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Dr. Anita Tisch
Bundesanstalt für Arbeitsschutz
und Arbeitsmedizin
Veränderungen in der
Arbeitswelt: Arbeitzeiten 4.0
„Flexibles Arbeiten im digitalen Zeitalter“
Dresden 19.06.2018

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Wandel der Arbeit
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Globalisierung
Tertiärisierung
Digitalisierung und Technologisierung
(z. B. neue Informations- und Kommunikationstechnologien)
Veränderte Zusammensetzung von Belegschaften
(durch Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren)
Wertewandel
weitere
gesellschaftliche
Entwicklungen

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Wandel der Arbeit
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Globalisierung
Tertiärisierung
Digitalisierung und Technologisierung
(z. B. neue Informations- und Kommunikationstechnologien)
Veränderte Zusammensetzung von Belegschaften
(durch Zunahme der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren)
Wertewandel
weitere
gesellschaftliche
Entwicklungen
Spannungsfeld „Arbeitszeit“:
Markterfordernisse, Kundenwünsche
und Mitarbeiterbedürfnisse

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Arbeitszeit und Gesundheit
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Personenbezogene
Merkmale:
Geschlecht, Alter
Bildung
Betriebliche
Merkmale:
Wirtschaftsbereiche,
Betriebsgröße
subjektiv eingeschätzter
Gesundheitszustand,
spezifische
gesundheitliche
Beschwerden
ARBEITSZEITMERKMALE
gesundheitliche Situation der
Beschäftigten
Lage
Länge
Flexibilität

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BAuA Arbeitszeitbefragung
Telefonische Befragung
von 20.030 Erwerbstätigen im
Zeitraum von Mai bis Oktober 2015
Wiederholungsbefragung Mai bis Oktober 2017
Zufallsstichprobe
Grundgesamtheit = alle Personen ab 15 Jahren in Deutschland, die einer
bezahlten
Erwerbstätigkeit von mindestens 10 Stunden pro Woche
nachgehen
Kalibrierung der Daten am Mikrozensus
Repräsentativ
für Gesamtdeutschland und alle Branchen
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Arbeitszeit im Wandel: Länge
Insgesamt hat die durchschnittliche
Wochenarbeitszeit seit 1991 um
rund 3 Stunden abgenommen.
Dies ist insbesondere auf die
deutliche Zunahme an
Teilzeitbeschäftigten
zurückzuführen. (1991: 14%; 2016:
28%).
Bei den Vollzeiterwerbstätigen ist
die Arbeitszeit über die Jahre
relativ konstant geblieben.
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Arbeitszeit im Wandel: Länge aktuell
Im Durchschnitt arbeiten Vollzeitbeschäftigte 43,5 Stunden/Woche und damit
knapp 5 Stunden länger als vereinbart.
Personen mit langen (>40h) und überlangen (>48h) Arbeitszeiten lassen
gesetzlich vorgeschriebene
Pausen häufiger ausfallen
.
8
Tatsächliche Wochenarbeitszeit nach Geschlecht.
Quelle: BAuA AZ-Report
und berichten häufiger von
starkem
Termin- oder
Leistungsdruck
.
etwa 20 % der Männer und
Frauen mit überlangen
Arbeitszeiten (>48h) fühlen
sich durch die Arbeitsmenge
überfordert
(Teilzeitbeschäftigte 11%,
moderate/lange Vollzeit 11-
13%)

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Arbeitszeit im Wandel: Länge aktuell
Überstunden
53%
der Befragten machen keine oder
maximal bis zu zwei
Überstunden
pro
Woche
22 %
zwei bis zu fünf,
15 %
fünf bis zehn,
9 %
mehr als zehn Überstunden.
Hauptgrund für Überstunden

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Länge der Arbeitszeit und Gesundheit
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Lange oder überlange Arbeitszeiten sowie häufige Überstunden
gehen tendenziell einher mit ...
mehr gesundheitlichen Beschwerden
einer schlechteren allgemeinen Gesundheit
einer geringeren Arbeitszufriedenheit
einer schlechteren Work-Life-Balance.

