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Wir beraten Sachsen.
Unabhängig, kompetent, nachhaltig.
Beratende Äußerung
SÄCHSISCHER
RECHNUNGSHOF
Organisationsempfehlungen für sächsische
Landkreise zur mittelfristigen Umsetzung
bis zum Jahr 2020

Organisationsempfehlungen für
sächsische Landkreise
zur mittelfristigen Umsetzung
bis zum Jahr 2020
Beratende Äußerung gem. § 88 Abs. 2 i. V. m. § 96 Abs. 1
Satz 3 SäHO
April 2012
Az.: 2-14000000F134-10.4 868/12

3
Inhaltsverzeichnis
Anlagenverzeichnis
4
Abkürzungsverzeichnis
5
1
Vorwort
8
2
Zusammenfassung
10
3
Grundlegende Rahmenbedingungen für den Modell-Landkreis
12
3.1
Strukturelle Rahmenbedingungen
12
3.2
Finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
16
3.2.1 Allgemeiner kommunaler Finanzausgleich
16
3.2.2 Kreisumlage
17
3.2.3 Abgeltungszahlungen
20
3.2.3.1 Mehrbelastungsausgleich
20
3.2.3.2 Exkurs: Entwicklungen der Soziallasten
21
3.2.4 Ausblick finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
33
3.3
Personalwirtschaftliche Rahmenbedingungen
34
3.4
Aufgabenstand und Aufgabenerfüllung
36
3.4.1 Aufgabenbestand
36
3.4.2 Aufgabenerfüllung
39
4
Mengengerüst für den Modell-Landkreis
43
5
Angesetzte Arbeitszeitkapazität
44
6
Methodik zur Ermittlung der Stellenausstattung
46
6.1
Ermittlung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben
46
6.2
Ermittlung des Stellenbedarfs für Leitungsaufgaben
50
6.3
Ermittlung des Stellenbedarfs für Assistenz- und Sekretariatsaufgaben
52
6.4
Zusammenfassung zur Methodik der Stellenbemessung
55
7
Stellenbedarfe der einzelnen Aufgabengruppen im Modell-Landkreis
56
7.1
Aufgabengruppe 10 „Politisch-administrative Unterstützung Landrat“
56
7.2
Aufgabengruppe 11 „Personalrat“
59
7.3
Aufgabengruppe 12 „Beauftragungen“
61
7.4
Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“
64
7.5
Aufgabengruppe 14 „Kommunalaufsicht“
69
7.6
Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“
73
7.7
Aufgabengruppe 21 „Personal“
76
7.8
Aufgabengruppe 22 „Finanzen“
80
7.9
Exkurs: Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ nach der Doppik-Umstellung
86
7.10
Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“
88

4
7.11
Aufgabengruppe 24 „Archiv“
92
7.12
Aufgabengruppe 25 „Recht“
94
7.13
Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“
96
7.14
Aufgabengruppe 31 „Ausländerangelegenheiten, Staatsangehörigkeit,
Personenstand“
99
7.15
Aufgabengruppe 32 „Straßenverkehr“
102
7.16
Aufgabengruppe 33 „Zivilschutz, Feuerschutz, Rettungsdienst“
106
7.17
Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“
108
7.18
Aufgabengruppe 35 „Veterinärwesen“
112
7.19
Aufgabengruppe 40 „Schule“
115
7.20
Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“
122
7.21
Aufgabengruppe 50 „Soziales“
126
7.22 Exkurs: Ermittlung des Stellenbedarfs für die Aufgabe „Grundsicherung für
Arbeitssuchende nach dem SGB II“
132
7.23
Aufgabengruppe 51 „Jugend“
136
7.24
Exkurs: Steuerungsansätze im Jugend- und Sozialhilfebereich
140
7.25
Aufgabengruppe 60 „Räumliche Planung und Entwicklung“
145
7.26
Aufgabengruppe 61 „Bauen und Wohnen“
150
7.27
Aufgabengruppe 62 „Ver- und Entsorgung“
153
7.28
Aufgabengruppe 63 „Verkehrsflächen und -anlagen“
154
7.29
Aufgabengruppe 64 „Natur- und Landschaftspflege“
157
7.30
Aufgabengruppe 65 „Umweltschutz“
160
7.31
Aufgabengruppe 66 „Wirtschaft und Tourismus“
163
8
Organisationsmodell für Landkreise
164
8.1
Grundvariante
165
8.1.1 Grundvariante 1 (SGB II in Form einer gemeinsamen Einrichtung)
165
8.1.2 Grundvariante 2 (SGB II in Form einer zugelassenen kommunalen Trägerschaft) 168
8.1.3 Organisationsmodell Alternativvariante
170
9
Resümee und Ausblick
174
Anlagenverzeichnis
Anlage 1
Aufgabenkatalog der Sächsischen Landkreise (Stand 2011)
Anlage 2
Stellenbemessung der Fachaufgaben für den Modell-Landkreis
Anlage 3a
Organisationsmodell Grundvariante 1 (mit SGB II in Form einer gE)
Anlage 3b
Organisationsmodell Grundvariante 2 (mit SGB II in Form einer zkT)
Anlage 3c
Organisationsmodell Alternativvariante (mit SGB II in Form einer gE)

5
Abkürzungsverzeichnis
ASD
Allgemeiner Sozialer Dienst
AU-Tage Arbeitsunfähigkeitstage
BA
Bundesagentur für Arbeit
BaföG
Bundesgesetz über individuelle Förderung der Ausbildung (Bundes-
ausbildungsförderungsgesetz)
BGBl. Bundesgesetzblatt
BImSchG
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch Luft-
verunreinigungen, Geräusche, Erschütterungen und ähnliche Vorgän-
ge (Bundes-Immissionsschutzgesetz)
BKiSchG
Gesetz zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern und Jugend-
lichen (Bundeskinderschutzgesetz)
BNatSchG
Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutz-
gesetz)
bsSchw.
Hilfe zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten (8. Kapitel
SGB XII)
CRPD
Convention on the Rights of Persons with Disabilities (UN-Behinderten-
rechtskonvention)
DMS Dokumentenmanagementsystem
EAP Einheitlicher Ansprechpartner
EGH
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (6. Kapitel SGB XII)
eLb Erwerbsfähige Leistungsberechtigte
EStG Einkommensteuergesetz
EU-DLR
Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über Dienst-
leistungen im Binnenmarkt vom 12. Dezember 2006 (EU-Dienstleis-
tungsrichtlinie)
EW Einwohner
FlurbG Flurbereinigungsgesetz
FMV Fördermittelverwaltungssystem
FöRi IZBuB
Richtlinie des SMK zur Gewährung von zweckgebundenen Zuwen-
dungen im Rahmen des Investitionsprogramms „Zukunft Bildung und
Betreuung“ vom 02.09.2003
FöRi SHB
Richtlinie des SMK zur Förderung zur Gewährung von zweckgebun-
denen Zuwendungen für investive Maßnahmen auf dem Gebiet des
Schulhausbaus (Förderrichtlinie Schulhausbau)
FRL GTA
Förderrichtlinie des SMK zur Förderung des Ausbaus von Ganztags-
angeboten
gE gemeinsame Einrichtung
GIS Geographisches Informationssystem
GKV Gesetzliche Krankenversicherung
GruSi
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB
XII)
GVO Grundstücksverkehrsordnung
HzL
Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel SGB XII)
HzG
Hilfe zur Gesundheit (5. Kapitel SGB XII)
HzP
Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII)
IVU-Richtlinie
Richtlinie Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltver-
schmutzung
IZBuB
Investitionsprogramm „Zukunft Bildung und Betreuung“
JugendEW Jugendeinwohner

6
KoA-VV
Allgemeine Verwaltungsvorschrift für die Abrechnung der Aufwendun-
gen der Grundsicherung für Arbeitsuchende durch die zugelassenen
kommunalen Träger und für die Bewirtschaftung von Bundesmitteln im
automatisierten Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen des Bun-
des (Kommunalträger-Abrechnungsverwaltungsvorschrift)
KomPrüfVO
Verordnung des SMI über das kommunale Prüfungswesen (Kommu-
nalprüfungsverordnung)
LD Landesdirektion
LfU
Leistungen für Unterkunft und Heizung (§ 22 SGB II)
LJA
Sächsisches Landesamt für Familie und Soziales, Landesjugendamt
LK Landkreis
LwAnpG
Gesetz über die strukturelle Anpassung der Landwirtschaft an die sozi-
ale und ökologische Marktwirtschaft in der Deutschen Demokratischen
Republik (Landwirtschaftsanpassungsgesetz)
SächsArchivG
Archivgesetz für den Freistaat Sachsen
SächsBRKG
Sächsisches Gesetz über den Brandschutz, Rettungsdienst und Ka-
tastrophenschutz
SächsEigBG
Gesetz über kommunale Eigenbetriebe im Freistaat Sachsen (Sächsi-
sches Eigenbetriebsgesetz)
SächsFAG
Gesetz über den Finanzausgleich mit den Gemeinden und Landkreisen
im Freistaat Sachsen (Sächsisches Finanzausgleichsgesetz)
SächsFFG
Gesetz zur Förderung von Frauen und der Vereinbarkeit von Familie
und Beruf im öffentlichen Dienst im Freistaat Sachsen (Sächsisches
Frauenförderungsgesetz)
SächsFöDaVO
Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über die Verarbeitung
von personenbezogenen Daten in der Landeseinheitlichen Fördermit-
teldatenbank (Sächsische Fördermitteldatenbankverordnung) vom
13.10.2000
SächsGemO
Gemeindeordnung für den Freistaat Sachsen
SächsGrKrZuG
Sächsisches Gesetz über die Zuständigkeiten der Großen Kreisstädte
SächsGrKrZuVO
Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über die Zuständigkeiten
der Großen Kreisstädte
SächsGVBl.
Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt
SächsKatSVO
Verordnung des SMI über den Katastrophenschutz im Freistaat Sach-
sen (Sächsische Katastrophenschutzverordnung)
SächsKiSchG
Sächsisches Kindergesundheits- und Kinderschutzgesetz
SächsKRG
Gesetz über die Kulturräume in Sachsen (Sächsisches Kulturraumge-
setz)
SächsKrGebNG
Gesetz zur Neugliederung des Gebietes der Landkreise des Freistaa-
tes Sachsen (Sächsisches Kreisgebietsneugliederungsgesetz)
SächsLKrO
Landkreisordnung für den Freistaat Sachsen
SächsNatSchG
Sächsisches Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Sächsi-
sches Naturschutzgesetz)
SächsPersVG Sächsisches Personalvertretungsgesetz
SächsVwNG
Gesetz zur Neuordnung der Sächsischen Verwaltung (Sächsisches
Verwaltungsneuordnungsgesetz)
SächsWaldG
Waldgesetz für den Freistaat Sachsen
SäHO
Haushaltsordnung des Freistaates Sachsen (Sächsische Haushalts-
ordnung)
SchulG
Schulgesetz für den Freistaat Sachsen
SGB II
Sozialgesetzbuch Zweites Buch - Grundsicherung für Arbeitsuchende
SGB VIII
Sozialgesetzbuch - Achtes Buch - Kinder- und Jugendhilfe
SGB XII
Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch - Sozialhilfe

7
SMI
Sächsisches Staatsministerium des Innern
SMF
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
SMK
Sächsisches Staatsministerium für Kultus und Sport
SNP Schulnetzplanung
SRH
Sächsischer Rechnungshof
StaLa
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
TÖB
Träger öffentlicher Belange
U25 Unter-25-Jährige
Ü25 Über-25-Jährige
U65 Unter-65-Jährige
Ü65 Über-65-Jährige
VwV Kostenfestle-
gung 2010
Verwaltungsvorschrift des SMF zur Feststellung von Verwaltungsge-
bühren sowie Benutzungsgebühren und Entgelten für die Inanspruch-
nahme der Landesverwaltung
VZÄ
Vollzeitäquivalente (entspricht 1,0 Vollzeitstelle à 40 Wochenstunden)
WJH Wirtschaftliche Jugendhilfe
WRRL
Europäische Wasserrahmenrichtlinie
zkT
zugelassener kommunaler Träger/zugelassene kommunale Träger-
schaft

 
8
1
Vorwort
Erfolgreiches
Verwaltungshandeln wird maßgeblich durch effiziente Strukturen unterstützt.
Der Sächsische Rechnungshof (SRH) prüft daher bereits seit Anfang der 90er Jahre den
wirtschaftlichen Personaleinsatz in sächsischen Kommunen mit dem Ziel, Hinweise und
Empfehlungen zur Organisationsstruktur und zur Personalbemessung zu erarbeiten. Diese
wurden stets in Form von Organisationsmodellen für vergleichbare Kommunen, darunter im
Jahr 1999 auch für Landkreise mit 130.000 bis 170.000 Einwohnern (EW), erstellt. Die nun-
mehr vorliegenden 6 Organisationsmodelle decken den Bedarf des einwohnerbezogenen
größten Teils der Kommunen im Freistaat Sachsen ab.
Die sächsischen Landkreise befinden sich seit 1990 in einem umfassenden und dauerhaften
Prozess der personellen sowie organisatorischen Konsolidierung. Organisationsmodelle wie
das aus dem Jahr 1999 bieten hierfür einen wesentlichen Orientierungsrahmen.
Mit dem Gesetz zur Neuordnung der Sächsischen Verwaltung (SächsVwNG) vom
29.01.2008 und dem Gesetz zur Neugliederung des Gebietes der Landkreise des Frei-
staates Sachsen und zur Änderung anderer Gesetze vom 29.01.2008 (SächsKrGebNG) be-
durfte das durch den SRH erarbeitete Organisationsmodell für Landkreise aus dem Jahr
1999 einer vollständigen Überarbeitung. Dazu hat der SRH bereits in den Jahren 2008 und
2009 im Teil I der überörtlichen Prüfung zur Funktional- und Kreisgebietsreform die Verände-
rungen durch die Aufgabenübertragung und die Neugliederung dargestellt und erste Optimie-
rungspotenziale aufgezeigt. Die Ergebnisse wurden im Jahresbericht 2009 des SRH veröf-
fentlicht.
Die vorliegende Beratende Äußerung bezieht sich abweichend von den vorangegangenen
Organisationsmodellen nicht ausschließlich auf den Bereich der Organisation und des Per-
sonalwesens in der Kernverwaltung, sondern es werden sämtliche Aufgabenbereiche unter
Einschluss aller Organisationseinheiten der Landkreise betrachtet. Schwerpunkt der zugrun-
de liegenden Organisationsprüfungen in 3 ausgewählten Landkreisen war die Kreisgebiets-
reform unter besonderer Berücksichtigung der Aufgabenübertragung durch die Funktional-
reform auf die Landkreise.
Die Verfahrens- und Vorgehensweise zur Erarbeitung der Organisationsempfehlungen er-
folgte in Abstimmung mit Vertretern des Sächsischen Landkreistages und des Sächsischen
Staatsministeriums des Innern (SMI).

9
Die Prüfung des SRH erfolgte unter Hinzuziehung der WIBERA Wirtschaftsberatung AG
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft.
Den kommunalen Entscheidungsträgern, Rechtsaufsichts- und Prüfbehörden möchte der
SRH mit den hier vorliegenden Empfehlungen zu effizienten Verwaltungsstrukturen und zum
angemessenen Personalbestand eine Unterstützung bei der Beurteilung bzw. Gestaltung der
Organisation des jeweiligen Landkreises geben.
Den Landkreisen wird empfohlen, den jeweiligen Stellenbedarf entsprechend den in dieser
Beratenden Äußerung verwendeten Aufgabenblöcken (vgl. Anlage 2) zu ermitteln und in
einer eigenen Übersicht auszuweisen, unabhängig davon, in welchen Organisationseinheiten
die Aufgabe tatsächlich wahrgenommen wird.
Durch schlankere Organisationsstrukturen entsprechend dem vorgelegten Modell könnten
allein in den 3 untersuchten Landkreisen insgesamt rund 438
1
Vollzeitstellen eingespart wer-
den. Dies sind rund 11 % des Stellen-Ist. Eine Umsetzung der Empfehlungen wird nicht in
jedem Fall sofort, aber mittel- bis langfristig (5 bis 10 Jahre) möglich sein. Ausgehend von
einem durchschnittlichen Personalkostensatz von 50 T€ wäre ein mittel- bis langfristiges Ein-
sparpotenzial von rund 21,9 Mio. € pro Jahr möglich.
2
Das Organisationsmodell ist im Internet unter
www.rechnungshof.sachsen.de
in der Rubrik:
Veröffentlichungen/Beratende Äußerungen abrufbar.
1
Davon entfallen rund 59,2 VzÄ auf Aufgaben, deren Stellenanteile außerhalb des Stellenplans geführt werden
(z. B. Eigenbetrieb).
2
Landkreisspezifische Regelungen zur zukünftigen Personalentwicklung (z. B. im Rahmen eines Personalent-
wicklungs- oder Personalabbaukonzepts) in den kommenden Jahren sowie künftige Tarifsteigerungen wurden
dabei nicht berücksichtigt und sind im Rahmen der Umsetzung zu beachten. Es erfolgte ebenso keine Berech-
nung möglicher Sachausgabenveränderungen.

image
 
10
2
Zusammenfassung
Die Rahmenbedingungen
der Landkreise im Freistaat Sachsen haben sich infolge der Funk-
tional- und Kreisgebietsreform im Jahr 2008 wesentlich geändert. Mit dieser Beratenden Äu-
ßerung legt der SRH „Organisationsempfehlungen für sächsische Landkreise“ nach
§ 88 Abs. 2 Sächsische Haushaltsordnung (SäHO) i. V. m. § 96 Abs. 1 Satz 3 SäHO vor.
Ziel dieser Beratenden Äußerung ist es, die Landkreise bei den notwendigen Strukturver-
änderungen zur Optimierung des Verwaltungshandelns zu unterstützen und ihnen einen
Rahmen im Hinblick auf Stellenausstattung und Organisationsstruktur zu geben.
Dabei blei-
ben die Beschlusszuständigkeit des Kreistages und die Organisationshoheit des
Landrates unberührt.
Basis für dieses Organisationsmodell war die systematische Analyse der Ist-Situation im Hin-
blick auf Organisationsaufbau, Stellenbestand und Aufgabenwahrnehmung in folgenden
3 Landkreisen (nachfolgend als „Vergleichskreise“ bezeichnet), die repräsentativ einen Quer-
schnitt der Landkreisebene im Freistaat Sachsen abbilden:
Landkreis Meißen
als Zusammenschluss aus 2 Landkreisen (Landkreis Meißen und
Landkreis Riesa-Großenhain) und verdichteter Kreis/Agglomerationsraum
Vogtlandkreis,
in welchen die ehemals Kreisfreie Stadt Plauen eingekreist wurde, als
Kreistyp verdichteter Kreis/verstädterter Raum
Erzgebirgskreis
als Zusammenschluss aus 4 Landkreisen (Landkreis Aue-Schwarzen-
berg, Landkreis Stollberg, Landkreis Annaberg und Mittlerer Erzgebirgskreis) als Kreistyp
verdichteter Kreis/verstädterter Raum.
Abbildung 1:
Typisierung der sächsischen Landkreise
3
3
Vgl. StaLa, Sächsische Kreisstatistik 2009,
www.statistik.sachsen.de
.
Agglomerationsräume
Verstädterte Räume
Ländliche Räume
Kernstädte
Hochverdichtete Kreise
Verdichtete Kreise
Ländliche Kreise
Kernstädte
Verdichtete Kreise
Ländliche Kreise
Ländliche Kreise höherer Dichte
Ländliche Kreise geringerer Dichte
Datenbasis: Laufende Raumbeobachtung des BBR
Geometrische Grundlage: BKG, Kreise, 31.12.2006, eigene Fortführung 31.12.2008

11
Landkreis
EW*
Fläche in km²*
Stellen-Ist VzÄ**
zum 01.10.2010
Zugelassene kommuna-
le Trägerschaft (SGB II)
Erzgebirgskreis 370.441 1.828 1.593,89 ja, ab 01.01.2012
Meißen 253.828 1.452 1.321,29 ja, ab 01.01.2011
Vogtlandkreis 245.899 1.412 1.039,32 nein
* Zum EW-Stand 30.06.2010 und Gebietsstand 31.12.2010.
** Einschließlich Fachaufgaben außerhalb des Stellenplans.
Der SRH geht bei der Organisationsstruktur im Organisationsmodell bei Wahrnehmung der
Aufgaben nach dem SGB II in Form einer gemeinsamen Einrichtung (gE) von einer Struktur
mit 3 Dezernaten und ihnen zugeordneten 14 Ämtern aus. Dem Geschäftsbereich des Land-
rates direkt zugeordnet sind die Aufgabengruppen Kommunalaufsicht, Wirtschaft und Touris-
mus sowie Büro Landrat. Die nicht weisungsgebundenen Aufgabengruppen Rechnungsprü-
fung, Beauftragungen und Personalrat sind nachrichtlich ausgewiesen (vgl. Kapitel 8).
Als eine angemessene Alternative dazu erscheint für Landkreise mit Wahrnehmung der Auf-
gaben nach dem SGB II in Form einer zugelassenen kommunalen Trägerschaft (zkT) die
Bildung von 4 Dezernaten.
Um das Organisationsmodell zu definieren (und darzustellen), wurde ein Modell-Landkreis
gebildet, für den Annahmen im Hinblick auf Rahmenbedingungen, Aufgabenbestand und
Aufgabenwahrnehmung getroffen wurden. Für die Bemessung des Stellenbedarfs im Modell-
Landkreis wurde im Unterschied zu bisherigen Organisationsmodellen differenziert nach Auf-
gaben vorgegangen. Einzelnen Aufgaben/Aufgabenblöcken wurden Arbeitsmengen zugeord-
net, die sich an sog. aufwandsprägenden Merkmalen orientieren (vgl. Kapitel
6).
Mit einem Modell kann
immer nur eine Leitlinie für die Organisationsarbeit gegeben werden.
Maßgebend für die Umgestaltung einer Kreisverwaltung müssen immer die konkreten Gege-
benheiten des einzelnen Landkreises sein. Bei Vergleichen mit bestehenden Landkreisen
müssen daher folgende Kriterien beachtet werden:
Die im Modell-Landkreis angenommenen örtlichen Gegebenheiten sind mit der Situation
im jeweiligen Landkreis zu vergleichen.
Die erfolgte Aufgabenabgrenzung zwischen der Kernverwaltung, dem nachgeordneten
Bereich und den Aufgaben außerhalb des Stellenplanes müssen berücksichtigt werden.
Die Fallzahlen bzw. die Ausprägung der aufwandsprägenden Merkmale als Angabe der
Arbeitsmengen pro Vollzeitäquivalente (VZÄ) sind bei der Ermittlung des Stellenbedarfs
vor Ort als grundlegende Ausgangsgröße zu benutzen.

 
12
Die tatsächlichen Arbeitsmengen in den Landkreisen werden sich regelmäßig von denen
im Modell-Landkreis unterscheiden.
Über die hier angewendete, aufgabenbezogene Bemessung ist auf Basis der konkreten Ar-
beitsmengen und Fallzahlen vor Ort der spezifische Stellenbedarf für jeden Landkreis und
jede Organisationseinheit rechnerisch ermittelbar - auch dann, wenn eine zum Modell-Land-
kreis abweichende Aufgabenzuordnung zu Organisationseinheiten besteht.
Eine Ermittlung der Personalausstattung der Landkreise über einen Richtwert „VZÄ je TEW“
ist nicht mehr sachgerecht.
Die Realisierung der im Organisationsmodell angegebenen Vorschläge zur Struktur und zum
Stellenbestand wird in den Landkreisen mit einer derzeit stark abweichenden Ist-Situation
kaum kurzfristig möglich sein.
Der SRH hält aber eine mittelfristige Umsetzung der Emp-
fehlungen im Organisationsmodell spätestens bis zum Jahr 2020 für realisierbar.
3
Grundlegende Rahmenbedingungen für den Modell-Landkreis
Zentrale Faktoren
für die Gestaltung einer Organisationsstruktur sind:
strukturelle Rahmenbedingungen,
finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen,
personalwirtschaftliche Rahmenbedingungen,
Aufgabenbestand und Aufgabenerfüllung.
Im Folgenden wird auf diese Faktoren eingegangen. Ferner werden die wesentlichen An-
nahmen bzw. Herausforderungen für den Modell-Landkreis dargestellt.
3.1
Strukturelle Rahmenbedingungen
Die Anzahl
der EW sowie die Größe des Kreisgebiets stellen zentrale und übergeordnete
Rahmenbedingungen für die Organisation der Kreisverwaltung dar. Um die Leistungsfähig-
keit und Zukunftsfähigkeit der Landkreise zu stärken, wurden diese Rahmenbedingungen mit
der Kreisgebietsreform im Freistaat Sachsen neu gestaltet.
Die Zahl der EW der Landkreise des Freistaates Sachsen bewegt sich mit Stand 31.12.2010
zwischen 206.000 EW im Landkreis Nordsachsen und 368.000 EW im Erzgebirgskreis. Die
durchschnittliche Zahl liegt bei rund 290.000 EW.

image
image
13
Abbildung 2:
EW der sächsischen Landkreise Stand 31.12.2010 (in TEW)
4
Ebenso wie der Durchschnitt der EW liegt auch der Durchschnitt der Jugendeinwohner (Ju-
gendEW) aller Landkreise des Freistaates Sachsen auf dem Durchschnitt der Vergleichs-
kreise und wird für den Modell-Landkreis mit 65.300 JugendEW angesetzt.
Abbildung 3: JugendEW (0-27 Jahre) der sächsischen Landkreise Stand
31.12.2010 (in TEW)
5
Die Fläche der Landkreise im Freistaat Sachsen bewegt sich zwischen 2.391 km² (Landkreis
Bautzen) und 949 km² (Landkreis Zwickau). Wenngleich die Durchschnittsfläche der unter-
suchten Vergleichskreise mit 1.564 km² und die Durchschnittsfläche aller Landkreise des
Freistaates Sachsen mit 1.747 km² auseinander liegen, so ist das Niveau dennoch ver-
gleichbar. Für den Modell-Landkreis wird eine Fläche von 1.500 km² angenommen.
4
Vgl. StaLa, Sächsische Kreisstatistik 2010,
5
Vgl. StaLa, Sächsische Kreisstatistik 2011,
www.regionalstatistik.de
.
www.regionalstatistik.de
.

image
14
Abbildung 4:
Fläche der sächsischen Landkreise zum 31.12.2010 (in km²)
6
In Sachsen bestehen zum Stand 01.01.2012 455 kreisangehörige Städte und Gemeinden. In
den Vergleichskreisen sind es durchschnittlich rund 46 Städte und Gemeinden. Entspre-
chend den bisherigen Annahmen wird auch hier der Durchschnitt der 3 Vergleichskreise an-
gesetzt. Zudem wird davon ausgegangen, dass sich in dem Modell-Landkreis 5 Große Kreis-
städte befinden.
Als Basis für den Modell-Landkreis werden folgende Rahmendaten angenommen:
Damit ergeben sich künftig folgende Herausforderungen:
Aufgrund der demografischen Entwicklung wird in den Landkreisen des Freistaates Sachsen
die Anzahl der EW abnehmen. Die Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes
Sachsen
7
(auf Basis des Jahres 2010 bis zum Jahr 2025) geht in seinen zwei Prognosevari-
anten von einer durchschnittlichen Reduzierung von rund 14 % bzw. rund 16 % aus. Dabei
sind unter den Landkreisen teilweise erhebliche Unterschiede erkennbar. Für die 3 unter-
suchten Vergleichskreise liegt der durchschnittliche Bevölkerungsrückgang von 2010 bis
2025 in der Prognosevariante 1 bei rund 15 % und somit einen Prozentpunkt höher als der
Durchschnitt aller Landkreise im Freistaat Sachsen.
6
Vgl. StaLa, Sächsische Kreisstatistik 2011,
7
Vgl. die 5. Regionalisierte Bevölkerungsprognose
www.regionalstatistik.de
für den Freista
.
at Sachsen bis 2025 (vom 30.11.2010),
www.statistik.sachsen.de
.
Anzahl der EW:
290.000
Anzahl der JugendEW (0-27 Jahre):
65.300
Fläche:
1.500 km²
Anzahl der kreisangehörigen Städte und Gemeinden:
46
Anzahl der Großen Kreisstädte: 5

image
15
Abbildung 5:
Reduzierung der Bevölkerung gemäß Bevölkerungsprognose, Vari-
ante 1 (in %)
8
Da es in zahlreichen Bereichen Korrelationen zwischen der EW-Zahl und den Aufgaben gibt,
wird sich der Aufgabenbestand der Landkreise perspektivisch quantitativ und qualitativ ver-
ändern und somit Anpassungen in der Organisation der Kreisverwaltung erfordern.
8
Ebenda.

 
16
3.2
Finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Einnahmen der Landkreise stehen
auf 3 wesentlichen Säulen:
dem allgemeinen kommunalen Finanzausgleich, wie dieser im Gesetz über den Finanz-
ausgleich mit den Gemeinden und Landkreisen im Freistaat Sachsen - Sächsisches Fi-
nanzausgleichsgesetz (SächsFAG) - geregelt ist,
der Kreisumlage, welche die Landkreise gemäß § 26 Abs. 1 SächsFAG von den kreisan-
gehörigen Gemeinden erheben und
den „Abgeltungszahlungen“ für Aufgaben, welche der Freistaat Sachsen auf die Land-
kreise übertragen hat.
Die Landkreise haben durch die Kreisumlage Einflussmöglichkeiten auf die Höhe ihrer Ein-
nahmen. Dabei wird der Kreistag eine Abwägung zwischen Finanzausstattung des jeweiligen
Kreises und der Gemeinden innerhalb des Kreises treffen müssen.
Die Landkreise müssen alle Entscheidungen zu Art und Umfang der Aufgabenwahrnehmung
konsequent an Finanzierbarkeits- und Wirtschaftlichkeitskriterien ausrichten.
3.2.1 Allgemeiner kommunaler Finanzausgleich
Über den allgemeinen
kommunalen Finanzausgleich fließen den Landkreisen allgemeine
Schlüsselzuweisungen und investive Schlüsselzuweisungen zu. Die allgemeinen Schlüssel-
zuweisungen sind von 670,1 Mio. € (2002) auf 497,4 Mio. € (2012) gesunken. Gleiches gilt
für die investiven Schlüsselzuweisungen.

image
 
17
Abbildung 6:
Entwicklung der Schlüsselzuweisungen der sächsischen Landkreise
(in Mio. €)
9
Die künftige Entwicklung insbesondere auch der Schlüsselzuweisungen kann derzeit nicht
verlässlich prognostiziert werden, da diese von diversen Faktoren abhängig sind (u. a. die
konjunkturelle Entwicklung, die einwohnerbezogenen Auswirkungen des Zensus und die
weitere Entwicklung der Steuer- und Finanzpolitik auf Bundesebene)
10
.
3.2.2 Kreisumlage
Nach dem im SächsFAG
verankerten horizontalen Gleichmäßigkeitsgrundsatz gilt Folgen-
des: „Die Gesamtschlüsselmasse wird in einem ersten Schritt so zwischen den Kreisfreien
Städten und dem kreisangehörigen Raum aufgeteilt, dass sich die Pro-Kopf-Finanzkraft in
beiden Räumen gleichmäßig entwickelt. Die Finanzkraft bestimmt sich dabei aus der Steuer-
kraft sowie den Schlüsselzuweisungen. In einem zweiten Schritt wird der auf den kreisange-
hörigen Raum entfallende Anteil der Schlüsselmasse unter den Gemeinden und Landkreisen
so aufgeteilt, dass die Pro-Kopf-Schlüsselzuweisungen beider Säulen gleichmäßig wach-
sen.“
11
Das Korrektiv für eine Gleichentwicklung der Finanzkraft innerhalb des kreisangehö-
rigen Raums ist die Kreisumlage.
Die zu erzielenden Einnahmen aus der Kreisumlage hängen im Wesentlichen von den Steu-
ereinnahmen der kreisangehörigen Gemeinden ab. Die Steuereinnahmen der kreisangehöri-
gen Gemeinden sind von 263 €/EW (2001) auf 490 €/EW (2010) gestiegen. Entsprechend
haben sich im Schnitt auch die Einnahmen aus der Kreisumlage von 138 €/EW auf
210 €/EW erhöht.
9
Zusammenstellung des SRH auf Basis der Daten des SMF.
10
Vgl. Sächsischer Städte- und Gemeindetag, Gemeindefinanzbericht Sachsen 2010/2011 in Sachsenlandkurier
5/2011, S. 326.
11
Vgl. SMF, „Die Gemeinden und ihre Finanzen“, Freistaat Sachsen 2011, S. 47.

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18
Abbildung 7: Entwicklung der Steuereinnahmen (netto) und der Kreisumlage
(in €/EW)
12
Bei Betrachtung der durchschnittlichen Entwicklung der Finanzkraft der Landkreise und
kreisangehörigen Gemeinden in den Jahren 2001 bis 2010 zeigt sich, dass eine Gleichent-
wicklung nur in den Jahren 2002, 2006 und 2010 tatsächlich gegeben war.
Abbildung 8:
Entwicklung der Finanzkraft
13
von Landkreisen und kreisangeh. Ge-
meinden und mögliche Anpassungsbedarfe an den Einnahmen aus
Kreisumlage (in T€)
14
12
Vgl. StaLa, Jahresrechnungsstatistik der Gemeinden/Gemeindeverbände 2001 bis 2009; Kassenstatistik der
13
Gemeinden/Gemeindeverbände
Die Finanzkraft setzt sich auf Seite
2010,
des
www.statistik.sachsen.de
Landkreises zusammen
.
aus den Einnahmen aus Kreisumlage, aus der
Finanzausgleichsumlage (Kreisanteil) und den allgemeinen Schlüsselzuweisungen. Auf der Seite der kreisan-
gehörigen Gemeinden setzt sich die Finanzkraft zusammen aus den Steuereinnahmen, den allgemeinen
Schlüsselzuweisungen abzüglich der Ausgaben für Kreisumlage und Finanzausgleichsumlage.
14
Vgl. StaLa, Jahresrechnungsstatistik der Gemeinden/Gemeindeverbände 1992 bis 2009, Kassenstatistik der
Gemeinden/Gemeindeverbände, 2010.

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19
Bei einer durchgängigen Gleichentwicklung hätten die Landkreise in der Summe in den Jah-
ren 2001 bis 2010 durchschnittlich 5.667 T€ Mehreinnahmen pro Jahr bei entsprechenden
Anpassungen aus der Kreisumlage erzielen können.
Die Landkreise müssen ihre Möglichkeiten zur Einnahmeverbesserung unter Abwägung der
Finanzlage der kreisangehörigen Gemeinden nutzen.
Die gegenseitige Rücksichtnahme innerhalb des kreisangehörigen Raumes gebietet es, dass
die Landkreise ihre Ausgaben an weiterer Konsolidierung ausrichten.

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20
3.2.3 Abgeltungszahlungen
3.2.3.1 Mehrbelastungsausgleich
Bezüglich der
sog. Abgeltungszahlungen ist für die sächsischen Landkreise zunächst der
Mehrbelastungsausgleich von Relevanz. Diesen erhalten die sächsischen Landkreise für die
im Rahmen der Funktionalreform 2008 vom Freistaat Sachsen übertragenen Aufgaben. Der
Mehrbelastungsausgleich stellt sich wie folgt in seiner Entwicklung dar:
Abbildung 9: Entwicklung des Mehrbelastungsausgleichs (in €)
15
Die Zahlungen im Rahmen des Mehrbelastungsausgleichs vom Freistaat an die Landkreise
verringern sich bis 2018 auf rund 116,45 Mio. €. Entsprechend sind die Landkreise gefordert,
die übertragenen Aufgaben (und das Personal) möglichst effektiv in die Verwaltung zu integ-
rieren, um Ausgabensenkungen zu erreichen.
15
Vgl. Art. 4 SächsVwNG: Mehrbelastungsausgleich (für die Landkreise und Kreisfreien Städte) für übertragene
Aufgaben im Rahmen der Funktionalreform gem. § 1 Abs. 1 Sächsisches Mehrbelastungsausgleichsgesetz
2008.

 
21
3.2.3.2 Exkurs: Entwicklungen der Soziallasten
Die Sozialausgaben sind
mit rund zwei Dritteln der Kreishaushalte eine wesentliche zu tra-
gende Last. Zwar übernimmt der Bund im Rahmen der „Abgeltungszahlungen“ die Ausgaben
für die Regelleistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II sowie
schrittweise die Ausgaben für die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach
dem 4. Kapitel SGB XII
16
. Mit den Leistungen für Unterkunft (§ 22 SGB II
17
) bzw. den übrigen
Leistungen der Sozial- und Jugendhilfe verbleiben jedoch zentrale Aufwandspositionen bei
den Landkreisen.
Analyse ausgewählter Leistungen der Sozialhilfe
Das Zwölfte Sozialgesetzbuch (SGB XII) umfasst Leistungen zur Mindestsicherung zur Füh-
rung eines Lebens, das der Würde des Menschen entspricht (§ 1 SGB XII) und deckt unter-
schiedliche Hilfearten ab, darunter u. a.:
laufende Sozialhilfe u. a. für Menschen ab dem 65. Lebensjahr sowie für dauerhaft Er-
werbsgeminderte,
vorbeugende Gesundheitshilfe und Hilfe bei Krankheit sowie Eingliederungshilfe für be-
hinderte Menschen.
Die Haushaltsstruktur der Sozialhilfeausgaben stellt sich in den sächsischen Landkreisen
durchschnittlich wie folgt dar:
16
Der Bund übernimmt ab dem Jahr 2012 45 %, dann im Jahr 2013 75 % und ab dem Jahr 2014 schließlich
100 % der Ausgaben.
17
Die gegenwärtige Bundesbeteiligung an den kommunalen Leistungen für Unterkunft in Sachsen beträgt gem.
§ 46 Abs. 5 SGB II bis 2013 30,4 % und ab 2014 27,6 %.

22
Abbildung 10:
Durchschnittliche Anteile der Ausgabearten in der Sozialhilfe in den
sächsischen Landkreisen im Jahr 2010 (in %)
Hilfe zum
Lebensunterhalt nach
dem 3. Kapitel SGB XII
(HzL)
9 %
Hilfen zur Gesundheit
nach dem 5. Kapitel
SGB XII (HzG)
2 %
Grundsicherung im
Alter und bei
Erwerbsminderung
nach dem 4. Kapitel
SGB XII (GruSi)
26 %
Hilfe zur Pflege nach
dem 7. Kapitel SGB XII
(HzP)
13 %
Eingliederungshilfe
für behinderte
Menschen nach
dem
6. Kapitel SGB XII
(EGH)
47 %
Hilfen zur
Überwindung
besonderer sozialer
Schwierigkeiten nach
dem 8. Kapitel SGB XII
(besSchw)
3 %
Mit knapp 90 % der Gesamtausgaben fallen folgende Hilfearten besonders ins Gewicht:
Eingliederungshilfe für behinderte Menschen (6. Kapitel SGB XII),
Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII),
bis max. 2014: Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII).
Auf Basis der in der sächsischen Kreisstatistik verfügbaren Daten wurde für die einzelnen
Sozialleistungen eine landkreisübergreifende Analyse der Falldichten und Ausgaben insge-
samt vorgenommen
18
. Für die Jahre 2008 bis 2010 zeigt sich folgende Entwicklung
19
:
18
Es handelt sich hier um aggregierte Daten und Tendenzaussagen unterschiedlicher Sozialräume.
19
Quelle: Eigene Berechnungen der WIBERA sowie sächsische Kreisstatistik der Jahre 2011, 2010 und 2009,
wobei die Daten jeweils zum Vorjahresstand vorhanden sind (vgl. Achsenbeschriftung der Grafiken). Da für
das Jahr 2009 (Datenstand 2008) für den Landkreis Nordsachsen keine Daten abrufbar sind, wurde der Land-
kreis hier aus der Durchschnittsbetrachtung ausgeklammert. Bei den Empfängerdaten handelt es sich um fol-
gende Angaben:
SGB II: Empfänger von Leistungen nach SGB II im Dezember: erwerbsfähige (ALG II) und nicht erwerbsfä-
hige (Sozialgeld) Leistungsempfänger im Dezember
SGB XII: Empfänger von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel) in und außerhalb
von Einrichtungen, Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel) außerhalb von Einrich-
tungen jeweils am 31. Dezember, Empfänger von Leistungen nach dem 5.-9. Kapitel SGB XII ohne Perso-
nen, die lediglich eine Anspruchsberechtigung auf Krankenbehandlung hatten.

