Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 1
Anlagenband
Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012
Potenzial biogener Abfälle im Freistaat Sachsen

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Inhaltsverzeichnis
Anlage 0:
Struktur der öffentlich-rechtlichen
Entsorgungsträger im Freistaat Sachsen........................................................... 3
Anlage A:
Biogene Abfälle der Lebensmittelindustrie.............................................................................................................. 6
Anlage B:
Literatur zum Küchenabfallpotenzial der Haushalte................................................................................................ 7
Anlage C: Küchenabfallpotenzial aus Haushalten ................................................................................................................... 8
Anlage D: Zusammensetzung von getrennt gesammeltem Bioabfall (Biotonne) ..................................................................... 9
Anlage E:
Flächengliederung................................................................................................................................................... 10
Anlage F:
Flächenverbrauch und Streckenlängen................................................................................................................... 12
Anlage G: Grünschnittpotenziale von Flächen und Strecken des Freistaates Sachsen, differenziert nach Nutzungsart......... 16
Anlage H: Grünschnittpotenzial der Haushalte ........................................................................................................................ 25
Anlage I:
Prognose des Küchenabfall- und Grünschnittpotenzials aus Haushalten im Freistaat Sachsen ............................ 26
Anlage J:
Betrachtete biogene Abfallarten nach Anhang 1 BioAbfV....................................................................................... 28
Anlage K:
Bilanzierung von Bioabfallbehandlungsverfahren inklusive der aufgeführten Randbedingungen auf Grundlage
verschiedener Quellen ............................................................................................................................................ 30
Anlage L:
Gegenüberstellung der verschiedenen Gebührensysteme ..................................................................................... 33
Anlage M: Abfallwirtschaftliche Steckbriefe der Vergleichsregionen mit hohen Bio- und Grünabfallerfassungsmengen ......... 36
Anlage N: Machbarkeitsstudie Bioabfallsammlung in öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger-Teilgebieten ......................... 42

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Anlage 0: Struktur der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger im Freistaat Sachsen
Tabelle 0.1: Strukturdaten der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger 2007 im Freistaat Sachsen
Fläche
[km
2
]
Einwohner
[E]
Bevölkerungsdichte
[E/km
2
]
Annaberg
438
81.946
187
Aue-Schwarzenberg
528 128.342 243
Chemnitzer Land
335
132.159
395
Stollberg
266 87.799 330
Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS)
1.567
430.246
275
Chemnitz, Stadt
221 245.224 1.110
Freiberg
914
142.592
156
Mittlerer Erzgebirgskreis
595
87.432
147
Mittweida
774
128.702
166
Abfallwirtschaftsverband Chemnitz (AWVC)
2.504
603.950
241
Vogtlandkreis
1.310
187.457
143
Plauen, Stadt
102 68.122 668
Entsorgungsverband Vogtland (EVV)
1.412
255.579
181
Zwickau, Stadt
103 96.346 935
Zwickauer Land
511
126.525
248
Zweckverband Abfallwirtschaft Zwickau (ZAZ)
614
222.871
363
Meißen
632
148.448
235
Riesa-Großenhain
821 111.970 136
Sächsische Schweiz
888
137.855
155
Weißeritzkreis
766 120.880 158
Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal (ZAOE)
3.107
519.153
167
Bautzen
961 147.138 153
Görlitz, Stadt
67
56.809
848
Kamenz
1.334 147.866 111
Löbau-Zittau
698
139.783
200
Niederschlesischer Oberlausitzkreis (NOL)
1.340
94.034
70
Regionaler Abfallverband Oberlausitz-Niederschlesien (RAVON)
4.400
585.630
133
Dresden, Stadt
328 505.563 1.541
Hoyerswerda, Stadt
95
41.051
432
Döbeln
425 71.136 167
Torgau-Oschatz
1.168
94.220
81
Abfallverband Nordsachsen (AVN)
1.593
165.383
104
Leipzig, Stadt
297
507.360
1.708
Leipziger Land
752 146.134 194
Muldentalkreis
895
129.739
145
Zweckverband Abfallwirtschaft Westsachsen (ZAW)
1.944
783.233
403
Delitzsch
852
121.355
142
Freistaat Sachsen
18.416
4.234.014
230

image
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Zum 1. August 2008 wurde im Freistaat Sachsen eine Kreisgebietsneugliederung wirksam (Abbildung 0.1). In Folge dessen
wurden die 22 Landkreise auf zehn und die sieben kreisfreien Städte auf drei reduziert. Die Städte Görlitz, Hoyerswerda,
Plauen und Zwickau verloren ihre Kreisfreiheit und wurden in die umgebenden Landkreise eingegliedert. Die Städte Chemnitz,
Dresden und Leipzig blieben nach der Kreisgebietsneugliederung weiterhin kreisfrei.
Abbildung 0.1: Kreisgebietsgliederung seit dem 1. August 2008 im Freistaat Sachsen
Die ehemaligen Gebiete der aufgelösten Landkreise und der eingekreisten Städte werden seit dem Jahr 2008, weil zum
Zeitpunkt der Studienerarbeitung noch keine Harmonisierung des Abfallwirtschaftssystems stattgefunden hat, als
Entsorgungsregion in Kombination mit dem Namen des aufgelösten Landkreises bzw. der eingekreisten Stadt bezeichnet.
Tabelle 0.2 zeigt für eine verbesserte Nachvollziehbarkeit die Zugehörigkeit der Entsorgungsregionen zu den neu gebildeten
Landkreisen.
Tabelle 0.2: Landkreise und zugehörige Entsorgungsregionen
Landkreise zugehörige Entsorgungsregionen
Erzgebirgskreis
Annaberg, Aue-Schwarzenberg, Mittlerer Erzgebirgskreis, Stollberg
Mittelsachsen Döbeln, Freiberg, Mittweida
Vogtlandkreis
Plauen, Vogtlandkreis
Zwickau
Chemnitzer Land, Zwickau, Zwickauer Land
Bautzen
Bautzen, Hoyerswerda, Kamenz,
Görlitz
Görlitz, Löbau-Zittau, Niederschlesischer Oberlausitzkreis
Meißen
Meißen, Riesa-Großenhain
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
Sächsische Schweiz, Weißeritzkreis
Leipzig
Leipziger Land, Muldentalkreis
Nordsachen Delitzsch, Torgau-Oschatz

image
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Die Kreisgebietsneugliederung hatte auch Auswirkungen auf die Organisationsstrukturen der Abfallverbände in Sachsen. Zum
1. Januar 2009 haben sich der EVV und der ZAZ gemäß § 62 Abs. 4 Sächsisches Gesetz über kommunale Zusammenarbeit
(SächsKomZG) in Verbindung mit § 4 Abs. 2 Satz 3 des Sächsischen Kreisgebietsneugliederungsgesetzes (SächsKrGebNG)
aufgelöst. Die Entsorgungsregion Hoyerswerda wurde zum gleichen Zeitpunkt in den RAVON eingegliedert. Die Landkreise
Nordsachsen und Zwickau gehören seit dem jeweils nur zum Teil einem Abfallverband an. Der Erzgebirgskreis sowie der
Landkreis Mittelsachsen sind jeweils mit Teilen Mitglied in zwei unterschiedlichen Abfallverbänden. Die kreisfreie Stadt Dresden
gehört keinem Abfallverband an. Die Abfallverbandsstruktur seit dem 1. Januar 2009 zeigt die Abbildung 0.2.
Abbildung 0.2: Abfallverbandsstruktur in Sachsen (Stand 1. Januar 2009)
Im Rahmen der Studienerarbeitung wurden zum Teil Informations- und Datenquellen des Jahres 2008 von externen Dritten
verwendet, die nur nach der Kreisgebietsneugliederung des Freistaates Sachsen vorlagen. In diesen Fällen kann keine
Ergebnisdarstellung nach den zugehörigen Entsorgungsregionen der Landkreise und den Abfallverbänden erfolgen.

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Anlage A: Biogene Abfälle der Lebensmittelindustrie
Tabelle A: Stoffdaten verschiedener biogener Abfälle aus der Lebensmittelindustrie [MULV Hessen 2008] (verändert)
TM
oTM
Methanertrag
%
%
m³ CH
4
/kg TM
m³ CH
4
/kg oTM
Substrat
von
bis
von
bis
von
bis
von
bis
Apfelschlempe
2
3
95
0,31
0,33
Apfeltrester
16
25
86
97
Biertreber
20
24
87
96
0,30
0,63
0,35
0,70
Hopfentreber
97
98
90
0,45
0,50
0,50
0,55
Filtrationskieselgur (Bier)
30
6
0,02
0,30
0,35
Gemüseabfall
5
20
76
90
0,30
0,40
Altbrot
65
90
96
98
0,67
0,74
0,70
0,75
Kakaoschalen
95
91
Kartoffelschlempe
6
15
87
90
0,22
0,50
0,24
0,55
Molke
4
6
80
92
0,50
0,60
Obsttrester
22
45
93
98
0,31
0,41
0,27
0,44
Rebentrester
25
50
75
95
Blutmehl
90
80
Flotatschlamm
5
24
93
98
0,56
0,78
0,60
0,80
Mageninhalt
12
15
80
84
0,16
0,25
0,20
0,30
Panseninhalt (unbehandelt)
11
19
80
88
0,21
0,35
0,26
0,40
Panseninhalt (abgepresst)
20
45
90
0,54
0,63
0,60
0,70
Knochenabfälle und Hautreste
57
63
Tierkörpermehl
8
25
90
0,45
0,72
0,50
0,80
Separatorfett
25
92
Fett aus Fettabscheidern
2
70
75
98
0,32
0,75
0,42
1,00

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Anlage B: Literatur zum Küchenabfallpotenzial der Haushalte
Küchenabfallpotenzial aus Haushalten
0
50
100
150
200
250
Dresdner Amtsblatt
1998*
Wiegel 1991,
Berechnung
Wiegel 1991,
Eigenversuch
Ketelsen und
Doedens 1992
Scheffold 2007
Aufkommen [kg/(E*a)]
65,1
70,3
44,0
69,7
50,0
80,0
60,0
201,2
25,2
* Spannw eite durch Einzelversuchsergebnisse
Abbildung B: Küchenabfallpotenzial aus Haushalten
In der Quelle W
IEGEL [1992] wurde das Küchenabfallpotenzial zum einen über die Spannweite des häuslichen Verbrauchs
einzelner Lebensmittel und deren Abfallanteil aufgeführt, zum anderen durch einen halbjährigen Eigenversuch belegt. Die
Daten von K
ETELSEN & DOEDENS [1992] beruhen auf verschiedenen Sortieranalysen von Hausmüll, bei denen Küchenabfall
getrennt ausgewiesen wurde. S
CHEFFOLD [2007] veranschlagt das Küchenabfallaufkommen mit 60 kg/(E*a).
Die Menge biogener Küchenabfälle schwankt aufgrund der Ernährungsgewohnheiten der Bevölkerung, wie beispielsweise
Verwendung von Fertigprodukten,
selbstständige Zubereitung von Gerichten,
Häufigkeit von Gaststättenbesuchen oder
Einnahme von Mahlzeiten am Arbeitsplatz.
In Auswertung der vorliegenden Analyseergebnisse ergibt sich ein durchschnittliches Aufkommen von 63 kg/(E*a). Die Mittel-
werte der einzelnen Quellen, die zu dieser Berechnung herangezogen wurden, streuen dabei mit 5,5 kg/(E*a).
Durch diese Literaturrecherche ist belegt, dass das gewichtete mittlere Aufkommen des Dresdner Küchenabfalls von
65,1 kg/(E*a) als durchschnittliches Potenzial betrachtet werden kann.

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Anlage C: Küchenabfallpotenzial aus Haushalten
Tabelle C: Küchenabfallpotenzial aus Haushalten im Freistaat Sachsen
Küchenabfallpotenzial
[Mg/a]
Bioabfall (Biotonne)
[Mg/a]
Beispiel
Küchenabfall (Biotonne) *
[Mg/a]
Annaberg
5.335
1.460
672
Aue-Schwarzenberg 8.355 5.493 2.527
Chemnitzer Land
8.604
724
333
Stollberg 5.716 54 25
ZAS
28.009
7.731
3.556
Chemnitz, Stadt
15.964
18.556
8.536
Freiberg
9.283
0
0
Mittlerer Erzgebirgskreis 5.692 0 0
Mittweida
8.379
0
0
AWVC 39.317 18.556 8.536
Vogtlandkreis
12.203
0
0
Plauen, Stadt
4.435
2.143
986
EVV
16.638
2.143
986
Zwickau, Stadt 6.272 0 0
Zwickauer Land
8.237
1.401
644
ZAZ 14.509 1.401 644
Meißen
9.664
1.066
490
Riesa-Großenhain 7.289 0 0
Sächsische Schweiz
8.974
245
113
Weißeritzkreis 7.869 3.598 1.655
ZAOE
33.797
4.909
2.258
Bautzen 9.579 5.665 2.606
Görlitz, Stadt
3.698
2.772
1.275
Kamenz 9.626 10.976 5.049
Löbau-Zittau
9.100
18.378
8.454
NOL 6.122 5.114 2.352
RAVON
38.125
42.905
19.736
Dresden, Stadt 32.912 24.677 11.351
Hoyerswerda, Stadt
2.672
1.279
588
Döbeln 4.633 2.651 1.219
Torgau-Oschatz
6.134
0
0
AVN 10.766 2.651 1.219
Leipzig, Stadt
33.029
33.029
17.224
Leipziger Land
9.513
9.513
0
Muldentalkreis
8.446
8.446
0
ZAW 50.988 50.988 17.224
Delitzsch
7.900
7.900
737
Freistaat Sachsen 275.634 275.634 124.213
* mit Ansatz: Stadt aus Schleswig-Holstein, Küchenabfallanteil in Biotonne ~46 %

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Anlage D: Zusammensetzung von getrennt gesammeltem Bioabfall (Biotonne)
Tabelle D: Zusammensetzung von getrennt gesammeltem Bioabfall (Biotonne) ausgewählter Analysen [INTECUS 2002]
Fraktion
Stadt in
Schleswig-Holstein
[%]
Stadt in
Rheinland-Pfalz *
[%]
Landkreis in
Rheinland-Pfalz *
[%]
Landkreis in
Rheinland-Pfalz *
[%]
Küchenabfälle
45,7
42,8
68,0
44,5
Gartenabfälle
49,1
4,5
3,7
5,4
Papier
2,3
26,6
7,3
21,3
Feinanteil
23,4
15,2
7,9
Sonstiges
2,9
2,7
5,9
21,1
Summe
100,0
100,0 100,0 100,0
* Küchen- und Gartenabfall hier unterteilt in strukturarm und strukturreich
Die Tabelle zeigt Ergebnisse von vier Bioabfallanalysen. In Analysen, bei denen eine Unterscheidung in strukturarm und
strukturreich anstelle in Küchen- und Gartenabfall vorgenommen wurde, wird der Anteil an Gartenabfall deutlich höher liegen
(z. B. Gras als strukturarm oder im Feinanteil enthalten). Für die Berechnung des Küchenabfallpotenzials aus Haushalten
(Anlage C) kann deshalb nur die Analyse aus Schleswig-Holstein verwendet werden.
Das einwohnerspezifische Küchenabfallpotenzial der Stadt in Schleswig-Holstein beträgt 84 kg/(E*a), darin ist allerdings auch
ein Gewerbeabfallanteil enthalten.

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Anlage E: Flächengliederung
Tabelle E: Flächengliederung der Bodenflächen im Freistaat Sachsen
Gliederung nach Statistischem Landesamt
[Statistisches Landesamt Sachsen 2009, a und f]
Benennung und Gliederung
in vorliegender Studie
Siedlungs- und Verkehrsflächen
Gebäude- und Freiflächen
öffentliche Zwecke
öffentliche Gebäudeflächen
Wohnen
Haushalte
Handel und Dienstleistung
Gewerbe und Industrie
Gewerbe und Industrie
Gewerbe und Industrie
Versorgungsanlagen
Gewerbe und Industrie
Entsorgungsanlagen
Gewerbe und Industrie
Land- und Forstwirtschaft
Gewerbe und Industrie
ungenutzt, Bauplatz
Gewerbe und Industrie
nicht weiter untergliedert
Aufteilung entsprechend der Anteile öffentlicher
Gebäude, der Haushalte und von Gewerbe und
Industrie
Betriebsfläche (ohne Abbauland)
Gewerbe und Industrie
Erholungsfläche
Erholungsflächen
Friedhofsfläche
Friedhofsflächen
Verkehrsfläche
über linienförmige Betrachtungsweise
Landwirtschaftsfläche
nicht betrachtet
Waldfläche
nicht betrachtet
Wasserfläche
über linienförmige Betrachtungsweise
Abbauland
nicht betrachtet
Flächen anderer Nutzung (ohne Friedhof)
nicht betrachtet
Für die Abschätzung des Grünschnittpotenzials im Rahmen dieser Studie sind alle Siedlungs- und Verkehrsflächen sowie die
Uferflächen von Relevanz.

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Nutzungsverteilung der Bodenflächen im Freistaat Sachsen
Flächen anderer
Nutzung; 2,2%
Siedlungs- und
Verkehrsfläche;
11,7%
Landwirtschafts-
flächen; 55,7%
Waldflächen;
26,8%
Wasserflächen;
1,8%
Abbauland; 1,8%
davon
- 6,6% Gebäude- und
Freiflächen
- 4,0% Verkehrsflächen
- 0,8% Erholungsflächen
- 0,2% Betriebsflächen
(ohne Abbauland)
- 0,1% Friedhofsflächen
Abbildung E: Nutzungsverteilung der Bodenflächen im Freistaat Sachsen [Statistisches Landesamt Sachsen 2009, a]

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Anlage F: Flächenverbrauch und Streckenlängen
Tabelle F 1: Betrachtete Gebäude- und Freiflächen
Wohnflächen
[ha]
Öffentliche Flächen
[ha]
Gewerbe-/Industrieflächen
[ha]
Annaberg
1.183
113
848
Aue-Schwarzenberg 1.822 261 1.389
Chemnitzer Land
1.531
210
1.417
Stollberg 1.164 118 940
ZAS
5.700
703
4.594
Chemnitz, Stadt
2.337
493
1.958
Freiberg
2.234
254
2.043
Mittlerer Erzgebirgskreis
1.645
182
1.152
Mittweida
2.141
237
2.027
AWVC
8.357 1.167 7.180
Vogtlandkreis
3.230
347
2.711
Plauen, Stadt
594
92
538
EVV
3.824
439
3.248
Zwickau, Stadt
764
172
1.384
Zwickauer Land
1.630
134
1.345
ZAZ 2.394 306 2.729
Meißen
1.919
268
1.812
Riesa-Großenhain 1.429 275 2.190
Sächsische Schweiz
1.713
294
1.638
Weißeritzkreis 1.874 250 1.508
ZAOE
6.935
1.087
7.148
Bautzen 2.505 337 2.411
Görlitz, Stadt
589
136
577
Kamenz 2.458 337 2.877
Löbau-Zittau
1.999
443
2.166
NOL 3.071 313 2.595
RAVON
10.622
1.565
10.625
Dresden, Stadt
3.203
983
3.058
Hoyerswerda, Stadt
404
163
262
Döbeln
1.178 139 1.085
Torgau-Oschatz
1.881
263
1.858
AVN 3.059 402 2.942
Leipzig, Stadt
2.734
878
3.512
Leipziger Land
1.833
257
3.132
Muldentalkreis
2.007
265
2.003
ZAW 6.575 1.401 8.647
Delitzsch
2.279
269
2.357
Freistaat Sachsen
53.351
8.485
52.791

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Tabelle F 2: Erholungs- und Friedhofsflächen
Erholungsfläche gesamt
[ha}
Friedhofsfläche
[ha]
Annaberg
283
33
Aue-Schwarzenberg 479 44
Chemnitzer Land
445
48
Stollberg 255 28
ZAS
1.462
153
Chemnitz, Stadt
925
75
Freiberg
445
57
Mittlerer Erzgebirgskreis
281
28
Mittweida
498
61
AWVC 2.149 221
Vogtlandkreis
804
89
Plauen, Stadt
283
44
EVV
1.087
133
Zwickau, Stadt
224
31
Zwickauer Land
375
50
ZAZ 599 81
Meißen
565
49
Riesa-Großenhain 439 44
Sächsische Schweiz
527
42
Weißeritzkreis 486 39
ZAOE
2.017
174
Bautzen 599 60
Görlitz, Stadt
188
33
Kamenz 673 55
Löbau-Zittau
525
86
NOL 775 60
RAVON
2.760
294
Dresden, Stadt
1.195
171
Hoyerswerda, Stadt
192
13
Döbeln
192 33
Torgau-Oschatz
484
58
AVN 676 91
Leipzig, Stadt
2.054
198
Leipziger Land
899
59
Muldentalkreis
675
44
ZAW 3.628 301
Delitzsch
647
52
Freistaat Sachsen
16.412
1.684

