Handbuch zur Altlastenbehandlung
Teil 3
Gefährdungsabschätzung, Pfad und Schutzgut
Grundwasser
Bearbeiter: Landesamt für Umwelt und Geologie
Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landesentwicklung
ANLAGENVERZEICHNIS
Anlage 1
Bewertungsformblatt Schutzgut Grundwasser
Anlage 2
Bewertungsblatt KONTA
Anlage 3
Tabellen zur r
o
- und m-Wertbestimmung
3.1
Tabelle 1: Stoffgefährlichkeit für Abfälle, mit Abfalldefinitionen
3.2
Tabelle 2: Stoffgefährlichkeit für Branchen
3.3
Tabelle 3: Stoffgefährlichkeit für chemische Stoffe und Stoffgruppen
3.4
Tabelle 4: Schadstoffaustrag m
I
Tabelle 5:
Schadstoffeintrag m
II
Tabelle 5a:
GGK bei Lockergesteins-GW-Leitern
Tabelle 5b/1:
GGK bei Festgesteins-GW-Leitern
3.5
Tabelle 5b/2:
Bewertung der Durchlässigkeit einer hängenden
Gesteinshülle bei Festgesteins-GW-Leitern
3.6
Tabelle 6: Schadstofftransport und –wirkung m
III
3.7
Tabelle 7: Bedeutung de Grundwassers m
IV
3.8
Tabelle 8: Prüf- und Maßnahmenwerte für Grundwasser und Eluate
Anlage 4
Standorttypenblätter zur Beurteilung der Schadstoffrückhaltung bei
hydrogeologischen Standorttypen im Locker- und Festgestein
Anlage 5
Umrechnung der Grundwassergeschütztheitsklassen A, B, C, in 1 bis 5
Anlage 6
6.1
Erfassungsblätter für Proben- und Analysendaten
6.2
Schlüsselverzeichnis zur Erfassung von Proben- und Analysendaten
Anlage 7
Anwenderhandbuch des Programmes GEFA mit Programmdiskette
(gesonderte Broschüre)
Anlage 8
Weitergehende Datendokumentation

1. PRÄAMBEL
Die Behandlung von Altlasten stellt ein komplexes Problem dar, das insbesondere wegen
seiner Bedeutung für das Grundwasser schnell und konsequent angegangen werden muß.
Die z.T. sehr aufwendigen und verschiedenartigen Untersuchungen sowie die große Anzahl
zu bearbeitender Objekte erfordern dringend die Erarbeitung methodischer Konzepte. Dabei
ist zu berücksichtigen, daß
die Erfassung von Altlasten landesweit möglichst einheitlich und flächendeckend
erfolgen sollte,
jeder Einzelfall aber einer besonderen Untersuchung bedarf (objektbezogene
Erkundung und Bewertung).
Dem Rechnung tragend, wurde im Rahmen von 1988 durchgeführten Arbeiten des
damaligen Zentrums für Umweltgestaltung zur Erfassung von Altlasten in der DDR der
Entwurf einer Methodik zur (Erst-) Bewertung der Gefährdung des Grundwassers infolge
Altlasten durch das damalige Institut für Wasserwirtschaft Berlin konzipiert[1]. Im Zeitraum
1989-90 wurde dieser Entwurf sowohl im Institut für Wasserwirtschaft als auch in der
Wasserwirtschaftsdirektion Obere Elbe-Neise getestet und als geeignet für die praktischen
Arbeiten zur Altlastenbewertung befunden. Gestützt auf die bisherigen praktischen
Erfahrungen wurde der Entwurf überarbeitet, in einigen Punkten ergänzt und im November
1990 in einer 1. Fassung veröffentlicht (Altlastenprogramm des Landes Sachsen,
Objektbezogene Altlastenuntersuchung, Teil 1: Grundlagen und Empfehlungen zur
Erfassung, Untersuchung und Bewertung von Altlasten im Schadstoffpfad Grundwasser). Die
seitdem gewonnen Erkenntnisse machten nun eine gründliche Überarbeitung dieser 1.
Fassung erforderlich, die hier als Teil 3 des Handbuches zur Altlastenbehandlung in
Sachsen vorliegt. Das diese Methodik zugrunde liegende Bewertungsverfahren wurde im
wesentlichen dem ALTLASTENHANDBUCH der Landesanstalt für Umweltschutz Karlsruhe,
herausgegeben vom Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg [2] entnommen. Der
vorliegende Teil 3 des Handbuches zur Altlastenbehandlung in Sachsen stellt somit, eine
fortgeschriebene Version des Teiles >>Grundwasser<< im Baden-Württemberger
Altlastenhandbuch dar.

2. BEGRIFFSBESTIMMUNG
ALTLASTENVERDACHTSGEFÄLLE
Altablagerungen und Altstandorte, soweit die Besorgnis besteht, daß von ihnen eine Gefahr
für die menschliche Gesundheit, öffentliche Sicherheit und Ordnung oder die Umwelt
ausgeht oder künftig ausgehen kann und/oder die Besorgnis besteht, daß die Funktionen der
Schutzgüter Boden, Wasser und Luft als Naturkörper oder als Lebensgrundlage für
Menschen, Tiere und Pflanzen erheblich beeinträchtigt werden
ALTABLAGERUNGEN
Verlassene und stillgelegte Ablagerungsplätze mit kommunalen, industriellen und
gewerblichen Abfällen, stillgelegte Aufhaldungen und Verfüllungen mit Bauschutt,
Bergematerial und Produktionsrückständen sowie ungenehmigte (»wilde«) Ablagerungen
jeglicher Art aus der Vergangenheit.
ALTSTANDORTE
Altstandorte sind:
1. Betriebsflächen oder Grundstücke, auf denen sich stillgelegte Anlagen befinden oder
befunden haben, in denen mit Stoffen umgegangen worden ist, die geeignet sind, nachhaltig
Boden, Wasser (oder Luft) zu verändern (umweltgefährdende Stoffe). Ausgenommen ist der
Umgang mit Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des
Atomgesetzes.
2. Betriebsflächen oder Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen
umgegangen worden ist; ausgenommen sind der Umgang mit Kernbrennstoffen und
sonstigen radioaktiven Stoffen im Sinne des Atomgesetzes, das Aufbringen von Abwasser,
Klärschlamm, Fäkalien oder ähnlichen Stoffen und von festen Stoffen, die aus oberirdischen
Gewässern entnommen worden sind sowie das Aufbringen und Anwenden von
Pflanzenbehandlungs- und Düngemitteln.
3. Betriebsflächen oder Grundstücke, auf denen sich nicht mehr verwendete Leitungs- und
Kanalsysteme befinden.
ALTLASTEN
Altablagerungen und/oder Altstandorte, sofern von diesen eine Gefahr für die öffentliche
Sicherheit oder Ordnung ausgeht, d.h. Gefährdungen für die menschliche Gesundheit bzw.
für die Schutzgüter Boden, Wasser und Luft bestehen.
PRÜFWERT
Schadstoffkonzentration im Umweltmedium, deren Überschreitung weitere Untersuchungen
erfordert und bei deren Unterschreitung im allgemeinen der Gefahrenverdacht als
ausgeräumt gilt.

MASSNAHMENWERT (MASSNAHMENSCHWELLENWERT,
SANIERUNGSSCHWELLENWERT)
Schadstoffkonzentration im Umweltmedium, bei deren Überschreitung unter
Berücksichtigung der jeweiligen Nutzung in der Regel von einer Altlast auszugehen ist und
Maßnahmen (z. B. abschließende Gefährdungsabschätzung, Vorbereitung und
Durchführung einer Gefahrenabwehr) erforderlich werden.
Prüf- und Maßnahmenwerte sind Orientierungswerte zur Gefährdungsabschätzung und
Beurteilung des weiteren Handlungsbedarfes bei Altlasten ohne rechtliche Verbindlichkeit.

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3. STUFENPROGRAMM DER
ALTLASTENBEHANDLUNG IN SACHSEN
Das schrittweise Vorgehen bei der Altlastenbehandlung in Sachsen wird durch das
Stufenprogramm gemäß Abbildung 1 verdeutlicht [siehe auch 3]
Abb. 1: Stufenprogramm der Altlastenbearbeitung in Sachsen

Der vorliegende Bewertungsteil realisiert zunächst eine Bewertung auf der Stufe der
historischen Erkundung (BN 1) und auf der Stufe der orientierenden Erkundung (BN 2).
Diese formalisierte Bewertung wird auf der Stufe der Detailerkundung (BN 3) durch den
direkten Vergleich der gemessenen bzw. errechneten Schadstoffkonzentrationen mit
Hintergrund-, Prüf- und Maßnahmenwerten ersetzt. Nach der Ersterfassung [4] erfolgt die
historische Erkundung.
HISTORISCHE ERKUNDUNG
Die historische Erkundung hat das Ziel, über eine bekannte gefahrverdächtige Fläche
(Altablagerung oder Altstandort) alle verfügbaren Informationen, die über die vorliegenden
Verhältnisse und insbesondere die historische Entwicklung Aufschluß geben können,
möglichst umfassend zusammenzutragen, ohne technische Erkundungsmaßnahmen
anzuwenden. Das bedeutet neben dem Studium von Akten, Unterlagen und Karten (Quellen
siehe Teil 1 Handbuch) auch Personenbefragungen und eine Standortbegehung (siehe [3]
und Band 3 der Materialien zur Altlastenbehandlung »Historische Erkundung von Altlasten«).
Neben allgemeinen Angaben zum Standort und zur Lage sind insbesondere folgende
Informationen notwendig:
1. Informationen zu abgelagerten Stoffen (Abfallarten) wie:
Zeitraum der Ablagerung
Stoffarten und -mengen,
Stoffeigenschaften,
Einbau und Lagerung,
Hüllmaterialien, Verpackung
2. Informationen über Sicherheits- und Entsorgungseinrichtungen am Standort (gilt
insbesondere für Altablagerungen) wie:
Sohlabdichtung,
Abdeckung,
Sickerwassersammlung,
Niederschlagswasserableitung.
3. Informationen zu Stoffen, mit denen am Altstandort umgegangen wurde:
relevante Branchen
Zeitraum der Produktion
Technologie
entsprechend der Technologie verwendete Schadstoffe
mögliche Schadstoffherde
Kontaminationsfläche
Produktionsmengen.
4. Informationen über örtliche Verhältnisse je nach Schutzgut:
Niederschlagsverhältnisse
Windverhältnisse

Grundwasserstände bzw. Flurabstände
Grundwasserfließgeschwindigkeit (Abstandsgeschwindigkeit)
Grundwasserfließrichtung
hydrogeologischer Standorttyp
geologisches Profil
vorhandene Meßstellen und -einrichtungen
vorhandene Untersuchungsergebnisse zur Kontamination.
5. Informationen über Nutzungen der jeweiligen Schutzgüter Grundwasser, Boden, Luft,
Oberflächenwasser und deren mögliche Beeinträchtigungen durch die Altlast(en) wie:
Trinkwasserschutzgebiete
Brunnen
6. Kartenmaterial mit Aussagen zu:
Lage der Altlast
Grundwasserfließrichtung
Trinkwasserschutzgebiete
Brunnen
Meßpunkte, wenn vorhanden
7. Analyseplanvorschlag:
Parameter
Meßstelle
Eine historische Erkundung ist stets für alle Schadstoffpfade (Grundwasser,
Oberflächenwasser, Boden und Luft) durchzuführen. Soweit entsprechende methodische
Grundlagen derzeit nicht vorliegen, ist die Methodik von Baden-Württemberg [2] zu
verwenden. Bei Altlasten, die bereits technisch erkundet werden, sind die historischen Daten
ggf. nachzuerheben. Außerdem kann auch bei Standorten, die bereits historisch erkundet
wurden, im Rahmen der weiteren Bearbeitung eine wiederholte intensive Befassung mit dem
historischen Material erforderlich werden.
ORIENTIERENDE ERKUNDUNG
Die orientierende Erkundung hat das Ziel, fundierte Kenntnisse über die Art sowie einen
Überblick über den Umfang des Gefährdungspotentials und das räumliche Ausmaß der
Kontamination in der Altlast und im hier bewerteten Schutzgut Grundwasser zu erlangen. Die
orientierende Erkundung ist in sich abgestuft durchzuführen. Dabei ist von wenig
aufwendigen Untersuchungen soweit möglich an bestehenden oder mit beschränktem
technischen Aufwand herstellbaren Meßstellen und von einfachen technischen Methoden
auszugehen. Soweit erforderlich sind unter Berücksichtigung der dabei gewonnenen
Erkenntnisse zusätzliche Meßstellen einzurichten.
Bei der Abschätzung der Bewertung des Schutzgutes Grundwasser werden hauptsächlich
folgende Erkundungsmethoden angewandt:
Hydrogeologische Erkundungsmethoden, insbesondere Bestimmungen von
Grundwasserfließrichtung und -geschwindigkeit

Einrichtung von Meßstellen im Oberstrom und Abstrom der Altlast
Chemisch-physikalische Untersuchungen (Summen- bzw. Gruppenparameter) für
Grundwasser, Sickerwasser und Eluate. Für die Bestimmung der Eluierbarkeit wird
derzeit das Verfahren nach DIN 38 414-S4 angewendet.
Nach der Bewertung auf BN 2 folgt bei Handlungsbedarf E 2-3 die Detailerkundung. [3]
DETAILERKUNUNG
Die Detailerkundung hat das Ziel, umfassende Kenntnisse über Art und räumliches Ausmaß
der Schadstoffbelastung am Schadherd und in den betroffenen Schutzgütern sowie die
expositions- und emissionsrelevanten Verhältnisse des Standortes zu erlangen. Im Ergebnis
der Detailerkundung ist zu entscheiden, ob eine Altlast saniert werden muß. Fällt die
Entscheidung für eine Sanierung, so muß eine Sanierungsuntersuchung stattfinden.
SANIERUNGSUNTERSUCHUNG
Die Sanierungsuntersuchung stellt einen Variantenvergleich der verschiedenen möglichen
Verfahren und Maßnahmen zur Erreichung des Sanierungszieles dar, mit Aussagen über die
Effektivität, Zuverlässigkeit, Kosten und Zeitdauer der Sanierung. Im Ergebnis steht der
Vorschlag für eine Sanierungsvariante mit einer Grobkonzeption. Diese Grobkonzeption wird
im Schritt der Sanierung detailliert und umgesetzt.