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Länge der Arbeitszeit und Gesundheit
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Überstunden

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Länge der Arbeitszeit und Gesundheit
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Länge der Arbeitszeit
Zufriedenheit mit der
Work-Life-Balance nach Länge
der Arbeitszeit und Geschlecht

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Arbeitszeit im Wandel: Lage
Zunahme Schichtarbeit/versetzte Arbeitszeiten:
Und auch Schichtarbeit sowie versetzte Arbeitszeiten haben
zugenommen. Auch sind immer mehr ältere Erwerbspersonen in
Schichtarbeit zu finden.
Zunahme der Wochenendarbeit:
Der Anteil der Erwerbstätigen, die samstags arbeiten, stieg von
21,1 % (1992) auf 25,3 % (2016). Der Anteil der
Sonntagsarbeiterinnen und -arbeiter stieg von 10,4 % auf 14,1 %.
13
Zunahme der Abendarbeit:
Der Anteil der Erwerbstätigen, die abends arbeiten,
ist zwischen 1992 (15,5 %) und 2016 (25,2 %) um
9,7 Prozentpunkte gestiegen.

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Arbeitszeit im Wandel: Lage aktuell
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Schichtarbeit
Lage der Arbeitszeit
von abhängig Beschäftigten

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Lage der Arbeitszeit und Gesundheit
15
Schichtarbeit
Gesundheitliche Beschwerden
nach Lage der Arbeitszeit

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Arbeitszeit im Wandel: Lage aktuell
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Wochenendarbeit
43% der Beschäftigten arbeiten
mindestens einmal im Monat am
Wochenende.

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Lage der Arbeitszeit und Gesundheit
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Wochenendarbeit
Gesundheitliche Beschwerden
bei Wochenendarbeit

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Arbeitszeit im Wandel: Flexibilität
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Flexibilitätsmöglichkeiten
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Etwa 4 von 10 Beschäftigten haben selber großen Einfluss darauf,
wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und sie beenden (38 %) oder
wann sie ein paar Stunden freinehmen (44 %).
Beschäftigte in der Industrie sowie in größeren Betrieben haben die
größten Handlungsspielräume im Hinblick auf ihre Arbeitszeit, während
sie im Handwerk und in kleineren Betrieben am geringsten sind.
Diese Möglichkeiten gehen mit einer besseren
Gesundheit und Work-Life-Balance einher.
Einfluss auf die Arbeitszeit
Inwiefern kann selbstbestimmte Flexibilität im Hinblick
auf die Arbeitszeit für Beschäftigte als Ressource
für Gesundheit und Wohlbefinden wirksam werden?

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Flexibilitätsmöglichkeiten
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Beschäftigte in größeren
Betrieben sowie hochqualifizierte
Beschäftigte haben die größten
zeitlichen Handlungsspielräume.

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Beschäftigte mit Flexibilitätsmöglichkeiten sind gesünder
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Gesundheitliche Beschwerden
bei Einflussmöglichkeit auf
Arbeitsbeginn und -ende
(abhängig Beschäftigte;
18 021 ≤ n ≤ 18 035)
Einfluss auf die Arbeitszeit

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Beschäftigte mit Flexibilitätsmöglichkeiten sind zufriedener
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Zufriedenheit mit der
Work-Life-Balance bei
Einflussmöglichkeit auf
Arbeitsbeginn und -ende,
Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigung
und Geschlecht
Einfluss auf die Arbeitszeit

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Wandel von Flexibilitätsanforderungen
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BMAS Monitor „Digitalisierung am Arbeitsplatz“
65 % der Beschäftigten nehmen
eine Verdichtung der Arbeit wahr

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Flexibilitätsanforderungen
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Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit und Arbeit auf Abruf
Warum gibt es Arbeit auf Abruf und wie ist diese geregelt?
kurzfristige Auftragsschwankungen
Kundenwünsche
krankheitsbedingte Ausfälle
etc.
Personalengpässe/ -überschuss
= kurzfristige Änderungen des
Personalbedarfs
Bei Arbeit auf Abruf wird der Beginn und/ oder das Ende der
täglichen, wöchentlichen oder monatlichen Arbeitszeit nach
Bedarf angesetzt.
Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz (§ 12) müssen die
Beschäftigten mindestens 4 Tage im Voraus über die Lage ihrer
Arbeitszeit informiert werden.

