksfällen, allerdings muss ein Hilfeersuchen an die zuständigen Ministerien gestellt
werden, d.h. es ist davon auszugehen, dass hiermit schnelle nachbarschaftliche Brandbekämp-
fung nicht abgesichert ist. Für die praktische Realisierung der grenzüberschreitenden Einsätze
ist es notwendig, entsprechende beiderseitige Vereinbarungen auf Regionalebene zu treffen.
Vereinbarungen über die Hilfeleistung bei Brandereignissen für das Gebiet entlang der
tschechisch-sächsischen Grenze zwischen dem Verwaltungsbereich Dresden und dem Ústecky
kraj/Bezirk Aussig sowie zwischen dem Verwaltungsbereich Chemnitz und dem Karlovarský
kraj/Bezirk Karlsbad bestehen bereits.
Insbesondere in ländlichen Grenzgebieten führen der demografische Wandel und die
ab-
nehmende Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement im Brand- und Katastrophenschutz
19
Vgl. auch EU-Projekt „Trade“ 2000 oder Bericht zur grenzüberschreitenden Abstimmung bei der Einzelhandelspolitik und
-planung, Bezirksregierung Köln 2010.
20
Vorhaben zur Entwicklung großflächiger Einzelhandelseinrichtungen werden in der ČR in den analytischen
Gebiets-pla-
nungsunterlagen sowie in der gebietsplanerischen Dokumentation auf Bezirks- und Gemeindeebene nicht berücksichtigt.
In Gebietsplänen werden Flächen der gemeinnützigen Einrichtungen einschließlich der Einrichtungen mit
Verkaufsraum-
fläche in der Regel größer als 2.000 m2 abgegrenzt. Die Flächen der gemeinnützigen Einrichtungen können mit Rücksicht
auf die spezifischen Bedingungen und das Gepräge des Gebietes weiter eingehend aufgegliedert werden. Konkrete
Vorha-
ben der Einzelhandelseinrichtungen werden im Gebietsplan nicht betrachtet. In den Entwicklungsdokumenten der
Regio-
nalpolitik auf der Ebene von Gemeinden, Mikroregionen und Bezirken werden zudem gewöhnlich Entwicklungsvorhaben
großflächiger Einzelhandelseinrichtungen nicht berücksichtigt.
21
Projekt: Bürgergruppe für den Erhalt Wanfrieder Häuser – Aktivitäten von kostenlosem Erstellen/Aktualisieren des
Leer-
standskatasters, Kostenermittlungen (Kostenschätzung), Beratung der Kaufinteressenten bis hin zur Baubetreuung
un-
terstützt durch eine offensive Vermarktung durch die Gemeinde – Ergebnis: Zuzug
Best practice
Bärenstein-Vejprty/Weipert: Gemeinsamer Skaterpark für Jugendliche aus beiden Orten
in Vejprty/Weipert
im Rahmen des Ziel 3/Cíl 3-Projektes CLARA II: Vermittlung von Best practice an
sächsi-
sche und tschechische Akteure
21

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66
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
zu rückläufigen Helferzahlen. Hier könnten Möglichkeiten genutzt werden, mittels
grenzüber-
greifender Kooperation die Einsatzfähigkeit der Katastrophenschutzeinheiten zu verbessern.
• Ausbau der Kriminalitätsprävention
Die mit dem Beitritt zum Schengen Raum gegebene Freizügigkeit erfordert eine weitere Ver-
stetigung und Vertiefung der Zusammenarbeit zur grenzübergreifenden
Kriminalitätsverfol-
gung und Kriminalitätsprävention.
Basis dafür bilden europäische Regelungen sowie bestehende Verträge mit den Grenzstaa-
ten. Wesentliche Merkmale dieser Abkommen sind Bestimmungen zu grenzüberschreitenden
Polizeieinsätzen (z.B. Observation, kontrollierte Lieferungen), zu gemeinsamen polizeilichen
Einsatzformen (gemischte Streifen), zu gegenseitigem Informationsaustausch, zu
gemeinsa-
men Zentren der Polizei- und Zollzusammenarbeit sowie zu grenzüberschreitender personel-
ler Unterstützung.
HANDLUNGSFELD 3.1
UNTERSTÜTZUNG DER PROFILIERUNG DES
WIRTSCHAFTSRAUMS
• Förderung kleiner und mittelständischer Unternehmen (KMU) einschließlich der
Infra-
strukturentwicklung
Der Schwerpunkt liegt auf der Schaffung der verbesserten Infrastruktur für ansässige Unter-
nehmen (technische Erschließung, insbesondere Breitband, verkehrliche Anbindung) sowie
Best practice
Ziel 3/Cíl 3-Projekt „
Informations- und Entscheidungsunterstützungsplattform für
Großschadenslagen
(Grenzüberschreitende Koordination für Krisenprävention und
Notfallmanagement)“ (Bezirksamt Ústí/Aussig)
Ziel 3/Cíl 3-Projekt „Grenzüberschreitende
Bergwacht
in der tschechisch-sächsischen
Grenzregion“ (DRK Dippoldiswalde)
Ziel 3/Cíl 3-Projekt-EUREX „
Grenzüberschreitendes Krisenmanagement
“ (Euroregion
Neiße) – Initiierung gemeinsamer Projekte im Zusammenhang mit dem Brandschutz,
Gesundheitsrettungsdienst sowie dem Katastrophenschutz. (Erstellung
grenzüberschrei-
tender Einsatzdokumente, eines dreisprachigen Nachschlagewerkes und von
Schulungs-
mitteln für Einsatzkräfte und Führungskräfte; Durchführung internationaler Übungen;
Wettbewerb für Kinder „Ich lerne sicher leben”)
Ziel 3/Cíl 3-Projekt „CLARA II“: Entwicklung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit
der öffentlichen Verwaltungen in der tschechisch-sächsischen Region schließt auch Ab-
stimmungen zum Themenfeld Rettungswesen und Katastrophenschutz ein.