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4. BEWERTUNGSVERFAHREN
4.1. BEWERTUNGSGRUNDLAGEN UND
RANDBEDINGUNGEN
Eine Altlast kann grundsätzlich Stoffe enthalten die das Grundwasser gefährden. Diese
Stoffe können ihre nachteilige Wirkung auf das Grundwasser nur dann entfalten wenn sie mit
diesem tatsächlich in Berührung kommen. Bei der Beurteilung einer solchen
Grundwassergefährdung sind neben der Gefährlichkeit der in der Altlast vorhandenen Stoffe
folgende Prozesse der Emission, Immission und Transmission der Schadstoffe zu
unterscheiden und zu berücksichtigen (s.a. Abb. 2):
Abb. 2: Schematische Darstellung von Schadstoffaustrag (I); -eintrag (II) und
Schadstofftransport (III)
4.2. VERFAHRENSABLAUF
Ausgehend von der Gefährlichkeit der Substanzen in der Altlast (= Ausgangsrisiko) wird in
drei aufeinanderfolgenden Verfahrensschritten abgeschätzt, ob die am jeweiligen Standort
vorhandenen örtlichen Gegebenheiten gefährdungsmindernd bzw. -erhöhend bezüglich einer
Gefährdung des Schutzgutes Grundwasser sind.
Folgende Begriffe und Symbole wurden eingeführt (nach [2] verändert):
r
0
= Ausgangsrisiko infolge Stoffgefährlichkeit
r
I
= tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des zu erwartenden Schadstoffaustrages aus der
Altlast
r
II
= tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des zu erwartenden Schadstoffeintrages in das
Grundwasser
r
III
= tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des zu erwartenden Schadstofftransportes im
und der Schadstoffwirkung auf das Grundwasser
r
IV
= gewichtetes Gefahrenrisiko unter Beachtung der Bedeutung des Schutzgutes
»Grundwasser« im Betrachtungsraum (oft identisch mit dem maßgebenden Risiko R)

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R = für die Ableitung des Handlungsbedarfes maßgebendes Gefahrenrisiko
MULTIPLIKATOREN (m-WERTE)
m
I
= Multiplikator zur Bewertung des Stoffaustrages aus der Altlast
m
II
= Multiplikator zur Bewertung des Stoffeintrages in das Grundwasser
m
III
= Multiplikator zur Bewertung des Stofftransportes im Grundwasserleiter
m
IV
= Multiplikator zur Einschätzung der Bedeutung der Grundwasserressource
Die Risikowerte r
I
bis r
II
, bzw. r
IV
ergeben sich aus nachstehendem Multiplikationsablauf:
r
I
= m
I
. r
0
r
II
= m
II
. r
I
r
III
= m
III
. r
II
Der ermittelte r
III
-Wert entspricht der tatsächlichen Gefährdung des Grundwassers durch die
Altlast. Dieser Wert wird nun entsprechend der Bedeutung des Grundwassers im Territorium
gewichtet:
1. r
IV
= m
IV
. r
III
Somit wird das gewichtete Gefahrenrisiko r
IV
erhalten. Dieses gewichtete Gefahrenrisiko
kann ein Wert sein, aber auch ein Bereich. Ein Bereich entsteht wenn Einflußfaktoren nicht
abgeschätzt werden können, also unbekannt sind und mit dem »günstigsten«
(Minimalbewertung) und dem »ungünstigsten« Fall (Maximalbewertung) weitergerechnet
wird. Das entspricht dem Vorgehen bei der formalen Erstbewertung. (Datenqualität siehe
auch 5.5) Aus dem gewichteten Risiko wird das maßgebende Risiko R abgeleitet (siehe
5.6).Um zum Handlungsbedarf zu kommen ist es notwendig das Beweisniveau entsprechend
dem Stufenprogramm der Altlastenbehandlung zu charakterisieren. Das Beweisniveau ist
Ausdruck für den derzeitig vorhandenen Kenntnisstand über die zu bewertende Altlast.
Durch Kombinationen des maßgebenden Risikos (R) mit dem gegebenen Beweisniveau läßt
sich auf einfache Weise über eine Matrix der Handlungsbedarf ableiten (s. Abb. 3).
Abb. 3: Handlungsmatrix

SYMBOLBEDEUTUNG:
A = Ausscheiden aus der Altlastenverdachtsfalldatei
E =
Erkundung
B = Belassen in der Altlastenverdachtsfalldatei
E
l-2
=
Orientierende Erkundung
C = Altlastenüberwachung (Fachtechnische Kontrolle)
E
2-3
=
Detailerkundung
E
3-4
=
Sanierungsuntersuchung

5. BEWERTUNGSABLAUF
5.1. BEWERTUNGSFORMBLATT SCHUTZGUT
GRUNDWASSER
Als Grundlage für die Bewertung dient das ausgefüllte Bewertungsformblatt Schutzgut
Grundwasser (Anl. 1). Der Kopf des Formblattes enthält die Falldaten entsprechend des
Altlastenkatasters, die Angabe des zutreffenden Beweisniveaus (1 - Historische Erkundung,
2 - Orientierende Erkundung) sowie die Firma, die die Bewertung durchgeführt hat, das
Datum und den Standort der Dokumentation.
In der Auswertung der bewertungsrelevanten Sachverhalte schließt sich die stufenweise
Ermittlung des r
0
-, r
I
-, r
II
-, r
III
-, r
IV
- und R-Wertes an.
5.2. ERMITTLUNG DER STOFFGEFÄHRLICHKEIT (r
O
)
Ausgangspunkt der Bewertung von Altlastenverdachtsfällen ist die Abschätzung der
Gefährlichkeit des Schadstoffes im Abfall- und/oder Bodenmaterial. Die pfadunabhängige
Stoffgefährlichkeit r
O
bezieht sich auf die Gesundheitsgefährdung des Menschen, wobei
diese Daten in der Regel an Säugetieren gewonnen wurden, und auf die Anreicherung der
Schadstoffe im Organismus und setzt sich zusammen aus:
akute Toxizität
chronische Toxizität
Karzinogenität
Teratogenität
Mutagenität
Bioakkumulierbarkeit
Die Einordnung der r
O
-Werte erfolgt im Bereich 0 (ungefährlich) bis 6 (hochgefährlich) und
kann in extremen Fällen (z. B. Kampfstoffe) die 6 übersteigen. Eine erste grobe
Bewertungsübersicht stellt Abbildung 4 dar.

image
Abb. 4: r
0
-Wertebereiche Aushub- und Abfallmaterial
Bei Prüfung der Deponierbarkeit von Stoffen bzw. Abfallarten muß zwangsläufig über deren
Gefährlichkeit gegenüber Boden und Grundwasser, aber auch gegenüber
Oberflächengewässern und Luft, befunden werden. Dabei ist zwischen der Ablagerung des
entsprechenden Materials in einer nach den Regeln der Technik errichteten und betriebenen
Hausmülldeponie und der in einer Sondermülldeponie zu entscheiden.
Da Altlasten im weitesten Sinn nichts anderes sind als »Ablagerungen« von (Schad-)Stoffen,
kann deren Gefährlichkeit (in einem ersten Schritt) ganz analog eingeschätzt werden (s. Abb.
4). Bewertet man das schadstoffbelastete Boden- bzw. Abfallmaterial jedoch so, als ob es in
einer Hausmülldeponie lagern würde, läßt sich beurteilen:
ob der Stoff für eine Deponie zu gefährlich ist,
ob dieser Stoff unter technischer Kontrolle gelagert werden kann,
ob diese Kontrolle nicht nötig ist bzw.
ob dieser Stoff ganz ungefährlich ist.
Der Handlungsbedarf ergibt sich gemäß Abb. 3.
Auf der Grundlage dieses Bewertungsansatzes ist es nunmehr möglich, die Gefährlichkeit
verschiedener
Stoffe zu vergleichen und unter einheitlichen Gesichtspunkten einen Handlungsbedarf
abzuleiten. Folgende Faktoren sind für die Stoffgefährlichkeit von Bedeutung:
- ABFALLART (BEI ALTABLAGERUNG)
Auf der Stufe der Historischen Erkundung sind überwiegend Abfallarten und
branchenbedingte Schadstoffgemische bekannt, aber noch keine Einzelschadstoffe
nachgewiesen. Zur Abschätzung der Stoffgefährlichkeit auf diesem Niveau enthält
Tabelle 1, Anlage 3.1 r
O
-Werte bzw. -Wertebereiche für Abfallarten, die den
Arbeiten [5] und [6] entsprechen. Der Tabelle sind die Definitionen der Abfallarten

nach [7], [8] und [9] angefügt, wobei der Begriff »Sonderabfall« sinngemäß
abgeleitet wurde. Betriebe der Umgebung, die möglicherweise abgelagert haben,
sind bei der Abschätzung des Schadstoffinventars einzubeziehen.
- BRANCHE (BEI ALTSTANDORT)
Für Altstandorte enthält die Tabelle 2, Anlage 3.2 das für die Formale
Erstbewertung benutzte Branchen-Schlüsselverzeichnis mit den zugehörigen r
O
-
Wertbereichen. Der konkrete Wert ergibt sich aus dem jeweils vorhandenen
Schadstoffspektrum als Wert des Schadstoffes mit der höchsten Gefährlichkeit.
Das Schadstoffspektrum hängt von den jeweiligen am Standort vorhandenen
technologischen Verfahrensschritten der Branche ab. Durch den Nutzer r
O
-Wert im
Programm GEFA (siehe Punkt 8.1) kann der Branchenbereich spezifiziert werden.
- KONKRETE SCHADSTOFFE
Mit der fortschreitenden Technischen Erkundung wächst die gesicherte Kenntnis
über spezielle Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen in der Altlast. Für anorganische
Stoffe werden, aus der Wasser bzw. Eluatanalytik bedingt, überwiegend Ionen
bestimmt, während die organischen Stoffe als Molekül erfaßt werden. Tabelle 3,
Anlage 3.3 enthält die r
O
-Werte für die wichtigsten altlastenrelevanten chemischen
Stoffe und Stoffgruppen, soweit sie in den Arbeiten von [6], [10] und [11] vorliegen;
an einer Ergänzung dieser Parameter wird gearbeitet. Für eine Stoffgruppe wurde
der jeweils höchste Wert der in ihr enthaltenen Einzelstoffe gewählt. Konkrete
Schadstoffe müssen nur bewertet werden (nach Tab. 3), wenn sie nach Art oder
Menge nicht typisch sind für die vorher gewählte Branche (bzw. die gewählte
Abfallart) und ein größeres r
O
ergeben.
Wurden in einer Altlast mehrere Schadstoffe bzw. Schadstoffgruppen nachgewiesen, so ist
die Gefährdungsabschätzung in der Regel mit dem höchsten r
O
-Wert vorzunehmen. Es ist
jedoch auch möglich, daß niedrige r
O
-Werte durch höhere m-Faktoren zu höheren R-Werten
führen, beim Schadstoffpfad Grundwasser z. B. durch unterschiedliche Löslichkeiten (siehe
5.3 Löslichkeit). In diesen Fällen ist zur sicheren Errechnung des höchsten maßgeblichen
Risikos von mehreren r
O
-Werten auszugehen. Einflußfaktoren mit • werden nicht bewertet.
- TECHNOLOGIE*
Bei Altstandorten ergeben sich aus bestimmten Technologien bestimmte Verfahrensschritte
und mögliche Schadstoffe.
- SCHADSTOFFHERDE*
Aus der Technologie kann man mögliche Schadstoffherde lokalisieren. Die
angebotene Auswahl an Schadstoffherden dient dann der Analyseplanerstellung
und der Abschätzung der Kontaminationsfläche.
- ABLAGERUNGS- BZW. PRODUKTIONSBEGINN UND –ENDE*
Die Zeitdauer und der Zeitabstand erlauben eine Abschätzung der Relevanz von
Schadstoffen und von Umsetzungsprozessen und können für die Bestimmung von
r
o
herangezogen werden.
- GEMElNDEGRÖßE BZW. BESCHÄFTIGTENZAHL*
sind zusätzliche Informationen Anhand der Gemeindegröße kann auf die Mengen
von Hausmüll geschlossen werden.

5.3. BERÜCKSICHTIGUNG DER ÖRTLICHEN
VERHÄLTNISSE (m
I
bis m
III
)
Die Stoffgefährlichkeit r
O
wird in den folgenden drei Verfahrensschritten
(Multiplikatorenberechnung m
I
, m
II
, m
III
) an die örtlichen Verhältnisse angepaßt unter
Beachtung der für den GW-Pfad maßgebenden physikalischen Schadstoffeigenschaften.
VERFAHRENSSCHRITT l:
Bewertung der Möglichkeiten des Schadstoffaustrages aus der Altlast (Kurzbezeichnung:
Austrag)
VERFAHRENSSCHRITT ll:
Bewertung der Wahrscheinlichkeit, mit der Schadstoffe das Grundwasser erreichen
(Kurzbezeichnung: Eintrag)
VERFAHRENSSCHRITT lll:
Bewertung von Transport bzw. Migration und Wirkung im Grundwasser (Kurzbezeichnung:
Transport/Wirkung)
Stoffaustrag, -eintrag, -transport und -wirkung werden dabei nicht in absoluten Größen
angegeben. Vielmehr werden die tatsächlichen örtlichen Verhältnisse des Einzelfalls mit
einer »standardisierten Situation« verglichen. Es wird dabei abgeschätzt, ob sich die
gegebenen Verhältnisse gegenüber dem Vergleichszustand gefahrenvermindernd oder -
erhöhend auswirken.
Bei jedem Verfahrensschritt führt ein entscheidender Einflußfaktor zu einem Grund-m-Wert.
Das sind folgende Faktoren:
m
I
= Lage zum Grundwasser
m
ll
= Grundwassergeschütztheitsklasse (GGK)
m
III
= Abstandsgeschwindigkeit
m
IV
= GW-Nutzungskriterien bei BN1 oder Meßwerte bei BN2
Die anderen Einflußfaktoren werden als Zu- bzw. Abschläge gewertet.
VERFAHRENSSCHRITT I
(Ermittlung des m
I
-Wertes)
Der Schadstoffaustrag erfolgt meist über das Transportmittel Wasser, solange es sich nicht
um flüssige, nichtwäßrige Abfälle handelt, die in Phase austreten. Zu- und
Austrittsmöglichkeiten von Wasser sind daher in erster Linie ausschlaggebend für die Höhe
des Schadstoffaustrages. Die Vergleichslage für Altablagerungen wurde in Anlehnung an die
technischen Regelungen zur Errichtung einer Deponie für Siedlungsabfälle definiert (m
l
=
1,0). Im Normalfall (Lage im ungesättigten Bereich, keine Sohlabdichtung, keine
Sohlentwässerung) ergibt sich für eine Altablagerung mit den ersten drei Einflußfaktoren eine
Bewertung von m
I
= 1,2. Dieser Wert wird als vergleichbarer Wert für einen Altstandort
angesetzt, und zwar mit dem ersten Einflußfaktor, da Sohlabdichtung und -entwässerung
entfällt. In Tabelle 4 der Anlage 3 erfolgte eine Zusammenstellung der bewertungsrelevanten