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23
Abbildung 11:
Anzahl Empfänger je 100 EW in sächsischen Landkreisen (SGB XII)
Während sich die Fallzahlen der Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel SGB XII) im Zeitraum
von 2008 bis 2010 nur gering verändert haben, sind bei der Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII) sowie bei den Leistungen nach dem 5.-9. Kapitel
SGB XII die Empfängerzahlen deutlich angestiegen. Die Last dieser Anstiege verteilt sich
dabei auf die Landkreise in unterschiedlichem Maße. Dies zeigt folgende Abbildung, welche
die Veränderungen der Empfängerdichte, also der Empfängerzahl je 100 EW, beispielhaft für
den Bereich der Hilfen nach dem 5.-9. Kapitel SGB XII darlegt (diese Kapitel repräsentieren
etwa zwei Drittel der Gesamtausgaben der Leistungen nach dem SGB XII)
20
:
Abbildung 12: Durchschnittliche Veränderung der Empfängerdichte im Vergleich
zum Vorjahr für die Jahre 2008 bis 2010 (5.-9. Kapitel SGB XII)
20
Da die Hilfen zum Lebensunterhalt (3. Kapitel SGB XII) sich nur gering verändert haben und die Grundsiche-
rung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII) vom Bund übernommen wird, beschränkt sich
diese Betrachtung auf die Leistungen nach dem 5.-9. Kapitel SGB XII. In der Grundsicherung präsentiert sich
jedoch ein ähnlich heterogenes Bild.
Datenbasis der Berechnung ist jeweils der Mittelwert aus der prozentualen Veränderung der Empfängerzahl je
100 EW der Jahre 2008-2009 und 2009-2010. Zu beachten ist bei der Interpretation dieser Daten, dass es sich
hierbei nicht zwingend um Demografieeffekte handeln muss, sondern auch buchungsbedingte durch das Fall-
management veranlasste Wechsel der einzelnen Hilfearten untereinander handeln kann. Für Nordsachsen
wurde angesichts der nicht abrufbaren Daten für das Jahr 2008 kein Wert ermittelt.

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24
Außer den Empfängerzahlen sind jedoch auch die Ausgaben insgesamt gestiegen. So sind
sowohl die Höhe der Gesamtausgaben je EW als auch die Leistungen je Empfänger allein im
Vergleich 2009-2010 um 4 % bzw. um 2 % angewachsen.
Abbildung 13:
Durchschnittliche SGB-XII-Leistungen( in T€ je 100 EW)
21
Abbildung 14:
Durchschnittliche SGB-XII-Leistungen (in T€ je Empfänger)
Deutlich wird hierbei, dass insbesondere die Leistungen nach dem 5.-9. Kapitel SGB XII ei-
nen großen Anteil an der Gesamtaufwandssteigerung haben. Bei den Einzeldaten der unter-
suchten Landkreise resultieren diese Aufwandssteigerungen insbesondere aus der Einglie-
derungshilfe für behinderte Menschen (6. Kapitel SGB XII), der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel
SGB XII) sowie der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII).
Hier sind durchschnittliche Steigerungsraten der Ausgaben von +13 %, +5 % und +4 % zu
verzeichnen.
21
Bezüglich der Daten zu Leistungen der Sozialhilfe nach dem SGB XII der Sächsischen Kreisstatistik ist Fol-
gendes zu beachten: Hier enthalten sind die von der amtlichen Sozialhilfestatistik im Rahmen des SGB XII
(Sozialhilfe) erhobenen Daten. Dargestellt werden die reinen Ausgaben, d. h. die Differenz aus Bruttoausga-
ben (Gesamtheit aller Ausgaben, die im Rahmen der Hilfegewährung an Bedürftige getätigt werden) und Ein-
nahmen. Zu den Einnahmen gehören außer den Erstattungen von anderen Sozialleistungsträgern auch eigene
Kostenbeiträge der Empfänger, übergeleitete Unterhaltsansprüche von zum Unterhalt verpflichteten Ange-
hörigen und Rückzahlungen von gewährten Hilfen oder Darlehen.

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25
Es ist zu erwarten, dass der demografische Wandel diesen Trend und damit die mögliche
finanzielle Belastung für die sächsischen Landkreise - und damit entsprechend für den Mo-
dell-Landkreis - weiter verstärken wird. Während in der Eingliederungshilfe analog zur Bevöl-
kerung ein Rückgang zu vermuten ist, werden die Ausgaben für die Hilfe zur Pflege voraus-
sichtlich stark ansteigen. So geht die 5. Regionalisierte Bevölkerungsprognose für den Frei-
staat Sachsen
22
von einer mit 14 % steigenden Anzahl der Über-65-Jährigen (Ü65-Jährige)
aus. Dies entspricht in den sächsischen Landkreisen einem absoluten Anstieg dieser Alters-
gruppe von rund 720.000 im Jahr 2011 auf rund 821.000 Personen im Jahr 2025.
Abbildung 15:
Anzahl Ü65-Jährige (absolut)
Stärker noch als die absolute Anzahl an potenziellen Hilfeempfängern wird sich der Anteil
der Ü65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung steigern. Hier ist bis 2025 mit Zuwächsen von
einem Drittel zu rechnen (von 27 % auf 36 % Ü65-Jährige).
22
Analog zum Kapitel 3.1 beziehen sich alle folgenden Daten auf die Variante 1 der Bevölkerungsprognose.

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26
Abbildung 16:
Anteil der Ü65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung
Um die Frage nach einer nachhaltigen Finanzierung zu klären, ist eine reine Bevölkerungs-
betrachtung jedoch zu kurz gegriffen. Hier ist stattdessen die Frage nach dem Altenquotien-
ten, dem Verhältnis der potenziellen Transferempfänger zu den potenziell Erwerbstätigen
(Beitragszahlern) ausschlaggebend. Im gleichen Zeitraum ist zu erwarten, dass dieser um
die Hälfte, nämlich von 42 % auf 64 % ansteigen wird.
Abbildung 17:
Altenquotienten 2011 versus 2025 der sächsischen Landkreise
Zusammenfassend stellt sich somit folgendes Bild dar:
Während die Anzahl der Ü65-Jährigen nominal um 14 % ansteigt, nimmt die Anzahl der 20-
65-Jährigen derart ab, sodass sich der Altenquotient bis 2025 um die Hälfte erhöht.

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27
Abbildung 18:
Zusammenfassung Bevölkerungsdaten zur Analyse der Sozialhilfe
Dieser Anstieg wird sich auch auf die Finanzierung der Leistungen des SGB XII, insbe-
sondere die großen Aufwendungsblöcke der Eingliederungshilfe für behinderte Menschen
(6. Kapitel SGB XII) und der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) auswirken.
Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII), die ab dem
Jahr 2014 vollständig vom Bund übernommen wird, hat einen durchschnittlichen Anteil von
rund einem Viertel an den im Rahmen dieses Kapitels analysierten Gesamtsoziallasten (oh-
ne Leistungen für Unterkunft und Heizung, § 22 SGB II).
Unter der Annahme einer jährlichen Gesamtsteigerung der Ausgaben für die 5.-9. Kapitel
SGB XII um 2 %, in der bereits sämtliche Fallzahlen- oder fallkosteninduzierte Steigerungen
mit abgedeckt wären, würde sich - rein statistisch - das jährlich für die Ausgaben des 5.-9.
Kapitels SGB XII aufzubringende Finanzvolumen je 20-65 jährige Person bis 2025 um die
Hälfte erhöhen.
23
Dies stellt einerseits die Lastenverteilung zwischen Bund, Ländern und
Kommunen und andererseits die Personalausstattung in den Landkreisen vor enorme Her-
ausforderungen.
Das Sächsische Staatsministerium der Finanzen (SMF) teilte in seiner Stellungnahme vom
16.03.2012 hierzu mit, dass die erwartete Steigerung um 2 % rd. 3 Mio. € jährlich (bezogen
auf das Jahr 2010) entspräche, während die Übernahme der Grundsicherung im Alter und
bei Erwerbsminderung einer Entlastung von rd. 41,3 Mio. € (bezogen auf das Jahr 2010)
entspreche. Aus heutiger Sicht sei daher per Saldo mit einer nachhaltigen Entlastung der
Landkreise im Bereich der Sozialhilfe zu rechnen.
Die Kommunen machen geltend, dass sie die besonderen Leistungen nach dem SGB XII
und den Verwaltungsaufwand weiterhin zu tragen haben.
24
Hier wird abzuwarten sein, in-
23
Detaillierte Untersuchungen zur demografisch bedingten Entwicklung der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII)
und der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel SGB XII) auch in „Alter, Rente, Grund-
sicherung. Eine Studie für Sachsen“ (Hrsg. Sächsisches Staatsministerium für Soziales und Verbraucher-
schutz, 2011).
24
Gemäß § 46 a Abs. 1 SGB XII übernimmt der Bund die Nettoausgaben der Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung. Die Nettoausgaben sind gemäß § 46 a Abs. 2 SGB XII die reinen Ausgaben der Träger
der Sozialhilfe, die vom Statistischen Bundesamt ermittelt werden; zugrunde zu legen sind die Nettoausgaben
des Vorvorjahres nach dem Stand vom 1. April des Jahres, in dem die Bundesbeteiligung gezahlt wird.

28
wieweit die Übernahme der Regelleistungen durch den Bund tatsächlich ausreicht, um die
Kommunen finanziell zu entlasten.
Zusammenfassend bleibt für die Gewährung der Leistungen der Sozialhilfe festzustellen,
dass die konkreten finanziellen und personellen Auswirkungen der dargestellten Entwicklun-
gen auf die einzelnen Landkreise noch nicht abgeschätzt werden können. Der SRH trifft des-
halb keine Aussage zum künftigen Stellenbedarf. Der Entwicklung kann aber mit dem vorge-
schlagenen dynamischen Modell Rechnung getragen werden.
Analyse ausgewählter Leistungen der Jugendhilfe
Gemäß § 1 Abs. 3 Achtes Sozialgesetzbuch (SGB VIII) soll Jugendhilfe:
junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu bei-
tragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen,
Eltern und andere Erziehungsberechtigte bei der Erziehung beraten und unterstützen,
Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen sowie
dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien
sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen.
Dabei stehen ihr mitunter Instrumente der allgemeinen Förderung von Jugendlichen (Kinder-
tagesstätten, Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit u. a.) oder sich an individuelle Problemsitua-
tionen richtende, konkrete Hilfeleistungen (Beratungen, Hilfen zur Erziehung u. a.) zur Verfü-
gung.

29
Die Haushaltsstruktur der Jugendhilfeausgaben stellt sich in den sächsischen Landkreisen
durchschnittlich wie folgt dar:
Abbildung 19: Durchschnittliche Anteile der Ausgabearten in der Jugendhilfe in
den sächsischen Landkreisen (in %)
25
Jugendarbeit §§ 11,12
SGB VIII (JA)
3 %
Jugendsozialarbeit,
Erzieherischer Kinder‐
und Jugendschutz §§ 13,
14 SGB VIII (JSA)
2 %
Allgemeine Förderung
der Erziehung in der
Familie § 16 SGB VIII
(Förd. d. Erz.)
2 %
Förderung der Kinder
nach §§ 22, 22 a SGB VIII
(Förd. d. Kinder)
24 %
Hilfen zur Erziehung
§§ 27 ff.
SGB VIII (HzE)
57 %
Eingliederungshilfe § 35
a SGB VIII (EgH)
8 %
Hilfe für junge
Volljährige § 41 (ohne
§ 35a) SGB VIII (junge
Vollj.)
3 %
Inobhutn. § 42
1 %
Mit knapp 90 % der Gesamtausgaben fallen folgende Hilfearten besonders ins Gewicht:
Hilfen zur Erziehung (§§ 27 SGB VIII),
Förderung der Kinder (§§ 22; 22a SGB VIII),
Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a SGB VIII).
Da Fall- und Ausgabedaten auf Basis der sächsischen Kreisstatistik nicht einheitlich für die
vergangenen 3 Jahre verglichen werden können, wurde im Falle der Jugendhilfe auf anony-
misierte und plausibilisierte Daten aus den Vergleichskreisen zurückgegriffen.
Da die Hilfen zur Erziehung (HzE) nach § 27 SGB VIII rund 60 % der Ausgaben der Jugend-
hilfe darstellen, werden diese vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen im
Folgenden analysiert.
25
Für die §§ 28, 35 SGB VIII wurde aufgrund stark divergierender Erhebungsmethoden in den Landkreisen keine
einheitliche Kennzahl gebildet.

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30
Abbildung 20:
Fallzahlen der HzE je 1.000 JugendEW
26
Deutlich wird, dass bzgl. einiger Hilfearten ein relativer Anstieg der Empfängerzahlen zu ver-
zeichnen ist (§§ 31, 33, 34 SGB VIII), in anderen Hilfearten die Fallzahlen im Verhältnis zu
den JugendEW zurückgehen (§§ 29, 30, 32 SGB VIII). Insgesamt sind die Empfängerzahlen
jedoch angestiegen. Es ergibt sich eine durchschnittliche HzE-Quote von 8,7 je 1.000 Ju-
gendEW im Jahr 2009 und 9,0 je 1.000 JugendEW im Jahr 2010, also ein Plus von 3 %.
Analog dazu stiegen auch die Bruttoausgaben der HzE insgesamt je 1.000 JugendEW und
zwar durchschnittlich um 7 % (von rund 101 € je JugendEW im Jahr 2009 auf rund 109 € je
JugendEW im Jahr 2010). Auch hier ist eine Ausgabesteigerung in fast allen Hilfearten zu
beobachten, die nominell stärkste darunter bei § 34 SGB VIII. Hier beträgt der Anstieg ca.
5 € je JugendEW, also über die Hälfte der insgesamt um knapp 8 € je JugendEW gestiege-
nen Ausgaben.
Abbildung 21:
Bruttoausgaben der HzE je 1.000 JugendEW (in T€)
26
Für die §§ 28, 35 SGB VIII wurde aufgrund stark divergierender Erhebungsmethoden in den Landkreisen keine
einheitliche Kennzahl gebildet.

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31
Ursächlich für diese Ausgabesteigerung sind zum einen die steigenden Fallzahlen, bzw. dort,
wo die Fallzahlen rückläufig sind, auch die steigenden Fallkosten. Diese sind im Folgenden
abgebildet:
Abbildung 22:
Bruttoausgaben der HzE je Fall (in T€)
Durchschnittlich stiegen die Fallkosten der HzE um 4 % und zwar von rund 15 T€ auf durch-
schnittlich rund 15,6 T€ je Fall. Besonders stark stiegen die Fallkosten bei Tagesgruppen
(§ 32 SGB VIII), nämlich um 3,32 T€ bzw. 20 %, sowie in der Vollzeitpflege (§ 34 SGB VIII)
um 2,44 T€ bzw. 9 %.
27
Auch im Bereich der Jugendhilfe besteht angesichts dieser Fallentwicklung und insbe-
sondere der steigenden Fallkosten ein Finanzrisiko. Insgesamt geht die 5. Regionalisierte
Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen
28
davon aus, dass die JugendEW-Zahl der
sächsischen Landkreise zwischen 2010 und 2025 um 25 % zurückgeht.
Abbildung 23:
EW 0-27 Jahre
27
Das Controlling der Fallkosten ist - sofern durch die Kreisverwaltung steuerbar - Aufgabe des Fallmanage-
ments und wird im Kapitel 7.24 behandelt.
28
Analog zum Kapitel 3.1 beziehen sich alle folgenden Daten auf die Variante 1 der Bevölkerungsprognose.

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32
Besonders an den Ausgaben der HzE zeigt sich jedoch, dass der Rückgang der JugendEW
bislang zu keinem Rückgang der Falldichte geführt hat. Als Gründe hierfür gelten insbeson-
dere die verschlechterten lokalen Bedingungen infolge der Abwanderung von Leistungsträ-
gern. Da eine endlose Ausdehnung der HzE-Quote jedoch nicht möglich ist, ist langfristig
gleichwohl zumindest mit einer Stagnation der Empfängerzahlen auf hohem Niveau zu rech-
nen.
Unter der Annahme, dass die HzE-Quote jährlich um 3 % steigt, aber bei 12 Fällen je
1.000 JugendEW ihr Plateau erreicht, würde diese Stagnation um das Jahr 2020 eintreten.
Danach würde die Falldichte proportional zu den JugendEW zurück gehen. Im Jahr 2025
läge sie dann wieder knapp über dem Niveau von 2010.
Abbildung 24:
Angenommene Fallzahlen der HzE je 1.000 JugendEW bis 2025
Angesichts der sich bis 2025 um 25 % verringernden Anzahl der 20-65-Jährigen steht dieser
Fallzahlenentwicklung jedoch eine immer kleinere Gruppe an erwerbsfähigen EW gegen-
über. So wäre anzunehmen, dass sich bis 2025 bei konstanten Fallkosten - rein statistisch -
das jährlich zu an HzE finanzierende Volumen je 20-65-Jährige/r um 40 % erhöht, bei einer
moderaten Kostensteigerung von 2 % sogar um 80 %.
Abbildung 25: Empfängerzahl HzE unter der Annahme einer HzE-Quote von max.
12 Empfänger je 1.000 JugendEW
Zusammenfassend bleibt für die Gewährung der Leistungen der Jugendhilfe festzustellen,
dass die konkreten finanziellen und personellen Auswirkungen der dargestellten Entwicklun-

 
33
gen auf die einzelnen Landkreise noch nicht abgeschätzt werden können. Der SRH trifft
deshalb keine Aussage zum künftigen Stellenbedarf. Der Entwicklung kann aber mit dem
vorgeschlagenen dynamischen Modell Rechnung getragen werden.
3.2.4
Ausblick finanzwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Aufgrund der dargestellten
Entwicklung kommt der Haushaltskonsolidierung wachsende Be-
deutung zu. Nach dem Frühwarnsystem des SMI
29
vom 02.12.2011 haben die Landkreise in
Sachsen folgenden Status der Haushaltskonsolidierung: Drei Landkreise besitzen ein pflich-
tiges Haushaltskonsolidierungskonzept, zwei ein freiwilliges Haushaltskonsolidierungskon-
zept und zwei weitere Landkreise ein beauflagtes, jedoch noch nicht genehmigtes Haus-
haltskonsolidierungskonzept. Lediglich 3 von 10 Landkreisen verfügen über einen ausgegli-
chenen Haushalt.
Das Haushaltsbenchmarking der 3 Vergleichskreise hat gezeigt, dass (ohne Einnahmen aus
Kreisumlage, ohne Einzelplan 4, jedoch inkl. Personalausgaben) zwischen 2 und 6 % an
Konsolidierungspotenzialen (in Bezug zum Haushaltsvolumen, d. h. Ausgaben des Verwal-
tungshaushaltes ohne Zuführung an den Vermögenshaushalt) bestehen.
Für den Modell-Landkreis wird davon ausgegangen, dass dieser sich zwar nicht in der pflich-
tigen Haushaltskonsolidierung befindet, aber perspektivisch zunehmend Konsolidierungsan-
strengungen unternimmt/unternehmen muss.
Zusammenfassend werden zu den finanzwirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Modell-
Landkreises folgende Annahmen getroffen:
29
Vgl. Internetpräsentation zum Thema „Frühwarnsystem Kommunale Haushalte“,
www.kommunale-verwaltung.sachsen.de
, 2011.
Keine steigenden Mittelzuweisungen nach dem SächsFAG,
moderate Erhöhung des Kreisumlagehebesatzes,
demografisch bedingt steigende Soziallasten,
Weiterführung der Konsolidierungsanstrengungen.

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34
3.3 Personalwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Effektivität der Aufgabenwahrnehmung
hängt wesentlich von der Leistungsfähigkeit der
Mitarbeiter und somit von den personalwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Zentrale
personalwirtschaftliche Indikatoren bilden der Krankenstand, die Altersstruktur und das Qua-
lifikationsniveau der Mitarbeiter einer Verwaltung.
Nach der Statistik der Gesundheitsberichterstattung des Bundes lag der Durchschnitt der
Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) je gesetzlich Krankenversichertem (GKV) 2008 bei
11,4 AU-Tagen
30
. Bei den Mitgliedern der AOK im Freistaat Sachsen lag der Durchschnitt
der AU-Tage 2009 bei 16,3 Tagen
31
. Wie die folgende Grafik zeigt, liegen die AU-Tage aller
3 Vergleichskreise über diesem Durchschnittswert.
Abbildung 26:
Arbeitsunfähigkeitstage je Mitarbeiter (in Tagen)
Auch das Durchschnittsalter der Mitarbeiter der Vergleichskreise liegt über dem bundeswei-
ten Durchschnitt der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst von 44 Jahren
32
(vgl. Abbildung).
Abbildung 27:
Durchschnittsalter der Mitarbeiter (in Jahren)
30
Vgl. Gesundheitsberichterstattung des Bundes:
31
Vgl. AOK Gesundheitsbericht 2010 - Fehlzeiten
www.gbe-bund.de
in Sachsen, Dresde
.
n 2010, veröffentlicht unter:
32
www.aok-business.de/aokplus/gesunde-unternehmen/aok-plus-gesundheitsbericht-2010-sachsen.pdf
Vgl. Demographie-Studie zur Personalpolitik in der öffentlichen Verwaltung von der Prognos AG im Auftrag
.
der
Robert Bosch Stiftung. Stuttgart 2009.

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35
Das Fortbildungsbudget stellt sich für die Vergleichskreise wie folgt dar:
Abbildung 28:
Fortbildungsbudget im Jahr 2010 (in € je Stelle Kernhaushalt)
Als Basis für den Modell-Landkreis wird hinsichtlich der personalwirtschaftlichen Rahmenbe-
dingungen der Einsatz durchschnittlich leistungsfähiger Mitarbeiter angenommen:
Basierend auf den Analysen zentraler personalwirtschaftlicher Rahmenbedingungen und
Bezug nehmend auf allgemeine arbeitsmarktbezogene und gesellschaftliche Rahmenbedin-
gungen ergeben sich somit folgende Herausforderungen für das Personalmanagement der
sächsischen Landkreise:
Die Kreisverwaltungen sind nur mit kompetenten und engagierten Mitarbeitern innovativ
und leistungsfähig. Hierfür brauchen sie ein vorausschauendes und motivierendes Per-
sonalmanagement, das eine quantitative und qualitative Personalbedarfsplanung, Perso-
nalgewinnung, Personaleinsatzplanung, Personalführung und Personalentwicklung um-
fasst. Nur durch ein professionelles Zusammenspiel der einzelnen Instrumente kann es
gelingen, alle Stellen bedarfsgerecht mit Beschäftigten entsprechend ihren Kompetenzen
und Neigungen zu besetzen.
In Anbetracht des relativ hohen Durchschnittsalters der Mitarbeiter der Kreisverwaltungen
muss sichergestellt werden, dass die Arbeits- und Innovationsfähigkeit sowie die Motiva-
tion der Mitarbeiter bis ins höhere Alter erhalten bleiben und die Stärken klar identifiziert
werden. Dies erfordert insbesondere ausreichende Fort- und Weiterbildungsmittel.
Das Erfordernis des Personalabbaus erfordert eine Personalentwicklungskonzeption, die
neben quantitativen Dimensionen auch qualitative Aspekte aufgreift. Hierzu gehören z. B.
die künftig benötigten Ausbildungsqualifikationen und die Nachbesetzung der durch Aus-
scheiden aus der Verwaltung frei werdenden Stellen.

 
36
Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird die Personalrekrutierung zu-
nehmend eine zentrale Rolle einnehmen. Bei steigendem Wettbewerb um qualifiziertes
Personal („Fachkräftemangel“) müssen neue Handlungsmöglichkeiten entwickelt werden,
um die Kreisverwaltung als attraktiven Arbeitgeber zu profilieren und die Personalbe-
schaffung allgemein - besonders der Nachwuchsführungskräfte - zu verbessern. Hierzu
zählen beispielsweise eine Ausbildungsoffensive mit erweiterten Ausbildungsberufen, wie
sie in einem der Vergleichskreise durchgeführt wird.
Ein erhöhter Krankenstand deutet auf eine reduzierte Leistungsfähigkeit hin. So kann ein
erhöhter Krankenstand in einzelnen Organisationseinheiten ursachlich dafür sein, dass
Richtwerte im Hinblick auf Arbeitsmenge je VZÄ in der Organisationsrealität nicht erreicht
werden. Um die hier bestehenden Effizienzpotenziale zu erschließen, wird empfohlen,
ein Gesundheitsmanagement zu etablieren und Fehlzeiten differenziert für die Organisa-
tionseinheiten (Fehlzeitenanalyse) zu erfassen, zu dokumentieren und zu analysieren.
Ziel sollte es sein, über eine Basis für die Durchführung konkreter Maßnahmen zur Fehl-
zeitenreduzierung zu verfügen.
3.4
Aufgabenstand und Aufgabenerfüllung
3.4.1 Aufgabenbestand
Der wesentliche Faktor für
die Gestaltung des Modell-Landkreises ist der aktuell zu erfüllen-
de Standardaufgabenkatalog. Hierfür war der aus dem Jahr 1999 stammende Aufgabenkata-
log
33
zu überarbeiten. Basis für die Überarbeitung war die empirische Erhebung der Aufga-
ben aus den Vergleichskreisen.
Der Aufgabenkatalog enthält die Pflichtaufgaben der sächsischen Landkreise. Die Wahr-
nehmung freiwilliger Aufgaben
34
bleibt außer Betrachtung. Die personelle Ausstattung sowie
der Aufgabenerfüllungsstandard hierfür unterliegen der Organisationshoheit des Landrates.
Projektarbeiten, die sich im Ausnahmefall keiner Aufgabengruppe zuordnen lassen, sind
nicht im Aufgabenkatalog abgebildet (z. B. Umsetzung des Konjunkturprogrammes II, Breit-
bandversorgung). Über die Personaluntersetzung entscheiden die Landkreise in eigener
Verantwortung.
Folgende Prinzipien prägen den Inhalt und die Struktur der Überarbeitung:
Erfassung des vollständigen Aufgabenbestands: Es erfolgte die Aufnahme neuer Aufga-
ben, insbesondere derer, die infolge der Funktionalreform auf die Landkreise übertragen
wurden. Zudem sind Aufgaben, die zum Zeitpunkt der empirischen Erhebungen noch
33
Dieser war Grundlage der Beratenden Äußerung des SRH „Organisationsmodell für Landkreise mit 130.000
bis 170.000 Einwohnern“ aus dem Jahr 1999.
34
Ausgenommen sind die Aufgaben „Wirtschaft und Tourismus“ (Aufgabengruppe 66).

37
nicht bei den Vergleichskreisen verortet waren, ab 2011 bzw. 2012 jedoch zu erfüllen
sind (z. B. Zuständigkeit für die Gewährung von Leistungen nach dem Bildungs- und
Teilhabepaket), im Aufgabenkatalog enthalten.
Herstellung einer handhabbaren Gliederungsstruktur und Gliederungstiefe: Der Aufga-
benkatalog ist in 4 Ebenen unterteilt: Aufgabenhauptgruppen, Aufgabengruppen, Aufga-
ben sowie die Darstellung der zu den Aufgaben im Einzelnen gehörenden Tätigkeiten/
Leistungen.
Neustrukturierung einzelner Aufgabengruppen: Eine Neustrukturierung erfolgte zum Bei-
spiel für Aufgabengruppen, in denen sich die gesetzlichen Grundlagen in den vergange-
nen Jahren wesentlichen geändert haben (insbesondere Aufgabengruppe 50 „Soziales“
oder die Aufgabengruppe 65 „Umweltschutz“). Auch für Bereiche, in denen der Einsatz
von EDV und Technik die prozessuale Zusammenfassung von Aufgaben ermöglicht, so-
dass diese als Gesamtheit im Aufgabenkatalog ausgewiesen werden können, erfolgte ei-
ne Anpassung.
Berücksichtigung der organisatorischen Praxis: Die Zuordnung und Zusammenstellung
der Aufgaben zu Aufgabenhaupt- und Aufgabengruppen orientierte sich an der besteh-
enden organisatorischen Praxis in den Vergleichskreisen.
Abgleich mit dem sächsischen Produktrahmenplan: Obwohl Aufgabenkatalog und säch-
sischer Produktrahmenplan grundlegend unterschiedliche inhaltliche Ziele verfolgen,
wurde zumindest die Untergliederung der Aufgabenhauptgruppen der Gliederung des
Produktrahmenplans angepasst. Dies erleichtert die Zuordnung im Rahmen der Doppik-
Umstellung.

image
38
Abbildung 29:
Gegenüberstellung des bisherigen und des neuen Aufgabenkatalogs
Im Ergebnis stellt sich der Aufgabenkatalog auf der Ebene der Aufgabenhaupt- und Aufga-
bengruppen als Basis für den Modell-Landkreis wie folgt dar:

image
 
39
Abbildung 30: Kurzübersicht zum Aufgabenkatalog der sächsischen Landkreise
(Stand 2012)
Der ausführliche Aufgabenkatalog befindet sich in der Anlage 1.
3.4.2 Aufgabenerfüllung
Bezüglich der
Aufgabenerfüllung im Modell-Landkreis sind folgende Faktoren von Relevanz:
grundlegende Zielkriterien, nach welchen sich die Aufgabenerfüllung richten sollte sowie
die Form, in welcher die Aufgabenerfüllung erfolgt.
Die grundlegenden Zielkriterien für die Aufgabenerfüllung stellen sich in der Übersicht wie
folgt dar:

image
image
40
Abbildung 31:
Zielkriterien der Aufgabenerfüllung
Um die Zielkriterien zu erfüllen, müssen die Strukturen und Prozesse der Verwaltung an
Veränderungen im quantitativen und qualitativen Aufgabenbestand sowie an Rahmenbedin-
gungen (z. B. Möglichkeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, Ein-
stellungen und Haltungen von Bürgern, Kunden und Mitarbeitern, veränderte gesetzliche
Rahmenbedingungen, z. B. Rechnungswesen) fortlaufend angepasst werden.
Bezüglich der Formen der Aufgabenerfüllung stellt sich grundlegend die Frage nach Eigener-
ledigung oder Fremdvergabe.
Abbildung 32:
Formen der Aufgabenerfüllung
35
35
Bei Eigenerledigung sind die verlagerten Stellen im Modell nicht komplett ausgewiesen.

41
Im Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass alle Aufgaben des Aufga-
benkatalogs - bis auf Gebäudereinigung (23.3.3) - in Eigenerledigung erbracht werden. So-
fern eine Fremdvergabe grundlegend anzuregen wäre, ist dies bei der Umsetzung des Mo-
dells unter Beachtung der Auswirkungen auf die Sachkosten zu berücksichtigen.
Die Aufgaben „Betrieb und Unterhaltung von Kreis-, Staats- und Bundesstraßen“ (63.2) und
„Sekretariatstätigkeiten und Schulsachbearbeitung vor Ort“ (40.8) sind den nachgeordneten
Einrichtungen zugewiesen - die Stellen sind innerhalb des Stellenplans des Modell-Land-
kreises ausgewiesen.
Eine „verlagerte Eigenerledigung“ wird in Orientierung an die kommunale Praxis im Modell-
Landkreis für folgende Aufgaben angenommen:
Volkshochschule (41.4.3),
Musikschule (41.4.4).
Die entsprechenden Stellen sind im Modell-Landkreis nicht „im Stellenplan“, sondern in dem
Bereich „außerhalb des Stellenplans“ ausgewiesen.
Die Aufgaben „Öffentlicher Personennahverkehr (32.11)“ und „Wahrnehmung der Aufgaben
als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger (62.1)“ sind einem Eigenbetrieb bzw. Zweckver-
band übertragen. Die entsprechenden Stellen sind im Modell-Landkreis deshalb nicht aus-
gewiesen.
Eine Besonderheit stellen die Aufgaben der „Grundsicherung für Arbeitsuchende nach
SGB II“ (50.13) dar. Hier sieht das Gesetz zur Weiterentwicklung der Organisation für Arbeit-
suchende (BGBl. 2010, Nr. 41, S. 1112) zwei unterschiedlichen Trägerschaftsvarianten vor.
Die Erfüllung der Aufgaben in Form:
einer gemeinsamen Einrichtung,
einer zugelassenen kommunalen Trägerschaft.
Als Folge der Kreisgebietsreform bestand in einigen sächsischen Landkreisen die Besonder-
heit, dass die Aufgaben parallel in beiden Trägerschaftsvarianten („Zebra-Modell“) erfüllt
wurden. Die betroffenen Landkreise haben sich bis Ende 2011 für die Anwendung einer der
o. g. Trägerschaftsvarianten für das gesamte Kreisgebiet entschieden. Damit wird das „Zeb-
ra-Modell“ Ende 2012 auslaufen:

image
42
Abbildung 33: Form der Aufgabenträgerschaft im Bereich SGB II in den sächsi-
schen Landkreisen (Stand Dezember 2011)
Da mit der Aufgabenwahrnehmung ein entsprechender Umfang an Stellenanteilen verbun-
den ist, wird das Organisationsmodell jeweils in zwei Varianten ausgewiesen:
Variante A: Aufgabenwahrnehmung im Bereich SGB II in Form einer gE,
Variante B: Aufgabenwahrnehmung im Bereich SGB II in Form einer zkT.
Als Basis für den Modell-Landkreis werden hinsichtlich der Aufgabenerfüllung angenommen:
Erfüllung der Zielkriterien zur Aufgabenerfüllung,
Eigenerledigung (mit Ausnahme der Gebäudereinigung) bzw. bei 4 Aufgaben verlagerte
Eigenerledigung.
Die Aufgabenwahrnehmung im Bereich SGB II wird in den zwei Varianten gE und zkT ab-
gebildet.

 
43
4
Mengengerüst für den Modell-Landkreis
Die Ableitung des Mengengerüstes
für den Modell-Landkreis setzt auf der Datenerhebung
der überörtlichen Prüfung der 3 Vergleichskreise auf. Hier wurden für die einzelnen Aufga-
ben des Aufgabenkatalogs folgende Daten erfasst:
Arbeitsmengen aus den Jahren 2009 und 2010,
Ist-Stellenanteile mit Stand 01.10.2010.
Bei der Mengendefinition für den Modell-Landkreis wurden daraus folgende Festlegungen
getroffen:
Grundlage für das Mengengerüst sind die Ist-Werte der Vergleichskreise
Eine Organisation wie die Kreisverwaltung unterliegt einem Wandel und steht vor der Her-
ausforderung, Strukturen und Prozesse gewandelten Rahmenbedingen sowie Verände-
rungen im quantitativen und qualitativen Aufgabenbestand anzupassen. Das Organisations-
modell in seiner Grundform basiert auf den Ist-Arbeitsmengen des Jahres 2010 in den Ver-
gleichskreisen. Das heißt, in der Regel wird auf Projektionen in die Zukunft verzichtet. Grund
hierfür ist, dass die Entwicklung der Kommunalverwaltung bzw. künftige Struktur -und Orga-
nisationsentscheidungen teilweise zwar erkennbar, aber hinsichtlich der tatsächlichen Um-
setzungen sowie ihrer Wirkungen bisher nicht durchgängig greifen und/oder nicht valide
prognostizierbar sind.
Die Arbeitsmengen basieren in der Regel auf den durchschnittlichen Arbeitsmengen der
Vergleichskreise.
Es besteht eine Korrelation zwischen der EW-Zahl des Landkreises und den aufgabenspezi-
fischen Arbeitsmengen. Für den Modell-Landkreis wurde als EW-Zahl der Durchschnitt der
Vergleichskreise definiert. In Anlehnung daran wird in der Regel auch für die aufgabenspezi-
fischen Arbeitsmengen/Fallzahlen der Durchschnitt der Vergleichskreise angesetzt.
Sofern erforderlich, wurde der Durchschnitt der Arbeitsmengen bereinigt und auf den
Modell-Landkreis hochgerechnet.
Inplausibilitäten bei den Arbeitsmengengerüsten der untersuchten Vergleichskreise bzw.
stark differierende Mengengerüste, die kreisspezifisch organisatorisch bedingt waren, wur-
den bei der Definition der Arbeitsmengen für den Modell-Landkreis bereinigt. So wurden für
einige wenige Aufgaben einzelne Landkreise aus der Betrachtung ausgenommen. In diesem
Fall wurde entweder der Durchschnitt der beiden verbleibenden Landkreise verwendet oder
der Durchschnitt je Tausend EW gebildet und auf den Modell-Landkreis hochgerechnet.