Kommunale Projekte (Ziel 3/Cíl 3)
Abgestimmtes Rettungswesen (Klingenthal, Oberwiesenthal, Olbernhau,
Deutschneu-
dorf, Neuhausen, Bad Schandau) mit Partnergemeinden auf tschechischer Seite
ZIEL 3: Sächsisch-tschechischen Grenzraum als leistungsfähigen Wirtschaftsraum stärken
Best practice
Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge- Ústecky kraj/Bezirk Aussig: Verbesserung der
Sicherheit im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet (Diensthundewesen)
Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge-Ústecky kraj/Bezirk Aussig: Verbesserung
der Sicherheit im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet (durch Maßnahmen der Schutz-
und Verkehrspolizei)

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
67
der abgestimmten Entwicklung und Vermarktung von Gewerbestandorten im Grenzraum.
Darüber hinaus sollte der Erfahrungsaustausch zur Revitalisierung von Altstandorten, aber
vor allem auch die Erfahrungen zum sparsamen Umgang bei der Flächeninanspruchnahme
respektive zum regionalen Flächenmanagement ausgebaut werden.
• Grenzübergreifende Nutzung von Rohstoffaufkommen
Zunehmende Rohstoffknappheit erfordert es, vorhandene Lagerstätten auch im engeren
Grenz-
raum zu erschließen. Dabei sind abgestimmte Lösungen zur grenzübergreifenden Erkundung
und zum grenzübergreifenden Abbau von Lagerstätten anzustreben um eine nachhaltige und
effiziente Nutzung der Vorkommen zum gegenseitigen Vorteil realisieren zu können.
• Unterstützung von Unternehmenskooperationen und Technologietransfer
Für die Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit im Grenzraum besitzen die
sächsi-
schen Industrie- und Handelskammern als Anlaufpunkt für Unternehmen, Informationsstellen
und Koordinatoren für grenzübergreifende Wirtschaftskooperationen besondere Bedeutung.
Die territorial gebündelt arbeitenden Kontaktzentren haben sich bewährt und sollten in ihrer
Funktion und ihrer Zusammenarbeit mit den Kammern und den Bezirksämtern in Tschechien
gestärkt werden.
In Tschechien startete im Januar 2010 die Tätigkeit der einheitlichen Kontaktstellen des
Ministeriums für Wirtschaft und Handel. Die Kontaktstellen, die an 15 Gewerbeämtern,
vor-
wiegend in den Bezirksstädten, errichtet wurden, haben die Aufgabe z.B. der Vermittlung von
Kontakten zu Behörden/Ansprechpartnern, der Informationsbereitstellung zu erforderlichen
Genehmigungen, zum Verbraucherschutz und anderen Fragen aus dem Bereich Unternehmen-
stätigkeit. Ergänzt wird dies durch das Unternehmensportal
www.BusinessInfo.cz
(z.B. zur
Be-
antragung notwendiger Genehmigungen).
Hinsichtlich der Unternehmenszusammenarbeit im Grenzraum liegt der Schwerpunkt zurzeit
beim Ausbau der Handelskontakte/Zulieferungen. Die Suche nach Ansätzen zum Aufbau von
Netz-
werken (Zulieferung in breiterem Kontext, Produktentwicklung, Dienstleistungsangebote,
For-
schungskooperation) wird auch durch die differenzierte Unternehmensstruktur erschwert. Bis-
lang konnten nur in Teilbereichen – gestützt durch grenzübergreifende Projekte – Erfolge erzielt
werden. Zudem zeigt sich, dass die Netzwerkarbeit häufig einen wesentlich größeren räumlichen
Umgriff erfordert (z.B. Netzwerk EURO-Textil-Region Brandenburg, Sachsen, Tschechien, Polen).
Zur Verstetigung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit von Unternehmen im Grenzraum
sind differenzierte Analysen der Wirtschaftszweige des Verarbeitenden Gewerbes in beiden
Ländern zielführend, um vorhandene Verflechtungsbeziehungen und Potenziale sichtbar zu
machen. Darauf aufbauend sind die Mittel der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit
Best practice
grenzüberschreitende Industriezone des Städteverbundes „Kleines Dreieck Bogatynia/
Reichenau-Hrádek nad Nisou/Grottau-Zittau“ mit dem Ziel gemeinsame Vermarktung
und engere Kooperation im Wirtschaftsbereich
Best practice
Bewertung des Rohstofflagerpotenzials im sächsisch-tschechischen Grenzgebiet –
Grenz-
übergreifendes Rohstoffkataster (Ziel 3/Cíl 3-Projekt – zielt auf die Erarbeitung von
Informationen über acht ausgewählte Lagerstätten im Erzgebirge)

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68
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
(ETZ) für die Förderperiode 2014-2020 zielführender zur Förderung der unternehmerischen
Zusammenarbeit im Grenzraum, zur Stärkung der Wirtschaftsstruktur und damit zur geziel-
ten Fachkräftewerbung einzusetzen.
Ausgehend von der Abgrenzung länderübergreifender Kompetenzfelder ist die
Entwick-
lung technologischer Kooperationen und Netzwerke zu fördern, auch als Grundlage für ein
gemeinsames Regionalmarketing (vergleichbar wie z.B. im Bodenseeraum).
Dementsprechend kann über die im Grenzraum ansässigen Technologiezentren (z.B. Plau-
en, Annaberg-Buchholz, Freiberg, Sebnitz, Bautzen sowie Liberec/Reichenberg) und den Aus-
bau branchenbezogener Netzwerke (z.B. Team22, NOA) die Unternehmenszusammenarbeit
verstärkt und vor allem der Wissenstransfer in die Unternehmen der Region gesichert werden.
• Unterstützung der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft
Aufgrund gleicher topografischer Gegebenheiten sowie veränderter Rahmenbedingungen
ste-
hen die landwirtschaftlichen Betriebe beider Länder vor den gleichen Herausforderungen in
der Pflanzen- und Tierproduktion, aber auch der energetischen Nutzung von Biomasse. Ein
Ausbau der Zusammenarbeit bis hin zur sinnvollen Verknüpfung zu kooperierenden Einheiten
würde die Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken.
