image
Wir beraten Sachsen.
Unabhängig, kompetent, nachhaltig.
Beratende Äußerung
SÄCHSISCHER
RECHNUNGSHOF
Organisationsempfehlungen für sächsische
Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern

Organisationsempfehlungen für
sächsische Gemeinden
mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern
Beratende Äußerung gem. § 88 Abs. 2 i. V. m. § 96 Abs. 1 Satz 3 SäHO
September 2020
Gz.: 21-0444/35/11-2020/10982

4
Sächsischer Rechnungshof
Schongauerstraße 3
04328 Leipzig
Telefon:
+49 341 3525-1600
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+49 341 3525-1999
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www.rechnungshof.sachsen.de
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Kein Zugang für elektronisch signierte sowie verschlüsselte Dokumente.

5
Inhaltsübersicht
Seite
Anlagenverzeichnis
7
Abkürzungsverzeichnis
8
1
Zusammenfassung
10
2
Einführung und Zielsetzung
12
2.1
Ausgangslage
12
2.2
Denkansatz
12
2.3
Umsetzung
14
2.4
Ziele
14
3
Vergleichskommunen und grundlegende Rahmenbedingungen
16
3.1
Vergleichskommunen
16
3.2
Modellimmanente Rahmenbedingungen
17
3.3
Strukturelle Rahmenbedingungen
18
3.4
Finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
20
3.5
Personalwirtschaftliche Rahmenbedingungen
23
4
Methodik des Organisationsmodells
26
4.1
Aufgabenbestand und Aufgabenerfüllung
26
4.1.1
Aufgabenbestand
26
4.1.2
Aufgabenerfüllung
27
4.2
Ermittlung der Stellenausstattung
28
4.2.1
Bemessung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben
28
4.2.2
Bemessung der Leitungs- und Assistenzstellen
31
4.3
Mengengerüst
32
4.4
Angesetzte Arbeitszeitkapazität
33
5
Stellenausstattung für die Modell-Gemeinde
35
5.1
Beschreibung der Modell-Gemeinde
35

6
5.2
Ermittlung der Stellenausstattung nach Aufgabengruppen
37
5.2.1
Aufgabengruppe 10 „Politisch-administrative Unterstützung
Bürgermeister“
37
5.2.2
Aufgabengruppe 11 „Wahlen und Statistik“
40
5.2.3
Aufgabengruppe 12 „Personalrat“ und Aufgabengruppe 13 „Beauftragte“
41
5.2.4
Aufgabengruppe 14 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“
43
5.2.5
Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“
44
5.2.6
Aufgabengruppe 21 „Personal“
47
5.2.7
Aufgabengruppe 22 „Finanzen“
49
5.2.8
Aufgabengruppe 23 „Liegenschaftsmanagement“
54
5.2.9
Aufgabengruppe 24 „Archiv“
57
5.2.10
Aufgabengruppe 25 „Recht“
59
5.2.11
Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“
60
5.2.12
Aufgabengruppe 31 „Melde- und Personenstandswesen“
62
5.2.13
Aufgabengruppe 32 „Ausländer, Staatsangehörigkeit“
65
5.2.14
Aufgabengruppe 33 „Straßenverkehr“
65
5.2.15
Aufgabengruppe 34 „Brandschutz, Rettungsdienst und
Katastrophenschutz“
67
5.2.16
Aufgabengruppe 40 „Schule“
69
5.2.17
Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“
71
5.2.18
Aufgabengruppe 50 „Soziales“
73
5.2.19
Aufgabengruppe 51 „Jugend“
74
5.2.20
Aufgabengruppe 60 „Räumliche Planung und Entwicklung“
76
5.2.21
Aufgabengruppe 61 „Ver- und Entsorgung“
78
5.2.22
Aufgabengruppe 62 „Verkehrsflächen und -anlagen“
79
5.2.23
Aufgabengruppe 63 „Natur- und Landschaftspflege“
81
5.2.24
Aufgabengruppe 64 „Wirtschaft und Tourismus“
84
5.2.25
Aufgabengruppe 70 „Bauhof“
85
5.3
Ergebnisübersicht für die Modell-Gemeinde
91
6
Aufbauorganisation von Gemeinden mit 5.000 bis 10.000
Einwohnern
92
7
Überprüfung des Modells anhand weiterer Kommunen
95

 
7
7.1
Ziele der Überprüfung
95
7.2
Vergleichskommunen
96
7.3
Ergebnisse nach Aufgabenhauptgruppen
98
7.3.1
Hauptgruppe 1 – Leitung Gemeinde/ -verwaltung
99
7.3.2
Hauptgruppe 2 – Interner Service
100
7.3.3
Hauptgruppe 3 – Sicherheit, Ordnung, Gesundheit
101
7.3.4
Hauptgruppe 4 - Schule, Sport, Kultur
102
7.3.5
Hauptgruppe 5 – Soziales und Jugend
103
7.3.6
Hauptgruppe 6 – Gestaltung der Umwelt
104
7.3.7
Hauptgruppe 7 - Bauhof
105
7.4
Fazit der Überprüfung
106
7.5
Soll-Ist-Vergleich Insgesamt
108
8
Umgang mit den Ergebnissen der Stellenanalyse und Bewertung
109
9
Resümee und Ausblick
113
9.1
Demographie
114
9.2
Personal
114
9.3
Digitalisierung
115
9.4
Interkommunale Zusammenarbeit
117
Anlagenverzeichnis
Anlage 1
Aufgabenkatalog
Anlage 2
Stellenbemessungskatalog für die Aufgaben der Modell-Gemeinde

 
8
Abkürzungsverzeichnis
(Gesetze, Verordnungen und sonstige Vorschriften in der jeweils gültigen Fassung)
AU-Tage
AOK
ArbSchG
Art.
Az.
BauGB
BGF
BMVI
BNatSchG
B-Plan
DMS
DSGVO
EDV
EnEV
EW
Arbeitsunfähigkeitstage
Allgemeine Ortskrankenkassen
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur
Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten
bei der Arbeit
Artikel
Aktenzeichen
Baugesetzbuch
Bruttogrundfläche
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege
Bebauungsplan
Dokumentenmanagementsystem
Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates vom
27. April 2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung perso-
nenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richt-
linie 95/46/EG – die Datenschutz-Grundverordnung
Elektronische Datenverarbeitung
Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende
Anlagentechnik bei Gebäuden
Einwohner
FNP
FPStatG
GefHundG
GewO
GIS
GrKrSt
GWB
Hj.
HKR
HOAI
Flächennutzungsplan
Gesetz über die Statistiken der öffentlichen Finanzen und des Personals im
öffentlichen Dienst
Gesetz zum Schutze der Bevölkerung vor gefährlichen Hunden
Gewerbeordnung
Geoinformationssystem
Große Kreisstädte
Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
Haushaltsjahr
Haushalts-, Kassen-, Rechnungswesen
Honorarordnung für Architekten und Ingenieure
IT
KGSt
KISA
KLR
KSA
LJHG
Nr.
Owi
OwiZuVO
Informationstechnik
Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement
Kommunale Informationsverarbeitung Sachsen (Zweckverband)
Kosten- und Leistungsrechnung
Kommunaler Schadenausgleich
Landesjugendhilfegesetz
Nummer
Ordnungswidrigkeit
Ordnungswidrigkeiten-Zuständigkeitsverordnung
RAB
SächsAGSGB
SächsArchivG
SächsBestG
SächsBRKG
SächsFlüAG
SächsGemO
SächsGewUUG
Rechtsaufsichtsbehörde
Sächsisches Gesetz zur Ausführung des Sozialgesetzbuches
Archivgesetz für den Freistaat Sachsen
Sächsisches Gesetz über das Friedhofs-, Leichen- und Bestattungswesen
(Sächsisches Bestattungsgesetz)
Sächsisches Gesetz über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastro-
phenschutz
Gesetz zur Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen im Freistaat Sach-
sen (Sächsisches Flüchtlingsaufnahmegesetz)
Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen
Sächsisches Gewässerunterhaltungsunterstützungsgesetz

9
SächsGlüStVAG
SächsGrKrZuVO
SächsJG
SächsLadÖffG
SächsKitaG
SächsKomZG
SächsKRG
SächsNatSchG
SächsNSG
SächsPersVG
SächsRKG
SächsSchiedsGütStG
SächsSchulG
SächsSchulnetzVO
SächsStrG
SächsStVZustG
Gesetz zur Ausführung des Glücksspielstaatsvertrages und über die Veran-
staltung, die Durchführung und die Vermittlung von Sportwetten, Lotterien und
Ausspielungen im Freistaat Sachsen
Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über die Zuständigkeiten der
Großen Kreisstädte
Gesetz über die Justiz im Freistaat Sachsen (Sächsisches Justizgesetz)
Gesetz über die Ladenöffnungszeiten im Freistaat Sachsen (Sächsisches
Ladenöffnungsgesetz)
Sächsisches Gesetz zur Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen (Ge-
setz über Kindertageseinrichtungen)
Sächsisches Gesetz über kommunale Zusammenarbeit
Gesetz über die Kulturräume in Sachsen (Sächsisches Kulturraumgesetz)
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege im Freistaat Sachsen (Säch-
sisches Naturschutzgesetz)
Gesetz zum Schutz von Nichtrauchern im Freistaat Sachsen (Sächsisches
Nichtraucherschutzgesetz)
Sächsisches Personalvertretungsgesetz
Sächsisches Reisekostengesetz
Gesetz über die Schiedsstellen in den Gemeinden des Freistaates Sachsen
und über die Anerkennung von Gütestellen im Sinne des § 794 Abs. 1 Nr. 1
der Zivilprozessordnung
Schulgesetz für den Freistaat Sachsen (Sächsisches Schulgesetz)
Sächsische Schulnetzplanungsverordnung
Straßengesetz für den Freistaat Sachsen (Sächsisches Straßengesetz)
Sächsisches Straßenverkehrszuständigkeitsgesetz
SächsVergabeG
SächsWG
SäHO
SLKT
SMI
SprengV
Gesetz über die Vergabe öffentlicher Aufträge im Freistaat Sachsen (Sächsi-
sches Vergabegesetz)
Sächsisches Wassergesetz
Sächsische Haushaltsordnung
Sächsischer Landkreistag
Sächsisches Staatsministerium des Innern
Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz
SRH
SSG
StVO
Sächsischer Rechnungshof
Sächsischer Städte- und Gemeindetag
Straßenverkehrs-Ordnung
TÖB
TVöD
VAB
UStG
Träger Öffentlicher Belange
Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst
Verwaltungsanalysebogen
Umsatzsteuergesetz
VG
VgV
VO
VOB
VOL
VVVG
VwGO
VwV
VwV KomHWi
VZÄ
WHG
WoBindG
WoFG
WPflG
Verwaltungsgemeinschaft
Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge
Verordnung
Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen
Vergabe- und Vertragsordnung für Leistungen
Gesetz über Volksantrag, Volksbegehren und Volksentscheid
Verwaltungsgerichtsordnung
Verwaltungsvorschrift
Verwaltungsvorschrift des SMI über die Grundsätze der kommunalen Haus-
halts- und Wirtschaftsführung und die rechtsaufsichtliche Beurteilung der
kommunalen Haushalte zur dauerhaften Sicherung der kommunalen Aufga-
benerledigung (VwV Kommunale Haushaltswirtschaft)
Vollzeitäquivalente
Gesetz zur Ordnung des Wasserhaushalts
Gesetz zur Sicherung der Zweckbestimmung von Sozialwohnungen
Gesetz über die soziale Wohnraumförderung
Wehrpflichtgesetz

 
10
1
Zusammenfassung
Die Kommunen stehen vor teils enormen personellen und organisatorischen
Herausforderungen. Diese zu bewältigen, wird u. a. durch effiziente Strukturen
begünstigt. Der SRH unterstützt Kommunen mit der vorliegenden Beratenden
Äußerung und stellt ein Organisationsmodell als Fortschreibung bzw. Aktuali-
sierung der Beratenden Äußerung aus dem Jahre 2005 „Organisationsmodell
für Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern“ zur Verfügung.
Das vorliegende Organisationsmodell ermöglicht den Kommunen der
Größenklasse 5.000 bis 10.000 Einwohner aufgabenbezogen
individuell
(z. B. hinsichtlich des Eigenerledigungsgrades, der Arbeitsmenge oder der
Aufgabenerfüllungsintensität)
die empfohlenen Sollwerte (VZÄ) als Orien-
tierung für ihre Personalausstattung zu bestimmen.
Das Modell definiert dabei den Rahmen eines Aufgabenbestandes, der den
gesetzlichen Anforderungen für Kommunen dieser Größenklasse entspricht
(Pflichtaufgaben). Mit den Aufgabengruppen „Kultur- und Sportförderung“ so-
wie „Wirtschaft und Tourismus“ sind zudem wesentliche freiwillige Aufgaben
der Gemeinden enthalten. Örtliche Gegebenheiten, wie u. a. die Fläche und
Straßenlänge im Gemeindegebiet werden berücksichtigt (vgl. ausführlich Ka-
pitel 5.2). Im Modell wird davon ausgegangen, dass die meisten Aufgaben in
Eigenerledigung erfüllt werden (zu den fremdvergebenen Aufgaben siehe Ka-
pitel 4.1.2).
Das Organisationsmodell umfasst Empfehlungen und Hinweise für eine
kennzahlenbasierte Personalbemessung, für die Organisationsstruktur
und für die Aufgabenzuordnung zu den einzelnen Verwaltungsbereichen.
Die in dieser Beratenden Äußerung beschriebene Modell-Gemeinde (vgl. Ka-
pitel 5.1) basiert im Wesentlichen auf den Medianen der per Ist-Analyse ermit-
telten Kennzahlen der einbezogenen Vergleichskommunen (zu den Rahmen-
bedingungen und zur Methodik vgl. Kapitel 3 und 4). Das Modell bildet folglich
eine fiktive Kommune ab, die mit Ausnahme des für die Kinderbetreuung in
Kindertageseinrichtungen erforderlichen Personals sämtliche Stellen des
Kernhaushaltes inklusive Bürgermeister beinhaltet.
Die Ergebnisse für die
Modell-Gemeinde enthält Kapitel 5.3.
Der SRH geht hinsichtlich der Organisationsstruktur für die Mehrheit der Ge-
meinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW von einer Struktur mit 2 Äm-
tern aus. Im vorliegenden Modell sind 2 alternative Organisationsstrukturen
mit jeweils 2 Ämtern dargestellt. Fachlich eng zusammenhängende Aufgaben
sollten dabei möglichst in einer Organisationseinheit gebündelt werden (vgl.
Kapitel 6).
Die Ergebnisse dieser Prüfung und die Anwendbarkeit des daraus ermit-
telten Modells wurden anschließend durch den SRH in 10 weiteren
Kommunen untersucht
(vgl. Kapitel 7).
Die Ergebnisse der Stellenbedarfsermittlung anhand des Modells sind im
Einzelfall nicht schematisch anzuwenden.
Konkrete Abweichungen des Ist-
Stellenbestandes vor Ort in den einzelnen Aufgabengruppen sind vertiefend
zu analysieren (insbes. hinsichtlich Aufgabenerfüllung und Abläufen, ein-
schließlich Aufgabenkritik). Die örtlichen Gegebenheiten sind dabei zu be-
rücksichtigen (vgl. Kapitel 8). Die Ermittlung der Sollwerte begründet insbe-
sondere keinen daraus unmittelbar folgenden Anspruch, Stellenmehrungen
vorzunehmen, sondern ist immer im Kontext zur konkreten haushaltswirt-
schaftlichen Situation zu beurteilen.
Ziele
Kap. 2.4
Methodik
Kap. 4
Aufbau-
struktur
Kap. 6
Modell-
Gemeinde
Kap. 5.1/3
Ermittlung
Kap. 5.2
Überprü-
fung
Kap. 7
Ergebnis-
wertung
Kap. 8

11
Kommunen, die sich in einer Haushaltskonsolidierung befinden, haben zu-
nächst alles zu unternehmen, um eine nachhaltige haushaltswirtschaftliche
Stabilität zu sichern. Das kann erforderlichenfalls mit Stellenabbau einherge-
hen.
Den Kommunen wird empfohlen, ihren jeweiligen Stellenbedarf künftig
entsprechend den in dieser Beratenden Äußerung verwendeten Aufga-
benblöcken und mithilfe der benannten Kennzahlen
(vgl. Anlage 2)
zu
ermitteln. Der SRH stellt dazu unter
www.rechnungshof.sachsen.de
ein
entsprechendes EXCEL-Tool zur Verfügung. Dieser aufgabenbezogene
Ansatz unterscheidet sich damit maßgeblich von dem eingangs genann-
ten Organisationsmodell des SRH aus dem Jahr 2005 und ermöglicht
damit, auf VZÄ-Richtwerte, die allein von der Einwohnerzahl abhängig
sind, zu verzichten.
Resümee,
Ausblick
Kap. 9

 
12
2
Einführung und Zielsetzung
2.1
Ausgangslage
Erfolgreiches Verwaltungshandeln wird maßgeblich durch effiziente Strukturen unterstützt.
Der Sächsische Rechnungshof (SRH) hat bereits seit Anfang der 90er Jahre den wirtschaftli-
chen Personaleinsatz in sächsischen Kommunen mit dem Ziel geprüft, Hinweise und Emp-
fehlungen zur Organisationsstruktur und zur Personalbemessung zu erarbeiten. Diese wur-
den stets in Form von Organisationsmodellen für vergleichbare Kommunen erstellt.
Der empfohlene Personalstandsrichtwert der VwV Kommunale Haushaltswirtschaft (VwV
KomHWi) von 4,8 VZÄ je 1.000 EW für die Kernverwaltung basiert auf den Empfehlungen
der Beratenden Äußerung „Organisationsmodell für Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 Ein-
wohnern“ aus dem Jahre 2005. Aufgrund der demographischen Veränderungen und qualita-
tiven bzw. quantitativen Aufgabenänderungen in den sächsischen Kommunen war eine Fort-
schreibung bzw. Aktualisierung der Beratenden Äußerung erforderlich.
2.2
Denkansatz
Die einwohnerbezogene Personalausstattung der Kommunen weist im Ist eine große Band-
breite aus, wie in nachfolgendem Diagramm
1
ersichtlich wird:
Dies ist vor allem durch die
unterschiedliche Aufgabenwahrnehmung
– sowohl in qualita-
tiver als auch in quantitativer Hinsicht – in den einzelnen Gemeinden verursacht. Ein Bei-
spiel: Werden die Aufgaben des Standesamtes per Zweckvereinbarung an die Nachbar-
kommune übertragen, ist es sachlogisch, dass die Personalausstattung
für diese Aufgabe
in
der Nachbarkommune entsprechend höher sein muss, während sie in der übertragenden
Kommune entfällt.
1
Darstellung auf Basis der Personalstandstatistik des Statistischen Landesamtes des Freistaates Sach-
sen, Angaben ohne Bürgermeister.
Durchschnitt
4.500
5.000
5.500
6.000
6.500
7.000
7.500
8.000
8.500
9.000
9.500
10.000
10.500
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
7,0
8,0
EW
VZÄ
je 1.000 EW
VZÄ je 1.000 EW der Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 EW zum
30.06.2016 (ohne Verwaltungsgemeinschaften)

13
Weitere typische Aufgaben, bei denen sich nicht aufgrund der Einwohnerzahl, sondern auf-
grund von Art und Umfang der Aufgabe in der jeweiligen Kommune bzw. wegen der örtlichen
Gegebenheiten unmittelbar Auswirkungen auf die erforderliche Personalausstattung erge-
ben, sind z. B. die Schulsekretariate (abhängig von der Anzahl der Schulen in eigener Trä-
gerschaft und der Schülerzahl), die Betreuung der Kindertagesreinrichtungen (abhängig da-
von, ob eigene Einrichtungen oder solche in freier Trägerschaft betreut werden), die Unter-
haltung und Verwaltung von Verkehrsflächen (abhängig von Straßenlänge bzw. Fläche des
Gemeindegebietes). Bereits diese wenigen Beispiele legen nahe, dass es sach- und verur-
sachungsgerechter ist, die Personalausstattung aufgaben- und fallzahl- / arbeitsmengenbe-
zogen zu ermitteln, um die dabei jeweils prägenden „Aufwandstreiber“ in die Bemessung
einbeziehen zu können.
Die aufgabenbezogene Ermittlung des Personalbestandes ist damit Kern des vorlie-
genden Organisationsmodells.
Zur Methodik im Einzelnen wird auf Kapitel 4 verwiesen.
Zu Recht weist Nr. I.2 Buchstabe c VwV KomHWi darauf hin, dass „bei der Beurteilung der
Personalausstattung einer Gemeinde zum Beispiel auch
Art und Umfang der Aufgabenerfül-
lung zu berücksichtigen
(sind).“ Dem trägt die vorliegende Beratende Äußerung Rechnung.
Abweichend von den vorangegangenen Organisationsmodellen bezieht sie sich zudem nicht
ausschließlich auf den Bereich der Kernverwaltung, sondern
betrachtet sämtliche Aufga-
benbereiche der Gemeinden. Besonderheiten von Großen Kreisstädten und Verwal-
tungsgemeinschaften sowie gemäß SächsKomZG auf andere Gemeinden übertragene
Aufgaben werden berücksichtigt.
Die seit dem Organisationsmodell aus dem Jahr 2005 auf kommunaler Ebene eingetretenen,
im aktuellen Modell zu berücksichtigenden Veränderungen, sind vielfältig und betreffen u. a.
folgende Bereiche:
Aufgaben:
Einführung der Doppik und damit Aufgabenzuwachs und neuer Aufgabenzuschnitt in
der Kämmerei
Veränderung innerhalb einzelner Aufgabenbereiche (z. B. höhere qualitative Anforde-
rungen im Bereich Gewässerunterhaltung u. a. durch geänderte Vorgaben der EU
und steigende Anforderungen im EU-Beilhilferecht einerseits sowie Rückgang kom-
plexer Sanierungsmaßnahmen an der kommunalen Infrastruktur andererseits)
Verlagerung von Aufgaben von den Landkreisen auf kreisangehörige Städte und
Gemeinden im Zuge der Funktional- und Kreisgebietsreform zum 01.08.2008 (Aufga-
ben im Bereich Ordnungswidrigkeiten, soweit die kreisangehörigen Gemeinden für
den Vollzug der Gesetze bereits zuständig waren
2
; verkehrsrechtliche Anordnungen
bezogen auf Gemeinde- und sonstige öffentliche Straßen
3
)
Übertragung von Zuständigkeiten der bis 01.08.2008 den Landkreisen / Kreisfreien
Städten und Großen Kreisstädten obliegenden Aufgaben des Gewerberechts
4
Personal:
weitere Erhöhung des Durchschnittsalters der Mitarbeiter der Verwaltung und zu-
gleich große Herausforderungen bei der Suche nach qualifizierten Verwaltungsmitar-
beitern (vgl. hierzu auch Kapitel 3.5)
2
Vgl. § 52 Abs. 3 Nr. 1 SächsStrG.
3
Vgl. § 4 Abs. 3 StVZustG bzw. seit 01.03.2012 § 2 SächsStVZustG.
4
Vgl. § 4 SächsGewODVO.

 
14
Personalabbau in den letzten Jahren aufgrund der Konsolidierungserfordernisse
IT-Einsatz und Verwaltungsmodernisierung:
Ausbau der Fachverfahren für die einzelnen Aufgabenbereiche
notwendige Einführung von E-Government-Komponenten, wie z. B. elektronische
Rechnung, elektronische Vergabe, elektronisches Dokumentenmanagementsystem
(DMS)
zunehmende Vernetzung der IT-Anwendungen zur Steigerung der Bürgerfreundlich-
keit und Effizienz der verwaltungsinternen Abläufe
steigende Anforderungen an den Datenschutz
Finanzausstattung:
tendenziell steigende Einnahmen, insbesondere durch Steuermehreinnahmen, aber
auch steigende Ausgaben
steigende Personalkosten aufgrund von Tariferhöhungen
steigende Sach- und Betriebskosten u. a. durch den allgemeinen Inflationseffekt so-
wie bedingt durch die Anforderungen im Zuge der Verwaltungsmodernisierung (z. B.
Anschaffung neuer IT-Architektur im Rahmen der Einführung eines DMS)
2.3
Umsetzung
Die Verfahrens- und Vorgehensweise zur Erarbeitung der Organisationsempfehlungen wur-
de mit Vertretern des Sächsischen Städte- und Gemeindetages e. V. (SSG) und des Sächsi-
schen Staatsministeriums des Innern (SMI) abgestimmt. Die Basis bildete eine Prüfung an-
hand von 6 Vergleichskommunen (vgl. Kapitel 3.1), die durch den SRH unter Hinzuziehung
der WIBERA Wirtschaftsberatung AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchgeführt wurde.
Die Ergebnisse dieser Prüfung und die Anwendbarkeit des daraus ermittelten Modells wur-
den durch den SRH anschließend in 10 weiteren Kommunen untersucht (vgl. Kapitel 7).
Den Kommunen wird empfohlen, den jeweiligen Stellenbedarf künftig entsprechend
den in dieser Beratenden Äußerung aufgeführten Aufgabenblöcken und mithilfe der
benannten Kennzahlen
(vgl. Anlage 2)
zu ermitteln. Der SRH stellt dazu unter
www.rechnungshof.sachsen.de
ein entsprechendes EXCEL-Tool zur Verfügung.
Der tatsächliche Umfang der Stellenausbringung muss jedoch, wie bereits ausgeführt, im
Kontext zur haushaltswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der jeweiligen Kommune stehen.
Besonders strenge Maßstäbe sind dann anzulegen, wenn sich die Kommune in Haushalts-
konsoldierungsmaßnahmen befindet. Regelmäßig wird dann eine kritische Bestandsaufnah-
me der wahrgenommenen Aufgaben und des dazu erforderlichen Personals zu erfolgen ha-
ben.
Die vorliegende Beratende Äußerung ist im Internet unter
www.rechnungshof.sachsen.de
in
der Rubrik: Veröffentlichungen/Beratende Äußerungen abrufbar.
2.4
Ziele
Ziel dieser Beratenden Äußerung ist es, die Gemeinden bei den notwendigen Struktur-
veränderungen zur Optimierung ihres Verwaltungshandelns zu unterstützen und ihnen
einen Rahmen im Hinblick auf Stellenausstattung und Organisationsstruktur aufzuzei-

15
gen.
Dabei bleiben die Beschlusszuständigkeit des Gemeinderats und die Organisationsho-
heit des Bürgermeisters unberührt.
Den kommunalen Entscheidungsträgern, Rechtsaufsichts- und Prüfbehörden möchte der
SRH mit den hier vorliegenden Empfehlungen zu effizienten Verwaltungsstrukturen und zum
angemessenen Personalbestand eine Unterstützung bei der Gestaltung bzw. Beurteilung der
Organisation der jeweiligen Kommune bieten.
Das Organisationsmodell soll den Kommunen ermöglichen, eigenständig aufgaben-
genaue Sollwerte (VZÄ) als Orientierung für ihre Personalausstattung abzuleiten.
Durch die aufgabenbezogene Flexibilität des Modells ist bei (künftigen) Änderungen des
Aufgabenumfangs der resultierende Personaleinsatz leicht ermittelbar.

image
 
16
3
Vergleichskommunen und grundlegende Rahmenbedingungen
3.1
Vergleichskommunen
Basis für das entwickelte Organisationsmodell war die systematische Analyse der Ist-
Situation im Hinblick auf Aufgabenumfang, Stellenbestand, Aufgabenwahrnehmung und Or-
ganisationsaufbau in den folgenden 6 Kommunen (nachfolgend auch als „
Vergleichskom-
munen
“ bezeichnet):
Gemeinde
Jahnsdorf
im Erzgebirgskreis,
Stadt
Kirchberg
im Landkreis Zwickau als erfüllende Gemeinde der Verwaltungsge-
meinschaft mit den Kommunen Hartmannsdorf, Crinitzberg und Hirschfeld,
Große Kreisstadt
Niesky
im Landkreis Görlitz,
Stadt
Penig
im Landkreis Mittelsachsen,
Große Kreisstadt
Rochlitz
im Landkreis Mittelsachsen als erfüllende Gemeinde der
Verwaltungsgemeinschaft mit den Kommunen Seelitz, Zettlitz und Königsfeld,
Gemeinde
Sohland a. d. Spree
im Landkreis Bautzen.
Zwei der Vergleichskommunen sind erfüllende Gemeinden einer Verwaltungsgemeinschaft.
Diese nehmen zusätzliche Aufgaben wahr und verrechnen diesen Mehraufwand mit den Mit-
gliedsgemeinden mittels einer Umlage. Bei der Untersuchung der Vergleichskommunen
wurden diejenigen Stellenanteile, die auf die Erledigung von Aufgaben für die (anderen) Ge-
meinden der Verwaltungsgemeinschaft zurückzuführen waren, in Abzug gebracht. Somit
flossen nur Stellenanteile im Rahmen der Aufgabenerfüllung für die erfüllende Gemeinde in
die Berechnungen ein. Das gewählte Verfahren sichert damit die Vergleichbarkeit aller be-
trachteten Gemeinden.

 
17
Zwei Vergleichskommunen besitzen den Status „Große Kreisstadt“. Daraus resultierende
Spezifika im Hinblick auf einen ggf. erhöhten Aufgabenumfang wurden in der Untersuchung
im Wesentlichen bei der Aufgabengruppe 33 (darunter verkehrsrechtliche Anordnungen)
herausgearbeitet.
Um die Personalbemessungs- und Organisationsempfehlungen abbilden zu können,
wurde eine Modell-Gemeinde definiert, für die Annahmen im Hinblick auf Rahmenbe-
dingungen, Aufgabenbestand und Aufgabenwahrnehmung getroffen wurden, die sich
im Wesentlichen aus den Erkenntnissen der Ist-Analyse speisen.
Für die Bemessung
des Stellenbedarfs in der Modell-Gemeinde wurde im Unterschied zu bisherigen Organisati-
onsmodellen differenziert nach Aufgaben bzw. Aufgabengruppen vorgegangen, um die Indi-
vidualität einer Kommune bei der Aufgabenwahrnehmung (z. B. hinsichtlich des Eigenerledi-
gungsgrades oder der Aufgabenerfüllungsintensität) abbilden zu können (vgl. hierzu Kapitel
4). Bis auf eine Ausnahme existierte in den Vergleichskommunen bislang keine flächende-
ckende KLR, so dass bei der Personalzuordnung zu Produkten und Aufgaben noch kein
Rückgriff auf deren Ergebnisse möglich war.
5
Die vorgefundene Aufgabenwahrnehmung war in den Vergleichskommunen unterschiedlich.
Insbesondere im Hinblick auf die effiziente Abwicklung von Verwaltungsabläufen mittels mo-
derner Informationstechnik (E-Government) besteht z. T. erhebliches Entwicklungspotenzial
(vgl. hierzu Kapitel 9.3 Digitalisierung).
Das Thema der interkommunalen Zusammenarbeit (vgl. Kapitel 9.4) war in den Vergleichs-
kommunen bei einzelnen Aufgaben („Standesamt / Personenstand“ [31.3], „Verkehrsrechtli-
che Anordnungen und Genehmigungen“ [33.3]) bereits relevant. Insbesondere in kleineren
Gemeinden bestehen zunehmend Schwierigkeiten, entsprechend qualifiziertes Fachpersonal
vorzuhalten bzw. die Stellvertretung für bestimmte Aufgaben zu sichern, die eine besondere
fachliche Qualifikation erfordern.
3.2
Modellimmanente Rahmenbedingungen
Mit einem Modell kann stets nur eine Leitlinie für die Organisationsarbeit gegeben werden.
Maßgebend für die optimale Gestaltung einer Gemeindeverwaltung müssen immer die kon-
kreten örtlichen Gegebenheiten der einzelnen Gemeinde sein. Bei Vergleichen mit beste-
henden Gemeinden müssen daher folgende Kriterien beachtet werden:
Es werden sämtliche Aufgabenbereiche (d. h. nicht nur die Kernverwaltung) betrach-
tet.
Für die in den einzelnen Aufgabenbereichen festgelegten aufwandsprägenden Merk-
male ergeben sich entsprechende Fallzahlen bzw. Arbeitsmengen. Diese sind bei der
Ermittlung des Stellenbedarfs vor Ort als grundlegende Ausgangsgröße zu benutzen.
Die Arbeitsmengen in den Gemeinden werden sich regelmäßig von denen in der Mo-
dell-Gemeinde unterscheiden.
Anhand der konkreten Fallzahlen bzw. Arbeitsmengen vor Ort ist der spezifische Stellenbe-
darf für jede Gemeinde und jede Organisationseinheit rechnerisch ermittelbar - auch dann,
wenn eine zur Modell-Gemeinde abweichende Aufgabenzuordnung zu Organisationseinhei-
ten besteht. Damit werden gleichzeitig die
dauerhafte Aktualität und die dynamische An-
wendung des Modells
gesichert.
Aufgabenbezogene Veränderungen können voraus-
schauend berücksichtigt werden und in die Personalbemessung punktgenau einflie-
ßen.
5
Die Aufteilung der Stellenanteile wurde im Rahmen der örtlichen Erhebungen plausibilisiert.