Einflußfaktoren. Um eine rechnermäßige Auswertung zu ermöglichen, sollten die
angebotenen Möglichkeiten angegeben werden. Insgesamt sind für den Schadstoffaustrag in
Richtung Grundwasser folgende, die Situation kennzeichnende Faktoren von Bedeutung:
Einflußfaktoren mit * werden nicht bewertet.
Lage zum Grundwasser
Entscheidend hierbei ist, ob die Sohle der Altablagerung bzw. der tiefste bekannte
Schadstoffpunkt des Altstandortes
a) im ungesättigten Bereich über dem GW-Leiter
b) im Grundwasserwechselbereich
c) im Grundwasser
liegt.
Bei einem Altstandort wird bei a) ein Standardwert von 1,2 gesetzt. Damit ist der Grund-m
I
-
Wert festgelegt.
Sohlabdichtung
Wenn eine künstliche Sohlabdichtung bei einer Altablagerung vorhanden ist, die
bestimmten hohen Anforderungen entspricht, dann gibt es einen Abschlag. Sind
auch die Bedingungen der Vergleichslage nicht erfüllt, was meistens der Fall ist,
gibt es einen Zuschlag.
Sohlentwässerung
Ist keine Sohlentwässerung vorhanden, so gibt es einen Zuschlag.
Oberflächenabdeckung
Ist keine wirksame Oberflächenabdeckung (= Schutz vor Windverwehungen)
vorhanden, so gibt es einen Zuschlag.
Oberflächenabdichtung
Ist eine wirksame Oberflächenabdichtung (= Schutz vor Niederschlagswasser in
Form z. B. von Folien bei Ablagerungen oder Versiegelung/Bebauung bei
Altstandorten) vorhanden, so gibt es einen Abschlag. Ist z.B. ein
Produktionsgebäude verfallen, muß die Frage nach der Oberflächenabdichtung
mit nein beantwortet werden, weil mit einem intensiven Auswaschen von
Schadstoffen zu rechnen ist.
Oberflächenwasserableitung
Bei einer steilen Oberflächengestaltung fließt das Niederschlagswasser ab, ohne
den Schadstoffherd auszuwaschen.
Wasserzutritte
Gibt es Wasserzutritte, außer Niederschlagswasser, so wird ml erhöht.
Niederschlag
Art der Einlagerung
Sind die abgelagerten Stoffe geschützt durch Hüllen z. B. in Form von Fässern,
Tanks o. ä., so könnten Abschläge bis -0,2 nach eigenem Ermessen gegeben
werden. Zuschläge sind bis + 0,2 möglich.
Volumen und mittlere/maximale Mächtigkeit* der Altablagerung
Nur das Volumen wird bewertet.
Kontaminationsfläche und Produktionsmenge* über alle Produktionsjahre bei
Altstandorten
Bewertet wird nur die Kontaminationsfläche als Gesamtheit der Flächen, die eine
große Wahrscheinlichkeit der Kontamination in sich bergen (siehe auch mögliche

Schadstoffherde -r
O
). Ist kein Abschätzen möglich (z. B. aufgrund von sehr vielen
verschiedenen, nicht georteten Nutzungen) kann die Betriebsfläche angesetzt
werden. Aus der Produktionsmenge läßt sich die Menge an Schadstoffen
abschätzen, mit denen umgegangen wurde. Man rechnet mit 1/1000 der
umgegangenen Menge an Schadstoffen im Boden. Die Produktionsmenge wird
aufgrund der meist dürftigen Datenlage nicht bewertet.
Lagebeschreibung*
Handelt es sich um eine Talverfüllung, Grubenverfüllung, Gewässerverfüllung,
Aufhaldung, Tagebaurestlochverfüllung, Berganlehnung, oder um eine
Kombination dieser Möglichkeiten.
Löslichkeit
Entscheidend für eine Ausbreitung Richtung Grundwasser ist die Löslichkeit und
der Aggregatzustand. Hat sich ein Schadstoff als relevant herausgestellt, ist die
Bewertung mit dessen Löslichkeit vorzunehmen. Feste Schadstoffe, die nahezu
unlöslich sind, stellen nur eine sehr geringe Gefahr für das GW dar. Sie werden
durch die geologischen Barrieren weitgehend zurückgehalten. Damit erfolgt in der
Bewertung ein hoher Abschlag.
Problematischer ist die Bewertung bei Schadstoffgruppen. Handelt es sich um
definierte Schadstoffgruppen, ist der relevanteste Schadstoff für das GW zu
ermitteln. Unter dem relevantesten Schadstoff soll der verstanden werden, der
zum größten r
IV
-Wert führt. In der Regel ist das der Schadstoff, dessen Produkt
aus [r
O
{1 -
m
Löslichkeit
} m
IV
Analyse] = maximal ist. Damit bestimmen die
Stoffgefährlichkeit, die Mobilität auf dem GW-Pfad [Löslichkeit] und die
Konzentration den relevantesten Schadstoff für den GW-Pfad. Eventuell muß
man mit mehreren Schadstoffen die Bewertung durchführen.
Handelt es sich um relativ undefinierte Schadstoffgruppen wie z. B. bei
Ablagerungen, ist davon auszugehen, daß auch gut lösliche Schadstoffe
enthalten sind und damit kein Abschlag gegeben werden kann.
Hier spielt die Frage des Beweisniveaus eine entscheidende Rolle.
Flüchtigkeit*
Es erfolgt eine Einteilung in leichtflüchtig (>10
2
Pa), mittelflüchtig (< 10
2
-10
0
Pa)
und schwerflüchtig (<10
0
Pa). Hat der Schadstoff einen Dampfdruck von mehr als
1 Pa, so muß das Schutzgut Luft bewertet werden. Bei Altablagerungen ist der
Deponiegasleitfaden [17] heranzuziehen.
Ist der Multiplikator festgelegt, ergibt sich das Gefahrenrisiko r
I
zu:
r
I
= m
I
. r
O
VERFAHRENSSCHRITT ll
(Ermittlung des m
II
-Wertes)
Der Eintrag eines Schadstoffes in das Grundwasser wird durch das Rückhaltevermögen der
ungesättigten Zone, die sogenannte geologische Barriere bestimmt. Eine
Schadstoffrückhaltung ist möglich durch physikalisch-chemische Rückhaltemechanismen
(Filtration), Sorptions- und lonenaustauschprozesse, (Lösungs- und Fällungsprozesse) sowie
biochemische (mikrobielle) Metabolismen bzw. vollständige Abbauprozesse. (MATTHESS
1994, LUCKNER 1986) Für die Quantität der Stoffrückhaltung sind in jedem Fall
standortspezifische Faktoren und Stoffeigenschaften gleichermaßen ausschlaggebend.
Beides muß im Zusammenhang betrachtet werden (z. B. hohe Humus/Tongehalte am
Standort führen erst zu einer Schadstoffsorption, wenn der Schadstoff auch sorbierbar ist).

image
Standortspezifische Faktoren sind:
Aufbau und Homogenität des Untergrundes (Korngrößenverteilung, Porosität,
Wasserdurchlässigkeit)
physikalisch-chemische Eigenschaften des Untergrundes
(Gesteinszusammensetzung, Bodenfeuchte, pH-Wert, Redoxpotential,
lonenaustauschkapazität, Tongehalt, Gehalt an organischer Substanz usw.)
Temperatur
Volumen und Qualität der Bodenluft (CO
2
- und O
2
-Gehalt)
Bodenleben
Stoffspezifische Faktoren sind:
Sorbierbarkeit (Dichte, Viskosität, Lipophilie entspr. n-Octanol/Wasser-
Verteilungskoeffizient, Polarität, Symmetrie und Größe des Moleküls)
Abbaubarkeit (Kettenlänge, Verzweigung etc. ....)
Mobilisierbarkeit (Komplexierbarkeit, Löslichkeitsprodukt, ...)
Die vielfältigen und komplexen Einflüsse auf das Rückhaltevermögen der ungesättigten Zone
können im Bewertungsverfahren nicht im einzelnen berücksichtigt werden. Da jedoch ein
genereller Zusammenhang zwischen der (vertikalen) Wasserdurchlässigkeit der
ungesättigten Zone und deren Rückhaltevermögen besteht, läßt sich die Durchlässigkeit
hilfsweise als pauschales Entscheidungskriterium heranziehen. Dabei nutzt man die
Grundwassergeschütztheitsklassen (GGK). Die Vergleichslage ist mit GGK-3 und minimalem
Abbau oder Sorption definiert. In
Tabelle 5 der Anlage 3
sind die Einflußfaktoren
zusammengestellt, die für die Bewertung praktikabel sind:
Methoden zur Bestimmung der GGK sind:
= Ablesen aus Kartenmaterialien wie hydrogeologisches Kartenwerk HK 50
(grobe Näherung, geeignet vor allem für Lockergestein, Umrechnung der Klassen
A,B,C in 1...5 siehe Anlage 5), GK 25, Berichtskarten usw. (BN1)
= Bestimmen der GGK nach TGL 34334 [12]
= »Konzept zur Ermittlung der Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung« der
Geologischen Landesämter, welches bundesweit einheitlich empfohlen wird.
Dieses unterteilt die Geschütztheit analog der TGL in 5 grobe Klassen, die
entsprechend zu behandeln sind (Einbeziehen von mehr Einflußfaktoren als in
o.g. TGL). Bei Redaktionsschluß war eine Testung zur Gegenüberstellung der
zwei Methodiken noch nicht abgeschlossen.
= weitere hydrogeolog. Methoden (z.B. Auswertung von Hydroisotopendaten oder
von chem. Leitparametern).

In der Anlage 4 sind des weiteren verschiedene hydrogeologische Standorttypen mit
Beispielen für die Festlegung des m
II
-Wertes dargestellt, die genutzt werden können, wenn
die GGK nicht ermittelbar ist. Liegen konkrete Meßwerte für den Standort vor, so sind
selbstverständlich vorrangig diese Angaben zu nutzen (BN 2).
Ton- bzw. Humusgehalt des Bodens (Bewertung in Zusammenhang mit der
Sorbierbarkeit der Schadstoffe)
Sorbierbarkeit (Bewertung nur in Zusammenhang mit Ton- bzw. Humusgehalt)
Der Sorptionskoeffizient SC eines chemischen Stoffes entspricht dem Quotienten
aus den Stoffkonzentrationen in anorganischen und organischen Strukturen von
Böden und Sediment und der diese umgebenden wäßrigen Phase im
Gleichgewichtszustand der Stoffverteilung (bezogen auf einen organischen
Kohlenstoffgehalt von Böden und Sediment von etwa 2%).
Acidität (pH-Wert) des Bodens (Bewertung nur in Zusammenhang mit Art der
vermuteten Schadstoffe)
Die Acidität des Bodens kann mit einfachen Mitteln bestimmt werden. Bei pH-
Werten unter 5 und über 9 kommt es zu einer Mobilisierung von bestimmten
Schadstoffgruppen (siehe Tabelle 5). Dabei sind die vermuteten
Schadstoffgruppen mit einzubeziehen. Die Erhöhung beträgt maximal + 01.
Vorhandensein von Lösungsvermittlern
Die Bewertung erfolgt nur im Zusammenhang mit dem Schadstoff. Beim
Zusammentreffen von Schadstoff und Lösungsvermittler bzw. entsprechend
wirksamen Komplexbildner kommt es zu einer erhöhten Mobilisierung des
Schadstoffes.
Abbau
Ein Abbau erfolgt nur, wenn die Standortbedingungen für einen biologischen oder
chemischen Abbau gegeben sind und der Schadstoff sich abbauen läßt. Aus
biologischer Sicht werden darunter Prozesse in Richtung einer biochemischen
Mineralisation von organischer Substanz zu CO
2
und anderen anorganischen
Verbindungen (H
2
O...) verstanden. Ein ausschließlich chemischer Abbau ist mehr
oder weniger eine Oxidation (und relativ selten unter natürlichen Verhältnissen
anzutreffen).
Hinweise zu Abbau- und Sorptionsmechanismen werden in [13], [14] und [15] gegeben.
Mit der Festlegung des Multiplikators m
II
ergibt sich ein Gefahrenrisiko r
II
zu
r
II
= m
II
. r
II
VERFAHRENSSCHRITT lll
(Ermittlung des m
III
-Wertes)
Der Transport und die Wirkung von Schadstoffen im Grundwasser wird im Wesentlichen von
zwei Einflußfaktoren bestimmt:
1. von der Transportstrecke und -geschwindigkeit um die bzw. mit der sich der Schadstoff im
Grundwasser ausbreitet (durch Konvektion, Dispersion, Diffusion, »Dichteströmung«) und
2. von Rückhaltemechanismen im Grundwasserleiter wie Sorption, Um- und Abbauprozesse
(siehe auch ungesättigte Zone).

image
In der gesättigten Zone wird auch wie in der ungesättigten Zone das Schadstoffverhalten
durch eine Vielzahl von Faktoren bestimmt, über die qualitative bislang jedoch kaum
quantitative Angaben möglich sind. In der
Tabelle 6 der Anlage 3
sind bewertungsrelevante
Einflußfaktoren enthalten. Die Vergleichslage ist gekennzeichnet mit m
III
= 10.
Abstandsgeschwindigkeit
Sofern keine Detailkenntnisse vorliegen läßt sich für den Lockergesteinsbereich
die mittlere Migrationsgeschwindigkeit (ohne Sorption) als
Abstandsgeschwindigkeit bezogen auf den Gesamt Hohlraumanteil hilfsweise als
pauschales Beurteilungskriterium verwenden. [20]
kf = Durchlässigkeit hydraulische Leitfähigkeit
n = Gesamt-Hohlraumanteil
I = Grundwassergefälle
s= Länge des Stromlinienabschnittes
Vf= Filtergeschwindigkeit
t = Fließzeit für die Strecke s
Für den Festgesteinsbereich sollte auf der Grundlage von
Tracerdurchgangskurven (aus Markierungsversuchen) oder Pumpversuchen die
mittlere Abstandsgeschwindigkeit bestimmt werden.
Sorption
Eine mögliche Sorption (Ton- und Humusgehalt des GW-Leiters + Sorbierbarkeit
des Schadstoffes) wird analog m
II
mit einem Abschlag bewertet.
Abbau
Ein möglicher Abbau (Standortfaktoren + Abbaubarkeit des Schadstoffes) wird mit
einem Abschlag bewertet.
In Anlage 4 sind hydrogeologische Standorttypen und Beispiele zur Festlegung der
jeweiligen m
lll
-Werte dargestellt worden, wenn keine Meßwerte vorliegen.
Mit dem Multiplikator m
III
wird das tatsächliche Gefahrenrisiko (r
III
) nach der Beziehung
r
III
= m
III
. r
II
ermittelt.
5.4. EINSCHÄTZUNG DER BEDEUTUNG DES
GRUNDWASSERS ALS WASSERRESSOURCE (m
IV
)
Auf Grund der Vielzahl zu bearbeitender Verdachtsfälle sind zum effektiven Einsatz der
begrenzten finanziellen und personellen Mittel Prioritäten für die weitere Bearbeitung
festzulegen. Die aktuelle und zukünftige Bedeutung der Grundwasserressource ist dafür ein