HANDLUNGSFELD 3.2
VERBESSERUNG VON RAHMENBEDINGUNGEN FÜR DIE
WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
• Ausbau der Wissenschaftskooperation – Zusammenarbeit der
Universitäten/Hochschu-
len und Unternehmen
Einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Grenzregionen kann der Ausbau der
Koopera-
tion wissenschaftlicher Einrichtungen sowie der Wissenschaft mit regionalen Unternehmen
im Gebiet leisten. Ziel sollte es sein, Möglichkeiten zur Spezialisierung und Kooperation
wis-
senschaftlicher Einrichtungen, zur gemeinsamen Nutzung der materiell-technischen Basis
und zum Ausbau der Anzahl gemeinsamer Studiengänge auszuloten, um schrittweise durch
verstärkte Kooperation Alleinstellungsmerkmale herauszubilden und im Wettbewerb der
Re-
gionen besser zu bestehen.
Die Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen respektive die Schaffung eines
Kli-
mas für innovative Neugründungen ordnen sich darin ein. Eine engere Kooperation ist als
Ansatz für die regionale Entwicklung im Raum, die Sicherung von Rahmenbedingungen für
die wirtschaftlichen Entwicklung (Forschungspotenzial, Fachkräftesicherung, Standortfaktor
Bildung) wesentlich. Vor allem dem anwendungsbezogenen Innovationstransfer, auch grenz-
übergreifend, kommt für die Entwicklung des Wirtschaftsraums wachsende Bedeutung zu.
Best practice
Team22 – Netzwerk von Maschinenbaubetrieben in Ostsachsen - Kooperationsansatz im
Maschinenbau (INTERREG IIIA-Projekt)
InCoTex – Innovationszentrum für kundenorientierte, individuelle textile Produkte –
Grenzüberschreitendes Kooperationsprojekt zwischen den Grenzregionen des
Freistaa-
tes Sachsen und der Tschechischen Republik (Ziel 3/Cíl 3-Projekt)
NOA – Netzwerk für innovative Oberflächentechnologie
TRANSLINUM – ganzheitliche Nutzung von Ölleinpflanzen (Ziel 3/Cíl 3-Projekt)
Kooperationsansätze im Bereich Erneuerbare Energien: BioEnergyNet – Netzwerk für
Biomasse und Erneuerbare Energien für die Lausitz und Nordböhmen, Gründung
Kompe-
tenzzentrum für Biomasse, Erarbeitung Biomasseatlas – BEN3 (Ziel 3/Cíl 3-Projekt)

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
69
Grenzübergreifende Kooperation von Innovations- und Gründerzentren können hier
unter-
stützend wirken.
In gleicher Weise kann die Einbindung der Städte dazu beitragen, die Rahmenbedingungen
für Forschungs- und Bildungseinrichtungen zu verbessern, durch Erfahrungsaustausch und
Zusammenarbeit Synergien zu erschließen, die Verbindung Wissenschaft und regionale Un-
ternehmen zu unterstützen aber auch gemeinsam den Standortfaktor Wissenschaft verstärkt
zu vermarkten.
• Sicherung des Fachkräftebedarfs im Grenzraum und abgestimmte
Fachkräfteausbil-
dung sowie Weiterbildung
Zur Bereitstellung ausreichender Fachkräfte ist zum einen eine grenzübergreifende Analyse/
Prognose des Fachkräftebedarfs im Sinne eines regelmäßigen Fachkräftemonitorings notwen-
dig, um Entwicklungserfordernisse erkennen zu können. Für eine verbesserte wirtschaftliche
Zusammenarbeit (Entwicklung des grenzübergreifenden Arbeitsmarktes, der
Pendlerver-
flechtung) sind zum anderen neue Formen der abgestimmten Aus- und Weiterbildung
anzu-
streben, wie
langfristige Förderung der Zusammenarbeit von Mittelschulen, höheren Fachschulen und
Hochschulen, insbesondere mit technischer und naturwissenschaftlicher Ausrichtung,
sowie Förderung der Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung von Angestellten im
Gesundheitswesen;
langfristige Förderung der beruflichen Weiterbildung und von Qualifikationskursen
22
ein-
schließlich Sprachangebote (vor allem für technische und naturwissenschaftliche Fächer
und ferner für Handel, Gastronomie);
− Realisierung grenzübergreifender Qualifikationsmaßnahmen z.B. im Rahmen eines
grenzüberschreitenden Ausbildungsverbundes (Sicherung vergleichbarer Ausbildungs-
niveaus);
22
Entwicklung der grenzüberschreitenden Mobilität und Vernetzung der Infrastruktur im Grenzraum sichert das
Zusammen-
wachsen von Wirtschafts- und Lebensraum
Best practice
Sächsisch-Tschechische Hochschulinitiative (STHI-
Technische Universität Chemnitz als
Lead-Partner, Jan Evangelista Purkyně-Universität Ústí nad Labem/Aussig,
Westböhmi-
schen Universität Plzeň/Pilsen) seit 2009 (Ziel 3/Cíl 3)
Intensivierung der Zusammenarbeit durch gemeinsame „summer schools“,
Fachtagun-
gen, Forschungsprojekte, Entwicklung von Studiengängen, gemeinsame Nutzung der
materiell-technischen Basis und Spezialisierung
ACC – Akademisches Koordinierungszentrum der Euroregion Neiße
Zusammenschluss akademischer Einrichtungen der Euroregion Neiße zur Entwicklung
der wissenschaftlichen Zusammenarbeit über Projekte wie Internationale
Ausbildungs-
plattformen für Maschinenbau in der Euroregion Neiße (ERN)
Netzwerk Neiße University
Unter der Bezeichnung „Neiße University“ führt die Hochschule Zittau/Görlitz gemeinsame
Studiengänge mit der TU Liberec/Reichenberg und der TU Wroclaw/Breslau durch.