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Tabelle F 3: Straßenlängen
Straßenlänge [km]
Autobahn-
abschnitt
Autobahnast
Bundesstraße
Staatsstraße
Kreisstraße
Chemnitz, Stadt
24,60
31,66
64,60
40,62
47,32
Erzgebirgskreis
16,18
4,11
304,81
621,14
328,69
Mittelsachsen
62,69
20,23
281,05
637,75
714,64
Vogtlandkreis
43,68
12,30
222,46
347,73
628,85
Zwickau
55,33
20,31
144,57
300,64
370,75
Dresden, Stadt
34,10
32,02
78,26
85,63
80,98
Bautzen
65,22
22,07
239,97
578,79
836,21
Görlitz
25,18
7,17
227,91
484,15
492,88
Meißen
58,40
22,55
180,29
314,54
580,97
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
34,49
7,54
107,11
564,01
589,04
Leipzig, Stadt
31,13
21,42
91,36
58,80
63,66
Leipzig
49,51
16,93
240,70
355,19
563,91
Nordsachsen
30,44
22,13
291,01
374,21
580,51
Freistaat Sachsen
531
240
2.474
4.763
5.878
Tabelle F 4: Bahnstrecken
Bahnstrecke
[km]
Chemnitz, Stadt
100
Erzgebirgskreis
375
Mittelsachsen
305
Vogtlandkreis
210
Zwickau
165
Dresden, Stadt
58
Bautzen
260
Görlitz
283
Meißen
230
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
185
Leipzig, Stadt
85
Leipzig
238
Nordsachsen
205
Freistaat Sachsen
2.698

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 15
Tabelle F 5: Pflegewasserlängen Fließgewässer 1. Ordnung
Pflegewasserlängen
Fließgewässer
1. Ordnung
[km]
Chemnitz, Stadt
205
Erzgebirgskreis 1.531
Mittelsachsen
1.985
Vogtlandkreis 1.095
Zwickau
912
Dresden, Stadt
262
Bautzen
2.198
Görlitz
1.743
Meißen
1.418
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
1.309
Leipzig, Stadt
207
Leipzig 1.295
Nordsachsen
1.288
Freistaat Sachsen
15.449
Tabelle F 6: Pflegewasserlängen Standgewässer
Pflegewasserlängen
Standgewässer
[km]
Chemnitz, Stadt
55
Erzgebirgskreis 350
Mittelsachsen
400
Vogtlandkreis 371
Zwickau
318
Dresden, Stadt
44
Bautzen
609
Görlitz
454
Meißen
245
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
207
Leipzig, Stadt
81
Leipzig 517
Nordsachsen
505
Freistaat Sachsen
4.157

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 16
Anlage G: Grünschnittpotenziale von Flächen und Strecken des Freistaates Sachsen, differenziert nach Nutzungsart
Tabelle G 1: Absolutes Grünschnittpotenzial der Haushalte im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
tatsächlich erfasste
Grünabfallmenge
[Mg/a]
Grünabfallmengen Biotonne
und Grünabfallsammlung *
[Mg/a]
Annaberg
12.775
113
843
Aue-Schwarzenberg 19.680 3.135 5.882
Chemnitzer Land
16.532
50
412
Stollberg 12.574 163 190
ZAS
61.561
3.461
7.327
Chemnitz, Stadt
21.032
3.326
12.604
Freiberg
24.130
117
117
Mittlerer Erzgebirgskreis
17.764
14.915
14.915
Mittweida
23.128
0
0
AWVC 86.054 18.358 27.636
Vogtlandkreis
34.880
1.431
1.431
Plauen, Stadt
5.350
2.071
3.143
EVV
40.230
3.502
4.574
Zwickau, Stadt
6.878
673
673
Zwickauer Land
14.666
608
1.309
ZAZ 21.544 1.281 1.982
Meißen
20.720
1.332
1.865
Riesa-Großenhain 15.437 17.110 17.110
Sächsische Schweiz
18.500
1.021
1.144
Weißeritzkreis 20.242 7.327 9.126
ZAOE
74.899
26.790
29.245
Bautzen 27.053 1.149 3.982
Görlitz, Stadt
5.298
0
1.386
Kamenz 26.549 0 5.488
Löbau-Zittau
21.587
0
9.189
NOL 33.168 1.504 4.061
RAVON
113.655
2.653
24.106
Dresden, Stadt
28.824
11.783
24.122
Hoyerswerda, Stadt
3.639
0
640
Döbeln
10.605 0 1.326
Torgau-Oschatz
16.926
5.940
5.940
AVN 27.531 5.940 7.266
Leipzig, Stadt
24.610
13.224
21.836
Leipziger Land
19.795
119
119
Muldentalkreis
21.679
2.050
2.050
ZAW 66.084 15.393 24.005
Delitzsch
20.509
4.065
4.434
Freistaat Sachsen
544.529
93.226
155.333
* mit Ansatz: Grünabfallanteil in Biotonne bis zu 50 % und getrennt gesammelter Grünabfall

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 17
Tabelle G 2: Absolutes und spezifisches Grünschnittpotenzial der für öffentliche Zwecke genutzten Gebäude- und
Freiflächen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
[kg/(E*a)]
Annaberg
904
11
Aue-Schwarzenberg 2.089 16
Chemnitzer Land
1.684
13
Stollberg 947 11
ZAS
5.624
13
Chemnitz, Stadt
3.945
16
Freiberg
2.035
14
Mittlerer Erzgebirgskreis
1.459
17
Mittweida
1.898
15
AWVC 9.336 15
Vogtlandkreis
2.773
15
Plauen, Stadt
739
11
EVV
3.513
14
Zwickau, Stadt
1.375
14
Zwickauer Land
1.070
8
ZAZ 2.445 11
Meißen
2.143
14
Riesa-Großenhain 2.203 20
Sächsische Schweiz
2.351
17
Weißeritzkreis 1.996 17
ZAOE
8.693
17
Bautzen 2.692 18
Görlitz, Stadt
1.085
19
Kamenz 2.698 18
Löbau-Zittau
3.543
25
NOL 2.502 27
RAVON
12.520
21
Dresden, Stadt
7.866
16
Hoyerswerda, Stadt
1.304
32
Döbeln
1.113 16
Torgau-Oschatz
2.104
22
AVN 3.217 19
Leipzig, Stadt
7.024
14
Leipziger Land
2.060
14
Muldentalkreis
2.122
16
ZAW 11.205 14
Delitzsch
2.154
18
Freistaat Sachsen
67.877
16

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 18
Tabelle G 3: Absolutes und spezifisches Grünschnittpotenzial von gewerblich/industriell genutzten Flächen im
Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
[kg/(E*a)]
Annaberg
6.782
83
Aue-Schwarzenberg 11.113 87
Chemnitzer Land
11.336
86
Stollberg 7.523 86
ZAS
36.754
85
Chemnitz, Stadt
15.661
64
Freiberg
16.347
115
Mittlerer Erzgebirgskreis
9.216
105
Mittweida
16.214
126
AWVC 57.437 95
Vogtlandkreis
21.684
116
Plauen, Stadt
4.302
63
EVV
25.986
102
Zwickau, Stadt
11.069
115
Zwickauer Land
10.763
85
ZAZ 21.832 98
Meißen
14.497
98
Riesa-Großenhain 17.518 156
Sächsische Schweiz
13.105
95
Weißeritzkreis 12.062 100
ZAOE
57.182
110
Bautzen 19.287 131
Görlitz, Stadt
4.615
81
Kamenz 23.014 156
Löbau-Zittau
17.329
124
NOL 20.759 221
RAVON
85.003
145
Dresden, Stadt
24.467
48
Hoyerswerda, Stadt
2.093
51
Döbeln
8.676 122
Torgau-Oschatz
14.863
158
AVN 23.539 142
Leipzig, Stadt
28.097
55
Leipziger Land
25.056
171
Muldentalkreis
16.023
124
ZAW 69.176 88
Delitzsch
18.858
155
Freistaat Sachsen
422.329
100

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 19
Tabelle G 4: Absolutes und spezifisches Grünschnittpotenzial der Erholungsflächen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
[kg/(E*a)]
Annaberg
4.838
59
Aue-Schwarzenberg 8.189 64
Chemnitzer Land
7.608
58
Stollberg 4.360 50
ZAS
24.995
58
Chemnitz, Stadt
15.815
64
Freiberg
7.608
53
Mittlerer Erzgebirgskreis
4.804
55
Mittweida
8.514
66
AWVC 36.741 61
Vogtlandkreis
13.746
73
Plauen, Stadt
4.838
71
EVV
18.584
73
Zwickau, Stadt
3.830
40
Zwickauer Land
6.411
51
ZAZ 10.241 46
Meißen
9.660
65
Riesa-Großenhain 7.505 67
Sächsische Schweiz
9.010
65
Weißeritzkreis 8.309 69
ZAOE
34.484
66
Bautzen 10.241 70
Görlitz, Stadt
3.214
57
Kamenz 11.506 78
Löbau-Zittau
8.976
64
NOL 13.250 141
RAVON
47.187
81
Dresden, Stadt
20.431
40
Hoyerswerda, Stadt
3.283
80
Döbeln
3.283 46
Torgau-Oschatz
8.275
88
AVN 11.557 70
Leipzig, Stadt
35.117
69
Leipziger Land
15.370
105
Muldentalkreis
11.540
89
ZAW 62.027 79
Delitzsch
11.062
91
Freistaat Sachsen
280.592
66

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 20
Tabelle G 5: Absolutes und spezifisches Grünschnittpotenzial der Friedhofsflächen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
[kg/(E*a)]
Annaberg
627
8
Aue-Schwarzenberg 836 7
Chemnitzer Land
912
7
Stollberg 532 6
ZAS
2.907
7
Chemnitz, Stadt
1.425
6
Freiberg
1.083
8
Mittlerer Erzgebirgskreis
532
6
Mittweida
1.159
9
AWVC 4.199 7
Vogtlandkreis
1.691
9
Plauen, Stadt
836
12
EVV
2.527
10
Zwickau, Stadt
589
6
Zwickauer Land
950
8
ZAZ 1.539 7
Meißen
931
6
Riesa-Großenhain 836 7
Sächsische Schweiz
798
6
Weißeritzkreis 741 6
ZAOE
3.306
6
Bautzen 1.140 8
Görlitz, Stadt
627
11
Kamenz 1.045 7
Löbau-Zittau
1.634
12
NOL 1.140 12
RAVON
5.586
10
Dresden, Stadt
3.249
6
Hoyerswerda, Stadt
247
6
Döbeln
627 9
Torgau-Oschatz
1.102
12
AVN 1.729 10
Leipzig, Stadt
3.762
7
Leipziger Land
1.121
8
Muldentalkreis
836
6
ZAW 5.719 7
Delitzsch
988
8
Freistaat Sachsen
31.996
8

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 21
Tabelle G 6.1: Absolutes Grünschnittpotenzial der Straßenbegleitflächen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[Mg/a]
Chemnitz, Stadt
1.975
618
2.594
Erzgebirgskreis 8.150 4.422 12.572
Mittelsachsen
11.645
5.841
17.486
Vogtlandkreis 8.459 4.281 12.739
Zwickau
6.443
2.969
9.413
Dresden, Stadt
2.728
956
3.684
Bautzen
11.858
5.923
17.781
Görlitz
8.063
4.266
12.329
Meißen
8.151
3.887
12.038
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
8.582
4.474
13.056
Leipzig, Stadt
2.287
827
3.115
Leipzig 8.407 4.159 12.566
Nordsachsen
8.686
4.439
13.124
Freistaat Sachsen
95.434
47.062
142.496
Tabelle G 6.2: Spezifisches Grünschnittpotenzial der Straßenbegleitflächen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[kg/(E*a)]
Chemnitz, Stadt
8
3
11
Erzgebirgskreis 21 12 33
Mittelsachsen
34
17
51
Vogtlandkreis 33 17 50
Zwickau
18
8
27
Dresden, Stadt
5
2
7
Bautzen
36
18
53
Görlitz
28
15
43
Meißen
31
15
46
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
33
17
51
Leipzig, Stadt
4
2
6
Leipzig 31 15 46
Nordsachsen
41
21
61
Freistaat Sachsen
23
11
34

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 22
Tabelle G 7: Absolutes und spezifisches Grünschnittpotenzial (Gehölzschnitt) der Bahnstrecken im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
[kg/(E*a)]
Chemnitz, Stadt
350
1,4
Erzgebirgskreis
1.313
3,4
Mittelsachsen
1.068
3,1
Vogtlandkreis
735
2,9
Zwickau
578
1,6
Dresden, Stadt
203
0,4
Bautzen
910
2,7
Görlitz
989
3,4
Meißen
805
3,1
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
648
2,5
Leipzig, Stadt
298
0,6
Leipzig
831
3,0
Nordsachsen
718
3,4
Freistaat Sachsen
9.443
2,2

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 23
Tabelle G 8.1: Absolutes Grünschnittpotenzial der Fließgewässerrandstreifen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[Mg/a]
Chemnitz, Stadt
903
185
1.088
Erzgebirgskreis 6.737 1.378 8.115
Mittelsachsen
8.735
1.787
10.522
Vogtlandkreis 4.817 985 5.803
Zwickau
4.014
821
4.835
Dresden, Stadt
1.152
236
1.388
Bautzen
9.671
1.978
11.649
Görlitz
7.669
1.569
9.238
Meißen
6.240
1.276
7.516
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
5.759
1.178
6.937
Leipzig, Stadt
911
186
1.097
Leipzig 5.700 1.166 6.866
Nordsachsen
5.669
1.159
6.828
Freistaat Sachsen
67.977
13.904
81.881
Tabelle G 8.2: Spezifisches Grünschnittpotenzial der Fließgewässerrandstreifen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[kg/(E*a)]
Chemnitz, Stadt
4
1
4
Erzgebirgskreis 18 4 21
Mittelsachsen
26
5
31
Vogtlandkreis 19 4 23
Zwickau
11
2
14
Dresden, Stadt
2
0
3
Bautzen
29
6
35
Görlitz
27
5
32
Meißen
24
5
29
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
22
5
27
Leipzig, Stadt
2
0
2
Leipzig 21 4 25
Nordsachsen
26
5
32
Freistaat Sachsen
16
3
19

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 24
Tabelle G 9.1: Absolutes Grünschnittpotenzial der Standgewässerrandstreifen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[Mg/a]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[Mg/a]
Chemnitz, Stadt
183
37
220
Erzgebirgskreis 1.155 236 1.391
Mittelsachsen
1.321
270
1.591
Vogtlandkreis 1.224 250 1.474
Zwickau
1.050
215
1.265
Dresden, Stadt
144
29
173
Bautzen
2.009
411
2.419
Görlitz
1.499
307
1.806
Meißen
810
166
975
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
682
140
822
Leipzig, Stadt
268
55
323
Leipzig 1.706 349 2.055
Nordsachsen
1.666
341
2.007
Freistaat Sachsen
13.717
2.806
16.522
Tabelle G 9.2: Spezifisches Grünschnittpotenzial der Standgewässerrandstreifen im Freistaat Sachsen
Grünschnittpotenzial
Grasschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
Gehölzschnitt
[kg/(E*a)]
Grünschnittpotenzial
gesamt
[kg/(E*a)]
Chemnitz, Stadt
0,7
0,2
0,9
Erzgebirgskreis 3,0 0,6 3,6
Mittelsachsen
3,9
0,8
4,7
Vogtlandkreis 4,8 1,0 5,8
Zwickau
3,0
0,6
3,6
Dresden, Stadt
0,3
0,1
0,3
Bautzen
6,0
1,2
7,3
Görlitz
5,2
1,1
6,3
Meißen
3,1
0,6
3,8
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
2,6
0,5
3,2
Leipzig, Stadt
0,5
0,1
0,6
Leipzig 6,2 1,3 7,5
Nordsachsen
7,8
1,6
9,4
Freistaat Sachsen
3,3
0,7
3,9

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 25
Anlage H: Grünschnittpotenzial der Haushalte
Flächenspezifisches Grünschnittpotenzial der Haushalte
0,00
1,00
2,00
3,00
4,00
5,00
Scheffold
2007
Ketelsen
und
Doedens
1992
Schubert
2007
Fricke
1994
Fricke
1994
Doedens
1982
Aufkommen [kg/(m²*a)]
Grünabfall
gesamt
Rasen
Weidegras
Gehölz
1,5
1,4
0,2
1,5
1,5
2,2
3,0
3,5
0,7
Abbildung H: Flächenspezifisches Grünschnittpotenzial der Haushalte
K
ETELSEN & DOEDENS [1992] geben nach dem Verweis auf verschiedene Einflussfaktoren eine Schwankungsbreite für
Grünschnitt der Hausgärten von 1,5 bis 3,5 kg/(m²*a) an. In einer früheren Quelle macht D
OEDENS [1982] Angaben zum
Aufkommen an Rasenschnitt und weist darauf hin, dass es sich bei dem angenommenen flächenspezifischen Aufkommen um
einen geschätzten Wert handelt. Er bezieht sich bei seiner Abschätzung auf ein Aufkommen an Weidegräsern, merkt jedoch an,
dass in Hausgärten Rasen mit weniger Biomasseerträgen vorkommt. Als Wert für reinen Rasenschnitt setzt er 2,2 kg/(m²*a) an.
Weil beim gesamten Grünschnitt der Gärten auch Baum- und Strauchschnitt mit betrachtet werden, die weniger Potenzial
liefern, sollte der Wert für gemischten Grünschnitt unter diesen 2,2 kg/(m²*a) liegen. Der hohe Wert von K
ETELSEN &
DOEDENS [1992] resultiert vermutlich aus der zusätzlichen Betrachtung der Weidegräser.
Die tatsächlich erfasste Menge an Grünschnitt ist in der Quelle S
CHUBERT [2007] für Wohnbebauungen angegeben. Diese kann
für die Potenzialbetrachtung mit herangezogen werden, weil bei den Pflegemaßnahmen üblicherweise der gesamte Grünschnitt
erfasst wird (Pflege flächendeckend, keine Komposter an den Wohnbebauungen). Weil davon auszugehen ist, dass bei dieser
Datenermittlung mitunter ein Teil des Materials als Mulch auf den Flächen belassen wurde, sollte der angegebene Wert von
1,4 kg/(m²*a) als unterer Grenzwert angesehen werden. S
CHEFFOLD [2007] setzt 1,5 kg/(m²*a) für Grünschnitt der Hausgärten
an, macht jedoch keine genauen Angaben zur Herkunft dieses Wertes. Weil dieser Wert mit den anderen Quellen vergleichbar
ist, wird er für die Betrachtung mit herangezogen. F
RICKE [1994] macht separate Angaben zum flächenspezifischen Potenzial
von Rasenschnitt (1,5 bis 3 kg/(m²*a)), Weidegräsern (3 bis 5 kg/(m²*a)) und Gehölzschnitt (0,15 bis 0,7 kg/(m²*a)). Wie bereits
erwähnt, ist von einem Aufkommen an Weidegräsern an Gebäude- und Freiflächen abzusehen. Die Einflussfaktoren auf die
Biomasseproduktion wurden bereits im einleitenden Kapitel dieses Abschnittes beschrieben. Dadurch bedingt treten
Schwankungen zwischen den einzelnen Literaturangaben auf. Für die Potenzialbetrachtung wird überschlägig eine mittlere
Angabe zum Grünschnittaufkommen von 1,8 kg/(m²*a) genutzt. Dieser Faktor entspricht dem Mittelwert der drei Quellen, die
den gesamten Grünschnitt der Hausgärten betrachten.
Aus den Quellen zum Aufkommen an Rasenschnitt wurde ein mittleres flächenspezifisches Aufkommen an Rasenschnitt von
2,25 kg/(m²*a) berechnet. Aus der Angabe von F
RICKE [1994] ergeben sich durchschnittlich 0,43 kg/(m²*a) Gehölzschnitt. Geht
man von einem mittleren Grünschnittaufkommen von Gebäude- und Freiflächen von 1,8 kg/(m²*a) aus, so würde dies eine
Flächenverteilung von 75 % Rasenfläche und 25 % Gehölzfläche bedeuten. Diese Flächenverteilung von Rasen- und Gehölz-
fläche in Gärten kann durchaus als realistischer Wert betrachtet werden, der das mittlere Grünschnittaufkommen von
1,8 kg/(m²*a) bestätigt.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 26
Anlage I: Prognose des Küchenabfall- und Grünschnittpotenzials aus Haushalten im Freistaat Sachsen
Tabelle I 1: Prognose des Küchenabfallpotenzials aus Haushalten bis zum Jahr 2020 im Freistaat Sachsen (in Mg/a)
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
Chemnitz, Stadt
15.964
15.741
15.624
15.526
15.435
15.344
15.253
15.155
15.064
14.966
14.869
14.771
14.667
14.569
Erzgebirgskreis
25.097
24.751
24.517
24.308
24.113
23.931
23.742
23.560
23.384
23.202
23.026
22.850
22.668
22.499
Mittelsachsen
17.661
17.421
17.278
17.147
17.024
16.906
16.796
16.685
16.561
16.451
16.340
16.229
16.119
16.008
Vogtlandkreis
16.638
16.418
16.282
16.171
16.067
15.963
15.865
15.774
15.676
15.578
15.481
15.390
15.299
15.194
Zwickau
23.112
22.805
22.603
22.427
22.251
22.088
21.926
21.756
21.594
21.437
21.281
21.125
20.975
20.812
Dresden, Stadt
32.912
33.253
33.422
33.566
33.702
33.826
33.943
34.054
34.151
34.236
34.314
34.379
34.438
34.483
Bautzen
21.877
21.568
21.385
21.242
21.112
20.982
20.865
20.754
20.637
20.520
20.409
20.292
20.174
20.057
Görlitz
18.920
18.593
18.397
18.235
18.091
17.955
17.818
17.694
17.577
17.447
17.323
17.212
17.089
16.972
Meißen
16.953
16.835
16.757
16.705
16.653
16.614
16.581
16.542
16.503
16.470
16.431
16.392
16.347
16.301
Sächsische Schweiz Osterzgebirge
16.844
16.679
16.594
16.535
16.490
16.444
16.412
16.379
16.347
16.308
16.275
16.242
16.197
16.164
Leipzig, Stadt
33.029
33.201
33.286
33.396
33.507
33.611
33.696
33.761
33.806
33.839
33.859
33.865
33.865
33.859
Leipzig
17.959
17.831
17.746
17.681
17.636
17.584
17.544
17.512
17.473
17.421
17.382
17.343
17.297
17.245
Nordsachsen
18.667
18.475
18.345
18.235
18.137
18.046
17.955
17.863
17.785
17.694
17.603
17.518
17.421
17.330
Freistaat Sachsen
275.634
273.570
272.235
271.174
270.217
269.293
268.394
267.489
266.558
265.569
264.592
263.609
262.555
261.494