entscheidendes objektives Kriterium. Die Bedeutung der Grundwasserressource wird neben
ökologischen und landeskulturellen Anforderungen in erster Linie von der Art einer
derzeitigen oder zukünftigen Nutzung bestimmt. Die Bedeutung ist besonders hoch, wenn
die Grundwasserressource für die Trinkwasserversorgung genutzt wird, und besonders hoch
ist somit auch die Gefährdung, wenn der Kontaminationsherd in einem
Trinkwasserschutzgebiet oder einem Gebiet einer zukünftigen öffentlichen
Trinkwasserversorgung liegt. Sind Meßwerte für das Grundwasser vorhanden, so gehen
diese in die Bewertung ein. Die Dringlichkeit eines eventuell notwendigen Vorgehens wird
des weiteren dadurch bestimmt, ob Aufbereitungsmöglichkeiten für die relevanten
Schadstoffe bestehen oder (u. U. einfach) zu realisieren sind, ob alternative
Versorgungsmöglichkeiten bestehen, wie groß die GW-Fließzeit und die Verdünnung sind.
Folgende Einflußfaktoren werden nach
Tabelle 7, Anlage 3.7
bewertet:
Analysenwerte Grundwasser/Eluate:
Wenn Konzentrationswerte von Schadstoffen im Grundwasser vorliegen, bilden
diese den Grund-m
IV
-Wert. Werte für Sickerwasser und Eluate werden analog
behandelt, da sie im Grundwasser i.d.R. eine Verdünnung, aber niemals eine
Konzentrierung erfahren.
Es erfolgt eine Einteilung in:
n.n. = nicht nachweisbare Schadstoffkonzentration
< P = Konzentrationswerte liegen unter dem Prüfwert aus der Tabelle 8
> P = Konzentrationswerte liegen über dem Prüfwert aus der Tabelle 8
> M= Konzentrationswerte liegen über dem Maßnahmenwert aus der Tabelle 8
Tabelle 8, Anlage 3.8
enthält Prüfwerte (P) und Maßnahmenwerte (M), die an die
Werte der LAWA-Liste [16] angelehnt sind und z.T. absolute Konzentrationswerte
und z.T. Differenzwerte zum Oberstrom darstellen (entspricht der »Empfehlung
für Prüf- und Maßnahmenwerte in Sachsen« [18]). Die angegebenen Parameter
müssen nicht alle gemessen werden. Die Auswahl der Parameter hängt von der
historischen Erkundung ab.
Nutzungskriterien
Sind keine Meßwerte vorhanden, so bilden die Grundwasser-Nutzungskriterien
den Grund-m
IV
-Wert. Sind Meßwerte vorhanden, so werden Grundwasser-
Nutzungskriterien mittels Zu- oder Abschlägen berücksichtigt.
»GW nicht nutzbar«
Das Grundwasser ist laut hydrogeologischen Gutachten
bzgl. Qualität und Dargebot (Menge, technisch erreichbare Tiefe) für keine
Nutzung geeignet und vorgesehen. Der Schutz des Grundwassers an sich
erfordert aber eine m-Wert-Festlegung über 0, die bei entsprechend hoher
Stoffgefährlichkeit und hohen m
I
,
Il
,
Ill
-Faktoren trotzdem zu einer Sanierung
führen kann. (Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist zu beachten.)
»Nutzung als TW langfristig nicht vorgesehen«
Der GW-Leiter ist prinzipiell für
eine Nutzung geeignet.
»Nutzung vorhanden außer Trinkwasser«
Das GW-Vorkommen wird genutzt,
aber nicht als Trinkwasser.
»Nutzung als TW ohne Aufbereitung möglich; mittleres Dargebot;
Einzeltrinkwasserversorgung«
Eine Nutzung als Trinkwasser ist möglich. Im
Abstrom der Altlast liegen möglicherweise ein oder wenige Trinkwasserbrunnen
für private Einzelhaushalte.
»Schadstoffquelle in einem Gebiet einer künftigen öffentlichen
Wasserversorgung oder in einem Einzeltrinkwasserversorgungsgebiet«
Hierbei sind Gebiete gemeint, die künftig als Wasserschutzgebiet vorgesehen

sind oder Gebiete, die keine öffentliche Trinkwasserversorgung haben und in
denen alle Haushalte aus privaten Trinkwasserbrunnen versorgt werden.
»TW-Schutzzonen«
Die Trinkwasser-Schutzzonen sind als weitere Schutzzone
(Ill), als engere Schutzzone (Il) und als Fassungszone (I) im sächsischen
Wassergesetz festgelegt.
Aufbereitungsmöglichkeiten
Es wird nach Aufbereitungsmöglichkeiten für die relevanten Schadstoffe gefragt.
Unter Umständen ist eine Nutzungsbeschränkung sinnvoll (Sofortmaßnahme).
alternative Versorgungsmöglichkeiten
Sind alternative Versorgungsmöglichkeiten nicht vorhanden, so gibt es einen
Zuschlag.
Fließzeit des Schadstoffes bis Entnahmestelle
Es ist die Zeit abzuschätzen, die der Schadstoff braucht, um vom Ort der
Schadstofffront bis zur Entnahmestelle zu gelangen. Ist die Stelle der
Schadstofffront nicht abschätzbar, so wird vom Schadstoffherd ausgegangen (s.
S. 16).
Verdünnung
Bei großer Verdünnung der Schadstoffe im Grundwasser nimmt die Gefährlichkeit
ab. Dabei spielt das Verhältnis von GW-Dargebot zu Schadstoffmenge die
entscheidende Rolle.
Vorbelastung
Eine Vorbelastung kann geogen oder anthropogen bedingt sein. Eine
Berücksichtigung erfolgt bei den Analysenwerten für das GW nach Tabelle 8 für
ca. 30 Parameter, für die Differenzwerte zum Oberstrom in Form von Prüfwerten
angegeben werden. Andere Parameter werden bzgl. Vorbelastung nicht bewertet,
können aber bei Relevanz hier vermerkt werden.
Mit dem Multiplikator m
lV
wird das sogenannte gewichtete Gefahrenrisiko (r
IV
) nach der
Beziehung
r
IV
= m
IV
. r
III
ermittelt.
5.5. DATENQUALITÄT
Die Datenqualität wird einmal durch das Beweisniveau und zum anderen innerhalb des
Beweisniveaus durch den ermittelten Risikobereich (r
min
—r
max
) charakterisiert. Je höher das
Beweisniveau ist, desto mehr Daten werden erhoben, wobei der Anteil der Meßdaten steigt.
Um bei einem höheren Beweisniveau zu sichern, daß auch wirklich das berechnete Risiko
aufgrund von mehr und besseren Daten ermittelt wurde, müssen je nach Beweisniveau
bestimmte wichtige Einflußfaktoren zwingend angegeben werden. Bei der Erfassung der
Einflußfaktoren wird unterschieden zwischen »festgestellt«, »vermutet« und »unbekannt«.
»Unbekannt« heißt im Programm zur Gefährdungsabschätzung für Altlasten, GEFA, es
erfolgt keine Eingabe bei den optionalen Merkmalen. Die Bewertung bei »festgestellt« und
»vermutet« unterscheidet sich nicht. Bei »unbekannt« wird anhand der günstigste und
ungünstigsten Daten eine minimale und maximale Bewertung festgelegt, die dann zu einem
Risikobereich führt. Außerdem ist für jedes möglicherweise unbekannte Merkmal ein
gewichteter Mittelwert (GEFA programmintern) festgelegt, der bei den entscheidenden
Einflußfaktoren (Grund-m-Werte) wie folgt aussieht:
Lage zum Grundwasser:
M
gmittel
=
1,2 und Bereich (1,0 ...1,4)

image
GGK:
M
gmittel
=
arithmetisches Mittel und Bereich (1,0 ...1,4)
Abstandsgeschwindigkeit: M
gmittel
=
1,0 und Bereich (0,8 ...1,3)
Alle anderen möglicherweise unbekannten Einflußfaktoren gehen mit
m = 0 und den
entsprechenden Bereichen in die Gefährdungsabschätzung ein. (Ausnahme: Bewertung
hängt von 2 Merkmalen ab, siehe Anlage 7 [2]) Die Größe des Risikobereiches ist ein Maß
für die Datenqualität. Ein großer Bereich bedeutet also eine sehr unsichere Datenlage.
Deshalb wird ein Risikobereich festgelegt, der nicht überschritten werden darf, ansonsten ist
nachzuerkunden.
BN
Anzahl der bewertungsrelevanten
Einflußfaktoren (je nach Art der
Altlastverdachtsfläche)
Anzahl der Einflußfaktoren, die zwingend
eingegeben werden müssen
BN 0
ca. 5
2
BN 1
ca. 30
7
BN 2
ca. 30 und Analysenwerte
16
Folgende Einflußfaktoren dürfen im BN 1 nicht »unbekannt« sein: Abfallart/Branche,
Oberflächenabdeckung, Oberflächenabdichtung, Oberflächenwasserableitung, Niederschlag,
Volumen der Ablagerung/Kontaminationsfläche oder Betriebsfläche, Grundwasser-
Nutzungskriterien. Folgende Einflußfaktoren dürfen im BN 2 zusätzlich zum BN 1 nicht
»unbekannt« sein: Konkrete Schadstoffe, Lage zum GW, Löslichkeit, GGK, Ton- und
Humusgehalt des Bodens, Acidität des Bodens, Abstandsgeschwindigkeit, Verdünnung und
Analysenwerte vom Grundwasser.
5.6. BESTIMMUNG DES HANDLUNGSBEDARFES UND
PRIORISIERUNG
Der r
IV
bestimmt formal wie folgt das weitere Vorgehen.
r
IV
ist ein Wert:
Im allgemeinen werden Priorisierung und Handlungsbedarf aus dem maßgebenden
Gefahrenrisiko R (= r
IV
) bestimmt. Will man wesentliche zusätzliche Einflußfaktoren
berücksichtigen, so kann R geändert werden in ein R
subj.
(mit Begründung). Dieses R
subj.
bestimmt dann Priorisierung und Handlungsbedarf.

image
r
IV
ist ein Bereich:
Im allgemeinen wird die Priorisierung aus dem gewichteten mittleren Gefahrenrisiko r
IV
mittel
bestimmt und der Handlungsbedarf aus dem maßgebenden Gefahrenrisiko R (= r
IV
max). Will
man andere Einflußfaktoren mit berücksichtigen, so kann R geändert werden in ein R
subj.
,
welches dann für Priorisierung und Handlungsbedarf herangezogen wird. Der
Handlungsbedarf ergibt sich jeweils aus der Handlungsmatrix Abbildung 3.
Ein subjektives Eingreifen kann z. B. erfolgen:
Zusätzliche Einflußfaktoren wirken hemmend auf die Ausbreitung Richtung
Schutzgut, und das errechnete maximale Gefahrenrisiko liegt knapp über der
Grenze zum Handlungsbedarf. Das kann u. U. zur Festlegung eines R
subi.,
der unter
dem Handlungsbedarf liegt, führen.
Bei einer sehr kleinen Altlast (Bagatellfälle), bei der sich eine Kontrolle aus dem
maßgebenden Risiko R ergibt (BN 2), kann es sinnvoller sein, diese zu sanieren
(sichern oder auskoffern) als langfristig zu beobachten.
Diese Vorgehensweise ist stets als ein Hilfsmittel bei der weiteren Altlastenbehandlung zu
verstehen. Eine fallspezifische kritische Betrachtung der Altablagerung und Altstandorte aus
interdisziplinärer Sicht ersetzt das Bewertungsverfahren nicht. Die endgültige Festlegung von
Gefahrenlage und Handlungsbedarf geschieht auf der Basis von Gutachten und
Bewertungsergebnis entweder durch eine interdisziplinäre Altlastenbewertungskommission
oder durch separate Stellungnahmen der Fachdisziplinen.
Beispiele:
r
IV
= 2
R = 2 gewichtetes und maßgebendes Gefahrenrisiko sind gleich und führen
auf BN 1 zu: B
r
IV
= 2—6
r
IVmittel
= 4
R = 6 gewichtetes, mittleres Gefahrenrisiko = 4
maßgebendes Gefahrenrisiko = 6 und führt auf BN 1 zu E 1—2
Der festgestellte Handlungsbedarf wird aus der Handlungsmatrix Abb. 3 ermittelt. Bei einer
weiteren Erkundung ist das Untersuchungsprogramm einschließlich der physikalisch-
chemischen Parameter für die folgende Stufe zu konzipieren.

6. DOKUMENTATION DER ERGEBNISSE
Die Ergebnisse der Bewertung werden im Bewertungsformblatt Schutzgut Grundwasser
dokumentiert. Ihre Zusammenfassung geschieht in übersichtlicher Form auf dem
Bewertungsblatt KONTA (Anl. 2).
Vorhandene oder gewonnene Proben- und Analysendaten für Grundwasser, Sickerwasser
und Eluate werden in die Datenerfassungsblätter für Proben- und Analysedaten (Anl. 6.1,
Seite 1-3) wie folgt eingetragen:
Ausfüllung der Probendaten im Listenkopf
Beschreibung der Probenentnahmeart für jeden Parameter mit Schlüssel nach Anl.
6.2
Angabe der Gesamtanzahl der Meßwerte für jeden Parameter
Angabe der Anzahl der davon kritischen Meßwerte. Auf Seite 1 wird darunter die
Überschreitung der Differenzwerte zwischen Ober- und Unterstrom nach Anl. 3.8
Tab. 8a verstanden. Auf Seite 2 u. 3 ist es die Überschreitung der Prüfwerte nach
Anl. 3.8 Tab. 8b.
Angabe des maximalen Meßwertes für jeden Parameter
Angabe eines Oberstromwertes (Vergleichswert) für jeden Parameter
Nicht aufgelistete Parameter sind auf den Seiten 1 u. 3 zu ergänzen und die
Gesamtanzahl der Meßwerte sowie der maximale Meßwert einzutragen.
Die sich aus dem weiteren Handlungsbedarf ableitenden Maßnahmen werden verbal
beschrieben.
Bei Nutzung des Programmes GEFA erfolgt die Dokumentation durch die Ausgabe der
Bewertungs-Protokoll-Datei, des KONTA-Blattes sowie eines Analyse-Protokolls.

7. BEISPIELE
Im folgenden soll anhand von drei Beispielen das Vorgehen zusätzlich erläutert werden.
BEISPIEL A
Eine mit Hausmüll verfüllte natürliche Erdmulde, deren Schütthöhe ca. 5 m beträgt, hat eine
Grundfläche von ca. 1 ha. Bewuchs ist vorhanden. Die historische Erkundung brachte
folgende Erkenntnisse:
Auf diese wilde Ablagerung sind in den letzten 10 Jahren Haus- und Siedlungsabfälle
gebracht worden. Geringe Mengen Sonderabfall wie Batterien u.ä. sind anzunehmen. In der
Umgebung befinden sich kleinere Industriebetriebe wie ein Holzverarbeitungsbetrieb, eine
Autoreparaturwerkstatt und ein Betrieb der Feinmechanik (ohne Härterei). Die geologischen
Unterlagen aus dem Gebiet ergeben einen feinsandigen, schluffigen Untergrund (k
f
= 10
-5
m/s), der GW-Flurabstand (von Ablagerungssohle bis GW-Oberfläche) wird mit 3 m
geschätzt. Der Boden ist leicht sauer (pH = 5) und hat einen mittleren Humusgehalt. Die
Abstandsgeschwindigkeit beträgt ca. 1 m/d. Die Restfließzeit bis zur Wasserfassung wird mit
mehr als 4 Jahren geschätzt. Die Ablagerung befindet sich in einer Trinkwasserschutzzone
III. Für einige zu erwartende Schadstoffe ist das Wasserwerk technologisch nicht
ausgerüstet (z. B. keine entsprechende Flockungsstufe für Schwermetalle). Es ist eine
Bewertung auf Grundlage der historischen Erkundung vorzunehmen (BN 1).
Stoffgefährlichkeit
Haus- und Siedlungsabfälle, u.U. vermischt mit
Sonderabfällen
r
O
= 3,5
(nach Tabelle 1 Anlage 3)
Austrag m
I
m
I
=
1
Lage in ungesättigter Zone (Grund m
I
-Wert)
0,1
Keine Sohlabdichtung
0,1
Keine Sohlentwässerung
0
Wirksame Oberflächenabdeckung vorhanden
0
Keine wirksame Oberflächenabdichtung
0
Keine steile Oberflächengestaltung
0
kein Fremdwasserzufluß außer Niederschlag
0
Niederschlag 700 mm/a
0
Einlagerung: lose über Kopf
0
Volumen: 50.000 m
3
-
Geländeverfüllung