PONTES – Lernen für Europa
PONTES ist ein bildungsbereichs- und trägerübergreifendes grenzüberschreitendes
Bil-
dungsnetzwerk in der Euroregion Neiße-Nisa-Nysa, in dem Akteure aus Bildung, Politik,
Verwaltung, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und anderen Bereichen involviert sind.

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70
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
Ausrichtung von Aus- und Weiterbildungsangeboten auf die Anforderungen der in der
Region angesiedelten/ansiedlungswilligen Betriebe;
Schaffung grenzüberschreitender Lehr- und Ausbildungspläne im Kontext mit
entspre-
chender Sprachausbildung und Vermittlung von multikulturellem Verständnis;
Vermittlung der Erfahrungen mit dem dualen Berufsbildungsansatz sowie weitere Verbreitung
und grenzübergreifende Gestaltung innovativer Bildungsansätze wie KIA-Kooperative
Ingeni-
eurausbildung sowie Erweiterung des Angebotes von grenzübergreifenden Betriebspraktika;
Ausbau von Unternehmertreffen.
Die positiven Ergebnisse und Projekte im sächsischen Grenzraum, die aus der
Zusammenar-
beit von Schule und Wirtschaft resultieren, sind im Erfahrungsaustausch zu vermitteln und
sollten grenzübergreifend ausgebaut werden.
Darüber hinaus sind Rahmenbedingungen wie die gegenseitige Anerkennung von Ab-
schlüssen auch über Staatsverträge zu sichern.
• Information über Beschäftigungsmöglichkeiten
Die Entwicklung des gemeinsamen Wirtschaftsraums erfordert einen Ausbau der
Informatio-
nen über Arbeitsmöglichkeiten. Die bestehenden gemeinsamen Angebote der Arbeitsagentu-
ren auf sächsischer und tschechischer Seite sind entsprechend den jeweiligen Anforderungen
zu verstetigen (EURES-Informationstage, Jobbörsen). Die EURES-Berater unterstützen
Arbeit-
nehmer derzeit sowohl bei der Suche nach Arbeitsplätzen als auch Arbeitgeber bei der grenz-
überschreitenden Personalrekrutierung. Ergänzend dazu sind bestehende Jobdatenbanken
weiter zu qualifizieren.
HANDLUNGSFELD 3.3
ENTWICKLUNG UND VERMARKTUNG DES GEMEINSAMEN
TOURISMUS-STANDORTES
Basis der Entwicklung des Tourismus in beiden Staaten sind die in den konzeptionellen
Entwick-
lungsstrategien formulierten Ziele und Maßnahmen. Im Freistaat Sachsen ist das die Tourismus-
strategie 2020, in der Tschechischen Republik gibt es ein ähnliches Dokument „Konzeption der
Staatspolitik im Bereich des Tourismus in der ČR für den Zeitraum 2007-2013“, deren
Fortschrei-
bung für den folgenden Zeitraum 2014-2020 als Arbeitsversion vorliegt.
Diese sollen durch die entsprechenden Destinationsstrategien der Regionen untersetzt wer-
den. Kernthemen sind die Entwicklung des Kultur-, Städte-, Aktiv- Familien-, Land-, Gesundheits-
sowie Wellnesstourismus und dabei insbesondere überregional vermarktbare Angebote.
Best practice
Projekt zur gemeinsamen Fachkräfteausbildung entsprechend der
Unternehmensspezi-
fik in der Wirtschaftsregion Vogtland-Erzgebirge-Krušnohori
Solarteurschule – regionales Bildungszentrum für erneuerbare Energien Lengenfeld/Sokolov
Internationale Fachpraktika in den Bereichen Landwirtschaft und Gartenbau für Berufs-
und Fachschüler aus Nordböhmen in Sachsen
Best practice
Initiativen der Euroregionen wie Angebote Euroregionaler Girls Day, Euroregionale
Kon-
ferenzen „Grenzübergreifender Wirtschafts- und Arbeitsmarkt“, Projekte „Karriere ohne
Grenzen“

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
71
Die Förderung touristischer Projekte wird zukünftig auch im Grenzraum auf der Grundlage der in
den konzeptionellen Entwicklungsstrategien formulierten Vorgaben erfolgen.
Schwerpunkte für die grenzübergreifende Entwicklung und Vermarktung des
Tourismusstand-
ortes sind:
• Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Tourismuswirtschaft zu stärken, sind Maßnahmen in fol-
genden Bereichen zu forcieren:
Verbesserung der Angebots- und Servicequalität der touristischen Produkte, insbesonde-
re durch anerkannte nationale und internationale Klassifizierungs- und
Zertifizierungsin-
itiativen,
Aktivitäten zur Fachkräftesicherung, zur Qualifizierung sowie zur Sicherung der
Unter-
nehmensnachfolge.
• Stärkung der Leistungsfähigkeit der touristischen Infrastruktur in den Destinationen,
insbesondere abgestimmter Ausbau der touristischen Infrastruktur im engeren
Grenz-
raum
Für die Entwicklung der touristischen Destinationen werden folgende Schwerpunkte gesehen:
Qualifizierung und Lückenschluss des bestehenden touristischen Wegenetzes,
Konzentra-
tion der Mittel für Erhalt und Ausbau auf überregional vermarktbare Angebote von hoher,
einheitlicher Qualität und Attraktivität,
Stärkung der Angebote für die Entwicklung des Ganzjahrestourismus sowie des
Gesund-
heits-, Wellness- und Kurtourismus,
Auf folgende Bereiche der touristischen Infrastruktur soll ein besondere Fokus gelegt
werden: Barrierefreie Angebote, Camping und Caravaning, Ferienhäuser/Ferienhausanla-
gen, Ausbau einer leistungsfähigen Verkehrsinfrastruktur.