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 27
Tabelle I 2: Prognose des Grünschnittpotenzials aus Haushalten bis zum Jahr 2020 im Freistaat Sachsen (in Mg/a)
Jahr
Grünschnittpotenzial
2007
544.529
2008
547.802
2009
551.095
2010
554.407
2011
557.739
2012
561.092
2013
564.464
2014
567.857
2015
571.270
2016
574.704
2017
578.158
2018
581.633
2019
585.129
2020
588.646

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 28
Anlage J: Betrachtete biogene Abfallarten nach Anhang 1 BioAbfV
Tabelle J: Bioabfälle nach Anhang 1 BioAbfV
Abfallbezeichnung
AVV
Abfälle aus Landwirtschaft, Gartenbau, Teichwirtschaft, Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei
0201
Abfälle aus pflanzlichem Gewebe
020103
tierische Ausscheidungen, Gülle/Jauche und Stallmist (einschließlich verdorbenes Stroh), Abwässer, getrennt gesammelt
und extern behandelt
020106
Abfälle aus der Forstwirtschaft
020107
Abfälle a.n.g.
020199
Abfälle aus der Zubereitung und Verarbeitung von Fleisch, Fisch und anderen Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs
0202
Abfälle aus tierischem Gewebe
020202
für Verzehr oder Verarbeitung ungeeignete Stoffe
020203
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020204
Abfälle a.n.g.
020299
Abfälle aus der Zubereitung und Verarbeitung von Obst, Gemüse, Getreide, Speiseölen, Kakao, Kaffee, Tee und Tabak, aus
der Konservenherstellung, der Herstellung von Hefe- und Hefeextrakt sowie der Zubereitung und Fermentierung von Melasse
0203
Schlämme aus Wasch-, Reinigungs-, Schäl-, Zentrifugier- und Abtrennprozessen
020301
für Verzehr oder Verarbeitung ungeeignete Stoffe
020304
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020305
Abfälle a.n.g.
020399
Abfälle aus der Zuckerherstellung
0204
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020403
Abfälle aus der Milchverarbeitung
0205
für Verzehr oder Verarbeitung ungeeignete Stoffe
020501
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020502
Abfälle a.n.g.
020599
Abfälle aus der Herstellung von Back- und Süßwaren
0206
für Verzehr oder Verarbeitung ungeeignete Stoffe
020601
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020603
Abfälle aus der Herstellung von alkoholischen und alkoholfreien Getränken (ohne Kaffee, Tee und Kakao)
0207
Abfälle aus der Wäsche, Reinigung und mech. Zerkleinerung des Rohmaterials
020701
Abfälle aus der Alkoholdestillation
020702
für Verzehr oder Verarbeitung ungeeignete Stoffe
020704
Schlämme aus der betriebseigenen Abwasserbehandlung
020705
Abfälle a.n.g.
020799

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Abfallbezeichnung
AVV
Abfälle aus der Holzverarbeitung und der Herstellung von Platten und Möbeln
0301
Rinden und Korkabfälle
030101
Sägemehl, Späne, Abschnitte, Holz, Spanplatten und Furniere mit Ausnahme derjenigen, die unter 03 01 04 fallen
030105
Abfälle aus der Herstellung und Verarbeitung von Zellstoff, Papier, Karton und Pappe
0303
Rinden- und Holzabfälle
030301
Abfälle aus der Textilindustrie
0402
Abfälle aus unbehandelten Textilfasern
040221
Abfälle aus HZVA von Pharmazeutika
0705
feste Abfälle mit Ausnahme derjenigen, die unter 07 05 13 fallen
070514
Abfälle aus Abwasserbehandlungsanlagen a.n.g.
1908
Sieb- und Rechenrückstände
190801
Schlämme aus der Behandlung von kommunalem Abwasser
190805
Abfälle aus der Zubereitung von Wasser für den menschlichen Gebrauch oder industriellem Brauchwasser
1909
feste Abfälle aus der Erstfiltration und Siebrückstände
190901
Getrennt gesammelte Fraktionen (außer 15 01)
2001
Papier und Pappe
200101
biologisch abbaubare Küchen- und Kantinenabfälle
200108
Speiseöle und -fette
200125
Garten- und Parkabfälle (einschließlich Friedhofsabfälle)
2002
biologisch abbaubare Abfälle
200201
Andere Siedlungsabfälle
2003
gemischte Siedlungsabfälle in diesem Falle: getrennt erfasste Bioabfälle (20030104)
200301
Marktabfälle
200302

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 30
Anlage K: Bilanzierung von Bioabfallbehandlungsverfahren inklusive der aufgeführten Randbedingungen auf
Grundlage verschiedener Quellen
Tabelle K 1: Zusammenfassung von Quellen zur Bilanzierung der Bioabfallbehandlung
LfULG 2009, b
UBA 2007
BMU 2008
Vogt 2002
Kompostierung
Input
53 % Bio, 40 % Grün,
3 % Park, 4 % Gewerbe
Bio- und Grünabfall
Bio- und Grünabfall
Bio- und Grünabfall
Einsatz Kompost
Landschaftsgestaltung,
Land-/Forstwirtschaft,
private Haushalte
Landwirtschaft,
Landschaftsbau
34 % Frischkompost
(durch weitere
Abbauprozesse
Emissionen)
a) Substitution von
Mineraldünger, Torf,
Rindenhumus
b) als Mineraldünger
Anlagenart
offene und geschlossene
Kompostierung (Biofilter,
ohne sauren Wäscher)
offene Kompostierung,
Status Quo
Status Quo
offene und geschlossene
Kompostierung
Vergärung
Input
70 % Bioabfall
30 % Grünabfall
Bio- und Grünabfall
Bio- und Grünabfall
Bio- und Grünabfall
Biogasausbeute [Nm³/Mg FM]
100
k. A.
k. A.
k. A.
Methangehalt Biogas
61 %
k. A.
k. A.
k. A.
Wirkungsgrad BHKW
elektrisch [%]
30-40
33
k. A.
30
thermisch [%]
85 (mit KWK)
56
k. A.
56
Gärrest
Nutzung als
Bodenverbesserer
zur Torfsubstitution,
Nährstoffrückgewinnung
aus Presswasser,
Erzeugung min. Düngers
100 % Fertigkompost;
Landwirtschaft und
Obstbau, Garten,
Rekultivierung
Mineraldünger, Torf,
Rindenhumus
Anmerkung
Optimierte
Biogasnutzung,
ganzjährige
Wärmeabnahme
Optimierte Vergärung,
geschlossene
Nachkompostierung,
Abluftbehandlung (saure
Wäscher und Biofilter),
80%ige Nutzung
Überschusswärme
b) Berücksichtigung
zusätzliche
Methanemissionen im
Aufbereitungsprozess
Ansatz optimierter
Vergärung mit Einsatz der
Gärprodukte als
Torfersatz
Bilanzrahmen
Transportaufwendungen
nicht bilanziert
k. A.
bilanziert
bilanziert
Anlieferung/Lagerung
bilanziert
k. A.
bilanziert
bilanziert

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 31
LfULG 2009, b
UBA 2007
BMU 2008
Vogt 2002
Prozess
bilanziert
bilanziert
bilanziert
bilanziert
Abgase BHKW
bilanziert
k. A.
bilanziert
bilanziert
Ausbringung Kompost/Gärrest
bilanziert
bilanziert
bilanziert
bilanziert
Energieerzeugung
bilanziert
bilanziert
bilanziert
bilanziert
CO
2
-Äquivalente
[kg CO
2
/Mg FM]
Kompostierung mit Abgasfassung
69
a) 50
b) 125
Offene Kompostierung
50
120
5
a) 48
b) 120
Vergärung mit Biogasnutzung
-50
-320
a) -160
b) -110
-10
Wie sich erkennen lässt, unterscheiden sich die Ergebnisse der CO
2
-Äquivalente je nach Bilanzrahmen und betrachteten
Verfahren. Die Quelle UBA [2007] ist von optimierten Vergärungsverfahren sowie Kompostierungsverfahren, die dem Status
quo entsprechen, ausgegangen und ermittelt dadurch die hohe Klimagutschrift für die Vergärung. Daten für den Ansatz der
Kompostierungsverfahren bezieht das UBA [2007] aus der Quelle V
OGT [2002], verwendet jedoch das Szenario, in dem die in
offenen Kompostierungsanlagen erzeugten Komposte lediglich als Mineraldünger eingesetzt werden und eine Torfsubstitution
nicht beachtet wird. Die hohe Klimagutschrift der Vergärung der Quelle UBA [2007] resultiert aus dem optimalen Szenario mit
ganzjähriger Wärmeabnahme, Torfsubstitution und Nährstoffrückgewinnung aus dem Presswasser, Erzeugung mineralischer
Düngemittel und optimierte Nutzung des Biogases. Die geringeren Klimabelastungen durch die Kompostierung in BMU [2008]
resultieren aus einem positiveren Ansatz für den Einsatz der erzeugten Kompostprodukte, bei dem ein Einsatz zur
Torfsubstitution mit beachtet wird. Der optimierte Ansatz für die Vergärung des BMU [2008] berücksichtigt andere
Randbedingungen als das UBA [2007]. Beispielsweise geht das BMU [2008] von einer 80%igen Wärmenutzung aus, das
UBA [2007] von einer vollständigen Wärmenutzung.
Klimabewertung der Behandlung biogener Abfälle in sächsischen Bioabfallbehandlungsanlagen
Unter Berücksichtigung der Angaben zu biogenen Abfallmengen, welche durch unterschiedliche Bioabfallbehandlungsverfahren
im Jahr 2007 (siehe Tabelle K 2) behandelt wurden, sowie der unterschiedlichen Bilanzergebnisse aus Tabelle K 1 erfolgt in
Tabelle K 3 für den Freistaat Sachsen eine Bewertung der klimarelevanten Emissionen der Bioabfallbehandlungsverfahren.
Tabelle K 2: Menge biogener Abfälle des Freistaates Sachsen (Datenbasis Abfallbilanz Sachsen [2007]), differenziert
nach Bioabfallbehandlungsverfahren [LfULG 2009, b]
Bioabfallbehandlungsverfahren
[Mg/a]
Kompostierung mit Abgasfassung und -behandlung (Biofilter)
42.339
offene Kompostierung
185.233
Vergärung
3.409

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 32
Tabelle K 3: Klimarelevante Emissionen der Bioabfallbehandlung im Freistaat Sachsen auf Grundlage verschiedener
Literaturwerte
LfULG 2009, b
UBA 2007
BMU 2008
Vogt 2002
Klimarelevante Emissionen im
Freistaat Sachsen
[Mg CO2/Mg FM]
Kompostierung mit Abgasfassung
2.921
a) 2.117
b) 5.292
offene Kompostierung
9.262
27.309
1.138
a) 8.891
b) 22.228
Vergärung mit Biogasnutzung
-170
-1.091
a) -545
b) -375
-34
Summe
12.013
26.218
a) 593
b) 763
a) 10.974
b) 27.486
In Auswertung dieser Bilanzierung lässt sich erkennen, dass die Bioabfallbehandlung im Freistaat Sachsen unter
Zugrundelegung verschiedener Literaturquellen stets zu einer Klimabelastung führt. Durch die Vergärung lassen sich positive
Klimaeffekte erzielen, die Höhe der Klimagutschrift durch die Vergärung und der Klimabelastung durch die Kompostierung
hängt jedoch vom Bilanzrahmen und den betrachteten Verfahren ab.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 33
Anlage L: Gegenüberstellung der verschiedenen Gebührensysteme
Tabelle L: Bio- und Grünabfallerfassung und Abfallgebührensysteme der Modell- und Vergleichsregionen (Datenbasis 2008)
Grund-
gebühr
Gebühren der Restabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühren der Bioabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühr bei Anlieferung
Erfassungsmenge
80 l
120 l
240 l
1.100 l
60 l
80 l
120 l
240 l
Bioabfall
Grünabfall
Entsorgungsregion
Meißen
15,60 €/a
2,72 €/a * +
3,83 €/E
4,19 €/a * +
5,75 €/E
8,39 €/a *
+
11,50 €/E
38,44 €/a *
+
52,70 €/E
2,72 €/a *
+
2,32 €/E
-
4,19 €/a *
+
4,61 €/E
8,39 €/a *
+
9,23 €/E
-
2 €/m³
20 kg/(E*a)
Entsorgungsregion
Riesa-Großenhain
15,60 €/a
2,72 €/a * +
3,83 €/E
4,19 €/a * +
5,75 €/E
8,39 €/a *
+
11,50 €/E
38,44 €/a *
+
52,70 €/E
5,64 €/E **
6,41 €/E **
-
0 €/m³
61 kg/(E*a)
Entsorgungsregion
Sächsische Schweiz
15,60 €/a
2,72 €/a * +
3,83 €/E
4,19 €/a * +
5,75 €/E
8,39 €/a *
+
11,50 €/E
38,44 €/a *
+
52,70 €/E
2,72 €/a *
+
2,32 €/E
-
4,19 €/a *
+
4,61 €/E
8,39 €/a *
+
9,23 €/E
-
2 €/m³
10 kg/(E*a)
Ensorgungsregion
Weißeritzkreis
15,60 €/a
2,72 €/a * +
3,83 €/E
4,19 €/a * +
5,75 €/E
8,39 €/a *
+
11,50 €/E
38,44 €/a *
+
52,70 €/E
2,72 €/a *
+
2,32 €/E
-
4,19 €/a *
+
4,61 €/E
8,39 €/a *
+
9,23 €/E
-
2 €/m³
91 kg/(E*a)
Entsorgungsregion
Freiberg ***
11,64 €/a
0,87 €/E
+
0,19 €/kg
1,30 €/E
+
0,19 €/kg
2,60 €/E
+
0,19 €/kg
11,90 €/E
+
0,19 €/kg
3,95 €/E
(SITA)
4,45 €/E
(Becker,BE)
1,97 €/E
+
0,06 €/kg
(Becker,FG)
5,95 €/E
(SITA)
6 €/E
(Becker,BE)
2,95 €/E
+
0,06 €/kg
(Becker,FG)
10,40 €/E
(SITA)
10,45 €/E
(Becker,BE)
5,91 €/E
+
0,06 €/kg
(Becker,FG)
-
7,20 €/m³
2 kg/(E*a)

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 34
Grund-
gebühr
Gebühren der Restabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühren der Bioabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühr bei Anlieferung
Erfassungsmenge
80 l
120 l
240 l
1.100 l
60 l
80 l
120 l
240 l
Bioabfall
Grünabfall
Kreisfreie Stadt Chemnitz
32,16 €/a
27,04 €/a +
0,15 €/kg
40,56 €/a +
0,15 €/kg
81,12 €/a
+
0,15 €/kg
371,80 €/a
+
0,15 €/kg
-
30,16 €/a
+
0,03 €/kg
45,24 €/a
+
0,03 €/kg
90,48 €/a
+
0,03 €/kg
-
2 €/m³
89 kg/(E*a)
Entsorgungsregion
Löbau Zittau
14,04 €/a
23,52 €/a
+
3,05 €/E
23,52 €/a
+
4,57 €/E
43,44 €/a
+
9,14 €/E
207,60 €/a
+
41,91 €/E
-
-
73,08 €/a
140,52 €/a
-
133 kg/(E*a)
Entsorgungsregion
Kamenz
6,00 €/a
63,60 €/a
91,20 €/a
175,20 €/a
798,00 €/a
54,00 €/a
61,20 €/a
97,20 €/a
-
73 kg/(E*a)
Rhein-Hunsrück-Kreis
4,60 –
16,36
€/Monat³
-
4,47 €/E
8,69 €/E
40,90 €/E
-
-
3,32 €/E
5,62 €/E
165 €/t
90 €/t
239 kg/(E*a)
Planungsregion
Donau-Wald
156,96 €/a
235,44 €/a
470,88 €/a
2158,20 €/a
Die Entleerungsgebühren für die Biotonne und die Papiertonne
sind in der Gebühr für die Restabfallentleerung bereits
enthalten.
3,00 €/m³ bis
7,70 €/m³
203 kg/(E*a)
Landkreis Mainz-Bingen
92,00 €/a
138,00 €/a
276,00 €/a
1265,00 €/a
92,00 €/a
138,00 €/a
276,00 €/a
138,00 €/t
80,00 €/t
201 kg/(E*a)
Kreis Borken
Gemeinde Heek
4
-
113,76 €/a
158,76 €/a
276,60 €/a
1423,92 €/a
56,88 €/a
77,52 €/a
134,40 €/a
Kreis Borken gesamt
217 kg/(E*a)
Kreis Borken
Gemeinde Legden
4
167,40 €/a
204,60 €/a
316,20 €/a
109,80 €/a
161,40 €/a
6 €/m³
Kreis Borken
Gemeinde Raesfeld
4
149,04 €/a
197,28 €/a
341,52 €/a
55,44 €/a
56,64 €/a
6 €/m³

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 35
Grund-
gebühr
Gebühren der Restabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühren der Bioabfallsammlung pro Entleerung
[E=Entleerung]
Gebühr bei Anlieferung
Erfassungsmenge
80 l
120 l
240 l
1.100 l
60 l
80 l
120 l
240 l
Bioabfall
Grünabfall
Kreis Borken
Gemeinde Reken
4
119,00 €/a
147,00 €/a
231,00€/a E
1403,00 €/a
Die Entleerungsgebühren für die Biotonne und die Papiertonne
sind in der Gebühr für die Restabfallentleerung bereits
enthalten.
Kreis Borken
Gemeinde Schöppingen
4
186,60 €/a
310,43 €/a
Die Entleerungsgebühren für die Biotonne sind in der Gebühr
für die Restabfallentleerung bereits enthalten.
Kreis Borken
Gemeinde Südlohn
4
76,32 €/a
99,72 €/a
193,32 €/a
51,24 €/a
97,56 €/a
Kreis Borken
Gemeinde Velen
4
125,71 €/a
151,31 €/a
179,13 €/a
294,87 €/a
Die Entleerungsgebühren für die Biotonne und die Papiertonne
sind in der Gebühr für die Restabfallentleerung bereits
enthalten.
0 € /m³
Kreis Borken
Stadt Bocholt
4
84,00 €/a
(60l)
138,00 €/a
222,00 €/a
956,00 €/a
64,00 €/a
98,00 €/a
Kreis Borken
Stadt Borken
4
61,61 €/a
116,80 €/a
582,7 €/a
42,54 €/a
71,93 €/a
129,73 €/a
6 €/m³
Kreis Borken
Stadt Gronau
4
117,20 €/a
175,80 €/a
351,60 €/a
41,00 €/a
65,59 €/a
114,79 €/a
10 €/m³
Kreis Borken
Stadt Ahaus
4
70,32 €/a
94,92 €/a
168,96 €/a
656,64 €/a
51,84 €/a
67,20 €/a
113,16 €/a
5,00 – 10,00
€/m³
Grafschaft Bentheim
215,30 €/a
323,00 €/a
645,90 €/a
2960,60 €/a
0 €/m³
167 kg/(E*a)
*Behältermietgebühr pro Jahr/ ** wird privatwirtschaftlich betrieben/ ***Werte beziehen sich auf Brand-Erbisdorf/ ² aus Wohnungen/ ³ Gebühr ermittelt sich je nach Anzahl der Haushaltspersonen/
4
Werte für Kreis Borken beziehen sich auf 2009