0
Löslichkeit: es sind auch leicht lösliche Schadstoffe zu
erwarten
-
Flüchtigkeit: die Flüchtigkeit bei Ablagerungen wird nach
dem Deponiegasleitfaden von Baden-Württemberg extra
bewertet
m
I
= 1,2
Eintrag m
II
m
II
=
1,4
(Grund m
II
-Wert) Der GGK-Wert von 5 ergibt sich aus der
Tabelle 5a der Anlage 3.
Es ist kein GW-Stauer vorhanden, da der kf-Wert von 10-7
m/s nicht erreicht wird
(Mächtigkeit = 0; Flurabstand = 3 m)
0
Porengrundwasserleiter und kf < 10-5 m/s trifft nicht zu
-
Ton- bzw. Humusgehalt des Bodens => mittel
(-0,1..0) Sorbierbarkeit der Schadstoffe unbekannt, gewichteter
Mittelwert: 0
0
Acidität pH = 5
(0..+ 0,1) Vorhandensein von Lösungsvermittlern ist nicht bekannt,
gewichteter Mittelwert: 0
(-0,1..0) Abbaubarkeit unbekannt, gewichteter Mittelwert: 0
m
II
=
(1,2..1,5) Gewichteter Mittelwert m
II
= 1,4
Transport/Wirkung
m
III
m
III
=
1
(Grund m
lll
-Wert) aus Tabelle 6 der Anlage 3
(-0,2..0) Sorption unbekannt, gewichteter Mittelwert: 0
(-0,1..0) Abbau unbekannt, gewichteter Mittelwert: 0
m
III
=
(0,7..1,0) Gewichteter Mittelwert m
III
= 1,0
Bedeutung m
lV
m
IV
=
1,2
(Grund m
lV
-Wert) aus Tabelle 7 nach Anlage 3
0
Keine Aufbereitungsmöglichkeiten für die relevanten

Schadstoffe
0,1
Keine alternative Versorgungsmöglichkeit
-0,1
GW-Fließzeit bis Entnahmestelle > 4 Jahre
(- 0,4..0) Verdünnung unbekannt, gewichteter Mittelwert: 0
m
IV
=
(0,8..1,3) Gewichteter Mittelwert m
IV
= 1,2
r
lV
= r
O
. m
I
. m
II
. m
III
. m
lV
= (2,8..8,2)
Damit ist das gewichtete, mittlere Gefahrenrisiko
R
IVmittel
= 7,1 (siehe Punkt 8.1)
Das maßgebende Gefahrenrisiko R ist gleich r
IVmax
R = 8,2 führt zum Handlungsbedarf E 1-2 und damit zur Orientierenden Erkundung.
KONTA-Blatt für Beispiel A siehe Anlage 2
BEISPIEL B
Eine überdachte Tankstelle einer LPG, ausschließlich für Dieselkraftstoffe, war von 1975-
1989 in Betrieb. Der Zapfsäulenbereich ist teilweise mit Betonplatten ausgelegt. Die
geologischen Gegebenheiten sind:
Lockergesteinsuntergrund und 12 m Flurabstand vom Erdtank bis zur GW-Oberfläche. Der
Ton- und Humusgehalt des Bodens ist mittel und der pH-Wert ca. 5. Die Tankstelle liegt in
einer TW-Schutzzone III. Das Wasserwerk arbeitet ohne Aktivkohlefilter. Man kann von
einem relativ geringem Grundwasserdargebot ausgehen bei kleiner Schadstoffmenge. Es ist
eine Bewertung auf Grundlage der historischen Erkundung vorzunehmen (BN 1).
Stoffgefährlichkeit
r
O
=
5,0 - 6,0
Branche:
Tankstelle
r
O
=
5
Stoffe:
Dieselkraftstoff
schwerer siedend als
Vergaserkraftstoffe
enthält kaum Benzole
Technologie: -
Schadstoffherde
- freistehende technologische
Aggregate (Zapfsäulenbereich)
- Tanklager (Erdtanks)
- Umschlagplatz (für Betankung
Erdtanks)
Produktionszeitraum: 1975 - 1989

Damit läßt sich u.U. die genaue Zusammensetzung des
Dieselkraftstoffes
Recherchieren.
Austrag m
I
m
I
=
1,2
Lage zum Grundwasser
0
Wirksame Oberflächenabdeckung vorhanden
Bewuchs, teilweise Betonplatten
-0,1
Wirksame Oberflächenabdichtung
Überdachung gegen Niederschlag vorhanden, d. h.
eine Auswaschung findet kaum statt
0
Oberflächengestaltu
ng
0
kein Fremdwasserzufluß
0
Niederschlagsmenge: 900 mm/a an evtl. undichten
Erdtanks relevant
0
Art der Einlagerung: Tanks
0
Kontaminationsfläche: = Zapfsäulenbereich
+ Fläche der Erdtanks
+ Umschlagbereich
= 500 m2
-
Produktionsmenge: unbekannt
0
Löslichkeit:
Dieselkraftstoff:
flüssig und lipophil
kann in Phase austreten
-
Flüchtigkeit: schwer flüchtig
m
I
=
1,1
Eintrag m
II
m
II
=
1,2
GGK = 4
0
Bedingung mit Porengrundwasserleiter und
kf < 10-5 m/s und Flurabstand > 2 m ist nicht erfüllt
Ton/Humusgehalt des Bodens ist mittel
0
Sorbierbarkeit des Dieselkraftstoffes ist niedrig
0
Acidität: pH ca. 5
0
Vorhandensein von Lösungsvermittlern: nein
-0,1
Abbaubarkeit:

möglich
m
II
=
1,1
Transport/Wirkung
m
III
m
III
=
0,8..1,2
die Abstandsgeschwindigkeit ist nicht bekannt und
wurde nach Standorttypenblatt
L 2 geschätzt, gewichteter Mittelwert: 1,0
0
Sorption gering
-0,1
Abbau möglich
m
III
=
(0,7..1,1) Gewichteter Mittelwert m
III
= 0,9
Nutzung m
IV
:
Meßwerte liegen nicht vor
m
lV
=
1,2
Schadstoffquelle liegt in Trinkwasserschutzzone III
0
Aufbereitungsmöglichkeit von Dieselölen z.B. durch
Aktivkohlefilter ist in dieser
Trinkwasseraufbereitungsanlage nicht vorhanden.
0,1
Alternative Versorgung: nicht vorhanden
(- 0,3... +
0,3)
GW-Fließzeit bis Entnahmestelle unbekannt, gew.
Mittelwert = 0
-0,3
Verdünnung: groß
-
Vorbelastung unbekannt
m
IV
=
(0,7...1,3) Gewichteter Mittelwert m
IV
= 1,0
Damit ist das Gefahrenrisiko
r
lV
= r
O
* m
I
* m
II
* m
III
* m
IV
= (3,0...8,7)
r
IVmittel
=5,4
Das maßgebende Gefahrenrisiko R ist gleich r
IVmax

R=8,7 führt zum Handlungsbedarf E 1-2. Damit muß eine Orientierende Erkundung
durchgeführt werden.
KONTA-Blatt für Beispiel B siehe Anlage 2
BEISPIEL C
Von 1960 bis 1970 wurde auf einem Agrarflugplatz mit Düngemitteln und
Pflanzenschutzmitteln umgegangen. Dabei gehören zum Standort die Rollbahn, der
Maschinenpark, der Umschlagplatz und ein kleineres Lager. Daraus ergibt sich eine
Kontaminationsfläche von 500 m
2
, die versiegelt und am Lager überdacht ist. Die
ungesättigte Zone (Lehm über Glimmerschiefer und Zersatz) bis zum GW-Porenleiter
überträgt mehr als 5 m. Der Humus-/Tongehalt ist mittel, die Acidität beträgt pH > 4. Der
GW-Leiter hat eine Durchlässigkeit von ca. 1.10
-6
m/s. Es ist mit einer
Abstandsgeschwindigkeit von 0,8 m/d zu rechnen. Im Abstrom liegt ein Gewerbegebiet. Die
dort befindlichen Brunnen werden für Kühlzwecke genutzt. Eine Nutzung als Trinkwasser ist
ausgeschlossen. Erste Messungen im Abstrom sind zu folgenden Parametern erfolgt: Nitrat,
Ammonium, Mineralölkohlenwasserstoffe, Atrazin, Isomere des Hexachlorcyclohexan und
dem Summenparameter für organisch-chemische Stoffe zur Pflanzenbehandlung und
Schädlingsbekämpfung PBSM (siehe Tabelle). Es ist eine formale Bewertung auf BN 2
vorzunehmen.
Stoffgefährlichkeit
r
O
=
4,0 - 5,0
Branche: Agrarflugplatz
r
O
=
5
Stoffe: Düngemittel und Pflanzenschutzmittel,
Mineralölkohlenwasserstoffe
Austrag ml
m
I
=
1,2
Lage in ungesättigter Zone, Altstandort
0
Wirksame Oberflächenabdeckung vorhanden
-0,1
Wirksame Oberflächenabdichtung vorhanden
0
Keine steile Oberflächengestaltung
0
kein Fremdwasserzufluß
0
Niederschlagsmenge 800 mm/a
-
Art der Einlagerung: kein
0
Kontaminationsfläche 500 m
2
0
Löslichkeit: auch leicht lösliche Dünger
-
Flüchtigkeit: gering
m
I
=
1,1
Eintrag m
II

m
II
=
0,8
GGK = 2 aus HK 50
0,1
Porengrundwasserleiter, GW-Flurabstand > 2 m k
f
= 10
-6
m/s
Mittlerer Humus-/Tongehalt
0
Sorbierbarkeit unterschiedlich (hoch-DDT bis niedrig-
Düngemittel)
0
Acidität: pH > 4
0,1
Lösungsvermittler: ja (organische lipophile Schadstoffe -
Benzole)
0
Abbaubarkeit: DDT sehr persistent
m
II
=
0,8
Transport/Wirkung
m
III
m
III
=
0,8
Abstandsgeschwindigkeit ca. 0,8 m/d
0
Sorption: gering
0
Abbau: gering
m
III
= 0,8
Bedeutung m
IV
max. Meßwerte vom Grundwasser und vom Eluat:
Parameter
Oberstrom
Abstrom
Vergleich zum Prüfwert
NO
3
-
17 mg/l
23 mg/l
< P
NH
4
-
0,12 mg/l
0,27 mg/l
< P
KWS-H 18
21 ng/l
18 ng/l
< P
Atrazin
0,12 ng/l
γ-HCH
0,09 ng/l
α-HCH
0,05 ng/l
β-HCH
0,0B ng/l
δ-HCH
n.n.
PBSM gesamt
0.32 ng/l
< P
m
IV
=
1
Nach Tabelle 7
-0,1
Nutzung als Brauchwasser für Gewerbegebiet im Abstrom
-0,1
Verdünnung: gering
m
IV
=
0,8
Damit ist das Gefahrenrisiko

r
IV
= r
0
* m
I
* m
II
* m
III
* m
IV
= 2,8
r
IV
= 2,8
Formel führt r
IV
= R = m2,8 zu einer Kontrolle C. Das zuständige Ingenieurbüro
entscheidet sich aber für ein Belassen der Altlastverdachtsfläche im Altlastenkataster
ohne Kontrolle. Diese Entscheidung ist subjektiv und wird mit der generellen
Unterschreitung der Prüfwerten für das Grundwasser und das Bodeneluat
(ausreichend repräsentative Messungen), den relativ geringen m-Werten, der
unsensiblen Nutzung des Grundwassers und mit dem Nutzungszeitraum (nur 10 Jahre
und schon 1970 beendet) begründet. Damit wird der Handlungsbedarf abweichend von
der formalen Bewertung
R
subj.
= 2 festgelegt und führt zum Handlungsbedarf B.
KONTA-Blatt für Beispiel C siehe Anlage 2

8. EDV-UNTERSTÜTZUNG
Für eine rechentechnische Unterstützung der Bewertung wurde vom Forschungszentrum
Rossendorf e.V. (FZR) das Expertensystem XUMA*, Teil Bewertung, der sächsischen
Bewertungsmethodik angepaßt. Dieses an Sachsen angepaßte XUMA bedingt wie das
XUMA Baden-Württemberg als Hardwarekomponente eine Workstation. Um einen breiten
Einsatz zu ermöglichen, wurde durch das FZR außerdem eine PC-Variante erstellt. Dieses
Programm, genannt GEFA, Gefährdungsabschätzung für Altlasten, liegt dem vorliegenden
Handbuch in der Anlage 7 in Form einer Diskette bei. Der Fachmann soll mit der
angebotenen Diskette bei der Bewertung des Gefährdungspotentials von Altlasten
unterstützt werden. Die Entlastung von Routinearbeiten führt zu einer höheren Effektivität.
Die Fachkompetenz ist nach wie vor Voraussetzung.
Es ist eine Bewertung auf Beweisniveau 1 und auf Beweisniveau 2 möglich.
Im Beweisniveau 1 und 2 werden die gleichen Einflußfaktoren bewertet und zwar bei
Altablagerungen:
39 Einflußfaktoren davon 32 bewertungsrelevant bei Altstandorten:
35 Einflußfaktoren davon 29 bewertungsrelevant bei Altstandorten mit Altablagerungen:
47 Einflußfaktoren davon 35 bewertungsrelevant
Bei Altstandorten mit Altablagerungen sowie bei großen Altstandorten ist es zu empfehlen,
die Fläche in mehrere Teilflächen einzuteilen und diese dann einzeln zu bewerten.
*XUMA stellt ein Expertensystem für die Umweltgefährlichkeit von Altlasten dar, welches im Institut für
Angewandte Informatik des Kernforschungszentrum Karlsruhe in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für
Umweltschutz Baden-Württemberg entwickelt wurde (Voraussetzung ist eine Workstation). Dieses System
besteht aus 3 Teilen: der Bewertung, der Analyseplanerstellung und der Beurteilung einer Altlast. Für die
sächsische Methodik wurde bisher nur der Teil der Bewertung modifiziert.
8.1. PROGRAMM GEFA
Mit dem Programm GEFA wird eine dezentrale Datenerfassung, Konsistenzprüfung und
Bewertung ermöglicht.
Dateneingabe:
Neben den allgemeinen Falldaten werden die entsprechenden Einflußfaktoren für eine
Abschätzung des Risikos abgefragt und die jeweilige Datenqualität. Der Bearbeiter wird
durch das Programm geführt, d. h. bestimmte eingegebene Daten ziehen bestimmte
Abfragen nach sich. Zum Beispiel bei der Frage nach der Art der Altlast:
Altablagerung (AA), Altstandort (AS) oder Altstandort mit Altablagerung (AS+AA) kommt nur
bei der Antwort AA und AS+AA die Frage nach einer Sohlabdichtung, oder nur bei AS und
AS+AA wird nach der Kontaminationsfläche gefragt. In einem extra Erfassungsprogramm für
Proben- und Analysendaten können Daten entsprechend den Datenerfassungsblättern