 
44
Für ausgewählte Aufgaben/Aufgabenblöcke wurden für das Arbeitsmengengerüst norma-
tive Annahmen getroffen und insofern ein Referenzwert als Bemessungsgrundlage ange-
setzt.
Im Rahmen der Untersuchung der Vergleichskreise wurden für einige Aufgaben Optimie-
rungsvorschläge zur Aufgabenerfüllung formuliert. Sofern diese Empfehlungen in ihrer Um-
setzung Auswirkungen auf das Arbeitsmengengerüst haben, wurden sie als normative An-
nahmen formuliert und durch entsprechende Zu- bzw. Abschläge vom Durchschnittswert der
Vergleichskreise berücksichtigt.
Basis für die Ermittlung des Stellenbedarfs bilden die Aufgaben mit Stand 31.12.2011.
Im Rahmen der Untersuchung der Vergleichskreise wurde der Aufgaben- und Stellenbestand
mit Stand 01.10.2010 erfasst. Seither hat sich der Aufgabenbestand der Kreisverwaltung in
einigen Aufgabengruppen erweitert (z. B. Leistungen nach dem Bildungs- und Teilhabepaket
in der Aufgabenhauptgruppe 5). Da als Grundlage für das Organisationsmodell der Aufga-
benbestand mit Stand 31.12.2011 gilt, wurden für diese (neuen) Aufgaben Arbeitsmengen
und Stellenkapazitäten aus Erfahrungen aktueller Untersuchungen der WIBERA abgeleitet.
5
Angesetzte Arbeitszeitkapazität
Bei der Stellenbemessung werden definierte Arbeitsmengen
in das Verhältnis zu den Ar-
beitszeitkapazitäten eines Stelleninhabers gesetzt, d. h., als Grundlage für die Analyse wa-
ren folgende Parameter zu klären:
die einer Vollzeitkraft zur Verfügung stehenden Jahresarbeitsminuten,
die Datenbasis für die Arbeitsmengengerüste sowie
die Zuweisung von Stellenkapazitäten zu einzelnen Aufgaben.
In der Organisationslehre werden die einer Normalarbeitskraft (1,00 VZÄ) zur Verfügung
stehenden Jahresarbeitsminuten ermittelt durch die Bruttoarbeitszeit, abzüglich:
durchschnittlicher Ausfallzeiten (durch Krankheit, Kur- und Heilverfahren, Urlaub),
sächlicher Verteilzeiten (Besprechungen in allgemeinen dienstlichen Angelegenheiten,
dienstliche Fortbildung, Teilnahme an Personalversammlungen, ablaufbedingte Wege-,
Transport- und Unterbrechungszeiten) sowie
persönlicher Verteilzeiten (persönlich bedingte Verrichtungen, Erholungs- und Entspan-
nungszeiten)
36
.
36
Vgl. Bundesministerium des Innern 2007: Handbuch für Organisationsuntersuchung und Personalbedarfsbe-
messung, Seite 207 ff.,
www.orghandbuch.de
.

image
45
In der organisatorischen Realität differieren die Jahresarbeitsminuten sowohl zwischen den
Organisationseinheiten einer Verwaltung als auch unter den Verwaltungen selbst. Dies liegt
begründet in:
der Unterschiedlichkeit des Arbeitsverhaltens einzelner Mitarbeiter sowie nicht bzw. nur
bedingt beeinflussbarer persönlicher Faktoren wie Krankheit sowie
der teilweise unterschiedlichen Festlegung von Feiertagsregelungen und Arbeitszeiten.
Als Basiswert haben sich in der Organisationslehre jedoch 90.000 Jahresarbeitsminuten
etabliert, die auch hier angewendet wurde. Die folgende Darstellung stellt die Berechnung
des Basiswertes von 90.000 Jahresarbeitsminuten dar:
Abbildung 34:
Ermittlung der Nettoarbeitszeit einer Normalarbeitskraft

 
46
6
Methodik zur Ermittlung der Stellenausstattung
Für die Ermittlung der Stellenausstattung
wurde der Aufgabenbestand unterschieden in:
Fachaufgaben,
Leitungsaufgaben,
Sekretariats- und Assistenzaufgaben.
6.1
Ermittlung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben
Die Stellenanalyse für den Bereich der Fachaufgaben geht auf den methodischen
Ansatz der
summarischen Kennzahlenorientierung zurück. Diese Methodik stellt das Mittel zwischen
folgenden Methoden dar:
der detaillierten analytischen Stellenbemessung - welche zwar alle Einzelaufgaben des
Aufgabenkatalogs mit den entsprechenden Arbeitsschritten bemisst, dafür aber das Or-
ganisationsmodell auf andere Landkreise schwer übertragbar macht,
der einwohnerbezogenen Stellenbemessung - welche das Organisationsmodell zwar
leicht auf andere Landkreise übertragbar macht, wegen des geringen Detaillierungsgra-
des jedoch der Spezifik einzelner Aufgaben nicht ausreichend Rechnung trägt.
Abbildung 35:
Einordnung der summarisch-kennzahlenorientierten Stellenanalyse
Basierend auf der summarisch-kennzahlenorientierten Stellenanalyse ergibt sich folgende
Grundmethodik:
Übertragbarkeit
gering
hoch
hoch
analytische
Bemessung
pauschal
einwohner-
bezogene
Betrachtung
Summarisch
kennzahlen-
orientierte
Analyse
Detailierungsgrad

image
47
Die Aufgaben des Aufgabenkatalogs wurden in Abstimmung mit den Vergleichskreisen
zu sog. Aufgabenblöcken zusammengefasst. Dies unterstellt, dass die Aufgaben darin
inhaltlich und/oder prozessual in Zusammenhang stehen.
Für diese Aufgabenblöcke wurden aufwandsprägende Merkmale definiert, die valide und
vergleichbar zu erheben waren und die sich in ihrer quantitativen Ausprägung aufwands-
bestimmend auf alle Aufgaben des Aufgabenblocks auswirken. Damit bilden sie die „Sig-
nalkennzahlen“, die als Grundlage für eine vergleichende Stellenanalyse bzw. als Basis
für die Ermittlung von Personalbedarfen herangezogen werden können.
Abbildung 36:
Darstellung der Aufgabenblöcke und deren Merkmale in der Anlage 2
Die definierten Aufgabenblöcke und deren aufwandsprägende Merkmale sind in der Anla-
ge 2 jeweils mit gelber Farbgebung hervorgehoben.
Sowohl das aufwandsprägende Merkmal an sich als auch die Breite seiner Wirkung ist ab-
hängig von der Art der Aufgabe. Bezug nehmend auf das Organisationshandbuch des Bun-
des lassen sich insbesondere folgende Aufgabenarten unterscheiden
37
:
quantifizierbare Aufgaben,
dispositiv-kreative Aufgaben,
Mischaufgaben sowie
neue Aufgaben.
37
Vgl. Bundesministerium des Innern 2007: Handbuch für Organisationsuntersuchungen und Personalbedarfs-
ermittlung, Seite 167, veröffentlicht unter:
www.orghandbuch.de
.
Finanzen
Finanzen
Finanzen
Finanzen
Finanzen
22.1
22.1.1
22.1.1.1
22.1.1.2
22.1.1.3
Kämmereiwesen
Haushaltsplanung
Aufstellung des Haushaltsplans und
eventueller Nachträge
Aufstellung von Haushaltssicherungskonzep-
ten / Haushaltsstrukturkonzepten (freiwillig
und pflichtig)
Erstellung der langfristigen Finanz- und
Investitionsplanung
22
22
22
22
22

image
48
Als Grundformel kann gelten: Je stärker eine Aufgabe dipositiv-kreativen Charakter besitzt,
desto gröber kann das aufwandsprägende Merkmal gewählt werden.
Die Multiplikation des aufwandsprägenden Merkmals mit einem Richtwert zur Stellenbemes-
sung (erforderlicher Zeitbedarf für die Verrichtung) ergibt den rechnerischen Stellenbedarf für
die in einem Aufgabenblock zusammengefassten Aufgaben.
Abbildung 37:
Rechnerische Ermittlung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben
Dabei basieren die im Rahmen der summarischen kennzahlenorientierten Analyse herange-
zogenen Richtwerte zur Stellenbemessung auf den Ergebnissen analytischer Bemessungen
und/oder auf aufgabenbezogenen Personalbenchmarks. Letzte wurden zum einen im Rah-
men der überörtlichen vergleichenden Prüfung ermittelt (Ermittlung des Durchschnittswertes
der Vergleichskreise für einzelne Aufgabenblöcke). Zum anderen wurden Richtwerte zur
Stellenbemessung aus anderen Organisationsuntersuchungen
38
herangezogen:
Richtwerte auf der Basis von Benchmarks wurden insbesondere für dispositiv-kreative Auf-
gaben und Mischaufgaben eingesetzt. Diese Aufgaben sind u. a. dadurch gekennzeichnet,
dass das Arbeitsmengengerüst von der Verwaltung in weiten Bereichen selbst beeinflussbar
ist (Wie oft wird was in welcher Intensität bearbeitet?). Ferner können Umfang und Inhalt in
Abhängigkeit von kommunalpolitischen Herausforderungen/Zielsetzungen schwanken. Bei-
spielhaft hierfür kann die Erarbeitung der Jugend- und Sozialhilfeplanung genannt werden,
die in unterschiedlichem Turnus und mit jeweils unterschiedlicher Tiefe fortgeschrieben wer-
den.
38
Diese basieren sowohl auf Ergebnissen aus beauftragten Einzeluntersuchen der WIBERA als auch auf Unter-
suchungen anderer Institutionen und Einrichtungen, wie z. B. KGSt, Rechnungshöfe, Normenkontrollrat sowie
der Fachliteratur.

image
49
Richtwerte für klassische quantifizierbare Verwaltungsaufgaben wurden insbesondere aus
analytischen Bemessungen abgeleitet. Diese Aufgaben sind in erster Linie durch rechtlich
fixierte Verfahrensweisen und Prozesse gekennzeichnet, z. B. Bearbeitung von Wohngeld-
anträgen oder Antragsbearbeitung in der Kfz-Zulassung, Durchführung von Impfberatungen
oder Kontrollen durch Lebensmittelkontrolleure.
Abbildung 38:
Ableitung / Begründung der Richtwerte
Es ist darauf hinzuweisen, dass Auswirkungen von Fallzahlen, Mengen oder anteiligen Tä-
tigkeiten, die nicht im aufwandsprägenden Merkmal enthalten sind, über den Ansatz des
Richtwertes abgedeckt wurden.
Sofern hinsichtlich der Aufgabenwahrnehmung und der entsprechenden Stellenausstattung
Empfehlungen seitens der fachlich zuständigen Ministerien oder Fachgremien bestehen,
wurde grundlegend von der in der kommunalen Praxis bestehenden Stellenausstattung zur
Erfüllung des gesetzlich notwendigen Standards ausgegangen. Dabei wurden signifikante
Aufgabenerfüllungsdefizite bezüglich der intendierten Aufgabeninhalte in den Vergleichskrei-
sen nicht festgestellt.
Für die Umsetzung des Organisationsmodells und der empfohlenen Stellenausstattung er-
gibt sich daher künftig ein Anpassungsbedarf zwischen den Empfehlungen der Fachgremien
bzw. Fachministerien - die sich erfahrungsgemäß häufig an „Maximierung der Fachlichkeit“
sowie „maximaler Rechtssicherheit“ orientieren - den personalwirtschaftlichen und organisa-
torischen Möglichkeiten einer Kreisverwaltung sowie den finanzwirtschaftlichen Rahmenbe-
dingungen der Landkreise, die ebenfalls vom Freistaat Sachsen beeinflusst werden.

 
50
Zusammenfassend stellt sich die Ermittlung des Stellenbedarfs für Fachaufgaben anhand
eines Beispiels wie folgt dar:
Abbildung 39:
Ermittlung des Stellenbedarfs für den Aufgabenblock „Verwaltungs-
organisation und -steuerung (20.1)“
6.2
Ermittlung des Stellenbedarfs für Leitungsaufgaben
Zur Ermittlung
des erforderlichen Bedarfs für Leitungsstellen auf unterschiedlichen Hierar-
chieebenen wurde die Methodik der derivativen Bemessung angewendet.
Rechnerisch wird dabei der Stellenbestand der Fachaufgaben mit einer sog. Leitungsspanne
multipliziert, was dann die Stellenanteile für die Leitungsaufgaben ergibt.
Den angesetzten Leitungsspannen liegt dabei ein optimales Verhältnis zwischen Leitungs-
stellen und Stellenanteilen für Fachaufgaben (zu leitenden Stellen) - also eine optimale Lei-
Ermittlung des Stellenbedarfs für den Aufgabenblock „Verwaltungsorganisation und -steuerung (20.1)“
Die Anzahl der Stellen einer Kreisverwaltung (aufwandsprägendes Merkmal) wirkt sich auf den Aufwand aus, der
für die Wahrnehmung des Aufgabenblocks „Verwaltungsorganisation und -Steuerung“ (20.1) mit den Aufgaben
„Verwaltungssteuerung und -controlling“ (20.1.1), „Stellenwirtschaft“ (20.1.2), „Regelungen und Organisation des
allgemeinen Verwaltungsbetriebs und der Verwaltungsoptimierung“ (20.1.3) und den hiermit verbundenen Tätig-
keiten wie:
vorbereitende Unterstützung von Grundsatzentscheidungen,
Stellenbeschreibungen und -bewertungen,
Regelungen des allgemeinen Dienstbetriebes etc.
erforderlich ist. Für die summarische kennzahlenorientierte Analyse heißt dies konkret:
Nicht ermittelt wird der Stellenbedarf für die einzelnen Aufgaben/Tätigkeiten des Aufgabenblockes Verwal-
tungsorganisation und -steuerung (20.1). Ebenso wird nicht festgestellt, wie viele Stellenbeschreibungen und
-bewertungen p. a. durchgeführt werden bzw. wie viele Dienstanweisungen o.ä. Regelungen bestehen und
laufend aktualisiert werden müssen und welcher durchschnittliche zeitliche Aufwand (Stellenbedarf) hierfür
im Einzelnen erforderlich ist.
Es wird stattdessen der Bedarf auf Basis der Anzahl der Stellen der Kreisverwaltung (aufwandsprägendes
Merkmal) summarisch errechnet. Hierbei wird davon ausgegangen, dass ein Zusammenhang zwischen der
Anzahl der Stellen der Kreisverwaltung und dem Aufwand für die Erarbeitung von Stellenbewertungen, Rege-
lungen des allgemeinen Dienstbetriebs etc. besteht.
Der Stellenbedarf für den Modell-Landkreis wird damit wie folgt bemessen:
[Durchschnittliche Zahl der Stellen in der Kreisverwaltung in den Vergleichskreisen] x [Richtwert]
Dabei:
Durchschnittliche Zahl der Stellen in der Kreisverwaltung in den Vergleichskreisen = 1.307 VZÄ
Richtwert = 1 VZÄ je 300 VZÄ in der Kreisverwaltung
In Zahlen:
4.36 VZÄ
300 VZÄ
1 VZÄ
1.307 VZÄ
×
=

image
51
tungsspanne - zugrunde. Zudem wurde bei den Leitungsspannen die Spezifik der Aufgaben-
gruppen anhand folgender Kriterien berücksichtigt:
inhaltliche Komplexität der Aufgaben in der Aufgabengruppe,
Breite des Aufgabenspektrums,
Entscheidungsbefugnisse der unterstellten Mitarbeiter,
Art der Koordination der unterstellten Mitarbeiter
39
,
Qualifikationsniveau des normal leistungsfähigen Mitarbeiters.
Im Ergebnis wurden somit für die verschiedenen Aufgabengruppen spezifische „optimale
Leitungsspannen“ ermittelt, die als Richtwert für die Berechnung des erforderlichen Stellen-
bedarfs an Leitungsaufgaben herangezogen wurden. Die spezifischen Leistungsspannen der
Aufgabengruppen stellen sich wie folgt dar:
Abbildung 40:
Leitungsspannen der Aufgabengruppen
39
Per Einzelanweisung und/oder standardisiert, z. B. bei Routineaufgaben.

 
52
Insgesamt überwiegt eine Leitungsspanne von 1:15. Abweichungen hierzu sind wie folgt zu
erläutern:
Die Leitungsstellenanteile für die Aufgabe „Politisch-administrative Unterstützung Land-
rat“ (10) wurden aufgrund der hohen individuellen Gestaltung in den einzelnen Landkrei-
sen nur mit einem notwendigen Grundbedarf von 0,80 VZÄ angesetzt.
Für die Aufgabengruppen „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ (13) und „Kommunalauf-
sicht“ (14) wurde aufgrund des hohen Anteils dispositiv-kreativer Tätigkeiten mit hohen
fachlich-/inhaltlichen Anforderungen eine Leitungsspanne mit 1:10 angesetzt.
Für die Aufgabengruppe „Finanzen“ (22) wird eine Leitungsspanne von 1:20 angesetzt
aufgrund des stellenmäßig hohen Anteils von Personal, welche mit Routineaufgaben be-
schäftigt sind (z. B. Kasse, laufende Buchungen, Belegablage).
In der Aufgabengruppe „Recht“ (25) erfolgen hauptsächlich dispositiv-kreative Tätigkeiten
auf einem hohen innovativ-akademischen Niveau. Leitungstätigkeit ist daher – soweit in-
haltlich gestaltend – zeitaufwändiger und entsprechend mit einer Leitungsspanne von
1:10 angesetzt.
In der Aufgabengruppe „Gesundheitswesen“ (34) wurde eine Leitungsspanne von 1:12
angesetzt, da im medizinischen Bereich sehr individuelle, häufig dispositiv-kreative Tätig-
keiten auf innovativ-akademischem Niveau bearbeitet werden.
In der Aufgabengruppe „Veterinärwesen“ (35) ergibt sich die Leitungsspanne aus einer
Mischkalkulation: Leitung des tiermedizinischen Dienstes (Leitungsspanne 1:10) und Lei-
tung der Lebensmittelüberwachung mit Lebensmittelkontrolleuren im Außendienst mit re-
lativ hoher Selbständigkeit (Leitungsspanne 1:18).
In der Aufgabengruppe „Ver- und Entsorgung“ (62) handelt es sich hauptsächlich um
homogene, sich wiederholende Tätigkeiten. Entsprechend wurde die Leitungsspanne mit
1:20 angesetzt.
6.3
Ermittlung des Stellenbedarfs für Assistenz- und Sekretariatsaufgaben
Auch die Ermittlung des Bedarfs an Assistenz- und
Sekretariatsstellen basiert auf der deriva-
tiven Bemessungsmethodik und stellt als Basis auf die Anzahl der zu unterstützenden Stel-
len ab.
Dabei wurden Assistenz- und Sekretariatsaufgaben im engeren Sinne definiert als allge-
meine administrative Unterstützung der Leitung und Organisationseinheiten (z. B. Terminver-
waltung, Postbearbeitung, zentrale Ablage/Wiedervorlage, Telefondienste, Protokollführung,

image
53
Organisation von Reisen und Veranstaltungen, Informationsbeschaffung und -verwaltung,
Pflege von Datenbanken, Büromaterialverwaltung, Bewirtung und Betreuung von Gästen).
Assistenztätigkeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Fachaufgabe stehen, wie
z. B. „Einscannen von Unterlagen für elektronische Aktenführung“, wurden nicht als Assis-
tenzaufgabe klassifiziert. Diese Aufgaben wurden im Rahmen der Stellenanalyse als Zu-
sammenhangstätigkeiten bei der Erfüllung der Fachaufgaben betrachtet und sind somit ent-
sprechend in den Richtwerten für den Stellenbedarf bei der Wahrnehmung von Fachaufga-
ben eingeflossen.
Damit variiert der Richtwert für den Bedarf an Sekretariats- und Assistenzstellen in der Regel
für die einzelnen Aufgabengruppen nicht, sondern ist weitgehend einheitlich für alle Aufga-
benbereiche mit 1:30 festgelegt. In der Übersicht stellen sich die Assistenzspannen wie folgt
dar:
Abbildung 41: Spezifische Assistenzspannen zur Ermittlung der Assistenzstellen-
anteile

54
Zu den Aufgabengruppen, in denen die Assistenzspannen vom Ansatz 1:30 abweichen, sind
folgende Ausführungen zu machen:
Für die Aufgabengruppe „Politisch-administrative Unterstützung Landrat“ (10) wurde ein
Grundbedarf von 1,50 VZÄ für den Landrat zzgl. 3,00 VZÄ für das gemeinsame Sekreta-
riat der Dezernenten (bei Annahme von 3 Dezernaten bzw. 4,00 VZÄ bei 4 Dezernaten)
angesetzt.
Für die Aufgabengruppe „Personalrat“ (11) wurde aufgrund der grundlegend geringen
Stellenausstattung ein fester Grundbedarf von 0,10 VZÄ angesetzt.
Bei der Aufgabengruppe „Recht“ (25) wurde eine Assistenzspanne von 1:10 angesetzt,
unter der Annahme, dass hier Sekretariatstätigkeit für Rechtsbereiche in der Verwaltung
im Sinne einer Büroleitung in einer freien Kanzlei erfüllt wird.
Der Ansatz einer Assistenzspanne von 1:25 bei den Aufgabengruppen „Gesundheitswe-
sen“ (34) und „Veterinärwesen“ (35) begründet sich mit den häufig dispositiv-kreativen
Fachtätigkeiten auf innovativ-akademischem Niveau, welche entsprechend hohen Assis-
tenzaufwand erfordern.
Der Ansatz der Assistenzspanne von 1:20 bei der Aufgabengruppe „Finanzen“ (22) be-
gründet sich mit den umfangreichen Zuarbeiten, welche bei der Haushaltsplanerstellung
sowie bei der Erstellung der Jahresrechnung anfallen (z. B. Zusammenstellung und
Druck der Dokumente, Vorbereitung von Vorlagen usw.).
Die Assistenzspanne von 1:50 bei den Aufgabengruppen „Ausländer, Staatsangehörig-
keit“ (31) sowie „Straßenverkehr“ (32) begründet sich mit den standardisierten Prozessen
mit (vergleichsweise) geringem Assistenzbedarf.
Die Assistenzspanne von 1:25 für die Aufgabengruppe „Zivilschutz, Feuerschutz, Ret-
tungsdienst“ (33) begründet sich überwiegend aus situationsbezogenen und aktuell de-
terminierten Entscheidungen.

image
 
55
6.4
Zusammenfassung zur Methodik der Stellenbemessung
Zusammenfassend
lässt sich die Methodik der Stellenbemessung wie folgt darstellen:
Abbildung 42:
Zusammenfassende Übersicht zur Methodik der Stellenbemessung

image
 
56
7
Stellenbedarfe der einzelnen Aufgabengruppen im Modell-Landkreis
7.1
Aufgabengruppe 10 „Politisch-administrative Unterstützung Landrat“
Die Aufgabengruppe
10 „politisch administrative Unterstützung Landrat“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 43:
Aufgaben der Aufgabengruppe 10
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 10 „Politisch-administrative Unterstützung Land-
rat“ handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und
damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen. Die Aufgaben resul-
tieren im Wesentlichen aus der Funktion und Rechtsstellung des Landrats als Vorsitzen-
der des Kreistags, Leiter der Kreisverwaltung und Vertreter des Landkreises gemäß
§ 47 Satz 1 Sächsische Landkreisordnung (SächsLKrO).
Der Aufgabenumfang bzw. -standard bei den Aufgaben „Persönlich-administrative Unter-
stützung des Landrats inkl. Repräsentation (persönlicher Referent)“ (10.3) und „Wahr-
nehmung der Öffentlichkeits- und Pressearbeit für den Landkreis“ (10.4) ist wesentlich
abhängig von der persönlichen Amtsausübung des Landrats, seinem Führungsstil sowie
seiner sonstigen Funktionen / Ämter und kommunalpolitischen Schwerpunktsetzungen.
Bei der Stellenanalyse muss diese Individualität der Amtsgestaltung berücksichtigt wer-
den. Gleichwohl sollte auch die Aufgabe „Persönlich-administrative Unterstützung des
Landrats inkl. Repräsentation (persönlicher Referent)“ an dem Ziel eines effizienten Res-
sourceneinsatzes orientiert sein, sodass für das Organisationsmodell der Durchschnitts-
wert der Vergleichskreise angenommen wird. Die Standards der Aufgabenerfüllung für
die „Administrative Betreuung des Kreistags und seiner Ausschüsse“ (10.2) resultieren
insbesondere aus den Regelungen, wie sie der Kreistag in seiner Hauptsatzung und Ge-
schäftsordnung formuliert (z. B. Anzahl der Kreisräte, Anzahl und Besetzung der Aus-
schüsse, Art der Niederschriften).

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57
Gegenwärtig sind keine gesetzlichen Veränderungen und/oder Veränderungen der Rah-
menbedingungen erkennbar, die sich auf den Aufgabenbestand quantitativ oder qualitativ
auswirken könnten.
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 10 „politisch administrative Unterstützung
Landrat“ wurden folgende aufwandsprägende Merkmale für die Bemessung des Stellenbe-
darfs definiert:
Anzahl der Dezernate,
Anzahl der EW,
Anzahl der Kreisräte,
Anzahl der Sitzungen.
Die Grundannahmen hierbei sind:
Die Merkmale Kreisräte und Sitzungen wirken sich auf einzelne in dieser Aufgabengrup-
pe zu erfüllende Aufgaben aus (z. B. Abrechnung der Entschädigungen der Kreisräte,
Vorbereitung, Begleitung und protokollarische Nachbereitung von Sitzungen). Gleichzei-
tig werden über diese Faktoren Spezifika der Landkreise, wie sie sich z. B. aus der An-
zahl der Ausschüsse sowie den Sitzungsintervallen ergeben können, erfasst.
Durch die Anzahl der EW wird die inhaltliche Gestaltbarkeit der Aufgabe berücksichtigt.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 44:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 10 nach Aufgabenblöcken

58
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wird die Aufgabengruppe im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Büro
Landrat“ bzw. den „Zentralen Diensten“ zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

 
59
7.2
Aufgabengruppe 11 „Personalrat“
Die Wahrnehmung von „Personalratstätigkeiten
in Freistellung“ (11.1) bildet gemäß Aufga-
benkatalog die einzige Aufgabe in der Aufgabengruppe 11.
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei der Aufgabengruppe handelt es sich um eine Pflichtaufgabe. Zentrale gesetzliche
Grundlage für die Aufgabengruppe „Personalrat“ (11) ist das Personalvertretungsgesetz
des Freistaates Sachsen (SächsPersVG), wonach der Landkreis gemäß § 12 Abs. 1
SächsPersVG einen Personalrat zu bilden hat. Der Personalrat setzt sich aus ehrenamt-
lichen Mitgliedern zusammen, wobei gemäß § 46 Abs. 3 Satz 1 SächsPersVG Mitglieder
ganz oder teilweise von ihrer dienstlichen Tätigkeit freizustellen sind, wenn und soweit es
nach Art und Umfang der Dienststelle zur ordnungsgemäßen Durchführung ihrer Aufga-
ben erforderlich ist. Der Umfang der Freistellung von Mitarbeitern für Personalratstätig-
keiten ist gemäß § 46 Abs. 4 SächsPersVG geregelt. Hiernach sind auf Beschluss des
Personalrates
in Dienststellen mit in der Regel 300 bis 600 Wahlberechtigten ein Mitglied ganz frei-
zustellen,
in Dienststellen mit in der Regel 601 bis 1.000 Wahlberechtigten zwei Mitglieder ganz
freizustellen und
in Dienststellen mit mehr als 1.000 Wahlberechtigten für je angefangene weitere
1.000 Wahlberechtigte ein weiteres Mitglied freizustellen.
Auf Beschluss des Personalrats können anstatt ganz freizustellender Personalratsmit-
glieder auch entsprechende Teilfreistellungen erfolgen.
Grundsätzlich kann von den skizzierten Regelungen zur Freistellung abgewichen wer-
den, sofern ein Einvernehmen zwischen Personalrat und Dienststellenleitung besteht
(§ 46 Abs. 4 Satz 4 SächsPersVG). Entsprechend ist die Anwendung dieser Regelung im
Rahmen der Stellenanalyse als Maximalausstattung zu verstehen.
Für den Modell-Landkreis wird angenommen, dass die Kreisverwaltung in beiden Grund-
varianten (Wahrnehmung der Aufgaben nach dem SGB II in Form einer gemeinsamen
Einrichtungen bzw. als zugelassener kommunaler Träger) zwischen 1.000 und 2.000 Be-
schäftigte umfasst, sodass hier eine Ausstattung von 3,00 VZÄ Personalrat angenommen
wird.

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60
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 11 „Personalrat“ und Bezug nehmend auf
die gesetzlichen Regelungen wurde als aufwandsprägendes Merkmal für die Bemessung
des Stellenbedarfs die Anzahl der wahlberechtigten Mitarbeiter definiert.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 45:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 11 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 11 „Personalrat“ im Organisationsmodell als eigenständige
Organisationseinheit abgebildet und dienstrechtlich dem Landrat zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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61
7.3
Aufgabengruppe 12 „Beauftragungen“
Die Aufgabengruppe 12 „Beauftragungen“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 46:
Aufgaben der Aufgabengruppe 12
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten handelt es sich um
Pflichtaufgaben. Nach § 60 Abs. 2 SächsLKrO haben die Landkreise zur Verwirklichung
des Grundrechts der Gleichberechtigung von Frau und Mann Gleichstellungsbeauftragte
zu bestellen, die hauptamtlich tätig sein sollen. Der Umfang der Hauptamtlichkeit (Stel-
lenanteile) ist gesetzlich nicht vorgegeben und liegt somit im Ermessen des Landkreises.
Des Weiteren hat die Dienststellenleitung gemäß § 18 Sächsisches Frauenförderungs-
gesetz (SächsFFG) in jeder Dienststelle, in der mindestens 10 Frauen nicht nur vorüber-
gehend beschäftigt sind, auf Vorschlag der weiblichen Beschäftigten eine Frauenbeauf-
tragte zu bestellen. Gemäß § 19 SächsFFG wird die Frauenbeauftragte von ihren übrigen
dienstlichen Tätigkeiten ganz oder teilweise freigestellt, soweit es nach Art und Größe
der Dienststelle zur ordnungsgemäßen Durchführung ihrer Aufgaben erforderlich ist. Ihr
ist die notwendige personelle und sachliche Ausstattung zur Verfügung zu stellen. Ge-
mäß § 18 Abs. 1 Satz 4 SächsFFG können die Aufgaben der Frauenbeauftragten im
Landkreis von der zu bestellenden Gleichstellungsbeauftragten wahrgenommen werden.
Für die Vergleichskreise stellt sich die Stellenausstattung der Gleichstellungs- und Frau-
enbeauftragten wie folgt dar:
Abbildung 47:
Stellenanteile der Gleichstellungs- und Frauenbeauftragten

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62
Grundsätzlich obliegt die Entscheidung, mit welchem Standard (bzw. mit welcher Stel-
lenausstattung) diese Aufgaben erfüllt werden, dem kommunalpolitischen Ermessen. Mit
Blick auf den interkommunalen Vergleich wird für den Modell-Landkreis eine Ausstattung
von 0,80 VZÄ angenommen.
Die Inhalte und der Umfang der Aufgabe „Sonstige Beauftragungen“ (12.2) sind abhängig
von kommunalpolitischen bzw. lokalen gesellschaftlichen Herausforderungen. Es besteht
keine für die Kommune verpflichtende gesetzliche Grundlage für hauptamtliche gesell-
schaftspolitische Beauftragungen, sodass die Aufgabe dem Freiwilligkeitsbereich zuzu-
ordnen ist. Gleichwohl zählen Beauftragungen zur kommunalen Praxis und dokumentie-
ren kommunalpolitisch definierte Handlungsfelder (z. B. Migrationsbeauftragung, Behin-
dertenbeauftragung). Mit Blick auf bestehende Haushaltszwänge bei den Landkreisen
und mit dem Ziel, die Anzahl der Beauftragungen strukturell in Grenzen zu halten bzw.
kommunalpolitische Prioritätensetzungen zu verdeutlichen, wird für den Modell-Landkreis
der Best-Practice-Wert der Vergleichskreise als Mindestausstattung (0,80 VZÄ) für den
Aufgabenblock „Sonstige Beauftragungen“ angenommen.
Die Bestellung von Beauftragten ist stets im Kontext gesellschaftlicher Frage- bzw. Problem-
stellungen zu sehen. Damit ist mit Blick auf die Aufgabenentwicklung davon auszugehen,
dass sich Beauftragungsfelder sowohl vom Inhalt als auch vom Umfang verändern können.
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 12 „Beauftragungen“ wurde kein aufwandsprä-
gendes Merkmal bestimmt. Für den Modell-Landkreis wurde ein Stellengrundbedarf ange-
setzt, welcher sich aus der Ist-Stellenausstattung der Vergleichskreise ableitet.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 48:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 12 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

63
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 12 „Beauftragung“ im Organisationsmodell der Organisati-
onseinheit „Integration/Beauftragung“ zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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64
7.4
Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“
Die Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 49:
Aufgaben der Aufgabengruppe 13
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Zentrale gesetzliche Grundlagen der Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemeindeprü-
fung“ (13) bilden die SächsLKrO i. V. m. der Sächsischen Gemeindeordnung (SächsGe-
mO) sowie die Kommunalprüfungsverordnung (KomPrüfVO). Bezüglich der Bin-
dungswirkung sind die Aufgaben der Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemeindeprü-
fung“ (13) der Kategorie der Pflichtaufgaben (§§ 104, 105 und 106 Abs.1 SächsGemO)
sowie der weiteren Aufgaben (§ 106 Abs. 2 SächsGemO), die das Rechnungs-
prüfungsamt aus eigener Entscheidung heraus übernimmt, zuzuordnen. Damit liegt ins-
besondere die Entscheidung, ob bzw. welche Aufgaben im Bereich der weiteren Aufga-
ben im Rahmen der „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ erfüllt werden, im Ermessens-
spielraum der Rechnungsprüfungsämter bzw. des Kreistags. Auch bei der konkreten
Ausgestaltung der Aufgabenerfüllung im Einzelnen (u. a. Schwerpunktsetzungen, Prü-
fungsintensitäten) überlässt der Gesetzgeber den Rechnungsprüfungsämtern einen fach-
lichen Ermessensspielraum. Die Weisungsunabhängigkeit gemäß § 103 Abs. 2 Sächs-
GemO im Hinblick auf Prüfungsgegenstand und -umfang, Art und Weise sowie Ergebnis
der Prüfung ist hierbei ein unverzichtbares Wesensmerkmal dieser Aufgabengruppe.
Landkreise, die die Aufgabe „Prüfung von Zweckverbänden soweit das Rechnungsprü-
fungsamt als Prüfstelle bestimmt ist“ (13.1.6) erfüllen, sollten durch ein entsprechendes
Controlling sicherstellen, dass die Aufgabe „Prüfung von Zweckverbänden soweit das
Rechnungsprüfungsamt als Prüfstelle bestimmt ist“ (13.1.6) entsprechend dem vorab
kalkulierten Aufwand durchgeführt und der Aufwand entsprechend kostendeckend den
Zweckverbänden in Rechnung gestellt wird.

65
Für den Modell-Landkreis wird angenommen, dass dieser auch die örtliche Prüfung bei
kreisangehörigen Gemeinden und Zweckverbänden wahrnimmt. Hierdurch kann eine
Spezialisierung wirtschaftlich vorgehalten und so die Prüfungseffizienz gesteigert wer-
den. Für die kleineren Gemeinden kann auf diesem Wege eine effiziente und fachkompe-
tente örtliche Rechnungsprüfung realisiert werden. Hieraus können sich neben wichtigen
Erkenntnissen, z. B. im Hinblick auf die Einführung der Doppik, auch für die Aufgaben der
Kommunalaufsicht bedeutsame Feststellungen ergeben, die deren beratende Funktion
langfristig tragfähiger und effektiver macht. Mit Blick auf die Haushaltssituation der Land-
kreise sollte hierbei jedoch darauf geachtet werden, dass diese Aufgabe im Stellenplan
mit den erforderlichen Stellen untersetzt sowie der erforderliche Aufwand kostendeckend
kalkuliert und den Gemeinden und Zweckverbänden in Rechnung gestellt wird.
Zum Aufgabenspektrum der örtlichen Rechnungsprüfung gehören weitere Prüfungsauf-
gaben. Weil sie nützliche Informationen für die Steuerung der Verwaltung liefern, sind die
Aufgaben nach § 106 Abs. 2 SächsGemO regelmäßig im Rahmen der jährlichen Prü-
fungsplanung zu berücksichtigen. Das Rechnungsprüfungsamt entscheidet nach eige-
nem Ermessen über Art und Umfang dieser Prüfungen. Auch können dem Rechnungs-
prüfungsamt Aufgaben durch Kreistagsbeschluss übertragen werden.
Der Aufgabenbestand des Landkreises ist nicht statisch, sondern unterliegt sowohl ge-
setzlichen Änderungen als auch Änderungen aufgrund kommunalpolitischer Entschei-
dungen. Diese Änderungen wirken sich entsprechend der oben skizzierten Annahme auf
das Arbeitsmengengerüst im Bereich der „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ (13) aus.
Folgende Aufgabenentwicklungen, die Einfluss auf das Arbeitsmengengerüst haben, sind
zu erwarten:
In den Landkreisen im Freistaat Sachsen wurden bislang die Aufgaben nach dem
SGB II in unterschiedlicher Trägerform erfüllt (zkT, gE, „Zebra-Modell“). Die Art der
Aufgabenträgerschaft wirkt sich auf den Aufgabenumfang (Haushaltsvolumen) in der
Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ aus. Da in Folge der Kreis-
gebietsreform in den Landkreisen mit dem „Zebra-Modell“ zum Erhebungszeitpunkt
Entscheidungs- bzw. Umsetzungsprozesse zur Vereinheitlichung der Aufgabenerfül-
lung noch nicht abgeschlossen waren, sind hier je nach Entscheidung im Einzelnen
Veränderungen im Arbeitsmengengerüst zu erwarten. Diese bilden sich über das
aufwandsprägende Merkmal „Haushaltsvolumen“ ab und führen entsprechend zu ei-
ner Anpassung des ausgewiesenen Stellenbedarfs.
Mit dem Haushaltsjahr 2013 wird im Freistaat Sachsen die kommunale Doppik flä-
chendeckend eingeführt. Neben der gegenwärtigen Begleitung des Umstellungspro-
zesses wird die Prüfung der Eröffnungsbilanz 2013 und des Gesamtabschlusses
erstmalig in 2016 in der Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ einen
zusätzlichen - bezüglich der Eröffnungsbilanz allerdings einmaligen - Aufwand verur-

66
sachen. Zu beachten hierbei ist, dass sich dieser Aufwand in Landkreisen, die kreis-
angehörige Gemeinden und Zweckverbände örtlich prüfen, in der Aufgabengruppe
„Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ (13) stärker auswirken wird als in Landkreisen,
die die „Örtliche Prüfung der Gemeinden und Gemeindeverbände gemäß Vereinba-
rung“ (13.2) nicht erfüllen. Bezüglich entstehender personeller Mehrbedarfe wird auf
die Ausführungen zur Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ im Kapitel 7.9 verwiesen.
Mit der Novellierung des Sächsischen Eigenbetriebsgesetzes (SächsEigBG) vom
26. Juni 2009
40
besteht gemäß § 18 Abs. 3 SächsEigBG die Möglichkeit, dass der
Kreistag die örtliche Prüfungseinrichtung mit der Prüfung der Jahresabschlüsse von
kleinen Eigenbetrieben beauftragt. Voraussetzung hierfür ist, dass der Landkreis die
kommunale Doppik eingeführt hat. Sofern der Kreistag von dieser Möglichkeit Ge-
brauch macht, könnte sich dies auf die Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemein-
deprüfung“ (13) aufwandssteigernd auswirken.
Ein Schwerpunkt der Prüfung sollte künftig die Unternehmensprüfung gemäß § 96
Abs. 2 und 3 SächsGemO sein. Hierfür wird zunächst ein Bedarf von 0,05 VZÄ je Be-
teiligung empfohlen. Das Rechnungsprüfungsamt muss im Rahmen der jährlichen
Prüfungsplanung Umfang und Inhalt der Unternehmensprüfungen festlegen. Auf der
Grundlage des ermittelten Durchschnittes ist der Personalmehrbedarf zu bestimmen.
Dieser Ansatz ist mit Blick auf die Entwicklung des Beteiligungsportfolios des Land-
kreises regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.
Des Weiteren wird von einem temporären Mehrbedarf für die vom Freistaat überge-
gangenen Aufgaben von 0,40 VZÄ bis zum Jahr 2014 ausgegangen. Von diesem
Zeitpunkt an sind diese Aufgaben im Rahmen der Prüfungsplanung abzudecken.
Der
Mehrbedarf ist nicht im rechnerischen Stellenbedarf des Modell-Landkreises
enthalten.
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ wur-
den als aufwandsprägende Merkmale für die Bemessung des Stellenbedarfs definiert:
Haushaltsvolumen in T€,
Anzahl der Eigenbetriebe,
Anzahl der Unternehmen mit satzungsmäßiger Verankerung von Prüfungsrechten,
Anzahl der im Jahresmittel zu prüfenden Zweckverbände,
Deren durchschnittliche im Jahresmittel zu prüfende Bilanzsumme bzw. Haushaltsvolu-
men in T€,
Anzahl der zu prüfenden Gemeinden/Gemeindeverbände,
Haushaltsvolumen der zu prüfenden Gemeinden/Gemeindeverbände in T€.
40
Vgl. SächsGVBl. Nr. 9/2009, S. 323.

67
Grundannahmen für die Wahl dieser aufwandsprägenden Merkmale sind:
Das Aufgabenvolumen bzw. das Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe „Rechnungs-
und Gemeindeprüfung“ (13) wird wesentlich durch die vom Landkreis zu erfüllenden Auf-
gaben geprägt. Des Weiteren wirkt sich die rechtliche Organisationsform der Aufgabener-
füllung (z. B. Kernverwaltung, Eigenbetrieb, Zweckverband) auf den Aufwand in dieser
Aufgabengruppe aus.
Der Aufgabenbestand des Landkreises findet seinen haushaltsmäßigen Ausdruck im
Haushaltsvolumen des Landkreises. Dabei differiert der Aufgabenbestand der Landkreise
in seiner Grundstruktur unter den Landkreisen nicht wesentlich, Unterschiede im Detail
sowie im Hinblick auf quantitative Ausprägungen werden durch die spezifischen Haus-
haltsvolumina der Landkreise abgebildet. Somit kann das Haushaltsvolumen als zentra-
les aufwandsprägendes Merkmal bei der Stellenanalyse herangezogen werden.
Die Form der Aufgabenerfüllung differiert unter den Landkreisen. Die hieraus resultieren-
den Differenzen im Prüfungsaufwand werden durch die Anzahl der Eigenbetriebe bzw.
der Anzahl der Zweckverbände, für die die örtliche Prüfungszuständigkeit beim Landkreis
liegt, abgebildet. Entsprechend bildet diese Anzahl einen weiteren Indikator für den Auf-
wand der Aufgabengruppe „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ (13).
Als Richtwert für eine angemessene Stellenausstattung für die Pflichtaufgaben der „Prü-
fung der Haushalts- und Finanzwirtschaft des Landkreises“ (13.1) gemäß §§ 104 bis
106 Abs. 1 SächsGemO wurde mit Bezug auf die vergleichende Betrachtung der Land-
kreise sowie Erfahrungswerte aus weiteren Untersuchungen eine Richtwertspanne von
1,00 VZÄ je 80.000 T€ bis 100.000 T€ Haushaltsvolumen herangezogen. Die örtliche
Prüfung ist eine bedeutsame Erkenntnisquelle und liefert wichtige Informationen für die
Steuerung, sodass den Aufgaben ein hoher Stellenwert beizumessen ist. Für die Bemes-
sung wurde als Zielwert der untere Wert von 80.000 T€ angesetzt.
Der SRH weist an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass der Landkreis auf dieser
Grundlage gemäß § 1 Abs. 2 KomPrüfVO verpflichtet ist, das Rechnungsprüfungsamt mit
dem zur Erledigung seiner Aufgaben erforderlichen Personal und den erforderlichen Sach-
mitteln auszustatten.