 
18
Das Ergebnis der Stellenanalyse bildet dabei ein rein statisches und summarisches Ergebnis
ab, welches sich auf die im Folgenden beschriebenen Randbedingungen bezieht und bei der
von einer künftigen Aufgabenerfüllung ausgegangen wird, die den gesetzlichen Anforderun-
gen entspricht.
3.3
Strukturelle Rahmenbedingungen
Zur Einordnung der später zu beschreibenden Modell-Gemeinde in die Gruppe aller Kom-
munen der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW - sog. „
Referenzgruppe
“ liefert die nachste-
hende Tabelle einen Überblick über die wichtigsten strukturellen Daten der Vergleichskom-
munen.
Gemeinde
Jahnsdorf
Rochlitz
Sohland
Kirchberg
Penig
Niesky
Median
der Refe-
renz-
gruppe
5-10 TEW
Landkreis
Erzge-
birgskreis
Mittel-
sachsen
Bautzen
Zwickau
Mittel-
sachsen
Görlitz
EW (zum
30.06.2016)
5.599
5.894
6.823
8.473
8.995
9.512
6.587
Fläche in km²
(zum
31.12.2017)
26,1
23,8
37,0
39,6
63,0
53,8
46
EW je km²
214
248
183
214
142
177
161
Durch-
schnittsalter
der Bevöl-
kerung in
Jahren (zum
31.12.2015)
48,2
51,3
48,2
49,3
50,3
49,8
48,4
Die Vergleichskommunen grenzen an kleine bis mittelgroße Oberzentren. Hierzu gehören
Chemnitz, Zwickau, Görlitz, und Bautzen bzw. Grimma.
Die
wirtschaftlichen Strukturen
in den Vergleichskommunen stellen sich unterschiedlich
dar. Nach eigenen Angaben werden 3 Vergleichskommunen aufgrund ihrer örtlichen Lage
wirtschaftlich besonders durch die Land- und Forstwirtschaft bzw. durch die Fischerei ge-
prägt. Die verbleibenden 3 Kommunen gaben an, dass insbesondere das Baugewerbe,
Handel, Verarbeitende Industrie und Energieversorgung regional bedeutsam sind.
Die
demographische Entwicklung
6
in den Vergleichskommunen wird in den nächsten Jah-
ren voraussichtlich durch eine starke Abnahme der Bevölkerung, durch einen Anstieg des
durchschnittlichen Alters der Bevölkerung sowie durch eine räumlich dünnere Besiedlung
geprägt sein.
Wie die nachfolgende Darstellung zeigt, liegt der prognostizierte Bevölkerungsverlust zwi-
schen 10,0 % und 14,3 % bis zum Jahr 2030.
Für die kreisangehörigen Gemeinden im Freistaat Sachsen in der Größenklasse 5.000 bis
10.000 EW ist die Entwicklung der Bevölkerungszahlen u. a. auch in Abhängigkeit von der
6
Datenquelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, 6. Regionalisierte Bevölkerungsvoraus-
berechnung für den Freistaat Sachsen, Variante 1. Diese enthält ab dem Jahr 2015 die Bevölkerungs-
prognosedaten (siehe auch Diagramm).

19
geographischen Lage unterschiedlich zu erwarten. So wird für einzelne Gemeinden z. B. im
Ballungsraum Leipzig ein Bevölkerungszuwachs um bis zu 9,5 % erwartet, während im länd-
lichen Raum überwiegend Bevölkerungsverluste vorhergesagt werden. Dabei bildet eine der
Vergleichskommunen mit dem o. a. Rückgang um rd. 14,3 % den negativen Spitzenwert ab.
Hinsichtlich der Entwicklung des durchschnittlichen Alters der Bevölkerung zeigt sich, dass in
den Vergleichskommunen mit einer Ausnahme eine zunehmende Alterung erwartet wird
(Median der Vergleichskommunen 2030: 50,9 Jahre). Diese liegt leicht über dem prognosti-
zierten Median des Durchschnittsalters der Referenzgruppe von 50,7 und deutlich über dem
statistisch ermittelten Landesdurchschnitt von 47,6 Jahren im Jahr 2030.
9.171
8.205
8.441
7.538
5.941
5.290
6.908
6.209
5.577
5.021
9.523
8.164
6.727
6.209
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
10.000
2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030
Gegenüberstellung der Bevölkerungsentwicklung der
Vergleichskommunen (2016 - 2030) in EW
Penig
Kirchberg
Rochlitz
Sohland
Jahnsdorf
Niesky
Median der Referenzgruppe
48,2
51,3
48,2
49,3
50,3
49,8
48,4
51,9
50,1
49,8
51,1
50,9
51,4
50,7
46
47
48
49
50
51
52
53
Jahnsdorf
Rochlitz
Sohland
Kirchberg
Penig
Niesky
Median der
Referenzgruppe
Gegenüberstellung der Entwicklung des Durchschnittsalters in den
Vergleichskommunen (2016 - 2030) in Jahren
2016
2020
2025
2030

 
20
3.4
Finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
7
Die
Einnahmen
der Gemeinden stehen auf 2 wesentlichen Säulen:
Steuereinnahmen, darunter insbesondere Grundsteuer, Gewerbesteuer und die Ge-
meindeanteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer,
Zuweisungen von Bund und Land, darunter insbesondere allgemeine Schlüsselzu-
weisungen vom Land und Investitionszuwendungen.
Die Gemeinden haben durch die Hebesätze für die Grundsteuer und Gewerbesteuer grund-
sätzlich Einflussmöglichkeiten auf die Höhe ihrer Steuereinnahmen.
Die Finanzkraft der 6 Vergleichskommunen stellt sich - gemessen an den Steuereinnahmen
sowie der Verschuldung - wie folgt dar:
Die 6 Vergleichskommunen erzielten im Jahr 2016 Steuereinnahmen von durchschnittlich
rd. 646 € je EW. Damit waren diese niedriger als der Durchschnittswert von rd. 778 € je EW
im Freistaat Sachsen. Die einwohnerbezogenen Steuereinnahmen von 3 Vergleichskommu-
nen lagen jedoch über denen der Referenzgruppe
8
(673 € je EW).
Entscheidend für das Steueraufkommen der Vergleichskommunen sind die Gewerbesteuer
sowie der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer.
Das Aufkommen an
Gewerbesteuer
in den Vergleichskommunen zeigt, dass nur
2 Kommunen über dem Wert der Referenzgruppe von rd. 280 € je EW lagen. Der gesamt-
sächsische Durchschnitt lag bei 334 € je EW. Die Gewerbesteuerhebesätze der
7
Quelle der Daten: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Schuldenstatistik und Kassensta-
tistik zum 31.12.2016. Den Werten je EW liegt der Bevölkerungsbestand zum 31.12.2015 zugrunde.
8
Der Wert der Referenzgruppe stellt die Summe der Steuereinnahmen im Verhältnis zur Summe der EW
aller Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW dar.
99
104
91
75
136
112
106
261
250
198
124
302
331
280
325
233
211
238
260
238
244
35
47
33
34
52
49
40
4
3
3
5
2
4
3
0
100
200
300
400
500
600
700
800
Jahnsdorf
Rochlitz
Sohland
Kirchberg
Penig
Niesky
Referenzgruppe
(Stand
31.12.2015)
Steuereinnahmen nach Arten in € je EW zum 31.12.2016
Grundsteuer
A und B
Gewerbesteuer (netto)
Gemeindeanteil an der Einkommensteuer
Gemeindeanteil an der Umsatzsteuer
Sonstige Steuern

21
6 Kommunen betrugen zwischen 380 v. H. und 400 v. H. und waren damit nahe am Nivellie-
rungshebesatz von 390 v. H. festgesetzt.
Der durchschnittliche
Gemeindeanteil an der Einkommensteuer
betrug in Sachsen rd.
259 € je EW zum 31.12.2016 und in der Referenzgruppe rd. 244 € je EW. Eine Kommune
wies nicht nur einen über dem Durchschnitt liegenden Wert in Bezug auf die Vergleichsgrup-
pe aus, sondern auch in Relation zum sächsischen Gesamtdurchschnitt.
Zuweisungsseitig werden die Unterschiede im Steueraufkommen durch die Wirkung des
kommunalen Finanzausgleichs teilweise ausgeglichen.
Die größten
Ausgaben
blöcke der sächsischen kreisangehörigen Gemeinden sind:
Personal- und Versorgungsauszahlungen,
Sach- und Dienstleistungen,
Sachinvestitionen.
Die Personalauszahlungsquote
9
in den Kernhaushalten der sächsischen Kommunen lag im
Jahr 2017 bei rd. 25,5 %.
Sie lässt sich gemäß den „bundeseinheitlichen finanzstatistischen Kennzahlen (doppisches
Rechnungswesen) für die Kernhaushalte der Kommunen“ für die 6 Vergleichskommunen wie
folgt ermitteln (sofern nicht anders angegeben Angaben in €):
Gemeinde
10
Personal- und
Versorgungs-
auszahlungen
(Konten 70, 71)
Bereinigte Auszahlungen ohne Finanzierungstätigkeit
Personalaus-
zahlungsquote
in %
Auszahlungen
aus laufender
Verwaltungstä-
tigkeit
Auszahlungen
aus Investitions-
tätigkeit
Zahlungen
gleicher Ebene
1
1.835.046
8.271.141
936.193
143.324
20,2
2
2.936.128
11.107.706
3.131.892
590.628
21,5
3
2.427.434
8.282.953
1.936.504
282.409
24,4
4
4.673.885
13.626.587
5.753.751
563.512
24,8
5
4.681.936
12.101.903
2.333.106
98.604
32,7
6
2.739.796
5.558.589
2.405.352
180.465
35,2
Zu beachten ist dabei, dass die Höhe der Personalauszahlungsquote maßgeblich davon be-
einflusst wird, ob in den Personal- und Versorgungsauszahlungen das für die Kinderbetreu-
ung in Kindertageseinrichtungen erforderliche Personal enthalten ist, in welchem Umfang
Dienstleistungen ausgelagert sind und wie umfangreich die Investitionstätigkeit ist.
Für den finanziellen Handlungsspielraum der Kommunen ist zudem die
Verschuldung
11
relevant. Im grafischen Vergleich stellt sich die Gesamtverschuldung der Vergleichskommu-
9
Prozentualer Anteil der Personal- und Versorgungsauszahlungen (Konten 70 und 71) an den bereinig-
ten Auszahlungen (ohne Finanzierungstätigkeit). Grundlage der Berechnung war die Vierteljährliche
Kassenstatistik der kommunalen Kernhaushalte sowie deren kameral und doppisch buchende Extra-
haushalte 2017.
10
Soweit die in den nachfolgenden Tabellen und Diagrammen enthaltenen Kommunen anonymisiert wur-
den, erfolgt die Darstellung stets aufsteigend geordnet. Das heißt, dass bspw. die Gemeinde 1 in jeder
Tabelle bzw. Diagramm eine andere sein kann.
11
Vgl. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Statistischer Bericht – Schulden der öffentlichen
Kern- und Extrahaushalte sowie der sonstigen öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen im
Freistaat Sachsen, 2016.

22
nen zzgl. der anteilig der jeweiligen Kommune zuzurechnenden Schulden aus unmittelbaren
Mitgliedschaften in Zweckverbänden
12
zum 30.12.2016 wie folgt dar:
Die Verschuldung des Kernhaushaltes überstieg in 2 der Vergleichskommunen den in der
VwV KomHWi seit 01.01.2018 vorgegebenen Richtwert von 850 € je EW. Werden die Schul-
den der Eigenbetriebe und Eigengesellschaften in die Betrachtung einbezogen, überschritten
die beiden Vergleichskommunen die lt. VwV KomHWi für die Gesamtverschuldung als kri-
tisch angesehene Grenze von 1.200 € je EW.
13
Beide Vergleichskommunen lagen zudem
sowohl bei der Verschuldung ihres Kernhaushaltes als auch bei der Gesamtverschuldung
über dem Median der Referenzgruppe.
Bei einer Betrachtung unter Einbeziehung der anteiligen Verschuldung aus der unmittelbaren
Mitgliedschaft in Zweckverbänden zeigt sich allerdings, dass auch die übrigen 4 Vergleichs-
kommunen Schulden in relevanter Höhe aufweisen, für die sie haften.
Im Rahmen der Organisationsuntersuchung wurde bei den Vergleichskommunen keine Fi-
nanzanalyse durchgeführt.
Es fand insbesondere keine Berücksichtigung möglicher
Veränderungen bei den Sachausgaben statt.
Eine Sachausgabensenkung durch das
ausgewiesene Stellenpotenzial wurde ebenfalls nicht berechnet. Dem weiteren Ausbau der
KLR kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu, um im Zusammenhang mit identifizierten
Personalbestandsveränderungen die jeweils gebotene wirtschaftliche Gesamtbetrachtung in
die Entscheidungsfindung einfließen lassen zu können (Vollkostenbetrachtung bei Eigen-
oder –fremderledigung der Aufgaben).
Keine der 6 Vergleichskommunen befand sich in der Haushaltskonsolidierung.
12
Zweckverbandschulden lt. Angaben der Kommunen. Der Wert 824 € je EW von Gemeinde 5 basiert
abweichend auf dem Schuldenstand zum 31.12.2015. Für den Median der Referenzgruppe lagen keine
Schuldenangaben zu den Zweckverbänden vor.
13
Richtwert Verschuldung Kernhaushalt vgl. VwV KomHWi A. I. 1. Buchst. c) aa). Richtwert Gesamtver-
schuldung vgl. VwV KomHWi A. I. 1. Buchst. c) bb). Hierzu gehören: Verschuldung der Gemeinde
(Kernhaushalt), Verschuldung ihrer Eigenbetriebe und Eigengesellschaften.
626
3.418
557
1.191
1.221
1.423
1.758
2.144
-
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
Gemeinde 1 Gemeinde 2 Gemeinde 3 Gemeinde 4 Gemeinde 5 Gemeinde 6
Median
Referenz-
gruppe
Unmittelbare Mit-
gliedschaften in
Zweckverbänden
1.095
824
1.097
84
1.638
-
Eigenbetriebe und
Eigengesellschaften
93
-
44
716
402
2.546
557
Kernhaushalt
4
397
282
958
104
872
626
Schuldenstand der Vergleichskommunen
in € je EW zum 31.12.2016

 
23
3.5
Personalwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Effektivität der Aufgabenwahrnehmung hängt wesentlich von der Leistungsfähigkeit der
Mitarbeiter und somit auch von den personalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Zent-
rale personalwirtschaftliche Indikatoren bilden der
Krankenstand
, die
Altersstruktur
und
das
Qualifikationsniveau der Mitarbeiter
einer Verwaltung.
Krankenstand
: Nach der Statistik der Gesundheitsberichterstattung des Bundes lag der
Durchschnitt der Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) je gesetzlichem Krankenversicherten
(GKV) ohne Rentner im Jahr 2015 bei 12,7 AU-Tagen.
14
Bei den Mitgliedern der AOK im
Freistaat Sachsen lag er im Jahr 2015 bei 19,3 und 2016 bei 19,5 AU-Tagen.
15
Der Durch-
schnittswert der untersuchten Kommunen liegt mit 11,0 AU-Tagen unter diesen Vergleichs-
werten.
Altersstruktur
: Das Durchschnittsalter des Personals des Kernhaushaltes (ohne das für die
Kinderbetreuung in Kindertageseinrichtungen erforderliche Personal) der 6 untersuchten
Kommunen stellt sich zum Stichtag 30.08.2017 im Vergleich wie folgt dar:
14
Vgl. Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Krankenstand, GKV Pflichtmitglieder, veröffentlicht
unter:
www.gbe-bund.de.
15
Vgl. AOK Gesundheitsbericht 2016 – Fehlzeiten in Sachsen. Chemnitz, 2016, und AOK Gesundheitsbe-
richt 2015 – Fehlzeiten in Sachsen, veröffentlicht unter:
www.aok.de.
7,0
7,6
8,5
9,4
10,4
13,9
19,3
7,0
7,6
9,5
12,9
13,3
15,7
19,5
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
Gemeinde 1 Gemeinde 2 Gemeinde 3 Gemeinde 4 Gemeinde 5 Gemeinde 6 Mitglieder der
AOK in
Sachsen
Arbeitsunfähigkeitstage je Mitarbeiter
2015
2016
Durchschnitt der Vergleichskommunen 2016

24
Wie die folgende Grafik verdeutlicht, zeichnen sich für einen Großteil der Vergleichskommu-
nen hohe altersbedingte Personalabgänge ab
16
. Dadurch besteht u. a. auch das Risiko, dass
das Fachwissen dieser Mitarbeiter verloren geht.
16
Die Angaben im Diagramm und in der Tabelle zu den Gemeinden 1 bis 5 enthalten kein Personal für die
Kinderbetreuung in Kindertageseinrichtungen. Gemeinde 6 konnte die Abgänge nur inkl. Personal für
die Kinderbetreuung in Kindertageseinrichtungen benennen. Deshalb wurden die Abgänge in dem Fall
dem gesamten Personal des Kernhaushaltes gegenübergestellt.
48,0
50,0
49,0
53,0
49,0
49,1
40,0
42,0
44,0
46,0
48,0
50,0
52,0
54,0
1
2
3
4
5
6
Altersdurchschnitt der Verwaltungsmitarbeiter (in Jahren)
Durchschnitt der Referenzgruppe
0,0
1,8
4,2
1,0
0,8
1,9
2,4
7,6
6,4
4,0
1,3
7,1
7,8
8,0
5,4
2,0
4,9
13,9
0,0
2,0
4,0
6,0
8,0
10,0
12,0
14,0
16,0
Gemeinde 1
Gemeinde 2
Gemeinde 3
Gemeinde 4
Gemeinde 5
Gemeinde 6
VZÄ
Geplante Personalabgänge (in VZÄ)
bis 2020
bis 2025
bis 2030

25
Bis zum Jahr 2030 wird bei 3 der Vergleichskommunen demnach deutlich mehr als ein Drittel
der Belegschaft des Kernhaushaltes (ohne das für die Kinderbetreuung in Kindertagesein-
richtungen erforderliche Personal) altersbedingt ausscheiden.
Das hohe Durchschnittsalter in öffentlichen Verwaltungen ist ein gesamtsächsisches Prob-
lem. So lag das Durchschnittsalter der Beschäftigten in den sächsischen Kernhaushalten
zum 30.06.2016 bei rd. 46,8 Jahren
17
. Dabei ist das Durchschnittsalter in den kreisangehöri-
gen Gemeinden mit 47,7 Jahren
18
vergleichsweise am höchsten. Zwar ist der Anteil der Be-
schäftigten, welche 50 Jahre und älter sind, leicht rückläufig und gleichzeitig steigt der Anteil
der Beschäftigten in der Altersgruppe unter 40 Jahren. Gleichwohl bleibt die Hälfte aller Be-
schäftigten im Kernhaushalt 50 Jahre und älter.
19
Die Gemeinden müssen in diesem Zu-
sammenhang konkrete Maßnahmen einleiten, um eine adäquate Stellennachbesetzung so-
wie einen möglichst reibungslosen Wissenstransfer zu gewährleisten (siehe Kapitel 9.2).
Qualifikationsniveau
: Das Qualifikationsniveau der Mitarbeiter war u. a. Gegenstand der
leitfadengestützten Interviews in den Vergleichskommunen. Insgesamt wurde die
Qualifikation der Verwaltungsmitarbeiter für die von ihnen durchzuführenden Aufgaben mit
überwiegend ausreichend bewertet.
Jedoch gab von allen 6 untersuchten Kommunen nur 1 Vergleichskommune an, dass ausrei-
chend qualifizierte Bewerbungen auf offene Stellen vorhanden sind. Bei einer weiteren
Kommune trifft dies überwiegend zu. Alle anderen Kommunen empfinden, dass es bei Stel-
lenausschreibungen keine oder überwiegend keine qualifizierten Bewerber gibt.
Alle 6 Kommunen sind sich des bereits bestehenden sowie künftig zu erwartenden Fachkräf-
temangels bewusst und setzen auf Ausbildungsprogramme, um diesem entgegenzuwirken.
Fünf der 6 Kommunen planen, in den nächsten 3 Jahren mindestens eine neue Auszubil-
dendenstelle zu schaffen. Vor allem eine Vergleichskommune betonte an dieser Stelle die
Wichtigkeit der Ausbildung junger Fachkräfte, um die Nachteile der älter werdenden Beleg-
schaft zu mindern. Nur 1 Vergleichskommune gab an, in den Jahren 2017 bis 2020 keine
neuen Auszubildenden zu beschäftigen. Zusätzlich befinden sich die Kommunalverwaltun-
gen in teils schwierigen finanziellen Situationen und in Konkurrenz zu privaten Arbeitgebern.
Dies führt bei den Kommunalverwaltungen zu einem verminderten personellen Handlungs-
spielraum.
Aus Sicht des SRH ist es wichtig, sich auf die Personalveränderung durch entsprechende
Maßnahmen vorzubereiten und die bisherigen Bemühungen zu intensiveren (siehe dazu
Kapitel 9.2).
17
Inkl. Personal für die Kinderbetreuung in Kindertageseinrichtungen.
18
Dito.
19
Vgl. Jahresbericht 2017 des SRH, Band II, Beitrag Nr. 3, S. 61 f., Tz. 20 f.
Gemeinde
1
2
3
4
5
6
Verhältnis der Personalabgänge
bis 2030 (kumuliert) zum Perso-
nalbestand des Kernhaushaltes
(ohne das für die Kinderbetreuung
in Kindertageseinrichtungen erfor-
derliche Personal) am 30.06.2016
24 %
29 %
31 %
35 %
36 %
37 %

 
26
4
Methodik des Organisationsmodells
4.1
Aufgabenbestand und Aufgabenerfüllung
4.1.1 Aufgabenbestand
Maßgebend für die Gestaltung der Modell-Gemeinde ist der aktuell zu erfüllende Standard-
aufgabenkatalog. Dieser bildete zum einen die zentrale Grundlage für die Analyse. Zum an-
deren stellte seine inhaltliche Aktualisierung und Neustrukturierung ein wesentliches Ziel der
überörtlichen Organisationsprüfung in den Vergleichskommunen dar.
In einem ersten Schritt wurden die aktuellen Aufgaben der Kommunen definiert und in einem
einheitlichen Aufgabenkatalog zusammengefasst. Dieser setzte in seiner Methodik auf den
Aufgabenkatalog der Beratenden Äußerung des SRH „Organisationsempfehlungen für säch-
sische Landkreise zur mittelfristigen Umsetzung bis zum Jahr 2020“ auf und wurde bzgl. tat-
sächlich wahrzunehmender Aufgaben an die Gegebenheiten der Gemeindegrößenklasse
5.000 bis 10.000 EW angepasst.
Bei der Konzeption des Aufgabenkatalogs waren folgende Ansätze handlungsleitend:
Überarbeitung der Gliederungstiefe des Aufgabenkatalogs in Form von Aufgaben-
bündelung,
Aufnahme von fehlenden / neuen Aufgaben in den Katalog,
Zurückhaltung bei der Zusammenfassung von Aufgaben zu Aufgabengruppen im ers-
ten Schritt.
Dieser Aufgabenkatalog bildete die Basis für die Datenerhebung vor Ort (standardisierte
schriftliche Erhebung und Interviews). Infolge der Auswertung der Datenerhebung und als
Grundlage für die Stellenanalyse wurde der Aufgabenkatalog anschließend inhaltlich gering-
fügig überarbeitet und in die finale Version überführt. Hierbei waren folgende Ansätze hand-
lungsleitend:
Berücksichtigung der organisatorischen Praxis bei der Bildung von Aufgabenhaupt-
und Aufgabengruppen,
Berücksichtigung von Aufgabenänderungen (z. B. Wegfall einzelner Aufgaben, da
diese aus der Erfahrung in den Vergleichskommunen im Regelfall nicht durch diese
erledigt wurden).
Der Aufgabenkatalog enthält die Pflichtaufgaben der sächsischen Gemeinden mit
5.000 bis 10.000 EW und berücksichtigt auch die Besonderheiten der Großen Kreis-
städte. Mit den Aufgabengruppen „Kultur- und Sportförderung“ (41) sowie „Wirtschaft
und Tourismus“ (64) sind wesentliche freiwillige Aufgaben der Gemeinden enthalten.
Im Ergebnis stellt sich der Aufgabenkatalog auf der Ebene der Aufgabenhaupt- und Aufga-
bengruppen als Basis für die Modell-Gemeinde wie folgt dar.
Eine ausführliche Beschreibung aller Aufgaben enthält die Anlage 1.

 
27
Aufgabenhauptgruppe
Aufgabengruppe
1
Politisch-administrative Leitung Ge-
meindeverwaltung / Gemeinde
10
Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister
11
Wahlen und Statistik
12
Personalrat
13
Beauftragte
14
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
21
Personal
22
Finanzen
23
Liegenschaftsmanagement
24
Archiv
25
Recht
3
Sicherheit, Ordnung, Gesundheit
30
Sicherheit und Ordnung
31
Melde- und Personenstandswesen
32
Ausländer, Staatsangehörigkeit
33
Straßenverkehr
34
Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz
4
Schule, Sport, Kultur
40
Schule
41
Kultur- und Sportförderung
5
Soziales und Jugend
50
Soziales
51
Jugend
6
Gestaltung der Umwelt
60
Räumliche Planung und Entwicklung
61
Ver- und Entsorgung
62
Verkehrsflächen und -anlagen
63
Natur- und Landschaftspflege
64
Wirtschaft und Tourismus
7
Bauhof
70
Bauhof
4.1.2 Aufgabenerfüllung
Bezüglich der Aufgabenerfüllung in der Modell-Gemeinde sind folgende Faktoren relevant:
grundlegende Zielkriterien, nach welchen sich die Aufgabenerfüllung richten sollte
sowie
die Form, in welcher die Aufgabenerfüllung erfolgt.
Bei der Aufgabenerledigung in der Modell-Gemeinde wird davon ausgegangen, dass folgen-
de
Zielkriterien
prägend sind:
Rechtmäßigkeit,
Ordnungsmäßigkeit,
Effektivität,
Effizienz,
Qualität,
Bürger- und Kundenorientierung.

 
28
Um die Zielkriterien zu erfüllen, müssen die Strukturen und Prozesse der Verwaltung an
Veränderungen im quantitativen und qualitativen Aufgabenbestand sowie an Rahmenbedin-
gungen (z. B. Möglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, Ein-
stellungen und Haltungen von Bürgern, Kunden und Mitarbeitern, veränderte gesetzliche
Rahmenbedingungen, z. B. Rechnungswesen) fortlaufend angepasst werden.
Bezüglich der Formen der Aufgabenerfüllung stellt sich grundlegend die Frage, wer die Auf-
gaben wahrnimmt. Dabei kann klassischerweise zwischen Eigenerledigung und Fremd-
vergabe differenziert werden. Darüber hinaus gibt es Besonderheiten auch bei den Kommu-
nen in der Größenordnung von 5.000 bis 10.000 EW, z. B. eine Aufgabenverlagerung durch
interkommunale Zusammenarbeit.
Die Entscheidung, ob eine Eigenerledigung oder Fremdvergabe vorzuziehen ist, richtet sich
nach der Wirtschaftlichkeit entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und lässt sich aus
den o. g. Zielkriterien ableiten.
Für die Modell-Gemeinde wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass die Aufgaben
des Aufgabenkataloges in Eigenerledigung erfüllt werden. Nur die Aufgaben der
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
(14),
der Gebäudereinigung
(23.6.2),
der Planungs-
und Vergabeleistungen gemäß HOAI
(enthalten in 23.1 - 23.3 und 62.1 - 62.2)
und der
Ver- und Entsorgung
(61.1 und 61.2)
werden fremdvergeben bzw. im Wege interkom-
munaler Zusammenarbeit ausgelagert. Bei diesen Aufgaben erfolgt keine Bemessung
der Personalausstattung.
4.2
Ermittlung der Stellenausstattung
Grundsätzlich wurde bei der Stellenanalyse der Stellenbestand differenziert nach Stellenar-
ten betrachtet, wobei unterschieden wurde nach Stellen für Fachaufgaben, für Leitungsauf-
gaben und für Sekretariats- und Assistenzaufgaben.
4.2.1 Bemessung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben
Die Stellenanalyse für den Bereich der
Fachaufgaben
geht auf den methodischen Ansatz
der summarischen Kennzahlenorientierung zurück und wird von folgenden Grundannahmen
getragen:
Für einzelne Aufgaben bzw. Aufgabenblöcke der Kommunen lassen sich Merkmale defi-
nieren, die valide und vergleichbar zu erheben sind und sich in ihrer quantitativen Aus-
prägung aufwandbestimmend auf mehrere Aufgaben eines Aufgabenblocks auswirken.
Damit bilden sie „Signalkennzahlen“, die als Grundlage für eine vergleichende Stellen-
analyse bzw. als Basis für die Ermittlung von Personalbedarfen herangezogen werden
können. So wirkt sich bspw. die Anzahl der Stellen einer Kommunalverwaltung auf den
Aufwand aus, der für die Wahrnehmung von Aufgaben der Verwaltungsorganisation, wie
z. B. Erarbeitung und Pflege von Geschäftsverteilungsplänen, Stellenbeschreibungen
und -bewertungen, Regelungen des allgemeinen Dienstbetriebes etc. erforderlich ist.
Für die summarische kennzahlenorientierte Analyse heißt dies konkret: Es wird nicht der
Stellenbedarf für die einzelnen Aufgaben des Aufgabenblockes Verwaltungsorganisation
ermittelt, sondern der Bedarf wird in Summe orientiert an der Anzahl der Stellen der
Kommunalverwaltung (
aufwandsprägendes Merkmal
) errechnet. Dabei ist sowohl das
aufwandsprägende Merkmal an sich als auch die Breite seiner Wirkung abhängig von
der Art der Aufgabe.
Aufwandsprägend wirken sich auf Ebene der einzelnen Aufga-
ben bzw. Aufgabenblöcke überwiegend Mengendaten aus.
In geeigneten Fällen
wurde die Einwohnerzahl als aufwandsprägendes Merkmal festgelegt.

image
29
Die Multiplikation des aufwandsprägenden Merkmals mit einem
Richtwert zur Stellen-
bemessung
ergibt den rechnerischen Stellenbedarf
20
für die in Aufgabenblöcken zu-
sammengefassten Aufgaben.
Mit dieser Methodik wird eine Vielzahl von Aufgaben über Aufgabenblöcke handhabbar
strukturiert und auf Basis der aufwandsprägenden Merkmale übersichtlich bemessbar ge-
macht, wie nachfolgendes Beispiel der Aufgaben der Haushaltplanung (22.1.1) zeigt.
Nummer
Bezeichnung
Aufwandsprägendes
Merkmal
Aufgabenblock
„Haushaltsplanung"
Gesamtaufwendungen
in T€
22.1.1
Haushaltsplanung
22.1.1.1
Aufstellung des
Haushaltsplans und
eventueller Nachträ-
ge
22.1.1.2
Aufstellung von
Haushaltsstruktur-
konzepten (freiwillig
und pflichtig)
22.1.1.3
Erstellung der lang-
fristigen Finanz- und
Investitionsplanung
Die Aufgaben „Aufstellung des Haushaltsplanes und eventueller Nachträge“ (22.1.1.1), „Auf-
stellung von Haushaltsstrukturkonzepten (freiwillig und pflichtig)" (20.1.1.2) und „Erstellung
der langfristigen Finanz- und Investitionsplanung" (20.1.1.3) werden zum Aufgabenblock
„Haushaltsplanung“ zusammengefasst. Als aufwandsprägendes Merkmal wurde die Höhe
der Gesamtaufwendungen bestimmt. Für die summarische kennzahlenorientierte Bemes-
sung heißt dies:
20
Aus rechentechnischen Gründen können in den Tabellen Rundungsdifferenzen in Höhe von +/- einer
Einheit (€, % usw.) auftreten. Diese haben keine Auswirkungen auf die getroffenen Aussagen.
1. Aufgaben werden
zusammengefasst zum
Aufgabenblock „Haus-
haltsplanung“
2. Zuordnung des auf-
wandsprägenden Merk-
mals „Gesamtaufwen-
dungen in T€“