Proben- und Analysendaten (Anl. 6.1) aufgenommen werden. Eine noch detailliertere
Erfassung dieser Daten kann zu einem späteren Zeitpunkt vorgesehen werden.
Konsistenzprüfung:
Intern wird geprüft, ob die eingegebenen Werte in einem vorgegebenen Bereich liegen und
bewertbar sind.
Interne Bewertung:
Die Bewertung findet mittels hinterlegter Bewertungstabellen nach der sächsischen Methodik
statt. Daten, die nicht bewertet werden, erscheinen aber auch im Protokoll und dienen einer
zusätzlichen Einschätzung.
Datenausgabe:
Protokollausgabe (Bewertungsprotokoll):
Es werden die Einflußfaktoren und die Bewertungsergebnisse: r
O
, m
I
, r
I
, m
II
, r
II
, m
III
, r
III
, m
IV
, r
IV
(mit entsprechend Mittelwert, Minimum, Maximum) ausgegeben. Das gewichtete mittlere
Gefahrenrisiko und das maßgebende Gefahrenrisiko werden berechnet. Das gewichtete
mittlere Gefahrenrisiko entspricht nicht in jedem Fall dem arithmetischen Mittelwert des
Bereiches, sondern ergibt sich aus einem intern festgelegten Wert bei jedem unbekannten
Einflußfaktor.
KONTA-Blatt:
Auf dem KONTA-Blatt werden die einzelnen r-Werte grafisch dargestellt. Damit kann man
sofort erfassen, durch welchen r-Wert das gewichtete Risiko wesentlich bestimmt wird.
Analyseprotokoll:
Dieses Protokoll gibt die Daten aus, die in dem Erfassungsprogramm für Proben- und
Analysendaten (Menüpunkt bei der Datenerfassung zu m
IV
) gespeichert wurden.
8.2. RECHENTECHNISCHE VORAUSSETZUNGEN UND
HINWEISE FOR DIE ÜBERNAHME DER DATEN IN DAS
ALTLASTENKATASTER
Mit dem Programm GEFA wird ein Programm zur Erfassung des Bewertungsformblattes und
zur Bewertung auf dem Beweisniveau 1/2 für den PC bereitgestellt. Voraussetzung für den
Einsatz des Programms ist ein PC mit dem Betriebssystem DOS. Es existieren sowohl eine
Anwendung für die DOS-Ebene als auch für die WlNDOWS-Ebene. Folgende Hinweise
sollten bei der Nutzung des Programms beachtet werden, um die Übernahme der Daten ins
Altlastenkataster zu gewährleisten:
Die einzugebenden Daten und die Bewertungsergebnisse werden fallweise unter dem Pfad
/Daten abgespeichert. Dazu ist für jeden Altlastenfall ein eindeutiger Dateiname (max. 8
Stellen) erforderlich. Wir empfehlen, den Dateinamen wie folgt aufzubauen:

image
Alle erstellten Daten mit diesem Dateinamen gehören zu dem bearbeiteten Altlastenfall. Bei
der Eingabe der Falldaten im Programm GEFA muß die Kennziffer und wenn vorhanden die
Teilflächennummer sowie Hoch- und Rechtswert entsprechend den Angaben aus dem
Altlastenkataster (z. Z. Programm zur formalen Erstbewertung von Altablagerungen und
Altstandorten, DEPA, später Programm des Sächsischen Altlastenkatasters, SALKA [19])
eingegeben werden. Nur so wird die Übernahme der Daten ins Kataster gewährleistet.

9. LITERATUR
/1/
Müller, G.; Michels, U.; Michalski, D.: "Methode zur (Erst-)Bewertung der Gefährdung des
Grundwassers durch Altlasten«; Entwurf 1/89, IfW Berlin und WWD OEN Dresden
(unveröffentlicht)
/2/
Altlasten-Handbuch Teil 1 und 2; Herausgeber: Ministerium für Umwelt Baden- Württemberg, 2.
Auflage 1988
/3/
Handbuch zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Teil 1: Grundsätze der Altlastenbehandlung;
Herausgeber: Sächsisches Ministerium für Umwelt und Landesentwicklung
/4/
Handbuch zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Teil 2: Erfassung von Verdachtsfällen und
Formale Erstbewertung; Herausgeber: Sächsisches Ministerium für Umwelt und
Landesentwicklung
/5/
Möschwitzer, G.; Lindemann, L. (Umweltbüro Dr. Gerhard Möschwltzer & Partner GmbH):
»Grobabschätzung der ro-Werte als Maß für die Stoffgefährlichkeit zur Erstbewertung von
Altlasten gemäß Katalog der besonders überwachungsbedürftigen Abfälle nach TA Abfall (1)«
2/93
/6/
Darbiruan, I.; Sehlenker, S. (Umweltwirtschaft GmbH): »Handbuch zur Altlastenbewertung in
Sachsen, Teil Grundwasser, Ermittlung der Stoffgefährlichkeit« 9/93
/7/
Abfallgesetz (AbfG) vom 27.08.1986 (BGBI I S. 1410)
/8/
Abfallbestimmungs-Verordnung (AbfBestV) vom 03.04.1990 (BGBI I S. 614)
/9/
TA Siedlungsabfall vom 14.05.1993 (Bundesanzeiger Nr. 99 v. 29.05.1993)
/10/
Möschwitzer, G.; Lindemann, L. (Umweltbüro Dr. Gerhard Möschwitzer 86 Partner GmbH):
»Ermittlung der ro-Werte altlastenrelevanter Schadstoffe als Maß für die Stoffgefährlichkeit zur
Gefährdungsabschätzung von Altlasten; Il. Grundlagen und Bewertungsmaßstab zur
Festlegung der ro-Werte« 5/93
/11/
Kerndorff, H. u.a. (Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene des Bundesgesundheitsamtes
Berlin): »Entwicklung von Methoden und Maßstäben zur standardisierten Bewertung von
Altablagerungsstandorten und kontaminierten Betriebsgeländen insbesondere hinsichtlich ihrer
Grundwasserverunreinigungspotentiale«, Abschlußbericht 10/90
/12/
TGL 34334: Nutzung und Schutz der Gewässer, Grundwässer, Klassifizierung, Mai 1986
/13/
Koch, R.: »Umweltchemikalien«, VCH Verlagsgesellschaft, Weinheim 1991
/14/
Wasserschadstoffkatalog; Herausgeber: Institut für Wasserwirtschaft, 4. Lieferung, , Berlin 1984
/15/
DVWK—Merkblätter zur Wasserwirtschaft 212/1988: »Filtereigenschaften des Bodens
gegenüber Schadstoffen«, Verlag Paul Paray, Hamburg und Berlin
/16/
LAWA: »,Empfehlungen für die Erkundung, Bewertung und Behandlung von
Grundwasserschäden«,1/94
/17/
Handbuch Altlasten, Materialien zur Altlastenbearbeitung Band 10, »Der Deponiegashaushalt in
Altablagerungen - Leitfaden Deponiegas -«, Herausgeber: Landesanstalt für Umweltschutz
Baden-Württemberg, 1992
/18/
Materialien zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Bd. 2, »Empfehlung für Prüf- und
Maßnahmenwerte in Sachsen«, Herausgeber: Sächsisches Landesamt für Umwelt und
Geologie (in Vorbereitung)
/19/
Handbuch zur Altlastenbehandlung in Sachsen, Band 10, »Altlastenkataster«, Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie (in Vorbereitung)

/20/
Mansel, H.; Müller, G.; Schimmel, B.: »Grundlagen einer neuen Schutzzonenkonzeption für
Trinkwassernutzungen aus Lockergesteinsgrundwasserleitern«; Zeitschrift f. Angewandte
Geologie, Band 33,1987, Heft 5

image
10. Abkürzungen
BN
Beweisniveau
LAWA
Länderarbeitsgemeinschaft Wasser
LAGA
Länderarbeitsgemeinschaft Abfall
P Prüfwert
M
Maßnahmenwert
GW
Grundwasser
GWL
Grundwasserleiter
GGK
Grundwassergeschütztheitsklasse
L
Lockergestein
F
Festgestein
TW
Trinkwasser
HK
Hydrogeologisches Kartenwerk
SC
Sorptionskoeffizient
ANLAGEN
ANLAGE 1
Bewertungsblatt Grundwasser (1/4)

image
image
Bewertungsblatt Grundwasser (2/4)
Bewertungsblatt Grundwasser (3/4)

image
Bewertungsblatt Grundwasser (4/4)

image
ANLAGE 2
Bewertungsblatt KONTA (1/4)

image
Bewertungsblatt KONTA (2/4)

image
Bewertungsblatt KONTA (3/4)

image
Bewertungsblatt KONTA (4/4)

image
ANLAGE 3.1.
Tabelle 1: Stoffgefährlichkeit - r
0
-Wert bzw. Wertebereiche für Abfälle und Stoffgemische (1/2)

image
Tabelle 1: Stoffgefährlichkeit - r
0
-Wert bzw. Wertebereiche für Abfälle und Stoffgemische (2/2)

DEFINITION VON ABFALLARTEN
Abfallart
Beschreibung
1. Bodenaushub
nicht kontaminiertes, natürlich gewachsenes
oder bereits verwendetes Erd- oder
Felsmaterial
2. Bauschutt
mineralische Stoffe aus Bautätigkeiten, auch
mit geringen Fremdanteilen
3. Baustellenabfälle
Nichtmineralische Stoffe aus Bautätigkeiten,
auch mit geringfügigen Fremdanteilen
4. Hausmüll
Abfälle hauptsächlich aus privaten
Haushalten, die von den
Entsorgungspflichtigen selbst oder von
beauftragten Dritten in genormten, im
Entsorgungsgebiet vorgeschriebenen
Behältern regelmäßig gesammelt,
transportiert und der weiteren Entsorgung
zugeführt werden.
5. Hausmüllähnliche Gewerbeabfälle
in Gewerbebetrieben, auch Geschäften,
Dienstleistungsbetrieben, öffentlichen
Einrichtungen und Industrie anfallende
Abfälle, soweit sie nach Art und Menge
gemeinsam mit oder wie Hausmüll entsorgt
werden können.
6. Sperrmüll
feste Abfälle, die wegen ihrer Sperrigkeit
nicht in die im Entsorgungsgebiet
vorgeschriebenen Behälter passen und
getrennt vom Hausmüll gesammelt und
transportiert werden.
7. Straßenaufbruch
mineralische Stoffe, die hydraulisch, mit
Bitumen oder Teer gebunden oder
ungebunden im Straßenbau verwendet
waren.
8. Sonderabfall
von der öffentlichen Abfallentsorgung
ausgeschlossene Abfälle und besonders
überwachungsbedürftige Abfälle aus
gewerblichen oder sonstigen wirtschaftlichen
Unternehmen oder öffentlichen
Einrichtungen, die nach Art, Beschaffenheit
oder Menge in besonderem Maße
gesundheits-, luft- oder wassergefährdend,
explosiv oder brennbar sind oder Erreger
übertragbarer Krankheiten enthalten oder
hervorbringen können.

ANLAGE 3.2.
Tabelle 2: r
0
-WERT-BERElCHE FÜR BRANCHEN (STAND 1/94)
r
o
-Wert-
Schl.-Nr
Branche
Bereich
I.
PRODUZIERENDES UND VERARBEITENDES GEWERBE
0005
Bereich Gas, Bergbau, Folgeprodukte
2-6
0010
Gaserzeugung (öffentl. Versorgung)
5-6
0020
Steinkohlenbergbau
4-5
0021
Braunkohlenbergbau u. Brikettherstellung
4-5
0022
Eisenerzbergbau
3-6
0023
NE-Metallerzbergbau
4-6
0024
Kali- u. Steinsalzbergbau
2-3
0025
Gew. v. Erdöl, Erdgas
4-5
0030
Kokerei
5-6
0040
H. v. Steinkohlenbriketts
4-5
0045
Bereich Chemie
2-6
0050
H. v. Chem. Grundstoffen
2-6
0060
- Anorg. Grundstoffe u. Chemikalien
2-6
0070
- Handelsdünger
3-6
0080
- Organ. Grundstoffe u. Chemikalien
3-6
0090
- Kunststoffe, Synthet. Kautschuk
3-6
0100
H. v. Chem. Erzeugnissen f. Gewerbe, Landwirtschaft
2-6
0110
H. v. Anstrichmitteln, Druck- und Abziehfarben
4-6
0120
Sonstige Chem. Erzeugnisse
2-6
0130
Abdichtungsmaterial f. Bauzwecke
5-6
0140
Galvanische Chemikalien
4-6
0150
Gerbstoffe, Gerbstoffextrakte
4-5
0160
Härtemittel
5-6
0170
Härter f. Kunststoffe u. Erzeugnisse auf Kunststoffbasis
5-6

0180
Holzschutzmittel
3-6
0190
Industriereinigungsmittel
4-6
0200
Isoliermassen, -mittel
4-6
0210
Kühlmittel
5-6
0220
Klebstoffe
5-6
0230
Konservierungsmittel (auch Lebensmittel)
3-5
0240
Korrosionsschutzmittel
5-6
0250
Mineralöladditive
5-6
0260
Hydraulikflüssigkeit
5-6
0270
Saaten-, Pflanzenschutzmittel,
Schädlingsbekämpfungsmittel
5-6
0280
Stabilisatoren f. Kunststoffe u. Erzeugnisse auf
Kunststoffbasis
4-5
0290
Entrostungsmittel
4-5
0300
Schmiermittel
4-5
0310
Waschrohstoffe
4-5
0320
Weichmacher
4-6
0330
Explosivstoffe
5-6
0340
Desinfektionsmittel
5-6
0350
Riechstoffe
4-5
0360
Antioxydantien
4-5
0370
Abbeizmittel
4-6
0380
H. v. Pharmazeut. Erzeugnissen
4-6
0390
H. v. Seifen, Wasch- u. Körperpflegemitteln
3-5
0400
H. v. Fotochem. Erzeugnissen
4-6
0410
H. v. Chemiefasern
5-6
0420
Mineralölverarbeitung
5-6
0430
H. v. Kunststoffwaren
4-6
0440
H. v. Gummiwaren
4-6
0445
Bereich Steine, Erden, Zement, Asbest, Keramik, Glas
1-5
0450
Gewinnung von Steinen u. Erden
1-3
0460
H. v. Zement/Beton
2-4
0470
H. v. Kalk, Mörtel, gebranntem Gips
2-3

0480
H. v. Asbestzementwaren
3-4
0490
Verarbeitung v. Asbest
3-4
0500
Grobkeramik
2-5
0510
Ziegelei
2-4
0520
Feinkeramik
2-5
0530
H. u. Verarb. v. Glas
2-5
0535
Bereich Hochöfen, Hütten, Gießereien
3-6
0540
Hochofen, Stahl- u. Warmwalzwerke
3-6
0550
Schmiede-, Press- u. Hammerwerke
3-5
0560
NE-Leichtmetallhütten
4-5
0570
NE-Schwermetallhütten
4-6
0580
NE-Metallumschmelzwerke
4-6
0590
Eisen-, Stahl- u. Tempergießerei
4-6
0600
NE-Metallgießerei
4-6
0605
Bereich Metallverarbeitung, Maschinenbau
3-6
0610
Ziehereien, Kaltwalzwerke
3-5
0620
Stahlverformung/Metallbau/Stahlbau/Metallverarbeitung 1)
3-5
0630
Oberflächenveredlung, Härtung
4-6
0640
Maschinenbau/Apparatebau 1)
3-4
0650
H. v. Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräten
und -einrichtungen 1)
3-4
0660
H. v. Kraftwagen u. deren Teilen 1)
3-5
0670
Schiffbau, Luft- u. Raumfahrzeugbau 1)
3-4
0680
Stahlbauerzeugnisse
3-4
0685
Bereich Elektro, Optik, Eisen, Metallwaren
3-6
0690
Elektrotechnik
3-6
0700
H. v. Batterien, Akkumulatoren
3-5
0710
Feinmechanik, Optik 1)
3-5
0720
H. v. Eisen-, Blech- u. Metallwaren/Draht 1)
3-5
0730
H. v. Musikinstr., Spielwaren, Sportger., Schmuck u.a. 1)
3-5