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68
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 50:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 13 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Zur Wahrung der Unabhängigkeit ist die Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeinde-
prüfung“ im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Rechnungsprüfungsamt“ zuge-
ordnet und dem Landrat direkt unterstellt (vgl. Kapitel 8).

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69
7.5
Aufgabengruppe 14 „Kommunalaufsicht“
Die Aufgabengruppe 14 „Kommunalaufsicht“ umfasst
folgende Aufgaben:
Abbildung 51:
Aufgaben der Aufgabengruppe 14
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 14 „Kommunalaufsicht“ handelt es sich um
Pflichtaufgaben, die im Wesentlichen aus der Aufgabe des Landkreises als Rechtsauf-
sicht über die kreisangehörigen Gemeinden gemäß § 112 SächsGemO resultieren. Da-
mit sind sie dem Grunde nach nicht disponibel und stehen außerhalb zweckkritischer
Aufgabenbetrachtungen.
Mit Bezug auf organisatorische Aufgabenklassifizierungen sind die Aufgaben der Aufga-
bengruppe „Kommunalaufsicht“ (14) teilweise der Aufgabenart der quantifizierbaren Auf-
gaben, wie z. B. „Prüfung der von den Gemeinden, Zweckverbänden und Verwaltungs-
verbänden vorzulegenden Haushaltssatzungen“ (14.1.2), zuzuordnen. Zum anderen zäh-
len aber auch dispositiv-kreative Aufgabenanteile zu der Aufgabengruppe, wie z. B. „Ge-
bietsänderungen der Gemeinden“ (14.1.8). Grundsätzlich gibt es in dieser Auf-
gabengruppe inhaltliche und quantitative Schwankungen im Arbeitsmengengerüst in Ab-
hängigkeit von beispielsweise gesetzlichen Neuregelungen, lokalen kommunalpolitischen
Entscheidungen sowie festgelegten Wahlterminen. Bei der Aufgabenerfüllung besteht ein
im Rahmen der Gesetze auszufüllender Gestaltungsspielraum. So hat die Kommunalauf-

70
sicht insbesondere auch eine beratende und präventive Funktion gegenüber den kreis-
angehörigen Kommunen.
Das Aufgaben- und Arbeitsmengengerüst für die „Wahrnehmung der Kommunalaufsicht
über die kreisangehörigen Kommunen“ (14.1) ist nicht statisch. Folgende Veränderungen
bzw. Schwerpunktsetzungen sind in den kommenden Jahren zu erwarten:
Im Hinblick auf die demografische Entwicklung wird die Bildung von Einheitsgemein-
den favorisiert. Bis zum Jahr 2025 wird bei Gemeinden im ländlichen Raum eine
Mindesteinwohnerzahl von 5.000 EW angestrebt. Freiwillige Gemeindezusammen-
schlüsse werden derzeit durch das SMI gefördert. Die Neubildung von Verwaltungs-
verbänden und Verwaltungsgemeinschaften hingegen wird nicht mehr in Betracht ge-
zogen.
41
Die Begleitung von Gemeindezusammenschlüssen wirkt sich grundsätzlich
zunächst aufwandssteigernd auf die Aufgabe „Wahrnehmung der Kommunalaufsicht
über die kreisangehörigen Kommunen“ (14.1) aus. Langfristig, d. h. nach Erfüllung al-
ler mit dem Zusammenschluss im Kontext stehender insbesondere rechtlicher Aufga-
ben (z. B. Vereinheitlichung von Satzungen), wird der Aufwand in der Aufgabe
„Wahrnehmung der Kommunalaufsicht über die kreisangehörigen Kommunen“ (14.1)
jedoch reduziert.
Gegenwärtig bindet die Begleitung der Kommunen bei der Einführung der kommuna-
len Doppik zusätzliche Stellenkapazitäten. Dieser temporäre Sonderbedarf ist geson-
dert dargestellt. Generell besteht in der Aufgabe „Wahrnehmung der Kommunalauf-
sicht über die kreisangehörigen Kommunen“ (14.1) gegenwärtig die Herausforderung,
die aufsichtsrechtlichen Prüfansätze und Arbeitsmethoden den Erfordernissen der
kommunalen Doppik anzupassen.
Eine zentrale Aufgabe der Kommunalaufsicht besteht in der Begleitung der Kommu-
nen bei der Haushaltssicherung. Sofern es den kreisangehörigen Kommunen nicht
gelingt, durch eine solide Haushaltswirtschaft ihr Ausgabe- und Einnahmeverhalten
auf veränderte Rahmenbedingungen und Herausforderungen (z. B. demografischer
Wandel) anzupassen, sodass der Haushaltsausgleich nicht erzielt wird, steigt der
Aufwand für die „Wahrnehmung der Kommunalaufsicht über die kreisangehörigen
Kommunen“ (14.1).
Mit Blick auf die Aufgabenwahrnehmung wird das Leitbild einer präventiven und beraten-
den Kommunalaufsicht empfohlen, wobei bei der Aufgabenerfüllung im Einzelnen mit
Standards wie Checklisten, Dokumentenmanagement, Prüfbögen, Textbausteinen und
„Juris“ gearbeitet werden sollte. Um die Kontinuität in der Bearbeitung herzustellen, ist es
vorteilhaft, die Gemeinden und Zweckverbände einzelnen Mitarbeitern zuzuordnen.
41
Vgl. Bekanntmachung des SMI zu den Grundsätzen für freiwillige Zusammenschlüsse von Gemeinden im
Freistaat Sachsen vom 26.10.2010, SächsABl. Nr. 45/2010.

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71
Aus dem Arbeitsmengengerüst der einzelnen Aufgaben lassen sich für den Aufgabenblock
„Wahrnehmung der Kommunalaufsicht über die kreisangehörigen Kommunen“ folgende auf-
wandsprägende Merkmale ableiten:
Anzahl der kreisangehörigen Kommunen,
Anzahl der Verwaltungsgemeinschaften und Verwaltungsverbände,
Anzahl der Zweckverbände.
Bei dem Merkmal „Anzahl der kreisangehörigen Kommunen“ wird davon ausgegangen, dass
es keine zwingende Kausalität zwischen der Größe der Kommune und dem Aufsichtsauf-
wand gibt
42
, sodass die kommunale Struktur (Größenklassen der Gemeinden) des Landkrei-
ses nicht gesondert berücksichtigt werden muss.
Das Arbeitsmengengerüst des Aufgabenblocks „Wahlen“ schwankt in Abhängigkeit von den
Wahlterminen im Vergleich der Jahre erheblich. Die Funktion des Kreiswahlleiters beinhaltet
die regelmäßige Leitung der Kommunalaufsicht. Als aufwandsprägendes Merkmal wird hier
auf die EW-Zahl abgestellt.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 52:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 14 nach Aufgabenblöcken
Durch Gemeindezusammenschlüsse reduziert sich zwangsläufig die Anzahl der Verwal-
tungsverbände und Verwaltungsgemeinschaften. Die für deren Kommunalaufsicht einge-
setzte und dann frei werdende Stellenkapazität sollte für eine Übergangsphase für die Be-
gleitung der Gemeindezusammenschlüsse eingesetzt und danach abgebaut werden.
42
In den Interviews mit den 3 Vergleichskreisen wurde dargelegt, dass sich die Größe der Kommunen eher auf
die Art der Aufsicht auswirkt: Während bei kleineren Kommunen die Kommunalaufsicht stärker in beratender
Funktion agiert, ist der Aufwand in größeren Kommunen aufgrund eines breiteren Aufgabenspektrums (insbe-
sondere der Daseinsvorsorge) höher.

72
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation und zur Wahrung der Unabhängigkeit wurde die Aufgabengruppe 14 „Kommunalauf-
sicht“ im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Kommunalaufsicht“ im Bereich des
Landrates zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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73
7.6
Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“
Die Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 53:
Aufgaben der Aufgabengruppe 20
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) handelt es sich um klassi-
sche Service- bzw. Querschnittsaufgaben der Verwaltung, die im Wesentlichen der Kate-
gorie der Pflichtaufgaben zuzuordnen sind. Damit sind sie dem Grunde nach nicht dispo-
nibel und stehen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbetrachtungen. Hinsichtlich des
Standards und der Art der Erfüllung hat der Landkreis jedoch einen Gestaltungsspiel-
raum.
Ein zentrales Wesensmerkmal der Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) ist, dass sich
für die Aufgabenerfüllung in weiten Bereichen die Wahrnehmung durch Dritte (z. B. ex-
terne Dienstleister) anbietet. Entsprechend liegen bei der Aufgabenerfüllung in dieser
Aufgabengruppe in den Vergleichskreisen teilweise unterschiedliche „Erfüllungsformen“
zugrunde.

74
Für einige Aufgaben der Aufgabengruppe „Zentrale Dienste“ (20) bilden die Verwaltungs-
standorte und die örtlichen Standortbedingungen zentrale Rahmenbedingungen und wir-
ken sich auf die Arbeitsmengen aus.
Die Landkreise, die die Aufgaben nach dem SGB II in Form einer zkT wahrnehmen, wer-
den hier ein größeres Mengengerüst aufweisen als Landkreise, die die Aufgaben in Form
einer gE erfüllen. Dieser Unterschied wird im Organisationsmodell berücksichtigt.
Bezüglich der Aufgabenwahrnehmung werden folgende Empfehlungen gegeben:
Für die Aufgabe „IT-Betreuung“ (20.2) sollten die Möglichkeiten bzw. die Einbindung ei-
ner integrierten Software in Form eines IT-Managementsystems geprüft werden. Mit ei-
nem solchen Werkzeug kann der Aufwand für Systemadministration und Endnutzer-
betreuung bei hoher Qualität der Aufgabenerledigung gesenkt werden. Verfügbarkeit,
Fehleranalyse, Sicherheit oder Wartungseingriffe der IT-Systeme können effizient „unter-
nehmensweit“ überwacht und koordiniert werden. Ein weiterer Ansatzpunkt wird in der
Konsolidierung der eingesetzten Fachanwendungen gesehen.
Die Aufgaben des Informationssicherheitsbeauftragten und die Aufgaben des Daten-
schutzbeauftragten sollten zur Aufgabe „Datenschutz- und Informationssicherheitsbeauf-
tragung“ (20.3) gebündelt und im Bereich der „Zentralen Dienste“ angesiedelt werden.
Hierdurch können Synergien erschlossen werden.
Der in der Stellenanalyse herangezogene Richtwert für die Aufgabe „Arbeitsschutz / Ar-
beitsmedizin“ (20.4) von 0,50 VZÄ je 1.000 Mitarbeiter geht davon aus, dass die Verwal-
tung hier in der gewährleistenden, planenden und koordinierenden Funktion steht. Die
Durchführung des betriebsärztlichen Dienstes und der arbeitsschutzrechtlichen Beurtei-
lung der Arbeitsplätze erfolgt durch Dritte (externe Dienstleister).
Für die „Kopier- und Bindearbeiten“ (20.10) wird die Aufgabenerfüllung durch externe
Dienstleister empfohlen, wobei ein Grundbedarf für Kopiererfordernisse vorgehalten wer-
den sollte.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Anzahl der Stellen,
Anzahl der Clients,
Grundbedarfe je Kreisverwaltung,
Anzahl der arbeitsschutzrechtlich zu betreuenden Mitarbeiter,
Anzahl der mit Arbeitsmitteln etc. auszustattenden Mitarbeiter,

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75
Anzahl der Fahrzeuge,
Anzahl der Mitarbeiter mit persönlichem Fahrer bzw. Fahrzeug,
Summe der Jahreskilometerleistung der Dienstfahrzeuge,
Anzahl der Rezeptionen (inkl. Telefonzentrale),
Anzahl der Postein- und -ausgänge.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 54:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 20 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 20 „Zentrale Dienste“ im Organisationsmodell der Orga-
nisationseinheit „Zentrale Dienste“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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76
7.7
Aufgabengruppe 21 „Personal“
Die Aufgabengruppe 21 „Personal“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 55:
Aufgaben der Aufgabengruppe 21
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 21 „Personal“ handelt es sich um klassische Ser-
vice- bzw. Querschnittsaufgaben der Verwaltung, die im Wesentlichen der Kategorie der
Pflichtaufgaben zuzuordnen sind. Damit sind sie dem Grunde nach nicht disponibel und
stehen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbetrachtungen.
Mit Bezug auf organisatorische Aufgabenklassifizierungen sind die Aufgaben der Aufga-
bengruppe „Personal“ (21) der Aufgabenart der quantifizierbaren Aufgaben sowie der
dispositiv-kreativen Aufgaben zuzuordnen. So bilden beispielsweise die Aufgaben „Lohn-
und Gehaltsabrechnung“ (21.2) quantifizierbare Aufgaben und Aufgaben wie „Personal-
beschaffung“ (21.1.2) und „Personalentwicklung“ (21.1.3) dispositiv-kreative Aufgaben.
Ein Vergleich der Stellenausstattungen unter den Vergleichskreisen verdeutlicht, dass die
Aufgaben der Aufgabengruppe „Personal“ (21) in den 3 Landkreisen mit unterschiedli-
chen Stellenanteilen
43
erfüllt werden.
43
Angaben zum Stand 01.10. 2010.

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image
77
Abbildung 56:
Stellenausstattung des Aufgabenblocks Personalangelegenheiten in
den Vergleichskreisen (VZÄ je 300 aktive Stelleninhaber)
Abbildung 57: Stellenausstattung des Aufgabenblocks Lohn- und Gehaltsab-
rechnung in den Vergleichskreisen (VZÄ je 250 Zahlfälle)
Bei den Aufgaben im Aufgabenblock „Personalangelegenheiten“ besteht mit Blick auf ein
aktives Personalmanagement ein Gestaltungsspielraum bezüglich der Wahrnehmungsin-
tensität. Diese muss unter Würdigung personalwirtschaftlicher Erfordernisse und Rah-
menbedingungen vom Landkreis festgelegt werden. Grundsätzlich wird empfohlen, ein
Personalentwicklungskonzept zu erarbeiten, das aufsetzend auf den Aufgabenerforder-
nissen der Verwaltung quantitative und qualitative Personalbedarfe definiert und Instru-
mente zur Realisierung der Konzeption benennt. Hierfür kann die im Rahmen des Orga-
nisationsmodells für die Aufgabengruppen im Einzelnen durchgeführte Stellenanalyse
Anhaltspunkte liefern.
Erhebungen in den Vergleichskreisen zeigen, dass die Personalmanagement- und -ver-
waltungsverfahren nicht überall durchgehend automatisiert sind. Die Bemessung in dem
Organisationsmodell geht von durchgehend IT-gestützten Verfahren aus.
Weiterhin wird in dem Organisationsmodell von Nach- bzw. Umbesetzungsverfahren bei
Mitarbeitern (z. B. aufgrund von Krankheitsvertretungen) auf der Basis des Direktions-
rechts ausgegangen. Im Rahmen der vergleichenden Prüfung wurde deutlich, dass hier
teilweise aufwendigere Verfahren praktiziert werden. So wurden z. B. Umsetzungen ne-
ben kurzfristigen Abordnungen auf der Basis interner Stellenausschreibungen mit ent-

image
78
sprechenden Auswahlverfahren vorgenommen. Diese Praxis ist sowohl unter dem Ge-
sichtspunkt der Effizienz als auch unter dem Gesichtspunkt der Schaffung von Kontinuität
in der Personalwirtschaft sowie einer systematischen Personalentwicklung eher kritisch
zu sehen.
Die Landkreise übernehmen teilweise als Dienstleister die Aufgaben der „Lohn- und Ge-
haltsabrechnung“ (21.2) für „Dritte“. Die hiermit verbundenen Arbeitsmengen werden
durch das aufwandsprägende Merkmal der kennzahlenorientierten Bemessung berück-
sichtigt. Grundsätzlich ist die Wahrnehmung dieser „Dienstleistungen“ positiv zu bewer-
ten, da die Landkreise hierdurch Spezialisierungs- und Größendegressionseffekte er-
schließen können. Wichtig ist jedoch, dass die Leistungen kostendeckend kalkuliert und
in Rechnung gestellt werden.
Die Landkreise, die die Aufgaben nach dem SGB II in Form einer zkT wahrnehmen, wer-
den in dieser Aufgabengruppe ein größeres Mengengerüst aufweisen als Landkreise, die
die Aufgaben in Form einer gE erfüllen. Dieser Unterschied wird im Organisationsmodell
berücksichtigt.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Anzahl der aktiven Stelleninhaber im Jahresdurchschnitt (inkl. Auszubildende),
Anzahl der Zahlfälle.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 58:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 21 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

79
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 21 „Personal“ als Service- und Querschnittsaufgabe im
Organisationsmodell der Organisationseinheit „Zentrale Dienste“ im Bereich des Dezernats I
zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

image
 
80
7.8
Aufgabengruppe 22 „Finanzen“
Die Aufgabengruppe 22 „Finanzen“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 59:
Aufgaben der Aufgabengruppe 22
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben handelt es sich um Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht dispo-
nibel sind und damit außerhalb jeder zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen.
Bezüglich ihres organisatorischen Charakters sind die Aufgaben als sog. Quer-
schnittsaufgaben einzuordnen, d. h. sie sind übergreifend für das Funktionieren der Ver-
waltung notwendig.

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81
In Bezug auf die Kosten- und Leistungsrechnung gelten die Aufgaben als sog. interne
Leistungen. Entsprechend ist die Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ der Aufgabenhaupt-
gruppe 2 „Interner Service“ zugeordnet.
Die Landkreise, die die Aufgaben nach dem SGB II in Form einer zkT wahrnehmen, wer-
den hier ein größeres Mengengerüst aufweisen als Landkreise, die die Aufgaben in Form
einer gE erfüllen. Dieser Unterschied wird im Organisationsmodell berücksichtigt.
Zur Aufgabenwahrnehmung sind folgende Ausführungen zu machen:
Die Aufgaben der Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ werden durch die anstehende Umstel-
lung vom kameralen auf das doppische Haushalts- und Rechnungswesen (Doppik) ge-
prägt. Für das Organisationsmodell erfolgte die Betrachtung der Aufgaben grundlegend
auf Basis der Ist-Situation. Den durch die doppische Buchführung entstehenden Verän-
derungen wird in einem gesonderten Abschnitt Rechnung getragen (vgl. Kapitel 7.9).
Es wird davon ausgegangen, dass der Modell-Landkreis Konsolidierungsanstrengungen
unternehmen muss, sich jedoch nicht in der pflichtigen Haushaltskonsolidierung befindet.
Demnach sind unter der Aufgabe „Aufstellung von Konsolidierungskonzepten“ (22.1.1.2)
alle Tätigkeiten zu subsumieren, die auf die nachhaltige Verbesserung der Haushaltslage
abzielen. Als Zusammenhangstätigkeit zur Aufgabe „Ausführung des Haushaltsplans“
(22.1.2.1) ist entsprechend auch das unterjährige Umsetzungscontrolling zu den Konsoli-
dierungsmaßnahmen etabliert.
Sowohl die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung als auch die Inanspruchnahme der
Kassenkredite konnte in den sächsischen Landkreisen vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2010
per Saldo abgebaut werden
44
:
Abbildung 60: Entwicklung der Kassenkredite der sächsischen Landkreise (in
Mio. €)
44
Vgl. Schuldenstatistik der Gemeinden/Gemeindeverbände des StaLa, Gebietsstand 01.01.2011.

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82
Abbildung 61:
Entwicklung der Schulden der sächsischen Landkreise (in € je EW)
Dennoch stellen aktuelle Entwicklungen neue Fragen in den Mittelpunkt der Aufgaben-
wahrnehmung, so z. B.: Welche Auswirkungen wird die Schuldenbremse auf Bundes-
und Landesebene auf die Finanzbeziehungen zur kommunalen Ebene und damit letztlich
auch zu den Landkreisen haben? Wie wirken sich künftige Bewertungen des Landes
durch die Rating-Agenturen aus? Vor diesem Hintergrund behält die Aufgabe „Aktives
Zins- und Schuldenmanagement“ (22.1.2.3) ihre besondere Bedeutung für die Haus-
haltssituation des Landkreises, wobei auch die Bewirtschaftung der Kassenkredite als
Aufgabenbestandteil zu sehen ist. Insgesamt sollte vor allem die Frage der Erreichung
von Zinssicherung und Zinsoptimierung - auch ohne den Abschluss riskanter Siche-
rungsgeschäfte - im Mittelpunkt stehen. Dies setzt entsprechend hohe qualitative An-
sprüche in die Aufgabenwahrnehmung.
Die Aufgabe „Ausführung der Vollstreckungsanordnungen im Außendienst“ (22.3.3) hat
zum Ziel, bei den EW positiv auf die Zahlungsmoral gegenüber dem Landkreis einzuwir-
ken und Einzahlungen an den Landkreis zu erreichen. Grundlegend muss ein ausgewo-
genes Verhältnis zwischen dem eingesetzten personellen und materiellen Aufwand und
dem erreichten Ergebnis bestehen (Prinzip der Wirtschaftlichkeit). Daher sollten die
durch den Außendienst erwirkten Einzahlungen die Kosten nach der Sach- und Personal-
kostenpauschale in Höhe von 37,62 €/h (mittlerer Dienst) in Anlehnung an die VwV Kos-
tenfestlegung 2010 decken.
45
Bei 1.500 Arbeitsstunden ergeben sich damit ca. 56 T€ p.
a., welche eine VZÄ im Außendienst erzielen sollte, um Kostendeckung zu erreichen.
45
Vgl. Verwaltungsvorschrift des SMF zur Feststellung von Verwaltungsgebühren sowie Benutzungsgebühren
und Entgelten für die Inanspruchnahme der Landesverwaltung (VwV Kostenfestlegung 2010), Sächsisches
Amtsblatt Nr. 23 vom 4. Juni 209, Abschnitt 41, Nr. II. 4, S. 949. Die VwV Kostenfestlegung gilt zwar für Land-
kreise nur im Bereich der Wahrnehmung von Pflichtaufgaben nach Weisung und im Auftrag des Freistaats
Sachsen unmittelbar (Abschnitt I Nr. 1 Buchst. b, VwV Kostenfestlegung 2010), wird jedoch den Landkreisen
darüber hinaus zur Orientierung empfohlen.

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83
Abbildung 62:
Ermittlung der notwendigen Einzahlungen je Außendienstmitarbeiter
im Bereich Vollstreckung
Die Aufgabenwahrnehmung im Bereich „Beteiligungen“ (22.4) sollte grundlegend zentral
organisiert sein. Die Aufgabe „Controlling, Verwaltung und Mandatbetreuung der Eigen-
betriebe, Beteiligungen und Zweckverbandsmitgliedschaften“ (22.4.1) sollte auf das ge-
setzlich notwendige Maß mit möglichst geringem personellen Aufwand beschränkt wer-
den. Dagegen sollte die Aufgabenwahrnehmung verstärkt in das sog. „Beteiligungsma-
nagement“ (22.4.2) übergehen, d. h. vor allem in die Entwicklung von grundlegenden
Strategien zum künftigen Umgang mit den Eigenbetrieben, Beteiligungen und Zweckver-
bandsmitgliedschaften sowie die Erarbeitung von organisatorischen und finanziellen Op-
timierungsmöglichkeiten im „Konzern Landkreis“. Vor dem Hintergrund sinkender finan-
zieller Mittel in den Landkreisen und dem Erfordernis der Haushaltskonsolidierung sollte
dabei vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, welcher Konsolidierungsbeitrag durch
die Unternehmen erbracht werden kann. Mögliche Ansätze für das Management können
dabei sein:
Zusammenführung von Unternehmen zur Erzielung von Synergieeffekten, insbeson-
dere bei den Querschnittsaufgaben,
regelmäßige Aufgabenanalyse und Festlegung von Standards, insbesondere bei Ei-
genbetrieben zur Unterlegung von Zuschusssenkungen,
Mittelverwendung nach § 58 Abs. 2 AO von gemeinnützigen Körperschaften für steu-
erbegünstigte Zwecke des Landkreises,
Prüfung der Rückführung von Eigenbetrieben in den kommunalen Haushalt nach Ein-
führung der Doppik in geeigneten Bereichen (z. B. solche, wo hauptsächlich verwal-
tungsinterne Leistungen erbracht werden),
Erzielung/Erhöhung von Ausschüttungen, mindestens aber einer angemessenen Ei-
genkapitalverzinsung,
Veräußerung von Unternehmen bzw. Veräußerung von Mehrheits- oder Minderheits-
anteilen, wenn das Unternehmen oder die Anteile für die Erfüllung der Pflichtaufga-
ben nicht zwingend notwendig sind und der Barwert der Verkaufserlöse größer ist als
der Barwert künftig zu erzielender Ausschüttungen,
Einstellung der Geschäftstätigkeit, wenn das Unternehmen für die Erfüllung der
Pflichtaufgaben nicht zwingend notwendig ist und bereits oder absehbar Verluste er-
wirtschaften werden.

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84
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ wurden als aufwandsprägende
Merkmale für die Bemessung des Stellenbedarfs definiert:
Haushaltsvolumen in T€,
Anzahl der bearbeiteten Vorgänge/Verträge,
Anzahl der baren und unbaren Zahlungsvorgänge,
Anzahl der Mahnungen,
Anzahl der Vollstreckungsmaßnahmen im Innendienst,
Einnahmen des Außendienstes in T€ (Vollstreckung),
Anzahl der dargestellten Unternehmen im Beteiligungsbericht,
Anzahl der Eigenbetriebe, Zweckverbandsmitgliedschaften sowie der unmittelbaren und
mittelbaren Beteiligungen (>20 %) lt. Beteiligungsbericht.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 63:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 22 nach Aufgabenblöcken
Nummern der
enthaltenen
Aufgaben
Aufgabenblock
Aufwandsprägendes Merkmal
Menge
Stellen-anteile
in VZÄ
Organisationseinheit
22.1.1
Haushaltsplanung
Haushaltsvolumen in T€
317.732
1,14
Finanzmanagement
22.1.2.1 bis
22.1.2.3
Ausführung des Haushaltsplans
und Erstellung der
Jahresrechnung (bei dezentraler
Anweisung) ohne Sonderaufgaben
(Doppik usw.)
Haushaltsvolumen in T€
317.732
1,59
Finanzmanagement
22.1.2.4
Bearbeitung der
finanzwirtschaftlichen Aspekte von
Verträgen, Bearbeitung von
Versicherungsverträgen
Anzahl der bearbeiteten Vorgänge
/ Verträge
50
0,10
Finanzmanagement
22.1.2.9
Doppik-Umstellungsarbeiten
(entfällt nach Umstellung)
Kein Merkmal.
3,50
Finanzmanagement
22.2.1 bis
22.2.4
Abwicklung des baren und
unbaren Zahlungsverkehrs
Anzahl der baren und unbaren
Zahlungsvorgänge
564.621
15,81
Finanzmanagement
22.2.5
Bearbeitung fremder
Kassengeschäfte
Anzahl der bearbeiteten Vorgänge
0
0,00
Finanzmanagement
22.3.1
Mahnung
Anzahl der Mahnungen je Jahr
18.260
0,76
Finanzmanagement
22.3.2
Durchführung von
Beitreibungsmaßnahmen bei
Forderungen
im Innendienst
Anzahl der Maßnahmen je Jahr
30.714
7,68
Finanzmanagement
22.3.3
Ausführung der
Vollstreckungsanordnungen im
Außendienst
Einnahmen durch den
Außendienst in T€
596
10,57
Finanzmanagement
22.4.1
Controlling, Verwaltung und
Mandatbetreuung der
Eigenbetriebe, Beteiligungen und
Zweckverbandsmitgliedschaften
Anzahl der Eigenbetriebe,
Zweckverbands-
mitgliedschaften sowie der
mittelbaren und unmittelbaren
Beteiligungen, die im
Beteiligungsbericht dargestellt
werden
35
1,39
Finanzmanagement
22.4.2
Beteiligungsmanagement
Anzahl der Eigenbetriebe,
Zweckverbands-
mitgliedschaften sowie der
mittelbaren und unmittelbaren
Beteiligungen
(Anteil > 20 %) lt.
Beteiligungsbericht
30
1,21
Finanzmanagement
Gesamt
43,74
davon außerhalb des Stellenplans
0,00

85
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ im Organisationsmodell der Organisa-
tionseinheit „Finanzmanagement“ zugeordnet. Dies schließt auch die „Beteiligungen“ (22.4)
ein. Grund hierfür ist, dass sich im Hinblick auf den ab 2016 zu erstellenden Gesamtab-
schluss die Schnittstellen zwischen den Beteiligungen und der Verwaltung erhöhen werden
und die Finanzbeziehungen zu den Beteiligungen grundlegend auch vor dem Hintergrund
der Haushaltskonsolidierung stärker in das Finanzmanagement des Landkreises einbezogen
werden sollten. Die Organisationseinheit „Finanzmanagement“ wurde im Organisations-
modell dem Dezernat I zugeordnet, vor dem Hintergrund, dass hier alle sog. „internen Leis-
tungen“ gebündelt sind (vgl. Kapitel 8).

image
 
86
7.9
Exkurs: Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ nach der Doppik-Umstellung
Das Sächsische Kabinett
hat mit Beschluss Nr. 03/1164 vom 04.05.2004 die Einführung ei-
nes doppischen Haushalts- und Rechnungswesens für den Freistaat Sachsen beschlossen
und im „Gesetz über das neue kommunale Haushalts- und Rechnungswesen“ vom 7. No-
vember 2007 verankert. Die Umsetzung der Regelungen wurde den Kommunen in einer
Freiwilligkeitsphase ab dem Jahr 2008 ermöglicht. Die verpflichtende Umstellung besteht
grundsätzlich ab dem Jahr 2013.
Für die Aufgaben der Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ bedeutet dies zum einen, dass sich die
Zusammenhangstätigkeiten bei bestehenden Aufgaben teilweise inhaltlich leicht verändern.
Aus „Erstellung der Jahresrechnung“ wird „Erstellung des Jahresabschlusses“. Zum anderen
entfällt die Aufgabe „Doppik-Umstellung“ (22.1.2.9) aus dem Aufgabenkatalog. Dafür werden
grundlegend neue Aufgaben hinzukommen. Diese wurden unter der Aufgabe „Ausführung
des Haushaltsplans und Erstellung der Jahresrechnung bzw. des Jahresabschlusses“ wie
folgt berücksichtigt:
Abbildung 64: Neue Aufgaben der Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ nach Doppik-
Umstellung
Letztlich verändern sich aber auch die Inhalte des angesetzten, aufwandsprägenden Merk-
mals „Haushaltsvolumen“. Dies definiert sich künftig über den Gesamtaufwand im Haushalt.
Bezüglich der notwendigen Stellenausstattung für den Modell-Landkreis können noch keine
verbindlichen Angaben gemacht werden, da nicht bis ins Detail absehbar ist, wie sich die
relevanten Mengen, Fallzahlen und Prozesse im Finanzmanagement mit der Doppik-
Umstellung verändern. Dennoch können aufgrund von bundesweiten Erfahrungswerten
Bandbreiten bezüglich der entstehenden zusätzlichen Stellenbedarfe im Finanzmanagement
aufgezeigt werden:

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87
Abbildung 65: Bandbreiten für personelle Mehrbedarfe nach der Doppik-Um-
stellung
Des Weiteren ergeben sich Veränderungen im Stellenbedarf in anderen Aufgabengruppen.
Dies betrifft vor allem die Aufgabengruppe 13 „Rechnungs- und Gemeindeprüfung“ aufgrund
des Erfordernisses zur Prüfung des künftigen Jahresabschlusses. Für die Prüfung des Jah-
resabschlusses bzw. des Gesamtabschlusses können mangels ausreichender Erfahrungs-
werte bzw. aufgrund der unterschiedlichen Beteiligungsstrukturen in den Landkreisen keine
validen Bandbreiten angegeben werden
46
.
46
Der Wert aus der allgemeinen Wirtschaftsprüfung liegt hier bei 0,16 VZÄ je 500 Mio. € Bilanzsumme für die
Jahresabschlussprüfung.

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88
7.10
Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“
Die Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 66:
Aufgaben der Aufgabengruppe 23
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Gegenstand der Aufgabengruppe sind die Teilaufgaben Planung, Bau, Betrieb, Unterhal-
tung und Verwaltung der kommunalspezifischen Gebäude und Einrichtungen, wie vor al-
lem Verwaltungsgebäude, Bildungs- und Kultureinrichtungen sowie Erwerb, Veräuße-
rung, Vermietung und Verpachtung von Grundstücken.
Bei den Aufgaben handelt es sich um weisungsfreie Pflichtaufgaben, die im Wesentli-
chen aus der Eigentümerstellung des Landkreises für Gebäude und Grundstücke resul-
tieren.
Es besteht die Alternative, betriebsnotwendige Gebäude und Flächen z. B. auf vertragli-
cher Basis im Rahmen von Mietverträgen anzumieten, was in unterschiedlichem Umfang
von den Vergleichskreisen praktiziert wird. Mietobjekte werden teilweise noch vorüberge-
hend bis zum Ablauf der Vertragslaufzeit genutzt. So ist z. B. das Vermessungs- und Ka-
tasterwesen als ehemals staatlicher Bereich noch in Gebäuden des Freistaates auf der
Grundlage von Mietverträgen untergebracht.

89
Die Verwaltung kann auch für die in ihrem Eigentum stehenden Immobilien die Aufga-
benerledigung auf Dritte übertragen, wovon beispielsweise bei der Gebäudereinigung
und Bauunterhaltung bereits umfassend Gebrauch gemacht wird. Des Weiteren werden
bei größeren Planungsleistungen grundsätzlich externe Ingenieurbüros beauftragt. Bei
der Verwaltung verbleiben die sog. Bauherrenaufgaben bei Neubau-, Umbau- und Erwei-
terungsmaßnahmen sowie die Auftraggeberfunktionen bei Leistungsvergaben, wie z. B.
im Bereich der Gebäudereinigung. In Abhängigkeit vom jeweils realisierten Fremdleis-
tungsanteil reduziert sich der Stellenbedarf der Verwaltung. Die Inanspruchnahme von
Fremdleistungen, die sich bei den Vergleichskreisen grundsätzlich bewährt hat, wird, so-
weit wirtschaftlich, für Planungs- und Bauaufgaben sowie Unterhaltungsaufgaben emp-
fohlen.
Bei der Aufgabe „Gebäudereinigung in Eigenleistung“ (23.3.3) wird für den Modell-Land-
kreis von einer vollständigen Fremdvergabe der Leistungen ausgegangen.
Im Zuge der Doppik-Umstellung entstehen in der Aufgabengruppe 23 temporäre Mehr-
bedarfe für die Erfassung der Grundstücke und Gebäude. Diese sind in der Stellen-
Bemessung für den Modell-Landkreis nicht berücksichtigt.
Ziel der Aufgabenwahrnehmung in der Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“ ist die
Bereitstellung bedarfsgerechter Flächen und die Sicherung der Wirtschaftlichkeit der Flä-
chen- bzw. Gebäudenutzung. Zur organisatorischen Ausgestaltung der Aufgabengruppe 23
„Immobilienmanagement“ und seiner Einbindung in die Verwaltung sind folgende Feststel-
lungen zu treffen:
Eine optimale Immobilienbewirtschaftung erfordert hinsichtlich ihrer Effektivität und Effi-
zienz eine langfristige strategische Planung. Daher bündeln die Vergleichskreise im fort-
geschrittenen Stadium ihre Aktivitäten rund um ihre Immobilien und realisieren Optimie-
rungsmöglichkeiten.
Für den Modell-Landkreis werden folgende Handlungsempfehlungen gegeben:
Bündelung und Zentralisierung der Aufgaben der Aufgabengruppe 23 „Immobilienmana-
gement“ in einem Servicebereich.
Zuordnung des Servicebereiches im Rahmen der Verwaltungsgliederung zur Aufgaben-
gruppe 2 „Interner Service“ bzw. zur Organisationseinheit „Zentrale Dienste“ im Bereich
des Dezernats I.
Hinsichtlich der Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:

image
90
Anzahl, Größe und Zustand der Gebäude und Einrichtungen wie vor allem Bildungs- und
Kultureinrichtungen sowie Verwaltungsgebäude stellen relevante Bestimmungsgrößen
dar, die den Umfang der Aufgabenwahrnehmung beeinflussen.
Der sich in der Umsetzung befindliche Prozess der räumlichen Teilzentralisierung der
Verwaltung reduziert das Aufgabenvolumen. Das gilt entsprechend bei Wegfall anderer
Objektarten, z. B. als Folge einer Schließung von Schulgebäuden.
Mit einer abnehmenden Investitionstätigkeit nach Abschluss von Neu-, Umbau- und Sa-
nierungsmaßnahmen ist zu rechnen.
Die kontinuierliche bauliche Unterhaltung der Bestandsimmobilien wird demgegenüber
als Daueraufgabe an Bedeutung gewinnen.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
daher folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgaben-
gruppe abgeleitet:
Investitionsvolumen in T€,
Bauunterhaltungsvolumen in T€,
Anzahl der bebauten Grundstücke,
Anzahl der unbebauten Grundstücke,
Reinigungsflächen in m²,
Sportplatzflächen in m².
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 67:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 23 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

91
Die Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“ wurde im Organisationsmodell der Orga-
nisationseinheit „Zentrale Dienste“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet, da es sich bei
den wahrgenommenen Aufgaben um Querschnittsaufgaben mit Servicecharakter handelt.
Verwaltungsseitig ist so die Nähe zur Schulverwaltung gegeben, worüber sich Synergien in
der laufenden Gebäudeverwaltung und -unterhaltung erschließen lassen (vgl. Kapitel 8).

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92
7.11
Aufgabengruppe 24 „Archiv“
Die Aufgabengruppe 24 „Archiv“ umfasst
folgende Aufgaben:
Abbildung 68:
Aufgaben der Aufgabengruppe 24
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 24 „Archiv“ handelt es sich zum einen um Servi-
ce- bzw. Querschnittsaufgaben für die Verwaltung und zum anderen um Aufgaben ge-
mäß § 13 Sächsisches Archivgesetz (SächsArchivG). Damit sind die Aufgaben der Kate-
gorie der Pflichtaufgaben zuzuordnen, die dem Grunde nach nicht disponibel sind. Sie
stehen außerhalb zweckkritischer Aufgabenbetrachtungen. Grundlagen für die Aufga-
benwahrnehmung bilden das SächsArchivG, die Archivsatzung des Landkreises, die ge-
setzlichen Regelungen zu den Aufbewahrungsfristen sowie die Richtlinien der Landkreise
zur Schriftgutverwaltung bzw. zur Aktenführung/Aktenplanung.
Eine Ausnahme bildet die Aufgabe „Kommunale Archivpflege“ (24.3). Hierbei handelt es
sich gemäß Archivsatzungen der Landkreise in der Regel um eine Kann-Bestimmung,
sodass sie dem Grunde nach disponibel ist.
Das Kreisarchiv ist in den Landkreisen teilweise dezentral, an verschiedenen Standorten
untergebracht. Das Organisationsmodell basiert auf der Annahme einer Standortkonzent-
ration für diese Aufgabengruppe.
Die Landkreise, die die Aufgaben nach dem SGB II in Form einer zkT wahrnehmen, wer-
den in dieser Aufgabengruppe ein größeres Mengengerüst aufweisen als Landkreise, die
die Aufgaben in Form einer gE erfüllen. Dieser Unterschied wird im Organisationsmodell
berücksichtigt.
Sofern bei der Archivierung Arbeitsrückstände bestehen, wird empfohlen, diese konzent-
riert in einem Projekt abzuarbeiten. Zielstellung sollte ein Abbau der Arbeitsrückstände
bis 2014 sein. Hierfür können bestehende Stellenüberhänge temporär genutzt werden.