30
Nicht ermittelt wird der Stellenbedarf für die einzelnen Aufgaben / Tätigkeiten des Auf-
gabenblockes „Haushaltsplanung“ (22.1.1). Ebenso wird nicht festgestellt, wie viele
Nachträge, Haushaltsstrukturkonzepte und Planungen aufgestellt werden müssen und
welcher durchschnittliche zeitliche Aufwand (Stellenbedarf) hierfür im Einzelnen erforder-
lich ist.
Es wird stattdessen der Bedarf auf Basis eines in jeder Gemeinde vorzuhaltenden
Grundbedarfes sowie zusätzlich der Gesamtaufwendungen in T€ (aufwandsprägendes
Merkmal) summarisch errechnet. Hierbei wird davon ausgegangen, dass ein Zusam-
menhang zwischen der Höhe der Gesamtaufwendungen und den einzelnen zugeordne-
ten Aufgaben besteht.
Die im Rahmen der summarischen kennzahlenorientierten Analyse herangezogenen Richt-
werte zur Stellenbemessung basieren auf den Ergebnissen analytischer Bemessungen
und / oder aufgabenbezogenen Personalbenchmarks.
Letztere wurden zum einen im Rahmen dieses Projektes unter Heranziehung des Medians
der 6 Vergleichskommunen für einzelne Aufgabenblöcke ermittelt. Der Median wird
gegenüber dem klassischen Durchschnitt als vorteilhafter angesehen, da er nicht so stark
von Extremwerten beeinflusst wird. Unter Einbeziehung der Werte aller 6 Gemeinden wurde
der Median als arithmetisches Mittel der beiden mittleren Zahlen gebildet. Soweit durch
Herausrechnen einzelner Gemeinden die Anzahl der Werte ungerade war, bildete die
mittlere Zahl den Median.
Zum anderen wurden Richtwerte zur Stellenbemessung aus anderen Organisationsuntersu-
chungen
21
herangezogen.
Richtwerte auf der Basis von Benchmarks wurden insbesondere für
dispositiv-kreative
Aufgaben und Mischaufgaben
eingesetzt. Diese Aufgaben sind u. a. dadurch gekenn-
zeichnet, dass das Arbeitsmengengerüst von der Verwaltung in weiten Bereichen selbst
beeinflussbar ist (Wie oft wird was in welcher Intensität bearbeitet?). Ferner können Um-
fang und Inhalt in Abhängigkeit von kommunalpolitischen Zielsetzungen schwanken.
Beispielhaft hierfür kann die Förderung von Kultur- und Sportvereinen genannt werden.
Richtwerte für klassische, quantifizierbare Verwaltungsaufgaben entstammen insbeson-
dere
analytischen Bemessungen
aus Einzeluntersuchungen, mit denen die WIBE-
RA / PwC bei vergleichbaren Kommunen beauftragt war. Diese Aufgaben sind in erster
Linie durch rechtlich fixierte Verfahrensweisen / Prozesse gekennzeichnet, z. B. Haus-
haltsplanaufstellung oder Pass- und Meldewesen.
Für einzelne Aufgaben wurden Festwerte bestimmt und der Bemessung zugrunde ge-
legt. Diese zeigen deutlich einen Personalmindestbestand auf, der unabhängig von der
Häufigkeit zu bearbeitender Vorgänge vorgehalten werden sollte. Fallen Pflichtaufgaben
nicht regelmäßig an (z. B. Durchführung von Wahlen oder komplexen Beschaffungsvor-
gängen), muss dennoch der entsprechende Sachverstand und damit entsprechendes
Personal vorhanden sein. Je kleiner die Gemeindegröße ist, desto stärker beeinflussen
die Personalmindestausstattungen in Form von Festwerten den Personalbestand insge-
samt.
21
Diese basieren sowohl auf Ergebnissen aus beauftragten Einzeluntersuchen von WIBERA / PwC bei
vergleichbaren Kommunen als auch auf Untersuchungen anderer Institutionen und Einrichtungen, wie
z. B. KGSt, Rechnungshöfe, Normenkontrollrat sowie der Fachliteratur.

image
 
31
4.2.2 Bemessung der Leitungs- und Assistenzstellen
Für die Ermittlung des Bedarfs an
Leitungsstellenanteilen
ist eine optimale und einheitliche
Leitungsspanne von 1 VZÄ zu 12 Soll-VZÄ prinzipiell über alle Aufgabengruppen hinweg
festgelegt worden. Das heißt, die Bemessung der Leitungsstellen setzt auf den Ergebnissen
der Stellenbemessung auf und berücksichtigt damit die geänderten Stellenumfänge einzelner
Aufgaben. Im Rahmen vergleichbarer Bemessungen in Landkreisen wurde eine Leitungs-
spanne von 1 VZÄ je 15 Soll-VZÄ über alle Aufgabengruppen hinweg zugrunde gelegt.
22
Bezugnehmend auf die Besonderheiten kleinerer Verwaltungen wurde die Leitungsspanne
auf 1 VZÄ je 12 Soll-VZÄ angepasst. Bei kleineren Kommunen erhöht sich die fachliche Brei-
te der zu betreuenden Themen. Entsprechend besteht ein höherer Betreuungsbedarf der
Mitarbeiter und es ist zugleich ein breiteres fachliches Verständnis der Leitung erforderlich.
Auch die Ermittlung des Bedarfs an
Assistenz- und Sekretariatsstellen
basierte unabhän-
gig von der Aufgabengruppe auf einer einheitlichen Assistenzspanne von 1 VZÄ zu 30 Soll-
VZÄ. Dabei wurden Assistenz- und Sekretariatsaufgaben im engeren Sinne definiert als all-
gemeine administrative Unterstützung der Leitung und Organisationseinheiten, z. B. Termin-
verwaltung, Postbearbeitung, Zentrale Ablage / Wiedervorlage, Telefondienste, Protokollfüh-
rung, Organisation von Reisen und Veranstaltungen, Informationsbeschaffung
und -verwaltung, Pflege von Datenbanken, Büromaterialverwaltung, Bewirtung und Betreu-
ung von Gästen. Assistenztätigkeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Fach-
aufgabe stehen, wie z. B. Besprechungen und Telefongespräche, die mit der Bearbeitung
des Aktenvorgangs zusammenhängen, Studium von Rechtsvorschriften oder Publikumsver-
kehr, wurden nicht als Assistenzaufgabe klassifiziert. Diese Aufgaben wurden im Rahmen
22
Vgl. auch die Beratende Äußerung des SRH „Organisationsempfehlungen für sächsische Landkreise zur
mittelfristigen Umsetzung bis zum Jahr 2020“.

image
 
32
der Stellenanalyse als Zusammenhangstätigkeiten bei der Erfüllung der Fachaufgaben be-
trachtet und sind somit entsprechend in die Richtwerte für den Stellenbedarf bei der Wahr-
nehmung von Fachaufgaben eingeflossen.
Als Bemessungsgrundlage für die Leitungs- und Assistenzspannen werden nur die Soll-VZÄ
der Fachaufgaben berücksichtigt. Unberücksichtigt bleiben dabei für die Leitungstätigkeiten
das Personal des Bauhofes und für die Assistenztätigkeiten das Personal des Bauhofes, der
Schulsekretariate sowie die Hausmeister.
Zusammenfassend lässt sich die Methodik der Stellenanalyse wie folgt darstellen:
4.3
Mengengerüst
Die Ableitung des Mengengerüstes für die Modell-Gemeinde basiert auf den Grunddaten der
6 Vergleichskommunen. Dazu wurden erfasst:
Arbeitsmengen / Fallzahlen aus den Jahren 2015 und 2016,
Ist-Stellenanteile mit Stand 30. August 2017 in Summe für die Aufgabe und differen-
ziert auf die jeweiligen Mitarbeiter,
Anmerkungen zu Schnittstellen- / Prozessproblemen oder Vollzugsdefiziten.
Eine Organisation wie die Gemeinde- oder Stadtverwaltung steht vor der Herausforderung,
Strukturen und Prozesse den wechselnden Rahmenbedingungen sowie den Veränderungen
im quantitativen und qualitativen Aufgabenbestand anzupassen. Das Organisationsmodell in
seiner Grundform basiert auf den Ist-Arbeitsmengen der Jahre 2015 und 2016 in den Ver-
gleichskommunen. Das heißt, in der Regel wird auf Projektionen in die Zukunft verzichtet.
Grund hierfür ist, dass die Entwicklung der Kommunalverwaltung bzw. künftige Struktur- und
Organisationsentscheidungen teilweise zwar erkennbar, aber hinsichtlich der tatsächlichen
Umsetzungen sowie ihrer Wirkungen bisher nicht durchgängig greifen und / oder nicht valide
prognostizierbar sind. Für die spätere individuelle Anwendung des Modells in einer Kommu-
ne ist der Personaleinsatz durch die aufgabenbezogene Flexibilität des Modells bei (künfti-
gen) Änderungen des Aufgabenumfangs dennoch leicht ermittelbar.
Für die Bestimmung der Mengen-Werte der Modell-Gemeinde wurde wie folgt vorgegangen:

 
33
Die Arbeitsmengen bzw. Fallzahlen basieren in der Regel auf dem Median der Ar-
beitsmengen der Vergleichskommunen (soweit erforderlich gerundet).
Für ausgewählte Aufgaben / Aufgabenblöcke wurden für das Arbeitsmengengerüst
normative Annahmen getroffen und insofern ein Richtwert als Bemessungsgrundlage
angesetzt.
Stark differierende oder unplausibel erscheinende Arbeitsmengengerüste der unter-
suchten Vergleichskommunen, die gemeindespezifisch organisatorisch bedingt wa-
ren, wurden bei der Definition der Arbeitsmengen für die Modell-Gemeinde bereinigt.
Im Rahmen der Untersuchung der Vergleichskommunen wurden für einige Aufgaben
Optimierungsvorschläge zur Aufgabenerfüllung formuliert. Sofern diese Empfehlun-
gen in ihrer Umsetzung Auswirkungen auf das Arbeitsmengengerüst haben, wurden
sie als normative Annahmen formuliert und durch entsprechende Zu- bzw. Abschläge
vom Durchschnittswert der Vergleichskommunen berücksichtigt.
4.4
Angesetzte Arbeitszeitkapazität
Bei der Stellenanalyse wurden mittels Richtwerten und Kennzahlen definierte Arbeitsmengen
in das Verhältnis zu den Arbeitszeitkapazitäten eines Stelleninhabers gesetzt und die Ist-
Stellenausstattungen je Arbeitsmengen miteinander verglichen. Das heißt, als Grundlage für
die Analyse waren folgende Parameter zu klären:
Festlegung der einer Vollzeitkraft zur Verfügung stehenden Arbeitszeitkapazität (Jah-
resarbeitsminuten),
Festlegung der Datenbasis für die Arbeitsmengengerüste (vgl. Kapitel 4.3),
Festlegung der Datenbasis für die Zuweisung von Stellenkapazitäten zu einzelnen
Aufgaben.
In der Organisationslehre
23
werden die einer Normalarbeitskraft (1,00 VZÄ) zur Verfügung
stehenden Jahresarbeitsminuten ermittelt durch:
Bruttoarbeitszeit abzüglich
durchschnittlicher Ausfallzeiten (durch Krankheit, Kur- und Heilverfahren, Urlaub),
sächlicher Verteilzeiten (Besprechungen in allgemeinen dienstlichen Angelegenhei-
ten, dienstliche Fortbildung, Teilnahme an Personalversammlungen, ablaufbedingte
Wege-, Transport- und Unterbrechungszeiten) sowie
persönlicher Verteilzeiten (persönlich bedingte Verrichtungen, Erholungs- und Ent-
spannungszeiten).
In der organisatorischen Realität differieren die Jahresarbeitsminuten sowohl zwischen den
Organisationseinheiten einer Verwaltung als auch unter den Verwaltungen selbst. Dies liegt
begründet in
der Unterschiedlichkeit des Arbeitsverhaltens einzelner Mitarbeiter sowie nicht bzw.
nur bedingt beeinflussbarer persönlicher Faktoren wie Krankheit,
in der teilweise unterschiedlichen Festlegung von Feiertagsregelungen und Arbeits-
zeiten.
Auf der Organisationslehre fußend haben sich jedoch nachgenannte Richtwerte etabliert.
23
Vgl. Bundesministerium des Innern 2018: Handbuch für Organisationsuntersuchung und Personalbe-
darfsbemessung, abrufbar unter:
www.orghandbuch.de.

34
Kalendertage im Jahr
365
Tage
abzüglich Wochenenden
104
Tage
abzüglich gesetzlicher Feiertage
Feiertage, die immer auf einen Wochentag fallen:
Karfreitag
1
Tag
Ostermontag
1
Tag
Christi Himmelfahrt
1
Tag
Pfingstmontag
1
Tag
Buß- und Bettag
1
Tag
Zwischensumme
5
x1
5 Tage
Feiertage, die auch auf einen Wochentag fallen können:
Neujahrstag
1
1. Mai
1
Tag der Deutschen Einheit
1
Reformationstag
1
1. und 2. Weihnachtstag
2
Zwischensumme
6
:7x5
4 Tage
Summe Feiertage
9
Bruttoarbeitstage
252
Tage
abzüglich Ausfälle durch
Erkrankungen, Kur- und Heilverfahren, etc.
14
Tage
Erholungsurlaub, Sonderurlaub, Dienstbefreiung, Bildungs-
urlaub
33
Tage
ergibt zu berücksichtigende Nettoarbeitstage
205
Tage
Ergibt die Arbeitszeit einer Normalarbeitskraft (in Stunden)
1.640
Stunden
Dies sind Netto-Jahresarbeitsminuten
98.400
Minuten
abzüglich 8,5 % Rüst- und Verteilzeit (pers. Verrichtungen, Dienst-
besprechungen, Lesen von Umläufen, Herrichten des Arbeitsplat-
zes, Fortbildungen)
8.400
Minuten
Bereinigte Nettoarbeitszeit (in Stunden)
1.500
Stunden
Bereinigte Nettoarbeitszeit (in Minuten)
90.000
Minuten
Im Modell für die Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW kommt die Nettoarbeitszeit bei folgen-
den Aufgaben
unmittelbar
in Ansatz:
Betreuung Gemeinderat und Ortschaftsräte
Öffentlichkeits- / Pressearbeit
Mahnung / Vollstreckung
diverse Bauhoftätigkeiten
In allen Vergleichskommunen wurden die
Ist-Daten
inklusive der Rüst- und Verteilzeiten an-
gegeben, da die jeweiligen VZÄ vollständig auf die verschiedenen Aufgaben aufgeteilt wur-
den. Folglich sind auch bei der Ermittlung der
Soll-Werte
die Rüst- und Verteilzeiten bereits
enthalten. Für die Soll-Ermittlung bei den betreffenden Aufgaben wurden daher standardmä-
ßig
1.640 Stunden als Jahresarbeitszeit angesetzt
.
24
24
Hinweis: Ein Vergleich mit dem Landkreismodell entfällt hier, da die betreffenden Aufgaben dort entweder
nicht relevant (Bauhof) oder arbeitszeitunabhängig bemessen worden waren (z. B. EW-Zahl statt Stunden).

 
35
5
Stellenausstattung für die Modell-Gemeinde
Datengrundlagen für die nachfolgend beschriebene Modell-Gemeinde waren die Arbeits-
mengen / Fallzahlen aus den Jahren 2015 und 2016 sowie die Ist-Stellenanteile mit Stand
30. August 2017 in Summe für die Aufgabe und differenziert auf die jeweiligen Mitarbeiter.
5.1
Beschreibung der Modell-Gemeinde
Zur Beschreibung der Modell-Gemeinde, die dem Organisationsmodell zugrunde liegt, wur-
den folgende grundlegende Annahmen getroffen:
Strukturdaten
25
:
Einwohnerzahl: 7.700
Gemeindegebiet: 52 km²
Ortsteile: 6
Straßenlänge: 85 km (Straßen in kommunaler Baulastträgerschaft)
Länge der Wasserläufe: 33 km (Gewässer II. Ordnung)
Kommunale Einrichtungen
26
:
3 Schulen in kommunaler Trägerschaft (2 Grundschulen und 1 Oberschule, jeweils
mit Schulsportstätten) mit 585 Schülern in diesen Schulen
5 Kindertageseinrichtungen (2 in kommunaler Trägerschaft mit insgesamt 203 Kin-
dern, 3 in freier Trägerschaft)
Freiwillige Feuerwehr (ohne hauptamtliche Kräfte) mit insgesamt 5 Ortsfeuerwehren
1 Bibliothek und 1 Museum in kommunaler Trägerschaft (Betrieb mit Unterstützung
ehrenamtlich Tätiger bzw. von Vereinen)
1 Freibad (Betrieb durch Dritte, aber Steuerungsaufwand bei der Gemeinde)
1 Wochenmarkt und weitere saisonale Märkte (insgesamt 55 Märkte jährlich in kom-
munaler Trägerschaft)
1 Friedhof in kirchlicher Trägerschaft
eigene Schiedsstelle entsprechend dem Gesetz über die Schiedsstellen in den Ge-
meinden des Freistaates Sachsen
Zusammenarbeit mit Vereinen und ortsansässigen Gewerbebetrieben
Kommunale Beteiligungen
27
:
insgesamt 6 Beteiligungen (u. a. Mitgliedschaft im Zweckverband Wasser / Abwasser,
1 unmittelbare Beteiligung zu 100 % [kommunale Wohnungsverwaltung])
kein Eigenbetrieb
25
Die Annahmen zur Struktur leiten sich aus den Medianen der 6 Vergleichskommunen ab. Der Median
der Einwohnerzahl von 7.648 EW zum Stand 30.06.2016 wurde auf volle Hundert gerundet.
Beim Gemeindegebiet wurde die durchschnittliche Fläche der betrachteten Größenklasse angesetzt.
26
Die Annahmen zu den kommunalen Einrichtungen basieren überwiegend auf den gerundeten Medianen
der Vergleichskommunen.
27
Wie vorherige Fußnote.

36
Organisation der Verwaltung:
zweigliedrige Ämterstruktur
Öffnungszeiten der Gemeindeverwaltung 22 Stunden je Woche verteilt auf 4 Tage
28
gleitende Arbeitszeiten
Verwaltung ohne Außenstelle
kein Mitglied einer Verwaltungsgemeinschaft
keine Große Kreisstadt
Gemeinderat und 2 beratende Ausschüsse
4 Ortschaftsräte mit insgesamt 16 Sitzungen p. a.
Aufgabenwahrnehmung:
keine Aufgabenverlagerung auf andere Kommunen z. B. durch Zweckvereinbarung
Aufgaben der örtlichen Rechnungsprüfung extern vergeben
Reinigungsleistungen extern vergeben
Wahrnehmung nicht delegierbarer Bauherrenaufgaben durch die Verwaltung, im Üb-
rigen Vergabe der Vergabe- und Planungsleistungen gemäß HOAI an Externe
keine Wahrnehmung der Aufgaben als öffentlich-rechtlicher Ver- und Entsorgungs-
träger für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung durch die Kommune
eigener Bauhof vorhanden.
28
Median der Vergleichskommunen.

 
37
5.2
Ermittlung der Stellenausstattung nach Aufgabengruppen
Der Soll-Stellenbedarf in den einzelnen Aufgabengruppen wird insbesondere mit Hilfe
von Kennzahlen und durch die Anwendung aufwandsprägender Merkmale ermittelt.
Somit lassen sich die individuellen Besonderheiten - z. B. eine hohe Anzahl an Mitarbeitern
im nachgelagerten Bereich und damit ein erhöhter Aufwand in der Personalsachbearbei-
tung - berücksichtigen. Wie nachfolgend dargestellt, ergibt sich
bei den kommunalen Auf-
gaben in der Mehrheit der Fälle ein von der Einwohnerzahl unabhängiger Aufgaben-
umfang
, der maßgeblich durch bestimmte Mengenwerte geprägt ist. Zudem ist zu berück-
sichtigen, dass Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW teilweise Aufgaben, z. B.
per Zweckvereinbarung auf andere Gemeinden zur Erledigung übertragen bzw. auf externe
Dritte auslagern, was zwangsläufig Auswirkungen auf den Stellenbedarf hat. Darüber hinaus
spielen beispielsweise die geografische Lage und die Siedlungsstruktur einer Gemeinde für
die Frage der Aufgabenwahrnehmung eine bedeutsame Rolle.
5.2.1 Aufgabengruppe 10 „Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister“
Die Aufgabengruppe „Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister“ (10) umfasst
folgende Aufgaben(-blöcke):
Nr.
Aufgabe
10.1
Steuerung und Leitung der Gemeindeverwaltung
10.2
Assistenz- und Sekretariatsaufgaben
10.3
Administrative Betreuung des Gemeinderats und seiner Ausschüsse sowie der Ortschaftsräte
10.4
Öffentlichkeits- und Pressearbeit für die Gemeinde
Im Vergleich der 6 untersuchten Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW
bei der gesamten Aufgabengruppe „Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister“
(10) wie folgt dar:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeis-
ter" (10) handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und
damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen.
0,52
0,47
0,54
0,55
0,39
0,50
0,68
0,00
0,10
0,20
0,30
0,40
0,50
0,60
0,70
0,80
Median
1
2
3
4
5
6
10. Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister
(in VZÄ je 1.000 EW)

38
Für die einzelnen Aufgaben wurden folgende Annahmen, aufwandsprägende Merkmale und
Kennzahlen für die Bemessung des Stellenbedarfs definiert:
Die Aufgabe „Steuerung und Leitung der Gemeindeverwaltung“ (10.1) beinhaltet die Stellen-
kapazitäten für die Wahrnehmung von Leitungsaufgaben. Diese sind insbesondere von der
Aufbauorganisation der Gemeinde und der damit korrelierenden Anzahl an Leitungskräften
abhängig. Aufgaben der Steuerung der Gemeindeverwaltung werden ämterübergreifend
veranschlagt.
Im Vergleich zu Landkreisen müssen Leitungskräfte in kleineren Kommunen eine höhere
Breite an Fachlichkeit aufweisen. Zusätzlich sind Aufgabenzuwächse u. a. aus dem Bereich
E-Government zu berücksichtigen. Daher wird für die Leitungsaufgaben im Vergleich zur
Beratenden Äußerung des SRH „Organisationsempfehlungen für sächsische Landkreise zur
mittelfristigen Umsetzung bis zum Jahr 2020“ eine geringere Leitungsspanne angesetzt.
Die Stellenanteile des Bürgermeisters sind in die Stellenbemessung einbezogen.
Grundsätzlich wird für den Bürgermeister ein Stellenbedarf i. H. v. 1,00 VZÄ angenommen.
Aufgrund der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten kann die Aufgabenwahrnehmung des Bür-
germeisters in den Gemeinden unterschiedlich sein. So variiert je nach konkreter Organisati-
on z. B. der Anteil der Leitungsaufgaben und Fachaufgaben, die der Bürgermeister wahr-
nimmt. Externe Aufgaben (z. B. Verbandsvorsitzender in einem Zweckverband) sind dabei
nicht erfasst.
Aufgabe 10.1 Steuerung und Leitung der Gemeinde: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Soll-Stellenanteile der
Fachaufgaben
ohne Bauhof (70)
Leitungsspanne 1:12
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile der Fachaufgaben werden unter Anwendung einer Leitungsspanne von
1:12 berechnet. Bei den Soll-Stellenanteilen wird der Bauhof nicht einbezogen.
29
Auch die Assistenz- und Sekretariatsaufgaben (10.2) werden ämterübergreifend zugeordnet.
Aufgabe 10.2 Assistenz- und Sekretariatsaufgaben: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Soll-Stellenanteile der
Fachaufgaben
ohne Hausmeister (23.6.1);
Schulsekretariate (40.3);
Bauhof (70)
Assistenzspanne 1:30
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile der Fachaufgaben werden mit dem Faktor 0,033 multipliziert, um die
Assistenzspanne 1:30 wiederzugeben. Bei den Soll-Stellenanteilen werden Bauhof, Schulsekretariate und
Hausmeister nicht einbezogen.
Der Aufgabenbereich „Administrative Betreuung des Gemeinderats und seiner Ausschüsse
sowie der Ortschaftsräte" (10.3) beinhaltet Aufgaben im Zusammenhang mit der Betreuung
der politischen Gremien, z. B. die Protokollierung, administrative Vor- und Nachbereitung von
Sitzungen sowie die Abrechnung des Sitzungsgeldes.
29
Für detailliertere Aufgabenbeschreibungen wird auf die Anlage 1 verwiesen.

39
Aufgabe 10.3 Administrative Betreuung des Gemeindesrats und seiner Ausschüsse sowie der Ortschaftsräte:
Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Sitzungen (Gemein-
derat + Ausschüsse + ggf. Ort-
schaftsräte)
Grundbedarf
0,30 VZÄ
Variabler Bedarf
20 Stunden pro Sitzung des Ge-
meinderates / Ausschusses
Variabler Bedarf
5 Stunden pro Sitzung des Ort-
schaftsrates / Ortschaftsbeirates
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,30 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird von einem
durchschnittlichen Arbeitsaufwand von 20 Stunden pro Sitzung (inkl. Vor- und Nachbereitung) des Gemeindera-
tes bzw. seiner Ausschüsse ausgegangen. Angesichts der Neuregelungen zur Ortschaftsverfassung ab dem
01.01.2018 (vgl. §§ 65 ff. SächsGemO) und der damit einhergehenden Stärkung der Stellung der Ortschaftsräte
gegenüber der Gemeinde (z. B. gesetzlich vorgegebene Mindestzahl der Ortschaftsräte, zusätzliche Beteili-
gungsrechte der Ortschaftsräte) wird ein Zuschlag i. H. v. 5 Stunden pro Sitzung der Ortschaftsrä-
te / Ortschaftsbeiräte (inkl. Vor- und Nachbereitung) als angemessen angesehen.
Die angesetzte Grundausstattung sowie der durchschnittliche Arbeitsaufwand im Rahmen
der Sitzungen stellen kommunale Vergleichswerte aus der Betrachtung ähnlicher Verwal-
tungsstrukturen dar.
Die Intensität der Aufgabenwahrnehmung wird vor allem durch die Art der Protokollierung
beeinflusst. Nur 2 der Vergleichskommunen schrieben Ergebnis- bzw. Beschlussprotokolle.
Die restlichen 4 Kommunen erstellten Verlaufsprotokolle, die zu einem erheblichen Arbeits-
aufwand führen können.
Es wird daher empfohlen, das Protokollverfahren von Verlaufs-
auf Ergebnisprotokolle umzustellen, um insbesondere die Nachbereitungszeit einer
Ratssitzung zu verringern. Darüber hinaus gilt es zu prüfen, ob die Möglichkeit zur
Erstellung von Tonaufzeichnungen während der Gremiensitzungen besteht.
In dem Aufgabenblock „Öffentlichkeits- und Pressearbeit für die Gemeinde" (10.4) werden
Aufgaben im Zusammenhang mit der Bearbeitung von Presseanfragen und der Öffentlich-
keitsarbeit der Gemeinden zusammengefasst. Die Erstellung des monatlich erscheinenden
Amtsblattes stellt hierbei den Aufgabenschwerpunkt dar.
Aufgabe 10.4 Öffentlichkeits- und Pressearbeit für die Gemeinde: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Pressemitteilungen und
Bekanntmachungen
Grundbedarf
0,25 VZÄ für die Erstellung
des Amtsblattes
Variabler Bedarf
2 Stunden pro Pressemittei-
lung / Bekanntmachung
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,25 VZÄ für die Erstellung des Amtsblattes und den
damit im Zusammenhang stehenden Aufgaben zuerkannt. Darüber hinaus wird von einem durchschnittlichen
Arbeitsaufwand von 2 Stunden pro Pressemitteilung und Bekanntmachung ausgegangen.
Der zu Grunde liegende durchschnittliche Arbeitsaufwand bildet einen kommunalen Ver-
gleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen ab. Es wurde angenom-
men, dass Bekanntmachungen ausschließlich im Amtsblatt und auf der gemeindlichen
Homepage (keine separaten Aushänge etc.) erfolgen.
In einer Vergleichskommune, die Teil einer Verwaltungsgemeinschaft ist, werden für jede
Kommune einzelne Amtsblätter erstellt.
Vor dem Hintergrund einer effizienten Aufgaben-
wahrnehmung sollte die Erstellung eines gemeinsamen Amtsblattes zur Veröffentli-
chung angestrebt werden.
Der Aufgabenumfang bzw. -standard bei den Aufgaben „Administrative Betreuung des Ge-
meinderats und seiner Ausschüsse sowie der Ortschaftsräte" (10.3) und „Öffentlichkeits- und
Pressearbeit für die Gemeinde" (10.4) ist wesentlich abhängig von der persönlichen Amts-
ausübung des Bürgermeisters, seinem Führungsstil sowie seinen sonstigen Funktio-

 
40
nen / Ämtern und kommunalpolitischen Schwerpunktsetzungen. Bei der Stellenanalyse wur-
de diese Individualität der Amtsgestaltung berücksichtigt, indem eine fallzahlenunabhängige
Grundausstattung i. H. v. 0,30 VZÄ bzw. 0,25 VZÄ für diese Aufgaben hinzugerechnet wur-
de.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 10 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-
Soll in
VZÄ
Organisations-
einheit
10.1
Steuerung und
Leitung der Ge-
meindeverwaltung
Anzahl der Soll-
Stellenanteile der Fach-
aufgaben
ohne Bauhof (70)
25,78
2,15
ämterübergreifend
10.2
Assistenz- und
Sekretariatsaufga-
ben
Anzahl der Soll-
Stellenanteile der Fach-
aufgaben
ohne
Hausmeister (23.6.1);
Schulsekretariate (40.3);
Bauhof (70)
20,89
0,70
ämterübergreifend
10.3
Administrative Be-
treuung des Ge-
meinderats und
seiner Ausschüsse
Festwert sowie Anzahl
der Sitzungen (Gemein-
derat + Ausschüsse +
ggf. Ortschaftsräte)
23 Gemeinde-
ratssitzungen,
16 Ortschafts-
ratssitzungen
0,58
0,05
Hauptamt
10.4
Öffentlichkeits- und
Pressearbeit für die
Gemeinde
Festwert sowie Anzahl
der Pressemitteilungen
und Bekanntmachungen
183
0,47
Hauptamt
Gesamt
30
3,95
[≙
0,51 VZÄ / TEW]
5.2.2 Aufgabengruppe 11 „Wahlen und Statistik“
Die Aufgabengruppe „Wahlen und Statistik“ (11) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
11.1
Wahrnehmung zentraler statistischer Aufgaben der Gemeinde
11.2
Wahlen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Wahlen und Statistik“ (11) wie folgt dar:
30
Hinweis: Die VZÄ-Einzelwerte in dieser und den nachfolgenden Tabellen sind auf 2 Nachkommastellen
gerundet. Die Summe wurde jeweils mit den genauen VZÄ-Werten ermittelt. Insofern können in den
Tabellen Rundungsdifferenzen auftreten.