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 36
Anlage M: Abfallwirtschaftliche Steckbriefe der Vergleichsregionen mit hohen Bio- und Grünabfallerfassungsmengen
Rhein-Hunsrück-Kreis (Rheinland-Pfalz)
Der Rhein-Hunsrück-Kreis ist ländlich strukturiert mit einer Bevölkerungsdichte von 107 E/km². Das Angebot ist mit
120 dezentralen Grünabfallsammelplätzen sehr umfangreich (ein Sammelplatz pro 8 km²). Für die Biotonne besteht Anschluss-
und Benutzungszwang (Ausnahme bei Nachweis der Eigenkompostierung). Im Rhein-Hunsrück-Kreis wurden im Jahr 2008
239 kg/(E*a) Bio- und Grünabfälle getrennt erfasst. Das spezifische Aufkommen an Bioabfällen (Biotonne) lag bei 120 kg/(E*a)
und das an Grünabfällen bei 119 kg/(E*a).
Neben der haushaltsbezogenen Festgebühr wird die Restabfallgebühr in Abhängigkeit der Entleerungen variabel erhoben (z. B.
4,47 €/120-l-MGB). Für den Bioabfall wird eine monatliche Bereitstellungsgebühr von 3,32 € erhoben (26 Entleerungen im
Jahr). Der Gebührenunterschied zwischen Bio- und Restabfall bezogen auf eine Entleerung eines 120-l-MGB beträgt 66 %.
Bioabfälle, Rasenschnitt und krautige Grünabfälle werden über die Biotonne oder Bioabfallsäcke (bei kurzfristiger
Mengensteigerung) getrennt erfasst. Biologisch abbaubare, kompostierbare Kunststoffsäcke werden als Störstoff eingestuft.
Deren Entsorgung über die Biotonne ist im Entsorgungsgebiet verboten, weil diese die Prozesse während der Vergärung der
Bioabfälle hemmen können und sich nicht vollständig abbauen. Die Verwertung der erfassten Bio- und Grünabfälle erfolgt in
einer privatwirtschaftlich betriebenen Vergärungsanlage.
Holzige Grünabfälle, die in privaten Haushalten anfallen, können bis zu einer Länge von 150 cm und bis zu 12 cm
Astdurchmesser an 120 dezentralen Baum- und Strauchschnittplätzen sowie an der Kreismülldeponie unentgeltlich in
haushaltsüblichen Mengen abgegeben werden. Nach der Zerkleinerung des Grünabfalls erfolgt eine Kompostierung des
Siebunterlaufs. Die heizwertreichen Grünabfälle werden in Heizwerken thermisch verwertet [AWB Rhein-Hunsrück 2010].
Gehäckseltes Material wird an den Annahmestellen vertrieben.
Auf dem Gelände der Kreismülldeponie Kirchberg befindet sich ein „Außerschulischer Lernort zur Umwelterziehung“. Dieser
Lernort mit dem Ziel des erlebnisorientierten Lernens für Schulen und Kindergärten befasst sich schwerpunktmäßig mit der
Sickerwasserreinigung und der Bioabfallvergärung. So sollen Kinder und Jugendliche bereits frühzeitig mit der korrekten
Getrennterfassung von Abfällen und den Prozessen der Abfallverwertung vertraut gemacht werden.
Durch die hohe Differenz zwischen Restabfall- und Bioabfallgebühr, dem Anschluss- und Benutzungszwang für Bioabfälle, den
variablen Entsorgungsgebühren für Restabfall und festen Gebühren beim Bioabfall wird ein starker Anreiz zur getrennten
Sammlung der Bioabfälle geschaffen. Die hohen Grünabfallmengen resultieren aus dem dichten Angebot an Annahmestellen.
Planungsregion Donau-Wald (Bayern)
Die 2008 getrennt erfasste Menge an Bio- und Grünabfällen betrug insgesamt 203 kg/(E*a), welche sich aus einer
Bioabfallerfassungsmenge von 109 kg/(E*a) und einer Grünabfallerfassungsmenge von 94 kg/(E*a) zusammensetzt. Die
Erfassungsmengen enthalten Bio- und Grünabfälle aus Privathaushalten und Gewerbe.
In der Planungsregion Donau-Wald wird die Abfallentsorgung durch den Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-Wald
durchgeführt. Die Abfallgebühren werden als feste Entleerungsgebühren, welche an die Restabfallbehältergröße gekoppelt
sind, erhoben. Beispielsweise beträgt die Gebühr 235,44 € für den 120-l-MGB-Restabfallbehälter. In diesen Gebühren sind die
Kosten der Sammlung und Verwertung von Bioabfall und Altpapier enthalten. Das Behältervolumen der Biotonne kann dabei
doppelt so groß sein wie das Volumen der Restabfalltonne. Ein Nachlass auf die erhobene feste Entleerungsgebühr wird bei
Nachweis der Eigenkompostierung gewährt. Die Gebührenersparnis bei Nutzung des 120-l-MGB für Restabfall beträgt jährlich
lediglich 9,60 € für die Eigenkompostierung. Der im Vergleich zur Höhe der Festgebühr geringe finanzielle Gebührennachlass
bei Nutzung der Eigenkompostierung stellt keinen hohen Anreiz zur verstärkten Umsetzung der Eigenkompostierung dar. Die
Bereitschaft der Bürger in der Planungsregion Donau-Wald zur Nutzung der Biotonne ist langfristig gewachsen. Die Biotonne
wurde bereits ab 1990 eingeführt.
Die Einwohnerdichte im Entsorgungsgebiet des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Donau-Wald beträgt 114,61 E/km² und ist mit
dem unteren Bereich der Bevölkerungsdichte von einigen sächsischen Entsorgungsregionen vergleichbar. Aufgrund der
ländlichen Struktur und der örtlichen logistischen Gegebenheiten (teilweise lange Anfahrtswege) hat sich eine abwechselnde

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 37
Entleerung der Restabfall- und der Biotonne bewährt und wird in einem 14-tägigen Rhythmus ganzjährig betrieben
[K
NOPF 2010]. Ob diese Variante auf Entsorgungsregionen im Freistaat Sachsen übertragbar ist, hängt vor allem davon ab, ob
beide Sammlungen mit vergleichbarem logistischem Aufwand möglich sind.
Im Entsorgungsgebiet des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Donau-Wald betreibt die AWG Donau-Wald mbH
101 Recyclinghöfe und neun Entsorgungs- bzw. Recyclingzentren, welche überwiegend nicht durchgehend geöffnet sind. Die
dadurch erreichte hohe Dichte des Sammelsystems (ca. ein Recyclinghof pro 44 km²) führt dazu, dass dem Bürger eine
bequeme Anlieferung mit kurzen Wegen angeboten wird. Dadurch werden eine umfangreiche Nutzung der Annahmestellen
erreicht und hohe Grünabfallmengen erfasst.
Die Biokompost-Betriebsgesellschaft Donau-Wald (BBG Donau-Wald mbh) betreibt zur Bioabfallverwertung ein Kompostwerk in
Regen und ein Kompostwerk mit Vergärungsanlage in Passau (Inbetriebnahme 2005). Zur Grünabfallverwertung werden sieben
Kompostanlagen und eine Vergärungsanlage in Regen (Inbetriebnahme 2008) betrieben. Die Annahme der Grünabfälle erfolgt
überwiegend gebührenfrei (bis 1 m³ gebührenfrei für Privathaushalte) an den Verwertungsanlagen und elf Grüngutannahme-
stellen.
Aufgrund der ländlichen Struktur und um den Service für die Bürger zu erhöhen, wurden in Zusammenarbeit mit
landwirtschaftlichen Betrieben Grüngutannahmestellen errichtet. Auf gesonderten Plätzen auf den Grundstücken der
landwirtschaftlichen Betriebe können Grünabfälle angeliefert werden, die anschließend durch die BBG Donau-Wald mbH zu den
Verwertungsanlagen transportiert werden. Die erfassten Bio- und Grünabfälle werden zum größten Teil zu Kompost verarbeitet.
Ein kleiner Teil (vornehmlich grobstückiger, holzartiger Grünabfall) wird zerkleinert und als Biofilter verwendet oder thermisch
verwertet.
Die Öffentlichkeitsarbeit in der Planungsregion Donau-Wald umfasst ein sehr umfangreiches Angebot an Broschüren, Postern,
Unterrichtsmaterialien und Pressemitteilungen, die auf der Internetseite des Zweckverbandes Abfallwirtschaft Donau-Wald oder
in Zeitungen veröffentlicht, per Postwurfsendung verteilt und auch bei den Annahmestellen ausgelegt werden. Führungen für
Schulklassen, Vereine und Verbände können auf Deponien, in Vergärungsanlagen und Kompostwerken und auf einigen
Recyclinghöfen durchgeführt werden.
Der Zweckverband Abfallwirtschaft Donau-Wald unterstützt die Verwendung voll kompostierbarer Bioabfallbeutel aus
Maisstärke für Bioeimer und -tonnen, die an den Recyclinghöfen erworben werden können.
Ein hoher Anreiz zur getrennten Bioabfallsammlung wird durch das Gebührensystem dadurch geschaffen, dass die Bürgerinnen
und Bürger ihre Abfallgebühren direkt und alleinig durch die Wahl der Größe des Restabfallbehälters beeinflussen können.
Durch die „gebührenfrei“ angebotene Biotonne mit größerem Volumen werden die Bioabfälle in Richtung Biotonne gelenkt. Bei
diesem System werden die Kosten der Sammlung und der Verwertung der Bioabfälle über die Restabfallgebühren gedeckt.
Durch hohe Restabfallgebühren besteht jedoch generell ein Anreiz zur Minimierung des Restabfallbehältervolumens, aber auch
ein Anreiz zur illegalen Ablagerung von Abfällen bzw. zur Verunreinigung der Bioabfälle. Aufgrund des mit der Restabfallgebühr
abgegoltenen, festen Leerungsrhythmus werden Vermeidungs- bzw. Verwertungsanreize der Bürger nicht finanziell belohnt.
Von daher dürfte jedenfalls ein solches Gebührensystem im Freistaat Sachsen vor dem Hintergrund des dortigen Anreizgebots
aus § 3 a SächsAGB und seiner Auslegung durch das OVG Bautzen rechtlich angreifbar sein.
Landkreis Mainz-Bingen (Rheinland-Pfalz)
Im Landkreis Mainz-Bingen wird die Entsorgung der Abfälle vom Abfallwirtschaftsbetrieb Mainz-Bingen (AWB) durchgeführt.
Das Gesamtaufkommen an Bio- und Grünabfällen im Jahr 2008 lag bei 201 kg/(E*a). Hierbei betrug die getrennt erfasste
Menge an Bioabfall 83 kg/(E*a) und die Menge an Grünabfall 118 kg/(E*a). Die Einwohnerdichte des Landkreises beträgt
334 E/km², die Wertstoffhofdichte liegt bei einem Wertstoffhof pro 46 m² bzw. einem Wertstoffhof pro 15.500 Einwohner. Die
Verwertung der Bio- und Grünabfälle erfolgt in einem privatwirtschaftlich betriebenen Kompostwerk. Im Landkreis Mainz-Bingen
werden 13 Wertstoffhöfe betrieben, davon elf mit einer Grünabfallannahme. Die Abgabe von Grünabfallkleinmengen (bis 1 m³)
erfolgt gebührenfrei bis zu einer Begrenzung von 1 m Länge und einem Durchmesser kleiner 10 cm. Bei Abgabe größerer
Mengen werden für Bioabfälle 130 €/t und für Grünabfälle 80 €/t erhoben.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 38
Die Abfallgebühren setzen sich aus einer von der Behältergröße abhängigen festen Gebühr und einer „Entleerungsgebühr“, die
bei Überschreitung der Mindestentleerungsanzahl pro zusätzliche Entleerung berechnet wird, zusammen. Die Entleerung der
Rest- und Bioabfallbehälter erfolgt im wöchentlichen Wechsel, wobei die 26 Mindestentleerungen je nach Bedarf auf beide
Tonnen verteilt werden können. Zusätzlich ist in den Monaten April bis September monatlich eine unentgeltliche Entleerung der
Biotonne enthalten. Die von der Behältergröße abhängige feste Gebühr für die Entsorgung von Rest- und Bioabfall beträgt
138,00 €/a für den 120-l-MGB (siehe Tabelle M). Es ist ein Mindestabfallvolumen von 40 l/(E*a) vorgegeben.
Bei schriftlich beantragter Eigenkompostierung ermäßigt sich die feste Gebühr um 20 %. Bei Nichtaufstellung der Biotonne wird
ein zusätzlicher Gebührenzuschlag auf die feste Gebühr des Restabfallbehälters in Abhängigkeit von der gewählten
Behältergröße erhoben. Der Zuschlag beträgt beispielsweise 103,50 €/a für den 120-l-MGB. Dieser Zuschlag dient dazu, die in
der festen Gebühr der Biotonne enthaltenen Kosten für sonstige Leistungen des örE auszugleichen, weil diese für die
Grundstücke ohne Biotonne nicht mit erhoben werden können. Nennenswerte Widerstände gegen diese Gebührengestaltung
gab es nicht.
Zusätzlich können 50-l-Bioabfallsäcke aus Papier (3,80 €/Stk.) erworben werden. Bioabfallsäcke aus Kunststoff oder biologisch
abbaubaren Werkstoffen sind ausdrücklich verboten, weil sie einen erhöhten Sortieraufwand im Kompostwerk darstellen. Die
Verwendung von Biofilterdeckeln für Biotonnen wird empfohlen, um Geruchsemissionen zu minimieren.
Die Öffentlichkeitsarbeit umfasst u. a. eine Zeitschrift, Informationsbroschüren (Abfallkalender, Sortierhilfen, Wertstoff-
informationen), Führungen über Entsorgungsanlagen und kostenlose Projekte zur Abfallerziehung in Kindergärten und Schulen
(wie z. B. aus Abfall oder mit Pappmaschee basteln).
Ein Anreiz zur Eigenkompostierung ergibt sich aus der Ermäßigung der Festgebühr bei Eigenkompostierung. Aus den gleich
hohen Gebühren für Bio- und Restabfall resultiert kein finanzieller Anreiz zur getrennten Sammlung der Bio- und Restabfälle.
Ein direkter Anreiz zur getrennten Bioabfallsammlung besteht dadurch, dass von April bis September zusätzlich sechs
Leerungen der Biotonne möglich sind, welche über die feste Gebühr finanziert sind. Die hohen Grünabfallmengen resultieren
u. a. aus der hohen Anzahl an Annahmestellen.
Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen)
Im Kreis Borken erfolgt die Entsorgung der Bio- und Grünabfälle durch die Entsorgungs-Gesellschaft Westmünsterland mbH
(EGW). 2008 wurden 217 kg/(E*a) Bio- und Grünabfälle getrennt erfasst (125 kg/(E*a) Bioabfälle, 92 kg/(E*a) Grünabfalle). Für
die Verwertung der Bio- und Grünabfälle stehen eine Kompostierungsanlage, eine Vergärungsanlage (Trockenfermentation)
und drei Grünabfallkompostwerke zur Verfügung. An diesen Anlagen können Grünabfalle abgegeben werden. Zusätzlich erfolgt
die Erfassung von Grünabfällen über sieben dezentrale Annahmestellen. Die Bevölkerungsdichte im größtenteils ländlich
geprägten Kreis Borken liegt bei 260 E/km². Die Dichte an Grünabfallsammelplätzen liegt bei einem Sammelplatz pro 110 km²
bzw. pro 28.435 Einwohner.
Die im Kreis Borken anfallenden Bio- und Grünabfälle werden überwiegend kompostiert und nur zu einem geringen Teil in der
vorhandenen Vergärungsanlage energetisch verwertet. Grünabfälle können über die Biotonne oder durch Abgabe an
Wertstoffhöfen und Sammelplätzen entsorgt werden.
Die Gestaltung der Abfallgebührenhöhe ist in Nordrhein-Westfalen dahingehend geregelt, dass die Landkreise für die
Entsorgung der anfallenden Abfälle zuständig sind und die anfallenden Kosten an die Gemeinden und Städte weiterreichen. Die
einzelnen Gemeinden und Städte sind für Abfallsammlung und -transport zuständig. Dementsprechend gestalten sie die
Abfallgebühren.
In Tabelle L (Anlage L) sind unter anderem die Gebührensysteme von sieben Gemeinden und vier Städten beispielhaft für den
Kreis Borken gegenübergestellt. Es besteht Anschluss- und Benutzungszwang für die Biotonne (Ausnahme bei Nachweis
Eigenkompostierung). In vier Gemeinden und vier Städten werden die Gebühren für die Entleerung der Restabfall- und
Biotonnen separat berechnet, je nach der bereitgestellten Behältergröße. In drei Gemeinden sind die Kosten für die
Biotonnenentleerung bereits in den Gebühren der Restabfallentleerung enthalten. Die Gebühren unterscheiden sich in manchen
Gemeinden in Abhängigkeit vom Entleerungsrhythmus.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 39
Es ist festzustellen, dass in den Gemeinden, in denen die Entleerungsgebühren für die Bioabfallentleerung separat erhoben
werden, die Differenz zu der Höhe der Restabfallentleerungsgebühr hoch ist. Ein erhöhter Anreiz zur Getrenntsammlung von
Bioabfällen (Biotonne) durch Preisdifferenzen ist politisch gewollt [EGW 2010]. Als Beispiele dienen die Gemeinden Heek,
Raesfeld und Südlohn und die Stadt Bocholt, in denen der Gebührenunterschied für die Entleerung eines 120-l-MGB bis zu
71,9 % beträgt.
Tabelle M: Differenzen zwischen den Entleerungsgebühren für 120-l-MGB im Kreis Borken
Gemeinde/Stadt
Restabfallentleerungsgebühr
120-l-MGB
[€/a]
Bioabfallentleerungsgebühr
120-l-MGB
[€/a]
Unterschied zwischen Restabfall-
und Bioabfallentleerungsgebühr
[%]
Gemeinde Heek
158,76
77,52
51,2
Gemeinde Raesfeld
197,28
55,44
71,9
Gemeinde Südlohn
99,72
51,24
48,6
Stadt Bocholt
138,00
64,00
53,6
Die Gebühren für die Annahme der Grünabfälle sind in den Gemeinden unterschiedlich. Die Annahme erfolgt mitunter
gebührenfrei für Kofferraumladungen bis hin zu 6,00 €/m³.
Auf der Internetseite des EGW wird ein umfangreiches Angebot an Pressemitteilungen, Unterrichtsmaterialien und Broschüren
bereitgestellt. Zusätzlich werden diese Informationen in Zeitungen veröffentlicht und es erfolgt eine Verteilung von Broschüren
und Postern per Postwurfsendung oder als Auslage in den Annahmestellen. Für Schulklassen, Vereine und Verbände werden
Führungen durch die Verwertungsanlagen des EGW angeboten.
Durch die hohe Differenz zwischen Restabfall- und Bioabfallgebühr sowie den Anschluss- und Benutzungszwang bei der
Biotonne wird ein starker Anreiz zur getrennten Sammlung der Bioabfälle geschaffen. Die hohen Grünabfallmengen resultieren
u. a. aus der hohen Anzahl an Annahmestellen.
Grafschaft Bentheim (Niedersachsen)
Die 2008 kommunal erfasste Menge an Grünabfällen betrug 22.512 Mg bzw. 167 kg/(E*a) und beinhaltet auch gewerbliche
Grünabfälle [S
CHMITJANS 2010]. Die Erfassung der Grünabfälle erfolgt zweimal im Jahr gebührenfrei im Holsystem und im
Bringsystem an vier Kompostierungsanlagen sowie fünf Gartenabfallsammelplätzen (eine Annahmestelle pro 15.000 Ein-
wohner). Die Abgabe der Grünabfälle ist bis zu 1 m³ gebührenfrei. Es erfolgt keine Dokumentation der Menge und der Herkunft
der Grünabfälle.
Als Grund für hohe Grünabfallerfassungsmengen neben dem komfortablen Erfassungssystem wurde die historisch gewachsene
Bereitschaft der Bürger zur Getrennthaltung der Abfälle und zur Grundstückspflege genannt [S
CHMITJANS 2010]. Weiterhin stellt
die angebotene Restabfallbehälterstruktur (120-l-MGB mit Wechseleinsätzen ab 40 l) einen möglichen Anreiz zur
Getrenntsammlung der Grünabfälle dar. Die Mehrheit des Gesamtbestandes der bereitgestellten Behälter umfasst die 40-l-MGB
(45 %) und die 60-l-MGB (30 %) [AWK Bentheim 2009].
Die Öffentlichkeitsarbeit im Landkreis Grafschaft Bentheim umfasst diverse Broschüren, den Abfallplaner und
Pressemitteilungen, die auf der Internetseite des Abfallwirtschaftsbetriebes Landkreis Grafschaft Bentheim (AWB) veröffentlicht,
per Postwurfsendung verteilt und auch bei den Annahmestellen ausgelegt werden. Darüber hinaus ist der AWB auf regionalen
Industriemessen vertreten, um über sein Leistungsspektrum zu informieren. Illegale Ablagerungen von Bio- und Grünabfällen
stellen aufgrund geringer Mengen kein aktuelles Problem dar [S
CHMITJANS 2010].