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93
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
definiert:
laufende Meter Schriftgut,
laufende Meter Archivgut,
Anzahl der Beratungen/Anfragen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 69:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 24 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 24 „Archiv“ im Organisationsmodell der Organisationsein-
heit „Zentrale Dienste“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet, da auch in dieser Aufgaben-
gruppe Aufgaben überwiegen, die einen internen Leistungscharakter haben (vgl. Kapitel 8).

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94
7.12
Aufgabengruppe 25 „Recht“
Die Aufgabengruppe 25 „Recht“ umfasst
folgende Aufgaben:
Abbildung 70:
Aufgaben der Aufgabengruppe 25
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 25 „Recht“ handelt es sich um Querschnittsauf-
gaben der Kategorie Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und
damit außerhalb der zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen.
Die Aufgabe „Rechtsberatung für die Verwaltung“ (25.1) umfasst die Rechtsberatung
einschließlich der Mitwirkung beim Erlass von Rechtsvorschriften und bei der Erarbeitung
von Musterverträgen, Benutzerordnungen und allgemeine Bedingungen, die Mitwirkung
bei rechtlich schwierigen oder bedeutsamen Verträgen oder Entscheidungen, die Mitwir-
kung in Widerspruchsverfahren in rechtlich schwierigen oder grundsätzlichen Fällen, das
Führen von Rechtsstreitigkeiten, das Mitwirken bei der Geltendmachung von Schadens-
ersatzansprüchen gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Strafanzeigen und An-
trägen wegen strafbarer Handlungen zum Nachteil des Landkreises.
Ein Aufgabenzuwachs ist künftig durch zunehmende Klageverfahren im Zusammenhang
mit dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BimSchG), des Wasser- und des Abfallrechts
zu erwarten. In welchem Umfang dies künftig der Fall sein wird, lässt sich jedoch gegen-
wärtig nicht valide abschätzen.
Die Aufgabe „Vermögensfragen und Restaufgaben“ (25.2) hat keinen dauerhaften Cha-
rakter und wird künftig auslaufen. Entsprechend werden für den Modell-Landkreis keine
Stellenanteile für die Aufgabe angesetzt.
Zur Aufgabenwahrnehmung sind folgende Hinweise zu geben:
Bei der Tätigkeit „Führen von Rechtsstreitigkeiten“ wird, soweit rechtlich zulässig, weit-
gehend von einer Begleitung in allen prozessualen Phasen ausgegangen. Vor dem Hin-
tergrund der notwendigen Abdeckung von Arbeitsspitzen und steigenden Fallzahlen
durch den SGB II-Bereich wird für den Modell-Landkreis von einer Einbeziehung von An-

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95
waltskanzleien ausgegangen. Dabei sind die entsprechenden Sachausgaben zu berück-
sichtigen.
Die Landkreise, die die Aufgaben nach dem SGB II in Form einer zkT wahrnehmen, wer-
den in dieser Aufgabengruppe eine höhere Fallzahl aufweisen als Landkreise, die die
Aufgaben in Form einer gE erfüllen. Auch wenn im Jobcenter eines kommunalen Trägers
eine eigene Rechtsberatung eingerichtet wird, werden Aufgaben im Querschnittsbereich,
wie zum Beispiel die Bearbeitung von Fragen des Arbeitsrechts, des Vertragsrechts etc.
verbleiben. Grundsätzlich ist deren Refinanzierung über das vom Bund zur Verfügung
gestellte Verwaltungskostenbudget sicherzustellen. Dieser Unterschied wird im Organisa-
tionsmodell berücksichtigt.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
Anzahl der aktiven Stelleninhaber im Jahresdurchschnitt,
Anzahl der bearbeiteten Flurstücke.
Aufwandsprägend für die Aufgabe „Rechtsberatung für die Verwaltung“ (25.1) sind primär die
aktiven Stelleninhaber in den verschiedenen (Haupt-) Aufgabengruppen. Sie sind es, die bei
bestehenden rechtlichen Problemen beraten werden. Die notwendige Stellenkapazität für
diese Aufgabe bemisst sich daher nach der Zahl der aktiven Stelleninhaber.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 71:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 25 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 25 „Recht“ im Organisationsmodell der Organisations-
einheit „Zentrale Dienste“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet, da auch hier Aufgaben
überwiegen, die vom Charakter her eine „interne Leistungserstellung“ sind und eine „Service-
funktion“ darstellen (vgl. Kapitel 8).

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96
7.13
Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“
Die Aufgabengruppe 30 „Sicherheit
und Ordnung“ umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 72:
Aufgaben der Aufgabengruppe 30
Zur Aufgabenanalyse der Aufgabengruppe sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“ handelt es sich um
Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der
zweckkritischen Aufgabenbetrachtung stehen. Hinsichtlich der Art der Aufgabenerfüllung
besteht in der Regel ein Gestaltungsspielraum.
Zur Aufgabenwahrnehmung sind folgende Hinweise zu geben:
Ein höherer Aufwand wird künftig durch die Liberalisierung des Schornsteinfegerwesens
sowie durch die EU-Dienstleistungsrichtlinie (EU-DLR) erwartet. Letztere beinhaltet ins-
besondere die Einrichtung eines einheitlichen Ansprechpartners (EAP), der sich nieder-
lassende Unternehmen berät. Die Kommunen müssen hier seit 28.12.2009 gem. Art 4
Nr. 9 EU DLR die Arbeit des EAP unterstützen. Diese Aufgabe umfasst insbesondere die
Informationsbereitstellung. Genau abschätzbar wird der Arbeitsmehraufwand allerdings
erst dann, wenn die ersten Erfahrungen mit sich in den Landkreisen niederlassenden EU-
Ausländern vorliegen.
Gemäß § 3 Abs. 2 und 3 der Verordnung der Sächsischen Staatsregierung über Zustän-
digkeiten nach dem Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (OWiZuVO) sind die Großen
Kreisstädte sowie Gemeinden mit mindestens 10.000 EW seit dem 01.01.2010 zuständig
für die Verfolgung und Ahndung von Ordnungswidrigkeiten nach § 49 der Straßenver-
kehrs-Ordnung (StVO), insbesondere Geschwindigkeitskontrollen. Eine wirtschaftliche
Betrachtung kann allein aus der Anzahl der für die Aufgabe „Geschwindigkeitskontrollen“
(30.8) eingesetzten VZÄ nicht angesetzt werden, sie setzt vielmehr eine Gegenüberstel-
lung der Einnahmen aus der Geschwindigkeitsüberwachung im Verhältnis zu den Be-
triebs- und Personalkosten (als Vollkostenrechnung, d. h. einschließlich Abschreibung,

97
kalkulatorische Zinsen, Kosten für Wartung der Technik, Gemeinkostenaufschlag etc.)
voraus. Zudem spricht eine rein wirtschaftliche Betrachtung gegen den Gesetzesauftrag,
welcher auf die Herstellung und Beibehaltung der Verkehrssicherheit abzielt. Gleichwohl
sollte im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit mit den Großen Kreisstädten
die jeweils wirtschaftlichste Aufgabendurchführung, die gleichzeitig am besten dem Ge-
setzesauftrag dient, ermittelt und umgesetzt werden.
Aufgrund der in einer zentralen Bußgeldstelle eintretenden Spezialisierungs- und Grö-
ßendegressionseffekte ist eine Aufgabenbündelung im Bereich „Bußgeld- und Ordnungs-
widrigkeitsverfahren“ (30.6) unter der Definition klarer Verantwortlichkeiten und Schnitt-
stellen zu befürworten. Für den Richtwert wird zudem von einer vollständigen Wahrneh-
mung der Aufgabe der Geschwindigkeitskontrollen auf kreislicher Ebene ausgegangen.
Die Aufgabe „Geschwindigkeitskontrollen“ (30.8) wird mit einem Stellen-Soll in Form ei-
nes Grundbedarfs von 5,00 VZÄ (Schichtbetrieb) ausgestattet.
Das aufwandsprägende Merkmal für die Durchführung ordnungsbehördlicher Aufgaben
(30.1) ist die Anzahl der Inhaber waffenrechtlicher Erlaubnisse. Zwar gehören zu dieser Auf-
gabe auch solche Tätigkeiten wie die der Vollzug des Versammlungs- und Demonstrations-
rechts, des Presse- und Vereinswesens. Die hier eingesetzte Stellenkapazität ist indes ver-
gleichsweise zu vernachlässigen.
Auf Basis der Aufgaben in der Aufgabengruppe wurden folgende aufwandsprägende Merk-
male definiert:
Anzahl Inhaber waffenrechtlicher Erlaubnisse,
Anzahl von Unternehmen und Handwerksbetrieben,
Anzahl der Jagdgenossenschaften im Aufsichtsbereich,
Anzahl von Genehmigungen,
Anzahl der örtlichen Ordnungsbehörden (absolut),
Anzahl der Bußgeldangelegenheiten,
Anzahl von Ermittlungsfällen.

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98
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 73:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 30 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 30 „Sicherheit und Ordnung“ im Organisationsmodell der
Organisationseinheit „Ordnungsamt“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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99
7.14 Aufgabengruppe 31 „Ausländerangelegenheiten, Staatsangehörigkeit, Perso-
nenstand“
Die Aufgabengruppe 31 „Ausländerangelegenheiten,
Staatsangehörigkeit, Personenstand“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 74:
Aufgaben der Aufgabengruppe 31
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei allen Aufgaben der Aufgabengruppe handelt es sich um Pflichtaufgaben; insoweit
besteht keine Disposition hinsichtlich der Durchführung dieser Aufgaben.
Im Bereich der Aufgabe „Allgemeine Ausländerangelegenheiten“ (31.1.1) ist durch die
Einführung eines elektronischen Aufenthaltstitels zum 01.05.2011 mit einem erhöhten
Verwaltungsaufwand zu rechnen. Laut Angaben in einem der Vergleichskreise ist in einer
bei der Stadt Dresden durchgeführten Testphase im Ergebnis ein Mehraufwand von ca.
20 % bei der Teilaufgabe „Elektronischer Aufenthaltstitel“ durch das Abnehmen und Ver-
arbeiten von Fingerabdrücken und die Vergabe von PIN / PUK sowie die künftige Frei-
schaltung von Möglichkeiten für Ausländer, Onlinegeschäfte tätigen zu können, festge-
stellt worden. Hier ist ab Mitte 2012 eine eigene Aufwandserhebung durch die Landkreise
durchzuführen und der dargestellte Stellenbedarf über die angewendeten Kennzahlen
anzupassen.
Eine weitere Steigerung des Verwaltungsaufwandes könnte zukünftig mit einer Zuwan-
derungssteigerung von Asylbewerbern durch die Visa-Freiheit in Bezug auf Mazedonien
und weitere süd- und südosteuropäische Staaten einhergehen. Seit Dezember 2010 gilt
diese Visa-Freiheit bereits für Bosnien-Herzegowina. Daher wird auch hier empfohlen,
frühestens nach einem Jahr nach Inkrafttreten der Visa-Freiheit den Aufwand festzustel-
len.

100
Bei der Aufgabe „Kosten der Unterbringung“ (31.1.2) wird davon ausgegangen, dass der
Modell-Landkreis kein eigenes Heim betreibt. Es wird ein Grundbedarf von 0,05 VZÄ für
den Verwaltungsaufwand von Heimen in fremder Trägerschaft angesetzt.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
Anzahl der Ausländer im Zuständigkeitsbereich,
EW im Landkreis,
Anzahl der örtlichen Ordnungsbehörden (absolut),
Anzahl der Standesämter (absolut).
Dabei wurde wie folgt vorgegangen:
Für die Aufgaben „Ausländerangelegenheiten“ (31.1), „Staatsangehörigkeit“ (31.2), „Na-
mensangelegenheiten“ (31.3.) und „Personenstand“ (31.6) wurden allgemeine aufwandsprä-
gende Merkmale definiert: die Anzahl der Ausländer im Zuständigkeitsbereich sowie die EW-
Zahl. Spezielle Merkmale hingegen sind bei den Aufgaben „aufsichtsbehördliche Aufgaben“
(31.4), nämlich die Anzahl der örtlichen Ordnungsbehörden, sowie für die „Standesamtsauf-
sicht“ (31.5), nämlich Anzahl der Standesämter, als maßgeblich angesetzt.
Mit durchschnittlich 2,7 % Ausländeranteil liegt Sachsen deutlich unter dem Bundesdurch-
schnitt von 8,7 %
47
. Dabei unterscheiden sich innerhalb Sachsens die Gebiete deutlich.
Während die Kreisfreien Städte einen Ausländeranteil von durchschnittlich 5,2 % (z. B. Leip-
zig 6,2 %) verzeichnen, sind dies in den Landkreisen lediglich 1,7 %. Im Bundesländerver-
gleich sind auch in den sächsischen Landkreisen demografiebedingte Schwankungen durch
die Veränderung der Migrationszahlen denkbar, jedoch wirken diese sich in erheblich gerin-
gerem Maße auf die Personalausstattung für die Aufgabengruppe 31 „Ausländerangelegen-
heiten, Staatsangehörigkeit, Personenstand“ aus, als es in den Kreisfreien Städten und/oder
in anderen Bundesländern der Fall ist.
47
Vgl. Jahresbericht 2010 des Sächsischen Ausländerbeauftragten.

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101
Abbildung 75:
Ausländer in sächsischen Landkreisen
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 76:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 31 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 31 „Ausländerangelegenheiten, Staatsangehörigkeit, Per-
sonenstand“ im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Ordnungsamt“ im Bereich
des Dezernats I zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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102
7.15
Aufgabengruppe 32 „Straßenverkehr“
Die Aufgabengruppe 32 „Straßenverkehr“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 77:
Aufgaben der Aufgabengruppe 32
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei allen dieser Aufgabengruppe zugeordneten Aufgaben handelt es sich um Pflichtauf-
gaben. Im Sinne der Aufgabenkritik besteht also keine Disposition in Bezug auf die
Durchführung dieser Aufgaben.
Im Rahmen der Kreisgebietsreform sind Aufgaben in Zusammenhang mit Verkehrszei-
chen und Verkehrseinrichtungen (§ 45 StVO) auf die Gemeinden übergegangen. Die
Fachaufsicht über die Gemeinden wurde den Landkreisen zugeordnet.
Zur Aufgabenwahrnehmung sind folgende Empfehlungen zu geben:
Unterschiedlich organisiert ist die Bearbeitung von Verkehrsordnungswidrigkeiten. Diese
kann in Form einer zentralen Bußgeldstelle gebündelt oder dezentral in den einzelnen
Fachämtern wahrgenommen werden. Grundsätzlich ist für die Personal- und Prozess-
steuerung und den Abbau von Schnittstellen eine Aufgabenbündelung, d. h. eine zentrale
Aufgabenerledigung zu empfehlen (hierzu vgl. Kapitel
7.13).
Die Aufgabe „ÖPNV“ (32.11) ist in den Vergleichskreisen überwiegend an einen Eigenbe-
trieb oder einen Zweckverband übertragen. Entsprechend wird für den Modell-Landkreis
davon ausgegangen, dass die Aufgabe nicht in der Kernverwaltung wahrgenommen wird,
sondern übertragen ist (z. B. an einen Eigenbetrieb oder eine Beteiligungsgesellschaft).
Die Stellen sind nicht im Organisationsmodell enthalten. Unbedingt notwendig ist jedoch,
dass auch im Falle einer Auslagerung der Landkreis weiterhin eine transparente Ent-

103
scheidungsgrundlage für den ÖPNV-Leistungsumfang und -Finanzierungsbedarf zur Ver-
fügung hat. Die Steuerung sollte entsprechend über das zentrale Beteiligungsmanage-
ment erfolgen.
Mitunter werden gerade in der Kfz-Zulassung aus Gründen der Bürgerfreundlichkeit auch
dezentral Verwaltungsstandorte vorgehalten. Vor dem Hintergrund des Bevölkerungs-
rückgangs ist hier ein Monitoring der Auslastung mit Fallzahlen dezentral eingesetzter
Mitarbeiter empfehlenswert, sodass ggf. frühzeitig eine Anpassung der Verwaltungskapa-
zitäten an sinkende Fallzahlen vorgenommen werden kann.
Die beabsichtigte Befristung des Führerscheines ab dem Jahr 2013 könnte sich auf-
wandssteigernd auf die Aufgabe „Fahrerlaubnisse“ (32.1) als Aufgabe der Fahrerlaubnis-
behörde auswirken. Damit wird sich ggf. der Aufwand im Aufgabenvollzug durch den
künftig regelmäßig stattfindenden Umtausch der Führerscheine erhöhen. Um welchen
Faktor sich der Aufwand erhöhen wird, ist indes aus heutiger Sicht nicht einzuschätzen.
Im Rahmen des demografischen Wandels wird im Bereich der Aufgabe „Fahrerlaubnisse“
(32.1) das durchschnittliche Alter der Führerscheininhaber allmählich steigen. Ein An-
wachsen des Aufwandes im Vollzug dieser Aufgabe kann in der Mehrung und Intensität
der Fälle von Eignungsprüfungen liegen. Andererseits werden voraussichtlich die Erstan-
träge für Führerscheine durch den absoluten Rückgang der Jugendlichen und Jung-
Erwachsenen an der Bevölkerung fallen. Den Aufwand im Vollzug dieser Aufgabe könnte
auch die Einführung des Berufsqualifizierungsgesetzes erhöhen, weil Weiterbildungen
und Grundqualifikationen im Zusammenhang mit dem Erwerb und Erhalt von Führer-
scheinen obligatorisch werden. In welchem Verhältnis aber die aufwandssteigernden zu
den aufwandssenkenden Entwicklungen stehen werden, lässt sich aus heutiger Sicht
nicht eindeutig sagen.
Aufwandserhöhend für viele Teilaufgaben der Aufgaben „Gewerbsmäßiger Kraftfahr-
zeugverkehr“ (32.3), „Verkehrslenkung, Verkehrssicherung“ (32.5), „Planfeststellungsver-
fahren“ (32.6), „Verkehrsplanung / Bebauungspläne“ (32.7), „Vollzug der Gefahrgutver-
ordnung“ (32.8) und „Widerspruchsbearbeitung StVO, StVZO“ (32.9) sowie „Erteilung von
Ausnahmegenehmigungen nach StVO“ (32.10) ist die Tatsache, dass einige kreisliche
Straßenverkehrsämter den Verkehrsbehörden der Großen Kreisstädte des Landkreises
gleichgestellt sind. Bei vielen Entscheidungen, z. B. bei der Bestimmung von Umleitungs-
führungen, entsteht somit Abstimmungsaufwand zwischen den Verkehrsbehörden des
Landkreises und denen der Großen Kreisstädte. Die Übertragung von Aufgaben auf die
Großen Kreisstädte hat nicht zu einer wesentlichen Aufgabenentlastung beigetragen,
weil die Verkehrsbehörde des Landkreises Aufsichtsbehörde über die gemeindlichen
Verkehrsbehörden bleibt. Im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten sollten hier zum ei-
nen die Möglichkeiten einer verbesserten Schnittstellengestaltung überprüft werden bzw.
die zu erwartenden Arbeitsvereinfachungen einer vollständigen Übertragung der Aufga-

image
104
ben an die Großen Kreisstädte im Voraus genau definiert und - wo möglich - quantifiziert
werden.
Bei der Aufgabe „Verkehrserziehung“ (32.4) wird davon ausgegangen, dass der Modell-
Landkreis keine eigenen Maßnahmen zur Verkehrserziehung durchführt, sondern die
Aufgabe z. B. an Verkehrswachten überträgt und sich finanziell beteiligt.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
EW im Landkreis,
Kfz-Bestand im Zuständigkeitsbereich ,
Anzahl der gewerblichen Unternehmen,
Anzahl der Maßnahmen,
Fläche in km
2
,
Anzahl Planfeststellungsverfahren,
Anzahl der Bebauungspläne,
Anzahl von beantragten Gefahrguttransporten,
Anzahl der bearbeiteten Widersprüche,
Anzahl der Ausnahmegenehmigungen,
Anzahl der örtlichen Behörden.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 78:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 32 nach Aufgabenblöcken

105
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 32 „Straßenverkehr“ im Organisationsmodell der Organi-
sationseinheit „Straßenverkehrsamt“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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106
7.16
Aufgabengruppe 33 „Zivilschutz, Feuerschutz, Rettungsdienst“
Die Aufgabengruppe 33 „Zivilschutz,
Feuerschutz, Rettungsdienst“ umfasst folgende Aufga-
ben:
Abbildung 79:
Aufgaben der Aufgabengruppe 33
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei allen dieser Aufgabengruppe zugeordneten Aufgaben handelt es sich um Pflichtauf-
gaben. Im Sinne der Aufgabenkritik besteht also keine Disposition in Bezug auf die
Durchführung dieser Aufgaben.
Seit dem 21.12.2010 ist eine neue Katastrophenschutzverordnung
48
in Kraft, die den hier
vorzuhaltenden Stellenbestand für die Aufgabe „Katastrophenschutz“ (33.3.) durch Erhö-
hung der Aufgabenvollzugsstandards gegebenenfalls vergrößern wird.
Die Aufgaben „Rettungsdienst“ (33.2) und „Rettungsleitstellen“ (33.6) werden in den
sächsischen Landkreisen unterschiedlich wahrgenommen (Teil der Kernverwaltung, Or-
ganisation als Eigenbetrieb o. a.). Für den Modell-Landkreis wird davon ausgegangen,
dass die Aufgabenwahrnehmung durch den Landkreis in einer sog. nachgeordneten Ein-
richtung (also mit Stellen innerhalb des Stellenplans) wahrgenommen wird. Zukünftig
wird es im Freistaat Sachsen neben der Leitstelle der Berufsfeuerwehr in Zwickau und
einer Lehrleitstelle in Hoyerswerda jedoch nur noch 3 weitere zentrale Rettungsleitstellen
geben (Leipzig, Dresden, Chemnitz)
49
. Anlass der Umstrukturierungen ist die durch Bund
und Länder getragene Neuausrichtung des Katastrophenschutzes. Die Landkreise sollen
hierzu ihre Katastrophenschutzeinheiten einheitlich vorhalten. Das Vorhalten einer Ret-
tungsleitstelle in jedem Landkreis wird durch die Schaffung eines einheitlichen Leitsys-
tems im Freistaat Sachsen überflüssig werden.
Entsprechend entfallen dann die hier-
für im Modell-Landkreis ausgewiesenen Stellenanteile. Allerdings wird sich der
Landkreis anteilig an den entstehenden Ausgaben beteiligen müssen.
48
Vgl. Verordnung des SMI über den Katastrophenschutz im Freistaat Sachsen (Sächsische Katastrophen-
schutzverordnung – SächsKatSVO).
49
Vgl. § 1 Abs. 3 i. V. m. § 22 Abs. 3 Verordnung des SMI über die Rettungsdienstplanung im Freistaat Sachsen.

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107
Für den Modell-Landkreis wird davon ausgegangen, dass maximal 2 FTZ-Standorte vor-
handen sind.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
Anzahl der Feuerwehren im Kreisgebiet,
Anzahl Krankenhäuser, Hilfsorganisationen und Rettungswachen im Kreisgebiet,
EW im Landkreis,
Anzahl der FTZ-Standorte,
Stellenausstattung in den Rettungsleitstellen
50
.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 80:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 33 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 33 „Zivilschutz, Feuerschutz, Rettungsdienst“ im Organi-
sationsmodell der Organisationseinheit „Ordnungsamt“ im Bereich des Dezernats I zuge-
ordnet (vgl. Kapitel 8).
50
Die angesetzten Stellenanteile entsprechen dem durchschnittlichen Ist-Stellenbestand der 3 Vergleichskreise.

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108
7.17
Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“
Die Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 81:
Aufgaben der Aufgabengruppe 34
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei allen dieser Aufgabengruppe zugeordneten Aufgaben handelt es sich um Pflichtauf-
gaben. Im Sinne der Aufgabenkritik besteht also keine Disposition in Bezug auf die
Durchführung dieser Aufgaben.
Im Rahmen des demografischen Wandels wird derzeit mit einem steigenden Beratungs-
bedarf - insbesondere im Bereich der Tumorberatungen - gerechnet. Hinzu kommt ange-
sichts des gegenwärtigen Angebotsausbaus die voraussichtlich steigende Anzahl an Hy-
gienekontrollen in Seniorenheimen. Der Rückgang der Kindereinwohner wird jedoch per-
spektivisch zu einem Fallzahlenrückgang im Kinder- und Jugendärztlichen Dienst führen.
Nach dem Sächsischen Kindergesundheits- und Kinderschutzgesetz (SächsKiSchG)
sollen alle Kinder an den dort aufgeführten Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen. Bei
Nichtinanspruchnahme dieser Leistung durch die Eltern muss das Gesundheitsamt ggf.
die Untersuchung selbst durchführen und bei drohender Kindeswohlgefährdung das Ju-
gendamt informieren (§ 2 SächsKiSchG). Insgesamt wird es hier zu einem Mehraufwand
in den Gesundheitsämtern kommen.
Für die Aufgabe „Gesundheitsplanung, -controlling und -statistik“ (34.1) bestehen bereits
in einigen Landkreisen Best-Practice-Ansätze in Form einer integrierten Sozial-, Jugend-
hilfe- und Gesundheitsplanung. Hier besteht die Möglichkeit, zum einen Planungsaufga-
ben mit insgesamt weniger Ressourcen wahrzunehmen, als auch zum anderen über Pro-
zess- und Wissenssynergien einen höheren Qualitätsstandard zu erreichen.
Für die Aufgabe „Durchführung von Impfungen“ (34.5) ist von einer durchschnittlichen
Bearbeitungszeit von 30 Minuten je Impfung/Beratung auszugehen. Eine VZÄ in diesem

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109
Aufgabenbereich wird demnach durch 3.000 Impfungen/Beratungen begründet. Da auch
Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes sich an der Leistungsfähigkeit niedergelasse-
ner Ärzte messen lassen sollten, ist aus wirtschaftlichen Gründen der Richtwert von 30
Minuten je Impfung/Beratung einschließlich aller Zusammenhangstätigkeiten anzustre-
ben. Alternativ könnten diese Leistungen auch in stärkerem Umfang von niederge-
lassenen Ärzten wahrgenommen werden.
Der Ärztemangel - insbesondere in ländlichen Gebieten - stellt das Gesundheitssystem in
Sachsen vor wachsende Herausforderungen. So fällt es zunehmend schwerer, mit niederge-
lassenen Ärzten zusammenzuarbeiten und insbesondere den Eigenbedarf für die Tätigkeiten
des Gesundheitsamts zu decken. Die Arztdichte niedergelassener Ärzte in Sachsen beträgt
1 Arzt je 654 EW
51
und liegt damit im Bundesdurchschnitt von 1 Arzt je 655 EW
52
.
Die Versorgungssituation unterscheidet sich zwischen den Kreisfreien Städten (Stadt) und
den Landkreisen (Land)
53
. So haben beispielsweise die Kreisfreien Städte mit 517 EWn je
Arzt durchschnittlich nur ca. 70 % so viele EW zu versorgen wie die Landkreise (durch-
schnittlich 750 EW je Arzt).
Abbildung 82:
Zu versorgende EW je Arzt
Handlungsansätze zur Kompensation des Ärztemangels in ländlichen Gebieten werden zum
Teil bereits auf Landes- und Bundesebene in die Praxis umgesetzt. So hat beispielsweise
der Bund im Dezember 2011 das Gesetz gegen Ärztemangel (Gesetz zur Verbesserung der
Versorgungsstrukturen in der gesetzlichen Krankenversicherung vom 22.12.2011, BGBl. I
51
Vgl. StaLa, Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker 2010, Seite 3.
52
Vgl. Tätigkeitsbericht 2010 der Bundesärztekammer, S. 101,
www.bundesaerztekammer.de
.
53
Vgl. StaLa, Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte und Apotheker 2010, Seite 12.
Insgesamt - so scheint es - hat sich die Ärztedichte positiv entwickelt. Nicht in der Statistik enthalten ist jedoch
die Tatsache, dass der Ärzteberuf zunehmend von Frauen wahrgenommen wird und die Teilzeitquote insge-
samt deutlich angestiegen ist. Somit ist die Ärzteanzahl insgesamt zwar angestiegen, Arbeitszeitverkürzungen
jedoch führen dazu, dass die Arbeitszeit gesunken ist (vgl. hierzu Bundesärztekammer, Ärztestatistik 2010
„Die ärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland“, Ergebnisse der Ärztestatistik zum 31.12.2010,
www.bundesaerztekammer.de
).

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110
S. 2983) beschlossen, das unter anderem finanzielle Anreize und eine bessere Möglichkeit
zur Vereinbarung von Familie und Beruf in unterversorgten Gebieten schaffen soll. Um dem
Ärztemangel entgegen zu treten, sind jedoch auch die Kommunen selbst gefragt. Insbeson-
dere das Schaffen familienfreundlicher Strukturen im Rahmen der zunehmenden Feminisie-
rung des Arztberufes sowie die Einrichtung mobiler Strukturen sind hier zu nennen
54
.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
EW im Landkreis,
Anzahl der erstellten medizinischen Gutachten,
Anzahl von Impfungen und Impfberatungen,
Anzahl der Kinder und JugendEW zwischen dem 0. und 18. Lebensjahr,
Anzahl der routinemäßig zu kontrollierenden Anlagen und Einrichtungen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 83:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 34 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
54
Vgl. Dr. Thomas Kopetsch, Herausg. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung, „Dem
deutschen Gesundheitswesen gehen die Ärzte aus! Studie zur Altersstruktur und Arztzahlentwicklung“, 5. Auf-
lage, S. 92 ff.

111
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“ im Organisationsmodell der Orga-
nisationseinheit „Gesundheitsamt“ im Bereich des Dezernats III zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

image
 
112
7.18
Aufgabengruppe 35 „Veterinärwesen“
Die Aufgabengruppe 35 „Veterinärwesen“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 84:
Aufgaben der Aufgabengruppe 35
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei allen dieser Aufgabengruppe zugeordneten Aufgaben handelt es sich um Pflichtauf-
gaben. Im Sinne der Aufgabenkritik besteht also keine Disposition in Bezug auf die
Durchführung dieser Aufgaben. Dennoch gibt es Unterschiede in der Intensität, in wel-
cher die Aufgaben wahrgenommen werden (können). Die Empfehlungen des Sächsi-
schen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz zum Aufbau und zur Aus-
stattung der Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter der Landkreise und Kreis-
freien Städte im Freistaat Sachsen vom 25. April 2007 sind bei den Aufgaben „Überwa-
chung von Tierschutz und Tiergesundheit in Tierhaltungen“ (35.5), „Amtliche Lebensmit-
telüberwachung“ (35.9.1) und „Gesundheitlicher Verbraucherschutz und Öffentlichkeits-
arbeit“ (35.9.2) berücksichtigt.
In zahlreichen Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämtern bestehen erhebliche
Kontrollrückstände. Rückstände zur besseren Auslastung der Kontrolleure in Zeiten mit
geringeren Kontrollanforderungen sind grundsätzlich vertretbar. Dabei sind jedoch die
Fälle in Bezug auf ihre Dringlichkeit und Relevanz hin zu priorisieren. Zum Abbau dieser
Rückstände sind befristete Einstellungen grundsätzlich möglich, sollten aber vorerst ge-
prüft werden.
Infolge der im Rahmen der EU-Transparenzinitiative geplanten Hygiene-Ampel für Gast-
stätten wird ein Anwachsen der Dokumentationspflichten erwartet. Ab 2012 werden somit
die Anforderungen an Verwaltung und an die Kontrolleure durch eine Zunahme von Rou-
tinekontrollen steigen.

113
Eine Aufwandssteigerung ist ferner ab 2013 durch die Notwendigkeit der Akkreditierung
der Trichinenlabore gegeben, da es fraglich ist, ob alle dezentralen Trichinenuntersu-
chungsstellen diese bereits im ersten Anlauf erhalten. Eine genaue Quantifizierung des
Mehraufwands war zum Untersuchungszeitpunkt nicht möglich.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
EW im Landkreis,
Anzahl von Kontrollen in Kontrollobjekten,
Anzahl der Attestierungen,
Durchführung von Kontrollen bei Nutztierhaltern,
Erteilung von Genehmigungen zum Betreiben tierärztlicher Hausapotheken,
Anzahl der Schlacht-, Zerlege-, Verarbeitungs- und EG-Anpassungsbetriebe sowie
Fleischbetriebe mit und ohne Schlachtung sowie Direktmarketing von Rot- und Wild-
fleisch sowie Geflügel,
Anzahl durchgeführter Schlachttier- und Fleischuntersuchungen,
Anzahl an Kontrollen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:

114
Abbildung 85:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 35 nach Aufgabenblöcken
Nummern der
enthaltenen
Aufgaben
Aufgabenblock
Aufwandsprägendes Merkmal
Menge
Stellen-anteile
in VZÄ
Organisationseinheit
35.1
Aufgaben des Amtstierarztes nach
Landesrecht
Anzahl der Einwohner
290.000
0,29
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.2
Tierseuchenbekämpfung
einschließlich der Bekämpfung
von Zoonosen
Anzahl von Kontrollen in
Kontrollobjekten
10.623
7,08
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.3
Überwachung des Tierhandels
Anzahl der Attestierungen
509
0,68
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.4
Überwachung von Tierschutz und
Tiergesundheit in
Nutztierhaltungen
Durchführung von Kontrollen bei
Nutztierhaltern
568
0,82
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.5
Überwachung von Tierschutz in
Tierhaltungen
Anzahl der Einwohner
290.000
1,45
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.6
Tierarzneimittelwesen
Erteilung von Genehmigungen
zum Betreiben tierärztlicher
Hausapotheken
27
0,54
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.7
Überwachung der Fleischhygiene
Anzahl der Schlacht-, Zerlege-,
Verarbeitungs- und EG-
Anpassungsbetriebe sowie
Fleischbetriebe mit und ohne
Schlachtung sowie
Direktmarketing von Rot- und
Wildfleisch sowie Geflügel
247
2,47
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.8
Amtliche Schlachttier- und
Fleischuntersuchung
Anzahl der durchgeführten
Schlachttier- und
Fleischuntersuchungen
12.987
0,65
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.9.1
Amtliche
Lebensmittelüberwachung
Anzahl an Kontrollen
6.700
9,71
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
35.9.2
Gesundheitlicher
Verbraucherschutz und
Öffentlichkeitsarbeit
Anzahl der Einwohner
290.000
1,58
Lebensmittelüberwachungs- und
Verinäramt
Gesamt
25,28
davon außerhalb des Stellenplans
0,00
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 35 im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Le-
bensmittelüberwachungs- und Veterinäramt“ im Bereich des Dezernats III zugeordnet (vgl.
Kapitel 8).

image
 
115
7.19
Aufgabengruppe 40 „Schule“
Die Aufgabengruppe 40 „Schule“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 86:
Aufgaben der Aufgabengruppe 40
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Die Aufgaben der Aufgabengruppe 40 „Schule“ resultieren in erster Linie aus der Träger-
schaft des Landkreises für die Gymnasien, die berufsbildenden Schulen sowie die För-
derschulen und den mit ihnen in Zusammenhang stehenden schulischen Einrichtungen
55
.
Darüber hinaus ist der Landkreis für die Schulnetzplanung in seinem Gebiet verantwort-
lich. Im Rahmen der Funktionalreform wurde den Landkreisen die Zuständigkeit für die
Aufgabe „Entscheidungen über das Ruhen der Schulpflicht“ (40.5), „Überwachung der
Schulpflicht“ (40.4) sowie für die Aufgabe „Antragsbearbeitung für finanzielle Unterstüt-
zung bei auswärtiger Unterbringung“ (40.6) übertragen. Zentrale gesetzliche Grundlage
der Aufgabengruppe „Schule“ ist das Schulgesetz des Freistaates Sachsen - insbeson-
dere § 23 Schulgesetz (SchulG) - sowie die entsprechenden Verordnungen des Freistaa-
tes (z. B. Schulnetzplanungsverordnung). Damit handelt es sich bei diesen Aufgaben um
55
Das Schulgesetz schließt zwar auch für Grundschulen eine Trägerschaft von Landkreisen nicht aus. In der
Verwaltungspraxis kommt dieser Fall in der Regel jedoch nicht vor.