0735
Bereich Holzbe- und –verarbeitung
2-6
0740
Holzbearbeitung/Verarbeitung von Rohholz
2-3
0750
Holzimprägnierwerke
4-6
0760
Furnierwerke
4-5
0770
Sperrholzwerke
4-5
0780
Holzfaserplattenwerke
4-5
0790
Holzspanplattenwerke
4-5
0800
Holzverarbeitung; Großtischlerei
2-5
0805
Bereich Papier, Druckereien
3-6
0810
H. v. Zellstoff
4-6
0820
H. v. Papier, Pappe
3-6
0830
Druckerei/Vervielfältigung
4-6
0835
Bereich Leder, Schuhe
3-6
0840
Ledererzeugung
4-6
0850
Lederverarbeitung
3-5
0860
H. v. Schuhen
3-5
0865
Bereich Textilverarbeitung
2-6
0870
Textilgewerbe-Aufbereitung
4-6
0880
- Färberei
4-6
0890
- Druck
4-6
0900
- Ausrüstung
3-6
0910
Bekleidungsgewerbe
2-4
0915
Bereich Ernährung, Futter
3-6
0920
Ernährungsgewerbe
3-6
0930
Futtermittel
3-5
0940
Brauereien
3-4

0950
Transformatorenbau
4-6
0960
Kohlenmeiler
4-5
0970
Wachs-/Bohnerwachs-/Kerzenherstellung
5-6
0980
Schlackensteinherst., Aufbereitung von Schlacken
4-5
0990
Herstellg. v. Feuerlöschmitteln, Atemschutzgeräten
5-6
1000
Schuhcreme/Pflegemittelproduktion
5-6
1010
Herstellung und Verarbeitung von Neonröhren
4-6
1020
Papierverarbeitung/Verwertung
3-4
1030
Teerverarbeitung
5-6
1040
Matratzenfabrikation
2-4
1050
Acetylenherstellung
5-6
1900
Prod. u. verarb. Gewerbe, nicht näher einzuordnen
1-6
II.
GROSSHANDEL, DIENSTLEISTUNGSBETRIEBE,
VERSORGUNGS-
EINRICHTUNGEN
2000
Tierkörperverwertungsanstalt
3-6
2010
Fuhrpark/Autohandel/Motorradhandel
3-5
2020
Schlachthöfe
3-5
2030
Bahn, Güterbahnhöfe
4-5
2040
Flugplätze
4-6
2050
Kraftwerke und Fernwärmestationen
3-5
2060
Trafo-, Umformerstationen
4-6
2070
Handel u. Lagerung v. Mineralölprodukten u. Altöl
4-6
2080
Tankstellen
5-6
2090
Schrottplätze, Autoverwertung
4-6
2100
Lager u. Großhandel v. tier.- u. pflanzl. Fetten
3-4
2110
Flüssiggaslager
3-4
2120
Speditionen
3-4
2130
Munitions- u. Sprengstofflager (zivil)
3-5
2140
Schießstände (zivil)
3-5
2150
Autoreparaturwerkstätten
3-5
2160
Autolackierereien
5-6
2170
Chemische Reinigungen
5-6

2180
Textilverwertung
3-4
2190
Industrieanstr., Fahrbahnmarkierg., Bautenschutz
4-6
2200
Lackierereien, Handel u. Lagerung von Lacken
4-6
2210
Lagerung von Holz/Holzprodukten
3-4
2220
Vulkanisieranstalten
4-6
2230
Eloxierbetriebe
4-5
2240
Galvano-Technik, Galvano-Anstalten
5-6
2250
Reparaturwerkstätten gr. Betriebe
3-6
2260
Rost- u. Korrosionsschutzbetriebe
5-6
2270
Schlossereien, Heizung-/Sanitärbaugroßbetriebe
mit Werkstätten
3-5
2280
Verzinkereien
3-6
2290
Müll-/Fäkalientransp., Abfallumschlag und –behandlung
3-5
2300
Bauunternehmen, Baustoffhandel, Bauhof
3-4
2310
Lagerung und Großhandel v. Imprägnierstoffen
4-6
2320
Großhandel und Lagerung v. Kunststofferzeugnissen
3-4
2330
Lagerung u. Großhandel v. Eisen-, Metall-, Stahlwaren
3-4
2340
Kläranlagen, kommunal
3-4
2350
Lagerung von Streusalz
2-3
2360
Maschinenreparaturfirmen
3-6
2370
Steinbearbeitung
3-4
2380
Lagerung/Großhandel von/mit Düngemitteln
4-5
2390
Kohlehandel
3-4
2400
Reifenhandel/-reparatur
3-4
2410
Dachdeckerbetr./Teerpappen-, Bitumenverarbeitung
4-5
2420
Großhandel und Lagerung v./mit Tapeten/
Malereizubehör
3-6
2430
Dreherei/Schleiferei
3-5
2440
Lagerung und Handel von Hydraulikölen
5-6
2450
Materialprüfungsunternehmen
3-6
2460
Lagerung und Handel mit NE-Metallen
3-4
2470
Großhandel und Lagerung von/mit Verpackungen
2-4
2480
Verarb. von Kunststofferzeugnissen
4-6
2490
Großhandel/Lagerung von/mit chem. Erzeugnissen
2-6
2500
Großhandel/Lagerung von/mit pharmazeut. Produkten
2-5
2510
Lagerung und Großhandel von Eisenwaren
2-4

2520
Friedhöfe
3-4
2530
Gravieranstalten
4-6
2540
Großhandel/Lagerung von/mit Autoteilen, Zubehör
3-4
2550
Großhandel/Lagerung von Bergwerksprodukten
3-4
2560
Glas- und Gebäudereinigung
3-5
2570
Reparatur von Kälteaggregaten
4-6
2900
Großh., Dienstl., Vers.einr.; nicht näher einzuordnen
1-6
III.
DEPONIEN
entfällt hier
IV.
LANDWIRTSCHAFT
4000
Agrochemisches Zentrum
4-6
4010
Agrarflugplatz
4-5
4020
Landtechnik
3-6
4030
Silo und Speichereinrichtung
3-5
4040
Tieraufzucht (Rind, Schwein, Schaf)
3-5
4050
Güllehochlastfläche
4-5
4060
Lager für Schädlingsbekämpfungsmittel
4-6
4070
Hopfenanbau
3-5
4080
Trockenwerk
3-4
4090
Geflügelhaltung
4-5
4100
Obst- und Gemüseanbau
3-6
4110
Zierpflanzenanbau
3-6
4120
Weinanbau
3-5
4900
Landwirtschaft, nicht näher einzuordnen
1-6
V.
MILITÄRISCHE ALTLASTEN
RÜSTUNGSALTLASTEN, KRIEGSFOLGELASTEN,
5010
Pulver- u. Sprengstoffproduktionsstätten sowie
-füllstellen (einschl. Vor- u. Zwischenprodukte)
5-6
5020
Fabriken zur Herstellung von Zündmitteln und

pyrotechn. Erzeugnissen
4-6
5030
Kampfstofffabriken u. -füllstellen (einschl. Vor- und
Zwischenprodukte)
5-7
5040
Munitionsanstalten
4-6
5050
Munitionslager
3-5
5060
Schießplätze u. -stände sowie Truppenübungsplätze
3-6
5080
Flugplätze
4-6
5090
Tanklager (militär.)
4-6
5100
Munitionsablagerungen (ungeordnet)
3-5
5110
Vergrabungen von Munition (ohne Kampfstoffe)
3-5
5120
Vergrabungen von Kampfmitteln (ohne Munition und
Kampfstoffe)
3-5
5130
Vergrabungen von Kampfstoffmunition u. Kampfstoffe
5-7
5140
Munitionsfabriken
3-5
5200
Delaborierungsplätze u. –anlagen
(Entschärfungsstellen), Sprengplätze, Brandplätze
4-6
5300
gesonderte Anlagen der reinen Abproduktentsorgung,
Abwasser u. a. bei Rüstungsproduktion
3-6
5900
Rüstungs- u. militär. Altlasten (allg., nicht näher
einzuordnen)
2-6
VI.
IMMISSIONSFLÄCHEN
entfällt hier
VII.
TRANSPORTLEITUNGEN UND UNTERTAGESPEICHER
7000
Gasleitungen
4-5
7010
Untergrundspeicher
2-6
7020
Soleleitungen
2-3
7030
Ölleitungen
5-6
7040
Abwasserleitungen
4-6
7900
Leitungen, Schadstoffe nicht näher bekannt
2-6
1)
Bei Galvanik und/oder Härterei: r
0
= 6

ANLAGE 3.3
Tabelle 3: STOFFGEFÄHRLICHKEIT – r
0
- WERTE FÜR CHEMISCHE STOFFE UND
STOFFGRUPPEN
Parameter
r0
Σ
PAK
5,0
darunter:
Naphthalin
4,2
Acenaphtylen
4,5
Fluoren
4,5
Phenanthren
4,5
Anthracen
3,5
Fluoranthen
4,5
Pyren
4,5
Benz(a)anthracen
5,0
Chrysen
5,0
Benz(b)fluoranthen
5,0
Benz(k)fluoranthen
5,0
Benz(a)pyren
5,0
Dibenz(ah)anthracen
5,0
Indeno(1,2,3cd)pyren
5,0
Benz(ghi)perylen
4,5
Acenaphthen
4,5
PCB
5,5
PCDD/PCDF
6,0
Kohlenwasserstoffe DIN H 18
5,0
PBSM
6,0
Σ
BTEX-Aromaten
6,0
darunter:
Benzol
6,0
Toluol
4,8
Ethylbenzol
3,0
Xylole
4,5
Σ
LHKW
6,0
darunter:
Chlormethan
5,0

Dichlormethan
5,0
Trichlormethan
5,5
Tetrachlormethan
6,0
Dichlordifluormethan
4,0
Trichlorfluormethan
3,0
1,1-Dichlorethan
2,0
1,2-Dichlorethan
6,0
1,1,1-Trichlorethan
5,2
1,1,2-Trichlorethan
5,0
Hexachlorethan
4,0
Monochlorethen
6,0
1,1-Dichlorethan
3,0
1,1,1-Trichlorethan
6,0
Tetrachlorethen
6,0
Σ
HCH
5,5
darunter:
α
- HCH
3,5
ß - HCH
4,0
γ
- HCH
5,5
δ
- HCH
3,0
Acrylnitril
6,0
Ammoniak
4,8
Ammonium – Verbindungen
4,2
Antimon + Verbindungen
4,0
Arsen + Verbindungen
5,0
Barium + Verbindungen
4,5
Beryllium + Verbindungen
4,0
Blei + Verbindungen
4,0
Bor + Verbindungen
3,0
Cadmium + Verbindungen
5,0
Calcium + Verbindungen
0,5
Chlorbenzol
4,5
Chlorid
2,0
Chlorphenole
4,5
Chlortoluol
4,5
Chrom + Verbindungen
4,5
Cyanid
5,8

Dichlorbenzol
4,5
2,4-Dichlorphenol
5,2
1,2-Dichlorpropan
5,2
DDT
5,5
2,4-Dinitrophenol
4,5
2,6-Dinitrophenol
4,5
Epichlorhydrin
6,0
Fluorid
4,2
Fluorosilikate
4,5
Hexachlorbenzol
5,0
Kobalt + Verbindungen
2,5
Kohlendioxid
2,0
Kresole
4,8
Kupfer + Verbindungen
4,2
Magnesium + Verbindungen
1,5
Molybdän + Verbindungen
1,0
Nickel + Verbindungen
4,0
Nitrat
1,5
Nitrit
4,8
Nitrobenzol
4,8
Pentachlorphenol
6,0
Phenol
4,8
Phthalate
4,2
Pyridin
4,0
Quecksilber + Verbindungen
5,5
Selen + Verbindungen
4,0
Sulfat
1,5
Sulfid
3,0
Tetraethylblei
5,8
Thallium + Verbindungen
4,8
Thiocyanate
2,5
Trichlorbenzol
5,0
2,4,5-Trichlorphenol
5,2
Uran* + Verbindungen
3,5
Vanadin + Verbindungen
4,0
Zink + Verbindungen
1,5
Zinn + Verbindungen

Rüstungsaltlasten
Aminodinitrotoluol
3,0
1,3-Dinitrobenzol
5,3
2,4-Dinitrotoluol
6,0
2,6-Dinitrotoluol
4,5
2-Nitrotoluol
4,8
2,4,6-Trinitrophenol
4,8
2,4,6-Trinitrotoluol
5,0
* ohne Bewertung der Radioaktivität

image
ANLAGE 3.4.
Tabelle 4: Schadstoffaustrag m
I
Vergleichslage m
I
= 1,0
Altablagerung mit Sohle im ungesättigten Bereich über dem Grundwasser, einer Sohlabdichtung mit
10
-10
m/s < kF < 10
-8
m/s und 0,6 < d < 3 m, einer Sohlentwässerung, einer wirksamen
Oberflächenabdeckung und mit leicht löslichen relevanten Stoffen ( andere Einflußfaktoren siehe
Tabelle bei
m = + 0)

image
ANLAGE 3.5.
Tabelle 5: Schadstoffeintrag m
II
Vergleichslage m
II
= 1
Grundwassergeschütztheitsklasse 3, geringe Sorption der Schadstoffe, keine erhöhte Mobilität der
Schadstoffe durch pH-Wert oder Lösungsvermittler, geringe bis keine Abbaubarkeit

image
image
Tabelle 5 a: Grundwassergeschütztheitsklassen (GGK) bei Lockergesteins-GW-Leitern
Tabelle 5 b/1: Grundwassergeschütztheitsklassen (GGK) bei Festgesteins-GW-Leitern

image
Tabelle 5 b/2: Bewertung der Durchlässigkeit einer hangenden Gesteinshülle bei
Festgesteins-GWL

image
ANLAGE 3.6.
Tabelle 6: Schadstofftransport und -wirkung m
III

image
ANLAGE 3.7.
Tabelle 7: Bedeutung des Grundwassers m
VI

image
ANLAGE 3.8.
Tabelle 8a: Prüfwerte für Basisparameter zur Vor- und Hauptuntersuchung von Grundwasser
und Eluat (nach LAWA-Empfehlung 1/94)

image
Tabelle 8b: Prüf- und Maßnahmewerte für einige Leitparameter der Hauptuntersuchung von
Grundwasser und Eluaten (Höchstwerte nach LAWA-Empfehlung 1/94)

image
ANLAGE 4
Standorttypenblätter (L, F, L/F) zur Beurteilung der Schadstoffrückhaltung bei
hydrogeologischen Standorttypen im Locker- und Festgestein (m
II
_ und m
III
-Werte)
Legende
STANDORTTYPENBLATT L1
STANDORTTYPENBLATT L2
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein (Typ L1)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein (Typ L2)
GW-Leitertyp:
Poren-GWL
GW-Leitertyp:
Poren-GWL
Kennzeichnung:
hoher GW-Stand; freie GW-Oberfläche
Kennzeichnung:
tiefer GW-Stand; freie GW-Oberfläche
Beurteilung hinsichtlich
Beurteilung hinsichtlich