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 40
Die Möglichkeit zur gebührenfreien Abgabe der Grünabfälle in Verbindung mit dem hohen abfallwirtschaftlichen Angebot zur
Erfassung der Grünabfälle wird von den Bürgern in hohem Maße genutzt.
Geringe Restabfallbehältervolumina erfordern einen hohen logistischen Aufwand. Aus diesem Grund ist das Angebot von
Restabfallbehältern mit geringem Volumen nur bedingt und nach sorgfältiger Prüfung des tatsächlichen Logistikaufwandes zu
empfehlen.
Entsorgungsregion Löbau-Zittau (Sachsen)
Im Freistaat Sachsen wurde die höchste Bioabfallmenge von 133 kg/(E*a) in der Entsorgungsregion Löbau-Zittau getrennt
gesammelt. Bio- und Grünabfälle werden hier gemeinsam über die Biotonne erfasst. Kompostierbare Grünabfälle können über
zusätzlich zu erwerbende Papiersäcke (120 l) zur Entsorgung neben die Biotonne bereitgestellt oder gegen Gebühr an drei
Kompostwerken abgegeben werden. In der Entsorgungsregion Löbau-Zittau unterliegen die Bürger einem Anschluss- und
Benutzungszwang an die Biotonne.
Eine Ausnahme vom Anschlusszwang an die Biotonne wird erteilt, wenn der Grundstückseigentümer oder der Berechtigte für
das Grundstück nachweist, dass alle auf seinem Grundstück ganzjährig anfallenden kompostierbaren Abfälle an der Anfallstelle
oder in unmittelbarer Nähe (angrenzendes Nachbargrundstück) ordnungsgemäß und schadlos verwertet werden
(Eigenkompostierung).
Neben der Erhebung einer Festgebühr wird für die Entleerung der Biotonnen je nach Behältergröße eine feste
Entleerungsgebühr (26 Entleerungen pro Jahr) erhoben, z. B. 140,52 €/a für den 240-l-MGB (siehe Anlage L Tabelle L). Dem
stehen Restabfallentleerungsgebühren von beispielsweise 4,57 €/Entleerung sowie eine Behälteranschlussgebühr von
20,16 €/120-l-MGB gegenüber. Es besteht eine Gebührendifferenz beim 120-l-MGB von 47 % zwischen der
Restabfallentsorgung und der Bioabfallentsorgung bei 26 Entleerungen pro Jahr zu Gunsten der getrennten
Bioabfallentsorgung.
Die Entleerung der Biotonnen erfolgt im Wechsel mit der Entleerung der Restabfallbehälter 14-tägig [Löbau-Zittau 2007]. Durch
die hohe Differenz zwischen Bioabfall- und Restabfallgebühr und die Kombination von Fest- sowie Entleerungsgebühr für
Bioabfall mit einer variablen Entleerungsgebühr für Restabfall wird dem Bürger ein verstärkter Anreiz gegeben, Bioabfälle
getrennt vom Restabfall zu sammeln. Dies wird unterstützt durch den Anschluss- und Benutzungszwang. Die getrennte
Bioabfallsammlung in der Entsorgungsregion Löbau-Zittau ist historisch gewachsen und etabliert.
Entsorgungsregion Kamenz (Sachsen)
2008 betrug das in der Entsorgungsregion Kamenz getrennt erfasste Bioabfallaufkommen 71 kg/(E*a) [Abfallbilanz
Sachsen 2008]. Die Bioabfallsammlung der Entsorgungsregion Kamenz erfasst Bioabfälle sowohl aus Privathaushalten als
auch aus Gewerbe. Die Sammlung von Grünabfällen kann über die Biotonne und durch Anlieferung an drei Kompostwerken
gegen Gebühr erfolgen.
Gemäß § 14 der Abfallsatzung der Entsorgungsregion Kamenz besteht ein Anschluss- und Benutzungszwang für die Biotonne.
Eine Befreiung von der Pflicht zur Aufstellung der Biotonne ist bei Eigenkompostierung möglich. In den Monaten Mai bis
Oktober erfolgt die Entleerung der Biotonnen im wöchentlichen Rhythmus. An Standorten mit größeren Wohngebieten erfolgt
ganzjährig die wöchentliche Entleerung.
Neben der wohneinheitsbezogenen Festgebühr wird für die Entleerung der Restabfall- und der Bioabfallbehälter eine feste
Entleerungsgebühr in Abhängigkeit der Behältergröße erhoben. Beispielsweise beträgt die Differenz zwischen der festen
Entleerungsgebühr im wöchentlichen Rhythmus eines 120-l-MGB für Restabfälle (182,40 €/a) und für Bioabfälle (81,60 €/a)
55 %. Durch die hohe Differenz zwischen Restabfall- und Bioabfallgebühr bei festen Entleerungsgebühren für beide Abfallarten
sowie dem Anschluss- und Benutzungszwang wird ein verstärkter Anreiz zur getrennten Sammlung der Bioabfälle geschaffen.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 41
Entsorgungsregion Mittlerer Erzgebirgskreis (Sachsen)
Die Entsorgungsregion Mittlerer Erzgebirgskreis wies mit 177 kg/(E*a) die höchste kommunal getrennt erfasste
Grünabfallmenge in Sachsen auf [MEK 2010]. Die Sammlung erfolgte über kommunale Sammelplätze der Gemeinden und
sechs Wertstoffhöfe (ca. ein Wertstoffhof pro 100 km² bzw. pro 14.000 Einwohner) ohne Annahmekontrolle über Herkunft und
Menge. Dadurch war es möglich, dass auch Grünabfälle aus angrenzenden Entsorgungsregionen bzw. Landkreisen oder
Gewerbetreibender mit erfasst wurden.
Die Erfahrungen der Entsorgungsregion Mittlerer Erzgebirgskreis zeigen, dass Grünabfallmengen durch ein dichtes
Sammelsystem und durch die gebührenfreie Abgabemöglichkeit in hohem Maße erfassbar sind. Jedoch entstanden dadurch
hohe Verwertungskosten von fast 600.000 €/a (entspricht ca. 6,90 €/(E*a)). Im neuen Abfallwirtschaftskonzept des Landkreises
Erzgebirgskreis wurde festgelegt, dass die Annahme der Grünabfälle zukünftig im gesamten Landkreis gebührenpflichtig und
damit kontrolliert erfolgt. Die intensive Grünabfallsammlung der Entsorgungsregion Mittlerer Erzgebirgskreis konnte im
Zusammenhang aller abfallwirtschaftlichen Maßnahmen nicht auf den gesamten Landkreis des Erzgebirgskreises übertragen
werden. Parallel zum Grünabfall wurde die Einführung der Biotonne ohne Anschlusszwang beschlossen [MEK 2010]. Die Form
der bisherigen Erfassung der Grünabfälle kann nur dann empfohlen werden, wenn die Kosten der Grünabfallerfassung in Bezug
auf die Gesamtkosten der Abfallwirtschaft im vertretbaren Bereich liegen (Optimierungspotenzial durch Verbesserung der
Ausschreibungsergebnisse für die Verwertung) und die Erfassung auf geeigneten Plätzen stattfindet.
Entsorgungsregion Torgau-Oschatz (Sachsen)
In der Entsorgungsregion Torgau-Oschatz besteht ein flächendeckendes Netz an Grünabfallannahmestellen. Neben zwei
ganzjährig geöffneten Kompostierungsanlagen existieren 18 Annahmestellen, welche im Zeitraum März bis November im
Regelfall an zwei Sonnabenden pro Monat geöffnet sind. Dies entspricht einer Dichte von einer Annahmestelle pro 5.200
Einwohner.
Die Anlieferung ist für die Einwohner gebührenfrei. Gewerbebetriebe und öffentliche Einrichtungen entrichten einen
Gebührensatz von 6 €/m³. In Summe werden 64 kg/(E*a) Grünabfälle erfasst [Abfallbilanz Sachsen 2008]. An den Annahme-
stellen wird eine Trennung nach strukturreichen und strukturarmen Grünabfällen realisiert. Die heizwertreiche Fraktion wird
energetisch verwertet. Seit Jahren wird der hergestellte Kompost an den Kompostierungsanlagen vertrieben. Die hohe
Grünabfallerfassungsmenge resultiert aus dem dichten Erfassungssystem in Verbindung mit der gebührenfreien Annahme der
Grünabfälle sowie weiteren akzeptanzfördernden Maßnahmen (z. B. Verkauf von Kompost).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 (Anlagenband) | 42
Anlage N: Machbarkeitsstudie Bioabfallsammlung in öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger-Teilgebieten
Unter besonderer Berücksichtigung des Kommunalabgabenrechts
im Auftrag des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
vorgelegt durch die Rechtsanwältinnen
Caroline von Bechtolsheim
Isabelle-Konstanze Charlier, M.E.S.
unter Mitarbeit der Rechtsreferendarin Sylvia Piatak
Inhaltsverzeichnis
I. Ausgangslage
43
II. Rechtliche Prüfung
43
1. Abwägungsprogramm des noch gültigen KrW-/AbfG
43
2. § 11 KrWG-E: Erfordernis der Einführung einer
getrennten Bioabfallerfassung
44
3.
Anschlusspflicht an die Biotonne – ja oder nein?
45
4.
Mögliche Voraussetzungen für die Befreiung vom Anschlusszwang
46
5.
Notwendigkeit der Bildung unterschiedlicher
Einrichtungen im Sinne von § 9 Sächs KAG?
47
6.
Thesen zur Auswirkung des Gebührensystems
auf die Erfassungsquote
48
7.
Grenze der Beteiligung von Nutzern der öffentlichen Abfallentsorgung
an Kosten für die Bioabfallentsorgung:
Möglichkeit der Inanspruchnahme von Leistungen
48
8.
Beteiligung der Gebührenschuldner in den Teilgebieten
– Sonderfall: Eigenkompostierer
50
a)
Kein Anschlusszwang für Eigenkompostierer (auch nicht finanzieller Art)
50
b) BVerwG-Urteil vom 20.12.2000 und Sachverhalt
51
c) SächsOVG vom 11.12.2002
53
d) Zwischenergebnis
55
9.
Bedeutung des Anreizgebotes aus § 3a Abs. 3 SächsABG
56

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 43
I. Ausgangslage
Mit der im Auftrag des Freistaates Sachsen, vertreten durch das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie erstellten
Potenzialstudie über Aufkommen und Behandlung biogener Abfälle im Freistaat Sachsen (im Folgenden:
Bioabfallpotenzialstudie) werden Handlungsempfehlungen u. a. an öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger gegeben. Diese
sollen dadurch in die Lage versetzt werden, vorhandene und zukünftig zu erwartende Bioabfallpotenziale zu bewerten und
effektiv zu nutzen.
Insbesondere im Hinblick auf den aktuellen Stand des Gesetzentwurfes zum Kreislaufwirtschaftsgesetz
1
ist damit zu rechnen,
dass die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger demnächst eine Überprüfung ihrer Abfallwirtschaftskonzepte im Hinblick auf
die Optimierung oder Einführung einer getrennten, flächendeckenden Sammlung von Bio- und Grünabfällen vornehmen
müssen.
Die Bioabfallpotenzialstudie gibt Hinweise für die ökoeffiziente Verwertung und Nutzbarmachung des energetischen Potenzials
von getrennten Bio- und Grünabfällen. Dabei zeichnet es sich ab, dass es unter ökologischen Aspekten vorzugswürdig sein
kann, die getrennte Bioabfallsammlung nur in Teilgebieten der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger einzuführen. So stellt
sich die Frage, welche Gebührenmodelle genutzt werden können, wenn eine Bioabfallsammlung nicht flächendeckend
eingeführt werden soll, gleichzeitig in den Gebieten mit getrennter Bioabfallerfassung aber auf eine höchstmögliche
Erfassungsquote orientiert wird.
Der Schwerpunkt dieser Studie liegt darin, unter dem Blickwinkel des Kommunalabgabenrechts entsprechende Wege für die
Ausgestaltung des Gebührensystems aufzuzeigen.
II. Rechtliche Prüfung
Im Zuge von Organisationsüberlegungen kann der öffentliche Entsorgungsträger zum Ergebnis kommen, dass die Einführung
einer getrennten Bioabfallerfassung nur für Teile seines Einzugsgebiets in Betracht kommt. Grundsätzlich sind von ihm dabei
folgende abfallrechtliche Rahmenbedingungen zu beachten:
1.
Abwägungsprogramm des noch gültigen KrW-/AbfG
Die zum Zeitpunkt der Vorlage dieses Gutachtens gültigen Rahmenbedingungen des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes
(KrW-/AbfG) lassen dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger bei der Ausgestaltung seines Systems der öffentlichen
Abfallentsorgung einen vergleichsweise breiten Spielraum. Nach § 15 Abs. 1 KrW-/AbfG sind die örE im Hinblick auf die ihnen
überlassenen Abfälle gleichwohl vorrangig zu einer Verwertung verpflichtet. Dies gilt selbst dann, wenn die Erzeuger und
Besitzer von Abfällen dem Aufgabenträger Abfälle überlassen, weil ihnen eine Verwertung nicht technisch möglich und
wirtschaftlich zumutbar ist.
In § 5 Abs. 4 KrW-/AbfG wurde eine allgemeine Verwertungspflicht verankert. Sie gilt nicht nur für Erzeuger und Besitzer von
Abfällen, sondern auch für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger:
Danach ist die Pflicht zur Verwertung von Abfällen einzuhalten, soweit dies technisch möglich und wirtschaftlich zumutbar ist,
insbesondere für einen gewonnenen Stoff oder eine gewonnene Energie ein Markt vorhanden ist oder geschaffen werden kann.
Von der wirtschaftlichen Zumutbarkeit wird gemäß § 5 Abs. 4 Satz 3 KrW-/AbfG dann ausgegangen, wenn die mit der
Verwertung verbundenen Kosten nicht außer Verhältnis zu den Kosten stehen, die für eine Beseitigung zu tragen wären.
§ 5 Abs. 5 KrW-/AbfG stellt insoweit klar, dass der Vorrang der Verwertung (nur) dann entfällt, wenn die Beseitigung die
umweltverträglichere Lösung darstellt. § 6 Abs. 1 KrW-/AbfG differenziert zwischen stofflicher und energetischer Verwertung
und weist der jeweils im Einzelfall besser umweltverträglichen Verwertungsart den Vorrang zu.
1
Kabinettsentwurf, Stand: 30.03.2011