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image
116
Pflichtaufgaben, die außerhalb zweckkritischer Betrachtungen stehen. Hinsichtlich der Art
der Aufgabenerfüllung besteht in der Regel ein Gestaltungsspielraum.
Grundsätzlich besteht bei dieser Aufgabengruppe ein Zusammenhang zwischen der Ar-
beitsmenge und den strukturellen Rahmenbedingungen des Landkreises. So weisen die
Vergleichskreise hier beispielsweise folgende quantitativen und qualitativen Unterschiede
auf:
Abbildung 87:
Anzahl der Schulen und Anzahl der Schüler in den Vergleichskreisen
Die Landkreise standen und stehen vor der Herausforderung, die Schullandschaft im
Kreisgebiet der demografischen Entwicklung anzupassen. Dabei ist diese Herausforde-
rung für die ländlichen, dünnbesiedelten und von dem Bevölkerungsrückgang relativ
stärker betroffenen Gebieten ungleich höher als in den Agglomerationsräumen. So wird
die Thematik der Schulschließungen in den kommenden Jahren in den Landkreisen wei-
terhin präsent sein. Hierbei sind die Landkreise aufgrund ihrer Zuständigkeit für die
Schulentwicklungsplanung auch in die Verfahren zur Straffung der Grundschullandschaft
eingebunden. Insgesamt wird sich die Durchsetzung und Umsetzung von Schulschlie-
ßungen auf die Aufgabengruppe (40) temporär aufwandssteigernd auswirken.
Eine besondere Rolle kommt in diesem Zusammenhang den Berufsschulen zu, für die
die Landkreise die Träger sind. Im Freistaat Sachsen wurde in den Jahren nach 1990 ei-
ne moderne „Berufsschullandschaft“ aufgebaut. Nachdem der „Geburtenknick“ der Nach-
wendezeit die Berufsschulen erreicht hat und die Anzahl der Berufsschüler aufgrund der
demografischen Entwicklung abnehmen wird, muss die schulische Infrastruktur der ver-
änderten Nachfrage quantitativ und qualitativ angepasst werden. Erste Schritte wurden
durchgeführt, indem Berufsschulen im Rahmen der Schulnetzplanung zusammengelegt
wurden. Hierbei bleiben vielerorts jedoch gegenwärtige Berufsschulzentren als Außen-
stellen erhalten. Um hier Effizienzeffekte zu erschließen, wird auch eine räumliche Kon-
zentration der Standorte empfohlen.
Veränderungen im Arbeitsmengengerüst sind beim Aufgabenblock „Schülerbeförderung“
zu erwarten. So ist anzunehmen, dass die Ganztagsschulangebote zu Steigerungen im
Bereich des Schülerspezialverkehrs führen werden. Weiterhin stellt der Trend zur Inklu-

117
sion den Schulträger vor die Herausforderung, die Rahmenbedingungen für die Integrati-
on von Förderschülern in die Regelschulen zu schaffen. Beide Veränderungen im Aufga-
benbestand sind mit Mehraufwand für den Landkreis verbunden.
Die Untersuchung der Vergleichskreise zeigt, dass die Aufgabe „Pädagogische Betreu-
ung in Internaten und Wohnheimen in Trägerschaft des Landkreises“ (40.11) nicht in al-
len Vergleichskreisen wahrgenommen wird. Ein zentrales Ziel dieser Aufgabe ist, die Si-
cherheit und Ordnung an den Internaten zu gewährleisten. Für diese Aufgabe gibt es
keine den Landkreis verpflichtende gesetzliche Grundlage, sodass die Aufgabe der Kate-
gorie der freiwilligen Aufgaben zuzuordnen ist. Die personelle Ausstattung der Internate
mit pädagogischem Personal wirkt sich insbesondere auf die Attraktivität der Internate
und damit auch der Berufsschulen steigernd aus. Dies ist vor dem Hintergrund rückgän-
giger Schülerzahlen und der Konkurrenz von Schulstandorten zu bewerten. Unter Ab-
wägung dieser Zielsetzung und mit Blick auf Haushaltserfordernisse wird nicht der gänz-
liche Verzicht auf diese Aufgabe empfohlen. Es sollte jedoch über eine Absenkung des
Standards nachgedacht werden.
Bezüglich der Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Die Untersuchung der Vergleichskreise zeigt, dass gute Erfahrungen mit der Schulbud-
getierung gemacht wurden. Hierdurch konnte die Eigenverantwortung der Schule und ihr
Gestaltungsspielraum erhöht und zugleich Einsparungen realisiert werden. Es wird emp-
fohlen, dieses Modell weiter zu prüfen.
Die Aufgabe „Pädagogische Betreuung von Kindern an den Förderschulen“ (40.9) wird in
den Landkreisen in unterschiedlicher Trägerschaft erfüllt. Es wird eine vollständige Über-
tragung dieser Aufgaben auf freie Träger empfohlen. Hierdurch kann in der Aufgaben-
gruppe „Schule“ (40) eine Konzentration auf Kernaufgaben erfolgen und gleichzeitig ad-
ministrativer Aufwand bei der Aufgabe „Administrativer Aufgaben für pädagogischer Be-
treuungsangebote an Förderschulen“ (40.3) reduziert werden.
Grundsätzlich weist der Aufgabenblock „Schülerbeförderung“ eine große Nähe bzw.
Überschneidung mit der Aufgabe ÖPNV auf, die je nach Sichtweise wichtiger bzw. domi-
nanter als die Schnittstelle zur Schulverwaltung gesehen werden kann und zu entspre-
chenden organisatorischen Zuordnungen führt. Hier ist letztlich die Organisationshoheit
des Landrates gefragt.
Beim Aufgabenblock „Schülerbeförderung“ geht der Richtwert der Stellenanalyse davon
aus, dass die für diese Aufgabe typischen saisonalen Schwankungen durch eine ent-
sprechende Arbeitsorganisation berücksichtigt werden, z. B. durch:

118
Entzerrung von Arbeitsmengen, indem Aufgaben, die mit Blick auf den Zeitpunkt der Er-
füllung frei gestaltbar sind, eher in die Schuljahresmitte gelegt werden.
Nutzung der Möglichkeiten der Arbeitszeitgestaltung der Zeitwirtschaft für „Arbeitsspit-
zen“ bzw. „Arbeitsflauten“.
Der Richtwert für die Aufgabe „Sekretariatsangelegenheiten und Schulsachbearbeitung vor
Ort“ (40.8) basiert auf folgenden arbeitsorganisatorischen Grundannahmen:
Die Schulen bewirtschaften ein eigenes Budget (Schulbudget) und führen insofern auch
Beschaffungen durch.
Es besteht eine Ferienüberhangsregelung.
Entsprechend den saisonalen Schwankungen bei dieser Aufgabe (Schuljahresanfang /
Schuljahresende) werden Instrumente der flexiblen Arbeitszeitgestaltung eingesetzt (Ar-
beitszeitkonten).
Grundlage der Arbeit der Sekretariate ist die arbeitsplatzbezogene Aufgabenbeschrei-
bung. Der Arbeitsalltag wird nicht über die Maße durch gesonderte Arbeitsaufträge der
Schulleitung überlagert.
Es sind die klassischen Sekretariatsaufgaben zu erfüllen, wie z. B. Haushalt-, Kassen-
und Rechnungswesen (Haushaltsüberwachung etc.); allgemeine Sekretariatsaufgaben
(Schriftverkehr, Ablage, Postbearbeitung, Telefondienst, Kopierarbeiten); Materialverwal-
tung und -beschaffung, Schülerdatenverwaltung, Erstellen von Statistiken, An- und Ab-
meldungen, Ausstellung von Schulbescheinigungen, Unterstützung bei Schülerbeförde-
rungsangelegenheiten, Meldungen an den Schulträger. Sofern dem Sekretariat aufgrund
des Schulprofils bzw. örtlicher Spezifika „Sonderaufgaben“ übertragen sind, wären diese
ggf. durch einen Zuschlag zu berücksichtigen.
Die Schule ist an einem Schulstandort konzentriert. Sofern es zwingende Gründe für
mehrere Schulstandorte gibt, müsste der Bedarf für „Sekretariatsangelegenheiten und
Schulsachbearbeitung vor Ort“ (40.8) in Abhängigkeit von der Größe der „Außenstellen“
ggf. mit einem Zuschlag berücksichtigt werden.
Auf Basis der Aufgaben wurden als aufwandsprägende Merkmale definiert:
Anzahl der Schüler im Landkreis,
Anzahl der Schulen in Trägerschaft des Landkreises,
Anzahl der Einrichtungen für pädagogische Betreuungsangebote an Förderschulen in
Trägerschaft des Landkreises,

119
Anzahl der Einrichtungen für pädagogische Betreuungsangebote an Förderschulen in
Trägerschaft Dritter,
Anzahl der Entscheidungen/ Bescheide über das Ruhen der Schulpflicht,
Anzahl der Anträge finanzielle Unterstützung bei auswärtiger Unterbringung,
Anzahl der Kinder im Sonder- und Linienverkehr,
Anzahl der Gymnasien in Trägerschaft des Landkreises,
Anzahl der Gymnasialschüler in kreislichen Gymnasien,
Anzahl der Förderschulen in Trägerschaft des Landkreises,
Anzahl der Förderschüler in kreislichen Förderschulen,
Anzahl der Berufsschulen in Trägerschaft des Landkreises,
Anzahl der Berufsschüler in Berufsschulen des Landkreises,
Anzahl der Kinder in Einrichtungen zur pädagogischen Betreuung an Förderschulen,
Anzahl der Schüler mit Unterstützungsleistungen für den Alltag an Förderschulen,
Anzahl der Betten in Internaten und Wohnheimen,
Anzahl der Ausleihen der Medienstelle.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:

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120
Abbildung 88:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 40 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 40 „Schule“ im Organisationsmodell der Organisa-
tionseinheit „Schul-, Kultur- und Sportamt“ im Bereich des Dezernats I zugeordnet. Hiermit
soll für die Verwaltung der Schulgebäude, der Sporthallen, der Hausmeister- und Reini-

121
gungspersonale eine verwaltungsseitige Nähe zur Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanage-
ment“ im Bereich „Zentrale Dienste“ hergestellt und eine möglichst schnittstellenfreie Zu-
sammenarbeit in diesem Bereich ermöglicht werden (vgl. Kapitel 8).

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122
7.20
Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“
Die Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“ umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 89:
Aufgaben der Aufgabengruppe 41
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenentwicklung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Gemäß § 1 Gesetz über die Kulturräume in Sachsen (SächsKRG) ist die Kulturpflege
eine Pflichtaufgabe der Gemeinden und Landkreise, wobei der Kulturraum die Träger
kommunaler Kultur bei ihren Aufgaben von regionaler Bedeutung, insbesondere bei de-
ren Finanzierung und Koordinierung unterstützt. Mit dem Status der Pflichtaufgabe ste-
hen die Aufgaben der Aufgabengruppe „Kultur- und Sportförderung“ (41) nicht grundsätz-
lich zur Disposition, weisen allerdings einen erheblichen Gestaltungsspielraum in Art und
Intensität aus. So sind die Aufgaben dieser Aufgabengruppe im Einzelnen in Art und Um-
fang wesentlich abhängig von:
dem kulturpolitischen Potenzial des Kreisgebietes sowie bestehender kultureller Tra-
ditionen,
der Finanzkraft des Landkreises,
der Finanzkraft kreisangehöriger Gemeinden,
der kulturpolitischen Schwerpunktsetzung des Landkreises.
Bezug nehmend auf die Funktion des Landkreises im zweistufigen kommunalen Aufbau
sollte sich der Landkreis im Bereich Kulturförderung auf Aufgaben von ergänzender und
überörtlicher Bedeutung beschränken.

123
Die Aufgabengruppe „Kultur- und Sportförderung“ (41) ist sowohl hinsichtlich der Art bzw.
Rechtsform der Aufgabenwahrnehmung als auch im Hinblick auf den Inhalt (Orchester,
Theater, Museum) wesentlich von örtlichen Spezifika geprägt. Um diese Aufgabengruppe
im Rahmen des Organisationsmodells abzubilden, wurde der Aufgabenkatalog differen-
ziert in einerseits „kreisspezifische kulturelle Einrichtungen“ (41.4.1) und andererseits
klassische kreisliche kulturelle Einrichtungen, wie „Ergänzungsbibliothek“ (41.4.2),
„Volkshochschule“ (41.4.3) und „Musikschule“ (41.4.4). Die Stellenanalyse beschränkt
sich auf den Bereich der klassischen kreislichen kulturellen Einrichtungen, die hier von
aufgabenzweckkritischen Betrachtungen ausgenommen werden. Die Stellenanteile
„Volkshochschule“ (41.4.3) und „Musikschule“ (41.4.4) sind außerhalb des Stellenplanes
ausgewiesen. Gleichwohl wird darauf hingewiesen, dass im Hinblick auf die Art der Auf-
gabenerfüllung bzw. der Rechtsform Organisationsvarianten bestehen. So wird unter
dem Gesichtspunkt der Konzentration auf Kernaufgaben empfohlen, die Aufgabe „Ergän-
zungsbibliothek“ (41.4.2) an eine gemeindliche leistungsstarke Bibliothek zu übergeben
und diese entsprechend zu bezuschussen. Erfahrungen einiger Vergleichskreise zeigen,
dass hierdurch Synergien erschlossen und bestehende lokale Infrastrukturen und Netz-
werke für die Aufgabe „Ergänzungsbibliothek“ (41.4.2) stärker genutzt werden können.
Ein Haushaltseffekt ist hiermit jedoch nur bedingt verbunden, da der Wegfall von Perso-
nalkosten zu einer Steigerung bei den Transferausgaben führen würde.
Grundsätzlich wird empfohlen, kulturelle Einrichtungen nicht als Teil der Verwaltung zu
führen, sondern diese Leistungen möglichst an freie Träger zu übertragen und/oder in
anderer Rechtsform zu erfüllen. Dabei ist jedoch über eine stringente Steuerung sicher-
zustellen, dass die Einrichtungen die Zielsetzungen des Landkreises erfüllen.
Bei der Aufgabe „Aufgaben des Kulturbüros des Kulturraumsekretariats“ (41.1) handelt
es sich um keine originäre Aufgabe des Landkreises, sondern um eine mittelbare aus der
Mitgliedschaft im Kulturraum bzw. aus dem Vorsitz des Kulturkonventes resultierende.
Für das Organisationsmodell wird angenommen, dass das Kulturraumsekretariat nicht im
Modell-Landkreis angesiedelt ist, sodass hierfür keine Stellenausstattung anzunehmen
ist.
Die Aufgabe „Sportförderung“ (41.3) sollte in Orientierung an dem Verfahren in einem der
Vergleichskreise in Kooperation mit dem Kreisportbund erfolgen. So wird empfohlen, die
operativen Aufgaben der „Sportförderung“ bis zum Vollzug der Sportförderrichtlinie des
Landkreises durch den Kreissportbund durchführen zu lassen. In der Kreisverwaltung
verbleiben lediglich Stellenanteile für die Zusammenarbeit mit dem Kreissportbund sowie
für die Prüfung der Einhaltung der Richtlinien und Zielvorgaben der Kreisverwaltung.
Auf Basis der Aufgaben der Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“ wurden als auf-
wandsprägende Merkmale für die Bemessung des Stellenbedarfs definiert:

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124
Anzahl EW,
Anzahl der Vereine,
Anzahl der kulturellen Einrichtungen,
Anzahl der Unterrichtseinheiten der Volkshochschule,
Anzahl der Kursteilnehmer der Volkshochschule,
Anzahl der festen Standorte der Volkshochschule,
Anzahl der Jahreswochenstunden der Musikschule,
Anzahl der Schüler Musikschule,
Anzahl der festen Standorte der Unterrichtserteilung der Musikschule,
Unterrichtserteilung durch festangestellte Mitarbeiter in Jahreswochenstunden.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 90:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 41 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“ im Organisationsmodell

125
der Organisationseinheit „Schul-, Kultur- und Sportamt“ im Bereich des Dezernats I zuge-
ordnet. Dieser Zuordnung liegen insbesondere die inhaltlichen Vernetzungen im Bildungsbe-
reich - also zwischen Schulen, Volkshochschulen und Musikschulen zugrunde sowie die ver-
waltungsseitige Nähe zur Aufgabengruppe 23 „Immobilienmanagement“ (vgl. Kapitel 8).

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126
7.21
Aufgabengruppe 50 „Soziales“
Die Aufgabengruppe 50 „Soziales“ umfasst
folgende Aufgaben:
Abbildung 91:
Aufgaben der Aufgabengruppe 50
Zur Aufgabenanalyse der Aufgabengruppe sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 50 „Soziales“ handelt es sich um Pflichtaufgaben,
die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkritischen
Aufgabenbetrachtung stehen. Sie resultieren im Wesentlichen aus den Vorgaben des
SGB II, des SGB IX und des SGB XII. Eine Ausnahme hiervon bildet der Bereich der För-
derung von freien Trägern auf der Grundlage von Richtlinien des Landkreises. Diese
stellt eine klassische Selbstverwaltungsaufgabe von Landkreisen dar und kann unter den
Kernbestand der kommunalen Selbstverwaltung gemäß Art. 28 GG gefasst werden. Da-
mit ist sie zwar hinsichtlich ihres Umfangs disponibel und vor dem Hintergrund der Haus-
haltssituation des Landkreises zu betrachten, ein gänzlicher Verzicht ist jedoch kritisch zu
sehen.

127
Hinsichtlich der Aufgabenwahrnehmung sind folgende Hinweise zu geben:
Die Aufgaben der Aufgabengruppe „Soziales“ (50) stellen in weiten Bereichen klassische
Verwaltungsaufgaben der Antragsbearbeitung dar, die nach dem Verrichtungsprinzip in
Beratungsaufgaben, Antragsbearbeitung, sonstige Sachbearbeitung (z. B. Rückforde-
rungen, Widerspruchsbearbeitung, Erstattungsverfahren) untergliedert werden können.
Daneben sind hier Aufgaben der sozialpädagogischen Beratung sowie aufsuchenden
Dienste verortet.
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe 50 „Soziales“ handelt es sich teilweise um kos-
tenintensive Leistungen, sodass der Qualität des Prozesses (z. B. stringente Bedarfser-
mittlung und Leitungsvorgaben) sowie der Steuerung und dem Controlling der Aufgaben-
erfüllung eine besondere Bedeutung zukommt. Die Arbeitsmengengerüste und die Rah-
menbedingungen dieser Aufgaben unterscheiden sich in den Landkreisen u. a. auch in
Abhängigkeit von den bestehenden Sozialraumindikatoren bzw. bestehenden infrastruk-
turellen Einrichtungen sowie bzgl. Art und Umfang der Zusammenarbeit mit freien Trä-
gern.
Hinsichtlich der Aufgabenentwicklung sind folgende Hinweise zu geben:
Als zuständige Behörde der Grundsicherung für Arbeitsuchende, der Sozialhilfe, des
Wohngeldes oder Kinderzuschlags sind Jobcenter und/oder Kreisverwaltung unmittelbar
von der Gesetzesnovelle des Bildungs- und Teilhabepakets
56
betroffen. Die Kosten für
das Bildungs- und Teilhabepaket werden über die Neuregelungen in § 46 Abs. 5 und 6
SGB II vom Bund getragen. Insbesondere die Förderung im Bereich Kultur und Sport
wird seitens der Kreisverwaltung jedoch den Aufbau neuer Kooperationen mit freien Trä-
gern und Investitionen in die Bekanntmachung von Angeboten, z. B. in Form einer erhöh-
ten Online-Präsenz, erfordern. Für die Aufgabe „Leistungen für Bildung und Teilhabe“
(50.14) wird für den Modell-Landkreis eine Stellenausstattung in Form eines „Anhaltewer-
tes“ angesetzt, den es im Rahmen der Aufgabenumsetzung fortzuschreiben gilt.
Die nationale Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (Convention on the
Rights of Persons with Disabilities - CRPD)
57
, die Behinderten eine uneingeschränkte
Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sichern soll (Inklusion), erfordert den Ausbau eines
in stärkerem Maße inklusiven Bildungssystems (Art. 24 CRPD). Dies könnte die Land-
kreise künftig dazu verpflichten, Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf in all-
gemeinbildende Grund- und Mittelschulen bzw. Gymnasien zu integrieren. Erforderlich
56
Vgl. Gesetz zur Ermittlung von Regelbedarfen und zur Änderung des Zweiten und Zwölften Buches Sozialge-
setzbuch vom 24. März 2011 (vgl. nunmehr §§ 28, 29 SGB II).
57
Vgl. Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen; Fakultativprotokoll vom 13. Dezember 2006 zum Übereinkommen der Vereinten Nationen
über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.

128
würden in diesem Fall Investitionen in die Infrastruktur vor Ort, z. B. in Form von Schul-
begleitern oder in Qualifikationen des Lehrpersonals.
Durch die Anhebung der Altersgrenze von 30 auf 35 Jahre im Rahmen des
23. BaföG-Änderungsgesetz vom Oktober 2010
58
ist eine Aufwandssteigerung bei der
Aufgabe „Antragsbearbeitung“ (50.18) im Bereich BAföG denkbar, bislang aber noch
nicht eingetreten.
Die Abschaffung der Wehrpflicht kann zu sinkenden Fallzahlen im Bereich „Unterhaltssi-
cherung“ (50.19) führen. Noch nicht absehbar ist bis dato der Verwaltungsaufwand, wel-
cher durch die Inanspruchnahme des freiwilligen Wehrdienstes tatsächlich entsteht. Die-
se Auswirkungen sind in den zugrundeliegenden Mengen für den Modell-Landkreis nicht
berücksichtigt. Der im Modell-Landkreis ausgewiesene Stellenbedarf ist entsprechend
nach ca. 2 Jahren zu überprüfen und ggf. fortzuschreiben.
Langfristig ist aufgrund der demografischen Entwicklung in den Bereichen der „Hilfe zur
Pflege nach dem 7. Kapitel SGB XII“ (50.7), in der „Eingliederungshilfe für behinderte
Menschen nach dem 6. Kapitel SGB XII“ (50.8) und der „Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII“ (50.12) von einem erhöhten Antragsvo-
lumen auszugehen. Insbesondere die Antragsbearbeitung im Bereich der „Eingliede-
rungshilfe für behinderte Menschen nach dem 6. Kapitel SGB XII“ (50.8) ist sowohl zeit-
aufwendig als auch kostenintensiv. Hier kann sich bereits ein geringfügiger Anstieg des
Antragsvolumens (z. B. Antrag auf ein persönliches Budget) erheblich auf erforderliche
Stellenbedarfe auswirken.
Im Rahmen der Reform der Hartz IV-Sätze hat der Bund angekündigt, die Ausgaben der
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII bis
2014 schrittweise zu übernehmen und die Landkreise so finanziell zu entlasten
59
. Die
Ausgaben der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung werden in einem Stu-
fenverfahren und ab 2014 zu 100 % übernommen (2012: 45 %, 2013: 75 %). Das ent-
spricht 2012 bis 2015 einer Nettoentlastung der Kommunen von bundesweit
rd. 12 Mrd. €. Diese Entlastung wirkt sich jedoch nicht auf die für die Aufgabenerfüllung
erforderlichen Stellenbedarfe aus.
Auf Basis der Aufgaben wurden folgende aufwandsprägende Merkmale definiert:
Anzahl der EW,
Anzahl Heranziehungsfälle (Erstfälle) für die Heranziehung von Unterhaltspflichtigen,
58
Vgl. 23. BAföGÄndG.
59
Vgl. Gesetz zur Stärkung der Finanzkraft der Kommunen (KoFKStG) bzw. § 46a SGB XII.

129
Anzahl der Neuanträge und der Änderungsanträge für Hilfe zum Lebensunterhalt nach
dem 3. Kapitel SGB XII,
Anzahl lfd. Hilfen und die Anzahl Neuanträge für Hilfe zur Pflege nach dem 7. Kapitel
SGB XII,
Anzahl stationärer, ambulanter und teilstationärer Fälle unter 18 und über 65 Jahre für
die Eingliederungshilfe für behinderte Menschen nach dem 6. Kapitel SGB XII,
Anzahl von Anträgen auf einmalige Hilfen für die Überwindung besonderer sozialer
Schwierigkeiten nach dem 8. Kapitel SGB XII,
Anzahl Anträge auf Bestattungskosten für Hilfe in anderen Lebenslagen nach dem
9. Kapitel SGB XII,
Anzahl Folgeanträge und Änderungsanträge für die Grundsicherung im Alter und bei Er-
werbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII,
Anzahl der Bedarfsgemeinschaften im Jahresdurchschnitt und die Anzahl erwerbsfähige
Leistungsberechtigte unter und über 25 Jährige für Aufgaben nach SGB II sowie für die
Leistungen für Bildung und Teilhabe,
Anzahl Asylhilfeempfänger für Hilfen für Asylbewerber nach dem AsylbLG,
Anzahl der Stellungnahmen und Betreuer für Aufgaben als Betreuungsbehörde,
Anzahl Folgeanträge für Miet-/Lastenzuschuss für Aufgaben nach dem Wohngeldgesetz,
Anzahl Neuanträge; zzgl. Folgeanträge für Ausbildungsförderung nach BAföG,
Anzahl Anträge für die Unterhaltssicherung.
Die Richtwerte beruhen auf einem optimierten, personen- und wirkungszentrierten Fallma-
nagement (vgl. Kapitel 7.24).
Auf die Vorteile einer integrierten Sozial-, Jugendhilfe und Gesundheitsplanung wurde be-
reits im Kapitel 6.17 Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“ hingewiesen.
Grundannahme für die „Aufgaben nach dem Wohngeldgesetz“ (50.17) hierbei ist:
Die Anzahl der Anträge hängt davon ab, ob innerhalb eines Landkreises eine kreisange-
hörige Stadt Wohngeldanträge selbst bearbeitet. Annahme für das Organisationsmodell
ist eine Bearbeitung aller Fälle auf kreislicher Ebene (Referenzwert), um hiermit Größen-
degressionseffekte zu erschließen.
Im Ergebnis ist der Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 50 dargestellt, jedoch ohne
„Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SGB II“ (50.13). Hierzu verweisen wir auf unse-
ren Exkurs in Kapitel
7.22.

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130
Abbildung 92:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 50 nach Aufgabenblöcken (ohne
„Grundsicherung für Arbeitssuchende nach SGB II“ [50.13])
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

131
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorga-
nisation wurde die Aufgabengruppe 50 „Soziales“ - mit Ausnahme der Aufgabe „Wahrneh-
mung der Aufgaben nach SGB II im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Sozial-
amt“ im Bereich des Dezernats III zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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132
7.22 Exkurs: Ermittlung des Stellenbedarfs für die Aufgabe „Grundsicherung für
Arbeitssuchende
nach dem SGB II“
Für die Aufgabe „Grundsicherung für Arbeitsuchende nach SGB II“ (50.13) sieht das Gesetz
zur Weiterentwicklung der Organisation für Arbeitsuchende (BGBl. 2010, Nr. 41, S. 1112)
zwei unterschiedlichen Trägerschaftsvarianten vor. Die Erfüllung der Aufgaben in Form einer
gE oder eines zkT. Aus organisatorisch-finanzieller Sicht können folgende wesentliche Be-
sonderheiten für die zwei Trägerschaftsvarianten genannt werden:
Abbildung 93:
Besonderheiten der Trägerschaftsvarianten im Bereich SGB II
Aus dieser Darstellung ergibt sich folgende Bemessungsmethodik für das Organisationsmo-
dell für die Aufgaben der Grundsicherung nach dem SGB II in Form einer zkT zzgl. allge-
meiner Verwaltungsaufgaben:
Ein Teil des Grundaufgabenbestandes, nämlich die originären Aufgaben der Grundsicherung
für Arbeitsuchende (Fallmanagement/aktive Leistungen und Leistungssachbearbeitung/
passive Leistungen), richtet sich nach den SGB II-Bundesschlüsseln bzw. Erfahrungswerten.
Dies sind Personalkosten im Sinne des § 10 der Kommunalen Abrechnungsverordnung
(KoA-VV), die als Basis für die Personalkostenerstattung bei zkT gilt
60
.
60
Vgl. § 10 KoA-VV: „Personalkosten sind die Aufwendungen für Bezüge des im Aufgabenbereich der Grundsi-
cherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch eingesetzten Personals. Zum Personal
gehören auch die zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigten, soweit sie im Aufgabenbereich der Grundsicherung
für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch eingesetzt sind.“

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133
Abbildung 94:
SGB II-Bundesschlüssel
Aufgabe
Schlüssel
Fallmanagement U25
1,0 VZÄ je 75 erwerbsfähige Leistungsberechtigte (eLb), § 44c IV Nr. 1 SGB II
Fallmanagement Ü25
1,0 VZÄ je150 eLb, § 44c IV Nr. 2 SGB II
Nach den benannten Bundesschlüsseln ergibt sich im Modell-Landkreis für die Leistungsge-
währung und das Fallmanagement einer zkT ein Stellenbedarf von 334 VZÄ.
Abbildung 95:
Stellenanteile für Leistungsgewährung und Fallmanagement bei zkT
Hinzu kommen allgemeine Verwaltungsarbeiten (Personalgemeinkosten gem. § 13
KoA-VV
61
). Während Personalkosten nach § 10 KoA-VV bei zkT in tatsächlicher Höhe aner-
kannt werden, soweit sie dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit entsprechen
(§ 19 KoA-VV), werden Personalgemeinkosten gem. § 22 KoA-VV im Regelfall mit einer
Pauschale von 25 % bedacht. Für den Modell-Landkreis ergibt sich damit eine Stellenaus-
stattung für allgemeine Verwaltungsarbeiten von 83,4 VZÄ.
Unter der Annahme eines über das Jobcenter hinweg durchschnittlich konstanten Personal-
bruttokostensatzes würde dieser Pauschalerstattung auch ein Personalstock von 25 % auf
das im Fallmanagement bzw. in der Leistungssachbearbeitung eingesetzten Personals ent-
sprechen. Somit wird für die Berechnung des Organisationsmodells ein Pauschalbedarf an
Verwaltungsstellen von 25 % auf die Aufgaben der Grundsicherung für Arbeitsuchende an-
genommen, d. h. jeweils 41,7 VZÄ.
61
Vgl. § 13 KoA-VV: „Personalgemeinkosten sind die in der Regel nicht als Einzelkosten erfassbaren Kosten der
Leitung und Verwaltungsgemeinkosten. Verwaltungsgemeinkosten sind die Aufwendungen für den Inneren
Dienst und die allgemeine Verwaltung. Kosten der Leitung sind insbesondere Aufwendungen für die Wahr-
nehmung von Aufsichts- und Führungsfunktionen sowie Presse und Öffentlichkeitsarbeit. Nicht enthalten sind
Aufwendungen für die Wahrnehmung von politischen Funktionen. Abweichend von Satz 1 sind Aufwendungen
für Bezüge der Leiterin oder des Leiters der besonderen Einrichtung nach § 6a des Zweiten Buches Sozialge-
setzbuch Personalkosten nach § 10, wenn ausschließlich Aufgaben der Grundsicherung für Arbeitsuchende
nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch wahrgenommen werden. Der Innere Dienst umfasst insbesondere
Schreibkräfte, Botendienste, Pförtnerdienste, Fahrbereitschaft, Materialverwaltung, Druckerei und Vervielfälti-
gung, Poststelle und Bibliothek. Kosten der allgemeinen Verwaltung sind insbesondere Aufwendungen für
Personalangelegenheiten, Personalvertretung und Innenrevision sowie Aufwendungen für Haushalt, Organisa-
tion, Recht, Dokumentation und Statistik. Aufwendungen für die Leistungen Dritter sind Personalgemeinkosten,
wenn und soweit dem zugelassenen kommunalen Träger Verwaltungsgemeinkosten entstanden wären, wenn
er die dem Dritten übertragenen Aufgaben selbst wahrgenommen hätte.“

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134
Selten jedoch werden sämtliche allgemeine Verwaltungsaufgaben allein innerhalb des Job-
centers erbracht. Vielmehr zeigt die kommunale Praxis, dass bestimmte Querschnittsaufga-
ben, z. B. Controlling oder Personal, durch das Landratsamt wahrgenommen und intern mit
dem Jobcenter verrechnet werden. Die Aufgabenabgrenzung zwischen Jobcenter und Land-
ratsamt kann von Landkreis zu Landkreis variieren. Hier ist in unterschiedlichen Kreisen ein
Verhältnis von 50 zu 50 % vorzufinden. Dieses Verhältnis wird auch für die Berechnung des
Organisationsmodells zugrunde gelegt. Somit besteht hier die Annahme, dass die allgemei-
nen Verwaltungsaufgaben je hälftig im Jobcenter bzw. im Landratsamt wahrgenommen wer-
den.
Die gesamte Systematik verdeutlicht noch einmal die nachfolgende Abbildung.
Abbildung 96: Ermittlung der Stellenanteile für Querschnittsaufgaben resultieren
aus der Aufgabenwahrnehmung im Bereich SGB II über eine zkT
Der Stellenbestand für den Aufgabenblock „Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem
SGB II in Form einer zkT“ stellt sich demnach zusammenfassend wie folgt dar:
Abbildung 97: Stellenbedarf für die Aufgabe SGB II bei Aufgabenwahrnehmung
über eine zkT

image
135
Es ist anzumerken, dass in dem ausgewiesenen Stellenbedarf - im Unterschied zu den an-
deren Aufgaben - hier aufgrund der Systematik der Stellenbedarfsermittlung bereits Lei-
tungs- und Assistenzstellenanteile enthalten sind.
Sofern die Aufgaben in Form einer zkT wahrgenommen werden, erfolgt die organisatorische
Zuordnung der Stellenanteile für Fachaufgaben (334,00 VZÄ) der Aufgabe „Grundsicherung
für Arbeitsuchende nach SGB II“ (50.13) im Amt für Arbeit und Beschäftigung im Dezernat
IV. Die zusätzlichen Stellenanteile für Querschnittsaufgaben sind den entsprechenden Orga-
nisationsbereichen des Dezernats I je nach örtlicher Prägung zuzuordnen (vgl. Kapitel 8).
Bemessungsmethodik für das Organisationsmodell (gE): landkreisspezifische
Auftei-
lungsschlüssel zwischen Mitarbeitern der Kommune und der BA
Der Grundpersonalbedarf errechnet sich in der gE wie bei einer Optionskommune. Die Auf-
teilung zwischen kommunalen und BA-Mitarbeitern obliegt in der Praxis der Trägerversamm-
lung. Für das Organisationsmodell wurde ein Durchschnittswert von 30 % kommunaler Mit-
arbeiter und 70 % BA-Mitarbeiter angenommen.
Abbildung 98: Stellenbedarf für die Aufgabe SGB II bei Aufgabenwahrnehmung
über eine gE
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage.
Es ist anzumerken, dass in dem ausgewiesenen Stellenbedarf - im Unterschied zu den an-
deren Aufgaben - hier aufgrund der Systematik der Stellenbedarfsermittlung bereits Lei-
tungs- und Assistenzstellenanteile enthalten sind.
Sofern die Aufgaben in Form einer gE wahrgenommen werden, erfolgt die organisatorische
Zuordnung der Stellenanteile für Fachaufgaben (125,14 VZÄ) der Aufgabe „Grundsicherung
für Arbeitsuchende nach SGB II“ (50.13) im Jobcenter im Dezernat III (vgl. Kapitel 8).

image
 
136
7.23
Aufgabengruppe 51 „Jugend“
Die Aufgabengruppe 51 „Jugend“ umfasst
folgende Aufgaben:
Abbildung 99:
Aufgaben der Aufgabengruppe 51
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe „Jugend“ (51) handelt es sich um Pflichtaufga-
ben, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkritischen
Aufgabenbetrachtung stehen. Sie resultieren im Wesentlichen aus den Vorgaben des
SGB VIII. Hiervon ausgenommen ist die Förderung der freien Träger auf Basis der im
Landkreis erlassenen Richtlinien sowie das Engagement in der Jugendarbeit nach §§ 11
bis14 SGB VIII. Dabei fallen wie bei der Aufgabengruppe „Soziales“ (50) auch diese Auf-
gaben unter die kommunale Selbstverwaltung nach Art. 28 GG. Mit welcher Intensität sie
betrieben werden, wird somit auf Ebene der Kreisverwaltung entschieden.
Ähnlich wie in der Aufgabengruppe 50 gliedern sich die Aufgaben der Aufgabengrup-
pe 51 im Wesentlichen in Beratungsleistungen, Antragsbearbeitung, sonstige Sachbear-
beitung (z. B. Rückforderungen, Widerspruchsbearbeitung, Erstattungsverfahren), sozi-
alpädagogische Beratungen im Team sowie ggf. aufsuchende Dienste, z. B. im Allge-
meinen Sozialen Dienst (ASD).
Sächsische Landkreisverwaltungen stehen grundsätzlich vor der Herausforderung, dass
mit dem Rückgang der JugendEW keine entsprechende Fallzahlensenkung in der Ju-
gendhilfe beobachtet werden kann. Stattdessen werden insbesondere im Bereich der
Krisenintervention steigende Fallzahlen und eine steigende Komplexität der Fälle ver-
zeichnet. Eine Kostenkontrolle kann nicht über die pauschale Begrenzung einzelner Hil-
fearten, sondern nur über eine Erhöhung der Passgenauigkeit und der Angebotssteue-
rung erfolgen. Steuerungsmöglichkeiten bieten sich insbesondere über das Fallmanage-
ment.

137
Mit dem neuen Bundeskinderschutzgesetzes (BKiSchG) wurde das Aufgabenspektrum
der Aufgabengruppe Jugend (51) ab dem 01.01.2012 wie folgt erweitert: Der Einsatz von
Familienhebammen wird weiter durch Bundesmittel gefördert. Netzwerke Früher Hilfen
sollen ausgebaut und trägerübergreifend in Kooperationsnetzwerken geführt werden. Der
Bund beteiligt sich mit - nach eigener Berechnung - knapp über der Hälfte der auf Seiten
der Länder und Kommunen entstehenden Mehrausgaben, indem die Bundesunterstüt-
zung auf die Netzwerke Früher Hilfen ausgeweitet wird. Insgesamt werden die auf Bun-
desebene für die Jahre 2012-2015 vorgesehenen Mittel in Höhe von 30 Mio. € ab 2013
auf 45 Mio. € und ab 2014 auf 51 Mio. € jährlich erhöht. Sofern die fachliche Einschät-
zung eine Gefährdung des Kindeswohls offenlegt, wird ein Hausbesuch durch das Ju-
gendamt zur Pflicht. Voraussetzung für künftige öffentliche Zuschüsse wird darüber hin-
aus die Entwicklung von verbindlichen Standards der Kinder- und Jugendhilfe in Zusam-
menarbeit mit den freien Trägern und die Umsetzung von Qualitätsrichtlinien. Der Stel-
len-Bedarf wurde für den Modell-Landkreis in Form eines Anhaltswertes bei der Aufgabe
„Aufgaben des Allgemeinen Sozialen Dienstes“ (51.6) mit 2 VZÄ berücksichtigt. Der Wert
sollte nach einer Anlaufphase anhand der tatsächlichen Aufgabenwahrnehmung über-
prüft und ggf. fortgeschrieben werden.
Ab dem Jahr 2012 ist ferner bei der Aufgabe „Amtsvormundschaften“ (51.10.5) ein ver-
bindlicher Wert von 1 VZÄ je max. 50 Amtsvormundschaften gesetzlich festgelegt (neuer
§ 55 II SGB VIII
62
).
Auf Basis der Aufgaben in der Aufgabengruppe 51 „Jugend“ wurden folgende aufwandsprä-
gende Merkmale definiert:
Anzahl JugendEW 0-11, 0-21 oder 0-27 Jahre im Zuständigkeitsbereich,
Anzahl Pflegeeltern,
Anzahl der Verfahren in der Jugendgerichtshilfe,
laufende Prüfungen zzgl. Heranziehungen im Unterhaltsvorschuss,
Anzahl laufende Beistandschaften zum Ende des Jahres,
Anzahl der Anträge auf Elterngeld.
Grundannahmen hierbei sind:
Da das Jugendamt insbesondere mit Blick auf die Bewilligung von Hilfen zur Erziehung
komplexe und in ihrer Natur höchst unterschiedliche Aufgaben wahrnimmt, wurden für
das Gros der Aufgaben allgemeine Kennzahlen (Anzahl der JugendEW) gewählt. Das
Organisationsmodell geht dabei von einer durchschnittlichen Ausprägung der Sozialindi-
katoren in Sachsen aus. Bei einer erheblichen Veränderung der Sozialstruktur in ganz
Sachsen oder in einem einzelnen Landkreis sind die Jugendeinwohnerschlüssel im ASD
62
Vgl. BGBl. 20 Teil 1 Nr. 34 vom 5. Juli 2011.

138
ggf. anzupassen. Grundsätzlich ist zu befürworten, dass ein Prozess- und Ergebnisver-
gleich landkreisübergreifend stattfindet. Langfristig ist dies insbesondere vor dem Hinter-
grund steigender Professionalisierungsanforderungen sinnvoll, um die Leistungen und
Wirkungen der Sozialraumarbeit zum einen besser darstellen zu können und zum ande-
ren für eine verbesserte Übertragbarkeit von Best-Practices eine vergleichbarere Aus-
gangsbasis zu schaffen.
Die Richtwerte beruhen auf einem optimierten, personen- und wirkungszentrierten Fall-
management (vgl. Kapitel 7.24).
Zentral in der Arbeit des Jugendamts ist die Zusammenarbeit mit den freien Trägern.
Während diese grundsätzlich vor dem Ziel der Wahrung eines schlanken Verwaltungs-
aufbaus zu befürworten ist, sollten zumindest die grundlegenden Entscheidungen, näm-
lich Diagnostik, die Bewilligungsentscheidung und die Angebotssteuerung beim Jugend-
amt verbleiben. Unbedingt notwendig ist bei intensiver Trägerzusammenarbeit der Kos-
ten- und Leistungsvergleich einzelner Träger untereinander sowie die regelmäßige An-
passung der Leistungsvereinbarungen.
Auf die Vorteile einer integrierten Sozial-, Jugendhilfe und Gesundheitsplanung wurde
bereits im Kapitel 7.17 Aufgabengruppe 34 „Gesundheitswesen“ hingewiesen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:

image
139
Abbildung 100:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 51 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Bezug nehmend auf die klassischen Organisationsprinzipien einer optimalen Aufbauorgani-
sation wurde die Aufgabengruppe 51 „Jugend“ im Organisationsmodell der Organisa-
tionseinheit „Jugendamt“ im Bereich des Dezernats III zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

image
image
 
140
7.24
Exkurs: Steuerungsansätze im Jugend- und Sozialhilfebereich
Vor dem
Hintergrund knapper werdender Finanzmittel stehen Sozial- und Jugendhilfe vor
einem zunehmenden Legitimationsdruck, dem sie nur durch eine transparente und nachvoll-
ziehbare, wirkungsorientierte Steuerung standhalten können. Die Steuerungsmöglichkeiten
stehen dabei im Zentrum der Diskussion.
Die Ausgaben der Sozial- und Jugendhilfe stellen einen wesentlichen - bereits im Kapitel 3.2
geschilderten
- Kostenblock dar. Wie wichtig ein optimiertes Fallmanagement, eine transpa-
rente Prozessgestaltung sowie eine ergebnis- und wirkungsorientierte Steuerung in der So-
zial- und Jugendhilfe sind, zeigt sich, wenn man die bearbeiteten Transferaufwendungen in
Relation zu den Personalausgaben setzt
63
:
Abbildung 101: Gegenüberstellung der durchschnittlichen Personalausgaben zu
bearbeiteten Transferausgaben in der Sozialhilfe in den Vergleichs-
kreisen (in T€)
Abbildung 102: Gegenüberstellung der durchschnittlichen Personalausgaben zu
bearbeiteten Transferausgaben in der Jugendhilfe (HzE) in den Ver-
gleichskreisen (in T€)
63
In die Betrachtung eingeflossen sind hierbei:
Sozialhilfe: Transfer- und Personalausgaben in der Grundsicherung im Alter (GruSi), der Eingliederungshilfe
(EGH), der Hilfe zum Lebensunterhalt (HzL) und der Hilfe zur Pflege (HzP)
Jugendhilfe: Personalausgaben für Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH) und Allgemeiner Sozialer Dienst
(ASD) sowie die Transferausgaben zur Hilfen zur Erziehung nach §§ 27-34.

image
141
Die Personalausgaben verhalten sich zu den Transferausgaben in einem Verhältnis von 1:20
in der Sozialhilfe und von 1:4 in der Jugendhilfe. Dies bedeutet, dass ein Mitarbeiter in der
„Hilfe zur Pflege“ zum Beispiel 1.793 T€ p. a. verwaltet.
64
Abbildung 103:
Zu verwaltendes Volumen im Fallmanagement in einzelnen Hilfe-
arten (in T€ je 1,00 VZÄ)
Mit einer optimierten Steuerung nach Hilfearten sowie einem konsequenten Erfolgs-
monitoring kann der Landkreis somit mit vergleichsweise wenig Aufwand große Wirkung er-
zielen.
Die einzelnen Hilfearten des SGB XII als auch des SGB VII sind unterschiedlich steuerbar.
Zum einen bestehen hier Rechtsansprüche, zum anderen prägen Rahmenindikatoren (z. B.
Altersstruktur, Wirtschaftsleistung, Rentenniveau, Einrichtungsdichte etc.) die Nachfrage
nach Sozialleistungen im Landkreis. Sowohl in der Zusammensetzung als auch in der Ge-
samthöhe der Sozial- und Jugendhilfeausgaben ergaben sich jedoch im Rahmen der Unter-
suchung deutliche Unterschiede. So reichen bereits in den untersuchten Landkreisen die
Ausgaben für die Sozialhilfe von 45 € bis 57 € je 1.000 EW, in der Jugendhilfe sogar von
188 € bis 342 € je 1.000 JugendEW. Ein Blick auf die sogenannten SGB II Vergleichstypen,
in denen die Bundesagentur für Arbeit zum Zwecke überregionaler Kennzahlenvergleiche
alle untersuchten Landkreise unter den Vergleichstyp 11 subsumiert hat, zeigt dabei, dass
hinsichtlich der Sozialraumentwicklung und der Wirtschaftsleistung im gesamtdeutschen Ver-
gleich die untersuchten Landkreise als vergleichbar einzustufen sind. Außer Kontextindika-
toren sind die Ursachen für eine unterschiedlich hohe Hilfedichte und/oder Fallkosten somit
insbesondere in der unterschiedlichen Einrichtungsdichte und dem Fallmanagement zu su-
chen.
Die einzelnen Hilfearten des SGB XII bzw. des SGB VIII bieten dabei unterschiedliche steue-
rungsrelevante Anknüpfungspunkte. So sind in der Hilfe zum Lebensunterhalt (3. Kapitel
SGB XII) bzw. in der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (4. Kapitel
SGB XII) die Steuerungsmöglichkeiten auf die psychosoziale Stabilisierung, die Begrenzung
64
Zu beachten ist hier, dass es sich in der Sozialhilfe u. a. um die Transferleistungen handelt, die lediglich mone-
täre Beträge darstellen und keine bspw. Sachhilfeleistungen.