Daraus resultieren Anforderungen an den abgestimmten Ausbau der Tourismusinfrastruktur-
ausstattung zur Beseitigung von Defiziten im Grenzraum. Schwerpunkte sind insbesondere
die traditionellen Wintersportgebiete der Höhenlagen des Erzgebirges, des Vogtlandes, des
Oberlausitzer Berglandes und des Zittauer Gebirges/Lausitzer Gebirges aber auch das
Elb-
sandsteingebirge. Positive Erfahrungen aus dem Erzgebirge sind auf die anderen Grenzräume
zu übertragen. Besondere Bedeutung besitzen dabei:
Gestaltung und Sicherung der Verknüpfung des grenzübergreifenden Wander-/Radwege-
und Wintersportnetz, einheitliche und mehrsprachige Beschilderung und aufeinander
abgestimmte Besucherlenkung in ökologisch sensiblen Zonen (wie Kammlagen),
− grenzübergreifende Organisation, Abstimmung des naturschutzverträglichen Veraufs des
Skiwanderwegs (Kammloipe) und die Erhöhung der Attraktivität durch Loipenverbund,
Ausgestaltung des Hauptwanderweges Zittau-Wernigerode (Kammweg) und die
Verbes-
serung der Verknüpfung mit dem tschechischen Wanderwegenetz im Grenzgebiet,
Ausbau von ganzjahres- und winterunabhängigen Aktivangeboten im Kontext zum
Klima-
wandel,
− Erschließung der Potenziale durch entsprechende ÖPNV-Angebote wie Ski/Rad-Bus, Ski-
Zug.
Der Regionalplanung sowie im engeren Grenzraum bestehenden interkommunalen
Koopera-
tionen kommt dabei eine Organisations- und Moderationsfunktion zu.

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72
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
• Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Destinationen und Entwicklung
grenzübergrei-
fender Destinationen
23
wie Sächsisch-Böhmische Schweiz, Vogtland, Erzgebirge,
Ober-
lausitz/Niederschlesien
Für die Tourismusgebiete ist ein wachsender Konkurrenzdruck zu verzeichnen, dem nur durch
leistungsfähige Tourismusstrukturen entgegen gewirkt werden kann. Der Freistaat Sachsen
gibt mit seiner Tourismusstrategie 2020 die Rahmenbedingungen für die Bildung wettbe-
werbsfähiger Destinationen vor und wird über einschlägige Vorgaben in den entsprechenden
Richtlinien zur Tourismusförderung den Prozess begleiten. Dementsprechend wird die
Ent-
wicklung grenzüberschreitender Destinationen befürwortet und unterstützt.
Ausgehend von einer gewachsenen grenzübergreifenden touristischen Zusammenarbeit
kann mittelfristig die Entwicklung grenzübergreifender touristischer Destinationen
ange-
strebt werden. Die touristische Entwicklung und Vermarktung wird auf sächsischer Seite
fe-
derführend durch die regionalen Tourismusverbände gesteuert und unterstützt. Auf tsche-
chischer Seite fehlen vergleichbare Arbeitsstrukturen. Die Zusammenarbeit wird über andere
Partner wie Bezirke, Städte oder Vereine befördert.
Am weitesten auf dem Weg der engeren Zusammenarbeit ist der Raum der Sächsisch-Böh-
mischen Schweiz:
Touristischer Kooperationsraum „Sächsisch-Böhmische Schweiz“
Die Kooperation wird durch den Tourismusverband Sächsische Schweiz und die Gemeinnützige
Gesellschaft Böhmische Schweiz getragen und zielt auf die gemeinsame abgestimmte Vermark-
tung der touristischen Region und die gemeinsame Produktentwicklung. Mittelfristig ist die ge-
meinsame Bewerbung um Aufnahme als Naturdenkmal für die Welterbeliste der UNESCO geplant.
Vogtland/Region Karlovy Vary/Karlsbad
Zusammenarbeitende Organisationen:
Tourismusverband Vogtland
24
und
Tourismusmarketing
Region Westböhmische Bäder
Gemäß dem „Masterplan“ (EUREGIO EGRENSIS) zur gemeinsamen Vermarktung der
tou-
ristischen Potenziale und Angebote der deutschen und tschechischen Teilregionen sind die
Schwerpunkte:
23
Vgl. auch Tourismusstrategie Sachsen 2020, S. 19.
24
In 2013 ist ein Zusammenschluss des Tourismusvereines „Vogtland“ mit dem Tourismusverein „Thüringer Vogtland“ zur
gemeinsamen Destinationsentwicklung geplant.
Best practice
Klingenthal-Kraslice/Graslitz: Schwimmbad in Klingenthal; Unterstützung beim Bau der
Eislaufhalle in Kraslice/Graslitz
gemeinsame Buslinie zwischen den Sächsischen Staatsbädern und der Region Nordböhmen
Aktionsraum „Erzgebirge“: Aktivitäten zur Pflege und Erhaltung des Loipensystem
„Krušné hory“
Kurort Seiffen/Lesna: z.B. Ziel 3/Cíl 3-Projekt zur Entwicklung des Ganzjahrestourismus
Zittauer Gebirge: dreisprachige Beschilderung, Entwicklung neuer Kammwege als
Tou-
ristische Magistrale, gemeinsame Naturparkausstellung geplant
Geplantes Ziel 3/Cíl 3-Projekt: „Karlsroute“ – Ausbau und Ausschilderung einer
grenz-
überschreitenden Radroute Aue-Karlovy Vary (Laufzeit bis 2014)
Ausbau des Skiareals und Wintersportzentrums Pleßberg

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
73
Entwicklung des grenzübergreifenden Kammwegs Erzgebirge-Vogtland zum
„Qualitäts-
weg Wanderbares Deutschland“,
Sicherung und Entwicklung des grenzüberschreitenden euroregionalen
Nahverkehrsys-
tem „EgroNet“, das mit dem Vierländerticket, kostenlosen Mitnahmemöglichkeiten für Ski
und Fahrrad sowie der Vermarktung touristischer Angebote (Euregio Mobil) die
touristi-
sche Entwicklung unterstützt,
− Erweiterung und Erhaltung des Kammloipennetzes um die beiden deutsch-tschechischen
Wanderwege,
Prüfung der möglichen Aktivierung der Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft
„Kurherz Europas“
der zwölf Heilbäder (Bad Rodach, Bad Staffelstein, Bad Steben, Bad
Berneck, Bad Alexandersbad, Sibyllenbad, Bad Elster, Bad Brambach, Františkovy Laznĕ/
Franzensbad, Mariánské Láznĕ/Marienbad, Karlovy Vary/Karlsbad und
Jáchymov/Joach-
imsthal) mit dem Ziel der gemeinsamen Vermarktung, des grenzübergreifenden
Erfah-
rungsaustausches sowie der gemeinsamen Produktentwicklung.