 
41
Die Stellenanteile der Vergleichskommunen für die gesamte Aufgabengruppe betrugen zwi-
schen 0,11 VZÄ und 0,36 VZÄ.
Bei den Aufgaben handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel
sind und damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen.
Die Aufgabengruppe beinhaltet neben der Meldung statistischer Daten an die Landesbehör-
den, die Vorbereitung und Durchführung aller Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunal-
wahlen einschließlich Briefwahl.
Der Stellenbedarf stellt sich für die Aufgabengruppe 11 der Modell-Gemeinde wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
11.1
Wahrnehmung zent-
raler statistischer Auf-
gaben der Gemeinde
Festwert
(Abbildung des Jahres-
durchschnitts)
0,25
Hauptamt
11.2
Wahlen
Gesamt
0,25
[≙
0,03 VZÄ / TEW]
Im Ergebnis der Stellenbemessung wird für die beiden Aufgaben „Wahrnehmung zentraler
statistischer Aufgaben der Gemeinde“ (11.1) und „Wahlen“ (11.2) ein Festwert von 0,25 VZÄ
empfohlen. Dieser ist als Jahresdurchschnittswert zu sehen, d. h. jahresübergreifend kann
sich der Arbeitsaufwand für die Erledigung der Aufgabe, insbesondere in Wahljahren, signifi-
kant erhöhen. Kommunen der betrachteten Größenklasse haben, z. B. im Vergleich zu
Landkreisen, einen höheren Aufwand bei der Durchführung von Europa-, Bundes-, Landes-
und Kommunalwahlen. Der angesetzte Festwert bildet einen kommunalen Vergleichswert
aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen ab.
5.2.3 Aufgabengruppe 12 „Personalrat“ und Aufgabengruppe 13 „Beauftragte“
Die Aufgabengruppen „Personalrat“ (12) und „Beauftragte“ (13) umfassen folgende Aufga-
ben:
Nr.
Aufgabe
12.1
Personalratstätigkeit
13.1
Aufgaben der Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten
13.2
Datenschutzbeauftragter
13.3
Sonstige Beauftragungen
0,03
0,01
0,03
0,02
0,02
0,04
0,04
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
11. Wahlen und Statistik
(in VZÄ je 1.000 EW)

42
Die Aufgaben der Aufgabengruppe „Personalrat“ (12) sind auf Grundlage des SächsPersVG
zu erfüllen. Gemäß § 46 Absatz 1 SächsPersVG führen die Mitglieder des Personalrats ihr
Amt unentgeltlich als Ehrenamt aus. Versäumnis von Arbeitszeit, die zur ordnungsgemäßen
Durchführung der Aufgaben des Personalrats erforderlich ist, hat keine Minderung der Be-
soldung oder des Arbeitsentgelts zur Folge. Werden Personalratsmitglieder jedoch durch die
Erfüllung ihrer Aufgaben über die regelmäßige Arbeitszeit hinaus beansprucht, so ist ihnen
Dienstbefreiung in entsprechendem Umfang zu gewähren (§ 46 Absatz 2 SächsPersVG).
31
Mitglieder des Personalrats sind von ihrer dienstlichen Tätigkeit ganz oder teilweise freizu-
stellen, wenn und soweit es nach Umfang und Art der Dienststelle zur ordnungsgemäßen
Durchführung ihrer Aufgaben erforderlich ist (§ 46 Abs. 3 Satz 1 SächsPersVG).
Die Aufgaben der Aufgabengruppe „Beauftragte" (13) bilden keine eigenständigen Organisa-
tionseinheiten, sondern sind Aufgaben, die durch Einzelpersonen erfüllt werden und außer-
halb der klassischen Verwaltungsorganisation stehen. Nach § 64 Abs. 1 SächsGemO kön-
nen die Gemeinden für bestimmte Aufgabenbereiche besondere Beauftragte bestellen. Zur
Verwirklichung des Grundrechts der Gleichberechtigung von Frau und Mann, haben die Ge-
meinden mit eigener Verwaltung nach § 64 Abs. 2 SächsGemO Gleichstellungsbeauftragte
zu bestellen.
32
Nach Art. 37 Abs. 1 DSGVO musste zwingend bis spätestens zum 25.05.2018 ein Daten-
schutzbeauftragter benannt werden. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, einen Daten-
schutzbeauftragten auf Grundlage eines Dienstleistungsvertrages zu benennen.
Vor diesem
Hintergrund sollten die Gemeinden prüfen, ob im Rahmen der interkommunalen Zu-
sammenarbeit ein gemeinsamer Datenschutzbeauftragter für mehrere Gemeinden ge-
meinsam bestimmt werden kann.
Zur Aufgabenanalyse der Aufgabengruppe „Personalrat“ (12) und der Aufgabengruppe „Be-
auftragte“ (13) sind folgende Feststellungen zu treffen:
Aufgrund der ehrenamtlichen Tätigkeit der Beauftragten wurde nur in 3 von 6 Ver-
gleichskommunen Ist-VZÄ für die Aufgaben erfasst.
Eine Vergleichskommune setzte
0,03 VZÄ und 2 weitere Vergleichskommunen jeweils 0,05 VZÄ für die Aufgabener-
füllung ein. Gleichwohl zählen Beauftragungen zur kommunalen Praxis und doku-
mentieren kommunalpolitisch definierte Handlungsfelder.
Im Ergebnis der Stellenbemessung wird ein Festwert von 0,10 VZÄ (entspricht ca.
4 Stunden pro Woche) für die Aufgabenwahrnehmung der Personalräte und der Be-
auftragten angesetzt.
Der Stellenbedarf für die Aufgabengruppen 12 und 13 der Modell-Gemeinde stellt sich damit
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-
Soll in VZÄ
Organisations-
einheit
12.1
Personalratstätigkeit
Festwert
0,10
Hauptamt
(für die Bemessung,
im Übrigen perso-
nenabhängig)
13.1
Aufgaben der Gleich-
stellungs- und Frau-
enbeauftragten
13.2
Datenschutzbeauf-
tragter
13.3
Sonstige Beauftra-
gungen
Gesamt
0,10
[≙
0,01 VZÄ / TEW]
31
Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW haben regelmäßig weniger als 275 Wahlberechtigte
und liegen unterhalb der Freistellungsverpflichtung nach § 46 Abs. 4 SächsPersVG.
32
Eine hauptamtliche Aufgabenerfüllung ist für Gemeinden mit mehr als 20.000 EW vorgesehen.

 
43
Hinweis:
Seit dem 25.05.2018 gilt die Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und
des Rates vom 27.04.2016 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung perso-
nenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG –
die DSGVO. Diese Verordnung gilt unmittelbar, d. h. auch die kommunalen Körperschaften
haben ihr Handeln zu überprüfen und an die neuen Vorgaben der DSGVO anzupassen.
Das SMI hat diesbezüglich ein Themenportal „Datenschutzrecht für öffentliche Stellen des
Freistaates Sachsen
(www.datenschutzrecht.sachsen.de)
eingerichtet, welches vor diesem
Hintergrund die öffentlichen Stellen des Freistaates Sachsen über datenschutzrechtliche
Grundlagen informieren, Hilfestellung für die Anpassung ihres Verwaltungshandelns an die
Datenschutz-Grundverordnung geben und die wichtigsten Handlungserfordernisse aufzeigen
soll. Das Portal stellt neben ausführlichen Erläuterungen auch zahlreiche Checklisten für das
weitere Verwaltungshandeln zur Verfügung.
Der Datenschutzbeauftragte kann sowohl ein Mitarbeiter der Verwaltung sein als auch ein
Externer, der auf der Grundlage eines Dienstleistungsvertrages tätig wird (Art. 37 Abs. 6
DSGVO). Mehrere öffentliche Stellen können unter Berücksichtigung ihrer Organisations-
struktur und ihrer Größe einen gemeinsamen Datenschutzbeauftragten benennen (Art. 37
Abs. 3 DSGVO). Das SMI hat diesbezüglich die notwendigen Arbeitsschritte definiert und
entsprechende Checklisten erarbeitet.
33
Im Rahmen der Anpassung der örtlichen Gegebenheiten an die DSGVO sind grundsätzlich
ebenso entsprechende Projektschritte des Datenschutzbeauftragten erforderlich (z. B. Kom-
munikation der Erfordernis zur Anpassung an die DSGVO gegenüber Behördenleitung und
Fachabteilung, Unterstützung bei der Umsetzung und im laufenden Betrieb, Beratung der
Behördenleitung hinsichtlich Aufbau und zur Koordination eines Datenschutzmanagements,
Überwachung der Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben, der internen Vorschriften sowie der
Funktionsfähigkeit des Datenschutzmanagements). Im Rahmen dieser Anpassungsphase
kann sich - soweit der Datenschutz nicht auf externe Dritte ausgelagert wurde bzw. wird -
ggf. ein temporärer Mehrbedarf ergeben, dessen Größenordnung mangels vorliegender Er-
fahrungswerte nicht beziffert werden kann.
5.2.4 Aufgabengruppe 14 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“
Die Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ (14) wurde nicht in die Stellenbe-
messung einbezogen.
In den Vergleichskommunen wurden regelmäßig externe Dritte mit der Rechnungsprüfung
beauftragt. Von den 6 Vergleichskommunen hatte nur eine Kommune einen eigenen Rech-
nungsprüfer bestellt, der neben seiner auch noch umliegende Kommunen prüfte.
Da die Modell-Gemeinde keine eigene Rechnungsprüfung unterhalten soll, wird diese
Aufgabe nicht bemessen.
Die Koordination der extern zu beauftragenden Rechnungsprüfung ist in der Bemessung der
Aufgabe „Ausführung des Haushaltsplans und Erstellung des Jahresabschlusses“ (22.1.2)
enthalten.
33
Vgl. SMI, Themenportal „Datenschutzrecht für öffentliche Stellen des Freistaates Sachsen“, Stichwort
Datenschutzbeauftragter,
www.datenschutzrecht.sachsen.de.

 
44
5.2.5 Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“
Die Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
20.1
Verwaltungsorganisation und -steuerung
20.2
IT-Betreuung
20.2.3
Digitalisierung
20.3
Arbeitsschutz / Arbeitsmedizin
20.4
Beschaffungswesen
20.5
Versicherungswesen
20.6
Fuhrparkmanagement
20.7
Empfang, Bürgerinformation, Rezeption
20.8
Zentrale Postbearbeitung sowie umfangreiche Kopier- und Bindearbeiten
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Zentrale Dienste“ (20) wie folgt dar:
Ein Wesensmerkmal der Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) ist, dass sich für die Auf-
gabenerfüllung in einigen Bereichen die Wahrnehmung durch Dritte (z. B. externe Dienstleis-
ter) anbietet. Entsprechend liegen bei der Aufgabenerfüllung in dieser Aufgabengruppe in
den Vergleichskommunen teilweise unterschiedliche Erfüllungsformen zugrunde.
Die Zahl der Verwaltungsstandorte und die örtlichen Standortbedingungen bilden für einige
der Aufgaben zentrale Rahmenbedingungen und wirken sich auf Arbeitsmengen aus.
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) handelt es sich um klassische
Service- bzw. Querschnittsaufgaben der Verwaltung, die im Wesentlichen der Kategorie der
Pflichtaufgaben zuzuordnen sind. Damit sind sie dem Grunde nach nicht disponibel und ste-
hen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbetrachtungen. Hinsichtlich des Standards und der
Art der Erfüllung hat die Kommune jedoch einen Gestaltungsspielraum.
Der Umfang der Aufgabe „Verwaltungsorganisation und -steuerung“ (20.1) wird vor allem
durch die Zahl der Mitarbeiter, auch außerhalb der Kernverwaltung, beeinflusst.
0,19
0,13
0,27
0,18
0,20
0,15
0,29
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
20. Zentrale Dienste
(in VZÄ je 1.000 EW)

45
Aufgabe 20.1 Verwaltungsorganisation und -steuerung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Mitarbeiter inkl. gering-
fügig Beschäftigte
1,00 VZÄ je 300 Mitarbeiter
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein variabler Bedarf in Relation zur Anzahl der Mitarbeiter zuerkannt.
Für die Aufgabe „IT-Betreuung" (20.2) wurde im Rahmen der Stellenbemessung eine Kenn-
zahl von 1,00 VZÄ je 150 Clients
34
angesetzt. Bei der Kennzahl handelt es sich um einen
aufgabenstrukturbezogenen Wert für die IT Betreuung in Kommunen der Größenklasse
5.000 bis 10.000 EW.
Aufgabe 20.2 IT-Betreuung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Clients
1,00 VZÄ je 150 Clients
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile der Aufgabe werden in Relation zu den vorhandenen Clients gebildet.
Einen wesentlichen Einfluss auf den Stellenumfang hat die Verlagerung von Teilaufgaben zu
externen Dienstleistern (z. B. KISA).
In 2 der 6 betrachteten Vergleichskommunen existierten erhebliche Schnittstellenprobleme
zwischen den einzelnen Fachverfahren.
Die Kommunen sollten eine Harmonisierung der IT-Struktur herbeiführen und z. B.
Doppelerfassungen u. a. durch manuelle Eingaben soweit wie möglich vermeiden.
Für die Wahrnehmung der Teil-Aufgabe „Digitalisierung“ (20.2.3) wurde ein Festwert in der
Einführungsphase neuer E-Government-Komponenten definiert. Die Aufgabe hat Projektcha-
rakter, weshalb im Rahmen der Implementationsphase von E-Government-Projekten eine
temporäre Stellenausstattung für die Projektleitung i. H. v. 0,40 VZÄ für sachgerecht erachtet
wird. Nach der Einführung wird eine Stellenausstattung i. H. v. 0,20 VZÄ als ausreichend
angesehen. Der zusätzliche Stellenbedarf in der IT-Betreuung wird in diesem Zusammen-
hang künftig für eine Entlastung der Fachbereiche sorgen, die jedoch noch nicht quantifiziert
werden kann.
Bei der effizienten Abwicklung von Verwaltungsabläufen mittels moderner Informationstech-
nik (E-Government) hatten die Vergleichskommunen noch Entwicklungspotenziale, u. a. um
Aufgaben künftig mit geringerem Aufwand erledigen zu können. Von den 6 untersuchten
Kommunen hatten 4 bereits eine elektronische Beschaffung (E-Vergabe) in ihren Verwaltun-
gen eingeführt. Eine Kommune gab an, die fristgerechte Einführung der E-Vergabe bis zum
18.10.2018 nicht realisieren zu können. Von den Vergleichskommunen hatte noch keine die
vollständige elektronische Rechnungsbearbeitung (E-Rechnung) eingeführt bzw. eine Um-
stellung auf die elektronische Aktenführung (E-Akte) vorgenommen. Die Einführung der
E-Rechnung wurde in allen Vergleichskommunen geplant, während die Umstellung auf die
E-Akte in den kommenden 5 Jahren nur von 4 Kommunen beabsichtigt war. Lediglich eine
der Vergleichskommunen hatte bisher mit der Konzeptionierung der elektronischen Akten-
führung begonnen. Angabegemäß fehlte in den Vergleichskommunen bislang die entspre-
chende personelle Kapazität auch für die Konzeptionierung der Einführung von
E-Government-Komponenten.
34
Clients: Anzahl der PC-Arbeitsplätze mit Ausnahme der Schulkabinette.

46
Für die Aufgabe Arbeitsschutz/-medizin (20.3) wurde gleichfalls ein Festwert angesetzt, der
die Koordinationstätigkeit zwischen der Verwaltung und dem externen Beauftragten abbildet.
Er beträgt 0,02 VZÄ (etwa 30 Std./Jahr).
Der Aufgabe „Beschaffungswesen“ (20.4) wird bei der Stellenbemessung ein Festwert von
0,20 VZÄ kombiniert mit einem einwohnerabhängigen Wert von 0,10 VZÄ je 5.000 EW zu-
grunde gelegt. Der angesetzte Festwert bildet einen kommunalen Vergleichswert aus der
Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen ab. Der einwohnerabhängige Teil der Kennzahl
basiert auf der Annahme, dass mit einer Zunahme der Gemeindegröße auch die Komplexität
der Beschaffungsvorgänge steigt.
Aufgabe 20.4 Beschaffungswesen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
Grundbedarf
0,20 VZÄ
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je 5.000 EW
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,20 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zu der Einwohnerzahl gebildet.
Die Vergleichskommunen hatten keine zentrale Vergabe- und Beschaffungsstelle. Die Auf-
gabe „Beschaffungswesen“ (20.4) wurde dezentral in den Fachbereichen wahrgenommen.
Nur größere Büromittelbedarfe wurden in den Vergleichskommunen zentral beschafft. Opti-
mierungspotenzial liegt in der zentralen statt dezentralen Beschaffung.
Grundsätzlich sollte
spezielles Fachwissen im Beschaffungswesen und Vergaberecht (insbesondere VOB,
VOL) gebündelt und gemeinsam genutzt werden, z. B. innerhalb einer zentralen
Vergabestelle in der Kommune oder in Zusammenarbeit mit der Vergabestelle des
Landkreises, um Vergabeverfahren rechtssicher abwickeln und daraus die wirtschaft-
lichsten Ergebnisse erzielen zu können.
Inhalt der Aufgabe „Versicherungswesen“ (20.5) ist das Vertragswesen, die Schadensab-
wicklung (z. B. für den KSA) sowie die Verwaltung der bestehenden Gebäudeversicherun-
gen, Kfz-Versicherungen oder Rechtsschutzversicherungen. Das aufwandsprägende Merk-
mal ist die Anzahl an bestehenden Versicherungsverträgen. Aufgrund kommunaler Ver-
gleichswerte wurde eine Kennzahl von 1,00 VZÄ je 150 Versicherungsverträge gebildet. Da-
bei wird davon ausgegangen, dass die Gemeinde neben Einzelverträgen 2 Rahmenverträge
geschlossen hat, in denen bspw. alle Gebäude oder alle Fahrzeuge versichert sind.
Aufgabe 20.5 Versicherungswesen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl Verträge
1,00 VZÄ je 150 Verträge
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden in Abhängigkeit zu der Anzahl der Verträge gebildet.
Die Aufgabe „Empfang, Bürgerinformation, Rezeption“ (20.7) und die Aufgabe „zentrale
Postbearbeitung sowie umfangreiche Kopier- und Bindearbeiten“ (20.8) wurden gemeinsam
bemessen. Grund hierfür ist die Verbindung der beiden Aufgaben in 5 der Vergleichskom-
munen, die einen zentralen Empfang bzw. eine Bürgerinformation eingerichtet hatten. Im
Rahmen der Stellenbemessung wurde die Wochenöffnungszeit des Empfangs als auf-
wandsprägendes Merkmal festgelegt (1,00 VZÄ je 38 Wochenöffnungsstunden
35
). Sofern
35
2 Wochenstunden sind für Rüst- und Verteilzeiten anzusetzen.

 
47
eine Kommune keinen Empfang eingerichtet hat, wird ein Festwert von 0,20 VZÄ für die
Postbearbeitung (20.8) angesetzt.
Aufgaben 20.7 Empfang und 20.8 zentrale Postbearbeitung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Durchschnittliche Wochenöff-
nungszeit in Stunden
1,00 VZÄ je 38 Wochenöffnungsstunden
Erläuterungen: Die Wochenöffnungszeit des Empfangs definiert die Soll-Stellenanteile der Aufgabe.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 20 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
20.1
Verwaltungsorgani-
sation und -steuerung
Anzahl der Mitarbeiter
inkl. geringfügig Be-
schäftigte
73
0,24
Hauptamt
20.2
IT-Betreuung
Anzahl der Clients
74
0,49
20.2.3
Digitalisierung
Festwert (Einführungs-
phase, ca. 16 Stunden
wöchentlich), nach
Implementierung 0,2
VZÄ für Dauerbetrieb
0,40
20.3
Arbeitsschutz / Ar-
beitsmedizin
Festwert
0,02
20.4
Beschaffungswesen
Festwert sowie
Anzahl der EW
7.700
0,35
20.5
Versicherungswesen
Anzahl Verträge
18
0,12
20.6
Fuhrparkmanage-
ment
Festwert
0,03
20.7
Empfang, Bürgerin-
formation, Rezeption
Durchschnittliche Wo-
chenöffnungszeit
22
0,58
20.8
Zentrale Postbearbei-
tung sowie umfang-
reiche Kopier- und
Bindearbeiten
Gesamt
2,23
[≙
0,29 VZÄ / TEW]
5.2.6 Aufgabengruppe 21 „Personal“
Die Aufgabengruppe „Personal“ (21) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
21.1
Personalangelegenheiten
21.2
Lohn- und Gehaltsabrechnung
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Personal“ (21) wie folgt dar:

48
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Personal“ (21) handelt es sich um klassische Ser-
vice- bzw. Querschnittsaufgaben der Verwaltung, die im Wesentlichen der Kategorie der
Pflichtaufgaben zuzuordnen sind. Damit sind sie dem Grunde nach nicht disponibel und ste-
hen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbetrachtungen.
Mit Bezug auf organisatorische Aufgabenklassifizierungen sind die Aufgaben der Aufgaben-
gruppe „Personal“ (21) der Aufgabenart der quantifizierbaren Aufgaben sowie der dispositiv-
kreativen Aufgaben zuzuordnen. So enthalten z. B. die „Lohn- und Gehaltsabrechnung“
(21.2) quantifizierbare und die „Personalbeschaffung“ (21.1.2) und „Personalentwicklung“
(21.1.3) kreativ-dispositive Aufgaben.
Der Vergleich der Stellenausstattungen unter den Vergleichskommunen verdeutlicht, dass
die Aufgaben der Aufgabengruppe „Personal“ (21) in den 6 Kommunen mit unterschiedlichen
Stellenanteilen erfüllt wurden.
Bei der Aufgabe „Personalangelegenheiten“ (21.1) besteht mit Blick auf ein aktives Perso-
nalmanagement ein Gestaltungsspielraum bezüglich der Wahrnehmungsintensität.
36
Dieser
muss unter Würdigung personalwirtschaftlicher Erfordernisse und Rahmenbedingungen von
der Gemeinde festgelegt werden.
Aufgabe 21.1 Personalangelegenheiten: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Mitarbeiter inkl. gering-
fügig Beschäftigte
Grundbedarf
0,20 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 300 aktive Stellen-
inhaber
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,20 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zu den aktiven Stelleninhabern gebildet.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurde die
Zahl der Mitarbeiter (inkl. geringfügig Beschäftigter) als aufwandsprägendes Merkmal festge-
legt. Außerdem wurde ein Bedarf von 0,20 VZÄ als Grundbedarf festgehalten, womit mitar-
beiterunabhängige Aufgaben, z. B. zur Personalpolitik und Personalgewinnung abgedeckt
werden. Die Kennzahl sowie die angesetzte Grundausstattung stellen einen kommunalen
Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
36
Die Intensität der Aufgabenwahrnehmung wird u. a. durch einen aufwendigen und arbeitsintensiven
Personalbeschaffungsprozess oder durch einen hohen Standard im Fortbildungsmanagement beein-
flusst.
0,10
0,13
0,12
0,08
0,04
0,08
0,12
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
21. Personal
(in VZÄ je 1.000 EW)

 
49
Die Lohn- und Gehaltsabrechnung kann entweder selbst oder durch externe Dritte durchge-
führt werden. In den Vergleichskommunen, die die Lohn- und Gehaltsabrechnung ausgela-
gert hatten, war u. a. die Pflege der Personaldaten weiterhin Aufgabe der Verwaltung. Die
Ist-Stellenanteile dieser Kommunen betrafen daher die notwendigen Zuarbeiten der Verwal-
tung an den externen Dienstleister. Bei diesen Kommunen wurde das Stellen-Ist als Soll
übernommen. Bei den Kommunen, die die Lohn- und Gehaltsabrechnung selbst durchfüh-
ren, wird der Soll-Stellenanteil durch die variable Kennzahl 1,00 VZÄ je 250 Mitarbeiter
(durchschnittliche Zahlfälle) bestimmt.
Aufgabe 21.2 Lohn- und Gehaltsabrechnung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Mitarbeiter inkl. gering-
fügige Beschäftigte
1,00 VZÄ je 250 Mitarbeiter (durchschnittliche Zahlfälle)
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch die Anzahl der Mitarbeiter inkl. geringfügig Beschäftigte
beeinflusst.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 21 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
21.1
Personal-
angelegenheiten
Festwert sowie
Anzahl der Mitarbeiter
inkl. geringfügig Be-
schäftigte
73
0,44
Hauptamt
21.2
Lohn- und Gehaltsab-
rechnung
Anzahl der Mitarbeiter
inkl. geringfügig Be-
schäftigte
73
0,29
Gesamt
0,73
[≙
0,09 VZÄ / TEW]
5.2.7 Aufgabengruppe 22 „Finanzen“
Die Aufgabengruppe „Finanzen“ (22) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
22.1.1
Haushaltsplanung
22.1.2
Ausführung des Haushaltsplans und Erstellung des Jahresabschlusses
22.2
Kassenwirtschaft
22.3
Mahnung und Vollstreckung
22.4
Beteiligungsverwaltung und -management
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Finanzen“ (22) wie folgt dar:

50
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Finanzen“ (22) handelt es sich um Pflichtaufgaben,
die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkritischen Aufga-
benbetrachtung stehen.
Die wahrgenommenen Aufgaben sind vom organisatorischen Charakter Querschnittsaufga-
ben, d. h. sie sind organisationseinheitenübergreifend für das Funktionieren der Verwaltung
notwendig.
Keine der Vergleichskommunen musste in den letzten Jahren ein Haushaltsstrukturkonzept
aufstellen bzw. plante dies für die mittelfristige Ergebnisplanung des Haushaltsplans 2018.
Der jährliche Prozess zur Erstellung der Haushaltssatzung zeigte sich in den Vergleichs-
kommunen z. T. optimierungsbedürftig. Lediglich 2 Kommunen erreichten in den vergange-
nen Jahren regelmäßig eine Beschlussfassung im Gemeinderat im Dezember des Vorjahres
und erfüllten damit nahezu die Voraussetzungen für eine fristgerechte Aufstellung des Haus-
halts. In den verbleibenden 4 Kommunen entstand am Anfang des neuen Haushaltsjahres
regelmäßig die Situation einer vorläufigen Haushaltsführung. Gründe hierfür waren z. B. die
bislang vorrangige Bearbeitung noch ausstehender Jahresabschlüsse bzw. eine finale Mit-
telanmeldung der Fachämter erst zum Ende des jeweiligen Haushaltsjahres, um eine realis-
tischere Planung zu erreichen. Die Mittelanmeldung der Fachämter erfolgte in den Ver-
gleichskommunen teilweise per schriftlichen Vordruck an die Kämmerei. Diese überführte die
Plandaten im Anschluss mittels manueller Eingabe in das HKR-System.
Der Prozess der Haushaltserstellung sollte nach den Vorgaben des § 76 Abs. 2
SächsGemO so ausgestaltet sein, dass eine Vorlage der beschlossenen Haushaltssat-
zung bei der RAB spätestens einen Monat vor Beginn des Haushaltsjahres erfolgt.
Dies setzt u. a. eine zeitlich vorgezogene Mittelanmeldung (z. B. im Juni / Juli) voraus,
um eine rechtzeitige Vorlage im Gemeinde- / Stadtrat zu ermöglichen. Darüber hinaus
sollte die Übermittlung der Planzahlen der Fachbereiche an die Kämmerei möglichst
direkt über das bestehende HKR-System erfolgen, um manuelle Übernahmen zur ver-
meiden.
In den Vergleichskommunen war mit einer Ausnahme keine flächendeckende KLR existent.
Es erfolgten lediglich innere Verrechnungen für einzelne Bereiche, z. B. den Bauhof. Anga-
begemäß waren bislang keine Kapazitäten für eine Weiterentwicklung vorhanden. Ein ganz-
heitliches Controlling erfolgte in keiner der 6 Kommunen.
Nach § 14 Satz 1 und 2 Sächs-
KomHVO sind als Grundlage für die Verwaltungssteuerung sowie für die Beurteilung
der Wirtschaftlichkeit und Leistungsfähigkeit der Verwaltung für alle Aufgabenberei-
che nach den örtlichen Bedürfnissen Kosten- und Leistungsrechnungen zu führen.
Die Kosten sind aus der Buchführung nachprüfbar herzuleiten.
Die KLR ist ein internes
Rechnungswesen zur Gewinnung von Informationen in Form von Daten, mit denen die Ver-
0,59
0,43
0,55
0,48
0,68
0,63
0,74
0,00
0,10
0,20
0,30
0,40
0,50
0,60
0,70
0,80
Median
1
2
3
4
5
6
22. Finanzen
(in VZÄ je 1.000 EW)

51
antwortlichen der Gemeinde eine gezielte Planung, Steuerung und Kontrolle ihrer Haushalts-
und Wirtschaftsführung leisten können. Sie ist Basis für eine effiziente Verwaltungssteue-
rung. Über die Ausrichtung und den Umfang der KLR entscheidet die Gemeinde nach den
örtlichen Bedürfnissen im eigenverantwortlichen Ermessen.
37
Aufgabe des Controllings ist
es, das Verwaltungshandeln hinsichtlich der Leistungen und der Finanzen transparent zu
machen, die Einhaltung der Vorgaben der Haushaltsplanung zu überwachen und bei Bedarf
Maßnahmen zur Gegensteuerung vorzuschlagen. Wesentlicher Bestandteil des Controllings
ist dabei das Berichtswesen, insbesondere über den Vollzug des Haushalts.
38
Lediglich bei 2 von 6 Vergleichskommunen standen im Erhebungszeitraum Jahresabschlüs-
se zur Feststellung aus. Dies war aus Sicht des SRH im Vergleich zur gesamtsächsischen
Situation als positiv zu bewerten. Laut einer Abfrage des SMI bei den RAB zu den vorgeleg-
ten Jahresabschlüssen 2007 bis 2016 der Kommunen und Zweckverbände (Gebietsstand
01.01.2018) hatten zum 01.01.2018 lediglich rd. 6 % der kreisangehörigen sächsischen
Kommunen den Jahresabschluss 2016 festgestellt.
39
Der nach wie vor bestehende Zeitverzug bei der Auf- und Feststellung der Jahresab-
schlüsse ist zwingend abzubauen. Die gesetzlich vorgegebenen Fristen zur Feststel-
lung der Jahresabschlüsse sind einzuhalten. Alle bestehenden möglichen Maßnahmen
für eine beschleunigte Erstellung der Jahresabschlüsse sind zu nutzen.
Für die Aufgabe „Haushaltsplanung“ (22.1.1) besteht das aufwandsprägende Merkmal im
Haushaltsvolumen
40
. Die Kennzahl kombiniert dieses mit einem Grundbedarf von 0,20 VZÄ.
Aufgaben 22.1.1 Haushaltsplanung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Gesamtaufwendungen in T€
Grundbedarf
0,20 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 50.000 T€ Haus-
haltsvolumen
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,20 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zum Haushaltsvolumen gebildet.
Auch die Aufgabe „Ausführung des Haushaltsplans und Erstellung des Jahresabschlusses“
(22.1.2) basiert auf den Gesamtaufwendungen und wird über eine kombinierte Kennzahl mit
1,00 VZÄ je 50.000 T€ Haushaltsvolumen zzgl. 2,00 VZÄ Grundbedarf bemessen.
Der Festwert von insgesamt 2,00 VZÄ verteilt sich wie folgt:
1,00 VZÄ aufgabenübergreifend (Querschnittsaufgaben, z. B. Zusammenarbeit mit
Fachämtern [z. B. Mittelanmeldung, Budgetänderungen], Steuerung, Aufwand auf-
grund der Umsatzbesteuerung gem. § 2b UStG usw.)
41
,
0,30 VZÄ Anlagenbuchhaltung (der angesetzte Richtwert berücksichtigt bereits die
künftige Aufwandsreduzierung durch das Erreichen einer fristgerechten Beschlussfol-
ge für die Jahresabschlüsse),
37
Vgl. Binus u. a., Gemeindehaushaltsrecht Sachsen: Kommentar, § 14 Tz. 1 und 35.
38
Vgl. Binus u. a., Gemeindehaushaltsrecht Sachsen: Kommentar, § 28 Tz. 14.
39
Zum 01.01.2019 konnten rd. 14 % der kreisangehörigen Kommunen einen festgestellten Jahres-
abschluss 2016 vorweisen und rd. 6 % den von 2017.
40
Die Gesamtaufwendungen umfassen die ordentlichen und außerordentlichen Aufwendungen in der
Ergebnisrechnung.
41
Der personelle Aufwand fällt grds. unabhängig vom Haushaltsvolumen und der genauen EW-Zahl inner-
halb der hier untersuchten Größenklasse an.