142
der Leistungen für Unterkunft und Heizung oder die Überprüfung der Vermögensverhältnisse
auf ex-post Maßnahmen begrenzt
65
. In der Hilfe zur Pflege (7. Kapitel SGB XII) ergeben sich
darüber hinaus auch ex-ante Steuerungsansätze. Hierzu gehört die Ambulantisierung, der
Aufbau von Beratungsangeboten (Werbung von Angehörigen, Förderung von Betreuung
durch Angehörige), die Etablierung eines effizienten Fallmanagements oder ggf. die Zusam-
menarbeit mit Pflegefachdiensten. Ähnliches gilt für die Eingliederungshilfe für behinderte
Menschen (6. Kapitel SGB XII): auch hier geht ein Kostencontrolling mit einer wirkungsorien-
tierten Evaluierung von Trägern und ggf. einzelnen Teams im Fallmanagement bzgl. Ver-
weildauern, Fallkosten, Beitrag zur Ambulantisierung sowie Passgenauigkeit und einer stär-
keren Personenzentrierung einher.
Im SGB VIII stellen den größten Ausgabenblock die Hilfen zur Erziehung (§ 27 SGB VIII) dar.
Hier besteht grundsätzlich die Schranke des Rechtsanspruchs. Eine Kostenkontrolle kann
somit nicht über die pauschale Begrenzung einzelner Hilfearten, sondern nur über eine Er-
höhung der Passgenauigkeit und der Angebotssteuerung erfolgen. Steuerungsmöglichkeiten
bieten sich hier nun - wie auch in den einschlägigen Fällen des SGB XII - insbesondere über
das Fallmanagement.
Da die Problemstellungen, die Bearbeitungsstandards als auch die räumlichen Gegebenhei-
ten, z. B. nach Ballungs- oder ländlichen Gebieten, vor Ort in der Regel unterschiedlich sind,
bestehen gerade im Bereich des ASD bislang zwar beispielsweise in Formen der fachlichen
Empfehlungen der Landesjugendämter input-orientierte Standards. Weniger dokumentiert
sind bislang jedoch die quantitativen Wirkungszusammenhänge (Output) zwischen den Akti-
vitäten des Jugendamts und den Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Sozialraumsituati-
on.
Grundlegend können folgende Empfehlungen bzgl. des Fallmanagements gegeben werden:
Transparenz der Controllingdaten erhöhen und Steuerungsstrategien mit der operativen
Ebene rückkoppeln.
Controllingdaten sollten sowohl für die Führungsebene als auch für die mittlere Bearbei-
tungsebene insbesondere in Bezug auf ihre Langfristwirkungen zugänglich und klar
kommuniziert werden. Kritisch ist dabei insbesondere die Verbindung des einzelnen
Sachbearbeiterprozesses mit der Gesamtstrategie des Amts. So mangelt es in der Re-
gel nicht an plausiblen Zielvorgaben zur Ambulantisierung oder Prozessstandards, son-
dern insbesondere an einer konsequenten Rückkopplung der Kosten- und Fallzahlen-
entwicklung in einzelnen Regionen, in Teams oder bei einzelnen Trägern.
65
Inzwischen wird die Erwerbsfähigkeit durch den Rentenversicherungsträger festgestellt. Die unterschiedliche
Gestaltung von Schnittstellen zum SGB II Bereich liegt somit nicht mehr im kommunalen Einflussbereich.

143
Landkreisübergreifend bereits bestehende Benchmarkingringe beibehalten und eine
weitere Standardisierung und Harmonisierung von Prozessen sowie Controllingdaten
schaffen.
Trotz der unterschiedlichen Ausgangssituationen, in denen sich die Sozial- und Jugend-
ämter in Sachsen sowie in anderen Bundesländern befinden, können zahlreiche Verbes-
serungspotenziale und Handlungsansätze erst infolge eines übergreifenden Vergleichs
aufgedeckt werden. Lokale und regionale Leistungsvergleiche vor dem Hintergrund der
Qualitätssicherung und der allgemeinen Kostenkontrolle sind insbesondere dahingehend
wertvoll, da die Daten offizieller Statistiken wie die Sozial- und Jugendhilfestatistik nicht
die jeweiligen Vorjahre abdecken, das Hilfesystem ggf. aber kurz- bis mittelfristig auf so-
zialräumliche Veränderungen reagieren muss.
Über eine für die einzelnen Sachbearbeiter und Träger nachvollziehbare Strategie nach
einzelnen Sozialräumen bzw. Kundensegmenten verfügen.
Dies beinhaltet die Aufstellung klarer messbarer Zielvereinbarungen, die nicht allein zu
Beginn, sondern auch bei Evaluationsgesprächen überprüft ggf. aktualisiert werden.
Zwar ist eine direkte Mitwirkung der Kunden an der Zielstellung Grundlage des Hilfeplan-
prozesses. Eine Gruppierung, stärkere Standardisierung bzw. Harmonisierung von Ziel-
vorgaben in Zielobergruppen ist jedoch empfehlenswert, um von einer input-orientierten
zu einer output-orientierten Steuerung zu gelangen.
Den Hilfeplanprozess wirkungs- und personenzentriert gestalten.
Hierunter fallen die stringente sozialpädagogische Anamnese, die Evaluation einzelner
Träger anhand von Wirkungsindikatoren wie Kosten-Nutzen, Verweildauer, Abbruchquo-
te, Interaktionen und die Verbindung von Controllingergebnissen mit der Jugendhilfepla-
nung (Feedbackschleifen). Kritischer Erfolgsfaktor ist hierbei u. a. die Zusammenarbeit
zwischen ASD und Wirtschaftlicher Jugendhilfe. Diese sollte möglichst früh und struktu-
riert in den Hilfeplanprozess einbezogen werden.
Eine an sozialräumlichen Bedürfnissen angelehnte Angebotssteuerung über klare und
über Prozess-/Ergebnisqualitätsindikatoren auswertbare Leistungsvereinbarungen vor-
nehmen.
Dies umfasst neben der Trägerevaluierung auch die konsequente Verfolgung des Grund-
satzes „ambulant vor stationär“. Sofern der Klärungsauftrag auch weiterhin beim Sozial-
bzw. Jugendamt liegt (Ausnahmen sollten lediglich die Klärung von Fällen mit hochspe-
ziellen fachlichen Anforderungen sein), kann dies einen Ansatz für eine Erhöhung der
Passgenauigkeit von Hilfen darstellen. Grundvoraussetzung hierzu ist allerdings das

144
Vorhandensein eines funktionierenden Input-Controllings und Zielemonitorings, das ag-
gregiert team- und hilfebezogene Falldaten auswertet.

image
 
145
7.25
Aufgabengruppe 60 „Räumliche Planung und Entwicklung“
Die Aufgabengruppe 60 „Räumliche Planung und Entwicklung“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 104:
Aufgaben der Aufgabengruppe 60
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben handelt es sich um Pflichtaufgaben und mit Ausnahme der „Aufgaben
der Kreisplanung“ (60.1) und „GVO-Genehmigungen“ (60.12) um ehemals staatliche Auf-
gaben, die im Rahmen der Funktionalreform im Jahr 2008 auf die Landkreise übertragen
worden sind.
Gegenstand der Kreisplanung ist die Wahrnehmung der Aufgaben als Träger öffentlicher
Belange (TÖB) in Bauleitplan-, Planfeststellungsverfahren sowie sonstigen Vorhaben, die
Genehmigung der Bauleitplanung kreisangehöriger Kommunen und die Mitwirkung bei
der Regional- und Landesplanung.
Die aufsichtsbehördliche Genehmigung und die Wahrnehmung der Aufgaben als TÖB
sind grundsätzlich termingebunden und nicht disponibel.
Bei Mitwirkungspflichten im Bereich der Regional- und Landesplanung und evtl. beste-
henden Kooperationsstrukturen kann die Intensität der Aufgabenerledigung in gewissen
Grenzen durch Standardsetzung und Priorisierung beeinflusst werden.

146
Hinsichtlich der Aufgabenwahrnehmung sind folgende Empfehlungen zu geben:
Bei der Stellenausstattung des Modell-Landkreises zur Wahrnehmung der Kreisplanung
wird eine konstante Grundausstattung empfohlen, die sich an der Fläche des Modell-
Landkreises orientiert.
Die Aufgaben „Bereitstellung von Geobasisdaten“ (60.2), „Katasteraktualisierung“ (60.3),
„Katasterfortführung“ (60.4), „Einrichtung und Betrieb DMS“ (60.5), „Einrichtung und Be-
trieb GIS“ (60.6) bilden zusammen mit der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses
das ehemals staatliche Vermessungs- und Katasterwesen.
Der Stand der Aufgabenerledigung für die Aufgaben mit ausgeprägtem Projektcharakter -
„Einrichtung und Betrieb DMS“ (60.5) und „Entwicklung und Betrieb GIS“ (60.6) ist in den
Vergleichskreisen in Abhängigkeit von verfügbaren Kapazitäten und Prioritätensetzungen
sehr unterschiedlich. Der jeweilige Personaleinsatz für die zeitlich befristeten Aufgaben
hängt vom verfügbaren Personalbestand und dem bereits erreichten Stand der Digitali-
sierung ab.
Der Aufwand für die Aufgaben „Bereitstellung von Geobasisdaten“ (60.2), „Katasteraktua-
lisierung“ (60.3), „Katasterfortführung“ (60.4) ist grundsätzlich mengenabhängig. Die
Verwaltung kann Arbeitsmengen und Beschäftigungsumfang grundsätzlich nicht beein-
flussen. Bei der Katasteraktualisierung und Katasterfortführung wird der Aufgabenumfang
zusätzlich von der jeweils erreichten Qualität des Katasters beeinflusst.
Für die unter „Einrichtung und Betrieb DMS“ (60.5) erfasste Digitalisierung von Vermes-
sungs- und Katasterunterlagen kann für den Modell-Landkreis die durchschnittliche Stel-
lenausstattung der Vergleichskreise als Orientierung herangezogen werden.
Für „Einrichtung und Betrieb GIS“ (60.6) wird als nachhaltiger Orientierungswert für den
Modell-Landkreis eine konstante Grundausstattung empfohlen, die sich an der Fläche
des Modell-Landkreises orientiert.
Die zunehmende Digitalisierung, verbunden mit einem ständig fortschreitenden Technik-
einsatz, hat das Vermessungs- und Katasterwesen in den letzten Jahren erheblich ver-
ändert und wird auch in Zukunft die Entwicklung stark beeinflussen. Der Wandel des
Aufgabenbestandes muss daher im Rahmen der Personalplanung beobachtet werden,
um die Stellenausstattung im Rahmen der jeweils bestehenden Möglichkeiten zeitnah
entsprechend dem technischen Fortschritt zu reduzieren.
Gegenstand der „Ländlichen Neuordnung“ (60.8) ist die Einleitung, Anordnung und
Durchführung der Verfahren nach dem Flurbereinigungsgesetz (FlurbG) sowie nach dem
Landwirtschaftsanpassungsgesetz (LwAnpG). Die nach dem FlurbG zu bearbeitenden
Verfahren bestimmen die notwendige Stellenausstattung. Die jeweiligen Verfahrensstän-
de werden genau dokumentiert und fortgeschrieben und das Erfordernis zur Einleitung

147
neuer Verfahren ist frühzeitig bekannt, sodass künftig notwendige Anpassungserforder-
nisse grundsätzlich gut planbar sind.
Die „Ländliche Entwicklung“ (60.9) beinhaltet die Bewilligung und Abrechnung von För-
dermitteln der bis 2013 laufenden Förderperiode. Die Arbeitsmenge wird extern durch die
Anzahl der Anträge, Informations- und Beratungsgespräche bestimmt. Die Aufgabenerle-
digung ist im Grundsatz termin- und fristgebunden und die rechtlichen Vorgaben müssen
exakt eingehalten werden. Die Abrechnung bewilligter Fördermittel wird voraussichtlich
bis 2015 abgeschlossen. Der Kapazitätsbedarf für künftige Förderprogramme im Rah-
men der entsprechenden Förderrichtlinien ist zurzeit nicht prognostizierbar.
Der Vollzug des Grundstücksverkehrsgesetzes und des Landpachtverkehrsgesetzes
sowie die Genehmigung und Beseitigung von Aufforstungen sind Gegenstand der Land-
wirtschaft und „Aufgaben nach dem Waldgesetz“ (60.10)
„Aufgaben in der land- und hauswirtschaftlichen sowie der gärtnerischen Bildung nach
dem Berufsbildungsgesetz“ (60.11) betreffen die Anerkennung und Überwachung von
Ausbildungsstätten und die Organisation und Durchführung von Prüfungen nach dem Be-
rufsbildungsgesetz sowie damit jeweils verbundene Beratungen. Die Anzahl der aner-
kannten Ausbildungsstätten stellt eine relevante Größe für den Aufgabenumfang dar. Die
Intensität der Aufgabenerledigung kann durch Standardsetzung der jeweils für erforder-
lich gehaltenen Beratungs- und Überwachungstätigkeiten beeinflusst werden.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Fläche des Landkreises in km²,
Anzahl der Anträge,
Anzahl der Berichtigungen,
Anzahl der Übernahmen,
Anzahl der Kaufverträge,
Anzahl der Gutachten,
Anzahl der Verfahren nach FlurbG,
Bewilligte Anträge,
Abgerechnete Anträge,
Anzahl der Verträge,
Anzahl der Genehmigen,
Anzahl der anerkannten Ausbildungsstätten,
Anzahl der bearbeiteten Flurstücke.

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148
Die Grundannahmen hierbei sind, dass die jeweils erforderliche Stellenausstattung von den
aufwandsprägenden Arbeitsmengen und damit vom Aufgabenumfang abhängt.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 105:
Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 60 nach Aufgabenblöcken
Für den Modell-Landkreis wird davon ausgegangen, dass die Aufgaben der Aufgabengruppe
60 möglichst zentral in einer Organisationseinheit mit entsprechender sach- und fachgerech-
ter Untergliederung wahrgenommen werden. Dabei muss dem unterschiedlichen Aufgaben-
charakter der einzelnen Aufgaben und dem für die Aufgabenerledigung jeweils erforderlichen
fachlichen Anforderungsprofil im Rahmen der Aufgabenverteilung und Stellenbildung Rech-
nung getragen werden. Dennoch sind die Aufgaben von ihrem Inhalt so, dass bei einer Bün-
delung der Aufgabenwahrnehmung Synergien hinsichtlich der Fachlichkeit der Mitarbeiter
und der Prozesse genutzt werden können.
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

149
Die Aufgabengruppe 60 wurde im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Planungs-,
Vermessungs- und Flurneuordnungsamt“ im Bereich des Dezernats II zugeordnet (vgl. Kapi-
tel 8).

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150
7.26
Aufgabengruppe 61 „Bauen und Wohnen“
Die Aufgabengruppe 61 „Bauen und Wohnen“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 106:
Aufgaben der Aufgabengruppe 61
Zur Aufgabenanalyse und zur Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu tref-
fen:
Die Aufgabengruppe umfasst Pflichtaufgaben nach Weisung, die dem Grunde nach nicht
disponibel sind und damit außerhalb jeder zweckkritischen Betrachtung stehen. Eine
Übertragung der bisher von den Vergleichskreisen wahrgenommenen Aufgaben auf Drit-
te scheidet aus.
Die Wahrnehmung der „Aufgaben der Unteren Bauaufsichtsbehörde“ (61.1) mit den Ar-
beitsschwerpunkten Prüfung und Bescheidung von Bauanträgen und Bauüberwachung
ist weitgehend termingebunden. Der jeweilige Aufgabenumfang wird extern bestimmt.
Somit hängt die Stellenausstattung von der Anzahl der Antragseingänge in den jeweili-
gen Verfahrensarten bzw. bei der Bauüberwachung von der Anzahl der in und außerhalb
von Verfahren durchzuführenden Abnahmen und Überwachungen ab. Zudem ist der
Aufgabenumfang davon abhängig, wie viele kommunale Körperschaften es gibt, die über
eine eigene Bauaufsichtsbehörde verfügen. Hier zeigen sich in den Landkreisen sehr dif-
ferenzierte Ausprägungen.
Die Bauberatung in oder außerhalb von Genehmigungsverfahren stellt im Grundsatz eine
Teilleistung dar, die nicht verzichtbar ist. Standard und Intensität der Bauberatung sind in
engen Grenzen beeinflussbar.

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151
Zur Wahrnehmung der Aufgaben der unteren Denkmalschutzbehörde wird eine Stellen-
ausstattung empfohlen, die sich jeweils an der Anzahl der unter Schutz gestellten Denk-
male, der Anzahl Verfahren für Steuerbescheinigungen gemäß Einkommensteuergesetz
(EStG) und der Anzahl der Fördermittelanträge orientiert.
Für die Aufgabengruppe 61 „Bauen und Wohnen“ sind Entwicklungen mit relevanten
Auswirkungen auf Art und Umfang der Aufgaben und die zu ihrer Erledigung jeweils er-
forderliche Stellenausstattung kurz- und mittelfristig nicht erkennbar. Langfristig ist infolge
des prognostizierten Bevölkerungsrückgangs eher mit einer rückläufigen Entwicklung zu
rechnen.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Anzahl der Anträge,
Anzahl der Überwachungen und Prüfungen,
Anzahl der Eintragungen,
Anzahl der Bescheinigungen,
Anzahl der bau- und archäologischen Denkmale.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 107:
Stellenbedarf der Aufgabengruppe 61 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

152
Für den Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass die Aufgaben der
Aufgabengruppe 61 zentral in einer Organisationseinheit wahrgenommen werden. Die Auf-
gabengruppe wurde im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Bauordnungsamt“ im
Bereich des Dezernats II zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

 
153
7.27
Aufgabengruppe 62 „Ver- und Entsorgung“
Die Aufgabengruppe 62 „Ver- und
Entsorgung“ umfasst die Aufgabe „Wahrnehmung der
Aufgabe als öffentlich-rechtlicher Entsorgungsträger“ (62.1).
Bei der Aufgabe handelt es sich um eine weisungsfreie Pflichtaufgabe, die in den Vergleichs-
kreisen in Anhängigkeit von den bestehenden Strukturen im Entsorgungsgebiet in unter-
schiedlichem Umfang noch im Rahmen der Kernverwaltung oder vollständig außerhalb der
Verwaltung im Rahmen eines Zweckverbandes wahrgenommen wird. Noch verbliebene
Restaufgaben werden regelmäßig im Umweltamt wahrgenommen.
Für den Modell-Landkreis wird von einer Aufgabenübertragung an einen Zweckverband aus-
gegangen, sodass im Organisationsmodell kein Stellenbedarf für diese Aufgabe ausgewie-
sen wird. Die landkreisseitigen Steuerungsbedarfe sind im Rahmen des Beteiligungsmana-
gements wahrzunehmen.

image
 
154
7.28
Aufgabengruppe 63 „Verkehrsflächen und -anlagen“
Die Aufgabengruppe 63 „Verkehrsflächen
und Anlagen“ umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 108:
Aufgaben der Aufgabengruppe 63
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Die Aufgabengruppe umfasst weisungsfreie Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht
disponibel sind und damit außerhalb jeder zweckkritischen Betrachtung stehen.
Die Landkreise nehmen die Aufgaben der technischen Verwaltung der Kreisstraßen be-
stehend aus Verwaltung, Planung, Bau, Betrieb und Unterhaltung wahr und sind seit der
Funktional- und Kreisgebietsreform für die Unterhaltung der Bundes- und Staatsstraßen
zuständig. Die Aufgaben Planung, Bau, Erneuerung von Bundes- und Staatsstraßen sind
im zuständigen staatlichen Straßenbauamt verblieben.
Bei den übertragenen Planungs-, Bau-, Betriebs- und Unterhaltungsaufgaben ist eine
Dritterstellung möglich. Diese Option wird von den Vergleichskreisen vor allem bei Pla-
nungsleistungen und Baumaßnahmen umfassend genutzt, während der Betriebsdienst
für Kreis-, Staats- und Bundesstraßen nahezu ausschließlich in Eigenleistung der jeweils
zuständigen Straßenmeistereien wahrgenommen wird.
Zur Aufgabenentwicklung sind folgende Ausführungen zu machen:
Die Investitionstätigkeit für Kreisstraßen hängt von Programmen z. B. für Ausbau-, und
Erneuerungsmaßnahmen ab und wurde zuletzt auch von Sondereffekten wie z. B. dem
Konjunkturpaket II beeinflusst. Mittel- und langfristig kann mit einem Rückgang des In-
vestitionsvolumens als aufwandsprägendem Merkmal der Aufgabe „Planung und Bau
von Kreisstraßen“ (63.1) gerechnet werden.
Der Aufwand für Unterhaltung und Betrieb, der vom Bestand (Straßen, Wege, Bauwerke,
Anlagen, Ausstattungen und Grünflächen) abhängt, ist grundsätzlich konstant, wobei Un-
terhaltungszustand, Topographie, Winterdienst als relevante Einflussgrößen zu beachten
sind. Das jeweils zu betreuende Straßennetz stellt die relevante Planungsgrundlage für
den Finanz- und Kapazitätsbedarf des Betriebsdienstes dar. Die Stellenausstattung des

image
155
Modell-Landkreises sollte sich daher wie bisher auch an der Länge des zu betreuenden
Straßennetzes orientieren.
Der Aufgabenumfang für die hoheitlichen Aufgaben der Straßenverwaltung wie Widmun-
gen, Umstufungen, Einziehung von Verkehrsflächen, Ausübung der Aufsicht über kom-
munale Straßen als Untere Straßenaufsichtsbehörde und Bearbeiten von Angelegenhei-
ten des Straßenverkehrs wird durch die Netzgröße beeinflusst. Die Länge des Straßen-
netzes wird als aufwandsprägende Bestimmungsgröße für die Stellenausstattung emp-
fohlen.
Die betriebswirtschaftliche Steuerung des Betriebsdienstes und die Entwicklung von
Konzepten für einen effizienten Ressourceneinsatz z. B. im Rahmen der Jahresarbeits-
planung und zur Erreichung einer optimalen Relation von Eigen- und Fremdleistung soll-
ten künftig noch an Bedeutung gewinnen.
Im Zuge der Doppik-Umstellung entstehen in der Aufgabengruppe 23 temporäre Mehr-
bedarfe für die Erfassung des Infrastrukturvermögens. Diese sind in der Stellen-
Bemessung für den Modell-Landkreis nicht berücksichtigt.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Bauvolumen in T€ - Mittelwert 2009 bis 2013 gemäß Investitionsprogramm
Länge des zu betreuenden Straßennetzes in km
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 109: Stellenbedarf für die Aufgabengruppen 62 und 63 nach Aufgaben-
blöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.

156
Für den Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass die Aufgaben der
Aufgabengruppe 63 zentral in einer Organisationseinheit wahrgenommen werden. Die Auf-
gabengruppe wurde im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Straßenamt“ im Be-
reich des Dezernats II zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

image
 
157
7.29
Aufgabengruppe 64 „Natur- und Landschaftspflege“
Die Aufgabengruppe 64 „Natur- und Landschaftspflege“ umfasst folgende
Aufgaben:
Abbildung 110:
Aufgaben der Aufgabengruppe 64
Zur Aufgabenanalyse sind folgende Feststellungen zu treffen:
Die Aufgabengruppe umfasst weisungsfreie Pflichtaufgaben, die dem Grunde nach nicht
disponibel sind und damit außerhalb jeder zweckkritischen Betrachtung stehen. Bestimm-
te Leistungen, wie z. B. die Erstellung von Fachgutachten, Beprobungen, Wasseranaly-
sen, werden grundsätzlich extern vergeben. Über eine weitergehende Dritterstellung der
bisher von den Vergleichskreisen wahrgenommenen Aufgaben, die auch nur begrenzt
möglich ist, sollte anhand von Kostenvergleichsrechnungen entschieden werden.
Teilaufgaben der Aufgabengruppe im Fach- und Vollzugsbereich wurden mit der Funkti-
onalreform im Jahr 2008 von den staatlichen Behörden auf die Landkreise übertragen.
Sie sind in den Vergleichskreisen zwischenzeitlich weitgehend in die bestehenden Struk-
turen integriert.
Hinsichtlich der Aufgabenwahrnehmung sind folgende Ausführungen zu machen:

158
Die empfohlene Stellenausstattung des Modell-Landkreises für die Wahrnehmung der
Aufgaben der unteren Naturschutzbehörde und der unteren Wasserbehörde setzt sich
aus einer festen Grundausstattung und einem mengenabhängigen Bedarf zusammen.
Zuständigkeit und Aufgabenumfang der unteren Naturschutzbehörde wird durch die auf
den Bestimmung des Bundesnaturschutzgesetzes und des Sächsischen Naturschutzge-
setzes (SächsNatSchG) basierende naturschutzrechtliche Eingriffsregelung mit be-
stimmt. Die Anzahl der Verfahren infolge von Eingriffen in Natur- und Landschaft, z. B.
durch Errichtung von Gebäuden, Verlegung von Leitungen, Bau von Straßen, Abbau von
Bodenschätzen und die daraus resultierende Aufgabenerledigung der unteren Natur-
schutzbehörde in Form von Prüfungen und Verfahrensbeteiligungen, Stellungnahmen zu
Planungen/Projekten und Maßnahmen sowie die Erteilung von Befreiungen, Ausnahmen
und Genehmigungen, sind daher eine aufwandsrelevante Bezugsgröße für die Stellen-
ausstattung. Darüber hinaus fallen weitere Aufgaben wie Betreuung von Fördermaßnah-
men, Bearbeitung von Folgeverfahren, Fachberatung und ehrenamtlicher Naturschutz
kontinuierlich an, zu deren Erledigung eine feste personelle Grundausstattung erforder-
lich ist. Für diese Grundausstattung des Modell-Landkreises wird als Orientierungswert
ein Anteil von 30 % der Stellenausstattung der unteren Naturschutzbehörde empfohlen.
Der Aufgabenumfang der unteren Wasserbehörde und der daraus resultierende Erledi-
gungsaufwand sind abhängig von der Arbeitsmenge wie vor allem der Anzahl der zu be-
arbeitenden Genehmigungsverfahren und Entscheidungen zur Benutzung der Gewässer
und des Grundwassers. Darüber hinaus fallen weitere Aufgaben wie Überwachung, Be-
schwerden, Beratung, Datenerhebung an, zu deren Erledigung eine feste personelle
Grundausstattung erforderlich ist. Für die Grundausstattung des Modell-Landkreises wird
als Orientierungswert ein Anteil von 30 % der Stellenausstattung der unteren Wasserbe-
hörde empfohlen
Der Aufgabenumfang „Vollzug des SächsWaldG, SächsBRKG“ (64.3) orientiert sich an
der hier aufwandsbestimmenden Bezugsgröße Gesamtfläche des Waldes im örtlichen
und rechtlichen Zuständigkeitsbereich.
Die Entwicklung der Aufgabengruppe ist infolge neuer oder veränderter rechtlicher Be-
stimmungen dynamisch. Zu neuen Daueraufgaben, die z. B. aus der Umsetzung der Eu-
ropäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) resultieren, kommen temporäre Aufgaben-
zuwächse wie vor allem die Bearbeitung von Erlaubnissen bzw. Sanierungsanordnungen
zur Anpassung von Kleinkläranlagen sowie künftig intensiver zu erledigende Aufgaben,
wie z. B. die Überwachung im handelsrelevanten Artenschutz.
In diesem Zusammenhang und infolge begrenzter finanzieller Möglichkeiten der öffentli-
chen Haushalte und dem damit verbundenen Sparzwang werden Planung, Überwachung
und Steuerung des Ressourceneinsatzes und der Wirtschaftlichkeit der Aufgabenerledi-

image
159
gung in der Umweltverwaltung künftig an Bedeutung gewinnen. Es wird empfohlen, Mög-
lichkeiten zur Beeinflussung des Aufwandes, z. B. in Form einer weitergehenden Stan-
dardisierung von Prozessen und Festlegung von Mindeststandards für die Arbeits-
schwerpunkte, zu untersuchen.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Anzahl der Verfahren,
Anzahl der Sanierungsanordnungen,
Gesamtfläche des Waldes in ha.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:
Abbildung 111:
Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 64 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Für den Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass die Aufgaben der
Aufgabengruppe 64 zentral in einer Organisationseinheit wahrgenommen werden. Die Auf-
gabengruppe wurde im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Umweltamt“ im Be-
reich des Dezernats II zugeordnet (vgl. Kapitel 8).

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160
7.30
Aufgabengruppe 65 „Umweltschutz“
Die Aufgabengruppe 65 „Umweltschutz“
umfasst folgende Aufgaben:
Abbildung 112:
Aufgaben der Aufgabengruppe 65
Zur Aufgabenanalyse und Aufgabenwahrnehmung sind folgende Feststellungen zu treffen:
Bei den Aufgaben der Aufgabengruppe handelt es sich um Pflichtaufgaben nach Wei-
sung, die dem Grunde nach nicht disponibel sind und damit außerhalb der zweckkriti-
schen Aufgabenbetrachtung stehen. Bestimmte Leistungen, wie z. B. die Erstellung von
Fachgutachten, Messungen, Untersuchungen werden grundsätzlich extern vergeben.
Über eine weitergehende Dritterstellung der bisher von den Vergleichskreisen wahrge-
nommenen Aufgaben, die auch nur begrenzt möglich ist, sollte an Hand von Kostenver-
gleichsrechnungen entschieden werden.
Teilaufgaben der Aufgabengruppe im Fach- und Vollzugsbereich wurden mit der Funk-
tionalreform im Jahr 2008 von den staatlichen Behörden auf die Landkreise übertragen.
Sie sind in den Vergleichskreisen zwischenzeitlich weitgehend in die bestehenden Struk-
turen integriert.
Die empfohlene Stellenausstattung des Modell-Landkreises für die Wahrnehmung der
Aufgaben der Aufgabengruppe 65 „Umweltschutz“ setzt sich aus einer festen Grundaus-
stattung und einem mengenabhängigen Bedarf zusammen.
Bei der Aufgabe „Bodenschutzrechtliche Verfahren, Stellungnahmen, Auskünfte“ (65.2)
wird der Aufgabenumfang von der Anzahl der Altlasten beeinflusst, die damit auch Be-
zugsgröße für die Stellenausstattung ist.
Eine feste Grundausstattung wird für Aufgaben empfohlen, die kontinuierlich anfallen und
regelmäßig mit relativ gleichmäßigem Aufwand erledigt werden können. Innerhalb der
Aufgabengruppe betrifft das die Überwachung der Abfallentsorgung und im Rahmen der
unteren Immissionsschutzbehörde die Aufgaben Verfahrensbeteiligung/Abgabe von Stel-

161
lungnahmen, Bearbeitung von Beschwerden und Folgeverfahren, Information und Bera-
tung (65.3.1).
Der Aufwand für weitere im Rahmen der unteren Immissionsschutzbehörde geführten
Arbeitsschwerpunkte - Durchführung von Genehmigungsverfahren für genehmigungsbe-
dürftige Anlagen, Erlass von Anordnungen, Verfahren zum Betrieb nicht genehmigungs-
bedürftiger Anlagen - sowie die anlassbezogene Überwachung und die Regelüber-
wachung wird maßgeblich von der Anzahl der Verfahren bzw. Überwachungen bestimmt.
Für die Stellenausstattung des Modell-Landkreises wird daher eine Orientierung an den
durchschnittlichen Arbeitsmengen der Vergleichskreise empfohlen.
Die Entwicklung der Aufgabengruppe ist infolge neuer oder veränderter rechtlicher Be-
stimmungen von Änderungen und Zusatzanforderungen geprägt. Als Beispiel ist die
Richtlinie - Integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IVU
Richtlinie), deren Umsetzung erhöhte Überwachungspflichten für die untere Immissions-
schutzbehörde auslöst, zu nennen.
Bei relevanten Änderungen infolge neuer gesetzlicher Bestimmungen sollten die Auswir-
kungen auf die Organisation und den Ressourcenbedarf, z. B. in Form einer aussage-
kräftigen Ermittlung des jeweils erforderlichen Zeit- und Personalbedarfs möglichst genau
bestimmt werden, sodass entsprechende Maßnahmen, z. B. Anpassung der Zuständig-
keits- und Aufgabenverteilung, Priorisierung von Aufgaben, personelle Verstärkung, ge-
troffen werden können.
Um künftig flexibler auf Entwicklungen reagieren zu können und evtl. Erfüllungsdefizite zu
kompensieren, wird eine Revision der Arbeitsorganisation und Aufgabenverteilung emp-
fohlen, um im Rahmen der Personalentwicklung Maßnahmen hinsichtlich einer prozess-
orientierten, ganzheitlichen Aufgabenwahrnehmung zu planen. Dabei sollten mögliche
Handlungsfelder wie z. B. medienübergreifende Überwachung, Priorisierung der Aufga-
benerledigung nach dem Gefährdungspotenzial und Setzung von Mindeststandards mit
Blick auf ihre Umsetzung in die Praxis erprobt werden.
Ausgehend von den Grundannahmen der kennzahlenorientierten Stellenanalyse wurden
folgende aufwandsprägende Merkmale aus dem Arbeitsmengengerüst der Aufgabengruppe
abgeleitet:
Anzahl der Altlasten,
Anzahl der Verfahren,
Anzahl der Überwachungen.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf für die gebildeten Aufgabenblöcke wie folgt dar:

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162
Abbildung 113:
Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 65 nach Aufgabenblöcken
Die ausführliche Ermittlung des Stellenbedarfs befindet sich in der Anlage 2.
Für den Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass die Aufgaben der
Aufgabengruppe 65 zentral in einer Organisationseinheit wahrgenommen werden. Die Auf-
gabengruppe wurde im Organisationsmodell der Organisationseinheit „Umweltamt“ im Be-
reich des Dezernats II zugeordnet, da verwaltungsseitig die fachlich/inhaltlichen und damit
auch prozessualen Zusammenhänge zur Aufgabengruppe 64 genutzt werden sollten (vgl.
Kapitel 8).

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163
7.31
Aufgabengruppe 66 „Wirtschaft und Tourismus“
Die Aufgabengruppe 66
„Wirtschaft und Tourismus“ umfasst die Aufgabe „Wirtschaftsförde-
rung“ (66.1).
Wirtschaftsförderung ist eine freiwillige Aufgabe, d. h. die Bindung von finanziellen und per-
sonellen Ressourcen zur Durchführung bedarf einer Begründung, insbesondere in Zeiten
knapper Haushalte. Wirtschaftsförderung ist aber für die Entwicklung der Landkreise wichtig
und unerlässlich. Gleichwohl ist jede Aktivität, die im Bereich der Wirtschaftsförderung durch-
geführt wird, in den Kontext einer Aufgabenkritik hinsichtlich ihrer Notwendigkeit und ihres
Standards zu stellen.
Je nach Bedeutung und Standard, die der Aufgabenerledigung beigemessen wird und örtli-
chen Rahmenbedingungen variiert die Stellenausstattung in den Vergleichskreisen.
Für den Modell-Landkreis wird eine Obergrenze für Stellenausstattung definiert, die sich an
der Zahl der EW orientiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Wirtschaftsförderung in
der Kernverwaltung wahrgenommen wird.
Im Ergebnis stellt sich der Stellenbedarf wie folgt dar:
Abbildung 114:
Stellenbedarf für die Aufgabengruppe 66 nach Aufgabenblöcken
Für den Modell-Landkreis wird grundlegend davon ausgegangen, dass die Aufgaben der
Aufgabengruppe 66 zentral in einer Organisationseinheit wahrgenommen werden. Die Auf-
gabengruppe wurde im Organisationsmodell der „Stabstelle Wirtschaft und Tourismus“ im
Bereich Landrat zugeordnet, wegen der grundsätzlichen politischen Bedeutung der Wirt-
schaftsförderung (vgl. Kapitel 8).