Die Vermarktung liegt auf der tschechischen Seite in Verantwortung der Euroregion EUREGIO
EGRENSIS.
Erzgebirge
Zusammenarbeitende Organisationen: Tourismusverband Erzgebirge und
Tourismusmarke-
ting Region Erzgebirge und Erzgebirgsvorland.
Das traditionelle Tourismusgebiet Erzgebirge soll auf Basis der erarbeiteten
Tourismusstrate-
gie (im Rahmen des Ziel 3/Cíl 3-Projektes „Böhmisch-Sächsische Tourismusregion NEUE
QUA-
LITÄT“) weiter profiliert und grenzüberschreitend entwickelt werden. Unterstützend erfolgte
die Gründung der Destinationsagentur Erzgebirge in Kliný/Göhren (2010), getragen durch
den Ustecký Kraj/Bezirk Aussig zur Vermarktung als naturnahe Erholungsregion. Neben der
gemeinsamen Vermarktung über das Internet bildet die Erzgebirgscard als
Vermarktungsinst-
rument für Freizeitangebote im deutschen und tschechischen Erzgebirge (ca. 100
Tourismus-
akteure eingebunden) eine Basis mit Entwicklungspotenzial. Entwicklungsschwerpunkte sind:
Verknüpfung der Skigebiete Fichtelberg und Klinovec (Keilberg) sowie
Neuhausen/Seif-
fen und Lesná/Ladung-Klíny/Göhren,
− Einbindung grenzübergreifender Angebote in die Ferienstraße „Silberstraße“ wie das
Zentrum erzgebirgische Volkskunst (Annaberg-Buchholz, Most/Brüx und in Chomutov/
Komotau),
− Einbindung Altenbergs als Sportzentrum mit internationaler Bedeutung,
Abstimmung der Entwicklung und nachhaltiger Nutzung des Naturparks Östliches
Erzgebir-
ge.
Oberlausitz und Niederschlesien, Region Böhmisch Leipa, Isergebirge, Riesengebirge
Zusammenarbeitende Organisationen: Tourismusverband Oberlausitz/Horní Lužice,
Touris-
musmarketing Region Isergebirge, Tourismusmarketing Region Böhmisch Leipa und Touris-
musmarketing Region Riesengebirge und Riesengebirgsvorland
Als Schwerpunkte der Zusammenarbeit werden gesehen:
Sicherung und Entwicklung des grenzüberschreitenden euroregionalen
Nahverkehrsys-
tems „LibNet+“/„EURO-NEISSE-Ticket“, zur Unterstützung der touristischen Entwicklung,

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74
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
z.B. mittels einer trinational gültigen Fahrkarte, mit der Möglichkeit kostenloser Beförde-
rung der Fahrräder und gekoppelter Vermarktung touristischer Angebote,
− Entwicklung und Vermarktung des grenzübergreifenden Rad- und Wanderwegenetzes
− Entwicklung der „Via Sacra“,
− Unterstützung der Initiative „Umgebindeland“ zur Erhaltung und Vermarktung der für die
Region im Dreiländereck typischen Umgebindehäuser (Wissensplattform zur Erhaltung
und Sanierung von Umgebindehäusern, touristischen Erschließung des
„Umgebindehau-
ses“, Projekte zum Erhalt einzelner Häuser, Einrichtung von Infoläden in ausgewählten
Umgebindehäusern, Aktionstage, Schulprojekte, Preisverleihung für gute
Sanierungslö-
sungen oder Suche nach innovativen Nachnutzungslösungen),
− Gemeinsames Projekt „Neuer Kammweg“ der Euroregion Neiße: Wanderurlaub, bei dem
Natur-, Kultur- und historisches Erbe des Dreiländereckes zwischen Tschechien, Sachsen
und Polen erlebbar wird. Der Neue Kammweg besteht grundsätzlich aus drei getrennten
touristischen Routen, die durch das Riesen-, Isergebirge und Lausitzer Gebirge führen,
Abgestimmte nachhaltige Entwicklung und Vermarktung des Naturparks „Zittauer
Gebir-
ge/ Lausitzer Gebirge“ und der Landschaftsschutzgebiete Lausitzer Gebirge, Isergebirge,
Böhmisches Mittelgebirge.
• Tourismusmarketing und Produktentwicklung
Die Tourismusmarketinggesellschaft Sachsen (TMGS) bündelt gegenwärtig alle touristischen
Marketingmaßnahmen für Sachsen unter der touristischen Dachmarke „SACHSEN. LAND VON
WELT.“ Dabei werden alle Aktivitäten bei der zukünftigen Entwicklung an den Grundprinzipien
Angebots- und Servicequalität, Barrierefreiheit, demografischer Wandel, Nachhaltigkeit,
Inno-
vation sowie Stärkung des ländlichen Raumes ausgerichtet. Ergänzend werden weitere Themen,
insbesondere durch die Destinationen in Abstimmung mit der TMGS bearbeitet. Der tschechi-
sche Markt wird im Rahmen der Tourismusstrategie 2020 als potenzieller Quellmarkt bewertet.
In diesem Kontext besitzt die Weiterentwicklung der Qualität und Vernetzung touristischer
Angebote sowie deren gemeinsame Vermarktung auch grenzübergreifend Priorität. Wichtig
sind dabei:
a.