52
0,60 VZÄ KLR / Controlling (der Richtwert berücksichtigt den Aufbau und den an-
schließenden Betrieb einer übergreifenden KLR sowie eines zentralen Haushaltscon-
trollings),
0,10 VZÄ Inventur (der angesetzte Wert bezieht sich auf die regelmäßige Durchfüh-
rung eines einheitlichen Inventurzyklus; sofern ein solcher noch nicht besteht ist hier
ggf. ein zusätzlicher Stellenanteil erforderlich).
Die Kennzahl sowie die angesetzte Grundausstattung stellen einen kommunalen Ver-
gleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Aufgabe 22.1.2 Ausführung des Haushaltsplans und Erstellung des Jahresabschlusses: Ableitung der Kenn-
zahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Gesamtaufwendungen in T€
Grundbedarf
2,00 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 50.000 T€ Haus-
haltsvolumen
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 2,00 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zum Haushaltsvolumen gebildet.
Für die Aufgabe „Kassenwirtschaft“ (22.2) ist das aufwandsprägende Merkmal die Anzahl
der baren und unbaren Zahlungsvorgänge. Da nicht für alle Kommunen plausible Fallzahlen
ermittelt werden konnten, wurde der Median (jährlich 26.880 Zahlungsvorgänge) als einheit-
licher Mengenwert für alle Kommunen angesetzt. Die Kennzahl stellt einen kommunalen
Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Aufgabe 22.2 Kassenwirtschaft: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der baren und unbaren
Zahlungsvorgänge
1,00 VZÄ je 25.000 Vorgänge
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch Anzahl der baren und unbaren Zahlungsvorgänge gebil-
det.
Für die Aufgabe „Mahnung und Vollstreckung“ (22.3) wurde die Anzahl an Mahnungen als
aufwandsbestimmende Fallzahl genutzt. Für die Stellenbemessung wird davon ausgegan-
gen, dass vor Einleitung der Vollstreckung grundsätzlich nur einmalig gemahnt wird. Je Vor-
gang wurde eine Bearbeitungszeit von einer Stunde angesetzt. Die Kennzahl stellt einen
kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Die administrativ-kaufmännischen Abläufe des Forderungsmanagements eignen sich
grundsätzlich für die Bearbeitung im Rahmen einer interkommunalen Zusammenar-
beit, weil sie durch einen hohen Standardisierungsgrad geprägt sind. Sofern die struk-
turellen Rahmenbedingungen für eine Bearbeitung im Verbund mit anderen Kommu-
nen gegeben sind, könnten für diese Aufgabe ein interkommunaler Vollstreckungs-
dienst bzw. eine interkommunale Gemeinschaftskasse gebildet werden.
Aufgabe 22.3 Mahnung und Vollstreckung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Mahnungen und Vollstreckungs-
ankündigungen
1,00 Stunde Bearbeitungszeit je Vorgang
Erläuterungen: Für jede Maßnahme wird eine durchschnittliche Bearbeitungszeit von einer Stunde anerkannt.

53
Die Aufgabe „Beteiligungsverwaltung und -management“ (22.4) beinhaltet Tätigkeiten wie die
Beteiligungsverwaltung, das strategische und operative Beteiligungscontrolling, die Mandats-
trägerbetreuung sowie das regelmäßige Reporting.
42
In Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 EW
besteht der überwiegende Aufwand der Verwaltungsmitarbeiter im Rahmen des Beteili-
gungsmanagements in der Erstellung des jährlichen Beteiligungsberichts. Für die Wahrneh-
mung der Aufgabe wurde eine Kennzahl von 0,10 VZÄ je 4 unmittelbare Beteiligungen ange-
setzt, die einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungs-
strukturen darstellt.
Aufgabe 22.4 Beteiligungsverwaltung und -management: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl (gesamt) der Eigenbetrie-
be, Zweckverbandsmitgliedschaf-
ten sowie der mittelbaren und
unmittelbaren Beteiligungen lt.
Beteiligungsbericht
0,10 VZÄ je 4 unmittelbare Beteiligungen / Zweckverbände /
Eigenbetriebe
Erläuterungen: Zu beachten ist der Leitfaden „Beteiligungsmanagement im kommunalen Bereich“ des SLKT,
des SMI sowie des SSG.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 22 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
22.1.1
Haushaltsplanung
Festwert sowie
Gesamtaufwendungen
in T€
10.327
0,41
Finanzen
22.1.2
Ausführung des
Haushaltsplans
und Erstellung des
Jahresabschlusses
Festwert sowie
Gesamtaufwendungen
in T€
10.327
2,21
22.2
Kassenwirtschaft
Anzahl der baren und
unbaren Zahlungsvor-
gänge
26.880
1,08
22.3
Mahnung und
Vollstreckung
Anzahl der Vorgänge
684
0,42
22.4
Beteiligungsverwal-
tung und -
management
Anzahl (gesamt) der
unmittelbaren Beteili-
gungen / Zweckver-
bände / Eigenbetriebe
6
0,15
Gesamt
4,27
[≙
0,55 VZÄ / TEW]
42
Vgl. Leitfaden „Beteiligungsmanagement im kommunalen Bereich“ des SLKT, SMI und SSG (November
2014).

 
54
5.2.8 Aufgabengruppe 23 „Liegenschaftsmanagement“
Die Aufgabengruppe „Liegenschaftsmanagement“ (23) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
23.1
Planung und Bau von Gebäuden und Einrichtungen
23.2
Planung
23.3
Bauüberwachung
23.4
Bauliche Unterhaltung
23.5
Kaufmännisches Gebäude- und Liegenschaftsmanagement
23.5.7
Bewirtschaftung von gemeindeeigenen Wald
23.6.1
Hausmeisterdienste Gebäude
23.6.2
Gebäudereinigung in Eigenleistung
23.6.4
Grünflächenpflege einschl. Sportplätze
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Liegenschaftsmanagement“ (23) wie folgt dar:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Liegenschaftsmanagement“ (23) handelt es sich um
weisungsfreie Pflichtaufgaben, die im Wesentlichen aus der Eigentümerstellung der Kom-
mune für Gebäude und Flächen und ihrer Bauherrenfunktion bei der Umsetzung von Bau-
maßnahmen resultieren.
Nach der Art der Aufgabenstellung setzt sich die Aufgabengruppe aus den folgenden Aufga-
ben bzw. Funktionen zusammen:
Projektmanagement bei Neubau-, Umbau-, Erweiterungs- und Sanierungsmaßnah-
men,
Gebäudeinstandhaltung (Inspektion, Wartung, Instandsetzung),
Bewirtschaftung von Gebäuden in Bezug auf Energie, Wärme, Ver- und Entsorgung,
Gebäudeversicherung, Gebäudereinigung,
Abschluss und Verwaltung von Mietverträgen und Nutzungsvereinbarungen, ein-
schließlich Abrechnung bzw. Prüfung von Nebenkosten,
0,91
1,00
0,45
1,18
0,82
0,51
1,08
0,00
0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
1,20
Median
1
2
3
4
5
6
23. Liegenschaftmanagement
(in VZÄ je 1.000 EW)

55
Liegenschaftsverwaltung mit den Teilaufgaben Grundstücksverkehr, Miet- und Pacht-
angelegenheiten,
Objektbetreuung durch Hausmeister,
Auftraggeberfunktion bei Vergabe von Pflege- und Unterhaltungsleistungen an Außen-
anlagen.
Der Aufwand zur Wahrnehmung von Projektaufgaben bei der Planung und Umsetzung von
Baumaßnahmen (Aufgaben 23.1, 23.2 und 23.3) wird maßgeblich durch die Höhe des Inves-
titionsvolumens bestimmt. Dabei wurden in den Vergleichskommunen projektbezogene Leis-
tungen auf Grundlage der HOAI an externe Architektur- und Ingenieurbüros vergeben.
Zur Erfassung der im Rahmen der Verwaltung wahrzunehmenden Projektleitungs- und Pro-
jektsteuerungsaufgaben (Bauherrenaufgaben) wird ein Bemessungsansatz von 1,00 VZÄ je
5.000 T€ Investitionsvolumen zugrunde gelegt. Darüber hinaus werden verwaltungstypische
Zusatz- und Sonderaufgaben, die sich nicht im Investitionsbudget niederschlagen (z. B. kon-
zeptionelle Planungen, Vorleistungen, Nutzeranfragen) mit einem Grundbedarf von 0,40 VZÄ
berücksichtigt. Diese Abgrenzung ist zweckmäßig und sachgerecht.
Aufgaben 23.1 Planung und Bau von Gebäuden und Einrichtungen, 23.2 Planung und 23.3 Bauüberwachung:
Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Investitionsvolumen in T€
Grundbedarf
0,40 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 5.000 T€ Investiti-
onsvolumen
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,40 VZÄ für die Grundlast innerhalb des Aufgaben-
gebiets zuerkannt. Zusätzlich werden die Soll-Stellenanteile durch einen variablen Bedarf von 1 VZÄ je 5.000 T€
Investitionsvolumen (Durchschnitt aus 2 aufeinanderfolgenden Jahren) gebildet.
Das Investitionsvolumen für Hochbaumaßnahmen ist bei mehrjähriger Betrachtung grund-
sätzlich – so auch in den Vergleichskommunen – volatil. Eine bedarfsgerechte bzw. maß-
nahmenabhängige Personalbereitstellung ist im Rahmen der Verwaltung grundsätzlich nicht
möglich.
Die Vergabe projektbezogener Leistungen für Bauprojekte ist daher zu emp-
fehlen. Daneben sollte zur Abdeckung der Bauherrenaufgaben im Rahmen der Verwal-
tung grundsätzlich eine Stelle mit technischer Formalqualifikation (z. B. Bauingenieur)
verfügbar sein, deren Inhaber nach Bedarf auch die Betreuung von Tiefbaumaßnah-
men übertragen werden kann. Idealerweise sollte die Umsetzung von Investitions-
maßnahmen im Hoch- und Tiefbaubereich aufeinander abgestimmt werden, um Be-
darfsschwankungen, z. B. Arbeitsspitzen, in den einzelnen Jahren fachübergreifend
besser ausgleichen zu können.
Die Instandhaltung des Gebäudebestandes stellt in Bezug auf den Ressourcenbedarf
(Haushaltsmittel und Personalbedarf) eine Daueraufgabe dar. Anpassungen resultieren aus
Bestandsveränderungen oder nicht vorhersehbaren Einzelmaßnahmen. Die Aufgabe „Bauli-
che Unterhaltung“ (23.4) beinhaltet die Auftraggeberfunktionen wie Ausschreibung, Vergabe,
Überwachung, Abnahme und Abrechnung von Leistungen im Rahmen des Bauunterhal-
tungsvolumens, das damit auch den Personalbedarf bestimmt. Auf Basis des Baupreisni-
veaus kann als Richtwert angenommen werden, dass ein Mitarbeiter ein Budget von 650.000
bis 700.000 € p. a. an Bauunterhaltungsmitteln bewirtschaften kann. Unter Berücksichtigung
der üblichen Rahmenbedingungen – Instandhaltungsleistungen werden grundsätzlich einzeln
vergeben, da eine gewerkespezifische Bündelung in Rahmenverträgen mit anschließenden
Leistungsabruf mangels Masse grundsätzlich ausscheidet – wird ein Bemessungsansatz von
600 T€ je 1,00 VZÄ empfohlen.

56
Aufgabe 23.4 Bauliche Unterhaltung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Bauunterhaltungsvolumen in T€
1,00 VZÄ je 600 T€
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich am Bauunter-
haltungsvolumen orientiert.
Es wird empfohlen, die erforderlichen Planungsgrundlagen zur Ermittlung des In-
standhaltungsbedarfes im Rahmen einer Gebäudekonzeption, bestehend aus Be-
standsdokumentation und –analysen sowie jährlichen Begehungen und Priorisierun-
gen zu schaffen.
Das Stellen-Soll zur Wahrnehmung der Aufgaben des kaufmännischen Gebäude- und Lie-
genschaftsmanagements (23.5) wird mit einem spezifischen Wert von 0,15 VZÄ je 1.000 EW
bemessen. Die Kennzahl stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähnli-
cher Verwaltungsstrukturen dar.
Aufgabe 23.5 Kaufmännisches Gebäude- und Liegenschaftsmanagement: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
0,15 VZÄ je 1.000 EW
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der EW orientiert.
Die Aufgabe „Bewirtschaftung von gemeindeeigenem Wald“ (23.5.7) wird mit einem Festwert
von 0,05 VZÄ in der Modell-Gemeinde wahrgenommen. Dem Festwert liegt die Annahme
einer externen Beförsterung (z. B. durch Sachsenforst) zugrunde.
Zur Bemessung der Aufgabe „Hausmeisterdienste Gebäude“ (23.6.1) wird die Gebäudeflä-
che, hier 6.000 m² (BGF) je Hausmeister bzw. VZÄ, zugrunde gelegt. Diese Kennzahl be-
rücksichtigt die spezifische Zusammensetzung des Gebäudebestandes in Bezug auf Anzahl
und Größe der Gebäude in der hier zu betrachtenden Gemeindegröße. Die Voraussetzun-
gen zur Nutzung von Größeneffekten, die ein Betreuungsverhältnis von z. B. 10.000 m² je
Hausmeister bzw. VZÄ ermöglichen, sind in der hier zu betrachtenden Gemeindegröße mit
ihrer Gebäudestruktur nicht gegeben.
Aufgabe 23.6.1 Hausmeisterdienste Gebäude: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Gebäudefläche in m² (BGF)
1,00 VZÄ je 6.000 m² BGF
Erläuterungen: Die Hausmeisterdienste orientieren sich an der zu betreuenden Fläche der Liegenschaften.
Es wird empfohlen, saisonale Arbeitsspitzen, z. B. Pflegearbeiten, bei großflächigen
Außenanlagen und Sportplätzen unter Einsatz von Spezialtechnik dem Bauhof zu
übertragen. Durch Bündelung der Einsatzbefugnisse für die betrieblichen Dienste be-
stehend aus Hausmeistern und Bauhof an einer Stelle kann die Steuerung der zwi-
schenbetrieblichen Zusammenarbeit vereinfacht werden. Auf Grundlage von Einsatz-
und Dienstplänen können so im Einzelfall oder auf Dauer Synergien (Vertretungsmög-
lichkeiten, Nutzung vorhandener Fachkenntnisse, Ausgleich saisonaler Schwankun-
gen im Leistungsbedarf) zwischen den Hausmeisterdiensten und dem Bauhof noch
besser genutzt werden.

 
57
Die Aufgabe „Gebäudereinigung in Eigenleistung“ (23.6.2) soll in der Modell-Gemeinde nicht
wahrgenommen werden. Somit wird eine vollständige Fremdreinigung angenommen.
Zur Bemessung von Auftraggeberfunktionen bei Vergabe von Pflege- und Unterhaltungsleis-
tungen an Außenanlagen wird ein umsatzbezogener Bemessungsansatz von 1,00 VZÄ je
800 T€ Leistungsvolumen empfohlen. Dabei ist berücksichtigt, dass der Auftraggeberauf-
wand für wiederkehrende Pflege- und Unterhaltungsleistungen gegenüber gewerkspezifi-
schen Einzelvergaben im Bereich der Gebäudeunterhaltung geringer ist.
Aufgabe 23.6.4 Grünflächenpflege einschl. Sportplätze: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Leistungsvolumen in T€
1,00 VZÄ je 800 T€ Leistungsvolumen (Unterhaltungsvolumen)
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile für die Aufgabengruppe werden als variable Kennzahl gebildet und ori-
entieren sich am Leistungsvolumen.
Die Grünflächenpflege erfolgte in den Vergleichskommunen überwiegend in Eigenleistung.
Es wird empfohlen, Vergabemöglichkeiten auf der Basis von Kostenvergleichsrech-
nungen zu prüfen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 23 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-
Soll in
VZÄ
Organisations-
einheit
23.1
Planung und Bau von
Gebäuden und Einrichtun-
gen
Grundbedarf sowie
Investitionsvolumen in T€
(Durchschnittswert von 2
aufeinander folgenden
Jahren)
1.341
0,67
Liegenschaften
23.2
Planung
23.3
Bauüberwachung
23.4
Bauliche Unterhaltung
Bauunterhaltungsvolumen
in T€
323
0,54
23.5
Kaufmännisches Gebäu-
de- und Liegenschaftsma-
nagement
Anzahl der EW
7.700
1,16
23.5.7
Bewirtschaftung von ge-
meindeeigenen Wald
Festwert
0,05
23.6.1
Hausmeisterdienste
Gebäudefläche in m²
(BGF)
18.939
3,16
23.6.2
Gebäudereinigung in Ei-
genleistung
Fremdvergabe im Modell
0,00
23.6.4
Grünflächenpflege einschl.
Sportplätze
Leistungsvolumen (Un-
terhaltungsvolumen) in T€
6
0,01
Gesamt
5,59
[≙
0,73 VZÄ / TEW]
5.2.9 Aufgabengruppe 24 „Archiv“
Die Aufgabengruppe „Archiv“ (24) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
24.1
Schriftgutverwaltung
24.2
Archiv

58
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Archiv" (24) handelt es sich zum einen um Service-
bzw. Querschnittsaufgaben für die Verwaltung und zum anderen um Aufgaben gemäß § 13
SächsArchivG. Damit sind die Aufgaben der Kategorie der Pflichtaufgaben zuzuordnen, die
dem Grunde nach nicht disponibel sind. Sie stehen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbe-
trachtungen. Grundlagen für die Aufgabenwahrnehmung bilden das SächsArchivG, ggf. die
Archivsatzung der Gemeinde, die gesetzlichen Regelungen zu den Aufbewahrungsfristen
sowie die Richtlinien der Gemeinde zur Schriftgutverwaltung bzw. zur Aktenführung / Akten-
planung.
Prägendes Merkmal des Arbeitsmengengerüstes der Aufgabengruppe „Archiv“ (24) sind vor
allem die laufenden Meter Archivgut des Verwaltungsarchivs. Entsprechend wurde diese
Fallzahl als aufwandsprägendes Merkmal bei der Stellenanalyse herangezogen. Die Aufga-
ben „Schriftgutverwaltung“ (24.1) und „Archiv“ (24.2) wurden gemeinsam bemessen.
Zur Bestimmung der Soll-VZÄ wurde die Kennzahl 1,00 VZÄ je 2.000 laufende Meter Archiv-
gut angewendet. Die Kennzahl stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung
ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Aufgabe 24 Archiv: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Laufende Meter Archivgut
1,00 VZÄ je 2.000 laufende Meter Archivgut
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Menge
des Archivguts orientiert.
Insbesondere kleine Kommunen sollten die Organisation ihres Archivwesens hinterfragen.
So existierte auch nicht in jeder Vergleichskommune ein nach den geltenden Bestimmungen
geführtes zentrales Verwaltungsarchiv. Die fehlende Aufgabenzentralisierung bzw. Bewirt-
schaftung führt u. a. dazu, dass große Teile der archivierten Akten bislang nicht sortiert wa-
ren und auch eine regelmäßige Überprüfung der Aufbewahrungsfristen nicht stattfand.
Nach § 13 Abs. 2 SächsArchivG müssen die kommunalen Archive den archivfachlichen
Anforderungen hinsichtlich Personal, Räumen und Ausstattung entsprechen und sind durch
Bedienstete mit einer archivfachlichen Ausbildung zu führen. Soweit sich die Kommunen aus
organisatorischen bzw. personellen Gründen gegen ein eigenes Archiv entscheiden, so
können sie gemäß § 13 Abs. 2 SächsArchivG mit anderen Kommunen ein gemeinsames
Archiv unterhalten bzw. gemäß § 13 Abs. 3 SächsArchivG die archivwürdigen Unterlagen
und das Archivgut an das zuständige Archiv des Landkreises übergeben. Im letzteren Fall ist
die abgebende Kommune zum Kostenausgleich verpflichtet. Das Eigentum am Archivgut
bleibt unberührt.
Die Kommunen haben die Einhaltung der archivfachlichen Anforderungen zu
gewährleisten. Soweit die personellen, räumlichen bzw. fachlichen Voraussetzungen
hierzu nicht ausreichen, sollten die Möglichkeiten einer Verlagerung geprüft werden.
Bei Eigenerledigung wird die Einrichtung eines zentralen Archivs innerhalb der
Verwaltung empfohlen. Darüber hinaus sollte die Sortierung und Archivierung der
Altakten abgeschlossen sein, bevor die Einführung eines zentralen DMS realisiert
wird.
Hinsichtlich der künftigen Entwicklung wird außerdem auf Kapitel 9.3 verwiesen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 24 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägen-
des Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
24.1
Schriftgutverwaltung
Laufende Meter
Archivgut
410
0,21
Hauptamt
24.2
Archiv
Gesamt
0,21
[≙
0,03 VZÄ / TEW]

 
59
5.2.10 Aufgabengruppe 25 „Recht“
Die Aufgabengruppe „Recht“ (25) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
25.1
Rechtsberatung inklusive rechtlicher Vertretung
25.2
Widerspruchsbearbeitung in Selbstverwaltungsangelegenheiten
25.3
Bearbeitung von Strafanzeigen und Strafanträge wegen strafbaren Handlungen zum Nachteil der
Kommune
In den Vergleichskommunen wurden die Aufgaben der Aufgabengruppe „Recht“ (25)
regelmäßig durch den Bürgermeister oder Abteilungs- bzw. Amtsleiter wahrgenommen. Es
handelte sich dabei vor allem um die Koordination und Einbeziehung von externen
Anwaltsbüros, welche die rechtliche Beratung der Gemeindeverwaltung übernehmen. Im
Falle der Modell-Gemeinde sollen die Aufgaben im Hauptamt gebündelt sein.
Für die Soll-Stellenanteile der Aufgabengruppe „Recht“ (25) wird ein Festwert von 0,10 VZÄ
definiert. Dieser Festwert bildet einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähn-
licher Verwaltungsstrukturen ab.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 25 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
25.1
Rechtsberatung inklu-
sive rechtlicher Ver-
tretung
Festwert
0,10
Hauptamt
25.2
Widerspruchsbearbei-
tung in Selbstverwal-
tungsangelegenheiten
25.3
Bearbeitung von
Strafanzeigen und
Strafanträge wegen
strafbaren Handlun-
gen zum Nachteil der
Kommune
Gesamt
0,10
[≙
0,01 VZÄ / TEW]

 
60
5.2.11 Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“
Die Aufgabengruppe „Sicherheit und Ordnung“ (30) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
30.1
Ordnungsbehördliche Aufgaben
30.2
Gewerbeangelegenheiten einschließlich Handwerksangelegenheiten
30.3
Friedhofswesen
30.4
Bußgeld- und Ordnungswidrigkeitenverfahren
30.5
Gemeindlicher Vollzugsdienst
30.6
Geschwindigkeitskontrollen
30.7
Vollzug Sächsisches Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag
30.8
Fundangelegenheiten
30.9
Schiedsstellen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Sicherheit und Ordnung“ (30) wie folgt dar:
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe „Sicherheit und Ordnung“ (30) handelt es sich um
Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweck-
kritischen Aufgabenbetrachtung stehen. Für die Art der Aufgabenerfüllung besteht seitens
der Gemeinde in der Regel ein Gestaltungsspielraum.
Aufgrund der teilweise geringen Stellenanteile der einzelnen Aufgaben erfolgt zur Stellenbe-
rechnung eine summierte Darstellung. Dies erhöht die Validität der quantifizierbaren Darstel-
lung sowie der Vergleichbarkeit. Insbesondere die Anteile der Aufgaben im Rahmen des
„Vollzugs des Sächsischen Ausführungsgesetzes zum Glückspielstaatsvertrag“ (30.7), der
„Fundangelegenheiten“ (30.8) sowie der „Schiedsstellen“ (30.9) lassen sich wegen ihres nur
geringfügigen Umfangs nur schwer bemessen.
Die Aufgabengruppe 30 wird wesentlich von den „Ordnungsbehördlichen Aufgaben“ (30.1)
und den „Gewerbeangelegenheiten einschließlich Handwerksangelegenheiten“ (30.2) ge-
prägt. Der Stellenbestand für die „Ordnungsbehördlichen Aufgaben“ (30.1) hängt überwie-
gend mit der Einwohnerzahl zusammen.
0,11
0,11
0,12
0,10
0,06
0,11
0,30
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
30. Sicherheit und Ordnung
(in VZÄ je 1.000 EW)

61
Die Aufgabe der „Gewerbeangelegenheiten einschließlich Handwerksangelegenheiten“
(30.2) beinhaltet Aufgaben im Zusammenhang mit dem Vollzug des Sächsischen Ladenöff-
nungsgesetzes sowie der Verwaltung von Gewerbeanzeigen im Rahmen des Gewerbezent-
ralregisters. Der Modell-Gemeinde werden 664 angemeldete Gewerbe zugrunde gelegt.
Für die Großen Kreisstädte besteht die Besonderheit, dass diese zusätzlich für die Erlaub-
niserteilung zur gewerbemäßigen Schaustellung von Personen (§ 33a GewO), die Erlaub-
niserteilung zum gewerbemäßigen Betrieb von Spielhallen und ähnlichen Unternehmen
(§ 33i GewO) sowie Untersagung der Fortsetzung deren Betriebes nach § 15 Abs. 2 GewO
zuständig sind. Bei den beiden Vergleichskommunen mit dem Status „Große Kreisstadt“
wurden im Rahmen der Aufgabenerfüllung diesbezüglich keine signifikanten erhöhten Zeit-
anteile festgestellt. Der Aufwand lag unterhalb der definierten Bemessungsuntergrenze von
0,05 VZÄ, so dass für die Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW grds. nicht
von einem maßgeblichen Stellenmehrbedarf ausgegangen wird.
Der Aufgabenumfang bzw. -standard des „Gemeindlichen Vollzugsdienstes“ (30.5) sowie der
„Geschwindigkeitskontrollen“ (30.6) ist wesentlich abhängig von der Beschaffenheit der
kommunalen Infrastruktur und deren Einwohnerzahl. Bestehen z. B. keine oder nur sehr ge-
ringe gemeindeeigenen Parkflächen im Straßennetz, ist die Wahrnehmung des Vollzugs-
dienstes durch Außendienstmitarbeiter häufig nicht wirtschaftlich. Die Aufgabe der „Ge-
schwindigkeitskontrollen“ (30.6) wird in Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW
regelmäßig nur geringfügig durch die Gemeinde selbst bzw. überwiegend gänzlich durch den
Landkreis wahrgenommen. Dementsprechend werden Mahnverfahren häufig an den Land-
kreis als zuständige Bußgeldstelle weitergegeben. Dies führt u. a. auch zu einem geringeren
Arbeitsaufwand für die Aufgabe der „Bußgeld- und Ordnungswidrigkeitenverfahren“ (30.4).
Für die Aufgaben der Aufgabengruppe 30 konnten 3 aufwandsprägende Merkmale bestimmt
werden. Die Anzahl der EW wird als aufwandsprägendes Merkmal mit einem Richtwert von
0,50 VZÄ je 10.000 EW und die Anzahl der Gewerbe mit 0,10 VZÄ je 125 angemeldeten
Gewerben berücksichtigt. Sofern eine Kommune einen eigenen Friedhof verwaltet, wird eine
fallzahlenbasierte Kennzahl von 1,00 VZÄ je 300 Bestattungen für die administrative Verwal-
tung (z. B. Erstellen von Grabmalgenehmigungen, Durchsetzung der Friedhofssatzung und
Friedhofsordnung) angesetzt. Die Kennzahl für das Friedhofswesen stellt einen kommunalen
Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Lediglich eine der Vergleichskommunen unterhielt einen gemeindeeigenen Friedhof, wobei
ein besonders umfangreicher Aufwand in der Aufgabenwahrnehmung bestand. Dies resul-
tierte insbesondere aus der Wahrnehmung nicht administrativer Leistungen. Weiterhin unter-
hielt eine Vergleichskommune einen Urnenfriedhof, dessen administrativer Unterhalt aller-
dings weitaus geringer und nicht mit dem Unterhalt eines normalen Friedhofs vergleichbar
war.
Die Modell-Gemeinde soll keinen eigenen Friedhof unterhalten.
Aufgabengruppe Ordnung und Sicherheit (30): Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
Variabler Bedarf
0,50 VZÄ je 10.000 EW
Anzahl der Gewerbe
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je 125 Gewerbe
Anzahl der Bestattungen
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 300 Bestattungen
(sofern Gemeinde eigenen
Friedhof verwaltet)
Im Falle weiterer Leistungen
wie z. B. Grabaushub etc.
zzgl. 1,00 VZÄ je 250 Bestat-
tungen
Erläuterungen: Die Aufgabengruppe wird mit 3 variablen Kennzahlen abgedeckt. Bis auf die Aufgaben 30.2
und 30.3 wird das Stellen-Soll durch die Einwohneranzahl wiedergegeben. Die Aufgabe 30.2 wird durch die
Anzahl der Gewerbe, die Aufgabe 30.3 durch die Anzahl der Bestattungen geprägt.