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 44
Mit den dortigen Aussagen wird aber noch keine zwingende Vorfestlegung verbunden, auf welche Weise der öffentlich-
rechtliche Entsorgungsträger die ihm überlassungspflichtigen Abfälle erfasst. Den genannten, gesetzlichen Vorgaben lassen
sich nur mittelbar Aussagen dazu entnehmen, inwieweit im Einzelfall eine getrennte Erfassung bestimmter Abfallfraktionen
vorzugswürdig sein kann.
§ 7 Abs. 1 KrW-/AbfG enthält demgemäß Verordnungsermächtigungen an die Bundesregierung, nähere Anforderungen
entweder an die Getrennthaltung von Abfällen oder an das Bereitstellen, Überlassen, Sammeln und Einsammeln von Abfällen
festzulegen. Von dieser Verordnungsermächtigung hat die Bundesregierung bisher keinen Gebrauch gemacht.
2.
§ 11 KrWG-E: Erfordernis der Einführung einer getrennten Bioabfallerfassung
Einen Paradigmenwechsel für die dahingehenden Pflichten des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers zur Einführung einer
getrennten Bioabfallsammlung könnte die Gesetzesnovelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes begründen, wenn der zum
Zeitpunkt der Vorlage des Gutachtens aktuelle Entwurf
2
in der Fassung des Kabinettsbeschlusses Gesetz wird. Zu den
dahingehenden Regelungsvorschlägen betr. die Bioabfallentsorgung in § 11 des Entwurfs hat der Bundesrat in seiner
Stellungnahme vom 27.05.2011 auch keine Änderungswünsche angebracht.
3
Der Entwurf reagiert insoweit auf eine Vorgabe der Abfallrahmenrichtlinie (EU-AbfRRL). Deren Art. 22 fordert die
Mitgliedsstaaten auf, geeignete Maßnahmen zur Förderung der getrennten Sammlung von Bioabfällen zum Zwecke der
Kompostierung oder Vergärung zu ergreifen und ein hohes Maß an Umweltschutz bei der Behandlung von Bioabfällen zu
gewährleisten.
4
Gemäß § 11 Abs. 1 des Gesetzentwurfs sind Bioabfälle, soweit dies zur Erfüllung der Anforderungen nach § 7 Abs. 2 bis 4 und
§ 8 Abs. 1 erforderlich ist, spätestens ab dem 01.01.2015 getrennt zu sammeln, wenn sie einer Überlassungspflicht nach § 17
Abs. 1 unterliegen. Die Getrennterfassung von Bioabfällen rückt damit in weitaus stärkerem Maße als im bisherigen KrW-/AbfG
in den Fokus.
5
Gleichzeitig verdeutlichen schon die Verweise in § 11 Abs. 1 des Gesetzentwurfes (KrWG-E), dass auch damit eine
bedingungslose Pflicht zur Einführung der getrennten Sammlung nicht verbunden ist. Vielmehr steht die Pflicht zur Einführung
der getrennten Bioabfall-Sammlung unter dem dortigen „Erforderlichkeitsvorbehalt“.
Die zahlreichen Kriterien, auf die in § 11 Abs. 1 KrWG-E verwiesen wird (konkret: § 7 Abs. 2 bis 4 und § 8 Abs. 1 KrWG-E)
verlangen vom öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger jedenfalls einen umfassenden Prüfungs- und Abwägungsprozess.
Insbesondere ist ein Vergleich zwischen verschiedenen Entsorgungsstrategien (vor allem der bisherigen Ausgestaltung mit der
einer gesonderten Erfassung und Verwertung von Bioabfällen) unter Ansatz der sich aus den Verweisen ergebenden Kriterien
anzustellen.
Dabei ist zunächst die grundsätzliche Pflicht zur Verwertung
von Abfällen i. S. v. § 7 Abs. 2 KrWG-E in den Blick zu nehmen.
Der Zweck der getrennten Sammlung im Sinne einer Verwertung der Bioabfälle bildet also den Ansatzpunkt für die Prüfung.
Gleichzeitig gilt auch der Verwertungsvorrang nicht uneingeschränkt. In erster Linie dürfte es an dieser Stelle auf eine
„Lebenszyklusbetrachtung“ i. S. v. § 6 Abs. 2 Satz 2 und 3 KrWG-E ankommen, bei dem die zu erwartenden Emissionen, das
Maß der Schonung der natürlichen Ressourcen, die einzusetzende oder zu gewinnende Energie sowie die Anreicherung von
Schadstoffen zu berücksichtigen sind.
2
Kabinettsbeschluss, Stand: 30.03.2011.
3
Stellungnahme des Bundesrates zum Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts, BR-Drs. 216/11, Beschluss vom 27.5.2011, S. 11-12. Dort wurde
lediglich die Vereinbarkeit mit dem Düngemittelrecht angemahnt.
4
Richtlinie 2008/98/EG des Europäischen Parlaments und des Rates v. 19.11.2008 über Abfälle und zur Aufhebung bestimmter Richtlinien, Amtsblatt der Europäischen Union v. 22.11.2008,
L 312/3 ff.
5
Vgl. hierzu die Beiträge
von
VON BECHTOLSHEIM, CHARLIER UND WAGNER, RE KrWG – Neuorganisation der Bioabfallentsorgung erforderlich? in Heft 3/2011 der Zeitschrift Müll und Abfall
(Teil 1: Aktuelle Entwicklung des rechtlichen Rahmens, S. 114 ff.) und Heft 4/2011 dieser Zeitschrift (Teil 2: Prüfungsprogramm des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers für die
Organisationsentscheidung über getrennte Bioabfallsammlung, S. 180 ff.).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 45
Fällt eine derartige Lebenszyklusbetrachtung für die Entsorgungsalternative der gesonderten Bioabfallerfassung positiver aus,
dürfte damit auch den Anforderungen aus § 7 Abs. 3 KrWG-E nach einer ordnungsgemäßen und schadlosen Verwertung
Rechnung getragen sein.
Ähnliches gilt dann auch für die Anforderung des Vorrangs der Verwertung
und für das Postulat einer hochwertigen Verwertung
i. S. v. § 8 Abs. 1 KrWG-E.
Zusammenfassend wird deutlich, dass der Gesetzentwurf den ökologischen Aspekten in der Abwägung eine besondere
Bedeutung zumisst.
Gleichzeitig stellt § 7 Abs. 4 KrWG-E die Pflicht zur Verwertung von Abfällen und damit auch die Einführung einer
Getrenntsammlung von Bioabfall ausdrücklich unter den Vorbehalt des technisch Möglichen und wirtschaftlich Zumutbaren,
was
insbesondere vom Vorhandensein oder der Schaffung eines Marktes für einen gewonnenen Stoff oder eine Energie abhängig
sein soll.
Auch hier gilt, wie bereits im KrW-/AbfG, dass die Pflicht zur Verwertung wirtschaftlich zumutbar ist, wenn sie mit der
Verwertung verbundenen Kosten nicht außer Verhältnis
zu den Kosten stehen, die für eine Beseitigung zu tragen wären. Allein
höhere Kosten für eine Verwertungsmaßnahme im Vergleich zur Beseitigung begründen dagegen noch keine Unzumutbarkeit.
Vielmehr muss das Missverhältnis schon entscheidend ins Gewicht fallen.
6
Auch hier kann es – ähnlich wie in der
Kommentierung zum KrW-/AbfG
7
für dieses Gesetz vertreten – auch erforderlich sein, vorrangig auf die Perspektive der
Abfallerzeuger und -besitzer
und die von ihnen an den Aufgabenträger zu entrichtenden Gebühren und Abgaben abzustellen.
Dagegen dürfte die Grenze der wirtschaftlichen Zumutbarkeit für den öffentlichen Aufgabenträger
erst relativ spät erreicht sein,
wenn er über die Möglichkeit verfügt, die Kosten über Gebühren zu refinanzieren.
8
Zusammenfassend gilt: Zwar spricht § 11 Abs. 1 KrWG-E auf den ersten Blick für eine kategorische Verpflichtung der öffentlich-
rechtlichen Entsorgungsträger zur Einführung der flächendeckenden Getrenntsammlung von Bioabfällen ab 2015. Bei näherem
Hinsehen wird allerdings deutlich, dass diese Pflicht unter einem Erforderlichkeitsvorbehalt steht. So obliegt es dem öffentlich-
rechtlichen Entsorgungsträger, im Einzelfall zu ermitteln, inwieweit die Kriterien aus § 7 Abs. 2 bis 4 und § 8 Abs. 1 KrWG-E
eine solche Einführung auch „erfordern“.
Insbesondere in Fällen, in denen sich für bestimmte Teilgebiete darlegen lässt, dass eine Bioabfallsammlung sich weder als
ökologisch vorteilhafter erweist und sich zudem belegen lässt, dass die Kosten für die Erfassung außer Verhältnis zum
bezweckten Erfolg stünden, kann es sich für die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auch rechtfertigen lassen, die
Einführung der Getrenntsammlung auf bestimmte Teilgebiete zu beschränken. Nähere Hinweise, insbesondere zu möglichen
ökologischen Kriterien, die bei dieser Abwägung i. S. v. § 11 Abs. 1 KrWG-E zu beachten sein können, gibt die
Bioabfallpotenzialstudie.
9
Ausgehend von der Zulässigkeit einer solchen Beschränkung der getrennten Bioabfallentsorgung auf Teilgebiete ist
nachfolgend zu prüfen, welche Anforderungen das Kommunalabgabenrecht an die Refinanzierung über Gebühren stellt.
3.
Anschlusspflicht an die Biotonne – ja oder nein?
Erweist es sich nach den obigen Ausführungen nach dem Bundesabfallrecht als zulässig, die Einführung einer getrennten
Bioabfallerfassung nur auf ein Teilgebiet zu beschränken, wird es dennoch Ziel des Aufgabenträgers sein, jedenfalls in den
Gebieten mit getrennter Bioabfallerfassung eine möglichst hohe Erfassungsquote zu erzielen. Außer den Eigenkompostierern
sollte sie möglichst alle Erzeuger und Besitzer von Bioabfällen umfassen.
6
Vgl. hierzu auch VON BECHTOLSHEIM, CHARLIER UND WAGNER, Müll und Abfall, Heft 3/2011, insbesondere S. 115 bis 117.
7
So z. B. KUNIG, in: Kunig/Paetow/Versteyl, KrW-/AbfG, Kommentar, 2. Aufl. 2003, § 5, Rn. 37.
8
Vgl. hierzu auch die Begründung zum vorangehenden Referentenentwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes, Stand: 02.11.2010 und die dortigen
Ausführungen auf S. 214.
9
Vgl. hierzu auch VON BECHTOLSHEIM, CHARLIER UND WAGNER, Müll und Abfall, Heft 4/2011, S. 181 ff.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 46
Damit liegt es nahe, jedenfalls für die Gebiete mit gesonderter Bioabfallerfassung vom Grundsatz her in den Satzungen des
Aufgabenträgers eine Anschlusspflicht für die Biotonne zu verankern. Dabei darf aber nicht übersehen werden, dass Erzeuger
und Besitzer von Abfällen im Falle einer Eigenverwertung auf dem Grundstück jedenfalls keiner Überlassungspflicht
unterliegen: Dies lässt sich schon der aktuell noch gültigen Fassung des § 13 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG entnehmen. Das
Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hält es vor diesem Hintergrund für unzulässig, Eigenkompostierer einer Anschlusspflicht
an die Bioabfallentsorgung zu unterwerfen – und sei es nur einer „finanziellen Anschlusspflicht“, bei der durch
Gebührenregelungen bewirkt wird, dass den Eigenkompostierern eine Biotonne „aufgezwungen“ wird. Erst recht sollen
Eigenkompostierer nach dem BVerwG jedenfalls vom abfallrechtlichen Anschluss- und Benutzungszwang auszunehmen sein,
der ansonsten mit § 13 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG kollidieren würde.
10
Darauf hat der öffentliche Aufgabenträger – auch im Falle der auf ein Gebiet beschränkten Einführung der Biotonne – bei der
satzungsrechtlichen Ausgestaltung zu achten. Nach dem Sächsischen Kommunalrecht steht ihm – jenseits der
bundesrechtlichen Regelungen zu den Überlassungspflichten – im Hinblick auf Festlegungen zu Anschlusspflichten ein
Regelungsermessen zu:
Nach § 12 Abs. 1 der Sächsischen Landkreisordnung
11
(SächsLKrO) kann der Landkreis im Rahmen seiner Zuständigkeit bei
öffentlichem Bedürfnis durch Satzung für die Grundstücke seines Gebietes den Anschluss an Einrichtungen, die dem
öffentlichen Wohl, insbesondere dem Umweltschutz dienen (Anschlusszwang), vorschreiben. Im Rahmen der ihm demgemäß
obliegenden, pflichtgemäßen Ermessensausübung ist der öffentliche Aufgabenträger also im Regelfall nicht zwingend
verpflichtet, den Anschluss an die Bioabfallentsorgung vorzugeben. Hat seine im Zuge von § 11 Abs. 1 KrWG-E durchgeführte
Prüfung und Abwägung ergeben, dass sich eine Bioabfallsammlung im Sinne dieser Vorschrift als erforderlich erweist, ist es
jedenfalls rechtmäßig, die Grundstücke in diesem Einzugsgebiet vom Grundsatz her einem Anschlusszwang zu unterwerfen.
Der Aufgabenträger hat dann die Möglichkeit, gemäß § 12 Abs. 2 Sächs LKO für die Eigenkompostierer Ausnahmen vom
Anschlusszwang in der Satzung zu regeln und zuzulassen.
§ 12 Abs. 2 Satz 2 Sächs LKO lässt sich übrigen ausdrücklich die Befugnis entnehmen, einen Anschlusszwang auf bestimmte
Teile des Kreisgebietes zu beschränken.
Unter Berücksichtigung der besonderen Umstände im konkreten Einzelfall kann der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger im
Rahmen der dahingehenden Überlegungen und Prüfungen zum Ergebnis kommen, dass die satzungsmäßige Vorgabe eines
Anschlusszwangs der Erzielung von hohen Erfassungsquoten im Gebiet zuwiderlaufen würde. In diesem Fall kann er gemäß.
§ 12 Abs. 1 Sächs LKO von der Vorgabe eines Anschlusszwangs für die Bioabfalltonne ganz absehen.
4.
Mögliche Voraussetzungen für die Befreiung vom Anschlusszwang
Hat er sich dagegen für einen grundsätzlichen Anschlusszwang mit Befreiungsmöglichkeit entschieden, dürften auch in diesem
Fall die höchsten Erfassungsquoten dann zu erzielen sein, wenn als Voraussetzung für die Befreiung der Eigenkompostierer
von diesem Anschlusszwang zum einen ein Antragserfordernis
in der Satzung verankert wird und von den Eigenkompostierern
zum anderen qualifizierte und belastbare Darlegungen und Aussagen zur ordnungsgemäßen und schadlosen
Eigenkompostierung gefordert werden, und schließlich in der Satzung ausdrücklich das Recht des öffentlich-rechtlichen
Entsorgungsträgers klargestellt wird, im Einzelfall Stichproben auf dem Grundstück vorzunehmen.
Nach § 14 Abs. 1 KrW-/AbfG sind die Eigentümer und Besitzer von Grundstücken verpflichtet, das Betreten der Grundstücke
zum Zwecke der Überwachung der Getrennthaltung und Verwertung von Abfällen zu dulden. An dieser Rechtslage zur
Befreiung von Eigenkompostierern von der Überlassungspflicht ändert sich nichts, falls der aktuelle Entwurfstand des KrWG
Gesetz werden sollte: Auch nach der dortigen Regelung des § 17 Abs. 1 Satz 1 sind Erzeuger und Besitzer von Abfällen aus
privaten Haushaltungen von der Überlassungspflicht frei, soweit sie eine Verwertung auf dem von ihnen im Rahmen ihrer
Lebensführung genutzten Grundstücken nicht in der Lage sind oder diese nicht beabsichtigen. Der Wortlaut der Regelung
10
BVerwG
, Urteil v. 20.12.2000, Az.: 11 C 7.00, unter Nr. 2.2, insbesondere Nr. 2.2.1.
11
Sächs LKO v. 19.07.1993 (Sächs GVBl., S. 577), zuletzt geändert durch Art. 3 des Gesetzes v. 26.06.2009 (Sächs GVBL., S. 323).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 47
gleicht insoweit fast vollständig derjenigen des bisher gültigen § 13 Abs. 1 KrW-/AbfG. Zusätzlich wird klargestellt, dass nur eine
beabsichtigte oder mögliche Verwertung auf dem zur privaten Lebensführung genutzten Grundstücken selbst die
Überlassungspflicht entfallen lässt.
5.
Notwendigkeit der Bildung unterschiedlicher Einrichtungen im Sinne von § 9 Sächs KAG?
Gemäß § 9 Abs. 2 Sächs KAG
12
umfasst eine Einrichtung alle Anlagen, die der Erfüllung der öffentlichen Aufgabe im Gebiet
des Aufgabenträgers dienen. In diesem Zusammenhang wird die Abfallwirtschaft in einem Klammerzusatz ausdrücklich
genannt. Dies soll ausdrücklich sogar dann gelten, wenn die Anlagen technisch voneinander unabhängig sind. Insoweit folgt
das Sächs KAG dem Leitbild der aufgabenbezogenen Einheitseinrichtung.
Von einer Einrichtung soll selbst dann noch
auszugehen sein, wenn die Aufgabe auf unterschiedliche Weise oder gegenüber einem Teil der Benutzer nur teilweise erfüllt
wird.
Umgekehrt ist der öffentliche Aufgabenträger in den in § 9 Abs. 2 Satz 1 Sächs KAG genannten Fällen grundsätzlich auch
verpflichtet, eine einheitliche Einrichtung zu führen. Dies bedingt dann gemäß. § 9 Abs. 3 Satz 1 Sächs KAG regelmäßig die
Erhebung von Gebühren innerhalb der Einrichtung grundsätzlich nach einheitlichen Sätzen. Nur für den Fall, dass die
Leistungen einer Einrichtung nicht allen Benutzern im gleichen Umfang zugänglich sind, schreibt § 9 Abs. 3 Satz 2 Sächs KAG
vor, dass „für die einzelnen Teilleistungen jeweils gesonderte Gebührensätze festzusetzen“ sind.
Einzige Ausnahme von der grundsätzlichen Notwendigkeit, eine einheitliche Einrichtung zu bilden, sind die in § 9 Abs. 2 Satz 3
und 4 Sächs KAG genannten Fälle:
Für den Fall, dass technisch voneinander unabhängige Anlage i. S. v. § 9 Abs. 2 Satz 2 Sächs KAG bestehen, kann durch
Satzung abweichend bestimmt werden, dass diese jeweils eine eigene Einrichtung bilden (anlagenbezogene Einrichtung).
Zudem kann infolge einer Kommunalgebietsreform für das Teilgebiet der bisherigen Kommunen für längstens zehn Jahre
bestimmt werden, dass die bisherigen Einrichtungen beibehalten werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Der Grundsatz der aufgabenbezogenen Einheitseinrichtung aus § 9 Abs. 2 Satz 1 Sächs KAG legt es nahe, trotz der etwaigen
Beschränkung des Angebots der Bioabfallentsorgung auf ein Gebiet des Aufgabenträgers die öffentliche Abfallentsorgung
weiterhin als einheitliche Einrichtung
zu führen. Es bedarf also keiner gesonderten Satzungen, vielmehr können die Regelungen
zur Benutzung und zur Gebührenerhebung jeweils in einheitlichen Satzungen verankert werden.
Für den Fall, dass Teilleistungen nicht allen Benutzern im gleichen Umfang zugänglich sind, trifft § 9 Abs. 3 Satz 2 Sächs KAG
sogar eine Sonderregelung und verlangt gesonderte Gebührensätze. Diese Vorschrift trägt der Rechtsprechung des
Sächsischen Oberverwaltungsgerichts (OVG) zur bisherigen Regelung des Einrichtungsbegriffs Rechnung: So legte das
Sächsische OVG die Vorgängerfassung des § 9 Sächs KAG in einem Urteil aus dem Jahr 2001
13
dahingehend aus, für den
Fall, dass eine Einrichtung der Erfüllung derselben Aufgaben diene, müssten die Gebühren nach einheitlichen Sätzen erhoben
werden.
Gleichzeitig wies das Gericht in dieser Entscheidung darauf hin, falls die öffentliche Aufgabe gegenüber einem Teil der
Benutzer nur teilweise oder auf unterschiedliche Weise erfüllt werde, sei die Bildung einer gesonderten Einrichtung erforderlich.
Auf diese Aussage des Gerichts hin wurde im Zuge der Sächsischen Verwaltungsmodernisierung 2003 der neue § 9 Abs. 3
Satz 1 Sächs KAG eingefügt, der den Grundsatz der einheitlichen Gebühren innerhalb einer Einrichtung erstmals ausdrücklich
regelt und klarstellt.
12
Sächsisches Kommunalabgabengesetz i. d. F. der Bekanntmachung v. 26.08.2004 (Sächs GVBl. 418; 2005, S. 306), zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 14 des Gesetzes v. 19.05.2010
(Sächs GVBl. 142).
13
Sächsisches OVG, Urteil v. 22.02.2001, Az.: 5 D 720/98.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 48
Dagegen ist der Gesetzgeber der Einschätzung des Sächsischen OVG, bei unterschiedlicher Zugänglichkeit
der Einrichtungen
müssten auch gesonderte Einrichtungen gebildet werden, nicht gefolgt. Vielmehr soll in diesen Fällen lediglich bei der
Gebührenbemessung differenziert
werden, wie die Einführung des Satzes 3 in § 9 Abs. 3 Sächs KAG nunmehr verdeutlicht.
14
Wird also die Leistung der Bioabfallentsorgung nur einem Teil der Benutzer (z. B. in verdichteten Siedlungsräumen wie Städten)
angeboten, erfordert dies nach § 9 Abs. 3 Satz 2 Sächs KAG eine Berücksichtigung bei der Gebührengestaltung. Es hindert
aber nicht die Bildung einer einheitlichen Einrichtung.
Das Sächsische OVG verlangt den Satzungsgebern ab, die Einrichtung in den jeweiligen Satzungen möglichst genau zu
umschreiben. Vor diesem Hintergrund sind die Kommunen gehalten, die Unterschiede in ihrem Leistungsspektrum der
öffentlichen Abfallentsorgung dann auch in der Satzung ausdrücklich zu verdeutlichen.
Als Alternative
stünde es den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern vorliegend offen, neben der einheitlichen Einrichtung
der Abfallentsorgung im Gesamtgebiet eine zusätzliche Einrichtung „Bioabfall“
zu bilden, die in den für die gesonderte
Bioabfallentsorgung in Betracht kommenden Teilgebiete besteht. Dies bedürfte dann grundsätzlich des Erlasses gesonderter
Satzungen und der gesonderten Kalkulation von Gebührensätzen. Demgemäß müssten die Gebührensätze für die
Inanspruchnahme der Einrichtung Bioabfallentsorgung voraussichtlich als Sondergebühren
kostendeckend bemessen sein.
Dies kann wiederum die Erzeuger und Besitzer von Abfällen davon abhalten, die Einrichtung der Bioabfallentsorgung in einem
nennenswerten Umfang zu nutzen. Damit kann es sich als vorzugswürdig erweisen, innerhalb einer einheitlichen Einrichtung
bei den Gebühren lediglich zu differenzieren.
6.
Thesen zur Auswirkung des Gebührensystems auf die Erfassungsquote
Mit den vorliegenden Ergebnissen der Bioabfallpotenzialstudie lassen sich für die Gebührengestaltung die folgenden Thesen zu
Gebührenstrategien entnehmen, die die Akzeptanz der Bürger für die Nutzung der Bioabfallentsorgung bei gesonderter
Erfassung erhöhen können.
Die zusätzliche Belastung der Gebührenschuldner durch die Einführung der gesonderten Bioabfallsammlung/-verwertung sollte
sich in möglichst engen Grenzen halten.
Um dieses Ziel zu erreichen, sollte sich ein möglichst hoher Anteil der Bioabfallkosten über die Grund- oder Leistungsgebühr
Restabfall refinanzieren lassen (Damit wird die Erwartung verbunden, dass die Belastung pro Gebührenschuldner dann
voraussichtlich am geringsten ausfällt).
Entscheidet sich der öffentliche Aufgabenträger für die Erhebung einer gesonderten Bioabfallgebühr, sollte diese proportional
günstiger ausfallen als die Gebühr für die Restabfallentsorgung (Leerungsgebühr).
7.
Grenze der Beteiligung von Nutzern der öffentlichen Abfallentsorgung an Kosten für die Bioabfallentsorgung
Möglichkeit der Inanspruchnahme von Leistungen
Stellt der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger vor dem Hintergrund der obigen Thesen Überlegungen an, Kosten der
Bioabfallentsorgung über andere Gebührenarten als reine Bioabfallentsorgungsgebühren zu refinanzieren (sogenannte.
„Querfinanzierung über Grund- oder Festgebühren einerseits und/oder Benutzungsgebühren Restabfall andererseits), wird dem
schon durch die Natur der Benutzungsgebühren
eine Grenze gezogen:
Aus dem Äquivalenzprinzip
als einem Ausfluss des verfassungsrechtlichen Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes wird abgeleitet,
dass der Erzeuger und Besitzer von Abfällen über die Erhebung von Abfallgebühren zur Refinanzierung von Kosten der
öffentlichen Aufgabenerfüllung nur dann herangezogen werden darf, wenn er zumindest die belastbare Möglichkeit hat, diese
Leistungen auch tatsächlich in Anspruch zu nehmen.
14
Vgl. Art. 38 des Sächsischen Verwaltungsmodernisierungsgesetzes v. 05.05.2004 (Sächs GVBl., S. 148 ff., 160 ff.) und Begründung des Regierungsentwurfs (LT-Drs. 3/9110, S. 83 f. zu
Nr. 9 a).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 49
Dies wird auch aus § 9 Abs. 1 Sächs KAG deutlich, wonach die Kommunen „für die Benutzung ihrer öffentlichen Einrichtungen“
Benutzungsgebühren erheben können. Damit verbietet es sich, bei einer Beschränkung des Angebots von
Bioabfallentsorgungsleistungen auf Teilgebiete des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers alle Gebührenschuldner
im
Gesamtgebiet zu Kosten der Bioabfallentsorgung heranzuziehen, etwa indem Kosten der Bioabfallentsorgung in die
Leistungsgebühren oder die Grund- oder Festgebühren für Restabfall eingestellt werden. Dies muss jedoch noch nicht heißen,
dass der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger in den Fällen, in denen er die Nutzbarkeit der Bioabfallentsorgung auf ein
Teilgebiet beschränkt, ausschließlich darauf verwiesen ist, kostendeckende Sondergebühren zu erheben.
Dies gilt nach der hier vertretenen Auffassung selbst bei einer Würdigung der durch das Verwaltungsmodernisierungsgesetz
eingefügten Vorschrift des § 9 Abs. 3 Satz 2 Sächs KAG: Zwar ist dort vom Wortlaut der Regelung her vorgegeben, dass „für
die einzelnen Teilleistungen jeweils gesonderte Gebührensätze“ festgesetzt werden müssen, wenn Leistungen einer
Einrichtung nicht allen Benutzern im gleichen Umfang zugänglich sind. Der Wortlaut
dieser Regelung legt zunächst nahe, dass
der Aufgabenträger, falls er die gesonderte Bioabfallerfassung nur in einem Teilgebiet einführt, hierfür als „gesonderte
Gebührensätze“ in erster Linie Sondergebühren
erheben kann.
Andererseits ist dort vom Wortlaut
her nicht von „gesonderten Gebühren“, sondern nur von „gesonderten Gebührensätzen“ die
Rede. Daraus kann womöglich auch geschlossen werden, dass es ausreicht, wenn – statt der Erhebung einer Sondergebühr –
der Gebührensatz
einer allgemeinen Gebühr wie der Grund- oder Festgebühr einerseits oder der Restabfallleerungsgebühr
andererseits dann für die einzelnen Nutzergruppen unterschiedlich bemessen
wird. Regelmäßig wird dann die Gruppe, die die
Leistung nicht in Anspruch nehmen kann, mit einem niedrigeren Gebührensatz belastet werden.
Auch nach dem Sinn und Zweck
des Gesetzes soll – infolge der bis dahin hierzu ergangenen Rechtsprechung des Sächsischen
OVG (siehe dazu bereits oben) – primär sichergestellt werden, dass eine Belastung derjenigen Gebührenschuldner, die diese
Teilleistung nicht in Anspruch nehmen können, mit Kosten hierfür aus Gründen der Gleichbehandlung (Art. 3 Abs. 1 GG)
unterbleibt. Lässt sich dies durch eine andere Gebührengestaltung erreichen als durch die Erhebung von (Sonder-)
Teilleistungsgebühren, müsste dies nach Sinn und Zweck des Gesetzes jedenfalls im Wege einer ergänzenden Auslegung also
möglich sein. Entscheidet sich also der Aufgabenträger, für das Teilgebiet, in dem die Biotonne angeboten wird, eine höhere
Festgebühr zu erheben und damit zumindest einen Teil der Kosten für die Bioabfallentsorgung zu refinanzieren, dürfte sich
auch dies u. E. rechtfertigen.
Zusammenfassend ergibt sich:
Der Aufgabenträger kann u. E. also auch bei einer Beschränkung des Angebots von Teilleistungen wie der Bioabfallentsorgung
auf Teilgebiete Bioabfallentsorgungskosten oder Teile davon über die allgemeine Festgebühr oder die Leistungsgebühr
Restabfall refinanzieren. Er muss dagegen nicht die Gesamtkosten über Sondergebühren decken, auch wenn dies
selbstverständlich zulässig ist - voraussichtlich aber damit nur geringere Mengen erzielt werden können. Werden die Kosten
oder ein Teil davon dagegen über die allgemeinen Gebühren gedeckt, bedarf es – soweit ersichtlich – unterschiedlicher
Gebührensätze jeweils für die Teilgebiete mit und diejenigen ohne gesonderte Bioabfallerfassung. Es sollte vermieden werden,
dass diejenigen Gebührenschuldner, in deren Gebiet keine Bioabfallsammlung angeboten wird, mit Kosten hierfür belastet
werden. Also werden die Sätze der allgemeinen Gebühren dann in den Gebieten mit Bioabfallsammlung regelmäßig etwas
höher ausfallen. Dafür bedarf es einer sorgfältigen Kalkulation und exakter, die unterschiedlichen Fälle beschreibender
Regelungen in der Gebührensatzung.
Wir gehen auch davon aus, dass eine solche Vorgehensweise, die sich nicht auf die Erhebung von Sondergebühren
beschränkt, auch mit § 9 SächsKAG vereinbar ist. Aus Gründen einer erhöhten Rechtssicherheit ist jedoch zu überlegen, eine
derartige Vorgehensweise durch Ergänzung von § 9 Abs. 3 Satz 2 Sächs KAG ausdrücklich klarzustellen. Hierfür bedürfte es
entsprechender Initiativen für eine Gesetzesänderung.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 50
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Werden innerhalb einer einheitlichen Einrichtung Abfallentsorgung des öffentlichen Aufgabenträgers nur in Teilgebieten die
Bioabfälle gesondert erfasst, dürfen die Nutzer bzw. Gebührenschuldner aus den anderen Gebieten nicht mit Kosten der
Bioabfallentsorgung belastet werden. Dies schließt es allerdings nach unserer Einschätzung auch unter Beachtung des § 9 Abs.
3 Satz 2 SächsKAG nicht aus, dass die Kommunen bei der Kalkulation von Gebühren Kosten der Bioabfallentsorgung auch in
die Grund- oder Festgebühr oder in die Leistungsgebühr Restabfall einstellen. Eine klarstellende Gesetzesänderung könnte hier
abschließende Rechtssicherheit begründen. Jedoch muss durch entsprechende Abschläge
für die Nutzer bzw.
Gebührenschuldner in den anderen Teilgebieten
sichergestellt sein, dass diese nicht mit entsprechenden Kostenanteilen
belastet werden.
Etwas anderes kann möglicherweise dann gelten, wenn auch die Gebührenschuldner in den anderen Teilgebieten jedenfalls
– auf freiwilliger Basis – die Möglichkeit haben, sich an das System der Bioabfallentsorgung anzuschließen. So hat z. B. das
OVG Münster in einem Beschluss aus dem Jahr 2003
15
entschieden, dass ein Abschlag für „Eigenkompostierer“, der nur einen
Anteil der in die übrigen Gebühren eingeflossenen Bioabfallentsorgungskosten umfasst, sich rechtfertigen lässt, wenn dabei der
Umstand berücksichtigt wird, dass die Schaffung einer kommunalen Verwertungsstruktur für Bioabfall auch den Nichtnutzern
unter den Aspekten
einer Reduktion der Kosten für die Restabfallbeseitigung,
der Qualitätssicherung des (eigenen) Kompostes und
eventueller unentgeltlicher Leistungen (Strauchschnittsammlung o. ä.)
zugute kommen kann.
Es sollte u. E. dann neben der Möglichkeit eines Anschlusses an die Bioabfallentsorgung in den übrigen Gebieten (also
außerhalb des Anschlusszwanges an die Biotonne in den verdichteten Siedlungsräumen) für die Nutzer in den anderen
Teilgebieten jedenfalls auch die Möglichkeit gegeben sein, Grün- und Strauchschnitt kostenlos zur Entsorgung zu überlassen.
Das OVG Münster hat sich bei dieser Einschätzung von der spezifischen Gesetzeslage in Nordrhein-Westfalen und der
dahingehenden Begründung
16
leiten lassen. Von daher lässt noch nicht mit der erforderlichen Sicherheit einschätzen, ob das
Sächsische OVG dieser Einschätzung folgen wird. Jedoch könnte darin ein möglicher Weg der „Verbreiterung der Lasten“
liegen.
8.
Beteiligung der Gebührenschuldner in den Teilgebieten – Sonderfall: Eigenkompostierer
Ist sichergestellt, dass bei der Gebührenerhebung eine Belastung von Personen bzw. Haushaltungen, die nicht über die
Möglichkeit der Inanspruchnahme von Bioabfallentsorgungsleistungen verfügen, unterbleibt, werden weitere Folgefragen
aufgeworfen:
a)
Kein Anschlusszwang für Eigenkompostierer (auch nicht finanzieller Art)
Auch dann darf jedenfalls den Eigenkompostierern kein Anschlusszwang aufgebürdet werden, der einen Verstoß der
Gebührenregelung gegen § 13 Abs. 1 Satz 1 KrW-/AbfG (Kreislaufwirtschaftsgesetz-Entwurf, § 17 Abs. 1 Satz 1) nach sich
ziehen würde. Dabei darf es sich auch nicht – nur – um einen lediglich „finanziellen Anschlusszwang“ handeln. Weder darf die
Eigenkompostierung verboten noch unzumutbar erschwert werden.
Auch dass privaten Haushaltungen eine Biotonne faktisch „aufgezwungen“ wird, wird vom BVerwG für unzulässig gehalten.
17
Dann nämlich würde sich nach dem BVerwG eine „Querfinanzierung“ auf Kosten der Eigenkompostierer als mit
Art. 3 Abs. 1 GG unvereinbar erweisen.
15
OVG Münster, Beschluss v. 05.12.2003, Az.: 9 A 1768/02, dort Rn. 20 (zitiert nach der Datenbank der nordrhein-westfälischen Justiz,
www.justiz.nrw.de/nrwe/ovgs/ovg_nrw/j2003/9_a_1768_02beschluss20031205).
16
LT-Drs. Nordrhein-Westfalen 12/3482, S. 62/63.
17
BVerwG, Urteil vom 20.12.2000, Az.: 11 C 7.00, unter Nr. 2.2.1.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 51
Für unschädlich hält es dagegen das BVerwG auch hier (s. dazu bereits oben), wenn diese Querfinanzierung lediglich einen
„werbenden Anreiz“ für Eigenkompostierer gibt, die Biotonne (z. B. für problematische Bioabfälle wie Essensreste) zusätzlich zu
nutzen.
b)
BVerwG-Urteil vom 20.12.2000 und Sachverhalt
Der Sachverhalt, der der Entscheidung des BVerwG vom 20.12.2000 zu Grunde lag war folgender:
Im Gebiet eines öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers wurde für die Biotonne ein Anschlussgrad von 94,4 % erreicht. Von
der Gebührenstruktur her wurden neben einer Grundgebühr für jedes angeschlossene Grundstück auch leistungsabhängige
Gebühren für Restabfall und Bioabfall erhoben, die jeweils vom Volumen und der Leerungszahl der Abfallbehälter abhängig
waren. Die Leerungsgebühr Restabfall und die entsprechende Gebühr Bioabfall wiesen dieselbe Höhe auf. Sowohl in die
Grundgebühr als auch in die Leistungsgebühr Restabfall waren Bioabfallentsorgungskosten eingestellt worden. 30 % der
Grundgebührenhöhe entfielen auf Bioabfallentsorgungskosten. Zudem sollte die Überlassung der ersten 60 l Bioabfall von der
Zusatzgebühr für die Bioabfallentsorgung befreit sein bzw. freigestellt bleiben.
Beim Satzungsgeber handelte es sich um eine niedersächsische Kommune.
Gemäß § 12 Abs. 4 AbfG Nds können bei der Ermittlung der Aufwendungen für die Entsorgung ungetrennt überlassener Abfälle
die Aufwendungen für die Entsorgung getrennt überlassener Abfälle einbezogen werden. Nach dieser Landesregelung konnte
der Aufgabenträger also grundsätzlich Kosten von Teilleistungen in die Restabfallgebühr einstellen. Diese Vorschrift wurde als
irreversibles Landesrecht vom BVerwG nicht überprüft. Das BVerwG legte vielmehr nur den bundesrechtlichen Maßstab des
Gleichbehandlungsgrundsatzes im Sinne von Art. 3 Abs. 1 GG an.
Für die Zulässigkeit des Gebührenerhebungssystems im konkreten Einzelfall führte das Gericht folgende Argumente an:
Die Einstellung der Bioabfallkosten in die Grundgebühr
und damit die Belastung von Eigenkompostierern mit Bioabfallkosten
soll aus Gleichbehandlungsgründen dann gerechtfertigt sein, wenn
es sich bei dem Teilleistungsbereich um eine typischerweise anfallende Leistung (hier: Biomüllentsorgung) handelt,
der hierfür anzusetzende Kostenanteil nicht im krassen Missverhältnis zu den Gesamtkosten steht und
dem Gebührenpflichtigen ein Wechsel zwischen den verschiedenen Teilleistungsbereichen jederzeit möglich ist.
Dies sah das Bundesverwaltungsgericht im konkreten Fall als gegeben an.
Auch die Einstellung von Kosten der Bioabfallentsorgung in die Leistungsgebühr Restabfall
wurde unter dem Blickwinkel des
Gleichbehandlungsgrundsatzes für zulässig gehalten. Begründet wurde dies damit, weder das Äquivalenzprinzip noch der
Gleichbehandlungsgrundsatz würden verlangen, dass Gebühren strikt nach dem Maß der durch die jeweilige Benutzung
verursachten Kosten erhoben werden müssen.
Ein derart strikter Grundsatz der Leistungsproportionalität wird vom Bundesverwaltungsgericht jedenfalls nicht aus Art. 3 Abs. 1
GG abgeleitet. Vielmehr soll es für die Einstellung von Kosten der Bioabfallentsorgung in die Leistungsgebühr schon
ausreichen, dass die Kosten für die jeweiligen Leistungsbereiche sich nur teilweise abgrenzen lassen. So ging das
Bundesverwaltungsgericht davon aus, dass nicht unerhebliche Kosten in beiden Sparten
anfallen und sich allenfalls fiktiv der
einen oder anderen Sparte zuordnen lassen. Anhaltspunkte für ein krasses Missverhältnis der Kosten für Restabfall und
Bioabfallentsorgung, das dem einheitlichen Gebührensatz entgegenstehen würde, konnte das Gericht nicht erkennen.
Auch die Quersubventionierung der ersten 60 l Bioabfall
von der Zusatzgebühr wurde als mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz
konform eingeordnet. Insbesondere wandte sich das Bundesverwaltungsgericht in diesem Zusammenhang gegen den Vortrag
des Klägers, der einen Vorrang der Vermeidung vor der Abfallverwertung aus dem Bundesabfallrecht ableitete und daraus die
Verpflichtung des Aufgabenträgers folgerte, die Vermeidung vorrangig durchzusetzen. Wörtlich führte das
Bundesverwaltungsgericht aus:

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 52
„Entgegen der Auffassung des Klägers ist dem in § 4 Abs. 1 KrW-/AbfG normierten Vorrang der Abfallvermeidung vor der
Abfallverwertung keine Entscheidung des Bundesgesetzgebers für oder gegen ein bestimmtes Gebührenmodell zu entnehmen.
Es bleibt vielmehr im Grundsatz Sache des kommunalen Satzungsgebers im Rahmen der landesrechtlichen Vorgaben durch
seine Gebührenregelung vorrangig ein Verhalten der Abfallbesitzer zu fördern, dass ihm im Interesse der Funktionsfähigkeit der
kommunalen Abfallwirtschaft notwendig erscheint. Dazu gehört eine breite Akzeptanz der Biotonne. Insofern steht dem
Satzungsgeber eine gebührenrechtliche Konzeptbefugnis zu, die auch „Werbegeschenke“ an die Produzenten von Bioabfall in
Form eines teilweisen Gebührenverzichts umfasst. Zielkonflikte mit anderen abfallwirtschaftlichen Zwecksetzungen können
dabei in Kauf genommen werden.“
Mit der Freistellung der ersten 60 l von der Zusatzgebühr Bioabfall sei auch kein finanzieller
Anschlusszwang verbunden, sondern lediglich ein werbender Anreiz. Dabei sei es auch unschädlich, dass diese Freistellung
durch die Querfinanzierung in den anderen Gebührenarten aufgefangen werde.
Bemerkenswert an dieser Entscheidung ist, dass das Bundesverwaltungsgericht dort keinen Gebührenabschlag
für die
Eigenkompostierer gefordert hat. Dagegen hatte das OVG Münster in den vorangehenden Jahren die Notwendigkeit solcher
Abschläge für Eigenkompostierer aus dem Grundsatz der Teilleistungsproportionalität oder Typengerechtigkeit, den es aus
Art. 3 Abs. 1 GG ableitete, regelmäßig gefordert:
Unter dem Blickwinkel der bundesrechtlichen Grundsätze von Gleichheitssatz und Äquivalenzprinzip sowie dem
landesrechtlichen Gebot der Leistungsproportionalität hat das OVG Münster die Erhebung einer sogenannten „Einheitsgebühr“,
über die mehrere Teilleistungen abgerechnet werden, nämlich nur unter den nachfolgend genannten Voraussetzungen für
zulässig gehalten:
Die Zahl der atypischen Fälle, in denen die Benutzer über die Einheitsgebühr für tatsächlich nicht in Anspruch genommene
Leistungen zu Gebühren herangezogen werden, übersteigt nicht 10 %, die Auswirkungen für die Betroffenen sind nicht
erheblich und es bestehen Schwierigkeiten – insbesondere verwaltungspraktischer Art – diese Härten bzw. die Heranziehung
zu Kosten für nicht in Anspruch genommene Leistungen zu vermeiden.
18
In einer der oben genannten „Bioabfall“-Entscheidung vom 20.12.2000 des BVerwG nachfolgenden Entscheidung zu
Abfallgebühren aus dem Jahr 2001 hat das Bundesverwaltungsgericht jedoch betont, die aus dem vorgenannten „Grundsatz
der Typengerechtigkeit“
gefolgerte Höchstbegrenzung auf 10 % der dem jeweiligen Typ widersprechenden Ausnahmen sei im
Abfallrecht nicht anwendbar. Vielmehr würden dahingehende Aussagen des Gerichts zur Typengerechtigkeit auf
Besonderheiten abstellen, die für das Wasser- und Abwassergebührenrecht kennzeichnend seien. Begründet wurde dies damit,
eine an der Benutzungsintensität ausgerichtete Gebührengestaltung sei im Bereich der Wasser- und Abwassergebühren
unproblematisch möglich. Zudem könnten die Zahlen der Ausnahmen ohne unangemessenen, erhebungstechnischen Aufwand
gering gehalten werden. Dies sei auf das Abfallgebührenrecht nicht oder nicht uneingeschränkt übertragbar. Dies gelte
jedenfalls solange, wie die dort verwendeten Gebührenmaßstäbe sich nicht wesentlich weiter einem Wirklichkeitsmaßstab
angenähert haben.
19
Das Sächsische OVG hat dagegen in einer aktuellen Entscheidung aus dem Jahr 2009 den Grundsatz der Typengerechtigkeit
bei der Überprüfung einer Abfallgebührensatzung als Rechtmäßigkeitsmaßstab ausdrücklich herangezogen:
20
Das Gericht hat
dort betont, eine Gleichbehandlung ungleicher Sachverhalte sei nur solange zu rechtfertigen, als nicht mehr als 10 % der von
der Regelung betroffenen Fälle dem Typ widersprechen würden. Es hat sich dabei auf eine Entscheidung des
Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2008 bezogen,
21
jedoch befasst sich diese Entscheidung nicht mit einem Fall der
Erhebung von Abfallgebühren, sondern von Gebühren aus dem Bereich der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung.
Es ist davon auszugehen, dass sich das SächsOVG im Streitfall bei einem Hinweis auf diese Unterscheidung der Auffassung
des Bundesverwaltungsgerichts anschließen würde.
18
Vgl. SCHULTE/WIESEMANN, in: Driehaus, Kommunalabgabenrecht, Stand 2011, Rn. 210 zu § 6 m.w.N., u.a. auf OVG Münster
,
Urt. v. 27.02.1997, Az.: 22 A 1135/94, NVwZ-RR 1997, 662 ff.,
Urt. v. 17.03.1998, Az.: 9 A 1430/06, NVwZ-RR 1998, 775 ff. und Urt. v. 17.03.1998, Az.: 9 A 3871/96, KStZ 1999, 37 ff.
19
BVerwG, Beschl. v. 05.11.2001, Az.: 9 B 50/01,
NVwZ-RR
2002, 217 ff., 219.
20
SächsOVG, Urt. v. 18.06.2009, Az.: 5 A 67/08, UA S. 18 unter Nr. II.1.c) bb).
21
BVerwG, Beschl. v. 28.08.2008, Az.: 9 B 40/08, NVwZ 2009, 255 ff.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 53
Auch das OVG Münster vertritt mittlerweile eine differenzierte Einschätzung. Es hat seine Rechtsprechung dahingehend
modifiziert, dass im Zusammenhang mit der Quersubventionierung von Eigenkompostierern nicht mehr durchgängig auf die
vorgenannten Grundsätze der Typengerechtigkeit abgestellt wird. Vielmehr stützt das OVG Münster seine Rechtsprechung,
wonach Eigenkompostierern ein angemessener Abschlag zu gewähren ist, nunmehr vorrangig auf die gesetzlichen Vorschriften
des Abfallgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen in § 9 Abs. 2 Satz 5 und § 9 Abs. 2 Satz 7 LAbfG NRW.
Gemäß § 9 Abs. 2 Satz 5 2. Halbsatz LAbfG NRW soll es insbesondere zulässig sein, verschiedene Abfallentsorgungs-
teilleistungen über die Erhebung einer einheitlichen Abfallgebühr abzurechnen. § 9 Abs. 2 Satz 7 LAbfG NRW verlangt
ausdrücklich, dass den Eigenkompostierern bei der Gebührenbemessung ein angemessener Abschlag zu gewähren ist. Nach
dem OVG Münster kann sich ein dahingehender Abschlag
auch dann als angemessen erweisen, wenn er nicht sämtliche
Kostenanteile für die Bioabfallentsorgung beinhaltet. Im Hinblick auf die Angemessenheit des Abschlags wird dem
Satzungsgeber bei der Bemessung der Abschlagshöhe ein Bewertungsspielraum eröffnet. Der Abschlag darf nur nicht außer
Verhältnis zu den besagten Kostenersparnissen durch den Eigenkompostierer bzw. Vorteilen der kommunalen
Bioabfallentsorgung für den Eigenkompostierer stehen.
22
Laut OVG Münster soll § 9 Abs. 2 Satz 7 LAbfG NRW den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auch nicht darauf
beschränken, den Abschlag so zu bemessen, dass die Eigenkompostierer
„nur noch“ an den Vorhaltekosten für die
Bioabfallentsorgung beteiligt werden. Eine anteilige Quersubventionierung der Biotonne soll auch kein Verbot bzw. keine
unzumutbare Erschwerung der Eigenkompostierung nach sich ziehen.
Im zu entscheidenden Fall betrug die Höhe des Eigenkompostiererabschlags von der Restmüllgebühr ca. 30 % des
Gebührenaufkommens von einem Durchschnittshaushalt. Dies hielt das OVG Münster offenbar für ausreichend. Dagegen wird
es nach wie vor für unzulässig gehalten, Eigenkompostierer dem Anschlusszwang über die Biomülltonne zu unterwerfen, ohne
dass eine Befreiungsmöglichkeit besteht.
23
Auch das OVG Lüneburg hat insoweit eine zumindest teilweise Freistellung von
Zusatzgebühren für erforderlich gehalten.
Im zu entscheidenden Fall musste jeder Anschlusspflichtige zumindest einen Bioabfallnormbehälter mit 20 l Füllraum bei 14-
täglicher Abfuhr zu einer jährlichen Gebühr von 35,00 € bereithalten. Dies wurde sowohl vom VG Oldenburg als auch vom OVG
Lüneburg für unzulässig gehalten.
c)
SächsOVG vom 11.12.2002
Das SächsOVG hat in einem Urteil aus dem Jahr 2002
24
aus dem Gleichheitsgrundsatz des Art. 3 Abs. 1 GG einen Grundsatz
der Leistungsproportionalität abgeleitet und damit grundsätzlich wieder an den vom OVG Münster entwickelten Grundsatz der
Typengerechtigkeit angeknüpft.
Im zu entscheidenden Fall hatte der Satzungsgeber die Kosten der Bioabfallentsorgung zum einen über die Leerungsgebühr
Restabfall, zum anderen über die Sondergebühr Bioabfallentsorgung refinanziert. Eine Fest- oder Grundgebühr für Restabfall
hatte dagegen die Kommune nicht erhoben. In der Einheitsgebühr Restabfall, die nach Behältervolumen und
Entleerungsrhythmus gestaffelt war, waren Kosten des Einsammelns und Beförderns von Bioabfällen eingestellt worden. Die
Sondergebühr Bioabfall dagegen (ebenfalls volumen- und leerungsabhängig bemessen) diente zur Refinanzierung der
Verwertungskosten für Bioabfall. Sie belief sich für einen Behälter gleicher Größe wie beim Restabfall auf noch nicht einmal die
Hälfte der Jahresgebühr.
Vom Oberwaltungsgericht wurde dies im zu entscheidenden Fall nicht für schlechthin unzulässig gehalten, obwohl bei dieser
Gebührenstruktur über die Leerungsgebühr Restabfall auch die Eigenkompostierer zu einem Teil an den
Bioabfallentsorgungskosten beteiligt wurden. Dabei ging das Gericht davon aus, dass die Befugnis der Eigenkompostierer,
gelegentlich in größeren Mengen anfallenden organischen Abfall direkt an den entsprechenden Annahmestellen des
22
OVG Münster, Beschl. v. 05.12.2003, a.a.O., Rn. 22.
23
So auch VG Oldenburg, Beschl. v. 16.02.2005, Az.: 2 A 2683/04; bestätigt durch OVG Lüneburg, Beschluss v. 19.12.2005, Az.: 2 A 2341/03.
24
Urt. v. 11.12.2002, Az.: 5 D 40/00