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164
8
Organisationsmodell für Landkreise
Bei der Ableitung des Organisationsmodells
wurde nach den klassischen Organisationsprin-
zipien vorgegangen. Dabei wurden jedoch auch die möglichen Rahmenbedingungen bei der
Umsetzung, d. h. die Verwaltungspraxis der Landkreise berücksichtigt.
Abbildung 115: Prinzipien und Rahmenbedingungen für die Ableitung des Organisa-
tionsmodells
Die Organisationsstruktur des Modell-Landkreises wird für zwei Ebenen abgebildet:
Dezernatsebene (1. Leitungsebene),
Amtsebene (2. Leitungsebene).
Die weitere Unterteilung der Ämter in Sachgebiete wird nicht dargestellt. Sie richtet sich an
den örtlichen Gegebenheiten des jeweiligen Landkreises aus.
Die Zuordnung der einzelnen Aufgabengruppen zu den Organisationseinheiten erfolgte weit-
gehend einheitlich, entsprechend den fachlich/inhaltlichen Aufgabenzusammenhängen. Die
genaue Zuordnung der Aufgabengruppen zu den Organisationseinheiten ist in den jeweiligen
Modell-Varianten in den Anlagen 3a bis c dargestellt.

image
 
165
Der Ausweis der Stellenanteile wird dabei unterteilt in folgende Bereiche:
Abbildung 116:
Untergliederung der Stellenanteile je Organisationseinheit
Der ausgewiesene, maßgebliche Stellenbedarf für den Modell-Landkreis in den jeweiligen
Varianten bezieht sich auf die Stellen innerhalb des Stellenplans als Summe aus den Stel-
lenanteilen der Kernverwaltung, inkl. Stellenanteile für Fachaufgaben, Leitungsaufgaben und
Assistenzaufgaben, und den Stellenanteilen in den nachgeordneten Einrichtungen.
Die detaillierte Unterteilung der Stellenanteile befindet sich für die einzelnen Varianten in den
Anlagen 3a bis c zu diesem Bericht. Hier sind informativ zum Teil die Stellenanteile außer-
halb des Stellenplans - also für die Aufgaben, bei denen für den Modell-Landkreis von einer
übertragenen Eigenerledigung ausgegangen wird - dargestellt.
8.1
Grundvariante
8.1.1 Grundvariante 1 (SGB II in Form einer gemeinsamen Einrichtung)
Für den Modell-Landkreis
mit der Aufgabenwahrnehmung im Bereich SGB II in Form einer
gE wird eine dreigliedrige Struktur empfohlen.
Das Organisationsmodell stellt sich mit den entsprechenden Stellenanteilen innerhalb des
Stellenplans wie folgt dar:

image
image
166
Abbildung 117:
Organisationsmodell Grundvariante 1 (SGB II in Form einer gE) mit
Stellen innerhalb des Stellenplans

167
Zu dem dargestellten Modell sind folgende Ausführungen zu machen:
Der Bereich des Landrates wurde schlank gehalten. Es sind nur die Organisationsein-
heiten zugeordnet, die zur Wahrung der Unabhängigkeit nicht einem Dezernat unterstellt
werden können bzw. die der Landrat zur Erfüllung seiner Aufgaben unmittelbar benötigt.
Die Zuordnung der einzelnen Ämter zu den Dezernaten erfolgte grundlegend in Orientie-
rung an den fachlichen Zusammenhängen und der inhaltlichen „Qualität“ der Aufgaben
bzw. der Aufgabengruppen (vgl. hierzu die Erläuterungen in den einzelnen Aufgaben-
gruppen im Kapitel 7) entsprechend den Erläuterungen bei den einzelnen Aufgabengrup-
pen. Dabei wurde jedoch
auch darauf geachtet, dass die Stellenausstattung der
3 Dezernate annähernd gleichgewichtig ist.
Die Stellenanteile für die Aufgabenwahrnehmung nach SGB II in Form einer gE sind im
Dezernat III dem „Jobcenter“ zugeordnet.
Das dargestellte Organisationsmodell eröffnet den Landkreisen Gestaltungsspielräume, stellt
sie jedoch auch vor Herausforderungen.
Spielräume bestehen insbesondere in der organisatorischen Gestaltung der 3. Gliederungs-
ebene, also der sog. Sachgebietsebene. Hier wird durch den SRH bewusst keine Struktur
empfohlen. Zum einen ist hier eine individuelle Gestaltung durch die Landkreise in Orientie-
rung an die örtlichen Gegebenheiten gewollt. Zum anderen soll somit die Möglichkeit eröffnet
werden, moderne Organisationsansätze in die Gestaltung einzubeziehen. Als Beispiele sei-
nen benannt:
Teamstrukturen: Der Verzicht auf Sachgebiete und die Bildung von flexiblen Arbeits-
teams bietet sich vor allem bei speziellen Projekten und in allen stark auf persönlichen
Austausch und Erfahrungsnutzungen sowie auf Genehmigungen und Kontrollen ausge-
richteten Aufgabenbereichen an (Aufgabenhauptgruppe 5 „Soziales und Jugend“ Aufga-
benhauptgruppe 6 „Gestaltung der Umwelt“).
Prozessorientierte Strukturen: Die Bildung von prozessorientierten Einheiten, z. B. im
Dezernat Planung-Bau-Umwelt. Bei einer Zusammenführung von Aufgaben und Stellen
in einer prozessorientierten Organisationsform entsteht ein zentraler Verwaltungs- und
Fachbereich, der jeweils im Vergleich zum Status quo weniger anfällig auf Engpässe,
z. B. infolge von Arbeitsspitzen und Personalausfällen, reagiert. Die Nutzung von ingeni-
eurtechnischen Kenntnissen und entsprechenden Arbeitsmethoden kann zu nachhaltigen
Verbesserungen bei der Aufgabenerledigung führen.
Interkommunale Zusammenarbeit: Die interkommunale Zusammenarbeit wird zukünftig
bei den Landkreisen wieder an Bedeutung gewinnen. Durch den demografischen Wandel

image
168
(Bevölkerungsrückgang) und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel wird es um
den gemeinsamen Einsatz von bestimmten Fachpersonal gehen, aber auch die Bildung
von gemeinsamen Organisationseinheiten und Betrieben für spezielle und abgrenzbare
Aufgabenbereiche sollte verstärkt geprüft werden. Auch den steigenden fachlichen und
gesetzlichen Anforderungen kann verbunden mit einem spezialisierten Technik- und Per-
sonaleinsatz (z. B. insbesondere bei den Aufgaben der Aufgabenhauptgruppen 5 und 6)
Rechnung getragen werden.
Die mit dem Modell-Landkreis dargestellte Größe der Landkreise und der Verwaltungen er-
fordern insbesondere auch bei den Leitungskräften neue Führungsqualitäten und Kenntnis-
se. Dies betrifft ein intensives Personal- und Verwaltungsmanagement, die Nutzung von
wirtschaftlichen Steuerungsinstrumenten (Controlling, Benchmarking als permanenter Pro-
zess und Finanzmanagement) sowie einen kooperativen und kommunikativen Führungsstil.
Zusammenfassend ergibt sich für die Grundvariante 1 (SGB II in Form einer gE) für den Mo-
dell-Landkreis mit 290.000 EW innerhalb des Stellenplans ein Stellenbedarf von insgesamt
rd. 1.038 VzÄ, was in diesem Fall einer Quote von rd. 3,6 VzÄ je 1.000 EW
66
entspricht.
8.1.2 Grundvariante 2 (SGB II in Form einer zugelassenen kommunalen Trägerschaft)
Sofern die Aufgaben nach SGB II in Form einer zkT wahrgenommen werden, ist für diesen
Bereich die Einrichtung eines vierten Dezernats angemessen. Das entsprechende Organisa-
tionsmodell stellt sich mit den Stellenanteilen innerhalb des Stellenplans wie folgt dar:
66
Gerundeter Wert.

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169
Abbildung 118: Organisationsmodell Grundvariante 2 (SGB II in Form einer zkT) mit
Stellenanteilen innerhalb des Stellenplans

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170
Zu dem Modell sind folgende Ausführungen zu machen:
Die Aufgabenwahrnehmung nach SGB II wurde mit den entsprechenden Stellenanteilen
dem Dezernat IV Amt für Arbeit und Beschäftigung zugeordnet.
Die aus dieser Aufgabenwahrnehmungsform resultierenden Stellenmehrbedarfe in den
Querschnittsaufgaben sind als Block unter dem Dezernat I ausgewiesen, da die Zuord-
nung stark abhängig ist von den jeweiligen internen Prozessen und Strukturen. Entspre-
chend erhöhen sich die Stellenanteile im Dezernat I.
Das „Job-Center“ im Dezernat III besteht entsprechend nicht mehr. Es verringern sich
damit die Gesamtstellenanteile im Dezernat III.
Die restlichen Organisationseinheiten bestehen weiter in ihren Stellenanteilen und ihrer
Gliederung wie in der Grundvariante 1.
Insgesamt ergibt sich für die Grundvariante 2 (SGB II in Form einer zkT) für den Modell-
Landkreis mit 290.000 EW innerhalb des Stellenplans ein Stellenbedarf von insgesamt
rd. 1.332 VzÄ, was in diesem Fall einer Quote von rd. 4,6 VzÄ je 1.000 EW
67
entspricht.
8.1.3 Organisationsmodell Alternativvariante
Die Grundvarianten des Organisationsmodells basieren auf einer Zuordnung der einzelnen
Aufgabenblöcke zu Organisationseinheiten wie diese in Kapiteln 7.1 ff. jeweils erläutert und
begründet wurden.
In der kommunalen Praxis bestehen jedoch alternative organisatorische Zuordnungen ein-
zelner Aufgabenblöcke, welche sich als ebenso optimal herausgestellt haben. Die wesent-
lichsten Punkte sind im nachfolgend dargestellten „Alternativmodell“ (nur für SGB II als gE)
abgebildet:
67
Gerundeter Wert.

image
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171
Abbildung 119: Organisationsmodell Alternativvariante (SGB II in Form einer gE) mit
Stellenanteilen innerhalb des Stellenplans

172
Zu den bestehenden Unterschieden zur Grundvariante sind folgende Ausführungen zu ma-
chen (gelbe Markierung im Organigramm):
Die Aufgabengruppe 25 „Recht“ wird zusammen mit der Aufgabengruppe 14 „Kommu-
nalaufsicht“ in einem gemeinsamen „Rechts- und Kommunalamt“ im Bereich Landrat ge-
führt. Das entspricht der kommunalen Praxis aufgrund des notwendigen fachlichen Aus-
tauschs der Juristen.
Die Aufgabengruppe 22 „Finanzen“ und die entsprechende Organisationseinheit „Fi-
nanzmanagement“ wurde direkt dem Bereich Landrat zugeordnet. Der Landrat als „Ma-
nager“ seiner Verwaltung könnte somit im Rahmen seiner Arbeit das Finanzmanagement
als Steuerungs- und Informationsinstrumentarium gezielter einsetzen und prägen. Zudem
könnte die Wahrnehmung der Gremientätigkeit bei den Eigenbetrieben, Beteiligungsun-
ternehmen und Zweckverbänden ohne zusätzliche organisatorische Schnittstellen und
mit direktem Haushaltsbezug erfolgen.
Denkbar ist auch, dass die Aufgabegruppe 41 „Kultur- und Sportförderung“ zusammen
mit der Aufgabengruppe 66 „Wirtschaft und Tourismus“ in einer gemeinsame Organisati-
onseinheit Kultur-, Sport-, Tourismus- und Wirtschaftsförderung im Bereich Landrat ge-
führt wird. Grund hierfür ist, dass die Förderung dieser Bereiche eng verbunden ist und
nach einheitlichen Kriterien und Strukturen erfolgen sollte.
Eine Zusammenführung der Aufgabengruppen 23 „Immobilienmanagement“ und 63
„Verkehrsflächen und Anlagen“ in einem Amt für Infrastrukturdienste im Dezernat II stellt
eine Alternative zur bestehenden objektbezogenen Abgrenzung der Aufgabenbereiche
dar. Das objektbezogene Gliederungsprinzip mit einer Trennung zwischen „Gebäude“
und „Straße“ und jeweils eigenständigen Organisationseinheiten würde dabei schrittwei-
se z. B. beginnend mit den administrativen Aufgaben in eine prozessorientierte Aufbau-
organisation überführt werden. Das Amt könnte folgende Grobstruktur erhalten:
Amtsleitung mit Sekretariat
SG kaufmännisches Infrastrukturmanagement
Liegenschafts- und Straßenverwaltung
Führen der Bestandsnachweise
Grunderwerb, Grundstücksgeschäfte
Fördermittelbearbeitung
Fuhrpark- und Geräteverwaltung
Beschaffungs- und Vertragsmanagement, wie z. B. Einkauf und Vergabe von Lieferungen und Leistungen
Angelegenheiten des Straßenverkehrs
SG Technisches Infrastrukturmanagement (Planung/Bau/Unterhaltung/Betrieb)
Projektmanagement, Bauherrenaufgaben
bauliche Unterhaltung und Bewirtschaftung
zentrale Steuerung der in Eigen- und Fremdleistung zu erledigenden Infrastrukturdienste

173
Durch diese Aufgabenzuordnung, kombiniert mit einer prozessorientierten Organisations-
form, könnten ein zentraler Verwaltungs- und Technikbereich entstehen, der jeweils im
Vergleich zum Status quo weniger anfällig auf Engpässe, z. B. infolge von Arbeitsspitzen
und Personalausfällen, reagiert. Darüber hinaus könnten Aufgaben wie das Vertrags-
und Beschaffungsmanagement und das Controlling im Verbund effizienter erledigt und
erforderliches Fachwissen übergreifend genutzt und sach- sowie fachgerecht ausgelastet
werden.

image
 
174
9
Resümee und Ausblick
Mit diesem
Bericht zum Organisationsmodell wird den sächsischen Landkreisen nach dem
SächsVwNG vom 29.01.2008 und dem SächsKrGebNG ein neuer mittelfristiger Handlungs-
rahmen zur Entwicklung ihrer Kreisverwaltungen in den Bereichen Personal, Organisation
und Finanzen als Empfehlung zur Verfügung gestellt. Der SRH kommt damit seinem Auftrag
nach, die geprüften Stellen möglichst umfassend zu beraten.
Eine schematische Umsetzung der entwickelten Empfehlungen dieses Organisationsmodells
ist nicht gewollt und ist auch nicht möglich. Ziel ist allerdings eine Orientierung aller sächsi-
schen Landkreise an den Vorschlägen des Organisationsmodells unter Berücksichtigung der
jeweils konkreten Bedingungen und Verwaltungsstrukturen vor Ort.
Über den „statischen Charakter“ der entwickelten Empfehlungen hinaus weist der SRH im
Folgenden auf weitere Aspekte hin, die der fortlaufenden Verwaltungsmodernisierung und
der Aufgabenanpassung sächsischer Kreisverwaltungen dienen sollen. Hinsichtlich der mög-
lichen Entwicklung in Richtung „Kreisverwaltung 2025“ wird angeregt, zusätzlich zu den be-
reits dargestellten Tendenzen die folgenden Trends und Herausforderungen für die künftige
Aufgabenwahrnehmung zu berücksichtigen:
Abbildung 120:
Trends und Herausforderungen für die Kreisverwaltung 2025

175
Demographie
Viele der für dieses Organisationsmodell entwickelten Vorschläge beruhen auf der stichtags-
bezogen ermittelten EW-Zahl, JugendEW-Zahl bzw. auf aktuellen abgeleiteten Fallzahlen.
Diese Grundannahmen sind bei der Nutzung der Kennzahlen und aufwandsbestimmenden
Werte in den folgenden Jahren dem aktuellen Stand anzupassen. Die dargestellte Methodik
ermöglicht diese Fortschreibungen.
Technik- und IT-Einsatz, e-Government
Im Nachgang zur Kreisgebietsreform und der Zusammenführung der Verwaltung wird sich
nach Vereinheitlichung der IT-Hard- und Softwarelösungen die Frage der weiter zu verstär-
kenden Elektronisierung der Kreisverwaltungen stellen. Der Weg zum papierlosen Büro über
den Einsatz der elektronischen Unterschriften und Bezahlfunktion sowie eines elektronischen
DMS und damit in Zusammenhang die elektronische Aktenführung sollte auch von den
Landkreisen in geeigneten Bereichen und unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit angestrebt
werden. Dabei sind bis heute noch nicht alle Fragen der Aktensicherheit und der Dokumen-
tationspflichten und auch des Datenschutzes geklärt, langfristig ist dieser Weg aber vorge-
zeichnet. Insbesondere für die Kommunikation mit den Bürgern und die Beschleunigung von
Verwaltungsvorgängen kann über diese Elemente des e-Government die Bürgerfreundlich-
keit gesteigert werden.
Weiterhin besteht auch die Möglichkeit, im Rahmen der verbesserten verwaltungsinternen
Kommunikation, Tele-Arbeit (Home Office) für bestimmte dazu geeignete Aufgaben und für
geeignete Mitarbeiter einzuführen.
Durch detaillierte Planungen von Telearbeit/Home Office in Verbindung mit einer darauf ab-
gestimmten Arbeitsplatz-, Büroraum- und Technikeinsatzplanung können alle Beteiligten
wirtschaftlich, organisatorisch und persönlich profitieren. Allerdings sind der Organisations-
aufwand und die Vorhaltung von trotzdem erforderlichen Büro- und Beratungsräumen in den
Verwaltungen sowie spezieller Technik und der Aufwand für die Arbeitsplatzausgestaltung
bei Telearbeit nicht zu unterschätzen. Auch die Fragen der Datensicherheit und des Daten-
schutzes müssen im Vorfeld detailliert geklärt werden.
Interkommunale Zusammenarbeit
Die Interkommunale Zusammenarbeit sollte auch bei spezifischen kleinteiligen Aufgabener-
füllungen und speziellen Personaleinsatzgebieten, bei denen die Gewinnung von Fachper-
sonal immer schwieriger werden wird, genutzt werden. Dies kann Fachpersonal im medizini-
schen Bereich, bei den Umweltämtern und anderen Spezialaufgaben betreffen. Auch die
Erfüllung von Aufgaben zusammen mit kreisangehörigen Kommunen oder die Bildung von

176
Shared Service Centern für Querschnittsaufgaben (unter Beachtung der vergaberechtlichen
Regelungen) ist möglich.
Standorte
Die mögliche Zentralisierung der Verwaltungsstandorte ist nach einer Kreisgebietsreform
unvermeidliches Thema. Bestehende vertragliche Regelungen zur Weiternutzung von Stand-
orten und Liegenschaften sollten – sofern es wirtschaftlich vertretbar ist - beibehalten wer-
den. Allerdings zeigen die Erfahrungen aller Kreisreformen in der Bundesrepublik, dass teil-
weise mittelfristig, aber unvermeidlich in langfristiger Sicht, eine Zentralisierung der Verwal-
tungsstandorte auf der Tagesordnung jedes fusionierten Landkreises steht. Langfristig sind
die durch Zentralisierung zu erzielenden Effekte nicht zu vernachlässigen. In vielen Berei-
chen werden die aufgezeigten Leitungs- und Assistenzspannen auch erst an zentralen
Standorten umsetzbar sein. Der Aspekt der dann (vermeintlich) fehlenden Bürgernähe kann
einerseits durch intensiveren Einsatz von e-Government und durch beizubehaltende kleinere
Außenstellen für spezifische Aufgaben (z. B. ASD) und Einrichtung von Bürgerbüros, die
z. B. mit kreisangehörigen Kommunen zusammen betrieben werden können, ausgeglichen
werden. Bei anstehenden Modernisierungen oder dem erforderlichen Neubau von Verwal-
tungsgebäuden ist auch zu berücksichtigen, dass nicht jede Modernisierung und jeder Neu-
bau der neuen Landkreise auf die Kreisgebietsreform zurückzuführen ist, vielfach wären
auch ohne Kreisgebietsreform Neubauten und Modernisierungen erforderlich geworden. In
den Kreisen sind in den Jahren vor der Reform in Erwartung dieser Reform vielfach Ent-
scheidungen zu Neubau und Modernisierungen richtigerweise ausgesetzt bzw. verschoben
worden.
Freiwillige Aufgaben
Die Wahrnehmung der bestehenden freiwilligen Aufgaben ist zukünftig auch im Kontext der
weiter sinkenden Finanzausstattung der Landkreise zu betrachten. Durch die Aufsichtsbe-
hörden wird der Standard und der Umfang dieser Leistungen auf Basis der rechtlichen Rah-
menbedingungen für freiwillige Aufgaben bei Fortbestehen von Finanzierungsproblemen für
die Pflichtaufgaben fortdauernd infrage gestellt werden.
Diese Probleme wirken sich verunsichernd auf die Träger, Nutzer und betroffenen Mitarbeiter
aus und verhindern nachhaltige Modernisierungsprozesse. Deswegen wird empfohlen, einen
umfassenden Anpassungsprozess mit einer grundsätzlichen nutzerorientierten Evaluierung
einzuleiten. Ziel sollte sein, nachhaltige Absicherungen (mit vertraglichen Rahmenbedingun-
gen) für die freiwilligen Leistungen zu erreichen.
Auch in Sachsen stellt sich die grundsätzliche Frage, welche soziale Ausrichtung und Ziel-
gruppenorientierung bestimmte freiwillige Leistungen haben. So werden z. B. Angebote von
Musikschulen, Volkshochschulen in großem Umfang von Familien genutzt, die einen größe-

177
ren Anteil für die Finanzierung dieser Angebote leisten könnten, deswegen sollten stärker
differenzierte Gebührensatzungen/Entgeltregelungen den Deckungsgrad wesentlich erhö-
hen.
Verlagerte Aufgabenerfüllungen
Im Ergebnis der Doppik-Umstellung wird die Aufgabenerfüllung durch Eigenbetriebe zu
überprüfen sein. Grundsätzlich sollten Eigenbetriebe nur noch für Aufgaben mit „Markt- und
Bürgerkontakt“ eingesetzt werden, da für interne Aufgabenerfüllungen der Vorteil der Eigen-
betriebe (selbstständige Wirtschaftsführung nach § 1 SächsEigBG) und die Zulässigkeitsvor-
aussetzung für die Organisationsform vielfach entfallen können. Dazu sind die Möglichkeiten
der Doppik und der Einsatz einer wirksamen Kosten-Leistungsrechnung sowie des darauf
aufsetzenden Controllings entsprechend zu nutzen.

178
Leipzig, den 27. März 2012
Rechnungshof des Freistaates Sachsen
Prof. Dr. Karl-Heinz Binus
Stefan Rix
Präsident
Vizepräsident
Dr. Reinhard Augstein Dr. Wilfried Spriegel
Rechnungshofdirektor Rechnungshofdirektor
Peter Teichmann
Rechnungshofdirektor

Anlage 1:
Aufgabenkatalog der Sächsischen
Landkreise (Stand 01.01.2012)

 
Anlage 1, Seite 1
Anlage 1: Aufgabenkatalog der Sächsischen Landkreise (Stand 01.01.2012)
Tätigkeiten im Rahmen der Aufgabe
Beschreibung der Aufgabe
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.1
Steuerung und Leitung des Landratsamtes
Aufgaben der Dezernatsleitung und der Beigeordneten
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.2
Administrative Betreuung des Kreistags und seiner
Ausschüsse
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.2.1
Allgemeine Angelegenheiten des Kreistages und der
Ausschüsse
Bearbeitung von Bürgeranfragen und Anfragen aus dem Kreistag; Geschäftsführende Bearbeitung
entsprechend der Stellungnahme des Fachamtes; Sammlung der Einladungen, Vorlagen und
Niederschriften für Kreistag und Kreisausschuss (Vorlagen werden von den Fachämtern erarbeitet);
Terminverwaltung für den Kreistag; Herausgabe der Kreisrechtssammlung; Fortentwicklung der
Hauptsatzung, Geschäftsordnung für den Kreistag und seiner Ausschüsse sowie der
Zuständigkeitsordnung für die Ausschüsse sowie der Bekanntmachungssatzung; Betreuung des
Ratsinformationssystems
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.2.2
Begleitung sowie Vor- und Nachbereitung von
Kreistags- und Ausschusssitzungen
Organisatorische Vorbereitung und Nachbereitung von Sitzungen; Sitzungsdienst einschließlich
Protokollführung, soweit nicht den Fachämtern zugeordnet; Überwachen der Ausführung der
Beschlüsse des Kreistages und des Kreisausschusses, Betreuung der Beiräte und Arbeitsgruppen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.2.3
Administrative Betreuung der Kreisräte und
Fraktionen
Abrechnen von Verdienstausfall und Aufwandsentschädigungen, Auslagenersatz und
Sitzungsgeldern etc. sowie Geschäftsführungskosten der Fraktionen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.3
Persönlich-administrative Unterstützung Landrat inkl.
Repräsentation (persönlicher Referent)
Wahrnehmung der Aufgaben des persönlichen Referenten des Landrats, Verleihung des
Ehrenbürgerrechtes, Auszeichnungen, Glückwünsche, Kondolenzen, Empfänge, Goldenes Buch,
Ehrenpatenschaften des Bundespräsidenten, Organisation von Veranstaltungen, Verfassen von
Reden und Grußworten, Bearbeitung von persönlichen Bürgeranfragen, Würdigung des
Ehrenamtes, Kontaktpflege zu Unternehmen, Vereinen etc.
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.4
Öffentlichkeits- und Pressearbeit für den Landkreis
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.4.1
Wahrnehmung der Öffentlichkeits- und Pressearbeit
für den Landkreis
Information von Presse, Rundfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen und anderen Medien;
Pressekonferenzen / -besichtigungen (Vorbereitung, Umsetzung und Nachbereitung); Vermittlung
von Interviews; Publizistische Beratung der Verwaltung; Inneninformation; Herausgabe des
Pressespiegels; Planung und Koordinierung der Öffentlichkeitsarbeit einschließlich der Imagepflege
und des visuellen Erscheinungsbildes; Mitwirkung bei der Gestaltung (Erscheinungsbildung) von
Werbeschriften, Prospekten u. a.; Information der Bevölkerung; Tage der offenen Tür;
Kreiswerbung; Bild- und Nachrichtendokumentation; Mitarbeiterzeitungen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.4.2
Herausgabe der amtlichen Bekanntmachungen
(Amtsblätter)
Herausgabe amtlicher Bekanntmachungen (Amtsblatt); Auftragserteilung für Anzeigen nach der
Hauptsatzung und der Bekanntmachungsverordnung
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
10
Politisch-administrative Unterstützung
Landrat
10.5
Wahrnehmung zentraler statistischer Aufgaben des
Landkreises
Sammlung steuerungsrelevanter dezentraler Statistiken und Aufbereitung zur allgemeinen Nutzung
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
11
Personalrat
11.1
Personalratstätigkeiten in Freistellung
Wahrnehmung von Personalratsaufgaben
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
12
Beauftragungen
12.1
Aufgaben der Gleichstellungs- und
Frauenbeauftragten
Erfüllung von Aufgaben zur Verwirklichung des Grundrechts der Gleichberechtigung von Frau und
Mann nach § 60 SächsLKrO sowie nach dem Sächsischen Frauenförderungsgesetz
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
12
Beauftragungen
12.2
Sonstige Beauftragungen
Inhalt und Gegenstand entsprechend kommunalpolitisch definierten, gesellschaftspolitischen,
lokalen bzw. regionalen Fragestellungen z. B. Seniorenbeauftragte, Integrationsbeauftragte,
Behindertenbeauftragte
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1
Prüfung der Haushalts- und Finanzwirtschaft des
Landkreises
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.2
Prüfungen und Überwachung von Kassen sowie
Vorräten und Vermögensgegenständen gemäß
§ 106 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 SächsGemO
Laufende Prüfung der Kassenvorgänge und Belege; Laufende Überwachung der Kasse des
Landkreises, seiner Sondervermögen und der Eigenbetriebe; Prüfung von Anordnungen vor ihrer
Zuleitung an die Kasse in Einzelfällen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.3
Weitere Prüfungsaufgaben nach
§ 106 Abs. 2 Satz 1 SächsGemO
Prüfung der Organisation und Wirtschaftlichkeit der Verwaltung; Prüfung der Vergaben; Prüfung der
Wirtschaftsführung der Eigenbetriebe und anderer Einrichtungen des Landkreises;
laufende Prüfung
der Kassenvorgänge bei den Sonderkassen; Prüfung der Betätigung des Landkreises in
Unternehmen, an denen der Landkreis beteiligt ist; Buch-, Betriebs- und Kassenprüfungen, die sich
der Landkreis bei einer Beteiligung, bei der Herausgabe eines Darlehns oder in sonstigen Fällen
vorbehalten hat
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.4
Sonderaufgaben nach § 106 Abs. 2
Satz 2 SächsGemO
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.4.3
Gutachterliche Stellungnahmen
Gutachterliche Stellungnahmen zur Verfahrensregelung im Haushalts-, Kassen- und
Rechnungswesen und zu wesentlichen Änderungen organisatorischer, finanzwirtschaftlicher und
betriebswirtschaftlicher Art und zum wirtschaftlichen Einsatz der Datenverarbeitung
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.4.4
Unternehmensprüfung nach § 96 SächsGemO
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1
Wahrnehmung der Kommunalaufsicht über die
kreisangehörigen Kommunen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.1
Allgemeine Kommunalaufsicht
Beratung; Bericht über Vorgänge, die für die Landesregierung von Bedeutung sind, über
Angelegenheiten der Gemeinde, Zweckverbände und Verwaltungsverbände; Aufsichtsmaßnahmen;
Prüfung und ggf. Genehmigung von Satzungen und Einzelmaßnahmen; Verfahren zu den Berichten
der überörtlichen Prüfung; Bearbeitung kommunalaufsichtlicher Beschwerden; Begleitung bei der
Doppikeinführung; Bearbeitung von Statistiken; Petitionen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.2
Prüfung der von den Gemeinden, Zweckverbänden
und Verwaltungsverbänden vorzulegenden
Haushaltssatzungen
Prüfung der von den Gemeinden, Zweckverbänden und Verwaltungsverbänden vorzulegenden
Haushaltssatzungen (kameral, doppisch, Eigenbetriebsrecht)
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.3
Erteilung von Genehmigungen und
Ausnahmegenehmigungen
Erteilung von gemeindewirtschaftlichen Genehmigungen und Ausnahmegenehmigungen wie z. B.
wirtschaftliche Unternehmen (§ 96 ff. SächsGemO); Verkäufe nach § 90 SächsGemO;
Bürgschaften und andere Sicherheiten nach § 83 SächsGemO; kreditähnliche Rechtsgeschäfte
nach § 84 SächsGemO
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.4
Stellungnahme zu Anträgen der Gemeinden,
Zweckverbände und Verwaltungsverbände auf
Gewährung von Bundes- und Landesmitteln
Stellungnahme zu Anträgen der Gemeinden, der Zweckverbände und Verwaltungsverbände auf
Gewährung von Bundes- und Landesmitteln
Örtliche Prüfung des Jahresabschlusses bzw. der Jahresrechnung und des Gesamtabschlusses
gem. § 104 SächsGemO; Durchführung örtlicher Prüfung gem. § 106 Abs 1. SächsGemO;
Kassenprüfungen; Prüfungen von Vergaben und Verwendungsnachweisen; Prüfung von
Eigenbetrieben gemäß § 105 SächsGemO
13.3
Prüfung von Zweckverbänden auf vertraglicher
Grundlage
Örtliche Prüfungen für Gemeinden und
Gemeindeverbände gemäß Vereinbarung
1
13.2
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
1
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
1
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
Aufgabenhauptgruppe
Aufgabengruppe
Aufgaben
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Örtliche Prüfung der Jahresrechnung bzw. des
Jahresabschlusses und des Gesamtabschlusses
gem. § 104 SächsGemO
13
13.1.6
13.1.1
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13.1.4.1
Prüfung von Zweckverbänden - soweit das
Rechnungsprüfungsamt als Prüfstelle bestimmt ist
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
Technisch-wirtschaftliche Prüfung des Vorentwurfs bei Baumaßnahmen (mit Kostenvoranschlag);
Prüfung der Ausführung und Abrechnung kreiseigener Bauten; Prüfung der Ausführung und
Abrechnung kreiseigener Bauten
Prüfung der Einhaltung der Vorschriften bei den Erträgen, Aufwendungen, Einzahlungen und
Auszahlungen sowie bei der Vermögensverwaltung; Prüfung, ob die einzelnen Rechnungsbeträge
sachlich und rechnerisch vorschriftsmäßig begründet und belegt sind, der Haushaltsplan
eingehalten worden ist; Prüfung ob das Vermögen, die Kapitalposition, die Sonderposten, die
Rechnungsabgrenzungsposten und die Schulden richtig nachgewiesen worden sind
Prüfung der Eigenbetriebe nach § 105 SächsGemO, Prüfung der Vorräte und Vermögensbestände
der Sondervermögen und Eigenbetriebe des Landkreises, Prüfung der Wirtschaftsführung und des
Rechnungswesens der Sondervermögen und der Eigenbetriebe
13.1.5
13.1.4.2
Prüfung und Bestätigung von
Verwendungsnachweisen für öffentliche Mittel in
Einzelfällen
Prüfung von Bauvorhaben
Prüfung und Bestätigung von Verwendungsnachweisen für öffentliche Mittel in Einzelfällen
Prüfung der Eigenbetriebe gemäß § 105
SächsGemO
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
13
13
Rechnungs- und Gemeindeprüfung
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
13

Anlage 1, Seite 2
Anlage 1: Aufgabenkatalog der Sächsischen Landkreise (Stand 01.01.2012)
Tätigkeiten im Rahmen der Aufgabe
Beschreibung der Aufgabe
Aufgabenhauptgruppe
Aufgabengruppe
Aufgaben
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.5
Prüfung von Haushaltssicherungskonzepten /
Haushaltsstrukturkonzepten
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.6
Personelle Kommunalaufsicht (Überprüfung der
Stellenpläne, beamten- und tarifrechtliche
Angelegenheiten der Dienstkräfte,
Disziplinarangelegenheiten der
Hauptverwaltungsbeamten)
Überprüfung der Stellenpläne; Bearbeitung von beamten- und tarifrechtliche Angelegenheiten der
Dienstkräfte; Bearbeitung von Disziplinarangelegenheiten der Hauptverwaltungsbeamten z. B.
Berufung, Entlassung und Versetzung in den Ruhestand; Bearbeitung von
Nebentätigkeitsgenehmigungen, -anzeigen sowie Abrechnungen; Dienstjubiläen;
Dienstaufsichtsbeschwerden und Disziplinarangelegenheiten
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.7
Genehmigungen kommunaler Zusammenarbeit
Angelegenheiten der kommunalen Zusammenarbeit (SächsKomZG)
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
Kommunalaufsicht
14.1.8
Gebietsänderung
Gebietsänderung
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.9
Bearbeitung von Widerspruchsverfahren
Bearbeitung von Widerspruchsverfahren
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.10
Wahrnehmung der Aufgaben der Vergabeprüfstelle
für Städte und Gemeinden
Durchführung von Vergabeprüfungen und -beratungen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.1.11
Rechtsaufsicht über Zweckverbände
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.2
Wahlen
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.2.1
Europa-, Bundes-, Landes- und Kommunalwahlen
(Aufgaben des Kreiswahlleiters)
1
Politisch-administrative Leitung
Landratsamt /Landkreis
14
Kommunalaufsicht
14.2.2
Volksbegehren und Volksentscheid nach
Landesrecht
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.1
Verwaltungsorganisation und -steuerung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.1.1
Verwaltungssteuerung und -Controlling
Vorbereitende Unterstützung von Grundsatzentscheidungen der Verwaltungsführung z. B. im
Bereich der Verwaltungssteuerung, der kommunalen Entwicklungsplanung, der interkommunalen
und regionalen Zusammenarbeit; Bearbeitung speziell zugewiesener Einzelaufgaben aus
verschiedenen Aufgabengebieten mit strategischer Bedeutung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.1.2
Stellenwirtschaft
Stellenneuschaffung; Stellenumwandlung; Stellenbewertung; Stellenplan; Stellenbeschreibungen
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.1.3
Regelung und Organisation des allgemeinen
Verwaltungsbetriebs, Verwaltungsoptimierung
Regelung und Überwachung des lfd. allgemeinen Dienstbetriebes wie allgemeine und besondere
Geschäfts- und Dienstanweisungen, Dienstvereinbarungen, Ausstellung von Dienstausweisen,
Arbeitszeit, Sprechzeiten, Aktenordnung und Aktenplan, Geheimschutz (Verschlusssachen);
Regelung der Mitgliedschaft zu kommunalen Spitzenverbänden und kommunalen Institutionen, zu
Vereinen und sonstigen Organisationen; Übertragung besonderer Befugnisse z. B. allgemeine
Unterschriftsbefugnisse für den Schriftverkehr, Vertretungsbefugnisse für
Verpflichtungserklärungen, Feststellung- und Anordnungsbefugnisse, Prozessvollmachten,
Verwendung von Namensstempeln und Dienstsiegeln;
Verwaltung der Bücher und Druckschriften; Federführung bei Aufgabenplanung und Aufgabenkritik;
Beratung der Fachämter; Gestaltung von Arbeitsabläufen; Organisations- und
Arbeitsuntersuchungen; Auswertung von Gutachten und Prüfungsberichten; Mitwirkung bei
Raumprogrammen für zweckmäßige Organisation und gute Arbeitsbedingungen; allgemeine
Regelungen des Vordruckwesens (Entwurf von Vordrucken und Stempeln in organisatorischer
Hinsicht); Erstellung und Fortschreibung der Organisationspläne (Aufgaben-, Verwaltungs-,
Dezernatsgliederung, Arbeitsverteilung); Vorschlagswesen; Maßnahmen zur
Verwaltungsmodernisierung; Herausgabe der innerdienstlichen Mitteilungen
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.2
IT-Betreuung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.2.1
IT-Betreuung der Mitarbeiter
Unterstützung der Mitarbeiter in den Organisationseinheiten im Hinblick auf die Fachanwendungen
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.3
Datenschutz und
Informationssicherheitsbeauftragung
Organisation des Datenschutzes; Unterstützung und Beratung der Fachämter; Führen einer
Übersicht über die Dateien mit personenbezogenen Daten; Zusammenstellen und Weiterleiten der
zu den Registern des Landesbeauftragten / Bundesbeauftragten für Datenschutz anzumeldenden
Daten; Vorbereiten der Veröffentlichung über die in der Verwaltung gespeicherten Daten;
Bearbeitung von Stellungnahmen zu Datenschutzverletzungen; Durchführung von Schulungen zur
Daten und Informationssicherheit;
Prüfung der administrativen Verfahren auf Informationssicherheit
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.4
Arbeitsschutz/ Arbeitsmedizin
Federführung bei der Auswertung von Berichten und Vorschlägen des betriebsärztlichen und
sicherheitstechnischen Dienstes; Maßnahmen der Arbeitssicherheit
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.5
Beschaffungswesen
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.5.1
Zentrale Beschaffungen / Vergaben
Angelegenheiten des Vergabewesens und Regelung der Lagerhaltung; Festlegen der
Vergabestellen; Regelung der Beziehungen zwischen Bedarfs- und Vergabestellen;
Bedarfsfeststellung für Büroinventar, Arbeitsmittel, Dienst- und Schutzkleidung, Einrichtungen;
Regelungen der Inventarisierung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.6
Fuhrparkmanagement
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.6.2
Fahrzeugpflege
Fahrzeuge reinigen und warten
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.6.3
Persönlicher Fahrdienst
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.9
Zentrale Postbearbeitung
2
Interner Service
20
Zentrale Dienste
20.10
Kopier- und Bindearbeiten
2
Interner Service
21
Personal
21.1
Personalangelegenheiten
2
Interner Service
21
Personal
21.1.1
Personalwirtschaftliche Grundsatzfragen
Überlegungen zur Personalpolitik: Personalstruktur, Arbeitsmarktsituation, Personalentwicklung,
Beurteilungswesen, Federführung bei der Personalbedarfsplanung (Überlegungen zum
Personalbedarf unter Berücksichtigung der Aufgabenentwicklung, der Entwicklung des
Technikeinsatzes und des Personalbestandes); Grundsätze der Personalführung (Überlegungen
zur Auswahl der Mitarbeiter, Einführung in den Arbeitsplatz, dienstliche Beurteilung, Zeugnisse,
Beförderung, Zusammenarbeit); allgemeine Zusammenarbeit mit der Personalvertretung;
Zusammenarbeit mit den Tarifpartnern; Personalkostenplanung
2
Interner Service
21
Personal
21.1.2
Personalbeschaffung
Überlegungen zur Deckung des Personalbedarfs durch Mitarbeiter der eigenen Verwaltung oder
aus dem Arbeitsmarkt; Maßnahmen zur Gewinnung von Nachwuchskräften; Personal auswählen
(Bewerbungsunterlagen prüfen, Einstellungsverhandlungen, Vorstellungsgespräche);
20
Zentrale Dienste
Zentrale Dienste
Betreuung der Rezeption; Fernsprechvermittlung; Telefaxdienst; Vervielfältigungen größeren
Umfangs (Drucke und Fotokopien)
20
Zentrale Dienste
Verwaltung der Dienstfahrzeuge
20.7
Botendienst, Kurierfahrten
Rezeption
20
2
Zentrale Dienste
20.5.2
2
2
2
Interner Service
20.5.3
Feststellung des Bedarfs an Dienstfahrzeugen und beamteneigenen Fahrzeugen; Zulassung von
privaten Fahrzeugen für dienstliche Zwecke; Beschaffung und Zuteilung von Dienstfahrzeugen für
die Verwaltung; Betreuung der Dienst-Pkw; Sicherstellung der Betriebsfähigkeit von
Dienstfahrzeugen (TÜV etc.)
Interner Service
Interner Service
20
20
20.6.1