image
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle liegt (teilweise) in der
Saturationszone des Poren-GWL's. Die
Verhältnisse sind infolge Fehlens einer
Aerationszone sehr günstig: GGK 5
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle liegt in der
Aerationszone des GWL's. Je nach
Mächtigkeit der Aerationszone können die
Verhältnisse günstiger sein als beim
Standorttyp L1; GGK 1 bis 4
m
II
= 1,4
m
II
= 0,6 bis 1,2
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Verhältnisse werden durch die jeweiligen
Bedingungen in der GW-Zone und die
Stoffeigenschaften bestimmt
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse werden durch die jeweiligen
Bedingungen in der GW-Zone und die
Stoffeigenschaften bestimmt
0,8<m
III
,<1.2
0,8 < m
III
< 1,2
STANDORTTYPENBLATT L3
STANDORTTYPENBLATT L4
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein (Typ L3)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergesteintyp (Typ L4)
GW-Leitertyp:
Poren-GWL
GW-Leitertyp:
Poren-GWL
Kennzeichnung:
inhomogener GWL; unterliegend Festgestein
Kennzeichnung:
GWL mit schwebendem GW; unterliegend
GW-Geringleiter
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Schadstoffquelle liegt auf einem GWL mit
eingelagerten regelmäßigen und
unterbrochenen Zwischenschichten geringer
Durchlässigkeit. Diese können nicht als
gefahrenmindernd angesetzt werden.
Verhältnisse entsprechen denen der
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Verhältnisse sind gemäß den
Standorttypen L1 und 2 zu beurteilen

image
Standorttypen L1 und 2
06<m
II
<12
06 <m
II
<1,2
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Verhältnisse entsprechen denen der
Standorttypen L1 und die Zwischenschichten
sind bei der Berechnung der
Abstandsgeschwindigkeit zu berücksichtigen
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse werden durch die jeweiligen
Bedingungen in der GW-Zone und die
Schadstoffeigenschaften bestimmt
0,8<m
III
<1,2
0,8<m
III
<1,2
STANDORTTYPENBLATT L5
STANDORTTYPENBLATT L/F1
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein (Typ L5)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Lockergestein (Typ
LF/1))
GW-Leitertyp:
Poren-GWL
GW-Leitertyp:
Poren-GWL (GW-Geringleiter)
Kennzeichnung:
GWL mit Stockwerkstrennung; zwei GWL mit
entgegengesetzten Gradienten
Kennzeichnung:
hoher GW-Stand; aufsteigende GW-
Strömung im Bereich der Schadstoffquelle
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle liegt über einem in
Stockwerke gegliederten Poren-GWL. Die
Beurteilung ist gesondert für jedes GW-
Stockwerk vorzunehmen Für das obere GW-
Stockwerk sind die Verhältnisse wie bei den
Standorttypen L1 und L2 einzuschätzen
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle wird von mächtigen
bindigen Schichten mit hohem
Schadstoffrückhaltevermögen unterlagert.
Das aufsteigende GW wirkt als zusätzliche
hydraulische Barriere. Die Verhältnisse sind
aufgrund der geohydraulischen Verhältnisse
äußerst günstig; GGK< 2
0,6 < m
II
< 1,2
m
II
< 0,6
Für das untere GW-Stockwerk ergeben sich
in Abhängigkeit von der Mächtigkeit und

image
Durchlässigkeit des GW-Stauers günstige
bis sehr günstige Verhältnisse; GGK 1 bis 3
0,6 < m
II
< 1,0
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind gesondert für jedes
GW- Stockwerk einzuschätzen. Für das
obere GW- Stockwerk sind die Verhältnisse
analog Typ L1 und L2 anzusehen
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind aufgrund der
geohydraulischen Verhältnisse ebenfalls
sehr günstig
0,8 < m
III
< 1,2
m
III
< 0,8
Für das untere GW-Stockwerk sind die
Verhältnisse im Fall einer GW-
Kontaminationsgefährdung einzuschätzen:
Die Verfrachtung von Schadstoffen im OW
ist unter Beachtung des Vorfluterverlaufs im
Einzugsgebiet von Wasserfassungen
gesondert zu bewerten.
0,8 < m
III
< 1,3
Die Verfrachtung von Schadstoffen im OW
ist unter Beachtung des Vorfluterverlaufs im
Einzugsgebiet von Wasserfassungen
gesondert zu bewerten.
STANDORTTYPENBLATT L/F2
STANDORTTYPENBLATT L/F3
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/2)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/3)
GW-Leitertyp:
Poren-GWL (GW-Geringleiter)
GW-Leitertyp:
gemischter GWL
Kennzeichnung:
absteigende GW-Strömung bzw.
Sickerwasserbewegung im Bereich der
Schadstoffquelle
Kennzeichnung:
GW-Geringleiter mit zwischengelagerten
GWL(Locker- oder Festgestein)
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Beurteilung hinsichtlich Schadstoffeintrag
(m
II
-Wert):

image
Die Schadstoffquelle wird von mächtigen
bindigen Schichten mit hohem
Schadstoffrückhaltevermögen unterlagert.
Die Verhältnisse sind sehr günstig;
GGK < 2
Die Schadstoffquelle wird von bindigen
Schichten mit hohem
Schadstoffrückhaltevermögen unterlagert.
Über durchlässige Zonen und den
zwischengelagerten GWL ist eine schnelle
und weitreichende Schadstoffausbreitung
möglich. Die Verhältnisse sind günstig;
GGK < 3
m
II
ca. 0,6
0,6 < m
II
< 1,0
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind aufgrund der
geohydraulischen Situation ebenfalls sehr
günstig
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind ungünstig
m
III
ca. 0,8
m
III
1,0
Die Verfrachtung von Schadstoffen im OW
ist unter Beachtung des Vorfluterverlaufs im
Einzugsgebiet von Wasserfassungen
gesondert zu bewerten.
STANDORTTYPENBLATT L/F4
STANDORTTYPENBLATT L/F5
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/4)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/5)
GW-Leitertyp:
gemischter GWL
GW-Leitertyp :
gemischter GWL
Kennzeichnung:
GW-Geringleiter mit angeschnittenem
GWL(Locker- oder Festgestein)
Kennzeichnung:
GW-Geringleiter mit lateral angrenzendem
GWL(Locker- oder Festgestein)
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle wird von mächtigen
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle wird von mächtigen

image
bindigen Schichten mit hohem
Schadstoffrückhaltevermögen unterlagert. Im
angeschnittenen GWL ist eine schnelle und.
weitreichende Schadstoffausbreitung
möglich. Da der Schadstoffeintrag direkt in
den GWL erfolgt, bestehen sehr ungünstige
Verhältnisse; GGK 5
bindigen Schichten mit hohem
Schadstoffrückhaltevermögen unterlagert.
Für den in GW-Fließrichtung gelegenen
angrenzenden GWL besteht
Kontaminationsmöglichkeit. Die Verhältnisse
sind sehr ungünstig; GGK 5
m
II
= 1,4
m
II
= 1,4
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (mlll-Wert):
Die Verhältnisse sind ungünstig
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (mlll-Wert):
Die Verhältnisse sind bei geringen GW-
Fließgeschwindigkeiten als günstig bis sehr
günstig anzusehen
m
lll
> 1,0
m
III
< 0,8
Sofern der GWL bereits kontaminiert ist,
muß hierfür eine gesonderte
Gefahreneinschätzung vorgenommen
werden.
STANDORTTYPENBLATT L/F6
STANDORTTYPENBLATT L/F7
Hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/6)
hydrogeologischer Standorttyp:
Lockergestein oder Festgestein (Typ LF/7)
GW-Leitertyp:
Gemischter GWL
GW-Leitertyp:
gemischter GWL
Kennzeichnung:
GW-Geringleiter über GWL (Locker- oder
Festgestein); freie GW-Oberfläche
Kennzeichnung:
GW-Geringleiter über GWL (Locker- oder
Festgestein); hoher GW-Stand; gespanntes
GW
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):

image
Die Schadstoffquelle liegt in bindigen
Schichten, die über einem ungespannten
GW lagern. Die Verhältnisse werden
wesentlich von der Mächtigkeit und der
Durchlässigkeit der bindigen Schichten bzw.
von der Tiefenlage der GWO bestimmt; GGK
< 4
Die Schadstoffquelle liegt in bindigen
Schichten, die über einem gespannten GWL
lagern. Wenn die GW-Druckfläche des GWL
über der Standrohrspiegelhöhe im GW-
Geringleiter liegt, bestehen sehr günstige
Verhältnisse:
m
II
< 1,2
m
II
< 0,6
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse hängen entscheidend von
den Stoffeigenschaften und dem Untergrund
ab
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Es bestehen sehr günstige Bedingungen,
wenn Potentialverhältnisse wie vorstehend
beschrieben wurde, existieren:
m
III
= 0,8 bis 1,3
m
III
< 0,8
Falls umgekehrte Potentialverhältnisse
herrschen, sind die Verhältnisse bezüglich
Schadstoffeintrag und -transport in
Anlehnung an den Standorttyp L/F6 zu
beurteilen.
STANDORTTYPENBLATT F1
STANDORTTYPENBLATT F2
Hydrogeologischer Standorttyp:
Festgestein (Typ F1)
hydrogeologischer Standorttyp:
Festgestein (Typ F2)
GW-Leitertyp:
Kluft- bzw. Karst-GWL
GW-Leitertyp:
Kluft- bzw. Karst-GWL
Kennzeichnung:
hoher GW-Stand; freie GW-Oberfläche
Kennzeichnung:
tiefer GW-Stand; freie GW-Oberfläche
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle lagert direkt auf dem
Beurteilung hinsichtlich
Schadstoffeintrag(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle lagert direkt auf dem

image
Festgestein. Die Verhältnisse sind generell
ungünstig bis sehr ungünstig
Festgestein; in Abhängigkeit von der
Mächtigkeit der Aerationszone des GWL
können gegenüber dem Typ F1 etwas
günstigere Verhältnisse auftreten; GGK 2 bis
5
m
II
= 1,0 bis 1,4
m
II
= 0,8 bis 1,4
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind in der Regel als sehr
ungünstig anzusehen
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind als ungünstig bis sehr
ungünstig anzusehen
m
III
= 1,2 bis 1,3
m
III
= 1,0 bis 1,3
STANDORTTYPENBLATT F3
Hydrogeologischer Standorttyp:
Festgestein (Typ F3)
GW-Leitertyp:
Kluft- bzw. Karst-GWL
Kennzeichnung:
GWL mit Stockwerkstrennung; zwei GWL mit
gleichsinnigen Gradienten
Beurteilung hinsichtlich Schadstoffeintrag
(m
II
-Wert):
Die Schadstoffquelle lagert direkt über einem
in Stockwerke gegliederten Kluft- bzw. Karst-
GWL. Die Beurteilung ist gesondert für jedes
GW-Stockwerk vorzunehmen. Für das obere
GW-Stockwerk sind die Verhältnisse wie bei
den Standorttypen F1 und F2 einzuschätzen:
m
II
= 0,8 bis 1,4
Für das untere GW-Stockwerk ergeben sich

image
in Abhängigkeit von der Mächtigkeit und
Durchlässigkeit des GW-Stauers günstige
bis sehr günstige Verhältnisse; GGK 1 bis 3
m
II
= 0,6 bis 1,0
Beurteilung hinsichtlich Schadstofftransport
und Schadstoffwirkung (m
III
-Wert):
Die Verhältnisse sind gesondert für jedes
GW-Stockwerk einzuschätzen. Für das
obere GW-Stockwerk sind die Verhältnisse
analog Typ F1 und F2 anzusehen:
m
III
= 1,0 bis 1,3
Für das untere GW-Stockwerk sind im Fall
einer GW-Kontaminationsgefährdung die
Verhältnisse einzuschätzen:
m
III
= 0,8 bis 1,3

image
ANLAGE 5
Umrechnung der GW-Geschütztheit von A, B, C Auf 1, 2, 3, 4, 5

image
ANLAGE 6.1.
Erfassung der Proben- und Analysendaten (Anlage zum Bewertungsformblatt Grundwasser)
Seite 1

image
Erfassung der Proben- und Analysendaten (Anlage zum Bewertungsformblatt Grundwasser)
Seite 2

image
Erfassung der Proben- und Analysendaten (Anlage zum Bewertungsformblatt Grundwasser)
Seite 3

ANLAGE 6.2.
PROBENMATERlAL
WG
Grundwasser
WS
Sickerwasser
WO
Oberflächenwasser
WL
Bodenlösung
BE
Bodeneluat
TE
Abfalleluat
PROBENENTNAHMEART
W
Wassersammelprobe allgemein
WM
Wassermischprobe
WV
Sammelprobe über 24 h
WH
Schöpfprobe
WP
Pumpprobe
WN
Natürlicher Aus-/Uberlauf
WF
Entnahme Vorfluter
K
Kernprobe, allgemein
KR
Rammkernsondierung
BP
Bohrprobe, allgemein
SC
Schürfprobe

ANLAGE 8
Im Rahmen der Altlastenbehandlung sind bei der Technischen Erkundung Daten zur Umwelt
zu erheben, die nach sächsischer Rechtslage z. T. meldepflichtig sind und in das
Umweltinformationssystem (UIS) eingespeist werden. Dazu gehören u.a. hydrologische,
hydrochemische und hydrogeologische Daten, die mit dem Altlasten Gutachten an die
Umweltbehörde zu übergeben sind. Im einzelnen betrifft das folgende Inhalte:
Für jeden Aufschluß ( Brunnen, Pegel, sonst. Bohrung, Schurf usw.) sind zu erfassen:
Grunddaten geologischer Aufschlüsse und Grundwasserstammdaten
Schichtenverzeichnis
Technische Daten (Ausbau, Hinterfüllung)
Folgende hydrogeologische Untersuchungen sind zu dokumentieren, sofern sie durchgeführt
wurden:
Pump- und Tracerversuche
Isotopenanalysen
Korngrößenanalysen
sonstige geotechnisch-hydrogeolog. Laboruntersuchungen (z.B.
Durchflußversuche)
Wasserstandsmessungen
Wasseranalysen
Wurden aus diesen Untersuchungen abgeleitete Parameter ermittelt
(Durchlässigkeitsbeiwerte, Porositäten usw.), so sind diese nach der Erfassungsvorschrift »
Untersuchungsergebnisse « zu erfassen. Die entsprechenden Erfassungsvorschriften
werden vom LfUG, Referat GA2, bei Bedarf zur Verfügung gestellt. Gegenwärtig können
Erfassungsprogramme auf dBASE-Basis für die Grunddaten geologischer Aufschlüsse und
das Schichtenverzeichnis vom LfUG, Referat GA2, genutzt werden. Ende 1994 werden
voraussichtlich die Programme zur Erfassung von Pumpversuchen und
geowissenschaftlichen Proben und Analysendaten verfügbar sein.

Impressum
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landesentwicklung, Ostra –
Allee 23, 01067 Dresden, Tel.: (0351) 564 – 0 Fax.: (0351) 564 – 209
Bearbeitung:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Referat Altlasten,
Wasastraße 50, 01445 Radebeul 1, Tel.: (0351) 771303 Fax.: (0351) 771226
Gestaltung + Satz:
Steglich & Sprenger Typographik
Druck:
Sayffaerth & Krohn
gedruckt auf 100 % Recyclingpapier
Dresden, 2.1.1995