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 54
Aufgabenträgers anzuliefern ein Grund sein könne, der die Belastung der Eigenkompostierer mit Vorhaltekosten für Bioabfall zu
rechtfertigen geeignet sei.
Daneben wurden im zu entscheidenden Fall die Eigenkompostierer aber auch mit (variablen) Kosten des Einsammelns und
Beförderns belastet. Weder aus dem möglichen Ziel des Satzungsgebers, durch die Belastung mit diesen Kosten dem
Anreizgebot aus § 3a Abs. 3 SächsAGB Rechnung zu tragen, noch aus der Möglichkeit für die Eigenkompostierer, gelegentlich
Grünschnitt anzuliefern, konnte das OVG dagegen eine Rechtfertigung für die Heranziehung der Eigenkompostierer zu
variablen Sammlungskosten ableiten. Allerdings soll nach dem OVG der Grundsatz der Verwaltungspraktikabilität
einen
sachlichen, rechtfertigenden Grund
bilden können. Jedenfalls soll dies dann gelten, wenn die vom OVG ebenfall
herangezogenen Kriterien der Typengerechtigkeit
zutreffen.
Bei deren Heranziehung hatte sich das OVG noch an der Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts (für die Erhebung
von Abgaben für die Trinkwasserversorgung oder Abwasserbeseitigung) orientiert.
25
Danach soll eine Ungleichbehandlung erst
dann nicht mehr zu rechtfertigen sein, wenn die Gruppe, die von der Inanspruchnahme der Leistung abweicht, mehr als 20 %
beträgt. Dabei soll diese Grenze sogar überschritten werden können, wenn die Belastung dieser Gruppe mit
Gebührenmehrkosten nicht mehr als 10 % beträgt. Jedoch soll diese Belastung erst dann ins Gewicht fallen, wenn sie über
einen Zeitraum von etwa vier Jahren fortdauernd überschritten wird.
Von diesen Prozentgrenzen ist das SächsOVG unter Hinweis auf zwischenzeitlich ergangene Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2004
26
(ebenfalls zur Erhebung von Abgaben im Bereich der Abwasserentsorgung)
wieder abgerückt. Dort hatte das Bundesverwaltungsgericht in einer Entscheidung über einen Abwasserbeitrag betont, aus
seiner bisherigen, dahingehenden Rechtsprechung könne nicht der Schluss gezogen werden, Satzungsverstöße seien
unbeachtlich, wenn die Beitragsmehrbelastung nicht mehr als 10 % beträgt.
Das OVG hat dann in einer Entscheidung aus dem Jahr 2009, in dem es den Grundsatz der Typengerechtigkeit erneut als
Prüfungsmaßstab anlegte, vor diesem Hintergrund nicht auf die Intensität der Belastung der betroffenen Gruppe abgestellt,
sondern nur noch auf die Prozentzahl der betroffenen Gruppe. Die Differenzierung des BVerwG zwischen Wasser- und
Abwassergebühren einerseits und Abfallgebühren andererseits hat das OVG dagegen auch hier nicht nachvollzogen: Wie oben
bereits dargelegt, wendet das Bundesverwaltungsgericht den Grundsatz der Typengerechtigkeit oder
Teilleistungsproportionalität im Abfallgebührenrecht ohnehin nicht an – im Unterschied zum Bereich der Trinkwasserversorgung
und Abwasserentsorgung.
Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass das SächsOVG jedenfalls – auch unter Beachtung des Grundsatzes der
Typengerechtigkeit – eine Belastung der Eigenkompostierer mit den Vorhaltekosten der Bioabfallentsorgung für zulässig hält.
Die davon abweichende Einschätzung des VGH Kassel, wonach sich die Erhebung einer Grundgebühr für Bioabfall gegenüber
den Eigenkompostierern verbietet, übersieht, dass auch das BVerwG die Beteiligung dieser Gruppe an den Vorhaltekosten aus
Gründen der Gleichbehandlung für unkritisch gehalten, sogar eine weitergehende Belastung als gerechtfertigt angesehen hat.
Von daher darf diese Entscheidung nicht überbewertet werden.
Im 2002 vom Sächsischen OVG entschiedenen Fall betrug der Anteil der Selbstkompostierer allerdings nur 3,2 % der
angeschlossenen Haushalte. Die in die Gebühren zu Lasten der Eigenkompostierer eingestellten Kosten der
Bioabfallentsorgung beliefen sich auf insgesamt nur 11,5 % der Gesamtkosten. Auch von daher erachtete das SächsOVG die
Grenze der Teilleistungsproportionalität aus Art. 3 als noch nicht überschritten.
Dabei wurde vom SächsOVG offenbar übersehen, dass das Bundesverwaltungsgericht aus Art. 3 Abs. 1 GG in seiner
Entscheidung vom 20.12.2000 gerade kein striktes Gebot der Teilleistungsproportionalität ableiten wollte.
25
So wird auf Seite 14 des UA auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 16.09.1981, NVwZ 1982, 622 verwiesen.
26
BVerwG, Urt. v. 29.09.2004, Az.: 10 C 3/04

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 55
d) Zwischenergebnis
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Für die Frage, ob und in welchem Umfang innerhalb eines Teilgebiets die Eigenkompostierer
an Kosten der
Bioabfallentsorgung beteiligt werden können, ist in erster Linie der verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgrundsatz i.S.v.
Art. 3 Abs. 1 GG maßgeblich.
Nach zutreffender Einschätzung des Bundesverwaltungsgerichts soll dagegen aus Art. 3 Abs. 1 GG kein strikter Grundsatz der
Teilleistungsproportionalität folgen. Orientiert man sich an dieser Auslegung des Art 3 Abs. 1 GG, folgt hieraus, dass auch die
Eigenkompostierer bis zu einem gewissen Grad an Kosten der Bioabfallentsorgung beteiligt werden können. Dagegen ist es
nicht
zwingend erforderlich, kostendeckende (Sonder-) Bioabfallgebühren zu kalkulieren, die ausschließlich von den Nutzern
der Bioabfallentsorgung im Teilgebiet erhoben werden. Insoweit ist § 9 Abs. 3 Satz 2 entgegen seinem Wortlaut nach Sinn und
Zweck der Regelung u. E. teleologisch zu erweitern.
Nach dem Bundesverwaltungsgericht dürfen die Eigenkompostierer sowohl durch einen Anteil von Bioabfallentsorgungskosten
an der Grundgebühr
als auch an der Leistungsgebühr Restabfall an den Kosten für die Bioabfallentsorgung beteiligt werden.
Jedenfalls erweist sich dies nach dem BVerwG dann als zulässig, wenn daneben noch eine Bioabfall-(Sonder-)
Leistungsgebühr erhoben wird. Im vom Gericht entschiedenen Fall wies die Gebühr dieselbe Höhe auf wie die
Restabfallleerungsgebühr. Hinzu kam, dass die ersten 60 l Bioabfall
von der variablen Bioabfallgebühr freigestellt sein sollten.
Auf den Grundsatz der Typengerechtigkeit soll es dagegen nach dem Bundesverwaltungsgericht im Bereich der Abfallgebühren
nicht ankommen. Deswegen kann sich im Einzelfall eine Beteiligung der Eigenkompostierer jedenfalls nach dem
Bundesverwaltungsgericht auch dann rechtfertigen lassen, wenn die Gruppe größer als 10 % der angeschlossenen Haushalte
ist und sich die Belastung
mit Kosten der Abfallentsorgung als nicht unerheblich erweist (wovon ab ca. 20 % des
Gebührenanteils auszugehen sein dürfte).
Auch das SächsOVG hält jedenfalls die Belastung der Eigenkompostierer mit Vorhaltekosten
für die Bioabfallentsorgung für
gerechtfertigt. Für eine darüber hinausgehende Belastung mit variablen Kosten des Einsammelns und Beförderns zieht das
Gericht jedoch den Grundsatz der Typengerechtigkeit heran. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Gerichts aus dem Jahr
2009 hierzu kommt es für die Einhaltung dieses Grundsatzes dann in erster Linie darauf an, dass die Gruppe der Nichtnutzer
nicht mehr als 10 % ausmacht. Dabei ist u. E. nicht davon auszugehen, dass das Sächs OVG an dieser Rechtsprechung
festhalten würde, wenn es im Streitfall auf die differenzierte Einschätzung hierzu durch das Bundesverwaltungsgericht
hingewiesen wird.
Von daher ist zu empfehlen, eine variable Bioabfallentsorgungsgebühr
zu erheben, die nur den Nutzern der Biotonne auferlegt
wird. Diese muss jedoch nicht alle Kosten abdecken. Zudem können die Vorhaltekosten
für die Bioabfallentsorgung können
auch entweder in die Grund- oder Festgebühr
oder in die Leerungsgebühr Restabfall eingestellt werden. Nach der Sächsischen
Rechtsprechung erweist sich auch eine Belastung der Eigenkompostierer mit Kosten jenseits der Vorhaltekosten als zulässig,
wenn die davon betroffene Gruppe nicht mehr als 10 % ausmacht.
Will der öffentlich-rechtliche Entsorgungsträger diesbezüglich auf der sicheren Seite liegen, weil er gesicherte Kenntnisse hat,
dass im Teilgebiet, indem die Bioabfallentsorgung angeboten wird, mehr als 10 % Eigenkompostierer beheimatet sind, kann er
dem durch einen (angemessenen) Abschlag
von den Restabfallgebühren Rechnung tragen. Nach dem OVG Münster kann sich
ein derartiger Abschlag als angemessen erweisen, wenn er ca. 10 % beträgt, soweit dies in etwa der Kostenstruktur entspricht.
Dagegen dürfte es sich jedenfalls als unzulässig erweisen, die Eigenkompostierer einem (ausnahmslosen) Anschlusszwang für
die Biotonne zu unterwerfen. Nach dem Bundesverwaltungsgericht soll es schon ausreichen, wenn es sich hierbei um einen
faktischen,
„finanziellen Anschlusszwang“ handelt. Was genau darunter zu verstehen ist, hat das Bundesverwaltungsgericht
allerdings nicht näher ausgeführt. In dem von ihm entschiedenen Fall sah es einen finanziellen Anschlusszwang als nicht
gegeben. Vielmehr hielt es die dortige Belastung von Eigenkompostierern mit fixen und variablen Kosten der
Bioabfallsammlung für gerechtfertigt, auch die Freistellung der Biotonnennutzer von den ersten 60 l Zusatzgebühr erachtete das
Gericht als einen zulässigen, „werbenden“ Anreiz.

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 56
9.
Bedeutung des Anreizgebotes aus § 3a Abs. 3 SächsABG
Nach § 3a Abs. 3 des Sächsischen Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetzes
27
(SächsABG) sind durch die Gestaltung der
Gebühren und sonstigen Entgelte effektive Anreize zur Vermeidung, Verwertung und umweltverträglichen Beseitigung von
Abfällen zu schaffen. § 3a Abs. 3 Satz 2 SächsABG stellt insoweit klar, dass dieser Anreiz auf fixe Vorhaltekosten keine
Anwendung findet. Auch dies spricht dafür, dass jedenfalls die fixen Vorhaltekosten der Bioabfallentsorgung auch auf die
Eigenkompostierer umgelegt werden können. In der Aufzählung von § 3 a Abs. 3 Satz 1 SächsABG werden die Begriffe der
Vermeidung, Verwertung und umweltverträglichen Beseitigung in einer Aufzählung nebeneinandergestellt.
Das Sächs OVG geht gleichwohl davon aus, dass den Vermeidungsanreizen
insoweit Vorrang zukommen soll.
Den Vermeidungsanreizen
soll nach dem Sächs OVG dann Rechnung getragen sein, wenn sich ein umweltbewusstes und
Abfall vermeidendes Verhalten beim Gebührenschuldner auch finanziell spürbar auswirkt. Dabei ist das Sächs OVG von seiner
früheren Forderung, die Grundgebührenbelastung dürfe diejenige durch leistungsabhängige Gebühren nicht überwiegen bzw.
müsse geringer ausfallen als 50 %, wieder abgerückt.
Nunmehr nimmt das Sächs OVG eine Gesamtabwägung der Bestimmungen zur Nutzung der Abfallentsorgung und der hierfür
vorgesehenen Gebührenerhebungen vor. Dann kann es für die Einhaltung des Anreizgebotes zur Vermeidung von Abfällen
auch ausreichen, wenn bei einem 14-täglichen Abfuhrrhythmus die Möglichkeit besteht, die Zahl der Behälterleerungen – bis zu
einer Untergrenze von Mindestleerungen – zu beeinflussen. Dann nämlich kann eine Ersparnis in Höhe der Differenz zwischen
dem 26 Regelleerungen und den (i.d.R. wenigen) Mindestleerungen bewirkt werden.
Eine Mindestleerungsgebühr wird für zulässig erachtet, wenn sie sich an dem Verhalten eines konsequent vermeidenden
Abfallbesitzers orientiert, wovon nach Erfahrungswerten des Gerichts bei einer Abgeltung von ca. 5 bis 7 l pro Person und
Woche ausgegangen werden kann. Werden diese Prämissen jedenfalls für die Restabfallentsorgung eingehalten, dürfte dem
Anreizgebot zur Schaffung von Vermeidungsanreizen i. S. v. § 3 a Abs. 3 Satz 1 auch nach dem Sächs OVG Genüge getan
sein.
Andere Lenkungsziele, wie beispielsweise Anreize zur Verwertung
gesonderter Fraktionen durch die öffentlich-rechtlichen
Entsorgungsträger (wie z. B. beim Bioabfall) sollen nach dem OVG umgesetzt werden dürfen, wenn sie ein die Vermeidung
tragendes Gebührenkonzept abrunden, nicht
aber die Abfallvermeidung „gleichsam in den Hintergrund drängen“. Insoweit misst
das Sächsische OVG dem Vermeidungsanreiz Priorität zu. Es bezieht sich dabei auf die Stufenfolge bzw. Abfallhierarchie des
KrW/-AbfG
In der Abfallwirtschaft wird – darauf deuten Ausführungen der Bioabfallpotenzialstudie hin – davon ausgegangen, dass eine
Überlassung größerer Mengen von Bioabfall an den Aufgabenträger und damit eine optimale Verwertung dieser Materialien
durch diesen bei gesonderter Bioabfallentsorgung in erster Linie dann bewirkt werden kann, wenn die Zusatzkosten für die
Bioabfallentsorgung bzw. die Zusatzgebühren im Verhältnis zu den übrigen Gebühren gering ausfallen. Zudem ist auch
denkbar, dass eine Regelentsorgungsgebühr für Bioabfälle mit festen Leerungsrhythmen jedenfalls bei der
Bioabfallzusatzgebühr einen Anreiz für die Überlassung größtmöglicher Mengen bilden könnte.
Auch vor dem Hintergrund der Auffassung des Sächs OVG zur „absoluten“ Priorität von Vermeidungsanreizen dürfte sich eine
solche Struktur der Bioabfallentsorgung dann rechtfertigen lassen, wenn den Vermeidungsanreizen jedenfalls für die
Restabfallgebühr nach den obigen Grundsätzen ausreichend Rechnung getragen wird. Dabei ist kritisch anzumerken, dass die
Auffassung des Oberverwaltungsgerichts vom Vorrang der Vermeidungsanreize im Gegensatz zu der dahingehenden
Auslegung des Bundesverwaltungsgerichts steht:
27
I.d.F. der Bekanntmachung vom 31.05.1999 (Sächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt, S. 261), zuletzt geändert durch Art. 67 des Gesetzes v. 29.01.2008 ((Sächsisches Gesetz- und
Verordnungsblatt, S. 138).

Schriftenreihe des LfULG, Heft 10/2012 | 57
Das BVerwG hat – auch bei Heranziehung der Vorschriften aus dem Bundesabfallrecht im Kreislaufwirtschafts- und
Abfallgesetz – keinen Vorrang
der Vermeidungsanreize erkennen können, wie sich den Ausführungen im Urteil vom 20.12.2000
entnehmen lässt.
Lassen sich also in einem Gebiet des öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgers Vermeidungsanreize im Einzelfall nur schwer
umsetzen, während – gegenläufige – Verwertungsansätze erfolgreich sind, ließe sich auch dieser Widerspruch der
Rechtsprechung des SächsOVG zu derjenigen des Bundesverwaltungsgerichts vortragen. Gleichzeitig hat das Sächs OVG das
Anreizgebot
aus § 3 a Abs. 3 Sächs ABG als Rechtfertigungsgrund für die Erhebung von Einheitsgebühren angesehen, über
die mehrere Teilleistungen abgerechnet werden. Eine sondergesetzlichen Landesbestimmung, wie z. B. § 12 Abs. 4 des
Niedersächsischen Abfallgesetzes oder § 9 Abs. 2 Satz 7 des Abfallgesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen, soll dagegen im
Freistaat Sachsen nach dem Sächs OVG nicht erforderlich sein, um die Erhebung von Einheitsgebühren zu rechtfertigen, in die
die Kosten für mehrere Teilleistungen eingestellt werden.
Als Begründung hat das Sächs OVG hierzu ausgeführt, eine Einheitsgebühr sei immer dazu geeignet, Anreize zur Überlassung
gesondert erfasster Fraktionen und damit zur Verwertung durch den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger zu schaffen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Das Sächs OVG ist der Auffassung, neben Verwertungsanreizen i. S. v. § 3 a Abs. 3 Sächs ABG müsse den
Vermeidungsanreizen
durch das Gebührensystems Priorität zukommen. Dies wird vom Sächs OVG mit einer Berufung auf die
Auslegung des KrW-/AbfG und die dortige Abfallhierarchie begründet. Das Bundesverwaltungsgericht hat dagegen in der
Entscheidung vom 20.12.2000 dem KrW-/AbfG für die Gebührengestaltung insbesondere bei der Bioabfallentsorgung keine
Priorität entnehmen können. Aus dem Wortlaut
von § 3 a Abs. 3 Satz 1 SächsABG allein lässt sich die Priorität nicht begründen:
Die Begriffe Vermeidung, Verwertung und umweltverträgliche Beseitigung stehen dort gleichberechtigt nebeneinander.
Auch der Sächsischen Rechtsprechung dürfte aber Genüge getan sein, wenn neben spezifischen Verwertungsanreizen durch
die Ausgestaltung der Sondergebühren Bioabfall jedenfalls für die Restabfälle eine ausreichend gewichtige, mengenabhängige
Vergütung vorgesehen ist, so dass die Gebührenschuldner durch die überlassene Menge an Restabfall
die Höhe der Gebühren
erheblich beeinflussen können.
Dagegen dürfte es sich für die Ausgestaltung der Zusatzgebühren Bioabfall
empfehlen, diese möglichst niedrig – und niedriger
als die Restabfallleerungsgebühren – auszugestalten. Es kann auch überlegt werden, eine Jahresgebühr Restabfallentsorgung
mit festen Leerungsrhythmen vorzusehen.
Zudem soll das Anreizgebot aus § 3a Abs. 3 Sächs ABG die Refinanzierung von Kosten für diverse Teilleistungen bezogen auf
Abfallfraktionen, die gesondert erfasst und vom öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger verwertet werden – über eine
Einheitsgebühr rechtfertigen. Eine gesonderte, gesetzliche Ermächtigung wie im Niedersächsischen Abfallrecht oder im
Abfallgesetz Nordrhein-Westfalen hält das Sächs OVG hierfür nicht für erforderlich.