 
62
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 30 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
30.1
Ordnungsbehördliche
Aufgaben
Anzahl der EW
7.700
0,92
Ordnung
30.2
Gewerbeangelegen-
heiten einschließlich
Handwerksangele-
genheiten
Anzahl der Gewerbe
664
30.3
Friedhofswesen
Anzahl der Bestattungen
30.4
Bußgeld- und Ord-
nungswidrigkeiten-
verfahren
30.5
Gemeindlicher Voll-
zugsdienst
30.6
Geschwindigkeits-
kontrollen
30.7
Vollzug Sächsisches
Ausführungsgesetz
zum Glücksspiel-
staatsvertrag
30.8
Fundangelegenheiten
30.9
Schiedsstellen
Gesamt
0,92
[≙
0,12 VZÄ / TEW]
5.2.12 Aufgabengruppe 31 „Melde- und Personenstandswesen“
Die Aufgabengruppe „Melde- und Personenstandswesen“ (31) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
31.1
Meldeangelegenheiten
31.2
Ausweisangelegenheiten
31.3
Standesamt / Personenstand
31.4
Erfassung der Wehrpflichtigen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Melde- und Personenstandswesen“ (31) wie folgt dar:
0,19
0,18
0,14
0,23
0,21
0,16
0,23
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
31. Melde- und Personenstandswesen
(in VZÄ je 1.000 EW)

63
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grun-
de nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung
stehen. Für die Art der Aufgabenerfüllung besteht seitens der Gemeinde in der Regel ein
Gestaltungsspielraum.
Die Aufgaben der Aufgabengruppe 31 umfassen zahlreiche hoheitliche Aufgaben. Zu den
„Meldeangelegenheiten“ (31.1) gehören die Bearbeitung von An-, Ab- und Ummeldungen,
die Führung des Melderegisters, Beglaubigungen, die Bearbeitung von Beantragungen eines
Führungszeugnisses sowie Datenübermittlungen an andere Stellen.
Im Rahmen der Aufgabe „Ausweisangelegenheiten“ (31.2) erfolgt die Ausstellung von
Personalausweisdokumenten, zu denen der (vorläufige) Personalausweis, der (vorläufige)
Reisepass sowie der Kinderreisepass zählen. Grundlage hierfür bildet das Personal-
ausweisgesetz sowie die Personalausweisverordnung. Gemäß § 9 Personalausweisgesetz
haben Antragsteller persönlich zur Antragstellung zu erscheinen. Kommunen müssen daher
angemessene Öffnungszeiten ermöglichen. Zugleich ist eine elektronische Antragstellung
somit nicht möglich.
Zu den Dienstleistungen im Sinne des § 1 Personenstandsgesetz der Aufgabe „Standes-
amt / Personenstand“ (31.3) zählt die Beurkundung von Geburten, Eheschließungen und
Sterbefällen. Im Rahmen des Personenstandsregisters sind gemäß § 3 Personenstandsge-
setz Geburten-, Ehe- und Lebenspartnerschaften sowie Todesfälle zu registrieren. Ebenso
erfolgt die Bearbeitung von Angelegenheiten der Staatsangehörigkeit, Einbürgerungen sowie
Namensänderungen. Ferner erfolgen Beurkundungen und Beglaubigungen sowie die Aner-
kennung ausländischer Entscheidungen in Personenstandsangelegenheiten.
Die Aufgaben der Aufgabengruppe 31 werden in aller Regel im Einwohnermelde- sowie
Standesamt wahrgenommen.
Als Richtwert für die Stellenbemessung der Aufgabe „Meldeangelegenheiten“ (31.1) wurde
die Kennzahl 1,00 VZÄ je 3.000 Vorgänge zur Aufgabenwahrnehmung im gesetzlichen
Rahmen zugrunde gelegt. Die Anzahl der Vorgänge ist hierbei aufwandsprägendes Merkmal.
Aufgabe 31.1 Meldeangelegenheiten: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Vorgänge
1,00 VZÄ je 3.000 Vorgänge
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der Vorgänge orientiert.
Die Anzahl der Vorgänge ist ebenfalls aufwandsbestimmendes Merkmal der Aufgabe „Aus-
weisangelegenheiten“ (31.2). Als Richtwert wurde auch hier 1,00 VZÄ je 3.000 Vorgänge
angesetzt.
Aufgabe 31.2 Ausweisangelegenheiten: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Vorgänge
1,00 VZÄ je 3.000 Vorgänge
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der Vorgänge orientiert.
Zur Berücksichtigung der starken Volatilität der Fallaufkommen wurde für die Aufgabe „Aus-
weisangelegenheiten“ (31.2) zur Soll-Bestimmung der Mittelwert der Fallzahlen der Jahre
2015 und 2016 in den Vergleichskommunen verwendet. Dadurch sollen auch Jahre mit stark
erhöhten Fallzahlen berücksichtigt werden, um bestmöglich die reale Aufwandsbestimmung
abzubilden und die Validität der Bemessung zu erhöhen. Starke Schwankungen in den Fall-
zahlen der Aufgabengruppe „Ausweisangelegenheiten“ (31.2) sind vor dem Hintergrund ver-

64
gleichbarer Erhebungen nicht unüblich und resultieren aus der gesetzlich festgelegten Gül-
tigkeit von Personalausweisdokumenten.
Die Aufgaben im Bereich „Standesamt / Personenstand“ (31.3) werden rechnerisch durch
eine variable Kennzahl mit Bezug auf die EW ermittelt. Dafür besteht ein aufwandbestim-
mender Richtwert von 0,10 VZÄ je 1.000 EW.
Aufgabe 31.3 Standesamt / Personenstand: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
0,10 VZÄ je 1.000 EW
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der EW orientiert.
Grundsätzlich wurde im Rahmen der Organisationsuntersuchung deutlich, dass bei
der Mehrheit der Vergleichskommunen eine Vertretungsregelung der Mitarbeitenden
in den Aufgaben „Meldeangelegenheiten“ (31.1) und „Ausweisangelegenheiten“ (31.2)
besteht. Dies wird unter aufgabenkritischen Gesichtspunkten als empfehlenswert und
fachlich angemessen gesehen.
Beurkundungen und Beglaubigungen für Zwecke des Personenstandswesens dürfen gemäß
§ 2 PStG im Standesamt nur von hierzu bestellten Urkundspersonen (Standesbeamten) vor-
genommen werden. Insbesondere die Vertretung ist daher von kleineren Kommunen schwie-
rig zu sichern. Nach § 2 SächsAGPStG sollen daher Gemeinden mit weniger als 5.000 Ein-
wohnern mit benachbarten Gemeinden desselben Landkreises nach Maßgabe des Sächs-
KomZG einen gemeinsamen Standesamtsbezirk mit einem Standesamt bilden. Es zeigte
sich bei den Vergleichskommunen deutlich, dass sich eine interkommunale Zusammenarbeit
zur Aufgabensicherung aufgrund der gesetzlichen Standards der Aufgabenwahrnehmung
auch in der Größenklasse über 5.000 EW als sinnvoll erweist. Eine der untersuchten Ver-
gleichskommunen hatte die Aufgabe „Standesamt / Personenstand“ (31.3) durch Zweckver-
einbarung zur Erledigung auf eine andere Kommune übertragen, während eine andere Ver-
gleichskommune die standesamtlichen Aufgaben für weitere Kommunen übernahm.
Insbesondere kleinere Kommunen sollten vor dem Hintergrund der speziellen Anfor-
derungen die Möglichkeit zur interkommunalen Zusammenarbeit nutzen.
Die Aufgabe der „Erfassung der Wehrpflichtigen“ (31.4) beinhaltet die Meldung von Männern
ab dem Eintritt in das wehrpflichtige Alter an die Kreiswehrersatzämter. Die Aufgabe „Erfas-
sung der Wehrpflichtigen“ (31.4) wird aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht zum
01.07.2011 gemäß dem Wehrrechtsänderungsgesetz vorläufig nicht wahrgenommen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 31 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
31.1
Meldeangelegenheiten
Anzahl der Vorgänge
1.500
0,50
Ordnung
31.2
Ausweisangelegenheiten
Anzahl der Vorgänge
1.765
0,59
31.3
Standesamt / Personen-
stand
Anzahl EW
7.700
0,77
31.4
Erfassung der Wehr-
pflichtigen
Gesamt
1,86
[≙
0,24 VZÄ / TEW]

 
65
5.2.13 Aufgabengruppe 32 „Ausländer, Staatsangehörigkeit“
Die Aufgabengruppe „Ausländer, Staatsangehörigkeit“ (32) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
32.1
Mitwirkung bei der Schaffung der Unterbringungseinrichtungen
32.2
Flüchtlings- und Integrationsaufgaben
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grun-
de nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung
stehen.
Die Unterbringungspflicht von Asylbewerbern liegt gem. § 2 Abs. 1 SächsFlüAG beim Land-
kreis und den Kreisfreien Städten. Dennoch haben die Kommunen gemäß § 3 Abs. 3 des
SächsFlüAG eine Mitwirkungspflicht bei der Schaffung von Unterbringungseinrichtungen,
insbesondere durch die Bereitstellung oder Benennung von geeigneten Grundstücken und
Gebäuden zur Nutzung als Unterkünfte im Sinne des § 3 Abs. 1 SächsFlüAG.
43
Zwei Vergleichskommunen verfügten über keine Unterkunft für Asylbewerber im Gemeinde-
gebiet. Vier Kommunen hingegen hatten eine Sammelunterkunft oder dezentrale Unterkünf-
te. Hierbei bestanden Kapazitäten bis maximal 100 Personen.
Unabhängig davon, ob in der Gemeindeverwaltung eine (Sammel-)Unterkunft für Asylbewer-
ber gemäß § 3 Abs. 3 SächsFlüAG existent ist, bestanden für die Aufgabe der „Mitwirkung
bei der Schaffung der Unterbringungseinrichtungen“ (32.1) keine oder unterhalb von 0,05
VZÄ liegende
Stellenanteile.
Ebenso wurde im Erhebungszeitraum die Aufgabe „Flüchtlings- und Integrationsaufgaben“
(32.2) nur im geringen Umfang in den Vergleichskommunen wahrgenommen, wobei die Stel-
lenanteile unterhalb der allgemeingültigen Bemessungsuntergrenze
44
der Erhebung lagen.
Im Einzelfall wurden Teile der Aufgabe von Vereinen in freiwilliger Form erbracht.
Weitere Aufgaben in der Aufgabengruppe „Ausländer, Staatsangehörigkeit“ (32), wie die Ko-
ordinierung der Flüchtlingsarbeit und die Zusammenarbeit mit den gesetzlichen Unterbrin-
gungsbehörden, wurden in der Mehrzahl der Kommunen mit einem geringen Stellenanteil
durch den Bürgermeister in seiner Funktion als Leiter der Verwaltung wahrgenommen.
In der Modell-Gemeinde wird die Aufgabengruppe 32 nicht bemessen.
5.2.14 Aufgabengruppe 33 „Straßenverkehr“
Die Aufgabengruppe „Straßenverkehr“ (33) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
33.1
Verkehrslenkung, Verkehrssicherung
33.2
Verkehrsplanung
33.3
Verkehrsrechtliche Anordnungen und Genehmigungen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Straßenverkehr“ (33) wie folgt dar:
43
Weiterhin sind gemäß § 6 Abs. 4 SächsFlüAG die kreisangehörigen Gemeinden dazu verpflichtet, un-
terzubringende Ausländer aufzunehmen.
44
Die Bemessungsuntergrenze lag in der Regel bei einem Stellenanteil von 0,05 VZÄ.

66
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe „Straßenverkehr" (33) handelt es sich um Pflicht-
aufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkriti-
schen Aufgabenbetrachtung stehen. Die Aufgaben „Verkehrslenkung, Verkehrssicherung“
(33.1), „Verkehrsplanung“ (33.2), „Verkehrsrechtliche Anordnungen und Genehmigungen“
(33.3) wurden zwecks Bemessung nebst Unteraufgaben zu einer Aufgabe zusammenge-
fasst.
Für jede Kommune wurde eine Grundausstattung von 0,10 VZÄ vorausgesetzt. Zur Berück-
sichtigung des aufwandsprägenden Merkmals „Anzahl der EW“ wurde ein Richtwert von 1,00
VZÄ je 20.000 EW sowie 1,00 VZÄ je 25.000 EW für die Aufgabenerfüllung als Große Kreis-
stadt hinzu addiert. Die Kennzahl stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrach-
tung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar. Dabei korreliert die Aufgabenintensität mit der
Einwohnerzahl.
Insbesondere die Aufgabe der verkehrsrechtlichen Anordnungen und Genehmigungen (33.3)
ist zunehmend Gegenstand interkommunaler Zusammenarbeit. Regelmäßig werden die Auf-
gaben von kleineren Gemeinden auf größere Kommunen per Zweckvereinbarung übertra-
gen, da die sachgerechte Aufgabenerfüllung nicht mehr leistbar ist.
Insbesondere kleinere
Kommunen sollten vor dem Hintergrund der speziellen Anforderungen die Möglichkei-
ten der interkommunalen Zusammenarbeit nutzen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 33 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
0,06
0,03
0,07
0,08
0,04
0,05
0,14
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
33. Straßenverkehr
(in VZÄ je 1.000 EW)
Aufgaben 33.1 Verkehrslenkung, Verkehrssicherung, 33.2 Verkehrsplanung und 33.3 Verkehrsrechtliche An-
ordnungen und Genehmigungen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
Grundbedarf
0,10 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 20.000 EW zzgl.
1,00 VZÄ je 25.000 EW für die
Aufgabenerfüllung als Große
Kreisstadt
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,10 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zur Einwohnerzahl sowie der Aufgabenerfüllung als Große Kreisstadt gebildet.

 
67
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
33.1
Verkehrslenkung,
Verkehrssicherung
Festwert sowie
Anzahl der EW
7.700
0,49
Ordnung
33.2
Verkehrsplanung
33.3
Verkehrsrechtliche
Anordnungen und
Genehmigungen
Gesamt
0,49
[≙
0,06 VZÄ/ TEW]
5.2.15 Aufgabengruppe 34 „Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz“
Die Aufgabengruppe „Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz“ (34) umfasst
folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
34.1
Feuerschutz
34.2
Mitwirkung beim Katastrophenschutz
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz“ (34) wie folgt dar:
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe „Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophen-
schutz“ (34) handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind
und damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen. Für die Art der Auf-
gabenerfüllung besteht seitens der Gemeinde in der Regel ein Gestaltungsspielraum.
Die Gemeinde als örtliche Brandschutzbehörde hat gem. § 6 SächsBRKG insbesondere die
Aufgabe, eine den örtlichen Verhältnissen entsprechende leistungsfähige öffentliche Feuer-
wehr aufzustellen, auszurüsten und zu erhalten. Darüber hinaus beinhaltet die Aufgabe
„Feuerschutz“ (34.1) auch Verwaltungstätigkeiten zur Geltendmachung des Ersatzes von
Kosten bei Einsatz der Feuerwehr. Bei der Aufgabe „Mitwirkung beim Katastrophenschutz“
(34.2) hat die Gemeinde Mitwirkungspflichten nach § 39 Abs. 2 SächsBRKG zu erfüllen, u. a.
die unverzügliche Abgabe von Meldungen über Katastrophen und schwere Schadensereig-
nisse sicherzustellen oder an gemeinsamen Katastrophenschutzübungen teilzunehmen.
Aufgrund der inhaltlichen Nähe der Aufgaben „Feuerschutz“ (34.1) und „Mitwirkung am
Katastrophenschutz“ (34.2) erfolgte eine gemeinsame Bemessung. Als aufwandsprägendes
Merkmal wurde die Anzahl der Ortsfeuerwehren bestimmt. Als Kennzahl wurden 0,10 VZÄ je
0,05
0,07
0,02
0,05
0,04
0,03
0,11
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
34. Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz
(in VZÄ je 1.000 EW)

68
2 Ortsfeuerwehren sowie eine aufwandsunabhängige Grundausstattung von 0,25 VZÄ
festgesetzt.
Aufgaben 34.1 Feuerschutz und 34.2 Mitwirkung beim Katastrophenschutz: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Ortsfeuerwehren
Grundbedarf
0,25 VZÄ
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je 2 Ortsfeuerweh-
ren
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,25 VZÄ zuerkannt. Zusätzlich werden die Soll-
Stellenanteile durch einen variablen Bedarf von 0,10 VZÄ je 2 Ortsfeuerwehren gebildet.
Eine sach- und fristgerechte Bearbeitung der Kostenersatzbescheide nach § 69
SächsBRKG ist vor dem Hintergrund der rechtzeitigen Einnahmebeschaffung und
rechtssicheren Vollstreckung von Kostenbescheiden angebracht.
Die Kommunen
haben sicherzustellen, dass ihnen die Einsatzberichte zeitnah von den Wehrleitern
übermittelt werden. Dies ist auch durch eine klare Verantwortungsgliederung und
Prozessbeschreibung zu ermöglichen.
Die Bündelung der Aufgaben auf möglichst einen
zentralen Ansprechpartner wird empfohlen.
Eine Vergleichskommune unterhielt ein eigenes Feuerwehrtechnisches Zentrum (FTZ). Der
Betrieb eines eigenen FTZ ist bei Kommunen dieser Größenordnung aufgabenkritisch zu
hinterfragen, da dieses grundsätzlich auf Ebene der Landkreise anzusiedeln ist. Es sollte
geprüft werden, ob eine entsprechende feuerwehrtechnische Einrichtung des jeweiligen
Landkreises in Anspruch genommen werden kann.
Vor allem kleinere Gemeinden im ländlichen Raum sind insbesondere wegen der demogra-
phischen Entwicklung vom Mitgliederrückgang in den Freiwilligen Feuerwehren besonders
betroffen. Zur Sicherstellung des flächendeckenden Brandschutzes kommt der intensiveren
Zusammenarbeit der Gemeinden eine immer größere Bedeutung zu.
Den Kommunen mit
5.000 EW bis 10.000 EW wird deshalb empfohlen, Möglichkeiten einer interkommuna-
len Zusammenarbeit zu prüfen.
Die Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen
2020“
45
empfiehlt insbesondere den Abschluss von Lösch- und Hilfeleistungsvereinbarungen
zwischen den Gemeinden und die gemeinsame Nutzung von Feuerwehrhäusern. Auch ge-
plante Beschaffungen sollten unter Berücksichtigung der Ausrüstung benachbarter Feuer-
wehren auf ihre Notwendigkeit bzw. kostengünstigere Möglichkeiten der Sammelbeschaffung
überprüft werden.
Im Falle der Modell-Gemeinde wird von 5 Ortsfeuerwehren ausgegangen. Es wird darüber
hinaus kein eigenes FTZ betrieben. Unter Anwendung der oben dargestellten Kennzahl
ergibt sich ein Stellen-Soll von 0,50 VZÄ.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 34 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
34.1
Feuerschutz
Festwert sowie
Anzahl der Ortsfeuer-
wehren
5
0,50
Ordnung
34.2
Mitwirkung beim
Katastrophenschutz
Gesamt
0,50
[≙
0,06 VZÄ / TEW]
45
Vgl. Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“ vom Juni 2014.

 
69
5.2.16 Aufgabengruppe 40 „Schule“
Die Aufgabengruppe „Schule“ (40) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
40.1
Mitwirkung bei der Schulnetzplanung
40.2
Schulträgeraufgaben
40.3
Sekretariatsangelegenheiten und Schulsachbearbeitung vor Ort
40.4
Pädagogische Betreuung in Internaten und Wohnheimen in Trägerschaft der Kommune
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Schule“ (40) wie folgt dar:
Das SächsSchulG (insbesondere § 23 SächsSchulG) sowie die entsprechenden Verordnun-
gen des Freistaates Sachsen (z. B. SächsSchulnetzVO) sind zentrale gesetzliche Grund-
lagen der Aufgabengruppe „Schule“ (40). Die Aufgabengruppe ist somit eine Pflichtaufgabe,
die außerhalb zweckkritischer Betrachtungen steht. Für die Art der Aufgabenerfüllung be-
steht seitens der Gemeinde in der Regel ein Gestaltungsspielraum.
Im Rahmen ihrer gesetzlichen Aufgaben gemäß § 22 SächsSchulG waren alle Vergleichs-
kommunen zumindest Träger einer Grundschule. Vereinzelt wurde auch die Trägerschaft
von Oberschulen wahrgenommen.
Darüber hinaus sind Kommunen gemäß § 23a SächsSchulG für die „Mitwirkung an der
Schulnetzplanung“ (40.1) der Landkreise verantwortlich, wenn Schulen in Trägerschaft des
Landkreises in dem Gemeindegebiet vorhanden sind.
Aufgrund der inhaltlichen Nähe erfolgt für die Aufgaben „Mitwirkung an der Schulnetz-
planung“ (40.1) und „Schulträgeraufgaben“ (40.2) eine summarisch kennzahlenorientierte
Bemessung und Bildung des Richtwertes. Als Kennzahl gilt 1,00 VZÄ je 10 Schulen sowie
1,00 VZÄ je 3.500 Schüler.
46
46
Dies entspricht der Bemessung der Beratenden Äußerung des SRH „Organisationsempfehlungen für
sächsische Landkreise zur mittelfristigen Umsetzung bis zum Jahr 2020“.
0,20
0,25
0,15
0,28
0,16
0,10
0,24
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
40. Schule
(in VZÄ je 1.000 EW)

70
Aufgaben 40.1 Mitwirkung bei der Schulnetzplanung und 40.2 Schulträgeraufgaben: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Schulen
Anzahl der Schüler
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 10 Schulen
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 3.500 Schüler
Erläuterungen: Die Aufgabengruppe wird mit 2 variablen Kennzahlen abgedeckt. Aufwandsprägend für die
Soll-Stellenanteile ist die Anzahl der Schulen sowie die Anzahl der Schüler.
Aufgrund der inhaltlichen Nähe erfolgt für die Aufgaben der „Sekretariatsangelegenheiten
und Schulsachbearbeitung vor Ort“ (40.3) aller 3 Schularten eine summarisch kennzahlen-
orientierte Bemessung und Bildung des Richtwertes. Als aufwandsbestimmendes Merkmal
wurden sowohl die Anzahl der Schulen als auch die Anzahl der Schüler identifiziert. Als
Kennzahl gilt 1,00 VZÄ je 4 Schulen sowie 0,10 VZÄ je 60 Schüler.
47
Aufgaben 40.3 Sekretariatsangelegenheiten und Schulsachbearbeitung vor Ort: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Schulen
Anzahl der Schüler
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 4 Schulen
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je 60 Schüler
Erläuterungen: Die Aufgabengruppe wird mit 2 variablen Kennzahlen abgedeckt. Aufwandsprägend für die
Soll-Stellenanteile ist die Anzahl der Schulen sowie die Anzahl der Schüler.
Die Vergleichskommunen unterhielten keine Internate oder Wohnheime zur pädagogischen
Betreuung Jugendlicher in eigener Trägerschaft, weshalb für die Aufgabe „Pädagogische
Betreuung in Internaten und Wohnheimen in Trägerschaft der Kommune“ (40.4) keine Stel-
lenanteile bestanden. Die Aufgabe wurde daher nicht bemessen.
In der Regel ist eine Sekretariatsstelle pro Schule mit je einem Mitarbeiter besetzt. Dadurch
ist an der jeweiligen Schule grundsätzlich keine Stellvertretung vor Ort möglich. In den Ver-
gleichskommunen wird die Problematik teilweise durch Einbeziehung von Mitarbeitern der
Verwaltung in die Vertreterregelung oder die Auslagerung bestimmter Sekretariatstätigkeiten
auf ein anderes Schulsekretariat gelöst.
Eine klare Vertretungsregelung zur Gewährleis-
tung der Sekretariatstätigkeit wird empfohlen.
Insgesamt unterhält die Modell-Gemeinde 3 Schulen unterschiedlicher Schulformen mit ins-
gesamt 585 Schülern. Bei Anwendung der entsprechenden Kennzahlen ergibt sich ein Stel-
len-Soll von 2,20 VZÄ.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 40 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
40.1
Mitwirkung bei der
Schulnetzplanung
Anzahl Schulen
3
0,47
Hauptamt
40.2
Schulträgeraufgaben
Anzahl der Schüler
585
40.3
Sekretariatsangelegen-
heiten und Schulsach-
bearbeitung vor Ort
Anzahl Schulen
3
1,73
Anzahl der Schüler
585
40.4
Pädagogische Betreu-
ung in Internaten und
Wohnheimen in Träger-
schaft der Kommune
Gesamt
2,20
[≙
0,29 VZÄ / TEW]
47
Vgl. vorherige Fußnote.

 
71
5.2.17 Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“
Die Aufgabengruppe „Kultur- und Sportförderung“ (41) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
41.1
Konzeption / Planung / Förderung in der Gemeinde (in der Kernverwaltung) z. B. Sportstättenbe-
darfsplanung
41.2
Sport- und Vereinsförderung inkl. Steuerung / Organisation von Schwimmbädern / Freibad (kein
Betrieb)
41.3
Kulturelle Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde z. B. Bibliothek, Museum, …
41.4
Förderung des Ehrenamtes
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Kultur- und Sportförderung“ (41) wie folgt dar:
Die Kulturpflege ist gemäß § 2 Abs. 1 SächsKRG Pflichtaufgabe der Gemeinden und Land-
kreise. Letztere sind gemäß § 1 SächsKRG zur Bildung von Kulturräumen verpflichtet. Die
Aufgabengruppe „Kultur- und Sportförderung“ (41) steht ihrem Status einer Pflichtaufgabe
entsprechend nicht zur grundsätzlichen Disposition. Mit Bezug auf organisatorische Aufga-
benklassifizierungen sind die Aufgaben der Aufgabengruppe „Kultur- und Sportförderung“
(41) der Aufgabenart der weniger quantifizierbaren sowie den dispositiv-kreativen Aufgaben
zuzuordnen. Zugleich besteht in der Wahrnehmung der Aufgaben ein erheblicher Gestal-
tungsspielraum in Art, Intensität und Zeit. Die Wahrnehmung der einzelnen Aufgaben der
Aufgabengruppe ist daher in Intention und Umfang primär abhängig von:
den zur Verfügung stehenden kulturellen und historischen Potenzialen und Traditio-
nen der Gemeinde,
der Finanzkraft der Kommune,
dem Engagement der ortsansässigen Bürger,
der finanziellen Unterstützung durch den jeweiligen Kulturraum,
der kulturpolitischen Schwerpunktsetzung der gewählten Gemeindevertreter sowie
des Bürgermeisters.
Für die Aufgaben „Konzeption / Planung / Förderung in der Gemeinde (in der
Kernverwaltung) z. B. Sportstättenbedarfsplanung“ (41.1) sowie „Sport- und
Vereinsförderung inkl. Steuerung / Organisation von Schwimmbädern / Freibad (kein
0,19
0,12
0,10
0,76
0,17
0,20
0,64
0,00
0,10
0,20
0,30
0,40
0,50
0,60
0,70
0,80
Median
1
2
3
4
5
6
41. Kultur- und Sportförderung
(in VZÄ je 1.000 EW)

72
Betrieb)“ (41.2) erfolgte eine summarische Betrachtung und Stellenanalyse. Die
Berücksichtigung der Anzahl an Vereinen als aufwandsprägendes Merkmal ist geboten. Für
die Bemessung wurde eine Kennzahl von 0,10 VZÄ je 20 Kultur- und Sportvereine zugrunde
gelegt. Hinzu kommt ein Festwert von 0,10 VZÄ, wenn in der Kommune ein Schwimmbad /
Freibad vorhanden ist. Der Festwert gilt für die administrative Steuerung der Organisation
und Verwaltung des Bades. Eine darüber hinaus gehende Stellenbemessung des Bades
erfolgt aufgrund der in der kommunalen Praxis unterschiedlichsten Formen der
Wahrnehmung (Eigenbetrieb, Betrieb durch Verein oder Betrieb durch privaten Träger) nicht.
Es ist zu berücksichtigen, dass die Betreuung der Bäder durch die beschäftigten
Fachangestellten für Bäderbetriebe vom Richtwert nicht umfasst wird.
Aufgaben 41.1 Konzeption / Planung / Förderung in der Gemeinde und 41.2 Sport- und Vereinsförderung inkl.
Steuerung / Organisation von Schwimmbädern / Freibad (kein Betrieb): Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Kultur- und Sportverei-
ne
Grundbedarf
0,10 VZÄ (sofern ein
Schwimmbad / Freibad vor-
handen ist)
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je 20 Sport- und
Kulturvereine
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,10 VZÄ zuerkannt, sofern ein Schwimmbad /
Freibad vorhanden ist. Darüber hinaus wird ein variabler Bedarf in Relation zur Anzahl der Kultur- und Sport-
vereine gebildet.
Für die Aufgaben „Kulturelle Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde z. B. Bibliothek,
Museum, …“ (41.3) sowie „Förderung des Ehrenamts“ (41.4) erfolgte eine gemeinsame Be-
trachtung und Stellenanalyse. Als aufwandsprägendes Merkmal wurde die Anzahl der EW
identifiziert. Als Richtwert gilt hierbei 1,00 VZÄ je 8.000 EW.
Aufgaben 41.3 Kulturelle Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde z. B. Bibliothek, Museum,… und
41.4 Förderung des Ehrenamtes: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
1,00 VZÄ je 8.000 EW
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der EW orientiert.
Bei den Aufgaben der „Kultur- und Sportförderung“ (41) handelt es sich überwiegend
um freiwillige Aufgaben, welche die Kommunen im Rahmen ihrer kommunalen Selbst-
verantwortung erledigen können. Dabei gilt jedoch immer der Grundsatz der Wirt-
schaftlichkeit und Sparsamkeit, das heißt der Betrieb von kulturellen Einrichtungen
muss im Verhältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit der Kommunen stehen. Es liegt
in der Eigenverantwortung der Kommune und deren gewählter Organe, einen beson-
deren Umfang freiwilliger Aufgaben entgegen dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit und
Sparsamkeit zu legitimieren.
Für die Modell-Gemeinde wird davon ausgegangen, dass kein eigenständiges Schwimm-
oder Freibad zu unterhalten ist. Es wird von einem Betrieb durch Dritte (z. B. einen Verein)
ausgegangen, der lediglich zu einem Steuerungsaufwand für die Gemeinde führt. Die Anzahl
der geförderten Vereine beträgt 53. Zur Aufgabenwahrnehmung besteht unter Anwendung
der Kennzahl ein Stellen-Soll von 1,33 VZÄ.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 41 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:

 
73
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägen-
des Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
41.1
Konzeption / Planung / För-
derung in der Gemeinde (in
der Kernverwaltung) z. B.
Sportstättenbedarfsplanung
Festwert sowie
Anzahl der Kultur-
und Sportvereine
53
0,37
Hauptamt
41.2
Sport- und Vereinsförderung
inkl. Steuerung / Organi-
sation von Schwimmbädern /
Freibad (kein Betrieb)
41.3
Kulturelle Einrichtungen in
Trägerschaft der Gemeinde
z. B. Bibliothek, Museum, …
Anzahl der EW
7.700
0,96
41.4
Förderung des Ehrenamtes
Gesamt
1,33
[≙
0,17 VZÄ / TEW]
5.2.18 Aufgabengruppe 50 „Soziales“
Die Aufgabengruppe „Soziales“ (50) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
50.1
Die Landkreise können durch Satzung die Durchführung der ihnen als Träger der Grundsicherung
für Arbeitsuchende und als Träger der Sozialhilfe obliegenden Aufgaben den kreisangehörigen
Gemeinden, Verwaltungsverbänden oder erfüllenden Gemeinden für die Verwaltungsgemein-
schaft ganz oder teilweise übertragen.
50.2
Beteiligung an der Sozialplanung
50.3
Zusammenarbeit mit freien und öffentlichen Trägern der Sozialhilfe
50.4
Durchführung eigener Maßnahmen der Sozialarbeit
50.5
Wohnberechtigungsschein
Die Landkreise können durch Satzung die Durchführung der ihnen als Träger der
Grundsicherung für Arbeitsuchende und als Träger der Sozialhilfe obliegenden Aufgaben
den kreisangehörigen Gemeinden, Verwaltungsverbänden oder erfüllenden Gemeinden für
die Verwaltungsgemeinschaft ganz oder teilweise übertragen (vgl. § 11a Abs. 1
SächsAGSGB). In keiner der Vergleichskommunen war dies der Fall. Lediglich eine
Kommune setzte als freiwillige Leistung Stellenanteile für die Unterstützung bei der
Antragstellung ein.
Grundsätzlich zeigten sich äußerst geringe Stellenanteile, die keine valide Bemessung er-
möglichten. Für die Aufgaben der Aufgabengruppe „Soziales“ (50) wird ein übergreifender
Festwert von 0,10 VZÄ angesetzt. Der Festwert stellt einen kommunalen Vergleichswert aus
der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Teilweise wurden in den Vergleichskommunen auf freiwilliger Basis Aufgaben aus dem Be-
reich „Soziales“ (50), z. B. Beratungsleistungen im Rahmen von Antragstellungen (u. a. zur
Rundfunkgebührenbefreiung, Schwerbehinderung und Sozialhilfe) oder Maßnahmen zur
Seniorenbetreuung wie die Ausrichtung von Geburtstags- oder Weihnachtsfeiern, Busausflü-
ge oder die Mitgliederverwaltung des Seniorenclubs wahrgenommen.
Soweit die Aufgaben
auch weiterhin mit einem über dem ermittelten Stellenbedarf hinausgehenden Perso-
naleinsatz erbracht werden sollen, sollte der Stadt- / Gemeinderat über den Umfang
der Aufgabenwahrnehmung befinden.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 50 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:

 
74
Nr.
Aufgaben
Aufwands-
prägendes
Merkmal
Menge
Stellen-
Soll in
VZÄ
Organisations-
einheit
50.1
Die Landkreise können durch Satzung
die Durchführung der ihnen als Träger
der Grundsicherung für Arbeitsuchende
und als Träger der Sozialhilfe obliegen-
den Aufgaben den kreisangehörigen
Gemeinden, Verwaltungsverbänden oder
erfüllenden Gemeinden für die Verwal-
tungsgemeinschaft ganz oder teilweise
übertragen
Festwert
0,10
Hauptamt
50.2
Beteiligung an der Sozialplanung
50.3
Zusammenarbeit mit freien und öffentli-
chen Trägern der Sozialhilfe
50.4
Durchführung eigener Maßnahmen der
Sozialarbeit
50.5
Wohnberechtigungsschein
Gesamt
0,10
[≙
0,01 VZÄ /TEW]
5.2.19 Aufgabengruppe 51 „Jugend“
Die Aufgabengruppe „Jugend“ (51) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
51.1
Beteiligung an der Jugendhilfeplanung
51.2
Abgabe jugendhilfeplanerischer Stellungnahmen zu Bauvorhaben
51.3
Zusammenarbeit mit freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe
51.4
Aufgaben im Zusammenhang mit Kindertageseinrichtungen und -pflegestellen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Jugend“ (51) wie folgt dar:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Jugend“ (51) handelt es sich sowohl um Pflichtauf-
gaben als auch um freiwillige Aufgaben. Gemäß § 1 LJHG sind die Landkreise und kreis-
freien Städte örtliche Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Damit sind die Aufgaben, „Abgabe
0,06
0,12
0,04
0,07
0,04
0,09
0,06
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
51. Jugend
(in VZÄ je 1.000 EW)