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Flexibilitätsanforderungen
25
Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit und Arbeit auf Abruf
Warum ist ein genauerer Blick auf dieses Thema so wichtig?
Bisherige Forschung hat gezeigt, dass insbesondere betriebsbedingte
Änderungen der Länge und Lage der Arbeitszeit und dir damit verbundene
Planbarkeit / Vorhersehbarkeit Auswirkungen auf die Gesundheit und
Zufriedenheit von Erwerbstätigen haben können.
(z. B. Bohle, Quinlan, Kennedy & Williamson, 2004; Costa et al., 2004)

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Flexibilitätsanforderungen
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Arbeitszeitänderungen
aufgrund betrieblicher
Erfordernisse kommen bei
14 %
der Erwerbstätigen
häufig
vor.
Arbeit auf Abruf und häufige Änderungen der
Arbeitszeiten nach Wirtschaftsbereich
Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit

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Flexibilitätsanforderungen
27
Von allen abhängig Beschäftigten
arbeiten
7 %
an mindestens
einem Tag pro Monat auf Abruf.
Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit

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Flexibilitätsanforderungen
28
55 %
derjenigen, die ihre
Arbeitszeiten an betriebliche
Erfordernisse anpassen müssen,
fühlen sich dadurch belastet.
Bündelung von Belastungen in
bestimmten Branchen!
Belastungsempfinden durch häufige
betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit
nach Geschlecht und Alter
Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit

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Flexibilitätsanforderungen
29
Gesundheitliche Beschwerden bei
Arbeit auf Abruf
Betriebsbedingte Änderungen der Arbeitszeit

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Flexibilitätsanforderungen
30
Ständige Erreichbarkeit

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Flexibilitätsanforderungen
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Ständige Erreichbarkeit
Ständige Erreichbarkeit nimmt mit
zunehmender Arbeitszeitlänge und
Arbeitsintensität zu.
Die ständige Erreichbarkeit ist bei
Führungskräften höher ausgeprägt als bei
Beschäftigten ohne Führungsverantwortung
und nimmt mit der Führungsspanne zu.
Oft sind auch Beschäftigte in einfacheren
Tätigkeiten (vor allem im
Dienstleistungsbereich) betroffen.
Beschäftigte in kleineren und mittleren
Unternehmen sind häufiger betroffen.

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Flexibilitätsanforderungen
32
Ständige Erreichbarkeit
Gesundheitliche Beschwerden bei
ständiger Erreichbarkeit

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Fazit: Arbeitszeitgesetz = Arbeitsschutzgesetz
Die Zunahme von sowohl Flexibilisierungswünschen als
auch Flexibilitätsanforderungen stellen den
Arbeitsschutz aus arbeitswissenschaftlicher Sicht vor
neue Herausforderungen.
- Schutz vor Überforderung und Entgrenzung (sowie vor
interessierter Selbstgefährdung)
- Mitspracherecht bei der Arbeitszeitgestaltung (und
sozialpartnerschaftlich ausgehandelte Flexibilität, die dem
Gesundheitsschutz Rechnung trägt)
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www.baua.de
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F2431 Erholung innerhalb und außerhalb des Arbeitskontextes
Projektdauer
2018-2021
Forschungsthema
Arbeitszeitgestaltung und Erholung
Zielgruppe
Beschäftigte im Bereich Wissens- und
Interaktionsarbeit
Region
Sachsen (Mitteldeutschland)
Interessenten und mögliche Unterstützer
melden Sich bitte bei:
Dr. Johannes Wendsche (BAuA Dresden)
wendsche.johannes@baua.bund.de

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Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
Dr. Anita Tisch
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)
Fachbereich Grundsatzfragen und Programme
FG “Wandel der Arbeit”
Friedrich-Henkel-Weg 1-25 | 44149 Dortmund
Tisch.Anita@baua.bund.de
+49 (0) 231-9071-2874

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Trennung von Arbeit und Privatleben
70%
30%
Mir ist es wichtig Arbeit und Privatleben zu trennen
trifft (voll und ganz) zu
trifft (überhaupt) nicht zu
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Arbeitszeiterfassung - digital
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Management ständiger Erreichbarkeit
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www.erreichbarkeit.eu

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Gefährdungsbeurteilung Arbeitszeit
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https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-
Betrieb/Arbeitszeit/Checkliste-Arbeitszeit.html