Gemeinsames Marketing
Gemeinsame Strategie, Marketing- und Informationsmaßnahmen wie Internetportal, Ver-
anstaltungskalender, Kartenmaterial, Broschüren, Arbeit mit Reiseveranstaltern
b. Marktforschung
Gemeinsame Erhebung von Marktforschungsdaten, abgestimmte Marktforschungsstruk-
turen, gemeinsame Auswertung und Weiterentwicklung des Angebots /der Produkte
c. Innenmarketing
Erhöhung der Sprach- und geografischen Kenntnisse beiderseits der Grenze, Erleichte-
rung des Zahlungsverkehrs in Euro und Tschechischen Kronen, Identifizierung der einhei-
mischen Bevölkerung mit gemeinsamer Geschichte, Authentizität, Erhöhung des ökologi-
schen Bewusstseins
Best practice
Ziel/Cíl 3-Projekt: Sächsisch-Böhmische Schweiz - eine exzellente grenzüberschreitende
Destination (realisiert durch Ceska Lipa/Leipa und den Tourismusverein Sächsisch-Böhmi-
sche Schweiz)

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
75
Bei der Entwicklung des gemeinsamen touristischen Dienstleistungsangebotes sind
insbeson-
dere tschechische/sächsische Zielgruppen sowie die Sicherung eines hohen Qualitätsniveaus
in den Mittelpunkt zu setzen. Wichtig ist es zudem, die regionalen Potenziale durch die Gas-
tronomie und das Beherbergungsgewerbe besser zu erschließen (z.B. Förderung regionaler
Produkte, Kopplung gastronomischer Angebote mit den erzeugten regionalen Produkten).
• Entwicklung MONTAN-Region
Die Bewerbung der Akteure des östlichen, mittleren und westlichen Erzgebirges sowie des
Erzgebirgischen Beckens für den Titel UNESCO-Welterbe in der Kategorie Kulturlandschaft/
Kulturdenkmal unter der Bezeichnung „Montanregion Erzgebirge“ ist ein weiterer Baustein,
um das traditionelle, landesweit bedeutsame Tourismusgebiet Erzgebirge weiter zu
profilie-
ren und grenzüberschreitend zu entwickeln.
HANDLUNGSFELD 4.1
SICHERUNG DER ERREICHBARKEIT
• Verbesserung der Grenzdurchlässigkeit und der Verkehrsinfrastruktur
Die infrastrukturelle Ausstattung ist eine grundlegende Voraussetzung zur Entwicklung der
Wirtschaft und Lebensqualität im Grenzraum. Von einer Verbesserung der Grenzdurchlässig-
keit und der Verkehrsinfrastruktur können positive Impulse sowohl für die wirtschaftliche
Entwicklung, den Tourismus aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen ausgehen. Die
Verkehrsinfrastruktur ist so auszugestalten, dass diese den künftigen Anforderungen, die sich
durch den erhöhten Personen- und Güterverkehr ergeben, sowie Umweltbelangen entspricht.
Straßenverkehr
Aus Sicht der Planungsregionen
25
sowie basierend auf Strategiedokumenten Sachsens
26
und
Tschechiens zu grenzübergreifenden Straßenverbindungen und dem Landesentwicklungs-
plan 2013 (Geänderter Entwurf für das Beteiligungsverfahren – Stand 25. September 2012)
25
Gesamtfortschreibung Regionalpläne 2010 mit nachrichtlicher Übernahme von Maßnahmen aus dem FEV 2003
26
insbesondere Strategiepapier des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit 2004: Konzeption
zusätzli-
cher Straßenverbindungen zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik
Best practice
Jirkov/Görkau-Augustusburg: Projekt Gemeinsames Marketing von Schlössern und
Bur-
gen im Erzgebirge
Aufbau und Vermarktung der Sächsisch-Böhmischen SILBERSTRASSE
Liberecky kraj/Bezirk Liberec und Kreis Görlitz: Gemeinsame Entwicklung des „Neuen
Kammwegs“
„Chursächsischer Sommer – Sächsisch-Böhmisches Kulturfestival“ in der Bäderregion
ältestes deutsch-tschechisches Kulturprojekt „Festival Mitte Europa“
Best practice
Projekt Ustecký kraj/Bezirk Aussig und Freiberg: Mitteleuropäische Kulturlandschaft
Mon-
tanregion Erzgebirge/Krušnohoří auf dem Weg zum UNESCO-Welterbe
ZIEL 4: Entwicklung der grenzüberschreitenden Mobilität und Vernetzung der Infrastruktur
im Grenzraum sichert das Zusammenwachsen von Wirtschafts- und Lebensraum

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76
Sächsisch-tschechische
Grenzraumstudie.
Entwicklungsstrategie
sowie der „Raumentwicklungspolitik“ sind zur Sicherung des überregionalen und regionalen
grenzübergreifenden Verkehrs die nachfolgenden Maßnahmen wichtig:
Straßenneubau:
− B178-neu-Zittau-Sienawka (PL)-I/35-Hrádek nad Nisou/Grottau-Liberec/Reichenberg
(enthalten im Entwurf des TEN-T, Bundesverkehrswegeplan BRD)
Straßenausbau:
− B174 zwischen Chemnitz und Grenzübergang Reitzenhain-I/7-Chomutov/ Komotau (in
Planung),
B 101 zwischen Schwarzenberg und Aue,
− B 95 zwischen Chemnitz und Oberwiesenthal,
B92 zwischen Oelsnitz und Grenzübergang Schönberg-I/21-Františkovy
Lázně/Franzens-
bad (Planung einer vierspurigen Straße rund um Františkovy Lázně/Franzensbad in den
„Grundsätzen der Raumentwicklung des Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad“),
S309 zwischen Adorf und Grenzübergang Ebmath-II/217-Aš/Asch (geplante
nordwestli-
che Umgehungsstraße und die Anbindung an die I/64 um die Stadt Aš/Asch – verankert
in den „Grundsätzen der Raumentwicklung des Karlovarský kraj/Bezirk Karlsbad“).