75
jugendhilfeplanerischer Stellungnahmen zu Bauvorhaben“ (51.2) sowie „Zusammenarbeit mit
freien und öffentlichen Trägern der Jugendhilfe“ (51.3) freiwillige Aufgaben der Kommunen.
Die „Beteiligung an der Jugendhilfeplanung“ (51.1) ist hingegen eine Pflichtaufgabe.
Für die Aufstellung der Bedarfsplanung ist gemäß § 8 SächsKitaG der zuständige örtliche
Träger der öffentlichen Jugendhilfe (Landkreis) zuständig. Es besteht keine gesonderte
Ausweisung von Planungszuständigkeiten der Gemeinden. Aufgaben im Zusammenhang mit
der Bedarfsplanung von Kindertageseinrichtungen sind daher grundsätzlich freiwillige, aber
dennoch notwendige Aufgaben.
Für die Aufgaben „Beteiligung an der Jugendhilfeplanung“ (51.1), „Abgabe jugendhilfeplane-
rischer Stellungnahmen zu Bauvorhaben“ (51.2) und „Zusammenarbeit mit freien und öffent-
lichen Trägern der Jugendhilfe“ (51.3) wurde ein Festwert von 0,10 VZÄ definiert. Der Fest-
wert stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungs-
strukturen dar. Für diese Aufgaben sind in erster Linie die Landkreise verantwortlich, die
Kommunen können jedoch auch eigene (zumeist freiwillige) Leistungen, z. B. in der Jugend-
sozialarbeit anbieten.
Gemäß § 9 Abs. 3 SächsKitaG sind Gemeinden zur Übernahme der Trägerschaft von Kin-
dertageseinrichtungen verpflichtet, wenn kein Träger der freien Jugendhilfe vorhanden oder
bereit ist, die Errichtung oder den Betrieb einer im Bedarfsplan als erforderlich ausgewiese-
nen Kindertageseinrichtung zu übernehmen. Die Pflichtaufgaben sind dem Grunde nach
nicht disponibel und stehen damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung. Die
Wahrnehmung der Aufgabe ist stark von den örtlichen Begebenheiten abhängig, wozu u. a.
die Anzahl der Kindertageseinrichtungen in eigener und freier Trägerschaft zählt.
Zu den „Aufgaben im Zusammenhang mit Kindertageseinrichtungen und -pflegestellen“
(51.4) zählen insbesondere administrative Aufgaben zum Betrieb und Unterhaltung eigener
Kindertageseinrichtungen, darunter die Ermittlung des aktuellen Personalbedarfs der
Kindertageseinrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde. Die Kennzahl für die „Aufgaben im
Zusammenhang mit Kindertageseinrichtungen und -pflegestellen“ (51.4) stellt einen
kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Aufwandsprägendes Merkmal für die Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde ist die
Anzahl der Kinder. Für die Steuerung (u. a. Betriebskostenabrechnung) der Einrichtungen in
freier Trägerschaft wird die Anzahl der Einrichtungen als aufwandsprägendes Merkmal
herangezogen.
Aufgabe 51.4 Aufgaben im Zusammenhang mit Kindertageseinrichtungen und -pflegestellen: Ableitung der
Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Kinder in Einrichtungen
in Trägerschaft der Gemeinde
Anzahl der Einrichtungen in freier
Trägerschaft
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 500 Kinder in
Kindertageseinrichtungen in
kommunaler Trägerschaft
Variabler Bedarf
0,10 VZÄ je Einrichtung in
freier Trägerschaft
Erläuterungen: Die Aufgabengruppe wird mit 2 variablen Kennzahlen abgedeckt. Gemeindliche Kindertages-
einrichtungen prägen den Soll-Stellenaufwand durch die Anzahl der Kinder. Für Kindetageseinrichtungen in
freier Trägerschaft wird ein Aufwand in Relation zu der Anzahl der Einrichtungen definiert.
In den Vergleichskommunen erfolgte z. T. eine laufende Personalplanung über das Jahr in
Abstimmung mit den Einrichtungsleitern. Als positiv zu bewerten ist, dass das Personal teil-
weise auch standortübergreifend tätig ist.
In 2 der Vergleichskommunen konnten Betreuungszeiten durch die Eltern monatlich ange-
passt werden und mussten dazu bei der Stadtverwaltung angemeldet werden. Eine Ver-
gleichskommune ermöglichte es den Eltern auch, Kinder über die Sommerferien für wenige
Wochen von der Kindertageseinrichtung abzumelden.
Diese zusätzliche Leistung der ört-
lichen Verwaltung sollte in Anbetracht des Mehraufwands kritisch hinterfragt werden,

 
76
insbesondere weil hierdurch eine zusätzliche monatliche Personaleinsatzplanung er-
forderlich ist.
In den Vergleichskommunen mit Kindertageseinrichtungen in unterschiedlicher freier Träger-
schaft war z. T. ein erhöhter Aufwand dadurch zu verzeichnen, dass es bislang noch nicht
gelungen war, einheitliche Vertragsgestaltungen, Anforderungen / Formulare für die Haus-
haltsplanung und Betriebskostenabrechnungen zu etablieren.
Es sollte seitens der Kom-
munen angestrebt werden, die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen freien Trä-
gern weitgehend zu vereinheitlichen und zu standardisieren, um den Mehraufwand
durch die unterschiedliche Bearbeitung zu reduzieren.
In der Modell-Gemeinde werden 203 Kinder in Einrichtungen in Trägerschaft der Gemeinde
betreut. Darüber hinaus sind 3 Kindertageseinrichtungen in freier Trägerschaft vorhanden.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 51 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
51.1
Beteiligung an der Ju-
gendhilfeplanung
Festwert
0,10
Hauptamt
51.2
Abgabe jugendhilfeplane-
rischer Stellungnahmen
zu Bauvorhaben
51.3
Zusammenarbeit mit
freien und öffentlichen
Trägern der Jugendhilfe
51.4
Aufgaben im Zusam-
menhang mit Kinderta-
geseinrichtungen und -
pflegestellen
Anzahl der Kinder in
Einrichtungen in Trä-
gerschaft der Gemein-
de
203
0,71
Anzahl der Einrichtun-
gen in freier Träger-
schaft
3
Gesamt
0,81
[≙
0,11 VZÄ / TEW]
5.2.20 Aufgabengruppe 60 „Räumliche Planung und Entwicklung“
Die Aufgabengruppe „Räumliche Planung und Entwicklung“ (60) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
60.1
Aufgaben der Gemeindeplanung
60.1.1
Bauleitplanung (FNP + B-Plan)
60.1.2
Städtebauliche Sanierungsmaßnahmen
60.1.3
Beteiligung und Anhörung bei Bauanträgen
60.1.4
Breitbandausbau
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Räumliche Planung und Entwicklung“ (60) wie folgt dar:

77
Die „Aufgaben der Gemeindeplanung“ (60.1) umfassen originäre Zuständigkeiten insbeson-
dere für folgende Teilaufgaben:
Bauleitplan-Verfahren,
Aufstellungen bzw. Fortschreibung des Flächennutzungsplans,
Begleitung von Planungen und Maßnahmen in Sanierungsgebieten,
Bearbeitung von Sanierungsgenehmigungen,
Mitwirkung bei Baugenehmigungsverfahren im Rahmen des gemeindlichen Einver-
nehmens,
Abstimmungs- und Koordinationstätigkeiten im Rahmen der Umsetzung von Maß-
nahmen des Breitbandausbaus.
Zur Bemessung der „Aufgaben der Gemeindeplanung“ (60.1), z. B. Erstellung genereller,
d. h. das gesamte Gemeindegebiet betreffender, räumlicher und funktionaler Planungen so-
wie Erstellung und Änderung von Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen, stellen
Flächengröße bzw. flächenbezogene Entwicklungsmöglichkeiten relevante Einflussgrößen
dar. Für die hier zu betrachtende Gemeindegröße wird daher ein flächenbezogener Bemes-
sungsansatz von 1,00 VZÄ je 80 km² zugrunde gelegt. Diese Kennzahl stellt einen Durch-
schnittswert aus der Betrachtung eines mehrjährigen Zeitraums dar. Aufgrund des Projekt-
charakters der Aufgaben sind Abweichungen im Stellenbedarf in den einzelnen Jahren mög-
lich.
Aufgabe 60.1 Aufgaben der Gemeindeplanung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Fläche des Gemeindegebiets in
km²
1,00 VZÄ je 80 km²
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Fläche
des Gemeindegebiets orientiert.
Im Aufgabenbereich Gemeindeplanung werden projektbezogene Leistungen z. B. im Rah-
men der Bauleitplanung von den Vergleichskommunen an externe Planungsbüros vergeben.
Bei den zu betrachtenden geringen Verwaltungsgrößen schwankt der Leistungsbedarf für
projektbezogene Aufgabenstellungen in den einzelnen Jahren sehr stark, so dass eine Bear-
beitung in Eigenleistung weder fachlich noch wirtschaftlich darstellbar wäre. Bei der Verwal-
tung verbleibt jeweils der Steuerungs- und Koordinierungsaufwand in den einzelnen Verfah-
rensschritten über die gesamte Verfahrensdauer.
0,11
0,09
0,14
0,13
0,02
0,06
0,16
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
60. Räumliche Planung und Entwicklung
(in VZÄ je 1.000 EW)

 
78
Eine Vergleichskommune übernahm im Rahmen von interkommunaler Zusammenarbeit die
Aufgaben im Zusammenhang mit der Abwicklung von städtebaulichen Sanierungsmaßnah-
men (z. B. Planung, Durchführung, Fördermittelbeantragung) für eine dritte Kommune.
Vor
dem Hintergrund der fachlichen Komplexität sowie der speziellen Anforderungen an
die Mitarbeiterqualifikation sollten kleine Kommunen prüfen, inwieweit eine interkom-
munale Zusammenarbeit mit benachbarten Kommunen realisierbar ist.
Zur Bemessung der Aufgabe „Breitbandausbau“ (60.1.4) wird als Durchschnittswert ein
Budget zur Wahrnehmung projektbezogener Aufgaben von 0,10 VZÄ (Festwert) angesetzt.
Auch hier gilt, dass aufgrund des Projektcharakters der Aufgabe und des jeweiligen Ausbau-
fortschrittes Abweichungen im Stellenbedarf in den einzelnen Jahren möglich sind. Der
Festwert beinhaltet die Wahrnehmung temporärer Projektaufgaben (für Pilotierung, Bedarfs-
ermittlung, Planung) ohne bauliche Ausführung / Umsetzung von Maßnahmen.
48
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 60 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
60.1
Aufgaben der Gemein-
deplanung
Fläche des Gemeinde-
gebiets in km²
52
0,65
Bauamt
60.1.1
Bauleitplanung (FNP +
B-Plan)
60.1.2
Städtebauliche Sanie-
rungsmaßnahmen
60.1.3
Beteiligung und Anhö-
rung bei Bauanträgen
60.1.4
Breitbandausbau
Festwert
0,10
Gesamt
0,75
[≙
0,10 VZÄ / TEW]
5.2.21 Aufgabengruppe 61 „Ver- und Entsorgung“
Die Aufgabengruppe „Ver- und Entsorgung“ (61) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
61.1
Wahrnehmung der Aufgaben als öffentlich-rechtlicher Ver- und Entsorgungsträger für Wasserver-
sorgung und Abwasserbeseitigung
61.2
Energiegewinnung im Gemeindegebiet
Die Aufgabe „Wahrnehmung der Aufgaben als öffentlich-rechtlicher Ver- und Entsorgungs-
träger für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung der Wasserversorgung und Abwas-
serbeseitigung“ (61.1) wurde von 5 der Vergleichskommunen auf einen Zweckverband über-
tragen.
Die interkommunale Kooperation im Rahmen eines Zweckverbandes stellt für die hier
zu betrachtenden Gebiets- und Verwaltungsgrößen eine sachgerechte und zweckmä-
ßige Lösung dar, die demzufolge auch für die Modell-Gemeinde empfohlen wird.
Aufgaben im Zusammenhang mit der „Energiegewinnung im Gemeindegebiet“ (61.2) wurden
in den Vergleichskommunen nicht wahrgenommen.
48
Zum Stand des Breitbandausbaus siehe BMVI - Breitbandatlas des Bundes.

 
79
In der Gesamtbetrachtung wurden für die Aufgabengruppe „Ver- und Entsorgung“ (61) keine
Soll-Stellenanteile bei der Modell-Gemeinde angesetzt.
5.2.22 Aufgabengruppe 62 „Verkehrsflächen und -anlagen“
Die Aufgabengruppe „Verkehrsflächen und -anlagen“ (62) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
62.1
Planung und Bau von Gemeindestraßen
62.2
Bauliche Unterhaltung von Gemeindestraßen usw.
62.3
Straßenverwaltung
62.4
Straßenbestandsverzeichnis für Gemeindestraßen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Verkehrsflächen und -anlagen“ (62) wie folgt dar:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Verkehrsflächen und -anlagen“ (62) handelt es sich
um weisungsfreie Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit
außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen. Die Aufgabengruppe setzt sich
im Wesentlichen aus den folgenden Aufgaben bzw. Funktionen zusammen:
Projektmanagement bei Neu-, Um- und Ausbaumaßnahmen, Sanierung und Instand-
setzung von Straßen, Wegen, Verkehrsanlagen,
Widmung, Umstufung, Einziehung von Straßen,
Führung von Bestandsverzeichnissen,
Auftraggeberfunktion für Fremdleistungen im Bereich Straßenreinigung und Winter-
dienst.
Das Bau- und Unterhaltungsvolumen stellt jeweils eine relevante Größe zur Bestimmung des
Stellenbedarfes dar. Zur Bemessung der Aufgabe „Planung und Bau von Gemeindestraßen“
(62.1) wurde eine umsatzbezogene Kennzahl von 5.000 T€ Bauvolumen je VZÄ zugrunde
gelegt. Dabei handelt es sich um einen Durchschnittswert, der kleine (bis 100 T€), mittlere
(bis 1.000 T€) und größere (bis 5.000 T€) Maßnahmen erfasst. Zusätzlich wurde ein volu-
menunabhängiger Grundbedarf von 0,25 VZÄ für verwaltungstypische Zusatz- und Sonder-
aufgaben angerechnet.
0,13
0,06
0,13
0,17
0,12
0,10
0,20
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
62. Verkehrsflächen und -anlagen
(in VZÄ je 1.000 EW)

80
Aufgabe 62.1 Planung und Bau von Gemeindestraßen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Bauvolumen in T€ gemäß Investi-
tionsprogramm
Grundbedarf
0,25 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 5.000 T€
Erläuterungen: Den Gemeinden wird ein Grundbedarf von 0,25 VZÄ zuerkannt. Darüber hinaus wird ein vari-
abler Bedarf in Relation zum Bauvolumen gebildet.
Das Bauvolumen für Straßenbaumaßnahmen ist bei mehrjähriger Betrachtung grundsätzlich
– so auch in den Vergleichskommunen – volatil. Eine bedarfsgerechte bzw. maßnahmenab-
hängige Personalbereitstellung ist im Rahmen der Verwaltung prinzipiell nicht möglich. In
den Vergleichskommunen wurden ingenieurmäßige Leistungen bei Neu-, Um- und Ausbau-
maßnahmen (erstmalige Herstellung sowie Maßnahmen zur Kapazitätserweiterung und
grundhafte Wiederherstellung) sowie Sanierung und großflächige Instandsetzung an Ingeni-
eurbüros vergeben, die in technischer und fachlicher Hinsicht die notwendige Spezialisierung
aufweisen.
Diese Praxis hat sich in den Vergleichskommunen bewährt und wird ent-
sprechend für die hier zu betrachtende Gemeindegröße empfohlen
.
Zur Wahrnehmung der in der Verwaltung verbleibenden Bauherrenaufgaben (Projekt-
leitung und –steuerung) sollte grundsätzlich eine Stelle mit technischer Formalqualifi-
kation (z. B. Bauingenieur) verfügbar sein, die nach Bedarf auch im Liegenschaftsma-
nagement zur Betreuung größerer Hochbaumaßnahmen eingesetzt werden kann. In-
vestitionsmaßnahmen im Hoch- und Tiefbaubereich sollten daher möglichst voraus-
schauend über einen mittelfristigen Zeitraum aufeinander abgestimmt werden, um
eine gleichmäßige Auslastung in den einzelnen Jahren zu erreichen.
Die Aufgabe „Bauliche Unterhaltung von Gemeindestraßen, öffentliche Feld- und Waldwege
und sonstigen öffentlichen Straßen“ (62.2) stellt in Bezug auf den Ressourcenbedarf (Haus-
haltsmittel und Personalbedarf) eine Daueraufgabe dar. Anpassungen resultieren aus nicht
vorhersehbaren Einzelmaßnahmen. Die Aufgabe beinhaltet die Auftragsgeberfunktionen wie
Ausschreibung, Vergabe, Überwachung, Abnahme und Abrechnung von Leistungen im
Rahmen des Bauunterhaltungsvolumens (Straßenunterhaltungsbudget), das damit auch den
Personalbedarf bestimmt.
Die Bemessung der Aufgabe „Bauliche Unterhaltung von Gemeindestraßen, öffentliche Feld-
und Waldwege und sonstigen öffentlichen Straßen“ (62.2) basiert auf einer umsatzbezoge-
nen Kennzahl von 700 T€ Bauunterhaltungsvolumen je VZÄ. Die Kennzahl bzw. der Bemes-
sungsansatz von 700 T€ Bauunterhaltungsvolumen je VZÄ liegt über dem entsprechenden
Wert für Gebäudeunterhaltung, da Aufgaben wie Nutzermanagement nicht anfallen und die
Komplexität der Unterhaltungsmaßnahmen z. B. hinsichtlich der Anzahl der zu beauftragen-
den und abzunehmenden Gewerke grundsätzlich geringer ist.
Aufgabe 62.2 Bauliche Unterhaltung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Bauunterhaltungsvolumen in T€
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 700 T€
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an dem Bau-
unterhaltungsvolumen orientiert.
Als Planungs- und Arbeitsgrundlage im Bereich Straßenunterhaltung werden regel-
mäßige Straßenkontrollen nach Plan empfohlen. Zur Durchführung der Unterhaltungs-
arbeiten wird der Abschluss von Jahresverträgen empfohlen. Kleinere Reparaturarbei-
ten, wie z. B. die Beseitigung von Gefahrenstellen, sollten in Eigenleistung durch den
Bauhof durchgeführt werden.
Der Aufgabenumfang für „Straßenverwaltung“ (62.3) und „Straßenbestandsverzeichnis für
Gemeindestraßen“ (62.4) wurde durch die Länge des Straßen- und Wegenetzes beeinflusst.

 
81
Für die hier zu betrachtende Gemeindegröße wurden für die Aufgabe „Straßenverwaltung“
(62.3) 500 km je VZÄ angesetzt.
Aufgabe 62.3 Straßenverwaltung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Straßenlänge in km (Straßen in
Baulast der Gemeinde)
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 500 km
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Stra-
ßenlänge orientiert.
Für die Aufgabe „Straßenbestandsverzeichnis für Gemeindestraßen“ (62.4) wurden
1.400 km je VZÄ angesetzt.
Aufgabe 62.4 Straßenbestandsverzeichnis für Gemeindestraßen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Straßenlänge in km (Straßen in
Baulast der Gemeinde)
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 1.400 km
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Stra-
ßenlänge orientiert.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 62 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-
Soll in
VZÄ
Organisations-
einheit
62.1
Planung und Bau von Ge-
meindestraßen
Festwert sowie
Bauvolumen in T€
gemäß Investitionspro-
gramm
590
0,37
Bauamt
62.2
Bauliche Unterhaltung
Bauunterhaltungsvolu-
men in T€
315
0,45
62.3
Straßenverwaltung
Straßenlänge in km
(Straßen in Baulast der
Gemeinde)
85
0,17
62.4
Straßenbestandsverzeichnis
für Gemeindestraßen
Straßenlänge in km
(Straßen in Baulast der
Gemeinde)
85
0,06
Gesamt
1,05
[≙
0,14 VZÄ / TEW]
5.2.23 Aufgabengruppe 63 „Natur- und Landschaftspflege“
Die Aufgabengruppe „Natur- und Landschaftspflege“ (63) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
63.1
Unterschutzstellung für geschützte Landschaftsbestandteile
63.2
Aufstellung Landschaftspläne, Grünordnungspläne
63.3
Unterhaltung Gewässer II. Ordnung
63.4
Beteiligung Träger öffentlicher Belange (TÖB-Beteiligung)
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Natur- und Landschaftspflege“ (63) wie folgt dar:

82
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Natur- und Landschaftspflege" (63) handelt es sich
um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der
zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen.
Im Betrachtungszeitraum fielen in den Vergleichskommunen nur vereinzelt Aufgaben im
Zusammenhang mit Verfahren der „Unterschutzstellung für geschützte Landschaftsbestand-
teile“ (63.1) sowie der „Aufstellung Landschaftspläne, Grünordnungspläne“ (63.2) an.
Der Aufwand hängt jeweils davon ab, ob sich Verfahren in Bearbeitung befinden. Auf der
Grundlage von Vergleichsbetrachtungen wurden jeweils 100 Verfahren je VZÄ angesetzt.
Aufgabe 63.1 Unterschutzstellung für geschützte Landschafsbestandteile: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Verfahren
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 100 Verfahren
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der Verfahren orientiert.
Aufgabe 63.2 Aufstellung Landschaftspläne, Grünordnungspläne: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Verfahren
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 100 Verfahren
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der Verfahren orientiert.
Die Zuständigkeit bei der Aufgabe „Unterhaltung Gewässer II. Ordnung“ (63.3) beinhaltet die
Verwaltungstätigkeiten zur Planung und Umsetzung baulicher Maßnahmen sowie zur lau-
fenden Pflege und Unterhaltung der Gewässer II. Ordnung einschließlich Hochwasser-
schutzanlagen soweit sie keine überörtliche Bedeutung für den Hochwasserschutz haben.
Länge, Ausbauzustand und jeweils vorhandene Anlagen wirken sich auf den Aufwand zur
Erledigung der Aufgaben aus. Zur Bemessung des Stellenbedarfes für die Aufgabe „Unter-
haltung Gewässer II. Ordnung“ (63.3) wurde die Länge der zu unterhaltenden Gewässer
herangezogen und ein durchschnittlicher Vergleichswert von 100 km je VZÄ in Ansatz ge-
bracht.
0,03
0,01
0,04
0,01
0,04
0,02
0,05
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
63. Natur- und Landschaftspflege
(in VZÄ je 1.000 EW)

83
Aufgabe 63.3 Unterhaltung Gewässer II. Ordnung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Länge der Wasserläufe in km
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 100 km
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Länge
der Wasserläufe orientiert.
Die Aufgabe „Unterhaltung der Gewässer II. Ordnung“ haben alle Vergleichskommunen nur
unzureichend wahrgenommen.
Die eingesetzten Personalkapazitäten betrafen z. T. nahezu
ausschließlich die Bearbeitung von Maßnahmen infolge von Hochwasserereignissen.
Im Entwurf des Sächsischen Gewässerunterhaltungsunterstützungsgesetzes stellt die Säch-
sische Staatsregierung dazu fest, dass es bei der Unterhaltung der Gewässer zweiter Ord-
nung erhebliche Defizite, vor allem im ländlichen Raum, gibt.
49
Daher gewährt der Freistaat
Sachsen den Gemeinden in den Jahren 2019 und 2020 jeweils eine pauschale Finanzhilfe in
Höhe von 10 Mio. € zur Unterstützung für die Unterhaltung der Gewässer zweiter Ordnung.
50
Ein Gewässerunterhaltungskonzept lag in den Vergleichskommunen überwiegend noch nicht
vor.
Es ist erforderlich, für die Unterhaltung der Wasserläufe einen Gewässerunterhal-
tungsplan - ggf. mit externer Unterstützung - aufzustellen.
Ausgehend von einer Begehung und Bestandserfassung wird die Erstellung eines
Leistungsverzeichnisses für laufende Unterhaltungsarbeiten (Art der Leistung, Häu-
figkeit, Leistungsmenge) empfohlen. Notwendige Einzelmaßnahmen zur Beseitigung
von Schäden sollten im Rahmen eines Maßnahmenprogramms priorisiert werden.
Der Aufwand der Aufgabe „TÖB-Beteiligung“ (63.4) hängt von der Anzahl Mitwirkungspflich-
tiger der Verfahren ab. Auf der Grundlage von Vergleichsbetrachtungen werden 100 Verfah-
ren je VZÄ angesetzt.
Aufgabe 63.4 TÖB-Beteiligung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Verfahren
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 100 Verfahren
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile werden durch eine variable Kennzahl abgebildet, die sich an der Anzahl
der Verfahren orientiert.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 63 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
63.1
Unterschutzstellung für
geschützte Land-
schaftsbestandteile
Anzahl der Verfahren
2
0,02
Bauamt
63.2
Aufstellung Land-
schaftspläne, Grünord-
nungspläne
Anzahl der Verfahren
2
0,02
63.3
Unterhaltung Gewässer
II. Ordnung
Länge der Wasserläu-
fe in km
33
0,33
63.4
TÖB-Beteiligung
Anzahl der Verfahren
7
0,07
Gesamt
0,44
[≙
0,06 VZÄ / TEW]
49
Vgl. Entwurf des Gesetzes begleitender Regelungen zum Doppelhaushalt 2019/2020 (Haushaltsbegleit-
gesetz 2019/2020 – HBG 2019/2020), Landtagsdrucksache 6/13901, Begründung zu Art. 20.
50
Vgl. Sächsisches Gewässerunterhaltungsunterstützungsgesetz (SächsGewUUG).

 
84
5.2.24 Aufgabengruppe 64 „Wirtschaft und Tourismus“
Die Aufgabengruppe „Wirtschaft und Tourismus“ (64) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
64.1
Wirtschaftsförderung
64.2
Tourismus
64.3
Märkte, Veranstaltungen
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Wirtschaft und Tourismus“ (64) wie folgt dar:
Die Aufgaben „Wirtschaftsförderung“ (64.1) und „Tourismus“ (64.2) sind freiwillige Aufgaben.
Je nach Bedeutung, Standard und örtlichen Rahmenbedingungen, die der Aufgabenerledi-
gung beigemessen werden, variierte die Personalausstattung der 6 Vergleichskommunen.
Für diese beiden Aufgaben wurde eine einwohnerbasierte Kennzahl (0,50 VZÄ je 8.000 EW)
definiert.
Aufgabe 64.1 Wirtschaftsförderung und 64.2 Tourismus: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der EW
0,50 VZÄ je 8.000 EW
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile für die Aufgabengruppe werden als variable Kennzahl gebildet und ori-
entiert sich an der Einwohnerzahl. Die Kennzahl stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrachtung
ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Die Aufgabe „Märkte, Veranstaltungen“ (64.3) umfasst hauptsächlich die Organisation des
Wochenmarktes (Koordination des Auf- und Abbaus, Entgelteinnahme, Überwachung des
Marktbetriebs). Für die Soll-Stellenanteile wird eine variable Kennzahl in Abhängigkeit zu der
Anzahl der Märkte definiert.
0,08
0,03
0,08
0,24
0,07
0,01
0,11
0,00
0,05
0,10
0,15
0,20
0,25
0,30
0,35
0,40
Median
1
2
3
4
5
6
64. Wirtschaft und Tourismus
(in VZÄ je 1.000 EW)

 
85
Aufgabe 64.3 Märkte, Veranstaltungen: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl der Märkte und Veranstal-
tungen
0,10 VZÄ je 20 Märkte
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile für die Aufgabengruppe werden als variable Kennzahl gebildet und ori-
entiert sich an der Anzahl der Märkte. Die Kennzahl stellt einen kommunalen Vergleichswert aus der Betrach-
tung ähnlicher Verwaltungsstrukturen dar.
Bei der Aufgabengruppe „Wirtschaft und Tourismus“ (64) handelt es sich um
freiwillige Aufgaben, über deren Erbringung die Kommunen im Rahmen ihrer
kommunalen Selbstverantwortung entscheiden. Insbesondere die Wirtschafts-
förderung ist aber für die weitere Entwicklung einer Kommune wichtig und
unerlässlich. Gemessen am Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit muss
der Umfang der Aufgabenerfüllung gleichwohl im Verhältnis zur finanziellen
Leistungsfähigkeit der Kommune stehen.
Im Ergebnis stellt sich der empfohlene Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 64 der Modell-
Gemeinde wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
64.1
Wirtschaftsförderung
Anzahl der EW
7.700
0,48
Ordnung
64.2
Tourismus
64.3
Märkte, Veranstaltun-
gen
Anzahl Märkte und
Veranstaltungen
55
0,28
Gesamt
0,76
[≙
0,10 VZÄ / TEW]
5.2.25 Aufgabengruppe 70 „Bauhof“
Die Aufgabengruppe „Bauhof“ (70) umfasst folgende Aufgaben:
Nr.
Aufgabe
70.1
Bauhofkoordination / Vorarbeiterfunktion
70.2
Tiefbauunterhaltung; Unterhaltung, Wartung, Instandsetzung von Verkehrsflächen, Anlagen, Ein-
richtungen etc.
70.3
Gärtnerische Pflege und Unterhaltung
70.4
Stadtreinigung
70.5
Winterdienst
70.6
Instandhaltung von Gebäuden (einschl. Betriebsstandort), Einrichtungen, Ausstattungen (z. B.
Spielgeräte, Bänke), Spielplatzkontrolle
70.7
Allgemeine Hilfs- und Transportdienste
70.8
Fahrzeug- und Geräteinstandhaltung
Im Vergleich der 6 Kommunen stellt sich die Stellenausstattung je 1.000 EW bei der Aufga-
bengruppe „Bauhof“ (70) wie folgt dar:

86
Die Bauhöfe der Vergleichskommunen verfügten grundsätzlich über einen Betriebsstandort
für Personal, Fahrzeuge, Geräte und Material. Teilweise wurde noch ein Stützpunkt z. B. als
Lagerplatz genutzt.
Die Unterbringung an einem zentralen Standort ermöglicht effiziente
Betriebsabläufe und hat insofern eindeutige Vorteile.
Organisatorisch war der Bauhof in den Vergleichskommunen Bestandteil der Bauverwaltung,
so dass eine enge und sachbezogene Zusammenarbeit möglich wurde. Diese Organisation
entspricht der allgemein üblichen Regelung bei Kommunen dieser Größenordnung und hat
sich bewährt.
Die Personal-, Fahrzeug- und Materialdisposition sowie die Steuerung der Arbeitseinsätze
obliegen der Bauhofleitung.
Diese Aufgaben wurden in den Vergleichskommunen ver-
mehrt durch einen Bauhofmitarbeiter im Rahmen einer Vorarbeiterfunktion wahrge-
nommen. Dies stellt angesichts der Betriebsgröße - gemessen am Personalbestand -
eine adäquate Lösung dar, die grundsätzlich zu empfehlen ist
.
Die jeweils erbrachten Leistungsstunden wurden in den Vergleichskommunen zunächst im
Bauhof jeweils aufgaben- bzw. auftragsbezogen in Form von Stundennachweisen erfasst
und danach in der Bauverwaltung von einer Verwaltungskraft zur Weiterverarbeitung der
Daten in ein IT-Verfahren (selbst erstellte Tabellen oder Bauhofverfahren) eingegeben und
den einzelnen Produkten zugeordnet. Die Daten dienten derzeit im Wesentlichen noch der
Dokumentation der Stundennachweise und der inneren Verrechnung.
Es wird empfohlen,
die Daten künftig auszuwerten und zur Steuerung der Wirtschaftlichkeit der Aufga-
benerledigung z. B. im Rahmen von Kostenvergleichen zwischen Eigen- und Fremd-
leistung zu nutzen.
Das Leistungsspektrum der Bauhöfe der Vergleichskommunen war weitgehend identisch
und umfasste folgende Arbeitsbereiche:
Pflege und Unterhaltung von allgemeinen Grünflächen, Straßenbegleitgrün, Kinder-
spielplätzen, Außenanlagen von Gebäuden und Einrichtungen,
Instandsetzungsarbeiten an Straßen und Wegen (z. B. Pflasterarbeiten, Beseitigung
von Gefahrstellen, Instandhaltung von Verkehrszeichen),
regelmäßige und anlassbezogene Reinigungsleistungen im Rahmen der Stadtreini-
gung,
manuelle und maschinelle Winterdienstleistungen (Räum- und Streudienst),
Reparaturen von Ausstattungen (z. B. bei Spielplätzen), bauliche Unterhaltungsarbei-
ten (Gebäude, Anlagen),
1,13
0,67
0,83
1,25
1,07
1,18
1,35
0,00
0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
1,20
1,40
Median
1
2
3
4
5
6
70. Bauhof
(in VZÄ je 1.000 EW)

87
Serviceleistungen wie z. B. Transportdienste für die Gesamtverwaltung,
allgemeine Serviceleistungen im Zusammenhang mit Veranstaltungen,
Instandhaltungsarbeiten bei Fahrzeugen und Geräten.
In der Gesamtbetrachtung stellen die Leistungen der Bauhöfe - mit Ausnahme freiwilliger
Leistungen für Veranstaltungen - weit überwiegend originäre Aufgaben zur Unterhaltung von
Flächen, Anlagen und Einrichtungen der Kommune dar. Die Erledigung dieser Aufgaben ist
nicht verzichtbar, sie kann aber sowohl in Eigen- als auch in Fremdleistung erfolgen.
Die Aufgabenabgrenzung in Bezug auf Eigen- und Fremdleistung war in den Vergleichs-
kommunen unterschiedlich ausgeprägt. Fremdleistungen wurden grundsätzlich in folgenden
Bereichen in Anspruch genommen:
Straßenunterhaltung, z. B. großflächige Belagsarbeiten,
Wartung und Instandsetzung der Straßenbeleuchtung,
Instandhaltung von Gebäuden und haustechnischen Anlagen wie vor allem Prüf-, In-
spektions- und Wartungsarbeiten bei haustechnischen Anlagen sowie Instandset-
zungsarbeiten, zu deren Durchführung spezielle Fachkenntnisse bzw. technische
Ausstattungen erforderlich sind,
maschinelle Straßenreinigung,
Winterdienstleistungen auf Teilstrecken in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit priva-
ter Dienstleister,
Einzelleistungen der Grünflächenunterhaltung, z. B. Baumschnitt, -fällung.
Im Kontext zur Personalentwicklung (natürliche / altersbedingte Fluktuation) wird
empfohlen, Wirtschaftlichkeitsvergleiche hinsichtlich der Leistungserbringung durch-
zuführen. Die Zielsetzung besteht darin, den Mix aus Eigen- und Fremdleistung zu op-
timieren, d. h. jeweils bestehende Kostenvorteile der Eigen- oder Fremdleistung zu
nutzen. Dies kann dazu führen, dass Fremdleistungen durch Eigenleistung ersetzt
werden und umgekehrt.
Grundlage jeder Planung von Aufgabenerledigungen und jeder Arbeitsvorbereitung für die
Abwicklung der Arbeitsgänge sind detaillierte und sachgerechte Nachweise der gesamten
Aufgabenbestände, insbesondere für alle Daueraufgaben. Die Erfassung und Fortschreibung
der zu unterhaltenden Aufgabenbestände ist primär eine Aufgabe des jeweils zuständigen
Sachgebietes bzw. Fachbereiches. Wichtig ist, dass die Daten kontinuierlich und sachge-
recht fortgeschrieben werden.
Eine längerfristige Planung besteht mit Ausnahme turnusmäßiger Reinigungsleistungen in
der Regel nicht. Zu berücksichtigen sind jeweils wechselnde sachliche bzw. terminliche Not-
wendigkeiten, Witterungsverhältnisse, Reaktionsleistungen, z. B. im Rahmen der Verkehrs-
sicherungspflicht tatsächlich einsetzbares Personal.
Für alle planbaren, wiederkehrenden Leistungen sollten künftig die organisatorischen
Grundlagen für die Leistungserstellung und deren Überwachung wie Einsatz-, Pflege-,
Kontroll- und Tourenpläne als Grundlage für die Arbeitsvorbereitung nachvollziehbar
dokumentiert werden.
Die Aufgabe „Bauhofkoordination / Vorarbeiterfunktion“ (70.1) wird ähnlich wie die Leitungs-
aufgaben der Gesamtverwaltung durch eine Leitungsspanne ermittelt. Es wird eine Leitungs-
spanne von 1:25 zu Grunde gelegt.
Darüber hinaus werden 0,15 VZÄ als Festwert für die Verwaltung des Bauhofs, hier vor
allem zur Erfassung und Aufbereitung der Stundennachweise hinzugerechnet.