Schaffung der infrastrukturellen Voraussetzungen (Straße/Umgehungsstraße) zur Realisie-
rung bzw. Qualifizierung grenzübergreifender Straßenverbindungen:
− Bad Brambach-Plesná/Fleißen,
Wernitzgrün-II/212-Luby/Schönbach,
− Bad Elster-Doubrava/Taubrath,
− Johanngeorgenstadt-II/212-Potůčky/Breitenbach.
Verbesserung der Passfähigkeit weiterer Straßen, die die Erreichbarkeit der Grenze beeinflussen
27
:
in Planung/Umsetzung
− Staatsstraße S214
Olbernhau-Brandov/Brandau (für Pkw-Verkehr),
− Staatsstraße S154
Neustadt/OT Langenburkersdorf-Lobendava/Lobendau
(für Pkw-Verkehr).
Rahmenbedingungen für die Wirtschaftsentwicklung sind insbesondere Maßnahmen im Hin-
blick auf die Kompatibilität des Ausbaus/der Passfähigkeit der Querschnitte und der
Zulas-
sung der Straßen auf deutschem und tschechischem Gebiet. In diesem Zusammenhang kön-
nen Tonnageerweiterungen oder auch Ortsumgehungen zur Entlastung der Gemeinden vom
Durchgangsverkehr (wie Klingenthal-Kraslice/Graslitz
28
, der Teil Ebmath-Hranice/Roßbach
wird in den „Grundsätzen der Raumentwicklung“ behandelt) erforderlich bzw.
wünschens-
wert sein. Dazu sollten grenzübergreifende Abstimmungen im Sinne der Unterstützung der
Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung der Umweltbelange erfolgen.
Schienenverkehr
Die wesentlichen Probleme im Schienenverkehr auf den vorhandenen grenzübergreifenden
Strecken liegen in den Reisezeiten für den Personenverkehr und den Transportzeiten im Gü-
terverkehr. Daraus ergeben sich folgende Entwicklungserfordernisse:
27
Zum Beispiel Verbesserung der Passfähigkeit der Straße I/27 von Most/Brüx nach Litvínov/Oberleutensdorf und im
Ab-
schnitt von Most/Brüx in Richtung Rabenberg.
28
Beispielsweise wird der Grenzübergang Graslitzer Straße in Klingenthal ab 2012 von 3,5 t auf 12 t für Lastverkehr
frei-
gegeben. Damit wird die Wirtschaftsentwicklung unterstützt und gleichzeitig werden durch die Lastbegrenzung auf max.
12 t unverträgliche Auswirkungen des Schwerlastverkehrs (wie in höheren Tonnagebereichen) verhindert.

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Sächsisch-tschechische Grenzraumstudie. Entwicklungsstrategie
77
Fernnetz
Neubau bzw. Ausbau der Strecke Dresden-Praha/Prag im paneuropäischen Korridor IV
29
(Berlin-Dresden-Praha/Prag-Wien-Budapest) um einen durchgehenden Hochgeschwin-
digkeitsverkehr zu sichern (200 km/h),
Ausbau der Eisenbahnstrecke (Berlin-Cottbus-) Görlitz
30
-Zittau (-Liberec/Reichenberg)
31
für eine Geschwindigkeit von 120 km/h bis 160 km/h.
Regionalnetz
− Ausbau und Elektrifizierung zwischen Plauen-Bad Brambach-Grenze D/CZ-Cheb/Eger-
Mariànske Lázne/Marienbad -Marktredwitz
32
(Anknüpfung an den fertig gestellten III.
Transiteisenbahnkorridor nach Cheb/Eger im TEN-T Netz),
Ausbau des Streckenabschnittes Görlitz-Zittau der Strecke (Dresden)-Bischofswerda-
Wilthen-Oberoderwitz-Zittau-(Liberec/Reichenberg) für eine Geschwindigkeit von 120km/h,
− Gestaltung des SPNV-Angebotes (TRILEX) gemeinsam mit tschechischen SPNV-Aufgaben-
trägern und damit langfristiger Erhalt der grenzüberschreitenden
Eisenbahnverbin-
dung (Chřibská/Kreibitz-Rybnište/Teichstatt)-Rumburk/Rumburg-Seifhennersdorf-
(Varnsdorf/ Warnsdorf)-Großschönau-Zittau-(Liberec/Reichenberg),
Erhöhung der Leistungsfähigkeit der grenzüberschreitenden Verbindung zur
Beschleu-
nigung des Güterverkehrs auf der Strecke Löbau-Ebersbach/Sa.-(Rumburk/Rumburg-
Česká Lípa/Böhmisch Leipa bzw. Děčín/Tetschen) durch Instandsetzung der Gleise im
Abschnitt Löbau-Ebersbach/Sa.
Darüber hinaus ergibt sich eine Reihe Anforderungen an die Erhaltung, den Ausbau bzw. die
Wiederbelebung/Wiedereinrichtung von Schienenverbindungen im grenzübergreifenden re-
gionalen Verkehr
33
:
Klingenthal-Kraslice/Graslitz-Sokolov/Falkenau-Karlovy Vary/Karlsbad (durch
Vogtland-
band im Verbund Egronet betrieben (geringe Fahrtenzahl am Wochenende auf
tschechsi-
scher Seite),
− Zwickau-Aue-Schwarzenberg/Erzgeb.-Johanngeorgenstadt-Potůčky/Breitenbach-Karlovy
Vary/Karlsbad (unter 40-60 km/h),
Sicherung der Bahnstrecke Chemnitz-Zschopau-Annaberg-Bärenstein bis Grenze als Vor-
rangtrasse (45-100 km/h) – durch Erzgebirgsbahn im Verbund Egronet betrieben
(gerin-
ge Fahrtenzahl am Wochenende auf tschechischer Seite),
Wiederaufnahme des grenzüberschreitenden Schienenverkehrs Sebnitz-(Dolni Poustev-
na/Niedereinsiedel)
34
Erhaltung und Erhöhung der Attraktivität des Verkehrs auf der
Eisenbahnstrecke Most/Brüx-Moldava/Moldau.
29
Bislang nicht im Bundesverkehrswegepla