88
Es wird empfohlen, die Aufgabenwahrnehmung in der Kernverwaltung, hier in der
Bauverwaltung anzusiedeln.
Aufgabe 70.1 Bauhofkoordination / Vorarbeiterfunktion: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Anzahl Mitarbeiter
Grundbedarf
0,15 VZÄ für die Bauhofver-
waltung
Variabler Bedarf
Leitungsspanne 1:25
Erläuterungen: Die Soll-Stellenanteile der Bauhofkoordination / Vorarbeiterfunktion werden unter Anwendung
einer Leitungsspanne von 1:25 berechnet. Hinzu kommt ein Grundbedarf von 0,15 VZÄ für die Bauhofverwal-
tung. Die Bauhofkoordination / Vorarbeiterfunktion beinhaltet neben der Funktion des Vorarbeiters ebenfalls
die administrative Koordination des Bauhofs (z. B. zentrale Auftragserteilung) aus der Verwaltung.
Für Instandsetzungsarbeiten an Straßen und Wegen (z. B. Pflasterarbeiten, Beseitigung von
Gefahrstellen, Instandhaltung von Verkehrszeichen) in Eigenleistung wird eine Grundaus-
stattung empfohlen, die sich an der Länge des Straßennetzes orientiert. Auf der Grundlage
von Vergleichsbetrachtungen liegt der Bemessungsansatz bei 1,00 VZÄ je 75 km.
In der Modell-Gemeinde wird die Instandhaltung der Straßenbeleuchtung auf Dritte übertra-
gen und stellt damit keine Bauhofleistung dar.
Aufgabe 70.2 Tiefbauunterhaltung; Unterhaltung, Wartung, Instandsetzung von Verkehrsflächen, Anlagen,
Einrichtungen etc.: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Straßenlänge in km (Straßen in
Baulast der Gemeinde)
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 75 km
Erläuterungen: Die Aufgabengruppe wird mit einer variablen Kennzahl abgedeckt. Aufgaben der Tiefbauunter-
haltungen werden durch die Straßenlänge geprägt.
Der Aufwand im Rahmen der Aufgabe „Gärtnerische Pflege und Unterhaltung“ (70.3) in
Eigenleistung orientiert sich am durchschnittlichen Leistungsstundenbedarf der Vergleichs-
kommunen gemäß aufgabenbezogener Stundenerfassung.
Es wird empfohlen, den
Grünflächenbestand getrennt nach Objektart
(Park- und Gartenanlagen, Außenanlagen
an Gebäude- und Einrichtungen, Spielplätze, Straßenbegleitgrün etc.),
Pflegeflächen
(m²)
bzw. Flächen-/ Vegetationsart
(z. B. Wiese, Rasen, Bodendecker, Gehölze etc.)
zu
erfassen, Pflegestandards
(Häufigkeiten)
festzulegen und den Stellenbedarf auf der
Grundlage flächenbezogener Vergleichswerte
(z. B. VZÄ je ha)
zu überprüfen.
Für die Aufgabe „Stadtreinigung“ (70.4) wurden ein Grundbedarf von 0,40 VZÄ sowie ein
variabler Bedarf von 1,00 VZÄ je 80 km² definiert. Der Bemessungsansatz für den Grundbe-
darf, hier wiederkehrende manuelle Reinigungsleistungen (öffentliche Plätze, Flächen, tur-
nusmäßige Papierkorbentleerung mit Reinigung des Umfeldes) beträgt auf der Grundlage
von Vergleichsbetrachtungen rd. 600 Einsatzstunden / Jahr (ohne Rüst- und Verteilzeiten)
bzw. 0,40 VZÄ. Hinzu kommen bedarfsorientierte Reinigungen zur Beseitigung wilder Abla-
gerungen im gesamten Gemeindegebiet, die unter Berücksichtigung von Quervergleichen in
Relation zur Gesamtfläche mit 1,00 VZÄ je 80 km² angesetzt werden.
Aufgabe 70.4 Stadtreinigung: Ableitung der Kennzahl
Aufwandsprägendes Merkmal
Kennzahl
Fläche des Gemeindegebiets in
km²
Grundbedarf
0,40 VZÄ
Variabler Bedarf
1,00 VZÄ je 80 km²
Erläuterungen: Für die Stadtreinigung wird ein Grundbedarf von 0,40 VZÄ angenommen. Hinzu kommt ein
variabler Bedarf in Abhängigkeit von der Größe des Gemeindegebiets.

89
Der Winterdienst ist kein eigenständiges Aufgabengebiet mit eigenem Personal und eigenen
Fahrzeugen. Vielmehr werden zur Abdeckung des nur zeitweise und in den einzelnen Jahren
stark wechselnd auftretenden Bedarfs Personal und Fahrzeuge aus allen Leistungsberei-
chen des Bauhofes eingesetzt. Diese werden außerhalb der Winterdiensteinsätze für laufen-
de andere Arbeiten eingesetzt. Speziell für den Winterdienst werden Winterdienstgeräte
(Anbaugeräte) sowie Streumaterial und dazu notwendige Lagervorrichtungen vorgehalten.
Bei der Aufgabe „Winterdienst“ (70.5) wird daher der durchschnittliche Leistungsstunden-
bedarf der Vergleichskommunen als Einsatzausgleich für geleistete Winterdienststunden
außerhalb der regelmäßigen Arbeitszeit als Bemessungsansatz herangezogen.
Die Bemessung der Aufgabe „Instandhaltung von Gebäuden (einschl. Betriebsstandort), Ein-
richtungen, Ausstattungen (z. B. Spielgeräte, Bänke), Spielplatzkontrolle“ (70.6) orientiert
sich am durchschnittlichen Leistungsstundenbedarf der Vergleichskommunen.
Die Aufgabe „Allgemeine Hilfs- und Transportdienste“ (70.7) wurde von den Bauhöfen der
Vergleichskommunen in sehr unterschiedlichem Umfang wahrgenommen.
Da es sich hier-
bei um freiwillige Leistungen handelt, sollte ihr Anteil auf maximal 0,50 VZÄ bzw. 7 %
der Gesamtleistung begrenzt werden.
Es wird empfohlen, Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten an Fahrzeugen und Gerä-
ten grundsätzlich in Fachwerkstätten durchführen zu lassen.
Für die Aufgabe „Fahr-
zeug- und Geräteinstandhaltung“ (70.8) in Eigenleistung wird daher lediglich ein Grundbedarf
von 0,15 VZÄ angesetzt.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 70 der Modell-Gemeinde
wie folgt dar:
Nr.
Aufgaben
Aufwandsprägendes
Merkmal
Menge
Stellen-Soll
in VZÄ
Organisations-
einheit
70.1
Bauhofkoordination /
Vorarbeiterfunktion
Anzahl Mitarbeiter
7
0,43
Bauhof
70.2
Tiefbauunterhaltung;
Unterhaltung, War-
tung, Instandsetzung
von Verkehrsflächen,
Anlagen, Einrichtun-
gen etc.
Straßenlänge in km
(Straßen in Baulast der
Gemeinde)
85
1,13
70.3
Gärtnerische Pflege
und Unterhaltung
Leistungsstundenbedarf
gemäß Dauerauftrag
Grünpflege
3.825
2,33
70.4
Stadtreinigung
Festwert sowie
Fläche des Gemeinde-
gebietes in km
2
52
1,05
70.5
Winterdienst
Anzahl Einsatzstunden
1.352
0,82
70.6
Instandhaltung von
Gebäuden (einschl.
Betriebsstandort),
Einrichtungen, Aus-
stattungen (z. B.
Spielgeräte, Bänke),
Spielplatzkontrolle
Leistungsstundenbedarf
für Einzelaufträge ge-
mäß Auftragserfassung
900
0,55
70.7
Allgemeine Hilfs- und
Transportdienste
Festwert
0,50
70.8
Fahrzeug- und Gerä-
teinstandhaltung
Festwert
0,15
Gesamt
6,96
[≙
0,90 VZÄ / TEW]

90
Grundlage der Ermittlung des Stellen-Solls ist der durchschnittliche Aufgabenbestand bzw.
Leistungsstundenbedarf in den Vergleichskommunen. Dabei wird der Leitgedanke verfolgt,
für jeden Aufgabenbereich eine Grundausstattung an eigenem Personal vorzuhalten, die
dauerhaft und ganzjährig mit regelmäßigen Unterhaltungs- und Pflegeaufgaben sach- und
fachgerecht ausgelastet werden kann.
Der bereits realisierte Vergabeumfang wird beibehalten. Saisonal oder durch Sonderaufga-
ben anfallende Arbeitsspitzen sowie Arbeiten für Neuanlagen und größere Umbaumaßnah-
men sollen grundsätzlich nicht in die Personalbemessung einbezogen werden.
Alle Leistungen, die nicht durch das vorgehaltene eigene Personal - auch unter Berücksichti-
gung von flexiblem Austausch zwischen Arbeitsgruppen - erbracht werden können, müssen,
wenn ihre Erledigung unabdingbar ist, an Unternehmen vergeben werden. Dafür sind die
entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen (Ausschreibungen, Rahmenverträge, Zeit-
und Kostenvereinbarungen mit Unternehmern, Kapazitäten für eigene Verwaltungs- und
Kontrollleistungen u. a.).
Auch im Bereich Bauhof sollten die Kommunen eine verstärkte interkommunale Zu-
sammenarbeit mit anderen Kommunen anstreben. Grundsätzlich eignen sich hierfür
Aufgaben wie Abfallbeseitigung, Straßen- und Grünflächenunterhaltung sowie Stra-
ßenreinigung und Winterdienst.
Durch eine dadurch hervorgerufene geringere Aufgaben-
breite und gleichzeitig größere Aufgabentiefe (Spezialisierung) könnten Qualitätssteigerun-
gen erreicht und die jeweiligen Organisationseinheiten optimal ausgelastet werden.

 
91
5.3
Ergebnisübersicht für die Modell-Gemeinde
Für die Modell-Gemeinde ergeben sich unter Anwendung der in Kapitel 5.2 dargestellten
Bemessungen für die einzelnen Aufgabengruppen folgende Personalausstattungen:
Nr.
Aufgabengruppe
Modell
(VZÄ)
Summe
Haupt-
gruppe
(VZÄ)
Summe
Haupt-
gruppe
(VZÄ/TEW)
HG 1
10 Politisch-administrative Unterstützung Bürgermeister
3,95
4,30
0,56
11 Wahlen und Statistik
0,25
12 Personalrat
0,10
13 Beauftragte
14 Rechnungs- und Gemeindeprüfung
0,00
HG 2
20 Zentrale Dienste
2,23
13,13
1,71
21 Personal
0,73
22 Finanzen
4,27
23 Liegenschaftsmanagement
5,59
24 Archiv
0,21
25 Recht
0,10
HG 3
30 Sicherheit und Ordnung
0,92
3,77
0,49
31 Melde- und Personenstandswesen
1,86
32 Ausländer, Staatsangehörigkeit
0,00
33 Straßenverkehr
0,49
34 Brandschutz, Rettungsdienst, Katastrophenschutz
0,50
HG 4
40 Schule
2,20
3,53
0,46
41 Kultur- und Sportförderung
1,33
HG 5
50 Soziales
0,10
0,91
0,12
51 Jugend
0,81
HG 6
60 Räumliche Planung und Entwicklung
0,75
3,00
0,39
61 Ver- und Entsorgung
0,00
62 Verkehrsflächen und -anlagen
1,05
63 Natur- und Landschaftspflege
0,44
64 Wirtschaft und Tourismus
0,76
70 Bauhof
6,96
6,96
0,90
Summe
35,6
35,6
4,6
Insgesamt errechnet sich für die Modell-Gemeinde ein Stellen-Soll von 35,6 VZÄ bzw. - unter
Heranziehung der 7.700 EW – von 4,6 VZÄ je 1.000 EW. Nach Abzug von 1,0 VZÄ für den
Bürgermeister bedeutet dies rechnerisch eine Personalausstattung von 4,5 VZÄ je 1.000
EW. Die konkret definierte Modell-Gemeinde liegt damit mit ihrem Personalbestand unter-
halb des momentanen Richtwertes der VwV KomHWi von 4,8 VZÄ je 1.000 EW.
Die erforderliche Personalausstattung der Modell-Gemeinde basiert auf den zugrunde geleg-
ten Fallzahlen und kann nicht „eins zu eins“ auf andere Gemeinden übertragen werden. Bei
einer Gemeinde mit ebenfalls 7.700 EW, aber individuell abweichenden Fallzahlen, ergibt
sich ein anderes Bemessungsergebnis.
Die Anwendung der zuvor beschriebenen Kennzahlen des Organisationsmodells auf die in
die Untersuchung einbezogenen 6 Kommunen führte zu individuellen Stellenbemessungen,
die umgerechnet auf VZÄ je 1.000 EW Werte von 4,2 bis 6,2 (inkl. Bürgermeister) ergeben
bzw. 4,0 bis 6,0 (ohne Bürgermeister). Dies ist durch die jeweils spezifische Aufgabenstruk-
tur und die Arbeitsmengen der Kommune begründet.

 
92
6
Aufbauorganisation von Gemeinden mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern
Das entwickelte Organisationsmodell geht Bezug nehmend auf die klassischen Organisati-
onsprinzipien einer optimalen Aufbauorganisation und auf Basis des zugrundeliegenden
Aufgabenkatalogs von der folgenden modellhaften ämterbezogenen Zuordnung aus:
Aufgabenhauptgruppe
Aufgabengruppe
Zuordnung
zur Organisationseinheit
in der Modell-Gemeinde
1
Politisch-
administrative Lei-
tung Gemeinde-
verwaltung / Ge-
meinde
10
Politisch-administrative Unterstützung
Bürgermeister
ämterübergreifend
11 Wahlen und Statistik
Hauptamt
12 Personalrat
Hauptamt
13 Beauftragte
Hauptamt
14 Rechnungs- und Gemeindeprüfung
Finanzen
2 Interner Service
20 Zentrale Dienste
Hauptamt
21 Personal
Hauptamt
22 Finanzen
Finanzen
23 Liegenschaftsmanagement
Liegenschaften
24 Archiv
Hauptamt
25 Recht
Hauptamt
3
Sicherheit, Ordnung,
Gesundheit
30 Sicherheit und Ordnung
Ordnung
31 Melde- und Personenstandswesen
Ordnung
32 Ausländer, Staatsangehörigkeit
Ordnung
33 Straßenverkehr
Ordnung
34
Brandschutz, Rettungsdienst und
Katastrophenschutz
Ordnung
4 Schule, Sport, Kultur
40 Schule
Hauptamt
41 Kultur- und Sportförderung
Hauptamt
5 Soziales und Jugend
50 Soziales
Hauptamt
51 Jugend
Hauptamt
6
Gestaltung der
Umwelt
60 Räumliche Planung und Entwicklung
Bauamt
61 Ver- und Entsorgung
Bauamt
62 Verkehrsflächen und -anlagen
Bauamt
63 Natur- und Landschaftspflege
Bauamt
64 Wirtschaft und Tourismus
Ordnung
Bauhof
ausgelagerter Bereich
Unter Berücksichtigung der dargestellten ämterbezogenen Zuordnung ergeben sich daher
für eine 2-Ämter-Struktur folgende 2 aufbauorganisatorische Varianten:

image
image
93

94
Variante 1
in der Aufbauorganisation der Modell-Gemeinde besteht in der Verknüpfung der
Aufgaben des Haupt- und Ordnungsamtes. Im zweiten Amt werden die Bereiche Finanzen,
Bau und Liegenschaften zusammengefasst. Zusätzlich wird diesem Amt auch der Bauhof
zugeordnet, der jedoch als ausgelagerte Organisationseinheit seine Aufträge ämterübergrei-
fend erhält.
Variante 2
stellt eine Aufbaustruktur dar, in der die Querschnittsaufgaben der Verwaltung im
Hauptamt und Finanzamt gebündelt sind. Die zweite Organisationseinheit umfasst den Be-
reich Ordnung, Bau und Liegenschaften.
Beide Varianten führen (ohne Bauhof) dazu, dass die beiden gebildeten Ämter annähernd
gleiche Mitarbeiterzahlen haben.
Die derzeitige Aufbauorganisation der Vergleichskommunen stellt sich wie folgt dar:
Gemeinde
Ämterstruktur
Gemeinde 1
2 Ämter
Gemeinde 2
3 Ämter
Gemeinde 3
3 Ämter
Gemeinde 4
2 Ämter
Gemeinde 5
1 Amt
Gemeinde 6
2 Ämter
Die beiden Gemeinden mit einer 3-Ämter-Stuktur waren erfüllende Gemeinde einer Verwal-
tungsgemeinschaft.
Im Einzelfall kann eine 3-Ämter-Struktur u. U. sachgerecht sein. Dies ist bspw. denkbar,
wenn es sich um die erfüllende Gemeinde einer Verwaltungsgemeinschaft mit ent-
sprechend breiteren bzw. zusätzlichen Aufgabenfeldern handelt bzw.
bei einer Gesamteinwohnerzahl der Verwaltungsgemeinschaft von mehr als 10.000
EW oder
wenn es sich um eine Große Kreisstadt handelt, deren EW-Zahl zudem nahe an der
oberen Grenze der betrachteten Größenklasse liegt.
Im Organisationsmodell wird für Kommunen mit 5.000 bis 10.000 EW eine 2-Ämter-
Struktur empfohlen.
Die im Vergleich zu einem 3-Ämter-Modell gewonnene Verschlankung
der Organisationsstruktur wird als sachgerecht angesehen, wenngleich damit auch die An-
forderungen an die Führungskräfte durch eine höhere Leitungsspanne steigen. Zudem soll-
ten fachlich eng zusammenhängende Aufgaben möglichst in einer Organisationseinheit ge-
bündelt werden. Dies betrifft zum Beispiel die Kämmereiaufgaben und das Liegenschafts-
management sowie die Aufgaben im Baubereich, die jeweils für sich zusammengefasst wer-
den sollten.

 
95
7
Überprüfung des Modells anhand weiterer Kommunen
7.1
Ziele der Überprüfung
Das bis hierher beschriebene Organisationsmodell wurde anschließend in weiteren 10
Kommunen angewendet. Mit der Überprüfung wurden folgende Zielsetzungen erreicht:
Höhere Validität des Modells
durch Erweiterung der Stichprobe (insgesamt fast ein Fünftel der Kommunen der
Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW),
durch Verwendung eines breiteren Spektrums an Kriterien für die Auswahl der Kom-
munen und
durch Einbezug der Interview-Ergebnisse von 16 statt bislang 6 Kommunen.
Bestätigung der bisherigen Ansätze
(je Aufgabe)
aufgrund der umfangreicheren Datengrundlage und
durch den Vergleich der Ergebnisse in einer der 10 Kommunen mit denen einer dort
durchgeführten externen Untersuchung für denselben Betrachtungszeitraum und ver-
gleichbaren Ergebnissen.
Bestätigung der Qualität der Kennzahlen
durch Plausibilisierung u. a. der Aufgaben, bei denen bei allen bzw. bei der Mehrheit
der geprüften Kommunen Mehrbedarfe (Soll > Ist) ausgewiesen wurden. Bsp.:
- Bei der Aufgabe „Digitalisierung“ (20.2.3) wurde bei allen geprüften Kommunen
Nachholbedarf festgestellt und bei der „Unterhaltung der Gewässer II. Ordnung“
(63.3) waren mehrheitlich Erfüllungsdefizite zu verzeichnen.
- Die Erfüllung beider Aufgaben wird u. a. bereits durch den Freistaat Sachsen for-
ciert, z. B. durch die Initiative zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes und
durch die Schaffung des SächsGewUUG.
- Die Aufgaben, bei denen für die Mehrheit (bzw. alle) Kommunen rechnerisch ein
Mehrbedarf ermittelt wurde, werden tatsächlich nicht ausreichend wahrgenommen.
Die Bemessung der Kennzahlen ist bei diesen Aufgaben mithin sachgerecht.
durch Plausibilisierung u. a. der Aufgaben, bei denen bei allen bzw. bei der Mehrheit
der geprüften Kommunen Minderbedarfe (Soll < Ist) ausgewiesen wurden. Bsp.:
- Insbesondere beim Aufgabenbereich „Sport und Kultur“ (41) traten beim Soll-Ist-
Vergleich die örtlichen Besonderheiten zutage, so. z. B. der Betrieb eines
Freibades (anstatt nur dessen Koordinierung), der Betrieb eines Skiliftes, einer
Burganlage, eines Campingplatzes, mehrerer Museen oder einer
Kreisergänzungsbibliothek. Das rechnerisch niedrige Soll ist mit den örtlichen
Besonderheiten im Bereich der freiwilligen Aufgaben zu begründen.
- Im Aufgabenbereich „Bauhof“ (70) führten veraltete Fahrzeug- bzw. Gebäudebe-
stände zu zeitaufwändigeren Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten.
- Die o. g. Abweichungen resultieren aus örtlichen Besonderheiten bzw. dem (unge-
nügenden) Zustand der Arbeitsmittel. Eine Anpassung der Kennzahlenbemessung
ist nicht erforderlich (zum weiteren Umgang mit den Ergebnissen vgl. Kapitel 8).
Anwendungstest des EXCEL-Tools
.

image
 
96
7.2
Vergleichskommunen
Folgende 10 Kommunen unterstützten den SRH bei der Überprüfung seines aktuellen Orga-
nisationsmodells:
Belgern-Schildau
Lauta
Brand-Erbisdorf
Lichtentanne
Glashütte
Lößnitz
Großpösna
Moritzburg
Herrnhut
Rodewisch
Auswahlkriterien
waren u. a.
Gemeinden der Größenklasse 5.000 bis 10.000 EW (unter Berücksichtigung der Be-
völkerungsprognose),
Keine Mitglieder von Verwaltungsgemeinschaften (VG),
Regionale Verteilung über den gesamten Freistaat (eine Kommune je Landkreis),
Breite Streuung der Einwohnerzahl innerhalb der Größenklasse,
Gemischte Auswahl von Gemeinden mit Kindertageseinrichtungen in eigener und /
oder freier Trägerschaft sowie unterschiedlicher Anzahl an Schulen (in eigener Trä-
gerschaft) und zugehöriger Schülerzahl.
Gemischte Auswahl von Gemeinden ohne bzw. mit festgestellten / geprüften Eröff-
nungsbilanzen / Jahresabschlüssen,
Gemeinden unterschiedlicher Klassifizierung im Frühwarnsystem „Kommunale Haus-
halte“ des SMI,
Gemeinden mit unterschiedlich großer Fläche.

97
Ausgewählte Strukturdaten
Mit Bezug auf Kapitel 3 dieser Beratenden Äußerung ist auf folgende Gegebenheiten in den
10 Vergleichskommunen hinzuweisen:
Bei einer der 10 Kommunen handelt es sich um eine
Große Kreisstadt
. Dies fand insbe-
sondere bei der Aufgabengruppe 33 (Straßenverkehr) Berücksichtigung.
Mit Belgern-Schildau und Glashütte wurden 2 Kommunen mit flächenmäßig vergleichsweise
großem
Gemeindegebiet
einbezogen (siehe o. g. Karte).
Hinsichtlich ihrer
Bevölkerungsprognose
sind 8 der 10 Kommunen in vergleichbarem
Umfang wie die 6 zuerst untersuchten Kommunen von Rückgängen betroffen. In Kapitel 3.3
waren Bevölkerungsrückgänge der 6 Kommunen zwischen 10,0 % und 14,3 % bis zum Jahr
2030 dargestellt worden. Bei den hier betroffenen 8 Kommunen werden Rückgänge
zwischen 8,0 % und 12,3 % bis zum Jahr 2030 erwartet. Die Kommunen Moritzburg und
Großpösna bilden mit voraussichtlich leichten Zuwächsen zwischen 1,2 % und 3,1 % im
genannten Zeitraum aufgrund ihrer regionalen Lage nahe der Ballungsräume Dresden bzw.
Leipzig die Ausnahme.
51
Der
Krankenstand
der 10 Vergleichskommunen lag in den Jahren 2017 und 2018 durch-
schnittlich bei 18 Arbeitsunfähigkeitstagen, im Minimum bei 10 und maximal bei 31 Tagen.
Er war damit deutlich höher als der Krankenstand der ersten 6 untersuchten Kommunen, der
in den Jahren 2015 und 2016 durchschnittlich bei 11 Arbeitsunfähigkeitstagen je Mitarbeiter
lag, im Minimum bei 7 und maximal bei 16 Tagen.
Ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen Krankenstand und
Altersstruktur
besteht in
den insgesamt 16 untersuchten Kommunen jedoch nicht. Vielmehr dürften vereinzelte Lang-
zeiterkrankungen ins Gewicht fallen. Die Spanne der Altersdurchschnitte der Verwaltungs-
mitarbeiter reichte in den ersten 6 untersuchten Kommunen von 48 bis 53 Jahre; in den übri-
gen 10 Kommunen von 46 bis 55 Jahre.
Mit der Altersstruktur korrelieren jedoch erwartungsgemäß die künftigen
Personalabgänge
.
Bei der Kommune mit dem höchsten ausgewiesenen Altersdurchschnitt treten die meisten
altersbedingten Personalabgänge bereits bis Ende des Jahres 2020 ein. Die Kommune mit
dem niedrigsten Altersdurchschnitt erwartet ihre größten Personalabgänge demgegenüber
erst im Zeitraum 2025 bis 2030. Entsprechend unterschiedlich ist der Handlungsdruck in den
Kommunen.
51
Beginn der Betrachtung jeweils Jahr 2016, Ende Jahr 2030. Datenquelle: Statistisches Landesamt des
Freistaates Sachsen, 6. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung für den Freistaat Sachsen,
Variante 1.

 
98
7.3
Ergebnisse nach Aufgabenhauptgruppen
In diesem Kapitel werden die ermittelten Soll-Werte je Aufgabenhauptgruppe dargestellt und
erläutert. Die nachfolgenden Diagramme enthalten jeweils
den Modellwert gemäß Kapitel 5.3, der auf den Daten der ersten 6 Kommunen ba-
siert (im weiteren Verlauf bezeichnet als Modell
„6K
“),
den Kontrollwert aufgrund der Daten der weiteren 10 Kommunen (Modell „
10K
“),
den Modellwert aufgrund der Daten aller 16 Kommunen (Modell „
16K
“),
die Werte der einzelnen Kommunen, optisch getrennt nach den ersten 6 und den üb-
rigen 10 untersuchten Kommunen. Zur Anonymisierung der Kommunen wurde je-
weils aufsteigend sortiert, d. h., dass bspw. Kommune 1 in den Diagrammen nicht
zwingend ein- und dieselbe Kommune ist.
Für die Ermittlung der Modellwerte wurden wiederum verschiedene Annahmen getroffen –
wie bereits in Kapitel 5.1 beschrieben. Sie sind nachfolgender Übersicht zu entnehmen. So-
weit für jedes Modell ein Wert ausgewiesen ist, handelt es sich um den jeweiligen Median
der einbezogenen Vergleichskommunen.
Modell
Einheit
6K
10K
16K
Strukturdaten:
Einwohnerzahl (aufgerundeter Median)
EW
7.700
7.300
7.300
Gemeindegebiet
km
2
52
44
42
Ortsteile
Anzahl
6
6
6
Straßenlänge
km
85
76
82
Wasserläufe II. Ordnung
km
33
51
39
Kommunale Einrichtungen
Schulen in kommunaler Trägerschaft
Anzahl
3
2
2
Schüler in Schulen kommunaler Trägerschaft
Anzahl
585
430
502
Kindertageseinrichtungen
Anzahl
5
5
5
davon in kommunaler Trägerschaft
Anzahl
2
1
1
Kinder in KiTas kommunaler Trägerschaft
Anzahl
203
96
105
Ortsfeuerwehren
Anzahl
5
5
5